Die menschliche Seele in ihrem Zusammenhang mit göttlich-geistigen Individualitäten
Die Verinnerlichung der Jahresfeste
GA 224
2 Mai 1923, Stuttgart
2. Der individualisierte Logos und die Kunst, aus dem Worte den Geist Herauszulösen
[ 1 ] Auf dem anthroposophischen Boden der Gegenwart muß es dazu kommen, wiederum die Kunst zu entwickeln, welche eine der Künste der alten Mysterien war, jener Mysterien, die auf eine ganz andere Art menschlicher Erkenntnis aufgebaut waren, als wir heute aufbauen, die aber in ihren Gebräuchen, in demjenigen, was ihrer ganzen Handlungsweise zugrunde lag, vieles hatten, was der Menschheit verlorengegangen ist, und was wieder erneuert werden muß. Diejenige Kunst, die ich gerade mit diesen Worten meine, kann man ganz im Sinne der alten Mysterien bezeichnen, indem man sagt: Es muß aus den Worten Geist geholt werden. Es war allerdings in den alten Mysterien so, daß man, wenn man «Wort», «Logos» gesagt hat, etwas viel Vollwichtigeres meinte, als man heute bei dem Worte «Wort» meint. Aber wir müssen lernen, mit den Dingen und Vorgängen der Welt wiederum tieferen und immer tieferen Sinn zu verbinden, und so auch mit dem Satze: Es muß wiederum dazu kommen, aus den Worten den Geist zu holen. Wir wollen uns das heute mit einem ganz bestimmten Beispiel einmal vor die Seele stellen.
[ 2 ] Es ist im Grunde genommen etwas außerordentlich Abstraktes, wenn man davon spricht, der Mensch bestehe seinem Wesen nach aus dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, dem astralischen Leibe, dem Ich und so weiter. Deshalb wurde auch bei den verschiedensten Gelegenheiten versucht zu charakterisieren, was mit diesen einzelnen Wesensgliedern des Menschen eigentlich gemeint ist. Aber man kann in solchen Charakteristiken immer weiter gehen, man wird dadurch immer geistiger. Und in dieser Art wollen wir heute einmal den menschlichen Ätherleib so ins Seelenauge fassen, daß wir dasjenige charakterisieren, was sich dem übersinnlichen Schauen über die Wesenheit dieses menschlichen Ätherleibes ergibt. Man darf nicht bei der unbestimmten Vorstellung stehenbleiben, die sich etwa daraus ergibt, daß man das Verhältnis dieses Ätherleibes zum physischen Leibe in seiner andersartigen substantiellen Beschaffenheit charakterisiert oder dergleichen. Das alles sind Annäherungen an die Wirklichkeit, und erst wenn man diese Annäherungen an die Wirklichkeit immer weiter treibt, dann kommt man dazu, in das wahre Wesen einer solchen Sache einzudringen.
[ 3 ] Nun wissen wir alle, daß, wenn der Mensch innerhalb seiner Erdenwirklichkeit in den schlafenden Zustand übergeht, dann innerhalb des physischen Leibes auch der Ätherleib zurückbleibt und daß, wie wir es ja immer charakterisiert haben, herausgehen aus diesem physischen Leibe und dem Ätherleibe der astralische Leib und das Ich. Dieser astralische Leib und das Ich sind auf der gegenwärtigen Stufe ihrer kosmischen Entwickelung, ich möchte sagen, noch so lebensschwach, daß sie keine bewußten Erlebnisse zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen haben können. Welcher Art diese unbewußten Erlebnisse sind, die astralischer Leib und Ich zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen haben, davon haben wir auch annäherungsweise schon des öfteren gesprochen.
[ 4 ] Wir wollen aber heute den Blick einmal zurückrichten auf dasjenige, was sozusagen im Bette liegen bleibt, wenn der Mensch schläft, und insbesondere auf den ätherischen Leib sehen, gewissermaßen das Wort Ätherleib so behandeln, daß wir aus ihm den Geist herausholen mit derjenigen Kunst, von der ich eben sagte, daß sie in den alten Mysterien geübt worden ist. Da handelt es sich wirklich dann darum, diesen Ätherleib einmal ins Seelenauge zu fassen, zu sagen, was da eigentlich der übersinnlichen Anschauung sich ergibt als das Wesen dieses Ätherleibes, wenn der Mensch schläft. Wir sehen mit dem Einschlafen den physischen Leib immer mehr und mehr zur Ruhe kommen, wir sehen, wie der Mensch während des Schlafzustandes die Möglichkeit verliert, seine Glieder zu bewegen. Wir sehen aber auch, wie er die Möglichkeit verliert, seinen Willen durch die innere leibliche Struktur so zu senden, daß seine Sinne tätig sein müßten. Das Verhältnis der Außenwelt zu den Sinnen ändert sich nicht, aber das Verhältnis der Sinne zur Außenwelt ändert sich dadurch, daß der Mensch gewissermaßen auch innerlich so ruhig wird, wie er mit Bezug auf seine Arme und Beine äußerlich ruhig wird, so daß der Wille nicht durch die Sinnesorgane geschickt wird und die Sinnesorgane nicht der Außenwelt jene feinen Bewegungen entgegenbringen, die da sein müssen, wenn Sinneswahrnehmungen zustande kommen. Aber es ist ein völliger Irrtum, zu glauben, daß die Sinnesorgane selbst, oder besser gesagt der Raum, in dem die Sinnesorgane sich ausbreiten, von Untätigkeit erfüllt ist während des Schlafes. Der physische Leib bleibt ruhig seiner ganzen Ausdehnung nach, aber der Ätherleib des Menschen wird um so tätiger, um so innerlich beweglicher zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Das ist gerade das Charakteristische, daß in demselben Maße, in dem sich die Tätigkeit des physischen Leibes beim Einschlafen und nach demselben beruhigt, um so mehr eine immer regere Tätigkeit des ätherischen Leibes mit dem Schlafen beginnt. Und diese Tätigkeit und Regsamkeit des ätherischen Leibes strahlt insbesondere von den Sinnen aus. So daß man sagen kann: Richtet man den übersinnlichen Blick, das übersinnliche Anschauen auf den schlafenden Menschen, das heißt auf dasjenige vom Menschen, was in der physischen Hülle da ist, dann findet man, wie von den Orten, an denen die Sinnesorgane lokalisiert sind, nach innen eine fortwährende Tätigkeit und Regsamkeit strahlt. Und diese Tätigkeit und Regsamkeit ist das Leben des Ätherleibes oder Lebensleibes während des Schlafes.
[ 5 ] Man sieht zum Beispiel, wie mit dem Einschlafen eine besondere Regsamkeit beginnt von dem Orte der menschlichen Augen aus. Es ist mit diesen Augen so, als ob durch die Einwirkungen des Lichtes während des Wachens das Auge sich anfüllte mit Kräften zu einer Tätigkeit, die sich erst entfaltet mit dem Einschlafen. Und diese Tätigkeit ist eben eine ätherische. In demselben Maße, in dem die Licht- und Farbenwirkungen von außen im Auge sich verfinstern, beginnen die Augen selber wie zwei phosphoreszierende Sonnen ätherisch das innere Wesen des physischen Teiles des schlafenden Menschen zu durchstrahlen. Ein phosphoreszierendes Glimmlicht durchhellt den Innenraum des Menschen. Sie brauchen sich nicht zu verwundern, daß dieses phosphoreszierende Glimmlicht, das nach dem Inneren des Menschen erstrahlt, nicht in der gewöhnlichen Art gesehen werden kann. Denn daß die Augen des andern Menschen dasjenige, was da im Inneren während des Schlafens glimmt, nicht sehen, das ist zu begreifen, weil der Mensch durch seine ganze Organisation für das physische Auge undurchsichtig ist, zu den undurchsichtigen Körpern gehört. Dasjenige, was im Inneren vorgeht, wird mit den äußeren physischen Augen nicht gesehen. Aber im Inneren des physischen Leibes ist zunächst kein Organ, welches dieses Glimmende, Phosphoreszierende unmittelbar sehen könnte.
[ 6 ] Damit haben wir eine der inneren Tätigkeiten und Regsamkeiten des ätherischen Leibes im Menschen während des Schlafes charakterisiert. In diese Tätigkeit strömt eine andere hinein. In der Tat, dasjenige, was ja der Mensch noch im Einschlafen verspüren kann - ein gewisses Summen und Zirpen, strömendes Rauschen seiner Innenorganisation -, setzt sich während des Schlafzustandes in einer außerordentlich melodien- und harmonienreichen musikalischen Regsamkeit fort, die auch das ganze Innere des Menschen während des Schlafes durchsetzt. Diese musikalische Regsamkeit dauert vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und die außerhalb des physischen und Ätherleibes befindlichen Wesensglieder Ich und astralischer Leib werden stark beeindruckt von demjenigen, was sie da im Bette zurückgelassen haben als den tönenden, klingenden ätherischen Leib, der aber in seinem Tönen und Klingen zugleich leuchtet. Nur bleibt zunächst dasjenige, was da als Eindruck auf Ich und astralischen Leib ausgeübt wird, im Unbewußten.
[ 7 ] Ebenso werden nach dem Inneren des Menschen ätherische Wärmeströmungen, und zwar von der ganzen Oberfläche der Haut, nach innen gestrahlt. Zusammen mit manch anderem, was ferner liegt dem in der äußeren Welt als Wärme, Licht und Töne Wahrgenommenen, was man daher auch schwer charakterisieren kann, ergibt das alles ein ungeheuer schönes, großartiges, gewaltiges inneres Regen und Bewegen und Fluten des ätherischen menschlichen Leibes. Das ist so, wie wenn sich aus dem Universum mit dem ätherischen Leibe des Menschen herauserhöbe, aus inneren Gründen -— welche inneren Gründe aber keine andern sind als die menschliche Wesenheit selber, als ihr Dasein -, erhöbe inselartig, möchte ich sagen, aus dem allgemeinen Ätherischen des Kosmos heraus: dieses besondere Tönen und Leuchten und Fluten in Wärmeströmungen des individuellen ätherischen Leibes des Menschen. Und dieses wärmende Fluten, dieses phosphoreszierende Leuchten, dieses musikalische Tönen, sie sind es ja auch, welche wenige Tage nach dem Tode des Menschen als äthetischer Leib sich loslösen vom astralischen Leibe und Ich und hinausfluten, hinausströmen in den allgemeinen Äther des Universellen, des Kosmischen.
[ 8 ] Vielleicht haben manche von Ihnen bemerkt, wie dem Menschen, wenn er des Morgens aufwacht und abends etwa bei einem Konzerte war, das auf ihn einen lebendigen Eindruck gemacht hat, das Aufwachen so erscheint, als ob die Seele sich herauserhöbe aus dem wiederholten Erleben der im Konzert gehörten Musik. Es ist so, als ob die Seele noch einmal während des Schlafes das ganze Konzert durchgemacht hätte. Der Vorgang ist aber komplizierter, als er dem gewöhnlichen Bewußtsein erscheint. Denn in Wahrheit erhebt sich die Seele von den Eindrücken jener Weltenmusik, die sich individualisiert im menschlichen Ätherleibe. Aber indem der Mensch wiederum zurückkehrt in seinen Ätherleib und durch die Eindrucksfähigkeit des physischen Leibes alles dasjenige, was ich Ihnen für diesen Ätherleib geschildert habe, übertönt wird, übersetzt die menschliche Seele dasjenige, was individualisierte kosmische Musik ist, in die zuletzt gehörten irdischen Töne. Die sind gewissermaßen das Kleid, das sich diese kosmische Musik im Momente des Aufwachens überzieht, weil diese kosmische Musik eine gewisse Gemeinschaft mit den flutenden Tonmassen des gehörten Konzertes hat. Weil der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein unfähig ist, die kosmische Musik zu vernehmen, umkleidet sich diese kosmische Musik mit dem, was ihr am meisten vergleichbar ist aus dem irdischen Leben: mit den im Konzert gehörten Tonmassen. So ist das wirkliche Erlebnis, das einer Erscheinung zugrunde liegt, die vielleicht die meisten von Ihnen einmal gehabt haben.
[ 9 ] Sie sehen also, welch Kompliziertes eigentlich im menschlichen Ätherleib enthalten ist. Und wenn man versucht, weiter einzudringen mit den Mitteln, mit denen man in solche Welten eindringen kann, dann merkt man, daß dieses wärmende Strömen, dieses phosphoreszierende milde Leuchten, diese fluktuierende Musik die äußere Offenbarung für waltende Weltenwesen ist. Eigentlich ist alles dasjenige, was ich Ihnen beschrieben habe, wiederum das äußere Kleid, die äußere Offenbarung, der Schein von waltenden Weltenwesen. Und diese waltenden Weltenwesen enthüllen sich als diejenigen, die wir aus der anthroposophischen Literatur kennen als die Exusiai. Ich habe daher diese Exusiai auch öfter Offenbarungen genannt, weil sie ihrer inneren Wesenheit nach leben in demjenigen, was in den menschlichen Sinnesorganen während des irdischen Schlafzustandes des Menschen nach dem Inneren des Menschenwesens hin erstrahlt. In diesem Erstrahlen offenbart sich eben das Leben und Weben jener Wesenheiten der höheren Hierarchien, die wir die Exusiai nennen.
[ 10 ] Nun kann man aber mit denselben Mitteln, mit denen man diese Offenbarungen der gerade im Schlafe in ihrer ätherischen Substanz so rege werdenden menschlichen Sinne beobachtet, weiter verfolgen, wie dieses Nach-innen-Strahlen-und-Strömen eben weiter nach innen wirkt. Geradeso wie man im tagwachen Zustande sich sagt: Du siehst irgendeinen leuchtenden Gegenstand; man verfolgt dann gewissermaßen die Linie vom Auge nach diesem leuchtenden Gegenstande hin, der leuchtende Gegenstand wird irgendwo auf der Strecke außen gefunden, die da die Sehlinie des Auges, also des Sinnesorganes bildet -, so kann man, aber jetzt nach innen, dasjenige verfolgen, was ätherisch von den Sinnen nach innen strömt, flutet und strahlt. Man wird da nicht so lange Wege durchzumachen haben, kurze Wege, man wird sehr bald auftreffen auf ein anderes. Das phosphoreszierende Mildleuchten, das von den Augen ausgeht, das musikalische Wirken, das lokal ausgehend von den Gehörorganen sich darstellt, das strömende Wärmen, das von dem ganzen Umfange der Haut nach innen geht, all das geht sehr bald über in ein organisch in sich geschlossenes ätherisches System. Während man, wenn man den wachenden Menschen beobachtet, den ätherischen Leib in Tätigkeit sieht - den ganzen physischen Leib des Menschen allerdings auch, aber in einer etwas andern Tätigkeit, als ich sie für den Schlaf beschrieben habe; man sieht dann diese Tätigkeit sich ein wenig über den physischen Leib des Menschen heraus ausdehnen -, sieht man jetzt gewissermaßen dasjenige, was von den Sinnen und von der ganzen Haut nach innen strömt und wellt und strahlt, eine gewisse Strecke gestaltet wie eine Art schalenartige Nachbildung des Menschen, die sich nach innen erstreckt. Man sieht von den Augen nach innen phosphoreszierendes Leuchten, das dann übergeht in etwas anderes, was ich gleich beschreiben werde. Man sieht das wärmende Strömen von der Haut nach innen gehen, so eine Art Schale, die dem menschlichen physischen Organismus nachgebildet ist, die eine gewisse Dichte erreicht, dann aber übergeht in eine Art Ätherorganisation, die in ihrem substantiellen Gehalt wie durchmischt, zusammengesetzt ist aus musikalischem Wirken, phosphoreszierendem Lichte, Wärmeströmungen. Das alles und manches andere strömt durcheinander, beeinflußt sich gegenseitig, bildet eine Art Organisation, die eben die ätherische Organisation des Menschen ist. Und wenn man nun diese ätherische Organisation des Menschen ins Geistesauge faßt, wenn man beginnt, sie zu verstehen nach alledem, wie sie sich enthüllt, dann kann man sie nicht anders ansprechen als: sie besteht aus lauter Gedankenformen, aus strömenden Gedanken. Was da drinnen strömt, ist in jedem Punkte Gedanke. Würde man in irgendeinem Augenblick diese fortwährend fluktuierende innere Regsamkeit des schlafenden Ätherleibes verfolgen und in einem Augenblick dann aufzeichnen, würde man natürlich Linien oder Farbenformen hinmalen, aber wenn man die Substanz dieser Linien oder Farbenformen charakterisieren sollte, könnte man nicht anders sagen als: Das ist, wie wenn Gedanken anfangen würden zu strömen. — Es ist dasselbe, was sonst in der Gedankentätigkeit lebt, was aber da ein Strömen, ein Wellen, ein Fluktuieren wird. Es ist die individualisierte Gedankenbildung des Kosmos. Diese individualisierte Gedankenbildung des Kosmos enthüllt sich als der individualisierte Logos. Denn eigentlich kann man gar nicht einmal sagen: Was da im Menschen drinnen strömt und webt als Gedankenbildung, als innerer Anschluß an diese nach innen strahlenden und strömenden Sinnesbewegungen, das ist bloß strömender Gedanke -, sondern das redet, redet allerdings eine stumme, aber eben eine für das Innere des Menschen wahrnehmbare Sprache, redet wirklich — wie alle Dinge durch den Logos zu uns sprechen - in einer individuellen Gestalt, drückt aus in einem geistig wahrzunehmenden inneren Worte das Wesen des Menschen. |
[ 11 ] Wenn wir also von den Sinnen tiefer nach innen gehen, so erscheint uns gewissermaßen die nach innen gewendete menschliche Sprache. Ja, es ist durchaus so, daß man sagen kann: Ich und astralischer Leib des Menschen, die vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb des physischen und Ätherleibes sind, bleiben allerdings für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt, aber sie erleben deshalb doch dasjenige, was geschieht. Und wie sie die ätherische Tätigkeit der Sinne während des Schlafes erleben als nach einwärts gerichtetes Strömen und Strahlen, so erleben dieses Ich und dieser astralische Leib während des schlafenden Zustandes des Menschen den Ätherleib als individualisierten Logos, wie eine nach innenwärts gewendete Sprache. Es ist, wie wenn die Sprache, die sonst nach außen strahlt zu den Ohren unserer Mitmenschen, sich während des Schlafes ätherisch gewandelt nach innen gewendet hätte, und wie wenn wir alles dasjenige, was wir während des Tages vom Aufwachen bis zum Einschlafen gesprochen haben, noch einmal in rückwärtiger Folge - es beginnt mit dem Abend und endet mit dem Morgen - nach innen aussprechen würden. Wir reden nach innen in einer stummen Sprache wiederum alles dasjenige, was wir vorn Morgen bis zum Abend ausgesprochen haben, aber so, daß wir unser ganzes Seelisches in dieser nach innenwärts gewendeten Sprache zur Offenbarung bringen. Also insofern das Wesen des Menschen in demjenigen erlebt wird, was der Mensch vom Morgen bis zum Abend spricht, wird dieses im Sprechen Erlebte vom Abend bis zum Morgen nach innen realisiert in dem tönenden, sprechenden Logos, jenem tönenden, sprechenden, individualisierten Logos, der aber zu gleicher Zeit, wie in das Ätherische zeitlich hineinschreibend, in jenem glimmenden, mild phosphoreszierenden Lichte die okkulte Schrift zum Ausdruck bringt für all das, was da innenwärts als die andere Seite des am Tage Gesprochenen während der Nacht zur Wirksamkeit kommt — überhaupt während des Schlafens: es ist ja geradeso, wenn der Mensch ein Tagesschläfchen hält, nur daß die Dinge sich dann fragmentarischer ausleben.
[ 12 ] Und wenn man wiederum mit denselben Mitteln, mit denen sich das innere Weben des individualisierten Logos offenbart, nun nachforscht, was da eigentlich ist, was er da zunächst in einem für das eigentliche Wesen der Welt doch äußeren Schein kundgibt, wenn man weiter prüft, was das Wesenhafte ist, dann kommt man darauf: Das ist die Summe jener Hierarchien, die wir bezeichnet haben in der anthroposophischen Literatur als die Dynamis, die über den Exusiai stehen.
[ 13 ] Und als drittes findet man dann, wenn man versucht, die Kunst zu entwickeln, aus den Worten die Wesenhaftigkeiten zu suchen, als drittes findet man die Wesenhaftigkeiten für das, was ich einmal beschrieben habe wie eine Art Gegenrückgrat. Vielleicht erinnern sich manche von Ihnen, wie ich vor vielen Jahren beschrieben habe den menschlichen Ätherleib. Schon in « Lucifer-Gnosis», in den Artikeln, welche das Wesen des Menschen dort wiedergeben, ist beschrieben, wie die Strömungen, die im Ätherleib im allgemeinen liegen, sich auch ergeben in ihrem Zusammenwirken in solch einem Gebilde, das nach vorne beim Menschen liegt, wie beim physischen Leibe nach rückwärts die Knochenbildungen des Rückgrates mit dem Rückenmarkskanal liegen. Wir haben im physischen Leibe dieses vertikal verlaufende Rückgrat mit dem Rückenmarkskanal, und wir haben im ätherischen Leibe ein Zusammenströmen, Zusammenstrahlen desjenigen, was ich Ihnen eben jetzt beschrieben habe in einer Art von Gegenrückgrat, das aber, wenn man den physischen Leib ins Auge faßt, an der vorderen Seite des Menschen liegt. Und wie von dem physischen Rückgrat die Nervenstränge, aber auch zum Beispiel die Rippenknochen ausgehen, so verlaufen die erwähnten Strahlungen und Strömungen in dem ätherischen Leibe so, daß sie jetzt nicht ausgehen von diesem Gegenrückgrat, sondern in ihm gewissermaßen zusammenströmen, mit alldem, was sie haben, an der Vorderseite des menschlichen ätherischen Leibes zusammenwirken. Das gibt ein ungemein schönes, großartiges, gewaltiges ätherisches Organ, das aber insbesondere in einer glitzernden, leuchtenden, tönenden, in allerlei Wärmewirkungen sich entladenden, aber auch innerlich sprechenden Wesenheit besteht und sich insbesondere so enthüllt während des Schlafzustandes des Menschen. Und man bekommt, wenn man genauer zusieht, durchaus eine Anschauung davon, wie dann dieses Organ dasjenige durchsetzt, was ich einmal, weil solche Dinge mit völliger anschaulicher Bildhaftigkeit beschrieben werden müssen, als die einzelnen Lotusblumen charakterisiert habe. So daß Sie erkennen können, wie durch dieses Organ, das aus dem Ätherleibe zusammenströmend sich selber erwirkt und dann mit den Strömungen des astralischen Leibes die Lotusblumen formt, wie durch dieses Organ der Mensch eben weiter seinen Anschluß findet an die äußerliche astralische, kosmische Welt.
[ 14 ] Und wieder ist das eine Art von Offenbarung. Doch wieder ist das etwas, was man ansprechen kann als einen äußeren Schein, für den man die innere Wesenheit suchen muß. Und sucht man diese innere Wesenheit, so findet man sie in der Hierarchie, die ich in der anthroposophischen Literatur genannt habe die Kyriotetes. Jetzt erst haben Sie aus dem Worte Ätherleib herausgeholt dasjenige, was wesenhafter Ätherleib des Menschen eigentlich ist. Br ist ein Zusammenwirken, Zusammenfluten, Zusammenweben der Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, die ihre strömende, flutende, tönende, sprechende Wirksamkeit individualisieren und den menschlichen Ätherleib bilden.
[ 15 ] Aber indem wir dasjenige anschauen, was da individualisierend Kyriotetes, Dynamis, Exusiai so bilden, daß es, hineinleuchtend in seiner Individualisierung in den menschlichen physischen Leib, hineinwärmend, hineintönend, hineinsprechend den menschlichen Ätherleib bildet, dann sind wit auch schon beim astralischen Leib des Menschen angelangt. Denn in diesem Sich-regend-Betätigen, in diesem individualisierenden, aus dem Kosmos strömenden, aber im Menschen sich individualisierenden Betätigen der zweiten Hierarchie ist dasjenige enthalten, was menschlicher astralischer Leib ist. Im Ätherleibe zeigt sich diese Tätigkeit, im astralischen Leibe ist sie.
[ 16 ] Und nun bedenken Sie diese ganze Tätigkeit, in die da der Mensch während des Schlafes verwoben ist. In diese Tätigkeit der zweiten Hierarchie ist er ja während des Schlafes unbewußt verwoben, diese ganze Tätigkeit braucht der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes hindurchgeschritten ist. Denn in dieser Tätigkeit muß er weiterhin leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wenn er den Ätherleib als solchen abgestreift hat, wenn hingeflutet ist nach einigen Tagen das Tönen, dieses musikalische Wirken, dieses mild phosphoreszierende Leuchten, dieses wärmende Strömen. Wenn das einige Tage nach dem Tode ausgeflossen ist in den universellen Kosmos, wenn man das Leuchten immer weiter sich ausbreitend, aber auch immer schwächer und schwächer werdend bemerkt hat, wenn man die Musik immer stiller und stiller werdend bemerkt hat - ich müßte eigentlich anders sprechen: wenn man von diesen Regionen spricht, ist es natürlich, ein Ding durch seinen polarischen Gegensatz auszudrücken; besser wäre es, denn das entspricht mehr dem, was der Tote wahrnimmt, wenn ich sagen würde: Dasjenige, was zuerst wie ein stummes Tönen ist, das aber für den inneren Menschen wahrnehmbar ist, das wird immer lauter und lauter, indem es sich verbreitet, und es ist dann so, wie wenn man — gerade durch das Lauterwerden, das man nun als geistig-seelisches, aber für die Erde abgestorbenes Wesen nicht mehr vernehmen kann, weil man die physischen Ohren nicht hat, es müßten eben physische Ohren da sein — das immer Lauterwerden eben vernimmt wie ein Verglimmen der inneren ätherischen Musik.
[ 17 ] Ähnlich ist es mit dem andern, das der Mensch da unmittelbar nach dem Tode in den ersten Tagen durchlebt. Da aber fühlt er sich in seinem astralischen Leibe. Aber das ist ja wieder nur die Außenseite, von der man spricht, ein Wort: Der Mensch befindet sich in der Seelenwelt, wie ich es in der «’Theosophie» beschrieben habe. Aber das, was ich dort beschrieben habe, was zunächst den Eindruck wiedergibt für das dem Menschen zugängliche nächste Seelenorgan, das enthüllt sich ja für die im Kosmischen zu entwickelnde universelle, kosmische Intelligenz als eine in sich sich verschlingende, in sich sich verwebende Tätigkeit der Wesenheiten der zweiten Hierarchie.
[ 18 ] Und nun bemerken Sie, wie dieses Sein in der Tätigkeit dieser Wesenheiten der zweiten Hierarchie nach dem Tode zunächst eigentlich ist. Man hat gelebt auf Erden zwischen der Geburt und dem Tode, man hat abgewechselt zwischen dem Wachen und dem Schlafen. Während des Wachens war man mit dieser ganzen Tätigkeit, in der die menschliche Seele lebt, verwoben in Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Man war mit alldem immer genötigt, in die Formen des physischen Leibes unterzutauchen. Während des Schlafes lebte man mit dem Ätherleibe, der aber auch diese ganze Tätigkeit hinindividualisiert auf ‚die Formen des menschlichen physischen Leibes. Da nahm aber diese Tätigkeit, in die man verwoben war, für diese zweite Hierarchie auch all das an, was der Mensch moralisch war: inwiefern er gut und böse war, inwiefern er dem Irrtum oder der Wahrheit hingegeben war. Die den Wesenheiten der zweiten Hierarchie angemessenen Tätigkeiten individualisieren sich nach dem hin, was da der Mensch ist als guter oder böser Erdenmensch, als in Wahrheit oder in Irrtum lebender Erdenmensch. Und man muß sich erst richten nach dem, was nun die Wesen dieser zweiten Hierarchie aus ihrem Sein heraus für eine Tätigkeit ausüben wollen für das Wesen des Menschen.
[ 19 ] Man muß gewissermaßen, wenn ich mich grob ausdrücken will, das Folgende berücksichtigen. Nehmen Sie an, man ist verknüpft mit irgendeinem Wesen aus der Hierarchie der Dynamis. Dadurch daß man das ist, entwickelt man ja dann, indem noch ein Erzengelwesen diese Tätigkeit vermittelt, die Fähigkeit des Sprechens im menschlichen Organismus. Aber indem man diese Fähigkeit entwickelt, werden gewissermaßen die Tätigkeiten der Dynamis verrenkt und auch ins Kleinliche verzerrt. Und wenn der Mensch seine Worte dazu verwendet, Böses, Haßerfülltes zu sagen, dann werden sie stark verrenkt, diese Tätigkeiten der zweiten höheren Hierarchie. Und das alles muß wieder eingerichtet werden. Das alles muß so werden, daß der Mensch nicht in den Formen weiterlebt, die er all dem, was ich da geschildert habe, gegeben hat durch seine moralische Wesenheit oder auch seine unmoralische Wesenheit, sondern daß er das alles abstreift und daß er sich hineinfindet in die Betätigung und Regsamkeit, welche die der Wesen der zweiten Hierarchie ist. Dieses Abstreifen der Verrenkungen, der Verkleinlichungen, dieses Abstreifen der ins Gegenteil gehenden Verkehrungen der Regsamkeiten der zweiten Hierarchie, das wird bewirkt durch alles dasjenige, was ich als den Durchgang des Menschen durch die Seelenwelt beschrieben habe. Und dann ist der Mensch aufgestiegen zu dem, was ich in der «’Theosophie» beschrieben habe als das Geisterland, wenn der Mensch folgen kann mit seinem eigenen Ich-Dasein, mit seinem geistig-seelischen innersten Dasein den Tätigkeiten, die entsprechen dem Wesen der Dynamis und Kyriotetes.
[ 20 ] Da haben Sie - mit der Kunst, aus Worten das Wesenhafte hervorzusuchen - noch einmal geschildert, charakterisiert das Wesen des Menschen. So nähert man sich immer mehr und mehr einer Anschauung des Wesens des Menschen. Man muß, geradeso als wenn man die Verteilung der Figuren eines Raffaelschen Madonnenbildes, der Sixtina zumBeispiel, zuerst mit ein paar charakteristischen Strichen auf die Tafel bloß hinzeichnen würde, so mit den Worten physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, Ich hinzeichnen dasjenige, was in Wirklichkeit aber voll erfüllte innerliche Regsamkeit und Tätigkeit ist, innerhalb welcher Regsamkeit und Tätigkeit sich eben die Wesenheiten des Kosmos, des physischen, seelischen und geistigen Kosmos offenbaren. Zuletzt kommt man immer auf Wesenhaftes. Wenn man irgend etwas so schildert, als ob es ein räumlich sich unbestimmt Ausbreitendes wäre, als ob es ein in der Zeit Schwimmendes wäre, wenn man so etwas schildert, was man dann nennt physische Welt, ätherische Welt, so schildert man eigentlich immer die Offenbarung. Man schildert eigentlich so, wie man, wenn irgendwo in der Ferne ein Mückenschwarm ist, nicht die einzelnen Mücken unterscheidet, sondern nur einen grauen Fleck in der Luft sieht: man malt dann einen grauen Fleck, weil man auch nur einen solchen sieht. So ist ein solcher grauer Fleck in der eigentlichen Welt das, was man zuerst nennt Ätherleib, astralischer Leib. Sind solche grauen Flecke in der physischen Luft und schaut man dann näher hin, geht man näher heran, so entdeckt man die einzelnen wesenhaften Mücken. Schaut man näher zu bei diesen geistigen grauen Flecken, Ätherleib, astralischer Leib, dann entdeckt man immer Wesenheiten.
[ 21 ] Wesenheiten, das ist dasjenige, wozu man zuletzt bei aller Welterklärung kommen muß. Denn Wesenheiten sind einzig und allein das Reale. Es entsteht irgend etwas nur durch das Zusammenwirken von Wesenheiten, wodurch dann dem undeutlichen Gesichte sich eben dasjenige ergibt, was nicht wirklich ist. Wie da in der grauen Wolke, die ja nicht wirklich ist, die Mücken wirklich die einzelnen Wesenheiten sind, so sind überall in der Welt die einzelnen Wesenheiten das Wirksame, und das andere ist nur ein Schein, der aus dem Zusammensein der Wesenheiten entsteht. Auch die physische Materie ist ein solcher Schein. In Wahrheit liegt allem Wesenhaftes zugrunde. Das muß der Mensch wiederum einsehen, damit er nicht von dem spricht, was gar nicht da ist, von Materie, oder auch, was nicht besser ist, vom Geist im allgemeinen, sondern damit er sprechen lernt von Wesenheiten, von individuellen Wesenheiten des Weltenalls.
[ 22 ] Man hat einstmals in den alten Mysterien verstanden, von Wesenheiten des Weltenalls zu sprechen. Und man hat schon einmal gewußt, daß Materie sowohl wie dasjenige, was man im gewöhnlichen Bewußtsein als Geist bezeichnet, was aber nur ein graues Geistiges ist, das in allen Dingen pantheistisch darin sein soll, dies nicht etwas ist, womit man Realitäten bezeichnet, sondern daß man, wenn man Realitäten haben will, die einzelnen wesenhaften Dinge haben muß. Nur ist das Bewußtsein von diesen Wesenheiten allmählich verlorengegangen; verlorengegangen in dem Maße, als sich im Menschen selber dieses Wesenhafte immer mehr und mehr herausgebildet hat. Es ist durchaus so, daß in der neueren Zeit, beginnend mit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts - ich habe diesen Zeitpunkt oft erwähnt - der Mensch immer intellektueller wird. Dasjenige, was er von sich weiß, wird immer abstrakter. Aber hinter diesem abstrakteren Leben steckt eine immer mehr in sich lebende Wesenhaftigkeit, die in sich immer voller wird an innerer Geistigkeit. Und der Mensch hat das traumhafte Bewußtsein verloren, das er einmal hatte von den Wesenhaftigkeiten im Kosmos, gerade indem er immer mehr und mehr eine sich erfassende Wesenhaftigkeit wurde. Er muß wiederum die Anschauung gewinnen, daß nur da Realitäten sind, wo individuelle Wesenheiten aufgezeigt werden können im Kosmos. Das war der notwendige Gang der Menschheitsentwickelung, daß man in alten Zeiten überall Wesenhaftes gesehen hat, aber das war eben ein Traumbewußtsein. Dann ist die Zeit gekommen, wo man gewissermaßen die Sache so empfunden hat, als ob all dieses Wesenhafte, all das, was im Kosmos lebt als das Wesenhafte, Kyriotetes, Dynamis, Exusiai, Archai, Archangeloi, Angeloi, Menschen-Iche, tierische Gruppenseelen, pflanzliche kosmische Seelen und so weiter, die Realitäten sind. Nicht einmal die Tiere, wie sie auf der Erde leben, sind Realitäten, sie sind auch nur Schein; die Realitäten sind die Gruppenseelen. Die ganze Pflanzenwelt der Erde ist keine Realität, sondern die Erdenseele ist die Realität. Pflanzen sind ja nur wie die Haare auf dem Erdenorganismus, gleich den Haaren auf unserem eigenen Organismus. Aber indem man einmal gewußt hat, alle diese Wesenheiten, die ich eben genannt habe, sind - sich hinstrahlend, offenbarend, sich aussprechend - im Weltenall vorhanden, wußte man: Das Sich-Aussprechen kommt aus ihrer Wesenheit. Jenes allgemeine Erklingen, das aus dem Zusammenfluß dessen entsteht, wenn sich die einzelnen Wesenheiten aussprechen, das ist der Logos. Aber der Logos, er ist auch zunächst nur ein Schein gewesen. Nur dadurch, daß ihn der Christus zusammengefaßt hat, diesen Schein gewissermaßen in seiner eigenen Wesenheit verdichtet hat, ist durch das Mysterium von Golgatha der Scheinlogos als wirklicher Logos auf der Erde geboren worden.
[ 23 ] So muß man diesen Zusammenhang durchschauen. Man kann dann die einzelnen Wesenheiten geistig beschreiben, wie sie mild phosphoreszierend leuchten und tönen, wie sie Wärmeströmungen verbreiten, wie sie sich aussprechen. Das ergibt für jedes einzelne Wesen eine volle geistige Gestaltung. Und diese vollen geistigen Gestaltungen sind das einzig Wirkliche im Weltenall. Viel hat man im alten traumhaften Bewußtsein von diesen einzigen Wirklichkeiten im Weltenall gewußt. Aber, ich möchte sagen, es schrumpfte immer mehr und mehr dieses Wissen zusammen. Man wußte einmal: So strahlt eine gewisse Wesenheit Form, die man zu den Kyriotetes zählt, so strahlen menschliche Iche, so strahlen Angeloi und so weiter. Aber man konnte immer weniger und weniger schauen von den Realitäten, das alles schrumpfte immer mehr wie in einem Punkte zusammen. Man wußte ursprünglich ganz gut, wie sich die Offenbarungen der Exusiai zum Beispiel von den Offenbarungen der Menschen-Iche unterschieden, wiederum die Offenbarungen der Menschen-Iche von den Offenbarungen der tierischen Gruppenseelen oder der pflanzlichen Erdenseele. Man wußte die Unterschiede, allmählich aber breitete sich Unbewußtheit über diese Unterschiede aus. Und es gab eine Zeit, in der nur mehr das Bewußtsein vorhanden war: Ja, es gibt solche Realitäten, alles andere ist nicht real. Raum ist nicht real, Zeit ist nicht real, Materie ist nicht real, auch die allgemeine Geistigkeit ist nicht real, sondern Weltenindividualitäten sind real. Aber man konnte sie nicht mehr voneinander unterscheiden. Da bezeichnete man sie mit einem gleichförmigen Worte, mit dem gleichförmigen Worte Monade. So war. es bei Leibniz, bei Giordano Bruno. Sie sprachen von Monaden. Diese Monaden waren, bis ins Winzige zusammengeschrumpft, jene Realitäten, von denen ich eben sprach. Und man unterschied die eine Monade von der andern höchstens noch in dem Attribut, das man hinzufügte zu dem Worte Monas: die Monade der Exusiai, die Monade der Menschen, die Monade der Tiere und so weiter.
[ 24 ] Und endlich haben die Menschen auch die Möglichkeit verloren, von den Monaden zu sprechen, denen zunächst der große deutsche Denker eine vorstellende Kraft zugeschrieben hatte, weil er eine Ahnung hatte davon, daß eben Geistiges lebt in dem, was zur Monade zusammengeschrumpft war. Wir müssen uns nicht nur erinnern, daß die Monade ein Lebendiges ist. Soll die Menschheitszivilisation nicht verfallen, sondern sich immer weiter entwickeln, müssen wir uns nicht nur an die Monade erinnern, wir müssen wiederum verstehen, und zwar jetzt mit einem erhöhten, klaren Bewußtsein, wie alle wirklichen Realitäten geistig-seelische, lebendige Wesenhaftigkeiten sind. Da aber muß das, was zuerst wie mit ein paar Linien hingezeichnet wird — physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib -, in der Weise belebt werden, wie wir das heute getan haben.
[ 25 ] Und man gelangt dazu, gewissermaßen das menschliche GeistigSeelische verwoben zu sehen in die Wesenhaftigkeiten der zweiten Hierarchie. Aber indem man dann verfolgt, wie der Mensch von Erdenleben zu Erdenleben geht, wie eine ausgleichende kosmische Gerechtigkeit, ein Karma wirkt von Erdenleben zu Erdenleben, wie das zu gleicher Zeit entspricht einer gewissen Wirksamkeit im Kosmos, gelangt man dazu, auch hier wiederum nicht bei der Abstraktion Karma, bei der Abstraktion Weltengerechtigkeit stehenzubleiben oder gar bei der Abstraktion moralische Weltenordnung, sondern man gelangt da auch zu Realitäten. Wie man, wenn man beim ätherischen Leibe zu beschreiben beginnt, hinaufkommt bis zur zweiten Hierarchie, damit aber zugleich den astralischen Leib des Menschen beschrieben hat, so kann man beim astralischen Leibe beginnen, kann im astralischen Leibe Denken, Fühlen, Wollen, die da verglimmen mit dem Einschlafen, die mit dem astralischen Leibe hinausgehen, gewissermaßen auffangen. Fängt man da an, sucht man dafür die Realitäten, dann findet man: In unserem menschlichen Denken lebt eigentlich die Tätigkeit der Angeloi, in unserer menschlichen Sprache, die aus dem Gefühl entspringt, lebt, nächtlich schlafend für den Menschen, die Tätigkeit der Archangeloi, und in dem, was durch die menschlichen Bewegungen der Gliedmaßen, durch das Willensdurchsetzte im wachen Leben zur Offenbarung kommt, was ja auch im astralischen Leibe vor sich geht, lebt nächtlich, wenn der astralische Leib draußen ist, die Welt der Archai. Aber das, was da draußen lebt, diese übersinnlichen Tätigkeiten von Archai, Archangeloi, Angeloi, die dann sich spiegeln beim wachenden Menschen im Wollen, Fühlen, Denken, die müssen zusammengestimmt werden mit Ätherleib und physischem Leib. Der physische Leib muß nun auch so gestaltet werden, daß er zum Denkorgan, zum Sprachorgan oder zum Bewegungsorganismus werden kann. Da sieht man, wie wieder die Tätigkeit der Kyriotetes, Dynamis, Exusiai in noch höhere Tätigkeit übergeht: in die Tätigkeit der Throne, welche die menschliche Willensbetätigung in Einklang bringen mit der Organisation des physischen Menschen, des Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen. Wir kommen dann zur Hierarchie der Cherubim, welche in Einklang bringen die menschliche Sprachfähigkeit mit der Organisation desjenigen, was der Sprache physisch zugrunde liegen kann. Im Sprach- und Gesangsorganismus, überhaupt in alledem, was Organismus ist für Sprache oder Sprachähnliches im Menschen, da bringen das menschliche Gefühlsleben mit der Sprachorganisation in Einklang die Cherubim. Alles dasjenige, was nun Denkfähigkeit ist, das muß auch sein physisches Organ haben im Nerven-Sinnesmenschen: das Denken bringen in Einklang mit dem Nerven-Sinnesmenschen die Seraphim. Das Sprechen und alles, was mit dem Sprechen zusammenhängt, das wird mit Denken und Fühlen in Einklang gebracht von den Cherubim.
[ 26 ] So sehen wir, wenn wir den dreigliedrigen Menschen haben, in der Nerven-Sinnesorganisation, in der Grundlage für das Denken die schaffenden Seraphim; in all dem, was der rhythmische Mensch ist, was als physischer Organismus in Einklang gebracht werden muß mit der Sprachfähigkeit, in all dem sehen wir die schaffenden Cherubim. In all dem, was in der Bewegung der menschlichen Glieder, in allen Willensbetätigungen zum Ausdruck kommt, dafür muß die innere Organisation des Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen da sein; dieKonkordanz wird bewirkt von den Thronen. Wir sehen auch daraus, was physische Menschengestalt ist, wie sie in Schein sich auflöst. Die Realitäten stehen dahinter: die Seraphim, Cherubim, Throne. In die Tätigkeit der Seraphim, Cherubim, Throne sehen wir immer, wenn das menschliche Ich verwoben ist mit seiner Innentätigkeit, wenn der Mensch sich wachend bewegt, wachend spricht, wachend fühlt, wachend denkt.
[ 27 ] Auf diese Weise können wir wiederum erneuerte Mysterienweisheit für den Menschen finden, jene Mysterienweisheit, die sozusagen wieder die Kunst handhabt, aus dem Worte den Geist herauszulösen, aus demjenigen, was zuerst nur mit Strichen skizziert werden kann als physischer Mensch, ätherischer Mensch, astralischer Mensch und Ich, Wesenhaftes zu finden. Wesenhaftes besteht immer in individuellen Geistwesenheiten, die erlebend in sich tragen das Seelische, die schaffen das sich Offenbarende, das Physische. Realitäten sind eigentlich nur seiende Geistindividualitäten. Daß sie sich äußern als Seelisches, das ist, weil sie sich innerlich und gegenseitig sich anregend erleben. Daß es eine physische Welt gibt, das ist, weil diese Geistindividualitäten, die zu den Monaden verabstrahiert worden und dann ganz aus dem Gesichtskreise der Menschen verschwunden sind, je nach ihren verschiedenen Daseinsstufen sich schaffend offenbaren. Hier können wir zurückgehen von der geschaffenen Welt, die eigentlich nichts anderes ist als das äußere Scheinen schaffender Wesenheiten, zu der sich erlebenden Welt, zur seelischen Welt, die aber die sich erlebende Welt geistiger Individualitäten ist. Dann kommen wir, wenn wir selbst zur wahren Wirklichkeit zurückgehen, zu den Geistindividualitäten selber, deren Ausdruck und Leben die Welt ist. Indem der Mensch auf der Erde steht, lebt er immer in den Offenbarungen der geistigen Individualitäten. Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt muß er ansichtig werden und voll durchgehen durch die eigene Gestalt der Geistindividualitäten. Und er muß sich zu seiner Vollkommenheit in seiner Gesamtentwickelung dadurch hindurchringen, daß er aus dem Ansichtigsein der Gestalt der Geistrealitäten übergeht in die Erdengestaltung, in der er nicht ansichtig ist der Geistindividualitäten, in der sich die Geistindividualitäten gewissermaßen nur von außen in ihrer Umkleidung zeigen.
[ 28 ] Aber der Mensch muß, wenn das Erdenleben nicht in die völlige Verkommenheit verfallen soll, wiederum lernen, aus der äußeren Umkleidung die innere Geistindividualität der höheren Welt zu erschauen, zu erkennen, zu verstehen. Dann wird der Mensch sehen, wie sein ganzes Leben besteht aus einem Ringen innerhalb der Umkleidungen des Göttlichen und einem Leben innerhalb des Wesens des Göttlichen. Aber er kann nur erlangen ein richtiges Darinnenstehen im Wesen des Göttlichen, wenn er sein eigenes Wesen immer mehr und mehr ausbildet im Ansichtigwerden auch der äußeren Umkleidung. Lernen muß er aber auch, durch die Umkleidung hindurchzudringen zu den Wesen. Nicht stehenbleiben darf er bei der äußeren Schilderung, sondern vordringen muß er zum inneren Leben.
[ 29 ] Wenn solches von einer größeren Anzahl von Menschen einmal angestrebt werden wird, dann wird die Morgenröte da sein für eine künftige Erdenentwickelung, auch zur Neugestaltung des Erdendaseins, zu Jupiter-, Venus-, Vulkangestaltung. Die Anthroposophische Gesellschaft muß Menschen vereinigen, die sich heute als den Kern von dem fühlen, was immer weitere und weitere Kreise ziehen muß in der Zivilisation der Menschheit, damit die Fortschrittsentwickelung der Menschheit wirklich geschehen könne und das Erdenleben nicht verfalle.
