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Earthly Knowledge and Heavenly Insight
GA 221

9 February 1923, Dornach

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Earthly Knowledge and Heavenly Insight, tr. SOL
  1. Erdenwissen und Himmelserkenntnis

4. Erdenwissen und Himmelserkenntnis. Der Mensch als Bürger Des Universums Und Der Mensch als Erdeneremit

4. Knowledge of the Earth and Insight into the Heavens. Man as a Citizen of the Universe and Man as an Earthly Hermit

[ 1 ] Die vorangehenden Betrachtungen haben sich im wesentlichen damit beschäftigt, zu zeigen, wie sich der Mensch in der heutigen Zeit ein Bewußtsein verschaffen kann über seine gegenwärtige Stellung in der Menschheitsentwickelung der Erde. Man macht sich ja auch in den Kreisen, die heute nichts wissen wollen von einer Erkenntnis geistiger Welten, irgendeinen Begriff von diesem Bewußtsein eines Verhältnisses des Menschen zum Weltenall. Und etwas, was in dieser Beziehung, in dieser Richtung heute viel ausgesprochen wird, wollen wir uns einmal vor die Seele rufen. Es wird ja auch da, wo alle Anschauungen über das Weltenall aus dem äußeren Sinnengeschehen und der verstandesmäßigen Erfassung dieses Sinnengeschehens hergeleitet werden, davon gesprochen, wie das ganze Weltbewußtsein des modernen Menschen im Laufe der letzten Jahrhunderte ein anderes geworden ist. Es wird da hingewiesen auf den großen Umschwung, der in diesem Weltbewußtsein des Menschen eingetreten ist durch die Kopernikanische Weltanschauung.

[ 1 ] The preceding reflections have essentially focused on showing how people today can gain an awareness of their current position in the development of humanity on Earth. Even in circles that today want nothing to do with an understanding of spiritual worlds, people still form some kind of concept of this awareness of humanity’s relationship to the universe. And let us bring to mind something that is frequently expressed today in this regard, in this direction. Even in those circles where all views of the universe are derived from external sensory experience and the intellectual grasp of that experience, there is talk of how modern humanity’s entire worldview has changed over the course of the last few centuries. Reference is made to the great upheaval that has taken place in this human world-consciousness as a result of the Copernican worldview.

[ 2 ] Wir brauchen ja nur in die Jahrhunderte zurückzublicken, die der Kopernikanischen Weltanschauung vorangegangen sind, wir brauchen zum Beispiel nur zurückzublicken auf die auch hier in der letzten Zeit wieder erwähnte scholastische Weltanschauung, und wir finden, daß für diese Weltanschauung in den Sternenwelten geistige Kräfte und geistige Wesenheiten anwesend waren. Wir vernehmen, wie die Scholastiker gesprochen haben von den Bewohnern der Sterne, die höheren Hierarchien in der Wesensentwickelung angehören.

[ 2 ] We need only look back to the centuries that preceded the Copernican worldview; for example, we need only look back at the Scholastic worldview, which has also been mentioned here again recently, and we find that spiritual forces and spiritual beings were present in the starry realms for this worldview. We hear how the Scholastics spoke of the inhabitants of the stars, who belong to the higher hierarchies in the development of beings.

[ 3 ] Es haben also die Menschen dieser Weltanschauung den Blick hinausgerichtet in das Weltenall, haben hingesehen nach den Planeten unseres Planetensystems, nach den anderen Sternen des Sternenhimmels, und sie haben ein Bewußtsein davon entwickelt, daß nicht bloß ätherisch-materielles Licht aus den Sternenwelten zu ihnen herunterdringt, sondern daß gewissermaßen in die Seelen hereinfallen beim Anblicke des Sternenhimmels die Blicke von geistigen Wesenheiten, deren äußere Verkörperung in den Sternen zu sehen ist. Es ist dann so geworden, daß heute, wenn der Mensch hinausblickt nach den Planeten, nach den anderen Sternen, er vor allen Dingen sich ein Bild davon macht, wie materielle und von Äther durchdrungene Körper frei im Weltenraume schwebend sind, wie Lichtwirkungen von diesen Sternen ausgehen. Aber keineswegs denkt der Mensch daran, daß ihn von diesen Sternen aus die Blicke von geistigen Wesenheiten höherer Hierarchien treffen.

[ 3 ] So the people who held this worldview turned their gaze out into the cosmos; they looked at the planets of our solar system and at the other stars in the night sky, and they have developed an awareness that it is not merely ethereal-material light that streams down to them from the starry worlds, but that, in a sense, when they gaze at the starry sky, the gazes of spiritual beings—whose outer embodiment can be seen in the stars—fall into their souls. It has come to pass that today, when people look out at the planets and the other stars, they primarily form a picture of how material bodies, permeated by ether, float freely in space, and how light emanates from these stars. But people do not in the least consider that the gazes of spiritual beings from higher hierarchies are directed at them from these stars.

[ 4 ] Entseelt und entgeistet ist das Weltenall für den modernen Menschen geworden. Und im Bereiche des Erdendaseins fand der Mensch der älteren Zeit dasjenige, was innig zusammenhing in bezug auf das geistige Leben mit dem geistigen Leben des Universums. In den geistigen Wesenheiten der anderen Sterne waren schöpferische Kräfte, die etwas zu tun hatten mit dem, was sich hier im Menschen geistig-seelisch entwickelt, geistig-seelisch-körperlich, können wir auch sagen. Die Menschen haben hinaufgesehen, sagen wir zu dem Saturn. Sie haben in den Kräften, die mit den Lichtstrahlen von dem Saturn zur Erde herunterkommen, diejenigen Kräfte gesehen, welche in das menschliche Wesen hereinwirken und in diesem menschlichen Wesen die Kraft des Gedächtnisses bewirken. Sie haben hinaufgesehen zum Jupiter, haben den Jupiter verbunden gesehen mit geistigen Wesenheiten höherer Hierarchien, die ihre Wirkungen hereinsenden in den Menschen, so daß die Folge dieser Wirkungen im Menschen die Ausbildung der Kraft der Phantasie ist. Sie haben zum Mars hinaufgesehen: sie waren der Anschauung, daß die Kräfte, die von den geistigen Wesenheiten des Mars in den Menschen hereinwirken, dem Menschen die Kraft der Vernunft geben.

[ 4 ] For modern humanity, the universe has become devoid of soul and spirit. And in the realm of earthly existence, people of earlier times found that which was intimately connected, in terms of spiritual life, with the spiritual life of the universe. The spiritual beings of the other stars possessed creative forces that were connected to what develops here in human beings on the spiritual-soul level—or, we might also say, on the spiritual-soul-physical level. People looked up—let us say—at Saturn. In the forces descending to Earth in the rays of light from Saturn, they saw the very forces that work within the human being and bring about the power of memory in that human being. They looked up at Jupiter and saw it connected with spiritual beings of higher hierarchies who send their influences into human beings, so that the result of these influences in the human being is the development of the power of imagination. They looked up at Mars: they held the view that the forces acting upon human beings from the spiritual beings of Mars give human beings the power of reason.

[ 5 ] So sah der Mensch einer älteren Menschheitsentwickelung der Erde hinauf zu dem Sternenhimmel und sah im Sternenhimmel die Ursprünge desjenigen, was er in sich selber geistig-seelisch-körperlich wahrnahm. Es fühlte sich der Mensch zusammengehörig mit Wesen höherer Hierarchien, und die äußeren Offenbarungen dieser Wesen höherer Hierarchien sah der Mensch in den Sternen.

[ 5 ] Thus, in an earlier stage of human development on Earth, people looked up at the starry sky and saw in it the origins of what they perceived within themselves—spiritually, soulfully, and physically. Human beings felt a sense of kinship with beings of higher hierarchies, and they saw the outer manifestations of these beings of higher hierarchies in the stars.

[ 6 ] Gleichzeitig mit dem Heraufkommen der Kopernikanischen Weltanschauung ist auch dieses Weltbild entfallen. Denn man wird es begreiflich finden, daß eine Erde, welche man unter dem Einflusse unermeßlich vieler geistiger Wesenskräfte des Universums sah, für den Menschen, man möchte sagen, auch eine Gabe des ganzen Universums war, daß der Mensch, indem er auf der Erde lebte, in dieser Erde eben den Zusammenfluß der Wirkungen unzähliger Wesenheiten sah. Der Mensch fühlte sich gewissermaßen als Erdenbürger, aber, indem er sich als solcher fühlte, zu gleicher Zeit als ein Bürger des Universums.

[ 6 ] With the emergence of the Copernican worldview, this conception of the world also fell by the wayside. For it is understandable that a Earth, which was viewed as being under the influence of an immeasurable multitude of spiritual forces in the universe, was, one might say, also a gift from the entire universe to humankind—that by living on Earth, humankind saw in this Earth the very convergence of the effects of countless beings. Humanity felt, in a sense, like a citizen of the Earth, but in feeling this way, it also felt itself to be a citizen of the universe.

[ 7 ] Er sah hinauf zu den Göttern, verehrte seine Götter, aber sprach von diesen Göttern so, daß in ihren Absichten es gelegen hat, den Gang der Menschheitsentwickelung auf der Erde zu bestimmen. Die Erde wurde in ihrer Geschichte, die Erde wurde als Wohnplatz des Menschen erklärlich aus dem, was man vom Kosmos, was man vom Universum begriff. Vom Himmel aus erklärte man sich die Erde, und bei den Göttern suchte man die Absichten für dasjenige, was man im Umkreise des Erdengeschehens sah, und womit man als Mensch innig zusammenhing.

[ 7 ] He looked up to the gods, worshiped his gods, but spoke of these gods in such a way that it was their intention to determine the course of human development on Earth. Throughout its history, the Earth—as the dwelling place of humankind—was understood in light of what was known about the cosmos and the universe. People explained the Earth from the perspective of the heavens, and they sought in the gods the purposes behind what they observed in the events surrounding the Earth—events with which they, as human beings, were intimately connected.

[ 8 ] Das, was sich aus der Kopernikanischen Weltanschauung herausgebildet hat, gibt für den modernen Menschen eben ein ganz anderes Weltenbild. Der Mensch empfand immer mehr, wie die Erde ein unbedeutender Weltenkörper ist, der um die Sonne herumfliegt. Und indem er in der modernen Art nachdachte, welche Beziehung diese Erde zu dem anderen Universum, zum Kosmos hat, konnte er nicht anders, als diese Erde ein Staubkorn im Universum zu nennen. Ihm kamen alle anderen Himmelskörper, deren sein Auge ansichtig wurde, bedeutender vor als die Erde, denn für ihn wurde maßgebend die äußere physische Größe. Und in bezug auf diese kann es die Erde kaum mit wenigen Himmelskörpern aufnehmen.

[ 8 ] What emerged from the Copernican worldview offers modern humans a completely different picture of the world. People came to realize more and more that the Earth is an insignificant celestial body orbiting the Sun. And as they reflected in the modern way on the relationship between this Earth and the rest of the universe—the cosmos—they could not help but call the Earth a speck of dust in the universe. To them, all the other celestial bodies that their eyes could see seemed more significant than the Earth, for external physical size became the decisive factor. And in this regard, the Earth can hardly compete with even a few celestial bodies.

[ 9 ] So wurde für den Menschen immer mehr und mehr die Erde gewissermaßen nur ein Staubkorn im Universum, und der Mensch fühlte sich auf dieser dem Universum gegenüber so unbedeutenden Erde auch bedeutungslos im Kosmos, bedeutungslos im Universum. Mit geistigen Kräften hing er ja nicht mehr an diesem Universum. Es mußte ihm unmöglich erscheinen, zu glauben, daß mit irgendwelchen Absichten von göttlichen Wesenheiten, die im Universum sind, dasjenige zusammenhinge, was auf diesem unbedeutenden Staubkorn des Universums, Erde genannt, vorgeht. Man möchte sagen: All das, was der Mensch auf Erden gesehen hat deshalb, weil er den Himmel von Geistern und geistigen Kräften bevölkert erkannte, all das ging in der neueren Zeit dem Menschen verloren. Das Universum wurde entseelt und entgeistet. Die Erde schrumpfte zusammen zu einem unbedeutenden Staubkorn in der entgeisteten und entseelten Welt.

[ 9 ] Thus, for humankind, the Earth increasingly became, as it were, nothing more than a speck of dust in the universe, and on this Earth—so insignificant in the face of the universe—humankind also felt meaningless in the cosmos, meaningless in the universe. After all, it was no longer bound to this universe by spiritual forces. It must have seemed impossible to him to believe that what was happening on this insignificant speck of dust in the universe, called Earth, was connected to any intentions of divine beings existing in the universe. One might say: Everything that human beings saw on Earth—precisely because they recognized the heavens as populated by spirits and spiritual forces—all of that has been lost to humanity in modern times. The universe has been stripped of its soul and spirit. The Earth has shrunk to an insignificant speck of dust in this world stripped of spirit and soul.

[ 10 ] Man muß einen solchen Wandel des Weltenbildes nicht nur vom Standpunkt einer theoretischen Welterklärung, sondern vom Standpunkt des Menschenbewußtseins selbst auffassen. Anders wußte sich der Mensch, der sich auf einer Erde sah, auf die hereinwirkten unzählige geistige Wesenheiten, die ihre Verwirklichung, ihre Absichten im Menschen der Erde hatten, anders wirkten diese Ansichten auf den Menschen, als der geistleere Raum, in dem leuchtende, räumlich geformte Weltenkugeln stehen und sich bewegen, von denen man keine andere Tätigkeit ins Auge faßt als die Bewegung im Raume, als die Offenbarung durch das Licht. Wie anders mußte sich der Mensch, der auf einem der kleinsten dieser Weltenkörper sich nun wußte, vorkommen im geistlosen, im entseelten Raume, als innerhalb früherer Weltenbilder. Und dennoch, einmal mußte dieses Weltenbild im Laufe der Menschheitsentwickelung heraufkommen. Dasjenige, was einmal eine ältere Menschheit über die Himmel gewußt hat und über ihre Bewohner, die göttlich-geistigen Wesen, das war ja die Eingebung, die Imagination eines alten traumhaften Hellsehens, das war etwas, was als solches Hellsehen sich ja selber heruntergesenkt hatte von dem Universum in den Menschen hinein. Man muß sich diese Sache nur richtig vorstellen. Wenn der Mensch älterer Zeiten hinaufsah zu Saturn, Jupiter, Mars, und göttlich-geistige Wirkenskräfte in diesen Weltenkörpern sah, so war das deshalb, weil von diesen Weltenkörpern selber die Offenbarungen in sein Inneres drangen und sich in ihm spiegelten, so daß er durch die Einflüsse des Universums, des Kosmos, in sich wußte, was aus dem Kosmos hereinströmt auf die Erde. Und so wurde ihm durch dasjenige, was ihm der Himmel gab, die Erde erklärlich. Der Mensch sah zu seinen Göttern auf und wußte, welches Wesen er auf Erden ist. Im modernen Weltenbilde weiß er das alles nicht.

[ 10 ] One must understand such a transformation of the worldview not only from the standpoint of a theoretical explanation of the world, but also from the standpoint of human consciousness itself. The human being, who saw himself on an Earth upon which countless spiritual beings were acting—beings whose realization and intentions lay in the human beings of Earth—perceived himself differently; these views had a different effect on human beings than the spiritless space in which luminous, spatially formed celestial spheres stand and move, of which one conceives no other activity than movement in space, than revelation through light. How different must the human being, who now knew himself to be on one of the smallest of these celestial bodies, have felt in that spiritless, soulless space compared to earlier worldviews. And yet, this worldview was bound to emerge at some point in the course of human development. What an earlier humanity once knew about the heavens and their inhabitants—the divine-spiritual beings—was, after all, the inspiration, the imagination of an ancient, dreamlike clairvoyance; it was something that, as such clairvoyance, had descended of its own accord from the universe into the human being. One need only picture this matter correctly. When the people of earlier times looked up at Saturn, Jupiter, and Mars, and saw divine-spiritual forces at work within these celestial bodies, it was because revelations from these celestial bodies themselves penetrated his inner being and were reflected within him, so that through the influences of the universe, of the cosmos, he knew within himself what flows from the cosmos down to the Earth. And so, through what the heavens gave him, the Earth became understandable to him. People looked up to their gods and knew what kind of beings they were on Earth. In the modern worldview, they know none of this.

[ 11 ] Im modernen Weltenbilde ist die Erde zusammengeschrumpft zu einem Staubkorn des Universums, und nun steht der Mensch als kleines, unbedeutendes Wesen auf diesem Staubkorn. Nun sagen ihm die Götter der Sterne nichts mehr über die Pflanzen, Tiere und die anderen Reiche der Erde. Nun muß er nur seine Sinne hinlenken auf dasjenige, was im mineralischen, pflanzlichen, im tierischen, im Menschenreiche lebt, was in Wind und Welle webt, was in Wolken, in Blitz und Donner west. Nun kann er keine Offenbarungen empfangen als diejenigen, die ihm seine Sinne geben über die Dinge der Erde, und er kann dann auch nur von den Offenbarungen der Erdensinnesdinge schließen auf dasjenige, was im Universum ist, nach der sinnlich-verstandesmäßigen Offenbarung.

[ 11 ] In the modern worldview, the Earth has shrunk to a speck of dust in the universe, and now humankind stands as a small, insignificant being on this speck of dust. Now the gods of the stars no longer tell humankind anything about the plants, animals, and the other kingdoms of the Earth. Now he must direct his senses only toward that which lives in the mineral, plant, animal, and human kingdoms; that which weaves in the wind and waves; that which sweeps through the clouds, lightning, and thunder. Now he can receive no revelations other than those his senses provide him regarding the things of the earth, and he can then only infer from the revelations of earthly sensory phenomena what exists in the universe, according to the revelation of the senses and the intellect.

[ 12 ] Der Mensch hat diese bedeutsame Wandlung im fünften nachatlantischen Zeitraum, welcher die Entwickelung, die Entfaltung der Bewußtseinsseele eben bedeutet, erfahren. Es mußte gewissermaßen alles, was früher an Kräften aus dem Universum ihm zugekommen war, die dann innerlich in seiner Seele wieder aufleuchteten, aus dem Menschen herausgepreßt werden, damit er gewissermaßen dastehen konnte und sich sagen: Ich weiß nichts, als daß ich auf einem Staubkorn des Universums lebe. Nichts gibt mir dieses Universum, was mich aufklärt über ein Geistig-Seelisches, das in mir selber lebt. Will ich ein solches Geistig-Seelisches in mir erleben, so muß ich es aus meiner eigenen Wesenheit herauspressen. Ich muß verzichten darauf, daß mir aus den Weiten des Universums die offenbarenden Kräfte zukommen. Ich muß aus der eigenen Anstrengung, aus der eigenen Aktivität heraus meine Seele erfüllen und kann vielleicht hoffen, daß in dem, was da aus meiner Seele hervorquillt, etwas lebt, was mir umgekehrt, vom Menschen aus, einen Aufschluß über das Universum gibt.

[ 12 ] Humanity underwent this significant transformation during the fifth post-Atlantean epoch, which signifies precisely the development and unfolding of the conscious soul. In a sense, everything that had previously come to him as forces from the universe—forces that then rekindled within his soul—had to be squeezed out of him so that he could, as it were, stand there and say to himself: I know nothing except that I live on a speck of dust in the universe. This universe gives me nothing that enlightens me about a spiritual-soul aspect that lives within myself. If I wish to experience such a spiritual-soul aspect within myself, I must press it forth from my own being. I must renounce the expectation that revealing forces will come to me from the vastness of the universe. I must fill my soul through my own effort, through my own activity, and may perhaps hope that in what wells up from my soul, there lives something that, in turn, from the human being, gives me insight into the universe.

[ 13 ] Früher hatte der Mensch die Möglichkeit, durch dasjenige, was ihm das Universum offenbarte, Aufschluß über sich als Mensch zu bekommen. Er vermochte sich anzusehen als den Himmelssohn, weil die Himmel ihm sagten, was er als solcher Himmelssohn ist. Jetzt war der Mensch mehr oder weniger der Erdeneremit geworden, der in der Einsamkeit seines Lebens auf dem Staubkorn des Universums sich erkraften muß, um gewissermaßen in der Verlassenheit dasjenige zu entwickeln, was in ihm entwickelt werden kann, und zu warten darauf, ob das, was sich im Innern offenbart, etwas über das Universum Aufschlußgebendes ist.

[ 13 ] In the past, human beings had the opportunity to gain insight into themselves as human beings through what the universe revealed to them. They were able to see themselves as sons of Heaven, because the heavens told them what they were as such sons of Heaven. Now, however, human beings have more or less become hermits of the earth, who, in the solitude of their lives on this speck of dust in the universe, must summon the strength—in a sense, in isolation—to develop whatever can be developed within them, and to wait and see whether what is revealed within them offers any insight into the universe.

[ 14 ] Und lange Zeit, durch Jahrhunderte hindurch, war dasjenige, was sich im Innern offenbarte, nichts über das Universum Aufschlußgebendes. Der Mensch beschrieb das mineralische Reich den räumlich-zeitlichen Kräften nach. Er beschrieb dann die Wirkungsweise dieses mineralischen Reiches in der Geognosie, in der Geologie. Er beschrieb die äußeren Sinnesvorgänge, wie sie sich abspielen, wie Pflanzen heraussprießen aus dem mineralischen Grund der Erde. Er beschrieb auch die sinnlichen Vorgänge, die sich abspielen im inneren Wesen des Tierischen und des Physisch-Menschlichen selber. Er sah sich überall um auf der Erde, forschend, was ihm die Sinne über dieses Erdendasein sagten. Sie sagten ihm vor allen Dingen nichts über die eigene Seele, über den eigenen Geist. Gerade aus dieser Weltenstimmung heraus, wenn man sie so recht erfaßte, aus dieser Stimmung, die etwa in die Worte zu fassen ist: Ich Mensch, ich bin ein Erdeneremit auf einem Staubkorne im Universum — gerade aus dieser Stimmung heraus mußte der Impuls kommen, in freier innerer Entfaltung das eigentlich Menschliche zu entwickeln.

[ 14 ] And for a long time, throughout the centuries, what was revealed within provided no insight into the universe. Humanity described the mineral kingdom in terms of spatial and temporal forces. It then described the mode of operation of this mineral kingdom in geognosy, in geology. It described the external sensory processes as they unfold, such as how plants sprout from the mineral foundation of the earth. He also described the sensory processes that take place within the inner being of the animal realm and of the physical human being itself. He looked all around on Earth, seeking to understand what his senses told him about this earthly existence. Above all, they told him nothing about his own soul, about his own spirit. It was precisely from this world-mood—if one truly grasped it—from this mood that might be expressed in words such as: “I, a human being, am an earthly hermit on a speck of dust in the universe”—it was precisely from this mood that the impulse had to arise to develop what is truly human through free inner unfolding.

[ 15 ] Und eine große, eine umfassende Frage mußte entstehen, die Frage: Ist denn wirklich im ganzen Umkreise desjenigen, was meine Sinne hier auf Erden sehen, fühlen, hören usw., was der Verstand aus ihnen kombinieren kann, ist denn in diesem Umkreise wirklich nichts, was mir mehr gibt, als diese Sinne mir sagen können? — Der Mensch bildete eine Wissenschaft aus. Aber diese Wissenschaft, so interessant sie sein mag, sie sagt ja nichts über den Menschen, sie zielt auf abstrakte, tote Begriffe ab, die dann in Naturgesetzen gipfeln. Aber das alles läßt ja gleichgültig über den Menschen. Der Mensch kann doch unmöglich bloß der Zusammenfluß dieser abstrakten Begriffe, ich möchte sagen, dieser Schrank für alle Naturgesetze sein! Denn diese Naturgesetze haben nichts Seelisches, haben nichts Geistiges an sich, obwohl sie aus dem Menschengeiste heraus konzipiert werden.

[ 15 ] And a great, all-encompassing question had to arise: Is there really, within the entire scope of what my senses here on earth see, feel, hear, and so on—and what the mind can deduce from them—is there really nothing within this scope that gives me more than what these senses can tell me? — Humanity developed a science. But this science, however interesting it may be, says nothing about humanity; it focuses on abstract, lifeless concepts that ultimately culminate in the laws of nature. Yet all of this leaves humanity out of the picture. Human beings cannot possibly be merely the convergence of these abstract concepts—I would say, this repository for all the laws of nature! For these laws of nature have nothing psychological, nothing spiritual about them, even though they are conceived from the human spirit.

[ 16 ] Sehen Sie, derjenige Mensch, der diese Stimmung in einer für die Weltanschauungsentwickelung bedeutungsvollen Zeit fühlte, war der junge Goethe. Und der Ausdruck für das, was er da fühlte, ist dasjenige, was er in der ersten Gestalt, die er seinem «Faust» gegeben hat, hingeschrieben hat.

[ 16 ] You see, the person who sensed this mood during a time of great significance for the development of worldviews was the young Goethe. And the expression of what he felt at that time is what he wrote in the first version of his *Faust*.

[ 17 ] Erinnern wir uns, wie Goethe in der allerersten Gestalt, die er seinem «Faust» gegeben hat, wirklich diesen Faust hinstellt, sich noch erinnernd, was eigentlich der Mensch suchen soll im Weltenall, wie er sich als Geist und Seele innerhalb von Geistern und Seelen gerne fühlen möchte, wie er sich aber zurückgestoßen fühlt durch die entseelte und entgeistete Weltenwesenheit. Wie er dann nach der alten Offenbarung des Mystischen, des Magischen greift, ein altes Buch aufschlägt, worinnen er Beschreibungen findet, wie die höheren hierarchischen Wesen in den Sternen und ihren Bewegungen leben, ein Buch, das spricht, wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen und sich die goldnen Eimer reichen.

[ 17 ] Let us recall how Goethe, in the very first version of his “Faust,” truly portrays this Faust—still remembering what human beings are actually meant to seek in the universe, how he would like to feel, as a spirit and soul, at home among spirits and souls, yet how he feels repelled by the soulless and spiritless nature of the world. How he then turns to the ancient revelations of the mystical and the magical, opens an old book in which he finds descriptions of how the higher hierarchical beings live among the stars and their movements—a book that tells how celestial forces ascend and descend and pass the golden buckets to one another.

[ 18 ] Solche Anschauung ist dagewesen, aber solche Anschauung ergreift in der Zeit, in die Goethe den Faust hineinstellt, den Menschen nicht mehr. Und Faust wendet sich ab, wie sich Goethe abgewendet hat von der alten Universumserklärung, die ein Geistig-Seelisches im ganzen Universum gesucht hat, und er schlägt das Zeichen des Erdgeistes auf. Und wirlesen dann diemerkwürdigen Worte, dieder Erdgeistselberhinspricht:

[ 18 ] Such a view once existed, but in the era in which Goethe set *Faust*, it no longer holds sway over people. And Faust turns away, just as Goethe turned away from the old explanation of the universe that sought a spiritual-soul element throughout the entire universe, and he invokes the sign of the Earth Spirit. And we then read these remarkable words spoken by the Earth Spirit himself:

[ 19 ] In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit,
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

[ 19 ] In the floods of life, in the storm of deeds
I surge back and forth,
Weaving to and fro!
Birth and grave,
An eternal sea,
A shifting weave,
A blazing life,
Thus I work at the whirring loom of time,
And weave a living garment for the Deity.

[ 20 ] Aber daß da doch etwas nicht richtig ist, indem dieser Erdgeist dem Faust gegenübertritt, das zeigt Goethe klar dadurch, daß Faust hinfällt unter der Wirkung dieses Erdgeistes, und daß er dann ausgesetzt ist den Einwirkungen des Mephistopheles.

[ 20 ] But Goethe clearly shows that something is amiss when this Earth Spirit confronts Faust, in that Faust falls under the influence of this Earth Spirit and is then exposed to the influence of Mephistopheles.

[ 21 ] Wenn man sich vom Standpunkte eines konkreten Weltbildes die monumentalen, lapidaren Worte, welche der Erdgeist spricht, vor die Seele stellt und unbefangen genug ist zu einer Beurteilung, die eigentlich Goethe selber im Gefühle gelegen hat, indem er ja mit der Erdgeistszene nicht aufgehört hat, am «Faust» zu schreiben, sondern fortgefahren hat, wenn man sich das alles vorhält, dann muß man doch in eine Art von Ketzerei verfallen gegenüber vielem, was über «Faust» gesagt und gedruckt worden ist, was aber ganz gewiß nicht die wirkliche Meinung, die wirkliche Anschauung Goethes wiedergibt. Was ist nicht schließlich in Anknüpfung an den «Faust» alles gesagt worden!

[ 21 ] If, from the perspective of a concrete worldview, one contemplates the monumental, succinct words spoken by the Earth Spirit and is open-minded enough to arrive at an assessment that was actually close to Goethe’s own heart—since he did not stop at the Earth Spirit scene writing *Faust* with the Earth Spirit scene, but continued on—if one keeps all this in mind, then one must inevitably fall into a kind of heresy regarding much of what has been said and printed about *Faust*, which certainly does not reflect Goethe’s true opinion or true perspective. After all, what hasn’t been said in connection with *Faust*!

[ 22 ] Man blickt ja immer und immer wieder hin auf die Worte, die später im Verlauf der Faust-Dichtung Faust zu dem etwa sechzehnjährigen Gretchen spricht: «der Allumfasser, Allerhalter ... Gefühl ist alles, Name ist Schall und Rauch», und man kommt sich so ungeheuer philosophisch vor, wenn man all dasjenige zitiert, was der Ausdruck sein soll für die eigenen Seelenbegriffe, und nun auch das zitiert, was Faust als Unterweisung einem Backfisch gibt. Es ist eine Backfischunterweisung. Es ist eigentlich kompromittierend, daß man diese Backfischunterweisung von Leuten, die gescheit sein möchten, als die Quintessenz desjenigen, was man als eine Weltanschauung in Worte faßt, anführen kann. Dies ergibt doch eben, wenn es auch ketzerisch ist, eine unbefangene Betrachtung.

[ 22 ] Time and again, one finds oneself returning to the words that Faust, later in the course of the *Faust* epic, speaks to the roughly sixteen-year-old Gretchen: “the All-Encompassing One, the All-Sustaining One ... Feeling is everything; a name is mere sound and smoke,” and one feels so immensely philosophical when quoting all that is meant to express one’s own concepts of the soul, and now also quoting what Faust imparts as instruction to a young girl. It is a lesson for a young girl. It is actually compromising that people who wish to be considered intelligent can cite this lesson for a young girl as the quintessence of what one puts into words as a worldview. Yet this, even if it is heretical, yields an unbiased perspective.

[ 23 ] Aber etwas Ähnliches ist es auch mit den ja lapidaren, monumentalen Worten, die der Erdgeist ausspricht: «In Lebensfluten, im Tatensturm» und so weiter. Schön sind sie, die Worte, aber doch sehr allgemein; etwas von einem mystischen Pantheismus von sinnlich-nebuloser Art finden wir darinnen. Wird es uns denn nicht wolkig zu Mute, möchte ich sagen, wenn wir das vor uns haben sollten:

[ 23 ] But something similar applies to the indeed succinct, monumental words spoken by the Earth Spirit: “In the floods of life, in the storm of deeds,” and so on. These words are beautiful, but very general; we find in them something of a mystical pantheism of a sensuous, nebulous kind. Does it not make us feel a bit clouded, I would say, if we were to have this before us:

[ 24 ] In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall' ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit,
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

[ 24 ] In the torrents of life, in the storm of deeds
I surge back and forth,
Weaving to and fro!
Birth and grave,
An eternal sea,
A shifting weave,
A blazing life,
Thus I work at the whirring loom of time,
And weave a living garment for the Deity.

[ 25 ] Es bewirkt nichts, was uns die Fähigkeit gibt, konkret hineinzublicken in das Universum, in den Kosmos.

[ 25 ] Nothing can give us the ability to truly look into the universe, into the cosmos.

[ 26 ] Goethe hat das ganz gewiß, insbesondere später, gefühlt, denn er ist ja nicht dabei geblieben, er hat den Prolog im Himmel gedichtet. Und wenn wir den Prolog im Himmel nehmen: «Die Sonne tönt nach alter Weise, in Brudersphären Wettgesang » und so weiter, dann erinnert das allerdings viel mehr an die Himmelskräfte, die auf und nieder schweben und sich die goldenen Eimer reichen, als an das etwas nebulose Fluten und Weben des Erdgeistes. Goethe ist zurückgekommen von der — ja, man kann nicht sagen Verhimmelung des Erdgeistes, aber so etwas ähnliches. Goethe hat dann später als reiferer Mensch nicht mehr diesen Erdgeist als dasjenige angesehen, an das er sich einzig und allein in der Gestalt des Faust wenden wollte, sondern er hat wieder aufgenommen den Geist der großen Welt, den Geist des Universums. Und wenn nun auch die Worte, die der Erdgeist in der ersten Faust-Fassung spricht, schön, lapidar, monumental sind: eine entfernte Verwandtschaft — ich will, um nicht ganz historisch unhöflich zu sein, von nur entfernter Verwandtschaft sprechen —, eine entfernte Verwandtschaft mit dem «Allumfasser, Allerhalter», mit der Unterweisung des sechzehnjährigen Backfisches haben doch diese Worte, die der Erdgeist spricht, auch. Warum sollen sie deshalb nicht schön sein? Man muß sich ja gerade bemühen, wenn man Backfische unterweist, die Sache recht schön zu sagen, selbstverständlich! Warum sollten sie nicht schön sein?

[ 26 ] Goethe certainly felt this, especially later in life, for he did not stop there; he went on to write the “Prologue in Heaven.” And if we take the “Prologue in Heaven”—“The sun resounds in the old manner, a contest of song in brotherly spheres” and so on—then this certainly brings to mind much more the celestial forces that float up and down, passing golden buckets to one another, than the somewhat nebulous surging and weaving of the Earth Spirit. Goethe returned from the—well, one cannot say the “deification” of the Earth Spirit, but something similar. Later, as a more mature man, Goethe no longer regarded this Earth Spirit as the sole subject to which he wished to turn in the figure of Faust, but rather he returned to the spirit of the great world, the spirit of the universe. And even if the words spoken by the Earth Spirit in the first version of *Faust* are beautiful, concise, and monumental—a distant kinship—I will, so as not to be entirely historically impolite, speak of only a distant kinship—a distant kinship with the “All-Encompassing, Sustainer of All,” with the instruction given to the sixteen-year-old schoolgirl, these words spoken by the Earth Spirit do indeed share. Why shouldn’t they be beautiful for that reason? One must, of course, make a special effort to express things beautifully when instructing schoolgirls! Why shouldn’t they be beautiful?

[ 27 ] Aber klar muß man sich sein darüber, daß Goethe als reifer Mann eben nicht im nebulosen Pantheismus dasjenige gesehen hat, was dem Menschen ein wirkliches Weltbewußtsein gibt.

[ 27 ] But one must be clear about the fact that Goethe, as a mature man, did not see in nebulous pantheism that which gives human beings a true awareness of the world.

[ 28 ] Dem liegt aber noch etwas ganz anderes zugrunde. Goethe hätte bei seiner konkreten Art — wenigstens bis zu einem gewissen Grade konkreten Art —, die Dinge der Welt anzusehen, nicht vermocht, seinen Faust zu zeichnen in der Art, wie er es getan hat, wenn er ihn als Menschheitsrepräsentanten etwa für das 11., 12. Jahrhundert der abendländischen Zivilisation hingestellt hätte. Er hätte dann eine andere Gestalt nehmen müssen, aber er hätte niemals vermocht, diese Gestalt so zu zeichnen, wie er seinen Faust gezeichnet hat. Faust hätte nicht das Buch des Nostradamus weglegen dürfen und sich vom Geiste der groBen Welt zu dem Erdgeist wenden, denn damals war das Bewußtsein vorhanden: der Mensch, wenn er sich recht versteht, versteht sich als einen Himmelssohn, ihm haben über sein eigenes Wesen die Geister der Himmel etwas zu sagen. Aber Faust ist eben der Menschheitsrepräsentant, der dem 16. Jahrhundert angehört, also schon der fünften nachatlantischen Periode, derjenigen Periode, die sich der Anschauung naht: Ich lebe als der Erdeneremit auf einem Staubkorn des Universums. — Da wäre es nicht mehr ehrlich gewesen von dem jungen Goethe, Faust hinblicken zu lassen zu dem Geiste der großen Welt. Als Menschheitstepräsentant könnte das bei Faust nicht der Fall sein, denn der Mensch hatte in seinem Bewußtsein keinen Zusammenhang mehr mit den Himmelskräften, die auf- und niedersteigen und sich die goldenen Eimer reichen, das heißt, mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Das war verfinstert, das war nicht mehr da für das Menschheitsbewußtsein. So konnte sich Faust nur an dasjenige halten, womit er etwa verknüpft sein konnte als Erdeneremit: Er wandte sich an den Genius der Erde.

[ 28 ] But there is something entirely different underlying this. Given his concrete way—at least to a certain extent, a concrete way—of viewing the things of the world, Goethe would not have been able to portray his Faust in the way he did if he had presented him as a representative of humanity for, say, the 11th or 12th century of Western civilization. He would then have had to choose a different character, but he would never have been able to portray that character the way he portrayed his Faust. Faust should not have set aside the book of Nostradamus and turned away from the spirit of the “Great World” toward the Earth Spirit, for at that time the awareness existed that a human being, if he truly understands himself, understands himself as a son of heaven, and the spirits of the heavens have something to say to him about his own being. But Faust is precisely the representative of humanity who belongs to the sixteenth century—that is, already to the fifth post-Atlantean epoch, the epoch that approaches the realization: “I live as an earthly hermit on a speck of dust in the universe.”—It would no longer have been honest of the young Goethe to have Faust look toward the spirit of the great world. As a representative of humanity, this could not be the case with Faust, for human beings no longer had any connection in their consciousness with the celestial forces that ascend and descend and pass the golden buckets to one another—that is, with the beings of the higher hierarchies. That had been obscured; it was no longer present in human consciousness. Thus, Faust could only cling to that with which he might be connected as an earthly hermit: he turned to the genius of the Earth.

[ 29 ] Daß sich Faust an den Genius der Erde wendet, das ist etwas, ich möchte sagen, radikal Grandioses, was bei Goethe auftritt: Denn das ist die Wendung, welche das menschliche Bewußtsein in diesem Zeitalter genommen hat, hinweg von den sich verfinsternden Himmelsmächten zu dem Genius der Erde, auf den der Geist selber hingewiesen hat, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Denn dieser Genius, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, hat sich mit der Erde verbunden. Er hat dadurch, daß er sich mit der Erdenmenschheitsentwickelung verbunden hat, dem Menschen nun die Kraft gegeben, in der Zeit, da er nicht mehr hinaufblicken kann zu den Geistern der Himmel, hinzusehen zu den Geistern der Erde, und die Geister der Erde sprechen nun im Menschen. Früher waren es die Sterne in ihrem Weben, welche die Himmelsworte offenbarten der Menschenseele, die diese Himmelsworte deuten und erkennen konnte. Jetzt mußte der Mensch auf seinen Zusammenhang mit der Erde hinsehen, das heißt, sich selber fragen, ob der Genius der Erde in ihm spricht.

[ 29 ] The fact that Faust turns to the Genius of the Earth is something—I would say—radically magnificent that occurs in Goethe: For this is the turn that human consciousness has taken in this age—away from the darkening powers of the heavens and toward the Spirit of the Earth, to which the Spirit Himself has pointed, the Spirit who passed through the Mystery of Golgotha. For this Spirit, who passed through the Mystery of Golgotha, has united himself with the Earth. By uniting himself with the development of humanity on Earth, he has now given human beings the power—in an age when they can no longer look up to the spirits of the heavens—to look instead to the spirits of the Earth, and the spirits of the Earth now speak within human beings. In the past, it was the stars in their weaving that revealed the words of heaven to the human soul, which was able to interpret and recognize these words of heaven. Now, human beings must look to their connection with the Earth—that is, ask themselves whether the genius of the Earth speaks within them.

[ 30 ] Aber nur erst nebulose Worte, mystisch pantheistische Worte, kann Goethe in seinem Zeitalter dem Genius der Erde abringen. Richtig ist es, grandios ist es, daß Faust sich zu dem Genius der Erde wendet, aber ich möchte sagen, ganz grandios ist es, daß Goethe noch nicht irgend etwas, was schon befriedigen kann, diesen Genius der Erde aussprechen läßt. Daß der Genius der Erde erst, ich möchte sagen, die Weltengeheimnisse in mystisch pantheistischen Formeln stottert und stammelt, statt sie in scharf umrissener Weise auszusprechen, das zeigt eben, daß Goethe seinen Faust genial hineingestellt hat in das Zeitalter, in welchem er seinen Faust und sich sah.

[ 30 ] But in his time, Goethe could only wrest vague, mystical, pantheistic words from the Genius of the Earth. It is true, and it is magnificent, that Faust turns to the Genius of the Earth, but I would say that what is truly magnificent is that Goethe does not yet allow this Genius of the Earth to express anything that is truly satisfying. The fact that the Genius of the Earth, I would say, stutters and stammers the mysteries of the world in mystical, pantheistic formulas, rather than articulating them in a clearly defined manner, shows precisely that Goethe has brilliantly placed his Faust within the era in which he saw both his Faust and himself.

[ 31 ] Aber anfühlen muß man diesem von Goethe so schön gezeichneten Verhältnisse des Faust zum Erdengenius, daß der Erdengenius allmählich immer verständlicher werden wird für den Menschen, daß er immer mehr und mehr in deutlichen Konturen dem Menschen offenbar wird, wenn der Mensch aus der Aktivität seiner eigenen Seele, aus der Aktivität seines eigenen Geistes sich offenbaren läßt, was in den Himmeln ist. Früher haben die Himmel dem Menschen geoffenbart, was er für die Erde wissen mußte; jetzt wendet sich der Mensch an die Erde, weil die Erde ja doch ein Geschöpf der Himmel ist. Und lernt man den Genius oder die Genien kennen, die auf der Erde ihre Wohnsitze aufgeschlagen haben, dann lernt man dennoch die Dinge über die Himmel kennen.

[ 31 ] But one must sense this relationship between Faust and the Earth Spirit, so beautifully depicted by Goethe—that the Earth Spirit will gradually become ever more comprehensible to humankind, that it will reveal itself to humankind in ever clearer contours as humankind, through the activity of its own soul and the activity of its own spirit, allows what is in the heavens to be revealed. In the past, the heavens revealed to humankind what it needed to know about the earth; now humankind turns to the earth, for the earth is, after all, a creation of the heavens. And when one comes to know the genius or geniuses who have made their home on earth, one nevertheless comes to know things about the heavens.

[ 32 ] Das war ja auch das Verfahren, das zum Beispiel eingeschlagen wurde in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriß». Da wurde alles im Innern des Menschen befragt, was es zu sagen hat. Da wurde eigentlich so recht viel geholt aus dem Geist der Erde. Aber der Geist der Erde spricht über die Saturnzeit, über die Sonnenzeit, über die Mondenzeit der Erde, über die Jupiterzeit, Venuszeit. Der Geist der Erde spricht einem von dem, was er in seinem Gedächtnis von dem Universum bewahrt hat. Einstmals hat man den Blick hinausgewendet in die Himmelsweiten, um sich für die Erde aufzuklären, jetzt senkt man den Blick hinein in die menschliche Eigenwesenheit, hört auf dasjenige hin, was der Erdengeist in der menschlichen Natur aus dem Weltgedächtnisse zu sagen hat, und bekommt durch das Verstehen des Genius der Erde die makrokosmische Erkenntnis. Man dürfte heute natürlich, wenn man der Geisteswissenschaft, der Geisteserkenntnis eine richtige Bedeutung beilegt, das Gespräch des Faust mit dem Erdgeist nicht mehr so darstellen, wie es Goethe dargestellt hat, obwohl es zu seiner Zeit genial war, es so darzustellen.

[ 32 ] That was, in fact, the approach taken, for example, in my book *An Outline of Esoteric Science*. There, everything within the human being that has something to say was explored. In fact, quite a great deal was drawn from the Spirit of the Earth. But the Spirit of the Earth speaks of the Saturn era, the Sun era, the Moon era of the Earth, the Jupiter era, and the Venus era. The Spirit of the Earth tells us of what it has preserved in its memory of the universe. In the past, people turned their gaze outward toward the vastness of the heavens to gain insight for the Earth; now they turn their gaze inward toward the human being’s own essence, listen to what the Earth Spirit has to say in human nature from the world’s memory, and gain macrocosmic insight through an understanding of the Earth’s genius. Of course, today—if one attaches the proper significance to spiritual science and spiritual knowledge—one should no longer portray Faust’s conversation with the Earth Spirit as Goethe did, even though it was a stroke of genius to portray it that way in his time.

[ 33 ] Heute dürfte der Erdengenius nicht in jenen allgemeinen, abstrakten Worten sprechen, von denen man sagen kann, daß sie irgend etwas ausdrücken, was zu gleicher Zeit eine schwebende Wasserwelle sein kann. Nur ist das mystisch dunkel, weil diese schwebende Wasserwelle nun wieder an einem Webstuhl sitzt und webt! Ich weiß ja zwar, daß sich viele Menschen außerordentlich wohl fühlen, wenn ihnen derlei Unbestimmtes durch die Seele sich rührt; aber dadurch erlangt man dennoch nicht innere menschliche bewußte Festigung, die man als moderner Mensch braucht. Es ist immer etwas von einer Träumerei oder auch von einem Rausch: « Allumfasser, Allerhalter», «in Lebensfluten, im Tatensturm », man ist immer ein bißchen außer sich, nicht ganz in sich. Das gibt ja gewiß den Menschen ein Wohlgefühl, wenn sie ein bißchen außer sich sein können, am liebsten ist mancher ganz außer sich und läßt sich von allerlei Gespenstern Aufschlüsse geben über die Welt.

[ 33 ] Today, the genius of the earth should not speak in those general, abstract terms that can be said to express something that might just as well be a floating wave of water. But this is mystically obscure, because this floating wave of water is now sitting at a loom and weaving! I do know, of course, that many people feel extraordinarily at ease when such vague notions stir within their souls; but this does not, however, provide the inner, human, conscious stability that one needs as a modern person. There is always something of a daydream or even a frenzy to it: “All-Encompassing, All-Sustaining,” “in the floods of life, in the storm of deeds”—one is always a little beside oneself, not quite within oneself. This certainly gives people a sense of well-being when they can be a little beside themselves; some prefer to be completely beside themselves and let all sorts of ghosts enlighten them about the world.

[ 34 ] Damit möchte ich eben andeuten, daß wir nicht anders können in der modernen Zeit, als uns an den Erdengenius wenden, der in uns selber lebt! Die Sache ist nämlich so: Nimmt man das, was uns die naturwissenschaftlichen Ideen der neueren Zeit geben, einfach wie es ist, wie es in der äußeren Zivilisation heute niedergelegt ist, dann bleibt es abstrakt, läßt das menschliche Bewußtsein kalt. Wenn man aber anfängt, mit diesen Begriffen zu ringen, zu ringen selbst mit den Abstraktionen Haeckels, dann kommt aus diesem Ringen etwas ganz Konkretes, etwas unmittelbar Erlebbares: Dann kommt die große Erkenntnis über uns, daß wir zwar die gleichgültigen naturwissenschaftlichen Ideen zunächst bekommen, aber [daß] diese Form ja nur eine Maske ist. Wir müssen erst darauf kommen, daß das, was wir da bekommen, uns der Genius der Erde sagt. Wir müssen erst dasjenige, was wir zunächst mit dem abstrakten Verstande hören, mit dem ganzen Seelenohr behorchen. Und wir lernen dadurch in konkreter Weise den Genius der Erde hörend verstehen.

[ 34 ] By this I simply wish to suggest that, in modern times, we have no choice but to turn to the genius of the earth that lives within us! The fact is this: If we simply accept what the scientific ideas of recent times offer us as they are—as they are currently enshrined in external civilization—then they remain abstract and leave human consciousness unmoved. But when one begins to grapple with these concepts—even with Haeckel’s abstractions—something very concrete emerges from this struggle, something that can be experienced directly: Then the great realization dawns on us that, although we initially receive these impersonal scientific ideas, this form is, after all, merely a mask. We must first realize that what we receive there is being told to us by the genius of the Earth. We must first listen intently with the whole ear of the soul to what we initially hear with our abstract intellect. And through this, we learn to understand the genius of the Earth in a concrete way by listening.

[ 35 ] Damit nähern wir uns der Art und Weise, wie der Mensch im Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung ein Weltbewußtsein erringen muß. Diese Dinge müssen eben empfindungsgemäß von dem Menschen erfaßt werden, dann kommt er mit der Empfindung, ich möchte sagen, mit seinem Herzblute heran an das anthroposophische Weltempfinden. Und dieses, nicht bloß einzelne Ideen über die Welt, sondern dieses Weltempfinden muß sich der moderne Mensch erwerben, wenn er sich in der richtigen Weise gemäß den Andeutungen, die ich hier in der jüngsten Zeit getan habe, fühlen, erdenken will.

[ 35 ] This brings us closer to the way in which human beings must attain a world consciousness in the age of the development of the soul of consciousness. These things must be grasped by human beings through feeling; then they will approach the anthroposophical worldview with feeling—I would say, with the blood of their hearts. And it is this—not merely individual ideas about the world, but this sense of the world—that modern human beings must acquire if they wish to feel and think in the right way, in accordance with the hints I have given here recently.



[ 36 ] Morgen, meine lieben Freunde, werde ich diese Betrachtungen fortsetzen. Heute möchte ich Ihnen zunächst zum Schluß ein paar Worte der Mitteilung sagen über den Stand der Verhandlungen in Stuttgart. Diese Verhandlungen hängen ja zusammen mit dem, was Ihnen als eine Art Krisis innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft bemerklich geworden ist.

[ 36 ] Tomorrow, my dear friends, I will continue these reflections. Today, I would first like to conclude by saying a few words about the status of the negotiations in Stuttgart. These negotiations are, of course, connected to what you have come to recognize as a kind of crisis within the Anthroposophical Society.

[ 37 ] Es ist jetzt in diesem Momente der Zeitpunkt, in dem die Anthroposophische Gesellschaft in ihren führenden Persönlichkeiten sich entscheiden muß, ob sie Lebensfähigkeit hat oder nicht. Sie haben ja verschiedenes hier auch gehört über die Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich möchte heute nur mit ein paar Worten dieses sagen: Diese anthroposophische Bewegung ist von Mitteleuropa ausgegangen. Für sie ist aber Interesse in den allerweitesten internationalen Kreisen. Und die Anthroposophie selber hat ihre Entwicklung durch jene drei Phasen genommen, von denen ich Ihnen das letzte Mal hier gesprochen habe. Die Anthroposophische Gesellschaft ist dieser Entwicklung der Anthroposophie nicht völlig nachgekommen, und heute klafft ein Abgrund zwischen dem, was in der Anthroposophischen Gesellschaft wirkt und was in der heute schon erreichbaren Anthroposophie lebt. Dieser Abgrund muß überbrückt werden. Und da nun schon einmal — es ist reine Tatsache — die anthroposophische Bewegung von Mitteleuropa ausgegangen ist, so müssen die Verhältnisse zuerst in Mitteleuropa geordnet werden. Dann, wenn sie in Mitteleuropa geordnet sein werden, dann wird sofort zu denken sein an die Ordnung der internationalen anthroposophischen Gesellschaften, die dann hier oder anderswo ihren Mittelpunkthaben werden. Aber aus der Unbestimmtheit, in der heute die Anthroposophische Gesellschaft ist, muß zuerst da herausgekommen werden, wo diese Gesellschaft ihren Ausgangspunkt genommen hat. Aus diesem Grunde ist es, daß man zuerst in Stuttgart an der Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft arbeiten mußte.

[ 37 ] This very moment is the time when the Anthroposophical Society, through its leading figures, must decide whether it is viable or not. You have, after all, heard various things here about the conditions under which the Anthroposophical Society operates. Today I would like to say just a few words on this: This anthroposophical movement originated in Central Europe. Yet there is interest in it in the broadest international circles. And anthroposophy itself has undergone its development through those three phases of which I spoke to you here last time. The Anthroposophical Society has not fully kept pace with this development of anthroposophy, and today there is a gulf between what is at work in the Anthroposophical Society and what is alive in the anthroposophy that is already attainable today. This gulf must be bridged. And since—and this is a simple fact—the anthroposophical movement originated in Central Europe, conditions must first be put in order in Central Europe. Then, once they are in order in Central Europe, we will immediately need to consider the organization of the international anthroposophical societies, which will then have their centers here or elsewhere. But we must first emerge from the state of uncertainty in which the Anthroposophical Society finds itself today, right where this Society had its origins. For this reason, it was necessary to work first in Stuttgart on the consolidation of the Anthroposophical Society.

[ 38 ] Nun waren die Verhandlungen außerordentlich schwierig. Aus den Gründen heraus, die ich ja hier am 6. Januar angeführt habe, hat sich diese Krisis ergeben, und die Sache liegt ja so — ich möchte das auch hier noch einmal erwähnen: Es war am 10. Dezember, da habe ich dem einen der Mitglieder des Zentralvorstandes, Herrn Uehli, eine Art Auftrag gegeben. Ich sagte dazumal: Seit langer Zeit ist bemerkbar, daß die Anthroposophische Gesellschaft einer Konsolidierung bedarf, und ich kann mir nur etwas versprechen, wenn der Zentralvorstand in Stuttgart, ergänzt durch maßgebende Persönlichkeiten in Stuttgart, mir das nächste Mal bei meiner Stuttgarter Anwesenheit seine Vorschläge darüber sagt, wie er zunächst mit der Konsolidierung beginnen möchte; sonst, wenn der Zentralvorstand nicht zu Ideen über die Konsolidierung käme, müßte ich mich selbst an jedes einzelne Mitglied wenden. Nur diese Alternative ist ja möglich. —

[ 38 ] The negotiations were extremely difficult. This crisis arose for the reasons I outlined here on January 6, and the situation is as follows—I would like to mention this again here: It was on December 10 that I gave a sort of assignment to one of the members of the Central Executive Committee, Mr. Uehli. I said at the time: It has been apparent for a long time that the Anthroposophical Society is in need of consolidation, and I can only hold out hope if the Executive Council in Stuttgart, supplemented by influential figures in Stuttgart, presents its proposals to me the next time I am in Stuttgart regarding how it would like to begin the consolidation process; otherwise, if the Executive Council fails to come up with ideas for consolidation, I would have to address every single member myself. That is, after all, the only alternative. —

[ 39 ] Sie sehen daraus auch, meine lieben Freunde: Die Sache liegt so, daß dasjenige, was da als eine Notwendigkeit für die Konsolidierung der Gesellschaft hingestellt worden ist, ja gesagt wurde am 10. Dezember; das hat also noch nichts mit dem Brandunglück zu tun. Nach dem Brandunglück, nach dieser furchtbaren Katastrophe, die unsere Herzen zerschmettert hat, muß man allerdings sagen: Soll ein Wiederaufbau zustande kommen, so ist dazu eine starke Anthroposophische Gesellschaft notwendig; denn ohne diese wäre ein Wiederaufbau nicht möglich.

[ 39 ] You can also see from this, my dear friends: The fact is that what was presented as a necessity for the consolidation of society—indeed, it was stated on December 10—has nothing to do with the fire disaster. After the fire, after this terrible catastrophe that has shattered our hearts, one must certainly say: If reconstruction is to take place, a strong Anthroposophical Society is necessary for this; for without it, reconstruction would not be possible.

[ 40 ] Also es muß einfach eine Konsolidierung, eine innere Festigung, ein deutliches Wollen der Anthroposophischen Gesellschaft zustande kommen.

[ 40 ] So there simply must be a process of consolidation, an inner strengthening, and a clear sense of purpose within the Anthroposophical Society.

[ 41 ] Das hat recht schwierige Verhandlungen in den letzten Wochen zunächst in Stuttgart gegeben. Ich sagte: Da müssen sie zuerst geschehen, dann werden sie auf internationalem Boden sein können. Nun, ich müßte Ihnen ein Buch erzählen, ein reichlich dickes Buch, wenn ich Ihnen all das, was da verhandelt worden ist in diesen Wochen, erzählen wollte. Aber es ist ja eigentlich im Grunde bis gestern ergebnislos. gewesen. Und vorgestern machte ich dann den Vorschlag, daß, nachdem die Dinge so geworden sind, eine Art Komitee sich damit befassen solle, ein Rundschreiben abzufassen, in dem wirklich :die heute die Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung berührenden großen Fragen herangebracht werden an die Mitglieder; daß in einem solchen Rundschreiben aufgefordert werde, nach Stuttgart eine Delegiertenversammlung zunächst für die deutschen und österreichischen Zweige zusammenzurufen, damit an dieser Konsolidierung gearbeitet werden kann [siehe $. 268].

[ 41 ] There have been some rather difficult negotiations over the past few weeks, initially in Stuttgart. I said: “They have to take place there first; then they’ll be able to move to the international level.” Well, I’d have to tell you a whole book—a rather thick one—if I wanted to recount everything that’s been negotiated over these past few weeks. But essentially, up until yesterday, the negotiations had been fruitless. And the day before yesterday, I then proposed that, given how things have turned out, a kind of committee should be formed to draft a circular in which the major issues currently affecting the Anthroposophical Society and Movement are truly brought to the attention of the members; that such a circular call for a meeting of delegates to be convened in Stuttgart—initially for the German and Austrian branches—so that work can be done on this consolidation [see § 268].

[ 42 ] Dieses Komitee, dessen Wirksamkeit zunächst ja nur gedacht ist bis zu der Delegiertenversammlung, die Ende Februar, am 25.,26.,27. Februar, stattfinden soll, ist ein provisorisches. Bis zu dieser Delegiertenversammlung soll es in der mitteleuropäischen Anthroposophischen Gesellschaft die führende Stellung haben. In diesem Komitee ist als Vertreter des alten Zentralvorstandes Dr. Unger, als Vertreter des «Kommenden Tages» Herr Leinhas; dann sind drinnen von Stuttgarter Persönlichkeiten, ganz aus den Verhältnissen heraus: Dr. Rittelmeyer, Herr von Grone, Herr Wolfgang Wachsmuth, Dr. Palmer, Dr. Kolisko; von anderen noch Herr Werbeck aus Hamburg und für den «Philosophisch-Anthroposophischen Verlag» Fräulein Mücke. Diesem Komitee sind also die vorbereitenden Arbeiten für die Konsolidierung übertragen. Es ist zunächst eben, nachdem alles übrige ergebnislos geblieben ist, gestern ein Entwurf eines Aufrufs zur Delegiertenversammlung zustande gekommen, der nun vollendet werden wird und im Beginne der nächsten Woche verschickt werden wird, in dem wirklich die heutigen Lebensfragen der Anthroposophischen Gesellschaft drinnen sein sollen. Das ist es also, was ich zunächst noch zu verkündigen habe.

[ 42 ] This committee, which is initially intended to remain in effect only until the Delegates’ Assembly scheduled for late February—on February 25, 26, and 27—is a provisional one. Until this Delegates’ Assembly, it is to hold the leading position within the Central European Anthroposophical Society. Representing the former Central Executive Committee on this committee is Dr. Unger; representing *Der Kommende Tag* is Mr. Leinhas; and included are prominent figures from Stuttgart, chosen entirely on the basis of their circumstances: Dr. Rittelmeyer, Mr. von Grone, Mr. Wolfgang Wachsmuth, Dr. Palmer, and Dr. Kolisko; from other regions, Mr. Werbeck from Hamburg; and representing the “Philosophisch-Anthroposophischer Verlag,” Miss Mücke. This committee has thus been entrusted with the preparatory work for the consolidation. First of all, since all other efforts have remained fruitless, a draft of a call for the Delegates’ Assembly was finalized yesterday; it will now be completed and sent out at the beginning of next week, and it will truly address the current issues facing the Anthroposophical Society. So that is what I have to announce for now.

[ 43 ] Es ist ja wirklich das, was da verhandelt wurde, mit Unbefriedigtheit in den weitesten Kreisen begleitet gewesen. Nachdem wir gestern fertig geworden waren mit den Verhandlungen über den AufrufEntwurf zunächst — ich glaube um 12% Uhr nachts —, ist es mir dann auch möglich gewesen, die ja namentlich sich beunruhigenden Mitglieder unserer akademischen Jugendbewegung noch zu sprechen; so daß ich hoffe, daß in den Tagen, in denen ich jetzt hier in Dornach bin, die Jugend mit dem Alter in entsprechender Weise verhandelt. Ich drückte es vorgestern so aus, daß ich sagte: Ich hoffe, daß nunmehr, Rücksicht nehmend auf das neue Komitee, die Jungen unter den Alten akzeptiert werden von den Alten unter den Jungen.

[ 43 ] It is indeed true that what was negotiated there was met with dissatisfaction in the broadest circles. After we had finished the negotiations on the draft appeal yesterday—I believe around 12% a.m.—I was then also able to speak with those members of our academic youth movement who had specifically expressed concern; so I hope that during the days I am now here in Dornach, the youth will negotiate with the older generation in an appropriate manner. I put it this way the day before yesterday when I said: I hope that from now on, with due regard for the new committee, the young will be accepted by the older members, and the older members by the young.

[ 44 ] Es mußte ja schon so etwas stattfinden, denn überall verlangt man ein neues, frisches Lebenselement. Das muß kommen. Die Jugend pocht an die Tore. Sie hat dazu ihre volle Berechtigung; sie muß verstanden werden. Aber das Alter kann nicht abgesägt werden, das muß wirken; aus ihm ist gekommen das Fundament der Anthroposophischen Gesellschaft. Es muß möglichst rasch ein Modus gefunden werden, der zu einer starken Anthroposophischen Gesellschaft führt, sonst werden wir nicht weiterarbeiten können.

[ 44 ] Something like this was bound to happen, for everywhere people are calling for a new, fresh element of life. It must come. Young people are knocking at the gates. They have every right to do so; they must be understood. But the older generation cannot be sidelined; it must continue to play a role, for it laid the foundation of the Anthroposophical Society. A way must be found as quickly as possible that leads to a strong Anthroposophical Society; otherwise, we will not be able to continue our work.

[ 45 ] Das wollte ich am Schlusse heute noch mitteilen, damit Sie informiert sind von diesen Dingen. Der alte Zentralvorstand hat damit aufgehört zu sein, und dieses Komitee führt mittlerweile die Angelegenheiten bis Ende Februar. [Siehe dazu Vortrag Stuttgart, 23. Januar 1923, in GA 257.]

[ 45 ] I wanted to share this with you at the end of today’s session so that you are informed about these matters. The former Central Executive Committee has ceased to exist, and this committee will now manage affairs until the end of February. [See the lecture in Stuttgart, January 23, 1923, in GA 257.]