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Earthly Knowledge and Heavenly Insight
GA 221

10 February 1923, Dornach

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Earthly Knowledge and Heavenly Insight, tr. SOL
  1. Erdenwissen und Himmelserkenntnis

5. Erdenwissen und Himmelserkenntnis. Der Mensch als Bürger des Universums und der Mensch als Erdeneremit

5. Knowledge of the Earth and Understanding of the Heavens. Man as a Citizen of the Universe and Man as an Earthly Hermit

[ 1 ] Es hat sich durch den großen Umschwung, den ich nun von den verschiedensten Seiten hier charakterisiert habe, und der sich vollzogen hat in der geistigen Entwickelung der Menschheit im Laufe der letzten Jahrhunderte, nicht nur, sagen wir, der intellektuelle, der theoretische Charakter des Erkennens geändert, sondern was sich geändert hat, das hat durchaus auch einen Gemüts-, einen Gefühlseinfluß auf das ganze menschliche Seelenleben, und damit auf das ganze menschliche Leben überhaupt. Um das einzusehen, kann man sich etwa das Folgende vor Augen stellen. Es muß dabei natürlich das, was sich ja in einzelnen Symptomen zeigt, die mehr oder weniger deutlich hervortreten, wenn man die eigentlichen Grundlagen des Lebens einsehen will, in charakteristischen Ausdrucksformen des Lebens gezeigt werden.

[ 1 ] As a result of the great transformation that I have now described here from various perspectives, and which has taken place in the spiritual development of humanity over the course of the last few centuries, not only—let us say—the intellectual, theoretical character of cognition has changed, but what has changed also has a definite influence on the emotions and feelings of the entire human soul life, and thus on human life as a whole. To understand this, one can consider the following. Of course, what manifests itself in individual symptoms—which stand out more or less clearly—must be revealed in characteristic forms of expression of life if one wishes to understand the actual foundations of life.

[ 2 ] Wir haben öfters hingewiesen auf dasjenige, was in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung Erkenntnisstätten waren. Es waren die Mysterienstätten. Diese Mysterienstätten waren gewissermaßen im weitesten Umfange umwoben mit der Verehrung der Menschen. Wenn man von Mysterien und Mysterienwesen sprach, so sagte man, daß durch dasjenige, was in den Mysterien getrieben wird, ein Allerwichtigstes für die Menschheit auf der Erde vorhanden sei. Man dachte sich alles Bedeutungsvolle im menschlichen Leben ausstrahlend von den Mysterien. Man sagte sich gewissermaßen: Gäbe es nicht Mysterien unter den Menschen, so könnten die Menschen auf der Erde gar nicht dasjenige sein, was die Götter mit ihnen gewollt haben!

[ 2 ] We have often referred to what were, in ancient times of human development, places of knowledge. These were the mystery temples. In a sense, these mystery temples were, to the greatest extent, steeped in the reverence of the people. When people spoke of mysteries and mystery beings, they said that what took place within the mysteries represented something of the utmost importance for humanity on Earth. They believed that everything of significance in human life radiated from the mysteries. People said to themselves, as it were: If there were no mysteries among human beings, people on Earth could not at all be what the gods intended them to be!

[ 3 ] Man sah also durchaus mit einem Gefühl der höchsten Verehrung, der intimsten Achtung zu den Mysterien hin, und man sah zu gleicher Zeit zu den Mysterien hin mit einem Gefühl der Dankbarkeit, indem man sich bewußt war: sie geben einem das, was es möglich macht, auf der Erde das zu sein, was die Götter aus den Menschen machen wollen. Man braucht nur zu vergleichen mit der Art und Weise, wie heute hingesehen wird in einer gewissen Weise auf die Bildungsstätten, und man wird nirgends jene ungeheure warme Verehrung finden. Man wird sogar vielfach ein Gefühl finden, daß man, wenn man notwendigerweise dasjenige abgemacht hat, was einem aus den Bildungsstätten kommt, froh ist, wenn man von ihnen frei geworden ist. Aber jedenfalls, selbst wenn man auf dieses Extrem nicht hinschaut, so weiß man doch, daß man von den Bildungsstätten nicht eigentlich dasjenige bekommt, was einem innerlich als Mensch für sein eigentliches Menschentum notwendig erscheint, was einen zum Menschen macht. Man kann schließlich noch so sehr mit einer gewissen theoretischen Verehrung dasjenige verehren, was man gewinnt aus chemischen Laboratorien, biologischen Instituten, juristischen Bildungsanstalten, selbst philosophischen Schulen, man wird nicht das Gefühl haben: Du bist dir deines Menschentums dadurch bewußt, daß es chemische Laboratorien, biologische Anstalten, juristische Bildungsstätten, ja selbst philosophische Seminarien gibt.

[ 3 ] People thus looked upon the Mysteries with a feeling of the highest reverence and the most profound respect, and at the same time they looked upon the Mysteries with a feeling of gratitude, aware that they give one what makes it possible to be on Earth what the gods wish to make of human beings. One need only compare this with the way people view educational institutions today, in a certain sense, and one will find nowhere that immense, warm reverence. In many cases, one will even find a feeling that, once one has necessarily completed what comes from these institutions of learning, one is glad to be free of them. But in any case, even if one does not look at this extreme, one still knows that one does not actually receive from these institutions of learning what, inwardly as a human being, seems necessary for one’s true humanity—what makes one human. After all, no matter how much one may revere—with a certain theoretical reverence—what one gains from chemical laboratories, biological institutes, law schools, or even philosophical seminaries, one will not have the feeling: “You are aware of your humanity because chemical laboratories, biological institutes, law schools, and even philosophical seminaries exist.”

[ 4 ] Man kann nicht sagen, daß — wenn auch vielleicht diese Bildungsstätten mit einer gewissen theoretischen Stimmung umwoben sind — alle warmen Gefühle der Verehrung der Menschen im weitesten Umkreise zu diesen Bildungsstätten hinzielen.

[ 4 ] One cannot say that—even if these educational institutions are perhaps shrouded in a certain theoretical aura—all the warm feelings of reverence felt by people in the widest possible circle are directed toward these institutions.

[ 5 ] Jedenfalls wird es nicht gar zu oft sein, daß heute ein Student, der zum Beispiel eine Arbeit für ein Universitätsseminar ausarbeitet und dann auf diese Weise geistig von sich gibt, was er zu offenbaren hat, er das in einem gleichen Sinne von seiner ganzen elementarischen Menschlichkeit durchwoben fühlt wie einstmals ein Mysterienschüler, wenn er eine der Übungsetappen überschritten hatte.

[ 5 ] In any case, it is not all that common today for a student—who, for example, is writing a paper for a university seminar and thereby intellectually expressing what he has to reveal—to feel that this work is interwoven with his entire fundamental humanity in the same way that a student of the mysteries once did when he had passed one of the stages of training.

[ 6 ] Doch auf der anderen Seite braucht der Mensch so etwas, was ihn hier im Erdenleben in Zusammenhang bringt mit einem Verehrungsvollen, von dem er das Göttliche ausströmen fühlt. Aber vergleichen wir diese, ich möchte sagen, mehr kulturhistorische Nuance mit dem, was ihr eigentlich zugrunde liegt, gehen wir einmal, sagen wir, zurück in die Zeiten, wo in Vorderasien zwei, drei Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha mysterienartige Bildungsstätten bestanden haben: Man hat gerade in diesen mysterienartigen Bildungsstätten die Naturwissenschaft der damaligen Zeit studiert, wenn man das so nennen kann. Man hat den Sternenhimmel studiert, die Natur der Sterne, die Bewegungen der Sterne, das Erscheinen der Sterne zu gewissen Zeiten und so weiter. Man stellt sich heute vor, daß dieses Studieren des Sternenhimmels dazumal vielleicht sogar etwas Phantastisches gewesen sei. Das war es nicht. Es war zum mindesten mit derselben, wenn nicht mit einer viel größeren methodischen Sorgfalt getrieben, wie heute Mineralogie oder Geologie oder Biologie getrieben werden.

[ 6 ] But on the other hand, human beings need something that connects them, here in their earthly lives, to something worthy of reverence, from which they feel the divine radiating. But let us compare this—I would say—more cultural-historical nuance with what actually underlies it; let us go back, so to speak, to the times when, in the Near East, two or three millennia before the Mystery of Golgotha, mystery-like educational institutions existed: It was precisely in these mystery-like educational institutions that the natural sciences of that time were studied, if one can call them that. They studied the starry sky, the nature of the stars, the movements of the stars, the appearance of the stars at certain times, and so on. Today, people imagine that this study of the starry sky back then might even have been something fanciful. It was not. It was conducted with at least the same, if not much greater, methodological rigor as mineralogy, geology, or biology are conducted today.

[ 7 ] Aber was sagte man sich, wenn man das Wesen des Sternenhimmels studierte? Man sagte sich: Kennst du das Wesen des Sternenhimmels, dann weißt du etwas über das Wesen und das Schicksal des Menschen auf der Erde. — Es gipfelte ja das Studium des Sternenhimmels darinnen, daß man aus den Konstellationen der Sterne heraus ein Wissen erwarb über das Schicksal des Menschen, ja ganzer Völkerschaften auf Erden.

[ 7 ] But what did people tell themselves when they studied the nature of the starry sky? They said to themselves: If you know the nature of the starry sky, then you know something about the nature and destiny of humankind on Earth. — After all, the study of the starry sky culminated in gaining knowledge, from the constellations of the stars, about the destiny of human beings—indeed, of entire peoples on Earth.

[ 8 ] Man sah nicht in einer bloß theoretischen Absicht hinauf zum Sternenhimmel, sondern man sagte sich: Kennst du das Verhältnis des Saturns zur Sonne oder das Verhältnis des Saturns zu einem Tierkreisbilde in dem Momente, wo ein Mensch geboten ist, oder wo er eine wichtige Lebenstat vollbringt, so weißt du, wie die Himmel den Menschen auf die Erde hereingestellt haben, du weißt, inwiefern der Mensch ein Geschöpf, ein Sohn der Himmel ist. Du studierst schließlich dasjenige, was du über den Himmel studierst, um das zu begreifen, was dir die Richtschnur in deinem Leben auf Erden gibt. — Auf den Menschen zielte alles ab, was man als Erkenntnisse sich erwarb über das Himmelswesen. Es war eigentlich alles Wissen von etwas durchaus Menschlichem durchwärmt. Und was der Mensch auf Erden tat, er fühlte es im Zusammenhang mit dem, was er an den Himmeln studieren konnte. Wir können ja ein Beispiel nehmen aus, sagen wir, einer menschlichen künstlerischen Betätigung. Wenn der Mensch in alten Zeiten Dichtetisches anschlug, Musikalisches anschlug, so holte er es aus jener Inspiration, die ihm von den Himmeln kam.

[ 8 ] People did not look up at the starry sky merely for theoretical purposes, but rather they said to themselves: If you know the relationship of Saturn to the Sun, or the relationship of Saturn to a sign of the zodiac at the moment when a person is called upon to act, or when he accomplishes an important deed in life, then you know how the heavens have placed humanity upon the Earth; you know to what extent a human being is a creature, a child of the heavens. Ultimately, you study the heavens in order to understand what provides you with a guiding principle in your life on Earth. — Everything that was gained as knowledge about the celestial realm was directed toward human beings. In fact, all knowledge was thoroughly imbued with something thoroughly human. And whatever human beings did on Earth, they felt it in connection with what they were able to study in the heavens. We can take an example from, say, a human artistic endeavor. When people in ancient times composed poetry or music, they drew it from that inspiration that came to them from the heavens.

[ 9 ] Ich habe es öfter erwähnt: Homer sagt nicht, um eine dichterische Phrase zu gebrauchen: «Singe, o Muse, vom Zorn mir des Peleiden Achilles», sondern deshalb, weil er sich bewußt war, er spricht nicht etwas aus, was ihm von menschlicher Willkür kam, sondern er spricht etwas aus, was ihm die Himmel zuraunen. Und derjenige, der auf Erden irgendwie musikalisch sich betätigte, der gab durch den Klang irdischer Instrumente wieder, was er glaubte, aus den Himmelsräumen in Sphärenmusik gehört zu haben. Der Mensch fühlte durchaus in der Art und Weise, wie er sich auf Erden betätigte, in der Art und Weise, wie er auf Erden mit anderen Menschen zusammenwirkte, wie er auf Erden Gemeinschaften begründete, daß er die Willensimpulse erlebte, die aus den Weiten des Weltenalls ihm zur Erde herniederstrahlten und die er nach seinen Erkenntnissen des Sternenhimmels erforschte, daß er nach diesen Intentionen des Himmels hier auf Erden als Mensch handelte.

[ 9 ] I have mentioned this often: Homer does not say—to use a poetic phrase—“Sing, O Muse, of the wrath of Achilles, son of Peleus,” but rather because he was aware that he was not expressing something that came from human whim, but rather something whispered to him by the heavens. And anyone on earth who was involved in music in any way reproduced through the sound of earthly instruments what he believed he had heard from the heavenly realms as celestial music. Human beings certainly felt, in the way they acted on earth, in the way they interacted with other people on Earth, and in the way they established communities on Earth, that they experienced the impulses of will that radiated down to Earth from the vastness of the universe—impulses they explored in light of their knowledge of the starry heavens—and that they acted here on Earth as human beings in accordance with these intentions of the heavens.

[ 10 ] Man möchte sagen: In menschliches Weben und Wirken floß alles dasjenige hinein, was in jener alten Zeit Wissenschaft, Kunst und Religion war. Denn es war ja Religion, Wissenschaft und Kunst eine Einheit, eine Einheit, die zuletzt hineinstrahlte in den Menschen, damit der Mensch sich selber auf Erden als das Wesen fühlte, als das ihn die Götter haben wollten.

[ 10 ] One might say: Everything that constituted science, art, and religion in those ancient times flowed into human life and activity. For religion, science, and art were, after all, a unity—a unity that ultimately shone into the human being, so that the human being might feel himself on earth as the being the gods intended him to be.

[ 11 ] Diese Stimmung, sie wirkte so lange, als eben der Mensch ein Geistiges in seiner Erkenntnis über die Himmel hatte, so lange, alser in dem Wesen, in dem Gang der Sterne und in dem Erscheinen der Sterne sich ein Geistiges vermitteln ließ, das gewissermaßen durch die Sternenerkenntnis zu ihm auf die Erde floß, damit er es auf Erden verwirklichen konnte.

[ 11 ] This mood persisted as long as human beings held a spiritual perspective in their understanding of the heavens—as long as they were able to perceive a spiritual element in the nature, the course, and the appearance of the stars, a spiritual element that, in a sense, flowed down to them on Earth through their knowledge of the stars, so that they could bring it to life here on Earth.

[ 12 ] Astrologie ist heute ein Wort, das keinen guten Klang hat. Wenn wir es im alten Sinne aber uns vor Augen stellen, so bekommt es einen besseren Klang. Der Mensch sah hinauf zu den Sternen, und aus den Sternen enthüllte sich ihm der Logos, der wiederum durch seine Gedanken, durch seine Phantasie, durch seine Sprache hier auf der Erde wirkte. Der Mensch übte selbst dann, wenn er seine Sprachwerkzeuge in Bewegung setzte, dasjenige, was in der Gestaltung des Lautlichen die Geheimnisse der Himmel hier auf Erden wieder erklingen ließ. Der Logos, der die Vernunft ist, die im Menschengeschlecht waltet, erschien als der Ausfluß der Sternenwelt. Astrologie: dasjenige, was hier auf Erden unten geschah, erschien als ein Abbild des Urbildes, das man durch Astrologie erfuhr.

[ 12 ] Astrology is a word that doesn’t have a very good ring to it today. But if we consider it in its original sense, it takes on a better meaning. Human beings looked up at the stars, and from the stars the Logos revealed itself to them, which in turn worked here on Earth through their thoughts, their imagination, and their language. Even when humans set their speech organs in motion, they practiced that which, through the shaping of sound, allowed the mysteries of the heavens to resound here on Earth. The Logos, which is the reason that reigns within the human race, appeared as an emanation from the world of the stars. Astrology: what took place here on Earth below appeared as a reflection of the archetype that was perceived through astrology.

[ 13 ] Wenn wir uns heute unsere Erkenntnisse anschauen, so sehen wir, wie diese Erkenntnisse gewonnen werden durch die Sinnenbeobachtung des Irdischen. Auch indem man heute Astronomie studiert — ich habe es schon gestern auseinandergesetzt —, ist es ja nur der Reflex der irdischen Erkenntnisse hinauf in den Himmelsraum. Sinneserkenntnisse erwirbt sich der heutige Mensch. Er steht ja in der Tat in der Welt anders darinnen, als er früher darinnengestanden hat. Ich habe dieses andere Darinnenstehen in diesen Vorträgen vor kurzem hier charakterisiert. Ich habe gesagt: Dasjenige, was der heutige intellektualistische Mensch ist mit seinen abstrakten Begriffen, aber auch mit dem, was seine Freiheit ist, die nur möglich ist bei der Ausbildung abstrakt-intellektualistischer Begriffe, welche den Menschen nicht zwingen, welche ihm auch Moralgebote geben, die seiner Individualität entspringen, wie ich das in meiner «Philosophie der Freiheit » dargestellt habe, dieser Mensch mit solchen intellektualistischen Begriffen, mit solchem Freiheitsbewußtsein, er ist erst in die Menschheitsentwickelung in der Zeit gekommen, als jenes Bewußtsein aufgehört hatte, das der Astrologie entstammte, das den Menschen als ein die Intentionen der Götter auf Erden ausführendes Wesen erscheinen ließ. Dieser Mensch mit seinem Intellekt und mit seinem Freiheitsbewußtsein ist ein von den Himmeln abgeschnürtes Wesen. Er ist wirklich der Erdeneremit geworden und erwirbt sich dann hier auf Erden seine Kenntnisse. Und aus der Art und Weise, wie er sich seine Kenntnisse erwirbt, aus dieser Art und Weise ist auch das Interesse zu erklären, mit dem er an diesen Erkenntnissen hängt.

[ 13 ] When we look at our knowledge today, we see how this knowledge is gained through sensory observation of the earthly realm. Even when studying astronomy today—as I explained yesterday—it is, after all, merely the reflection of earthly knowledge projected upward into the heavens. Modern human beings acquire knowledge through the senses. Indeed, they stand in the world differently than they did in the past. I recently characterized this different way of standing in the world in these lectures here. I said: What modern, intellectualistic humanity is—with its abstract concepts, but also with its freedom, which is only possible through the development of abstract-intellectualistic concepts that do not constrain the individual, and that also provide moral precepts arising from his individuality, as I have described in my *Philosophy of Freedom*—this human being, with such intellectualistic concepts and such a sense of freedom, only entered the course of human development at a time when that consciousness—which stemmed from astrology and made human beings appear as beings carrying out the intentions of the gods on Earth—had ceased to exist. This human being, with his intellect and his sense of freedom, is a being cut off from the heavens. He has truly become an earthly hermit and thus acquires his knowledge here on earth. And the way in which he acquires his knowledge—it is this very way—that explains the interest with which he clings to these insights.

[ 14 ] Es wäre undenkbar gewesen in alten Zeiten, daß man zweierlei gesehen hätte in Religion und wissenschaftlicher Erkenntnis. Hatte man wissenschaftliche Erkenntnis erworben, so war diese so, daß sie einem unmittelbar ein religiöses Gefühl gab, daß sie einem den Weg wies zu den Göttern, daß man gar nicht anders konnte, als im rechten Sinne ein religiöser Mensch sein, wenn man Erkenntnisse erworben hatte.

[ 14 ] In ancient times, it would have been unthinkable to view religion and scientific knowledge as two separate things. Once scientific knowledge had been acquired, it was such that it immediately instilled a religious feeling, that it showed one the way to the gods, so that one could not help but be a religious person in the true sense once one had acquired such knowledge.

[ 15 ] Heute kann man den ganzen weiten Umfang der landläufigen Erkenntnisse erwerben: man wird dadurch nicht ein religiöser Mensch. Ich möchte wissen, wer heute ein religiöser Mensch wird dadurch, daß er Botaniker, daß er Zoologe, daß er Chemiker wird! Will er ein religiöser Mensch werden, so sucht er das Religiöse neben der Erkenntnis. Daher suchen wir Pflegestätten des religiösen Lebens neben der Erkenntnis, sind sogar oftmals der Überzeugung, daß uns die Erkenntnis abbringt von den religiösen Wegen, daß wir andere Wege suchen müssen, die uns wiederum zu dem Religiösen hinführen. Und dennoch, wir mußten ja auch hier immer wieder und wiederum das Bedeutsame der neueren Erkenntnisse hervorheben. Wir mußten darauf hinweisen, daß diese neueren Erkenntnisse durchaus notwendig sind für den modernen Menschen und zur Weiterentwickelung der Menschheit. Aber wenn sich der Mensch heute hineinstellt in die Welt mit seinem Intellektualismus, mit seinem Freiheitsbewußtsein, so entwickelt er ja hier auf Erden schon dasjenige, was der ältere Mensch, der, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein Himmelsbewußtsein hatte, erst nach dem Tode entwickelte.

[ 15 ] Today, one can acquire the full breadth of common knowledge; yet this does not make one a religious person. I would like to know who, today, becomes a religious person simply by becoming a botanist, a zoologist, or a chemist! If one wishes to become a religious person, one seeks the religious alongside knowledge. That is why we seek places where religious life can flourish alongside knowledge; we are even often convinced that knowledge leads us away from religious paths, that we must seek other paths that will in turn lead us back to the religious. And yet, we have had to emphasize time and again the significance of these newer insights. We have had to point out that these newer insights are absolutely necessary for modern human beings and for the further development of humanity. But when people today step into the world with their intellectualism and their sense of freedom, they are already developing here on earth what the people of old—who, if I may put it that way, had a sense of the heavenly—only developed after death.

[ 16 ] Wenn wir für den heutigen Menschen die Momente nach dem Tode schildern, so schildern wir, wie der Mensch im Bilde zurückblickt zunächst auf sein Leben, indem er seinen Ätherleib von sich absondert. Wir schildern dann, wie er das Leben zurückwandett in einer folgenden Zeit. Für ältere Zeiten mußte das Leben nach dem Tode so geschildert werden, daß man dem Menschen sagte: Dasjenige, was du hiernurdurch eine höhere Offenbarung erlangen kannst, ein intellektualistisches Weltenbild, das wird dir erscheinen nach dem Tode. Dasjenige, was du hier auf Erden erringen sollst, das kann nur vorhanden sein wie ein Ideal, ein freier Mensch wirst du nach dem Tode sein. — So sagte man dem älteren Menschen. — Der wahre Mensch kommt, wenn man aus dieser physischen Welt in die geistige Welt hinübergetreten ist. So sagte man in alten Zeiten. Aber dasjenige, was man erst nach dem Tode erlebt hat in alten Zeiten, rückschauend auf das Erdenleben, Intellektualismus und Freiheitsbewußtsein, wozu alles Erdenleben die Vorbereitung war, das hat der moderne Mensch hereingedrängt schon in sein Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Er wird hier auf Erden ein intellektualistisches Wesen, er wird hier auf Erden ein Wesen mit Freiheitsbewußtsein.

[ 16 ] When we describe the moments following death for people today, we describe how a person, in a sense, looks back on their life as they separate their etheric body from themselves. We then describe how they retrace their life in a subsequent period. In earlier times, life after death had to be described in such a way that people were told: What you can attain here only through a higher revelation—an intellectualistic worldview—will appear to you after death. What you are meant to achieve here on Earth can exist only as an ideal; you will be a free human being after death. — That is what was said to people in earlier times. — The true human being emerges once one has passed from this physical world into the spiritual world. That is what was said in ancient times. But what in ancient times was experienced only after death—looking back on earthly life, intellectualism, and a sense of freedom, for which the whole of earthly life served as preparation—modern man has already forced into his life between birth and death. Here on earth, he becomes an intellectual being; here on earth, he becomes a being with a sense of freedom.

[ 17 ] Dafür aber muß er sich auf Erden in der Sinneserkenntnis und in der Kombination seiner Sinneserkenntnis etwas erwerben, was zunächst seinen Interessen fernsteht. Wir mögen noch so lange durch das Teleskop dasjenige erkunden, was wir heute von der Sternenwelterkunden: menschlich fühlen wir uns dadurch nicht eigentlich innerlich durchwärmt und innerlich erleuchtet. Expeditionen werden ausgerüstet von Astronomen und Naturforschern, um die Einsteinschen Ideen zu bewahrheiten. Aber niemand erwartet von den Beobachtungen, die da gemacht werden, etwas, was so nahe der unmittelbar elementarischen menschlichen Natur angehört, wie man es erwartet hatte von den Astronomen der alten babylonischen oder assyrischen Kultur. Das ist ein gewaltiger Unterschied, was uns die modernen Erkenntnisse geben: das nichtvorhandene Interesse gegenüber den Wertigkeiten. Es mag ja außerordentlich interessant sein, wenn diese oder jene biologische Entdeckung heute gemacht wird, aber man sagt nicht: Dadurch, daß diese oder jene biologische Entdeckung gemacht wird, kommt der Mensch dem göttlich-geistigen Wesen, das er in seiner Seele trägt, näher. Diesem göttlich-geistigen Wesen, das er in seiner Seele trägt, will der Mensch durch ein abgesondertes religiöses Interesse näherkommen.

[ 17 ] To do this, however, he must acquire something on earth through sensory perception and the synthesis of his sensory perceptions—something that is initially far removed from his interests. No matter how long we may explore through the telescope what we know today about the world of the stars, on a human level this does not truly warm our hearts or enlighten our souls. Expeditions are organized by astronomers and naturalists to verify Einstein’s ideas. But no one expects the observations made there to yield anything that belongs as closely to immediate, elemental human nature as was once expected of the astronomers of ancient Babylonian or Assyrian culture. This is a tremendous difference in what modern discoveries offer us: a lack of interest in values. It may indeed be extraordinarily interesting when this or that biological discovery is made today, but no one says: “Because this or that biological discovery has been made, human beings are drawing closer to the divine-spiritual being they carry within their souls.” It is through a separate religious interest that human beings seek to draw closer to this divine-spiritual being they carry within their souls.

[ 18 ] Man macht sich heute dennoch nicht den richtigen Begriff von der Art und Weise, wie eine ältere Menschheit zur Erkenntnis gestanden hat selbst noch in späteren Zeiten. Man braucht ja nur daran zu denken, was es für ein bedeutsames Schicksalserlebnis war, als solch ein Mensch wie Archimedes im Bade das archimedische Prinzip entdeckt hatte, und er ausgebrochen ist in das Schicksalswort: Ich habe es gefunden! — Da war eben eine solche einzelne Erkenntnis etwas, was man so fühlte, als hätte man durch ein Fenster in die Geheimnisse des Weltenalls hineingeschaut.

[ 18 ] Even today, however, people do not have a proper understanding of the way in which an ancient humanity came to knowledge, even in later times. One need only think of what a momentous, fateful experience it was when a man like Archimedes discovered the Archimedean principle while bathing and burst out with the fateful words: “I have found it!” — At that moment, such an individual insight was something that felt as though one had looked through a window into the mysteries of the universe.

[ 19 ] Diese Warmherzigkeit gegenüber der Erkenntnis, die war sicher nicht vorhanden, als die Röntgenstrahlen zum Beispiel gefunden worden sind. Man könnte sagen: Die heutige Beziehung zu dem, was die Erkenntnis liefert, ist eher die Gebärde des Mundaufreißens als des innerlichen Seelenjauchzens. Das macht einen menschlichen Unterschied! Und dieser menschliche Unterschied muß für die Entwickelung der Menschheit ins Auge gefaßt werden.

[ 19 ] This warmth toward knowledge was certainly not present when X-rays, for example, were discovered. One might say: Today’s relationship to what knowledge provides is more a gesture of gaping in astonishment than of inner spiritual exultation. That makes a human difference! And this human difference must be taken into account for the development of humanity.

[ 20 ] Aus alledem geht etwas höchst Merkwürdiges hervor. Die modernen Menschen haben nun schon seit Jahrhunderten dasjenige ins menschliche Leben hereinbekommen, was sie früher erst nach dem Tode gehabt haben: Das intellektuelle Weltbegreifen und das Freiheitsbewußtsein. Aber sie haben es gar noch nicht einmal richtig bemerkt. Das ist das Merkwürdige, daß die moderne Menschheit etwas, was sie vom Himmel bekommen hat in das Erdenleben herein, noch gar nicht einmal richtig bemerkt hat. Es hat das gar nicht ergriffen die Gefühlswelt, das Elementarische in der Menschenwelt. Man möchte sagen, eher hat das für die Menschheit einen bitteren Beigeschmack. Den reinen Gedanken betrachtet ja die Menschheit nicht so, wie ich versucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit» ihn zu betrachten, wo man eigentlich lieber, statt ihn erst auseinanderzunehmen, schon Hymnen auf ihn singen möchte. Und das Freiheitsbewußtsein hat zunächst die Menschen zu allerlei Tumultuarischem veranlaßt, nicht aber zu der Erkenntnis, daß etwas vom Himmel auf die Erde heruntergestiegen ist. Nicht einmal die Grundkraft der modernen Entwickelung der Menschheit wurde rein menschlich empfunden. Woher kommt das?

[ 20 ] Something most remarkable emerges from all this. For centuries now, modern human beings have brought into human life what they previously experienced only after death: an intellectual understanding of the world and a sense of freedom. But they have not even really noticed it yet. That is what is so remarkable: that modern humanity has not even really noticed that it has brought into earthly life something it received from heaven. It has not at all taken hold of the emotional world, the elemental aspect of the human world. One might say that, for humanity, this has rather a bitter aftertaste. After all, humanity does not view the pure idea in the way I attempted to view it in my *Philosophy of Freedom*, where one would actually prefer to sing hymns to it rather than first take it apart. And the consciousness of freedom has, at first, led people to all sorts of tumultuous behavior, but not to the realization that something has descended from heaven to earth. Not even the fundamental force behind the modern development of humanity has been perceived in a purely human way. Where does this come from?

[ 21 ] Wenn man sich diese Frage beantwortet, dann beantwortet man sich zugleich eine der allerwichtigsten Fragen des menschlichen Daseins überhaupt. Der Mensch hat in alten Zeiten seine Erkenntnis sich erworben, indem er zum Himmel aufgeschaut hat, dort den Logos gesucht hat, dasjenige, was die Götter durch den Sternengang und das Sternenwesen zu dem Menschen sprachen, und menschliche Vernunft war der Abglanz dieses göttlichen Logos. Alles, was der Mensch hier auf Erden tat, war durchleuchtet von demjenigen, was der Logos als Inhalt hatte, und diesen Inhalt hatte man wiederum von den Sternen geholt. Das Menschenleben wäre nichts gewesen, hätte man ihm nicht einen Sinn geben können aus den Erkenntnissen über die Sternenwelt.

[ 21 ] When one answers this question, one is at the same time answering one of the most important questions of human existence itself. In ancient times, human beings acquired their knowledge by looking up to the heavens, seeking there the Logos—that which the gods spoke to humanity through the movement of the stars and the nature of the stars—and human reason was the reflection of this divine Logos. Everything humans did here on Earth was illuminated by the content of the Logos, and this content, in turn, had been drawn from the stars. Human life would have been meaningless had it not been possible to give it meaning through knowledge of the world of the stars.

[ 22 ] Nun, heute ist in einem ganz ähnlichen Sinne alles das, was wir uns innerlich als Erkenntnisse aneignen, eigentlich ein Nichts. Wir eignen es uns an, indem wir uns bändigen lassen zur Botanik, zur Zoologie, zur Biologie, zur Physiologie usw., indem wir uns höchstens durch den Ehrgeiz, durch die Einsicht in die Notwendigkeit, daß wir dadurch unser Leben auf der Erde fristen können, hinbewegen lassen zu alledem. Es ist wieder radikal gesprochen, aber es grenzt schon in einem gewissen Sinne an die Wirklichkeit. Denn diejenigen, welche sich große Ideale in die Dinge heute hineinlegen, für die ist doch ein gewisses Illusionäres vorhanden, durch das sie sich die Sache ins Ideale uminterpretieren. Wenigstens sind die Menschen außerordentlich selten, die einen Sinn verbinden könnten mit dem Worte: Ich bete eine chemische Formel. — Ja, man muß schon in einer solchen Form eine wichtige kulturhistorische, wenn auch negative Tatsache aussprechen!

[ 22 ] Well, today, in a very similar sense, everything we internalize as knowledge is, in fact, nothing. We acquire it by allowing ourselves to be guided toward botany, zoology, biology, physiology, and so on—driven, at most, by ambition or by the realization that this is necessary for us to eke out a living on Earth. This is, again, a radical statement, but in a certain sense it borders on reality. For those who project grand ideals onto things today—there is, after all, a certain element of illusion through which they reinterpret the matter as ideal. At the very least, it is exceedingly rare to find people who could attach any meaning to the phrase: “I pray a chemical formula.” — Yes, one must indeed articulate an important cultural-historical fact—albeit a negative one—in just such a way!

[ 23 ] Es gehört schon ein Novalis dazu mit seiner tiefen und zugleich aber jugendlich enthusiastisch durchglühten Erkenntnis, um so etwas zu empfinden wie: Ich bete in der Auflösung einer differentialen Gleichung. — Unsere gewöhnlichen Mathematiker fühlen sich gar nicht sehr betend, wenn sie das Geheimnis einer Differentialgleichung enthüllen. Das Selbstverständliche, daß mit der Erkenntnis zugleich der ganze Mensch engagiert ist, der ganze Mensch seine Hintendierung zum Göttlichen empfindet, dieses Selbstverständliche ist ja der heutigen Menschheit ganz und gar nicht selbstverständlich. Viel selbstverständlicher ist es, daß gerade diejenigen, die zu den höchsten Errungenschaften des Erkennens aufsteigen, froh sind, wenn sie die Examina hinter sich haben, damit sie nun durch diese Dinge nicht hindurchgehen müssen. Die Froheit des Durchgehens durch die Mysterienstufen: Bei den modernen Menschen, die durch die Examina durchgehen, merkt man ja gar nicht viel davon. Wenigstens kommt es außerordentlich selten vor, daß heute einer in dem vollen alten Mysterienernst spricht von jener innigen göttlichen Tat, die dieser oder jener Professor dadurch verrichtet hat, daß er ihm ein Dissertationsthema gegeben hat und ihn in die Lage gebracht hat, nun durch die Wasser [Weihen?} der Heiligkeit hindurchzugehen während der Ausarbeitung dieses Dissertationsthemas! Doch wäre dies das Normale, das Selbstverständliche!

[ 23 ] It takes someone like Novalis—with his insight, both profound and yet glowing with youthful enthusiasm—to feel something like this: “I pray as I solve a differential equation.” — Our ordinary mathematicians do not feel at all as if they are praying when they unravel the mystery of a differential equation. The self-evident fact that, with this insight, the whole person is engaged—that the whole person feels its inclination toward the divine—this self-evident fact is, after all, not at all self-evident to humanity today. It is far more common for precisely those who ascend to the highest achievements of knowledge to be glad when their exams are behind them, so that they no longer have to go through these things. The joy of passing through the stages of the mysteries: among modern people who go through their exams, one hardly notices any of this at all. At least it is exceedingly rare today for anyone to speak, with the full solemnity of the ancient mysteries, of that intimate divine act which this or that professor has performed by assigning him a dissertation topic and thereby enabling him to pass through the waters [consecrations?] of holiness while working on that dissertation topic! Yet this would be the norm, the natural state of affairs!

Blackboard Drawing
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[ 24 ] Man braucht sich nur das vor Augen zu halten, so muß man sagen: Ja, da unten ist die Erde mit ihren vielen Dingen (siehe Zeichnung, weiß und grün). Diese vielen Dinge haben die alten Erkenner gesehen. Aber sie haben sie erst in rechtem Sinne zu erfassen geglaubt, indem sie hinaufgesehen haben zu den Sternen, und von den Sternen herunter die Strahlen geholt haben, wodurch ihnen das alles erst in der richtigen Weise beleuchtet worden ist (rot).

[ 24 ] One need only keep this in mind to say: Yes, down there is the Earth with its many things (see drawing, white and green). The ancient sages saw these many things. But they believed they could only grasp them in the true sense by looking up at the stars and drawing down the rays from the stars, through which everything was illuminated for them in the proper way (red).

[ 25 ] Die Spiegelung der Sternenwelt im irdischen Leben haben diese alten Erkenner gesucht (unteres Rot), sonst wäre ihnen das alles, was da unten von mir angedeutet ist, wertlos erschienen. Heute kümmern wir uns nicht um das, was oben ist, und studieren das, was da unten ist. Wir studieren es in unzähligen Einzelheiten. Wir haben, wenn wir uns irgendeinem da- oder dorthin orientierten Erkennen ergeben haben, viele Einzelheiten im Kopfe. Aber die Bewertung dieser Einzelheiten, die bekommt eine gewisse Gleichgültigkeit für das Leben, und damit auch eine gewisse Interesselosigkeit für das hohe Elementar-Menschliche. Besonders auf dem eigentlichen Geistgebiet macht sich ja das in auffälliger Weise geltend.

[ 25 ] These ancient sages sought the reflection of the world of the stars in earthly life (lower red); otherwise, everything I have hinted at down here would have seemed worthless to them. Today we do not concern ourselves with what is above, but study what is below. We study it in countless details. Once we have devoted ourselves to any kind of knowledge oriented toward one direction or another, we have many details in our minds. But our assessment of these details takes on a certain indifference toward life, and with it, a certain lack of interest in the higher, elemental aspects of humanity. This is particularly evident in the realm of the spirit itself.

[ 26 ] Schon der Schwaben-Vöscher hat darüber gespottet, wie gleichgültig für ein gesamtmenschliches Bewußtsein dasjenige wird, das heute zu überwinden ist, wenn man sich hinaufringen will zu dem Erkennen, indem er gesagt hat, daß eine der «bedeutsamsten» Abhandlungen über das Gebiet der neueren Literaturgeschichte etwa die wäre über den Zusammenhang der Frostbeulen der Frau Christiane von Goethe mit den symbolisch-allegorischen Figuren im zweiten Teile des «Faust»! Warum könnte nicht, wie über manche Dinge, auch über diesen Zusammenhang eine Dissertation geschrieben werden? Die Methodik, die angewendet wird, das menschliche Interesse, das dabei ist, ist ja schließlich nicht von anderer Qualität, als wenn einer etwa eine Abhandlung macht — derartiges kommt ja vor — über die Gedankenstriche in Homers Dichtung! Ja, wir eignen uns wirklich Erkenntnisse an über das, was eine alte Erkenntnis der Menschen erst für wert gehalten hat, nachdem sie es beleuchten konnte von der Himmelserkenntnis aus.

[ 26 ] Even Schwaben-Vöscher mocked how indifferent to a universal human consciousness the very thing that must be overcome today becomes when one strives to reach that level of understanding, saying that one of the “most significant” treatises in the field of modern literary history would be one on the connection between Christiane von Goethe’s chilblains and the symbolic-allegorical figures in the second part of *Faust*! Why couldn’t a dissertation be written on this connection, just as one might on many other things? After all, the methodology employed and the human interest involved are no different in quality from, say, someone writing a treatise—such things do happen—on the dashes in Homer’s poetry! Yes, we truly gain insights into what an ancient human understanding deemed worthy only after it could illuminate it from the perspective of celestial knowledge.

[ 27 ] Die Himmelserkenntnis haben wir nicht. Wir schauen nicht das Kupfer an, indem wir zur Venus aufblicken, wir schauen nicht das Blei an, indem wir zum Saturn aufblicken, wir schauen nicht den Urmenschen an, indem wir zum Sternbild des Wassermanns aufblicken, und wir schauen nicht dasjenige an, was in der Tiernatur des Löwen hinübergeht zu gewissen inneren Impulsen der menschlichen Natur, indem wir zum Sternbilde des Löwen aufschauen, und dergleichen. Wir holen nichts raehr von dem, was uns erklären soll das Irdische, aus den Himmeln herunter, sondern wir wenden den Blick auf die weiten, zerstreuten Einzelheiten der Erde allein.

[ 27 ] We do not possess knowledge of the heavens. We do not look at copper when we gaze up at Venus, nor do we look at lead when we gaze up at Saturn, we do not look at the primordial human when we gaze upon the constellation of Aquarius, nor do we look at that which, in the animal nature of the Lion, corresponds to certain inner impulses of human nature when we gaze upon the constellation of Leo, and so on. We do not draw anything further from the heavens that is meant to explain the earthly world; rather, we turn our gaze solely to the vast, scattered details of the Earth.

[ 28 ] Wir brauchen wiederum etwas, was uns Wertigkeiten hineinbringt in das einzelne, was uns dazu führt, dasjenige wieder zu sehen, was einer gesehen hat, wenn er irgendeinen irdischen Gegenstand aus den Himmeln beleuchtet gesehen hat. Wir haben ein Wissen von vielem, aber wir brauchen ein einheitliches Wissen, das in alle einzelnen Wissensgebiete ausstrahlen kann und den einzelnen Wissensgebieten Wertigkeiten geben kann. Das will die Anthroposophie sein.

[ 28 ] We, in turn, need something that instills values into the individual, something that leads us to see once again what a person saw when they observed an earthly object illuminated from the heavens. We have knowledge of many things, but we need a unified body of knowledge that can radiate into all individual fields of knowledge and provide those fields with a sense of value. That is what anthroposophy aims to be.

[ 29 ] So wie einstmals in der Astrologie in die Himmel geschaut worden ist, um die Erde zu erklären, will die Anthroposophie in dem Menschen das schauen, was der Mensch von sich aus zu sagen hat, damit von da aus alles, was wir über Mineralien, Tiere, Pflanzen, über den Menschen, über alles das wissen, was nur eben sonst im Zerstreuten gewußt werden kann, von Anthroposophie aus beleuchtet werde.

[ 29 ] Just as astrology once looked to the heavens to explain the Earth, anthroposophy seeks to look within the human being to discover what the human being has to say of its own accord, so that from this perspective, everything we know about minerals, animals, plants, human beings—and indeed everything else that can otherwise only be known in a scattered, fragmented way—may be illuminated by anthroposophy.

[ 30 ] Und so wie der Mensch einstmals zu den Himmeln geschaut hat, um sein Erdenleben zu begreifen, so muß der intellektuell und freigewordene Mensch sich selber erkennen lernen, damit er wieder hinschauen kann nach dem Todesmoment, wo er hinaustritt in eine geistige Welt, und wo Götter herunterschauen werden auf dasjenige, was er ihnen mitbringt, was von ihm ausstrahlt. Denn er soll schon auf der Erde Mensch geworden sein, während er früher erst nach dem Tode Mensch geworden ist.

[ 30 ] And just as human beings once looked up to the heavens to understand their earthly life, so too must the intellectually liberated human being learn to know himself, so that he may once again look toward the moment of death, when he steps out into a spiritual world, and where the gods will look down upon what he brings to them—that which radiates from him. For they are to have already become human beings here on earth, whereas in the past they only became human after death.

[ 31 ] Wie er Mensch geworden ist, das wird sich zeigen durch jene Kraft, die er aus dem reinen Menschenbewußtsein heraus gewonnen hat. Und dieses reine Menschenbewußtsein soll ihm gegeben werden durch dasjenige, was von Anthroposophie auf alles übrige ausstrahlt, was der Mensch auf Erden wissen, aber auch, was der Mensch auf Erden vollbringen kann.

[ 31 ] How he became human will be revealed through the power he has drawn from pure human consciousness. And this pure human consciousness is to be given to him through that which radiates from anthroposophy to everything else—not only what human beings on Earth can know, but also what they can accomplish.

[ 32 ] «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort», also im Urbeginne war der Logos, und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos. Man hat den Logos heruntergeholt von der Offenbarung der Götter in den Himmeln.

[ 32 ] “In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God”—that is, in the beginning was the Logos, and the Logos was with God, and the Logos was God. The Logos was brought down from the revelation of the gods in the heavens.

[ 33 ] Aber das Wort ist Fleisch geworden, und hat nicht nur unter uns gewohnt, sondern wohnet fortwährend unter uns. Der Logos ist Fleisch geworden. Was ehedem in den Himmeln zu suchen war, muß nunmehr beim Menschen gesucht werden. Denn der Logos wurde einst mit Recht beim Vatergott gesucht, in unserer Zeit muß der Logos gesucht werden beim Sohnesgott.

[ 33 ] But the Word became flesh, and not only dwelt among us, but continues to dwell among us. The Logos became flesh. What was once to be sought in the heavens must now be sought in humanity. For the Logos was once rightly sought in God the Father; in our time, the Logos must be sought in God the Son.

[ 34 ] Aber diesen Sohnesgott in seiner elementarischen Bedeutung findet der Mensch, wenn er das paulinische Wort wahrmacht: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», wenn er sich selber kennenlernt. Alle Anthroposophie zielt darauf hin, tief in den Menschen unterzutauchen. Wenn alte Zeiten in den Menschen tief untergetaucht sind, was haben sie dann gefunden? Auf dem Grunde der Menschennatur die luziferischen Mächte. Wenn der moderne Mensch nur tief genug in sich untertaucht, findet er den Christus. Das ist die andere Seite des Umschwunges von älteren zu neueren Zeiten. Indem der Intellektualismus und das Freiheitsbewußtsein vom Himmel auf die Erde heruntergekommen sind, und der Christus sich mit der Menschheit auf der Erde verbunden hat, findet der Mensch in den Tiefen seines eigenen Wesens, wenn er tief genug hinuntersteigt, den Christus; während ältere Menschen gerade durch das tiefe Hinuntersteigen die luziferische Geistigkeit gefunden haben.

[ 34 ] But human beings find this Son of God in his elemental significance when they live out the words of Paul: “Not I, but Christ in me,” when they come to know themselves. The whole of anthroposophy aims to delve deep into the human being. When ancient times delved deep into human beings, what did they find? At the very depths of human nature, the Luciferic forces. If modern human beings only delve deep enough within themselves, they will find Christ. This is the other side of the transition from older to newer times. As intellectualism and the consciousness of freedom have descended from heaven to earth, and Christ has united Himself with humanity on earth, human beings find Christ in the depths of their own being—if they descend deeply enough—whereas people of earlier times found the Luciferic spirit precisely through this deep descent.

[ 35 ] Das war ja auch dasjenige, was einer älteren Schülerschaft in den Mysterien besonders klarwerden sollte: Schürft hinunter in das Menschenwesen, wie es auf Erden ist, ihr findet zuletzt auf dem Grunde eurer eigenen Seele dasjenige, vor dem ihr bebend zurückschrecken müßt: die luziferischen Mächte. Daher schauet auf zu dem Moment des Todes; da werdet ihr erst wahrer Mensch, wenn ihr durch die Pforte des Todes durchgegangen seid. Da werdet ihr errettet vor dem, was ihr auf dem Grund eurer Seele hier auf Erden findet: die luziferischen Mächte.

[ 35 ] That was, after all, precisely what was to become particularly clear to the older generation of students in the Mysteries: Delve deep into the human being as he exists on Earth, and you will ultimately find, at the very depths of your own soul, that which you must recoil from in trembling fear: the Luciferic forces. Therefore, look forward to the moment of death; only then, when you have passed through the gate of death, will you become true human beings. Then you will be saved from what you find at the depths of your soul here on Earth: the Luciferic forces.

[ 36 ] Das war das Todeserlebnis der alten Mysterien. Das war, warum sie hinschauen mußten auf die Erkenntnis, auf Abbildung des Todesmomentes in den Mysterien, diese alten Mysterienschüler.

[ 36 ] That was the experience of death in the ancient mysteries. That was why these ancient mystery students had to turn their attention to the insight into, and the depiction of, the moment of death in the mysteries.

[ 37 ] Der moderne Mensch soll dasjenige an sich nehmen, was ihm geworden ist: den Intellektualismus und das Freiheitsbewußtsein. Nimmt er sie würdig an sich, so daß er alle übrige Erdenerkenntnis und alle übrigen Taten durchdringt mit dem, was ihm aus reinem Menschheitsbewußtsein, wie es die Anthroposophie will, herausquillt, dann findet er auf dem Grund seiner Seele die Christus-Kräfte. Dann sagt er sich: Einstmals schaute ich zu der Konstellation der Sterne auf, um das menschliche Schicksal auf Erden zu ergründen; jetzt schaue ich nach dem Menschen und lerne dadurch erkennen, wie dieser Mensch, nachdem er schon auf Erden in dem Besitz der Menschlichkeit von der Christus-Substanz durchdrungen worden ist, aufleuchtet für das Universum, wie er zu den Himmeln hinaufleuchtet als der Menschheitsstern, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist.

[ 37 ] Modern man should embrace what has become part of him: intellectualism and the sense of freedom. If he accepts them with dignity, so that he permeates all other knowledge of the earth and all other deeds with what springs forth from him out of pure human consciousness—as anthroposophy intends—then he will find the Christ forces at the depths of his soul. Then he says to himself: Once I looked up at the constellations to fathom human destiny on Earth; now I look to the human being and thereby learn to recognize how this human being, having already been permeated on Earth by the Christ substance while in possession of humanity, shines forth for the universe, how he shines upward toward the heavens as the star of humanity once he has passed through the gate of death.

[ 38 ] Das ist die spirituelle Humanistik, die an die Stelle der alten Astrologie treten kann. Das ist dasjenige, was den Menschen anweist, so hinzuschauen auf das, was der Mensch ebenso in sich als Sophia offenbaren kann — Anthroposophia —, wie ehedem die Sterne als Logia sich geoffenbart haben. Das ist aber auch das Bewußtsein, womit man sich durchdringen muß. Und da lernt man dann die Weltbedeutung der Menschenwesenheit kennen. Da lernt man von da aus erkennen jene Weltenbedeutung der Menschenwesenheit, die uns erst studieren läßt den physischen Leib, die uns dann studieren läßt den Bildekräfte- oder Ätherleib. Aber ich will nur ein Beispiel erwähnen: Lernt man den menschlichen physischen Leib im rechten Sinne studieren, indem man ihn von Anthroposophie aus beleuchtet, dann erfährt man über diesen physischen Leib des Menschen, wie er seinen eigenen Kräften folgen kann. Wenn er seinen eigenen Kräften folgt, dann ist er fortwährend in der Anstrengung, krank zu werden. Ja das, was da unten im Menschen als physischer Leib existiert, das ist eigentlich in fortwährender Anstrengung, krank zu werden. Und sehen wir auf vom physischen Leib zu dem Ätherleib, so haben wir im Ätherleib die Gesamtheit derjenigen Kräfte des Menschen, die fortwährend in der Anstrengung leben, den kranken Menschen wieder gesund zu machen. Die Pendelschwingung zwischen physischem Leib und Ätherleib ist darauf zielend, fortwährend die Mittellage zu erhalten zwischen dem Pathologischen und dem Therapeutischen. Der Ätherleib ist der kosmische Therapeut, und der physische Leib ist der kosmische Krankheitserreger.

[ 38 ] This is the spiritual humanism that can take the place of the old astrology. This is what instructs people to look upon that which human beings can likewise reveal within themselves as Sophia—Anthroposophia—just as the stars once revealed themselves as Logia. But this is also the consciousness with which one must imbue oneself. And there one comes to know the cosmic significance of the human being. From there, one learns to recognize that cosmic significance of the human being which first leads us to study the physical body and then leads us to study the form-forming body, or etheric body. But I will mention just one example: If one learns to study the human physical body in the proper sense, by illuminating it from the perspective of anthroposophy, then one learns about this physical body of the human being and how it can follow its own forces. When it follows its own forces, it is constantly striving to become ill. Indeed, what exists down there in the human being as the physical body is actually in a constant effort to become ill. And when we look up from the physical body to the etheric body, we find in the etheric body the totality of those human forces that are constantly striving to restore the sick person to health. The oscillation between the physical body and the etheric body is aimed at continuously maintaining a balance between the pathological and the therapeutic. The etheric body is the cosmic healer, and the physical body is the cosmic pathogen.

[ 39 ] Und ebensogut könnten wir für andere Gebiete der menschlichen Erkenntnis sprechen. Und indem wir so sprechen, sagen wir uns: Wenn wir einer Krankheit gegenüber stehen, was müssen wir tun? Wir müssen irgendwo es dazu bringen, durch bestimmte Heilmittelkonstellationen in irgendeiner Weise den Ätherleib aufzurufen zur Heilung. Das tut schließlich im Grunde genommen alle Medizin: irgendwie den Ätherleib des Menschen aufrufen zur Heilung, denn er ist der Heiler. Wenden wir uns in der richtigen Weise bei einem Menschen, der gesund gemacht werden kann, an den Ätherleib, suchen wir dasjenige, was ihm aus dem Ätherleib heraus an heilenden Kräften zukommen kann nach seinem allgemeinen Menschenschicksal, dann sind wir auf dem Wege, ihn zu heilen.

[ 39 ] And we might just as well be speaking of other areas of human knowledge. And in saying this, we ask ourselves: When we are faced with an illness, what must we do? We must somehow, through specific combinations of remedies, call upon the etheric body to heal. After all, this is essentially what all medicine does: it calls upon the human etheric body to heal, for it is the healer. If we approach the etheric body in the right way in a person who can be restored to health—if we seek out the healing forces that can flow to them from the etheric body in accordance with their general human destiny—then we are on the path to healing them.

[ 40 ] Doch darüber will ich dann morgen weitersprechen. Gerade über dieses letztere angeschlagene Kapitel im Zusammenhang mit dem heute besprochenen will ich morgen sprechen.

[ 40 ] But I'll talk more about that tomorrow. Tomorrow I want to discuss precisely this last topic we touched on in connection with what we discussed today.