Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 222
12 March 1923, Dornach
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The Stimulation of World-historical Events by Spiritual Powers, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Aus den gestrigen Betrachtungen werden Sie ersehen haben, daß, wenn man die menschlichen Schicksale verstehen will, auch das Zusammenleben der Menschen verstehen will, man nicht stehenbleiben kann bei den abstrakten Naturkräften, von denen eigentlich heute einzig und allein die Rede ist in der gebräuchlichen Wissenschaft. Man muß — das haben Sie gestern gesehen — sich zu jenen geistigen Mächten wenden, welche gewissermaßen nach oben hin die Fortsetzung dessen bilden, was wir hier im sinnlichen Leben die Naturreiche nennen. Wir sprechen von den Naturreichen: von dem mineralischen Reiche, dem pflanzlichen, dem tierischen Reiche, müssen auch den Menschen, insofern er ein physisches Wesen ist, als ein viertes Naturreich betrachten; aber wir müssen dann einfach aufwärtssteigen und über dem Menschen das Reich der Angeloi, darüber das Reich der Archangeloi, das Reich der Urkräfte und so weiter annehmen.
[ 1 ] From yesterday’s reflections, you will have seen that if one wishes to understand human destinies—and, by extension, human coexistence—one cannot limit oneself to the abstract forces of nature, which are, in fact, the sole subject of discussion in mainstream science today. One must—as you saw yesterday—turn to those spiritual forces which, in a sense, constitute the upward continuation of what we here in sensory life call the kingdoms of nature. We speak of the kingdoms of nature: the mineral kingdom, the plant kingdom, and the animal kingdom; we must also regard the human being, insofar as he is a physical being, as a fourth kingdom of nature; but we must then simply ascend and assume, above the human being, the kingdom of the angels, above that the kingdom of the archangels, the kingdom of the primordial forces, and so on.
[ 2 ] Diese letzteren Reiche sind ja für die äußere Anschauung, für die Sinnes- und Verstandesanschauung zunächst nicht erreichbar, aber am menschlichen Leben sind sie wesentlich beteiligt.
[ 2 ] These latter realms are, of course, initially inaccessible to external perception—to sensory and intellectual perception—but they play an essential role in human life.
[ 3 ] Und nun habe ich Ihnen gestern deren Beteiligung auseinandergesetzt für jenen Wechsel im menschlichen Leben, der dadurch eintritt, daß der Mensch abwechselnd im wachen Zustande und im Schlafzustande ist. Ich möchte heute zu dieser Betrachtung eine andere hinzufügen: jene Betrachtung, welche auf den Menschen hinsieht, insofern er ein Wesen ist, das einen Teil seines Gesamtlebens innerhalb der geistigen Welt zubringt, aus der es heruntersteigt zu seinem irdischen Dasein, in die es wieder hinaufsteigt, wenn es durch die Pforte des Todes geschritten ist.
[ 3 ] And yesterday I explained to you their role in that change in human life that occurs as a result of a person alternating between the waking state and the sleeping state. Today I would like to add another perspective to this consideration: the perspective that views the human being as a being who spends part of his entire life within the spiritual world, from which he descends to his earthly existence and to which he ascends again once he has passed through the gate of death.
[ 4 ] Nun wissen Sie ja aus dem Kursus, den ich hier gehalten habe im vorigen Jahre über Philosophie, Kosmologie und Religionserkenntnis, daß der Mensch, bevor er auf die Erde herabsteigt, ein ganz bestimmt konfiguriertes Wesen ist, das nur eben nicht von einem physischen Leibe umkleidet ist, nicht mit den physischen Kräften der Erde in einem Zusammenhange steht, das aber von einem Geistig-Seelischen, man könnte auch sagen, umkleidet ist, das mit den geistig-seelischen Kräften in Beziehung steht, geradeso wie wir durch den physischen. Leib mit den physischen Naturkräften.
[ 4 ] Now, as you know from the course I taught here last year on philosophy, cosmology, and religious knowledge, before a human being descends to Earth, they are a being with a very specific configuration—one that is simply not clothed in a physical body and is not connected to the physical forces of the Earth, but is clothed in a spiritual-soul aspect, one might also say, that is related to the spiritual-soul forces, just as we are related to the physical forces of nature through the physical body.
[ 5 ] Nun bringt sich der Mensch, wenn er aus dem vorirdischen Dasein heruntersteigt in das physische Erdendasein, in einem gewissen Sinne noch die Nachwirkungen der Kräfte mit, die er in sich trägt im vorirdischen Dasein. Denn im Kind wirkt eben durchaus ein Geistiges, das eine Nachwirkung ist derjenigen Kräfte, die in uns waren, bevor wir zur Erde heruntergestiegen sind. Indem das Kind wächst, indem das Kind aus unbestimmteren Formen seine bestimmten menschlichen Formen herausbildet, steht es noch immer unter der Nachwirkung der überirdischen Kräfte, in denen es war, bevor es zur Erde hinuntergestiegen ist. Und das dauert eigentlich im Grunde genommen, obwohl es mit dem Zahnwechsel schon schwächer wird, bis zur Geschlechtsreife fort.
[ 5 ] Now, when a human being descends from pre-earthly existence into physical life on Earth, he or she, in a certain sense, still carries with them the aftereffects of the forces that resided within them during that pre-earthly existence. For there is indeed a spiritual element at work in the child that is an aftereffect of the forces that were within us before we descended to Earth. As the child grows, as the child develops its specific human form from more indeterminate forms, it remains under the influence of the super-earthly forces in which it existed before descending to Earth. And this actually continues—although it does weaken with the change of teeth—all the way through to sexual maturity.
[ 6 ] Der Mensch bildet ja namentlich seinen physischen Leib in den ersten sieben Jahren seines Lebens aus, seinen ätherischen oder Bildekräfteleib in den zweiten sieben Jahren. Während er diese beiden Werkzeuge seines irdischen Daseins ausbildet, wirken die charakterisierten Kräfte aus der geistigen Welt nach.
[ 6 ] Human beings develop their physical body during the first seven years of life, and their etheric body—or body of formative forces—during the second seven years. While they are developing these two instruments of their earthly existence, the characterized forces from the spiritual world exert their influence.
[ 7 ] Nun habe ich schon gestern gesagt: Der Mensch ist nicht nur dasjenige Wesen, als das er sich für die äußere Sinnesanschauung und für den Verstandesgebrauch offenbart, sondern er ist auch während seines Erdendaseins jenes übersinnlich-unsichtbare Wesen, das aus dem Ich und dem astralischen Leibe besteht, und das während des Schlafzustandes getrennt ist vom physischen Leib und Ätherleib. Jede Nacht geht auch beim Erwachsenen das Ich und der astralische Leib aus dem physischen und dem Ätherleibe heraus. Bei dem Kinde ist ja, insbesondere in der ersten Zeit des physischen Erdenlebens, ein unbestimmtes Zusammen- und Auseinandergehen der vier Glieder der menschlichen Wesenheit. Das Kind ist noch wenig wach in der ersten Zeit seines Lebens. Das heißt, jener feste Zusammenhalt, der zwischen Ich, astralischem Leib, ätherischem Leib und physischem Leib ist, der ist nur kurze Zeit vorhanden. Es ist ein viel loserer Zusammenhang zwischen diesen vier Gliedern der menschlichen Wesenheit beim Kind als beim erwachsenen Menschen. Und so müssen wir durchaus ins Auge fassen nicht nur diejenige Lebensgeschichte des Menschen, die sich abspielt vor dem äußeren Auge, vor dem berechnenden Verstande, sondern wir müssen auch die andere Lebensgeschichte ins Auge fassen, welche das Ich und der astralische Leib immer im schlafenden Zustande durchmachen. Wenn auch beim Erwachsenen der schlafende Zustand der Zeit nach kürzer ist, so ist er für die Gesamtverfassung des menschlichen Wesens, vor allen Dingen aber auch für die Gesundung und Gesundheit des ganzen menschlichen Wesens, und damit für das Erdenleben überhaupt, eigentlich von einer viel größeren Bedeutung im Gesamthaushalt des Kosmos als das äußere physische Leben.
[ 7 ] Now, as I already said yesterday: The human being is not merely the being as revealed to external sensory perception and intellectual understanding, but during his earthly existence he is also that supersensible, invisible being consisting of the “I” and the astral body, which is separated from the physical body and the etheric body during sleep. Every night, even in adults, the “I” and the astral body leave the physical and etheric bodies. In children, especially during the early stages of physical life on Earth, there is an indefinite coming together and separating of the four members of the human being. The child is still not very alert in the early stages of life. This means that the firm cohesion between the “I,” the astral body, the etheric body, and the physical body is present only for a short time. The connection between these four members of the human being is much looser in a child than in an adult. And so we must certainly take into account not only the life story of the human being that unfolds before the outer eye and the calculating intellect, but we must also take into account the other life story that the I and the astral body always undergo during the sleeping state. Even though the state of sleep is shorter in duration for adults, it is actually of much greater significance in the overall balance of the cosmos—for the overall constitution of the human being, but above all for the healing and health of the entire human being, and thus for earthly life in general—than the outer physical life.
[ 8 ] Durch das äußere physische Leben lebt der Mensch auf der Erde zusammen mit den drei sichtbaren Reichen der äußeren Natur und ihren Kräften. Wenn er schläft, sind sein Ich und sein astralischer Leib nicht unter diesen Kräften, sondern gewissermaßen in einer übersinnlichen Welt, die aber die sinnliche Erdenwelt durchsetzt, die mit der sinnlichen Erdenwelt verbunden ist. Also unterscheiden wir wohl: Es gibt eine übersinnliche Welt zunächst, in welcher der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist; die macht er durch. Man kann sie beschreiben als ein vorirdisches oder nachirdisches Dasein. Er behält einen Rest der Kräfte für sein irdisches Dasein, welcher wirkt — beim Kinde sehr stark, später immer schwächer und schwächer. Aber das Ich und der astralische Leib sind während der Schlafenszeit in einer übersinnlichen Welt, die eine andere ist als diese übersinnliche Welt des vorirdischen Daseins. Die übersinnliche Welt des vorirdischen Daseins hat eigentlich mit der Erdenwelt selbst, so wie sie sich äußerlich zeigt, nicht viel zu tun. Diejenige übersinnliche Welt, in der vom Einschlafen bis zum Aufwachen zunächst der astralische Leib und das Ich sein müssen, die hat sehr viel mit dem Erdenwesen zu tun, sehr viel mit den drei Reichen, mit denen der Mensch auf der Erde zusammen ist, zutun.
[ 8 ] Through their outer physical life, human beings live on Earth together with the three visible realms of outer nature and their forces. When he sleeps, his I and his astral body are not among these forces, but are, so to speak, in a supersensible world that permeates the sensory earthly world and is connected to it. So let us make a distinction: There is, first of all, a supersensible world in which a human being exists between death and a new birth; this is what he goes through. One can describe it as a pre-earthly or post-earthly existence. He retains a remnant of the forces for his earthly existence, which is active—very strongly in children, and later becoming weaker and weaker. But the “I” and the astral body are in a supersensible world during sleep, which is different from this supersensible world of pre-earthly existence. The supersensible world of pre-earthly existence actually has little to do with the earthly world itself, as it appears outwardly. The supersensible world in which the astral body and the “I” must first be present from the moment of falling asleep until waking up has a great deal to do with earthly existence, and a great deal to do with the three realms with which human beings are associated on Earth.
[ 9 ] Diese übersinnliche Welt besteht aus den drei sogenannten Elementarreichen, die Sie in meinem Buche «’Theosophie» beschrieben finden. Also außer dem, was ich gestern gesagt habe — daß das Ich und der astralische Leib sich einfinden in die Welt, in welcher Angeloi, Archangeloi sind —, müssen Ich und astralischer Leib vom Einschlafen bis zum Aufwachen noch in einer übersinnlichen Welt leben, die als solche nicht unmittelbar etwas zu tun hat mit jener übersinnlichen Welt, in welcher der Mensch ist, wenn er entkörpert ist, in welcher Angeloi und Archangeloi sind, sondern die die Welt der elementarischen Reiche ist, jener elementarischen Reiche, in denen sich Wesen finden, welche nicht so hoch stehen wie der Mensch, wenn er Erdenmensch ist, welche einen physischen Leib unmittelbar nicht haben, aber dennoch nicht bloß übersinnlicher Natur sind. Diese Wesenheiten der Elementarreiche bewohnen gewissermaßen die andern, nach außen hin sich offenbarenden drei irdischen Reiche.
[ 9 ] This supersensible world consists of the three so-called elemental kingdoms, which you will find described in my book Theosophy. So, in addition to what I said yesterday—that the I and the astral body enter the world in which the Angeloi, Archangels — from the moment of falling asleep until waking up, the I and the astral body must still dwell in a supersensible world that, as such, has no direct connection to that supersensible world in which the human being is present when disembodied—the world of the Angeloi and Archangels—but rather is the world of the elemental realms, those elemental realms in which there are beings who do not stand as high as human beings do when they are earthly human beings, who do not immediately possess a physical body, but who are nevertheless not merely of a supersensible nature. These beings of the elemental realms inhabit, so to speak, the other three earthly realms that manifest outwardly.
[ 10 ] Der Mensch lebt mit dem, was sich von den irdischen Reichen nach außen offenbart, wenn er wachend ist; er lebt, wenn er schläft, hinsichtlich seines Ich und seines astralischen Leibes, mit den unsichtbaren übernatürlichen Wesen der elementarischen Reiche.
[ 10 ] While awake, human beings live in harmony with what is revealed from the earthly realms; while asleep, in terms of their ego and astral body, they live in harmony with the invisible, supernatural beings of the elemental realms.
[ 11 ] Der Schauplatz, den gewissermaßen der Mensch um sich hat, der ist in beiden Fällen ein anderer, aber er ist ein irdischer zunächst. Und das, was ich gestern beschrieben habe, das Verhältnis, in das der Mensch im schlafenden Zustande zu den Angeloi, namentlich zu den Archangeloi kommt, das fügt sich dem, ich möchte sagen, mehr übernatürlichen Verhältnis zu den Elementarreichen hinzu. Geradeso wie der Mensch innerhalb der physischen Welt im wachenden Zustande für seinen physischen Leib und für seinen Ätherleib die Nahrungsmittel der Reiche der Natur zu sich nimmt, so strömen in ihn ein vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Kräfte der drei elementarischen Reiche. Das ist dann sein Schauplatz. In diesen drei elementarischen Reichen hat man es ja, wie Sie wissen, mit lebend webendem Farbenfluten zu tun, man hat es mit webender Tonwelt zu tun. Man hat es zu tun mit demjenigen, was hier in der physischen Welt gewissermaßen an den äußeren festen stofflichen Dingen haftet, was in der elementarischen Welt frei schwebend und webend ist, weil in diesem freien Schweben und Weben, in diesem Strömen und Fließen eben das flutende Geistige sich so ausdrückt, wie hier der Stoff in der physischen Farbe, in dem physischen Ton. Aber wie der physische Stoff in festen äußeren Konturen, möchte ich sagen, festhält die Farben, so trägt in Strömungen, in Wellungen das Geistige der Elementarreiche die flutenden Farben frei in mannigfaltig wechselndem Spiel dahin.
[ 11 ] The setting that surrounds a person, so to speak, is different in both cases, but it is, first and foremost, an earthly one. And what I described yesterday—the relationship that a person enters into with the angels, particularly the archangels, while asleep—is, I would say, added to the more supernatural relationship with the elemental realms. Just as a human being, while awake within the physical world, takes in the nourishment from the realms of nature for his physical body and his etheric body, so too do the forces of the three elemental realms flow into him from the moment he falls asleep until he wakes up. That, then, is his setting. In these three elemental realms, as you know, one is dealing with living, weaving floods of color; one is dealing with a weaving world of sound. One is dealing with that which, here in the physical world, clings, so to speak, to the outer, solid material things—that which in the elemental world floats and weaves freely—because it is precisely in this free floating and weaving, in this streaming and flowing, that the surging spiritual expresses itself, just as matter does here in physical color and physical sound. But just as physical matter, I might say, holds the colors within fixed outer contours, so the spiritual essence of the elemental realms carries the flowing colors freely along in currents and undulations, in a manifold and ever-changing interplay.
[ 12 ] Jenes Leben bleibt allerdings zunächst für den Erdenmenschen in unserer gegenwärtigen Entwickelungsphase unbewußt oder unterbewußt. Aber es ist deshalb doch so vorhanden, daß man auch in dieser Beziehung ebensogut eine Lebensgeschichte des Ich und des astralischen Leibes zwischen Geburt und Tod schildern könnte, wie man die äußere physische Lebensgeschichte zwischen Geburt und Tod für den Menschen schildert, insofern er im physischen Leibe und im Ätherleibe ist.
[ 12 ] That life, however, remains initially unconscious or subconscious to earthly human beings in our present stage of development. But it is nonetheless present to such an extent that, in this regard as well, one could just as easily describe a life history of the “I” and the astral body between birth and death as one describes the outer physical life history between birth and death for human beings, insofar as they exist in the physical body and the etheric body.
[ 13 ] Nun besteht für dieses Ich und diesen astralischen Leib etwas ganz Bestimmtes in dem Erdenleben zwischen Geburt und Tod. Dieses Bestimmte, das verwandelt sich nämlich, wenn der Mensch die Geschlechtsreife erlangt. Geradeso wie im physischen Erdenbereich der Mensch gewissermaßen auf Erden steht, die Reiche um sich her wahrnimmt, aber auch hinausschaut in die Weiten des Kosmos, draußen die Sterne, also dasjenige wahrnimmt, was außerirdisch ist und sich physisch offenbart, so durchlebt ja das Ich und der astralische Leib in der elementarischen Welt zunächst dasjenige, was als elementarische Reiche diese übersinnliche Wesenheit vom Einschlafen bis zum Aufwachen umgibt. Aber es sieht der Mensch aus dieser elementarischen Welt auf, und er erblickt nicht bloß tote, leuchtende Sterne, er sieht in der Tat die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Und er kommt mit diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien eben in einen solchen Zusammenhang, wie ich einen davon gestern in der sprachlichen Beziehung ausgedrückt habe. Also der Mensch ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der elementarischen Welt, erlebt dort dasjenige, was ich in dem schon genannten Kursus dargestellt habe, und er schaut hinaus aus dieser elementarischen Welt in die Weiten der überelementarischen Welt und nimmt wahr Angeloi, Archangeloi und Archai.
[ 13 ] Now, for this “I” and this astral body, there is something quite specific in earthly life between birth and death. This specific aspect undergoes a transformation when a person reaches sexual maturity. Just as in the physical realm on Earth, a person stands, so to speak, on the Earth, perceives the realms around them, but also looks out into the vastness of the cosmos, perceiving the stars—that is, what is extraterrestrial and manifests itself physically—so, too, the “I” and the astral body initially experience in the elemental world that which, as elemental realms, surrounds this supersensible being from the moment of falling asleep until waking up. But from this elemental world, the human being looks up, and sees not merely dead, luminous stars; indeed, he sees the beings of the higher hierarchies. And he enters into precisely such a relationship with these beings of the higher hierarchies as I described yesterday in terms of language. Thus, from the moment of falling asleep until waking, the human being is in the elemental world, experiences there what I described in the course I mentioned earlier, and looks out from this elemental world into the expanses of the supra-elemental world, perceiving Angeloi, Archangeloi, and Archai.
[ 14 ] In dieser Beziehung aber hat sich der Mensch ganz wesentlich geändert, zuletzt geändert seit der Zeit, da er in die fünfte nachatlantische Kulturperiode eingetreten ist, also seit dem 15. Jahrhundert. Seit jener Zeit, da der Mensch jene intensive Intellektualität ausgebildet hat, die früher eigentlich nicht da war, wird es ihm als schlafendem Menschen nicht mehr so leicht wie früher, das rechte Verhältnis zu finden zwischen Schlafen und Wachen.
[ 14 ] In this regard, however, human beings have changed quite significantly, most recently since they entered the fifth post-Atlantean cultural epoch—that is, since the 15th century. Ever since humanity developed that intense intellectual capacity—which had not really existed before—it has become more difficult for the sleeping human being to find the right balance between sleeping and waking than it was in the past.
[ 15 ] Es war für den Menschen, der bis zum 15. Jahrhundert gelebt hat für uns alle gilt das also, für unsere früheren Erdenleben —, es war für den Menschen, der bis zum 15. Jahrhundert gelebt hat, so, daß er im wachenden Zustande noch nicht durchsetzt war von der abstrakten Intellektualität. Dadurch lebte er viel intensiver in seinem physischen und in seinem Ätherleib, wenn er wach war, und er brachte sich eine gewisse Kraft aus diesem physischen und aus diesem Ätherleib auch in den schlafenden Zustand hinein, lebte intensiv die elementarische Welt mit, lebte auch intensiv mit dasjenige, was er schauen konnte beziehungsweise was er erleben konnte in dem Reiche der Angeloi, Archangeloi und Archai. Der Mensch bekam nämlich in jenen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung aus dem vorirdischen Dasein etwas mit, was ihn für den Zustand zwischen dem Einschlafen und Aufwachen stärker machte als heute. Und so konnte sich auch der Mensch wiederum aus der elementarischen und überelementarischen Welt, die er im schlafenden Zustand erlebte, beim Aufwachen etwas hereinbringen, was ihm in seinem Ätherleib und in seinem physischen Leib einen gründlichen Halt gab. Der Mensch war bis in das 15. Jahrhundert herein eine mehr geschlossene Wesenheit, als er heute ist. Heute geht es nämlich dem Menschen so: Er hat ja durch die Erbschaft, die er sich aus dem vorirdischen Dasein in das Erdenleben hereinbringt, allerdings genug Kräfte aus der geistigen Welt, um als Kind zu wachsen, um die andern Entwickelungsmomente, die er braucht, bis zu der Geschlechtsreife in sich aufzunehmen. Allein, der Mensch hat heute in diesem jetzigen Stadium seiner Entwickelung nicht unmittelbar genügende Kräfte, um das Ich und den astralischen Leib während des Schlafens in der richtigen Weise in die elementarische Welt hineinzustellen, wenn er nicht spirituelle Erkenntnis während des Wachens in sich aufnimmt.
[ 15 ] For people who lived up until the 15th century—and this applies to all of us, to our earlier earthly lives—it was the case that, while awake, they were not yet permeated by abstract intellectuality. As a result, when awake, they lived much more intensely in their physical and etheric bodies, and they carried a certain strength from these bodies into the sleeping state as well; they experienced the elemental world intensely, and they also intensely experienced what they could see or perceive in the realm of the Angeloi, Archangeloi, and Archai. For in those earlier times of human development, people carried over from their pre-earthly existence something that made them stronger for the state between falling asleep and waking up than they are today. And so, upon waking, human beings were also able to bring back with them from the elemental and super-elemental worlds they experienced during sleep something that gave them a firm foundation in both their etheric body and their physical body. Up until the 15th century, human beings were more integrated beings than they are today. Today, however, the situation for human beings is as follows: Through the inheritance they bring with them into earthly life from their pre-earthly existence, they do indeed possess sufficient forces from the spiritual world to grow as children and to absorb within themselves the other developmental stages they need until they reach sexual maturity. However, at this present stage of their development, human beings do not immediately possess sufficient powers to properly place the “I” and the astral body into the elemental world during sleep unless they absorb spiritual knowledge while awake.
[ 16 ] Es ist einfach so, daß der Mensch dasjenige, was er früher auf natürliche Weise mitbekommen hat aus der geistigen Welt, und was ihm als Schlafendem auch noch nach der Geschlechtsreife in der elementarischen Welt dienlich war, heute aus der elementarischen Welt nicht mitbekommt. Das hängt damit zusammen, daß er ein freies Wesen werden soll. Er fühlt sich eigentlich, wenn er nicht während seiner Kindheit durch Unterricht und Erziehung Kenntnisse erhält von der geistigen Welt, als schlafender Mensch in der elementarischen Welt wie verkümmert. Und es tritt nicht nur jener Zustand gegenüber der Sprache auf, den ich Ihnen gestern geschildert habe, sondern es tritt noch etwas ganz anderes auf. Es tritt das auf, daß der Mensch nun im Überelementarischen die Archangeloi zwar erlebt, aber sich mit ihnen nicht verständigen kann. Was er aber nicht mehr oder wenigstens nur sehr spärlich, kümmerlich erlebt, das sind die Archai, das sind die Urkräfte. Und das ist seit dem 15. Jahrhundert menschliche Eigentümlichkeit, einfach menschliche Entwickelungseigentümlichkeit geworden, daß des Menschen Ich und astralischer Leib im schlafenden Zustande gewissermaßen schnappen nach einer Verbindung mit den Archai, mit den Urkräften, mit den Urbeginnen, aber sie nicht erreichen können, gewissermaßen ihnen gegenüber ohnmächtig sich fühlen.
[ 16 ] The fact is that what human beings used to perceive naturally from the spiritual world—and what, even after reaching sexual maturity, was still of service to them in the elemental world while they slept—they no longer perceive from the elemental world today. This is connected to the fact that human beings are meant to become free beings. In fact, if they do not acquire knowledge of the spiritual world through instruction and upbringing during childhood, they feel as though they are withering away as sleeping beings in the elemental world. And it is not only that state in relation to language that I described to you yesterday that arises, but something quite different also occurs. What happens is that, in the super-elemental realm, the human being now experiences the Archangels, but cannot communicate with them. What he no longer experiences—or at least experiences only very sparsely and feebly—are the Archai, the primordial forces. And since the 15th century, it has become a human peculiarity—simply a peculiarity of human development—that, in the sleeping state, the human ego and astral body, as it were, reach out for a connection with the Archai, with the primal forces, with the primal beginnings, but cannot attain them, feeling, as it were, powerless in their presence.
[ 17 ] Nun sind aber die Urkräfte, die Archai notwendig, damit der Mensch im Aufwachen intensiv genug in seinen Ätherleib untertauche. Also verstehen Sie mich recht, gestern setzte ich Ihnen auseinander, daß wenn der Mensch keine solche spirituelle Erkenntnis aufnimmt, er auch nicht einmal ansichtig wird der Archai im schlafenden Zustande, während er doch das lebendigste Bedürfnis hat, in diesem schlafenden Zustande zu den Archai ein so lebendiges Verhältnis gewinnen zu können, wie er hier auf Erden im physischen Zustande ein lebendiges Verhältnis zur Sonne gewinnt. Das ist außerordentlich wichtig. Und das ist etwas, was man sogar, wenn man die Dinge richtig anschaut, an charakteristischen Erscheinungen historisch bemerken kann.
[ 17 ] However, the primordial forces, the Archai, are necessary for a person to immerse themselves deeply enough into their etheric body upon waking. So please understand me correctly: yesterday I explained to you that if a person does not absorb such spiritual knowledge, he does not even become aware of the Archai in the sleeping state, even though he has the most vital need to be able to establish such a living relationship with the Archai in this sleeping state as he does here on Earth in the physical state with the sun. This is extraordinarily important. And it is something that, if one looks at things correctly, can even be observed historically in characteristic phenomena.
[ 18 ] Menschen, die mit der Vollkraft des Menschlichen in unserem intellektualistischen Zeitalter geboren sind, denen kann es unter dem Einfluß solcher Dinge, wie ich sie geschildert habe, so gehen, wie zum Beispiel Goethe. Ihm ist es eigentümlich gegangen. Er hatte einen Vater, der nun so recht ein Repräsentant des intellektualistischen Zeitalters war, ganz und gar ein guter Repräsentant dieses intellektualistischen Zeitalters. Diesem Vater gegenüber, der ja viel an seiner Erziehung mitwirkte, empfand natürlich Goethe: Da fließt nichts Spirituelles, da kommt nichts Spirituelles an mich heran.
[ 18 ] People who are born with the full force of humanity in our intellectualistic age may, under the influence of such things as I have described, end up like Goethe, for example. His experience was unique. He had a father who was truly a representative of the intellectualistic age—a thoroughly good representative of that intellectualistic age. In relation to this father, who played a major role in his upbringing, Goethe naturally felt: “Nothing spiritual flows from him; nothing spiritual reaches me.”
[ 19 ] Die Mutter — Sie können das fühlen, wenn Sie die Biographie der alten Frau Rat, der Mutter Goethes, studieren — war noch nicht so hereingewachsen in das intellektualistische Zeitalter; von der hatte Goethe, wie er ja selbst sagt, «die Lust zum Fabulieren». Die war also noch nicht so hereingewachsen in das Intellektuelle; aber auf der andern Seite konnte sie ihm doch wieder nicht so viel geben, als er eben brauchte.
[ 19 ] His mother—as you can sense when you study the biography of the elderly Mrs. Rat, Goethe’s mother—had not yet fully embraced the age of intellectualism; from her, as Goethe himself says, he inherited “the love of storytelling.” So she had not yet fully embraced the intellectual world; but on the other hand, she was still unable to give him as much as he actually needed.
[ 20 ] Und so lebte er eigentlich heran mit einem unbewußten Gefühl: Du müßtest eigentlich von andern Leuten abstammen. — Sie müssen mich nicht mißverstehen, Goethe war natürlich nicht ein schlechter Sohn oder so etwas; in seinem Bewußtsein war er schon ganz ordentlich. Aber in seinem Unterbewußten lebte etwas von dem, daß seine Seele sich sagte: Du müßtest eigentlich ganz andere Eltern haben. — Hätte Goethe irgendwie äußerlich schon spirituelle Wissenschaft aufnehmen können, so würde er vielleicht dieses Gefühl so lebendig nicht gehabt haben. Aber spirituelle Wissenschaft gab es ja noch nicht. So bildete sich in seinem Unterbewußtsein das so aus: Ich müßte eigentlich Eltern haben, die nicht jetzt leben, die früher gelebt haben, ganz viel früher. Da haben einem die Eltern durch die lebendige Atmosphäre, in der ihre Sprache, die Handhabung ihres ganzen Lebens drinnengestanden hat, noch dasjenige überliefert, was man brauchte, um im schlafenden Zustande so in der elementarischen Welt zu leben, daß man richtig den Ätherleib ergreifen kann.
[ 20 ] And so he actually grew up with an unconscious feeling: You must actually be descended from other people. — Don’t get me wrong; Goethe was, of course, not a bad son or anything like that; in his own mind, he was quite decent. But in his subconscious there was a sense that his soul was telling him: “You should really have completely different parents.” — If Goethe had somehow been able to take in spiritual science externally, he might not have had this feeling so vividly. But spiritual science didn’t exist yet. So this is how it took shape in his subconscious: I should really have parents who are not living now, who lived long ago, much, much earlier. Back then, through the living atmosphere in which their language and the way they conducted their entire lives were embedded, parents passed on to one what was needed to live in the elemental world while asleep in such a way that one could truly grasp the etheric body.
[ 21 ] Goethe hat ja alles mögliche gemacht — es gibt Mappen von Zeichnungen, die er gemacht hat, und auch sonst hat er alles mögliche versucht —, aber es ist ihm eigentlich immer nicht gelungen, in der richtigen Weise mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leib den Ätherleib anzufassen und zu gebrauchen. Schauen Sie sich die Goetheschen Zeichnungen an, da haben Sie unmittelbar das Gefühl: Das zeichnet ein Ich und ein astralischer Leib, und da ist es genial; aber es ist nichts drinnen von richtigem Zeichnerischem, von dem, was man sich aneignen muß, indem man sich in der richtigen Weise des physischen und des Ätherleibes bedient.
[ 21 ] Goethe did all sorts of things—there are portfolios of drawings he made, and he tried his hand at all sorts of other things as well—but he never really succeeded in properly engaging with and utilizing the etheric body through his ego and his astral body. Take a look at Goethe’s drawings; you immediately get the feeling: This is drawn by an “I” and an astral body, and in that sense it is brilliant; but there is nothing in them of true drawing skill—that which one must acquire by making proper use of the physical and etheric bodies.
[ 22 ] Und derjenige, der nun nicht ein Goethe-Philister ist, sondern ein offener, freier Mensch, der wird auch den Jugenddichtungen Goethes das ansehen: Da ist überall das darinnen, daß er eigentlich nicht recht heran kann mit seinem Ich und seinem astralischen Leib an den Ätherleib und an den physischen Leib. Das kann er nicht. Und mit dem wächst er nun heran; das wird besonders stark, als er ein Jüngling ist. Die Leipziger Professoren konnten ihm erst recht nicht das verschaffen, daß er nun aus dem physischen Leben hineingenommen hätte in die elementarische Welt das, was ihn dann in den ordentlichen Besitz seines Ätherleibes gesetzt hätte.
[ 22 ] And anyone who is not a Goethe philistine, but rather an open, free person, will also see this in Goethe’s early poems: Throughout them, there is the sense that he cannot quite connect his “I” and his astral body to his etheric body and his physical body. He cannot do that. And as he grows, this becomes particularly pronounced when he is a young man. The professors in Leipzig were certainly unable to provide him with the means to take from physical life into the elemental world that which would then have enabled him to take proper possession of his etheric body.
[ 23 ] Und so lebte dieses unbestimmte Gefühl, dieses unbewußte Gefühl fort: Du müßtest eigentlich von ganz andern Eltern einer ganz andern Zeit geboren sein, auch in einer ganz andern Umgebung! — Und weil dieses Unbestimmte in seiner Seele lebte, konnte er es zuletzt nicht mehr aushalten. Er bekam dann eines schönen Tages, wiederum nicht ganz vollbewußt, aber deshalb nicht weniger intensiv das Gefühl: Ja, hätten dich Griechen geboren, da wärest du ein richtiger Kerl geworden; einen griechischen Vater, eine griechische Mutter müßtest du haben!
[ 23 ] And so this vague feeling, this unconscious feeling, persisted: You really ought to have been born to completely different parents in a completely different era, and in a completely different environment! — And because this vague feeling lived within his soul, he could no longer bear it in the end. Then one fine day, again not entirely consciously, but no less intensely for that, he had the feeling: Yes, if the Greeks had given birth to you, you would have become a real man; you must have had a Greek father and a Greek mother!
[ 24 ] Das veranlaßte ihn, seine italienische Reise zu machen, um wenigstens noch in Italien eine lebendige Beziehung zu einer andern Elternschaft, zu einer andern Vorfahrenschaft zu bekommen, als er sie in seiner Umgebung hat bekommen können. Er suchte sich gewissermaßen auf eine ganz abnorme Weise andere Ahnen. Griechische Ahnen suchte er sich. Denn für ihn wirkte das nicht gut, was da seit der Griechenzeit sich allmählich hineingeschlängelt hatte in die intellektualistische Welt. Und als er dann nach Italien kam, da fühlte er in der Tat so, als ob ihn Griechen geboren hätten. Und das, was er sah, das führte ihn eben zu dem auch oft von mir zitierten Ausspruch: Nach dem, was ich hier sehe, ist es mir, als ob ich hinter die Rätsel der griechischen Kunst gekommen wäre; die Griechen schaffen nach denselben Gesetzen, nach denen die Natur schafft, und denen ich auf der Spur bin — und so weiter. Da fühlte er, daß ihm die Kraft kam, die er brauchte, um seinen Ätherleib richtig in seine Gewalt zu bekommen.
[ 24 ] This prompted him to take his trip to Italy in order to establish, at least there, a living connection to a different lineage, to a different set of ancestors, than he had been able to find in his immediate surroundings. In a sense, he sought out other ancestors in a completely unconventional way. He sought out Greek ancestors. For him, what had gradually crept into the intellectual world since the time of the Greeks did not sit well with him. And when he arrived in Italy, he truly felt as if the Greeks had given birth to him. And what he saw led him to the statement I have often quoted: “From what I see here, it seems to me as if I have penetrated the mysteries of Greek art; the Greeks create according to the same laws by which nature creates, and which I am seeking to uncover—and so on.” There he felt that the strength he needed to truly take control of his etheric body was coming to him.
[ 25 ] Da nahm er sich so etwas vor wie die «Iphigenie», die er früher schon auf das Papier hingeworfen hatte. Aber das genügte ihm nicht, denn es war aus dem Ich und dem astralischen Leib heraus, nicht aus dem ätherischen Leib heraus. Da dichtete er die «Iphigenie» in Italien um.
[ 25 ] He then turned his attention to something like Iphigenia, which he had previously jotted down on paper. But that was not enough for him, because it had come from the “I” and the astral body, not from the etheric body. So he rewrote Iphigenia while in Italy.
[ 26 ] Wir haben bei den Rezitationsvorträgen öfters diese zwei, die deutsche und die italienische «Iphigenie» Ihnen vorgeführt, um zu zeigen, wie gewissermaßen Goethe in seiner Entwickelung da einen Sprung gemacht hat. Dieser Sprung besteht eben darin, daß er durch dasjenige, was als Eindruck sich ihm ergab von den Nachwirkungen der griechischen Kunst in der italienischen Kunst, jene Kraft in sich aufnahm, die ihn in der richtigen Weise als schlafenden Goethe mit den Urkräften in Beziehung brachte, so daß die Urkräfte ihm nun mitgeben konnten, was ihn in der richtigen Weise zusammenschweißte mit seinem ätherischen Leibe und mit seinem physischen Leibe.
[ 26 ] We have often presented these two versions—the German and the Italian “Iphigenia”—to you during our recitation lectures to show how, in a sense, Goethe made a leap in his development there. This leap consists precisely in the fact that, through the impression he gained from the aftereffects of Greek art in Italian art, he absorbed within himself that power which, in the proper way, connected him—as the “sleeping Goethe”—with the primal forces, so that the primal forces could now endow him with what properly united him with his etheric body and his physical body.
[ 27 ] Dadurch wurde Goethe ein anderer, als die Menschen des materialistischen Zeitalters sonst sind. Es ist ja merkwürdig, diese Menschen des materialistischen Zeitalters reden von der Materie, reden von der physischen Welt, während ihre Krankheit darin besteht, daß sie ihren physischen und Ätherleib gar nicht ordentlich haben. Gerade dadurch wird man Materialist, daß man nicht an den physischen und Ätherleib herankommt, daß der Geist zu schwach ist, um den Leib in der richtigen Weise zu ergreifen.
[ 27 ] This made Goethe different from the people of the materialistic age. It is indeed strange that these people of the materialistic age speak of matter and the physical world, while their ailment lies in the fact that their physical and etheric bodies are not in proper order. It is precisely because one cannot access the physical and etheric bodies—because the spirit is too weak to grasp the body in the proper way—that one becomes a materialist.
[ 28 ] Goethe arbeitet eigentlich in der ganzen ersten Hälfte seines Lebens daran, seinen Ätherleib in der richtigen Weise zu erfassen. Und während wir verhältnismäßig, ich möchte sagen, ein zuträgliches Leben führen können, wenn wir während des Schlafes in ein gewisses Verhältnis zu der Welt der Angeloi und Archangeloi kommen, müssen uns die Archai helfen, schlafendes und wachendes Leben richtig zusammenzuführen. Wachendes Leben für sich führen physischer Leib und Ätherleib durch die Naturkräfte, die äußerlich sichtbar sind, die in den drei Reichen sind. Das schlafende Leben wird in der richtigen Weise geführt, wenn der Mensch in den elementarischen Reichen in der richtigen Weise zwischen dem Einschlafen und Aufwachen lebt, und aus diesen elementarischen Reichen heraus ein Verhältnis zu Angeloi und Archangeloi gewinnt. Aber es ist dem Menschen ein weiteres notwendig.
[ 28 ] Goethe actually spent the entire first half of his life working to grasp his etheric body in the right way. And while we can lead what I would call a relatively wholesome life if, during sleep, we enter into a certain relationship with the world of the Angeloi and Archangeloi, the Archai must help us to properly harmonize our sleeping and waking lives. The physical body and the etheric body lead their waking lives through the forces of nature that are outwardly visible and present in the three realms. Sleep life is conducted in the right way when a person lives in the elemental realms in the right way between falling asleep and waking up, and gains a relationship with the angels and archangels from within these elemental realms. But there is something else that is necessary for a person.


[ 29 ] Schematisch kann man das so zeichnen: Physischer Leib, Ätherleib müssen im wachenden Zustande ein richtiges Verhältnis gewinnen zu den drei Reichen der Natur (siehe Zeichnung). Der schlafende Mensch, Ich und astralischer Leib müssen ein richtiges Verhältnis gewinnen zu den drei Elementarreichen, aber auch zu den Reichen der Angeloi und Archangeloi. Aber hat man nur zu diesen Reichen ein entsprechendes Verhältnis, so kommt das richtige Ineinander nicht zustande. Es ist kein richtiges Verhältnis zwischen Schlafen und Wachen. Damit in der richtigen Weise das Ich und der astralische Leib aus dem physischen und dem AÄtherleib herauskommen und hereinkommen, muß der Mensch außerdem noch das rechte Verhältnis haben zu dem Reiche der Archai (mittlerer Pfeil), zu dem Reiche der Urbeginne oder Urkräfte.
[ 29 ] Schematically, this can be illustrated as follows: The physical body and the etheric body must, in the waking state, establish a proper relationship with the three kingdoms of nature (see diagram). The sleeping human being—the “I” and the astral body—must establish a proper relationship to the three elemental realms, but also to the realms of the angels and archangels. However, if one has only a corresponding relationship to these realms, the proper interplay does not come about. There is no proper relationship between sleeping and waking. In order for the “I” and the astral body to emerge from and re-enter the physical and etheric bodies in the proper way, the human being must also have the right relationship to the realm of the Archai (middle arrow), to the realm of the primordial beginnings or primordial forces.
[ 30 ] Goethes Tendenz nach Italien war einfach eine solche nach einem richtigen Verhältnis zu den Archai, zu den Urkräften. Diese Urkräfte haben es mit dem ganzen Menschen zu tun, insofern dieser ganze Mensch abwechselnd ein wachendes und ein schlafendes Wesen sein muß. Und es gibt einfach nicht der Schlaf die richtige Stärke, und es wird einfach nicht aus dem Leben auf Erden alles gezogen, was daraus gezogen werden soll, wenn nicht das richtige Verhältnis zu den Urkräften dadurch eintritt, daß der Mensch jene starken inneren Kräfte entwickelt, welche notwendig sind, wenn man die spirituelle Wissenschaft begreifen soll.
[ 30 ] Goethe’s inclination toward Italy was simply an inclination toward a proper relationship with the Archai, with the primal forces. These primal forces concern the whole human being, insofar as this whole human being must alternately be a waking and a sleeping being. And sleep simply does not provide the right strength, and not everything that should be drawn from life on earth is drawn from it, unless the right relationship to the primal forces is established through the development of those strong inner forces that are necessary for understanding spiritual science.
[ 31 ] Um das, was heute offizielle Wissenschaft ist, zu begreifen, dazu ist ein Verhältnis zu den Urkräften nicht nötig, denn das begreift man eigentlich mit dem bloßen Kopf. Dazu braucht man gar nicht seinen übrigen Organismus dem Ätherleib nach voll zu ergreifen. Will man aber den ganzen Menschen durchsetzen mit seinem menschlichen geistigen Wesen, dann muß man ein Verhältnis zu den Urkräften haben.
[ 31 ] To understand what is considered official science today, a relationship to the primordial forces is not necessary, for this can actually be grasped with the mind alone. To do so, one does not need to fully comprehend the rest of one’s organism in terms of the etheric body. However, if one wishes to permeate the whole human being with one’s human spiritual being, then one must have a relationship with the primordial forces.
[ 32 ] Dieses Verhältnis zu den Urkräften war auf atavistische Weise in alten Zeiten vorhanden. Da haben die Urkräfte noch so viel im vorirdischen Leben auf den Menschen gewirkt, daß er sich die nötige Stärke, in sich zu leben, mitgebracht hat. Aber gerade dadurch ist unser Zeitalter charakterisiert, daß sich diese Urkräfte mehr oder weniger beim Übergange des Menschen aus der geistigen Welt in die Erdenwelt zurückziehen, daß sie gewissermaßen den Menschen dünner herabsteigen lassen auf die Erde, als er früher herabgestiegen ist, und daß der Mensch hier auf Erden aus seiner eigenen Kraft heraus das Spirituelle suchen muß, damit er wiederum in ein Verhältnis zu den Urkräften komme.
[ 32 ] This relationship to the primordial forces existed in an atavistic way in ancient times. Back then, the primordial forces still exerted such a strong influence on human beings during their pre-earthly life that they brought with them the strength necessary to live within themselves. But our age is characterized precisely by the fact that these primal forces withdraw more or less as human beings transition from the spiritual world to the earthly world; that they, so to speak, allow human beings to descend to Earth in a more “thinned-out” state than they did in the past; and that human beings here on Earth must seek the spiritual through their own power in order to reestablish a relationship with the primal forces.
[ 33 ] Sie können, wenn Sie eine Empfindung haben für so etwas, wie die geistigen Offenbarungen Goethes sind, den Unterschied zwischen Goethe und einem bloßen Kopfmenschen sehr leicht sich vor das Seelenauge stellen. Ein bloßer Kopfmensch sagt Ihnen allerlei Vorstellungen; es kann außerordentlich logisch sein, was er sagt. Wenn er aber über das hinausgehen soll, was sich mit bloßer Logik umfassen läßt, dann muß er auf seine Instinkte zurückgehen, das heißt auf sein Tierisches, da wird er zuweilen höchst unlogisch. Sie werden ja vielleicht einige Erfahrungen darüber haben, daß es heute Leute gibt, die ganz gut logische Bücher schreiben können; wenn man aber im täglichen Umgang mit ihnen ist, und es sich nicht um das Tradieren einer Wissenschaft handelt, wo sie logisch darinnen sind, sondern um dasjenige, was das alltägliche Leben ist, da kann es zum Verzweifeln mit ihnen sein, denn da spielen in der unlogischsten Weise die gewöhnlichsten Emotionen, die gewöhnlichsten Instinkte. Man könnte schon sagen: Dem Kopfe nach kann man sogar außerordentlich schöne Theorien entwickeln, sie brauchen mit dem ganzen Menschen nichts zu tun zu haben. — Sie brauchen sich ja nur zu erinnern an jene Geschichte, die ja typisch ist — sie ist überall vorgekommen —, daß ein Lehrer in einer Schule ist, der außerordentlich gute pädagogische Theorien darüber hat, wie im Kinde heranerzogen werden muß das Beherrschen der Emotionen, das Beherrschen der Leidenschaften und so weiter, das predigt er den Schülern. Da kommt es vor, daß ein Schüler, weil er etwas nichtsnutz ist, das Tintenfaß umschüttet. Und da schreit der Lehrer: Was, du hast jetzt deinen Leidenschaften freien Lauf gelassen! Denn wärst du logisch, vernünftig gewesen, so hättest du das Tintenfaß nicht umgeschmissen. Ich...! — Und er ergreift den Stuhl und schlägt los. Indem er gerade die Moderierung der Leidenschaft theoretisch aus dem Kopfe heraus außerordentlich gut erklärt, schlägt er los, zerbricht vielleicht ein Stuhlbein oder so etwas. Es ist natürlich allerdings ein radikal extremer Fall, aber so ähnlich kommen ja die Dinge immerfort vor.
[ 33 ] If you have a feel for something like Goethe’s spiritual revelations, you can very easily picture the difference between Goethe and a mere intellectual in your mind’s eye. A mere intellectual presents all sorts of ideas to you; what he says can be extraordinarily logical. But if he is to go beyond what can be encompassed by mere logic, then he must fall back on his instincts—that is, on his animal nature—and there he sometimes becomes highly illogical. You may well have some experience of the fact that there are people today who are quite capable of writing logical books; but when you interact with them in daily life—and it’s not a matter of teaching a science, where they are logical—but rather of what everyday life is all about, dealing with them can be exasperating, because that’s where the most ordinary emotions and instincts come into play in the most illogical ways. One could even say: Intellectually, one can develop extraordinarily beautiful theories; they need not have anything to do with the whole person. — You need only recall that story, which is, after all, typical—it has happened everywhere—about a teacher in a school who has exceptionally sound pedagogical theories on how children must be taught to control their emotions, their passions, and so on, and he preaches this to his students. Then it happens that a student, because he’s a bit of a good-for-nothing, knocks over the inkwell. And the teacher shouts: “What? You’ve just given free rein to your passions! Because if you’d been logical and reasonable, you wouldn’t have knocked over the inkwell. I...!” — And he grabs the chair and starts lashing out. Even as he’s explaining the theoretical moderation of passion exceptionally well from his head, he starts beating away, perhaps breaking a chair leg or something like that. It’s, of course, a radically extreme case, but things like this happen all the time.
[ 34 ] Also nehmen Sie einen solchen Kopfmenschen auf der einen Seite und Goethe auf der andern Seite, überall werden Sie sehen, in allen Einzelheiten seines Lebens, aber auch in seinen höchsten geistigen Leistungen: Es ist der ganze Mensch, nicht bloß der Kopf-Goethe, es ist der ganze Mensch Goethe drinnen.
[ 34 ] So take such an intellectual on one side and Goethe on the other; everywhere you will see—in every detail of his life, but also in his greatest intellectual achievements—that it is the whole person, not merely the intellectual Goethe; it is the whole person, Goethe, within.
[ 35 ] Bei sehr vielen Geistesgrößen der Menschheitsentwickelung kann man den Menschen vergessen. Man hat das Gefühl, daß eigentlich nur der Kopf da ist. Nicht wahr, was interessiert einen in der Tat an Newton als der Kopf! In der Geschichte lebt eigentlich Newton nur als Kopf fort. Goethe als bloßer Kopf wäre nicht denkbar. Bei Goethe weiß man, daß er überall, in seinen kleinsten Begriffen, als ganzer Mensch drinnen ist. Man sieht es, ich möchte sagen, ganz besonders dem zweiten Teil des «Faust» an, aber auch dem «Wilhelm Meister», gerade den interessantesten Dichtungen Goethes sieht man es an. Wenn Goethe sich niedergesetzt hat, dann machte er den Eindruck eines großen Menschen, wenn er aufgestanden ist, dann machte er den Eindruck eines kleinen Menschen. Goethe war eine Sitzgröße, wie man das nennt. Er hatte nämlich kurze Beine und einen großen Oberkörper. Aber das sieht man, wenn man dafür ein Gefühl hat, auch seinen geistigen Leistungen an: Es ist eben der ganze Mensch dadrinnen.
[ 35 ] With so many of the great minds in the history of humanity, one can forget the person behind the intellect. One gets the feeling that, in fact, only the mind is there. Isn’t that true? What does one really care about in Newton other than his mind! In history, Newton actually lives on only as a mind. Goethe as a mere mind would be inconceivable. With Goethe, one knows that he is present everywhere—even in his smallest ideas—as a whole person. One can see this, I would say, particularly in the second part of Faust, but also in Wilhelm Meister; it is precisely in Goethe’s most interesting works that this is evident. When Goethe sat down, he gave the impression of a tall man; when he stood up, he gave the impression of a short man. Goethe was what is called “tall when seated.” He had short legs and a large upper body. But if one has a feel for such things, one can see this reflected in his intellectual achievements as well: the whole person is simply there.
[ 36 ] Und das ist dasjenige, was unser Zeitalter wieder braucht: aus den Köpfen ganze Menschen zu machen. Bei den Menschen der Gegenwart ist es zufällig, daß am Kopfe noch etwas dranhängt. Denn was sie für das äußere Leben leisten, das leisten sie ja mit dem Kopfe. Die Arme zum Beispiel sind eigentlich bloße Werkzeuge. Bedenken Sie, manche Menschen haben heute schon eine Handschrift, die sich ganz richtig, auch durch irgendwelche federnden Maschinen, die man an den Kopf, anhinge, künstlich herbeiführen ließe. Wenn der Mensch ein Gefühl dafür hätte: Geistigkeit lebt auch in seinen Armen und Händen, und die Schrift entsteht durch die Arme und Hände —, ja, wenn das der Fall wäre, dann könnte man überhaupt den Schreibunterricht, der heute elementarisch gegeben wird, nicht geben, denn dieser Schreibunterricht ist lediglich ein Kopfunterricht, der sich nur der Arme und Hände als äußerer Werkzeuge bedient, wie Maschinen.
[ 36 ] And that is precisely what our age needs once again: to turn minds into whole human beings. For people today, it is merely a matter of chance that there is still something attached to their heads. For whatever they accomplish in their external lives, they accomplish with their minds. Their arms, for example, are really just tools. Consider this: some people today already have a handwriting that could be artificially produced quite accurately, even by some kind of spring-loaded machine attached to the head. If people had a sense of this—that spirituality also lives in their arms and hands, and that writing arises through the arms and hands—well, if that were the case, then the kind of writing instruction taught today at the elementary level could not be taught at all, for this writing instruction is merely instruction of the head, which uses the arms and hands only as external tools, like machines.
[ 37 ] Es ist in der Tat das, was am Kopfe dranhängt, beim heutigen Menschen mehr oder weniger zur Maschine geworden. Das ist, weil jenes — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — Fluidum oder jene Fluidalkraft, durch welche der geistig-seelische Mensch seinen physischen und Ätherleib ergreift, nur dann sich in der richtigen Weise entwickeln kann, wenn der Mensch das rechte Verhältnis zu den Urkräften, zu den Archai erlangt. Lesen Sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», Sie werden finden, daß die Archai die ersten waren, schon während der alten Saturnzeit, die an die Menschheitsentwickelung herangetreten sind als überirdische Wesenheiten. Dann sind die Archangeloi, dann die Angeloi hinzugekommen, dann erst ist der Mensch geworden. Sie sind auch wiederum die ersten, die sich zunächst zurückzuziehen haben aus dem Unterbewußten des Menschen, und die der Mensch wiederum erreichen muß aus seinem Bewußtsein heraus.
[ 37 ] It is, in fact, what is attached to the head that has, in modern humans, more or less become a machine. This is because that—if I may use the term—fluidum, or that fluidic force through which the spiritual-soul human being takes hold of his physical and etheric bodies, can develop properly only when the human being attains the right relationship to the primordial forces, to the Archai. Read my Outline of Esoteric Science; you will find that the Archai were the first, even during the ancient Saturn period, to approach human evolution as superterrestrial beings. Then the Archangels came, followed by the Angels; only then did the human being come into being. They are also, in turn, the first to withdraw from the human subconscious, and it is they whom the human being must once again reach through his or her consciousness.
[ 38 ] Das aber können wir nur, wenn wir eben während unseres Wachlebens die starken Kräfte entwickeln, welche zum Verstehen der spirituellen Erkenntnis notwendig sind. Dann werden wir aber auch in die Lage kommen, Herz und Sinn dafür zu haben, daß da in der Natur draußen, in der wir als physischer Erdenmensch leben, noch etwas anderes ist, als was wir im wachenden Zustande für das normale Bewußtsein erleben.
[ 38 ] But we can only do this if we develop, during our waking lives, the powerful forces necessary for understanding spiritual insight. Then we will also be able to open our hearts and minds to the realization that out there in nature—where we live as physical human beings on Earth—there is something more than what we experience in our waking state through normal consciousness.
[ 39 ] Gehen Sie zurück in die Zeiten der älteren Medizin. Da hat kein Mensch daran gedacht, der mit Medizin etwas zu tun hatte, bloß die äußeren abstrakten Naturkräfte und Naturstoffe zu untersuchen. Da arbeiteten die Leute in ihrem Laboratorium — wenn man ihre Anstalten so nennen kann — so, daß ihnen aus den Vorgängen der Natur überall die Wirkungsweisen der elementarischen Kräfte entgegenleuchteten. Eigentlich haben ja die Menschen immer gefragt: Wie nimmt sich dasjenige, was irgend so ein Schwefel- oder anderer Prozeß ist mit einem andern Stoffe zusammen, wie nimmt sich das aus hinter der bloßen sinnlichen Erscheinung? Wie wirken da die Wesen der elementarischen Reiche drinnen? — Die Menschen machten ihre Experimente, um gewissermaßen bei so einer Verwandlung, welche ein Stoff durchmacht, indem er sich mit einem andern verbindet, oder indem er aus einem andern hervorkommt, zu erlauschen, wie da namentlich in dem Übergange, bei dem Farbenwechsel eines Stoffes, herauslugt aus dem elementarischen Reiche in die sinnliche Welt herein dasjenige, was Wesen. der elementarischen Reiche sind. Noch Paracelsus, wenn er Sulfur, Salz, Merkur beschrieben hat, hat nicht diese gewöhnlichen physischen Stoffe beschrieben, sondern das, was ihm, wenn diese Stoffe Verwandlungen durchmachten, aus dem elementarischen Reiche herauslugte. Man kann daher nirgends den Paracelsus verstehen, wenn man seine Ausdrücke so nimmt, wie sie heute in der Chemie gebraucht werden, weil er überall eigentlich dasjenige meint, was eben in der geschilderten Weise da aus der elementarischen Welt herauslugt. Das aber sind auch die heilenden Kräfte. Es sind die wirklichen heilenden Kräfte. An dem, was Sie an irgendeiner Pflanze sehen, an dem, was Ihnen, sagen wir, die Herbstzeitlose äußerlich zeigt, sehen Sie nicht die charakteristischen heilenden Kräfte der Herbstzeitlose. Wenn Sie die charakteristischen heilenden Kräfte der Herbstzeitlose sehen wollen, da müssen Sie sich die Herbstzeitlose anschauen im Verblühen, wenn sie diese eigentümliche freche Farbenveränderung durchmacht. Da macht sich nämlich das elementarische Wesen davon und bewirkt die Farbenänderung durch einen ähnlichen Prozeß — nun, Sie wissen ja, wenn sich der Teufel davonmacht, läßt er einen Gestank hinter sich, und die elementarischen Wesen machen sich da durch ihre Frechheit in der Farbengebung geltend.
[ 39 ] Go back to the days of ancient medicine. Back then, no one involved in medicine ever thought of merely studying the external, abstract forces of nature and natural substances. Back then, people worked in their laboratories—if one can call their facilities that—in such a way that the modes of action of the elemental forces shone forth to them from the processes of nature everywhere. In fact, people have always asked: How does a process—such as one involving sulfur or some other substance—interact with another substance? What lies behind the mere sensory appearance? How do the beings of the elemental realms act within it? — People conducted their experiments, so to speak, to eavesdrop on such a transformation that a substance undergoes when it combines with another, or when it emerges from another—specifically, during the transition marked by a substance’s change in color—to observe how that which constitutes the beings of the elemental realms peeks out into the sensory world. Even Paracelsus, when he described sulfur, salt, and mercury, was not describing these ordinary physical substances, but rather that which, when these substances underwent transformations, peered out at him from the elemental realm. One cannot, therefore, understand Paracelsus anywhere if one takes his terms as they are used today in chemistry, because throughout he actually means that which peeks out from the elemental world in the manner just described. But these are also the healing powers. They are the true healing powers. In what you see in any plant—in what, say, the autumn crocus shows you outwardly—you do not see the characteristic healing powers of the autumn crocus. If you want to see the characteristic healing powers of the autumn crocus, you must observe it as it fades, when it undergoes that peculiar, bold change in color. For that is when the elemental being departs and brings about the color change through a similar process—well, you know, when the devil takes off, he leaves a stench behind, and the elemental beings assert themselves through their audacity in the coloring.
[ 40 ] Da muß man an diesen Übergängen erkennen, wie dem ein Prozeß in der elementarischen Welt zugrunde liegt. Aber in diesem elementarischen Prozesse drinnen lebt eben auch die menschliche Seele, Ich und astralischer Leib, vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da lebt sie darinnen. Und wenn Sie zu Hilfe kommen wollen einem Naturprozeß im Menschen, so daß ein Heilungsprozeß entsteht, der notwendig geworden ist, dann geht eigentlich folgendes vor: Wenn Sie den Menschen lassen wie er ist, dann geht er in unregelmäßiger Weise aus einem schlafenden Zustand in den wachenden Zustand, und wiederum aus dem wachenden in den schlafenden Zustand hinüber. Geben Sie ihm irgendeinen Stoff, eine Substanz, sagen wir, aus der Pflanzenwelt, die zu einer ganz bestimmten elementarischen Wesenheit eine Beziehung hat, so nimmt der Mensch hier in seinem Leibe etwas auf, was seinem astralischen Leibe in die elementarische Welt hinein eine bestimmte Kraft mitgibt, so daß er dort zu den bestimmten elementarischen Wesen nun als seelisch-geistiges Wesen ein Verhältnis gewinnen kann. Das bringt er sich wieder mit beim Aufwachen, und das wirkt dann eigentlich gesundend. Gesundend wirkt eigentlich nicht der Stoff, gesundend wirkt der Zustand, in den man den Menschen bringt durch den Stoff, indem der Stoff seine Beziehung zur elementarischen Welt hat und diese Beziehung zur elementarischen Welt auf den Menschen überträgt. Eigentlich können Sie bei einer großen Anzahl von Krankheiten fragen: Was muß sich ändern an dem Menschen, damit er in einer andern Weise, als er es als Kranker gewöhnt ist, in den Schlaf hineinkommt und wieder zurückkommt, damit er gesund wird? Zum größten Teile ist das Studium der Heilungsprozesse ein Studium der Zustandsänderungen, die der Mensch durchmacht zwischen der Außerung in der physischsinnlichen Welt, und der Äußerung in der elementarischen Welt.
[ 40 ] At these transitions, one must recognize how a process in the elemental world underlies them. But the human soul—the ego and the astral body—also lives within this elemental process, from the moment of falling asleep until waking up. That is where it lives. And if you wish to assist a natural process within the human being so that a healing process—one that has become necessary—can take place, then the following actually happens: If you leave the person as they are, they transition irregularly from a sleeping state to a waking state, and again from the waking state back to the sleeping state. If you give them any substance—say, from the plant kingdom—that has a relationship to a very specific elemental being, then the person absorbs something into their physical body that imparts a certain power to their astral body within the elemental world, so that they can now establish a relationship with those specific elemental beings as a soul-spiritual being. They bring this back with them upon waking, and this actually has a healing effect. It is not the substance itself that has a healing effect; rather, it is the state into which the person is brought through the substance—since the substance has a connection to the elemental world and transfers this connection to the person. In fact, for a large number of illnesses, you can ask: What must change in the person so that they fall asleep and wake up in a different way than they are accustomed to as a sick person, so that they may become healthy? For the most part, the study of healing processes is a study of the changes in state that a person undergoes between their expression in the physical-sensory world and their expression in the elemental world.
[ 41 ] Auf solche Äußerungen in der elementarischen Welt konnte man früher, da noch die Archai, die Urkräfte zu dem Menschen in einer lebendigen Beziehung standen, hinweisen; heute kann man das nicht mehr, wenn man nur das gewöhnliche Bewußtsein anwendet und sich nicht einläßt auf die geistige Erkenntnis. Man muß sich einlassen auf die geistige Erkenntnis, dann bekommt man allmählich wiederum, zunächst einfach durch den gesunden Menschenverstand, eine Einsicht, wie man einrichten muß diesen Wechselzustand von Wachen und Schlafen zwischen der äußeren physischen Welt und der elementarischen Welt, um Heilungsprozesse herbeizuführen.
[ 41 ] In the past, when the Archai—the primal forces—still maintained a living connection with human beings, it was possible to point to such manifestations in the elemental world; today, however, this is no longer possible if one relies solely on ordinary consciousness and does not open oneself to spiritual insight. One must open oneself to spiritual insight; then, gradually—at first simply through common sense—one gains an understanding of how to regulate this transitional state between waking and sleeping, between the outer physical world and the elemental world, in order to bring about healing processes.
[ 42 ] Also Sie sehen, notwendig ist es nicht allein, daß der Mensch innerhalb des Sprachlichen — wie ich es gestern ausgeführt habe — wiederum in ein richtiges Verhältnis zu den Archangeloi komme, sondern es ist notwendig, daß der Mensch durch jene stärkere Willensentfaltung, die es braucht, um Geisteswissenschaft zu begreifen, auch wiederum in ein intensiveres Verhältnis zu den Archai, zu den Urkräften kommt. Dann wird ihm eine ganz andere Art von Erkenntnis selbstverständlich sein, als diejenige ist, die heute an ihn herangebracht wird. Das ist ja das, was die Leute heute so scheuen. Um Geisteswissenschaft zu studieren, dazu gehört Willensentwickelung. Die Begriffe, die man in der Geisteswissenschaft bekommt, diese Ideen, die muß man mit innerer Willensentwickelung, mit innerer Aktivität aufnehmen. Das lieben die Menschen heute nicht, Sie möchten eigentlich innerlich den Willen ganz ruhig lassen und die Erkenntnis so an sich vorbeirollen lassen, durch die Augen hereinkommen lassen, ohne daß man was dazu tut, dann das Gehirn in Schwingungen bringen, damit das auch so von selber mitläuft. Und am liebsten möchten eigentlich heute schon viele Leute, daß man statt der Vorträge bloß eine Art Film vorführt, wo man nicht mehr mitzudenken braucht mit dem, was einem übermittelt wird, sondern wo man ganz ohne innere Aktivität sich hingeben möchte und alles so vorbeiziehen läßt. Dann stößt es an die Augen an, erzeugt da Bilder, die drücken sich wieder im Gehirn ab, und dann wird das möglichst oft gemacht, so daß es sich intensiv eindrückt, und nun hat man es aufgenommen. Dadurch aber wird man so ein richtiger Automat, Geistesautomat: man braucht dasjenige, was einem geistig vorgeführt wird, innerlich nicht in Aktivität umzusetzen, sondern es prägt sich einem ein. Man wird ein Geistesautomat, man braucht zum Beispiel gar nicht den menschlichen Organismus zu erkennen; denn um ihn zu erkennen, dazu gehört unbedingt innere Aktivität. Man kann den Menschen nicht verstehen, wenn man nicht an den Menschen herankommt mit innerer Aktivität, wenn man nicht auch solche Ideen aufnimmt wie diejenigen, die Ihnen heute entwickelt worden sind. Aber, nun ja, man kann ja ohne innere Aktivität probieren, wenn man zum Beispiel Antipyrin nimmt, wie das auf den menschlichen Organismus wirkt. Man probiert es aus, da braucht man nichts zu verstehen vom Menschen, sondern man sieht, wie es äußerlich wirkt; das prägt sich dann dem Menschen ein. Wenn es sich genügend oft eingeprägt hat, so kann man es auf ein Rezept schreiben, und man wird auf diese Weise, ohne die Erkenntnis des Menschen, ein Geistesautomat. Ein großer Teil des heutigen Lebens läuft nämlich so ab.
[ 42 ] So you see, it is not only necessary for human beings—as I explained yesterday—to reestablish a proper relationship with the Archangels within the realm of language, but it is also necessary for them, through that stronger development of the will required to comprehend spiritual science, to reestablish a more intense relationship with the Archai, the primal forces. Then a completely different kind of knowledge will come naturally to them, unlike the kind that is presented to them today. That is, after all, what people shy away from so much today. Studying spiritual science requires the development of the will. The concepts one encounters in spiritual science—these ideas—must be taken in through the development of the inner will, through inner activity. People today do not like that; they would actually prefer to leave their inner will completely at rest and let the knowledge simply roll past them, letting it enter through their eyes without doing anything about it, and then set the brain in motion so that it runs along on its own. And in fact, many people today would actually prefer it if, instead of lectures, they were simply shown a kind of film—where they no longer need to think along with what is being conveyed to them, but where they can simply let themselves go without any inner activity and let everything just pass by. Then it strikes the eyes, creates images there that are imprinted in the brain, and this is done as often as possible so that it becomes deeply ingrained—and now one has absorbed it. But this turns one into a veritable automaton, a mental automaton: one no longer needs to internally process what is presented to one mentally; instead, it simply imprints itself on one. One becomes a mental automaton; for example, one does not need to recognize the human organism at all, for recognizing it absolutely requires inner activity. One cannot understand human beings unless one approaches them with inner activity, unless one also takes in ideas such as those that have been developed for you today. But, well, one can certainly try—without inner activity—to see, for example, how Antipyrin affects the human organism. You try it out; you don’t need to understand anything about human beings, but rather you observe how it affects them externally; this then becomes imprinted on the person. Once it has been imprinted often enough, you can write it on a prescription, and in this way, without any understanding of the human being, you become a “mental automaton.” A large part of life today, in fact, proceeds in this manner.
[ 43 ] Aber die Zeit ruft uns wiederum auf zur inneren Aktivität, zur innerlichen Willensentfaltung. Das ist, was Jugend vom Alter will. Die Jugend will: Das Alter soll uns wiederum etwas überliefern, wodurch wir in die richtige Sprachbeziehung zu den Archangeloi kommen. Aber das Alter soll uns auch so erziehen, daß wir in die richtige Beziehung zu den Archai kommen. Denn — so sagt die Jugend — bis wir das nötige Alter erreicht haben, ist es notwendig, daß wir uns der Erziehung der Alten übergeben. Aber in der Erziehung der Alten liegt dieses Hindrängen zu dem Filmhaften, zu der Inaktivität.
[ 43 ] But time calls us once again to inner activity, to the unfolding of the inner will. This is what youth wants from old age. Youth wants old age to pass something on to us once again, through which we may enter into the proper communicative relationship with the Archangels. But old age should also educate us in such a way that we enter into the right relationship with the Archai. For—as youth says—until we have reached the necessary age, it is essential that we submit ourselves to the education of the elders. But in the education of the elders lies this tendency toward the superficial, toward inactivity.
[ 44 ] Das ist die andere Seite der Jugendbewegung, innerlich angesehen, die eine habe ich Ihnen gestern dargestellt. Alles ruft den Menschen heute auf, ein ganzer Mensch zu sein, nicht nur passiven Ideen, die von der Außenwelt ihm zufließen, sich hinzugeben, sondern innerliche Aktivität zu entwickeln, auch das ideelle, auch das gedankliche Leben mit innerlicher Aktivität zu erleben, mit dem Willen zu erleben.
[ 44 ] This is the other side of the youth movement, viewed from within; I described the first side to you yesterday. Everything today calls on people to be whole human beings—not merely to surrender to passive ideas flowing in from the outside world, but to develop inner activity, to experience their spiritual and intellectual lives through inner activity, and to experience them with will.
[ 45 ] Aber dazu ist die menschliche Natur heute in vieler Beziehung viel zu schwachmütig, um nicht zu sagen, zu feige. Denn der Mensch denkt gleich, wenn er seinen Willen auf irgendeinen Ideenzusammenhang anwendet: Das ist nicht objektiv, das bin ja ich, da mache ich ja mir die Ideen —, weil der Mensch es scheut, zuerst seinen Willen so zu gestalten, daß der Wille Objektives in der geistigen Welt erleben kann. Man kann eben ohne den Willen in der geistigen Welt nichts erleben, also auch nichts Objektives. Natürlich, der bloß emotionelle Wille, der Wille, der bloß abhängig ist von dem physischen Leib oder höchstens noch von dem AÄtherleib, der kann überhaupt nicht in eine geistige Welt hineinkommen, der kann den Menschen nur zu einem Kopfwesen werden lassen. Denn der Kopf ist imstande — geradeso wie er selbst nicht geht, er läßt sich ja tragen —, sich passiv hinzugeben an das, was filmartig in der Welt abrollt.
[ 45 ] But in many respects, human nature today is far too fainthearted—not to say cowardly—for that. For as soon as a person applies their will to any context of ideas, they immediately think: “That’s not objective; that’s me; I’m the one creating those ideas”—because people shy away from first shaping their will in such a way that it can experience the objective in the spiritual world. After all, without the will, one cannot experience anything in the spiritual world—and therefore nothing objective either. Of course, the purely emotional will—the will that is dependent solely on the physical body or, at most, on the etheric body—cannot enter the spiritual world at all; it can only turn a person into a head-centered being. For the head is capable—just as it does not walk on its own but allows itself to be carried—of passively surrendering to what unfolds in the world like a movie.
[ 46 ] Mittätig sein in der Welt, um zum Spirituellen zu kommen, muß der ganze Mensch. Das ist es, was aus allen einzelnen Betrachtungen immer wieder und wiederum hervorgeht, und was man eigentlich heute scharf ins Seelenauge fassen muß. Davon werde ich dann am nächsten Freitag weitersprechen.
[ 46 ] The whole human being must be actively engaged in the world in order to attain the spiritual. This is what emerges time and again from all the individual reflections, and what we must truly grasp clearly in the eye of the soul today. I will speak further on this next Friday.
