Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
28 January 1923, Dornach
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Living Knowledge of Nature, Intellectual Fall from Grace and Spiritual Elevation from Sin, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Wenn man Umschau hält unter denjenigen Persönlichkeiten, die das neuere Geistesleben empfunden haben, die also ein Gefühl davon entwickelten, wie man eigentlich dieses heutige Geistesleben wirksam in sich tragen kann — mit «heute» meine ich natürlich die Jahrzehnte, in denen wir leben —, dann kommt man, unter anderen natürlich, auf zwei Persönlichkeiten, den ja auch hier in dieser Gemeinschaft öfter erwähnten Herman Grimm, und den andern, Friedrich Nietzsche.
[ 1 ] If one looks around at those figures who have sensed the spirit life of our time—that is, who have developed a sense of how one can truly carry this contemporary spirit life within oneself—and by “today” I mean, of course, the decades in which we live— then, among others of course, one comes to two figures: Herman Grimm, who is often mentioned here in this community, and the other, Friedrich Nietzsche.
[ 2 ] Bei beiden kann man sagen: Sie versuchten sich hineinzuleben in das Geistesleben der Gegenwart. Sie versuchten zu empfinden, wie der Mensch in seiner Seele miterleben kann, was heute geistig geschieht. Und bei Herman Grimm verfällt man dann auf seine Art, wie er aus diesem Zeitgefühl heraus den Menschen oder auch einzelne Menschen geschildert hat. Bei Nietzsche verfällt man darauf, mehr anzusehen, wie er sich selbst in der Zeit gefühlt hat. Wenn man bei Herman Grimm hinhorcht, wie er etwa den Menschen in der Gegenwart im allgemeinen schildert, oder wie er einzelne Menschen schildert, dann hat man immer ein Bild vor sich, die Schilderung verwandelt sich in ein Bild. Und dieses Bild scheint mir zu sein das Bild eines Menschen, einer Menschengestalt, die eine ungeheure Last auf dem Rücken schleppt. Ich kann mich sogar des Eindruckes nicht entschlagen, daß für das sonst ausgezeichnete Buch des Herman Grimm über Michelangelo dieses das richtige Bild ist. Wenn man dieses Buch über Michelangelo von Herman Grimm liest, dann hat man zwar allerlei schöne Eindrücke, aber zuletzt kommt einem aus diesem Buch auch Michelangelo entgegen als ein sich mühselig fortschleppender Mensch, der eine starke Last auf dem Rücken trägt. Und Herman Grimm selber hat das ja empfunden, indem er es öfter ausgesprochen hat: Wir modernen Menschen, sagte er, schleppen zuviel Geschichte mit.
[ 2 ] Of both, one can say: They tried to immerse themselves in the spiritual life of the present. They tried to sense how a person can experience, in their soul, what is happening spiritually today. And with Herman Grimm, one is struck by the way he portrayed people—or even individual people—based on this sense of the times. With Nietzsche, one tends to focus more on how he himself felt within that era. When one listens to Herman Grimm—for example, as he describes people of the present in general, or as he portrays individual people—one always has an image before one’s eyes; the description transforms into an image. And this image strikes me as that of a human being, a human figure, carrying an immense burden on his back. I cannot even shake the impression that this is the correct image for Herman Grimm’s otherwise excellent book on Michelangelo. When you read Herman Grimm’s book on Michelangelo, you certainly gain all sorts of beautiful impressions, but ultimately, the book also presents Michelangelo as a man trudging wearily along, bearing a heavy burden on his back. And Herman Grimm himself sensed this, as he often expressed it: “We modern people,” he said, “carry too much history with us.”
[ 3 ] Wir modernen Menschen schleppen auch wirklich, auch wenn wir auf der Schulbank ganz faule Kerle gewesen sind und nichts von Geschichte, wie man es gewöhnlich nennt, aufgenommen haben, wir schleppen trotzdem durch alles das, was schon vom sechsten Lebensjahre auf uns schulmäßig Eindruck macht, zuviel Geschichte mit. Wir sind nicht frei, wir tragen die Vergangenheit auf unserem Buckel.
[ 3 ] We modern people really do carry a heavy burden—even if we were complete slackers in school and didn’t absorb anything about “history,” as it’s commonly called—we still carry with us far too much history, shaped by everything that has made an impression on us through our schooling since the age of six. We are not free; we carry the past on our backs.
[ 4 ] Und wenn man dann von Herman Grimm wegsieht zu Nietzsche, dann kommt einem Nietzsche selber vor wie eine Persönlichkeit, die etwas hysterisch durch die Welt schlenkert, fortwährendsich schüttelt über dieses Geistesleben der Gegenwart. Und wenn man ihn dann genauer anschaut, gleichgültig, ob er nach Italien wandert, oder ob er in Sils Maria droben spazieren geht: er schüttelt sich. Aber er schüttelt sich auch so, daß er den Vorderkörper etwas gebeugt hält. Und wenn man dann nachsieht, warum er sich schüttelt, dann kommt man darauf, daß er eigentlich die Geschichte abschütteln will, das, was der Mensch als seinen Geschichtspack auf dem Buckel trägt.
[ 4 ] And when one looks away from Herman Grimm toward Nietzsche, Nietzsche himself strikes one as a figure who lumbers somewhat hysterically through the world, constantly shaking his head at the intellectual life of the present. And when you look at him more closely—whether he’s wandering through Italy or taking a walk up in Sils Maria—he’s shaking himself. But he also shakes himself in such a way that he keeps his upper body slightly bent forward. And when one then tries to figure out why he is shaking himself, one realizes that he actually wants to shake off history—that burden of history which humanity carries on its back.
[ 5 ] Und das hat er auch empfunden, denn er hat in verhältnismäßig jungen Jahren die Schrift geschrieben «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben», die ungefähr den Inhalt hat: Menschen der Gegenwart, schafft euch die Geschichte vom Halse oder vom Buckel, denn ihr verliert ja das Leben, wenn ihr immerfort die Geschichte mit euch tragt. Ihr wißt nicht in der Gegenwart zu leben. Ihr fragt bei jeder Gelegenheit: wie haben es die alten Menschen gemacht? — aber ihr bringt nichts aus eurem ursprünglichen Denken, Fühlen und Wollen schöpferisch an die Oberfläche, um so recht als Gegenwartsmensch zu leben.
[ 5 ] And that is exactly how he felt, for at a relatively young age he wrote the essay “On the Benefits and Drawbacks of History for Life,” which essentially says: People of the present, shake off the burden of history—for you will lose your lives if you constantly carry history with you. You do not know how to live in the present. At every opportunity, you ask: How did the ancients do it? — but you do not creatively bring anything from your own original thinking, feeling, and willing to the surface in order to truly live as people of the present.
[ 6 ] Diese zwei Bilder, die den Menschen schildern — Herman Grimm, der ihn immer mit einer ungeheuren Last auf dem Buckel schildert und der diese Last abschüttelnde Nietzsche —, diese zwei Bilder wird man nicht los, wenn man schon den ganzen Charakter des Geisteslebens im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und im Beginn des 20. Jahrhunderts betrachtet. Und wenn man dann tiefer geht, dann findet man, wie eigentlich der Mensch der neueren Zeit keucht unter dieser geschichtlichen Last. Man möchte sagen: Der Mensch der neueren Zeit kommt einem vor wie ein Hund, dem es sehr warm ist und der dann gewisse Gesten mit der Zunge macht, so kommt einem der Mensch der neueren Zeit unter der Last der Geschichte vor. — Ja, sieht man näher zu, so fällt einem das stark auf, wie der Mensch eigentlich keucht und wippert unter der Last der Geschichte.
[ 6 ] These two images that depict humanity—Herman Grimm, who always portrays him as bearing an immense burden on his back, and Nietzsche, who shakes off this burden—these two images are impossible to shake off when one considers the entire character of intellectual life in the last third of the 19th century and at the beginning of the 20th century. And when one delves deeper, one discovers how modern man is actually gasping under this historical burden. One might say: Modern man strikes one as a dog that is very hot and makes certain gestures with its tongue; that is how modern man appears under the burden of history. — Yes, if one looks more closely, it becomes strikingly apparent how modern man is actually gasping and trembling under the burden of history.
[ 7 ] Schauen wir die Menschen der Urzeit an — wir müssen gleich wiederum auf die Urzeit sehen nach den Gewohnheiten der Zeit, denn es ist außerordentlich schwer, sich als Gegenwartsmenschen zu verständigen, wenn man nicht wenigstens die Bilder aus der alten Zeit heraufholt. Das zu machen, was man in der Gegenwart machen soll, gelingt einem eigentlich nur, wenn man zeigt, was die Alten gemacht haben und was wir nicht machen. Nun wollen wir einmal wenigstens einleitungsweise von einer solchen Betrachtung ausgehen, um dann die Geschichte vom Buckel herunterzuschmeißen.
[ 7 ] Let’s look at the people of prehistoric times—we must once again turn our gaze to prehistory in accordance with the customs of that era, for it is extraordinarily difficult for us, as people of the present, to understand one another unless we at least draw upon images from ancient times. One can only truly succeed in doing what one ought to do in the present by showing what the ancients did and what we do not do. Now, let us at least begin with such a consideration as an introduction, so that we may then cast off the burden of history.
[ 8 ] Die Alten, wenn sie die Natur angesehen haben, sie haben Mythen gemacht, sie waren imstande, aus ihrer schöpferischen Seelenkraft heraus, Mythen zu gestalten. Dasjenige, was in der Natur geschieht, waren sie fähig, in lebendiger, wesenhafter Art sich vor die Seele zu führen. Der neuere Mensch kann keine Mythen mehr machen. Er macht keine Mythen. Wenn er sie da oder dort doch versucht, so sind sie literatenhaft, feuilletonhaft, so sind sie hölzern. Zunächst hat die Menschheit verlernt, das Lebendige in der schöpferischen Welt durch Mythen zu verkörpern. Der neuere Mensch kann die alten Mythen höchstens interpretieren, wie man sagt. Dann, als der Mensch nicht mehr Mythen machen konnte, ist er wenigstens auf die Geschichte verfallen. Das ist noch nicht so lange her. Aber da er die mythenschöpferische Kraft verloren hatte, konnte er mit der Geschichte auch nichts Rechtes mehr anfangen. Und so kommt dasjenige dann herauf, daß man im 19. Jahrhundert zum Beispiel auf dem Gebiete des Rechtes erklärte: Ja, wir können kein Recht schaffen, wir müssen das historische Recht studieren. Die historische Rechtsschule, die ist ja etwas sehr Merkwürdiges, die ist ein Eingeständnis des unschöpferischen Menschen der Gegenwart. Er sagt, er kann kein Recht schaffen, also muß er Rechtsgeschichte studieren und dieses Recht verbreiten, das er aus der Geschichte kennenlernt. Das war im Anfange des 19. Jahrhunderts etwas, was insbesondere in Mitteleuropa grassiert hat: daß man sich unfähig erklärte, als Gegenwartsmensch zu leben, daß man nur als Geschichtsmensch leben wollte.
[ 8 ] When the ancients looked at nature, they created myths; they were able to shape myths out of the creative power of their souls. They were able to bring what happens in nature before their souls in a living, essential way. Modern man can no longer create myths. He does not create myths. When he does attempt to do so here and there, they are literary, like newspaper columns—they are wooden. First and foremost, humanity has forgotten how to embody the living essence of the creative world through myths. Modern man can, at best, interpret the old myths, as they say. Then, when man could no longer create myths, he at least turned to history. That was not so long ago. But since he had lost the power to create myths, he could no longer make proper use of history either. And so it came to pass that in the 19th century, for example, in the field of law, people declared: “Yes, we cannot create law; we must study historical law.” The historical school of law—which is, after all, something very peculiar—is an admission on the part of the uncreative human being of the present. He says he cannot create law, so he must study legal history and disseminate the law he learns from history. At the beginning of the 19th century, this was a phenomenon that was particularly rampant in Central Europe: people declared themselves incapable of living as people of the present and wanted to live only as people of history.
[ 9 ] Und Nietzsche, der noch in diesem ewigen Geschichtemachen studieren mußte, der wollte das abschütteln und schrieb eben sein Buch «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben». Es kam ihm so vor, daß er, wenn er auf seine Studentenzeit zurückblickte und was sie ihm da alles über alte Zeiten vorgebracht haben, dann sagte: Da kann man ja nicht atmen, das ist ja alles Staub, das verlegt einem den Atem. Weg mit der Geschichte! Leben statt der Geschichte!
[ 9 ] And Nietzsche, who still had to study this eternal making of history, wanted to shake it off and wrote his book On the Use and Abuse of History for Life. It seemed to him that when he looked back on his student days and all that his professors had taught him about ancient times, he said: “You can’t breathe there—it’s all dust; it takes your breath away. Away with history! Life instead of history!”
[ 10 ] Und dann kam die spätere Zeit im 19. Jahrhundert. Da kam, aus der historischen Stimmung herausentwickelt, die Angst. Und diese Angst, die drückte sich dadurch aus, daß die Leute das Zähneklappern bekamen, wenn sie überhaupt noch vom Menschen aus irgend etwas hineinschauen sollten in das Naturdasein. Das nannten sie allmählich Anthropomorphismus. In alten Zeiten hat man flott dasjenige, was der Mensch erlebt hat, in die Natur hineingeschaut, weil man gewußt hat, das kommt vom Göttlichen. Die Natur kommt auch vom Göttlichen. Wenn man also seinen Menscheninhalt, der göttlich ist, mit dem Menscheninhalt draußen verbindet, so kriegt man die Wahrheit. Aber der modernste Mensch bekam wahrhaftig das Zähneklappern und dazu eine Gänsehaut, wenn er nur gewahr wurde: da ist irgendwo ein Anthropomorphismus vorhanden! Eine heillose Angst vor dem Anthropomorphismus bekam er.
[ 10 ] And then came the later period of the 19th century. Out of the historical mood of the time, fear arose. And this fear manifested itself in the fact that people’s teeth would chatter whenever they were even supposed to glimpse anything of nature from a human perspective. They gradually came to call this anthropomorphism. In ancient times, people readily projected their own human experiences onto nature, because they knew that these experiences came from the divine. Nature, too, comes from the divine. So when one connects one’s own human essence—which is divine—with the human essence found in the outside world, one arrives at the truth. But modern man truly began to shiver and get goosebumps whenever he became aware that anthropomorphism was present somewhere! He developed a hopeless fear of anthropomorphism.
[ 11 ] Und in dieser Angst vor dem Anthropomorphismus leben wir heute noch und wissen nicht, daß wir eigentlich fortwährend da, wo wir es nicht merken, Anthropomorphismen machen. Wenn wir in der Physik von der Elastizität zweier Kugeln reden, so haben wir in dem Wort Stoß etwas — denn Stoß kann auch ein Rippenstoß sein, den man mit seiner eigenen Hand versetzt —, was den Stoß hinausversetzt in die elastische Kraft hinein. Nur merkt man es da nicht. Man merkt es dann, wenn man in die Weltenlenkung ein Menschliches legt. Also dasjenige, was da sich aus dem Historismus entwikkelt hat, das ist eine heillose Angst vor dem Anthropomorphismus. Und in dieser Angst lebt der Mensch durchaus heute.
[ 11 ] And we still live with this fear of anthropomorphism today, unaware that we are actually constantly engaging in anthropomorphism without even realizing it. When we speak in physics of the elasticity of two spheres, the word “impact” contains something—for an impact can also be a jab to the ribs delivered with one’s own hand—that extends the impact into the elastic force. Only we don’t notice it there. One notices it, however, when one introduces a human element into the governance of the world. So what has developed out of historicism is a hopeless fear of anthropomorphism. And people certainly live with this fear today.
[ 12 ] Nun, dadurch aber bricht der Mensch alle Brücken ab zu der äußeren Welt. Und vor allen Dingen bricht er die Brücke ab zu einer lebendigen Erfassung des Christus-Wesens. Denn der Christus muß als ein Lebendiger leben, nicht bloß als ein durch die Historie zu Erkennender. Es handelt sich also heute darum, nicht nur über die Geschichte, nicht nur über die mythenbildende Kraft interpretierend, abweisend herzufallen, sondern noch mehr hinter das Geheimnis zu kommen, als man mit dem Interpretieren kommt.
[ 12 ] But in doing so, human beings sever all ties with the external world. And above all, they sever the connection to a living understanding of the Christ being. For Christ must be experienced as a living being, not merely as a figure to be understood through history. The task today, therefore, is not merely to pounce on history—or on the myth-forming power—with interpretation and rejection, but to penetrate even deeper into the mystery than one can through interpretation alone.
[ 13 ] Wenn man heute über irgend etwas vom Menschenstreben reden will, so redet man in der Regel nicht aus der unmittelbaren Gegenwart frisch heraus, sondern man interpretiert Parzival oder irgendeinen älteren noch. Man interpretiert, man erklärt. Aber dieses Erklären ist kein Erklären, sondern ein Erdunkeln, denn es wird nichts klar, hell bei diesem Erklären, sondern immer dunkler wird es.
[ 13 ] When people today want to talk about any aspect of human endeavor, they generally do not speak directly from the immediacy of the present, but instead interpret Parzival or some even older work. One interprets; one explains. But this “explaining” is not really explaining at all—it is obscuring—for nothing becomes clear or bright through this “explaining”; instead, it grows ever darker.
[ 14 ] Der Grund von alledem liegt darinnen, daß wir heute nach zwei Seiten hin keinen Mut haben, die Welt wirklich mit unserer Seele zu ergreifen. Auf der einen Seite liegt das vor, daß wir eine Naturanschauung begründet haben, welche abläuft von dem Nebelzustand der Welt durch den komplizierten Zustand bis zum Wärmetod hin. Dadrinnen hat die moralische Welt keinen Platz, also bleibt man innerhalb der moralischen Welt in der Abstraktion. Das habe ich ja öfter erwähnt. Der heutige Mensch hat keine Kraft, zu erkennen, daß dasjenige, was er mit seinen moralischen Impulsen begründet, die Ursachen für spätere Zukunftswirkungen sind, die man sehen können wird, die real sind. Das ist verloren worden mit dem gestern erwähnten Verfall des scholastischen Realismus.
[ 14 ] The reason for all of this lies in the fact that today, in two respects, we lack the courage to truly embrace the world with our souls. On the one hand, we have established a view of nature that progresses from the world’s primordial state of chaos through a state of complexity all the way to heat death. Within this framework, the moral world has no place; thus, we remain within the moral world in abstraction. I have mentioned this many times before. People today lack the capacity to recognize that what they establish through their moral impulses are the causes of future effects that will become visible and are real. This has been lost with the decline of scholastic realism mentioned yesterday.
[ 15 ] Dadurch ist alles das, was moralische Impulse sind, etwas bloß Gedachtes geworden, mit dem der Mensch als mit einer höheren Naturordnung nichts anzufangen weiß. Er weiß höchstens hinzuschauen auf den Zustand, in den sich die Erde verwandeln wird. Wenn er ehrlich ist, muß er sich dann sagen: Das ist der große Friedhof. Da werden auch die moralischen Ideale, die die Menschen ausgedacht haben, begraben sein. Er hat keine ehrlichen Vorstellungen darüber, wie aus der untergehenden Erde eine neue Weltenkugel herauswächst, die aber das Ausgewachsene von den moralischen Impulsen ist, die der Mensch heute entwickelt. Der Mensch hat heute keine Courage, seine moralischen Impulse als Keim von Zukunftswelten zu denken. Darauf kommt es aber nach der einen Seite hin an. Aber es kommt auf etwas noch an, wozu heute eigentlich noch eine größere Courage gehört. Wir haben auf der einen Seite die moralische Weltordnung, von der wir uns vorzustellen haben, daß sie nicht bloß eine gedachte Weltordnung ist, sondern sich mit Realität verbindet und einmal, nachdem die physische Welt zugrunde gegangen sein wird, eine neue physische Welt sein wird. Wenn wir keine Courage dazu haben, sie zu erfassen, so haben wir zu etwas anderem noch weniger Courage.
[ 15 ] As a result, everything that constitutes moral impulses has become merely a figment of the imagination, something with which humanity—as a higher order of nature—does not know what to do. At most, it can look toward the state into which the Earth will be transformed. If it is honest, it must then say to itself: This is the great graveyard. There, too, the moral ideals that human beings have conceived will be buried. He has no honest conception of how a new globe will grow out of the perishing Earth—a globe that is, however, the mature form of the moral impulses that human beings are developing today. People today lack the courage to conceive of their moral impulses as the seeds of future worlds. Yet this is what matters, on the one hand. But there is something else that matters as well, which actually requires even greater courage today. On the one hand, we have the moral world order, which we must imagine not merely as a conceptual world order, but as one that is connected to reality and will one day—after the physical world has perished—become a new physical world. If we lack the courage to grasp this, then we have even less courage for something else.


[ 16 ] Wir sehen auf der andern Seite die Naturordnung. Diese Naturordnung, die der moralischen Ordnung entgegensteht, diese Naturordnung hat uns die großartige Naturwissenschaft gebracht, die bewundernswürdige Naturwissenschaft. Allein, sehen wir heute uns den Hauptimpuls der Naturwissenschaft an. Dieser Hauptimpuls dringt ja in alle Kreise hinein. Ich möchte sagen, der Bauer weiß heute schon mehr von dem, was durch naturwissenschaftliche Weltanschauung verbreitet wird, als er von einer geistigen Weltanschauung weiß. Aber in welchem Zeichen hat sich denn die neuere Naturwissenschaft entwickelt? Das kann man an einem Beispiel ganz besonders klarmachen, weil sich dieses Beispiel außerordentlich rasch entwickelt hat. Eigentlich ist erst um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert das heraufgedämmert, was heute als ein Kulturingrediens unsere ganze äußere Kultur durchflutet. Denken Sie sich doch einmal den ungeheuer großen Kontrast! Denken Sie an jenen Physiker, der einen Froschschenkel präparierte: Zwischen die Schenkel dieses Frosches kam hinein das Metall von seinem Fensterbelag — der Froschschenkel zuckte, da entdeckte er daran die Elektrizität. Wie lange ist das her? Noch nicht einmal eineinhalb Jahrhunderte. Und heute ist die Elektrizität ein Kulturingrediens. Aber nicht nur ein Kulturingrediens. Sehen Sie, als Leute meines Alters noch junge Dachse waren, da ist es keinem Menschen eingefallen, auf dem Gebiete der Physik etwa von Atomen anders zu reden, als daß kleine, unelastische oder auch meinetwillen elastische Kügelchen seien, die sich gegenseitig stoßen und dergleichen, und man hat dann die Ergebnisse dieser Stöße ausgerechnet. Es wäre dazumal noch niemandem eingefallen, das Atom so ohne weiteres vorzustellen, wie man es heute vorstellt: als ein Elektron, als eine Wesenheit, die eigentlich ganz und gar aus Elektrizität besteht.
[ 16 ] On the other hand, we see the natural order. This natural order, which stands in opposition to the moral order, has been brought to us by the magnificent natural sciences, the admirable natural sciences. But let us consider the main driving force behind the natural sciences today. This driving force permeates every sphere of life. I would say that the farmer today already knows more about what is disseminated through the scientific worldview than he does about a spiritual worldview. But under what banner has modern natural science developed? This can be made particularly clear with an example, because this example has developed extraordinarily rapidly. In fact, it was only at the turn of the 18th to the 19th century that what today permeates our entire external culture as a cultural element began to dawn. Just imagine the immense contrast! Think of that physicist who dissected a frog’s leg: a piece of metal from his window frame fell between the frog’s legs—the frog’s leg twitched, and that is how he discovered electricity. How long ago was that? Not even a century and a half. And today, electricity is an integral part of our culture. But it is not merely an integral part of our culture. You see, when people my age were still young, it never occurred to anyone in the field of physics to speak of atoms in any other way than as small, inelastic—or, for my part, elastic—spheres that collide with one another and the like, and the results of these collisions were then calculated. Back then, it would never have occurred to anyone to conceive of the atom quite as we do today: as an electron, as an entity that actually consists entirely of electricity.
[ 17 ] Der Gedanke der Menschen ist ganz eingesponnen worden von der Elektrizität, und das seit noch gar nicht langer Zeit. Heute reden wir von den Atomen als von etwas, wo sich um eine Art kleiner Sonne, um einen Mittelpunkt herum, die Elektrizität lagert; von Elektronen reden wir. Wenn wir also hineinschauen in das Weltengetriebe, so vermuten wir überall Elektrizität. Da hängt schon die äußere Kultur mit dem Denken zusammen. Menschen, die nicht auf den elektrischen Bahnen fahren würden, würden sich auch die Atome nicht so elektrisch vorstellen.
[ 17 ] People’s minds have become completely entangled with electricity, and this has happened only relatively recently. Today we speak of atoms as something in which electricity is concentrated around a sort of small sun, around a central point; we speak of electrons. So when we look into the workings of the universe, we assume that electricity is everywhere. Here, external culture is already linked to thought. People who did not ride on electric trains would not imagine atoms in such an electrical way either.
[ 18 ] Und wenn man nun hinschaut auf die Vorstellungen, die man vor dem Zeitalter der Elektrizität gehabt hat, so kann man von ihnen sagen: Sie haben dem Naturdenker noch die Freiheit gegeben, das Geistige in die Natur wenigstens abstrakt hineinzudenken. — Ein kleiner winziger Rest des scholastischen Realismus war noch vorhanden. Aber die Elektrizität ist dem modernen Menschen auf die Nerven gegangen und hat aus den Nerven alles, was Hinlenkung zum Geistigen ist, herausgeschlagen.
[ 18 ] And if we now look at the ideas people held before the age of electricity, we can say of them: They still gave the natural philosopher the freedom to conceive of the spiritual within nature, at least in the abstract. — A tiny remnant of scholastic realism still remained. But electricity has gotten on modern people’s nerves and has knocked everything that points toward the spiritual out of their minds.
[ 19 ] Es ist ja noch weiter gekommen. Das ganze ehrliche Licht, das durch den Weltenraum flutet, ist ja nach und nach verleumdet worden, auch so etwas Ähnliches zu sein wie die Elektrizität. Wenn man heute so über diese Dinge redet, dann kommt es natürlich jemandem, der mit seinem Kopf ganz untergetaucht ist in die elektrische Kulturwelle, so vor, als ob man lauter Unsinn redete. Aber das ist deshalb, weil dieser Mensch eben mit dem Kopf, der das als Unsinn anschaut, eben mit herausgehaltener Zunge wie der Hund, dem es ganz warm geworden ist, und mit der Geschichtslast auf dem Buckel, sich hinschleppt und mit historischen Begriffen belastet ist und nicht aus der unmittelbaren Gegenwart heraus reden kann.
[ 19 ] It has actually gone even further than that. All that honest light that floods through the cosmos has gradually been slandered as being something similar to electricity. When people talk about these things today, it naturally seems to someone whose head is completely submerged in the wave of electrical culture as if they were spouting nothing but nonsense. But that is because this person—who regards it as nonsense—is dragging himself along with his head held high, his tongue hanging out like a dog that’s gotten quite warm, burdened by the weight of history on his back, weighed down by historical concepts, and unable to speak from the immediate present.
[ 20 ] Denn sehen Sie, mit der Elektrizität betritt man ein Gebiet, das sich dem imaginativen Anschauen anders darstellt als andere Naturgebiete. Solange man im Licht, in der Welt der Töne, also in Optik und Akustik geblieben war, so lange brauchte man nicht dasjenige moralisch zu beurteilen, was einem Stein, Pflanze, Tier, im Lichte als Farben, in der Gehörwelt als Töne kundgaben, weil man einen wenn auch schwachen Nachklang von der Realität der Begriffe und Ideen hatte. Aber die Elektrizität trieb einem diesen Nachklang aus. Und wenn man auf der einen Seite heute für die Welt der moralischen Impulse nicht imstande ist, die Realität zu finden, so ist man andererseits auf dem Felde dessen, was man heute als das wichtigste Ingrediens der Natur ansieht, erst recht nicht imstande, das Moralische zu finden.
[ 20 ] For you see, with electricity one enters a realm that presents itself to the imagination differently than other realms of nature. As long as one remained in the realm of light, in the world of sounds—that is, in optics and acoustics—one did not need to make moral judgments about what a stone, plant, or animal revealed as colors in the light or as sounds in the auditory world, because one still had, albeit a faint one, an echo of the reality of concepts and ideas. But electricity drove that echo away. And if, on the one hand, one is unable today to find reality in the world of moral impulses, then, on the other hand, one is all the more unable to find the moral in the realm of what is now regarded as the most important element of nature.
[ 21 ] Wenn heute einer den moralischen Impulsen reale Wirksamkeit zuschreibt, so daß sie die Kraft in sich haben, wie ein Pflanzenkeim später sinnliche Realität zu werden, dann gilt er als ein halber Narr. Wenn aber etwa heute jemand kommen würde und Naturwirkungen moralische Impulse zuschreiben würde, dann gälte er als ein ganzer Narr. Und dennoch, wer jemals mit wirklicher geistiger Anschauung den elektrischen Strom bewußt durch sein Nervensystem gehen gefühlt hat, der weiß, daß Elektrizität nicht bloß eine Naturströmung ist, sondern daß Elektrizität in der Natur zu gleicher Zeit ein Moralisches ist, und daß in dem Augenblicke, wo wir das Gebiet des Elektrischen betreten, wir uns zugleich in das Moralische hineinbegeben. Denn wenn Sie Ihren Fingerknöchel irgendwo in einen geschlossenen Strom einschalten, so fühlen Sie sogleich, daß sie Ihr Innenleben in ein Gebiet des Innenmenschen hineinerweitern, wo zugleich das Moralische herauskommt. Sie können die Eigenelektrizität, die im Menschen liegt, in keinem andern Gebiete suchen, als wo zugleich die moralischen Impulse herauskommen. Wer die Totalität des Elektrischen erlebt, der erlebt eben zugleich das Naturmoralische. Und ahnungslos haben eigentlich die modernen Physiker einen sonderbaren Hokuspokus gemacht. Sie haben das Atom elektrisch vorgestellt und haben aus dem allgemeinen Zeitbewußtsein heraus vergessen, daß sie dann, wenn sie das Atom elektrisch vorstellen, diesem Atom, jedem Atom einen moralischen Impuls beilegen, es zugleich zu einem moralischen Wesen machen. Aber ich spreche jetzt unrichtig. Man macht nämlich das Atom, indem man es zum Elektron macht, nicht zu einem moralischen Wesen, sondern man macht es zu einem unmoralischen Wesen. In der Elektrizität sind allerdings schwimmend die moralischen Impulse, die Naturimpulse — aber das sind die unmoralischen, das sind die Instinkte des Bösen, die durch die obere Welt überwunden werden müssen.
[ 21 ] If anyone today attributes real efficacy to moral impulses—so that they possess the power, like a plant seed, to later become a tangible reality—then he is considered half a fool. But if, for example, someone were to come along today and attribute moral impulses to natural phenomena, then he would be considered a complete fool. And yet, anyone who has ever consciously felt an electric current passing through their nervous system with true spiritual insight knows that electricity is not merely a natural current, but that electricity in nature is at the same time a moral phenomenon, and that the moment we enter the realm of the electric, we simultaneously enter the realm of the moral. For when you insert your knuckle somewhere into a closed circuit, you immediately feel that your inner life is expanding into a realm of the inner self, where the moral dimension simultaneously emerges. You cannot seek the intrinsic electricity that lies within the human being in any other realm than where moral impulses also emerge. Whoever experiences the totality of the electrical also experiences, at the same time, the moral aspect of nature. And without realizing it, modern physicists have actually performed a strange bit of hocus-pocus. They have conceived of the atom in electrical terms and, out of the general consciousness of time, have forgotten that when they conceive of the atom electrically, they endow this atom—every atom—with a moral impulse, thereby simultaneously making it a moral being. But I am speaking incorrectly now. For by turning the atom into an electron, one does not make it a moral being, but rather an immoral being. In electricity, however, moral impulses—natural impulses—do indeed float about—but these are the immoral ones; these are the instincts of evil that must be overcome by the higher world.
[ 22 ] Und der größte Gegensatz zur Elektrizität ist das Licht. Und es ist ein Vermischen des Guten und des Bösen, wenn man das Licht als Elektrizität ansieht. Man hat eben die wirkliche Anschauung des Bösen in der Naturordnung verloren, wenn man sich nicht bewußt ist, daß man eigentlich die Atome, indem man sie elektrifiziert, zu den Trägern des Bösen macht, nicht nur, wie ich im letzten Kursus ausgeführt habe, zu den Trägern des Toten, sondern zu den Trägern des Bösen. Zu den Trägern des Toten macht man sie, indem man sie überhaupt Atome sein läßt, indem man die Materie atomistisch vorstellt. In dem Augenblicke, wo man diesen Teil der Materie elcktrifiziert, in demselben Augenblicke stellt man sich die Natur als das Böse vor. Denn elektrische Atome sind böse, kleine Dämonen.
[ 22 ] And the greatest contrast to electricity is light. And it is a mingling of good and evil to regard light as electricity. One has simply lost the true understanding of evil in the natural order if one is not aware that, by electrifying atoms, one is actually turning them into bearers of evil—not only, as I explained in the last course, into bearers of death, but into bearers of evil. One makes them bearers of death simply by allowing them to be atoms at all, by conceiving of matter in atomistic terms. The moment one electrifies this part of matter, at that very moment one conceives of nature as evil. For electric atoms are evil, little demons.
[ 23 ] Damit ist eigentlich recht viel gesagt. Denn es ist damit gesagt, daß die moderne Naturerklärung auf dem Wege ist, sich mit dem Bösen richtig zu verbinden. Diese sonderbaren Leute am Ausgang des Mittelalters, die sich so gefürchtet haben vor dem Agrippa von Nettesheim, vor dem Trithem von Sponheim und all den andern, die sie mit dem bösen Pudel des Faust herumgehen ließen, die haben das alles zwar tölpisch ausgedrückt. Aber wenn auch ihre Begriffe unrecht hatten, ihr Gefühl hatte nicht ganz unrecht. Denn wenn wir heute den Physiker sehen, wie er ahnungslos erklärt, die Natur bestehe aus Elektronen, so erklärt er nämlich in Wirklichkeit, die Natur bestehe aus kleinen Dämonen des Bösen. Und es wird, indem man dann diese Natur nurmehr anerkennt, das Böse zu dem Weltengotte erklärt. Würde man ein Gegenwartsmensch sein und würde man nicht nach althergebrachten Begriffen verfahren, sondern nach der Wirklichkeit, dann würde man eben darauf kommen, daß — ebenso wie die moralischen Impulse Leben haben, Naturleben haben, wodurch sie sich realisieren als eine spätere sinnlich wirkliche Welt — auch das Elektrische in der Natur Moralität hat. Nämlich, wenn das Moralische in der Zukunft Naturwirklichkeit hat, hatte das Elektrische in der Vergangenheit Moralwirklichkeit. Und wenn wir es heute anschauen, sehen wir die Bilder einer einstigen Moralwirklichkeit, die aber umgeschlagen sind in das Böse.
[ 23 ] That actually says quite a lot. For it implies that the modern explanation of nature is on its way to properly connecting with evil. Those strange people at the end of the Middle Ages, who were so afraid of Agrippa von Nettesheim, of Trithem von Sponheim, and all the others whom they had walking around with Faust’s evil poodle—they certainly expressed all this in a clumsy way. But even if their concepts were wrong, their intuition was not entirely wrong. For when we see the physicist today, as he unsuspectingly explains that nature consists of electrons, he is in fact declaring that nature consists of tiny demons of evil. And by recognizing only this aspect of nature, evil is thereby proclaimed to be the god of the world. If one were a person of the present and were to proceed not according to traditional concepts but according to reality, then one would come to the conclusion that—just as moral impulses have life, have a natural life, through which they realize themselves as a later, sensually real world—so too does the electrical in nature possess morality. Namely, if the moral has natural reality in the future, then the electrical had moral reality in the past. And when we look at it today, we see the images of a former moral reality that has, however, been transformed into evil.
[ 24 ] Wäre Anthroposophie fanatisch, wäre Anthroposophie asketisch, so würde jetzt natürlich ein Donnerwetter folgen auf die Kultur der Elektrizität. Das wäre aber ein selbstverständlicher Unsinn, denn so reden können nur diejenigen Weltanschauungen, die nicht mit der Wirklichkeit rechnen. Die können sagen: O das ist ahrimanisch! Weg davon! — Das kann man nämlich nur in der Abstraktion tun. Denn wenn man gerade eben eine sektiererische Versammlung arrangiert hat und da gewettert hat von dem Sich-Hüten vor Ahriman, dann geht man doch über die Treppe hinunter und steigt in die elektrische Bahn ein. So daß dieses ganze Wettern über den Ahriman, wenn es noch so heilig klingt — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck —, Mumpitz ist. Man kann sich eben nicht davor verschließen, daß man mit dem Ahriman leben muß. Man muß nur in der richtigen Weise mit ihm leben, man muß sich nur nicht von ihm überwältigen lassen.
[ 24 ] If anthroposophy were fanatical, if anthroposophy were ascetic, then of course a storm of criticism would now follow in the wake of the “culture of electricity.” But that would be self-evident nonsense, for only those worldviews that do not take reality into account can speak in such a way. They can say: “Oh, that’s Ahrimanic! Stay away from it!” — But that’s something one can only do in the abstract. For when one has just organized a sectarian gathering and railed there about guarding against Ahriman, one still walks down the stairs and boards the electric train. So all this ranting about Ahriman, no matter how sacred it may sound—forgive the trivial expression—is nonsense. One simply cannot shut oneself off from the fact that one must live with Ahriman. One must simply live with him in the right way; one must simply not allow oneself to be overwhelmed by him.
[ 25 ] Und Sie können schon aus meinem ersten Mysteriendrama, aus dem Schlußbild ersehen, was die Bewußtlosigkeit über eine Sache bedeutet. Lesen Sie dieses Schlußbild noch einmal nach und Sie werden sehen, daß es etwas ganz anderes ist, ob ich mich über eine Sache in Unbewufßtheit wiege, oder ob ich sie bewußt erfasse. Ahriman und Luzifer haben die höchste Gewalt über den Menschen, wenn der Mensch von ihnen nichts weiß, wenn sie an ihm hantieren können, ohne daß er es weiß. Das ist gerade in dem Schlußbilde des ersten Mysteriendramas ausgesprochen. Daher hat die ahrimanische Elektrizität über den Kulturmenschen nur so lange Gewalt, solange der Mensch ganz hübsch unbewußt, ahnungslos die Atome elektrifiziert und glaubt: das ist eben harmlos. Er wird dabei nur nicht gewahr, daß er sich so die Natur aus lauter kleinen Dämonen des Bösen bestehend vorstellt. Und wenn er gar noch das Licht elektrifiziert, wie es eine neuere Theorie getan hat, dann dichtet er dem guten Gotte die Eigenschaften des Bösen an. Es ist eigentlich erschrekkend, in welch hohem Grade ahnungslos unsere heutige Naturforschung eine Dämonolatrie ist, eine Anbetung der Dämonen. Man muß sich dessen nur bewußt werden, denn auf die Bewußtheit kommt es dabei an — wir leben im Zeitalter der Bewußtseinsseele.
[ 25 ] And you can already see from my first Mystery Drama—from the final scene—what it means to be unaware of something. Read that final scene again, and you will see that it is quite a different matter whether I am lulled into unconsciousness regarding a matter or whether I grasp it consciously. Ahriman and Lucifer have the greatest power over human beings when they are unaware of them, when they can manipulate them without their knowledge. This is precisely what is expressed in the final scene of the first Mystery Drama. Therefore, Ahrimanic electricity exerts power over civilized humanity only as long as people, quite blissfully unaware and unsuspecting, electrify atoms and believe: “This is simply harmless.” In doing so, they simply fail to realize that they are thus imagining nature as consisting entirely of tiny demons of evil. And if he even goes so far as to electrify light, as a recent theory has done, then he attributes the characteristics of evil to the good God. It is actually terrifying to what a high degree our modern natural science, without any inkling of it, is a form of demonolatry—a worship of demons. One need only become aware of this, for awareness is what matters here—we live in the age of the conscious soul.
[ 26 ] Warum verstehen wir es nicht, im Zeitalter der Bewußtseinsseele zu leben? Wir verstehen es nicht, weil wir eben die Last des Historischen auf unserem Buckel tragen, weil wir mit keinen neuen Begriffen arbeiten, sondern mit lauter alten.
[ 26 ] Why don’t we understand how to live in the age of the conscious soul? We don’t understand because we are burdened by the weight of history, because we work not with new concepts, but only with old ones.
[ 27 ] Und wenn einer das spürt wie Nietzsche, dann kommt er zunächst nur ins Kritisieren hinein, aber er ist doch, wenn er auf dem Felde des Alten stehenbleibt, nicht imstande, irgendwie die Richtung zu zeigen, in der die Entwickelung weitergehen muß. Sehen Sie sich einmal diesen, ich möchte sagen, brillanten jungen Nietzsche an, der diese glänzende Abhandlung geschrieben hat: «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben», der da wirklich mit flammenden Worten gefordert hat, daß man die Last der Geschichte abschmeiße und ein Mensch in der vollen Gegenwart werde, daß man das Leben an die Stelle der Vergangenheit setze. Was ist geworden? Er hat sich den Darwinismus genommen und ist gewahr geworden — nun ja: Aus dem Tier ist der Mensch geworden, also aus dem Menschen wird der Übermensch. — Aber dieser Übermensch ist ja ein ganz abstraktes Produkt geblieben, hat ja keinen Inhalt, ist ja ein leerer Menschensack. Man kann physisch allerlei von ihm sagen, aber man kommt zu keiner Imagination. Gewiß, man kann im Sinne von Nietzsche die Naturwissenschafter Rechenknechte nennen; es ist sogar ein sehr schön geprägtes Wort, denn fast etwas anderes tun die Naturwissenschafter heute nicht mehr, als rechnen. Und wenn einer nicht rechnet, wie zum Beispiel Goethe, dann schmeißen sie ihn hinaus aus dem Tempel der Naturwissenschaft. Aber um was es sich handelt, ist doch etwas anderes. Um was es sich handelt, ist die Courage, das Moralische in seiner Realität, und das Natürliche in seiner Idealität am rechten Flecke zu erkennen, die moralischen Impulse als den Keim späterer Naturordnungen zu erkennen, die Naturordnung mit ihrer Elektrizität heute als eine moralische Ordnung zu erkennen, wenn auch als die antimoralische, als die böse Ordnung zu erkennen. Man muß den Mut haben, am rechten Fleck der Natur moralische Eigenschaften beilegen zu können.
[ 27 ] And when someone feels this way, as Nietzsche did, he initially resorts only to criticism; yet, if he remains stuck in the realm of the old, he is unable to point the way in which development must proceed. Just look at this—I would say—brilliant young Nietzsche, who wrote that brilliant essay, “On the Use and Abuse of History for Life,” in which he truly demanded, with fiery words, that we cast off the burden of history and become fully present human beings, that we replace the past with life. What has become of it? He took up Darwinism and came to realize—well, yes: Man has emerged from the animal, so man will become the Übermensch. — But this Übermensch has remained a completely abstract construct; it has no substance; it is nothing but an empty shell of a human being. One can say all sorts of things about him physically, but one cannot conjure up any vivid image. Certainly, in Nietzsche’s sense, one can call natural scientists “calculating servants”; it is even a very beautifully coined term, for natural scientists today do little else but calculate. And if someone does not calculate—as Goethe, for example, did—then they throw him out of the temple of natural science. But what is at stake here is something else entirely. What is at stake is the courage to recognize the moral in its reality and the natural in its ideality in their proper places; to recognize moral impulses as the seed of future natural orders; to recognize the natural order with its electricity today as a moral order—even if it is an antimoral one, an evil order. One must have the courage to be able to attribute moral qualities to the right place in nature.
[ 28 ] Dazu ist natürlich eine richtige Menschenerkenntnis notwendig. Denn wenn der Mensch im Sinne der heutigen Physiologie nachdenkt, warum eigentlich ein unmoralischer Impuls, dem er sich hingibt, seinem Körper schaden soll, so wäre er ja ein Trottel, wenn er das nach der heutigen Physiologie und Biologie zugestehen würde. Denn er kennt all die Wirkungsweisen, die im Blute, in den Nerven und so weiter tätig sind: dadrinnen ist nirgends vom Moralischen die Rede. Und wenn dann geredet wird von Elektrizität und dem Menschen auch eine innerliche Elektrizität zugeschrieben wird, dann weiß ja der Mensch nichts davon, daß diese Elektrizität die unmoralischen Impulse wirklich absorbieren kann, aufnehmen kann. Man redet heute von Sauerstoffabsorbieren, von allem möglichen Absorbieren im materiellen Sinne. Daß aber die Elektrizität in uns das Unmoralische absorbiert und daß das ein Naturgesetz ist wie andere Naturgesetze, davon redet man nicht, ebensowenig wie man davon redet, daß das Licht, das wir aus der Außenwelt aufnehmen, in uns konserviert, die guten, moralischen Impulse absorbiert. Man muß in die Physiologie das Geistige hineinbringen.
[ 28 ] Of course, this requires a proper understanding of human nature. For if a person were to think, in terms of modern physiology, about why an immoral impulse to which he yields should actually harm his body, he would be a fool to admit this based on modern physiology and biology. For they know all the mechanisms at work in the blood, the nerves, and so on: nowhere within them is there any mention of morality. And when people speak of electricity and attribute an inner electricity to human beings as well, they are unaware that this electricity can actually absorb and take in these immoral impulses. Today people speak of absorbing oxygen, of all kinds of absorption in the material sense. But the fact that the electricity within us absorbs the immoral—and that this is a law of nature just like other laws of nature—is not discussed, any more than it is discussed that the light we take in from the outside world is conserved within us, absorbing the good, moral impulses. We must bring the spiritual into physiology.
[ 29 ] Aber das können wir nur, wenn wir uns freimachen von den alten Begriffslasten der Geschichte, die in uns krabbelt und sticht und vor allen Dingen auf unserem Rücken trampelt. Das können wir nur, wenn wir uns erinnern: mit dem Verfall des scholastischen Realismus sind unsere Begriffe Worte geworden — Worte im schlechten Sinne —, und mit den Worten kommt man nicht mehr an die Realität heran. Wir leben ja nicht mehr die Worte mit, sonst würden wir im Verfolgen der Laute eben noch etwas Lebendiges haben. Denken Sie nur, wie oft ich hier gesagt habe: Der Geist, der in der Sprache waltet, ist ein weiser Geist, viel weiser als der einzelne Mensch ist. — Bei jeder Gelegenheit kann das der Mensch wahrnehmen, wenn er ein Gefühl entwickelt für das Wunderbare, das in den Wortgestaltungen lebt. Denken Sie nur einmal — und in andern Sprachen ist es nicht anders —, wenn ich sage: besinnen, ich besinne mich, und: ich habe mich besonnen! — Heute schleppt der Lehrer die Last der Historie auf dem Buckel in das Schulzimmer hinein, hängt diese Last nicht an den Nagel, sondern unterrichtet unter dieser Last mit klebriger Zunge, bringt es höchstens zustande, grammatikalisch den Schülern zu sagen: Ich besinne mich —, ist die Gegenwart, das Präsens, Ich habe mich besonnen —, ist das Perfektum.
[ 29 ] But we can only do that if we free ourselves from the old conceptual burdens of history, which crawl and sting within us and, above all, trample on our backs. We can only do this if we remember: with the decline of scholastic realism, our concepts have become words—words in the negative sense—and words no longer allow us to approach reality. After all, we no longer live out the words; otherwise, in pursuing the sounds, we would still have something alive. Just think how often I have said here: The spirit that reigns in language is a wise spirit, far wiser than any individual human being. — People can perceive this at every opportunity if they develop a sense for the wonder that lives in the forms of words. Just think for a moment—and it is no different in other languages—when I say: “to reflect,” “I am reflecting,” and “I have reflected!” — Today, the teacher drags the burden of history onto his back and into the classroom; he does not cast off this burden, but teaches under its weight with a tongue that sticks, managing at best to tell the students grammatically: “I reflect”—that is the present tense—“I have reflected”—that is the perfect tense.
[ 30 ] Aber wenn ich mich besonnen habe, muß ich doch fühlen, was heißt denn das: Ich habe mich besonnen? — Ich habe mich in die Sonne gestellt! Und wenn ich mich besinne, da habe ich mich bedient des Sonnenlichtes, das in mir ist, da verdichtet sich das o zum i. — Überhaupt, wenn die Sonne in mir lebt, so ist sie — die Sinne! Wenn ich mich der Sonne hingebe, so weiß ich nichts mehr von den Sinnen, dann sind sie die Sonne. Vom Sinnen gehe ich hinaus in die Welt. Ich werde ein Glied des Kosmos, indem ich Vergangenheit aufnehme. Man muß mitleben mit der Sprache, man muß fühlen, was das heißt, ein i wird zu einem o. Das bedeutet ja etwas, was man in der Welt tut, wenn man in der Sprache ein i zu einem o werden laßt!
[ 30 ] But when I’ve come to my senses, I have to ask myself: What does that even mean—that I’ve come to my senses? — I’ve stepped out into the sun! And when I reflect, I’ve made use of the sunlight that’s within me; that’s when the “o” condenses into an “i.” — In fact, when the sun lives within me, it is—the senses! When I surrender myself to the sun, I no longer know anything of the senses; then they are the sun. From the senses, I step out into the world. I become a part of the cosmos by absorbing the past. One must live in harmony with language; one must feel what it means for an “i” to become an “o.” After all, it signifies something one does in the world when one allows an “i” to become an “o” in language!
[ 31 ] Diese Dinge deuten eben darauf hin, wie wir nötig haben zu den Fundamenten der Menschlichkeit zurückzugehen, um solche Sehnsuchten zu erklären, wie sie die besten Leute — Herman Grimm, Nietzsche — gehabt haben. Mit so etwas, wie es die Eurythmie ist, schaffen wir etwas, was zu den Fundamenten des Menschlichen zurückgeht. Daher ist es so wichtig, daß gerade Anthroposophen auch solch ein künstlerisches Schaffen, wie die Eurythmie, richtig aus dem Fundamente verstehen. Darauf kommt es an, daß wir als Anthroposophen fühlen, was wirklich als Erneuerung der Zivilisation gemeint ist.
[ 31 ] These things point precisely to how we need to return to the foundations of humanity in order to explain such longings as those felt by the greatest minds—Herman Grimm, Nietzsche. With something like eurythmy, we create something that goes back to the foundations of what it means to be human. That is why it is so important that anthroposophists, in particular, understand such artistic creation as eurythmy correctly, right down to its foundations. What matters is that we, as anthroposophists, feel what is truly meant by the renewal of civilization.
[ 32 ] Es kommt also wirklich in der Gegenwart nicht darauf an, daß wir etwa noch mehr Geschichte hereintragen, sondern daß wir Gegenwartsmenschen werden. Dieses Bewußtsein, das muß auftauchen in den Seelen der Anthroposophen. Sonst wird es doch immer wieder und wiederum mißverstanden werden, wie man es mit dem Anthroposophischen zu halten hat. Es tauchen da oder dort immer wiederum solche Bestrebungen auf, die da zeigen, daß man von solch einem Urteil ausgeht, wie: Kann man nicht da oder dorthin ein bissel Eurythmisches bringen, damit die Leute, eingestreut in andere Sachen, auch etwas Eurythmisches sehen? Damit man den Leuten entgegenkommt, ihnen nach ihrem eigenen Geschmack so ein bißchen das Eurythmische oder Anthroposophische hereinschwindelt? — Das darf nicht unsere Bestrebung sein, sondern wir müssen in absoluter Ehrlichkeit und Redlichkeit dasjenige vor die Welt hinstellen, was Anthroposophie wirklich wollen muß. Sonst kommen wir nicht weiter. Mit dem Rücksichtnehmen auf das Alte werden wir solche Dinge nicht erreichen, wie ich sie eben charakterisiert habe und wie sie, damit die Menschheit nicht absterbe, erreicht werden müssen.
[ 32 ] So what really matters in the present is not that we bring in even more history, but that we become people of the present. This awareness must arise in the souls of anthroposophists. Otherwise, there will be repeated misunderstandings about how to approach anthroposophy. Here and there, such efforts keep cropping up that reveal a mindset based on the idea: “Can’t we introduce a little eurythmy here or there, so that people, amidst other things, might also see something eurythmic?” So that we can accommodate people, slipping in a little eurythmy or anthroposophy to suit their own tastes? — That must not be our aim; rather, we must present to the world, with absolute honesty and integrity, what anthroposophy truly must strive for. Otherwise, we will not make any progress. By being overly considerate of the old ways, we will not achieve the things I have just described—and which must be achieved so that humanity does not die out.
[ 33 ] Nicht wahr, Umdenken und Umempfinden waren die Worte, die ich gestern gebraucht habe. Zu einem solchen Umdenken und Umempfinden, nicht bloß zum Betrachten eines andern Weltbildes müssen wir kommen. Und wir müssen uns den Mut zulegen, moralische Begriffe, also in diesem Falle antimoralische Begriffe anzuwenden, wenn wir von Elektrizität sprechen. Vor den Dingen gruselt es ja dem modernen Menschen. Er empfindet es unangenehm, wenn er sich gestehen soll, daß er sich, wenn er in die elektrische Bahn einsteigt, auf den Sessel des Ahriman setzt. Also mystiziert er sich lieber darüber hinweg, bildet sektiererische Versammlungen, in denen er sagt: Man muß sich vor dem Ahriman hüten. — Aber darauf kommt es nicht an, sondern es kommt darauf an, daß wir wissen: Die Erdenentwickelung ist fortan eine solche, wo die Naturkräfte selber, die in das Kulturleben hereinwirken, ahrimanisiert sein müssen. Und man muß sich dessen geradezu bewußt sein, weil man nur dadurch den richtigen Weg finden wird.
[ 33 ] Isn’t that right? “A change in thinking” and “a change in perspective” were the words I used yesterday. We must arrive at such a change in thinking and perspective—not merely at the consideration of a different worldview. And we must summon the courage to apply moral concepts—or, in this case, anti-moral concepts—when we speak of electricity. Modern people are, after all, horrified by these things. They find it unpleasant to admit that, when they board an electric train, they are sitting in Ahriman’s seat. So they prefer to mystify their way out of it, forming sectarian gatherings where they say: “One must guard against Ahriman.” — But that is not the point; what matters is that we know: From now on, the development of the Earth is such that the very forces of nature that influence cultural life must be Ahrimanized. And one must be fully aware of this, because only in this way will one find the right path.
[ 34 ] Das ist auch schon etwas, was als Erkenntnis in sich zu entwikkeln, zu den Aufgaben des Anthroposophen gehört. Und es kann sich wirklich nicht darum handeln, daß Anthroposophie nur so hingenommen würde wie eine Art Ersatz für etwas, was einem früher in den Bekenntnissen geliefert worden ist. Die sind vielen sogenannten gebildeten Menschen heute langweilig geworden, die Anthroposophie ist noch nicht so langweilig, sie ist kurzweiliger; also wenden sie sich nicht zu dem oder jenem Bekenntnis, sondern zu der Anthroposophie. So kann es nicht sein, sondern worum es sich handelt, ist: daß wir aus dem Zeitbewußtsein heraus ganz objektiv die Zugehörigkeit unseres Herzens zu dem Gottesherzen der Welt verspüren. Das aber kann eben gerade durch solche Wege erreicht werden, wie sie hier charakterisiert worden sind.
[ 34 ] This, too, is something that the anthroposophist must develop as an insight in and of itself. And it certainly cannot be a matter of accepting anthroposophy merely as a kind of substitute for something that was previously provided by one’s former creed. Those have become boring to many so-called educated people today; anthroposophy is not yet so boring—it is more engaging—so they do not turn to this or that creed, but to anthroposophy. It cannot be that way; rather, what is at stake is this: that, out of a sense of the times, we quite objectively feel the connection of our hearts to the divine heart of the world. And this can be achieved precisely through the paths that have been described here.



