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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 222

22 March 1923, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Heute wollen wir uns zunächst einmal an die Angaben erinnern, die ich Ihnen über die eigentliche Natur, über die Wesenheit des menschlichen Denkens gemacht habe. Wir haben ja in dieser Gegenwart, seit dem so oftmals angeführten Zeitpunkte im 15. Jahrhundert, ein wesentlich abstraktes Denken, ein bildloses Denken, und die Menschheit ist ja stolz auf dieses bildlose Denken. Wir wissen, daß dieses bildlose Denken erst eingetreten ist in dem angedeuteten Zeitraume, daß früher ein bildhaftes und damit ein lebendiges Denken vorhanden war.

[ 1 ] Today, let us first recall the points I have made to you regarding the true nature, the essence, of human thought. In our present age, since that often-cited period in the 15th century, we have engaged in essentially abstract thinking—thinking devoid of images—and humanity is, after all, proud of this image-less thinking. We know that this image-less thinking only emerged during the period mentioned; that earlier, there was an image-based—and thus a living—form of thinking.

[ 2 ] Nun wollen wir uns heute daran erinnern, was eigentlich die Natur und Wesenheit dieses Denkens ist, wie wir es heute haben. Wir konnten sagen: Die lebendige Wesenheit dieses Denkens lebte in uns in der Zeit zwischen dem Tode und der Geburt, durch die wir heruntergestiegen sind aus den geistigen Welten in die physische Welt. Da ist gewissermaßen die Lebendigkeit, die Wesenhaftigkeit des Denkens abgestreift worden, und wir tragen heute als Menschen des fünften nachatlantischen Zeitraumes eigentlich ein totes Denken in uns, den Leichnam jenes lebendigen, wesenhaften Denkens, das uns eigen ist zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Gerade dadurch, daß wir dieses tote, dieses unlebendige Denken in uns tragen, gerade dadurch sind wir ja als heutige Menschen durch das gewöhnliche Bewußtsein so stark in die Möglichkeit versetzt, das Leblose zu unserer Befriedigung zu begreifen, während wir als heutige Menschen keine Anlage haben, die Welt unserer Umgebung als lebendig zu erfassen.

[ 2 ] Today, let us recall what the true nature and essence of this thinking actually is, as we experience it today. We could say: The living essence of this thinking dwelt within us during the time between death and birth, through which we descended from the spiritual worlds into the physical world. In a sense, the liveliness, the essential nature of this thinking, has been stripped away, and today, as human beings of the fifth post-Atlantean epoch, we actually carry within us a dead form of thinking—the corpse of that living, essential thinking that is our own between death and a new birth. Precisely because we carry this dead, this lifeless thinking within us—precisely because of this—we as people today, through our ordinary consciousness, are so strongly enabled to comprehend the lifeless for our own satisfaction, while we, as people today, have no capacity to perceive the world around us as alive.

[ 3 ] Damit haben wir zwar als Menschen unsere Freiheit, unsere Selbständigkeit errungen, aber wir haben uns gewissermaßen auch gegenüber demjenigen in der Welt, was das fortlaufend Werdende ist, ganz abgeschlossen. Wir beobachten die Dinge um uns herum, die eigentlich nicht das fortlaufend Werdende sind, die nicht keimkräftig sind, sondern die eigentlich nur eine Gegenwart haben. Gewiß, man kann einwenden, daß der Mensch am Pflanzlichen, am Tierischen das Keimkräftige betrachtet; aber da täuscht er sich nur. Er betrachtet dieses Keimkräftige auch nur, insofern es erfüllt ist von abgestorbenen Stoffen, er betrachtet auch das Keimkräftige nur wie ein Totes.

[ 3 ] While this has indeed allowed us, as human beings, to attain our freedom and independence, we have also, in a sense, completely closed ourselves off from that aspect of the world which is the ever-becoming. We observe the things around us, which are not actually in a state of continuous becoming, which lack germinative power, but which essentially exist only in the present. Certainly, one might object that human beings perceive the germinative power in the plant and animal kingdoms; but in doing so, they are merely deceiving themselves. They perceive this germinative power only insofar as it is filled with dead matter; they also regard the germinative power as nothing more than a lifeless entity.

[ 4 ] Wenn wir das besonders Eigentümliche dieser Anschauungsweise uns vor die Seele stellen wollen, so ist es eben dieses, daß in früheren Zeiträumen der Menschheitsentwickelung die Menschen überall in ihrer Umgebung ein Lebendiges, Keimkräftiges wahrgenommen haben, während sie heute überall nur das Tote aufsuchen und das Leben eigentlich auch nur aus dem Toten irgendwie begreifen wollen. Sie begreifen es ja doch nicht.

[ 4 ] If we wish to bring to mind what is particularly peculiar about this way of looking at things, it is precisely this: that in earlier periods of human development, people perceived life and vitality everywhere in their surroundings, whereas today they seek out only the dead everywhere and, in a sense, seek to understand life only through the dead. But they do not truly understand it.

[ 5 ] Damit aber ist der Mensch eingetreten in eine ganz merkwürdige Epoche seiner Entwickelung. Der Mensch betrachtet ja heute die Sinneswelt, ohne daß ihm — so wie ihm Farben, wie ihm Töne in der Sinneswelt gegeben sind — in ihr auch Gedanken gegeben wären. Sie wissen schon aus der Darstellung meiner «Rätsel der Philosophie», daß dem Griechen ebenso Gedanken gegeben waren, wie uns heute die Töne, die Farben. Wir nennen eine Rose rot; der Grieche nahm nicht nur die Röte der Rose wahr, sondern er nahm auch den Gedanken der Rose wahr, ein rein Geistiges nahm er wahr. Und dieses Wahrnehmen des rein Geistigen ist allmählich eben hingestorben mit dem Heraufkommen des abstrakten, des toten Denkens, das nur ein Leichnam ist des lebendigen Denkens, welches wir vor unserem Erdenleben gehabt haben.

[ 5 ] With this, however, humankind has entered a most remarkable epoch in its development. After all, people today perceive the sensory world without—just as colors and sounds are given to them in the sensory world—thoughts also being given to them within it. You already know from my exposition in The Riddles of Philosophy that thoughts were given to the Greeks just as sounds and colors are given to us today. We call a rose red; the Greeks not only perceived the redness of the rose, but they also perceived the idea of the rose—they perceived something purely spiritual. And this perception of the purely spiritual has gradually died out with the rise of abstract, dead thinking, which is merely a corpse of the living thinking we possessed before our earthly life.

[ 6 ] Nun aber frägt es sich: Wie kommen eigentlich diese zwei Dinge zusammen? Wie kommen sie zusammen, wenn wir die Natur auffassen wollen, wenn wir uns eine Weltanschauung bilden wollen: draußen die Sinneswelt, in uns das tote Denken? — Das muß man sich nur einmal ganz klarmachen, daß wenn heute der Mensch der Welt gegenübersteht, er ihr mit einem toten Denken gegenübersteht. Aber ist denn der Tod auch draußen in der Welt? Wenigstens ahnungsvoll müßte sich der Mensch heute sagen: Der Tod ist ja gar nicht draußen in der Welt, in den Farben, in den Tönen scheint ja zum mindesten überall Lebendiges sich anzukündigen! — So daß für denjenigen, der die Sinne durchschaut, sich das ganz Merkwürdige herausstellt, daß ja der heutige Mensch, trotzdem er immerfort nur seine Aufmerksamkeit auf die Sinneswelt richtet, diese Sinneswelt denkend gar nicht begreifen kann, weil die toten Gedanken auf die lebendige Sinneswelt gar nicht anwendbar sind.

[ 6 ] But now the question arises: How do these two things actually come together? How do they come together when we seek to understand nature, when we seek to form a worldview: the sensory world outside, and dead thinking within us? — One need only make this perfectly clear to oneself: that when people today face the world, they face it with dead thinking. But is death really out there in the world? At the very least, people today should intuitively say to themselves: Death is not out there in the world at all; in the colors and sounds, something alive seems to be announcing itself everywhere, at the very least! — So that for those who see through the senses, the very strange fact emerges that modern human beings, despite constantly directing their attention only toward the sensory world, cannot grasp this sensory world through thought at all, because dead thoughts are simply not applicable to the living sensory world.

[ 7 ] Machen Sie sich das nur einmal restlos klar. Der Mensch steht heute vor der Sinneswelt und glaubt, nicht über die Sinneswelt hinausgehen zu sollen mit seinen Ansichten. Aber was heißt denn das überhaupt für den heutigen Menschen, nicht über die Sinneswelt hinausgehen zu wollen? Das heißt, überhaupt verzichten auf alles Anschauen und alles Erkennen. Denn das Rote, das Tönende, das Wärmende wird ja gar nicht begriffen durch den toten Gedanken. Der Mensch denkt also in einem ganz andern Elemente, als in demjenigen, worinnen er eigentlich lebt.

[ 7 ] Just make this completely clear to yourself. People today stand before the sensory world and believe that their views should not extend beyond it. But what does it actually mean for people today to not want to go beyond the sensory world? It means renouncing all perception and all cognition altogether. For the red, the sound, and the warmth are not grasped at all by dead thought. Human beings therefore think in a completely different element than the one in which they actually live.

[ 8 ] Und so ist es merkwürdig, daß wir mit unserer Geburt in die Erdenwelt eintreten, aber ein Denken haben, das der Leichnam dessen ist, was wir vor dem irdischen Dasein hatten. Und die zwei Dinge will heute der Mensch zusammenbringen: er will den Rest, das Übriggelassene des vorirdischen Lebens anwenden auf das irdische Leben.

[ 8 ] And so it is strange that, upon our birth, we enter the earthly world, yet possess a mind that is the remnant of what we had before our earthly existence. And today, human beings seek to bring these two things together: they want to apply what remains—the remnants—of their pre-earthly life to their earthly life.

[ 9 ] Und das ist es, was seit dem 15. Jahrhundert fortwährend als alle möglichen Denk- und Erkenntniszweifel heraufgestiegen ist. Das ist es, was die großen Verirrungen der Gegenwart ausmacht, das ist es, was den Skeptizismus, die Zweifelsucht in alle möglichen menschlichen Denkweisen hat einziehen lassen; das ist es, was macht, daß heute der Mensch überhaupt nicht mehr einen Begriff vom Erkennen hat. Es gibt ja nichts Unbefriedigenderes, als wenn wir im heutigen Stile gehaltene Erkenntnistheorien durchschauen. Die meisten Wissenschafter tun das gar nicht; sie überlassen das den einzelnen Philosophen. Da kann man ganz merkwürdige Erfahrungen machen.

[ 9 ] And this is what has continually arisen since the 15th century in the form of all manner of doubts regarding thought and knowledge. This is what constitutes the great aberrations of the present; this is what has allowed skepticism—this obsession with doubt—to infiltrate every conceivable human way of thinking; that is what causes people today to have absolutely no concept of knowledge whatsoever. After all, there is nothing more unsatisfying than seeing through theories of knowledge formulated in today’s style. Most scientists do not do this at all; they leave it to individual philosophers. One can have quite remarkable experiences there.

[ 10 ] Ich besuchte einmal — es war im Jahre 1889 in Berlin — den jetzt schon lange verstorbenen Philosophen Eduard von Hartmann, und wir sprachen über erkenntnistheoretische Fragen. Im Verlauf des Gespräches sagte er: Erkenntnistheoretische Fragen sollte man nicht drucken lassen, die sollte man überhaupt nur höchstens mit der Maschine vervielfältigen oder auf irgendeine andere Weise vervielfältigen, denn es gibt in Deutschland überhaupt höchstens sechzig Menschen, die mit erkenntnistheoretischen Fragen sich sachgemäß beschäftigen können.

[ 10 ] I once visited—it was in 1889 in Berlin—the philosopher Eduard von Hartmann, who has long since passed away, and we discussed epistemological questions. In the course of the conversation, he said: Epistemological questions should not be published in print; at most, they should be reproduced by mimeograph or some other means, because there are at most sixty people in Germany who are capable of dealing with epistemological questions in a competent manner.

[ 11 ] Also denken Sie sich: unter jeder Million einen! Natürlich sind unter einer Million Menschen mehr als ein Wissenschafter oder wenigstens mehr als ein gebildeter Mensch. Aber mit Bezug auf das wirkliche Eingehen auf erkenntnistheoretische Fragen wird wahrscheinlich Eduard von Hartmann schon recht gehabt haben, denn wenn man absieht von den Kompendien, welche die Kandidaten an den Universitäten rasch durchhecheln müssen zu gewissen Prüfungen, so wird man nicht viele Leser für erkenntnistheoretische Schriften finden, wenn sie im heutigen Stile, aus der heutigen Denkweise heraus geschrieben sind.

[ 11 ] So just imagine: one in every million! Of course, among a million people there are more than one scientist—or at least more than one educated person. But when it comes to truly engaging with epistemological questions, Eduard von Hartmann was probably right, because if one sets aside the compendia that university students must quickly plow through to prepare for certain exams, one will not find many readers for epistemological writings if they are written in today’s style and from today’s perspective.

[ 12 ] Und so wird eben, möchte man sagen, fortgewurstelt. Man treibt Anatomie, Physiologie, Biologie, Geschichte und so weiter, kümmert sich nicht darum, ob man durch diese Wissenschaften auch wirklich das Reale erkennt, sondern man geht eben in dem Trott fort. Aber diese fundamentale Tatsache, die müßte eigentlich einmal der Menschheit ganz klarwerden: daß der Mensch in dem Denken, das gerade das abstrakte Denken ist, weil er es so lichtvoll hat, etwas im höchsten Sinne Überirdisches in sich trägt, während er im Erdenleben immer nur das Irdische um sich hat. Beide Dinge passen gar nicht zusammen.

[ 12 ] And so, one might say, we just muddle along. We study anatomy, physiology, biology, history, and so on, without caring whether these sciences actually allow us to perceive reality; we simply carry on in the same old rut. But this fundamental fact really ought to become crystal clear to humanity once and for all: that in thinking—which is precisely abstract thinking, precisely because it is so luminous—human beings carry within themselves something supernatural in the highest sense, whereas in earthly life they are always surrounded only by the earthly. The two things do not fit together at all.

[ 13 ] Nun können Sie die Frage aufwerfen: Paßten denn die Gedankenbilder, die sich die Menschen früher gemacht haben, besser zu dem, was der Mensch innerlich hatte, wo er noch ein lebendiges Denken hatte? Und da muß man sagen: Ja. — Und dafür will ich Ihnen den Grund angeben.

[ 13 ] Now you might ask: Did the mental images that people used to form in the past correspond better to what people had within themselves, back when they still possessed a living thought life? And to that, one must say: Yes. — And I will explain the reason for this.

[ 14 ] Bei dem heutigen Menschen ist es doch so, daß er von seiner Geburt bis zum siebenten Jahre in dem Ausgestalten seines physischen Leibes lebt, daß er dann, indem er in dem Ausgestalten seines physischen Leibes lebt, bis zum siebenten Jahre dahin gekommen ist, nun auch seinen Ätherleib immer mehr und mehr auszugestalten; das geschieht vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre. Dann gestaltet der Mensch seinen astralischen Leib aus, das geschieht vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Jahre. Dann gestaltet er seine Empfindungsseele aus bis zum achtundzwanzigsten Jahre, dann bis zum fünfunddreißigsten Jahre die Verstandes- oder Gemütsseele, dann die Bewußtseinsseele. Dann kann man nicht mehr sagen, er gestaltet aus, aber er wird ausgestaltet, indem das Geistselbst, das ja erst in zukünftigen Zeiten entwickelt wird, aber dennoch an seiner Entwickelung jetzt schon Teil hat, vom zweiundvierzigsten Jahre an ausgebildet wird. Und dann geht es so weiter.

[ 14 ] In the case of modern human beings, it is true that from birth until the age of seven they live in the process of forming their physical body; and that, by living in this process of forming their physical body, they have reached the point by the age of seven where they also begin to form their etheric body more and more; this takes place from the seventh to the fourteenth year. Then the human being develops his astral body; this takes place from the fourteenth to the twenty-first year. Then he develops his feeling soul until the twenty-eighth year, then his intellectual or emotional soul until the thirty-fifth year, and finally his conscious soul. At that point, one can no longer say that the person is developing these bodies; rather, they are being fully formed as the spiritual self—which, though it will only be fully developed in the future, nevertheless already participates in this process—begins to take shape from the age of forty-two onward. And then the process continues in this way.

[ 15 ] Nun ist dies ein außerordentlich wichtiger Zeitraum, vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Lebensjahr. Dieser Zeitraum hat sich für das menschliche Leben seit dem 15. Jahrhundert ganz wesentlich geändert. Bis zum 15. Jahrhundert haben die Menschen in dieser Zeit immer noch Einflüsse von dem umgebenden Weltenäther gehabt. Man kann sich heute schwer vorstellen — weil es eben ganz und gar nicht mehr der Fall ist —, wie die Menschen Einflüsse von dem umgebenden Weltenäther hatten. Sie hatten sie aber. Die Menschen machten gewissermaßen zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Jahre, ich möchte sagen, eine Art Auflebe-Erfahrung in sich durch. Es war wie etwas, was sich neu belebte in ihnen. Mit diesen Wahrnehmungen hing ja das zusammen, daß man eigentlich in diesen älteren Zeiten den Menschen im achtundzwanzigsten Jahre zur Meisterschaft kommen ließ in irgendeinem Fache, weil er mit diesem achtundzwanzigsten Jahre erst in einer besonderen Weise — wenn auch natürlich nicht stark, aber in einer besonderen, schwachen Weise — wiederum auflebte. Er bekam einen neuen Impuls. Das ist deshalb gewesen, weil die ganze universelle, umfassende Atherwelt, die ja uns alle außer der physischen Welt umgibt, auf den Menschen wirkte.

[ 15 ] Now, this is an extraordinarily important period of life, from the age of twenty-eight to thirty-five. This period has changed quite significantly for human life since the 15th century. Up until the 15th century, people during this time were still subject to influences from the surrounding world-ether. It is hard to imagine today—precisely because it is no longer the case at all—how people were influenced by the surrounding world ether. But they were. Between the ages of twenty-eight and thirty-five, people underwent, so to speak, a kind of experience of reawakening within themselves. It was as if something within them was coming to life anew. These perceptions were, in fact, connected to the fact that in those earlier times, people were allowed to attain mastery in a particular field by the age of twenty-eight, because it was only at the age of twenty-eight that they came to life again in a special way—albeit not strongly, of course, but in a special, subtle way. They received a new impulse. This was because the entire universal, all-encompassing etheric world—which, after all, surrounds us all beyond the physical world—was acting upon the human being.

[ 16 ] In den ersten sieben Lebensjahren, da wirkte sie durch die Vorgänge, die sich im physischen Leibe abspielten, hindurch, nicht direkt wirkte sie auf den Menschen. Und so wirkte sie auch noch nicht bis zum vierzehnten Jahre direkt, ja, nicht bis zum achtundzwanzigsten Jahre, wo sie noch das Empfindungsleben zu passieren hatte. Aber als der Mensch dann in das Verstandes- oder Bewußtseinsleben der damaligen Zeit eintrat, da wirkte der Äther neu belebend auf ihn.

[ 16 ] During the first seven years of life, it worked through the processes taking place in the physical body; it did not act directly upon the human being. Nor did it act directly until the age of fourteen—indeed, not until the age of twenty-eight, when it still had to pass through the life of feeling. But when the human being then entered the life of the intellect or consciousness of that time, the ether had a revitalizing effect on him.

[ 17 ] Das haben wir verloren. Wir wären auch niemals zu der heutigen Selbständigkeit des individuell-persönlichen Menschen gekommen, wenn wir dieses nicht verloren hätten. Und mit diesem hängt es zusammen, daß die ganze innere Seelenverfassung des Menschen seit jener Zeit eben eine andere geworden ist.

[ 17 ] We have lost that. We would never have attained the independence of the individual, personal human being that we have today if we had not lost it. And it is connected to this that the entire inner state of the human soul has, in fact, become a different one since that time.

[ 18 ] Da müssen Sie schon einen Begriff aufnehmen, der vielleicht für das heutige Denken außerordentlich schwierig ist, aber der trotzdem auch wiederum außerordentlich wichtig ist.

[ 18 ] Here you have to introduce a concept that may be extremely difficult for today's way of thinking, but which is nonetheless also extremely important.

[ 19 ] Nicht wahr, im physischen Leben, da sind wir uns ganz klar darüber: Dasjenige, was erst in der Zukunft geschieht, das ist heute noch nicht da. Das ist aber im ätherischen Leben nicht so. Im ätherischen Leben ist die Zeit gewissermaßen eine Art Raum, und das, was einmal da sein wird, wirkt auch schon auf das Vorhergehende, wie auch auf das Nachfolgende. Aber das ist nicht wunderbar, denn das tut es im Physischen auch.

[ 19 ] Isn’t it true that in physical life, we are quite clear about this: what will happen in the future does not yet exist today. But this is not the case in etheric life. In the etheric life, time is, in a sense, a kind of space, and what will one day be there already influences both what came before and what comes after. But that is not surprising, for the same thing happens in the physical realm as well.

[ 20 ] Wenn man die Goethesche Metamorphosenlehre wirklich versteht, so wird man sich sagen: In der Wurzel wirkt schon die Blüte der Pflanze. — Das tut sie auch. Und so ist es für alles, was im Ätherischen ist. Da wirkt das Zukünftige schon im Vorhergehenden. So ist es, daß dieses Offensein des Menschen gegenüber der ätherischen Welt schon im Vorhergehenden, zurück bis zur Geburt noch, vorzugsweise auf die menschliche Gedankenwelt wirkt. Dadurch hatte der Mensch wirklich eine andere Gedankenwelt, als er sie in demjenigen Zeitraum hat, der der unsrige ist, wo eben nicht mehr dieses Tor zwischen dem achtundzwanzigsten und fünfunddreißigsten Jahre offen ist, wo dieses Tor geschlossen ist. Der Mensch hatte lebendige Gedanken. Die machten ihn unfrei, aber sie machten zu gleicher Zeit, daß er in einer gewissen Weise mit seiner ganzen Umgebung zusammenhing, daß er sich lebendig in der Welt fühlte.

[ 20 ] If one truly understands Goethe’s theory of metamorphosis, one will say to oneself: The flower of the plant is already at work in the root. — And indeed it is. And so it is for everything that exists in the etheric realm. There, the future is already at work in what has gone before. This is why this openness of the human being to the ethereal world is already at work in what has gone before—all the way back to birth—and affects, above all, the human world of thought. As a result, human beings truly had a different world of thought than they do in the period that is ours, where this gateway between the ages of twenty-eight and thirty-five is no longer open, where this gateway is closed. Human beings had living thoughts. These thoughts made them unfree, but at the same time they ensured that they were connected in a certain way to their entire surroundings, that they felt alive in the world.

[ 21 ] Heute fühlt sich der Mensch eigentlich nur in der toten Welt. Er muß sich in der toten Welt fühlen, weil die lebendige Welt, wenn sie in ihn hereinwirken würde, ihn unfrei machte. Nur dadurch, daß die tote Welt, die nichts in uns will, nichts in uns bestimmen kann, nichts in uns verursachen kann, in uns hereinwirkt, sind wir freie Menschen.

[ 21 ] Today, human beings actually feel at home only in the dead world. They must feel at home in the dead world because the living world, if it were to influence them, would make them unfree. It is only because the dead world—which wants nothing from us, can determine nothing in us, and can cause nothing in us—exerts its influence upon us that we are free human beings.

[ 22 ] Aber auf der andern Seite muß man sich auch darüber klar sein, daß der Mensch gerade durch dasjenige, was er jetzt in voller Freiheit in seinem Inneren hat, durch seine Gedanken, die aber tot sind, kein Verständnis für das umliegende Leben gewinnen kann, sondern nur für den umliegenden Tod.

[ 22 ] But on the other hand, one must also realize that it is precisely because of what a person now possesses within himself in complete freedom—his thoughts, which are, however, dead—that he cannot gain an understanding of the life around him, but only of the death around him.

[ 23 ] Wenn nun in dieser Seelenverfassung keine Veränderung eintreten würde, dann würde die Kultur- und Zivilisationsmißstimmung, die ja so deutlich immer mehr und mehr heraufzieht, immer größer und größer werden müssen, und der Mensch würde eigentlich in bezug auf die innere Sicherheit und Festigkeit seiner Seelenverfassung immer mehr und mehr verflachen müssen. Das würde sich schon viel mehr zeigen, wenn die Menschen unmittelbar auf dasjenige achteten, was sie heute aus dem heraus wissen können, wovon man sagt, daß es sicher ist. Aber sie achten noch nicht darauf. Sie beruhigen sich noch mit alten, traditionellen religiösen Vorstellungen, die sie nicht mehr verstehen, die sich aber fortgepflanzt haben. Bis in die Wissenschaften hinein beruhigen sich die Menschen mit solchen Vorstellungen. Gewöhnlich weiß man gar nicht, wenn man irgendeine Wissenschaft treibt, wie man im Grunde genommen da, wo man anfängt zu begreifen, noch an den alten, traditionellen Vorstellungen festhält, während die neueren Vorstellungen, die nur abstrakte, tote Gedanken sind, überhaupt an das Lebendige gar nicht mehr herankommen.

[ 23 ] If no change were to occur in this state of mind, then the malaise in culture and civilization—which is, after all, becoming increasingly evident—would inevitably grow ever greater, and human beings would, in terms of the inner security and stability of their state of mind, inevitably become more and more shallow. This would become much more apparent if people paid direct attention to what they can already know today from what is said to be certain. But they do not yet pay attention to it. They still take comfort in old, traditional religious ideas that they no longer understand, but which have persisted. Even in the sciences, people take comfort in such ideas. Usually, when one pursues any branch of science, one is completely unaware that, at the very point where one begins to understand, one is still clinging to the old, traditional ideas, while the newer ideas—which are merely abstract, dead thoughts—can no longer come anywhere near the living reality at all.

[ 24 ] Der Mensch ist in der Tat früher dadurch, daß der Äther in ihn hereingewirkt hat, auch mit dem Lebendigen der Sinneswelt in Beziehung gekommen. In derjenigen Zeit, wo der Mensch noch an die geistige Welt geglaubt hat, konnte er auch die Sinneswelt begreifen. Heute, wo er nur mehr an die Sinneswelt glaubt, ist gerade das Eigentümliche, daß seine Gedanken am allergeistigsten sind, wenn auch tot. Es ist eben toter Geist. Aber der Mensch ist sich dessen nicht bewußt, daß er eigentlich heute mit der Erbschaft dessen, was er vor dem irdischen Leben hatte, in die Welt hineinschaut. Hätte er noch lebendige Gedanken, durch den Äther ringsherum belebt, so könnte er in das Lebendige seiner Umgebung hineinschauen. Da er aber von seiner Umgebung nichts mehr empfängt, sondern nur das hat, was er aus einer geistigen Welt geerbt hat, kann er die umliegende physische Welt nicht mehr verstehen.

[ 24 ] In fact, humanity first came into contact with the living aspects of the sensory world through the influence of the ether. In the time when people still believed in the spiritual world, they were also able to comprehend the sensory world. Today, when he believes only in the sensory world, the peculiar thing is that his thoughts are at their most spiritual—even if they are dead. It is, in fact, dead spirit. But human beings are not aware that today they are actually looking into the world through the legacy of what they possessed before their earthly life. If they still had living thoughts, animated by the ether all around them, they could look into the living reality of their surroundings. But since they no longer receive anything from their surroundings, but have only what they have inherited from a spiritual world, they can no longer understand the surrounding physical world.

[ 25 ] Das ist wirklich eine scheinbar paradoxe, aber außerordentlich wichtige Tatsache, die auf die Frage antwortet: Warum sind denn die heutigen Menschen Materialisten? — Sie sind deshalb Materialisten, weil sie zu geistig sind. Sie würden überall die Materie verstehen können, wenn sie das Lebendige, das in aller Materie lebt, erfassen könnten. Da sie aber mit ihrem toten Denken dem Lebendigen gegenüberstehen, machen die Menschen dieses Lebendige selbst zum Toten, sehen überall den toten Stoff; und weil sie zu geistig sind, weil sie in sich nur das haben, was sie vor ihrer Geburt hatten, deshalb werden sie Materialisten. Man wird nicht Materialist, weil man den Stoff erkennt — man erkennt ihn eben nicht —, sondern man wird Materialist, weil man eigentlich gar nicht auf der Erde lebt.

[ 25 ] This is truly a seemingly paradoxical but extraordinarily important fact that answers the question: Why are people today materialists? — They are materialists because they are too spiritual. They would be able to understand matter everywhere if they could grasp the living force that dwells within all matter. But since they confront the living with their dead thinking, people turn this living essence itself into something dead, seeing dead matter everywhere; and because they are too spiritual—because they possess within themselves only what they had before their birth—they therefore become materialists. One does not become a materialist because one recognizes matter—one does not recognize it at all—but rather one becomes a materialist because one does not actually live on Earth at all.

[ 26 ] Und wenn Sie sich fragen: Warum sind diese ausgepichten Materialisten wie Büchner, der dicke Vogt und so weiter, warum sind die so starke Materialisten geworden? — Weil sie zu geistig waren, weil sie eigentlich gar nichts, was sie mit dem Erdenleben verband, in sich gehabt haben, sondern nur das in sich gehabt haben, was sie vor ihrem Erdenleben erlebt hatten, aber erstorben. Es ist wirklich ein tiefes Geheimnis, diese merkwürdige Erscheinung der Menschheitszivilisation, dieser Materialismus.

[ 26 ] And if you ask yourself: Why have these extreme materialists—like Büchner, the fat Vogt, and so on—become such staunch materialists? — Because they were too intellectual; because they actually had nothing within themselves that connected them to earthly life, but only what they had experienced before their earthly life—which had since died away. This strange phenomenon of human civilization—this materialism—is truly a profound mystery.

[ 27 ] Nun kann der Mensch in diesem Zeitraum nicht anders über die toten Gedanken hinüberkommen — weil sie ihm nicht mehr von außen, von dem Äther belebt werden — als dadurch, daß er sie selber belebt. Und das kann er nur tun, indem er das Lebendige, wie es in der Anthroposophie gemeint ist, in seine Gedankenwelt aufnimmt, die Gedanken belebt, und wiederum unabhängig untertaucht in das Lebendige gerade der Sinneswelt. Also der Mensch muß sich innerlich selber beleben. Die toten Gedanken muß er durch innerliche Seelenarbeit beleben, und er wird über den Materialismus hinauswachsen.

[ 27 ] During this period, human beings have no other way of transcending dead thoughts—because they are no longer animated from the outside, from the ether—than by animating them themselves. And they can do this only by incorporating the living, as understood in anthroposophy, into their world of thought, by enlivening their thoughts, and by immersing themselves once again, independently, in the living essence of the sensory world itself. Thus, human beings must enliven themselves from within. They must enliven their dead thoughts through inner soul work, and in this way they will transcend materialism.

[ 28 ] Dann wird der Mensch anfangen, überhaupt die Dinge seiner Umgebung in einer andern Weise zu beurteilen. Und von solchen Beurteilungsmöglichkeiten haben Sie ja auch von diesem Orte aus hier schon das Verschiedenste gehört.

[ 28 ] Then people will begin to evaluate the things around them in a different way altogether. And you have already heard a wide variety of such perspectives right here.

[ 29 ] Wollen wir uns einmal heute ein besonderes Kapitel vor Augen stellen. Da sehen wir in unserer Umgebung, sagen wir, die Pflanzenwelt. Wir wissen von einem großen Teile der Pflanzenwelt: Tiere und Menschen können diese Pflanzen genießen; sie werden in ihnen durch die Ernährung, durch die Verdauung verarbeitet. Sie können sich in der Weise, wie man das gewöhnlich andeutet, mit der tierischen, mit der menschlichen Organisation vereinigen. Nun treffen wir plötzlich auf eine Giftpflanze, sagen wir, auf das Gift, das im Bilsenkraut oder in der Belladonna ist. Wir müssen uns fragen: Was liegt denn da eigentlich vor? Da treffen wir plötzlich mitten in dem andern Pflanzenwachstum etwas, was sich nicht mit der tierischen und menschlichen Organisation so vereinigt, wie das andere, das im Pflanzenleben wirkt.

[ 29 ] Let’s take a closer look at a special topic today. We see, for example, the plant world around us. We know that a large part of the plant world can be enjoyed by animals and humans; these plants are processed within them through nutrition and digestion. They can, as is commonly suggested, become integrated with the animal and human organisms. Now we suddenly encounter a poisonous plant—let’s say, the poison found in henbane or belladonna. We must ask ourselves: What is actually going on here? Suddenly, in the midst of other plant growth, we encounter something that does not unite with the animal and human organism in the same way as the other elements that are active in plant life.

[ 30 ] Machen wir uns einmal klar, worauf denn das Pflanzliche beruht. Ich habe ja das schon öfter angedeutet. Wir stellen uns die Erdoberfläche vor. Die Pflanze wächst aus der Erdoberfläche heraus. Wir wissen, die Pflanze hat ihre physische Organisation. Sie ist von ihrem Ätherleib durchdrungen. Aber die Pflanze würde sich nicht entfalten können, wenn sie nicht, wie ich das öfter schon dargestellt habe, von oben herunter zur Blüte hin berührt würde von dem astralischen Elemente, das überall ausgebreitet ist (siehe Zeichnung, lila). Die Pflanze hat nicht einen astralischen Leib in sich, aber das Astralische berührt überall die Pflanze. Die Pflanze nimmt in der Regel das Astralische nicht in sich auf, sie läßt sich nur berührt werden davon. Sie verarbeitet in sich das Astralische nicht. Sie lebt nur in einer Wechselwirkung; nach oben, nach dem Blühenden und Fruchtenden zu lebt sie in einer Wechselwirkung mit dem Astralischen. Das Astralische verbindet sich nicht mit dem Ätherleib oder mit dem physischen Leib der Pflanze, in der Regel.

[ 30 ] Let’s take a moment to clarify what the plant realm is based on. I have, after all, alluded to this on several occasions. Let’s imagine the Earth’s surface. The plant grows out of the Earth’s surface. We know that the plant has its physical organization. It is permeated by its etheric body. But the plant would not be able to unfold if it were not—as I have often described—touched from above, down toward the flower, by the astral element that is spread out everywhere (see drawing, purple). The plant does not have an astral body within itself, but the astral touches the plant everywhere. As a rule, the plant does not take the astral into itself; it merely allows itself to be touched by it. It does not process the astral within itself. It lives solely in a state of interaction; as it grows upward toward flowering and fruiting, it lives in a state of interaction with the astral. As a rule, the astral does not combine with the plant’s etheric body or with its physical body.

[ 31 ] Bei der Giftpflanze ist es anders. Bei der Giftpflanze liegt das Eigentümliche vor, daß das Astralische in das Pflanzliche eindringt und sich mit dem Pflanzlichen verbindet. So daß, wenn wir die Belladonna haben, oder sagen wir das Bilsenkraut, Hyoscyamus, dann saugt gewissermaßen solch eine Pflanze das Astralische stärker oder schwächer auf und trägt ein Astralisches in sich; natürlich auf eine ungeordnete Weise, denn trüge sie es in geordneter Weise in sich, müßte sie ja Tier werden. Sie wird nicht Tier, sie trägt das Astralische in einer Art gepreßten Zustandes in sich.

[ 31 ] With poisonous plants, it is different. The distinctive feature of poisonous plants is that the astral element penetrates the plant and unites with it. So when we have belladonna, or let’s say henbane (Hyoscyamus), such a plant, so to speak, absorbs the astral aspect to a greater or lesser degree and carries an astral element within itself; naturally in a disordered manner, for if it carried it within itself in an ordered way, it would have to become an animal. It does not become an animal; it carries the astral within itself in a kind of compressed state.

[ 32 ] Dadurch stellt sich ein besonderes Wechselverhältnis ein zwischen dem, was da in einer astralisch gesättigten Pflanze und in dem tierischen und menschlichen Organismus vorhanden ist. Essen wir Pflanzen, die nicht giftig sind, wie man sagt, so nehmen wir nicht nur das von der Pflanze auf, was, ich möchte sagen, der Chemiker im Laboratorium von der Pflanze verarbeitet, wir nehmen nicht bloß das Stoffliche auf, wir nehmen auch das Ätherische, Lebenskräftige auf, müssen es allerdings, wie ich ja auch hier einmal ausgeführt habe, gerade während unseres Ernährungsprozesses zur vollständigen Tötung bringen. Das ist ja notwendig, daß der Mensch, indem er sich nährt aus dem Lebendigen, das Lebendige dann in sich selber zur vollständigen Tötung bringt. Er muß also in sich das Ätherische aus dem Pflanzlichen herausarbeiten.

[ 32 ] This gives rise to a special interrelationship between what is present in an astral-saturated plant and what is present in the animal and human organisms. When we eat plants that are not poisonous, as they say, we do not merely take in what, I might say, a chemist in a laboratory extracts from the plant; we do not merely take in the material substance, but we also take in the ethereal, life-giving substance—which, however, as I have explained here before, we must bring to complete death precisely during our process of digestion. It is indeed necessary that, by nourishing oneself from the living, a person then brings the living within oneself to complete destruction. One must therefore extract the ethereal essence from the plant within oneself.

[ 33 ] Nun haben wir im unteren Menschen, in dem Stoffwechselmenschen, diesen merkwürdigen Prozeß: Wir genießen die Pflanze, das Pflanzlich-Stoffliche — es ist auch noch beim Gekochten das der Fall, aber insbesondere stark der Fall, wenn wir rohe Birnen oder rohe Apfel oder rohe Beeren essen —, wir pressen das Ätherische heraus und nehmen in unseren eigenen Ätherleib das Kraftgebilde auf, welches der Pflanze zugrunde liegt. Die Pflanze hat ja eine bestimmte Form, eine bestimmte Gestalt. Diese Gestalt, die wir da aufnehmen — das zeigt sich dem hellseherischen Bewußtsein —, die ist sogar nicht immer gleich der Gestalt, die wir äußerlich sehen. Es ist etwas Verschiedenes. Es quillt die Gestalt der Pflanze in uns auf, und sie paßt sich in einer merkwürdigen Weise dem menschlichen Organismus an.

[ 33 ] Now, in the lower human being—the metabolic human—we find this remarkable process: We consume the plant, the plant-material substance—this is also the case with cooked food, but it is particularly pronounced when we eat raw pears, raw apples, or raw berries—we extract the ethereal essence and absorb into our own etheric body the force-structure that underlies the plant. The plant, after all, has a specific form, a specific shape. This shape that we take in—as revealed to the clairvoyant consciousness—is not always the same as the shape we see externally. It is something different. The shape of the plant wells up within us, and it adapts to the human organism in a remarkable way.

[ 34 ] Nun tritt etwas sehr Eigentümliches auf. Denken Sie sich also — man muß natürlich dabei etwas paradox reden, aber die Dinge sind doch so richtig —, nehmen Sie an, Sie essen Kohl, so ist da im unteren Menschen ein ganz bestimmtes Gebilde zunächst aufleuchtend (blau). Es besteht eine Tätigkeit im Stoffwechselmenschen, im unteren Menschen, die die Folge ist davon, daß der Mensch diesen Kohl gegessen hat.

[ 34 ] Now something very peculiar happens. So imagine—one must, of course, speak somewhat paradoxically here, but the things are nevertheless true—suppose you eat cabbage; then, in the lower human being, a very specific formation first appears luminous (blue). There is an activity in the metabolic human being, in the lower human being, that is the result of the human being having eaten this cabbage.

[ 35 ] In demselben Maße, in dem diese Tätigkeit im unteren Menschen auftritt durch das Kohlessen, entsteht im oberen Menschen, im Kopfmenschen, das Negativ davon, ich möchte sagen, der leere Raum, der dem entspricht, ein Abbild, ein richtiges Negativ. Wenn ich also, sagen wir, die Form, die da unten entsteht, so zeichne, dann entsteht im oberen Menschen ein Abbild (blau, rot), ein Hohlgebilde. Es ist tatsächlich so, der Kohl erzeugt in uns eine bestimmte Form, und das Negativ davon, das entsteht in unserem Kopf.

[ 35 ] To the same extent that this activity occurs in the lower human being through the consumption of cabbage, its negative—I would say, the empty space that corresponds to it—arises in the upper human being, the head human: an image, a true negative. So if I were to, say, draw the form that arises down there, then a reflection (blue, red)—a hollow structure—arises in the higher human being. It is indeed the case that cabbage produces a certain form within us, and its negative arises in our head.

[ 36 ] Und in dieses, ich möchte sagen, Negativ des Kohles nehmen wir nun die äußere Welt auf. Die kann uns ihre Eindrücke hereingeben, weil wir so gewissermaßen den leeren Raum in uns tragen — es ist natürlich alles nur approximativ ausgedrückt —, und so wirken alle Pflanzen, die Nährmittel sind, in uns. Nehmen Sie an, wir haben das, was man gewöhnlich Nährmittel nennt, aufgenommen, so besteht der Zusammenhang ihrer Form nur insoweit intensiv, daß wir ihn fortwährend im Laufe von vierundzwanzig Stunden auflösen müssen. Einmal Wachen und Schlafen löst ihn auf. Er muß immer wieder neu gebildet werden. Das ist bei denjenigen Pflanzen der Fall, die in ihrem natürlichen Wachstum physischen Leib und Ätherleib haben und sich gewissermaßen von dem Astralischen nur umspülen lassen.

[ 36 ] And into this—I would say—“negative” of coal, we now take in the external world. It can impart its impressions to us because we carry, so to speak, an empty space within us—though, of course, this is all expressed only approximately—and this is how all plants that serve as nourishment take effect within us. Suppose we have ingested what is commonly called food; the connection to its form is intense only to the extent that we must continually dissolve it over the course of twenty-four hours. The cycle of waking and sleeping dissolves it. It must be reformed again and again. This is the case with those plants that, in their natural growth, possess a physical body and an etheric body and are, so to speak, merely enveloped by the astral.

[ 37 ] Nehmen wir aber an, wir nehmen den Saft des Bilsenkrautes zu uns. Da haben wir eine Pflanze, die in sich das Astralische aufgesaugt hat, und die dadurch, daß sie das Astralische aufgesaugt hat, einen viel stärkeren Formzusammenhang hat, so daß da unten eine viel festere Form entsteht, die wir nicht so leicht verarbeiten können, die sich sogar als selbständig geltend macht. Dadurch entsteht ein ausgesprocheneres, intensiver wirkendes Negativ.

[ 37 ] But let’s suppose we consume the juice of henbane. We then have a plant that has absorbed the astral into itself, and because it has absorbed the astral, it possesses a much stronger structural coherence, so that a much more solid form arises down below—one that we cannot process so easily, one that even asserts itself independently. This results in a more pronounced, more intensely acting negative force.

[ 38 ] Und nehmen wir jetzt an, irgendein Mensch hat ein seine Struktur nicht ordentlich aufrechterhaltendes Gehirn, er neigt zu Dämmerzuständen, weil sein astralischer Leib nicht fest genug im physischen Leib des Gehirnes drinnen ist. Er nimmt den Saft des Bilsenkrautes zu sich; dadurch entsteht eine intensive Pflanzenform, die ein starkes Negativ bildet. Und so können in dem Menschen, dessen Gehirn gewissermaßen zu weich ist, dadurch, daß man den Ätherleib seines Unterleibes verstärkt, eine starke Form durch das Bilsenkraut da hineinbringt, deutliche Gedanken in ihm entstehen, der Dämmerzustand kann abdämmern. Ist er dann in seiner übrigen Organisation stark genug, um — wenn er das öfter gegen seine Dämmerzustände als Arznei verordnet bekommt — seine entsprechenden Lebenskräfte aufzurufen, so daß diese dadurch wieder reger gemacht werden und sein Gehirn wieder in Ordnung kommt, dann kann er durch ein solches Gift eben über seine Neigung zu Dämmerzuständen wieder hinausgebracht werden.

[ 38 ] And now let us suppose that a person has a brain that does not properly maintain its structure; he tends to experience states of drowsiness because his astral body is not firmly enough anchored within the physical body of the brain. He ingests the juice of henbane; this gives rise to an intense plant form that creates a strong negative. And so, in a person whose brain is, so to speak, too soft, by strengthening the etheric body of his lower abdomen and introducing a strong form into it through the henbane, clear thoughts can arise within him, and the drowsy state can subside. If he is then strong enough in the rest of his constitution—when he is prescribed this more frequently as a remedy for his drowsy states—to mobilize his corresponding vital forces, so that these are thereby revitalized and his brain returns to normal, then he can be brought out of his tendency toward drowsy states through such a poison.

[ 39 ] In einer ganz ähnlichen Weise wirkt zum Beispiel die Belladonna auf den Menschen. Die Belladonna wirkt durchaus so, daß folgendes eintritt. Ich möchte es schematisch zeichnen. Durch den Belladonnagenuß — der ja kein «Genuß» ist natürlich — wird der Ätherleib von einem starken Gerüste durchzogen. Wenn sie also in einer entsprechenden Dosis genommen wird, so daß der Mensch sie vertragen kann aber man kann ja überhaupt nur durch eine Arznei geheilt werden, wenn man sie ertragen kann —, so wird also gewissermaßen dem Ätherleib des Unterleibes ein starkes Gerüste eingebaut. Dieses starke Gerüste erzeugt richtig sein Negativ im Kopfe. Und auf dieser Wechselwirkung des Positivs und Negativs beruht der Heilungsprozeß, auf den man bei der Belladonna rechnet.

[ 39 ] Belladonna, for example, affects humans in a very similar way. Belladonna acts in such a way that the following occurs. I would like to illustrate this schematically. Through the ingestion of belladonna—which, of course, is not a “pleasure”—the etheric body is permeated by a strong framework. So when it is taken in an appropriate dose—one that the person can tolerate (for, after all, one can only be healed by a remedy if one can tolerate it)—a strong framework is, so to speak, built into the etheric body of the lower abdomen. This strong framework actually produces its negative counterpart in the head. And the healing process expected from belladonna is based on this interaction between the positive and the negative.

[ 40 ] Sie müssen sich nur darüber klar sein, daß, wenn man zu solchen Wirkungen kommt, man die räumliche Verteilung nicht mehr braucht. Der heutige Mensch mit seinem toten, aber massiven Verstande, kann sich nur denken: wenn in seinem Bauch etwas vorgeht, dann kann es nur dadurch ins Gehirn kommen, daß es sichtbarlich hinauffließt. Das ist aber nicht der Fall, sondern Prozesse des Unterleibes rufen als ihr Gegenbild Prozesse des Kopfes hervor, ohne daß eine räumliche Verteilung da ist. Man kann es durchaus, wenn man den Ätherleib zu beobachten vermag, sehen, wie es im Ätherleib des Unterleibes hell wird, hell aufglänzt in regelmäßiger Gestalt (rot), wie es im Kopfe dunkel wird (grün), aber die Form nachgebildet wird als Negativ, ohne daß eine räumlich-physische Verteilung da ist.

[ 40 ] You just need to realize that once you arrive at such effects, you no longer need the spatial distribution. Modern people, with their dead but massive intellect, can only imagine that if something is happening in their abdomen, it can only reach the brain by visibly flowing upward. But that is not the case; rather, processes in the lower abdomen give rise to corresponding processes in the head, without any spatial distribution being involved. If one is able to observe the etheric body, one can indeed see how it becomes bright in the etheric body of the lower abdomen, shining brightly in a regular pattern (red), while it becomes dark in the head (green), yet the form is reproduced as a negative image without any spatial-physical distribution being present.

[ 41 ] Daß die Natur überall nach solchen Dingen strebt, das können Sie sich ja versinnbildlichen. Sie wissen, nicht wahr, eine anständige Wespe hat vorn eine Art Kopf, dann eine Art Hinterleib und die Flügel. Das ist eine anständige Wespe. Aber es gibt auch Wespen, Sandwespen, welche so ausschauen (Zeichnung unten):

[ 41 ] You can certainly visualize how nature strives for such things everywhere. You know, don’t you, that a typical wasp has a sort of head in front, then a sort of abdomen, and wings. That’s a typical wasp. But there are also wasps—sand wasps—that look like this (drawing below):

[ 42 ] Sie haben hier einen Stiel und schleppen dahinten ihren Hinterleib nach. Da ist schon im Physischen diese Verbindung zwischen dem Vorderleib und dem Hinterleib auf ein Minimum reduziert; dieser Stiel ist sehr reduziert.

[ 42 ] They have a stalk here and drag their abdomen behind them. Physically, this connection between the anterior and posterior parts of the body is already reduced to a minimum; this stalk is very reduced.

[ 43 ] Sobald man ins Geistige hineinkommt, braucht es gar keines so sichtbaren Stieles. Und wenn Sie zu gewissen Elementarwesen in der elementarischen Welt kommen — Sie wissen, ich habe ja neulich von den Elementarreichen gesprochen —, da sehen Sie zum Beispiel irgendein Wesen, dann ist nichts da, weit weg ist etwas anderes, und nach und nach kommen Sie erst darauf: die gehören zusammen; wo das eine hingeht, geht das andere hin. So daß Sie also da in die ganz merkwürdige Lage kommen — in der elementarischen Welt kann es so sein —, da haben Sie irgendwo ein Stück eines elementar-ätherischen Organismus, und hier das andere Stück, jetzt einen nächsten Zustand (siehe Zeichnung unten) zum Beispiel so: der hat sich umgedreht, aber da ist nicht ein Stiel oder ähnliches und das ist nicht etwa so, daß wenn das eine Stück sich umdreht, das andere einfach direkt daherlaufen könnte, sondern es muß den Weg machen, den das andere gemacht hat.

[ 43 ] As soon as you enter the spiritual realm, there’s no need for such a visible stem at all. And when you encounter certain elemental beings in the elemental world—you know, I spoke recently about the elemental realms—you might see, for example, one being, and then there’s nothing there; something else is far away, and only gradually do you realize: they belong together; wherever one goes, the other goes too. So you find yourself in a very strange situation—this can happen in the elemental world— where you have one part of an elemental-etheric organism somewhere, and here the other part, now in a subsequent state (see drawing below), for example, like this: it has turned around, but there is no stem or anything like that, and it’s not as if, when one part turns around, the other could simply come running straight over—rather, it must follow the path that the other has taken.

[ 44 ] Sie sehen also, es handelt sich darum, daß man in der Tat einen Zusammenhang finden kann für diejenigen Stoffe, die der menschliche und tierische Organismus nicht unmittelbar zerstören kann, die intensivere, bleibendere — wenn ich mich so ausdrücken darf — Gerüste erzeugen, daß man einen Zusammenhang finden kann mit dem, was dann an einem ganz andern Ort des menschlichen Organismus wiederum Struktur hervorrufend, organisierend, gesundend mit andern Worten, wirken kann.

[ 44 ] So you see, the point is that one can indeed find a connection between those substances that the human and animal organisms cannot immediately break down—the more intense, more enduring ones—if I may put it that way — frameworks—and that one can find a connection with what can then, in a completely different part of the human organism, in turn have a structuring, organizing, and healing effect, in other words.

[ 45 ] Das gibt Ihnen nun einen Ausblick, wie die Welt wiederum belebt werden kann für die Beobachtung des Menschen. Der Mensch hat dadurch, daß er nur die Erbschaft aus der geistigen Welt heute hat, keine Möglichkeit, an die lebendige Umgebung heranzukommen. Gerade die Sinneswelt begreift er eigentlich nicht. Er wird sie wieder begreifen, er wird wiederum hinschauen auf dasjenige, was das sinnliche Denken in bezug auf das ganze Weltenall ist. Dann wird er aus dem ganzen Weltenall heraus finden, warum die Dinge in diesem oder jenem Zusammenhang stehen, warum also eine giftlose Pflanze zum menschlichen und tierischen Leibe in einem andern Zusammenhang steht als eine giftige Pflanze. Eine Belebung des ganzen menschlichen Daseins ist nur auf diese Weise möglich.

[ 45 ] This gives you a glimpse of how the world can once again be brought to life for human observation. Because humans today possess only the legacy from the spiritual world, they have no way of connecting with their living environment. In fact, they do not truly comprehend the sensory world. They will come to understand it again; they will once more look upon what sensory thinking is in relation to the entire universe. Then, from within the entire universe, they will discover why things are connected in this or that way—why, for example, a non-poisonous plant relates to the human and animal bodies differently than a poisonous plant does. Only in this way is it possible to revitalize the whole of human existence.

[ 46 ] Nun kann es ja dem heutigen Bequemling so vorkommen, daß er sagt: Die früheren Menschen haben es doch besser gehabt, auf die hat noch die Umgebung des Äthers gewirkt, die haben lebendige Gedanken gehabt, die haben noch so etwas begriffen, wie den wirklichen Unterschied zwischen giftigen und giftlosen Pflanzen. — Sie wissen, die Tiere tun das heute noch, denn bei denen kommen nicht abstrakte Gedanken, die sie von der Welt loslösen können. Daher unterscheiden die Tiere, wie man sagt, aus ihrem Instinkte heraus die giftigen von den giftlosen Pflanzen.

[ 46 ] Now, it may well seem to today’s complacent person that he might say: People in the past had it better after all; they were still influenced by the etheric environment, they had living thoughts, and they still understood such things as the real difference between poisonous and non-poisonous plants. — You know, animals still do that today, because they don’t have abstract thoughts that can detach them from the world. That is why animals, as they say, distinguish between poisonous and non-poisonous plants based on their instincts.

[ 47 ] Ja, aber der Mensch wäre — das muß immer wieder und wieder betont werden — nicht zum Gebrauche seiner Freiheit gekommen. Denn dasjenige, was uns in uns lebendig hält bis zum Gedanken hin, beraubt uns der Freiheit. Wir müssen, so paradox das klingt, in bezug auf die Gedanken früherer Erdenleben geradezu ein Nichts werden, dann können wir frei werden. Und wir werden ein Nichts, wenn wir die lebendigen Gedankenwesen, die wir im vorirdischen Dasein hatten, nur als Leichname in uns hereinkriegen, das heißt in ihrem Nichtdasein in uns hereinkriegen. Wir gehen also eigentlich herum mit unseren abgestorbenen Gedanken in bezug auf unser Seelisches in unserem wachen Erdenzustande als Nichtse. Und aus den Nichtsen heraus wird im Grunde erst unsere Freiheit.

[ 47 ] Yes, but human beings would not—and this must be emphasized again and again—have come to exercise their freedom. For that which keeps us alive within ourselves, right down to our thoughts, robs us of our freedom. As paradoxical as it sounds, we must become virtually nothing with regard to the thoughts of our previous earthly lives; only then can we become free. And we become nothing when we take in the living thought-beings we had in our pre-earthly existence merely as corpses within us—that is, when we take them in within us in their non-existence. So we actually go about with our dead thoughts—in relation to our soul life—in our waking earthly state as “nothings.” And it is fundamentally out of these “nothings” that our freedom first arises.

[ 48 ] Die läßt sich schon verstehen. Aber wir können nichts erkennen, wenn wir kein Lebendiges in uns tragen. Wir können das Tote erkennen, aber das Tote bringt uns ja keinen Schritt weiter in unserem lebendigen Verhältnis zur Welt. Und so müssen wir gegenüber der Unterbrechung im Erkennen, die eingetreten ist, unsere Freiheit bewahrend wiederum zu einem Erkennen kommen, indem wir nun im irdischen Leben beginnen, durch menschliches Wollen wiederum unsere Gedanken zu beleben. Dann können wir jeden Moment unterscheiden: dies sind lebendige, das sind tote Gedanken. Wenn wir zu den reinen Gedanken aufsteigen — das habe ich in meiner «Philosophie der Freiheit» beschrieben —, können wir freie Menschen sein. Wenn wir die Gedanken erfühlen, werden wir zwar aus der Freiheit heraustreten, aber dafür auch mit der Umgebung wiederum in Zusammenhang kommen. Wir werden der Freiheit teilhaftig durch das Bewußtsein, daß wir fähig sind, zum reinen Gedanken immer mehr hinzugehen, aus ihm in moralischer Intuition die moralischen Impulse zu entnehmen.

[ 48 ] That is certainly understandable. But we cannot perceive anything if we do not carry something living within us. We can recognize what is dead, but the dead brings us no step further in our living relationship to the world. And so, in the face of the interruption in our cognition that has occurred, we must—while preserving our freedom—return to a state of cognition by beginning, in our earthly life, to enliven our thoughts once more through human will. Then we can distinguish at every moment: these are living thoughts, those are dead thoughts. When we rise to pure thoughts—as I described in my Philosophy of Freedom—we can be free human beings. If we feel our way into our thoughts, we will indeed step out of freedom, but in return we will also reconnect with our surroundings. We partake in freedom through the awareness that we are capable of moving ever closer to pure thought and, from it, deriving moral impulses through moral intuition.

[ 49 ] Wir werden dadurch freie Menschen, müssen aber dadurch auch unser inneres Seelenleben, unsere Seelenverfassung uns erst durch unsere eigene irdische Tat einrichten. Dann können wir allerdings die Folgen dieser irdischen Tat durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hineinnehmen. Denn was individuell erarbeitet ist, geht eben im Weltenall nicht verloren.

[ 49 ] This makes us free human beings, but it also means that we must first shape our inner spiritual life—our spiritual disposition—through our own earthly actions. Only then can we carry the consequences of these earthly actions through the gate of death into the spiritual world. For what has been individually earned is not lost in the cosmos.

[ 50 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen vielleicht heute einiges Schwierige zugemutet, aber Sie sehen ja aus der Betrachtung auch, daß wir in der Tat der Welt dadurch näherkommen, daß wir den Menschen verstehen lernen, und namentlich die Verhältnisse auch des physischen Menschen — des scheinbar physischen Menschen, denn er ist ja nicht ein physischer Mensch, er ist immer durchdrungen von den höheren Gliedern des Organismus — zu dem andern der sich physisch offenbarenden Welt, wie wir das an den Giftpflanzen kennengelernt haben.

[ 50 ] Well, my dear friends, I may have asked a great deal of you today, but you can see from this discussion that we do indeed draw closer to the world by learning to understand human beings, and in particular the conditions of the physical human being—the seemingly physical human being, for he is not, after all, a purely physical being, he is always permeated by the higher members of the organism—to the other aspect of the world that manifests itself physically, as we have learned from the poisonous plants.

[ 51 ] Nun ist es doch so gekommen, daß ich morgen noch da sein muß, und daher kann ich für diejenigen, die das hören wollen, auch noch morgen abends um acht Uhr einen Vortrag halten.

[ 51 ] As it turns out, I’ll still be here tomorrow, so for those who’d like to hear it, I can also give a lecture tomorrow evening at 8:00 p.m.