Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
12 January 1923, Dornach
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Living Knowledge of Nature, Intellectual Fall from Grace and Spiritual Elevation from Sin, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Es gibt im Laufe der Weltgeschichte Symptome, an denen sich wie an äußerlich Sichtbarem innerliche Entwickelungskräfte zeigen, und solche Symptome scheinen manchmal in einer äußerlichen Weise mit den innerlichen Entwickelungen zusammenzuhängen. Allein die Zusammenhänge in der Welt, in der Welt des Geistes, der Seele, der Materie, sind ja so tiefer Art, daß oftmals das, was äußerlich erscheint, gerade bei näherer Betrachtung auch als eine wirklich reale Hindeutung auf Inneres zu nehmen ist. Und in einem solchen Sinne darf vielleicht genannt werden wie ein äußeres Zeichen einer bedeutsamen inneren Entwickelung jener Scheiterhaufen, durch den im Jahre 1600 Giordano Bruno in den Tod geführt worden ist. Gerade die Flammen dieses Scheiterhaufens leuchten, ich möchte sagen, dem geschichtlichen Betrachter so entgegen, wie etwas, das eben mit deutlicher Flammenschrift hinweist auf bedeutsame Umwandlungen, die in der ganzen Entwickelungsgeschichte der Menschheit vor sich gehen.
[ 1 ] Throughout world history, there are phenomena through which inner forces of development manifest themselves as outwardly visible signs, and such phenomena sometimes seem to be outwardly connected to these inner developments. Yet the connections in the world—in the world of the spirit, the soul, and matter—are of such a profound nature that what appears externally is often, upon closer examination, to be taken as a truly real indication of what lies within. And in this sense, perhaps the pyre on which Giordano Bruno was led to his death in the year 1600 may be cited as an outward sign of a significant inner development. It is precisely the flames of this pyre that, I would say, shine out at the historical observer as something that points, in clear fiery script, to significant transformations taking place throughout the entire history of human development.
[ 2 ] Wir dürfen ja nicht vergessen, daß drei menschliche Persönlichkeiten uns für jene Zeit des Überganges vom 16. ins 17. Jahrhundert besonders charakteristisch erscheinen: ein Dominikaner, Giordano Bruno; ein Schuster, Jakob Böhme; und ein Lordsiegelbewahrer, Bacon, Baco von Verulam — drei einander scheinbar recht unähnliche Persönlichkeiten, aber gerade in ihrer Unähnlichkeit ungemein charakteristisch für das, was sich während des Entstehens der neueren Weltanschauung, während der Abenddämmerung alter Weltanschauungen in der Entwickelung der Menschheit abgespielt hat.
[ 2 ] We must not forget that three figures seem particularly characteristic of that period of transition from the 16th to the 17th century: a Dominican, Giordano Bruno; a cobbler, Jakob Böhme; and a Lord Keeper of the Great Seal, Bacon, Baco of Verulam—three figures who seem quite dissimilar to one another, but who, precisely in their dissimilarity, are exceptionally characteristic of what took place in the development of humanity during the emergence of the new worldview and the twilight of the old worldviews.
[ 3 ] Jakob Böhme war aus den einfachsten Volksverhältnissen herausgewachsen, schon als Knabe mit einem feinen seelischen Ohr hinhörend auf mancherlei Weisheitsinhalte, die gerade zu seiner Zeit noch im Volke Mitteleuropas gelebt haben, Weisheitsinhalte, welche sich ebenso auf das bezogen, was der Mensch in sich fühlte, wie auf dasjenige, was als Geheimnisse hinter den Naturvorgängen und Naturdingen steht. All diese Volksweisheit war ja zu der Zeit, als das feine seelische Ohr Jakob Böhmes darauf hinhorchen konnte, schon in einem Zustande, durch den es eigentlich unmöglich war, die tiefe Weisheit, deren Reste Jakob Böhme noch hörte, in deutliche Worte zu fassen, so daß man schon genötigt war, tiefe Weisheit in stammelnde, oftmals wenig zutreffende Worte zu fassen. Neben allem Großen muß man ja bei Jakob Böhme sehen, wie er an Worten kaut, um aus den Worten irgend etwas noch herauszuschlagen, was er eigentlich nur gefühlsmäßig — ich möchte sagen aus dem Gewichte heraus — in sich aufgenommen hat, und was diese Weisheitsinhalte in der Volkstradition hatten.
[ 3 ] Jakob Böhme came from the humblest of peasant backgrounds; even as a boy, with a keen spiritual ear, he listened to various teachings of wisdom that were still alive among the people of Central Europe in his time, wisdom that related just as much to what people felt within themselves as to the mysteries lying behind natural processes and phenomena. All this folk wisdom was, at the time when Jakob Böhme’s keen spiritual ear could attune itself to it, already in a state that made it virtually impossible to put the profound wisdom—the remnants of which Jakob Böhme still heard—into clear words, so that one was already compelled to express profound wisdom in stammering, often inaccurate words. Alongside all that is great, one must indeed observe in Jakob Böhme how he chews over words in order to extract from them whatever he had actually absorbed only intuitively—I would say out of their inherent weight—and what these elements of wisdom meant in folk tradition.
[ 4 ] Wir sehen als zweite Persönlichkeit Giordano Bruno — hineingewachsen in die Lehren, die insbesondere im Dominikanerorden waren, jene Lehren, welche, nun auch auf uralter Weisheit fußend, in fein ziselierten Begriffen Einsichten brachten über das Verhältnis des Menschen zur Welt, die in sich selber eine gewisse Stärke und Intensität des Erkennens hatten, aber abgestumpft waren durch die kirchliche Tradition. Und wir sehen, wie sich in der Persönlichkeit Giordano Brunos sozusagen der ganze Drang und die Erkenntinisleidenschaft des Zeitalters, eben des Überganges vom 16. ins 17. Jahrhundert, mit faustischer Gewalt aus der Seele herausarbeitet, wie Giordano Bruno so ganz ein Kind seines Zeitalters ist, wie er neben dem, daß in ihm der Dominikaner lebt, im eminentesten Sinne ein Weltmensch der damaligen Zeit ist, aber eben ein Weltmensch in all der Verfeinerung, in der man es sein kann, wenn man scharf ausgeprägte, plastisch ausgebildete Ideen in die Welt mitbringt. Vielleicht keine Persönlichkeit der damaligen Zeit hat so aus dem allgemeinen Charakter des Zeitalters heraus gesprochen wie gerade Giordano Bruno. Man braucht nur darauf hinzuschauen, wie er genötigt ist, weil er aus der Fülle des Weltbewußtseins heraus reden muß, aber nur die Enge der Menschenseele seiner Zeit zur Verfügung hat, die feinen Ideen, die er während seiner Studienzeit aufgenommen hat, in ein poetisches Kleid zu hüllen; wie er zum erkennenden Poeten, zum poetisierenden Wissenschafter wird, weil in dem Augenblicke, wo er etwas sagen will, ein so reicher seelischer Inhalt in ihm lebt, daß dieser reiche seelische Inhalt alle Begriffe sprengt und er genötigt ist, dem Schwung des Poetischen, des Dichterischen sich hinzugeben, um diese Lichtfülle zum Ausdruck zu bringen. |
[ 4 ] The second figure we encounter is Giordano Bruno—who was steeped in the teachings prevalent particularly within the Dominican Order, teachings which, though rooted in ancient wisdom, offered insights in finely chiseled terms regarding humanity’s relationship to the world. These insights possessed a certain strength and intensity of understanding in and of themselves, but had been dulled by ecclesiastical tradition. And we see how, in the personality of Giordano Bruno, the entire drive and passion for knowledge of that era—namely, the transition from the 16th to the 17th century— with Faustian force, and how Giordano Bruno is so very much a child of his time—how, alongside the Dominican who lives within him, he is in the most eminent sense a man of the world of that era, yet a man of the world with all the refinement one can possess when bringing sharply defined, vividly formed ideas into the world. Perhaps no figure of that era spoke so directly from the general character of the age as Giordano Bruno did. One need only observe how, because he must speak from the fullness of world consciousness yet has at his disposal only the narrowness of the human soul of his time, he is compelled to clothe the subtle ideas he absorbed during his student years in a poetic garb; how he becomes a poet of insight, a scientist who poetizes, because at the very moment he wishes to say something, such a rich inner content lives within him that this rich inner content transcends all concepts, and he is compelled to surrender to the momentum of the poetic, the artistic, in order to give expression to this abundance of light. |
[ 5 ] Und wir sehen auf der andern Seite in Baco von Verulam einen Menschen, der eigentlich den Boden unter den Füßen verloren hat, einen Menschen, der ganz aufgenommen ist von dem äußerlichen Leben seiner Zeit. Er ist Staatsmann, Großsiegelbewahrer,; er ist ein Mensch, der eine große Intelligenz hat, die aber eigentlich in keiner Tradition wurzelt, die zum ersten Mal in groß angelegter Weise dasjenige in der Geschichte der Menschheit heraufbringt, was dann etwas später ein Mensch wie Fichte so sehr verachtet hat — von seinem Standpunkte aus mit Recht verachtet hat: die Banalität der Ratio, die Banalität des Rationalismus.
[ 5 ] And on the other hand, we see in Bacon of Verulam a man who has, in a sense, lost his footing, a man who is completely absorbed by the outward life of his time. He is a statesman, Keeper of the Great Seal; he is a man of great intelligence, yet one whose intellect is not rooted in any tradition; he is the first to bring to the fore on a grand scale in human history that which a man like Fichte would later so deeply despise—and, from his standpoint, rightly despise: the banality of reason, the banality of rationalism.
[ 6 ] Baco von Verulam hat eigentlich in einer geistvollen Weise die Banalität in die Philosophie eingeführt. Wie gesagt, er hat den Boden des Geistigen völlig unter den Füßen verloren, hatte keine Tradition, er nahm’ nur dasjenige als wirklich, was sich den Sinnen äußerlich zeigte, war aber noch nicht imstande, aus der Sinneserfahrung irgend etwas Geistiges herauszuschlagen. Man möchte sagen, er war der umgekehrte Jakob Böhme. Während Jakob Böhme aus der alten Geistigkeit, die nicht mehr verstanden wurde, dennoch überall die Funken des Seelischen und auch die Funken des Materiellen herausschlagen wollte, die Geheimnisse des Seelischen und die Geheimnisse des Materiellen finden wollte aus alten Traditionen, die er dann stammelnd aussprach, so hatte Baco von Verulam nichts dergleichen in sich. Er stand gewissermaßen mit seiner Seele wie mit einer Tabula rasa, mit einer leeren Tafel, der äußerlichen, sinnlichen Welt gegenüber, wendete die Banalität des gewöhnlichen Menschenverstandes, nicht des gesunden, sondern des gewöhnlichen Menschenverstandes auf diese äußere Sinneswelt an, und es kam nichts anderes heraus, als eben der Anfang der Sinneserkenntnis, die jeder Geistigkeit bar ist.
[ 6 ] Baco of Verulam actually introduced banality into philosophy in a witty way. As mentioned, he had completely lost his footing in the spiritual realm; he had no tradition to draw upon. He accepted as real only what presented itself externally to the senses, yet he was not yet capable of extracting anything spiritual from sensory experience. One might say he was the opposite of Jakob Böhme. While Jakob Böhme, drawing on the old spirituality that was no longer understood, nevertheless sought to extract sparks of the spiritual and also sparks of the material from everywhere—seeking to uncover the mysteries of the spiritual and the mysteries of the material from ancient traditions, which he then stammered forth—Baco of Verulam had nothing of the sort within him. He faced the external, sensory world, so to speak, with his soul as a tabula rasa, an empty slate; he applied the banality of ordinary common sense—not sound common sense, but ordinary common sense—to this external sensory world, and nothing else emerged but the very beginning of sensory knowledge, which is devoid of any spirituality.
[ 7 ] So stehen diese drei Persönlichkeiten als Zeitgenossen da. Jakob Böhme ist 1575 geboren, Giordano Bruno, älter, 1548, Lord Bacon 1561. Sie stellen die moderne Zivilisation in ihrem Aufgange dar, jeder in seiner besonderen Art.
[ 7 ] Thus, these three figures stand out as contemporaries. Jakob Böhme was born in 1575, Giordano Bruno—who was older—in 1548, and Lord Bacon in 1561. They represent modern civilization in its early stages, each in his own unique way.
[ 8 ] Nun ist es heute, wo gerade die absteigenden Kräfte am stärksten sind, außerordentlich schwierig, in das innere Weben und Leben solcher Seelen, wie diese drei sind, hineinzuweisen. Denn vieles von dem, worin diese Seelen lebten als in noch durchaus real wirkenden geistigen Anschauungen, ist heute verglommen. Es wird einmal in der Zukunft bei rückschauender Geschichtsbetrachtung ganz gewiß charakterisiert werden, wie unser Zeitalter deshalb, weil es in die Kulmination des Materialismus hineingestellt ist, auch das moralische Gegenbild dieses Materialismus in sich trägt. Und dieses moralische Gegenbild ist gewiß auf der einen Seite die überhandnehmende Unmoralität, aber auf der andern Seite vor allen Dingen die Gleichgültigkeit gegenüber allem Geistigen. Ich mache besonders auf diese Gleichgültigkeit aufmerksam, weil ich vorhabe, diese drei Vorträge, die ich nun halten werde, am Sonntag gipfeln zu lassen in einem, welcher sich mit der besonderen Art der Gegnerschaft gegen die anthroposophische Weltanschauung beschäftigen soll, und weil ich dazu heute und morgen eine Grundlage durch eine Art geschichtlicher Betrachtungsweise schaffen möchte.
[ 8 ] Today, when the descending forces are at their strongest, it is extraordinarily difficult to shed light on the inner workings and life of souls such as these three. For much of what these souls experienced as spiritual insights that were still very much real has now faded away. At some point in the future, a retrospective view of history will certainly characterize how our age—precisely because it is situated at the culmination of materialism—also bears within itself the moral counterimage of this materialism. And this moral counterimage is certainly, on the one hand, rampant immorality, but on the other hand, above all, indifference toward everything spiritual. I draw particular attention to this indifference because I intend to have these three lectures, which I am now about to deliver, culminate on Sunday in one that will deal with the specific nature of the opposition to the anthroposophical worldview, and because I would like to lay the groundwork for this today and tomorrow through a kind of historical perspective.
[ 9 ] Diese Gleichgültigkeit gegenüber allem Geistigen laßt eigentlich einen manchmal denken: Warum sehen denn die Menschen unseres Zeitalters noch irgend etwas Besonderes, sagen wir in Goethes «Faust»? Man würde es eigentlich leichter begreifen, wenn die Menschen unseres Zeitalters aus ihrer Gesinnung heraus einfach sagen würden: Dieser Goethesche «Faust» gehört einem überwundenen Zeitalter an. Dieser Goethesche «Faust» hat ja fast auf jeder Seite eine Offenbarung alten Aberglaubens. Von Magie kommt da viel vor, von einem Bündnis mit dem Teufel.
[ 9 ] This indifference toward all things spiritual actually makes one wonder at times: Why do people of our age still see anything special, say, in Goethe’s Faust? It would actually be easier to understand if the people of our time, in keeping with their mindset, would simply say: This Goethean “Faust” belongs to a bygone era. After all, this Goethean “Faust” contains a revelation of old superstitions on almost every page. There is a great deal of magic in it, and of a pact with the devil.
[ 10 ] Nun gewiß, unsere Zeit hat die Ausrede, daß sie sagt: Das alles ist poetische Verkleidung. Aber auf der andern Seite wiederum gibt doch unser Zeitalter zu, daß Goeihe in seinem «Faust» so etwas wie eine Art Menschheitsrepräsentanten hat darstellen wollen. Da muß man schon sagen, da begreift man besser den großen Gelehrten Du Bois-Reymond, der den ganzen «Faust» eigentlich für so eine Art von Humbug gehalten hat und gesagt hat: Faust hätte sollen ein anständiger Mensch werden, Gretchen ehrlich heiraten und die Elektrisiermaschine und Luftpumpe erfinden. — Das ist eigentlich ehrlicher gesagt aus der Gesinnung unseres Zeitalters heraus als dasjenige, was sehr häufig von Menschen, welche eben die Gesinnung dieses unseres Zeitalters teilen, über den «Faust» gesagt wird. Denn sie tun es ja doch nur, weil nun einmal die Meinung da ist, daß Goethes «Faust» ein großes Werk ist, das man nicht zum alten Eisen werfen darf. Es ist, wie gesagt, die Gleichgültigkeit, die nur sich manchmal geniert, Dinge, die sie eigentlich ablehnen müßte, wirklich abzulehnen.
[ 10 ] Now, of course, our age has the excuse of saying: All of this is poetic disguise. But on the other hand, our age does admit that Goethe, in his Faust, intended to portray something like a representative of humanity. One has to say, then, that this helps us better understand the great scholar Du Bois-Reymond, who actually considered the entire Faust to be a kind of humbug and said: Faust should have become a decent person, married Gretchen honestly, and invented the electrostatic machine and the air pump. — That is actually a more honest statement, coming from the mindset of our age, than what is very often said about Faust by people who share precisely the mindset of our age. For they do so only because the prevailing opinion is that Goethe’s Faust is a great work that must not be cast aside. As I said, it is indifference that is sometimes merely too embarrassed to actually reject things it ought to reject.
[ 11 ] Man sollte sich nur einmal klarmachen, wie unsere Zeit diese Dinge behandeln würde, wenn solchen Dingen nicht das althergebrachte Urteil anhaftete! Wenn Shakespeare keinen «Hamlet» geschrieben hätte und so irgendwo aus unbekannten Tiefen von einem obskuren Dichter heute das Hamlet-Drama erscheinen würde, dann würde man sehen, was die Leute über solch ein Hamlet-Drama sagen würden.
[ 11 ] One need only consider for a moment how our age would treat such matters if they were not burdened by traditional judgment! If Shakespeare hadn’t written Hamlet and the Hamlet play were to appear today from some unknown depths, written by an obscure poet, then we would see what people would say about such a Hamlet play.
[ 12 ] Über solche Dinge muß man manchmal tatsächlich ernsthaftig nachdenken, um die Zeit in richtiger Weise zu verstehen. Diese Gleichgültigkeit schwingt sich eben, weil sie sich geniert, etwas anderes zu tun, zu einer Betrachtung des Mephistopheles in Goethes «Faust» auf oder gibt sich ab und zu auch noch dazu her, allerlei Unzutreffendes über die Magie im «Faust» zu sagen. Aber hineinzuschauen in dasjenige, was eigentlich wie eine geistig-seelische Atmosphäre vorhanden war in einer Zeit, in der so Entscheidendes für das Geistesleben der modernen Zivilisation geschah, wie in derjenigen, in der Giordano Bruno, Jakob Böhme und Baco von Verulam gelebt haben, das ist eigentlich der Gegenwart doch unmöglich.
[ 12 ] Sometimes one really must think seriously about such things in order to understand the times properly. Precisely because it is reluctant to do anything else, this indifference rises to a contemplation of Mephistopheles in Goethe’s Faust—or even occasionally indulges in making all sorts of inaccurate statements about the magic in Faust. But to gain insight into what actually existed as a spiritual and psychological atmosphere during a time when events so decisive for the intellectual life of modern civilization took place—such as the era in which Giordano Bruno, Jakob Böhme, and Bacon of Verulam lived—is, in truth, impossible for the present day.
[ 13 ] Nun müssen wir uns nur vor allen Dingen, wenn wir auf so etwas ganz unbefangen hinschauen wollen, einmal vor Augen stellen, zu welchen gigantischen Ideen — im Verhältnis zu den gegenwärtigen sich frühere Zeitalter aufgeschwungen haben! Ideen, die gerade wegen ihres Gigantismus heute der Gleichgültigkeit eben gar nicht einmal mehr wert sind, anders als höchstens literarhistorisch genommen zu werden.
[ 13 ] Now, above all else, if we want to look at something like this with a completely open mind, we must first bring to mind the truly gigantic ideas—in comparison to those of our own time—that earlier ages soared toward! Ideas that, precisely because of their sheer scale, are today not even worth our attention—except, at most, from a literary-historical perspective.
[ 14 ] Man sehe in das Mittelalter zurück, sehe sich eine solche Gestalt an wie den Merlin! Immermann hat ja versucht, diese Gestalt in seiner Zeit wiederum etwas zu beleben, allein das ehemals Gigantische nimmt sich bei Immermann eben doch so aus, als ob alles im Schlafrock gedichtet wäre, mit der Nachtmütze auf dem Kopf.
[ 14 ] Look back to the Middle Ages and consider a figure like Merlin! Immermann did indeed attempt to breathe new life into this figure in his own time, but what was once gigantic comes across in Immermann’s work as if it were all written in a nightgown, with a nightcap on his head.
[ 15 ] Man nehme nur die einfache gerade Linie der Merlin-Sage. Was soll Merlin werden? Merlin soll werden ein Antipode Christi. Das soll er werden nach der Sage des Mittelalters: der Gegenpol des Christus. Der Christus ist also ohne physische Befruchtung gemäß dem Testamente in die Welt getreten. Merlin soll das gleiche tun. Aber Christus ist in die Welt getreten durch die Überschattung der Maria durch den Heiligen Geist; Merlin soll in die Welt treten durch die Überschattung einer frommen Nonne im Schlaf durch den Teufel. Der Teufel will sich auf der Erde einen Antipoden des Christus schaffen in Merlin; daher überfällt er im Schlaf eine fromme Nonne. Und Merlin wird nur nicht der Antichrist, weil die Nonne zu fromm ist. Und eben durch ihre wahrhaftige, richtige Moralität wird des Teufels Absicht bei Merlin verhindert.
[ 15 ] Take, for example, the simple, straightforward narrative of the Merlin legend. What is Merlin meant to become? Merlin is meant to become the antithesis of Christ. That is what he is meant to become, according to medieval legend: the polar opposite of Christ. Christ, then, entered the world without physical conception, in accordance with the Testament. Merlin is to do the same. But Christ entered the world through the overshadowing of Mary by the Holy Spirit; Merlin is to enter the world through the overshadowing of a pious nun in her sleep by the Devil. The Devil wants to create an antipode to Christ on earth in the form of Merlin; that is why he attacks a devout nun in her sleep. And Merlin does not become the Antichrist only because the nun is too devout. And it is precisely through her genuine, true morality that the Devil’s plan regarding Merlin is thwarted.
[ 16 ] Man versuche nur einmal sich klarzumachen, was solche Linien innerhalb der mittelalterlichen Sage bedeuten. Sie bedeuten eine innere Kühnheit der Weltanschauung, eine innere Energie der Gedankenbildung. Man vergleiche all das, was etwa in unserer Zeit, außer in Kreisen wie den anthroposophischen über den Ursprung des Bösen in der Welt, über den Ursprung des Verderblichen in der Menschheit gesagt wird, und man wird zugeben müssen: Nichts ist berechtigter, als zu sagen, daß die neuere Entwickelung die der Spießbürgerlichkeit ist. Denn schließlich, abgesehen von aller philosophischen inneren Strenge, mit der manchmal heute auch über den Ursprung des Bösen gesprochen wird, sind doch die Dinge spießbürgerlich gegenüber einer in bezug auf das Böse gigantisch ausgebildeten Idee wie derjenigen von der Schöpfung eines Merlin, der nur gewissermaßen ein mißratener Sohn des Teufels ist und daher eben nicht böse genug wird.
[ 16 ] One need only try to grasp what such passages mean within medieval legend. They signify an inner boldness of worldview, an inner energy of thought formation. Compare all that is said in our time—except in circles such as those of anthroposophy—about the origin of evil in the world and the origin of corruption in humanity, and one must admit: Nothing is more justified than to say that recent developments reflect a petty-bourgeois mentality. For ultimately, setting aside all the philosophical rigor with which the origin of evil is sometimes discussed today, these views are still petty-bourgeois when compared to an idea of the evil that is colossally developed—such as that of the creation of a Merlin, who is, in a sense, merely a wayward son of the devil and therefore does not become evil enough.
[ 17 ] Man bedenke: Merlin ist einer der Führer des Kreises der Artusleute. Ihn nimmt die Sage zu Hilfe, um den Charakter eines Zeitalters zu beleuchten. Aber die Sage findet auf Erden nicht die Möglichkeit, dieses Zeitalter in zutreffender Weise zu charakterisieren. Deshalb geht sie über das Irdische hinaus, geht in das Übersinnlich-Böse hinein, braucht einen mißratenen Sohn des Teufels, um das Irdische zu erklären.
[ 17 ] Consider this: Merlin is one of the leaders of the circle of Arthur’s knights. The legend draws upon him to shed light on the character of an era. But the legend finds no way on earth to characterize this era accurately. Therefore, it transcends the earthly realm, delves into the supernatural and evil, and requires a wayward son of the devil to explain the earthly world.
[ 18 ] Ich sage nicht, daß wir für unser Zeitalter nicht ähnliche Sagenelemente nötig hätten. Ich sage nicht, daß, um manches zutreffend zu charakterisieren, es nicht nötig wäre, auch von ähnlichen Schöpfungen zu sprechen. Auch das Philisterium in der neueren Zeit braucht ja deshalb, seinem Ursprung und seinen Quellen nach, durchaus nicht etwa bloß irdisch erklärt zu werden. Denn am Philisterium ist das Eigentümliche, daß es seinen Schädlichkeiten nach ebensowenig von sich selbst erfaßt wird wie seinen Nützlichkeiten nach.
[ 18 ] I am not saying that we do not need similar elements of legend for our own age. I am not saying that, in order to accurately characterize certain things, it is not necessary to speak of similar creations as well. Even the Philistine mentality of modern times, in terms of its origins and sources, certainly does not need to be explained solely in earthly terms. For what is peculiar about the Philistine mentality is that, in terms of its harmful effects, it is just as little understood in and of itself as it is in terms of its benefits.
[ 19 ] Wir haben in der Mitte des Mittelalters überall auftretend den Abendmahlsstreit. Ich habe schon einmal auseinandergesetzt: Zu diskutieren über das Abendmahl fingen die Leute eigentlich erst an, als sie nicht mehr wußten, was in ihm enthalten ist. Wie man überhaupt zu diskutieren anfängt, wenn man über eine Sache nichts weiß. Solange man über eine Sache etwas weiß, diskutiert man namlich nicht. Diskussionen sind für denjenigen, der ein bißchen in die Weltengeheimnisse hineinsieht, immer ein Zeichen des Nichtwissens. Wenn daher irgendwo Gesellschaften sich zusammensetzen und alle untereinander diskutieren, so ist das für denjenigen, der Einsicht hat, ein Zeichen, daß alle miteinander nichts wissen. Denn solange die Realität dasteht — und über Realitäten allein kann man etwas wissen —, so lange diskutiert man ja nicht. Mindestens habe ich noch nicht gehört, daß man, wenn der Hase auf dem Tisch ist, diskutiert darüber, ob das nun ein richtiger Hase oder ein nicht richtiger Hase ist, oder wo der Hase seinen Ursprung her hat, oder ob der Hase von Ewigkeit ist, oder in der Zeit entstanden ist oder dergleichen, sondern man ißt ihn; man zankt sich höchstens über den Besitz, aber nicht über irgendwelche Erkenntniswahrheiten. Aber hinter diesem Abendmahlsstreit liegt ja etwas ganz anderes, und dieses ganz andere, das läßt einem die Ideen, die man für den Verkehr der Menschen untereinander hatte, wiederum gigantisch erscheinen gegenüber den Philisterideen von heute, die manchmal nicht minder teuflisch, aber eben Philisterideen sind.
[ 19 ] In the Middle Ages, the controversy over the Lord’s Supper was widespread. I have already addressed this before: People actually only began to discuss the Eucharist once they no longer knew what it entailed. How does one even begin to discuss something when one knows nothing about it? As long as one knows something about a matter, one does not, in fact, discuss it. For those who have even a glimpse into the mysteries of the world, discussions are always a sign of ignorance. Therefore, when groups of people gather somewhere and discuss things among themselves, this is a sign to those with insight that none of them know anything. For as long as reality is present—and it is only about realities that one can know anything—one does not discuss the matter. At least, I have never heard of anyone, when the rabbit is on the table, discussing whether it is a real rabbit or a not-real rabbit, or where the rabbit comes from, or whether the rabbit is eternal, or came into being in time, or the like; rather, one eats it; at most, people quarrel over ownership, but not over any truths of knowledge. But behind this dispute over the Last Supper lies something entirely different, and this entirely different thing makes the ideas one once had for human interaction seem, once again, gigantic compared to today’s philistine ideas, which are sometimes no less diabolical, but are precisely philistine ideas.
[ 20 ] Solche Menschen, wie Trithem von Sponheim, Agrippa von Nettesheim, Georgius Sabellicus, Paracelsus, sie wurden nicht bloß auf eine gewöhnliche philiströse Weise verleumdet, sondern es wurde ihnen wenigstens nachgesagt, daß sie inn Bunde mit dem Teufel seien und daß sie deshalb magische Künste ausüben könnten, die man fürchtete. Und so sehen wir hinter dem Abendmahlsstreit die Furcht vor der Magie. Diese Furcht vor der Magie hängt wiederum zusammen mit dem Heraufkommen eines neuen Zeitalters, dessen Signatur eben bei solchen Geistern wie Baco von Verulam, Giordano Bruno und Jakob Böhme liegt.
[ 20 ] People such as Trithem of Sponheim, Agrippa of Nettesheim, Georgius Sabellicus, and Paracelsus were not merely slandered in the usual philistine manner; rather, they were at least accused of being in league with the devil and, as a result, of being able to practice the magical arts that people feared. And so we see, behind the controversy over the Lord’s Supper, a fear of magic. This fear of magic, in turn, is linked to the dawn of a new era, whose hallmark lies precisely in figures such as Baco of Verulam, Giordano Bruno, and Jakob Böhme.
[ 21 ] Was verstand man denn unter einem Magier? Unter einem Magier verstand man einen Menschen, der aus seinem Inneren Kenntnisse hervorholte, durch die er die Natur und eventuell auch die Menschen beherrschen konnte. Aber der Geist der neueren Zivilisation ging dahin, diese inneren Erkenntnisse, die allerdings einmal da waren und die in der damaligen Zeit noch als Überbleibsel uralter instinktiver Hellsehereinsichten figurierten, hinunterschwinden zu lassen und dasjenige heraufkommen zu lassen, was nur aus der äußeren Natur, nicht aus dem menschlichen Inneren an Erkenntnissen gewonnen werden kann. Man hatte ungeheure Furcht vor einem Menschen, dem man nicht zuschauen konnte, wie er mit allerlei hantierte, so daß er sich Maschinen und dergleichen zusammenstellte. Denn wo man alles zu überschauen vermochte, da konnte man auch gewissermaßen begucken, wie die Erkenntnisse in seinen Geist hineingingen. Heute ist das ja natürlich gang und gäbe, denn, nicht wahr, heute fürchtet man sich nicht mehr vor der Magie, weil sie eigentlich nicht mehr da ist, weil die inneren Erkenntnisquellen eben bereits ganz hinuntergegangen sind. Heute ist man sich klar darüber, daß es ganz einerlei ist, ob man einem Menschen zuhötrt, der einem Erkenntnisse mitteilt, also auf sein Menschliches hinhorcht, oder ob man zuguckt, wie er an den Maschinen im Laboratorium herumhantiert, denn da sieht man ja, wie erst die Erkenntnisse hereinkommen in seinen Kopf; und daß anderes noch drinnen sein darf in seinem Kopfe als das, wovon man sieht, daß es hereingeht, das laßt man ja nicht gelten. Man muß immer genau gucken können, was ein Mensch dadrinnen hat im Kopfe. Heute ist das eine Selbstverständlichkeit.
[ 21 ] What, then, was meant by a magician? A magician was understood to be a person who drew knowledge from within himself, through which he could control nature and, possibly, human beings as well. But the spirit of modern civilization sought to let these inner insights—which had indeed once existed and which, at that time, still appeared as remnants of ancient, instinctive clairvoyant insights—fade away, and to bring to the fore that which can be gained only from external nature, not from within the human being. People had an immense fear of a person whom they could not observe as he tinkered with all sorts of things, assembling machines and the like. For where one was able to oversee everything, one could also, in a sense, observe how these insights entered his mind. Today, of course, this is commonplace, for—isn’t that so?—today people no longer fear magic, because it is essentially no longer present, since the inner sources of knowledge have already completely dried up. Today we realize that it makes no difference at all whether one listens to a person who shares insights—that is, listens to their human side—or whether one watches them tinker with machines in the laboratory, for there one can actually see how the insights first enter their mind; and people won’t accept that there might be other things inside their head besides what one sees entering it. One must always be able to see exactly what a person has inside their head. Today, this is taken for granted.
[ 22 ] Zu Baco von Verulams Zeiten gab es eben noch Menschen, die einen gewissen inneren Reichtum hatten. Daher lohnte es sich für Baco von Verulam noch, den großen Feldzug gegen solchen inneren Seelenreichtum anzufachen und eben hinzuweisen auf das, was von außen in den Menschen hineinkommen kann. Man möchte sagen, man wird da auf alte Zeiten verwiesen, in denen die menschlichen Köpfe noch galten als erfüllt, und wo man wissen wollte, was drinnen ist, weil man überzeugt war, daß das, was drinnen ist, nicht außen in der Natur gefunden werden konnte. Und da kam Bacon und erklärte: Das ist Unsinn, der menschliche Kopf ist überhaupt hohl, es muß alles, was hineinkommt, von außen, von der Natur in ihn hineinkommen.
[ 22 ] In Bacon of Verulam’s time, there were still people who possessed a certain inner richness. That is why it was still worthwhile for Bacon of Verulam to launch a major campaign against such inner spiritual richness and to point out what can enter people from the outside. One might say that this takes us back to an earlier time, when human minds were still regarded as full, and when people wanted to know what was inside them, because they were convinced that what was inside could not be found outside in nature. And then Bacon came along and declared: “That is nonsense; the human mind is entirely empty; everything that enters it must come from the outside, from nature.”
[ 23 ] Nun, da war es Theorie. Im früheren Mittelalter aber herrschte die ungeheure Furcht davor, daß im Menschen etwas an Erkenntnissen selbständig innerlich wachsen könne, daß Geist im Menschen wachsen könne. Kein Wunder, daß das Verständnis auch für das Abendmahlmysterium ganz verlorenging, denn da mußte ja irgend etwas auch durch den Menschen vollzogen werden, wenn eine Verwandlung von Stoff in etwas ganz anderes vor sich gehen sollte.
[ 23 ] Well, that was just theory. In the early Middle Ages, however, there was a tremendous fear that some form of knowledge might grow independently within a person, that the spirit might develop within a person. No wonder that understanding of the mystery of the Lord’s Supper was completely lost, for something had to be accomplished by human beings themselves if a transformation of matter into something entirely different was to take place.
[ 24 ] Und so sehen wir, wie vor allen Dingen in dem Abendmahlsstreit etwas ganz Merkwürdiges heraufkommt. Ältere Zeiten des Christentums haben die Verwandlung des Brotes und des Weines vermöge gewisser Ideen, die da waren, als etwas Mögliches, als etwas Wirkliches hingenommen. Diese Ideen waren nicht mehr da. Deshalb fing man zu fragen an: Was kann das sein? Und es sollte nunmehr sich rein äußerlich vollziehen. Das Äußerliche wurde jetzt das Wesentliche, was sich ja schon dadurch ausdrückte, daß man sich sogar über die Gestalt, in der das Abendmahl genommen werden sollte, unter den Reformatoren herumzankte. Es wurde der Geist aus den Zeremonien herausgetrieben.
[ 24 ] And so we see how, above all in the controversy over the Lord’s Supper, something quite remarkable begins to emerge. In earlier times of Christianity, the transformation of the bread and wine was accepted as something possible, as something real, by virtue of certain ideas that existed at the time. Those ideas were no longer present. That is why people began to ask: What could this be? And from then on, it was to take place purely in an outward manner. The outward form now became the essential element, which was already evident in the fact that the Reformers even quarreled among themselves over the form in which the Lord’s Supper should be taken. The spirit was driven out of the ceremonies.
[ 25 ] Das war die erste Phase überhaupt des Materialismus. Was zuerst in materialistischer Auffassung zutage getreten ist in der neueren Zivilisation, das war der Sakramentalismus. Da ging der Materialismus eigentlich zuerst auf. Und während dieses Zeitalter, in dem Bruno, Böhme, Bacon gelebt haben, eben nur den Keim legen sollte zu einer neuen Geistigkeit, als Zeitalter, an dessen Anfang wir ja eigentlich auch heute noch stehen, das dahin tendiert, dem Menschen die geistlose Materie in Naturgesetzen vor Augen zu führen, so daß er aus seiner eigenen Kraft den Geist zu suchen hat, war die erste Phase diese, daß man zunächst auf allen Gebieten des Lebens den Geist gleichsam auslöschte, auslöschte vor allen Dingen schon im Kultus. Und dann ging dieses Auslöschen weiter auf die profanen Gebiete des Lebens.
[ 25 ] That was the very first phase of materialism. What first emerged as a materialistic concept in modern civilization was sacramentalism. That was where materialism actually first took root. And while this era—in which Bruno, Böhme, and Bacon lived—was meant only to sow the seed for a new spirituality, as an era at the very beginning of which we still stand today, one that tends to present human beings with spiritless matter in the form of natural laws, so that he must seek the spirit through his own efforts, the first phase was one in which the spirit was, as it were, eradicated in all areas of life—eradicated above all in religious practice. And then this eradication extended to the secular spheres of life.
[ 26 ] Aber das alles empfand noch Goethe und schuf in seinem «Faust» einen Nachklang dessen, was aus energischen Begriffen heraus gerade in diesem Zeitalter vom Übergang des 16. Jahrhunderts in das 17. Jahrhundert lebte. Was wollte denn Goethe in seinem «Faust» hinstellen? Dichterisch ist die Form, aber was er wollte, ist mehr allgemeinmenschlich als bloß dichterisch, und es ist ja bei unbefangenem Sinn nicht schwer zu sagen, was Goethe in seinem «Faust» wollte: er wollte den ganzen, den vollen Menschen vor den Menschen selbst hinstellen. Und er holte sich diese Figur des 16. Jahrhunderts, die Faust-Figur, herauf, die er, als in ihm der Impuls aufstieg einen «Faust» zu schreiben, eigentlich nur spärlich, nur aus ungenügenden Überlieferungen kannte. Er holte sich aus dem 16. Jahrhundert diese Faust-Figur, weil ihm gefühlsmäßig jenes gewaltige Ringen im 16. Jahrhundert aufging, das dazumal vorhanden war, um etwas, was man verloren hatte, dennoch wiederzufinden in irgendeiner Weise: nämlich den Menschen.
[ 26 ] But Goethe still felt all of this and, in his Faust, created an echo of what, born of powerful ideas, was alive precisely in that era of transition from the 16th to the 17th century. What, then, did Goethe intend to present in his Faust? The form is poetic, but what he sought is more universal and human than merely poetic, and it is not difficult, with an open mind, to say what Goethe intended in his Faust: he wanted to present the whole, complete human being before humanity itself. And he drew upon this 16th-century figure—the figure of Faust—whom, when the impulse to write Faust first arose within him, he actually knew only sparsely, based on insufficient historical accounts. He drew upon this Faust figure from the 16th century because, on an emotional level, he grasped the tremendous struggle that existed in the 16th century—a struggle to somehow rediscover, in some way, what had been lost: namely, humanity.
[ 27 ] Und das war es, was eigentlich ein jeder dieser drei suchte. Der Dominikaner, der aus der Scholastik herausgewachsen war, in dem die Begriffe bis zur äußersten Abstraktheit gediehen waren, er suchte — sie poetisierend, sie in die Kunst erhebend, sie mit Gefühl, wiederum aber auch mit tiefsinniger Erkenntnis durchdringend —, er suchte diese Begriffe lebendig zu machen, indem er eigentlich danach rang: Wie ist die Welt im Menschen? Wie ist der Mensch in der Welt? — So war es bei Giordano Bruno.
[ 27 ] And that was, in fact, what each of these three was seeking. The Dominican, who had outgrown scholasticism—in which concepts had flourished to the point of extreme abstraction—sought—by poeticizing them, elevating them to art, and imbuing them with feeling, yet also with profound insight—to bring these concepts to life, striving, in essence, to answer: What is the world within the human being? What is the nature of the human being in the world? — Such was the case with Giordano Bruno.
[ 28 ] Und so war es im Grunde genommen bei dem Schuster Jakob Böhme. Auch er suchte den Menschen, aber so, wie er aufwuchs, in jenen einfachen Verhältnissen, die noch viel Menschlicheres hatten als die Verhältnisse der «oberen Zehntausend». Er fand ihn doch nicht, diesen Menschen. Und er versenkte sich und vertiefte sich in die Volksweisheit, und was er suchte, war im Grunde genommen wieder nichts anderes als die Welt im Menschen, der Mensch in ‚der Welt.
[ 28 ] And that was essentially the case with the shoemaker Jakob Böhme. He, too, sought the human being—but given the way he grew up, in those simple circumstances that were far more human than the circumstances of the “upper crust.” Yet he did not find this human being. And so he immersed himself and delved deeply into folk wisdom, and what he sought was, in essence, nothing other than the world within the human being, and the human being within the world.
[ 29 ] Nur Bacon war sich eigentlich nicht bewußt dieses Suchens nach dem Menschen, aber er suchte ihn auch in einer gewissen Weise. Er suchte ihn sogar in der Art, wie er heute von den tonangebenden Naturdenkern noch immer gesucht wird. Bacon suchte den Menschen, indem er ihn als eine Art Mechanismus zusammenstellen ° wollte. Condtllac, de Lamettrie, die Naturdenker des 19. Jahrhunderts, des 20. Jahrhunderts, sie bauen den Menschen atomistisch auf aus einzelnen Naturprozessen wie einen Mechanismus. Da kommt nach dem Glauben dieser Naturdenker etwas zustande, was für den Einsichtigen doch nichts anderes ist als eine Art Gespenst im üblen Sinne, was nicht leben kann, was eigentlich ein Begriffssack ist, mit Abstraktionen ausgestopft.
[ 29 ] Only Bacon was not actually aware of this search for humanity, but he too sought it in a certain way. He even sought it in the same way that leading natural philosophers still seek it today. Bacon sought humanity by attempting to construct it as a kind of mechanism. Condillac, de Lamettrie, the natural philosophers of the 19th and 20th centuries—they construct human beings atomistically from individual natural processes, just like a mechanism. According to the beliefs of these natural philosophers, this results in something that, to the discerning mind, is nothing more than a kind of specter in the worst sense—something that cannot live, something that is essentially a bag of concepts stuffed with abstractions.
[ 30 ] Wirklich, wenn man Bacon über den Menschen reden hört, dann ist es so, wie wenn er eben einen Begriffssack hätte, mit Abstraktionen ausgestopft. Aber das ist doch immerhin etwas. Es ist auch ein Suchen nach dem Menschen, wenn auch ein ganz unbewußtes Suchen. Auch bei Bacon findet man, dafß er alles, womit man früher den Menschen zu begreifen versucht hat, unter die Idole verwiesen hat, daß er auch nach dem Menschen sucht. Er weiß es nicht klar, aber er sucht im Grunde genommen auch nach der Welt im Menschen, nach dem Menschen in der Welt.
[ 30 ] Truly, when one hears Bacon speak about human beings, it is as if he were carrying a sack of concepts stuffed with abstractions. But that is something, at least. It is also a search for humanity, albeit a completely unconscious one. Even in Bacon, one finds that, since he has relegated everything with which people previously attempted to understand humanity to the realm of idols, he, too, is searching for humanity. He is not fully aware of it, but deep down, he, too, is searching for the world within humanity, and for humanity within the world.
[ 31 ] Und wie ist das nun eigentlich, daß da ein jeder in seiner Art nach dem Menschen in der Welt, nach der Welt im Menschen sucht, wie ist das? — Wenn wir bei Jakob Böhme einen Einblick zu tun versuchen, so erscheint uns dieses Menschensuchen in der folgenden Art. Da sehen wir, wie Jakob Böhme auf einen Menschen kommt, der eigentlich nirgends da ist. Durch seine stammelnden Begriffe kommen wir auf eine Anschauung von einem Menschen, der nirgends da ist. Und dennoch, dieser nichtexistierende, scheinbar nicht existierende Mensch hat eine innere Kraft des Existierens, eine richtige innere Kraft des Existierens. Wir glauben an den Menschen Jakob Böhmes, trotzdem wir uns sagen: So wie Jakob Böhme spricht, meinetwillen von den drei Elementen des Lebens, von Salz, Sulphur und Merkur im Menschen, so ist der Mensch nicht, den man in der Neuzeit vor sich hat. Aber es ist ein Wesen, was da Jakob Böhme ausgestaltet — man kann nicht sagen, zusammenstellt, sondern ausgestaltet —, es ist ein Wesen. Und gerade geisteswissenschaftlich kommt man dazu, zu fragen: Was hat es denn für eine Bewandtnis mit diesem Wesen, von dem Jakob Böhme stammelnd spricht? — Und da kommt man nun darauf: Das ist der Mensch des vorirdischen Daseins. Wenn man nämlich geisteswissenschaftlich wiederum auf das Wesen des Menschen im vorirdischen Dasein kommt, dann stellen sich merkwürdige Übereinstimmungen heraus mit dem, was Jakob Böhme als den Menschen stammelnd schildert. Da auf der Erde kann dieser Mensch, den Jakob Böhme schildert, nicht herumgehen. Aber im vorirdischen Dasein, da hat er tatsächlich eine mögliche Existenz. Nur ist sozusagen in der Schilderung Jakob Böhmes nicht alles wirklich da, was diesen vorirdischen Menschen ausmacht.
[ 31 ] And how is it, really, that each person, in his own way, seeks the human being in the world and the world in the human being? How is that? — When we try to gain insight through Jakob Böhme, this search for the human being appears to us in the following way. There we see how Jakob Böhme arrives at a human being who is actually nowhere to be found. Through his stammering concepts, we arrive at a vision of a human being who is nowhere to be found. And yet, this nonexistent, seemingly nonexistent human being possesses an inner power of existence—a genuine inner power of existence. We believe in Jakob Böhme’s human being, even though we tell ourselves: Just as Jakob Böhme speaks—for example, of the three elements of life, of salt, sulfur, and mercury in the human being—the human being is not like that in modern times. But it is a being that Jakob Böhme elaborates—one cannot say “composes,” but rather “elaborates”—it is a being. And precisely from the perspective of spiritual science, one is led to ask: What is the nature of this being of whom Jakob Böhme speaks in a stammering manner? — And then one comes to the realization: This is the human being of pre-earthly existence. For when, from the perspective of spiritual science, one returns to the nature of the human being in pre-earthly existence, remarkable correspondences emerge with what Jakob Böhme describes, in a stammering manner, as the human being. This human being described by Jakob Böhme cannot walk about here on Earth. But in pre-earthly existence, he does in fact have a possible existence. It is just that, so to speak, not everything that constitutes this pre-earthly human being is actually present in Jakob Böhme’s description.
[ 32 ] Und so möchte man sagen: Wenn man so ganz eingeht auf die Menschenschilderung von Jakob Böhme, wie dieser Mensch sich ausnimmt im vorirdischen Dasein, dann hat man den Eindruck, gerade mit richtiger geisteswissenschaftlich-anthroposophischer Erkenntnis: Jakob Böhme schildert den vorirdischen Menschen. Es ist schon richtig, aber er schildert ihn doch so, daß er Theorie bleibt, nicht extensive Theorie, innerliche Theorie bleibt. Es ist der vorirdische Mensch, der nicht irdischer Mensch werden kann, der eigentlich geistig stirbt, bevor er geboren werden kann auf Erden. Er kann nicht herüber auf die Erde.
[ 32 ] And so one might say: If one delves deeply into Jakob Böhme’s description of human beings—how this human being appears in pre-earthly existence—then one gets the impression, precisely through genuine spiritual-scientific and anthroposophical insight, that Jakob Böhme is describing the pre-earthly human being. That is certainly true, but he describes him in such a way that it remains a theory—not an extensive theory, but an inner theory. It is the pre-earthly human being who cannot become an earthly human being, who actually dies spiritually before he can be born on Earth. He cannot make the transition to Earth.
[ 33 ] Also man könnte auch so sagen: Was Jakob Böhme vom vorirdischen Menschen schildert, ist so, wie wenn man eine Erinnerung haben will an etwas, was man erlebt hat, und man kommt nicht dahinter, so viel man sich auch abmüht, die Erinnerung wiederum heraufzuführen. So ist für Jakob Böhme die Kraft verlorengegangen, den vorirdischen Menschen wiederum heraufzuzaubern. Früher, in früheren Weltaltern hat man das gekonnt. Jakob Böhme hatte die Volkstradition von solcher Weisheit aufgenommen. Aber er konnte doch nichts zustande bringen als einen seelisch totgeborenen vorirdischen Menschen. Es reichte nicht mehr die menschliche Fähigkeit dazu, diesen Menschen wirklich lebendig in seinem vorirdischen Dasein zu schildern.
[ 33 ] So one could also put it this way: What Jakob Böhme describes about pre-earthly human beings is like wanting to recall a memory of something one has experienced, but being unable to do so, no matter how hard one tries to bring that memory back. Thus, for Jakob Böhme, the power to conjure up the pre-earthly human being again has been lost. In earlier world ages, people were able to do this. Jakob Böhme had absorbed the folk tradition of such wisdom. But he could produce nothing more than a pre-earthly human being who was spiritually stillborn. Human capacity was no longer sufficient to depict this human being as truly alive in his pre-earthly existence.
[ 34 ] Und Giordano Bruno, nun, Giordano Bruno ist eigentlich nicht nur ein Kind seiner Zeit, sondern ein Mensch, in dem alles ganz Gegenwart ist. Man hat das Gefühl bei Giordano Bruno, daß alles in ihm Gegenwart ist, grandiose Gegenwart, Gegenwart, die das Weltenall im Raume umfaßt — aber nichts Vergangenheit, nichts Zukunft. Er erlebt die Welt ganz in der Gegenwart. Er stellt das Weltenall als ein Gegenwärtiges dar und möchte eigentlich nun auch aus seinen stammelnden, poetisierenden Erkenntnisworten heraus den Menschen der Gegenwart schildern. Er wird nur ebensowenig damit fertig, wie Jakob Böhme mit dem vorirdischen Menschen fertig wird. Aber es sind die Keime bei Giordano Bruno da, den Menschen der Gegenwart, nämlich den irdischen Menschen zwischen Geburt und Tod, in richtiger Weise in das Weltenall so hineinzustellen, daß er begriffen werden kann.
[ 34 ] And Giordano Bruno—well, Giordano Bruno is not merely a child of his time, but a person in whom everything is entirely the present. With Giordano Bruno, one has the feeling that everything within him is the present—a magnificent present, a present that encompasses the entire universe in space—but nothing is the past, nothing is the future. He experiences the world entirely in the present. He portrays the universe as something present and actually seeks, through his stammering, poetic words of insight, to describe the human being of the present. He is just as unable to come to terms with this as Jakob Böhme is with the pre-earthly human being. But the seeds are there in Giordano Bruno for correctly situating the human being of the present—namely, the earthly human being between birth and death—within the universe in such a way that he can be understood.
[ 35 ] Doch auch da sehen wir also das Unvermögen der menschlichen Kräfte, den ganzen Menschen, nach dessen Erkenntnis man ringt, zu begreifen. Der aber mußte begriffen werden, denn aus dem Begreifen des Erdenmenschen muß wiederum ersprießen der präexistente Mensch und der postexistente Mensch. Vom postexistenten Menschen hatte man ganz wenig. Diese Partie blieb nämlich dem Bacon, dem Baco von Verulam verschlossen.
[ 35 ] But even here, we see the inability of human faculties to comprehend the whole human being, whom we strive to understand. Yet he had to be understood, for from the understanding of the earthly human being must in turn spring forth the pre-existent human being and the post-existent human being. Very little was known about the post-existent human being. This realm, in fact, remained closed to Bacon, the Baco of Verulam.
[ 36 ] Geradeso wie der schlafende Mensch, wenn er in seinem Ich und in seinem astralischen Leib außer dem physischen und Ätherleib ist, in derselben Welt zunächst lebt, die wir mit unseren Augen, mit unserem ganzen Sinnesapparat sinnlich wahrnehmen, wie dieser schlafende Mensch, das heißt sein Geistig-Seelisches, schlafend Keime in sich aufnimmt zu dem Leben, das er entfalten wird, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, wie aber dem Menschen für das gewöhnliche Bewußtsein verschlossen ist, was da eigentlich aufgenommen wird aus der unmittelbaren Gegenwart für die Zukunft, so ist für den ersten Anhub der modernen Wissenschaftlichkeit, wie sie in Baco von Verulam auftritt, alles das verschlossen, was Zukunft ist, was aber dennoch unbewußt, wenn auch abgeleugnet, in der Sinneserkenntnis lebt. Und aus der Sinneserkenntnis muß geschöpft werden die Erkenntnis der Postexistenz, der Existenz nach dem Tode. Bacon kann es noch nicht, hat gar keine geistige Kraft dazu. Daher wird sein Mensch eigentlich, wie ich sagte, ein Begriffssack, mit Abstraktionen ausgestopft. Es ist das Unvollkommenste von dem, was am Ende dieses Zeitalters — das zur Geistigkeit, aber jetzt aus der Naturerkenntnis heraus, hinstreben muß — einmal errungen werden muß: dieses, was in Baco von Verulam auftaucht.
[ 36 ] Just as a sleeping person—when, apart from the physical and etheric bodies, he is in his “I” and in his astral body—initially lives in the same world that we perceive sensually with our eyes and our entire sensory apparatus, so too does this sleeping person, that is, their spiritual-soul aspect, takes in, while asleep, the seeds of the life they will unfold once they have passed through the gate of death—but just as what is actually taken in from the immediate present for the future remains hidden from human beings in ordinary consciousness, so too, for the earliest beginnings of modern scientific thought, as it appears in Bacon of Verulam, all that which is the future—which nevertheless lives unconsciously, even if denied, within sensory perception—remains hidden. And it is from sensory perception that the knowledge of postexistence, of existence after death, must be drawn. Bacon is not yet capable of this; he lacks the spiritual power for it entirely. Therefore, as I said, his conception of the human being actually becomes a sack of concepts, stuffed with abstractions. It is the most imperfect of what must ultimately be achieved at the end of this age—an age that must strive toward spirituality, but now from the perspective of knowledge of nature—namely, that which emerges in Bacon of Verulam.
[ 37 ] So sehen wir, wie bei Jakob Böhme in unvollkommener Weise der vorirdische Mensch, in Giordano Bruno grandios, aber ebenso unvollkommen noch, der gegenwärtige Erdenmensch, der Mensch zwischen Geburt und Tod, aus dem Weltenall begriffen, aufgesucht wird, und wie noch unbewußt bei Bacon das ist, was einstmals leben soll, aber bei ihm noch als ganz totes Produkt auftritt. Denn sehen Sie, was Bacon als Mensch schildert, das lebt nicht auf Erden, das ist auf Erden ein Gespenst. Aber wenn es einmal in seiner Vollkommenheit geschildert werden wird, dann wird es der Mensch sein im nachirdischen Dasein.
[ 37 ] Thus we see how, in the case of Jakob Böhme, the pre-earthly human being is conceived in an imperfect way; in Giordano Bruno, the present earthly human being—the human being between birth and death, understood from the perspective of the universe—is sought out in a grandiose but still imperfect manner; and how, in the case of Bacon, what is to live one day is still unconscious, yet appears in him as a completely dead product. For you see, what Bacon describes as a human being does not live on earth; on earth, it is a specter. But when it is one day described in its perfection, then it will be the human being in post-earthly existence.
[ 38 ] Wenn wir diese drei Geister nehmen, die wahrhaftig ein wunderbares Trifolium darstellen um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert, namentlich auch wenn wir ihren Ursprung nehmen — den Volksmann Jakob Böhme, den aus der damaligen Geistesschulung hervorgegangenen Dominikaner Giordano Bruno, den auf den Höhen des äußerlichen sozialen Lebens stehenden, aber den Boden unter den Füßen verloren habenden Baco von Verulam —, wenn wir auch aus diesen sozialen Verhältnissen heraus begreifen, wie sie in verschiedener Weise zu ihren Anschauungen kommen konnten, dann finden wir ein merkwürdiges Schicksal in ihnen erfüllt.
[ 38 ] If we take these three figures, who truly represent a marvelous trifolium at the turn of the 16th to the 17th century—and especially if we consider their origins—namely, the common man Jakob Böhme, the Dominican friar Giordano Bruno, who emerged from the intellectual training of his time, and Baco of Verulam, who stood at the pinnacle of outward social life but who had lost his footing—Bacon of Verulam—and if we also understand, from these social circumstances, how they might have arrived at their views in various ways, then we find a remarkable destiny fulfilled in them.
[ 39 ] Wir sehen den Volksmann Jakob Böhme sein ganzes Leben hindurch kämpfend für das, was im Volke noch lebt, aber eben stammelnd lebt und angefeindet ist. Doch der Kampf zieht sich latent hin: Jakob Böhme tritt im Grunde genommen nicht heraus aus den Kreisen des Volkstums.
[ 39 ] We see Jakob Böhme, a man of the people, struggling throughout his entire life for what still lives within the people—though it lives only in a stammering form and is met with hostility. Yet the struggle continues latently: Jakob Böhme, in essence, never steps outside the circles of folk culture.
[ 40 ] Baco von Verulam, ein intellektuell großartiger Mensch, der Repräsentant der modernen Weltanschauung, verliert sich in sich selbst moralisch, kommt auf moralische Abwege, ist insofern eine ehrliche Darstellung des Menschen, als eigentlich diese Art von Wissenschaftlichkeit überhaupt auf moralische Abwege kommen mußte. Nur sind die andern nicht so ehrlich wie in ihm der Dämon; denn ich will nicht behaupten, daß er ehrlich war.
[ 40 ] Baco of Verulam, a man of great intellectual prowess and a representative of the modern worldview, loses his moral compass, strays from the moral path, and is, in this respect, an honest portrayal of humanity, in that this kind of scientific approach was bound to lead to moral deviation in the first place. However, the others are not as honest as the demon within him; for I do not wish to claim that he was honest.
[ 41 ] Und zwischen drinnen Giordano Bruno, der nun nicht auf etwas Vergangenes, nicht auf etwas Zukünftiges hinwies, der in unmittelbarer Gegenwart den Keim ergreifen wollte, aus dem sich die zukünftige Geistesanschauung entwickeln mußte. Bei ihm tritt sie noch ganz embryonal auf. Aber dasjenige, was am Alten hängt, mußte diesen Keim im Entstehen erdrücken. Und so sehen wir, wie die Flammenzeichen in Rom ein geschichtliches Denkmal großartiger Art sind, wie der brennende Giordano Bruno eben anzeigt: es muß etwas werden. Und das, was werden sollte, was ihn selbst zu den Worten drängte: Mich könnt ihr töten, aber meine Ideen werden in Jahrhunderten nicht getötet werden können — das muß eben auch weiterleben. Und in solcher Art sind äußere Symptome, die einem so erscheinen, als ob sie nur Äußerlichkeiten im geschichtlichen Werden sind, doch in einer tiefen innerlichen Weise in der Entwickelung der Menschheit begründet. Es ist in diesen Giordano-Bruno-Flammen eben ausgedrückt, wie ein neuer Impuls von dem Alten aufgenommen werden muß, wenn man die ganze Konfiguration des Alten wirklich versteht.
[ 41 ] And among them was Giordano Bruno, who did not point to anything in the past or to anything in the future, but who sought to grasp, in the immediate present, the seed from which the future spiritual worldview was bound to develop. In his work, it still appears in a completely embryonic form. But that which clings to the old had to crush this seed as it was emerging. And so we see how the flames in Rome are a magnificent historical monument, just as the burning Giordano Bruno himself indicates: something must come to be. And that which was to come to be—that which compelled him to say, “You can kill me, but my ideas cannot be killed for centuries”—that, too, must live on. And in this way, external phenomena that appear to be merely superficial aspects of historical development are, in a profound inner sense, rooted in the evolution of humanity. It is precisely expressed in these flames of Giordano Bruno how a new impulse must be absorbed from the old when one truly understands the entire configuration of the old.
[ 42 ] Ich wollte Ihnen schildern, was da eigentlich innerlich vorgegangen ist, was man eigentlich verbrennen wollte. Nun, unsere heutige Zeit hat zwar ein äußerliches Giordano-Bruno-Denkmal an der Stätte der einstmaligen Giordano-Bruno-Flammen aufgerichtet. Doch es handelt sich darum, daß nun auch wirklich dasjenige verstanden werde, was dazumal getötet worden ist, aber leben sollte und leben muß - leben allerdings in Weiterentwickelung, nicht in derselben Gestalt, in der es dazumal vorhanden war.
[ 42 ] I wanted to describe to you what was actually going on inwardly, what it was that they actually wanted to burn. Well, our present age has indeed erected an outward monument to Giordano Bruno at the site of the flames that once consumed him. But the point is that what was killed back then—yet was meant to live and must live—should now truly be understood—though it must live in a form of further development, not in the same form in which it existed back then.
[ 43 ] Übergabe der Schlange: 2. Einweihung.
[ 43 ] The Handing Over of the Serpent: The Second Initiation.
[ 44 ] Der Gang in das Labyrinth: 3. Einweihung.
[ 44 ] The Journey into the Labyrinth: 3. Initiation.
