Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 222
23 March 1923, Dornach
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The Stimulation of World-historical Events by Spiritual Powers, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Als das Wesentliche unserer Gegenwart innerhalb der Menschheitsentwickelung hat sich uns ergeben der Besitz des Erdenmenschen an abstrakten Gedanken, das heißt für uns toten Gedanken, an Gedanken, die in uns so ihr Dasein führen, daß sie eigentlich die Überbleibsel sind des lebendigen Wesens der Seele im vorirdischen Dasein.
[ 1 ] What has emerged to us as the essential aspect of our present time within the course of human development is the earthly human being’s possession of abstract thoughts—that is, thoughts that are dead to us, thoughts that exist within us in such a way that they are, in fact, the remnants of the living essence of the soul in its pre-earthly existence.
[ 2 ] Mit dieser Entwickelungsstufe der Menschheit zu abstrakten, das heißt toten Gedanken hin, ist verknüpft — wie ich des öfteren auseinandergesetzt habe — das Erringen des Freiheitsbewußtseins innerhalb der Menschheitsentwickelung. Wollen wir heute einmal gerade auf diese Seite der Sache ein besonderes Augenmerk wenden. Wir können das, indem wir den ganzen Hergang der Menschheitsentwickelung in der nachatlantischen Zeit ein wenig betrachten.
[ 2 ] Linked to this stage in humanity’s development toward abstract—that is, lifeless—thoughts is—as I have often explained—the attainment of a consciousness of freedom within the course of human development. Let us now turn our special attention to this particular aspect of the matter. We can do this by taking a brief look at the entire course of human development in the post-Atlantean era.
[ 3 ] Sie wissen, daß nach der großen atlantischen Katastrophe sich nach und nach die Gliederung der Erdenkontinente ergeben hat, wie wir sie heute kennen, und daß sich auf dieser Verteilung des festen Landes auf der Erde oder innerhalb der Verteilung des festen Landes auf der Erde nach und nach fünf aufeinanderfolgende Kultur- oder Zivilisationsperioden entwickelt haben, die ich in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» die urindische, die urpersische, die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-lateinische und unsere gegenwärtige fünfte Zivilisationsepoche genannt habe.
[ 3 ] You know that, following the great Atlantean catastrophe, the configuration of the Earth’s continents as we know it today gradually took shape, and that, based on this distribution of the Earth’s landmasses—or within this distribution—five successive cultural or civilizational periods gradually developed, which I have referred to in my Outline of Esoteric Science as the Proto-Indian, the Proto-Persian, the Egyptian-Chaldean, the Greco-Latin, and our present fifth epoch of civilization.
[ 4 ] Diese fünf Zivilisationsepochen unterscheiden sich ja dadurch, daß der Mensch als Gesamtwesen in jeder von ihnen in einer andern Verfassung ist. Wenn wir auf die älteren Zivilisationsepochen zurückgehen, so drückt sich diese Verfassung auch im ganzen Äußeren des Menschen aus, in den, ich möchte sagen, körperlichen Offenbarungen des Menschen. Und je mehr wir in die spätere Zeit, also näher unserer Zivilisationsepoche kommen, um so mehr drückt sich das, was wir den Fortschritt der Menschheit nennen können, in der Seelenverfassung aus. Wir haben ja das, was hierauf bezüglich ist, öfter geschildert. Ich will es heute von einem bisher weniger berücksichtigten Gesichtspunkte aus schildern.
[ 4 ] These five epochs of civilization differ in that human beings, as whole beings, are in a different state in each of them. When we look back at the earlier epochs of civilization, this state is also expressed in the entire outward appearance of human beings—in what I would call their physical manifestations. And the closer we come to later times—that is, to our own epoch of civilization—the more what we might call the progress of humanity is expressed in the state of the soul. We have, of course, described what pertains to this on numerous occasions. Today I wish to describe it from a perspective that has received less attention thus far.
[ 5 ] Wenn wir in die erste, urindische Zivilisationsepoche zurückgehen, die sich, ich möchte sagen, noch halb aus der atlantischen Katastrophe heraus ergeben hat, so finden wir, daß der Mensch sich in dieser Zeit viel mehr als ein Bürger des außerirdischen Kosmos fühlt, denn als ein Erdenbürger. Und wenn wir auf Einzelheiten des damaligen Lebens eingehen, das ja, wie ich Ihnen schon öfter angedeutet habe, in das 7., 8. Jahrtausend der vorchristlichen Zeit zurückführt, so müssen wir namentlich das betonen, daß nicht aus einer intellektuellen Betrachtung — die gab es ja natürlich damals nicht-, aber aus einem tief instinktiven Empfinden heraus in diesen sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung ein großer Wert gelegt wurde auf das Äußere, auf das Exterieur des Menschen. Nicht als ob diese Leute der alten Zeit etwa physiognomische Studien getrieben hätten; das lag ihnen natürlich ganz ferne. So etwas gehört erst Zeitaltern an, in denen der Intellektualismus, wenn auch noch nicht vollkommen ist, doch schon heraufdämmert. Aber sie haben ein feines physiognomisches Empfinden gehabt. Sie haben tief gefühlt, diese Menschen: Wenn einer den oder jenen Gesichtsausdruck hat, so deutet das darauf hin, daß er auch diese oder jene musikalischen Eigenschaften hat. Sie gaben sehr viel darauf, die musikalische Wesenheit des Menschen aus seinem Gesichtsausdruck, aber auch aus seinen Gesten, aus seiner ganzen Menschenoffenbarung heraus, ich möchte fast sagen, zu erraten. Nach einer bestimmteren Art des Erkennens strebte man ja für das allgemein Menschliche in jener alten Zeit nicht. Gar kein Verständnis hätten die Menschen damals gehabt, wenn man ihnen gekommen wäre damit, irgend etwas solle bewiesen werden. Das hätte sie geniert, das hätte ihnen fast physisch wehe getan, ja, in älteren Zeiten wirklich physisch wehe getan. Beweisen, das ist so, wie wenn einen jemand mit Messern bearbeiten will —, so hätten diese Menschen gesagt. Warum soll man denn beweisen? Man braucht ja nichts so Sicheres über die Welt zu wissen, das man erst bewiesen haben muß.
[ 5 ] If we go back to the first, primordial Indian epoch of civilization—which, I would say, had only just emerged from the Atlantean catastrophe—we find that people at that time felt themselves to be citizens of the extraterrestrial cosmos far more than citizens of Earth. And when we examine the details of life at that time—which, as I have often hinted to you, dates back to the 7th 8th millennium B.C., we must emphasize in particular that—not out of intellectual reflection (which, of course, did not exist at that time), but out of a deeply instinctive feeling—great importance was attached in these very ancient times of human development to the outward appearance, to the exterior of the human being. Not that these people of ancient times engaged in physiognomic studies, for example; that was, of course, far beyond their reach. Such things belong to ages in which intellectualism, though not yet fully developed, is already beginning to dawn. But they possessed a subtle physiognomic intuition. These people felt deeply that if someone had a particular facial expression, it indicated that they also possessed certain musical qualities. They placed great importance on discerning a person’s musical nature from their facial expression, but also from their gestures and their entire manner of being—I would almost say, by intuition. After all, in those ancient times, people did not strive for a more precise method of cognition when it came to what is universally human. People back then would have had no understanding at all if someone had come to them claiming that something had to be proven. That would have embarrassed them; it would have caused them almost physical pain—yes, in earlier times, it really would have caused them physical pain. “To prove” is like someone trying to attack you with knives—that is what these people would have said. Why should one prove anything? After all, one does not need to know anything about the world with such certainty that it must first be proven.
[ 6 ] Das hängt damit zusammen, daß diese Menschen noch das lebendigste Empfinden hatten, sie kommen alle vom vorirdischen Dasein aus der geistigen Welt heraus. In der geistigen Welt, wenn man drinnen ist, beweist man nicht. Da weiß man: Das Beweisen ist eine Angelegenheit, die auf Erden ja ihren guten Sinn hat, aber in der Welt des Geistigen beweist man nicht. Da würde es einem so vorkommen, wenn man beweisen wollte, als ob man, sagen wir, ein bestimmtes Maß hätte: ein Mensch darf so oder so lang sein —, und man macht es dann so, wie nach der Prokrustes-Sage: Demjenigen, der zu lang ist, schneidet man etwas ab, und denjenigen, der zu kurz ist, den dehnt man etwas aus. So etwa würde im ganzen Zusammenhang der geistigen Welt das Beweisen sein. Da sind die Dinge nicht so, daß sie sich schnitzeln lassen in Beweise hinein. Da sind die Dinge innerlich beweglich, innerlich flüssig.
[ 6 ] This is because these people still possessed the most vivid sense of reality; they all came from a pre-earthly existence in the spiritual world. In the spiritual world, once you are there, you do not prove things. There, one knows: proving is a matter that certainly has its purpose on Earth, but in the spiritual world, one does not prove things. If one were to try to prove something there, it would seem as if one were, let’s say, using a specific standard: a person must be this long or that long—and one would then proceed as in the myth of Procrustes: You cut off a bit from those who are too tall, and stretch out those who are too short. That is roughly what proving would be like in the overall context of the spiritual world. Things there are not such that they can be carved into proofs. Things there are inwardly flexible, inwardly fluid.
[ 7 ] Und einem Inder der urindischen Zeit mit seinem starken Bewußtsein: Ich bin herabgestiegen aus der geistigen Welt, ich habe dieses äußere menschliche Wesen nur um mich herumgelegt —, einem solchen Inder würde es ganz kurios vorgekommen sein, wenn man an ihn irgendwie die Zumutung gestellt hätte, etwas solle bewiesen werden. Diese Leute haben: vielmehr das, was wir heute «Erraten» nennen, geliebt. Sie haben es deshalb geliebt, weil sie auf dasjenige aufmerksam sein wollten, was sich in ihrer Umgebung zeigte. Und in dieser Tätigkeit des Erratens haben sie eine gewisse innere Befriedigung gefunden.
[ 7 ] And to an Indian of the primordial Indian era, with his strong sense of: “I have descended from the spiritual world; I have merely wrapped this outer human form around myself”—to such an Indian, it would have seemed quite strange if anyone had in any way demanded of him that something be proven. Rather, these people loved what we today call “guessing.” They loved it because they wanted to be attentive to what manifested itself in their surroundings. And in this activity of guessing, they found a certain inner satisfaction.
[ 8 ] Und ebenso haben sie einen gewissen Instinkt gehabt, aus diesem oder jenem Gesicht auf einen klugen Menschen, aus einem andern Gesicht auf einen törichten Menschen zu schließen, aus einer Statur zu raten auf, sagen wir, Phlegma und dergleichen. Das Erraten war dasjenige, was man dazumal hatte an Stelle dessen, was wir heute beweisendes Erkennen nennen. Und im menschlichen Verkehr lief das ganze gegenseitige Verhalten darauf hinaus, aus dem Seelischen, aus der Geste, aus der Statur des Menschen, aus der Art und Weise wie er ging, darauf zu schließen, was er eigentlich für eine moralische Qualität hatte.
[ 8 ] And likewise, they had a certain instinct for inferring from this or that face that a person was wise, from another face that a person was foolish, and from a person’s build to surmise, say, phlegmatic temperament and the like. Guessing was what people had back then in place of what we today call demonstrative knowledge. And in human interaction, all mutual behavior boiled down to inferring a person’s actual moral character from their inner state, their gestures, their bearing, and the way they walked.
[ 9 ] In der ersten Epoche des urindischen Wesens gab es ja das nicht, was später Kasteneinteilung war. Da gab es im Zusammenhange mit dem urindischen Mysterienwesen durchaus sogar eine Art sozialer Gliederung der Menschen nach den Physiognomien, nach den Gesten. Diese Dinge waren in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung eben möglich, denn die Menschen hatten auch einen gewissen Instinkt, solchen Gliederungen zu folgen. Das, was später innerhalb der indischen Zivilisation sich als Kastenbildung ergeben hat, das war, ich möchte sagen, schon eine Art schematischer Einteilung einer viel individuelleren Gliederung, die man ursprünglich nach der instinktiv gefühlten Physiognomie hatte. Und die Menschen fühlten sich in jenen alten Zeiten nicht verletzt, wenn sie — wenn ich mich so ausdrücken darf — nach ihrem Gesichte da oder dort hingestellt wurden, denn sie fühlten sich eben durchaus als gottgegebene Erdenwesen. Und die Autorität, die denen zukam, die aus den Mysterien heraus solch eine Gliederung besorgten, diese Autorität war eine ungeheure.
[ 9 ] In the first epoch of the primordial Indian way of life, there was, of course, no such thing as the caste system that developed later. In connection with the primordial Indian mystery traditions, there was in fact even a kind of social classification of people based on their physiognomy and gestures. Such things were indeed possible in earlier times of human development, for people also possessed a certain instinct to follow such classifications. What later emerged within Indian civilization as the caste system was, I would say, already a kind of schematic classification derived from a much more individualized system that was originally based on physiognomy perceived instinctively. And in those ancient times, people did not feel offended when they were—if I may put it this way—placed here or there based on their facial features, for they felt themselves to be, quite simply, God-given beings on Earth. And the authority vested in those who, drawing upon the Mysteries, established such a classification—that authority was immense.
[ 10 ] Erst in den späteren nachatlantischen Zivilisationsepochen hat sich allmählich dann das Kastenwesen herausgebildet aus Voraussetzungen, die ich in andern Vorträgen auch schon angegeben habe. Man hatte eben in jener älteren Zeit, in jener urindischen Epoche, ein starkes Gefühl davon, daß der Mensch zugrunde liegend hat eine göttliche Imagination.
[ 10 ] It was not until the later post-Atlantean epochs of civilization that the caste system gradually emerged from conditions that I have already described in other lectures. In that earlier time, in that primordial Indian epoch, there was a strong sense that human beings are fundamentally endowed with a divine imagination.
[ 11 ] Ich habe Ihnen viel erzählt von dem, wie es ursprünglich eine Art instinktiven Hellsehens, traumhaften Hellsehens gegeben hat. Aber wenn wir in ganz alte Zeiten der nachatlantischen Periode zurückgehen, dann sagten die Menschen nicht nur, sie sehen traumhafte Imaginationen, sondern sie sagten: In der besonderen Konfiguration, die der physische Leib des Menschen hat, wenn der Mensch das Erdendasein betritt, lebt eine göttliche Imagination. Dem Menschen, der auf die Erde herabsteigt, wird eine göttliche Imagination zugrunde gelegt. Danach bildete er dann von der Kindheit auf seine Physiognomie, danach bildete er überhaupt den ganzen physischen Ausdruck seines Menschen.
[ 11 ] I have told you a great deal about how there was originally a kind of instinctive clairvoyance, a dreamlike clairvoyance. But if we go back to the very early times of the post-Atlantean period, people did not merely say that they saw dreamlike images; rather, they said: In the specific configuration of the human physical body when a person enters earthly existence, a divine imagination dwells. A divine imagination is laid as the foundation for the person who descends to Earth. From childhood onward, this divine imagination then shaped the person’s physiognomy; indeed, it shaped the entire physical expression of the human being.
[ 12 ] Also man sah nicht nur instinktiv, wie ich es eben angedeutet habe, auf das Physiognomische hin, sondern man sah in dem Physiognomischen die Imagination der Götter. Man sagte sich: Die Götter haben Imaginationen, und diese Imaginationen prägen sie aus in dem physischen Menschenwesen. — Das war die allererste Anschauung über das, was der Mensch als gottgesandtes Wesen auf der Erde ist.
[ 12 ] So people did not merely instinctively focus on physiognomy, as I just suggested, but they saw in physiognomy the imagination of the gods. People said to themselves: The gods have imaginations, and they imprint these imaginations upon the physical human being. — That was the very first conception of what the human being is on Earth as a being sent by the gods.
[ 13 ] Dann kam die zweite nachatlantische Kulturperiode, die urpersische. Da hatte man nicht mehr jenes instinktive Gefühl für das Physiognomische so stark wie früher. Da schaute man nicht auf Imaginationen der Götter, sondern auf Gedanken der Götter. Vorher war es eigentlich so, daß man vorausgesetzt hat: In irgendwelchen göttlichen Wesenheiten lebt, bevor ein Mensch auf die Erde herabsteigt, ein wirkliches Menschenbild. Nachher war die Vorstellung, daß eben Gedanken, Gedanken, die dann zusammen den Logos bildeten — wie man es später nannte —, dem einzelnen Menschenwesen zugrunde liegen.
[ 13 ] Then came the second post-Atlantean cultural epoch, the Proto-Persian one. By then, people no longer had that instinctive sense of the physiognomic as strongly as before. They no longer looked to the gods’ imaginings, but to the gods’ thoughts. Previously, it had actually been assumed that a true image of humanity lived within certain divine beings before a human descended to Earth. Later, the idea was that it was precisely thoughts—thoughts that together formed the Logos, as it was later called—that underlie the individual human being.
[ 14 ] Man hat großen Wert darauf gelegt in dieser zweiten nachatlantischen Periode, ob der Mensch geboren wurde — so paradox uns das heute erscheint, es ist so — bei freundlichem Wetter, ob der Mensch etwa geboren wurde bei Nacht oder bei Tag, zur Winterszeit oder zur Sommerszeit. Intellektuelles gab es nicht, aber man hatte die Empfindung: Was die Götter für eine Himmelskonstellation sein lassen, ob schönes Wetter oder Schneegestöber, ob Tag oder Nacht, wenn sie einen Menschen auf die Erde herunterschicken, das drückt ihre Gedanken aus, das drückt diese göttlichen Gedanken aus. Und wenn etwa gerade zur Gewitterszeit oder sonst irgendwie bei merkwürdigen Wetterkonstellationen ein Kind geboren wurde, so betrachtete man das im laienhaften Leben als den Ausdruck für diese oder jene dem Kinde gegebenen göttlichen Gedanken.
[ 14 ] In this second post-Atlantic period, great importance was attached to whether a person was born—as paradoxical as that may seem to us today, it is true—in pleasant weather, or whether a person was born at night or during the day, in winter or in summer. There was no intellectual understanding of this, but people had the feeling that whatever celestial constellation the gods allowed—whether fair weather or a snowstorm, whether day or night—when they sent a human being down to Earth, this expressed their thoughts; it expressed these divine thoughts. And if, for example, a child was born during a thunderstorm or under some other unusual weather conditions, this was regarded in everyday life as an expression of this or that divine thought bestowed upon the child.
[ 15 ] Wenn das im Laienhaften der Fall war, so war es auf der andern Seite da, wo die Priesterschaft, die wiederum abhängig war von den Mysterien, sozusagen Protokoll führte über die Geburten — aber das ist nicht im bürokratischen Sinne von heute zu verstehen —, durchaus so, daß man aus diesen Konstellationen von Wetter, Tageszeit, Jahreszeit und so weiter darauf sah, wie dem Menschen seine göttliche Gedankengabe mitgegeben war. Das war in der zweiten nachatlantischen Periode, in der urpersischen Periode.
[ 15 ] If this was the case among the laity, it was also true on the other hand among the priesthood—which in turn was dependent on the Mysteries—where they kept records, so to speak, of births—though this should not be understood in today’s bureaucratic sense—in such a way that, based on these constellations of weather, time of day, season, and so on, one could discern how a person was endowed with the divine gift of thought. This was during the second post-Atlantean period, the Proto-Persian period.
[ 16 ] Solche Dinge haben sich in unsere Zeit herein sehr wenig erhalten. In unserer Zeit gilt es als etwas außerordentlich Langweiliges, wenn man von jemandem sagen muß: Der redet vom Wetter. — Denken Sie nur, das gilt als etwas Abträgliches, wenn man von jemandem heute sagt: Der ist ein langweiliger Mensch, da er von nichts anderem zu reden weiß als vom Wetter. — Das hätten die Leute in der urpersischen Zeit nicht verstanden, sie hätten den Menschen ungemein langweilig gefunden, der nichts Interessantes über das Wetter zu sagen wußte. Denn in der Tat, es heißt schon, sich ganz herausgehoben haben aus der natürlichen Umgebung, wenn man nicht mehr etwas richtig Menschliches empfindet gegenüber den Wettererscheinungen. Es war ein intensives Miterleben der kosmischen Umgebung, das sich darinnen ausdrückte, daß man überhaupt Ereignisse — und die Geburt eines Menschen war eben ein wichtigstes Ereignis — in Zusammenhang dachte mit dem, was nun vorgeht in der Welt.
[ 16 ] Very few such things have survived into our time. These days, it’s considered extremely boring when you have to say of someone: “He talks about the weather.” — Just think, it’s considered a negative thing today to say of someone: “He’s a boring person because he doesn’t know how to talk about anything but the weather.” — People in ancient Persia wouldn’t have understood that; they would have found someone who had nothing interesting to say about the weather to be incredibly boring. For in fact, it is said that one has completely detached oneself from one’s natural surroundings when one no longer feels anything truly human in response to weather phenomena. It was an intense experience of the cosmic environment, expressed in the fact that one conceived of events in general—and the birth of a human being was, after all, a most important event—in connection with what was happening in the world.
[ 17 ] Es würde durchaus ein Fortschritt sein, wenn die Menschen — sie brauchen ja nicht bloß zu der Redensart zu kommen: es ist gutes und schlechtes Wetter, das ist sehr abstrakt —, wenn die Menschen wiederum dazu kommen würden, indem sie das oder jenes sich erzählen, nicht zu vergessen, was bei diesem oder jenem Ereignis, das erlebt worden ist, für Wetter war, für Erscheinungen überhaupt in der Natur waren.
[ 17 ] It would certainly be a step forward if people—they don’t just have to resort to the saying: “there’s good weather and bad weather”—which is very abstract—but if people, by telling each other this or that, were once again to remember what the weather was like during this or that event they experienced, and what natural phenomena were occurring in general.
[ 18 ] Es ist dies außerordentlich interessant, wenn bei auffälligen Erscheinungen dies noch da oder dort erwähnt wird, wie das zum Beispiel für den Tod des Kaspar Hauser erwähnt wird, weil es eine auffällige Erscheinung war, daß auf der einen Seite die Sonne unterging, während auf der andern Seite der Mond aufging, und so weiter.
[ 18 ] This is extremely interesting when, in the case of remarkable phenomena, such occurrences are still mentioned here and there—as is the case, for example, with the death of Kaspar Hauser, because it was a remarkable phenomenon that, on one side, the sun was setting while, on the other side, the moon was rising, and so on.
[ 19 ] So können wir uns also hineinfühlen in menschliches Wesen dieser zweiten nachatlantischen Periode.
[ 19 ] This allows us to empathize with human beings of this second post-Atlantean period.
[ 20 ] In der dritten nachatlantischen Periode, da war für die Menschen zum großen Teil dieser Instinkt schon verflogen, Geistiges zu sehen, göttliche Gedanken zu sehen im Wetter, und da fing man allmählich an zu rechnen. Da kam dann auf anstelle des intuitiven Erfassens der göttlichen Menschengedanken in der Naturkonfiguration das Errechnen der Sternkonstellationen, und man berechnete eben für einen Menschen, wenn er in die Welt kam, die Sterne, die Fixstern-Planetenkonstellation. Das war im wesentlichen dann die dritte, die chaldäisch-ägyptische Periode, in der man den allergrößten Wert darauf legte, nun aus den Sternkonstellationen errechnen zu können, wie der Mensch aus dem vorirdischen Leben in das irdische Leben hereingetreten war.
[ 20 ] In the third post-Atlantean epoch, this instinct—to perceive the spiritual, to see divine thoughts in the weather—had largely faded away among human beings, and people gradually began to calculate. This was when the intuitive perception of divine human thoughts in the configuration of nature was replaced by the calculation of the constellations, and people calculated—for each individual upon their birth—the stars and the constellations of fixed stars and planets. This was essentially the third, the Chaldean-Egyptian period, in which the utmost importance was attached to being able to calculate, from the constellations, how a person had entered earthly life from their pre-earthly existence.
[ 21 ] Da also war immerhin noch ein Bewußtsein vorhanden, daß des Menschen Erdenleben aus der außerirdischen Umgebung gegeben ist. Nur, wenn es ans Rechnen kommt, dann kommt auch schon die Zeit, wo wir die Verbundenheit des menschlichen Wesens mit den göttlich-geistigen Wesenheiten nicht mehr so recht haben.
[ 21 ] So there was, at least, still an awareness that human life on Earth is a gift from the extraterrestrial realm. However, when it comes to doing the math, that is when we begin to lose sight of the connection between human beings and divine-spiritual beings.
[ 22 ] Sie brauchen nur zu berücksichtigen, wie der ganze Geistesvorgang des Menschen eigentlich äußerlich ist, wenn es ans Rechnen kommt. Ich will ganz gewiß nicht der jugendlichen Faulenzerei oder meinetwillen auch der späteren Unaufmerksamkeit der Menschen mit Bezug auf das Rechnen das Wort reden. Das soll nicht geschehen. Aber es ist natürlich ein großer Unterschied, wenn man jene äußerlichen Denkmethoden in den Vordergrund stellt, die eigentlich mit dem ganzen Menschen wenig mehr zu tun haben, und die rechnerische Methoden sind. Diese rechnerischen Methoden wurden überhaupt in alles Leben hineingeführt in dieser dritten nachatlantischen Periode. Aber immerhin errechnete man dasjenige, was außerirdisch war, und man stellte den Menschen wenigstens durch die Rechnung ins Außerirdische hinein. So abstrakt wie wir haben die Ägypter und Chaldäer nicht gerechnet; was man errechnete, war durchaus Durchgefühltes. Heute ist alles Errechnete manchmal durchgedacht, manchmal nicht einmal durchgedacht, sondern durchmethodisiert. Man rechnet ja heute oftmals nicht mehr mit Inhalten, sondern nur mit Methoden. Und was in der Mathematik zuweilen geleistet wird an Abgelegenheit des Inhaltes, der nur auf methodenhafte Weise erreicht wird, das ist heute im Grunde genommen, ich meine es nicht schlimm, aber es ist fürchterlich. Es war durchaus in dieser chaldäisch-ägyptischen Periode im Errechnen noch etwas Menschliches drinnen.
[ 22 ] You need only consider how the entire mental process of human beings is, in fact, external when it comes to arithmetic. I certainly do not wish to speak in defense of youthful laziness or, for that matter, people’s later inattention with regard to arithmetic. That is not my intention. But there is, of course, a great difference when one emphasizes those external methods of thinking that actually have little to do with the whole human being—namely, computational methods. These computational methods were introduced into all aspects of life during this third post-Atlantean period. But at least they calculated what was extraterrestrial, and through calculation they at least introduced people into the extraterrestrial realm. The Egyptians and Chaldeans did not calculate as abstractly as we do; what they calculated was thoroughly felt. Today, everything that is calculated is sometimes thought through, sometimes not even thought through, but merely systematized. After all, today we often no longer calculate with content, but only with methods. And what is sometimes achieved in mathematics in terms of the remoteness of the content—which is reached only through methodological means—is, fundamentally speaking, I don’t mean this in a negative way, but it is terrible. There was still something human left in calculation during that Chaldean-Egyptian period.
[ 23 ] Dann kam die griechisch-lateinische Zeit. Das war die erste nachatlantische Zivilisationsepoche, in welcher der Mensch eigentlich das Gefühl hatte, er lebt ganz auf der Erde, er ist ganz verbunden mit den Erdenkräften. Der Zusammenhang des Menschen mit den Wettererscheinungen hatte sich bereits zurückgezogen in das Erzählen der Mythen. Dasjenige, womit sich der Mensch in der zweiten nachatlantischen Zeit, in der urpersischen Kulturepoche, noch lebendig verbunden gefühlt hat, das hatte sich zurückgezogen als die Götterwelt. Der Mensch selbst hielt nicht mehr darauf, ob es etwas bedeutete, wenn er den Olymp bestieg und seinen Kopf in der Höhe in den Nebel hineinsteckte; den Kopf in diese olympische Wolke hineinstecken ließ er jetzt seine Götter, den Zeus, den Apollo. Wer die Mythen verfolgt in dieser griechisch-lateinischen Kulturperiode, wird noch ein Nachgefühl davon haben, daß die Menschheit sich einstmals verbunden fühlte mit den Wolken und Himmelserscheinungen, daß aber die Menschen das abgeschoben haben an die Götter. Zeus ist es jetzt, der mit den Wolken sich bewegt, oder Hera ist es, die da mit den Wolken herumwirtschaftet. Das hat der Mensch mit seiner eigenen Seele früher getan. Der Grieche hatte den Zeus — man kann ja so was nicht sagen, aber es gibt doch den Tatbestand wieder —, der Grieche hatte den Zeus in die Wolkenregion, in die Lichtregion hinein verbannt.
[ 23 ] Then came the Greco-Latin era. This was the first post-Atlantean epoch of civilization, in which human beings actually felt that they lived entirely on Earth and were fully connected to the forces of the Earth. The connection between human beings and weather phenomena had already receded into the realm of myth. That which human beings still felt a living connection to during the second post-Atlantean period—the Proto-Persian cultural epoch—had receded into the realm of the gods. Human beings themselves no longer cared whether it meant anything when they ascended Mount Olympus and thrust their heads high into the mist; he now let his gods—Zeus, Apollo—stick their heads into that Olympian cloud. Anyone who traces the myths of this Greco-Latin cultural period will still sense that humanity once felt connected to the clouds and celestial phenomena, but that people have relegated this to the gods. Now it is Zeus who moves with the clouds, or Hera who manipulates them. This is what human beings used to do with their own souls. The Greeks had Zeus—one cannot really say such a thing, but it does reflect the reality—the Greeks had banished Zeus to the realm of the clouds, to the realm of light.
[ 24 ] Der urpersische Mensch fühlte sich mit seiner eigenen Seele noch dadrinnen. Der hätte nicht sagen können: Der Zeus lebt in den Wolken oder im Lichte —, sondern er hätte gesagt: Der Zeus lebt in mir —, weil er seine Seele im Bereiche der Wolken, im Bereiche der Lüfte fühlte. Der Grieche war der erste Mensch in der nachatlantischen Zeit, der sich ganz — und es kam das auch erst langsam und allmählich heran — als Erdenmensch fühlte: Daher ging in der griechisch-lateinischen Zeit auch zuerst zugrunde das Sich-Zusammenfühlen mit dem vorirdischen Dasein. In allen drei älteren nachatlantischen Zivilisationsepochen haben die Menschen stark ihren Zusammenhang mit dem vorirdischen Dasein gefühlt. Da hätte man ihnen kein Dogma machen dürfen darüber, daß es keine Präexistenz gibt. Man kann auch solche Dogmen nur machen, wenn man Aussicht darauf hat, daß die Menschen sie annehmen. Man muß dann nur so klug sein, dasjenige gerade als Dogma aufzustellen, wofür eine Menge von Menschen durch die menschliche Entwickelung präpariert sind. Aber die Griechen haben allmählich aus dem menschlichen Fühlen und Empfinden heraus das vorirdische Dasein verloren, und sie fühlten sich ganz als Erdenmenschen. Sie fühlten sich allerdings so als Erdenmenschen, wie ich das in früheren Vorträgen beschrieben habe, daß sie sich noch durchsetzt fühlten von GöttlichGeistigem, aber doch eben durchaus in Verbindung mit alldem, was auf Erden allein lebt.
[ 24 ] The ancient Persian felt that his own soul was still within him. He could not have said, “Zeus lives in the clouds or in the light”—but rather, he would have said, “Zeus lives within me”—because he felt his soul in the realm of the clouds, in the realm of the air. The Greeks were the first people in the post-Atlantean era to feel themselves entirely—and this realization came only slowly and gradually—as earthly beings: That is why, in the Greco-Roman era, the sense of connection with pre-earthly existence was the first to be lost. In all three earlier post-Atlantean epochs of civilization, people felt a strong connection to pre-earthly existence. One should not have imposed a dogma on them stating that there is no pre-existence. Such dogmas can only be established if there is a prospect that people will accept them. One must then be wise enough to establish as dogma precisely that which a large number of people have been prepared to accept through human evolution. But the Greeks gradually lost their sense of pre-earthly existence through their human feelings and perceptions, and they came to see themselves entirely as earthly human beings. They did, however, see themselves as earthly human beings in the way I have described in earlier lectures—that is, they still felt permeated by the divine-spiritual, yet were thoroughly connected with everything that lives solely on earth.
[ 25 ] Man muß schon ein Gefühl dafür haben, wie eine solche Mythologie in der Griechenzeit durchaus sich erst entwickeln konnte, nachdem man den Zusammenhang der eigenen Seele mit den überirdischen Er 115 scheinungen verloren hatte. So daß wir sagen können: Wenn hier die Erde ist — ich zeichne schematisch —, so fühlte sich der Mensch in der ersten nachatlantischen Periode als das Ergebnis göttlicher Imagination, die er ganz im Geistig-Seelischen suchte. Dann fühlte er sich als das Ergebnis göttlicher Gedanken, die er in den Himmelserscheinungen und so weiter, in Wind und Wetter suchte. Es verlor dann der Mensch immer mehr und mehr das in die Weiten hinausgehende Bewußtsein; er engte dieses Bewußtsein immer mehr und mehr gegen die Erde herzu ein. Dann kam die Periode der ägyptisch-chaldäischen Zeit, wo wir den Menschen haben als errechnetes kosmisches Wesen. Und dann kam die vierte, die griechisch-lateinische Zeit, wo der Mensch ganz und gar Erdenmensch ist (siehe Zeichnung).
[ 25 ] One really must have a sense of how such a mythology could have developed in Greek times, after people had lost the connection between their own souls and the supernatural 115 manifestations. So that we can say: If here is the Earth—I am drawing a schematic diagram—then in the first post-Atlantean period, human beings felt themselves to be the result of divine imagination, which they sought entirely in the spiritual-soul realm. Then they felt themselves to be the result of divine thoughts, which they sought in celestial phenomena and so on, in wind and weather. Human beings then lost more and more of this consciousness that reached out into the vast expanses; they narrowed this consciousness more and more toward the Earth. Then came the Egyptian-Chaldean period, in which we find human beings as calculated cosmic beings. And then came the fourth, the Greek-Latin period, in which human beings are entirely earthly beings (see drawing).


[ 26 ] Wenn wir noch einmal in den dritten nachatlantischen Zeitraum zurückgehen, so stoßen wir auf eine Zeit, in der die Menschen auch noch stark fühlten, trotzdem sie sich ihr Himmelsdasein errechneten, wo sie auf der Erde geboren wurden. Das ist eine besonders interessante Tatsache. Das Himmelsdasein hatte man bis auf die Rechnung hin vergessen; man mußte es eben erst errechnen. Es war die Zeit der astrologischen Rechnungen. Aber irgendein Mensch, der vielleicht gar keine Rechnung hatte für sein Geburtsdatum, fühlte dennoch das Ergebnis dieser Rechnung. Einer, der ganz im Süden geboren war, fühlte in dem, wie er sich ausleben konnte im Süden, das Ergebnis der Rechnung; auf das gab er viel mehr, als auf die Rechnung selbst. Einer, der im Norden geboren war, war unter einer andern Rechnung geboren. Nun ja, die Astrologen konnten das ausrechnen, aber der Mensch fühlte das Ergebnis dieser Rechnung. Und wie fühlte er es?
[ 26 ] If we go back once more to the third post-Atlantean epoch, we encounter a time when people still felt deeply, even though they calculated their celestial existence based on where they were born on Earth. This is a particularly interesting fact. People had forgotten about their celestial existence except for the calculation; they simply had to calculate it first. It was the time of astrological calculations. But even someone who perhaps had no calculation at all for their date of birth still felt the result of that calculation. Someone born in the very south felt the result of the calculation in the way he was able to live out his life in the south; he attached far more importance to that than to the calculation itself. Someone born in the north was born under a different calculation. Well, the astrologers could calculate that, but the person felt the result of that calculation. And how did he feel it?
[ 27 ] Er fühlte es dadurch, daß eigentlich seine ganze menschliche Seelen- und Körperverfassung mit dem Orte seiner Geburt und den geographischen, klimatischen Eigentümlichkeiten seiner Geburt zusammenhingen, weil der Mensch in dieser dritten nachatlantischen Zivilisationsperiode sich vorzugsweise als ein Atmungsgeschöpf fühlte. Man atmet anders im Süden als im Norden. Der Mensch war ein Atmungsmensch. Natürlich war die äußere Zivilisation nicht so weit, daß man solche Dinge aussprechen konnte; aber das, was in der menschlichen Seele lebte, das war ein Ergebnis des Atmungsprozesses, und der Atmungsprozeß war ein Ergebnis des Erdenortes, auf dem man geboren war, auf dem man lebte.
[ 27 ] He sensed this because, in fact, his entire human constitution—both soul and body—was connected to his place of birth and the geographical and climatic characteristics of that place, since human beings in this third post-Atlantean period of civilization felt themselves primarily as breathing beings. One breathes differently in the south than in the north. Human beings were beings of breath. Of course, external civilization had not yet advanced to the point where such things could be articulated; but what lived within the human soul was a result of the breathing process, and the breathing process was a result of the place on Earth where one was born and where one lived.
[ 28 ] Das hörte bei den Griechen auf. In der Griechenzeit ist nicht mehr der Atmungsprozeß und der Zusammenhang mit dem Irdischen das Maßgebende, sondern der Zusammenhang des Blutes, das Stammesgefühl, die Stammesempfindung ist dasjenige, was das Bewußtsein der Gruppenseelenhaftigkeit ergibt. Gruppenseelen fühlte man in der dritten nachatlantischen Zeit im Zusammenhang mit dem Erdenorte. Man stellte sich ja geradezu auch vor in dieser dritten nachatlantischen Zeit: Wenn da oder dort ein Heiligtum ist, so ist der Gott darin, der die Gruppenseele darstellt —, der war an den Ort gebunden. Das hörte auf während der Griechenzeit. Da begann mit dem Erdenbewußtsein, mit der ganzen Verfassung, die an die Erde mit allem menschlichen Fühlen und Empfinden im ganzen menschlichen Instinktleben gebunden war, dieses Gefühl für die Zusammengehörigkeit im Blute. So daß der Mensch dann ganz auf die Erde herunter versetzt war. Er sah nicht mehr mit seinem Bewußtsein über die Erde hinaus, sondern fühlte sich mit seinem Stamm, mit seinem Volk zusammengehörig im Blute. Und wie steht es mit uns in der fünften nachatlantischen Periode? Es ergibt sich fast aus dem Schematismus, den ich da ganz sachgemäß entworfen habe. Ja, wir sind in die Erde hereingekrochen. Wir sind bar geworden der außerirdischen Kräfte, wir leben auch nicht mehr und sollen nicht mehr leben mit den bloßen Erdenkräften, die im Blute vibrieren, sondern wir sind abhängig geworden von Kräften, die unter der Erde sind.
[ 28 ] This came to an end with the Greeks. In the Greek era, it was no longer the process of breathing and the connection to the earthly realm that were decisive; rather, it was the connection through blood—the sense of tribe, the tribal feeling—that gave rise to the awareness of group-soul identity. In the third post-Atlantean epoch, group souls were perceived in connection with earthly locations. Indeed, people in that third post-Atlantean epoch actually imagined that if there was a sanctuary here or there, the god within it—who represented the group soul—was bound to that place. This came to an end during the Greek era. That was when, with Earth consciousness—with the entire constitution bound to the Earth through all human feeling and sensation in the whole realm of human instinctual life—this sense of kinship through blood began to emerge. As a result, human beings were then fully grounded on Earth. They no longer looked beyond the Earth with their consciousness, but felt a kinship through blood with their tribe and their people. And what of us in the fifth post-Atlantean period? It follows almost directly from the schematic outline I have drawn up here quite appropriately. Yes, we have crawled into the earth. We have been stripped of the extraterrestrial forces; nor do we live—nor should we live—any longer by the mere earthly forces that vibrate in the blood, but we have become dependent on forces that lie beneath the earth.
[ 29 ] Daß sich unter der Erde auch Kräfte befinden, die eine Bedeutung haben, das können Sie von den Kartoffeln lernen. Sie wissen ja, daß die Bauern ihre Kartoffeln im Winter in Gruben hineintun; da kommen sie fort, während sie sonst verderben würden. Es ist eben unter der Erde anders. Da lebt die Sommerwärme während des Winters fort.
[ 29 ] You can learn from potatoes that there are forces underground that are significant. As you know, farmers put their potatoes in pits during the winter; that way, they survive, whereas otherwise they would rot. Things are simply different underground. The summer heat lives on there during the winter.
[ 30 ] Es ist ja auch durchaus das Leben der Pflanzen nur dann zu verstehen, wenn man weiß, daß das Leben der Pflanze bis zur Blüte ein Ergebnis des jeweiligen vorigen Jahres ist. Es kommt aus den Erdenkräften heraus. Erst die Blüte ist dasjenige, was an der Sonne gedeiht. Nun, das habe ich einmal hier auseinandergesetzt.
[ 30 ] Indeed, the life of plants can only be fully understood if one realizes that a plant’s life up to the point of flowering is the result of the preceding year. It arises from the forces of the earth. Only the flower is what thrives in the sun. Well, I’ve discussed that here before.
[ 31 ] Was bedeutet es denn für uns Menschen, daß wir abhängig werden von Kräften unter der Erde? Dasselbe wie bei den Kartoffeln bedeutet es nicht, wir werden ja auch im Winter nicht in die Gruben hineingelegt, damit wir da den Winter über besser gedeihen können. Es bedeutet eben etwas ganz anderes, es bedeutet gerade, daß die Erde den Einfluß des Überirdischen von uns wegnimmt. Wir werden durch die Erde des Einflusses des Überirdischen beraubt. Der Mensch war zuerst in seinem Bewußtsein göttliche Imagination, dann göttlicher Gedanke, dann Errechnungsresultat und dann Erdenmensch. Der Grieche fühlte sich durchaus als Erdenmensch und lebend im Blute. Wir also müssen lernen, uns als unabhängig von demjenigen zu fühlen, was überirdisch ist, unabhängig aber auch von dem, was bloß in unserem Blute liegt. Dazu ist es gekommen dadurch, daß wir eben zwischen dem einundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Jahr anders leben, als früher gelebt worden ist: daß wir nicht mehr aufwachen zu dem gestern charakterisierten zweiten Erlebnis, daß wir nicht mehr lebendige Gedanken als die Resultate des vom Überirdischen beeinflußten Bewußtseins haben, sondern daß wir Gedanken haben, die ganz frei geworden sind von innerer Lebendigkeit, die deshalb auch tot sind. Es ist schon die Erde mit ihren Innenkräften, die unsere Gedanken, indem wir Erdenmenschen werden, ertötet.
[ 31 ] What does it mean for us humans to become dependent on forces beneath the earth? It does not mean the same thing as it does for potatoes; after all, we are not placed in pits during the winter so that we can thrive better there over the winter. It means something entirely different; it means precisely that the earth takes the influence of the supersensible away from us. We are deprived of the influence of the supersensible by the earth. In his consciousness, the human being was first divine imagination, then divine thought, then the result of calculation, and then an earthly human being. The Greeks felt themselves to be thoroughly earthly human beings, living in their blood. We, therefore, must learn to feel ourselves as independent of that which is supernatural, but also independent of that which lies merely in our blood. This has come about because, between the ages of twenty-one and twenty-eight, we live differently than people did in the past: we no longer awaken to the second experience described yesterday; we no longer have living thoughts as the results of a consciousness influenced by the supernatural, but rather we have thoughts that have become entirely free of inner vitality and are therefore also dead. It is indeed the Earth, with its inner forces, that kills our thoughts as we become earthly human beings.
[ 32 ] Und ein merkwürdiges Bild ergibt sich: Als Erdenmenschen begraben wir dasjenige, was im Physischen vom Menschen übrigbleibt, wir übergeben den Leichnam den Erdenelementen. Die Erde wird auch bei verbrannten Menschen tätig, Verwesung ist nur eine langsame Verbrennung. Mit unseren Gedanken geht es so — das ist ja das Merkwürdige der fünften nachatlantischen Periode —, daß die Götter, indem wir geboren werden, indem wir auf die Erde heruntergeschickt werden, unsere Gedanken der Erde übergeben. Begraben, richtig begraben werden unsere Gedanken, indem wir Erdenmenschen werden. Das ist so seit dem Beginn des fünften nachatlantischen Zeitraumes. Intellektualistischer Mensch sein, heißt: eine Seele haben mit in der Erde begrabenen Gedanken, das heißt, mit Gedanken, denen die Erdenkräfte die Himmelsimpulse nehmen.
[ 32 ] And a curious picture emerges: As earthly human beings, we bury what remains of the human being in the physical realm; we entrust the corpse to the elements of the earth. The earth is also at work in the case of cremated human beings; decay is merely a slow form of combustion. As for our thoughts—and this is indeed the remarkable aspect of the fifth post-Atlantean period—the gods, when we are born, when we are sent down to Earth, entrust our thoughts to the Earth. Our thoughts are buried—truly buried—when we become earthly human beings. This has been the case since the beginning of the fifth post-Atlantean period. To be an intellectualist means to have a soul with thoughts buried in the earth—that is, with thoughts from which the earthly forces have stripped away the heavenly impulses.
[ 33 ] Das ist eigentlich das Charakteristische für unser gegenwärtiges Menschsein, daß wir mit der Erde in unserem innersten Seelenwesen gerade durch unser Denken zusammenwachsen. Dadurch aber haben wir andererseits auch erst jetzt, in der fünften nachatlantischen Kulturperiode, die Möglichkeit, dem Kosmos die Gedanken zurückzusenden, die wir auf die gestern am Schlusse erwähnte Weise in uns lebendig machen durch unser Erdenleben.
[ 33 ] This is, in fact, the defining characteristic of our present-day humanity: that we grow together with the Earth in the innermost being of our souls precisely through our thinking. But as a result, on the other hand, it is only now—in the fifth post-Atlantean cultural epoch—that we have the opportunity to send back to the cosmos the thoughts that we bring to life within ourselves through our earthly existence, in the manner mentioned at the end of yesterday’s lecture.
[ 34 ] Solche Entwickelungsimpulse ruhen tief in den bedeutsamen Kulturergebnissen der Menschheit. Und es erweckt in uns gewiß ein tiefes Gefühl, wenn in der Zeit, in der sich die europäische Menschheit nähert diesem fünften nachatlantischen Kulturzeitraum, solche Dichtungen heraufkommen, wie die des Wolfram von Eschenbach, der «Parzival». Wir haben die Dichtung als solche oftmals betrachtet, aber wir wollen heute ein Auge haben, ein Seelenauge haben für etwas, was uns da als ein grandioses Merkzeichen der Zeit entgegentritt. Sehen Sie sich die merkwürdige Charakteristik an, die nun, nicht nur bei Wolfram, sondern überhaupt bei den Menschen dieser Zeit, indem in ihnen die Dichterkraft aufgeht, heraufkommit.
[ 34 ] Such impulses for development lie deep within humanity’s significant cultural achievements. And it certainly stirs a deep feeling within us when, at a time when European humanity is approaching this fifth post-Atlantean cultural epoch, works of poetry such as Wolfram von Eschenbach’s Parzival emerge. We have often considered the poem as such, but today we want to keep an eye—an eye of the soul—on something that confronts us here as a magnificent hallmark of the age. Consider the remarkable characteristic that now emerges—not only in Wolfram, but in the people of this era in general—as the power of poetry awakens within them.
[ 35 ] Da sieht man, ich möchte sagen, sich beunruhigt durch drei Entwickelungsstadien der menschlichen Seele. Das erste, was man an dem Menschen wahrnimmt, wenn er in die Welt hereintritt, wenn er sich seinem Leben überläßt, wenn er in naiver Weise im Zusammenhang mit der Welt lebt, das erste, was man wahrnimmt, ist die Einfältigkeit, Dumpfheit.
[ 35 ] Here, I would say, one sees a concern with three stages of development of the human soul. The first thing one perceives in a human being when they enter the world, when they surrender to their life, when they live in a naive relationship with the world—the first thing one perceives is simplicity and dullness.
[ 36 ] Das zweite aber, das ist der Zweifel. Und gerade in dieser Zeit des herannahenden fünften nachatlantischen Zeitraumes wird der Zweifel lebendig geschildert. Ist Zweifel des Herzens Angebinde, so muß dem Menschen das Leben sauer werden: das ist die Empfindung in jener Zeit. Aber die Empfindung ist auch da: Der Mensch muß sich durchringen durch den Zweifel zur Saelde, zur Seligkeit. — Und Seligkeit nennt man dann dasjenige, wo der Mensch in die ungöttlich gewordenen Gedanken, in die ganz irdisch gewordenen, toten Gedanken nun wiederum das göttliche Leben hereinbringt. Als den Zustand des Zweifels empfindet man dieses Untertauchen des Menschen mit seinen Gedanken in den irdischen Bereich. Und die Saelde, die Seligkeit, empfindet man wie ein Losreißen von dem Irdischen dadurch, daß man die Gedanken wiederum lebendig macht.
[ 36 ] The second, however, is doubt. And it is precisely in this time of the approaching fifth post-Atlantean epoch that doubt is vividly portrayed. If doubt is a bond on the heart, then life must become bitter for the human being: that is the feeling in that time. But the feeling is also present: Human beings must force themselves through doubt to bliss, to beatitude. — And beatitude is what is called that state in which human beings once again bring divine life into thoughts that have become ungodly, into thoughts that have become entirely earthly and dead. This immersion of the human being, with his thoughts, into the earthly realm is experienced as the state of doubt. And bliss is experienced as a breaking away from the earthly through the act of bringing thoughts back to life.


[ 37 ] Das ist gerade als ein Stimmungsgehalt der Dichtungen in diesem 12., 13., 14. Jahrhundert vorhanden, wo man sich heraufringt in den fünften nachatlantischen Zeitraum. Ich möchte sagen, die erste Morgenröte dieses fünften nachatlantischen Zeitraumes wurde lebendiger von den Menschen empfunden als heute, wo die Menschen müde sind, über diese Dinge nachzudenken, wo sie zu bequem geworden sind. Aber sie werden wieder beginnen müssen, über diese Dinge tief nachzudenken, und namentlich nachzufühlen. Sonst würde eben der Aufstieg der Menschheit nicht möglich sein. Und was tritt da eigentlich ein?
[ 37 ] This is precisely the mood that pervades the poetry of the 12th, 13th, and 14th centuries, as humanity was striving to enter the fifth post-Atlantean epoch. I would say that the first dawn of this fifth post-Atlantean epoch was experienced more vividly by people than it is today, when people are too tired to think about these things, when they have become too complacent. But they will have to begin again to think deeply about these things—and, above all, to feel them. Otherwise, the ascent of humanity would simply not be possible. And what is actually taking place there?
[ 38 ] Es ist ein Hinunterbewegen des Menschen von dem Himmlischen zu dem Irdischen, bis der Mensch ganz auf der Erde ist. Aber wie ist es mit dem Menschen? Ja, es ist so, wie wenn die Erde für den Menschen ein Spiegel wäre. Der Mensch soll nicht bloß bis unter die Erde hineinwachsen. Die Gedanken in ihrem toten Elemente dringen in die Erde hinein, begreifen das Tote, das nur dem Erdenelemente angehört. Aber der Mensch selbst ist so, daß er, wenn er seine Gedanken belebt, sie wie Spiegelbilder hinaussendet in den Kosmos. So daß alles, was an lebendigen Gedanken in dem Menschen entsteht, dasjenige ist, was die Götter zurückglänzen sehen von dem sich entwickelnden Menschen. Der Mensch wird aufgerufen zum Mitschöpfer am Weltenall, indem ihm zugemutet wird, daß er seine Gedanken belebt. Denn diese Gedanken spiegeln sich an der Erde und gehen wiederum in das Weltenall hinaus, müssen den Weg wiederum nehmen in das Weltenall hinaus.
[ 38 ] It is a descent of the human being from the heavenly to the earthly, until the human being is entirely on earth. But what about the human being? Yes, it is as if the earth were a mirror for the human being. The human being is not meant merely to grow down into the earth. Thoughts, in their dead element, penetrate the earth and grasp what is dead—that which belongs solely to the earthly element. But human beings themselves are such that, when they enliven their thoughts, they send them out into the cosmos like mirror images. Thus, everything that arises as living thought within a human being is what the gods see shining back from the evolving human being. Humanity is called upon to be a co-creator of the universe by being expected to enliven its thoughts. For these thoughts are reflected by the Earth and go out again into the universe; they must take the path back out into the universe.
[ 39 ] Daher ist es ja so, wenn wir den ganzen Sinn der Menschen- und Weltenentwickelung in uns aufnehmen, daß wir schon fühlen: In einer Art kommen wir wiederum zu den Epochen zurück, die durchgemacht worden sind. In der ägyptisch-chaldäischen Zeit hat man gerechnet, wie es mit dem Menschen ist auf der Erde; man hat immerhin durch die Rechnung den Menschen in Zusammenhang gebracht mit der umliegenden Sternenwelt. Heute machen wir es historisch, indem wir vom Menschen ausgehen, und der Mensch uns der Ausgangspunkt wird für eine Betrachtung, wie Sie sie angestellt finden in meiner «Geheimwissenschaft», wo wir tatsächlich die belebten menschlichen Gedanken wiederum hinaussenden und achtgeben, wie sie werden, wenn wir sie in der kosmischen Umgebung als von uns wegeilend verfolgen, wenn wir lernen, mit den lebendigen Gedanken in den kosmischen Weiten zu leben.
[ 39 ] That is why, when we take in the full meaning of human and cosmic evolution, we already sense that, in a sense, we are returning to the epochs that have already been lived through. In the Egyptian-Chaldean period, people calculated how human beings relate to the Earth; through these calculations, they connected human beings to the surrounding world of the stars. Today we approach this historically, starting with the human being, and the human being becomes our starting point for a contemplation such as you will find in my Occult Science, where we actually send out the animated human thoughts once more and observe how they develop as we follow them rushing away from us into the cosmic environment, as we learn to live with these living thoughts in the cosmic expanses.
[ 40 ] Das sind Zusammenhänge, die da zeigen, welche tiefe Bedeutung es hat, daß der Mensch zu toten Gedanken gekommen ist, daß er sozusagen in die Gefahr gekommen ist, ganz mit der Erde sich zu verbinden.
[ 40 ] These are connections that reveal the profound significance of humanity having arrived at dead thoughts—that it has, so to speak, fallen into the danger of becoming completely bound to the Earth.
[ 41 ] Und verfolgen wir das Bild weiter. Gültige Imaginationen lassen sich weiter verfolgen. Nur ausgedachte Imaginationen lassen sich nicht weiter verfolgen. Denken Sie sich einmal, hier wäre ein Spiegel (es wird gezeichnet). Man sagt, er wirft das Licht zurück; die Ausdrucksweise ist nicht ganz richtig, das Licht darf aber jedenfalls nicht hinter den Spiegel kommen. Wodurch nur allein kann das Licht hinter den Spiegel kommen? Dadurch, daß der Spiegel zerbrochen wird. Und in der Tat, wenn der Mensch seine Gedanken nicht belebt, wenn der Mensch stehenbleibt bei den bloß intellektualistischen, toten Gedanken, muß er die Erde zerbrechen.
[ 41 ] And let’s explore this image further. Valid imaginings can be explored further. Only imaginary imaginings cannot be explored further. Imagine for a moment that there is a mirror here (it is drawn). It is said that it reflects the light back; the phrasing isn’t entirely correct, but in any case, the light must not pass behind the mirror. How, then, can the light pass behind the mirror? Only by breaking the mirror. And indeed, if a person does not bring their thoughts to life, if they remain stuck with merely intellectual, dead thoughts, they must shatter the earth.


[ 42 ] Das Zerbrechen beginnt allerdings bei dem dünnsten Elemente, bei der Wärme. Und im fünften nachatlantischen Zeitraum hat man nur die Gelegenheit, durch weiteres, immer weiteres Ausbilden der bloßen intellektualistischen Gedanken die Wärmeatmosphäre der Erde zu verderben.
[ 42 ] The breakdown, however, begins with the most subtle element: heat. And in the fifth post-Atlantean epoch, people have only the opportunity to corrupt the Earth’s atmosphere of heat through the ever-increasing development of purely intellectualistic thoughts.
[ 43 ] Dann aber kommt die sechste nachatlantische Periode. Würde die Menschheit nicht bis dahin bekehrt sein vom Intellektualismus zur Imagination, dann würde die Verderbnis nicht nur der Wärmeatmosphäre, sondern der Luftatmosphäre beginnen, und die Menschen würden mit den bloß intellektualistischen Gedanken die Luft vergiften. Und die vergiftete Luft würde auf die Erde zurückwirken, das heißt, zunächst das Vegetabilische verderben (siehe Zeichnung Seite 123).
[ 43 ] But then comes the sixth post-Atlantean epoch. If humanity had not by then turned away from intellectualism toward imagination, the corruption would begin not only in the thermal atmosphere but also in the air atmosphere, and people would poison the air with their purely intellectualistic thoughts. And the poisoned air would have a detrimental effect on the Earth, that is, it would first destroy the plant kingdom (see illustration on page 123).
[ 44 ] Und im siebenten nachatlantischen Zeitraum hat der Mensch schon Gelegenheit, das Wasser zu verderben, und seine Ausdünstungen würden übergehen, wenn sie die Ergebnisse bloß intellektualistischer Gedanken wären, in das allgemeine Flüssigkeitselement der Erde. Aus dem allgemeinen Flüssigkeitselement der Erde heraus würde zunächst das mineralische Element der Erde entformt werden. Und der Mensch hat durchaus Gelegenheit, wenn er seine Gedanken nicht belebt und damit dem Kosmos dasjenige zurückgibt, was er vom Kosmos empfangen hat, die Erde zu zersplittern.
[ 44 ] And in the seventh post-Atlantean epoch, humankind already has the opportunity to corrupt the water, and its vapors—if they were merely the result of intellectualistic thoughts—would pass into the Earth’s general liquid element. From the Earth’s general liquid element, the Earth’s mineral element would first be formed. And if human beings do not enliven their thoughts and thereby return to the cosmos what they have received from it, they certainly have the opportunity to shatter the Earth.


[ 45 ] So hängt das, was im Menschen seelisch ist, mit dem natürlichen Dasein zusammen. Und das bloß intellektualistische Wissen heute ist lediglich ein ahrimanisches Produkt, um den Menschen hinwegzutäuschen über diese Dinge. Indem man dem Menschen weismacht, daß seine Gedanken bloße Gedanken sind, die mit dem Weltgeschehen nichts zu tun haben, macht man ihm einen Nebel vor, als ob er keinen Einfluß haben könnte auf die Erdenentwickelung, und als ob ohne oder mit seinem Zutun einmal das Erdenende so oder so kommen wird, wie es eben die bloße Physik vorschreibt.
[ 45 ] Thus, what is spiritual in human beings is connected to their natural existence. And today’s purely intellectual knowledge is nothing more than an Ahrimanic product designed to deceive people about these matters. By convincing people that their thoughts are mere thoughts that have nothing to do with world events, one creates a fog around them, as if they could have no influence on the Earth’s development, and as if—with or without their involvement—the end of the Earth will come one way or another, just as mere physics dictates.
[ 46 ] Aber es wird nicht ein bloß physikalisches Erdenende kommen, sondern dasjenige Erdenende, das die Menschheit selber wird herbeigeführt haben.
[ 46 ] But it will not be a merely physical end of the world that comes, but rather the end of the world that humanity itself will have brought about.
[ 47 ] Hier ist wieder einer der Punkte, wo sich uns zeigt, wie Anthroposophie die moralisch-seelische Welt zusammenführt mit der physischsinnlichen Welt, während heute gar kein solcher Zusammenhang vorhanden ist und die neuere Theologie sogar etwas Vorzügliches darinnen sieht, das Moralische ganz unabhängig zu machen von dem Physischen. Und Philosophen, die da heute keuchend, gebückt, mit krummen Rücken unter der Bürde der naturwissenschaftlichen Ergebnisse sich dahinschleppen, die sind froh, wenn sie sagen können: Ja, in der Natur, da gibt es Wissenschaft; aber die Philosophie, die muß sich auf den kategorischen Imperativ, auf dasjenige, worüber man nichts wissen kann, erstrecken.
[ 47 ] Here again is one of the points where we see how anthroposophy brings together the moral-spiritual world with the physical-sensory world, whereas today no such connection exists at all, and modern theology even regards it as something admirable to make the moral realm entirely independent of the physical. And philosophers who today trudge along, gasping, stooped, with hunched backs under the burden of scientific findings, are glad when they can say: Yes, in nature there is science; but philosophy must extend to the categorical imperative, to that which we cannot know anything about.
[ 48 ] Diese Dinge sind heute oftmals nur innerhalb der Schulen spielend. Sie werden aber das Leben ergreifen, wenn die Menschheit sich nicht dessen bewußt wird, wie das Seelisch-Geistige mitschöpferisch ist im Physisch-Sinnlichen, und wie die Zukunft des Physisch-Sinnlichen davon abhängen wird, was der Mensch im Seelisch-Geistigen auszubilden sich entschließt. Aus solchen Untergründen heraus kann man schon auf der einen Seite das Bewußtsein bekommen von der unendlichen Wichtigkeit des seelischen Lebens der Menschheit, auf der andern Seite kann man allerdings auch wiederum ein Bewußtsein davon bekommen, daß der Mensch nicht nur ein auf der Erde beliebig herumwandelndes Geschöpf ist, sondern dem ganzen Weltenall angehört.
[ 48 ] Today, these things often only come into play within schools. However, they will take hold of life if humanity does not become aware of how the soul-spiritual realm participates in creation within the physical-sensory realm, and how the future of the physical-sensory realm will depend on what human beings decide to cultivate in the soul-spiritual realm. From these underlying considerations, one can, on the one hand, gain an awareness of the infinite importance of humanity’s soul life; on the other hand, one can also gain an awareness that human beings are not merely creatures wandering arbitrarily about on Earth, but belong to the entire universe.
[ 49 ] Aber, meine lieben Freunde, richtige Imaginationen geben schon das Richtige. Wenn der Mensch nämlich nun nicht seine Gedanken belebt, sondern sie immer weiter und weiter sterben läßt, dann kriechen eben die Gedanken in die Erde hinein, und der Mensch wird zuletzt gegenüber dem Weltenall ein Regenwurm, weil seine Gedanken sich die Lokalitäten der Regenwürmer aufsuchen. Das ist auch etwas, was eine ganz gültige Imagination ist.
[ 49 ] But, my dear friends, true imaginations do indeed convey the truth. For if a person does not enliven his thoughts but allows them to die off further and further, then those thoughts simply crawl into the earth, and the person ultimately becomes, in relation to the universe, an earthworm, because his thoughts seek out the habitats of earthworms. This, too, is a perfectly valid imagination.
[ 50 ] Die menschliche Zivilisation sollte es vermeiden, daß der Mensch Regenwurm werden kann, denn sonst wird die Erde zerbrochen, und das Weltenziel, das in den menschlichen Anlagen ganz deutlich ausgesprochen ist, wird nicht erreicht. Das sind Dinge, die wir nicht bloß in unsere Theorien, in unsere Abstraktionen, sondern tief in unsere Herzen aufnehmen sollen, denn Anthroposophie ist eine Herzenssache. Je mehr sie als eine Herzenssache gefaßt wird, desto besser wird sie verstanden.
[ 50 ] Human civilization should prevent human beings from becoming earthworms, for otherwise the Earth will be shattered, and the cosmic goal—which is so clearly expressed in human nature—will not be achieved. These are things we should take to heart—not merely as theories or abstractions—for anthroposophy is a matter of the heart. The more it is grasped as a matter of the heart, the better it is understood.



