Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 222

17 March 1923, Dornach

Translate the original German text into any language:

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Gestern versuchte ich, an einem bedeutsamen Punkte der weltgeschichtlichen Entwickelung, den wir schon seit einiger Zeit als einen solchen kennengelernt haben, an dem Punkte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts, zu zeigen, wie man diese Menschheitsentwickelung eigentlich erst dann voll verstehen kann, wenn man nicht nur das ins Auge faßt, was sich sozusagen vor den Kulissen der Weltgeschichte abspielt, sondern auch dasjenige, was hinter diesen Kulissen liegt. Und ich sagte Ihnen gestern, daß wir als einen mittleren Zeitpunkt, annähernd im 4. Jahrhundert — denn die Sache dauert viele hundert Jahre lang —, zu verzeichnen haben die Übergabe der kosmischen Gedankenwelt von den Geistern der Form an die sogenannten Archai, Urbeginne oder Urkräfte. Und damit ist in Verknüpfung — weil ja der Mensch in seinen Gedanken von ganz andern geistigen Wesenheiten abhängig wird —, daß er nun zu seinen Gedanken ganz anders steht als vorher.

[ 1 ] Yesterday I attempted to at a significant point in the development of world history—one we have come to recognize as such for some time now, namely the 4th century A.D.—to show how one can only fully understand this development of humanity by considering not only what takes place, so to speak, in front of the scenes of world history, but also what lies behind those scenes. And I told you yesterday that we can mark, as a midpoint—roughly in the 4th century, since this process spans many hundreds of years—the transfer of the cosmic world of thought from the Spirits of Form to the so-called Archai, the primordial beginnings or primordial forces. And linked to this—because human beings now become dependent in their thoughts on entirely different spiritual beings—is the fact that they now relate to their thoughts in a completely different way than before.

[ 2 ] Sie müssen sich vergegenwärtigen, wie die äußere Weltgeschichte, sowohl das äußere geschichtliche Geschehen wie auch die Geistesgeschichte der Menschheit in diesen Jahrhunderten spielt, und wie in dieses geschichtliche Geschehen einschlägt eben diese übersinnliche Tatsache. Während also früher die Geister der Form — diejenigen Wesenheiten also, welche die Bibel zum Beispiel die Elohim nennt — die Gedanken der Welt verwaltet haben, so daß der Mensch unbewußt sich an diese Geister der Form wenden mußte, wenn er Gedanken über die Dinge fassen wollte, ging das Gedankenleben nun über an die Urkräfte, die dem Menschen viel näherstehen. Ich habe Ihnen dieses Näherstehen gestern dadurch verbildlicht, daß ich folgendes gesagt habe: Wir stellen uns vor, hier sei die Grenze, welche die Sinneswelt darstellt. Also alles, was wir in der Sinneswelt sehen und wahrnehmen, Farben, Töne, Wärmeempfindungen, sei durch diese Linie versinnbildlicht (siehe Zeichnung Seite 59). Was nun hinter den Sinnesempfindungen liegt, das ist das Feld, in dem sich, wie ich gestern gesagt habe, die Geister der Form finden, welche die Bibel die Elohim nennt, dann die sogenannten Dynamis, höhere Geister, dann die Kyriotetes und so weiter. Das sind also die drei Reiche, welche hinter der Sinneswelt liegen.

[ 2 ] You must bear in mind how external world history—both external historical events and the spiritual history of humanity—unfolds during these centuries, and how this very supersensible fact intervenes in these historical events. Whereas in the past the spirits of form—that is, those beings whom the Bible, for example, calls the Elohim—administered the thoughts of the world, so that human beings had to turn unconsciously to these spirits of form whenever they wished to form thoughts about things, the life of thought has now passed over to the primal forces that are much closer to human beings. I illustrated this closeness to you yesterday by saying the following: Let us imagine that here is the boundary representing the sensory world. So everything we see and perceive in the sensory world—colors, sounds, sensations of warmth—is symbolized by this line (see drawing on page 59). What lies beyond sensory perceptions is the realm in which, as I said yesterday, the spirits of form are found—those whom the Bible calls the Elohim, then the so-called Dynamis, higher spirits, then the Kyriotetes, and so on. These, then, are the three realms that lie beyond the sensory world.

[ 3 ] Die neuere Physik, wenn sie zur Naturphilosophie wird, phantasiert davon, daß hinter der Sinneswelt die wirbelnden Atome sind. Das ist aber eine phantastische materialistische Vorstellung. In Wahrheit spielen sich dort farbige, tönende Vorgänge ab; sie spielen sich dadurch ab, daß diese Geister der höheren Hierarchien in den Farben, in den Tönen und so weiter da walten.

[ 3 ] Modern physics, when it becomes a philosophy of nature, fantasizes that behind the sensory world lie swirling atoms. But this is a fanciful materialistic notion. In truth, colorful, resonant processes take place there; they occur because these spirits of the higher hierarchies reign there through colors, sounds, and so on.

[ 4 ] Vor dem 4. nachchristlichen Jahrhundert walteten nun die Geister der Form nicht nur in den Eindrücken der Sinneswelt, sondern vor allen Dingen auch in den Gedanken. Diese Gedanken sind nun übergegangen an die Archai, an die Urbeginne. Die sind aber dem Menschen näher als die Geister der Form, denn sie sind vor der Sinneswelt. Sie sind zwischen dem Menschen und dem, was der Mensch sinnlich wahrnimmt; nur, weil sie übersinnlicher Natur sind, bemerkt sie der Mensch nicht. Dann kommen die Archangeloi, dann sind die Angeloi da, und dann der Mensch selbst, dann die Tiere, Pflanzen, Mineralien.

[ 4 ] Before the 4th century A.D., the spirits of form reigned not only in the impressions of the sensory world, but above all in thought. These thoughts have now passed over to the Archai, to the primordial beginnings. But these are closer to human beings than the spirits of form, for they exist prior to the sensory world. They lie between human beings and what human beings perceive through their senses; it is only because they are of a supersensory nature that human beings do not perceive them. Then come the Archangeloi, then the Angeloi, and then human beings themselves, followed by animals, plants, and minerals.

[ 5 ] So daß also in dieser Zeit, die ich angedeutet habe, hinter den Kulissen der Weltgeschichte diese große, umfassende, gewaltige Tat liegt: daß die Gedanken, die in den Dingen sind, und die der Mensch aus den Dingen heraus schöpft, nicht mehr sozusagen nur Besitz der Elohim, sondern der Besitz der Urbeginne, der Archai sind.

[ 5 ] So that during this period I have alluded to, behind the scenes of world history, lies this great, all-encompassing, mighty deed: that the thoughts which are in things, and which man draws from them, are no longer, so to speak, the sole possession of the Elohim, but rather the possession of the Primordial Beginnings, the Archai.

[ 6 ] Nun ist es aber in der Entwickelung des Weltenalls so, daß immer mit dem Fortschreiten der geistigen Wesenheiten einzelne geistig-kosmische Wesenheiten zurückbleiben. Also indem die geistigen Wesenheiten im allgemeinen fortschreiten, bleiben gewisse geistige Wesenheiten zurück. Und so sind auch in diesem Zeitraume, also in den ersten christlichen Jahrhunderten, Geister der Form zurückgeblieben.

[ 6 ] However, in the evolution of the universe, it is the case that as spiritual beings progress, certain spiritual-cosmic beings are left behind. Thus, as spiritual beings generally progress, certain spiritual beings are left behind. And so, during this period—that is, in the first centuries of Christianity—spirits of form were also left behind.

[ 7 ] Was heißt das: damals sind Geister der Form zurückgeblieben? Das heißt, gewisse Geister der Form haben sich nicht dazu entschließen können, die Gedankenwelt an die Urbeginne, an die Archai abzugeben, sie haben sie für sich behalten. Und so haben wir unter den geistigen Wesenheiten, die über dem Menschengeschehen walten, die richtig entwickelten Urkräfte mit dem Besitz der Gedankenwelt, und wir haben zurückgebliebene Geister der Form, zurückgebliebene Elohimwesenheiten, welche nun auch noch die Gedankenwelt verwalten. Dadurch entsteht in der geistigen Strömung, die über der Menschheit waltet, ein Zusammenwirken von Urkräften, von Archai, und von Geistern der Form, von elohistischen Wesenheiten. Die Menschen sind dann dem Folgenden ausgesetzt: Der eine, der durch sein Karma richtig dazu geeignet ist, der empfängt die Impulse seines Denkens durch die Archai. Dadurch wird sein Denken, obwohl es objektiv bleibt, sein persönlicher Besitz. Er arbeitet immer mehr und mehr die Gedanken als seinen persönlichen Besitz aus. Andere kommen nicht dazu, die Gedanken als ihren persönlichen Besitz auszuarbeiten. Sie übernehmen die Gedanken entweder durch die Vererbungsverhältnisse von ihren Eltern und Voreltern, oder sie übernehmen sie als konventionelle Gedanken, die innerhalb ihrer Volksgemeinschaft, Stammesgemeinschaft und so weiter herrschen.

[ 7 ] What does it mean that spirits of form were left behind back then? It means that certain spirits of form were unable to bring themselves to surrender the world of thought to the primordial beginnings, to the Archai; they kept it for themselves. And so, among the spiritual beings who preside over human affairs, we have the properly developed primordial forces that possess the world of thought, and we have backward-remaining spirits of form—backward-remaining Elohim beings—who now also administer the world of thought. This gives rise, within the spiritual current that governs humanity, to an interplay between primordial forces, the Archai, and spirits of form, the Elohim beings. Human beings are then subject to the following: The individual who, through his karma, is truly suited for it receives the impulses of his thinking through the Archai. As a result, his thinking—though it remains objective—becomes his personal possession. He increasingly develops these thoughts as his personal property. Others do not have the opportunity to develop these thoughts as their personal property. They either inherit these thoughts from their parents and ancestors, or they adopt them as conventional thoughts that prevail within their national community, tribal community, and so on.

[ 8 ] Auf diese übersinnliche Tatsache, die ich Ihnen geschildert habe, ist zurückzuführen das ganze Ineinanderspielen von einzelnen individuellen Persönlichkeiten, die immer mehr und mehr heraufkommen in diesem Zeitalter des ausgehenden Altertums, des beginnenden Mittelalters, und derjenigen Gedankenströmungen, die ganze Menschengruppen ergreifen. Das aber wiederum gliedert sich auf der Erde, ich möchte sagen, in geographischer Weise. Zunächst werden ergriffen von den Impulsen, die von den Archai, von den Urkräften als Gedankenimpulse ausgehen, gewisse geistige Persönlichkeiten, die im vorderen Asien sind, die der arabischen Kultur angehören. Und insbesondere breitet sich das, was in diesen Gedankenimpulsen liegt, über Afrika aus herüber nach Spanien, nach ganz Westeuropa. Wir finden gewissermaßen diesen großen Gedankenzug durch Afrika gehend, durch Spanien, auch Süditalien ergreifend, nach dem Westen Europas herauf (siehe Zeichnung Seite 67, Pfeil). Wir haben einen großen Anregungsstrom von Gedanken, der auf die charakterisierten Impulse zurückgeht. Von dieser Gedankenströmung ist dasjenige ergriffen, was sich als arabisch-spanische Kultur entwickelt, was dann in der viel späteren Zeit noch großen Einfluß gewinnt auf solche Geister, wie etwa Spinoza, was aber auch noch in der Naturwissenschaft weiterlebt, was wir noch beobachten können in den Gedankenimpulsen des Galilei, des Kopernikus und so weiter. Während in solchen Gedankenströmungen und in dem, was aus diesen Gedankenströmungen Weltgeschichte wird, die Impulse der Archai leben, sehen wir überall sich hineindrängen in das Weltgeschehen auch dasjenige, was mehr unter dem Einflusse der zurückgebliebenen Geister der Form steht, die nun auch ihrerseits die Menschen mit Impulsen durchsetzen. Und wir sehen wiederum einen andern Strom des Gedankenlebens und des Weltgeschehens etwas mehr nördlich von Asien gegen Europa herüber sich bewegen. Dieser Gedankenstrom hat seinen besonderen extremen Ausdruck später erst gefunden, als von Asien herüber sich die Türkenmassen wälzten.

[ 8 ] This supersensible fact, which I have described to you, is the source of the entire interplay between individual personalities—who are emerging more and more in this era of late antiquity and the dawn of the Middle Ages—and those currents of thought that sweep entire groups of people. This, in turn, is structured on Earth—I would say—in a geographical manner. First of all, certain spiritual personalities in the Near East, who belong to Arab culture, are seized by the impulses emanating as thought impulses from the Archai, the primordial forces. And in particular, what lies within these thought impulses spreads across Africa, over to Spain, and throughout all of Western Europe. We find, as it were, this great current of thought passing through Africa, through Spain, also reaching southern Italy, and moving up toward Western Europe (see drawing on page 67, arrow). We have a great stream of thought that stems from these characteristic impulses. This current of thought has permeated what developed as Arab-Spanish culture—a culture that, much later, would exert a great influence on thinkers such as Spinoza, and which also lives on in the natural sciences, as we can still observe in the thought impulses of Galileo, Copernicus, and so on. While the impulses of the Archai live on in such currents of thought and in what becomes world history from these currents, we also see everywhere, intruding into world events, that which is more under the influence of the backward spirits of form, who in turn permeate humanity with their own impulses. And we see yet another current of intellectual life and world events moving somewhat further north from Asia toward Europe. This current of thought did not find its particular, extreme expression until later, when the masses of Turks surged across from Asia.

[ 9 ] So daß wir das europäische Geschichtsleben von dieser Zeit, vom 4. Jahrhundert an durchsetzt sehen, ich möchte sagen, von einem fortwährenden geistigen Kampfe. Es kämpfen um ihr in dem Weltgeschehen ihnen zugefallenes rechtmäßiges Gut die Archai mit den zurückgebliebenen Exusiai, mit den Geistern der Form. Alles, was da im Mittelalter geschieht in westöstlicher Richtung und in ostwestlicher Richtung, was da an Völkerzügen durcheinander wallt und webt, was sich da gegenseitig bekämpft, von den Hunnenkämpfen bis zu den Türkenkämpfen, von der Völkerwanderung bis zu den Kreuzzügen, wo alles immer eine west-östliche oder ost-westliche Richtung hat, alles das ist das sinnlichphysische, das geschichtliche Abbild eines Geisteskampfes, wie ich ihn eben charakterisiert habe, der sich hinter den Kulissen der Weltgeschichte abspielt. Man begreift eben das geschichtliche Geschehen auf der Erde erst dann in seiner Wirklichkeit, wenn man in ihm ein Abbild sieht von dem, was in der übersinnlich-geistigen Welt zwischen den Wesenheiten der höheren Hierarchien sich abspielt.

[ 9 ] Thus we see European historical life from this period onward—from the 4th century onward—permeated, I would say, by a ceaseless spiritual struggle. The Archai are fighting for their rightful inheritance in world events against the backward Exusiai, against the spirits of form. Everything that takes place in the Middle Ages in a west-to-east and east-to-west direction—the surging and intertwining of migratory movements, the mutual conflicts, from the battles against the Huns to those against the Turks, from the Migration Period to the Crusades—where everything always follows a west-to-east or east-to-west direction, all of that is the sensory-physical, historical reflection of a spiritual struggle, as I have just characterized it, which takes place behind the scenes of world history. One can only truly grasp the reality of historical events on Earth when one sees in them a reflection of what takes place in the supersensible-spiritual world among the beings of the higher hierarchies.

[ 10 ] Wir können zunächst, wenn wir die eine Seite dieser Tatsache ins Auge fassen, sagen: Wir haben zwei Strömungen. Die eine, welche ich Ihnen zunächst hier (siehe Zeichnung Seite 67, gelb) skizziert habe, sie bewirkt die mannigfaltigsten Bewegungen wiederum von Westen nach Osten; die andere Strömung dringt vor, dringt auch wiederum zurück, so daß diese beiden Strömungen immer ineinandergehen. Wir sehen in einem Abbilde das, was da in der geistigen Welt sich vollzieht in jenen Kämpfen, die wir aus der Völkerwanderung kennen, in jenen Kämpfen, in denen alte Kultur zum Teil zerstört wird, in denen aber auch alte Kultur mit menschlicher Individualität durchsetzt wird.

[ 10 ] To begin with, if we consider one aspect of this fact, we can say: We have two currents. The one I have sketched for you here (see drawing on page 67, yellow) causes the most diverse movements, again from west to east; the other current advances and then retreats again, so that these two currents are constantly intertwining. In this illustration, we see what takes place in the spiritual world during those struggles we know from the Migration Period—struggles in which ancient culture is partly destroyed, but in which ancient culture is also interwoven with human individuality.

[ 11 ] Man kann sich der folgenden Betrachtung hingeben. Man kann sagen: Was wäre aus dem europäischen Zivilisationsleben geworden, wenn nicht, von Asien nach Europa hinüberstürmend und in Europa sich vielfach niederlassend, die verschiedenen Völkerschaften ihre Wanderungen begonnen hätten, und manchmal in wilder Art innerhalb dieser Wanderungen die menschliche Persönlichkeit ihr Individuelles geltend gemacht hätte?

[ 11 ] One might consider the following reflection. One might ask: What would have become of European civilization if the various peoples had not begun their migrations—sweeping across from Asia into Europe and settling in many places there—and if, at times, the human personality had not asserted its individuality in a wild manner during these migrations?

[ 12 ] Wir sehen ja innerhalb dieser Völkerwanderung, wie ganze Stämme ergriffen werden von einem Gemeingeist. Aber wenn wir die Geschichte durchgehen: überall zeigt sich uns auch, wie innerhalb dieser einzelnen zusammengehörigen Stämme, die von einem Gemeingeist durchsetzt sind — Ostgoten, Westgoten, Langobarden, Heruler, Franken, Markomannen, und so weiter —, wie innerhalb dieser Stämme einzelne Persönlichkeiten von den individuellen Impulsen ergriffen werden. Man möchte sagen: Überall spielt sich das ab, was auf der einen Seite den fortlaufenden Strom der Impulse der alten, eigentlich nicht mehr berechtigten Geister der Form darstellt, auf der andern Seite das berechtigte Auftreten der Geister der Persönlichkeit, der Urkräfte oder Urbeginne.

[ 12 ] We can see, indeed, within this Migration Period, how entire tribes are swept up by a shared spirit. But if we look through history, we see everywhere how, within these individual, closely-knit tribes—the Ostrogoths, Visigoths, Lombards, Heruli, Franks, Marcomanni, and so on—that are imbued with a collective spirit, individual personalities are seized by their own unique impulses. One might say: What is taking place everywhere is, on the one hand, the continuous flow of impulses from the old spirits of form—which are, in fact, no longer justified—and, on the other hand, the justified emergence of the spirits of personality, the primal forces, or primal beginnings.

[ 13 ] Wenn die Geschichte genauer schildern würde, mehr Rücksicht nehmen würde auf das, was sich als geistige Kräfte geltend macht in dem, was zumeist nur als Völkerkampf geschildert wird, dann würde man sehen, wie diese zweifache Artung der Gedankenimpulse innerhalb der Menschheit eigentlich gerade in den Völkerwanderungszeiten das europäische Leben beherrscht.

[ 13 ] If history were to describe events more accurately, taking greater account of the spiritual forces at work in what is usually portrayed merely as a struggle between nations, then one would see how this dual nature of thought impulses within humanity actually dominated European life, particularly during the period of the Great Migration.

[ 14 ] Man kann, sagte ich, die Betrachtung anstellen: Was wäre die europäische Zivilisation geworden, wenn nicht diese zum Teil barbarischen Völkerschaften von Osten nach Westen sich herübergewälzt und mit der jugendfrischen Persönlichkeit ihrer einzelnen Menschheitsglieder sich hinunterergossen hätten nach der altgewordenen, griechischrömischen Zivilisation?

[ 14 ] One might, I said, consider the following: What would have become of European civilization if these partly barbaric peoples had not swept across from east to west and, with the youthful vitality of their individual members, poured down upon the aging Greco-Roman civilization?

[ 15 ] Aber man kann auch auf der andern Seite fragen: Was hätten diese halbbarbarischen Völkerschaften für eine europäische Zivilisation begründen können, wenn in sie nicht eingeflossen wäre, was in der griechisch-römischen Zivilisation war, was durch die Geister der Persönlichkeit, durch die Archai übernommen worden war?

[ 15 ] But one might also ask, from the other side: What kind of European civilization could these semi-barbaric peoples have established if they had not been influenced by what was present in Greco-Roman civilization—that which had been adopted through the spirits of personality and the Archai?

[ 16 ] Das ist ja ungeheuer interessant. Wenn man nämlich nach den Griechen, ja noch nach den Römern hinblickt, dann sieht man ganz genau: die bekommen ihre Gedanken, ihre wissenschaftlichen, ihre künstlerischen, ihre politischen, ihre sozialen Gedanken durchaus durch jene Einströmungen, die von den Geistern der Form, von den Exusiai kommen. Man braucht nur einmal nicht mit dem groben Blick, den die heutige Geschichtsschreibung hat, sondern mit einem etwas feineren Sinn auf solche Geister wie Perikles, wie Alkibiades oder wiederum wie Sulla, ja selbst wie Hannibal — obwohl der stark den Typus der Persönlichkeit trägt —, aber auch dann auf Cäsar, auf alle diese Geister hinweisen, so wird man schon finden: in ihnen walten die Gedanken noch wie Weltenmächte, wie etwas Instinktives.

[ 16 ] That is incredibly interesting. For when one looks at the Greeks—and indeed even at the Romans—one sees quite clearly: they derive their ideas—their scientific, artistic, political, and social ideas—entirely from those influences that come from the spirits of form, from the Exusiai. One need only look—not with the crude gaze of modern historiography, but with a somewhat finer sensibility—at figures such as Pericles, Alcibiades, or Sulla, indeed even Hannibal—although he strongly embodies the archetype of the personality—and also at Caesar and all these figures, and one will find: in them, thoughts still reign like cosmic forces, like something instinctive.

[ 17 ] Das kommt eben davon her, daß sie ihre Gedanken von den Geistern der Form haben. Dann tritt eine solche Persönlichkeit auf, welche mittendrinnen steht mit ihrer Seele in dem Kampfe zwischen den neuberechtigten Geistern der Persönlichkeit und den unberechtigt gewordenen Geistern der Form: Diese Persönlichkeit, die mit der Seele hineinverstrickt ist in jenen Kampf, das ist Augustinus, der katholische Kirchenvater. Ich habe Ihnen seinen Seelenkampf von den verschiedensten Seiten her geschildert. Wenn man aber diesen Seelenkampf als das irdische Abbild eines kosmisch-übersinnlichen Geschehens ansieht, dann merkt man in diesem Geist, der sich in der Jugend zu dem Manichäertum hinneigt, der dann im strengsten Sinne römisch-katholisch gläubig wird, man sieht in diesem Hin- und Hergerissensein einer Seele das irdische Abbild, den irdischen Abglanz von etwas, was sich kosmisch hinter der Menschheitsentwickelung abspielt. Augustinus neigt zu den Manichäern in der Zeit, als er noch verstrickt ist mit seiner Seele in die Impulse der Geister der Form. Sie bringen ihm alles Gute aus früheren Zeiten in die Seele hinein, doch es paßt nicht mehr für Seelen seiner Zeit. Aber durch das, was er durch die zurückgebliebenen Geister der Form erhalten hat an guten, an vorzüglichen alten Kulturgütern, ist er behindert, mit voller Entfaltung seiner Einzelpersönlichkeit die neue Form der Gedanken zu übernehmen, wie sie übermittelt werden kann durch die nun für die Gedanken berechtigt gewordenen Geister der Persönlichkeit, die Archai. Und er kann das nur übernehmen, indem er sich ganz und gar dem Dogma der Kirche übergibt.

[ 17 ] This is precisely because their thoughts stem from the spirits of form. Then a personality like this appears, one whose soul stands right in the midst of the struggle between the spirits of personality—now rightfully empowered—and the spirits of form—which have lost their rightful standing: This personality, whose soul is entangled in that struggle, is Augustine, the Catholic Church Father. I have described his inner struggle to you from a wide variety of perspectives. But if one regards this inner struggle as the earthly reflection of a cosmic-supernatural event, then one perceives in this spirit—who in his youth was inclined toward Manichaeism and who later became a Roman Catholic believer in the strictest sense— one sees in this inner conflict of a soul the earthly reflection, the earthly echo of something that is unfolding cosmically behind the development of humanity. Augustine leans toward the Manichaeans at a time when his soul is still entangled in the impulses of the spirits of form. They bring all the goodness of earlier times into his soul, yet it no longer suits the souls of his time. Yet because of what he has received from the spirits of form who have remained behind—namely, the good and exquisite cultural treasures of the past—he is hindered from fully developing his individual personality to embrace the new form of thought as it can be conveyed by the spirits of personality, the Archai, who have now become the rightful bearers of thought. And he can only embrace this by surrendering himself completely to the dogma of the Church.

[ 18 ] Man kann eine solche Persönlichkeit, wie Augustinus es ist, immer von zwei Seiten her charakterisieren. Man kann sich auf den Gesichtspunkt des Erdendaseins stellen und dann bloß auf die einzelne Persönlichkeit hinschauen und sehen, wie da die Seelenmächte miteinander ringen. Aber man kann auch den Fall von jenseits des Erdendaseins betrachten und darauf Rücksicht nehmen, wie eine solche Persönlichkeit gelenkt und geleitet wird von den göttlich-geistigen Mächten der höheren Hierarchien. Dann lernt man das eine Mal, wenn man den irdischen Standpunkt einnimmt, eben eine menschliche Persönlichkeit kennen, nun, wie sie sich eben darlebt auf der Erde selber. Wenn man den andern Standpunkt, den übersinnlichen Standpunkt einnimmt, lernt man erkennen, in welcher Art solch eine Persönlichkeit ein Sendbote der geistigen Welt ist. Das ist eigentlich der Mensch immer. Der Mensch ist hier auf der Erde ein Erdenwesen und kann in geschlossener Weise als Erdenwesen betrachtet werden. Es behindert die Freiheit dieses seines irdischen Seins gar nicht, daß er zu gleicher Zeit von den Kräften der überirdischen Welt impulsiert wird, nicht gelenkt und geleitet, aber impulsiert wird, und daß er so zu gleicher Zeit ein Sendbote der übersinnlichen Mächte ist.

[ 18 ] A personality such as Augustine can always be characterized from two perspectives. One can adopt the perspective of earthly existence and then look solely at the individual personality to see how the soul forces struggle with one another. But one can also consider the matter from beyond earthly existence and take into account how such a personality is guided and directed by the divine-spiritual forces of the higher hierarchies. Then, when one adopts the earthly perspective, one comes to know a human personality precisely as it lives out its life here on Earth. When one adopts the other perspective—the supersensible perspective—one comes to recognize in what way such a personality is a messenger of the spiritual world. This is, in fact, what a human being always is. Here on Earth, a human being is an earthly being and can be regarded in a self-contained way as an earthly being. It does not in any way hinder the freedom of this earthly existence that the human being is simultaneously impelled by the forces of the supersensible world—not directed or guided, but impelled—and that he is thus at the same time a messenger of the supersensible powers.

[ 19 ] Und wieder in anderer Form tritt uns entgegen dieses Ineinanderwirken der zurückgebliebenen Geister der Form, die sich vorzugsweise in Asien drüben, ich möchte sagen, ihre Kerntruppen suchen und sie immer gegen Europa schieben, und der berechtigt gewordenen Geister der Persönlichkeit, der Archai, die schon mehr gegen Westen vorgerückt sind und immer wiederum zurückschieben wollen, was von den zurückgebliebenen Geistern der Form kommt.

[ 19 ] And once again, in a different form, we are confronted by this interplay of the backward spirits of form, which—primarily over in Asia— I might say, seek out their core forces and constantly push them toward Europe, and the now-legitimate spirits of personality, the Archai, who have already advanced further westward and always seek to push back what comes from the backward spirits of form.

[ 20 ] In späterer Zeit tritt uns dieses west-östliche und ost-westliche Durcheinanderwogen der irdischen Abbilder höherer geistiger Impulse in den Kreuzzügen entgegen. Studieren Sie die Kreuzzüge. Studieren Sie, wie zunächst aus einem gewissen Impuls heraus, der durchaus mit dem Wesen der Geister der Persönlichkeit, der Archai, zusammenhängt, die Kreuzzüge sich entwickeln, wie gewaltige Absichten den Kreuzzügen zugrunde liegen. Studieren Sie dann, wie die Kreuzfahrer immer mehr und mehr Massenurteilen unterliegen, wie die Massenurteile immer suggestiver wirken. Ich möchte sagen: Je weiter die Kreuzfahrer sich von Westen nach Osten bewegen, desto mehr wird der Einzelne eingefangen in die Massenurteile. — Und als dann die Kreuzfahrer hinüberkommen in die Sphäre des asiatischen Lebens, da breiten sich über das, was von einzelnen Individualitäten in einzelne Individualitäten hineingesenkt worden ist, Massenimpulse aus.

[ 20 ] In later times, this interplay of East and West—this intermingling of earthly reflections of higher spiritual impulses—manifests itself in the Crusades. Study the Crusades. Study how, initially driven by a certain impulse—one that is thoroughly connected to the nature of the spirits of personality, the Archai—the Crusades develop, and how mighty intentions underlie them. Then study how the Crusaders increasingly succumb to mass judgments, and how these mass judgments exert an ever-greater suggestive influence. I would like to say: The farther the Crusaders move from west to east, the more the individual becomes caught up in mass judgments. — And when the Crusaders then enter the sphere of Asian life, mass impulses spread over what has been instilled by individual personalities into individual personalities.

[ 21 ] Wir sehen, wie die Menschen ihre Persönlichkeit verlieren. Wir sehen, wie die europäischen Kreuzfahrer im Orient in bezug auf ihre Seeleneigenschaften verfallen. Die guten moralischen Impulse, die sie mitgenommen haben, können sie nicht entfalten unter den Massensuggestionen, in die sie hineinfallen. Sie werden moralisch dekadent. Und unter dieser moralischen Dekadenz gutmeinender Menschen, die von Westen nach Osten gezogen sind, gewinnen wiederum an Herrschaft die von Osten nach Westen strebenden Impulse, welche in dem muselmanischen, in dem türkischen Menschen leben.

[ 21 ] We see how people lose their sense of self. We see how the European crusaders in the East are decaying in terms of their spiritual qualities. They are unable to develop the positive moral impulses they brought with them amid the mass suggestion they fall prey to. They become morally decadent. And amid this moral decadence of well-meaning people who have migrated from West to East, the impulses striving from East to West—which live within the Muslim and Turkish peoples—regain the upper hand.

[ 22 ] Und so sehen wir in den Kreuzzügen das zweite weltgeschichtliche Hin- und Herwogen eines Kampfes von Osten nach Westen und von Westen nach Osten, eines Kampfes, der das Abbild ist des andern, des geistigen Kampfes zwischen zurückgebliebenen Geistern der Form und richtig fortgeschrittenen Geistern der Persönlichkeit.

[ 22 ] And so we see in the Crusades the second ebb and flow in world history of a struggle from East to West and from West to East—a struggle that is the mirror image of the other, the spiritual struggle between backward spirits of form and truly advanced spirits of personality.

[ 23 ] Das Ganze würde sich mit der Zeit so gestaltet haben, daß — wenn wir auf Europa schauen — im Westen sich, wenn auch einseitig, immer mehr und mehr ausgebreitet hätten die Impulse der Geister der Persönlichkeit (siehe Zeichnung Seite 67, blau schraffiert), im Osten immer mehr und mehr die Impulse der zurückgebliebenen Geister der Form (violett schraffiert). Sie können das, was ich Ihnen heute schildere, zusammennehmen mit andern Gesichtspunkten, die ich über diese Kulturströmungen vor Zeiten hier schon entwickelt habe, denn im Übersinnlichen spielen eben die Dinge durchaus ineinander, und man kann die Dinge nur allmählich verstehen, indem man sich in die verschiedensten Impulse einläßt.

[ 23 ] Over time, the whole situation would have developed in such a way that—if we look at Europe—in the West, the impulses of the spirits of personality would have spread more and more, albeit one-sidedly (see diagram on page 67, blue hatching), while in the East, the impulses of the backward spirits of form would have spread more and more (purple hatching). You can consider what I am describing to you today in conjunction with other perspectives that I have previously developed here regarding these cultural currents, for in the supersensible realm, things are indeed deeply intertwined, and one can only gradually come to understand them by engaging with the most diverse impulses.

[ 24 ] Aber so ist es nicht geblieben. Wenn wir allerdings zurückgehen in sehr frühe Zeiten des Mittelalters, bis zur Kreuzzugszeit, so können wir sagen: Für diese Zeiten gilt das in der Weise, wie ich es hier gezeichnet habe. Aber immer mehr und mehr spielt ein anderes Moment hinein — ich meine jetzt im Übersinnlichen —, und das ist, daß ja nicht nur zurückgeblieben sind die Geister der Form, nicht nur vorwärtsgekommen sind die Archai, die Urbeginne, sondern immer geschieht es in den Hierarchien der übersinnlichen Welt so, daß gewisse geistige Wesenheiten zurückbleiben, gewisse geistige Wesenheiten ihren normalen Fortschritt machen, daß gewisse Wesenheiten aber auch über das Ziel hinausschießen.

[ 24 ] But it did not remain that way. If, however, we go back to the very early Middle Ages, to the time of the Crusades, we can say: For those times, what I have described here applies. But more and more, another factor comes into play—I am referring now to the supersensible realm— and that is that not only have the spirits of form remained behind, and not only have the Archai—the primordial beginnings—advanced, but it is always the case in the hierarchies of the supersensible world that certain spiritual beings remain behind, certain spiritual beings make their normal progress, while certain beings also overshoot the mark.

[ 25 ] Und so sehen wir, daß im Westen, und zwar vom Süden herauf, in die ganze Bewegung eingreifen zurückgebliebene Erzengelwesen (roter Pfeil links), zurückgebliebene Archangeloi. So daß wir also gewissermaßen hier (oben) Archaiwesen haben in berechtigter Weise, aber hier (unten) Archangeloiwesen, welche auf früheren Stufen zurückgeblieben sind, die eigentlich zurückgebliebene Wesenheiten früherer Stufen darstellen, die Archangeloi geblieben sind, die schon Archai sein könnten, aber Archangeloi geblieben sind. Das ist das Wesen dieser Geister.

[ 25 ] And so we see that in the West—specifically, coming up from the South—archangelic beings who have fallen behind (red arrow on the left), archangels who have fallen behind, intervene in the entire process. So, in a sense, we have here (above) Archai beings in the proper sense, but here (below) we have Archangeloi beings who have remained at earlier stages—beings who actually represent the lagging entities of earlier stages, who have remained Archangeloi even though they could already be Archai. That is the nature of these spirits.

[ 26 ] Und so sehen wir, daß im Westen Europas immer mehr und mehr wenn ich mich dieses pedantisch-philiströsen Ausdrucks bedienen darf normale Archai mit anormalen Archangeloi zusammenwirken.

[ 26 ] And so we see that in Western Europe, more and more—if I may use this pedantic, philistine expression—normal Archai are working together with abnormal Archangeloi.

[ 27 ] Wenn wir die Sache geographisch nehmen, haben die Archangeloi eine Süd-Nordrichtung, während die Archai und zurückgebliebenen Exusiai die west-östliche und ost-westliche Richtung haben. Auf diese Weise bekommt man die historisch geographischen Verhältnisse, die sich auf der Erde abspielen, als Abbilder der Kämpfe und des Zusammenwirkens höherer geistiger Wesenheiten heraus.

[ 27 ] If we consider the matter geographically, the Archangeloi have a south-north orientation, while the Archai and the remaining Exusiai have west-east and east-west orientations. In this way, the historical-geographical conditions unfolding on Earth emerge as reflections of the struggles and interactions of higher spiritual beings.

[ 28 ] Alles, was im Westen Europas geschieht, man darf wohl sagen, was bis zum heutigen Tage geschieht, alles das kann verstanden werden als Abbild des Zusammenwirkens solcher normaler Archai mit abnormen Archangeloi, abnormen Archaiwesen, welche vor allen Dingen, weil sie den Menschen sehr nahestehen, sie in starker Weise impulsieren, ihnen vor allen Dingen ein emotionelles Verhältnis zu ihren Sprachen beibringen, jenes emotionelle Verhältnis, das ja — wie Sie sich denken können nach einem Vortrage, den ich vor kurzem hier gehalten habe für diese Menschen eine große Bedeutung hat. Es bestimmt das ganze Wesen der Menschen außerordentlich stark dieses Einwirken der namentlich für das Verhältnis des Menschen zur Sprache so wichtigen Archangeloiwesen. Das, was gerade durch die Sprache die Menschen zusammenhält, sie in fanatischer Weise im Zusammenhalt durch die Sprache erscheinen läßt, das wird als irdisch abbildliches Geschehen erklärlich, wenn man die dahinterstehenden übersinnlichen Tatsachen kennt.

[ 28 ] Everything that happens in Western Europe—and one may well say, everything that has happened up to the present day—can be understood as a reflection of the interaction between such normal Archai and abnormal Archangeloi, abnormal Archai beings, who—above all because they are very close to human beings—strongly influence them, instilling in them, above all, an emotional relationship to their languages, that emotional relationship which—as you can imagine from a lecture I recently gave here—is of great significance to these people. This influence of the Archangeloi beings—which is so important, particularly for humanity’s relationship to language—shapes the very essence of human beings to an extraordinary degree. What binds people together precisely through language, causing them to appear fanatically united through language, can be explained as an earthly, symbolic phenomenon once one understands the supersensible realities underlying it.

[ 29 ] Nun ist in den verschiedenen Zeitepochen die Sache schwächer oder stärker, von der einen oder der andern Seite. Da haben wir im Westen ein Überwiegen der normalen Archai, haben im Süden ein Überwiegen der Impulse der abnormen Archangeloiwesen. Es ist durchaus möglich, das geschichtliche Leben der Menschen und Völker von dem Gesichtspunkte des Übersinnlichen aus zu charakterisieren.

[ 29 ] Now, in different historical epochs, this tendency is stronger or weaker on one side or the other. In the West, we see a predominance of the normal Archai, while in the South, there is a predominance of the impulses of the abnormal Archangeloi beings. It is entirely possible to characterize the historical life of individuals and peoples from the perspective of the supersensible.

[ 30 ] Weiter muß man sagen: Dasjenige, was im Osten geschehen würde, wird wesentlich modifiziert dadurch, daß die zurückgebliebenen Geister der Form, die ja eine große Macht haben, stark beeinflußt werden durch die — ich darf jetzt schon sagen, da Sie ihre Bedeutung wissen —, durch die von Norden nach Süden wirkenden normal entwickelten Archangeloiwesen. Es schiebt sich gewissermaßen (Pfeil, gelb) in jenes wilde Gewoge und Getriebe, welches namentlich durch die von den zurückgebliebenen Formgeistern, von elohistischen Wesenheiten beherrschten Türken, Mongolen und ähnliche Gewalten entsteht, es mischt sich von Norden herunter da hinein etwas, das — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — von guten Archangeloiwesen kommt, die dem Menschen sehr nahestehen, die in jedes einzelne Menschengemüt etwas hineingießen, was da jenen Gemeingeist übertönt, der eigentlich doch von zurückgebliebenen Geistern der Form herrührt.

[ 30 ] Furthermore, it must be said: What would happen in the East is significantly modified by the fact that the backward-remaining spirits of form—who, after all, possess great power—are strongly influenced by the—I may say this now, since you know their significance—by the normally developed Archangeloi beings acting from north to south. It pushes its way, so to speak (arrow, yellow), into that wild turmoil and upheaval caused in particular by the Turks—who are dominated by the lingering spirits of form and by Elohist entities— Mongols, and similar forces; something flows down from the north and mingles with it—if I may use the expression—that comes from good Archangeloi beings who are very close to human beings, who pour into every single human soul something that drowns out that collective spirit, which actually originates from backward-developing spirits of form.

[ 31 ] Wiederum ist es so, daß auch hier für verschiedene Epochen der Weltgeschichte bald das Gewoge eines furchtbaren, unpersönlichen, unindividuellen Gemeingeistes waltet, in andern Epochen die Individualitäten vorherrschend werden. Wenn jemand einmal die merkwürdige russische Geschichte in dieser Weise als ein Abbild des Zusammenwirkens höherer geistiger Wesenheiten der oberen Hierarchien darstellen würde, so würden ungeheure Lichter fallen auf das, was in den einzelnen Epochen dieser Geschichte vorfällt.

[ 31 ] Once again, it is the case that, in various epochs of world history, a terrible, impersonal, and non-individual collective spirit soon prevails, while in other epochs individualities come to dominate. If someone were to portray the remarkable history of Russia in this way—as a reflection of the interplay of higher spiritual beings from the upper hierarchies—it would shed tremendous light on the events that occur in the individual epochs of that history.

[ 32 ] Nun haben wir also (siehe Zeichnung Seite 67) im Westen eine Strömung von Süden nach Norden, die sich mit der west-östlichen Richtung vermischt, hier eine Strömung von Norden nach Süden, die sich auch mit der west-östlichen Strömung vermischt. Aber diese Strömungen breiten sich wieder aus, und wir haben in der späteren Zeit eine süd-nördliche Strömung, die fortwährend, ich möchte sagen, in Schwingungen, in Zickzackschwingungen (siehe Zeichnung Seite 67) versetzt wird durch die westöstlichen Impulse. Und wir haben damit zusammenwirkend, in sie hineinwirkend die nord-südliche Strömung, die wiederum in Zickzackschwingungen durch die west-östlichen Impulse versetzt wird (orange). Dieses Zusammenziehen der zwei an sich schon zusammengesetzten Strömungen, das tritt in einer späteren Zeit der europäischen Entwickelung auf, das tritt auf in der Zeit, als die Reformationskämpfe beginnen.

[ 32 ] So now (see diagram on page 67) we have a current in the west flowing from south to north, which mixes with the west-east current, and here a current flowing from north to south, which also mixes with the west-east current. But these currents spread out again, and later on we have a south-to-north current that is constantly—I would say—set in motion by the west-to-east impulses, oscillating in a zigzag pattern (see diagram on page 67). And acting in conjunction with this, influencing it from within, is the north-south current, which in turn is set into zigzag oscillations by the west-east impulses (orange). This convergence of the two currents—which are already composite in themselves—occurs at a later stage of European development; it occurs at the time when the struggles of the Reformation begin.

[ 33 ] Da sehen wir, wie eine nord-südliche Strömung, die aber immer mit west-östlicher vermischt ist, stark in sich tragend die normalen Archaikräfte, wie diese Strömung hineinstrebt in dasjenige, was zurückgeblieben war von den früheren, von Asien herüberflutenden Impulsen der zurückgebliebenen Geister der Form. Und es tritt, weil es etwas mit den Geistern der Form zu tun hat, in elementarer Weise etwas auf, was aber zugleich auf normale Impulse der Menschheitsentwickelung geht.

[ 33 ] Here we see how a north-south current—which, however, is always intermingled with a west-east current—strongly carries within itself the normal archaic forces, as this current strives toward what remained of the earlier impulses that flooded over from Asia, brought by the lingering spirits of form. And because it has something to do with the spirits of form, something occurs in an elemental way, yet at the same time it relates to the normal impulses of human development.

[ 34 ] Studieren Sie alles dasjenige, was auf der einen Seite aus dem reinen Gedanken des Evangelisch-Protestantischen von Norden nach Süden sich wälzt, was aber dann in die wildesten kriegerischen Verwicklungen hineinwirkt, und studieren Sie dasjenige, was als Gegenströmungen von Süden heraufkommt, was wiederum zu den kriegerischen Verwicklungen führt. Studieren Sie zum Beispiel die evangelisch-protestantische Richtung mit einer nord-südlichen Hauptrichtung und die katholisch-jesuitische Strömung mit ihrer süd-nördlichen Hauptrichtung: da werden Sie das Ineinanderspielen, das komplizierte Ineinanderspielen desjenigen studieren können, was auf der Erde sich abspielt als ein Bild der höheren Geisteskämpfe des Übersinnlichen.

[ 34 ] Study everything that, on the one hand, flows from the pure idea of Evangelical Protestantism from north to south, yet then influences the wildest warlike entanglements, and study what arises as countercurrents from the south, which in turn leads to warlike entanglements. Study, for example, the Evangelical-Protestant movement with its main north-south direction and the Catholic-Jesuit movement with its main south-north direction: there you will be able to study the interplay—the complex interplay—of what is taking place on Earth as a reflection of the higher spiritual struggles of the supersensible.

[ 35 ] Und dadurch kommt etwas heraus, was Sie eigentlich als Anthroposophen schätzen müßten. Nach den heutigen Darstellungen — die Schiller nur ein bißchen zurechtgerichtet hat, namentlich für den Anfang der Vorgänge —, nach den heutigen Darstellungen des Dreißigjährigen Krieges weiß man, wie aus dem Religionskampf in Prag jenes Ereignis sich entwickelt hat, wo die aufgeregten Leute in das Prager Rathaus gedrungen sind, die zwei Staatsmänner Martinitz und Slawata und dann auch den Geheimschreiber Fabricius zum Fenster hinausgeworfen haben, denen dann, wie Sie ja wissen, nichts geschehen ist, weil sie auf einen Misthaufen, das heißt auf einen Haufen gefallen sind, der aus lauter hinuntergeworfenen Papierschnitzeln bestand. Es war nicht, was man im gewöhnlichen Leben einen Misthaufen nennt, sondern es war ein Haufen aus Papierschnitzeln, denn in der damaligen Zeit war es so Sitte, daß man nicht einen Papierkorb verwendete, sondern die Papierschnitzel zum Fenster hinauswarf, und nachher warf die aufgeregte Menge ihnen jene Politiker nach. Wenn man da anfängt und nachher die Sache weiter verfolgt: Es ist ein so wüstes Herumfahren auf der Karte von Europa; bald siegt der, bald der andere, bald fällt jenem Kurfürsten etwas ein, dann wieder nimmt dieser Feldherr jene Richtung und so weiter. Es ist wie ein Herumfahren auf der Karte von Europa, ganz gleichgültig, ob man dieses Herumfahren zeichnet, oder ob man es bloß schildert. In der Schule kommt man gerade bei solchen Darstellungen von so eminent wichtigen Erscheinungen wie dem Dreißigjährigen Krieg immer in Verlegenheit, weil man nach den gewöhnlichen geschichtlichen Darstellungen ja überhaupt nur so erzählen muß, daß die Schüler es doch bald wieder vergessen, denn das wirbelt alles durcheinander! Da ist ja nichts drinnen, was den einzelnen Gedankenströmungen Richtung gibt. Aber sieht man auf das Wahrhaftige in der Sache, dann sieht man eben hinter dem äußeren Abbild diese nord-südlichen, südlich-nördlichen Strömungen, die fortwährend auch von west-östlichen durchkreuzt werden.

[ 35 ] And this results in something that you, as anthroposophists, should actually value. According to today’s accounts—which Schiller has only slightly adjusted, particularly regarding the beginning of the events—according to today’s accounts of the Thirty Years’ War, we know how that event developed out of the religious conflict in Prague, in which the agitated crowd stormed the Prague Town Hall and threw the two statesmen, Martinitz and Slawata, and then also the secretary Fabricius out the window—to whom, as you know, no harm came because they fell onto a manure heap, that is, a pile consisting entirely of discarded scraps of paper. It was not what one would ordinarily call a manure heap, but rather a pile of scraps of paper, for in those days it was customary not to use a wastebasket but to throw scraps of paper out the window, and afterward the agitated crowd hurled those politicians after them. If you start there and then follow the story further: it’s such a chaotic back-and-forth across the map of Europe; sometimes one side wins, sometimes the other; sometimes one elector comes up with an idea, then another general takes a different course, and so on. It’s like moving back and forth across the map of Europe, regardless of whether you map out this movement or merely describe it. In school, one is always at a loss when dealing with such depictions of such eminently important events as the Thirty Years’ War, because, according to the usual historical accounts, one is forced to tell the story in such a way that the students will soon forget it again—for it all gets jumbled up! There is nothing there that gives direction to the individual currents of thought. But if one looks at the truth of the matter, then one sees, behind the outward image, these north-south and south-north currents, which are also constantly crisscrossed by west-east ones.

[ 36 ] Man sieht in dem, was von Wallenstein kommt, was dann von Norden herunterkommt, von Gustav Adolf und so weiter, man sieht in allem, wie dasjenige, was äußerlich in der Geschichte vorgeht, gewissermaßen — ich sage wieder nicht geleitet und gelenkt, aber impulsiert wird von den übersinnlichen Kräften, die dahinterstehen. Die Menschen sind trotzdem darinnen freie Wesen, der Mensch ist ja ein freies Wesen, obwohl auch natürliche Impulse seine Taten lenken. Nicht wahr, man kann nicht sagen, man werde dadurch unfrei, daß man, weil man zum Fenster hinausschaut und sieht, daß es regnet, seinen Regenschirm mitnimmt und ihn draußen aufspannt; man fügt sich eben in die natürlichen Kräfte hinein. So steht der Mensch durchaus mit seinen seelisch-geistigen Wirkungen in den geistigen Impulsen, in dem geistigen Kräftezusammenhange darinnen; er bleibt deshalb doch ein freies Wesen.

[ 36 ] One sees in what comes from Wallenstein, what then comes down from the north—from Gustav Adolf and so on—one sees in all of this how what is happening externally in history is, so to speak—and again, I am not saying “guided” or “directed,” but rather “impelled”—by the supersensible forces that lie behind it. Nevertheless, human beings are free beings within this context; the human being is, after all, a free being, even though natural impulses also guide his actions. Isn’t that right? One cannot say that one becomes unfree simply because, upon looking out the window and seeing that it is raining, one takes one’s umbrella and opens it outside; one is simply adapting to the natural forces. Thus, with his soul-spiritual actions, the human being is fully embedded in the spiritual impulses, in the spiritual interplay of forces within it; he therefore remains a free being after all.

[ 37 ] Aber das, was sich auf dem Plane der großen Weltgeschichte abspielt, begreift man eben erst dann, wenn man es aus dem Übersinnlichen heraus begreift, das dahintersteht. Und damit kommt man dann an die konkrete Impulsierung des weltgeschichtlichen Geschehens durch geistige Mächte, während man, wenn man nur von einem abstrakt Göttlichen spricht, nicht irgendwie zu einer Anschauung kommen kann.

[ 37 ] But what unfolds on the stage of world history can only be understood when one grasps it from the perspective of the supersensible realm that lies behind it. And this leads one to the concrete impetus given to world-historical events by spiritual forces, whereas, if one speaks only of an abstract Divine, one cannot arrive at any kind of insight.

[ 38 ] Derjenige, der bloß von einem abstrakt Göttlichen spricht, der müßte doch eigentlich, da er das Göttliche überall wirksam denken muß, dieses abstrakt Göttliche, sagen wir bei einer Türkenschlacht des Mittelalters, bei den Türken suchen, und auch bei denen, welche die Türken bekämpfen! Das heißt, das abstrakt Göttliche ist da mit sich selber im Kampf, in einem Selbstkonflikt drinnen, wenn man es nur als abstrakt Göttliches anschaut.

[ 38 ] Anyone who speaks merely of an abstract Divine—since he must conceive of the Divine as active everywhere—would actually have to seek this abstract Divine, say, in a medieval battle against the Turks, among the Turks themselves, and also among those who are fighting the Turks! That is to say, the abstract divine is engaged in a struggle with itself, caught in a self-conflict, if one views it solely as the abstract divine.

[ 39 ] In dem Augenblick, wo man an die konkreten geistigen Wesenheiten kommt, die ihre gegenseitigen Verhältnisse dadurch haben, daß in einer solchen Weise, wie ich es geschildert habe, gewisse Aufgaben von der einen Gruppe auf die andere übergehen, daß aber gewisse Gruppen zurückbleiben, andere auf normale Stufen kommen, andere im Sturm vorwärtsschreiten, in dem Augenblick, wo man erkennt, daß da tatsächlich in der geistigen Welt eine Vielheit ist von Wesen, die sich bekämpfen, die sich aber auch gegenseitig helfen können, bekommt man erst die Möglichkeit, wirklich das, was hinter den Kulissen der Weltgeschichte im Übersinnlichen des Kosmos geschieht, mit menschlichen Begriffen zu durchdringen, ohne daß man sich unerlaubter Widersprüche schuldig macht.

[ 39 ] The moment one encounters the specific spiritual beings whose mutual relationships are defined by the fact that, as I have described, certain tasks are transferred from one group to another—with some groups remaining behind while others advance to normal levels— and still others advance rapidly—at the very moment one recognizes that there is indeed a multitude of beings in the spiritual world who fight one another but who can also help one another—only then does one gain the ability to truly comprehend, in human terms, what is happening behind the scenes of world history in the supersensible realm of the cosmos, without falling into unwarranted contradictions.

[ 40 ] Denn sehen Sie, da treten dann konkrete Begriffe ein. Man sieht, wie im Westen unberechtigte Archangeloi in ein berechtigtes Tun von Archai eingreifen, wie also da ein Beeinträchtigen, ein Verschlimmern des Guten in den sich abspielenden Kämpfen fortwährend stattfindet. Wir sehen, wie im Osten gut wirkende Archangeloi als helfende, als schützende Geister ausgleichen, was sonst durch die zurückgebliebenen Geister der Form in einer nicht dem vollen Menschlichen entsprechenden Weise ausgestaltet würde. Und wir sehen dann, wie, indem sich diese beiden Strömungen zusammenschieben, innerhalb Mitteleuropas jene fortwährenden Verwirrungen eintreten von Reformation und Gegenreformation, in jenem Ausmaße, das diese Kräfte im Dreißigjährigen Krieg angenommen haben, und noch in den folgenden Kämpfen, die sich da abgespielt haben.

[ 40 ] For you see, this is where concrete concepts come into play. One can see how, in the West, unauthorized Archangeloi interfere with the legitimate actions of the Archai, and thus how, in the struggles taking place there, the good is continually being undermined and worsened. We see how, in the East, Archangels working for good—as helping, protective spirits—balance out what would otherwise be shaped in a way not corresponding to the fullness of the human by the backward spirits of form. And we then see how, as these two currents converge, those ongoing confusions of the Reformation and Counter-Reformation arise within Central Europe, to the extent that these forces assumed during the Thirty Years’ War and in the subsequent conflicts that took place there.

[ 41 ] Zweierlei muß uns vor der Seele stehen: Wir betrachten den einzelnen Menschen; aber wir betrachten ihn nicht so, wie ihn die heutige offizielle Wissenschaft betrachtet, die nur sieht: da hat er diesen Muskel, da jenen Muskel, da diesen Knochen, da diesen Nerv —, sondern wir betrachten den ganzen Menschen seiner physischen Bildung nach als ein Abbild des Übersinnlichen, und wissen, daß ja der physische Mensch, wie er auf der Erde steht, zunächst in seinem Gedankenplane, zwischen dem 'Tode und einem neuen Leben, von dem Menschen selbst, der sich auf Erden verkörpert, im Zusammenhange mit den Geistern der höheren Hierarchien bewirkt wird, erarbeitet wird. Und so betrachten wir den einzelnen Menschen als ein Abbild einer übersinnlichen Menschenurform.

[ 41 ] Two things must be before our minds: We consider the individual human being; but we do not view him as today’s official science does, which sees only: here is this muscle, there is that muscle, here is this bone, there is that nerve —but rather we regard the whole human being, in terms of his physical constitution, as an image of the supersensible, and we know that the physical human being, as he stands on Earth, is first and foremost shaped on the plane of thought—between ‘death’ and a new life—by the human being himself, who incarnates on Earth, in conjunction with the spirits of the higher hierarchies. And so we regard the individual human being as a reflection of a supersensible archetype of humanity.

[ 42 ] Aber so betrachten wir auch zweitens dasjenige, was in der Geschichte geschieht, als Abbild eines Geschehens hinter den Kulissen der Geschichte, eines Geschehens, das sich eben abspielt in der übersinnlichen Welt, in jener Welt, wo ganze Heerscharen von übersinnlichen Wesenheiten ebenso — wenn ich sie mit irdischen Namen bezeichnen soll — soziale Verhältnisse miteinander eingehen wie die Menschen auf Erden. Nur daß die Handlungen dieser überirdischen sozialen Wesenheiten so sind, daß ihre Impulse hereinspielen auf die Erde und sich in den Handlungen der Menschen ausdrücken.

[ 42 ] But secondly, we also regard what happens in history as a reflection of an event taking place behind the scenes of history—an event that unfolds in the supersensible world, in that world where whole hosts of supersensible beings—if I am to describe them using earthly terms—enter into social relationships with one another just as human beings do on Earth. The only difference is that the actions of these supersensible social beings are such that their impulses influence the Earth and find expression in human actions.

[ 43 ] Es ist insbesondere für den Menschen der Gegenwart wichtig, im einzelnen einzusehen, wie auf der einen Seite der Mensch ein Abbild des Übersinnlichen ist, auf der andern Seite die geschichtlichen Ereignisse Abbilder des Übersinnlichen sind. Und auf keinem andern als auf diesem Wege kann der Mensch wiederum zurückfinden zu der göttlichgeistigen Welt. Mit den bloßen Abstraktionen von einem Göttlichen kann heute noch auf diejenigen gewirkt werden, die nicht angefangen haben, im Sinne des modernen Geisteslebens erkennen und denken zu wollen. Aber deren Zahl wird immer geringer werden, und diejenigen, die erkennen und denken wollen, werden in immer größerer Zahl vorhanden sein. Die müssen wiederum zum religiösen Leben zurückgeführt werden. Sie können es nur, wenn man ihnen die konkreten realen Vorgänge der geistigen Welt vor das Seelenauge stellt und nicht sie abfertigt mit einem bloßen abstrakten allgemeinen Gedanken von einem Göttlichen, über das man eigentlich nichts aussagen will, sondern das man nur wie ein alles übergreifendes Wort anführt, ohne daß man die Einzelheiten versteht.

[ 43 ] It is particularly important for people today to understand in detail how, on the one hand, human beings are reflections of the supersensible, and on the other hand, historical events are reflections of the supersensible. And it is only through this path that human beings can find their way back to the divine-spiritual world. Today, mere abstractions of the divine can still have an effect on those who have not yet begun to seek to perceive and think in the spirit of modern spiritual life. But their numbers will continue to dwindle, and those who wish to perceive and think will grow ever more numerous. They, in turn, must be led back to religious life. They can do so only if the concrete, real processes of the spiritual world are presented to the eye of their soul, rather than being fobbed off with a mere abstract, general idea of the divine—about which one does not actually wish to say anything, but which is merely invoked as an all-encompassing term without any understanding of the details.

[ 44 ] Damit, meine lieben Freunde, ist wiederum von einem andern Gesichtspunkte aus hingewiesen auf eine der Aufgaben, welche anthroposophische Erkenntnis in der Gegenwart hat und haben soll.

[ 44 ] This, my dear friends, once again highlights—from yet another perspective—one of the tasks that anthroposophical knowledge has and should have in the present.