The Development of Human Consciousness
GA 228
27 July 1923, Dornach
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The Development of Human Consciousness, tr. SOL
1. Die geistigen Individualitäten unseres Planetensystems I: Schicksalbestimmende und menschenbefreiende Planeten
Planetary Spirits that Determine Destiny and Liberate Humanity I
[ 1 ] Ich möchte in diesen Tagen zu dem früher Gesagten noch einiges von dem hinzufügen, was die Möglichkeit bietet, gewisse Untergründe der Weltengeheimnisse zu gewinnen, die der neueren Zivilisation verlorengegangen sind. Wir brauchen ja nur hinzuschauen auf das, was die neuere Zivilisation als ihre Anschauung hat zum Beispiel von dem Planetensystem. Wir wissen, daß dieses Planetensystem so vorgestellt wird, als sei es hervorgegangen aus einer Art Urnebel, der in rotierender Bewegung war und von dem sich infolge dieser rotierenden Bewegung die einzelnen planetarischen Körper abgespalten haben. Man hat durch die Spekulationen, die man sich für diese Anschauung zurechtigelegt hat, ja nichts gewonnen, als daß man eine Art von Gleichgültigkeit der einzelnen Himmelskörper untereinander hat, die dabei geschildert werden, und auch eine Gleichgültigkeit des menschlichen Blickes gegenüber diesen Himmelskörpern.
[ 1 ] In the coming days, I would like to add a few more points to what I said earlier—points that offer the possibility of gaining insight into certain underlying aspects of the world’s mysteries that have been lost to modern civilization. We need only look at what modern civilization holds as its view, for example, of the planetary system. We know that this planetary system is conceived as having emerged from a kind of primordial nebula that was in rotational motion, and from which the individual planetary bodies broke away as a result of this rotational motion. Through the speculations devised to support this view, nothing has been gained except a kind of indifference among the individual celestial bodies as they are described, and also an indifference in the human gaze toward these celestial bodies.
[ 2 ] Was unterscheidet sich da stark, sagen wir, am Mond vom Saturn, wenn das alles gefaßt sein soll in die Vorstellung eines rotierenden Nebels, aus dem sich allmählich diese Himmelskörper abspalten? Allerdings, die für alles Irdische und namentlich für das IrdischMineralische so bedeutsamen Forschungen des 19. Jahrhunderts haben allerlei zu sagen gewußt über die stoffliche Zusammensetzung der Himmelskörper, haben eine Art Physik und Chemie der Himmelskörper geschaffen. Damit ist es ja möglich, daß in den gebräuchlichen Handbüchern spezielle Dinge gesagt werden über Venus, Saturn, Mond und so weiter. Allein, all dieses ist so, wie wenn man von dem Menschen, der beseelt und durchgeistet ist, gewissermaßen nur eine Art von Abbild seines äußeren Organismus schaffen würde, ohne einzugehen auf die Durchseelung und Durchgeistigung.
[ 2 ] What is the major difference, say, between the Moon and Saturn, if all of this is to be understood within the concept of a rotating nebula from which these celestial bodies gradually separate? Admittedly, the 19th-century research—so significant for all earthly phenomena, and especially for the earthly-mineral realm—has had much to say about the material composition of the celestial bodies and has established a kind of physics and chemistry of the celestial bodies. This makes it possible for standard textbooks to provide specific information about Venus, Saturn, the Moon, and so on. Yet all of this is akin to creating, as it were, only a kind of image of the outer organism of a human being—who is animated by soul and spirit—without delving into the soul and spirit that animate and spiritualize them.
[ 3 ] Man muß wiederum dazu kommen, mit Hilfe einer Initiationswissenschaft auch in dasjenige einzudringen, was man Durchseelung und Durchgeistigung zunächst, sagen wir, unseres Planetensystems nennen kann. Und da möchte ich heute einfach mehr die Individualitäten der einzelnen Planeten dieses Systems charakterisieren.
[ 3 ] We must once again, with the help of an initiatory science, penetrate into what we might initially call the “infusion of soul” and “infusion of spirit” of, let us say, our planetary system. And today I would simply like to characterize the individualities of the individual planets in this system.
[ 4 ] Ich möchte zuerst hinweisen auf denjenigen Planeten, welcher der Erde zunächst steht, mit dessen Geschick — in einer gewissen Beziehung allerdings nur — das Erdengeschick verbunden ist, und der einmal eine ganz andere Rolle spielte im Erdenleben, als er heute spielt. Denn Sie wissen ja aus den Schilderungen meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», wie ich sie gegeben habe, daß dieser Mond in verhältnismäßig jüngerer Weltenzeit noch mit der Erde verbunden war, sich von der Erde getrennt hat und sie nun umkreist.
[ 4 ] I would first like to draw attention to the planet that is closest to Earth, whose fate—albeit only in a certain respect—is linked to that of Earth, and which once played a very different role in Earth’s history than it does today. For you know from the descriptions in my Outline of Esoteric Science, as I have presented them, that this Moon was still connected to the Earth in relatively recent cosmic times, that it separated from the Earth, and that it now orbits it.
[ 5 ] Wenn wir von ihm als von einem äußeren physischen Himmelskörper sprechen, so ist das Physische in ihm eben nur die äußere, die alleräußerlichste Offenbarung des Geistigen, das dahinterliegt. Wenn wir den heutigen Mond betrachten, so erscheint er denjenigen, die ihn in bezug auf seine Außenseite und seine Innenseite kennenzulernen vermögen, so, daß er gewissermaßen zunächst in unserem Universum eine Versammlung von geistigen Wesenheiten darstellt, die in sich eine große Abgeschlossenheit haben. Nach außen hin verhält sich ja der Mond im Grunde genommen wie ein Spiegel des Universums.
[ 5 ] When we speak of the moon as an external physical celestial body, the physical aspect of it is merely the outer, the outermost manifestation of the spiritual reality that lies behind it. When we observe the Moon today, it appears—to those who are able to understand it in terms of both its outer and inner aspects—as, in a sense, first and foremost a gathering of spiritual beings within our universe who possess a great degree of self-containment. Outwardly, the Moon essentially behaves like a mirror of the universe.
[ 6 ] [Hier wird begonnen, an die Tafel zu zeichnen, siehe S.25] Wenn wir also hier die Erde haben und den Mond in die unmittelbare Nähe der Erde rücken, so ist für die alleräußerlichste Anschauung dies der Fall, daß er mit seiner Erscheinung das Sonnenlicht zurückwirft, so daß wir sagen können: Dasjenige, was vom Monde kommt, ist das auf ihn aufstrahlende und wieder zurückgeworfene Sonnenlicht. Er ist also eigentlich zunächst der Spiegel des Sonnenlichtes. Sie wissen ja, wie es die Natur eines Spiegels ist, daß man dasjenige sieht, was außer ihm ist, vor ihm ist, daß man aber gerade nicht dasjenige sieht, was hinter ihm ist. Nun ist der Mond nicht nur gewissermaßen der Spiegel des Sonnenhaften im Universum, sondern er ist überhaupt ein Spiegel für alles dasjenige, was strahlend auf ihn auftreffen kann, nur daß das Sonnenlicht dabei das allerstärkste ist. Aber alles, was an Weltenkörpern im Universum vorhanden ist, strahlt nach dem Monde, und der Mond strahlt wie ein Spiegel des Gesamtuniversums dieses Universum bildhaft nach allen Seiten wiederum zurück. So daß man sagen kann: Man hat das Universum eigentlich, wenn man es anschaut, doppelt vor sich, einmal, wie es in der Umwelt der Erde sich offenbart, und einmal, wie es zurückgestrahlt ist vom Monde. Die Sonnenstrahlen wirken mächtig. Sie wirken mächtig auch in ihrer Rückstrahlung vom Monde. Aber auch alles übrige, was im Universum räumlich strahlend sich offenbaren kann, wird vom Monde zurückgestrahlt, und man hat außer dem, was sich im Universum offenbart, noch diese Rückstrahlung des Universums vom Monde.
[ 6 ] [This is where we begin drawing on the board; see p. 25] So if we have the Earth here and move the Moon into the immediate vicinity of the Earth, then—from the most external point of view—the Moon reflects the sunlight with its appearance, so that we can say: What comes from the Moon is the sunlight that shines upon it and is reflected back. So, in a sense, it is first and foremost a mirror of sunlight. You know, of course, that it is the nature of a mirror that one sees what is outside it, in front of it, but that one does not see what is behind it. Now, the moon is not only, in a sense, a mirror of the sun’s radiance in the universe, but it is, in general, a mirror for everything that can shine upon it—only that sunlight is by far the strongest. But every celestial body in the universe radiates toward the moon, and the moon, like a mirror of the entire universe, reflects this universe back in a pictorial manner in all directions. So one can say: When you look at the universe, you actually have it before you twice—once as it reveals itself in the Earth’s surroundings, and once as it is reflected back from the moon. The sun’s rays are powerful. They are powerful even as they are reflected back by the Moon. But everything else in the universe that can reveal itself through spatial radiation is also reflected back by the Moon, and in addition to what is revealed in the universe, one also has this reflection of the universe from the Moon.
[ 7 ] Derjenige, der alle Einzelheiten des Mondes würde beobachten können, der, mit anderen Worten, ein Auge hätte für die Spiegelbilder, die der Mond nach allen Seiten vom Universum entwirft, der würde vom Monde her gespiegelt haben das ganze Universum. Nur allein dasjenige, was innerhalb des Mondes ist, das bleibt — wenn ich mich so ausdrücken darf — Geheimnis des Mondes, das bleibt verborgen, wie das, was hinter dem Spiegel steht, verborgen bleibt. Was hinter der Oberfläche des Mondes, also im Innern des Mondes selber drinnen ist, das ist vor allen Dingen bedeutsam durch seine geistige Seite.
[ 7 ] Anyone who could observe all the details of the moon—in other words, anyone who had an eye for the reflections that the moon casts in every direction throughout the universe—would have seen the entire universe reflected from the moon. Only that which is within the Moon remains—if I may put it this way—the Moon’s mystery; it remains hidden, just as that which lies behind a mirror remains hidden. What lies behind the Moon’s surface—that is, within the Moon itself—is significant above all for its spiritual aspect.
[ 8 ] Die geistigen Wesenheiten, welche dieses Innere des Mondes bewohnen, sind Wesenheiten, die sich im strengsten Sinne von dem übrigen Universum abschließen. Sie leben wie in der Mondenfestung. Und nur derjenige, welcher es dahin bringt, zu dem Sonnenlichte eine solche Verwandtschaft zu bekommen, gewisse Eigentümlichkeiten des menschlichen Herzlebens so zur Entwickelung zu bringen, daß er die Rückstrahlung vom Monde nicht sieht, für den wird der Mond gewissermaßen seelisch durchsichtig, und er kann in diese Mondenfestung des Universums eindringen. Und er macht dann eine bedeutungsvolle Entdeckung. Er macht die Entdeckung, daß durch die Aussagen, durch die Lehren derjenigen Wesenheiten, die sich in voller Abgeschlossenheit wie zurückgezogen haben in diese Mondenfestung des Universums, wiederum geoffenbart werden können gewisse Geheimnisse, welche die Erde einmal besessen hat in ihren auserlesensten Geistern, die sie aber verloren hat.
[ 8 ] The spiritual beings that inhabit the interior of the Moon are beings who, in the strictest sense, isolate themselves from the rest of the universe. They live as if in a lunar fortress. And only for those who manage to develop such an affinity with the sunlight—to cultivate certain qualities of the human heart in such a way that they no longer perceive the moon’s reflection—does the moon become, in a sense, spiritually transparent, allowing them to penetrate this lunar fortress of the universe. And they then make a significant discovery. They discover that through the statements and teachings of those beings who have, as it were, withdrawn in complete seclusion into this lunar fortress of the universe, certain mysteries can once again be revealed—mysteries that the Earth once possessed in its most exalted spirits, but which it has since lost.
[ 9 ] Und wenn wir heute zurückgehen in der Erdenentwickelung, so finden wir, daß, je weiter wir zurückgehen, wir desto weniger auf die abstrakten Wahrheiten treffen, die den Stolz der gegenwärtigen Menschheit ausmachen, aber wir kommen immer mehr und mehr auf Bildwahrheiten. Wir ringen uns dann durch die innerlich bedeutungsvollen Wahrheiten durch, die noch aufgeschrieben sind, die als ein letzter Nachklang der orientalischen Weisheit zum Beispiel in den Veden und im Vedanta erglänzen, wir ringen uns da durch zu den Uroffenbarungen der Menschheit, welche noch hinter den Mythen und Sagen liegen, und kommen zunächst voller Ehrfurcht und voller Erstaunen dazu, anzuerkennen, wie die Menschheit einmal eine großartige Weisheit besessen hat, die sie, ohne Anstrengung des Verstandes, als eine Gnade der geistigen Weltenwesen erhalten hatte. Und wir werden zuletzt zurückgeführt zu all dem, was einmal auf der Erde den damals schon auf Erden vorhandenen Urmenschen lehren konnten diese Wesenheiten, die sich nun in die Mondenfestung des Universums zurückgezogen haben, die mit dem Monde hinausgegangen sind aus der Erde. Die Menschen haben dann die Erinnerung bewahrt an dasjenige, was einstmals diese Wesenheiten geoffenbart hatten den ältesten Urvölkern der Menschheit, die noch etwas ganz anderes in ihrem Wesen hatten als die heutige menschliche Gestalt.
[ 9 ] And when we look back today at the evolution of the Earth, we find that the further back we go, the less we encounter the abstract truths that are the pride of present-day humanity, but we encounter more and more symbolic truths. We then work our way through the inwardly meaningful truths that have been recorded—truths that shine as a final echo of Eastern wisdom, for example, in the Vedas and the Vedanta— we work our way through to humanity’s primordial revelations, which lie even beyond the myths and legends, and initially come to acknowledge, filled with awe and wonder, how humanity once possessed a magnificent wisdom that it had received—without any effort of the intellect—as a grace from the spiritual beings of the higher worlds. And we are ultimately led back to all that these beings—who have now withdrawn to the lunar stronghold of the universe, having departed from the Earth along with the Moon—were once able to teach the primordial humans who already existed on Earth at that time. Humanity then preserved the memory of what these beings had once revealed to the most ancient peoples of humanity, who were still quite different in their nature from the human form of today.
[ 10 ] Aber wenn man dieses Geheimnis — ich möchte es das Mondengeheimnis des Universums nennen — durchdringt, wird man gewahr, wie diese Wesenheiten, die heute in der Mondenfestung des Universums sich verankert haben, einmal die großen Lehrer der Erdenmenschheit waren, und wie die Erdenmenschheit verloren hat gerade dasjenige, was heute an Geistigem und Seelischem in dieser Universumsfestung verborgen liegt. Denn was der Erde noch zukommt vom Universum, es ist ja durchaus nur dasjenige, was die Außenfläche, gewissermaßen die Mauern dieser Festung zurückstrahlen von dem übrigen Weltenall.
[ 10 ] But when one penetrates this mystery—I would like to call it the lunar mystery of the universe — one becomes aware of how these beings, who have now anchored themselves in the lunar fortress of the universe, were once the great teachers of humanity on Earth, and how humanity on Earth has lost precisely that which today lies hidden in this cosmic fortress in terms of the spiritual and the soul. For what still comes to the Earth from the universe is, after all, nothing more than what the outer surface—the walls, so to speak, of this fortress—reflects back from the rest of the cosmos.
[ 11 ] Es gehört dieses Mondengeheimnis zu den tiefsten Geheimnissen des alten Mysterienwesens. Denn was der Mond in seinem Innern enthält, das ist sozusagen die Urweisheit. Dasjenige aber, was der Mond zurückzustrahlen vermag aus allem Universum, das ist, was die Summe von Kräften bildet, welche unsere Tierwelt der Erde unterhalten, namentlich jene, die zusammenhängen mit der Geschlechtlichkeit der Tierwelt, die auch das Tierisch-Physische am Menschen unterhalten und zusammenhängen mit der physisch-sinnlichen Geschlechtlichkeit des Menschen. So daß die niedere Natur des Menschen ein Geschöpf ist desjenigen, was der Mond ausstrahlt, und das Höchste, was einmal die Erde besessen hat, in der Mondenfestung innerlich geborgen ist.
[ 11 ] This mystery of the Moon is one of the deepest mysteries of the ancient mystery traditions. For what the Moon contains within itself is, so to speak, primordial wisdom. But that which the Moon is able to reflect from the entire universe is the sum of the forces that sustain the animal world on Earth—namely, those forces connected with the sexuality of the animal world, which also sustain the animal-physical aspect of human beings and are connected with human physical-sensual sexuality. Thus, the lower nature of human beings is a creation of what the Moon radiates, and the highest essence that the Earth once possessed is inwardly preserved within the Moon’s fortress.
[ 12 ] In dieser Weise gelangt man durch eine solche Betrachtung allmählich heran an eine Kenntnis der Individualität des Mondes, an eine Kenntnis desjenigen, was er eigentlich ist, während alle andere Erkenntnis eben nur eine solche ist, die man erhalten würde von einem Menschen, wenn man einen Abdruck von ihm in Papiermache in einem Panoptikum fände. Man würde nichts wissen von der Individualität des Menschen, wenn man diesen Abdruck betrachtete, Ebensowenig weiß eine Wissenschaft, die nicht an die Initiation heran will, irgend etwas von der Individualität des Mondes.
[ 12 ] In this way, through such contemplation, one gradually arrives at a knowledge of the Moon’s individuality—a knowledge of what it actually is—whereas all other knowledge is merely the kind one would gain from a human being if one found a papier-mâché cast of that person in a wax museum. One would know nothing of the individuality of the person by looking at this cast; similarly, a science that refuses to engage with initiation knows nothing of the individuality of the Moon.
[ 13 ] In gewissem Sinne ist ein Gegensatz zu dieser Mondenindividualität der äußerste Planet — wenigstens der für die Alten äußerste Planet, es sind ja später noch der Uranus und der Neptun dazugekommen, aber betrachten wir diese beiden letzteren jetzt nicht —, einen gewissen Gegensatz zu dieser Mondenindividualität bildet die Saturnindividualität [grün, Zeichnung S. 25]. Die Saturnindividualität ist so geartet, daß sie eigentlich von dem Weltenall selbst zwar in der mannigfaltigsten Weise angeregt wird, daß sie aber wenigstens auf die Erde von diesen Anregungen aus dem Weltenall nichts zurückkommen läßt, nichts hinstrahlt. Gewiß, auch der Saturn wird von der Sonne bestrahlt, aber dasjenige, was er von den Sonnenstrahlen wieder zurückwirft, hat keine Bedeutung für das irdische Leben, sondern der Saturn ist ganz und gar derjenige Weltenkörper unseres Planetensystems, der sich voll hingibt in seinem eigenen Wesen. Er strahlt sein eigenes Wesen in die Welt hinaus. Und wenn man den Saturn betrachtet, dann sagt er einem eigentlich immer, wie er ist. Während der Mond, wenn man ihn äußerlich betrachtet, einem sagt, wie alles andere in der Welt ist, sagt einem der Saturn gar nichts von dem, was er an Anregungen von der übrigen Welt empfängt, sondern er spricht immer nur von sich selbst. Er sagt nur das, was er selbst ist. Und dasjenige, was er selbst ist, enthüllt sich nach und nach wie eine Art Gedächtnis unseres Planetensystems.
[ 13 ] In a certain sense, the outermost planet—at least the outermost planet for the ancients; Uranus and Neptune were added later, but let us not consider these two for now—forms a certain contrast to this lunar individuality; the Saturnian individuality [green, drawing on p. 25] forms a certain contrast to this lunar individuality. The Saturn individuality is such that, although it is actually stimulated in the most manifold ways by the universe itself, it allows nothing of these stimulations from the universe to return to Earth, nor does it radiate anything toward it. Certainly, Saturn, too, is illuminated by the Sun, but what it reflects back from the Sun’s rays has no significance for earthly life; rather, Saturn is entirely the celestial body in our planetary system that is wholly absorbed in its own being. It radiates its own being out into the world. And when one observes Saturn, it actually always tells one what it is like. Whereas the Moon, when viewed from the outside, tells us what everything else in the world is like, Saturn tells us nothing at all about the impressions it receives from the rest of the world; rather, it speaks only of itself. It says only what it itself is. And what it itself is gradually reveals itself as a kind of memory of our planetary system.
[ 14 ] Der Saturn kommt einem vor wie derjenige Weltenkörper, der alles getreulich mitgemacht hat in unserem Planetensystem, aber sich auch alles in der Erinnerung, in dieser kosmischen Erinnerung, die er hat, treu bewahrt hat. Er schweigt über die Dinge der Gegenwart des Universums. Diese Dinge der Gegenwart des Universums nimmt er auf, verarbeitet sie in seinem inneren Seelisch-Geistigen. Die ganze Summe der Wesenheiten, die im Saturn wohnen, gibt sich zwar der Außenwelt hin, aber nimmt schweigend, stumm die Ereignisse der Welt in das Seelenhafte auf und erzählt nur von den vergangenen Ereignissen des Kosmos. Daher ist der Saturn, wenn er zunächst kosmisch betrachtet wird, etwas wie das wandelnde Gedächtnis unseres Planetensystems. Und er enthält eigentlich als ein treuer Mitteiler desjenigen, was im Planetensystem passiert ist, in dieser Art die Geheimnisse des Planetensystems.
[ 14 ] Saturn seems to be the celestial body that has faithfully participated in everything within our planetary system, but has also faithfully preserved everything in its memory—in this cosmic memory that it possesses. It remains silent about the present events of the universe. It takes in these present events of the universe and processes them within its inner soul-spiritual being. The entire sum of the beings dwelling within Saturn does indeed open itself to the outer world, but silently and wordlessly absorbs the events of the world into its soul-nature and speaks only of the past events of the cosmos. Therefore, when viewed from a cosmic perspective, Saturn is something like the living memory of our planetary system. And as a faithful chronicler of what has happened in the planetary system, it thus holds the secrets of the planetary system.
[ 15 ] Während wir also, wenn wir die Weltengeheimnisse ergründen wollen, nach dem Monde vergeblich schauen, während wir uns sozusagen zu Vertrauten der Mondenwesen selber machen müssen, wenn wir von ihnen etwas erfahren wollen über die Weltengeheimnisse, ist solches beim Saturn nicht notwendig. Beim Saturn genügt ein Aufgeschlossensein für das Geistige: dann verwandelt sich der Saturn vor dem geistigen Auge, vor dem Seelenauge, in einen lebendigen Historiographen des Planetensystems. Er hält auch gar nicht zurück mit diesen Erzählungen, die er zu geben hat von alledem, was innerhalb des Planetensystems geschehen ist. Er ist in dieser Beziehung der volle Gegensatz der Mondenbildung, er spricht fortwährend. Und er spricht von der Vergangenheit des Planetensystems mit innerer Wärme und innerer Glut, so daß es eigentlich gefährlich ist, mit dem, was er im Weltenall spricht, intimer bekannt zu werden, weil er von den vergangenen Ereignissen des Weltenalls mit einer solchen Hingebung spricht, daß man ungeheuer lieb gewinnt diese Vergangenheit des Weltenalls. Er ist sozusagen fortwährend für denjenigen, der ihm seine Geheimnisse ablauscht, der ständige Verführer, das Irdische gering zu achten und sich ganz und gar zu vertiefen in das, was die Erde einmal war.
[ 15 ] So while we look in vain to the Moon when we wish to fathom the mysteries of the universe—and while we must, so to speak, make ourselves confidants of the lunar beings if we wish to learn anything from them about these mysteries—this is not necessary in the case of Saturn. With Saturn, all that is needed is an openness to the spiritual: then Saturn transforms before the spiritual eye, before the eye of the soul, into a living chronicler of the planetary system. Nor does he hold back at all with these narratives he has to offer about everything that has taken place within the planetary system. In this respect, he is the complete opposite of the Moon’s formation; he speaks ceaselessly. And he speaks of the solar system’s past with inner warmth and inner fervor, so that it is actually dangerous to become more intimately acquainted with what he speaks of in the cosmos, because he speaks of the past events of the cosmos with such devotion that one comes to love this past of the cosmos immensely. For those who listen in on its secrets, it is, so to speak, a constant seducer, urging them to regard earthly matters as insignificant and to immerse themselves completely in what the Earth once was.
[ 16 ] Namentlich spricht er deutlich über alles das, was die Erde war, bevor sie Erde geworden ist. So daß er derjenige Planet in unserem Planetensystem ist, der einem die Vergangenheit unendlich teuer macht. Und jene Menschen, die nun eine irdische Hinneigung zum Saturn haben, das sind solche, die immer gern in die Vergangenheit blicken, die nicht gerne den Fortschritt haben, die das Vergangene immer wieder zurückführen möchten. Auf diese Art nähert man sich der Individualität des Saturn.
[ 16 ] Specifically, it speaks clearly about everything that the Earth was before it became the Earth. Thus, it is the planet in our solar system that makes the past infinitely precious to us. And those people who now have an earthly affinity for Saturn are those who always like to look back to the past, who do not welcome progress, and who would like to return to the past again and again. In this way, one approaches the individuality of Saturn.
[ 17 ] Wieder von anderer Art ist zum Beispiel ein solcher Planet wie der Jupiter [gelb, Zeichnung S. 25]. Der Jupiter ist der Denker unseres Planetensystems, und das Denken ist vorzüglich dasjenige Element, was alle Wesenheiten pflegen, die sozusagen in seinem Weltterrain vereinigt sind. Schöpferische und empfangene Gedanken des Universums strahlen uns vom Jupiter zu. Der Jupiter enthält in Gedankenform alle die Bildungskräfte für die verschiedenen Wesen des Universums. Während der Saturn das Vergangene erzählt, zeigt der Jupiter, doch in lebendiger Darstellung, in lebendiger Auffassung, das ihm Entsprechende im Gegenwärtigen des Universums. Aber es ist notwendig, daß man in einer sinnigen Weise eingreift in dasjenige, was er dem Geistesauge darbietet. Wenn man nicht selbst Denken entfaltet, dann kommt man auch zum Beispiel — gebrauchen wir das Wort — als Hellseher an die Geheimnisse des Jupiter nicht heran, denn die Geheimnisse des Jupiter sind so, daß sie nur in Gedankenform sich enthüllen, und nur wenn man selbst denkt, kommt man an die Geheimnisse des Jupiter heran, denn er ist der Denker des Universums.
[ 17 ] A planet such as Jupiter [yellow, illustration on p. 25], for example, is of a different kind. Jupiter is the thinker of our planetary system, and thinking is preeminently the element cultivated by all beings who are, so to speak, united within its sphere of influence. Creative and received thoughts of the universe radiate toward us from Jupiter. Jupiter contains, in thought form, all the formative forces for the various beings of the universe. While Saturn recounts the past, Jupiter reveals—but in a living representation, in a living conception—what corresponds to it in the present reality of the universe. But it is necessary to engage meaningfully with what it presents to the spiritual eye. If one does not develop one’s own thinking, then one cannot—for example, let us use the term—approach the mysteries of Jupiter even as a clairvoyant, for the mysteries of Jupiter are such that they reveal themselves only in thought form, and only by thinking for oneself can one approach the mysteries of Jupiter, for he is the Thinker of the universe.
[ 18 ] Wenn man versucht, irgendeine bedeutsame Rätselfrage des Daseins in klarem Denken zu erfassen, und man kommt wegen der menschlich-physischen und ätherischen Hemmnisse, wegen der astralischen Hemmnisse namentlich, nicht zurecht, dann treten die Wesen des Jupiter ein, und sie helfen einem. Die Wesen des Jupiter sind gerade die Helfer des Menschlichen für die menschliche Weisheitsentfaltung. Und derjenige, der sich so recht angestrengt hat, um in klarem Denken zu entwickeln irgendwelche Rätselfrage des Daseins und nicht auf ihren Grund kommen kann, der findet, wenn er Geduld hat und diese Rätselfrage weiter im Gemüte bearbeitet, daß ihm die Jupitermächte sogar während der Nacht helfen. Und mancher, der ein 'Tagesrätsel dann wie aus einem Traume heraus in der Nacht besser gelöst hat als am vorigen Tage, müßte sich, wenn er die Wahrheit durchschauen würde, eigentlich gestehen: Es sind die Jupitermächte, die das menschliche Denken, wenn ich mich so ausdrükken darf, in Schwung und Bewegung und Verve bringen. Wenn also der Saturn der Gedächtnisbewahrer des Universums ist, so ist Jupiter der Denker des Universums. Dem Jupiter verdankt der Mensch alles das, was er von der geistigen Gegenwart des Universums hat. Dem Saturn verdankt der Mensch alles das, was er von der geistig-seelischen Vergangenheit des Universums hat.
[ 18 ] When one attempts to grasp any significant mystery of existence through clear thinking, and one is unable to do so because of human-physical and etheric obstacles—and astral obstacles in particular—then the beings of Jupiter step in and help one. The beings of Jupiter are precisely the helpers of humanity in the development of human wisdom. And the person who has truly striven to unravel some mystery of existence through clear thinking but cannot get to the bottom of it will find—if they have patience and continue to work through this mystery in their mind—that the powers of Jupiter even help them during the night. And many a person who has solved a “daytime riddle” better at night—as if emerging from a dream—than they had the previous day would, if they could see the truth, actually have to admit to themselves: It is the powers of Jupiter that, if I may put it this way, set human thinking in motion, give it momentum, and infuse it with verve. So if Saturn is the keeper of the universe’s memory, then Jupiter is the thinker of the universe. To Jupiter, humanity owes everything it derives from the spiritual present of the universe. To Saturn, humanity owes everything it derives from the spiritual and soulful past of the universe.
[ 19 ] Es war aus einer gewissen Intuition heraus, daß gerade in Griechenland, wo man mit dem Geist so in der Gegenwart lebte, der Jupiter besonders verehrt wurde.
[ 19 ] It was based on a certain intuition that Jupiter was particularly revered in Greece, where people lived so closely in the present.
[ 20 ] Auch in demjenigen, was der Jupiter dem Jahreslauf verleiht, liegt für den Menschen in seiner ganzen Heranentwickelung die Anregung. Sie wissen ja, der Saturn geht, wenn wir seine scheinbare Bewegung genau ins Auge fassen, langsam, langsam herum: fast dreiRig Jahre braucht er. Jupiter geht schneller herum: zwölf Jahre etwa braucht er. Er gibt durch das, was er in seiner schnelleren Bewegung ist, dem menschlichen Bedürfnisse nach der Weisheit gerade die Genugtuung. Und wenn nach derjenigen Uhr, die gewissermaßen ausdrückt des Menschen Schicksal im Weltenall, eine besondere Beziehung besteht zwischen Jupiter und Saturn, dann kommen in dieses Menschenschicksal hinein jene wunderbaren leuchtenden Augenblicke, in denen mit dem Denken der Gegenwart vieles enthüllt wird über die Vergangenheit.
[ 20 ] The influence that Jupiter exerts on the course of the year also provides inspiration for human beings throughout their entire development. As you know, if we closely observe Saturn’s apparent motion, it moves very, very slowly: it takes nearly thirty years. Jupiter moves faster: it takes about twelve years. Through the nature of its faster movement, Jupiter provides precisely the fulfillment of humanity’s need for wisdom. And when, according to that clock that in a sense expresses human destiny in the cosmos, there is a special relationship between Jupiter and Saturn, then those wonderful, luminous moments enter into this human destiny—moments in which, through present-day thinking, much is revealed about the past.
[ 21 ] Und suchen wir in der Weltgeschichte der Menschheit nach den Augenblicken, wo die Renaissance-Epochen eingetreten sind, wo ein Wiederheraufkommen alter Impulse eingetreten ist, wie etwa in der letzten Renaissancezeit, dann ist dieses Wiedererneuern alter Impulse durchaus zusammenhängend mit einer gewissen Konstellation zwischen Jupiter und Saturn.
[ 21 ] And if we look at the history of humankind to identify the moments when Renaissance periods began—when there was a resurgence of ancient impulses, as was the case during the last Renaissance—we find that this renewal of ancient impulses is closely linked to a certain alignment between Jupiter and Saturn.
[ 22 ] Aber, wie gesagt, in einem gewissen Sinne verschlossen ist schon der Jupiter, und seine Offenbarungen bleiben im Unbewußten, wenn der Mensch nicht durch ein aktives, in sich kräftiges, klares lichtvolles Denken ihnen entgegenkommt. Daher war in alten Zeiten, in denen das aktive Denken wenig entwickelt war, die Art, wie die Menschheit vorrückte, eigentlich immer davon abhängig, wie Jupiter zu Saturn stand. In Zeiten, in denen eine gewisse Konstellation zwischen Jupiter und Saturn war, offenbarte sich insbesondere den alten Menschen vieles. Der neuere Mensch ist mehr angewiesen darauf, die Dinge getrennt in ihrer Entwickelung zu nehmen, das heißt, das Saturngedächtnis und die Jupiterweisheit getrennt zu empfangen in seiner seelisch-geistigen Entwickelung.
[ 22 ] But, as I said, in a certain sense Jupiter is already closed off, and its revelations remain in the unconscious unless the human being meets them with active, powerful, clear, and luminous thinking. That is why in ancient times, when active thinking was not very developed, the way humanity progressed was actually always dependent on the position of Jupiter relative to Saturn. In times when a certain constellation existed between Jupiter and Saturn, many things were revealed, especially to the people of antiquity. Modern humanity is more inclined to consider these aspects separately in its development—that is, to receive Saturn’s memory and Jupiter’s wisdom separately in its soul-spiritual evolution.
[ 23 ] Gehen wir dann zum Mars über [orange, Zeichnung S. 25], so haben wir in dem Mars den Planeten, den man eigentlich — nicht wahr, eine Terminologie muß man ja haben — den vielsprechenden Planeten in unserem Planetensystem nennen kann. Er ist derjenige, der nicht, wie der Jupiter, mit seiner Weisheit in der Gedankenform zurückhält, sondern der eigentlich alles, was ihm zugänglich ist im Universum — und ihm sind ja nicht alle Dinge des Universums zugänglich, ich meine, den Seelen, die ihn bewohnen —, immer ausplaudert. Er ist der geschwätzigste Planet in unserem Planetensystem, er erzählt immer. Und er ist zum Beispiel ganz besonders wirksam, wenn Leute aus dem Schlaf, aus dem Traum heraus reden. Denn er ist auch im Grunde genommen derjenige Planet, der eine ungeheure Sehnsucht hat, immer zu reden, so daß er, wenn ihm irgend etwas von der menschlichen Natur zugänglich ist, wodurch er sie redselig machen kann, die Geschwätzigkeit anregt. Er ist der Planet, der wenig denkt, wenig Denker, aber viele Redner hat. Seine Geister stehen immer auf der Wacht, was sich da und dort in dem Universum darbietet, und dann reden sie davon mit einer großen Hingabe und mit einer großen Verve. Er ist derjenige, der in der mannigfaltigsten Weise im Verlaufe der Menschheitsentwickelung die Menschen anregt, Aussagen zu machen über die Weltengeheimnisse. Er hat seine guten und minder guten Seiten. Er hat seinen Genius und seinen Dämon. Der Genius wirkt so, daß die Menschen aus dem Universum heraus überhaupt die Impulse bekommen zur Sprache. Sein Dämon wirkt so, daß die Sprache in der verschiedensten Weise mißbraucht wird. Er ist — in einem gewissen Sinne kann man das sagen — der Agitator des Weltenalls zu nennen. Er will überreden, während der Jupiter nur überzeugen will.
[ 23 ] If we then turn to Mars [orange, drawing on p. 25], we find in Mars the planet that one might actually—don’t you think? We do need some terminology, after all—call the most promising planet in our solar system. It is the one that, unlike Jupiter, does not hold back its wisdom in the form of thought, but rather always blurts out everything in the universe that is accessible to it—and not all things in the universe are accessible to it, I mean, to the souls that inhabit it. It is the most talkative planet in our solar system; it is always talking. And he is, for example, particularly influential when people speak from sleep or from a dream. For he is, in essence, the planet that has an immense longing to speak constantly, so that whenever anything in human nature is accessible to him that allows him to make people talkative, he stimulates that talkativeness. He is the planet that thinks little, has few thinkers, but many talkers. Its spirits are always on the lookout for whatever presents itself here and there in the universe, and then they speak of it with great devotion and great verve. It is the one that, in the most diverse ways throughout the course of human development, inspires people to make statements about the mysteries of the world. It has its good and less good sides. He has his genius and his demon. The genius works in such a way that people receive the very impulses for speech from the universe. His demon works in such a way that language is misused in the most diverse ways. He is—in a certain sense, one might say—the agitator of the universe. He seeks to persuade, whereas Jupiter seeks only to convince.
[ 24 ] Noch wieder eine andere Stellung nimmt zum Beispiel die Venus ein [violett, Zeichnung S. 25]. Die Venus ist in einer gewissen Beziehung — ja, wie soll ich mich ausdrücken? — abweisend gegen das ganze Universum. Sie ist spröde gegen das Universum, sie will nichts wissen vom Universum. Sie betrachtet das Universum so, daß, wenn sie sich ihm aussetzen würde, sie dadurch, gerade durch das äußere Universum, ich möchte sagen, ihre Jungfräulichkeit verlieren würde. Sie ist furchtbar schockiert, wenn irgendein Eindruck aus dem äußeren Universum an sie herankommen will. Sie mag nicht das Universum, weist jeden Tänzer aus dem äußeren Universum ab. Das ist schwierig auszudrücken, weil natürlich die Verhältnisse in der Erdensprache ausgedrückt werden müssen, aber es ist eben so. Dagegen ist sie ungeheuer empfänglich für alles das, was gerade von der Erde kommt. Die Erde ist wirklich der Liebhaber der Venus in einem gewissen Sinne. Während der Mond ringsherum das ganze Universum spiegelt, spiegelt die Venus nichts von dem Universum, sie will nichts wissen von dem Universum, aber sie spiegelt liebevoll alles zurück, was von der Erde kommt. Man hat die ganze Erde mit allen ihren seelischen Geheimnissen noch einmal, wenn man mit dem Seelenauge die Geheimnisse der Venus belauscht.
[ 24 ] Venus, for example, occupies yet another position [violet, drawing on p. 25]. Venus is, in a certain sense—well, how should I put it?—rejecting toward the entire universe. She is aloof toward the universe; she wants nothing to do with it. She views the universe in such a way that, if she were to expose herself to it, she would—precisely through the external universe, I might say—lose her virginity. She is terribly shocked whenever any impression from the outer universe tries to reach her. She does not like the universe; she rejects every suitor from the outer universe. This is difficult to express, because, of course, the relationships must be described in earthly terms, but that is precisely how it is. In contrast, she is immensely receptive to everything that comes specifically from the Earth. In a certain sense, the Earth is truly Venus’s lover. While the Moon reflects the entire universe all around it, Venus reflects nothing of the universe—she wants nothing to do with the universe—but she lovingly reflects back everything that comes from the Earth. One experiences the entire Earth, with all its spiritual mysteries, all over again when one listens to the mysteries of Venus with the eye of the soul.
[ 25 ] Es ist schon so, daß die Menschen auf Erden im Grunde nichts Rechtes im Geheimen ihrer Seele tun können, ohne daß es für denjenigen, welcher der Sache nachgeht, von der Venus herabgespiegelt wird. Sie schaut den Leuten allen tief ins Herz hinein, denn das interessiert sie, das läßt sie an sich herankommen. Also man hat alles, was im Intimsten auf der Erde lebt, auf der Venus noch einmal, und in einer Widerspiegelung, die merkwürdig ist. Sie verwandelt eigentlich in der Widerspiegelung alles so, wie der menschliche Traum die äußeren Ereignisse des physischen Lebens verwandelt. Sie nimmt die irdischen Ereignisse und verwandelt sie in Traumbilder. So daß eigentlich der ganze Gang, den die Venus um die Erde herum macht, diese ganze Sphäre der Venus, eigentlich eine Träumerei ist. Und in den mannigfaltigsten Traumgebilden leben die traumhaft verwandelten irdischen Menschengeheimnisse. Die Venus hat sogar sehr viel mit den Dichtern zu tun. Nur wissen das die Dichter natürlich nicht, aber sie hat sehr viel mit den Dichtern zu tun.
[ 25 ] It is indeed true that people on Earth cannot, in essence, do anything truly right in the depths of their souls without it being reflected down from Venus to those who investigate the matter. She looks deep into the hearts of all people, for that is what interests her; that is what allows her to draw near to them. So everything that lives in the most intimate depths of life on Earth is present once more on Venus, in a reflection that is remarkable. In this reflection, she actually transforms everything in the same way that human dreams transform the external events of physical life. She takes earthly events and transforms them into dream images. So that, in fact, the entire orbit of Venus around the Earth—this entire sphere of Venus—is actually a reverie. And within the most manifold dream-like formations live the dreamlike transformations of earthly human mysteries. Venus even has a great deal to do with poets. Only, of course, the poets themselves do not know this, but it has a great deal to do with them.
[ 26 ] Nun ist es aber sehr merkwürdig: ich sagte, sie ist abweisend gegen das ganze übrige Universum; das ist sie durchaus. Aber sie ist nicht in der gleichen Art abweisend gegen alles, was aus dem Universum kommt. Also ich möchte sagen, mit dem Gemüte wird von der Venus alles abgewiesen, was von dem Universum kommt, und nur dasjenige nicht abgewiesen, was von der Erde kommt. Jeden Tänzer, sagte ich, weist sie zurück, aber sie lauscht mit aller Aufmerksamkeit auf das, was der Mars redet. Sie verwandelt, sie durchleuchtet ihre traumhaft-irdischen Erlebnisse mit dem, was sie aus dem Universum durch den Mars übermittelt erhält.
[ 26 ] But now this is very strange: I said that she is dismissive of the rest of the universe; she certainly is. But she is not equally dismissive of everything that comes from the universe. So I would say that, in her heart, Venus rejects everything that comes from the universe, and only accepts what comes from Earth. “She rejects every dancer,” I said, “but she listens with rapt attention to what Mars has to say. She transforms and examines her dreamlike, earthly experiences in light of what she receives from the universe via Mars.”
[ 27 ] Alle solchen Dinge haben nun auch eine physische Seite. Von diesen Dingen gehen ja die Impulse aus für dasjenige, was in der Welt geschaffen wird, was in der Welt entsteht. Und aus dem, was sich da abspielt — allerdings, die Sonne ist dazwischen, die macht da Ordnung —, indem die Venus alles, was von der Erde kommt, aufnimmt und dann den Mars immer belauscht — sie will nicht, daß er es weiß, aber sie will ihn belauschen —, nun, aus dem bilden sich diejenigen Kräfte, die gerade zugrunde liegen den Organen der menschlichen Sprachbildung.
[ 27 ] All such things also have a physical aspect. It is from these things that the impulses emanate for what is created in the world, for what comes into being in the world. And from what takes place there—admittedly, the Sun is in between, bringing order to it—as Venus absorbs everything that comes from the Earth and then constantly eavesdrops on Mars—she doesn’t want him to know it, but she wants to eavesdrop on him—well, from this arise the very forces that underlie the organs of human speech formation.
[ 28 ] Will man im Kosmos die Impulse für die menschliche Sprachbildung kennenlernen, dann muß man auf dieses merkwürdige Weben und Leben, das sich da abspielt zwischen Venus und Mars, hinschauen. So daß es, wenn das Schicksal gerade so spielt, eine große Bedeutung hat für die Entwickelung der Sprache irgendeines Volkes, wie Venus zu Mars steht: Eine Sprache wird innerlich vertieft, seelenvoll, wenn die Venus zum Beispiel in der Quadratur steht zum Mars. Dagegen wird eine Sprache seelenlos, schellend, wenn die Venus und der Mars in Konjunktion stehen und dies dann auf das betreffende Volk Einfluß hat. [Siehe «Nachweis der Korrekturen», S. 188.]
[ 28 ] If one wishes to understand the cosmic forces that shape human language, one must look to this remarkable interplay and vitality unfolding between Venus and Mars. Thus, when fate so dictates, the position of Venus relative to Mars holds great significance for the development of any people’s language: a language becomes inwardly profound and soulful when, for example, Venus is in square aspect to Mars. Conversely, a language becomes soulless and clanging when Venus and Mars are in conjunction, and this then influences the people in question. [See “List of Corrections,” p. 188.]
[ 29 ] So stellen sich diese Dinge dar, die sich als Impulse im Weltenall bilden und dann hereinwirken in das Irdische.
[ 29 ] This is how these things come about: they take shape as impulses in the universe and then exert their influence on the earthly realm.
[ 30 ] Dann haben wir Merkur [blau, Zeichnung S. 25). Merkur ist derjenige Planet, welcher, im Gegensatze zu den anderen, eigentlich sich interessiert für das, was nicht sinnlicher, aber von solcher Natur ist, daß man es kombinieren kann. In ihm sind die Meister des kombinierenden Denkens, in Jupiter die Meister des weisheitsvollen Denkens. Und es ist so, daß wenn der Mensch aus dem vorirdischen Leben in das Dasein der Erde tritt, der Mondenimpuls dann derjenige ist, welcher die Kräfte liefert für sein physisches Dasein. Die Venus, die liefert die Kräfte für alles das, was Gemüts- und Temperamentsanlagen sind. Merkur aber liefert die Kräfte für alles das, was im Menschen Verstandes- und Vernunftanlagen sind, namentlich Verstandesanlagen. Es sind eben im Merkur verankert die Meister der kombinierenden Erkenntniskräfte.
[ 30 ] Then we have Mercury [blue, illustration on p. 25]. Mercury is the planet which, unlike the others, is actually interested in that which is not sensory but is of such a nature that it can be combined. Mercury is home to the masters of combinatory thinking, while Jupiter is home to the masters of wise thinking. And it is the case that when a human being passes from pre-earthly life into earthly existence, the lunar impulse is the one that provides the forces for their physical existence. Venus supplies the forces for all that pertains to emotional and temperamental dispositions. Mercury, however, supplies the forces for all that pertains to a person’s intellectual and rational faculties, namely the faculties of the intellect. It is precisely in Mercury that the masters of the combinatory powers of cognition are anchored.
[ 31 ] Und wiederum besteht in bezug auf den Menschen ein merkwürdiges Verhältnis zwischen diesen Planeten. Der Mond, der die herben, sich ganz in sich selbst zurückziehenden Geister enthält, der nur dasjenige, was aus dem Universum ihm zugestrahlt wird, wiederum zurückstrahlt, der baut eigentlich das Äußere, den Körper des Menschen auf. Der vereinigt in diesem Aufbauen des Körperlichen also die Vererbungskräfte. In ihm sitzen eben jene geistigen Wesenheiten, die in voller Abgeschlossenheit, ich möchte sagen, kosmisch sinnen über dasjenige, was von Generation zu Generation auf dem Umwege durch das Physische sich forterbt.
[ 31 ] And once again, with regard to human beings, there is a remarkable relationship between these planets. The Moon, which contains the austere spirits who withdraw entirely into themselves—who merely reflect back what is radiated to them from the universe—actually builds up the outer form, the human body. Thus, in this building up of the physical body, the human being unites the forces of heredity. Within him reside precisely those spiritual beings who, in complete seclusion—I might say, cosmically—contemplate that which is passed down from generation to generation via the physical realm.
[ 32 ] Daher wissen ja die Menschen der gegenwärtigen Wissenschaft, weil sich die Mondenwesen so verschanzt halten in ihrer Festung, über die Vererbung gar nichts. Im Grunde genommen erscheint es einem tieferen Blick so, daß in der Gegenwart, wenn irgendwo in einem wissenschaftlichen Zusammenhang von Vererbung gesprochen wird, man eigentlich, wenn man eine kosmische Sprache redete, sagen könnte: Der ist mondverlassen; dagegen ist er marsbehext, denn er redet unter dem Einflusse der dämonischen Marskräfte von der Vererbung, aber er steht ganz fern den eigentlichen Vererbungsgeheimnissen.
[ 32 ] That is why people in modern science know absolutely nothing about heredity, since the lunar beings have entrenched themselves so firmly in their stronghold. Strictly speaking, a deeper look reveals that nowadays, whenever heredity is discussed in a scientific context, one could actually say—if speaking in cosmic terms—that the person is “moon-forsaken”; on the other hand, he is “Mars-bewitched,” for he speaks of heredity under the influence of the demonic forces of Mars, yet he stands far removed from the true mysteries of heredity.
[ 33 ] Venus und Merkur tragen mehr das Seelisch-Geistige des Karmischen in den Menschen hinein und bringen es in seiner Gemütsanlage, in seinem Temperament zum Vorschein. Dagegen haben Mars und namentlich Jupiter und Saturn, wenn der Mensch in einem richtigen Verhältnis zu ihnen steht, etwas Befreiendes. Sie reißen ihn los von allem Schicksalsbestimmten und machen ihn gerade zu einem freien Wesen.
[ 33 ] Venus and Mercury instill the soul-spiritual aspect of karma more deeply within human beings and bring it to the fore in their disposition and temperament. In contrast, Mars and, in particular, Jupiter and Saturn—when a person has a proper relationship with them—have a liberating effect. They tear the person away from everything predetermined by fate and transform them into a truly free being.




[ 34 ] Man könnte in einer etwas verwandelten Form ein biblisches Wort gebrauchen. Saturn, welcher der treue Gedächtnisbewahrer des Universums ist, sagte eines Tages: Lasset uns den Menschen in seinem eigenen Gedächtnisse frei machen. — Und da wurde der Einfluß des Saturn ins Unbewußte hinuntergedrängt, der Mensch bekam sein eigenes Gedächtnis und mit ihm die Unterlage, das Unterpfand seiner persönlichen Freiheit.
[ 34 ] One could use a biblical phrase in a slightly modified form. Saturn, who is the faithful keeper of the universe’s memory, said one day: “Let us set humanity free within its own memory.” — And so Saturn’s influence was pushed down into the unconscious; humankind gained its own memory and, with it, the foundation, the pledge of its personal freedom.
[ 35 ] Ebenso ist der innere Willensimpuls, der im freien Denken liegt, der Gnade des Jupiter zu verdanken. Jupiter könnte eigentlich alle Gedanken der Menschen beherrschen. Er ist derjenige, bei dem man die gegenwärtigen Gedanken des ganzen Universums findet, wenn man sie sich zugänglich macht. Aber er hat sich ebenfalls zurückgezogen, er läßt die Menschen denken als freie Wesen.
[ 35 ] Likewise, the inner impulse of will that lies at the heart of free thought is due to the grace of Jupiter. Jupiter could, in fact, control all human thoughts. He is the one in whom one finds the present thoughts of the entire universe, if one makes them accessible to oneself. But he, too, has withdrawn; he allows human beings to think as free beings.
[ 36 ] Und das freie Element, das in der Sprache ist, liegt darinnen, daß sogar Mars gnadenvoll geworden ist. Weil er sich sozusagen fügen mußte dem Ratschlusse der anderen sonnenfernen Planeten, nicht dem Menschen die Dinge weiter aufdrängen durfte, so ist der Mensch auch in der Sprache in einer gewissen Weise frei, nicht ganz frei, aber er ist in einer gewissen Weise frei.
[ 36 ] And the element of freedom inherent in language lies in the fact that even Mars has become merciful. Because he had to, so to speak, submit to the decision of the other planets far from the sun—and was no longer allowed to impose things on humans—humans are also free in language in a certain way; not entirely free, but free in a certain way.
[ 37 ] So daß von einer anderen Seite her Mars, Jupiter und Saturn die menschenbefreienden Planeten genannt werden können, dagegen Venus, Merkur und Mond die schicksalbestimmenden Planeten genannt werden müssen [Zeichnung S. 25).
[ 37 ] Thus, from another perspective, Mars, Jupiter, and Saturn can be called the planets that liberate humanity, whereas Venus, Mercury, and the Moon must be called the planets that determine destiny [illustration on p. 25).
[ 38 ] Zwischen diese Taten und Impulse der planetarischen Individualitäten stellt sich dann die Sonne hinein, gewissermaßen Harmonie schaffend zwischen dem Menschenbefreienden und dem Schicksalbestimmenden. So daß man in der Sonne diejenige Individualität hat, wo in einer wunderbaren Weise zusammenwirkt das schicksalbestimmend Notwendige, das Menschenbefreiende. Und derjenige allein versteht das, was eigentlich in dem lohenden, lodernden Sonnenlicht enthalten ist, der dieses Ineinanderweben und -leben von Schicksal und Freiheit, in dem sich in die Welt verbreitenden und wiederum in der Sonne sich warm zusammenhaltenden Lichte schaut.
[ 38 ] The Sun then interposes itself between these actions and impulses of the planetary individualities, creating, as it were, harmony between that which liberates humanity and that which determines destiny. Thus, in the Sun we find the individuality in which the necessity that determines destiny and that which liberates humanity interact in a wondrous way. And only those who gaze upon this interweaving and coexistence of fate and freedom—in the light that spreads throughout the world and yet remains warmly united within the Sun—can truly understand what is actually contained in the radiant, blazing sunlight.
[ 39 ] Auch mit der Sonne selbst kommen wir nicht zurecht, wenn wir sie bloß in dem anschauen, was die Physiker von ihr wissen. Wir kommen mit der Sonne nur zurecht, wenn wir sie in dem anschauen, was sie geistig-seelisch ist. Da ist sie dasjenige, was in der Wärme erglühen macht die Schicksalsnotwendigkeit und in der Flamme das Schicksal in Freiheit löst, und wiederum die Freiheit, wenn sie mißbraucht wird, zusammenballt zu dem wirksamen Substantiellen der Sonne. Die Sonne ist gewissermaßen die Flamme, in der die Freiheit phosphorisch im Weltenall erscheint, und sie ist zu gleicher Zeit die Substanz, in der, wie in sich zusammenballender Asche, die mißbrauchte Freiheit als Schicksal sich zusammenbackt, um weiter wirken zu können, bis dieses Schicksal wiederum seinerseits phosphorisch in die Flamme der Freiheit übergehen kann.
[ 39 ] We cannot even come to terms with the sun itself if we view it solely in terms of what physicists know about it. We can only come to terms with the sun if we view it in terms of what it is spiritually and soulfully. There it is that which, in warmth, causes the necessity of fate to glow, and in the flame, resolves fate into freedom; and, in turn, when freedom is abused, condenses it into the active, substantial essence of the sun. The sun is, in a sense, the flame in which freedom appears phosphorescently throughout the universe, and at the same time it is the substance in which—like ash clumping together—abused freedom coagulates as destiny in order to continue to act, until this destiny, in turn, can pass phosphorescently into the flame of freedom.
