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Insight from Initiation
GA 227

31 August 1921, Penmaenmawr

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Das Einziehen des Menschen in die Epoche der Freiheit

Humanity's Entry into the Age of Freedom

[ 1 ] Aus der gestrigen Darstellung über die Evolution der Welt im Zusammenhang mit der Evolution des Menschen werden Sie gesehen haben, wie in den gegenwärtigen Zeitabschnitten der ganzen Welt- und Menschheitsentwickelung das liegt, daß die Menschheit allmählich zur Freiheit kommen muß. Wenn wir in die Vergangenheit der Weltentwickelung zurückschauen, finden wir, wie der Mensch in bezug auf seine wichtigsten Tätigkeiten — Aufrechtgehen, Sprechen, Denken — vorbereitet worden ist durch über ihm stehende göttlich-geistige Wesenheiten. Wir sehen, wie der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt immer wiederum in die Gemeinschaft dieser Wesenheiten übergeführt wird, damit dasjenige wirkt — wenn auch während des Erdendaseins noch unbewußt was diese göttlich-geistigen Wesenheiten in ihm gewirkt haben.

[ 1 ] From yesterday’s discussion of the evolution of the world in connection with the evolution of humankind, you will have seen that the current stages of the development of the entire world and of humankind are such that humanity must gradually attain freedom. When we look back at the history of the world’s development, we see how human beings have been prepared—in regard to their most important activities—walking upright, speaking, and thinking—by divine-spiritual beings standing above them. We see how, between death and a new birth, human beings are repeatedly led back into the community of these beings, so that what these divine-spiritual beings have wrought within them—even if still unconsciously during their earthly existence—may take effect.

[ 2 ] Ich möchte nur erwähnen, daß ich gerade dargestellt habe, wie der Mensch durch die Kräfte von Sonne, Mond und dann im Sonnenbereiche durch Mars, Jupiter, Saturn in die Welt der Sterne, das heißt aber in dasjenige, was geistig der Welt der Sterne entspricht, eingeführt wird. Und ergänzend dazu möchte ich sagen, daß der Mensch, wenn er nun in diesem Leben zwischen Tod und neuer Geburt gewissermaßen wiederum die Rückreise antreten muß, nachdem er vorgerückt ist in der Planetoidenregion, gegenwärtig bis zur Wahrnehmung der Saturnimpulse, bei diesem Rückweg in die Gemeinschaft kommt mit den zunächst höchsten göttlich-geistigen Wesenheiten der oberen Hierarchien, mit Thronen, Cherubimen und Seraphimen. Es sind das geistige Wesenheiten, die zugleich das Geistige und das Naturdasein in ihren Impulsen haben, die zugleich die Naturgesetze durchleben, beleben, durchgeistigen, und die auch das moralische Leben des ganzen Kosmos in einen fortwährenden Einklang bringen wollen mit den Naturgesetzen. Es sind Wesenheiten, die zwar niemals in irgendeiner physischen Offenbarungsform erscheinen, die aber in der geistigen Welt eine auf Erden kaum vorstellbare, ungeheure Macht haben, durch welche die moralischen Gesetze fortwährend mit den Naturgesetzen in Harmonie und Einklang versetzt werden können. So kommt also der Mensch dadurch, daß er die Impulse der Vergangenheit fortwährend im außerirdischen Dasein beleben kann, in seiner Evolution dazu, im Sinne dieser außerirdischen Impulse zu wirken.

[ 2 ] I would just like to mention that I have just described how human beings are introduced, through the forces of the Sun, the Moon, and then—in the solar region—through Mars, Jupiter, and Saturn, into the world of the stars; that is to say, into that which spiritually corresponds to the world of the stars. And to add to that, I would like to say that when human beings, in this life between death and rebirth, must, so to speak, undertake the return journey after having advanced into the region of the minor planets—currently up to the perception of the Saturn impulses—they come into communion on this return journey with the initially highest divine-spiritual beings of the higher hierarchies: the Thrones, Cherubim, and Seraphim. These are spiritual beings whose impulses encompass both the spiritual and the natural realms; they simultaneously live through, enliven, and spiritualize the laws of nature, and they also seek to bring the moral life of the entire cosmos into a constant harmony with the laws of nature. These are beings who, while they never appear in any physical form of manifestation, possess in the spiritual world an immense power—one scarcely imaginable on Earth—through which the moral laws can be continually brought into harmony and accord with the laws of nature. Thus, by continually revitalizing the impulses of the past in extraterrestrial existence, human beings, in the course of their evolution, come to act in accordance with these extraterrestrial impulses.

[ 3 ] Aber wir leben nun einmal in der gegenwärtigen Epoche der Welt- und Menschheitsevolution in der Aufgabe darinnen, dies alles, was in der Vergangenheit mehr oder weniger unfrei war, was durch eine höhere Bestimmung in dem Menschen bewirkt wurde, in die Freiheit des Menschen aufzunehmen.

[ 3 ] But we happen to be living in the present epoch of the evolution of the world and humanity, and our task within it is to incorporate into human freedom all that was, to a greater or lesser extent, unfree in the past—that which was brought about in human beings by a higher destiny.

[ 4 ] Wenn wir die Welt- und Menschheitsevolution überblicken, so liegt in einem ganz bestimmten Zeitpunkte gewissermaßen der Knoten, den die Menschheit passieren mußte von der früheren Determination ihres Wesens, von der früheren ausschließlichen Führung durch göttlich-geistige Wesenheiten zu dem bewußten Sich-Hinaufarbeiten in der Erkenntnis dieser geistigen Wesenheiten und dadurch zu dem Erringen der Freiheit.

[ 4 ] When we survey the evolution of the world and of humanity, we find that at a very specific point in time there lies, so to speak, the turning point that humanity had to pass through—from the earlier determination of its nature, from the earlier exclusive guidance by divine-spiritual beings, to the conscious striving upward in the knowledge of these spiritual beings and, through this, to the attainment of freedom.

[ 5 ] Dieser Zeitpunkt, der gewissermaßen die große Krisis bedeutet für die ganze Menschheitsevolution auf Erden, liegt ungefähr 333 Jahre nach dem Mysterium von Golgatha. Alle diese Dinge sind ja approximativ, weil die Zeitrechnungen ja auch nicht genau stimmen. Wenn wir also die heutige Zeitrechnung anwenden, so liegt dieser Zeitpunkt etwa 333 nach dem Mysterium von Golgatha. Das ist also der große kritische Zeitpunkt.

[ 5 ] This point in time, which in a sense marks the great crisis for the entire evolution of humanity on Earth, occurs approximately 333 years after the Mystery of Golgotha. All these figures are approximate, of course, because the chronologies are not entirely accurate. So if we use the modern calendar, this point in time falls about 333 years after the Mystery of Golgotha. This, then, is the great critical moment.

[ 6 ] Wenn wir auf diesen kritischen Zeitpunkt in der Welt- und Menschheitsevolution zurückblicken, so können wir ihn ungefähr in der folgenden Weise charakterisieren. Wir können sagen: Wäre die Entwickelung der Menschheit und der Erde selbst so fortgegangen, wie sie war, wären die Menschen nur unter dem Einfluß derjenigen göttlich-geistigen Mächte geblieben, die bis dahin die Menschheit geführt haben, so wäre die Menschheit, weil das in der Absicht dieser göttlich-geistigen Wesenheiten lag, zur Freiheit fortgerückt. Was würde das aber heißen? Die Menschheit wäre zur Freiheit fortgerückt, würde heißen: ein Gleichgewicht zwischen zwei Teilen des astralischen Menschenleibes wäre gerade in diesem Zeitpunkte gestört worden.

[ 6 ] When we look back on this critical juncture in the evolution of the world and humanity, we can characterize it roughly as follows. We can say: If the evolution of humanity and of the Earth itself had continued as it was, if human beings had remained solely under the influence of those divine-spiritual powers that had guided humanity up to that point, then humanity—because this was the intention of these divine-spiritual beings—would have progressed toward freedom. But what would that mean? For humanity to have progressed toward freedom would mean that a balance between two parts of the astral human body would have been disrupted at precisely that moment.

[ 7 ] Denken Sie sich einmal den Zusammenhang von physischem und ätherischem Leib; die beiden will ich zunächst nicht zeichnen. Ich will nur den astralischen Leib zeichnen. Dieser astralische Leib war vor dem Jahre 333 im wesentlichen immer so, daß ich ihn diagrammatisch so zeichnen müßte:

[ 7 ] Consider for a moment the relationship between the physical and etheric bodies; I will not draw either of them for now. I want to draw only the astral body. Before the year 333, this astral body was essentially always such that I would have to draw it diagrammatically as follows:

[ 8 ] Das heißt: Der größere Teil dieses astralischen Leibes, der wirksamere Teil dieses astralischen Leibes war im oberen Menschen, der weniger wirksame war im unteren Menschen. Der mittlere Mensch liegt zwischen beiden drinnen. Dadurch, daß der obere Teil des astralischen Leibes mächtiger war in diesen alten Zeiten, hatten durch diesen astralischen Leib die höheren göttlich-geistigen Wesenheiten ihren großen Einfluß auf den Menschen. Aber es lag im Plan der ganzen Menschheitsevolution, daß die Evolution so fortschritt:

[ 8 ] In other words: The greater part of this astral body—the more active part—was located in the upper human being, while the less active part was in the lower human being. The middle human lies between the two. Because the upper part of the astral body was more powerful in those ancient times, the higher divine-spiritual beings exerted their great influence on human beings through this astral body. But it was part of the plan for the entire evolution of humanity that evolution should proceed as follows:

[ 9 ] Wenn das zum Beispiel der Zustand des menschlichen astralischen Leibes, sagen wir für das Jahr 3000 vor Christus war, so war etwa dieses der Zustand 1000 vor Christus, das heißt, es wurde der untere Teil des astralischen Leibes immer größer, der obere im Verhältnis dazu immer kleiner. Und in diesem Jahre 333, da war das so, daß der obere Teil des astralischen Leibes gleich wurde dem unteren. Das war die Krisis im Jahre 333 nach Christus. Und seither nimmt der obere Teil des astralischen Leibes immer mehr ab beim Menschen. Darin besteht seine Entwickelung.

[ 9 ] If, for example, this was the state of the human astral body in, say, the year 3000 B.C., then this was roughly its state in 1000 B.C.—that is, the lower part of the astral body grew larger and larger, while the upper part became smaller and smaller in relation to it. And in the year 333, the upper part of the astral body became equal to the lower part. That was the crisis in the year 333 A.D. And since then, the upper part of the astral body has been steadily diminishing in human beings. This is the nature of its development.

[ 10 ] Wir können also die Menschheitsevolution nicht verfolgen in ihrer Wirklichkeit, wenn wir nicht auf das eingehen können, was mit dem astralischen Leib des Menschen im Verlauf der Erdenevolution geschieht. Wenn der Mensch dieses Kleinerwerden seines astralischen Leibes im oberen Teil nicht erfahren hätte, so würde das Ich nicht einen genügend großen Einfluß bekommen können. Der Mensch würde nie frei werden können. Es geschieht also dieses Kleinerwerden des astralischen Leibes zum Hervorrufen der Freiheit. Ich habe schon gesagt, die Dinge gehen nicht so, daß man fragen kann: Warum haben die Götter nicht alles so eingerichtet, daß es den Menschen gefällt? Die Götter mußten das Weltall so einrichten, daß es in sich möglich wurde, und da ruht manches gerade von dem, was den Menschen am allerwohlgefälligsten ist, auf anderem, das der Mensch, wenn er sich nicht aufklärt, nicht wohlgefällig findet. Dieses Kleinerwerden des astralischen Leibes ist mit etwas anderem verbunden. Denn von der Größe des astralischen Leibes im oberen Menschen, nicht von der Größe des ganzen, sondern von der des astralischen Leibes im oberen Menschen hängt die Stärke ab, mit der der Mensch vom Ich und vom astralischen Leib aus seinen physischen und Ätherleib beherrschen kann. So daß wirklich der Menschheit bevorstand, daß durch das Kleinerwerden des astralischen Leibes die Gesundheit der ganzen Menschheit nach und nach geschwächt worden wäre. Wir stellen uns die Menschheitsevolution nur richtig vor, wenn wir wissen, daß die Freiheit erkauft werden mußte mit einer allgemein auftretenden Krankheit, natürlich nicht in Form von Cholera oder Typhus zum Beispiel, aber in Form von allgemeiner Menschenerkrankung über die ganze Erde hin. Es ist die Freiheit nicht anders zu erkaufen, als mit einer — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — in gewissem Sinne Krankwerdung der ganzen Menschheit.

[ 10 ] We cannot, therefore, truly trace the evolution of humanity unless we take into account what happens to the human astral body in the course of Earth’s evolution. If human beings had not experienced this shrinking of the upper part of their astral body, the “I” would not have been able to exert a sufficiently strong influence. Human beings would never be able to become free. This shrinking of the astral body, therefore, occurs to bring about freedom. As I have already said, things do not work in such a way that one can ask: Why did the gods not arrange everything in a way that pleases human beings? The gods had to arrange the universe in such a way that it became possible in and of itself, and many things that are most pleasing to human beings depend precisely on other things that human beings, unless they enlighten themselves, do not find pleasing. This shrinking of the astral body is connected to something else. For the strength with which a human being can control his physical and etheric bodies from the ego and the astral body depends on the size of the astral body in the higher self—not on the size of the whole being, but on that of the astral body in the higher self. Thus, humanity was truly facing a situation in which, as the astral body grew smaller, the health of all humanity would have been gradually weakened. We can only truly understand human evolution if we recognize that freedom had to be paid for with a widespread illness—not, of course, in the form of cholera or typhus, for example, but in the form of a general human ailment spreading across the entire Earth. Freedom cannot be attained except through—if I may use the expression—in a certain sense, the “falling ill” of all humanity.

[ 11 ] Wenn alle Kräfte nur so fortgegangen wären, auch nach dem Jahre 333, wie sie früher waren, so würden die Menschen auf Erden immer schwächer und schwächer geworden sein. Sie würden immer ohnmächtiger und ohnmächtiger geworden sein. Und das Erdenende würde so herankommen, daß die Menschheit vollständig verfallen wäre.

[ 11 ] If all forces had simply continued in the same way, even after the year 333, as they had been before, the people on Earth would have grown weaker and weaker. They would have become more and more powerless. And the end of the world would have approached to the point where humanity would have completely declined.

[ 12 ] Da ist eben das eingetreten, was ich so charakterisieren möchte: Jene Versammlung göttlich-geistiger Wesenheiten, die ich Ihnen als in der Sonne befindlich beschrieben habe, die beschloß, ihren Abgesandten, den Christus, nun auf die Erde hinunterzusenden und ihn etwas durchmachen zu lassen, was in solcher Art nun jene göttlich-geistigen Wesenheiten, die mit der Menschheit zusammenhängen, zum allerersten Male durchmachten. Denn, sehen Sie, der Mensch geht im Erdenleben durch Geburt und Tod. Geburt und Tod sind ja allerdings nicht so, wie es sich der Materialist vorstellt, aber sie treten in das Erdenleben des Menschen herein. Alle über dem Menschen stehenden göttlich-geistigen Wesenheiten, Angeloi, Archangeloi und so weiter bis hinauf zu den höchsten, die kannten den Tod nicht; sie gingen nur Metamorphosen durch. Sie verwandelten sich von einer Form in die andere. Sie wurden nicht geboren, sondern verwandelten sich von einer Gestalt in die andere. Sie starben nicht, sondern verwandelten sich wiederum von einer Gestalt in die andere. Das tut der Mensch auch, aber er legt dabei seinen physischen und Ätherleib ab, und daher ist die Tatsache der Geburt und des Todes für ihn etwas Radikaleres als für alle anderen Wesenheiten der höheren Hierarchien. Da beschlossen denn die Führer der Sonnenharmonien und Sonnenimpulse, den Christus auf die Erde zu senden, damit er als eines derjenigen Wesen, die sonst nicht Geburt und Tod erleben, durch diese rein mensch lichen Schicksale der Geburt und des Todes durchgehe. Es ist also das Mysterium von Golgatha nicht bloß eine Menschheitsangelegenheit, es ist eine Götterangelegenheit. Es ist die Götterangelegenheit, die man etwa so in Worte fassen kann: Die Götter der Sonne kamen zusammen und beratschlagten, was sie tun sollten, um abzuwenden von .der Menschheit die Gefahr des immer Schwächer- und Schwächerwerdens durch die Verkleinerung des Astralleibes.

[ 12 ] What has just occurred is what I would like to describe as follows: That assembly of divine-spiritual beings, which I have described to you as residing in the Sun, decided to send their emissary, the Christ, down to Earth and to have him undergo something that, in this particular way, those divine-spiritual beings connected with humanity experienced for the very first time. For, you see, in earthly life, human beings go through birth and death. Birth and death are, of course, not as the materialist imagines them to be, but they do enter into human earthly life. All the divine-spiritual beings standing above human beings—Angels, Archangels, and so on, all the way up to the highest ones—did not know death; they underwent only metamorphoses. They transformed from one form into another. They were not born, but transformed from one form into another. They did not die, but transformed again from one form into another. Human beings do this as well, but in the process they shed their physical and etheric bodies; and therefore the reality of birth and death is something more radical for them than for all other beings of the higher hierarchies. So the leaders of the solar harmonies and solar impulses decided to send the Christ to Earth so that he, as one of those beings who otherwise do not experience birth and death, might pass through these purely human destinies of birth and death. Thus, the Mystery of Golgotha is not merely a matter for humanity; it is a matter for the gods. It is a matter for the gods that can be put into words something like this: The gods of the Sun came together and deliberated on what they should do to avert from humanity the danger of becoming weaker and weaker through the diminution of the astral body.

[ 13 ] Und so wurde der Christus abgesandt auf die Erde, ging durch Geburt und Tod durch, natürlich nicht wie ein menschliches, sondern wie ein göttliches Wesen. Und die Folge davon war, daß durch dieses Ereignis von Golgatha, durch die Tatsache des Todes Christi, in die Erdenentwickelung die gesundenden Kräfte für dasjenige, was krankmachende Kräfte im vorher beschriebenen Sinne sind, hereinkamen. So wurde der Christus im wahren Sinne des Wortes kosmisch-tellurisch der große Heiler der Menschheit. Das heißt, seine Kräfte traten ein in all dasjenige, was bei dem Menschen geheilt werden mußte, so daß er mit dem, was nun auf der einen Seite die Tendenz hat, zu zerfallen, aber auf der anderen Seite durch den Christus geheilt wird, nun seinen Weg in die Freiheit hinein nehmen kann. Daher wurde in der Weltenentwickelung so vorgesorgt, daß 333 Jahre vor der großen Krisis das Mysterium von Golgatha eintrat.

[ 13 ] And so the Christ was sent to Earth, passing through birth and death—not, of course, as a human being, but as a divine being. And the result of this was that, through the event at Golgotha—through the fact of Christ’s death—healing forces entered into the Earth’s evolution to counteract what are, in the sense described above, disease-causing forces. Thus, in the truest sense of the word, the Christ became—in a cosmic-telluric sense—the great healer of humanity. That is to say, his forces entered into everything in human beings that needed to be healed, so that what now has, on the one hand, a tendency to decay but, on the other hand, is healed through the Christ, can now take its path toward freedom. Therefore, in the course of world development, provision was made so that the Mystery of Golgotha took place 333 years before the great crisis.

[ 14 ] Die Erdenevolution der Menschheit ging also so vor sich und konnte nur so vor sich gehen, daß im Jahre 333 der Menschheit der Beginn des Zerfalls drohte, der Beginn einer generellen Erkrankung über die Erde hin.

[ 14 ] The evolution of humanity on Earth thus unfolded—and could only have unfolded—in such a way that, in the year 333 of human history, the onset of decay loomed, the onset of a widespread illness across the Earth.

[ 15 ] Durch das Mysterium von Golgatha trat die große umfassende Heilung ein. So daß also alles dasjenige, was der Mensch nicht durch sein Selbstbewußtsein macht, sondern was in den tieferen Kräften der Menschheit in der Zukunft nach Zerstörung hingeht, durch den Christus geheilt werden kann, durch die Verbindung mit dem Christus geheilt werden kann. So stellt sich das Mysterium von Golgatha in die Erden- und Menschheitsevolution hinein.

[ 15 ] Through the Mystery of Golgotha, the great, all-encompassing healing took place. Thus, everything that human beings do not bring about through their own self-awareness—but rather that which, in the deeper forces of humanity, is headed toward destruction in the future—can be healed through Christ, can be healed through union with Christ. This is how the Mystery of Golgotha is woven into the evolution of the Earth and humanity.



[ 16 ] Bis ins 4. Jahrhundert nach Christus hinein wußten einige Menschen, welche das Geistesleben der damaligen Zeit in sich aufgenommen hatten, durchaus noch etwas von diesen Tatbeständen, die ich eben auseinandergesetzt habe. Es gab ja in aller früheren Zeit vor dem Mysterium von Golgatha jene alten Mysterien, in denen zu den Schülern sowohl von der Vergangenheit der Menschheitsevolution auf Erden gesprochen worden ist, wie auch von dem kommenden Christus, von dem, was in der Zukunft der Menschheitsevolution sich vollziehen sollte.

[ 16 ] Well into the 4th century A.D., some people who had absorbed the spiritual life of that time still knew something of the facts I have just explained. After all, in all the earlier times before the Mystery of Golgotha, there were those ancient mysteries in which the disciples were taught both about the past of human evolution on Earth and about the coming Christ—about what was to unfold in the future of human evolution.

[ 17 ] In mächtigen, gewaltigen Bildern wurde den Schülern der Mysterien der Zusammenhang des Menschen auf Erden mit dem Geistwesen der höheren Welten enthüllt. Und zur Zeit des Mysteriums von Golgatha waren immerhin noch, wenn auch weniger vorgeschrittene, als es die alten Mysterienschüler waren, aber es waren immerhin noch über die Gegenden Vorderasiens, Afrikas, des Südens von Europa einzelne Menschen, einzelne Persönlichkeiten verstreut, welche unter dem Namen der Gnosis — so ist er später bekanntgeworden — etwas bewahrten in ihrem Wissen, in ihrer Weisheit von den Dingen, die da eigentlich in der Erdenevolution, in der Menschheitsevolution vorgehen, und in die das Mysterium von Golgatha für die Erdbewohner in einer so mächtigen Weise hineingespielt hat. Aber diese Menschen, die noch die Geheimnisse der alten Mysterien kannten, waren von einer großen Sorge erfüllt. Sie wußten, daß eine Krisis für die Menschheit eintreten werde. Sie wußten, daß das menschliche Verständnis in der Zukunft nicht mehr zu dem hinaufreichen wird, wodurch man die eigentlichen tieferen Grundlagen der Evolution auf Erden und in der Menschheit versteht.

[ 17 ] Through powerful, awe-inspiring images, the connection between human beings on Earth and the spiritual beings of the higher worlds was revealed to the initiates of the Mysteries. And at the time of the Mystery of Golgotha, there were still—albeit less advanced than the ancient mystery students—individuals scattered throughout the regions of the Near East, Africa, and southern Europe who, under the name of Gnosis — as it later became known — preserved in their knowledge and wisdom something of the processes actually taking place in Earth’s evolution and in the evolution of humanity, processes into which the Mystery of Golgotha had intervened so powerfully for the inhabitants of Earth. But these people, who still knew the secrets of the ancient mysteries, were filled with great concern. They knew that a crisis would befall humanity. They knew that in the future, human understanding would no longer be able to grasp the true, deeper foundations of evolution on Earth and within humanity.

[ 18 ] Und so kann man bei gewissen Persönlichkeiten der ersten vier christlichen Jahrhunderte das Erfülltsein mit einer gewissen Sorge wahrnehmen, mit einer Sorge, die nicht über Angelegenheiten der Erde sich erstreckte, sondern mit einer Sorge, die über die Angelegenheiten der ganzen Weltevolution ging: Wird die Menschheit auch wirklich sich reif machen und reif erscheinen, um dasjenige in sich aufzunehmen, was durch das Mysterium von Golgatha gekommen ist? Das war die große Frage der — ich möchte sagen — Nachfolger der alten Initiierten zur Zeit des Mysteriums von Golgatha in den ersten vier Jahrhunderten nach dem Mysterium von Golgatha.

[ 18 ] And so, in certain figures of the first four centuries of Christianity, one can perceive a sense of being filled with a certain concern—a concern that did not extend to earthly matters, but rather encompassed the affairs of the entire evolution of the world: Will humanity truly become ready—and appear ready—to receive within itself that which came through the Mystery of Golgotha? That was the great question of—I would say—the successors of the ancient initiates at the time of the Mystery of Golgotha, during the first four centuries following the Mystery of Golgotha.

[ 19 ] Und aus dem Kreise solcher in den ersten christlichen Jahrhunderten noch in das Christentum Eingeweihten ging zum Beispiel eine wunderbare Dichtung der ersten vier Jahrhunderte der christlichen Zeit hervor, eine wunderbare Dichtung, in der für die Menschheit zunächst hingestellt wurde das Eintreten des Christus auf der Erde, dann aber in ergreifenden Gestalten, ganz dramatisch — aber die Dichtung war eigentlich episch gehalten — in mächtigen Bildern die Menschen der Zukunft, der nächsten Zukunft hingestellt wurden, die mit ihrem Verständnisse nicht mehr hinaufreichen werden zu demjenigen, was sie verstehen sollten gerade zum Heil der Menschheitsevolution. Und nachdem in mächtigen Bildern gerade etwas von dem Sonnen-Ratschluß der Götter dargestellt war, den ich vorhin erwähnte, indem in ergreifender Weise geschildert wurde in diesem Epos das Heruntersteigen des Christus in den Menschen Jesus von Nazareth, war in einem dritten Teile geschildert, wie in einer neuen Metamorphose hereintreten sollte in die Menschheitsentwickelung ein Wiederaufleben des alten Demeter- und Isiswesens. Es ward geschildert, wie das Demeter- und Isiswesen geheiligt werden sollte in einer besonderen, gewaltig dargestellten Menschengestalt. Es wurde dargestellt wie etwas, das aus der Zukunft hereinspielen sollte, eine Art Gelöbnis der Menschheit.

[ 19 ] And from among those who were still initiated into Christianity during the first Christian centuries emerged, for example, a marvelous body of poetry from the first four centuries of the Christian era—a marvelous body of poetry in which the coming of Christ to Earth was first presented to humanity, but then, in moving figures, quite dramatically—though the work was actually written in an epic style—the people of the future, the near future, were presented in powerful images; people whose understanding will no longer be sufficient to grasp what they ought to understand precisely for the sake of human evolution. And after powerful images had depicted something of the gods’ solar counsel that I mentioned earlier—in which the descent of Christ into the human being Jesus of Nazareth was portrayed in a moving way in this epic—a third part described how, in a new metamorphosis, a revival of the ancient Demeter and Isis beings was to enter into human evolution. It was described how the essence of Demeter and Isis was to be sanctified in a special, powerfully portrayed human form. It was presented as something that was to come into play from the future, a kind of vow to humanity.

[ 20 ] Diese, ich möchte sagen, Dichterpriester der ersten vier christlichen Jahrhunderte stellten dar, wenigstens der Hervorragendste von ihnen, wie hereinspielen sollte in die weitere Erdenevolution ein gewisser Dienst, von all denjenigen geübt, welche zur Gelehrsamkeit, zum Geistesleben kommen sollten. Eine Art Sacrificium wurde hingestellt für denjenigen, der überhaupt in die Gelehrsamkeit, in das Geistesleben eintreten sollte.

[ 20 ] These—I would say—poet-priests of the first four Christian centuries, at least the most outstanding among them, illustrated how a certain service, performed by all those who were to enter into scholarship and spiritual life, was to play a role in the further evolution of the Earth. A kind of sacrifice was offered for those who were to enter at all into scholarship and spiritual life.

[ 21 ] In diesem Epos ist dann ein jüngerer Mensch geschildert, der sich hineinfinden soll in das ganze Erfassen dieser Menschheitsevolution dieser Zeit: geschildert, wie er aber in seinen jungen Jahren eine Art Marienkultus entfalten sollte als Übergang von seinen jüngeren Jahren zu seinen späteren Jahren. Diese kultische Haltung, die über jeden Gelehrten, gelehrt werdenden, weise werdenden Menschen eigentlich kommen müsse, wenn die Menschheit die Verbindung finden sollte mit dem, was durch das Mysterium von Golgatha in die Menschheit gekommen ist, dieses Sacrificium, das wurde in lebendigen Farben dargestellt. Eine mächtige, farbenreiche Dichtung entstand in den ersten vier christlichen Jahrhunderten. Und zu denjenigen, die mehr oder weniger in der Atmosphäre dieser Dichtung lebten, gehörten auch Malerpriester, welche allerdings in der einfachen, popularisierenden Weise des Malens, aber doch in mächtigen, zu Herzen gehenden Bildern auch malerisch diese Szenen darstellten.

[ 21 ] This epic then depicts a young person who is to find his way into a comprehensive understanding of the evolution of humanity during that time: it describes how, in his youth, he was to develop a kind of devotion to Mary as a transition from his younger years to his later years. This devotional attitude—which must actually come upon every scholar, every person seeking knowledge, and every person striving for wisdom if humanity is to find a connection with what came into humanity through the Mystery of Golgotha, that sacrifice—was depicted in vivid colors. A powerful, colorful body of poetry emerged during the first four centuries of Christianity. And among those who lived, to a greater or lesser extent, within the atmosphere of this poetry were painter-priests, who—though working in a simple, popular style of painting—nevertheless depicted these scenes in powerful, heartfelt images.

[ 22 ] Diese Dichtung hat es gegeben. Diese Dichtung ist mit.alledem, was positiv von der Gnosis hergerührt hat, von der späteren Kirche ausgerottet worden. Man braucht sich ja nur daran zu erinnern, daß auch nur durch das, was man einen Zufall nennt, selbst aus der späteren Zeit die Schriften des Scotus Eriugena gerettet worden sind, und man wird es nicht mehr als etwas absolut Absurdes empfinden, wenn aus der Geistesforschung heraus davon gesprochen werden muß, daß die größte Dichtung, die das Neue Testament hervorgebracht hat, von der späteren Kirche einfach ausgerottet worden ist mit Stumpf und Stiel, so daß nichts mehr in den folgenden Jahrhunderten davon da war. Aber diese Dichtung hat es gegeben. Sie wurde ausgerottet mit all den allerdings einfachen, aber ergreifenden Malereien, die sich an jene Dichtung geschlossen haben. In diese Dichtung war auch hineingeheimnißt all die ungeheure Sorge, welche diese Nachfolger der alten Initiierten in den ersten christlichen Jahrhunderten gehabt haben. Ein ernst-elegischer Ton ging durch diese Dichtung.

[ 22 ] This literature did exist. This literature, along with everything positive that stemmed from Gnosticism, was eradicated by the later Church. One need only recall that it was only through what one might call a coincidence that the writings of Scotus Eriugena were preserved, even from a later period, and one will no longer find it utterly absurd when, from the perspective of spiritual research, it must be stated that the greatest work of literature produced by the New Testament was simply eradicated root and branch by the later Church, so that nothing of it remained in the centuries that followed. But this work of poetry did exist. It was eradicated along with all the simple yet moving depictions that were associated with it. Enclosed within this work of poetry was also all the immense concern felt by these successors of the ancient initiates during the first centuries of Christianity. A solemn, elegiac tone pervaded this work of poetry.

[ 23 ] Und wir können sagen: Die Möglichkeit, diese Dinge zu verstehen, lag noch bei einer Anzahl von Menschen vor bis ins 4. Jahrhundert, selbst bis in den Beginn des 5. Jahrhunderts hinein bei denjenigen Menschen, die dann nicht herübergegangen sind zu der Augustinischen Richtung, die in einer ganz anderen Strömung war; es lag das Verständnis für diese Dinge noch bei diesen Menschen, aber es konnte eben in unmittelbarer Weise, wie es damals war, nicht erhalten bleiben.

[ 23 ] And we can say: The ability to understand these things was still present among a number of people well into the 4th century, and even into the early 5th century, among those who did not subsequently adopt the Augustinian school of thought, which represented a completely different current; the understanding of these things was still present among these people, but it simply could not be preserved in the direct way it had been at that time.

[ 24 ] Es waren die Geisteskräfte der Menschen in dem südlichen Teil der europäischen Welt schon zu gering, sie konnten nicht mehr dieses Verständnis fassen. Und so kristallisierte sich, erstarrte dasjenige, was da als Verständnis zugrunde lag, dann in den Dogmen, die geblieben sind, die eigentlich auch nur dadurch haben gehalten werden können, daß eine immer toter und toter werdende Sprache, die lateinische Sprache, bewahrte dasjenige, was da war. Aber dieses Fortpflanzen der lateinischen Sprache im Mittelalter bei denjenigen, die nun zur Weisheit kamen, war eben nur dazu da, um das, was einstmals lebendiges Verständnis war, in der Sprache erstarren zu lassen, so daß schließlich all dasjenige, was man über die Trinität kannte, über die Menschwerdung Christi kannte, was man über die Sendung des Geistes kannte, über den großen Heilungsprozeß, von dem ich Ihnen gesprochen habe, erstarrt wurde in Dogmen, die sich fortpflanzten in der lateinischen Sprache; und die Worte selber wurden nicht mehr auf das, was der richtige Inhalt war, bezogen. So versiegte allmählich in der sich fortpflanzenden abendländischen Gelehrsamkeit, die ihr Medium in der lateinischen Sprache hatte, das, was zum Beispiel wirklich — ich möchte sagen — in einer phosphorigen Gestaltung durchzog jene ausgerottete Dichtung.

[ 24 ] The spiritual powers of the people in the southern part of the European world were already too weak; they could no longer grasp this understanding. And so what had served as the foundation of that understanding crystallized and solidified into the dogmas that have remained—dogmas that, in truth, could only be preserved because an increasingly lifeless language, Latin, preserved what was there. But this perpetuation of the Latin language in the Middle Ages among those who were now attaining wisdom served only to allow what was once a living understanding to become frozen in the language, so that eventually everything that was known about the Trinity, about the Incarnation of Christ, about the mission of the Holy Spirit, and about the great healing process of which I have spoken to you, became frozen into dogmas that were perpetuated in the Latin language; and the words themselves were no longer related to what the true content actually was. Thus, in the perpetuating Western scholarship that had Latin as its medium, what—for example—truly permeated that now-extinct poetry in a, shall I say, phosphorescent form gradually dried up.

[ 25 ] Und dann kamen ja alle jene jungen, mehr aus dem Osten herüber angeregten Völker des Nordens, die empfingen dasjenige, was der Christus-Impuls war, schon in einer Gestalt, wo es, man könnte sagen, durchaus latinisiert war, wo es im Erstarren war.

[ 25 ] And then came all those young peoples of the North, who had been inspired more by the East; they received what was the Christ impulse already in a form that was, one might say, thoroughly Latinized, a form that was beginning to solidify.

[ 26 ] Wir müssen uns vorstellen den vom Süden heraufziehenden erstarrenden Christus-Impuls, die im Norden sich ausbreitenden Völkerschaften, die schon ein erstarrtes Christentum bekamen, die in ihren jungen Geisteskräften noch nicht die Macht hatten, wiederum, ich möchte sagen, aus den erstarrten Dogmen heraus zu verlebendigen dasjenige, was Ungeheures in ihnen enthalten war. Die Nachwirkungen all dieser Dinge sind heute noch da. Heute noch sehen Sie über diesen nordischen Gegenden Kräfte, die scheinbar — es ist das ja alles scheinbar — zu spät dasjenige erlangt haben, was als Christus-Impuls unten versiegt ist, was aufgenommen hat den Christus-Impuls in den erstarrten Dogmen, was aber berufen ist, aus unmittelbarer Geist-Erkenntnis heraus wiederum die ganzen Geheimnisse der Tatsache von Golgatha, des Eintretens des Christus in das Erdenleben zu finden; aber zu finden in der völligen Freiheit. Denn auch diese Tatsache, daß nach dem Jahre 333 das erstarrte Christentum aus Italien heraufgezogen ist, junge Völker herübergekommen sind, deren Nachzügler überall sind, in Rußland, Schweden, Norwegen, Mitteleuropa, in England — da überall leben heute doch die Völker noch unter diesem Impuls —, auch all dieses, daß das sich so vollzogen hat, war letzten Endes dennoch dazu da, daß die Menschen in Freiheit den ChristusImpuls ergreifen können.

[ 26 ] We must imagine the solidifying Christ impulse rising from the south, the peoples spreading out in the north who had already received a solidified Christianity, who, in their young spiritual powers, did not yet have the strength to, I might say, breathe life back into—from within the solidified dogmas—that which was of immense significance within them. The aftereffects of all these things are still present today. Even today, you can see forces in these northern regions that seem to — for it is all, after all, only an appearance — to have attained too late that which had dried up below as the Christ impulse, that which had absorbed the Christ impulse into the rigid dogmas, but which is called to rediscover, out of direct spiritual knowledge, the entire mystery of the event of Golgotha, of Christ’s entry into earthly life; but to discover it in complete freedom. For even this fact—that after the year 333, rigid Christianity spread northward from Italy, and young peoples came over, whose stragglers are found everywhere—in Russia, Sweden, Norway, Central Europe, and England—for everywhere today the peoples still live under this impulse—and all of this, the fact that it unfolded in this way, was ultimately intended to enable human beings to embrace the Christ impulse in freedom.

[ 27 ] Das ist also die Aufgabe derjenigen Völker, zu denen heute vorzugsweise als zu ihrer Zivilisation von Anthroposophie gesprochen werden muß, daß sie den ganzen Zusammenhang des Christus Jesus aufnehmen, daß sie verstehen lernen, wie gewissermaßen ohne den Christus-Impuls die Menschheit im Salzprozesse hätte erstarren müssen. Wir können mit diesen physischen Worten reden, denn bis ins Physische, bis in die physische Heilung der Menschheit geht der Christus-Impuls hinein. Und der Christus ist geworden der große Phosphorus, der geistige Phosphorus, der diesem Versalzungsprozesse der Menschheit entgegenzuwirken hat als solcher großer Phosphorus. «Christus verus phosphorus» — das war eines der Worte, welche in den ersten drei Jahrhunderten des Christentums überall gesprochen wurden. Dieser große Phosphorus zieht eben auch als ein Leitmotiv durch die erwähnte zugrunde gegangene Dichtung.

[ 27 ] It is therefore the task of those peoples among whom we must speak today primarily of anthroposophy in relation to their civilization—that they take in the entire context of Christ Jesus, that they learn to understand how, in a sense, humanity would have had to become frozen in the salt process without the Christ impulse. We can speak in these physical terms, for the Christ impulse extends all the way into the physical realm, even into the physical healing of humanity. And Christ has become the great Phosphorus, the spiritual Phosphorus, who, as such a great Phosphorus, must counteract this process of salinization in humanity. “Christus verus phosphorus”—that was one of the phrases spoken everywhere during the first three centuries of Christianity. This great phosphorus also runs as a leitmotif through the aforementioned lost poetic work.

[ 28 ] So müssen wir uns zwischen Vergangenheit und Zukunft hineinstellen in die Gegenwart. So müssen wir zurückschauen können. Selbstverständlich werde ich Ihnen nicht dasjenige, was ich in diesem Augenblicke gesagt habe über eine verlorengegangene Dichtung und verlorengegangene Gelehrsamkeit, als Dogma aufdrängen. Es liegt mir das ganz ferne. Aber diejenige Methode, die zu der Erforschung des wirklichen Geistesganges der Menschheit führt, die führt zu der Erkenntnis solcher Tatsachen mit derselben Sicherheit, mit der heute naturwissenschaftliche Tatsachen gefunden werden, und mit einer viel größeren Sicherheit als naturwissenschaftliche Hypothesen heute aufgestellt werden. Ebensowenig wie derjenige, der von vornherein aus der materialistischen Gesinnung der Gegenwart diese Dinge ablehnt, irgendwie in aufdringlicher Weise veranlaßt werden sollte, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, ebensowenig aber kann es demjenigen, der von diesen Dingen so weiß wie von seinem eigenen Leben, verwehrt sein, von diesen Dingen zu denjenigen Menschen zu sprechen, die vielleicht doch aus dem ganzen Gange der Menschheit heraus, aus einem gesunden Empfinden dieser Menschheitsevolution die Wahrheit eines solchen Impulses innerhalb der Evolution einsehen können.

[ 28 ] Thus, we must position ourselves in the present, between the past and the future. Thus, we must be able to look back. Of course, I will not impose on you as dogma what I have just said about a lost poetry and a lost scholarship. That is far from my intention. But the method that leads to the exploration of humanity’s true intellectual development leads to the recognition of such facts with the same certainty with which scientific facts are discovered today, and with far greater certainty than scientific hypotheses are formulated today. Just as little should someone who, from the outset, rejects these things out of the materialistic mindset of the present, should in any way be compelled to grapple with these matters; nor, however, can the one who knows these things as well as he knows his own life be prevented from speaking about them to those people who, perhaps, out of the entire course of human history and from a healthy sense of this human evolution, are able to recognize the truth of such an impulse within evolution.



[ 29 ] Die Dichtung selber, von der ich gesprochen habe, war nach jenem 4. nachchristlichen Jahrhundert nicht mehr vorhanden, aber allerlei Nachrichten von ihr, nicht urkundlich, aber mündlich, in einzelnen Kreisen, von Person zu Person erzählt, waren noch vorhanden, und in einzelnen Kreisen lebte das Andenken an jene Dichtung fort. Nur waren jene Kreise gehindert durch die herrschenden aufkommenden Kirchenkreise, öffentlich irgend etwas von dem, was da in den ersten drei bis vier Jahrhunderten gespielt hat, auch nur auszusprechen. Aber einer derjenigen, die noch etwas ahnten obwohl in vielfach verwandelter Gestalt, nicht mehr in der Größe der Gestalt der ersten Jahrhunderte — von der Dichtung und der Stimmung der Menschheit, aus der diese Dichtung hervorgegangen ist, war der Lehrer des Dante. Und man kann sagen, auf diesem Wege ist auch noch in Dantes «Commedia» in einer gewissen Weise, allerdings schon nach der Dogmenseite hinüber orientiert, in einer gewissen Weise eine Inspiration hineingekommen von dem, was in den ersten christlichen Jahrhunderten gewesen ist. Ich weiß selbstverständlich, was gegen eine solche Geschichtsdarstellung heute vorgebracht werden kann, und ich könnte die Einwände, die von dieser oder jener Seite gemacht werden, selbstverständlich mir auch selber machen. Aber so sehr man die Exaktheit anerkennen muß, mit der konstruiert wird unsere Geschichte, jene Geschichte, die die Menschheit heute lernt in den untersten und in den höchsten Schulen, so sehr man auch Respekt haben kann vor dieser Exaktheit, die auf Dokumenten, auf gewissenhafter historischer Kritik beruht — was nützt es? Das wird sich die Menschheit doch gestehen müssen: Die wahre Geschichte, die wirkliche Geschichte ist das nicht, denn in dieser Geschichte sind diejenigen Dokumente nicht enthalten, die eben im Laufe der Zeit von der Menschheit beseitigt worden sind. Daher mag die Geschichte noch so kritisch, noch so gewissenhaft in bezug auf das Dokumentarische sein, die wirkliche Geschichte können wir auch nur, ebenso wie die wirkliche Natur- und Himmelskunde, aus der geistigen Forschung selbst heraus gewinnen. Daher muß die Menschheit auch den Mut gewinnen, nicht nur über die Sternenwelt so zu reden, wie in den letzten Tagen hier gesprochen worden ist, sondern auch den anderen Mut gewinnen, dasjenige zur gewöhnlichen Geschichtsdarstellung hinzuzufügen, was in dieser Geschichtsdarstellung fehlen muß, weil gewisse Kreise eben Interesse daran hatten, die entsprechenden Dokumente vor der Nachwelt völlig verschwinden zu lassen. Aber in dem, was in den Menschenseelen lebt, da leben die Impulse auch der ausgerotteten Impulse fort; in dem, was die Menschen der späteren Zeit ersehnen können, da leben sie darinnen, jene heute nicht mehr geschriebenen — weil sie ausgerottet worden sind —, aber einstmals in der Menschheit lebendigen Impulse. Es wird daher nicht nur notwendig sein, daß in einer gewissen Beziehung die Menschheit, will sie in ihrer Evolution in die ihr vorgezeichnete Zukunft hinüberkommen, umlernt in bezug auf manche Begriffe, sondern daß die Menschheit umlernt auch in bezug auf die Gesinnung gegenüber der Wahrheit.

[ 29 ] The poetry itself, of which I have spoken, no longer existed after the 4th century A.D., but all manner of accounts of it—not documented, but passed down orally, in certain circles, from person to person—still existed, and in certain circles the memory of that poetry lived on. However, those circles were prevented by the dominant, emerging church circles from even publicly mentioning anything at all about what had taken place in the first three to four centuries. But one of those who still sensed something—albeit in a greatly transformed form, no longer in the grandeur of the early centuries—of the poetry and the spirit of humanity from which this poetry had emerged was Dante’s teacher. And one can say that in this way, even in Dante’s Commedia—albeit already oriented toward the dogmatic side—an inspiration from what had taken place in the early Christian centuries found its way in, to a certain extent. I am, of course, aware of the objections that can be raised today against such a historical account, and I could, of course, raise the same objections myself that are made from this or that side. But as much as one must acknowledge the precision with which our history is constructed—that history which humanity learns today in schools at all levels, from the lowest to the highest—and as much as one may respect this precision, which is based on documents and conscientious historical criticism—what good does it do? Humanity will ultimately have to admit: That is not the true history, the real history, for this history does not include those documents that have been eliminated by humanity over the course of time. Therefore, no matter how critical or conscientious history may be with regard to documentary evidence, we can only gain the real history—just as we do with real natural science and astronomy—through spiritual research itself. Therefore, humanity must also find the courage not only to speak of the world of the stars as has been done here in recent days, but also to find the further courage to add to the conventional historical narrative that which must be missing from it, because certain circles had an interest in ensuring that the relevant documents would disappear completely from posterity. But in what lives within human souls, the impulses—even those that have been eradicated—live on; in what people of later times can yearn for, those impulses live on—impulses that are no longer written down today—because they have been eradicated—but that were once alive within humanity. It will therefore not only be necessary for humanity, in a certain sense, to re-educate itself regarding certain concepts if it is to progress in its evolution toward the future that lies before it, but also to re-educate itself regarding its attitude toward the truth.

[ 30 ] Denn im Grunde genommen: Den Christus müssen wir wieder finden. Er muß wiederkommen. Und sein Wiederkommen setzt voraus, daß eine Menschheit da sei in diesem Jahrhundert, die versteht, auf welche Weise er sich zeigen wird, in welchen Erscheinungen er sich zeigen wird. Sonst werden unter Umständen die furchtbarsten rumorvollen Bewegungen entstehen, ausgehend von Menschen, die in den tief unterbewußten Regionen ihres Wesens etwas ahnen von dem Wiederkommen des Christus, das heißt des Geistes Christi, und die diese Tatsache in einer äußerlichen, trivialen und schreckenhaften Weise in der Menschheit vertreten werden. Allein, Klarheit in die Menschenevolution gegen die nächste Zukunft kann nur kommen, wenn sich der Kreis derer immer mehr und mehr vergrößert, die mit einer guten Gesinnung hineinsehen wollen in die Art und Weise, wie in der geistigen Forschung wirklich vorgegangen werden und in der übersinnlichen Welt durch die geistige Forschung dasjenige gefunden werden kann, was gerade die Menschheit braucht, um ihre nächste Zukunft in der richtigen Weise zu gestalten. Sonst kommen wir immer tiefer und tiefer in das hinein, was niemals wirklich dem Geistigen sich wird nähern können, nicht so sehr aus den Ideen und Begriffen als aus der Gesinnung heraus.

[ 30 ] For, when all is said and done, we must find Christ again. He must return. And his return presupposes that there will be a humanity in this century that understands the manner in which he will reveal himself, the forms in which he will appear. Otherwise, under certain circumstances, the most terrible and tumultuous upheavals may arise, originating from people who, in the deepest subconscious regions of their being, sense something of the return of Christ—that is, of the Spirit of Christ—and who will represent this fact in humanity in an external, trivial, and terrifying manner. However, clarity regarding human evolution in the near future can only come about if the circle of those who, with a good disposition, wish to gain insight into the actual methods of spiritual research—and into how, through spiritual research, that which humanity specifically needs to shape its near future in the right way can be found in the supersensible world—continues to grow ever larger. Otherwise, we will sink deeper and deeper into that which can never truly approach the spiritual—not so much through ideas and concepts as through our inner attitude.

[ 31 ] Wir haben nämlich den Begriffen, den Ideen nach in der gegenwärtigen Zeit vieles, was sich ausnimmt wie ein Hinkraften, Hintendieren nach dem, was eigentlich das rechte Erkenntnisziel der Gegenwart sein müßte. Aber es hindert etwas die Menschen, die Dinge, die auch aus den Naturwissenschaften heraus gefunden werden, in der richtigen Weise anzuschauen. Sie tappen sozusagen wie im Finstern gegenüber diesen Tatsachen. Sehen Sie, da finden Sie heute, indem die naturwissenschaftlich-medizinischen Anschauungen über den Menschen erweitert werden, daß es Menschen gibt, die im späteren Leben irgendwie in nervöse Zustände bekommen, die sich bis in die physische Konstitution des Menschen hineinerstrecken können, die zu wirklichen Krankheitsbildern führen. Da sieht dann die gegenwärtige Medizin, wie sie ohnmächtig ist, diese Krankheitsbilder in irgendeiner Weise anschaulich zu beherrschen, eine Pathologie bis zur Therapie zu treiben. Ich war selber ein unmittelbarer Zeitgenosse, als der ausgezeichnete Wiener Arzt, der Internist Breuer, einmal vor einem solchen Fall stand, wo etwas auftrat an einer Persönlichkeit, das aus physischer Forschungsmethode nicht mehr pathologisch zu fassen war. Da wurde zu der damals ja immer beliebter werdenden Hypnose Zuflucht genommen. Da versetzte man die Persönlichkeit in eine Hypnose. Man kam tatsächlich durch das Erforschen des hypnotischen Zustandes darauf, wie ein furchtbar schockierendes, ein furchtbar schreckmachendes Lebensereignis in einer früheren Lebensepoche da war. Dieses Lebensereignis war gewissermaßen, so konnte man sich es dazumal nur erklären, hinuntergezogen in die untere Region des menschlichen Lebens, wo das Unterbewußte, das Unbewufßte lagert. Da bildete es gewissermaßen eine «verborgene Seelenprovinz». Aber wenn der Mensch auch von so etwas nichts weiß, so ist es doch da in seinem Leben. Und es kann sogar krankheitserzeugend da sein. Dann hat man etwas in dem Menschen drinnen, was nur ein seelisches Erlebnis war, was nachwirkt, nachrumort, was gewissermaßen eine isolierte Provinz im Seelenleben ist, deren sich der Mensch nicht bewußt ist.

[ 31 ] In fact, in terms of concepts and ideas, much of what is happening today seems to be a straining toward, a reaching back toward, what should actually be the proper goal of knowledge in the present. But something prevents people from viewing the findings of the natural sciences in the proper way. They are, so to speak, groping in the dark when it comes to these facts. You see, as scientific and medical views of the human being are expanding today, we find that there are people who, later in life, develop nervous conditions that can extend into the physical constitution of the individual and lead to actual clinical pictures. Contemporary medicine then recognizes its powerlessness to effectively manage these clinical pictures in any meaningful way—to develop a pathology that leads to a therapy. I myself was a contemporary witness when the distinguished Viennese physician, the internist Breuer, was once confronted with such a case, in which something occurred in a patient that could no longer be grasped pathologically through physical research methods. Resort was made to hypnosis, which was becoming increasingly popular at the time. The patient was placed under hypnosis. By exploring the hypnotic state, they actually discovered that a terribly shocking, a terribly terrifying life event had occurred in an earlier period of the patient’s life. This life event had, so to speak—as was the only way to explain it at the time—been drawn down into the lower region of human life, where the subconscious and the unconscious reside. There it formed, so to speak, a “hidden province of the soul.” But even if a person knows nothing of such a thing, it is still there in their life. And it can even be present in a way that causes illness. Then there is something inside the person that was merely a psychological experience, something that continues to have an effect, that keeps rumbling on, something that is, so to speak, an isolated province in the life of the soul, of which the person is unaware.

[ 32 ] Man kam darauf: Wenn man den Menschen daran erinnert, wenn man so etwas heraufbringt ins Bewußtsein, so daß er es bewußt ergreift, so kann es zur Heilung führen.

[ 32 ] It was realized that if one reminds people of this—if one brings such things to their consciousness so that they consciously grasp them—it can lead to healing.

[ 33 ] Solche Tatsachen wird man aber im gegenwärtigen Erdenleben immer mehr und mehr finden. Aber man wird wissen müssen, wenn man verstehen will, warum die Menschheit befallen wird von solchen Zuständen — und immer mehr und mehr wird sie davon befallen werden —, man wird wissen müssen aus einer geistigen Erkenntnis heraus, wie es mit dem Immer-Kleinerwerden des oberen Teiles des astralischen Leibes wird, und wie in dem immer größerwerdenden unteren Teil des astralischen Leibes eine Tendenz besteht zur Ansammlung von solchen unterbewußten Seelenprovinzen. Man wird aufsteigen müssen von der seelenhaften Erkenntnis des Menschen zu der historischen Geist-Erkenntnis, zu der kosmischen Geist-Erkenntnis, um überhaupt solche Erscheinungen erklären zu können. Breuer war eine tiefere Natur — ich kannte ihn sehr gut — und ließ, weil er empfand, daß man in dieser Weise nicht weitergehen kann mit dem bloßen Wissen der Gegenwart, sozusagen den Faden der Forschung fallen. Dann nahmen ihn andere auf, Freud vor allen Dingen und seine Nachfolger, und es wurde dasjenige daraus, was gegenwärtig als Psychoanalyse überall funktioniert. Die beruht auf etwas durchaus Wahrem, denn die Erscheinungen sind da. Man ist genötigt, dasjenige, was sich physisch ausdrückt, im Seelenhaften zu suchen. Der Gedanke ist richtig; aber man hat nicht die Wissenschaft, um das zu beherrschen, denn diese Wissenschaft würde erst die Geisteswissenschaft sein.

[ 33 ] Such facts, however, will be encountered more and more frequently in our present earthly life. But if one wishes to understand why humanity is afflicted by such conditions—and it will be afflicted by them more and more— one will have to understand, based on spiritual insight, what is happening with the ever-decreasing size of the upper part of the astral body, and how, in the ever-expanding lower part of the astral body, there is a tendency toward the accumulation of such subconscious regions of the soul. One will have to ascend from the soul-based understanding of the human being to historical spiritual understanding, to cosmic spiritual understanding, in order to be able to explain such phenomena at all. Breuer was a man of profound nature—I knew him very well—and, because he sensed that one cannot proceed further in this way with the mere knowledge of the present, he let the thread of research slip away, so to speak. Then others took up his work—Freud above all and his successors—and it developed into what is now known as psychoanalysis, which is practiced everywhere. It is based on something that is entirely true, for the phenomena are there. One is compelled to seek the soul-related basis of what manifests physically. The idea is correct; but we do not yet have the science to master it, for such a science would first and foremost be a science of the spirit.

[ 34 ] Und so tritt diese Psychoanalyse, die auf der ganz natürlichen, historisch vor sich gehenden Defektheit des oberen astralischen Leibes des Menschen beruht, mit diesen Tatsachen auf bei Leuten, die erstens Dilettanten sind in der Seelenforschung, in der Geistesforschung, aber die auch Dilettanten sind in der Leibesforschung, in der Körperforschung, denn sie wissen nicht dem Geist in den Leib hinein zu folgen. So kommen zwei Dilettantismen zusammen, die wirklich einander gleich sind, denn diese Leute wissen wirklich so wenig vom wirklichen Seelen- und Geistesleben des Menschen wie vom physischen und ätherischen Leben. Diese zwei Größen kommen zusammen, und wenn zwei gleiche Größen aufeinander wirken, so multiplizieren sie sich: \(a \times a = a^2\) oder \(D \times D = D^2\), Dilettantismus multipliziert mit Dilettantismus ist Dilettantismus zum Quadrat. Es ist tatsächlich so, daß ein Richtiges, etwas, was auf ganz richtigen Unterlagen beruht, durch die Ohnmacht der Forschung in der Gegenwart eben als Dilettantismus sich darstellt. Aber man sieht in so etwas das Streben nach dem Richtigen. Man darf so etwas wie Psychoanalyse nicht wiederum hinstellen als etwas, was des Teufels ist, sondern als etwas, worin sich zeigt, daß unsere Zeit das will, was sie eben nicht kann, daher so etwas, wie das, was in der Psychoanalyse auftritt, erst in sein richtiges Fahrwasser eintreten wird, wenn es in die Geistesforschung mündet. Sonst mündet es dorthin, wozu Jung es gebracht hat, der Schweizer, der die Psychoanalyse in eine merkwürdige, kuriose Logik hineingetrieben hat.

[ 34 ] And so this form of psychoanalysis, which is based on the entirely natural, historically unfolding imperfection of the human upper astral body, is presented with these facts to people who are, first of all, dilettantes in the study of the soul and the spirit, but who are also dilettantes in the study of the body, for they do not know how to follow the spirit into the body. Thus, two forms of dilettantism come together that are truly alike, for these people know just as little about the actual soul and spiritual life of human beings as they do about the physical and etheric life. These two factors come together, and when two equal factors interact, they multiply each other: \(a \times a = a^2\) or \(D \times D = D^2\); dilettantism multiplied by dilettantism is dilettantism squared. It is indeed the case that something correct—something based on entirely sound foundations—appears as dilettantism precisely because of the inadequacy of current research. But one can see in such things the striving for what is true. One must not, in turn, dismiss something like psychoanalysis as something diabolical, but rather as something that reveals that our time desires what it is simply unable to achieve; therefore, something like what appears in psychoanalysis will only find its proper course when it flows into spiritual research. Otherwise, it will end up where Jung led it—the Swiss who drove psychoanalysis into a strange, curious logic.

[ 35 ] Sie können bei solch einem Mann zum Beispiel den Satz lesen: Der Mensch ist einmal, man möchte sagen, durch die historisch verborgenen Seelenprovinzen dazu veranlagt, ein Gotteswesen anzunehmen. — Nun formt der betreffende Psychiater den Satz dazu: Aber ein Gotteswesen kann es ja selbstverständlich nicht geben. Er [Jung] ist ja natürlich atheistisch gesinnt. Da fordert aber die Psychoanalyse: Der Mensch, so wie er eben veranlagt ist, muß, um sein seelisches Gleichgewicht zu erhalten, ein Gotteswesen annehmen. Das heißt aber nichts Geringeres als, wenn man ganz gewissenhaft ist — und die Gewissenhaftigkeit und Exaktheit eines solchen Mannes wie Jung werde ich immer anerkennen —: Du mußt mit der Unwahrheit leben, denn mit der Wahrheit kannst du nicht leben. Der Theismus ist die Unwahrheit. Du mußt mit der Unwahrheit, mit dem Theismus leben. — Diese Dinge nimmt nur die heutige Entwickelung nicht völlig ernst. Man muß sie aber mit völligem Ernst nehmen.

[ 35 ] For example, in a work by such a man, you might read the following sentence: “Human beings are, one might say, predisposed—through the historically hidden realms of the soul—to conceive of a divine being.” — Now, the psychiatrist in question responds to this with the following: “But of course, a divine being cannot exist.” He [Jung] is, of course, of an atheistic disposition. But psychoanalysis demands: Human beings, just as they are predisposed, must—in order to maintain their psychological balance—accept a divine being. Yet this means nothing less than—if one is entirely conscientious (and I will always acknowledge the conscientiousness and precision of a man like Jung)—: You must live with untruth, for you cannot live with the truth. Theism is untruth. You must live with untruth, with theism. — It is simply that contemporary thought does not take these things entirely seriously. Yet they must be taken with the utmost seriousness.

[ 36 ] Und so treten überall die Sehnsuchten auf, ohne daß die Menschen es wissen, die unterbewußten Sehnsuchten. Einzelne, die andere Vortragsreihen von mir mitgemacht haben oder die Vortragszyklen gelesen haben, werden wissen, daß ich oftmals aus der geistigen Anschauung heraus darauf aufmerksam machte, wie es nicht richtig ist, wenn immer gesagt wird, Licht, das zum Beispiel von der Sonne ausstrahlt, gehe in den unendlichen Weltenraum hinaus, endlos. Man gibt dann höchstens das Unendlichkeitszeichen an und sagt, das geht endlos in den Weltenraum hinaus, nimmt ab in der Intensität mit dem Quadrat der Entfernung, dann wird die Intensität immer geringer und geringer; so geht das Licht hinaus.

[ 36 ] And so these longings arise everywhere, without people even realizing it—the subconscious longings. Some of you who have attended my other lecture series or read the lecture cycles will know that I have often pointed out, from a spiritual perspective, how it is incorrect to always say that light—emitting from the sun, for example—extends endlessly into infinite space. At most, people use the infinity symbol and say that it extends endlessly into outer space, diminishing in intensity in proportion to the square of the distance, so that the intensity becomes smaller and smaller; that is how the light extends.

[ 37 ] Ich sagte noch: die geistige Anschauung gibt ein anderes; es ist der Gedanke nicht richtig, daß Licht, das von einem Zentrum ausstrahlt, immer weiter und weiter hinausgeht. Sondern gerade so, wie eine gespannte Saite, wenn sie angezogen wird, nur bis zu einem gewissen Punkte nach der einen Seite geht und dann wieder zurückschlägt, so geht Licht nur bis zu einem gewissen Punkte, geht immer wieder zurück. Es ist in sich in seiner Verbreitung nicht nur expandierend, sondern elastisch, rhythmisch. Die Sonne strahlt nicht nur Licht aus, sondern nimmt immer wieder Licht zurück, dadurch aber, daß am Ende der Lichtbahnen die Intensitäten verschieden sind, kann sie die Lichtbahnen gestalten. Das will ich nur andeuten, denn es ergibt sich im Zusammenhange mit einer höheren Erkenntnis, mit der kosmischen Erkenntnis der Welt, mit einer wirklichen Erkenntnis der Geisteswissenschaft.

[ 37 ] I also said: spiritual insight reveals something else; the idea that light, which radiates from a center, extends farther and farther out is not correct. Rather, just as a taut string, when pulled, moves only to a certain point in one direction and then snaps back, so light goes only to a certain point and then returns again and again. In its propagation, it is not merely expansive, but elastic and rhythmic. The sun not only radiates light but also repeatedly draws light back; however, because the intensities differ at the ends of the light paths, it is able to shape these light paths. I merely wish to hint at this, for it arises in connection with a higher understanding—with the cosmic understanding of the world, with a true understanding of spiritual science.

[ 38 ] Jetzt melden die Zeitungen, daß Oliver Lodge einen bedeutsamen Vortrag gehalten hat, in dem er aus dem Verhalten der Lichtstrahlen darlegen wollte, daß ein Lichtstrahl, der sich ausbreitet, in einer gewissen Entfernung, wenn er ankommt an der Materienlosigkeit — die braucht er ja, so nimmt Oliver Lodge an, als etwas, an das er stößt —, daß er da mit Hilfe der Metamorphose des Elektrons wieder in sich zurückfällt — ein Gedanke, der sich gegenüber der Wahrheit dilettantisch ausnimmit.

[ 38 ] Now the newspapers are reporting that Oliver Lodge has given a significant lecture in which he sought to demonstrate, based on the behavior of light rays, that a light ray, as it propagates, reaches a certain distance where it encounters the absence of matter—which, as Oliver Lodge assumes, it needs— as Oliver Lodge assumes, as something it collides with—that it then, with the help of the metamorphosis of the electron, falls back into itself—an idea that appears amateurish in light of the truth.

[ 39 ] Bitte, nehmen Sie solche Dinge nicht so, als ob ich respektlos über die Wissenschaft reden möchte. Ich erkenne die Wissenschaft völlig an. Gegenüber der Wahrheit jedoch sind selbst diese Dinge — man kann sie gar nicht genug loben und als geistvoll anerkennen innerhalb der Gegenwart — auch durchaus dilettantisch. Aber sie zeigen auf der anderen Seite, wie das Denken der Menschen selber dazu treibt, mit seinen abstrakten Begriffen der Lichtstrahlenausbreitung und des Elektrons irgendwie in eine Region hineinzukommen, wo das Richtige liegt. Es handelt sich ja dabei nur darum, daß man in das Richtige hineinkommt, um in die Ideen, die überall auftreten, mit denen man gar nichts anfangen kann, jenen Impuls hineinzubringen, der auch die Forschung der Gegenwart hinaufträgt in die geistigen Gebiete. Es gibt in gewissen okkulten Kreisen einen Unfug; da wird der Mensch belehrt mit allerlei okkulten Lehren, aber man führt ihn nicht zu dem Endpunkt desjenigen, aus dem eigentlich diese Lehren stammen. Man gibt ihm nur Bilder, und man führt ihn nicht zu dem, wovon diese Bilder eigentlich das Abbild sind, gemalt sind. Dadurch wird der Mensch in seiner Seele von einer Bilderwelt umgeben, statt daß er die Empfindung bekommt, er muß durch diese Bilder erst das Weltenall kennenlernen.

[ 39 ] Please don’t take these things to mean that I’m trying to speak disrespectfully about science. I fully acknowledge science. Compared to the truth, however, even these things—which cannot be praised highly enough and are recognized as ingenious in the present day—are also quite amateurish. But on the other hand, they show how human thinking itself drives us, with its abstract concepts of the propagation of light rays and the electron, to somehow enter a realm where the truth lies. After all, the whole point is simply to arrive at the truth, in order to infuse the ideas that arise everywhere—and with which one cannot make any sense—with that impulse which also carries contemporary research up into the spiritual realms. There is a form of nonsense in certain occult circles; people are taught all sorts of occult doctrines, but they are not led to the ultimate source from which these teachings actually originate. They are given only images, and they are not led to that which these images actually depict. As a result, the person’s soul becomes surrounded by a world of images, instead of gaining the sense that they must first come to know the universe through these images.

[ 40 ] Sehen Sie, aus diesem. Grunde mußte ich, nachdem meine «Theosophie» erschienen war, die «Geheimwissenschaft» der «Theosophie» folgen lassen. Da ist dasjenige, was in der «Theosophie» in Bildern dargestellt ist, hinausgeführt in die Wirklichkeit der Sternenwelt, in die Evolution durch Saturn, Sonne, Mond und so weiter. Diese beiden Bücher ergänzen sich.

[ 40 ] You see, for this reason, after my Theosophy was published, I had to follow it up with The Occult Science of Theosophy. In it, what is depicted in images in Theosophy is carried out into the reality of the stellar world, into the evolution through Saturn, the Sun, the Moon, and so on. These two books complement each other.

[ 41 ] Gibt man aber auf irgendeinem Gebiete dem Menschen nur Bilder, so ist er von den Bildern umgeben. Leute, die okkulten Unfug treiben, machen das so mit ihren Schülern, die sie nicht so recht besitzen; dadurch bringen sie sie in das, was man okkulte Gefangenschaft nennt. Der Mensch wird in dieser okkulten Gefangenschaft von Bildern umgeben, die ihm als Bilder nicht klar werden, aus denen er nicht herauskommt. Er ist in einem Bildergefängnis. Es ist dies dasjenige, womit viel okkulter Unfug von Leuten getrieben worden ist und auch heute noch getrieben wird. Aber es gibt auch geistige Wesenheiten, die den Menschen, oder sogar Teile der Menschen, in eine solche okkulte Gefangenschaft bringen. Es ist die ganz gleiche seelische Erscheinung. Das sind geistige Wesenheiten, die dann los werden in der Natur, wenn man die Natur nicht geistig begreift, wenn man in die Natur nur so hineinsieht, daß man die atomistischen Prozesse als naturalistische begreift. Dann verleugnet man den Geist der Natur. Dann werden gerade die dem Menschen entgegenstrebenden, sogenannten ahrimanischen Geister in der Natur rege, und die umstellen den Menschen mit allen möglichen Bildern, so daß der Mensch in diese okkulte Gefangenschaft auch geführt werden kann durch diese ahrimanischen Geistwesenheiten.

[ 41 ] But if, in any field, one gives people only images, they become surrounded by those images. People who engage in occult nonsense do this to their students, whom they do not truly control; in this way, they lead them into what is called occult captivity. In this occult captivity, a person is surrounded by images that remain unclear to them as images, from which they cannot escape. They are in an image-prison. This is the very means by which much occult nonsense has been perpetrated by people and continues to be perpetrated even today. But there are also spiritual beings who bring people—or even parts of people—into such occult captivity. It is exactly the same psychological phenomenon. These are spiritual beings that are set loose in nature when one does not understand nature spiritually, when one looks at nature in such a way that one understands the atomic processes as merely naturalistic. Then one denies the spirit of nature. Then precisely those so-called Ahrimanic spirits in nature that strive against humanity become active, and they surround the human being with all manner of images, so that the human being can also be led into this occult captivity by these Ahrimanic spiritual beings.

[ 42 ] Und ein großer Teil desjenigen, was man heute wissenschaftliche Anschauung nennt — nicht die Tatsachen der Wissenschaft, die sind gut, aber dasjenige, was man wissenschaftliche Anschauung nennt —, das ist nichts anderes als Bilder einer universellen, über die Menschheit als Gefahr hereinbrechenden okkulten Gefangenschaft. Solch eine Gefahr einer hereinbrechenden okkulten Gefangenschaft ist vorhanden in dem Umstelltwerden des Menschen überall mit den atomistischen und molekularistischen Bildern. Solch eine okkulte Gefangenschaft stellt diese Bilder um einen her, man kann nicht hinausschauen in die freien Geistes- und Sternenbilder, weil sich eben das Weltenbild des Atoms wie die seelischen Wände, die geistigen Wände eines Gefängnishauses, in dem man sich dabei geistig befindet, hinstellt.

[ 42 ] And a large part of what is today called the “scientific worldview”—not the facts of science, which are good, but what is called the “scientific worldview”—is nothing other than images of a universal occult captivity that is descending upon humanity as a danger. Such a danger of an encroaching occult captivity is present in the way human beings are surrounded on all sides by atomistic and molecularist images. Such occult captivity surrounds one with these images; one cannot look out into the free spiritual and celestial constellations, because the worldview of the atom stands before one like the psychological walls, the spiritual walls of a prison in which one finds oneself spiritually.

[ 43 ] Das ist es, was als Bild uns auch zeigen kann in geisteswissenschaftlichem Lichte ein richtiges Streben der Gegenwart, denn die Tatsachen der Naturwissenschaft sind überall fruchtbar und führen in die Geistesweiten hinaus, wenn man ihnen nicht kommt mit dem Vorurteile der okkulten Gefangenschaft, in der heute im Grunde genommen die Wissenschaft ist. Das sind die Dinge, die wir innerlich durchleben müssen, wenn wir uns richtig in die Gegenwart der Erden- und Menschheitsevolution hineinstellen wollen, in Gemäßheit der Erden- und Menschheitsvergangenheit und der Erden- und Menschheitszukunft. Und das ist es, was uns, ich möchte sagen, immer entgegengerufen wird, wenn wir irgendwo altes Streben, aber jetzt wirklich mit dem Geiste und der Seele angesehen, vor uns haben.

[ 43 ] This is what, as an image, can also show us—in the light of spiritual science—a true aspiration of the present, for the facts of natural science are fruitful everywhere and lead out into the realms of the spirit, provided one does not approach them with the prejudice of occult captivity, in which science is, in essence, trapped today. These are the things we must experience inwardly if we wish to place ourselves correctly within the present moment of Earth’s and humanity’s evolution, in harmony with Earth’s and humanity’s past and future. And this is what, I would say, is always called out to us whenever we encounter some ancient aspiration—but one now truly viewed with the spirit and the soul—before us.

[ 44 ] Wenn wir hinaufgehen auf die Berge und die Druidensteine finden, die Denkmäler jenes Geiststrebens der alten Zeit, dann kann es uns eine Mahnung sein, wie die Sehnsuchten jener Alten, nach dem Geiste Strebenden, die in ihrer Weise auf den kommenden Christus hinschauten, erst dann ihre Erfüllung finden werden, wenn wir wiederum eine Geisteserkenntnis haben durch eine Geistesschau, durch die wir in unserer Art den kommenden Christus schauen werden, der wiederkommen muß, weil er erst wiederum von der Menschheit erkannt werden muß in Geistgestalt, wie er einmal in Leibesgestalt durch das Mysterium von Golgatha durchgegangen ist.

[ 44 ] When we climb the mountains and find the Druid stones—those monuments to the spiritual striving of ancient times—it can serve as a reminder to us of the longings of those ancients, who sought the Spirit and, in their own way, looked forward to the coming Christ, will find their fulfillment only when we, in turn, attain spiritual knowledge through a spiritual vision, through which we will behold, in our own way, the coming Christ, who must return because he must first be recognized again by humanity in spiritual form, just as he once passed through life in physical form through the Mystery of Golgotha.

[ 45 ] Das ist etwas, was man besonders hier an dieser Stätte, wo so herrliche alte Denkmäler erhalten sind, lebhaft empfindet.

[ 45 ] This is something one feels particularly keenly here at this site, where such magnificent ancient monuments have been preserved.