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The Rudolf Steiner Archive

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Drei Perspektiven der Anthroposophie
Kulturphänomene
geisteswissenschaftlich betrachtet
GA 225

23 September 1923, Dornach

12. Jakob Böhme, Paracelsus, Swedenborg

[ 1 ] Die Betrachtung der Traumeswelt, wie wir sie gestern angestellt haben, hat uns darauf aufmerksam machen können, wie in dem Augenblicke, in dem man eintritt von der Welt, die vor unseren Sinnen ausgebreitet ist als die Welt der Naturgesetze, in eine andere Welt, tatsächlich die Naturgesetze aufhören. Ich möchte sagen, sie hören gradweise auf, sie hören nach und nach auf. Am Traume kann man noch deutlich bemerken, wie er sich auf der einen Seite immerhin noch richtet nach dem, was auch naturgesetzmäßig ist, wie aber auf der anderen Seite in den Traum moralische, ethische Zusammenhänge hereinspielen, wie das eine mit dem andern so zusammenhängt, daß in dem Zusammenhang sich etwas ausdrückt, wie, sagen wir, der moralische Wert des Träumenden oder dergleichen. Der Traum ist eben ein sanfter Übergang von der physisch-sinnlichen Welt in ganz andere Welten, in Welten, die dann gar nichts mehr zu tun haben mit den bloß naturgesetzmäßigen Zusammenhängen.

[ 2 ] Nun muß sich aber durch solche Vorstellungen und Empfindungen, wie sie dadurch erregt werden können, daß man seine Seele hinrichtet auf solche Übergänge, wie sie im Traume gegeben sind, ein, ich möchte sagen, menschliches Verständnis für Weltenzusammenhänge herbeiführen, die sonst einfach wie uneröffnete Geheimnisse vor der Menschenseele stehen sollen. Sie werden gleich verspüren, was ich eigentlich meine. Auf das intellektuelle In-BegriffeFassen dieser Dinge kommt es ja ohnedies furchtbar wenig an. Worauf es ankommt, das ist, ein total menschliches Verständnis zu gewinnen, eine Beziehung menschlicher Art zu den Dingen zu gewinnen, mit denen der Mensch nun schon einmal zusammenhängt, zusammenhängt in seinem ganzen Leben und dadurch, daß er der Menschheit angehört. Und es ist unmöglich, über gewisse Dinge des Lebens etwas zu sagen, etwas vorzustellen, wenn man nicht seine Empfindungen, sein Gefühl hat berührt sein lassen von so etwas, wie es schon gestern über den Traum besprochen worden ist. Von dieser Färbung, die das Gefühl dadurch bekommt, hängen eben die Dinge ab. Und deshalb will ich heute wie etwas Bestimmteres auf dasjenige, was gestern über den Traum und die merkwürdigen Äußerungen des experimentellen Magiers gesagt worden ist, etwas setzen, was sich an Erscheinungen des Lebens knüpft, die eigentlich als viel größere Geheimnisse empfunden werden müßten, als das gewöhnlich der Fall ist. Es sollen im Zusammenhang mit den gestrigen Betrachtungen von einem gewissen Gesichtspunkte aus erstens solche Menschen betrachtet werden, die so den Sammelnamen «Somnambule» führen, Menschen, die allerlei Abweichungen in ihrem Leben zeigen, die also meinetwillen sogar bis dahin kommen, daß sie des Nachts aus ihrem Bette aufstehen, auf Dächern herumklettern, ohne daß sie herunterfallen und so weiter, also diejenigen Menschen, die somnambul sind.

[ 3 ] Und zweitens möchte ich von einem gewissen Gesichtspunkte aus heute eine Erscheinung besprechen, die wir ja schon öfter von anderen Gesichtspunkten aus besprochen haben, eine Erscheinung wie die Jakob Böhmes oder meinetwillen Paracelsus’. Und als drittes im Zusammenhange damit möchte ich die Erscheinung Swedenborgs besprechen. Man kann schon sagen: Eigentlich ist der heutigen Menschheit alles gleichgültig geworden, weil die Art des Interesses, die ich ein feuilletonistisches nennen möchte, so ungeheuer um sich gegriffen hat. Im Grunde genommen müßten Erscheinungen, wie die Somnambulen, wie Jakob Böhme oder wie Swedenborg, den Menschen an den Seelen fressen, denn es sind doch ja ganz andere menschliche Erscheinungen, die da ins menschliche Leben hereingestellt werden, als die normalen Bürger sind.

[ 4 ] Versuchen wir nun einmal, solche Erscheinungen zu begreifen. Nehmen wir die gewöhnlichen Somnambulen. Sie wissen ja, daß in einer gewissen Weise dasjenige, was sie darstellen, mit den Manifestationen des Mondes zusammenhängt. Wir haben gerade in der letzten Zeit — und deshalb gehört ja dieses in den Zusammenhang herein über die Bedeutung des Mondes im Weltenall gesprochen. Ich habe Ihnen gesagt, daß diejenigen Wesen, die einmal auf der Erde waren und dem Menschen die Urweisheit gebracht haben, die nach und nach verglommen ist, die wir aber finden, wenn wir in der Geschichte zurückschreiten, daß diese Wesenheiten sich eben zurückgezogen haben wie in einer Art von Weltenkolonie im Mond, daß sie den Mond innerlich bevölkern. Da ist es wirklich so, daß nur die letzten Reste von dem, was diesen Wesenheiten eigen ist, in einer vergröberten Gestalt auf Erden zurückgeblieben sind. Die Menschen waren ja ganz anders damals, als diese heutigen Mondenwesenheiten noch als die großen Lehrer oder Führer der Erdenmenschheit auf Erden waren.

[ 5 ] Was diese Wesenheiten auf Erden zurückgelassen haben, das sind physische Erscheinungen, das sind die Tatsachen des Fortpflanzungslebens. Diese Tatsachen des Fortpflanzungslebens in der heutigen Gestalt waren auf der Erde in der Zeit, in der diese Wesenheiten auf der Erde den Menschen die Urweisheit gegeben haben, nicht vorhanden. So, wie wenn Sie irgendeine Substanz aufgelöst haben in einer Flüssigkeit, die Flüssigkeit ganz reinlich, gleichmäßig ausschauen kann, wenn aber die Substanz sich als Bodensatz ergibt, dann ist die Substanz grob und die Flüssigkeit ist noch feiner, als sie früher war — so ist es ungefähr mit dem, was ich hier meine. Das, was heute als Fortpflanzungsleben auf Erden lebt, ist grob im Verhältnis zu dem, was es einstmals war. Und das, was diese Wesenheiten in die Mondensphäre mitgenommen haben, das ist unendlich verfeinert, ist unendlich viel geistiger geworden. Aber beide gehören doch zusammen, beide sind auseinander differenziert. Und das, was der Mond wirklich als eine Kraft auf die Erde ausübt, was heute noch als Mondenkraft auf die Erde wirkt, das ist ja so, wie ich Ihnen damals, als ich die Stellung des Mondes im Kosmos besprach, sagte, daß der Mond eigentlich alles zurückstrahlt, was im Kosmos ist, nicht bloß das Licht der Sonne, sondern eigentlich alles zurückstrahlt. So daß wir im Monde ein Zweifaches haben: das Innere des Mondes, das gegenwärtig gar nicht nach außen hervortritt, sondern sich abgeschlossen hat, eine andere Weltenaufgabe bekommen hat, und dasjenige, was da zurückgestrahlt wird.

[ 6 ] Nun ist der Mensch in bezug auf seinen physischen Leib der vorzüglichsten irdischen Kraft, der Schwerkraft, ausgesetzt, so, wie er sich bewegt, so, übrigens auch, wie er sitzt. Es ist ja immer die Schwerkraft, an die er appelliert. Wenn er nicht mit seinem physischen Leib der Schwerkraft unterliegen würde, so würde er eben nicht diese verschiedenen Gleichgewichtslagen im Gehen, im Sitzen, im Stehen und so weiter haben.

[ 7 ] Aber mit seinem Ätherleib ist der Mensch nicht so der Erdenkraft ausgesetzt, sondern der Mondenkraft. Dieser aus dem Weltenall zurückgestrahlten Kraft ist er ausgesetzt, und die zieht ihn hinaus. Während die Erdenschwere ihn hinunterzieht, zieht ihn diese Mondenkraft in den Kosmos hinaus. Und diese Mondenkraft wird vorübergehend überwiegend tätig in den somnambulen Persönlichkeiten. Für Augenblicke überwindet die Mondenkraft die Erdenkraft, und diese Persönlichkeiten benehmen sich so, wie wenn sie da nur einen Ätherleib hätten, mit dem sie der Mondenkraft frei folgen können. Sie ziehen ihren physischen Leib mit, klettern, wie gesagt, in der waghalsigsten Weise herum, wie nur der Ätherleib es kann, wie der physische Leib es gar nicht kann, aber der wird mitgerissen in solchen Momenten. Es ist also im wesentlichen, ich möchte sagen, ein Hereinbrechen besonderer Mondenwirkungen, die in diesen somnambulen Persönlichkeiten auftreten.

[ 8 ] Nun müssen wir aber doch weiter fragen, denn alles steht doch drinnen in dem großen Weltenzusammenhange, der ja schließlich auf lauter Wesen zurückführt. Denn die Erscheinungen außerhalb der Wesen sind ja nur Schein, wahrhaft wirklich sind nur die Wesen im Weltenall. Also wahrhaft wirklich sind die Wesen im Mineralreich, im pflanzlichen Reich, im tierischen Reich, wahrhaft wirklich sind die Menschen, sind die Angeloi, sind die Archangeloi und so weiter. Das sind die Wirklichkeiten; individualisierte Wesen, das sind die Wirklichkeiten. Das andere ist etwas, was sich zwischen den Wesen abspielt, das andere ist ja ein Schein, ist keine Wirklichkeit. Also wenn wir von Wirklichkeiten sprechen, haben wir es eben mit Wesen zu tun.

[ 9 ] Nun handelt es sich darum, daß, wenn solche Wesen auftreten, individualisierte Menschen also, Somnambule, wie stellt sich denn die Erscheinung solcher Soemnambulen in das ganze Weltenall hinein? Wie kommt es denn überhaupt im Zusammenhang des Weltenalls dazu, daß es Somnambule gibt?

[ 10 ] Nun müssen Sie wirklich das, was ich jetzt sage, nicht im logischen, intellektualistischen Zusammenhang, sondern eben im Gefühlszusammenhang erfassen, denn der ist auf diesem Felde die richtige Logik. Durchdringen Sie Ihr Gefühl damit, daß man, ich möchte sagen, aus der Welt der Naturgesetzmäßigkeit, über die Strömungen des Traumhaften hinaus muß in ganz andere Welten, wo Naturgesetze nicht mehr gelten, sondern wo andere Zusammenhänge herrschen, versuchen Sie sich da recht hineinzufühlen, dann werden Sie auch fühlen, daß man davon sprechen kann: Wie ist es denn jetzt bei solchen Menschen, die in irgendeinem Erdenleben als Somnambule auftreten, mit dem, was nicht Erdenleben ist, sagen wir, im vorirdischen Dasein oder im nachirdischen Dasein?

[ 11 ] Nicht wahr, solche Somnambule — wir könnten natürlich auf alle Mängel und Schattenseiten des somnambulen Wesens aufmerksam machen, auch noch das Mediumwesen da hineinbeziehen, aber das wissen Sie ja alles oder können Sie wenigstens wissen —, solche Somnambule unterscheiden sich doch eben von dem normalen Bürger. Sie benehmen sich anders im Leben, sie treten anders auf, sie sind doch anders. Nun, wenn sie im Erdenleben anders sind, so müßte man doch, wenn man überhaupt nun so, ich möchte sagen, handgreiflich über den Traum in die geistige Welt mit seinen Empfindungen hinauskommt, auch fragen: Sind die nun vielleicht auch anders in dem angrenzenden außerirdischen Leben, im vorirdischen Dasein? Wie sind sie denn da?

[ 12 ] Sehen Sie, da zeigt sich an solchen Wesenheiten, die in der Erdeninkarnation Somnambule sind, daß die in ihrem vorirdischen Dasein eigentlich in einer außerordentlich starken Weise feindlich, in der Geisteswelt feindlich gegen alles Geistige auftreten.

[ 13 ] Wenn man mit den Mitteln, die es schon einmal gibt und von denen ich Ihnen ja auch öfters gesprochen habe, erforscht bei einem Somnambulen, wie es im vorirdischen Dasein war — seit dem Französischen Kurs sprechen wir ja öfters von diesem vorirdischen Dasein auch in seinen konkreten Einzelheiten —, wenn man also nun erforscht: Wie waren solche Somnambulen, bevor sie heruntergestiegen sind zu ihrem irdischen Dasein? — So grotesk es sich ausnimmt, es muß doch gesagt werden: Sie waren in ihrem vorirdischen Dasein ganz deplaziert ist das —, aber sie waren in ihrem vorirdischen Dasein in der geistigen Welt Materialisten.

[ 14 ] Man ist dort natürlich nicht so Materialist, daß man theoretische Anschauungen aufstellt über den Materialismus. Man bewegt sich ja zunächst in der Welt der Sympathien und Antipathien; nicht in der Welt der Begriffe und Urteile, sondern in der Welt der Sympathien und Antipathien. Diese Somnambulen lebten in der geistigen Welt, aber der größte Teil dessen, was sie erlebten in der geistigen Welt, war ihnen unsympathisch. Überall kam ihnen das, was an sie im Geistigen herantrat, so vor, daß sie es eigentlich in einem gewissen Sinne haßten. Und dadurch konnten sie, als sie zum irdischen Dasein herunterstiegen, ihren astralischen Leib nicht in der richtigen Weise in sich befestigen. Man muß ja den astralischen Leib konsolidieren, wenn man heruntersteigt ins Erdenleben. Diese Konsolidierung leidet darunter, daß diese Wesen immerfort diese Antipathiekräfte gegenüber dem Geistigen aufgenommen haben. Und da ergibt sich dann das, ich möchte sagen, kosmisch gerichtete Karma, daß diese Wesenheiten dann in ihrem Erdenleben dadurch, daß sie einen physischen Körper haben, mit diesem physischen Körper so verbunden sein müssen, wie eben nur ein nicht ganz konsolidierter Astralleib mit dem physischen Leib verbunden sein muß.

[ 15 ] Nun habe ich Ihnen auch dargestellt, wie man beim Wiederheruntersteigen auf die Erde die Mondensphäre passiert, wie man die Mondenkräfte in sich aufnimmt. Es haben solche Wesenheiten zu wenig Selbständigkeit gegenüber den Mondenkräften. Sie sind eben zu wenig in sich konsolidiert, daher bleibt eine Verwandtschaft mit den Mondenkräften in ihnen übrig, wenn sie ihren physischen Leib beziehen. Die Folge davon ist, daß solche Wesen eigentlich weniger Rücksicht nehmen auf ihren physischen Leib, als der normale Bürger auf seinen physischen Leib Rücksicht nimmt. Und es ist dieses, daß sie der Mondensphäre unterworfen bleiben, das Erziehungsmittel im gesamten Weltenplane, um diesen Menschen ihre feindselige Gesinnung gegen das Geistige abzugewöhnen. So daß man bei den Mondsüchtigen vor Menschen steht, die in diesem Erdenleben, indem sie eben Mondsüchtige sind, erzogen werden sollen, ihre Feindseligkeit gegen das Geistige sich abzugewöhnen. Durch dieses Nicht-voll-Ergreifen des physischen Leibes erleben sie das Geistige auf der Erde, während sie in der geistigen Welt selber das Geistige nicht genügend erlebt haben.

[ 16 ] Der normale Bürger, der sitzt nun fest in seinem physischen Leib drinnen, heute viel fester als es irgendwie zum Heile der Menschheit wünschenswert ist; er sitzt furchtbar drinnen. Aber dieSomnambulen, die berücksichtigen diesen physischen Leib ganz wenig. Daher können die Augenblicke eintreten unter besonderen Konstellationen, daß sie mehr den Mondenkräften hingegeben sind als den Erdenkräften.

[ 17 ] Gehen wir jetzt von diesen Persönlichkeiten über zu einer solchen, wie sie, ich möchte sagen, in einer gewissen Größe dagestanden hat in Jakob Böhme oder in Paracelsus. In weniger grandioser Art treten ja aber auch solche Persönlichkeiten in der Geschichte auf, nicht jetzt in der gegenwärtigen Zeit, aber es ist gar nicht so lange her, daß solche Persönlichkeiten da waren, ich möchte sagen, kleine Jakob Böhmes hat es immer mehr oder weniger gegeben. Bis noch vor Jahrzehnten konnte man solche kleine Jakob Böhmes immerhin finden, diese Persönlichkeiten, die, wenn man sie so äußerlich anschaut im gewöhnlichen Leben, sich dadurch besonders auszeichnen, daß sie in anderer Weise in die Natur hineinschauen, als das wiederum beim Normalbürger der Fall ist.

[ 18 ] Nehmen Sie eine charakteristische Erscheinung bei Jakob Böhme. Es kündigte sich ja dasjenige, was in seinem ganzen menschheitlichen Charakter war, schon in seiner Jugend an. Nehmen Sie die charakteristische Erscheinung: Er hütet Tiere wie andere, da hat er plötzlich den Drang, wegzugehen von den Tieren, von der Herde und von den anderen, die da sind, hinzugehen zu einem Orte im Gebirge oben. Er schaut, durch einen Instinkt getrieben, sich eine Stelle besonders an. Da findet er ein Loch in der Erde, da ist die Erde offen. Er schaut hinunter und findet da unten einen Schatz. Der glänzt ihm herauf. Er ist betroffen von dieser Erscheinung, aber er geht in Andacht hinweg. Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, irgend etwas davon zu nehmen. Er ist oftmals noch nachher hingegangen, hat nachgeschaut. Das Loch war nicht mehr da, der Schatz mußte mindestens bedeckt gewesen sein und so weiter. Er hätte sich gründlich davon überzeugen müssen, daß das Ganze, was er da gesehen hat, in der physischen Welt nicht vorhanden ist, aber er kam auch natürlich durch seine ganze Geisteskonstitution niemals dazu, zu glauben, daß er nicht doch etwas gesehen hat.

[ 19 ] So bereitete sich bei ihm das vor, was dann später als seine besondere Geistesart zum Vorschein kam: überall in die Grenzvorgänge der Dinge, das Wesen der Dinge, hineinzusehen. Wer Jakob Böhmes Schriften nur ein wenig verständnisvoll liest, wird ja merken: Der Mann hat anders gesehen das Salz, anders gesehen den Schwefel als ein normaler Chemiker auch schon der damaligen Zeit natürlich. Der redet aus ganz anderen Einsichten heraus. Er redet sogar aus Einsichten, die ihm selber nicht ganz so weit geläufig werden, daß die Sprache überall das trifft, was er schaut, denn die Sprache ist wirklich manchmal verworren und chaotisch, und man muß sich hineinleben, wenn man darauf kommen will, was eigentlich dieser Jakob Böhme geschaut hat.

[ 20 ] Nun erinnere ich Sie, um Ihnen das ganze Phänomen Jakob Böhmes vor Augen zu führen, an das, was ich Ihnen über die Druiden gesagt habe. Die dämpften ab durch ihre Kromlechs das physische Sonnenlicht, sahen in den Schatten hinein, und im Schatten sahen sie das Geistige, was von der Sonne ausstrahlt. Für andere Menschen ist halt der Schatten Schatten, ist kein Licht, ist etwas Negatives. Für die Druiden war das etwas sehr Reales. Und der Schatten war ihnen nicht nur nach seiner Richtung verschieden, je nachdem er im März oder Oktober erschien, sondern auch durch seine innere Haltung, durch seine Färbung, durch sein Kolorit, aber auch namentlich durch das Geistige, was er enthielt. Wenn man die physischen Sonnenstrahlen gewissermaßen zurückschiebt, dann erscheint gerade im Schatten das Geistige, was die Sonne ausstrahlt. Das war aber bei Jakob Böhme das, was aus seiner ganzen menschlichen Wesenheit folgte. Er konnte, wenn er sich innerlich, ich möchte sagen, nach einer gewissen Richtung hin einen Ruck gab — es ist eben grob gesprochen, aber es ist so —, wenn er sich innerlich einen Ruck gab, dann konnte er das physische Sonnenlicht auslöschen, und er sah eigentlich in die Finsternis hinein.

[ 21 ] Und wie geht es denn, wenn man irgendwo hindurchschaut, wo man nicht gewissermaßen dem Licht folgt, sondern wo man etwas wie eine Grenze vor sich hat? Da entsteht etwas wie ein Spiegel. Aber wenn man, sagen wir, so hinschaut — ich zeichne das physische Auge, aber es kommt nicht so sehr auf das physische Auge an —,, da ist überall das Licht. Nun ja, dann sieht man halt die physischen Dinge. Aber wenn man durch die eigene Macht dieses physische Sonnenlicht auslöschen kann, dann tritt da hinten eigentlich das Hineinschauen in die Finsternis auf. Man braucht gar nicht einmal den Schatten, es tritt das Hineinschauen in die Finsternis auf. Aber wenn dieses Hineinschauen in die Finsternis auftritt, dann wirkt das wie ein Spiegel. Und indem Jakob Böhme so schauen konnte, sah er die Dinge wie in der Finsternis sich spiegeln, und sie gaben seinem Seelenauge dasjenige zurück, was sie innerlich geistig hatten. Er sah also die gewöhnlichsten Gegenstände, wenn er sich darauf einstellte, gerade die charakteristischen Gegenstände, von denen er spricht, Salz, Schwefel, Quecksilber und so weiter, nicht so, wie man sie sieht, wenn man sie unter den gewöhnlichen Verhältnissen anschaut, sondern er sah ihre Wesenheit, das, was ihnen geistig zugrunde liegt, an der Finsternis gespiegelt.

[ 22 ] Das war die besondere Art seines Schauens: Er sah das, was den Dingen geistig zugrunde liegt, an der Finsternis gespiegelt. Er sah sie im Scheine der Sonnenwirkungen, wobei aber die physische Lichtwirkung und auch die physische Wärmewirkung ausgeschlossen war. Während die Somnambulen ihren Willen hineinbringen in die Mondenwirkungen und dadurch, daß sie nun für Augenblicke weniger der Erdenschwere unterworfen sind, mehr den Mondenwirkungen ausgesetzt sind, während also die gewöhnlichen Somnambulen mit ihren Willensorganen mehr den Mondenwirkungen folgen, konnte Böhme mit seinem Erkenntnisorgan den Sonnenwirkungen folgen, war also ein Sonnenmensch, gewissermaßen ein Sonnensüchtiger im Gegensatz zu den Mondsüchtigen. Und wir haben in solchen Menschen, wie es in ganz besonders charakteristischer Größe Jakob Böhme war, wiederum menschliche Individualitäten, die durch eine besondere Beziehung zum Geistigen herausragen aus der gewöhnlichen Menschheit: Sonnenmenschen.

[ 23 ] Wiederum müssen wir bei diesen Sonnenmenschen fragen: Wie waren sie denn im vorirdischen Dasein? Ja, sehen Sie, das vorirdische Dasein solcher Menschen ist eigentlich außerordentlich interessant. Ich habe Sie oftmals daran erinnert, wie in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung die Menschen eigentlich immer zurückschauten in ihr vorirdisches Dasein. Es trat in ihrem Bewußtsein etwas auf, wodurch sie so etwas wie eine Art Erinnerung an ihr vorirdisches Dasein hatten. Sie wußten: Ich bin von geistigen Welten in die irdische Welt herabgestiegen.

[ 24 ] So etwas, nicht wie ein persönliches Zurückschauen, aber ein Zurückschauen auf die Art, wie man in der geistigen Welt vor dem irdischen Dasein angeschaut hat, das trat atavistisch bei Jakob Böhme und bei Paracelsus hervor. Dadurch haben solche Menschen mehr Beziehung zu den Elementargeistern der Natur als zu dem, was die Naturdinge äußerlich an ihrer Oberfläche darstellen. Sie sehen mehr die geistigen Wesenheiten, die in der Natur drinnen sind. Denn von dem, was man auf der Erde zum Beispiel Schwefel nennt, davon gibt es keine Anschauung im vorirdischen Dasein, wohl aber, wenn ich mich so ausdrücken darf, von dem Elementargeist, der dem Schwefel zugrunde liegt. Von ihm hat man die Anschauung im vorirdischen Dasein.

[ 25 ] Der gelbe Schwefel oder der anders gefärbte Schwefel — diese Vorstellung ist für das vorirdische Dasein nicht vorhanden. Für das vorirdische Dasein ist nicht einmal die Vorstellung desjenigen «Schwefels» vorhanden, über den die Menschen auf der Erde reden. Es ist eben gar nichts vorhanden von dem physischen Schwefel, aber von dem ganz anders gearteten Geistigen, von den geistigen Essenzen, die dem Schwefel zugrunde liegen, ist im vorirdischen Dasein wohl eine Vorstellung. Die bringen sich solche Menschen wie Jakob Böhme und Paracelsus eben mit.

[ 26 ] Dadurch haben sie gerade die Kraft, das physische Sonnenlicht auszuschließen und in der physischen Finsternis — ich kann nun nicht sagen, die geistigen Sonnenwirkungen zu sehen, man sieht ja auch das Licht nicht, die Farbe nicht, und so sieht man auch die geistigen Sonnenwirkungen nicht — mit der Anschauung, möchte ich sagen, aufzustoßen auf diese physische Finsternis, aber in geistiger Erhebung, die dann gerade das Geistige spiegelt, das in den Naturwesen und Naturkräften vorhanden ist. |

[ 27 ] Und im Grunde genommen ist es ja eigentlich so: Wenn nicht zuweilen solche Menschen da wären, die solche Anregungen geben — die Kanäle, durch die solche Anregungen in die Menschheit hineinkommen, werden gewöhnlich nicht berücksichtigt —, die Menschen würden von der Natur überhaupt nicht viel wissen, denn diese Anregungen sind schon notwendig auch zu dem abstraktesten Naturwissen. Alles in den Verstand zu kleiden, das machen dann die andern. Aber dieses Hineinschauen in das Lebendige der Natur, das geht eben von solchen Sonnenmenschen aus.

[ 28 ] Sehen Sie, es ist immer schwieriger geworden, je mehr das 19. Jahrhundert heraufrückte, solche Dinge überhaupt in der Welt zum Ausdruck zu bringen. Die meisten von Ihnen kennen ja die Biographie von Jakob Böhme. Sie wissen, wie er verfolgt worden ist. Wäre er im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aufgetreten, oder wäre ein solcher Jakob Böhme, gerade mit der besonderen Art, wie Jakob Böhme gesprochen hat, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aufgetreten, er wäre wahrscheinlich ins Irrenhaus gesperrt worden. Es wäre ihm noch viel schlechter gegangen, als es ihm in seiner Umgebung dazumal ging, aber es war auch schon damals schwer aufzutreten. Denn immerhin hatte Jakob Böhme ja in einem gewissen Sinne noch die Wohltat dieser Zeit empfinden können, und diese Wohltat bestand zum Beispiel darinnen, daß man ihn nicht malträtiert hat mit dem, was wir heute schon in den Schulen lernen müssen. Es war ja die Schulbildung, die Volksschulbildung nicht so vorgeschritten. Bitte, glauben Sie nicht, daß ich jetzt gegen die Volksschulbildung etwas sprechen will, aber es muß schon einmal gesagt werden, die Dinge müssen schon auch von einem andern Gesichtspunkte aus beurteilt werden. Vielleicht haben nicht viele von Ihnen in solchen Orten gelebt, wo irgendein pensionierter Schuhmacher eben Lehrer war. In solchen Orten haben die Kinder auch in der Zeit, die die gegenwärtigen Menschen noch in ihrer Jugend durchleben konnten, nicht allzuviel solch Weisheitsvolles gelernt, was sie jetzt lernen; sie blieben noch viel unberührter. Aber das, wovon man berührt wird in der heutigen normalen Schule, das bildet nicht nur etwas aus, sondern ertötet auch etwas. Jakob Böhme hatte eben die Wohltat, einer solchen Schulbildung noch nicht unterworfen worden zu sein, und daher konnte das, was in ihm als Sonnenmensch war, sich herausdrängen an die Oberfläche.

[ 29 ] Ja, da ist es schon in dem Menschen; aber manchmal muß es dann auf eine ganz andere Weise heraus. Ich könnte Ihnen manche Kompositionen aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts anführen, in denen ich Ihnen zeigen könnte, wie die Menschen, weil sie durch die Schulbildung vom Ende des 19. Jahrhunderts durchgegangen sind, natürlich nicht so reden konnten wie Jakob Böhme — aber in manchen musikalischen Kompositionen kommt es dann doch heraus. Da ist auch so ein Grundton und eine Grundstimmung wie in den Schriften von Jakob Böhme. Irgendwo bricht es durch, besonders in der Musik, aber nicht in dem, was besonders an die Höhe gekommen ist. Glauben Sie nicht, daß ich Ihnen von einer Wagnerschen Komposition reden müßte, auch nicht von «Hänsel und Gretel» natürlich, wenn ich Ihnen diese Dinge sage. Ich müßte ganz andere Kompositionen nennen. Aber es gibt solche musikalische Leistungen, wo so etwas durchbricht. Nun, wie gesagt, gerade solche Impulse, die sich dann umsetzen, die haben für das irdische Leben eine gewisse Bedeutung.

[ 30 ] Nun können wir den dritten Typus betrachten, der in so charakteristischer Weise in Swedenborg hervorgetreten ist. Swedenborg sieht sich ja ganz eigentümlich an, wenn man so die Äußerlichkeiten betrachtet. Swedenborg war schon bis in die Vierzigerjahre seines Erdenlebens aufgestiegen; da war er ein anerkannter großer Gelehrter seiner Zeit, hat die gesamte Wissenschaft seiner Zeit umfaßt, so wie man nur irgendwie diese Wissenschaft seiner Zeit umfassen konnte. Es gibt Werke von ihm, die veröffentlicht worden sind. Aber es gibt ungeheuer viel Manuskripte, die ganz aus der damaligen Wissenschaft heraus geschrieben worden sind, die so stark aus der damaligen Wissenschaft heraus geschrieben worden sind — sie sind dann Manuskripte geblieben —, daß sich ja jetzt vor einiger Zeit eine schwedische Gesellschaft der größten schwedischen Gelehrten gefunden hat, die diese Werke von Swedenborg herausgeben wird, welche er so bis in die Vierzigerjahre hinein im Sinne der normalen Wissenschaft geschrieben hat.

[ 31 ] Aber dann fängt so etwas an bei Swedenborg, wo die Leute sagen: Da ist er verrückt geworden. Er ist halt verrückt geworden! — Man gibt seine Werke heraus als die eines der größten Männer seiner Zeit und erklärt, dazu taugt nicht einer, um das herauszugeben, sondern heute sind ganze Akademien notwendig, um den Swedenborg bis zu seinem vierundvierzigsten Jahre oder so etwas der Welt zugänglich zu machen. Um das Nachherige kümmert man sich nicht! Aber es ist schon von Bedeutung, daß Swedenborg in der ganzen, ja auch dazumal schon intellektualistischen Gelehrtenbildung seiner Zeit gelebt hat bis in ein gewisses Alter und daß ihm dann wie hereingebrochen ist eine gewisse geistige Anschauung.

[ 32 ] Eine solche geistige Anschauung, wie sie gerade spezifisch bei Swedenborg auftrat, die hat ganz besondere Kennzeichen. Die ist so: Wenn Sie sich den Menschen vorstellen und das, was der Mensch als Gehirn hat, so füllt ja in einer gewissen Weise für den normalen Menschen der Ätherleib das Gehirn aus. Das, was ich hier rot angedeutet habe, wäre physisches Gehirn. Der Ätherleib füllt das physische Gehirn aus und ragt noch etwas darüber hinaus.

[ 33 ] Nun, seinen Ätherleib so normal in richtiger, ich könnte auch sagen, spießiger Weise ausgebildet, sein Gehirn, seine Kopfkonstitution so normal ausgebildet hatte Swedenborg bis in die Vierzigerjahre hinein. Dann überkam ihn eine Kraft, die diesen Ätherleib etwas zusammenzog, natürlich nicht hinter die Haut, aber etwas zusammenzog, in sich zusammenzog, so daß er dichter wurde, dadurch auch unabhängiger wurde vom Gehirn, aber doch all die Gescheitheit behielt. Denn es ist nicht wahr, daß er dann törichter geworden ist, er war ebenso gescheit wie vorher.

[ 34 ] Wenn man als Somnambule herumgeht, dann hat man seinen Astralleib so, daß er der Mondenkraft sehr stark unterliegt. Die Willensorgane stellen sich dann oftmals auf die Mondenkraft ein. Wenn man so ist, wie Jakob Böhme, dann richtet sich das Erkenntnisvermögen nach den Sonnenkräften, schlägt zurück die physischen Sonnenwirkungen. Wenn man so wird wie Swedenborg, wenn da so ein Zusammenziehen des Ätherleibes stattfindet, da ist die Kraft, die das bewirkt, die Saturnkraft, jene Kraft des Saturns — kosmisch habe ich es Ihnen vor kurzem einmal geschildert —, in der eigentlich etwas liegt wie eine Art Innerlichkeit unseres ganzen Planetensystems, wie man auch sagen kann, der Saturn enthält die Kräfte des Gedächtnisses unseres Planetensystems. Das, was auf Swedenborg übergegangen war, das war eben diese Saturnkraft, diese Innerlichkeit des ganzen Planetensystems. Dadurch kam er in die Lage, die Dinge in solchen Visionen zu schauen, wie er sie eben beschrieb. Er sah Engel, Erzengel, Vorgänge zwischen Engeln, Erzengeln, wie er sie eben beschreibt. Aber was war das eigentlich? In was kam er da hinein durch dieses Zusammenziehen des Ätherleibes seines Hauptes? Er kam nicht dahin, etwa die wirklichen Vorgänge in den Hierarchien zu schauen. Sie müssen sich das, was er schaute, so vorstellen: Wenn hier die Erde ist, dann zeichnen wir die Äthersphäre der Erde. Die geht nun hinaus in die kosmischen Weiten, von denen ich Ihnen gestern gesagt habe, daß wir da den Orionnebel und so weiter antreffen würden, daß da eine Gesetzmäßigkeit ist, nicht eine Naturgesetzmäßigkeit, sondern eine Gesetzmäßigkeit, wie sie im Traume eben da ist. Da, wo der Raum aufhören würde, würden wir erst auf die Vorgänge in den Hierarchien treffen. Da hinein sah nun Swedenborg nicht mit seinem Schauvermögen, aber all die Vorgänge, die da wirklich außerhalb der Äthersphäre vor sich gehen, die spiegeln sich nicht bloß im Äther, sondern die rufen, ich möchte sagen, reale Bildvorgänge im Äther hervor. So daß da oben in den Hierarchien irgend etwas vorgeht, was man ganz anders beschreiben müßte, was aber hereinwirkt in die Äthersphäre der Erde, so daß da die Äthergestalten agieren im Erdenäther. Gestalten agieren um uns herum, das sind nicht die wirklichen Engel, das sind die Äthergestalten, die aus dem Äther heraus gebildeten Gestalten, die nun aber auch ihre Taten so umsetzen, daß sie dem Menschen verständlich sind.

[ 35 ] Diese — Spiegelungen kann man es nicht nennen, aber vielleicht Realspiegelungen —, diese Realspiegelungen der höheren Hierarchien im Erdenäther sah Swedenborg. Er sah also nicht, was Engel taten, aber er sah, was man dann sehen kann, wenn man da oben die Engeltaten hat, diese nicht als solche sieht, sondern das, was da unten im Erdenäther in der Sphäre der Menschen vor sich geht. Das, was da oben die Engel tun, das kann ja unmittelbar nicht auf die Erdenmenschen wirken; gerade diese Realspiegelungen, die wirken dann unter den Menschen. Die Spiegelungen im Äther, die wirken unter den Menschen, die gehen unter uns herum. Die sah Swedenborg, auf die wurde er aufmerksam.

[ 36 ] Wenn also diejenigen Leute, die wir mondsüchtig nennen, uns vor allen Dingen veranlassen, hinzuschauen auf ihr vorirdisches Dasein, wenn wir bei Menschen, wie bei Jakob Böhme oder Paracelsus, hinschauen auf ihr gegenwärtiges Erdendasein, dann haben wir alle Veranlassung, bei solchen Menschen wie Swedenborg hinzuschauen auf das nachirdische Dasein. Das irdische Dasein gewinnt eigentlich erst einen Sinn, wenn wir auf das nachirdische Dasein hinblicken. Denn diese Menschen sind es vorzugsweise, welche dann noch nach dem Tode in der Lage sind, auf andere, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, belehrend einzuwirken, ihnen vieles von dem zu sagen, was unverständlich bleiben muß in den höheren Welten, wenn man nicht etwas von den höheren Welten in der irdischen Welt schon kennengelernt hat.

[ 37 ] Und man möchte sagen: Es liegt so im allgemeinen geistigen Weltenplan, daß menschliche Persönlichkeiten von der Art des Swedenborg hier auf der Erde eingeführt werden in die Realschatten, Realspiegelbilder der Vorgänge in den höheren Hierarchien, damit sie dann gut vorbereitet dort hinaufkommen, weil sie es brauchen werden gerade im nachirdischen Dasein. Während bei den Soemnambulen ihr Erdendasein, indem sie eben Somnambulen sind, etwas von dem Charakter einer Besserungsanstalt hat gegenüber den geistigen Welten, hat das Leben solcher Persönlichkeiten, wie Swedenborg, etwas Vorbereitendes für die Leistungen, die sie nach dem Tode zu vollbringen haben. Und so können wir schon sagen: Die Menschen sind verschieden in ihren Individualitäten, und gerade an denjenigen, die sehr verschieden sind von den anderen, kann sich darstellen, wie der Mensch überhaupt nur begriffen werden kann, wenn wir nicht nur seine Beziehung zu der Erdenumgebung ins Auge fassen, sondern wenn wir wissen, daß er ja in jedem Augenblicke seines Lebens auch eine Beziehung zu den geistigen Welten hat, auch hier im irdischen Dasein eine Beziehung zu den geistigen Welten hat. Alles, was hier im irdischen Dasein nun auch bei den Menschen geschieht, bei denen ‘es dann in so eklatanter Weise hervortritt wie bei Böhme und den anderen, hat eine Beziehung zum vorirdischen Dasein, zum Geiste, der auch im irdischen Dasein lebt, oder zum nachirdischen Dasein. Nur an diesen besonderen Typen, Somnambulen-Typen, dem JakobBöhme-Typus, Swedenborg-Typus, merken wir dasjenige stark, was bei jedem Menschen ein wenig vorhanden ist: ein Hingeordnetsein, ein Ortentiertsein des irdischen Daseins nach dem vorirdischen Dasein oder nach dem gleichzeitigen irdischen geistigen Dasein oder nach dem nachirdischen geistigen Dasein. Insonderheit brauchen ja diejenigen Wesenheiten, die, ich möchte sagen, so sich im Kosmos verhalten, wie ich es Ihnen damals dargestellt habe, also die Mondenwesen, Sonnenwesen, Saturnwesen, sie brauchen zur Verrichtung ihrer Aufgaben die Kräfte, die in besonderen Menschen spielen.

[ 38 ] Und da kann uns aufgehen — das sei nur am Schlusse dieser Betrachtungen erwähnt — eine Perspektive. Was in dieser Perspektive sich eröffnet, davon will ich dann sprechen, wenn ich den nächsten Vortrag hier halte. Da kann uns aber eine ganz bestimmte Perspektive aufgehen. Wir müssen wirklich in Betracht ziehen, daß das menschliche Innere, sogar das physische menschliche Innere, das gewöhnliche physische menschliche Innere, das innerhalb der menschlichen Haut liegt, eigentlich herausfällt aus dem, was wir gewöhnlich den Kosmos nennen.

[ 39 ] Wir können ja, grob bezeichnet, etwa folgendes sagen: Wenn wir hier die Erde haben, so geschehen darauf die mineralischen, die pflanzlichen, die tierischen, die physisch-menschlichen Wirkungen und so weiter, und darauf geschieht also das, was man mit Sinnen beobachten, mit dem Verstande kombinieren kann. Da sind dann die Menschen auf dieser Erde darauf. Aber im Innern der Menschen ist auch eine Welt, das ist nicht dieselbe Welt wie außen. Ich könnte das dann so machen, ich könnte schematisch viele Menschen zeichnen und immer das Innere der Menschen. Das, was da im Innern der Menschen vorgeht, das sei das Rote, und das Weiße darum herum seien dann die Naturwirkungen, die mit den Sinnen gesehen werden können und so weiter. Jetzt kann man ja eine Abstraktion machen. Denken Sie,.ich lösche jetzt alles aus, was an Naturwirkungen da ist, ich lasse nur das Rote stehen, ich lösche alles aus, so daß nur das Innere der Menschen bleibt, daß alles andere weg ist. Also denken Sie sich, ich würde hier auf der Erde zunächst alle Mineralien wegschaffen, alle Pflanzen wegschaffen und alle Tiere wegschaffen, alles, was sonst noch an Naturwirkungen da wäre — aber wenn man die drei Naturreiche wegschafft, so ist ja schon alles weg —, und dann noch die Häute, so daß Sie dann die physische Haut weghaben, aber nicht nur die Häute, sondern auch alles das, was Sie an physischer Materie in sich haben. Ich würde das alles wegnehmen, dann bliebe etwas zurück von der ganzen Erdenkugel: Das sind göttliche Wirkungen. Da würden wir noch immer die Hierarchien drinnen haben, Angeloi, Archangeloi und so weiter. Wir hätten eigentlich erst dann in Wirklichkeit die Erde weggenommen und den Himmel bewahrt.

[ 40 ] Und wenn Sie diese Empfindung verfolgen, dann kommen Sie darauf, das menschliche Innere in richtiger Weise einzustellen zu der eigentlich geistig übersinnlichen Welt und sich in umfassender Art vorzustellen, wo das ist, was man den Himmel nennen könnte. Er ist eigentlich in dem Menschen, in dem, was da übrigbleibt, wenn all das weg ist, was ich beschrieben habe.

[ 41 ] Wenn man so, wie ich heute beschrieben habe, Somnambule, Jakob Böhme, Swedenborg beschreibt, von wem redet man eigentlich? Dann steht man eben nicht auf der Erde, sondern steht im Kosmos drinnen. Das ist unserer Zeit notwendig, daß man nicht weiter, wie es die letzten Jahrhunderte getan haben, von dem Menschen nur so herumredet, als ob er ein Zusammenhang wäre der Naturgesetze und Naturwirkungen, die draußen sind, sondern man muß heute auf dasjenige aufmerksam werden, was dann da wäre, wenn man all das wegnehmen würde — ich will das gräßliche Bild nicht noch einmal wiederholen —, wenn man all das wegnehmen würde, wovon ich eben gesagt habe, daß man es wegnimmt, und nur das Innere des Menschen übriglassen würde, dann würde man eben nicht nur im allgemeinen, im verschwommenen, abstrakt-pantheistischen Sinn auf die geistige Welt kommen, sondern man würde auf die konkrete geistige Welt der übersinnlichen Wesenheiten kommen. Die haben in den Menschen ihre Wohnungen. Und dessen muß sich die Menschheit allmählich wieder bewußt werden, daß der menschliche Körper eben durchaus Wohnung der Götter ist.

[ 42 ] Erst dann, wenn das aufgenommen wird in unser Zeitbewußstsein, ist das richtige Ingredienz in diesem Zeitbewußtsein drinnen, wodurch die Kultur, statt hinunterzugehen, hinaufgehen kann. Das ist eine Wahrheit, die man eben von den verschiedensten Gesichtspunkten ausdrücken kann. Heute habe ich sie Ihnen als Anknüpfung an das darstellen wollen, was ich gestern über den Traum und heute über diese sogenannten abnormen Seelenzustände gesagt habe.