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The Annual Cycle as the Earth's Breathing Process
GA 223

1 April 1923, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Ich habe gestern versucht, aus dem Esoterischen des Ostergedankens heraus Ihnen zu sprechen davon, wie eine Art Anknüpfung an den Naturlauf von seiten des geistig Durchdrungenen dadurch wird geschehen müssen, daß aufgenommen werde gewissermaßen eine Herbstesfeier in die Jahresfeste, eine Herbstesfeier als eine Art Michael-Fest, welches in die Herbstsonnenwende ungefähr so hineinfallen müßte, wie das Weihnachtsfest in die Wintersonnenwende, das Osterfest in die Frühlingssonnenwende, das Johannifest in die Sommersonnenwende.

[ 1 ] Yesterday I tried to speak to you, from the esoteric perspective of the Easter concept, about how a kind of connection to the course of nature must be established on the part of those spiritually enlightened by incorporating, so to speak, a celebration of autumn into the annual festivals, a celebration of autumn as a kind of Michaelmas, which would have to coincide with the autumnal equinox in much the same way that Christmas coincides with the winter solstice, Easter with the vernal equinox, and St. John’s Day with the summer solstice.

[ 2 ] Heute möchte ich versuchen, diesen dem heutigen Zeitalter angemessenen Ostergedanken mehr nach seinem Gefühlsgehalt näher auszuführen, um Ihnen dann morgen die ganze Bedeutung gerade einer solchen Betrachtung darzulegen.

[ 2 ] Today I would like to try to elaborate on this Easter reflection—which is appropriate for our times—by focusing more on its emotional content, so that I can then explain to you tomorrow the full significance of precisely such a reflection.

[ 3 ] Wenn wir heute das Osterfest feiern und um uns blicken in das Bewußtsein der zeitgenössischen Menschheit, dann müssen wir uns doch, wenn wir ehrlich mit unserem eigenen menschlichen Inneren sind, gestehen, wie wenig wahr heute für einen großen Teil der Menschheit der Ostergedanke eigentlich ist. Denn wovon hängt die Wahrheit des Ostergedankens ab? Diese Wahrheit hängt doch davon ab, wie der Mensch eine Vorstellung damit verknüpfen kann, daß die Christus-Wesenheit durch den Tod gegangen ist, den Tod besiegt hat, durch die Auferstehung gegangen ist und nach dem Erleiden des Todes, nach der erfolgten Auferstehung, sich zunächst mit der Menschheit so verbunden hat, daß sie noch Offenbarungen geben konnte denjenigen, welche vorher die Apostel, die Jünger waren.

[ 3 ] When we celebrate Easter today and look around at the consciousness of contemporary humanity, we must—if we are honest with our own inner selves—admit just how little the idea of Easter actually holds true for a large part of humanity today. For what does the truth of the Easter idea depend on? This truth depends, after all, on how a person can form a conception of the Christ Being having passed through death, having conquered death, having passed through the Resurrection, and—after enduring death and following the Resurrection—having initially connected with humanity in such a way that He could still give revelations to those who had previously been the apostles and disciples.

[ 4 ] Aber der Auferstehungsgedanke ist ja immer mehr und mehr abgeblaßt. Er war so lebendig in der ersten Entstehungszeit des Christentums, daß uns aus dieser Epoche die Paulus-Worte herüberklingen: «Und wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre euer Glaube eitell!» Paulus hat geradezu das Christentum geknüpft an den Ostergedanken, das heißt an den Gedanken der Auferstehung. Für diejenigen Menschen, welche die Bildung der heutigen Zeit aufgenommen haben, ist ja die Auferstehung etwas, was man ein Wunder nennt, und wird als Wunder aus dem Bereich dessen, was Wirklichkeit ist, Wirklichkeit sein kann, hinausverwiesen, so daß für alle diejenigen, für welche der Auferstehungsgedanke nicht mehr zu durchdringen ist, das Osterfest eigentlich nur einer alten Gewohnheit entspricht, wie auch die übrigen christlichen Feste.

[ 4 ] But the idea of the Resurrection has, after all, faded more and more. It was so vibrant in the early days of Christianity that Paul’s words from that era still resonate with us: “And if Christ has not been raised, your faith is in vain!” Paul literally tied Christianity to the idea of Easter—that is, to the idea of the Resurrection. For those who have embraced the education of our time, the Resurrection is something called a miracle, and as such it is relegated outside the realm of what is real or can be real, so that for all those for whom the idea of the Resurrection is no longer comprehensible, Easter is really nothing more than an old custom, just like the other Christian holidays.

[ 5 ] Nun, wir haben das ja von den verschiedensten Gesichtspunkten im Laufe der Jahre erwähnt. Es wird erst wiederum notwendig sein, daß eine Erkenntnis der geistigen Welt als solcher an die Menschheit herankommt, um Ereignisse, die nicht in den Bereich der sinnlichen Wirklichkeit gehören, zu verstehen. Und als eine solche Tatsache wird angesehen werden müssen dasjenige, was mit dem Auferstehungsgedanken verknüpft ist. Dann wird auch wiederum der Ostergedanke wirklich lebendig werden können. Für ein Menschengeschlecht, das die Auferstehung in den Bereich der unwirklichen Wunder versetzt, kann der Ostergedanke nichts Lebendiges sein. Dieser Ostergedanke ist ja entstanden in derjenigen Epoche der Menschheit, in welcher noch Reste des alten ursprünglichen menschlichen Erkennens der geistigen Welt vorhanden waren.

[ 5 ] Well, we have touched on this from a wide variety of perspectives over the years. Once again, it will be necessary for an understanding of the spiritual world as such to reach humanity in order to comprehend events that do not belong to the realm of sensory reality. And what is connected with the idea of the Resurrection will have to be regarded as such a fact. Then, too, the idea of Easter will truly be able to come alive again. For a human race that relegates the Resurrection to the realm of unreal miracles, the idea of Easter can hold no life. After all, this idea of Easter arose in that epoch of human history in which remnants of the ancient, original human perception of the spiritual world were still present.

[ 6 ] Wir wissen, daß im Ausgangspunkt der menschlichen Erdenentwickelung die Menschen gewissermaßen eine instinktive Hellsichtigkeit gehabt haben, durch die sie in die geistige Welt Einblicke gewinnen konnten, durch die sie die geistige Welt so betrachteten, daß sie ihnen der physisch-sinnlichen Welt ebenbürtig war. Diese instinktive ursprüngliche Hellsichtigkeit ist der Erdenmenschheit abhanden gekommen. Sie war etwa in den ersten drei Jahrhunderten der christlichen Entwickelung wenigstens in ihren letzten Resten noch vorhanden. Daher konnte noch in diesen ersten Jahrhunderten ein gewisses, auf alte menschliche Einsichten begründetes Verstehen des Ostergedankens Platz greifen. Ein solches Verstehen wurde abgelähmt im 4. Jahrhundert, wo sich vorbereitete, was ja dann im vollsten Maße aufgetreten ist seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts: das Leben der Menschen in den abstrakten toten Gedanken, wie wir das des öfteren erörtert haben. In diesen abstrakten Gedanken, in denen die Naturwissenschaft groß werden konnte, mußte auch der Ostergedanke zunächst ersterben.

[ 6 ] We know that at the very beginning of human development on Earth, people possessed, so to speak, an instinctive clairvoyance through which they could gain insights into the spiritual world, viewing it in such a way that it was on a par with the physical-sensory world. This instinctive, primordial clairvoyance has been lost to humanity on Earth. It was still present, at least in its final vestiges, during the first three centuries of Christian development. Therefore, even in those early centuries, a certain understanding of the Easter message—based on ancient human insights—was still able to take root. Such an understanding was stifled in the 4th century, when the groundwork was laid for what has since occurred to the fullest extent since the first third of the 15th century: human life within abstract, lifeless thoughts, as we have often discussed. Within these abstract thoughts, in which the natural sciences were able to flourish, the idea of Easter, too, was initially forced to wither away.

[ 7 ] Heute ist die Zeit gekommen, wo dieser Ostergedanke wiederum als ein lebendiger Gedanke erwachen muß. Aber er muß, um zu erwachen, eben aus dem Zustande des Todes in den Zustand der Lebendigkeit übergehen. Das Lebendige ist dadurch charakterisiert, daß es anderes Lebendiges aus sich hervortreibt. Als der Ostergedanke in den ersten christlichen Jahrhunderten in der Christenheit sich ausbreitete, da waren die Gemüter noch empfänglich genug, um innerlich Gewaltiges zu erleben im Anblick des Grabes Christi und im Anblick der aus dem Grabe ersteigenden, nunmehr mit der Menschheit verbundenen Wesenheit. Die Gemüter konnten innerlich kräftig erleben, was sie in diesem gewaltigen Bilde sich vor die Seele hingestellt fanden. Und dieses innerliche Erleben war eine Realität im menschlichen Seelenleben. Nur das ist eine Realität im menschlichen Seelenleben, was diese menschliche Seele wirklich in einer Weise ergreift, wie sonst die sinnliche Außenwelt eben die Sinne ergreift. Die Menschen fühlten sich anders geworden dadurch, daß sie das Ereignis des Todes und der Auferstehung Christi anschauten. Sie fühlten sich seelisch durch diese Anschauung so verwandelt, wie sich sonst der Mensch durch physische Ereignisse im Laufe seines Lebens auf der Erde verändert fühlt.

[ 7 ] Today is the time when this Easter idea must once again awaken as a living idea. But in order to awaken, it must pass from a state of death into a state of life. That which is alive is characterized by the fact that it drives other living things forth from itself. When the Easter idea spread throughout Christendom in the early Christian centuries, people’s minds were still receptive enough to experience something profoundly powerful within themselves at the sight of Christ’s tomb and at the sight of the being rising from the tomb, now united with humanity. People’s minds were able to experience with inner intensity what this powerful image presented to their souls. And this inner experience was a reality in human soul life. Only that which truly grips the human soul in the same way that the sensory external world otherwise grips the senses is a reality in human soul life. People felt transformed by contemplating the event of Christ’s death and resurrection. Through this contemplation, they felt spiritually transformed in the same way that a person otherwise feels changed by physical events in the course of their life on earth.

[ 8 ] Der Mensch wird verwandelt um das siebente Jahr herum durch den Zahnwechsel, der Mensch wird verwandelt um das vierzehnte, fünfzehnte Jahr herum durch die Geschlechtsreife. Das sind leibliche Verwandlungen. In der Anschauung des Ostergedankens fühlten sich die ersten Christen innerlich-seelisch verwandelt. Sie fühlten sich dadurch also aus einem gewissen Stadium des Menschseins herausgehoben und in ein anderes Stadium versetzt.

[ 8 ] A person undergoes a transformation around the age of seven through the change of teeth, and another transformation around the ages of fourteen or fifteen through sexual maturity. These are physical transformations. In contemplating the meaning of Easter, the early Christians felt transformed inwardly and spiritually. They thus felt lifted out of a certain stage of human existence and transported into another stage.

[ 9 ] Diese Kraft, diese Gewalt hat der Ostergedanke im Laufe der Zeit verloren. Und er kann sie nur wiederum gewinnen, wenn das, was ja nach Naturgesetzen nicht eingesehen werden kann, die Auferstehung, innerhalb einer geistigen Wissenschaft, einer das Geistige begreifenden Wissenschaft wiederum eine Realität gewinnt. Aber eine Realität wird für das, was geistig erfaßt wird, nur gewonnen, wenn dieses Geistige nicht bloß in abstrakten Gedanken erfaßt wird, sondern wenn es im lebendigen Zusammenhange mit der auch vor die Sinne tretenden Welt begriffen wird.

[ 9 ] Over time, the idea of Easter has lost this power, this force. And it can only regain it if the resurrection—which, after all, cannot be understood according to the laws of nature—once again becomes a reality within a spiritual science, a science that comprehends the spiritual. But what is grasped spiritually only becomes a reality if this spiritual aspect is not merely grasped in abstract thought, but is understood in a living connection with the world that also presents itself to the senses.

[ 10 ] Wer das Geistige nur in seiner Abstraktion festhalten will, wer zum Beispiel sagt, man soll das Geistige nicht hinunterziehen in die physisch-sinnliche Welt, der sollte nur gleich auch von dem Gedanken ausgehen, daß die göttliche Wesenheit verunziert werde, wenn man vorstellt, daß sie die Welt erschaffen habe. Das Göttliche wird ja doch nur dann in seiner Größe und Gewalt begriffen, wenn man es nicht hinausversetzt über das Sinnliche, sondern wenn man ihm die Kraft zuschreibt, in diesem Sinnlichen zu wirken, dieses Sinnliche schöpferisch zu durchdringen. Es ist eine Herabwürdigung des Göttlichen, wenn man dieses Göttliche gewissermaßen bloß in abstrakte Höhen, in ein Wolkenkuckucksheim hinausversetzen will. Und so wird man niemals in geistigen Realitäten leben, wenn man das Geistige nur in seiner Abstraktheit erfaßt, wenn man es nicht mit dem ganzen Weltenlaufe, wie er uns entgegentritt, in Zusammenhang bringen kann.

[ 10 ] Anyone who wishes to conceive of the spiritual only in its abstract form—anyone who, for example, says that one should not draw the spiritual down into the physical-sensory world—should also immediately consider the idea that the divine being is defiled if one imagines that it created the world. After all, the divine can only be grasped in its greatness and power when one does not place it beyond the sensory realm, but rather attributes to it the power to act within this sensory realm, to creatively permeate it. It is a demeaning of the Divine to want to relegate it, as it were, merely to abstract heights, to a cloud-cuckoo-land. And so one will never live in spiritual realities if one grasps the spiritual only in its abstractness, if one cannot relate it to the entire course of the world as it presents itself to us.

[ 11 ] Der Weltenlauf tritt uns ja für unser irdisches Leben zunächst so entgegen, daß dieses irdische Leben eine Anzahl von Jahren umfaßt, daß diese Jahre in einem regelmäßigen Rhythmus die Wiederkehr gewisser Ereignisse darstellen, wie ich schon gestern angedeutet habe. Nach einem Jahre kommen wir ungefähr auf dieselben Geschehnisse der Witterung, der Sonnenkonstellation und so weiter zurück. Der Jahreslauf ist gewissermaßen etwas, was sich in unser irdisches Leben in rhythmischer Weise hineinstellt. Wir haben gestern gesehen, daß dieser Jahreslauf eine Aus- und Einatmung des Seelisch-Geistigen der Erde durch diese Erde selber darstellt. Wenn wir die vier Hauptpunkte dieses Erdenatmungsprozesses, wie wir sie gestern vor unsere Seele haben treten lassen, noch einmal uns vergegenwärtigen, so müssen wir sagen: Die Weihnachtsfesteszeit stellt uns dar das innere Atemhalten der Erde. Das Seelisch-Geistige ist von der Erde völlig aufgesogen. Tief im Inneren der Erde ruht alles das, was die Erde entfaltet hat während der Sommerzeit, um es vom Kosmos anregen zu lassen. Alles was sich öffnete und hingab den kosmischen Kräften während der Sommerzeit, ist von der Erde eingesogen, ruht in den Tiefen der Erde zur Weihnachtszeit. Der Mensch lebt ja nicht in den Tiefen des Irdischen, er lebt physisch auf der Oberfläche der Erde. Er lebt aber auch geistig-seelisch nicht in den Tiefen der Erde, sondern er lebt eigentlich mit dem Umkreis der Erde. Er lebt auch geistig-seelisch mit der die Erde umkreisenden Atmosphäre.

[ 11 ] The course of the world initially presents itself to us in our earthly life in such a way that this earthly life spans a certain number of years, and that these years, in a regular rhythm, represent the recurrence of certain events, as I already hinted at yesterday. After a year, we return to roughly the same phenomena of the weather, the constellations, and so on. The course of the year is, in a sense, something that inserts itself into our earthly life in a rhythmic manner. We saw yesterday that this annual cycle represents an exhalation and inhalation of the Earth’s soul-spiritual life by the Earth itself. If we once again bring to mind the four main points of this Earth-breathing process, as we allowed them to arise before our souls yesterday, we must say: The Christmas season represents the Earth’s inner holding of its breath. The soul-spiritual aspect has been completely absorbed by the Earth. Deep within the Earth rests everything that the Earth has unfolded during the summer months to be inspired by the cosmos. Everything that opened itself up and surrendered to the cosmic forces during the summer has been absorbed by the Earth and rests in the depths of the Earth during the Christmas season. After all, human beings do not live in the depths of the Earth; physically, they live on the Earth’s surface. Nor do they live spiritually and soulfully in the depths of the Earth; rather, they actually live within the Earth’s atmosphere. Spiritually and soulfully, they also live within the atmosphere that surrounds the Earth.

[ 12 ] Daher hat alle esoterische Wissenschaft immer anerkannt das Wesentliche der Erde zur Wintersonnenwendezeit, zur Weihnachtszeit, als ein zunächst Verborgenes, als etwas, was mit gewöhnlichen menschlichen Erkenntniskräften nicht durchschaut werden kann, was in den esoterischen Mysterienbereich gehört. Und in allen älteren Zeiten, in denen auch etwas Ähnliches da war wie unser heutiges Weihnachtsfest, galt es, daß dasjenige, was sich mit der Erde zur Weihnachtszeit abspielt, nur begriffen werden könne durch die Einweihung in die Mysterienerkenntnis, durch die Einweihung, wie man es noch in Griechenland nannte, in die chthonischen Mysterien. Durch diese Einweihung in die Mysterienerkenntnis entfremdete sich gewissermaßen der Mensch von dem Umkreis der Erde, in dem er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein lebt, so weit, daß er untertauchte in etwas, in das er physisch nicht untertauchen konnte: daß er in das GeistigSeelische untertauchte und kennenlernte, was die Erde während der Vollwinterzeit dadurch wird, daß sie ihr Geistig-Seelisches einsaugt. Und kennen lernte dann der Mensch durch diese Mysterieneinweihung, daß die Erde zur Wintersonnenwendezeit ganz besonders empfänglich wird für die Durchdringung mit den Mondenkräften. Das galt als das Geheimnis, wenn ich mich im modernen Sinne ausdrücken darf, als das Weihnachtsgeheimnis der alten Mysterien: daß man eben zur Weihnachtszeit die Art und Weise kennen lernt, wie die Erde dadurch, daß sie mit ihrem Seelisch-Geistigen durchtränkt und durchdrungen ist, besonders empfänglich wird für die Wirksamkeit der Mondenkräfte im Inneren der Erde.

[ 12 ] For this reason, all esoteric science has always recognized the essence of the Earth at the time of the winter solstice—the Christmas season—as something initially hidden, something that cannot be fathomed by ordinary human powers of cognition, something that belongs to the realm of the esoteric mysteries. And in all earlier times, when there was something similar to our modern Christmas celebration, it was held that what takes place with the Earth during the Christmas season could only be understood through initiation into the knowledge of the mysteries—through initiation, as it was still called in Greece, into the chthonic mysteries. Through this initiation into the knowledge of the mysteries, human beings, so to speak, distanced themselves from the sphere of the Earth in which they live with their ordinary consciousness, to the extent that they immersed themselves in something into which they could not physically immerse themselves: that is, he immersed himself in the spiritual-soul realm and came to know what the Earth becomes during the height of winter by drawing in its spiritual-soul essence. And through this initiation into the mysteries, humanity then came to know that at the time of the winter solstice, the Earth becomes particularly receptive to the permeation of the lunar forces. This was regarded as the secret—if I may express it in modern terms—as the Christmas secret of the ancient mysteries: that it is precisely at Christmas time that one comes to understand the way in which the Earth, by being saturated and permeated with its spiritual-soul aspect, becomes particularly receptive to the influence of the lunar forces within the Earth.

[ 13 ] Man traute zum Beispiel in gewissen älteren Zeiten niemandem eine Erkenntnis der Heilwissenschaft zu, der nicht in die Wintergeheimnisse eingeweiht war, der nicht verstand, wie die Erde durch ihr Atemhalten für die Wirksamkeit der Mondenkräfte in ihrem Inneren besonders empfänglich ist, wie sie zu dieser Zeit insbesondere die Pflanzen mit den Heilkräften durchdringt, wie sie etwas ganz anderes aus der Pflanzenwelt, aber auch aus der Welt namentlich der niederen Tiere macht.

[ 13 ] For example, in certain earlier times, no one was considered capable of understanding the science of healing unless they had been initiated into the winter mysteries—unless they understood how the earth, by holding its breath, becomes particularly receptive to the effects of the moon’s forces within it; how, at this time, it especially imbues plants with healing powers; and how it transforms something entirely different from the plant world, but also from the world of lower animals.

[ 14 ] Wie ein Hinuntersteigen in die Tiefen des Irdischen empfand man die Weihnachtseinweihung. Aber man verknüpfte mit dieser Weihnachtseinweihung noch etwas anderes. Man verknüpfte mit dieser Weihnachtseinweihung etwas, was man in einem gewissen Sinne als eine Gefahr für die menschliche Wesenheit empfand. Man sagte sich etwa: Wenn man wirklich liebend anschaute, sein Bewußtsein damit erfüllend, dasjenige, was in der Erde als Mondenkräfte zur Weihnachtszeit lebt, dann kommt man in eine Art von Bewußtseinszustand, in dem man innerlich sehr stark sein muß, sich sehr gekräftigt haben muß, um auszuhalten den von allen Seiten herkommenden Anprall der ahrimanischen Mächte, die in der Erde gerade durch die Aufnahme der Mondenwirksamkeit leben. Und nur in der Stärke, die man in sich selber in seinem Seelisch-Geistigen entwickelte, um den Widerstand dieser Kräfte zu brechen, nur in dieser Stärke sah man dasjenige, was den Menschen auf die Dauer sein Erdendasein aushalten lassen kann.

[ 14 ] The Christmas initiation was experienced as a descent into the depths of the earthly realm. But people associated something else with this Christmas initiation as well. They associated with it something that, in a certain sense, was perceived as a danger to the human being. People would say to themselves, for example: If one truly looked with love, filling one’s consciousness with it—that which lives in the Earth as lunar forces at Christmas time—then one enters a kind of state of consciousness in which one must be very strong inwardly, must have strengthened oneself greatly, in order to withstand the onslaught coming from all sides from the Ahrimanic forces, which live in the Earth precisely through the absorption of the lunar influence. And only through the strength one has developed within oneself in one’s soul-spiritual being to break the resistance of these forces—only through this strength—could one see that which enables human beings to endure their earthly existence in the long run.

[ 15 ] Aber dann, einige Zeit nach der Feier dieser Weihnachtsmysterien, versammelten die Mysterienlehrer ihre Schüler, und wie eine Art Offenbarung teilten sie ihnen das Folgende mit. Sie sagten ihnen: Ja, gewiß, mit vollem Bewußtsein durchschauen, was zur Wintersonnenwende innerhalb der Erde wirkt, das kann man durch die Einweihung. Aber es steigt ja, namentlich wenn der Frühling heraufkommt, mit der wachsenden Pflanzenwelt dasjenige aus den Tiefen der Erde und durchdringt alles Wachsende, Sprießende, durchdringt auch den Menschen selber, was da die ahrimanischen Mächte bewirken. In der Zeit, in der dem Menschen noch göttliche Kräfte mitgegeben waren, wie sie ihm eben mitgegeben waren im Erdenbeginne, da konnten durch dieses ursprüngliche göttliche Erbe die Menschen den Anprall der ahrimanischen Mächte, die sich auf diese Weise durch die Wintermondeszeit über die Menschheit ergossen, aushalten. Aber — so sagten die Eingeweihten ihren Schülern — es wird eine Zeit über die Menschheit kommen, wo gewissermaßen die Menschen betäubt sein werden über das Geistige durch das, was die Erde an Mondenkräften aufnimmt zur Winterzeit. Mit dem Wachsen und Sprießen im Frühling wird es wie ein Berauschtsein gegenüber dem Geistigen über die Menschheit kommen und der Menschheit das Bewußtsein nehmen, daß es überhaupt ein Geistiges gibt. Dann wird die Menschheit, wenn sie nicht die Möglichkeit findet, diesen berauschenden Kräften Widerstand zu leisten, der Erde verfallen und nicht sich mit der Erde weiter entwickeln können zu künftigen andern, höheren Stadien der Erdenentwickelung. — In düsteren Farben malten die Eingeweihten das Zeitalter, das mitdem 15. Jahrhunderte anbrechen mußte für die Menschheit, wo die Menschheit allerdings groß sein wird in abstrakten toten Gedanken, wo die Menschheit aber nur dadurch wiederum geistfähig werden kann, daß sie neue Kraft gewinnt, um das Berauschende, das aus der Erde aufsteigt, zu besiegen durch die eigengeistige Kraft, welche die Menschheit entwickeln kann.

[ 15 ] But then, some time after the celebration of these Christmas Mysteries, the Mystery teachers gathered their students, and as if in a kind of revelation, they shared the following with them. They said to them: “Yes, indeed, to perceive with full consciousness what is at work within the earth at the winter solstice—this is possible through initiation. But, especially as spring approaches, that which the Ahrimanic forces bring about rises from the depths of the earth along with the growing plant world and permeates everything that grows and sprouts—it also permeates human beings themselves. In the time when human beings were still endowed with divine powers—as they were at the very beginning of the Earth—they were able, through this original divine heritage, to withstand the onslaught of the Ahrimanic forces that poured out upon humanity in this way during the winter lunar period. But—as the initiates told their students—a time will come for humanity when, in a sense, people will be numbed to the spiritual realm by what the Earth absorbs of the Moon’s forces during the winter. With the growth and sprouting of spring, a kind of intoxication regarding the spiritual will come over humanity, robbing it of the awareness that the spiritual exists at all. Then, unless humanity finds a way to resist these intoxicating forces, it will fall prey to the Earth and be unable to evolve with the Earth toward future, higher stages of earthly development. — The initiates painted a bleak picture of the age that was to dawn for humanity in the 15th century, an age in which humanity would indeed be great in abstract, lifeless thoughts, but in which humanity could only regain its spiritual capacity by gaining new strength to through the spiritual power that humanity can develop.

[ 16 ] Wenn wir uns solche Vorstellungen machen, versetzen wir uns ungefähr in den Zusammenhang des natürlichen Jahreslaufes mit dem, was im Geist lebt. Wir bringen zusammen das, was sonst abstrakt, was nur nachgedacht wäre, mit demjenigen, was der natürlich-sinnliche Verlauf ist, wie er uns zum Beispiel in den Jahreszeiten entgegentritt.

[ 16 ] When we form such ideas, we place ourselves, as it were, within the context of the natural cycle of the year and what lives in the spirit. We bring together what is otherwise abstract—what would otherwise be merely a matter of reflection—with the natural, sensory course of events, as it presents itself to us, for example, in the seasons.

[ 17 ] Das Entgegengesetzte dieses Weihnachtsmysteriums ist das Johannimysterium bei der Sommersonnenwende. Da hat die Erde ganz und gar ausgeatmet. Da ist das Geistig-Seelische der Erde ganz hingegeben den überirdischen Mächten, den kosmischen Mächten. Da nimmt das Geistig-Seelische der Erde auf alles das, was außerirdisch ist. Ebenso wie vom Weihnachtsmysterium, so sagten die alten Eingeweihten vom Johannimysterium, daß es gilt — die Ausdrücke sind natürlich modern, aber es hat für diese Mysterien auch immer alte Formen gegeben —, daß es nötig sei, um die Geheimnisse des Johannimysteriums, das heißt die Geheimnisse der Himmel, zu durchdringen, die Einweihung, Initiation zu erlangen. Denn der Mensch gehört dem Umkreis der Erde an; er gehört weder dem Inneren der Erde an, noch gehört er den Himmeln an als irdischer Mensch. Daher muß er eingeweiht sein in die Geheimnisse des Unterirdischen, um die Geheimnisse des Überirdischen kennenzulernen.

[ 17 ] The opposite of this Christmas Mystery is the Mystery of St. John at the summer solstice. At that time, the Earth has exhaled completely. At that time, the spiritual-soul aspect of the Earth is entirely surrendered to the super-earthly powers, the cosmic powers. At that time, the spiritual-soul aspect of the Earth takes in everything that is extra-earthly. Just as with the Christmas Mystery, the ancient initiates said of the St. John’s Mystery that it is necessary—the terms are, of course, modern, but there have always been ancient forms for these mysteries as well—to attain initiation in order to penetrate the mysteries of the St. John’s Mystery, that is, the mysteries of the heavens. For human beings belong to the sphere of the Earth; as earthly human beings, they belong neither to the interior of the Earth nor to the heavens. Therefore, they must be initiated into the mysteries of the subterranean in order to come to know the mysteries of the superterrestrial.

[ 18 ] Gewissermaßen als etwas, wo sich Überirdisches und Unterirdisches die Waage halten, wurden angesehen das Ostermysterium und das Michael-Mysterium, das Herbstesmysterium, das aber, wie gesagt, erst eine rechte Bedeutung in der Zeit gewinnen soll, die der unsrigen gegenüber als Zukunft erscheint.

[ 18 ] The Easter Mystery and the Michael Mystery—the Autumn Mystery—were regarded, in a sense, as a balance between the supernatural and the subterranean; however, as mentioned, the latter is only to gain its true significance in a time that appears as the future in relation to our own.

[ 19 ] Das Ostermysterium trat in seiner vollen Größe in die Menschheitsentwickelung herein durch das Geheimnis von Golgatha. Das Ostermysterium wurde verstanden, wie ich schon sagte, in der Zeit, als noch die Reste des alten Hellsehens vorhanden waren. Da konnten die Menschen sich noch erheben in ihrem Gemüte zu dem auferstandenen Christus. Das Ostermysterium wurde daher in denjenigen Kultus verwoben, der nun nicht ein Initiationskultus, sondern ein Kultus für die allgemeine Menschheit wurde: das Ostermysterium wurde verwoben in den Messekultus, in den Kultus der Messehandlung. Aber mit dem Zurückgehen der alten primitiven Hellsichtigkeit ging auch das Verständnis für das Ostermysterium verloren. Zu diskutieren beginnt man ja über eine Sache erst dann, wenn man sie nicht mehr versteht. Alle die Diskussionen, die dann eingesetzt haben nach dem ersten christlichen Jahrhunderte über die Art und Weise, wie man den Ostergedanken zu fassen hat, die rühren schon davon her, daß man den Ostergedanken nicht mehr in das unmittelbare elementare Verständnis hereinbringen kann.

[ 19 ] The Easter Mystery entered human evolution in all its grandeur through the Mystery of Golgotha. As I have already said, the Easter Mystery was understood in a time when remnants of the ancient gift of clairvoyance still existed. Back then, people could still lift their spirits up to the risen Christ. The Easter Mystery was therefore woven into a form of worship that was no longer an initiation rite but a rite for all of humanity: the Easter Mystery was woven into the Mass, into the rite of the Mass. But as the old, primitive clairvoyance receded, so too was the understanding of the Easter Mystery lost. After all, one only begins to discuss a matter when one no longer understands it. All the discussions that began after the first Christian centuries regarding how to grasp the idea of Easter stem precisely from the fact that the idea of Easter can no longer be brought into immediate, elementary understanding.

[ 20 ] Nun, wir haben ja oftmals auch auf den Ostergedanken anwenden können dasjenige, was uns die anthroposophische Geisteswissenschaft gibt. Und das ist das Wesentliche, daß diese anthroposophische Geistesforschung wiederum hinweist auf Lebensformen, die nicht innerhalb Geburt und Tod der sinnlichen Welt sich erschöpfen, und daß sie auch gegenüber dem, was sinnlich erforschbar ist, das geistig Erforschbare stellt, daß sie begreiflich macht, wodurch der Christus mit seinen Jüngern verkehren konnte, auch nachdem der physische Leib zerstäubt war. Der Auferstehungsgedanke gewinnt wiederum Lebendigkeit im Lichte der Geistesforschung. Aber vollständig begriffen wird dieser Auferstehungsgedanke nur dann, wenn er, ich möchte sagen, auch mit seinem Gegenpol verbunden wird.

[ 20 ] Well, we have often been able to apply what anthroposophical spiritual science offers us to the idea of Easter. And the essential point is that this anthroposophical spiritual research, in turn, points to forms of life that are not limited to birth and death in the sensory world, and that it contrasts what is spiritually knowable with what is sensually knowable, making it understandable how Christ was able to commune with his disciples even after his physical body had disintegrated. The idea of the Resurrection regains its vitality in the light of spiritual science. But this idea of the Resurrection is fully understood only when it is, I would say, also connected with its opposite pole.

[ 21 ] Was stellt denn eigentlich der Auferstehungsgedanke dar? Die Christus-Wesenheit ist aus geistigen Höhen herabgestiegen, untergetaucht in den Leib des Jesus, lebte auf der Erde in dem Leib des Jesus, trug dadurch gewissermaßen die Kräfte des Außerirdischen in die Erdensphäre herein; und indem sie die Kräfte des Außerirdischen in die Erdensphäre hereintrug, waren von diesem Zeitpunkte, von dem Zeitpunkte des Mysteriums von Golgatha an, diese überirdischen Kräfte mit den Kräften der Menschheitsentwickelung verbunden. Seither ist das, was die Menschen in der alten Zeit nur draußen in den Weltenweiten schauen konnten, zu empfinden innerhalb der Menschheitsentwickelung der Erde. Der Christus hat sich nach der Auferstehung mit der Menschheit verbunden, lebt seither nicht nur in außerirdischen Höhen, lebt innerhalb des Erdendaseins, lebt in der Entwickelung, in der Entwickelungsströmung der Menschheit.

[ 21 ] What, then, does the idea of the Resurrection actually represent? The Christ Being descended from spiritual heights, entered into the body of Jesus, lived on Earth in the body of Jesus, and thereby, in a sense, brought the forces of the extraterrestrial realm into the earthly sphere; and by bringing the forces of the non-earthly realm into the earthly sphere, these super-earthly forces were linked to the forces of human evolution from that moment on—from the moment of the Mystery of Golgotha. Since then, what people in ancient times could only perceive out there in the vastness of the cosmos can now be felt within the course of human evolution on Earth. After the Resurrection, Christ united himself with humanity; since then, he has lived not only in extraterrestrial heights, but within earthly existence, living within the development, within the current of human evolution.

[ 22 ] Dieses Ereignis muß vor allen Dingen angesehen werden nicht nur vom Gesichtspunkte des Irdischen aus, sondern auch vom Gesichtspunkte des Überirdischen. Man kann sagen: Man soll den Christus nicht nur so betrachten, wie er aus Himmelswelten herankommt an die Erde und Mensch wird, also den Menschen gegeben wird, sondern man soll dieses Christus-Ereignis auch so betrachten, wie der Christus fortgeht aus der geistigen Welt auf die Erde hinunter. — Die Menschen sahen gewissermaßen den Christus in ihrem Bereiche ankommen. Die Götter sahen den Christus die himmlische Welt verlassen und untertauchen in die Menschheit. Für die Menschen erschien der Christus; für eine gewisse geistige Welt entschwand er. Und indem er durch die Auferstehung ging, erschien er, ich möchte sagen, von der Erde aus leuchtend gewissen geistigen Wesenheiten des Außerirdischen wie ein Stern, der jetzt ihnen in die geistige Welt von der Erde aus hineinscheint. Geistige Wesenheiten verzeichnen das Mysterium von Golgatha so, daß sie sagen: Es begann von der Erde aus ein Stern hereinzuleuchten in das geistige Reich. — Und als etwas außerordentlich Wesentliches für die geistige Welt wurde es empfunden, daß der Christus in einen menschlichen Leib untergetaucht ist, mitgemacht hat in einem menschlichen Leib den Tod. Denn indem er in einem menschlichen Leib den Tod mitmachte, konnte er unmittelbar nach diesem Tode etwas unternehmen, was zunächst seine früheren Göttergenossen nicht haben unternehmen können.

[ 22 ] Above all, this event must be viewed not only from an earthly perspective, but also from a supernatural perspective. One might say: One should not only view Christ as he comes down from the heavenly realms to Earth and becomes human—that is, as he is given to humanity—but one should also view this Christ event as Christ departs from the spiritual world and descends to Earth. — In a sense, people saw Christ arrive in their realm. The gods saw Christ leave the heavenly world and immerse Himself in humanity. Christ appeared to human beings; to a certain spiritual world, He vanished. And as He passed through the Resurrection, He appeared—I would say—shining from the Earth to certain spiritual beings of the extra-earthly realm like a star that now shines into their spiritual world from the Earth. Spiritual beings describe the Mystery of Golgotha in such a way that they say: A star began to shine from the earth into the spiritual realm. — And it was perceived as something extraordinarily significant for the spiritual world that Christ had incarnated into a human body and experienced death within a human body. For by experiencing death within a human body, he was able, immediately after this death, to undertake something that his former divine companions had not been able to undertake.

[ 23 ] Diese früheren Göttergenossen hatten wie eine feindliche Welt gegen sich dasjenige, was man auch in älteren Zeiten Hölle nannte. Aber die Wirksamkeit dieser geistigen Wesenheiten hatte ihre Grenze an den Pforten der Hölle. Diese geistigen Wesenheiten wirkten auf den Menschen. Des Menschen Kräfte ragen auch hinein in die Hölle; das ist ja nichts anderes als das Hineinragen, das unterbewußte Hineinragen des Menschen in die ahrimanischen Kräfte zur Winterzeit und beim Aufstieg dieser ahrimanischen Kräfte in der Frühlingszeit. Die göttlich-geistigen Wesen empfanden das als eine ihnen gegenüberstehende Welt. Sie sahen das aus der Erde aufsteigen, sie empfanden dieses als eine außerordentlich schwierige Welt; aber sie standen mit dieser Welt in Verbindung nur auf dem Umwege durch den Menschen, sie konnten sie gewissermaßen nur anschauen. Dadurch, daß heruntergestiegen war der Christus auf die Erde, selber Mensch geworden war, konnte er hinuntersteigen in den Bereich dieser ahrimanischen Kräfte und sie besiegen, was eben in den Glaubensformeln mit dem Hinuntersteigen in die Hölle ausgedrückt wird.

[ 23 ] These earlier divine companions faced, as if it were a hostile world, that which was also called “hell” in ancient times. But the influence of these spiritual beings was limited to the gates of hell. These spiritual beings acted upon human beings. Human powers also extend into hell; which is nothing other than the human being’s penetration—the subconscious penetration—into the Ahrimanic forces during the winter and during the rise of these Ahrimanic forces in the spring. The divine-spiritual beings perceived this as a world standing opposed to them. They saw it rising from the earth; they perceived this as an extraordinarily difficult world; but they were connected to this world only indirectly through human beings; they could, so to speak, only observe it. Because Christ had descended to Earth and become human Himself, He was able to descend into the realm of these Ahrimanic forces and defeat them—which is precisely what is expressed in the creeds as the descent into hell.

[ 24 ] Damit ist der andere Pol der Auferstehung gegeben. Das hat Christus für die Menschheit getan, daß er, von göttlichen Höhen heruntersteigend, Menschengestalt annehmend, in die Lage versetzt wurde, wirklich hinunterzusteigen in den Bereich, dessen Gefahren der Mensch ausgesetzt ist, in den früher Götter, die sich nicht dem Menschentode ausgesetzt hatten, nicht hinuntersteigen konnten. Damit hat er auf seine Art den Sieg über den Tod errungen, und damit trat, ich möchte sagen, wie der andere Pol dieses Hinabsteigens in die Hölle das Aufsteigen in die geistige Welt hinzu, trotzdem er auf der Erde bleibend war: weil der Christus sich mit der Menschheit so vereinigt hatte, daß er zu dem hinuntergestiegen war, dem die Menschheit ausgesetzt ist. Während der Winterzeit und Frühlingszeit konnte er das für die Menschen erobern, was aus außerirdischen Regionen wiederum in die Erde von der Johannizeit ab zum Herbste hin hereinwirkt. Und so sehen wir in dem Ostergedanken gewissermaßen vereinigt das Hinuntersteigen in die höllische Region, und durch dieses Hinuntersteigen das Erobern der himmlischen Region für die weitere Menschheitsentwickelung.

[ 24 ] This represents the other pole of the Resurrection. This is what Christ did for humanity: descending from the divine heights and taking on human form, he was enabled to truly descend into the realm where human beings are exposed to danger—a realm into which the gods of old, who had not subjected themselves to human death, could not descend. In this way, he achieved victory over death in his own way, and thus, I would say, the ascent into the spiritual world was added as the other pole of this descent into hell—even though he remained on earth: because Christ had united himself with humanity in such a way that he had descended into that to which humanity is exposed. During the winter and spring seasons, he was able to win for humanity what, from extraterrestrial regions, works its way back into the Earth from the time of St. John through to the fall. And so, in the idea of Easter, we see, as it were, the descent into the hellish region united with—and through this descent—the conquest of the heavenly region for the further development of humanity.

[ 25 ] Das alles gehört zu einem richtigen Begreifen des Ostergedankens. Aber was wäre dieser Ostergedanke, wenn er nicht lebendig werden könnte! Es war nur möglich, in alten Zeiten die richtige Empfindung mit dem Gedanken der Wintersonnenwende zu verbinden dadurch, daß man auf der andern Seite den Johannigedanken hatte. Schematisch gezeichnet: Hatte man das Irdische mit seinem tief verborgenen Winterlichen (orange), so war das Dazugehörige dasjenige, was zur Sommerzeit im überirdischen Umkreise war (orange), beides nur durch die Einweihung erreichbar, aber verbunden durch das, was im irdischen Umkreise, im Atmosphärenumkreise war (grün).

[ 25 ] All of this is part of a true understanding of the Easter concept. But what would this Easter concept be if it could not come to life! In ancient times, it was only possible to connect the right feeling with the concept of the winter solstice by having, on the other hand, the concept of St. John’s Day. To put it schematically: If one had the earthly realm with its deeply hidden winter aspect (orange), then its counterpart was that which existed in the super-earthly sphere during the summer (orange); both were accessible only through initiation, but were connected by that which existed in the earthly sphere, in the atmospheric sphere (green).

[ 26 ] Weihnachten fordert Johanni, Johanni fordert Weihnachten. Der Mensch müßte erstarren unter den ahrimanischen Mächten, wenn er nicht den auflösenden luziferischen Mächten ausgesetzt sein könnte, welche dem Gedanken wiederum Flügel geben, so daß er nicht erstarren muß, sondern unter der Einwirkung des Lichtes wiederum auftauen kann.

[ 26 ] Christmas calls for St. John’s Day, and St. John’s Day calls for Christmas. Human beings would be frozen in place by the Ahrimanic forces if they were not also exposed to the dissolving Luciferic forces, which in turn give wings to thought, so that they do not have to remain frozen but can thaw again under the influence of the light.

[ 27 ] Zunächst hat die Menschheit in ihrer Entwickelung nur den einen Pol, den Osterpol, und dieser Osterpol ist abgelähmt worden, Das Osterfest hat nicht mehr seine innere Lebendigkeit. Es wird seine innere Lebendigkeit wieder bekommen, wenn man über dieses Osterfest in der folgenden Weise denken kann, wenn man sich wird sagen können: Durch das, was symbolisch ausgedrückt wird in dem Herabsteigen zur Hölle- was in Wirklichkeit verstanden werden kann als die Auferstehung —, wurde dem Menschen ein Gegengewicht gegeben gegen etwas, was herankommen mußte, gegen das Abgelähmtwerden aller geistigen Anschauung, gegen das Ersterben im irdischen Leben. Prophetisch vorbauen wollte der Christus Jesus demjenigen, was kommen mußte: daß der Mensch eigentlich während seines Lebens auf der Erde zwischen Geburt und Tod das Überirdische, das Geistige so vergißt, daß er diesem überirdischen Geistigen gewissermaßen abstirbt. Diesem Absterben des Menschen im irdischen Leben steht gegenüber der Ostergedanke von dem Sieg des überirdischen Lebens über das irdische Leben.

[ 27 ] To begin with, humanity has, in its development, only one pole—the Easter pole—and this Easter pole has been paralyzed. Easter no longer possesses its inner vitality. It will regain its inner vitality when we can reflect on this Easter in the following way, when we can say to ourselves: Through what is symbolically expressed in the descent into hell—which in reality can be understood as the Resurrection—humanity was given a counterbalance to something that was bound to come: the numbing of all spiritual perception, the withering away in earthly life. Christ Jesus sought to foreshadow prophetically what was to come: that during his life on earth, between birth and death, human beings actually forget the supermundane, the spiritual, to such an extent that they, so to speak, die to this supermundane spiritual realm. This dying of the human being in earthly life is counterbalanced by the Easter idea of the victory of the supermundane life over earthly life.

[ 28 ] Auf der einen Seite steht dieses: Der Mensch steigt herunter aus seinem vorirdischen Leben. Aber in dem Zeitalter, das mit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angebrochen ist, wird der Mensch im irdischen Leben immer mehr und mehr vergessen seinen überirdischen Ursprung, wird gewissermaßen für sein Seelisches im irdischen Leben ersterben. Das steht auf der einen Seite. Auf der andern Seite aber steht: Da gab es ein geistig-himmlisches Wesen, das hat durch seine Tat, die aus den Himmeln in die Erde hereinwirkte, das Gegenbild hingestellt: jenes geistige Wesen, das hinunterstieg in einen Menschenleib und das durch seine eigene Wesenheit das Überirdisch-Geistige in der Auferstehung unter die Menschen der Erde hereingesetzt hat. Zum Andenken dafür haben wir das Osterfest, das im Bilde hinstellt vor die Menschheit die Grablegung des Christus Jesus, die Auferstehung des Christus Jesus.

[ 28 ] On the one hand, we have this: Human beings descend from their pre-earthly life. But in the era that began in the first half of the 15th century, human beings in their earthly lives will increasingly forget their super-earthly origin; they will, so to speak, die to their soul life in their earthly existence. That is on the one hand. On the other hand, however, there is this: There was a spiritual-heavenly being who, through an act that worked from the heavens down into the earth, established the counter-image—that spiritual being who descended into a human body and, through his own being, brought the super-earthly-spiritual into the midst of the people of the earth through the Resurrection. In remembrance of this, we have the Easter festival, which presents to humanity the image of the burial of Christ Jesus and the resurrection of Christ Jesus.

[ 29 ] Er ist ins Grab gelegt worden und nachher auferstanden — das ist der Ostergedanke; das ist def Ostergedanke, wie er sich in die kosmischen Weistümer hineinstellt. — Siehe hin auf dich, o Mensch, du steigst herunter aus überirdischen Welten; dir droht die Gefahr, zu ersterben für deine Seele in dem irdischen Leben. Da aber erscheint der Christus, der dir vor Augen stellt, wie dasjenige, in dem auch du urständest, das Überirdisch-Geistige, wie das den Tod besiegt. Das steht vor dir in dem größten der Bilder, die vor die Menschheit haben hingestellt werden können: die Grablegung des Christus Jesus, die Auferstehung des Christus Jesus. Er ist hineingelegt worden in das Grab. Er ist auferstanden aus dem Grab und denjenigen, die ihn schauen konnten, erschienen.

[ 29 ] He was laid in the tomb and later rose again—that is the essence of Easter; that is the essence of Easter as it is reflected in the cosmic wisdom. — Look within yourself, O human being; you have descended from super-earthly worlds; you face the danger of losing your soul in earthly life. But then Christ appears, revealing to you how that which you, too, originated from—the super-earthly-spiritual—overcomes death. This stands before you in the greatest of the images that could ever be set before humanity: the burial of Christ Jesus, the resurrection of Christ Jesus. He was laid in the tomb. He rose from the tomb and appeared to those who could see him.

[ 30 ] Aber mit den herabgelähmten Seelenkräften kann dieses Bild nicht mehr lebendig werden. Wo kann es heute noch lebendig werden in den abgelähmten Seelenkräften, wie sie heute sind? In einem traditionellen Glauben kann der Mensch noch hinschauen auf das, was ihm die Osterfesteszeit gibt: auf das grandiose Bild der Grablegung und Auferstehung. Aus der inneren Kraft der Seele heraus kann er von sich selber nichts mehr verbinden mit diesem Ostergedanken, mit dem Gedanken der Grablegung und der Auferstehung. Aus der geistigen Erkenntnis heraus muß er wiederum etwas damit verbinden. Und das kann kein anderes sein als dieses: Ja, es ist möglich, daß der Mensch Geist-Erkenntnis an sich herankommen lasse und daß er begreife das andere. Stellen wir es vor uns hin, damit wir es uns tief in die Seele einschreiben, dieses andere!

[ 30 ] But with our soul forces now weakened, this image can no longer come to life. Where can it still come to life today within the weakened powers of the soul, as they are today? Within a traditional faith, a person can still look to what the Easter season offers: the magnificent image of the burial and the Resurrection. From the inner power of the soul, he can no longer connect anything of his own to this Easter thought, to the thought of the burial and the Resurrection. From spiritual insight, they must once again connect something to it. And that can be nothing other than this: Yes, it is possible for a person to allow spiritual insight to approach them and to comprehend the other. Let us hold this before us, so that we may inscribe it deeply into our souls—this other!

[ 31 ] Der Ostergedanke: Er ist ins Grab gelegt, er ist erstanden. Stellen wir dagegen den andern Gedanken vor uns hin, der über die Menschheit kommen muß: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden. — Ostergedanke: Er ist ins Grab gelegt, er ist erstanden. Michael-Festgedanke: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden.

[ 31 ] The Easter message: He was laid in the tomb; he has risen. Let us, however, consider the other thought that must come to humanity: He has risen and can be laid in the tomb with peace of mind. — The message of Easter: He was laid in the tomb; he has risen. The message of the Feast of St. Michael: He has risen and can be laid to rest in the tomb with peace of mind.

[ 32 ] Der erste Gedanke, der Ostergedanke, bezieht sich auf den Christus, der zweite Gedanke bezieht sich auf den Menschen, auf den Menschen, der gerade die Kraft des Ostergedankens begreift: wie durch GeistErkenntnis, wenn er eingetreten ist in das irdische Leben der Gegenwart, wo sein Seelisch-Geistiges erstirbt, seine Seele auferstehen kann, so daß er lebendig wird zwischen Geburt und Tod, so daß er im irdischen Leben innerlich lebendig wird. Dieses innerliche Erstehen, dieses innerliche Auferwecktwerden, das muß der Mensch begreifen durch Geisteswissenschaft; dann wird er beruhigt ins Grab gelegt. Dann wird er in das Grab gelegt, durch das er sonst denjenigen Mächten verfallen müßte, die als ahrimanische Mächte innerhalb des Erdenbereiches zur Wintersonnenwendezeit wirken.

[ 32 ] The first thought—the thought of Easter—refers to Christ; the second thought refers to the human being, to the human being who is just beginning to grasp the power of the thought of Easter: just as through spiritual knowledge, when he has entered into present-day earthly life—where his soul-spiritual nature dies—his soul can be resurrected, so that he becomes alive between birth and death, so that he becomes inwardly alive in earthly life. This inner rising, this inner awakening, is what the human being must comprehend through spiritual science; then he will be laid to rest in the grave with peace of mind. Then he will be laid in the grave, through which he would otherwise have to fall prey to those forces that, as Ahrimanic forces, are at work within the earthly realm at the time of the winter solstice.

[ 33 ] Und das Fest, das diesen Gedanken enthält: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden —, dieses Fest muß hineinfallen in die Zeit, wenn die Blätter beginnen gelb zu werden, von den Bäumen zu fallen, wenn die Früchte reifen, wenn die Sonne jene Gewalt bekommen hat, durch die sie das, was im Frühling Sprießendes, Sprossendes, Wachstumkräftiges war, zur Reife bringt, aber auch zum Welken bringt und wiederum hinneigen läßt zum Inneren der Erde; wenn das, was auf der Erde sich entwickelt, beginnt ein Symbolum des Grabes zu werden.

[ 33 ] And the festival that embodies this thought—that He has risen and can be laid to rest in the tomb—must fall during the time when the leaves begin to turn yellow and fall from the trees, when the fruits ripen, when the sun has attained that power through which it brings to maturity that which sprouts in spring, sprouted, and was full of growth, to maturity—but also causes it to wither and return to the earth’s interior; when what develops on earth begins to become a symbol of the grave.

[ 34 ] Stellen wir das Osterfest hinein in die Zeit, wo das Leben beginnt zu sprießen und zu sprossen, wo die Wachstumskräfte ihre höchste Höhe erreichen, so müssen wir das andere Fest, das da enthält: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden —, hinverlegen in diejenige Zeit, wo es beginnt, in der Erdennatur welk zu werden, wo Grabesstimmung sich ausbreitet innerhalb der Erdennatur, wo vor des Menschen Seele treten kann das Symbolum des Grabes. Da wird rege in dem Menschen der Michael-Gedanke: jener Gedanke, der sich nun aber nicht wie der Ostergedanke in den ersten Jahrhunderten des Christentums an das Anschauen richtet. In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurde die Anschauung hingerichtet auf den ins Grab gelegten und auferstandenen Christus. Im Anschauen wurde die Seele mit ihren stärksten Kräften erfüllt, kräftig gemacht. In dem Festesgedanken der Herbstessonnenwende muß die Seele ihre Stärke fühlen, indem nun nicht appelliert wird an ihr Anschauen, sondern an ihren Willen: Nimm den die ahrimanischen Mächte besiegenden Michael-Gedanken in dich auf, jenen Gedanken, der dich kräftig macht, Geisteserkenntnis hier auf Erden zu erwerben, damit du die Todesmächte besiegen kannst.

[ 34 ] If we place the Easter festival within the time when life begins to sprout and bud, when the forces of growth reach their peak, then we must consider the other festival it encompasses: He has risen and can be laid to rest in the tomb—place it in that time of year when nature begins to wither, when a tomb-like mood spreads throughout the natural world, when the symbol of the tomb can appear before the human soul. There the Michaelic thought stirs within the human being: that thought which, unlike the Easter thought in the first centuries of Christianity, is not directed toward contemplation. In the first centuries of Christianity, contemplation was directed toward Christ laid in the tomb and risen from it. Through contemplation, the soul was filled with its strongest forces and made powerful. In the festive thought of the autumnal equinox, the soul must feel its strength, not through an appeal to its contemplation, but through an appeal to its will: Take into yourself the thought of Michael that defeats the Ahrimanic forces—that thought which empowers you to acquire spiritual knowledge here on earth, so that you may overcome the powers of death.

[ 35 ] Wie der Ostergedanke sich an die Anschauung richtet, so richtet sich dieser Gedanke an die Willensmächte: aufzunehmen die MichaelKraft, das heißt, aufzunehmen die Kraft der geistigen Erkenntnis in die Willenskräfte. Und so kann der Ostergedanke lebendig werden, unmittelbar herangebracht werden an das menschlich Seelisch-Geistige, indem ebenso, wie der Johannigedanke empfunden wurde als der Gegenpol des Weihnachtsgedankens, nun der Michael-Gedanke, der Gedanke des Michael-Festes zur Herbsteszeit als der Gegenpol des Ostergedankens empfunden wird. Wie der Weihnachtsgedanke hervorgetrieben hat durch innere Lebendigkeit den Johannigedanken nach einem halben Jahre, so muß hervortreiben der Ostergedanke den Michael-Gedanken. Die Menschheit muß eine esoterische Reife erlangen dazu, nun wiederum nicht bloß abstrakt zu denken, sondern so konkret denken zu können, daß sie wieder Feste-schöpfend werden kann. Dann wird sie mit dem sinnlichen Erscheinungsverlaufe wiederum etwas Geistiges verbinden können.

[ 35 ] Just as the Easter idea is directed toward perception, so this idea is directed toward the powers of the will: to take in the Michael force—that is, to take in the power of spiritual knowledge into the powers of the will. And so the Easter idea can come to life, can be brought directly into contact with the human soul-spiritual realm, in that just as the Johannine idea was perceived as the counterpole to the Christmas idea, so now the Michael idea—the idea of the Michaelmas festival in the fall—is perceived as the counterpole to the Easter idea. Just as the Christmas idea, through its inner vitality, gave rise to the St. John idea after half a year, so must the Easter idea give rise to the Michael idea. Humanity must attain an esoteric maturity so that it may once again think not merely in abstract terms, but in such concrete terms that it can once more become a creator of festivals. Then it will once again be able to connect something spiritual with the course of sensory phenomena.

[ 36 ] Unsere Gedanken bleiben alle abstrakt. Aber unsere Gedanken mögen noch so großartig, noch so geistvoll sein — wenn sie abstrakt bleiben, werden sie nicht das Leben durchdringen können. Heute, wo die Menschheit nachdenkt darüber, wie sie das Osterfest aufirgendeinen abstrakten Tag setzen könne, nicht mehr nach der Sternenkonstellation, heute, wo alles höhere Erkennen verdunkelt ist, wo man keinen Zusammenhang mehr hat zwischen der Einsicht in die moralisch-geistigen und naturalistisch-physischen Kräfte, heute muß wiederum die Kraft in dem Menschen erwachen, unmittelbar mit der sinnlichen Erscheinung der Welt etwas Geistiges verbinden zu können.

[ 36 ] All our thoughts remain abstract. But no matter how magnificent or how inspired our thoughts may be—if they remain abstract, they will not be able to permeate life. Today, when humanity is pondering how to set the date of Easter on some abstract day, no longer according to the constellations, today, when all higher knowledge is obscured, when there is no longer any connection between an understanding of moral-spiritual and naturalistic-physical forces—today, the power within human beings must once again awaken to be able to directly connect something spiritual with the sensory phenomena of the world.

[ 37 ] Worin bestand denn die geistige Kraft des Menschen, Feste schaffen zu können im Laufe des Jahres je nach dem Verlauf der Jahreserscheinungen? Sie bestand in der ursprünglichen geistigen Kraft. Heute können die Menschen nach der alten traditionellen Gewohnheit Feste fortfeiern, aber die Menschheit muß wiederum die esoterische Kraft gewinnen, von sich aus etwas in die Natur hineinsagen zu können nach dem natürlichen Ablauf. Gefunden werden muß die Möglichkeit, den Herbstes-Michael-Gedanken als Blüte des Ostergedankens zu fassen. Während der Ostergedanke der Ausfluß der sinnlichen Blüte ist, muß die Blüte des Ostergedankens, der MichaelGedanke, als der Ausfluß des physischen Abwelkens in den Jahreslauf hineingestellt werden können.

[ 37 ] What, then, was the spiritual power that enabled humans to create festivals throughout the year in accordance with the course of the seasons? It lay in the original spiritual power. Today, people can continue to celebrate festivals according to the old traditional customs, but humanity must once again regain the esoteric power to be able to speak into nature of its own accord, in accordance with the natural course of events. We must find a way to conceive of the autumn Michael thought as the flowering of the Easter thought. While the Easter thought is the outflow of sensory flowering, the flowering of the Easter thought—the Michael thought—must be able to be placed within the course of the year as the outflow of physical withering.

[ 38 ] Die Menschen müssen wiederum lernen, das Geistige mit dem Naturlauf zusammendenken zu können. Es ist heute dem Menschen nicht bloß gestattet, esoterische Betrachtungen anzustellen; es ist heute notwendig für den Menschen, Esoterisches wiederum tun zu können. Das aber werden die Menschen nur tun können, wenn sie imstande sind, ihre Gedanken so konkret, so lebendig zu fassen, daß sie wiederum nicht nur denken, indem sie sich zurückziehen von allem Geschehen, sondern indem sie denken mit dem Lauf des Geschehens, zusammen denken mit den welkenden Blättern, mit den reifenden Früchten so michaelisch, wie man österlich zu denken verstand mit den blühenden Pflanzen, mit den sprossenden Pflanzen, mit den sprießenden Blüten.

[ 38 ] People must once again learn to conceive of the spiritual in conjunction with the course of nature. Today, people are not merely permitted to engage in esoteric contemplation; today, it is necessary for people to be able to practice the esoteric once again. But they will only be able to do this if they are capable of grasping their thoughts so concretely, vividly that they no longer think merely by withdrawing from all that is happening, but rather by thinking in harmony with the course of events—thinking together with the withering leaves and the ripening fruits in a manner as characteristic of Michael as the Easter-like way of thinking was with the blooming plants, the sprouting plants, and the budding blossoms.

[ 39 ] Wenn man verstehen wird, mit dem Jahreslauf zu denken, dann werden sich in die Gedanken diejenigen Kräfte mischen, welche den Menschen wiederum Zwiesprache werden halten lassen mit den göttlich-geistigen Kräften, die sich aus den Sternen offenbaren. Aus den Sternen herunter haben sich die Menschen die Kraft geholt, Feste zu begründen, die innerliche menschliche Gültigkeit haben. Feste müssen die Menschen aus innerer esoterischer Kraft begründen. Dann werden sie aus den Zwiesprachen mit welkenden, mit reifenden Pflanzen, mit der absterbenden Erde, indem sie die rechte innerliche Festesstimmung dazu finden, wiederum auch Zwiesprache halten können mit den Göttern und menschliches Dasein an Götterdasein anknüpfen können. Dann wird auch der richtige Ostergedanke wieder da sein, wenn dieser Ostergedanke so lebendig sein wird, daß er den Michael-Gedanken aus sich hervortreiben kann.

[ 39 ] When one learns to think in harmony with the cycle of the year, those forces will blend into one’s thoughts that, in turn, will enable human beings to enter into dialogue with the divine-spiritual forces that reveal themselves through the stars. From the stars, human beings have drawn the power to establish festivals that have inner, human significance. People must establish festivals out of inner esoteric power. Then, through their dialogue with withering and ripening plants and with the dying earth—by finding the right inner festive mood for this—they will once again be able to enter into dialogue with the gods and link human existence to divine existence. Then the true meaning of Easter will also return, when this Easter spirit is so alive that it can drive forth the Michael spirit from within itself.