Human Nature, Human Destiny
and World Development
GA 226
17 May 1921, Oslo
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Human Nature, Human Destiny and World Development, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Gestern habe ich versucht, ein Bild von den Zuständen zu geben, die der Mensch durchlebt, indem er durch die Pforte des Todes durchgeht und in der geistigen Welt ankommt. Wir wollen uns noch einmal kurz die wesentlichsten Etappen vor die Seele rufen. Zunächst erlebt der Mensch, nachdem er unmittelbar durch die Pforte des Todes hindurchgegangen ist, das Fortgehen seiner Vorstellungswelt. Die Vorstellungen, die Denkkräfte, werden gegenständlich, werden wie wirksame Kräfte, die in die Welt hinaus sich verbreiten, so daß der Mensch von sich fortgehen fühlt zunächst alles dasjenige, was er an Erlebnissen bewußt durchgemacht hat im Erdenleben zwischen Geburt und Tod. Aber während — und das ist etwas, was in wenigen Tagen verläuft — das gedankenmäßig erlebte Erdenleben sich vom Menschen in den weiten Kosmos hinaus entfernt, erhebt sich aus dem Inneren heraus ein Bewußtsein von alledem, was der Mensch in den Schlafzuständen während des Erdenlebens unbewußt durchgemacht hat. Und das gestaltet sich so, daß der Mensch nunmehr zurückgehend in einem Drittel der Zeit sein Erdenleben erlebt.
[ 1 ] Yesterday I attempted to describe the states a person experiences when passing through the gate of death and arriving in the spiritual world. Let us briefly review the most essential stages once more. First, immediately after passing through the gate of death, a person experiences the departure of their world of imagination. The images and the powers of thought become objectified; they become like active forces that spread out into the world, so that the person initially feels everything they consciously experienced during their earthly life between birth and death moving away from them. But while—and this is a process that takes place over the course of a few days—the earthly life experienced through thought moves away from the person into the vast cosmos, a consciousness arises from within of everything the person has unconsciously experienced in the states of sleep during their earthly life. And this takes the form that the person now relives their earthly life in reverse, in one-third of the time.
[ 2 ] Während dieser Zeit ist der Mensch eigentlich sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Man könnte sagen: Der Mensch hängt während dieser Zeit durchaus noch intensiv mit seinen eigenen Angelegenheiten des Erdenlebens zusammen. Er ist ganz verwoben mit demjenigen, was er, sagen wir während der verschiedenen Nächte, also in seinen Schlafzuständen durchgemacht hat.
[ 2 ] During this time, a person is actually very much preoccupied with themselves. One could say that during this time, a person is still quite intensely connected to their own affairs in earthly life. They are completely intertwined with what they have experienced—let’s say—during the various nights, that is, in their states of sleep.
[ 3 ] Sie können ermessen, wie da der Mensch, da er eigentlich immer seine nächtlichen Erlebnisse durchmacht, auf sich selbst zurückgewiesen ist. Beachten Sie nur das einzige, was während des Erdenlebens aus den Schlafzuständen heraufspielt, die Träume. Diese Träume sind das allerwenigste von dem, was der Mensch im Schlafe erlebt. Aber das andere bleibt eben unbewußt. Die Träume nur spielen bewußt herauf. Aber diese Träume, so interessant, so mannigfaltig, von so buntem Farbenreichtum sie auch sind, man muß doch sagen, sie stellen etwas dar, womit der Mensch ganz allein auf sich angewiesen ist. Denken Sie nur einmal, wenn eine Anzahl von Menschen in demselben Raume schläft, so kann doch jeder seine eigenen Träume haben. Und wenn die Menschen dann sich ihre Träume erzählen, Menschen, die in demselben Raume geschlafen haben, so werden sie sich etwas erzählen, wie wenn sie in ganz verschiedenen Welten gewesen wären. Der Mensch ist während des Schlafes ganz mit sich allein; er hat seine eigene Welt im Schlafe. Und erst dadurch, daß wir unseren Willen in unseren Organismus einschalten, haben wir dieselbe Welt in demselben Raum mit den andern Menschen zusammen. Würden wir immer schlafen, so hätten wir jeder unsere eigene Welt.
[ 3 ] You can appreciate how, since human beings are essentially always going through their nocturnal experiences, they are left to their own devices. Just consider the one thing that emerges from the states of sleep during earthly life: dreams. These dreams are the very least of what human beings experience in sleep. But the rest remains unconscious. Only the dreams surface into consciousness. Yet these dreams—as interesting, as varied, and as rich in color as they may be—must be said to represent something with which a person is entirely on their own. Just think: when a number of people are sleeping in the same room, each can still have their own dreams. And when people then recount their dreams to one another—people who have slept in the same room—they will describe experiences as if they had been in entirely different worlds. During sleep, a person is entirely alone with themselves; they have their own world in sleep. And it is only by engaging our will within our organism that we share the same world in the same space with other people. If we were to sleep all the time, each of us would have our own world.
[ 4 ] Aber diese eigene Welt, die wir jede Nacht zwischen dem Einschlafen und Aufwachen durchleben, ist die Welt, die wir in einer Zeit, die ein Drittel unseres Lebenslaufes umfaßt, rückwärts in den Jahren nach dem Tode durchleben. Allerdings, wenn wir nichts weiter hätten als diese Welt, so wären wir durch zwei oder drei Jahrzehnte, wenn wir alte Leute geworden sind, nach dem Tode ganz allein mit uns selbst beschäftigt. Das ist aber nicht der Fall. Wir hängen durch dasjenige, was wir da als unsere eigenen Angelegenheiten durchmachen, doch mit der ganzen Welt zusammen, weil in diese Welt, die wir jeder für sich durchmachen, die Verhältnisse zu ja zahlreichen andern Menschen hereinspielen, zu all denjenigen Menschen, mit denen wir im Leben irgendwie zusammengekommen sind.
[ 4 ] But this world of our own, which we experience every night between falling asleep and waking up, is the world we will experience in reverse, in the years following our death, during a period spanning one-third of our lives. Admittedly, if we had nothing but this world, we would be entirely preoccupied with ourselves for two or three decades after death, once we have grown old. But that is not the case. Through what we experience there as our own affairs, we are nevertheless connected to the whole world, because in this world that each of us experiences individually, our relationships with numerous other people come into play—with all those people with whom we have somehow crossed paths in life.
[ 5 ] Und so kommt es, weil wir von diesem Zustande in der Seelenwelt nach dem Tode herunterschauen auch auf alles dasjenige, was Menschen hier auf Erden durchleben, mit denen wir irgendwie in Beziehung gestanden haben, daß wir mit ihnen durchleben dasjenige, was sich auf der Erdenwelt abspielt. Man kann daher, wenn man versucht, mit den Mitteln, welche die Geisteswissenschaft nach dieser Richtung zur Verfügung stellt, an Verstorbene heranzukommen — das kann man —, schon durchaus wahrnehmen, wie diese Verstorbenen gleich vom Anfange ihres Todeserlebnisses an intensiv durch die andern Menschen, mit denen sie hier auf Erden gelebt haben und die noch auf Erden da sind, alle Erdenereignisse doch miterleben können. Und so kann man finden, daß Menschen, je nachdem sie diese oder jene Interessen gehabt haben, die sie mit Menschen gemeinsam besprochen haben, die sie mit Menschen gemeinsam in einem Schicksal durchlebt haben, mit all diesen Erdeninteressen verbunden bleiben, sich interessieren für diese Erdeninteressen, ja sogar, weil der physische Leib kein Hindernis mehr bildet, über diese Erdenerlebnisse ein viel lichtvolleres Urteil haben als die Erdenmenschen. Und man kann schon dadurch, daß man ein Verhältnis gewinnt, ein bewußtes Verhältnis zu den Toten, aus dem Urteile der Toten auch über Erdenverhältnisse außerordentlich viel Lichtvolles gewinnen.
[ 5 ] And so it is that, as we look down from this state in the spiritual world after death upon everything that people here on Earth experience—those with whom we have been connected in some way—we experience with them whatever is taking place in the earthly world. Therefore, when one attempts to reach the deceased using the methods that spiritual science provides in this regard—and this is indeed possible— one can certainly perceive how these departed souls, right from the very beginning of their experience of death, are able to intensely experience all earthly events through the other people with whom they lived here on Earth and who are still here on Earth. And so one may find that people, depending on the interests they shared with others—whether they discussed them together or lived through them together in a shared destiny—remain connected to all these earthly interests, take an interest in them, and indeed, because the physical body no longer poses an obstacle, form a much more enlightened judgment about these earthly experiences than people still on Earth. And simply by developing a relationship—a conscious relationship—with the dead, one can gain an extraordinary amount of insight from the dead’s judgments, even regarding earthly matters.
[ 6 ] Aber noch etwas anderes kommt dabei in Betracht. Man kann sehen, wie innerhalb der Erdenverhältnisse doch wieder gewisse Dinge da sind, die sich in die geistige Welt hinein erhalten, wie also in unsere irdischen Erlebnisse gewissermaßen ein Ewiges hineingemischt ist. Es klingt fast, ich möchte sagen absonderlich, wenn man Schilderungen von dieser Welt gibt. Allein, ich denke, hier spreche ich zumeist zu langjährigen Anthroposophen, und ich darf daher über diese Dinge unbefangen sprechen. Heute noch diese Dinge etwa in der Öffentlichkeit zu besprechen, wäre natürlich ganz deplaciert. Man kann, wenn man die Wege aufsucht, um sich mit Toten zu verständigen, sogar die Möglichkeit finden, in Erdenworten sich mit den Toten zu verständigen, Fragen an sie zu stellen, Antworten zu bekommen. Da zeigt sich das Eigentümliche, daß die Toten zuerst die Fähigkeit verlieren, Substantive in ihrer Sprache zu gebrauchen, während die Verben noch lange im Gebrauche der Toten sind. Und insbesondere sprechen sich die Toten gern durch Empfindungsworte aus, durch all dasjenige, was mit dem Gefühl und dem Gemüte zusammenhängt. Ein Ach!, ein Oh! als Ausdruck der Verwunderung, als Ausdruck des Überraschtseins und dergleichen, ist dasjenige, was vielfach von den Toten in ihrer Sprache geübt wird. Man muß gewissermaßen auch die Sprache der Toten erst erlernen.
[ 6 ] But there is something else to consider here as well. One can see how, within the conditions of the Earth, there are indeed certain things that persist into the spiritual world—how, in a sense, something eternal is interwoven into our earthly experiences. It sounds almost—I would say—bizarre when one describes this world. However, I believe I am speaking here mostly to long-time anthroposophists, and I may therefore speak freely about these matters. To discuss such things in public today, for example, would of course be entirely out of place. When one seeks out ways to communicate with the dead, one may even find it possible to communicate with them using earthly words—to ask them questions and receive answers. Here we see the peculiar fact that the dead first lose the ability to use nouns in their language, while verbs remain in use among the dead for a long time. And in particular, the dead like to express themselves through words of emotion—through everything related to feeling and the state of mind. An “Ah!” or an “Oh!” as an expression of wonder, surprise, and the like is what the dead frequently use in their language. In a sense, one must first learn the language of the dead.
[ 7 ] Wie sich die Spiritisten das vorstellen, ist das nicht, denn die stellen sich vor, daß sie durch das Medium in der ganz gewöhnlichen irdischen Sprache von den Toten Mitteilungen bekommen können. Man kann es schon der Art ansehen, wie diese Mitteilungen sind, daß es sich da um unterbewußte Zustände der Lebenden handelt, nicht um wirkliche direkte Mitteilungen der Toten bei den Medien. Denn aus der gewöhnlichen Menschensprache wachsen die Toten immer mehr und mehr heraus, und nach Jahren kann man sich mit den Toten überhaupt nurmehr verständigen, wenn man gewissermaßen ihre Sprache sich angeeignet hat, die zumeist darinnen liegt, daß man in einfachen symbolischen Zeichnungen dasjenige andeutet, was man ausdrücken will, und dann auch wiederum in solchen symbolischen Formen, die man natürlich schattenhaft erhält, die Antwort bekommt.
[ 7 ] That is not how spiritualists envision it, for they imagine that they can receive messages from the dead through the medium in ordinary earthly language. One can already tell from the nature of these messages that they stem from the subconscious states of the living, not from actual, direct communications from the dead to the mediums. For the dead are increasingly moving beyond ordinary human language, and after years, one can communicate with the dead at all only if one has, so to speak, mastered their language—which mostly consists of indicating what one wishes to express through simple symbolic drawings, and then receiving the answer in such symbolic forms, which, of course, are perceived as shadowy images.
[ 8 ] Ich schildere Ihnen dies aus dem Grunde, weil ich Ihnen dadurch andeuten will, daß der Tote, trotzdem er eigentlich in dem Elemente lebt, welches dasjenige des Schlafes ist, trotzdem weite Interessen hat und die Welt schon überschaut. Aber wir können ihm dabei außerordentlich zu Hilfe kommen. Und es ist zum Beispiel ein wesentliches Zuhilfekommen den Toten gegenüber, wenn wir in aller Lebendigkeit an sie denken, wenn wir namentlich solche Gedanken den Toten schicken, welche in einer recht anschaulichen Form dasjenige darstellen, was wir mit den Toten erlebt haben. Abstrakte Vorstellungen verstehen die Toten nicht. Wenn ich aber den Gedanken fasse: Da war die Straße zwischen Kristiania und einem Nachbarort; da gingen wir. Der andere Mensch, der jetzt gestorben ist, der ging neben mir. Ich höre noch heute, wie er dazumal sprach. Den Klang seiner Stimme höre ich. Ich versuche mir zu vergegenwärtigen, was er für Bewegungen mit den Armen machte, was er für Bewegungen mit dem Kopfe machte. — Wenn man sich das so ganz gegenständlich lebhaft vorstellt, was man mit dem Toten zusammen erlebt hat, und dann diese Gedanken zu dem Toten hinschickt, den man sich in einem geläufigen Bilde vor die Seele rückt, dann schwebt oder strömt gewissermaßen ein solcher Gedanke zu dem Toten hin. Und der Tote empfindet das wie ein Fenster, durch das er in die Welt hereinblickt. Dem Toten geht nicht nur das, was wir an ihn als Gedanken richten, dabei auf, sondern eine ganze Welt geht ihm dabei auf. Es ist wie ein Fenster, durch das er in unsere Welt hereinblickt.
[ 8 ] I am describing this to you because I want to suggest that the deceased, even though he actually lives in the realm of sleep, still has far-reaching interests and already surveys the world. But we can be of extraordinary help to him in this regard. And it is, for example, a significant way to help the dead when we think of them with great vividness, when we send them thoughts that vividly depict what we have experienced with them. The dead do not understand abstract concepts. But when I form the thought: There was the road between Kristiania and a neighboring town; we walked there. The other person, who has now died, was walking beside me. I can still hear today how he spoke back then. I hear the sound of his voice. I try to recall the movements he made with his arms, the movements he made with his head. — If one imagines quite vividly and concretely what one experienced together with the deceased, and then sends these thoughts to the deceased—whom one brings to mind in a familiar image—then such a thought, as it were, floats or flows toward the deceased. And the deceased perceives this as a window through which he looks into the world. Not only do the thoughts we direct toward the deceased open up to them in this way, but an entire world opens up to them. It is like a window through which they look into our world.
[ 9 ] Dagegen dasjenige, was in seiner geistigen Umgebung nunmehr liegt, das kann der Tote nur in dem Maße erleben, als er sich schon hier die dem Menschen auf Erden möglichen Gedanken über die geistige Welt gemacht hat. Es gibt so viele Menschen heute, die sagen: Ach, was brauchen wir uns um das Leben nach dem Tode zu kümmern. Wir können es ja abwarten. Wenn wir gestorben sind, werden wir schon sehen, was es da gibt nach dem Tode. — Aber das ist ein ganz unmöglicher Gedanke. Man sieht einfach nichts nach dem Tode, wenn man sich gar keine Gedanken über die geistige Welt im Leben gemacht hat, wenn man bloß materialistisch dahingelebt hat.
[ 9 ] On the other hand, the deceased can experience what now lies in his spiritual environment only to the extent that he has already formed, while still here on earth, the thoughts about the spiritual world that are possible for human beings. There are so many people today who say: “Oh, why should we bother with life after death? We can just wait and see. Once we’ve died, we’ll see for ourselves what lies beyond death.” — But that is a completely untenable idea. One simply sees nothing after death if one has never given any thought to the spiritual world during one’s lifetime, if one has lived a purely materialistic life.
[ 10 ] Damit habe ich Ihnen angedeutet, wie der Tote in der Zeit lebt, in der er rückwärts sein Leben nach Maßnahme dessen durchlebt, was er immer in den Schlafzuständen durchgemacht hat. In dieser Zeit fühlt sich der Mensch, der also jetzt seinen physischen, seinen Ätherleib verlassen hat, im Bereiche der geistigen Mondenkräfte. Wir müssen uns klar sein, daß alles dasjenige, was Weltenkörper sind, Mond, Sonne, andere Sterne, insofern sie den physischen Augen erscheinen, wirklich nur die physische Ausgestaltung von Geistigem sind.
[ 10 ] I have thus indicated to you how the deceased lives during the period in which he relives his life in reverse, in accordance with what he has always experienced during his sleep states. During this time, the person—who has now left his physical and etheric bodies—feels himself to be within the realm of the spiritual forces of the Moon. We must be clear that everything that constitutes the bodies of the worlds—the Moon, the Sun, and other stars—insofar as they appear to the physical eye, are in reality merely the physical manifestation of the spiritual.
[ 11 ] Wie der einzelne Mensch, der jetzt hier auf dem Stuhle sitzt, nicht bloß das Fleisch und das Blut ist, das wir als Stoff ansehen können, sondern Seele und Geist ist, so lebt im ganzen Weltenall, im ganzen Kosmos überall Seele und Geist, und zwar nicht etwa bloß ein einheitliches seelisch-geistiges Wesen, sondern viele, unendlich viele geistige Wesenheiten. Und so sind mit dem Monde verknüpft, den wir nur äußerlich mit dem physischen Auge als die silberne Scheibe sehen, zahlreiche geistige Wesenheiten. In deren Bereich sind wir, solange wir in der geschilderten Weise unser Erdenleben zurückleben, bis wir wiederum an seinen Ausgangspunkt zurückgekommen sind. Man kann daher sagen, so lange sind wir im Mondenbereiche.
[ 11 ] Just as the individual human being sitting here on this chair is not merely the flesh and blood that we can regard as matter, but is soul and spirit, so too do soul and spirit live everywhere throughout the entire universe, throughout the entire cosmos—and not merely as a single, unified soul-spiritual being, but as many, infinitely many spiritual beings. And so, numerous spiritual beings are connected to the Moon, which we see only outwardly with the physical eye as a silver disk. We remain within their realm as long as we relive our earthly life in the manner described, until we have returned once more to its starting point. One can therefore say that we remain in the lunar realm for that duration.
[ 12 ] Während wir also in diesem Rückwärtsleben sind, mischt sich allerdings in unser ganzes Leben etwas, was dann einen gewissen Abschluß erlangt, wenn wir aus dem Mondenbereich nach dem Tode hinauskommen. Sogleich, nachdem wir den Ätherleib wenige Tage nach dem Tode in der geschilderten Weise abgestreift haben, macht sich aus diesen nächtlichen Erlebnissen heraus die moralische Beurteilung unseres Menschenwertes geltend. Wir können dann gar nicht anders, als dasjenige, was wir da wiederum zurückleben, moralisch zu beurteilen. Und das ist sehr eigentümlich, wie sich die Dinge nun gestalten.
[ 12 ] So while we are in this life lived in reverse, something does, however, intermingle with our entire existence, something that then reaches a certain conclusion when we emerge from the lunar realm after death. Immediately after we have shed the etheric body in the manner described, a few days after death, the moral assessment of our human worth emerges from these nocturnal experiences. We then cannot help but morally judge what we are reliving there. And it is very peculiar how things now unfold.
[ 13 ] Hier auf Erden tragen wir einen Leib aus Knochen, aus Muskeln, aus Blutgefäßen und so weiter. Dann, nach dem Tode, bildet sich ein geistiger Leib, der aus unseren moralischen Werten gebildet ist. Ein guter Mensch bekommt einen schönleuchtenden moralischen Leib, ein schlechter einen übelleuchtenden moralischen Leib. Das bildet sich während dieses Rückganges. Und das ist eigentlich nur ein Teil desjenigen, was sich uns angliedert, was jetzt unser — wenn ich mich so ausdrücken darf — Geistleib wird, denn ein Teil dessen, was wir jetzt in der geistigen Welt als einen Geistleib erhalten, bildet sich aus unseren moralischen Werten, ein anderer wird uns einfach aus den Substanzen der geistigen Welt, wenn ich so sagen darf, angekleidet.
[ 13 ] Here on Earth, we have a physical body made of bones, muscles, blood vessels, and so on. Then, after death, a spiritual body is formed, composed of our moral values. A good person receives a beautifully radiant moral body, while a bad person receives a darkly radiant moral body. This takes shape during this descent. And that is actually only a part of what becomes attached to us, what now becomes our—if I may put it that way—spiritual body, for one part of what we now receive in the spiritual world as a spiritual body is formed from our moral values, while another part is simply “clothed” upon us from the substances of the spiritual world, if I may say so.
[ 14 ] Nun müssen wir, wenn wir den Rücklauf vollendet haben, wenn wir also wiederum an dem Ausgangspunkte angekommen sind, jenen Übergang finden, den ich in meiner «Theosophie» mit dem Übergange von der Seelenwelt in das Geisterland angedeutet habe. Aber das ist damit verknüpft, daß wir den Mondenbereich verlassen und innerhalb des Kosmos in den Sonnenbereich einziehen. Wir werden nach und nach mit der allumfassenden Wesenheit alles desjenigen bekannt, was geistig-seelisch im Sonnenbereiche lebt. Da müssen wir aufgenommen werden. Ja, da können wir jetzt nicht hinein mit unserem moralischen Leib. Ich werde in den nächsten Tagen davon zu sprechen haben, inwiefern gerade bei diesem Übergange aus dem Mondenbereich in den Sonnenbereich die Christus-Wesenheit für den Menschen eine führende Rolle spielt, die verschieden ist vor dem Mysterium von Golgatha und nach dem Mysterium von Golgatha. Heute wollen wir einmal den Durchgang durch diese Welt mehr objektiv schildern. Wir müssen nämlich dasjenige, was wir uns da angegliedert haben gewissermaßen aus unseren moralischen Werten, im Mondenbereich noch ablegen. Das stellt etwas dar, was wir gewissermaßen als ein Päckchen zurücklassen, damit wir als rein geistige Wesen in den Sonnenbereich nunmehr eintreten können, wo wir die Sonne wirklich sehen, jetzt nicht von der Seite, die sie der Erde zuwendet, sondern von der rückwärtigen Seite, wo wir sie ganz und gar von geistigen Wesenheiten erfüllt sehen, wo wir sie ganz und gar als ein geistiges Reich sehen.
[ 14 ] Now, once we have completed the return journey—that is, once we have arrived back at the starting point—we must find that transition which I alluded to in my *Theosophy* as the transition from the world of the soul to the realm of the spirits. But this is connected with our leaving the lunar realm and entering the solar realm within the cosmos. Little by little, through the all-encompassing Being, we become acquainted with everything that lives spiritually and soulfully in the solar realm. We must be received there. Yes, we cannot enter there now with our moral body. In the coming days I will speak about the extent to which, precisely in this transition from the lunar realm to the solar realm, the Christ Being plays a leading role for humanity—a role that differs before the Mystery of Golgotha and after the Mystery of Golgotha. Today, let us describe the passage through this world more objectively. For we must, as it were, shed in the lunar realm that which we have attached to ourselves through our moral values. This represents something we leave behind, so to speak, as a sort of burden, so that we can now enter the solar realm as purely spiritual beings—where we truly see the Sun, not from the side it faces the Earth, but from the far side, where we see it entirely filled with spiritual beings, where we see it entirely as a spiritual realm.
[ 15 ] Da ist es nun, wo wir alles dasjenige, was jetzt nicht zu unseren moralischen Werten gehört, sondern zu demjenigen, was die Götter uns auf Erden haben erfahren lassen und was brauchbar ist für das Weltenall, wo wir das dem Weltenall wie eine Nahrung übergeben, so daß der Weltenlauf weitergehen kann. Ja, es ist wirklich so, wenn wir den Weltenlauf — Sie wissen, ich gebrauche das nur als einen Vergleich, ich definiere den Weltenlauf wirklich nicht als Maschine — vergleichsweise wie eine Maschine ansehen würden, so wäre dasjenige, was wir da mitbringen, nachdem wir unser Päckchen im Mondenbereiche abgelegt haben, das würde im Sonnenbereiche wie ein Heizmaterial sein, das wir dem Laufe des Kosmos reichen, wie das Heizmaterial einer Maschine gereicht wird.
[ 15 ] There it is, where we take everything that does not now belong to our moral values, but rather to that which the gods have allowed us to experience on Earth and which is useful for the universe—where we offer this to the universe as nourishment, so that the course of the universe may continue. Yes, it is truly so: if we were to view the course of the universe—you know, I’m only using this as a comparison; I certainly do not define the course of the universe as a machine—were to view it, by way of comparison, as a machine, then what we bring with us—after we have set down our burden in the lunar realm—would be, in the solar realm, like fuel that we supply to the course of the cosmos, just as fuel is supplied to a machine.
[ 16 ] Und so treten wir ein in den Bereich der geistigen Welt. Denn es ist einerlei, ob wir sagen: Wir treten ein in den Sonnenbereich, geistig, oder ob wir sagen: Wir treten ein in die geistige Welt. — Da leben wir nun als Geist unter Geistern, so wie wir hier auf Erden als physischer Mensch unter physischen Wesenheiten der verschiedenen Naturreiche leben. Da leben wir unter denjenigen Wesenheiten, welche ich beschrieben und benannt habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß». Da leben wir auch unter denjenigen Seelen, die vor uns gestorben sind oder die in der Erwartung sind ihres kommenden Erdenlebens. Wir leben da als Geist unter geistigen Wesenheiten. Diese geistigen Wesenheiten können Wesenheiten der höheren Hierarchien sein, sie können auch entkörperte, in der geistigen Welt lebende Menschen sein. Und die Frage taucht auf: Was tun wir nun? — Wir wachsen jetzt immer mehr und mehr in eine Weltanschauung hinein, die sehr verschieden von der irdischen Weltanschauung ist. Wenn man diese Welt schildert, in die wir hineinwachsen, so klingt es wieder paradox. Allein, was kann man denn anderes erwarten, als daß diese Dinge, die in einer ganz andern Welt leben, paradox für das irdische Anschauen klingen.
[ 16 ] And so we enter the realm of the spiritual world. For it makes no difference whether we say, “We enter the realm of the Sun, spiritually,” or whether we say, “We enter the spiritual world.” — There we now live as spirits among spirits, just as we live here on Earth as physical human beings among physical beings of the various kingdoms of nature. There we live among those beings whom I have described and named in my *Outline of Esoteric Science*. There we also live among those souls who have died before us or who are awaiting their coming earthly life. There we live as spirits among spiritual beings. These spiritual beings may be beings of the higher hierarchies; they may also be disembodied human beings living in the spiritual world. And the question arises: What do we do now? — We are now growing more and more into a worldview that is very different from the earthly worldview. When one describes this world into which we are growing, it sounds paradoxical again. But what else can one expect, other than that these things, which exist in a completely different world, sound paradoxical to earthly perception?
[ 17 ] Indem wir da wirklich drinnenleben, Geist unter Geistern, haben wit, so wie wir hier auf Erden vor uns und um uns alles Natürliche haben, so haben wir, wenn wir als Geist unter Geistern zwischen dem Tode und einer neuen Geburt leben, gerade nach und nach alles Menschliche vor uns. Hier stehen wir auf Erden an einem bestimmten Punkte des irdischen Weltenalls. Wir richten den Blick nach allen Seiten hinaus und erblicken das, was außer dem Menschen ist. Dasjenige, was im Menschen ist, erblicken wir gar nicht.
[ 17 ] As we truly live there—a spirit among spirits—just as we have everything natural before us and around us here on Earth, so too, when we live as a spirit among spirits between death and a new birth, we gradually have everything human before us. Here on Earth, we stand at a specific point in the earthly universe. We cast our gaze out in all directions and see what lies outside of humanity. We do not see at all what lies within humanity.
[ 18 ] Nun werden Sie sagen: Das ist töricht, was du uns sagst. Nicht gerade jeder Mensch, aber die gelehrten Anatomen, die in den anatomischen Kliniken den Menschen, wenn er gestorben ist, zerschneiden, die Anatomie treiben, kennen ganz gut das Innere des Menschen. Nichts kennen sie davon! Denn dasjenige, was man auf diese Weise vom Menschen kennenlernt, ist auch nur ein Äußeres. Ob sie schließlich den Menschen von dem Äußeren der Haut aus äußerlich anschauen, oder ob sie ihn von innen äußerlich anschauen, das ist alles dasselbe. Im Inneren der Haut des Menschen ist nicht dasjenige, was die Anatomen auf äußerliche Weise herausbekommen, sondern da sind ganze Welten drinnen. In der menschlichen Lunge, in jedem menschlichen Organ sind ganze Welten im Kleinen zusammengerollt.
[ 18 ] Now you will say: What you’re telling us is foolish. Not exactly everyone, but the learned anatomists who dissect people in anatomical clinics after they have died—who practice anatomy—know the human interior quite well. They know nothing of it! For what one learns about the human being in this way is merely the exterior. Whether they ultimately view the human being externally from the outside of the skin, or whether they view it externally from the inside, it is all the same. Inside the human skin is not what anatomists extract in an external way; rather, there are entire worlds inside. In the human lungs, in every human organ, entire worlds are rolled up in miniature.
[ 19 ] Es ist ja wunderbar dasjenige, was wit sehen, wenn wir, sagen wir, eine schöne Landschaft bewundern können. Es ist wunderbar dasjenige, was wir sehen, wenn wir nächtlich den Sternenhimmel in all seiner Pracht bewundern. Aber dasjenige, was im Menschen drinnen ist, wenn wir den Menschen nicht mit dem physischen Auge des Anatomen anschauen, sondern mit geistigem Auge anschauen, wenn wir eine menschliche Lunge, eine menschliche Leber — verzeihen Sie, daß ich alle diese Organe nenne —, wenn wir diese Organe mit geistigem Auge anschauen, so sind das ja Welten, zusammengerollt. Gegenüber aller Pracht und Herrlichkeit der äußeren Flüsse und Berge, der Erdenwelt, gegenüber all dieser äußeren Pracht ist eine viel größere, eine erhabenere Pracht alles dasjenige, was innerhalb der Haut des Menschen auch nur als physische Organisation liegt. Daß das kleiner ist als die scheinbar so große Raumeswelt, das macht es nicht aus. Wenn Sie dasjenige überschauen, was in einem einzigen Lungenbläschen liegt, so ist das großartiger als dasjenige, was in den mächtigen Alpenmassiven liegt. Dasjenige, was innerhalb des Menschen ist, ist nämlich zusammenverdichtet der ganze geistige Kosmos. In der menschlichen Innenorganisation haben wir ein Bild des ganzen Kosmos.
[ 19 ] It is truly wonderful what we see when we, say, admire a beautiful landscape. It is wonderful what we see when we gaze at the starry sky at night in all its splendor. But what lies within a human being—when we look at a person not with the physical eye of an anatomist, but with the spiritual eye; when we look at a human lung, a human liver—forgive me for naming all these organs—when we look at these organs with the spiritual eye—these are, in fact, worlds rolled up into one. Compared to all the splendor and glory of the outer rivers and mountains, of the earthly world—compared to all this outer splendor—there is a far greater, a more sublime splendor in everything that lies within the human skin, even if only as a physical organization. The fact that it is smaller than the seemingly vast world of space does not matter. If you survey what lies within a single alveolus, it is more magnificent than what lies within the mighty Alpine massifs. For what is within the human being is, in fact, the entire spiritual cosmos condensed into a single form. In the human internal organization, we have an image of the entire cosmos.
[ 20 ] Wir können uns das auch noch etwas anders vorstellen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien meinetwillen dreißig Jahre alt geworden, blicken in sich hinein, rein seelisch. In der Erinnerung erinnern Sie sich an irgend etwas, was Sie zwischen dem zehnten und zwanzigsten Jahre erlebt haben. Da ist das äußere Erlebnis zum inneren Bilde der Seele geworden. Sie überblicken vielleicht in einem Momente weit ausgebreitete Erlebnisse, die Sie durch Jahre durchgemacht haben. Eine Welt ist in dem Bilde einer Vorstellung zusammengewoben. Denken Sie nur, was Sie manchmal haben, wenn Sie die kleinen Erinnerungsvorstellungen an weit ausgebreitete Ereignisse, die Sie durchgemacht haben, in Ihrem Seelenleben haben. Das ist das Seelische, das Sie da erleben, von dem, was Sie irdisch durchgemacht haben. Wenn Sie ebenso, wie Sie Ihre Erinnerungsvorstellung anschauen, Ihr Gehirn, das Innere Ihres Auges anschauen — das Innere des Auges allein ist ja eine ganze Welt —, wenn Sie ebenso anschauen Ihre Lunge, Ihre andern Organe, so sind diese nicht jetzt Bilder von Erlebnissen, die Sie durchgemacht haben, sondern sie sind Bilder des ganzen geistigen Kosmos, sie erscheinen nur auf materielle Art.
[ 20 ] We can also imagine this in a slightly different way. Just imagine, for my sake, that you have turned thirty years old and are looking deep within yourself—purely in a spiritual sense. In your memory, you recall something you experienced between the ages of ten and twenty. There, the external experience has become an inner image of the soul. In a single moment, you may survey a vast array of experiences you have gone through over the years. A whole world is woven together in the image of a single thought. Just think of what you sometimes experience when you hold within your inner life these small mental images of the far-reaching events you have lived through. That is the inner life you are experiencing there, derived from what you have lived through on earth. If, just as you look at your mental images of memories, you look at your brain, the interior of your eye—the interior of the eye alone is, after all, a whole world—and if you likewise look at your lungs and your other organs, these are not now images of experiences you have gone through, but rather they are images of the entire spiritual cosmos; they merely appear in a material form.
[ 21 ] Wenn der Mensch enträtseln kann, ebenso wie er seine Erinnerungen im Seelenleben enträtseln kann, weil er sie durchlebt hat im irdischen Leben, wenn er ebenso enträtseln kann: Was ist in meinem Gehirn, in meinem Augeninneren, in meinem Lungeninneren enthalten? — dann geht ihm der ganze geistige Kosmos auf, geradeso wie bei den einzelnen Erinnerungsvorstellungen einem irgendeine Erlebnisreihe aufgeht, die man durchgemacht hat. Man ist das verkörperte Weltgedächtnis als Mensch. Das muß man nur ordentlich in Erwägung ziehen, dann wird man verstehen, was es heißt, der Mensch tritt ein, nachdem er nach dem Tode die Zustände durchgemacht hat, die ich bisher geschildert habe, in das Schauen des Menschen selber. Der Mensch ist Geist unter Geistern. Aber dasjenige, was er als seine Welt jetzt erblickt, ist das Wunder der menschlichen Organisation selber als Kosmos, als ganze Welt. Wie hier Berge, Flüsse, Sterne, Wolken unsere Umgebung sind, so ist dann, wenn wir als Geist unter Geistern leben, der Mensch in seiner wunderbaren Organisation unsere Umgebung, unsere Welt. Wir blicken hinaus, wir blicken — wenn ich mich bildhaft ausdrücken darf — in der geistigen Welt links und blicken rechts: wie hier überall Felsen, Flüsse, Berge sind, so ist dort überall Mensch. Der Mensch ist die Welt. Und an dieser Welt, die eigentlich der Mensch ist, sind wir beschäftigt. So wie wir Maschinen bauen, Buchhaltungen anlegen, Röcke machen, Schuhe machen, wie wit hier irgend etwas schreiben auf der Erde, wie wir also dasjenige zusammenweben, was man den Inhalt der Zivilisation, der Kultur nennt, so weben wir dort, aber zusammen mit den Geistern der höheren Hierarchien und mit den entkörperten Menschen, an der Menschheit. Wir weben die Menschheit aus dem Kosmos heraus. Hier auf Erden sind wir fertiger Mensch. Dort legen wir den Geistkeim des Erdenmenschen.
[ 21 ] If a person can unravel this, just as they can unravel their memories in their inner life because they have lived through them in their earthly life, if they can likewise unravel: What is contained in my brain, inside my eyes, inside my lungs? — then the entire spiritual cosmos opens up to them, just as a series of experiences one has gone through unfolds in the individual memories. As a human being, one is the embodied memory of the world. One need only give this proper consideration, and then one will understand what it means that, after passing through the states following death that I have described so far, the human being enters into the vision of the human being itself. The human being is a spirit among spirits. But what he now beholds as his world is the miracle of the human organism itself as a cosmos, as a whole world. Just as mountains, rivers, stars, and clouds surround us here, so too, when we live as a spirit among spirits, is the human being, in his wondrous organization, our surroundings, our world. We look out; we look—if I may speak figuratively—to the left in the spiritual world and to the right: just as there are rocks, rivers, and mountains everywhere here, so too is there the human being everywhere there. The human being is the world. And we are engaged with this world, which is actually the human being. Just as we build machines, keep accounts, make skirts, make shoes, just as we write anything here on Earth—just as we weave together what is called the substance of civilization and culture—so there, together with the spirits of the higher hierarchies and with disembodied human beings, we weave at humanity. We weave humanity out of the cosmos. Here on Earth, we are fully formed human beings. There, we plant the spiritual seed of the earthly human being.
[ 22 ] Das ist das große Geheimnis, daß die Himmelsbeschäftigung des Menschen darinnen besteht, den großen Geistkeim für den späteren Erdenmenschen selber zu weben mit den Geistern der höheren Hierarchien zusammen. Und jeder weben wir — aber in riesiger Geistgröße in dem Geistkosmos darinnen — das Gewebe unseres eigenen Erdenmenschen, der wir dann sind, wenn wir wiederum zum Erdenleben heruntersteigen. Unsere Arbeit ist eine mit den Göttern gemeinsam geleistete Arbeit an dem Erdenmenschen.
[ 22 ] This is the great secret: that humanity’s heavenly task consists in weaving, together with the spirits of the higher hierarchies, the great spiritual seed for the future earthly human being. And each of us weaves—but on a vast spiritual scale within the spiritual cosmos—the fabric of our own earthly human being, whom we will become when we descend once more into earthly life. Our work is a joint endeavor with the gods on the earthly human being.
[ 23 ] Wenn wir hier auf Erden von Keim sprechen, so stellen wir uns etwas Kleines vor, das dann groß wird. Wenn wir aber davon sprechen, wie in der geistigen Welt der Keim des physischen Erdenmenschen vorhanden ist, denn der physische Keim, der im Leibe der Mutter gedeiht, ist nur das Abbild dieses Geistkeimes, wenn wir von dem Geistkeim sprechen, so ist der riesig groß, ist der ein Weltenall, und alle andern Menschen sind in dieses Weltenall verflochten. Man könnte sagen: Alle sind an demselben Orte und doch der Zahl nach voneinander verschieden. — Und dann verkleinert er sich immer mehr. Und wir machen das durch in der Zeit, die wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen, daß wir zuerst als Weltenall groß den Geistkeim des Menschen bilden, der wir werden. Dann wird dieser Geistkeim immer kleiner und kleiner, er involviert seine Wesenheit immer mehr und mehr, und er ist es, der dann im Leibe der Mutter sein Abbild schafft.
[ 23 ] When we speak of a seed here on Earth, we imagine something small that will eventually grow large. But when we speak of how the seed of the physical human being on Earth exists in the spiritual world—for the physical seed that develops in the mother’s body is only the image of this spiritual seed—when we speak of the spiritual seed, it is enormously large; it is a universe, and all other human beings are interwoven into this universe. One could say: All are in the same place and yet differ from one another in number. — And then it grows smaller and smaller. And we go through this process during the time between death and a new birth: first, as a vast universe, we form the spiritual seed of the human being we are to become. Then this spiritual seed becomes smaller and smaller; it folds its essence in more and more, and it is this seed that then creates its image in the mother’s womb.
[ 24 ] Es ist ganz falsch, was in dieser Beziehung die materialistische Physiologie glaubt. Die materialistische Physiologie glaubt, der Mensch mit seiner wunderbaren Gestalt, die ich Ihnen eben versuchte skizzenhaft zu schildern, entstünde aus dem bloßen physischen Menschenkeim. Das ist der reine Unsinn. Denn man glaubt gewöhnlich in dieser materialistischen Physiologie, daß der Eikeim die allerkomplizierteste Materie sei. Und die Chemiker, die physiologischen Chemiker denken darüber nach, wie das Molekül oder das Atom immer komplizierter und komplizierter wird, und der Keim endlich ganz etwas Kompliziertes ist. Das ist ja gar nicht wahr. Der Eikeim ist nämlich chaotische Materie. Wenn Materie Keim wird, so löst sie sich gerade als Materie auf, ist vollständig pulverisiert. Darinnen besteht das Wesen des Keimes — und des Menschenkeimes am allermeisten, des physischen Menschenkeimes —, daß er vollständig pulverisierte Materie ist, die gar nichts mehr für sich will. Dadurch, daß er vollständig pulverisierte Materie ist, die gar nichts mehr für sich will, kann der Geistkeim, der lange vorbereitet ist, in diese Materie seinen Einzug halten. Dazu, zu dieser Pulverisierung, wird gerade die physische Keimmaterie durch die Konzeption fähig gemacht. Die physische Materie wird ganz zerstört, damit der geistige Keim sich in sie senken kann, und die physische Materie das Abbild des geistigen Keimes, der aus dem Kosmos heraus gewoben wird, werden kann.
[ 24 ] What materialist physiology believes in this regard is completely wrong. Materialist physiology believes that human beings, with their marvelous form—which I have just tried to sketch out for you—arise from the mere physical human germ. That is pure nonsense. For in this materialistic physiology, it is generally believed that the germ is the most complex form of matter. And the chemists—the physiological chemists—ponder how the molecule or the atom becomes increasingly complex, and that the germ is ultimately something quite complex. But that is not true at all. For the primordial germ is, in fact, chaotic matter. When matter becomes a germ, it dissolves precisely as matter; it is completely pulverized. The essence of the germ—and most of all the human germ, the physical human germ—lies in the fact that it is completely pulverized matter that no longer desires anything for itself. Precisely because it is completely pulverized matter that no longer desires anything for itself, the spiritual germ—which has long been prepared—can take up residence within this matter. It is precisely this pulverization that the physical germ matter is made capable of through conception. The physical matter is completely destroyed so that the spiritual germ can descend into it, and the physical matter can become the image of the spiritual germ that is woven from the cosmos.
[ 25 ] Man kann gewiß große Loblieder singen auf all dasjenige, was Menschen auf Erden für die Zivilisation, für die Kultur tun können. Ich werde gewiß nicht gegen diese Loblieder sprechen, sondern erkläre mich von vorneherein, insofern diese Loblieder vernünftig sind, mit allem einverstanden. Aber dasjenige, was geleistet wird, ich möchte sagen an Himmelszivilisation zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, indem der Menschenleib im Geiste vorbereitet wird, zuerst im Geist gewoben wird, das ist eine viel umfassendere, eine viel erhabenere, eine viel großartigere Arbeit als alle Kulturarbeit auf Erden. Denn es gibt nichts Erhabeneres in der Weltenordnung, als eben gerade aus allen Ingredienzien der Welt den Menschen zu weben. Mit Göttern zusammen wird der Mensch gewoben in der wichtigsten Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 25 ] One can certainly sing great songs of praise for all that human beings on Earth can do for civilization and culture. I certainly will not speak out against these songs of praise, but I declare from the outset that, insofar as these songs of praise are reasonable, I agree with them entirely. But what is accomplished—I would say—in the heavenly civilization between death and a new birth, as the human body is prepared in the spirit, first woven in the spirit—that is a far more comprehensive, far more sublime, and far more magnificent work than all cultural endeavors on Earth. For there is nothing more sublime in the order of the worlds than to weave the human being precisely from all the ingredients of the world. Together with the gods, the human being is woven during the most crucial time between death and a new birth.
[ 26 ] Und wenn ich gestern sagen mußte: In einem gewissen Sinne ist dasjenige, was wir hier auf Erden an Erfahrungen, an Erlebnissen uns aneignen, eine Nahrung für den Kosmos —, so müssen wir nun sagen: Nachdem wir das, was wir hier in einem Erdenleben als für den Kosmos brauchbar — als Nahrung oder als Heizmaterial — bewahrt haben, an den Kosmos hingegeben haben, da bekommen wir aus der Fülle des Kosmos heraus all diejenigen Substanzen, aus denen wir den neuen Menschen, den wir später beziehen werden, wiederum weben. Da lebt der Mensch, indem er wirklich ganz hingegeben ist an eine geistige Welt, als Geist. Sein ganzes Weben und Wesen ist ein geistiges Arbeiten und ein geistiges Sein. Das dauert eine lange Zeit. Denn wirklich — man muß es immer wieder betonen —, dasjenige zu weben, was der Mensch ist, ist etwas ganz Gewaltiges und Großartiges. Und in alten Mysterien hat man nicht mit Unrecht den menschlichen physischen Leib einen «Tempel der Götter» genannt. Dieses Wort hat schon eine tiefe Bedeutung. Man lernt die ganze tiefe Bedeutung dieses Wortes immer mehr und mehr fühlen, je mehr man Einblick in die ganze Initiationswissenschaft gewinnt, in dasjenige, was als das Leben des Menschen selber zwischen dem 'Tode und einer neuen Geburt vor sich geht. Da lebt man aber auch so, daß man, ich möchte sagen, unmittelbar ansichtig wird der Geistwesen als Geistwesen. Das dauert längere Zeit. Dann tritt ein anderer Zustand ein.
[ 26 ] And if yesterday I had to say: “In a certain sense, what we acquire here on Earth in the form of experiences and events is nourishment for the cosmos”—then we must now say: After we have preserved what we have gathered here in an earthly life as useful for the cosmos—as nourishment or fuel—and have given it to the cosmos, we then receive from the abundance of the cosmos all those substances from which we will in turn weave the new human being whom we will later take on. There the human being lives, truly and completely devoted to a spiritual world, as spirit. Their entire weaving and being is spiritual work and spiritual existence. This takes a long time. For truly—and this must be emphasized again and again—weaving that which the human being is is something truly immense and magnificent. And in the ancient mysteries, the human physical body was not without reason called a “temple of the gods.” This phrase has a profound meaning. One learns to feel the full, profound meaning of this word more and more the deeper one gains insight into the entire science of initiation—into that which takes place as the life of the human being itself between death and a new birth. But there one also lives in such a way that, I would say, one directly beholds the spiritual beings as spiritual beings. This takes a long time. Then another state sets in.
[ 27 ] Dasjenige, was vorher war, war so, daß man die einzelnen Geistwesen als Individualitäten wirklich geschaut hat. Man lernte sozusagen von Angesicht zu Angesicht, indem man mit ihnen arbeitete, die Geistwesen kennen. Dann tritt einmal ein Zustand ein, wo — ich möchte sagen, es ist nur bildlich gesprochen, aber man kann für diese Dinge ja nur Bilder anwenden — diese Geistwesen immer undeutlicher und undeutlicher werden und mehr ein allgemeines Geistgebilde auftritt. Man kann das so aussprechen, daß man sagt: Eine gewisse Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt erlebt man so, daß man unmittelbar mit den Geistwesen lebt. Dann kommt eine Zeit, wo man nur in der Offenbarung der Geistwesen lebt, wo sie sich einem offenbaren. — Ich will ein recht triviales Gleichnis gebrauchen. Wenn Sie in der Ferne so eine kleine graue Wolke sehen, so können Sie sie für eine kleine graue Wolke halten, gehen Sie näher hinzu, so entpuppt sie sich Ihnen als ein Mückenschwarm. Sie sehen jetzt jede einzelne Mücke. Hier ist es umgekehrt. Sie nehmen wahr — zuerst als einzelne Individualitäten — die göttlich-geistigen Wesenheiten, mit denen Sie arbeiten. Dann leben Sie sich hinein, so daß Sie die allgemeine Geistigkeit wahrnehmen wie den Mückenschwarm als Wolke, wo die einzelnen Individualitäten mehr verschwinden, und Sie leben dann, ich möchte sagen mehr auf pantheistische Weise in einer allgemeinen geistigen Welt.
[ 27 ] What existed before was a state in which one truly perceived the individual spirit beings as distinct entities. One came to know these spirit beings, so to speak, face to face, by working with them. Then a state sets in where—I would like to say this is only figurative, but one can only use images for these things—these spiritual beings become increasingly indistinct, and a more general spiritual formation emerges. One can put it this way: a certain period between death and a new birth is experienced as living directly with the spiritual beings. Then comes a time when one lives solely within the revelation of the spiritual beings, as they reveal themselves to you. — I’ll use a rather trivial analogy. If you see a small gray cloud in the distance, you might take it for a small gray cloud; but as you approach it, it turns out to be a swarm of mosquitoes. You now see every single mosquito. Here it is the other way around. You perceive—at first as individual entities—the divine-spiritual beings with whom you work. Then you immerse yourself in this experience, so that you perceive the general spirituality—like the swarm of gnats as a cloud—where the individual entities fade into the background, and you then live, I would say, in a more pantheistic way within a general spiritual world.
[ 28 ] Indem Sie jetzt in einer allgemeinen geistigen Welt leben, taucht aber aus Ihrem Inneren ein stärkeres Selbstgefühl auf, als Sie vorher hatten. Vorher waren Sie in Ihrem Selbst so, daß Sie gewissermaßen eins waren mit der geistigen Welt, die Sie in ihren Individualitäten erlebten. Jetzt fühlen Sie die geistige Welt gewissermaßen nur wie eine allgemeine Geistigkeit. Aber Sie fühlen sich stärker. Es erwacht die Intensität des eigenen Selbstgefühles. Und damit tritt langsam und allmählich im Menschen wiederum das Bedürfnis auf nach einem neuen Erdendasein. Mit diesem Erwachen des Selbstgefühles tritt das Bedürfnis auf nach einem neuen Erdendasein. Dieses Bedürfnis muß ich Ihnen so schildern. Durch die ganze Zeit, die ich Ihnen jetzt geschildert habe und die durch Jahrhunderte geht, hat der Mensch eigentlich, nachdem er die erste Zeit durchgemacht hat, wo er noch immer mit der Erde zusammenhängt, von da ab, wo er an seinen Ausgangspunkt wieder zurückgekommen ist, im Grunde genommen hauptsächlich nur die Interessen für die geistige Welt. Er webt in der Weise, wie ich es Ihnen geschildert habe, an dem Menschen im GroBen. Er hat Interesse hauptsächlich für die geistige Welt.
[ 28 ] Now that you live in a general spiritual world, however, a stronger sense of self is emerging from within you than you had before. Previously, you were such that, in a sense, you were one with the spiritual world, which you experienced through its individualities. Now, you perceive the spiritual world, so to speak, merely as a general spirituality. But you feel stronger. The intensity of your own sense of self is awakening. And with this, the need for a new earthly existence slowly and gradually arises within the human being once again. With this awakening of the sense of self comes the need for a new earthly existence. I must describe this need to you as follows. Throughout the entire period I have just described to you—which spans centuries—once a person has passed through the initial phase in which they are still connected to the Earth, and from the point at which they have returned to their starting point, they are, in essence, primarily interested only in the spiritual world. He works upon humanity as a whole in the manner I have described to you. His interest lies primarily in the spiritual world.
[ 29 ] In dem Momente, wo die geistige Welt gewissermaßen in ihren Individualitäten ineinander verschwimmt und der Mensch die geistige Welt im allgemeinen wahrnimmt, erwacht in ihm das Interesse für die Erdenwelt wiederum. Dieses Interesse für die Erdenwelt tritt in einer ganz besonderen Weise ein. Es tritt nämlich in bestimmter Weise, in konkreter Weise auf. Man fängt an, ein Interesse zu bekommen an ganz bestimmten Menschen, die da unten auf der Erde sind, und wiederum an deren Kindern und an deren Kindern wiederum. Während man früher nur ein Himmelsinteresse hat, bekommt man jetzt ein merkwürdiges Interesse, wenn die geistige Welt zur Offenbarung wird, an gewissen Generationenfolgen. Das sind die Generationenfolgen, an deren Ende dann die eigenen Eltern stehen, die einen gebären werden, wenn man wiederum herabsteigt zur Erde. Aber man bekommt schon lange vorher für die Voreltern Interesse. Man verfolgt die Generationenreihe bis zu den Eltern hinunter, und zwar verfolgt man sie nicht bloß im Zeitenverlaufe, sondern wenn dieser Zustand der Offenbarung zuerst eintritt, da sieht man schon wie prophetisch die ganze Generationenreihe vor sich. Da sieht man durch die Generationen, durch die Menschenfolge Urururgroßvater, Ururgroßvater, Urgroßvater, Großvater und so weiter, man sieht den Weg, den man auf die Erde hinunter machen wird, in Menschengenetationen vor sich. Nachdem man zuerst in den Kosmos hineingewachsen ist, wächst man später in die reale, in die konkrete Menschengeschichte hinein. Und dann kommt der Zeitpunkt, wo man wiederum aus dem Sonnenbereiche allmählich herauskommt. Man bleibt natürlich immer im Sonnenbereiche drinnen, aber das deutliche, klare, bewußte Verhältnis verdunkelt sich, und man zieht wieder in den Mondenbereich ein. Und jetzt findet man im Mondenbereich das Päckchen, das man abgelegt hat — ich kann es nicht anders als mit diesem Bilde bezeichnen —, dasjenige, was die moralische Wertigkeit darstellt. Die muß man jetzt aufnehmen.
[ 29 ] At the moment when the spiritual world, so to speak, blurs into one another in its individualities and the human being perceives the spiritual world in general, an interest in the earthly world awakens within him once again. This interest in the earthly world arises in a very special way. Namely, it arises in a specific, concrete way. One begins to take an interest in very specific people who are down there on Earth, and in turn in their children, and in their children’s children as well. Whereas one previously had only an interest in the heavenly realm, one now develops a peculiar interest—when the spiritual world becomes revealed—in certain generational lines. These are the generational lines at the end of which stand one’s own parents, who will give birth to one when one descends once more to Earth. But one develops an interest in one’s ancestors long before that. One traces the generational line down to one’s parents, and one does not merely follow it over the course of time; rather, when this state of revelation first sets in, one already sees the entire generational line unfolding before one’s eyes as if in a prophecy. There, looking through the generations—through the succession of human beings: great-great-great-grandfather, great-great-grandfather, great-grandfather, grandfather, and so on—one sees before oneself, in human generations, the path one will take down to Earth. After first growing into the cosmos, one later grows into real, concrete human history. And then comes the moment when one gradually emerges from the solar realm once more. Of course, one always remains within the solar realm, but the distinct, clear, conscious connection dims, and one moves back into the lunar realm. And now, in the lunar realm, one finds the “package” that one has set aside—I can’t describe it any other way than with this image—that which represents moral value. One must now take this up.
[ 30 ] Wir werden in den nächsten Tagen sehen, wie da wiederum der Christus-Impuls eine sehr bedeutsame Rolle spielt. Man muß das Schicksalspäckchen sich einverleiben. Aber indem man sich dieses Schicksalspäckchen einverleibt, indem man den Mondenbereich betritt, geht einem, während das Selbstgefühl immer stärker und stärker geworden ist, während man immer mehr und mehr innerlich Seele geworden ist, das Gewebe, das man zu seinem physischen Leibe gewoben hat, allmählich verloren. Der Geistkeim, den man selbst gewoben hat, geht einem verloren, geht einem in dem Momente verloren, wo auf der Erde die Konzeption für den körperlichen Keim eintritt, den man auf Erden anzunehmen hat.
[ 30 ] In the coming days, we will see how the Christ impulse once again plays a very significant role. One must incorporate the “package of destiny.” But as one incorporates this “package of destiny,” as one enters the lunar realm, while one’s sense of self has grown stronger and stronger, while one has become more and more of a soul inwardly, the fabric that one has woven into one’s physical body is gradually lost. The spiritual seed that one has woven oneself is lost; it is lost at the very moment when conception takes place on Earth for the physical seed that one is to receive here.
[ 31 ] Nun ist man aber noch selber in der geistigen Welt. Der Geistkeim des physischen Leibes ist schon hinuntergegangen, man ist selber in der geistigen Welt. Da tritt eine starke Entbehrung ein, ein starkes Entbehrungsgefühl. Man hat seinen Geistkeim des physischen Leibes verloren. Der ist schon unten. Der ist am Ende der Generationenreihe angekommen, die man gesehen hat. Man ist noch oben. Gewaltig macht sich da die Entbehrung geltend. Und diese Entbehrung, die zieht jetzt aus aller Welt die geeigneten Ingredienzien des Weltenäthers zusammen. Nachdem man schon den Geistkeim des physischen Leibes auf die Erde hinuntergeschickt hat und als Seele, als Ich und als astralischer Leib, zurückgeblieben ist, zieht man aus dem Weltenäther Äthersubstanz zusammen und bildet den eigenen Ätherleib. Und mit diesem eigenen Ätherleib, den man gebildet hat, vereinigt man sich dann etwa in der dritten Woche, nachdem die Befruchtung auf Erden eingetreten ist, und vereinigt sich mit dem leiblichen Keim, der sich nach dem Geistkeim in der geschilderten Weise gebildet hat.
[ 31 ] But now one is still in the spiritual world oneself. The spiritual seed of the physical body has already descended; one is still in the spiritual world oneself. Then a profound sense of deprivation sets in, a strong feeling of loss. One has lost the spiritual seed of the physical body. It is already down below. It has reached the end of the line of generations that one has witnessed. One is still up here. The sense of deprivation makes itself felt with great intensity. And this deprivation now draws together from all over the world the appropriate ingredients of the world ether. After one has already sent the spiritual seed of the physical body down to Earth and has remained behind as a soul, as an “I,” and as an astral body, one gathers etheric substance from the world ether and forms one’s own etheric body. And with this etheric body that one has formed, one then unites—roughly in the third week after conception has taken place on Earth—with the physical germ that has formed in the manner described following the spiritual germ.
[ 32 ] ‚Aber ehe man sich mit seinem eigenen Leibeskeim vereinigt, bildet man sich noch seinen Ätherleib in der Weise, wie ich es geschildert habe. Und in diesen Ätherleib hinein ist verwoben das Päckchen, von dem ich gesprochen habe, das die moralische Wertigkeit enthält. Das verwebt man jetzt in sein Ich, in seinen astralischen Leib, aber auch noch in den ätherischen Leib hinein. Das bringt man dann mit dem physischen Leibe zusammen. Und so ist es, daß man sein Karma mit auf die Erde trägt. Das hat man zuerst im Mondenbereich zurückgelassen, denn man würde einen schlechten, einen verdorbenen physischen Leib ausgebildet haben, wenn man das in den Sonnenbereich mitgenommen hätte. Der physische Leib des Menschen wird individuell erst dadurch, daß der Ätherleib ihn durchzieht. Der physische Leib eines jeden Menschen würde gleich dem physischen Leib eines andern Menschen sein, denn in der geistigen Welt weben sich die Menschen schlechthin gleiche Geistkeime für ihren physischen Leib. Individuell werden wir eben nach unserem Karma, nach dem, wie wir unser Päckchen in den Ätherleib hineinverweben müssen, der dann schon, während wir noch im embryonalen Zustande sind, individuell unseren physischen Leib gestaltet, konstituiert, durchdringt.
[ 32 ] “But before one unites with one’s own physical germ, one still forms one’s etheric body in the way I have described. And woven into this etheric body is the ‘package’ I spoke of, which contains one’s moral worth. This is now woven into one’s I, into one’s astral body, but also into the etheric body. This is then brought together with the physical body. And this is how one carries one’s karma with one onto Earth. One first left this behind in the lunar realm, for one would have developed a bad, a corrupted physical body if one had taken it with one into the solar realm. The human physical body only becomes individual through the etheric body permeating it. The physical body of every human being would be identical to that of another human being, for in the spiritual world, human beings weave absolutely identical spiritual seeds for their physical bodies. We become individual precisely according to our karma—according to how we must weave our “package” into the etheric body, which then, while we are still in the embryonic state, individually shapes, constitutes, and permeates our physical body.
[ 33 ] Ich werde in den nächsten Tagen natürlich noch manches hinzufügen müssen zu dem, was ich Ihnen skizzenhaft über den Durchgang des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt geschildert habe. Aber Sie haben gesehen, daß der Mensch da reiche Erlebnisse durchmacht, daß da die große Erfahrung eintritt, wie wir zuerst aufgehen in den Kosmos, wie wir aus dem Kosmos heraus wiederum die Menschlichkeit bilden, um zu einem neuen Erdenleben zu kommen.
[ 33 ] In the coming days, of course, I will have to add a few more details to what I have outlined for you regarding the human being’s journey between death and a new birth. But you have seen that the human being undergoes rich experiences there, that a great experience takes place: how we first merge into the cosmos, and how we then form humanity anew from the cosmos in order to enter a new earthly life.
[ 34 ] Es sind im wesentlichen drei Dinge, die wir da durchmachen. Erstens leben wir als Geistseele unter Geistseelen. Es ist ein wirkliches Miterleben der geistigen Welt. Zweitens leben wir in der Offenbarung der geistigen Welt. Die Individualitäten der einzelnen geistigen Wesenheiten sind gewissermaßen verschwommen, die geistige Welt offenbart sich uns als ein Ganzes. Wir nähern uns wiederum dem Mondenbereich, da aber erwacht unser Selbstgefühl, das schon die Vorbereitung für das irdische Selbstgefühl ist. Während wir in der geistigen Welt als ein geistiges Selbst bewußt werden, nicht nach der Erde begehren, fangen wir jetzt während der Offenbarungszeit an, nach der Erde zu begehren, ein starkes, schon nach der Erde geneigtes Selbstgefühl zu entwickeln. Und das dritte ist dann, wenn wir in den Mondenbereich eingetreten sind, wenn wir unseren Geistkeim abgegeben haben an die physische Welt, daß wir die Äthermaterie aus allen Himmeln zusammenziehen zum eigenen Ätherleib. Drei aufeinanderfolgende Stadien: wirkliches Leben mit der geistigen Welt; Leben, indem man sich selber schon als ein egoistisches Ich fühlt, in den Offenbarungen der geistigen Welt; Leben im Zusammenziehen des Weltenäthers.
[ 34 ] There are essentially three things we experience here. First, we live as spiritual souls among spiritual souls. It is a genuine experience of the spiritual world. Second, we live within the revelation of the spiritual world. The individualities of the separate spiritual beings are, so to speak, blurred; the spiritual world reveals itself to us as a whole. We then approach the lunar realm again, but there our sense of self awakens—which is already the preparation for our earthly sense of self. While in the spiritual world we become conscious as a spiritual self and do not yearn for the Earth, we now begin, during the period of revelation, to yearn for the Earth and to develop a strong sense of self that is already inclined toward the Earth. And the third stage is when we have entered the lunar realm, when we have surrendered our spiritual seed to the physical world, and we draw together the etheric matter from all the heavens to form our own etheric body. Three successive stages: true life with the spiritual world; life in which one already feels oneself as an egoistic “I” within the revelations of the spiritual world; life in the gathering of the world ether.
[ 35 ] Davon kommen dann, wenn der Mensch in seinen physischen Leib eingezogen ist, die Abbilder zustande. Diese Abbilder stellen sich als etwas höchst Überraschendes heraus. Wir sehen das Kind. Wir sehen es in seinem physischen Leibe vor uns. Es entwickelt sich. Es ist ja das Wunderbarste, was wir sehen können in der physischen Welt, diese Entwickelung des Kindes. Wir sehen, wie es zuerst kriecht, wie es sich in die Gleichgewichtslage gegenüber der Welt versetzt. Wir nehmen das Gehenlernen wahr. Es ist ungeheuer viel mit diesem Gehenlernen verknüpft. Es ist ein ganzes Sich-Hineinbegeben in die Gleichgewichtslage der Welt. Es ist ein wirkliches Sich-Hineinversetzen des ganzen Kosmos in die drei Raumesrichtungen der Welt. Wie da das Kind eben erst die richtige menschliche Gleichgewichtslage innerhalb der Welt findet, das ist das erste Wunderbare.
[ 35 ] Once a human being has entered their physical body, these images come into being. These images turn out to be something truly astonishing. We see the child. We see it before us in its physical body. It is developing. Indeed, the development of the child is the most wonderful thing we can witness in the physical world. We see how it first crawls, how it finds its balance in relation to the world. We observe it learning to walk. An immense amount is connected to this process of learning to walk. It is a complete immersion into the world’s state of balance. It is a genuine placement of the entire cosmos within the three spatial directions of the world. The very fact that the child is just now finding the correct human state of balance within the world—that is the first marvel.
[ 36 ] Das ist ein irdisches anspruchsloses Abbild desjenigen, was der Mensch in langen Jahrhunderten durchgemacht hat, indem er als Geist unter Geistern lebte. Da bekommt man eine große Ehrfurcht vor der Welt, wenn man die Welt so betrachtet, daß man das Kind sieht, wie es zuerst ungeschickt mit den Gliedern in aller Welt herumfuchtelt, wie das nach und nach verständig wird. Ja, das ist die Nachwirkung der Bewegungen, die wir als Geistwesen unter Geistwesen durch Jahrhunderte ausgeführt haben. Es ist wirklich etwas Wunderbares, in den einzelnen Bewegungen des Kindes, in dem Aufsuchen der Gleichgewichtslage die irdischen Nachwirkungen der himmlischen Bewegungen, die rein geistig ausgeführt werden als Geist unter Geistern, wieder zu sehen. So geschieht es ja regelmäßig beim Kinde. Wenn es anders geschieht, ist es etwas abnorm. Es kann auch eintreten, aber eigentlich sollte das Kind zuerst gehen lernen, zuerst sich ins Gleichgewicht bringen lernen und dann sprechen.
[ 36 ] This is a humble, earthly reflection of what humankind has endured over many centuries while living as a spirit among spirits. One develops a deep sense of awe for the world when one views it in such a way that one sees the child, at first clumsily flailing its limbs about, and how it gradually becomes more coordinated. Yes, this is the aftereffect of the movements we have performed as spiritual beings among spiritual beings over the centuries. It is truly a marvelous thing to see, in the child’s individual movements and in its search for balance, the earthly aftereffects of the heavenly movements that are performed purely spiritually as a spirit among spirits. This is, after all, what regularly happens with a child. If it happens differently, it is somewhat abnormal. It can also happen, but actually, the child should first learn to walk, first learn to find its balance, and then speak.
[ 37 ] Und nun lebt sich das Kind mit der Sprache nachahmend ein in die Umgebung. Aber mit jedem Laute, mit jeder Wortbildung, die sich in dem Kinde ausbildet, haben wir einen anspruchslosen irdischen Anklang jenes Erlebnisses, das wir haben, wenn das Erleben des Geistigen Offenbarung wird, gewissermaßen sich zu einem einheitlichen Nebel zusammenbildet. Da wird aus den einzelnen Wesen der Welt, die wir vorher individuell erlebt haben, der Weltenlogos. Dieser Nebel ist ja der Weltenlogos. Und wenn aus dem Kinde heraus Wort für Wort kommt, so ist das das ausgesprochene irdische Nachbild jenes wunderbaren Weltentableaus, das der Mensch in der Offenbarungszeit durchmacht, bevor er wiederum in den Mondenbereich eintritt.
[ 37 ] And now, through imitating language, the child begins to settle into its surroundings. But with every sound, with every word formation that develops within the child, we have a simple, earthly echo of that experience we have when the experience of the spiritual becomes a revelation, coalescing, as it were, into a unified mist. There, the individual beings of the world—which we previously experienced as separate entities—become the World Logos. This mist is, in fact, the World Logos. And when words emerge from the child, one by one, this is the spoken, earthly reflection of that wondrous cosmic tableau that the human being passes through during the time of revelation, before re-entering the lunar realm.
[ 38 ] Und dann, wenn das Kind, nachdem es gehen und sprechen gelernt hat, die Gedanken allmählich entwickelt — denn das dritte sollte erst das Denkenlernen bei der regelmäßigen menschlichen Entwickelung sein —, da ist das ein Nachbild jener Verrichtungen, die der Mensch vollzogen hat, indem er den Weltenäther aus allen Weltengebieten zum eigenen Ätherleib zusammengeformt hat.
[ 38 ] And then, when the child—after learning to walk and speak—gradually develops its thoughts—for the third stage in normal human development should be learning to think—this is a reflection of those acts that the human being performed by shaping the world ether from all regions of the universe into its own etheric body.
[ 39 ] So schauen wir das Kind an, wie es in die Welt hereingetreten ist. Und in dieser Stufenfolge der drei anspruchslosen Verrichtungen, die es sich aneignet, in ein dynamisch-statisches Verhältnis zur Welt zu kommen, Gleichgewicht zu erhalten, was wir Gehenlernen nennen, Sprechenlernen, Denkenlernen, sehen wir die ganz zusammengefalteten, irdisch anspruchslosen Nachbilder desjenigen, was ins gewaltige Kosmische auseinandergerollt die Zustände darstellt, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchgemacht werden.
[ 39 ] So we look at the child as it has entered the world. And in this sequence of three unassuming tasks that it masters in order to establish a dynamic-static relationship with the world, maintaining balance—what we call learning to walk, learning to speak, and learning to think—we see the completely folded-up, earthly and unassuming afterimages of that which, when unfurled into the vast cosmos, represents the states experienced between death and a new birth.
[ 40 ] Erst dadurch, daß wir dieses geistige Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt kennenlernen, lernen wir auch kennen jenes Geheimnisvolle, das sich herausarbeitet aus dem tiefsten Inneren des Menschen, wenn das Kind zuerst ganz undifferenziert zur Welt kommt und immer differenzierter und differenzierter wird. So lernen wir die Welt begreifen als eine Offenbarung des Göttlichen, wenn wir in jedem einzelnen hindeuten können, wie es eine Offenbarung des Göttlichen ist.
[ 40 ] It is only by coming to know this spiritual life between death and a new birth that we also come to know that mystery which emerges from the deepest inner being of the human being, as the child first comes into the world in a completely undifferentiated state and becomes more and more differentiated. In this way, we learn to understand the world as a revelation of the Divine when we can point out in each individual how it is a revelation of the Divine.
[ 41 ] Von diesen Dingen und dann im Zusammenhange mit der Erdenentwickelung und mit der Bedeutung des Christus-Impulses in der Erdenentwickelung wollen wir in den nächsten Vorträgen sprechen.
[ 41 ] In the next lectures, we will discuss these matters, as well as their connection to the evolution of the Earth and the significance of the Christ impulse in that evolution.
