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The Development of Human Consciousness
GA 228

28 July 1923, Dornach

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The Development of Human Consciousness, tr. SOL
  1. Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Die geistigen Individualitäten unseres Planetensystems II: Schicksalbestimmende und menschenbefreiende Planeten

Planetary Spirits that Determine Destiny and Liberate Humanity II

[ 1 ] Gestern gab ich Ihnen eine Charakteristik von dem uns nächsten Sternenhimmel. Wenn Sie an diese Charakteristik zurückdenken, so werden Sie sich vor allen Dingen sagen müssen: Schöpft man eine solche Kennzeichnung des Sternenhimmels aus der geistigen Erkenntnis heraus, so nimmt sich diese ganz verschieden aus von dem, was sonst heute auf diesem Gebiete überhaupt gesagt wird. Ich habe gestern, gerade um dies deutlich hervortreten zu lassen, in der Art gesprochen, wie ich es eben getan habe. Ich mußte in einer Weise sprechen, die jedem, der sich heute irgendwie aus der zeitgenössischen Bildung über diese Gegenstände Kenntnisse erwirbt, absurd, vielleicht lächerlich erscheinen muß. Und dennoch, die Sache ist so, daß eine Art Heilung unseres kranken Geisteslebens sich nur vollziehen kann, wenn dieser totale Umschwung in der Betrachtungsweise — insbesondere solcher Dinge, wie wir sie gestern besprochen haben — Platz greifen kann.

[ 1 ] Yesterday I gave you a description of the starry sky closest to us. If you reflect on this description, you will have to conclude, above all, that when such a characterization of the starry sky is derived from spiritual insight, it appears quite different from what is generally said in this field today. Yesterday, precisely to bring this point clearly to the fore, I spoke in the manner I have just described. I had to speak in a way that must seem absurd, perhaps even ridiculous, to anyone who today acquires knowledge of these subjects through contemporary education. And yet, the fact is that a kind of healing of our ailing spiritual life can only take place if this total shift in perspective—especially regarding matters such as those we discussed yesterday—can take hold.

[ 2 ] Und man möchte sagen: Da, wo heute gedacht wird, aber so gedacht wird, daß das Denken in den alten landläufigen Ideen fortläuft, da sieht man auf der einen Seite, wie überall das Denken hinweist auf diese neue Art von geistiger Erkenntnis. Man sieht aber auch, wie die Menschen nicht in der Lage sind, bis zu einer solchen geistigen Anschauung mitzukommen, und wie sie daher eigentlich überall ratlos bleiben und — was vielleicht im gegenwärtigen Augenblick der Geschichte das schlimmste ist — sich ihrer Ratlosigkeit nicht bewußt sind, ja gar nicht bewußt werden wollen.

[ 2 ] And one might say: Wherever thinking takes place today—but in such a way that it continues to follow the old, conventional ideas—one sees, on the one hand, how thinking everywhere points toward this new kind of spiritual insight. But one also sees how people are unable to keep up with such spiritual insight, and how they therefore remain at a loss everywhere—and, what is perhaps the worst thing at this moment in history, they are not aware of their own helplessness and do not even want to become aware of it.

[ 3 ] Stellen wir uns einmal vor, wie heute dasjenige geschildert wird, was ich gestern von einem ganz andern Gesichtspunkte aus geschildert habe. Ich habe gestern über Mond, Saturn, Jupiter und so weiter gesprochen, und ich habe die Individualitäten, die geistigen Individualitäten, die man mit diesen Worten verbinden kann, vor Sie hingestellt. Ich habe Ihnen gewissermaßen unser Planetensystem gezeigt wie eine Versammlung von geistigen Wesenheiten, die aus verschiedenen Impulsen heraus wirken, aber so, daß diese Impulse auch mit dem Erdengeschehen etwas zu tun haben. Wir sahen im Weltenall lebende Wesen auftreten mit einem bestimmten Charakter. Wir konnten von lebendigen Wesen in Saturn, Mond und so weiter sprechen. Aber die ganze Art des Sprechens unterscheidet sich eben von dem, was heute über solche Dinge gesagt wird. Da wird angenommen — ich wiederhole es noch einmal — ein einstmals bestehender Urnebel, der in drehender, in kreisender Bewegung war und von dem sich abgespalten haben die einzelnen Planeten, die man heute mit völliger Gleichgültigkeit ansieht wie mehr oder weniger leuchtende physische Körper, die im Weltenraum so dahinsausen.

[ 3 ] Let’s imagine for a moment how what I described yesterday from a completely different perspective is being described today. Yesterday I spoke about the Moon, Saturn, Jupiter, and so on, and I presented to you the individualities—the spiritual individualities—that can be associated with these terms. I showed you, so to speak, our planetary system as an assembly of spiritual beings who act out of various impulses, but in such a way that these impulses also have something to do with events on Earth. We saw living beings with specific characteristics appearing in the cosmos. We were able to speak of living beings in Saturn, the Moon, and so on. But the entire way of speaking differs precisely from what is said about such things today. It is assumed—I repeat this once more—that there was once a primordial nebula that was in a rotating, circular motion, from which the individual planets broke away; today these are viewed with complete indifference as more or less luminous physical bodies whizzing through outer space.

[ 4 ] Diese Anschauung, daß die Himmelskörper solche gleichgültige Körper seien, auf die nichts anderes anwendbar ist als Physik, namentlich Mathematik, um ihre Bahnen auszurechnen, um eventuell zu erforschen, ob die Stoffe, die auf der Erde gefunden werden, auch dort sind, dieses gleichgültige Anschauen der Himmelskörper, das ist etwas, was eigentlich erst in den letzten drei bis vier Jahrhunderten in der Menschheit üblich geworden ist. Und es ist üblich geworden auf eine ganz bestimmte Weise. Die Dinge werden heute nur nicht durchschaut. Dadurch, daß man die Möglichkeit verloren hat, in das Geistige hineinzuschauen, oder, wie es im späteren Mittelalter nur noch der Fall war, wenigstens hineinzuahnen, ist es auch möglich geworden, daß man das Geistige vollständig verloren hat. Man hat dann die physischen Begriffe, die sich auf der Erde ergaben, die mathematischen, die rechnerischen Begriffe, als etwas Sicheres angesehen und hat nun auch dasjenige berechnet, was da draußen im Himmelsraume sich offenbart. Man hat eine bestimmte Voraussetzung dabei gemacht — ich muß schon diese theoretischen Erörterungen heute etwas vorausschicken —, man hat kennengelernt, wie man auf der Erde etwas errechnet, wie man auf der Erde physische Wissenschaft macht, und hat nun dieses auf der Erde Errechnete, diese physische Wissenschaft auch auf das ganze Himmelsall ausgedehnt und geglaubt, daß nun die Rechnungsresultate, die auf Erden gelten, auch für den Himmelsraum gelten.

[ 4 ] This view—that the celestial bodies are merely neutral entities to which nothing applies other than physics, specifically mathematics, in order to calculate their orbits and, if necessary, to investigate whether the substances found on Earth are also present there—this impersonal view of the celestial bodies is something that has actually only become common among humankind in the last three to four centuries. And it has become common in a very specific way. Things are simply not understood today. Because we have lost the ability to look into the spiritual realm—or, as was the case only in the late Middle Ages, at least to intuit it—it has also become possible for us to have lost the spiritual realm entirely. People then came to regard the physical concepts that arose on Earth—the mathematical and computational concepts—as something certain, and have now applied these calculations to what reveals itself out there in the heavens. In doing so, they made a certain assumption—I must preface these theoretical discussions somewhat today— people learned how to calculate things on Earth, how to conduct physical science on Earth, and then extended these Earth-based calculations—this physical science—to the entire celestial realm, believing that the results of these calculations, which apply on Earth, would also apply to outer space.

[ 5 ] Auf der Erde sprechen wir von Zeit, von Stoff, von Bewegung, für Physiker könnte man sagen, von der Masse, auch von der Geschwindigkeit und so weiter: alles Begriffe, die auf Erden gewonnen sind. Die hat man seit der Newtonschen Zeit auch ausgedehnt auf den Himmelsraum. Und die ganze Anschauung, die man da hat von dem, was in der Welt vorgeht, die ist Ja nichts anderes als ein Rechnungsresultat, das auf Erden gewonnen ist und dann in den Himmel hinausgeworfen ist. Die ganze Kant-Laplacesche Theorie ist ja in dem Augenblicke ein Unding, in dem man sich bewußt wird, daß sie nur unter der Voraussetzung gilt, daß da draußen im Weltenraum dieselben Rechnungsgesetze gelten wie auf Erden, daß die Begriffe von Raum, Zeit und so weiter da draußen ebenso anwendbar seien wie auf Erden.

[ 5 ] Here on Earth, we speak of time, matter, and motion; for physicists, one might say, of mass, as well as velocity, and so on: all concepts derived from Earth. Since Newton’s time, these have also been extended to outer space. And the entire conception we have there of what is happening in the world is, in fact, nothing other than a mathematical result derived on Earth and then projected out into the heavens. The entire Kant-Laplace theory becomes an absurdity the moment one realizes that it holds only on the assumption that the same laws of calculation apply out there in outer space as on Earth, that the concepts of space, time, and so on are just as applicable out there as they are on Earth.

[ 6 ] Nun liegt aber doch eine merkwürdige Tatsache vor, eine Tatsache, die heute den Menschen viel Kopfzerbrechen macht. Wir leben ja in einer sehr merkwürdigen Zeit, die sich durch mannigfaltige Symptome ankündet. In allen populären Versammlungen, die von Monisten und anderen Bündlern gehalten werden, wird den Leuten wie eine Gewißheit hingestellt, daß da draußen durch die bekannten Vorgänge die Sterne erglänzen. Es wird die ganze schöne Lehre von den Spiralnebeln und so weiter, die sich für das äußere Auge darbieten, einem gläubigen Publikum von popularisierenden Rednern und Schriftstellern vorgetragen. Und von diesen Populärrednern und Populärschriftstellern hat nun der heutige Mensch seine Bildung. Aber diese Bildung ist eigentlich im Grunde genommen nur das Resultat von dem, was die Physiker und andere sogenannte gelehrte Leute vor Jahrzehnten gedacht und ersonnen haben. In solchen populären Versammlungen wird wiederum alles aufgewärmt, was vor Jahrzehnten den Fachleuten gegolten hat. Aber die Fachleute werden heute durch etwas ganz anderes aufgerüttelt. Dasjenige, wodurch sie aufgerüttelt werden, das ist zum Beispiel die sogenannte Relativitätstheorie.

[ 6 ] Yet there is a curious fact here—a fact that causes people a great deal of concern today. We do, after all, live in a very strange time, one that is heralded by a multitude of signs. At all the popular gatherings held by monists and other members of various movements, people are presented with the certainty that out there, the stars shine as a result of the well-known processes. The entire beautiful doctrine of spiral nebulae and so on—which present themselves to the external eye—is expounded to a credulous audience by popularizing speakers and writers. And it is from these popular speakers and writers that people today derive their education. But this education is, in essence, merely the result of what physicists and other so-called scholars thought and conceived decades ago. At such popular gatherings, everything that was accepted by experts decades ago is simply rehashed. But today, experts are being shaken up by something entirely different. What is shaking them up is, for example, the so-called theory of relativity.

[ 7 ] Diese Relativitätstheorie, die Einsteinsche Relativitätstheorie, die beschäftigt heute die Denkenden unter den Physikern. Nun kann ja über Einzelheiten dieser Relativitätstheorie so gesprochen werden, wie ich es auch schon da oder dort getan habe; aber es soll uns heute nicht ihre innere Geltung beschäftigen, sondern die Tatsache, daß sie da ist und daß die Physiker davon sprechen. Gewiß, es gibt gegnerische Physiker, aber es gibt sehr viele Physiker, die eben einfach von der Relativitätstheorie sprechen. Was bedeutet denn das aber?

[ 7 ] This theory of relativity—Einstein’s theory of relativity—is what occupies the minds of the most thoughtful physicists today. Now, one can certainly discuss the details of this theory of relativity, as I have done here and there; but today we are not concerned with its intrinsic validity, but rather with the fact that it exists and that physicists speak of it. Certainly, there are physicists who oppose it, but there are also a great many physicists who simply speak of the theory of relativity. But what does that mean?

[ 8 ] Ja, das bedeutet, daß durch diese Relativitätstheorie alle die Begriffe zerstört werden, auf denen die Anschauung von den Bewegungen und von dem Wesen der Himmelskörper im Weltenraume beruht. Das hat nun durch Jahrzehnte gegolten, was heute in den Astronomiebüchern steht, was heute noch in populären Vorträgen und populären Büchern dem Laienpublikum aufgebunden wird; das hat gegolten. Aber die Physiker gehen an die Abtragung, an die Vernichtung der populärsten Begriffe — Zeit, Bewegung, Raum — und erklären: Das ist alles nicht so, wie man es sich da gedacht hat. — Sehen Sie, wenigstens ist es für den Physiker heute schon etwas wie eine Gewissensfrage, daß er zum Beispiel sagt: Ich richte mein Fernrohr nach einem fernen Stern. Aber ich habe ja berechnet, daß, bis hier das Licht von diesem Stern bis zur Erde ankommt, soundso viel Zeit verfließt. Also wenn ich mit meinem Fernrohr hinaussehe, dann hat das Licht, das in mein Fernrohr fällt, soundso viele Lichtjahre gebraucht. Das Licht, das da hereinfällt, das ist also einmal da oben ausgegangen vor soundso vielen Lichtjahren. Da steht ja der Stern gar nicht mehr, der ist gar nicht da. Ich bekomme den Lichtstrahl in mein Fernrohr, aber was in der Verlängerung des Fernrohres ist, ist ja gar nicht der Stern. Und wenn ich einen Stern daneben anschaue, von dem das Licht nun viel weniger Lichtjahre braucht, so kommt es jetzt doch zu gleicher Zeit an. Ich drehe mein Fernrohr: der Stern kommt auf einen Lichtpunkt, der vielleicht vor soundso viel Jahren da war. Jetzt drehe ich wieder mein Fernrohr: da fällt ein Stern in mein Fernrohr, der gar nicht da ist, aber der vor einer ganz anderen Anzahl von Jahren da war. Und so bilde ich mir Ansichten über meinen Sternenhimmel! Da ist alles da von der Zeit, wo es einmal da war, aber eigentlich ist es gar nicht da. Eigentlich ist nichts da: alles ist da drunter- und drübergeworfen.

[ 8 ] Yes, this means that this theory of relativity destroys all the concepts on which our understanding of the motions and nature of celestial bodies in outer space is based. What has been accepted for decades—what is written in astronomy textbooks today, what is still presented to the lay public in popular lectures and books—has been accepted as fact. But physicists are setting out to dismantle and dismantle the most widely accepted concepts—time, motion, space—and declare: None of this is as people had imagined. — You see, for the physicist today, it is already something of a matter of conscience when, for example, he says: I point my telescope at a distant star. But I have calculated that it takes so-and-so much time for the light from that star to reach Earth. So when I look out through my telescope, the light entering my telescope has taken so many light-years to travel. The light entering here, then, was emitted up there so many light-years ago. The star isn’t even there anymore; it isn’t there at all. I receive the beam of light in my telescope, but what lies in the telescope’s line of sight isn’t the star at all. And if I look at a star next to it, from which the light takes far fewer light-years to travel, it still arrives at the same time. I turn my telescope: the star appears as a point of light that was perhaps there so many years ago. Now I turn my telescope again: a star enters my field of view that isn’t there at all, but that was there a completely different number of years ago. And that’s how I form my impressions of the starry sky! Everything is there from the time when it once was, but actually it isn’t there at all. Actually, nothing is there: everything is all jumbled up.

[ 9 ] Das ist gerade so, wie es mit dem Raume auch ist. Wir nehmen irgendwo einen fernen Ton wahr. Wenn wir uns ihm nähern, so erscheint er uns in einer anderen 'Tonhöhe, als wenn wir uns von ihm entfernen. Der Raum wird maßgebend für die Art und Weise dessen, was wir wahrnehmen. Und das macht natürlich den Leuten Kopfzerbrechen. Die ganze Zeit, die in alle Rechnungen hineinspielt, sie ist plötzlich eigentlich etwas ganz Unsicheres geworden, etwas bloß Relatives. Und von alledem, was da in einer so populären Weise in den Weltenraum hinausgezeichnet wird, kann eigentlich der heutige Physiker — und er ist sich dessen bewußt — nur sagen: Da ist irgend etwas einmal da gewesen, ist noch da, wird einmal da sein. Nun ja, da ist irgend etwas. Und dasjenige, was da ist, das bewirkt, daß in einem bestimmten Zeitpunkte seine Lichtäußerungen koinzidieren mit dem Fadenkreuz meines Fernrohrs. — Das ist die einzige Weisheit, die man noch behält, die Koinzidenzien zweier Ereignisse. Also, es koinzidiert dasjenige, was einmal irgendwo, irgendwann geschehen ist, mit dem, was heute in dem Fadenkreuz meines Fernrohres vor sich geht. Nur von solchen Koinzidenzien kann man sprechen — sagt der heutige Physiker —, es ist alles relativ; die Begriffe, aus denen das Weltengebäude theoretisch aufgebaut worden ist, sie sind eigentlich von einem bloß relativen, von gar keinem absoluten Werte. — Daher sprechen die Physiker heute von einer radikalen Umwälzung aller Begriffe der Physik. Und würde man heute aus einer populären Versammlung für Laien unmittelbar in den Vortrag eines Relativitätstheoretikers gehen, dann würde man finden, daß der popularisierende Redner den Menschen etwas tradiert, was sich aufbaut auf den Vorstellungen, von denen die Fachleute sagen: Das ist ja alles geschmolzen wie der Schnee in der Sonne!

[ 9 ] It’s exactly the same with space. We perceive a distant sound somewhere. When we approach it, it seems to us to have a different “pitch” than when we move away from it. Space determines the nature of what we perceive. And that, of course, gives people a headache. All that time that factors into every calculation has suddenly become something quite uncertain, something merely relative. And regarding all that which is depicted in such a popular way out in outer space, today’s physicist—and he is aware of this—can really only say: There was something there once, it is still there, and it will be there someday. Well, yes, there is something there. And whatever is there causes its light emissions to coincide with the crosshairs of my telescope at a specific point in time. — That is the only certainty we still have: the coincidences of two events. So, what once happened somewhere, at some point in time, coincides with what is taking place today in the crosshairs of my telescope. One can speak only of such coincidences—says today’s physicist—everything is relative; the concepts from which the structure of the universe has been theoretically constructed are, in fact, of merely relative value, and of no absolute value at all. — That is why physicists today speak of a radical upheaval of all concepts in physics. And if one were to go directly from a popular gathering for laypeople to a lecture by a relativity theorist today, one would find that the popularizer is passing on to people something based on ideas about which the experts say: “It’s all melted away like snow in the sun!”

[ 10 ] Sehen Sie, wir können nicht nur sagen, daß seit drei bis vier Jahrhunderten sich eine physische Weltanschauung aufgebaut hat aus bestimmten Begriffen heraus, sondern wir müssen sagen, daß es heute schon genug Leute gibt, die aus diesen Begriffen heraus diese Begriffe aufgelöst haben, vernichtet haben. Sie ist ja bei einer großen Anzahl von Denkern gar nicht mehr da, diese Weltanschauung, die man für sicher hält. Also liegt die Sache doch nicht ganz so, daß dasjenige, was von einem ganz neuen Gesichtspunkte aus gesagt wird, so belächelt werden darf. Denn was von dem anderen Gesichtspunkte gesagt wird, das schmilzt ja hinweg in der Gegenwart wie der Schnee in der Sonne. Das ist eigentlich schon gar nicht mehr da für jene, die etwas von der Sache verstehen, oder wenigstens etwas verstehen wollen. So daß man eigentlich vor der Tatsache steht, daß die Menschen sagen: Das, was hier vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus geschildert wird, ist absurd, weil es nicht übereinstimmt mit dem, was wir als das Richtige ansehen. — Aber wenn sie sich nun auf den Relativitätsstandpunkt stellen, dann müssen diese Leute sagen: Das ist absurd, was wir als das Richtige angesehen haben! — So stehen die Dinge heute. Nur schläft eigentlich der größte Teil der Menschheit, und schaut schlafend zu, wie diese Dinge sich abspielen, und läßt sie geschehen. Es ist aber wichtig, daß man weiß: die Weltanschauung, die als solche so große Triumphe gefeiert hat, ist heute eigentlich ganz und gar in Trümmern.

[ 10 ] You see, we cannot simply say that over the past three to four centuries a physical worldview has been built up based on certain concepts; rather, we must say that there are already enough people today who, starting from these very concepts, have dismantled and destroyed them. After all, for a large number of thinkers, this worldview—which is considered certain—no longer exists at all. So the situation is not quite such that what is said from an entirely new point of view can be dismissed with a smile. For what is said from the other point of view is melting away in the present just as snow melts in the sun. In fact, it no longer exists at all for those who understand the matter, or at least want to understand it. So we are actually faced with the fact that people say: What is described here from the standpoint of spiritual science is absurd because it does not agree with what we regard as correct. — But if they now adopt the relativistic standpoint, then these people must say: “What we have regarded as correct is absurd!” — That is how things stand today. Yet the vast majority of humanity is, in fact, asleep, watching these events unfold while asleep, and letting them happen. But it is important to know that the worldview which, as such, has celebrated such great triumphs, is today, in fact, completely in ruins.

[ 11 ] Der "Tatbestand, der vorliegt in der geistigen Welt, der wird eigentlich erst dann in weiteren Kreisen klarwerden, wenn die Menschen sich die Zipfelmütze, unter der sie schlafen, wenigstens einmal etwas lockern. Also, man hat durchaus nicht nur die Möglichkeit zu denken, daß dasjenige, was aus einem solchen Tone heraus redet, wie ich es gestern getan habe, gegenüber der heutigen Wissenschaft absurd ist, denn diese Wissenschaft ist zum Beispiel in ihrer Relativitätstheorie ganz negativ; die sagt eigentlich überall, was zicht ist, und es wird die Menschheit hinsteuern müssen zu einer Erkenntnis desjenigen, was ist.

[ 11 ] "The reality that exists in the spiritual world will actually only become clear to a wider audience when people loosen the pointed cap under which they sleep—at least a little—at least once. So, it is by no means the only option to think that what is expressed in such a tone—as I did yesterday—is absurd in the eyes of modern science, for this science is, for example, entirely negative in its theory of relativity; it actually asserts everywhere what is apparent, and humanity will have to be guided toward a recognition of what truly is.

[ 12 ] Diese Dinge sollen eben geleistet werden durch solche Darstellungen, wie ich sie gestern zu geben versuchte in bezug auf einzelne Sterne unseres Planetensystems. Aber was sehen wir da? Da sehen wir, daß gewissermaßen ganz genau dem Gang der Weltentwickelung gefolgt wird. Was würde Ihnen denn ein altgebackener — nicht neugebackener Physiker, denn die neugebackenen sind eben zumeist Relativitätstheoretiker —, was würde Ihnen ein altgebackener Physiker sagen, wenn er hören würde, daß man etwas so Unerhörtes ausspricht, wie ich gestern getan habe? Wenn er nicht gleich sagen würde, das alles ist verrückt und verdreht, und das würde er ja vielleicht zunächst sagen, so würde er doch behaupten: Das widerspricht den festen Fundamenten der Wissenschaft. — Aber was sind die festen Fundamente der Wissenschaft? Es sind diejenigen Begriffe von Raum, Zeit und so weiter, die man auf Erden gewonnen hat. Jetzt vernichten die Relativitätstheoretiker diese Begriffe für das Weltenall, erklären ihre Nichtgültigkeit.

[ 12 ] These things are to be achieved precisely through the kinds of descriptions I attempted to provide yesterday with regard to individual stars in our solar system. But what do we see here? We see that, in a sense, the course of world development is being followed quite precisely. What would an old-school—not a new-school—physicist—since the new-school ones are mostly relativity theorists—what would an old-school physicist say to you if he heard someone utter something as outrageous as what I said yesterday? If he didn’t immediately say that all of this is crazy and twisted—and he might well say that at first—he would still assert: This contradicts the solid foundations of science. — But what are the solid foundations of science? They are those concepts of space, time, and so on that have been derived here on Earth. Now the relativity theorists are doing away with these concepts as they apply to the universe, declaring them invalid.

[ 13 ] Anthroposophie macht aber die Sache praktisch: sie läßt außer acht die irdischen Begriffe, wenn sie von Mond und Saturn und Jupiter und so weiter redet. Sie redet da gar nicht mehr vom Irdischen, sondern sie versucht — wenn das auch nur mit Schwierigkeiten möglich ist —, Venus und Mars so zu charakterisieren, wie man mit irdischen Begriffen nicht mehr charakterisieren kann. Und so muß man sich eben wiederum herbeilassen, die irdischen Begriffe zu verlieren, wenn man hinaufdringen will in das Weltenall. Ich wollte Ihnen zeigen, wie sich der Kosmos hineinstellt in das gegenwärtige Geistesleben und wie die Dinge im gegenwärtigen Geistesleben stehen. Nur eine Verwandtschaft mit den irdischen Begriffen gibt es, wenn man in den Kosmos hinauskommt. Denken Sie einmal, wenn wir nur bis zum Mond gehen, wie ich ihn gestern charakterisiert habe, bis zu denjenigen Wesenheiten, die im Monde wie in einer Weltenfestung verankert sind und eigentlich hinter der Oberfläche des Mondes leben — wo sie, wenn ich mich so ausdrücken darf, ihr Weltengeschäft treiben —, wenn wir zu diesen Wesenheiten kommen, zu denen man nur mit einem hellseherisch geschärften Blick herankommt, so finden wir also, daß diese Wesenheiten im Verborgenen wirken. Denn was im Innern des Mondes ist, geht ja nicht in die Welt, und alles, was vom Monde kommt, ist zurückgeworfen aus der Welt. Wie der Mond das Sonnenlicht nicht aufnimmt, sondern zurückwirft, so wirft er auch alles andere, was im Universum geschieht, zurück. Alles, was im Universum geschieht, wird durch den Mond wie durch einen Spiegel zurückgeworfen. In seinem Innern geschehen Vorgänge, die verborgen bleiben.

[ 13 ] Anthroposophy, however, takes a practical approach: it disregards earthly concepts when speaking of the Moon, Saturn, Jupiter, and so on. It no longer speaks of earthly matters at all, but rather attempts—even if this is only possible with great difficulty—to characterize Venus and Mars in a way that can no longer be achieved using earthly concepts. And so one must once again be willing to let go of earthly concepts if one wishes to ascend into the cosmos. I wanted to show you how the cosmos fits into present-day spiritual life and what the state of affairs is in present-day spiritual life. There is only a kinship with earthly concepts when one ventures out into the cosmos. Just consider: if we go as far as the Moon—as I described it yesterday—to those beings who are anchored in the Moon as in a cosmic fortress and who actually live beneath the Moon’s surface—where, if I may put it that way, they go about their cosmic business— when we come to these beings, whom one can approach only with a clairvoyantly sharpened gaze, we find that these beings work in secret. For what is within the Moon does not enter the world, and everything that comes from the Moon is reflected back from the world. Just as the Moon does not absorb sunlight but reflects it, so too does it reflect everything else that happens in the universe. Everything that happens in the universe is reflected by the Moon as if by a mirror. Processes take place within it that remain hidden.

[ 14 ] Aber ich habe Ihnen gesagt: Die geistigen Wesenheiten, die in dieser Mondenfestung wie im Universum verschanzt sind und da drinnen ihr Weltengeschäft treiben, die waren einmal auf Erden, bevor der Mond sich von der Erde abgespalten hat. Sie waren die ersten großen Lehrer der menschlichen Seelen auf Erden. Und die große uralte Weisheit, von der gesprochen wird, die ist im Grunde genommen ein Erbgut dieser Mondenwesen, die heute im Verborgenen innerhalb des Mondes leben. Sie selbst haben sich zurückgezogen.

[ 14 ] But I have told you: The spiritual beings who are entrenched in this lunar fortress, just as they are in the universe, and who go about their worldly business there—they were once on Earth, before the Moon broke away from the Earth. They were the first great teachers of human souls on Earth. And the great, ancient wisdom that is spoken of is, in essence, the legacy of these lunar beings who today live in seclusion within the Moon. They themselves have withdrawn.

[ 15 ] Wenn man so über das Weltenall spricht, dann kommen in die Ideen, die man entwickelt, moralische Begriffe hinein. Die physischen Begriffe der Erde vergißt man; es kommen in die Schilderung moralische Begriffe hinein. Wir fragen uns: Warum haben sich diese Mondenwesenheiten zurückgezogen, warum wirken sie im Verborgenen? — Ja, als sie noch auf Erden waren, da suggerierten sie den Menschen allerdings eine ungeheure Weisheit. Wären sie auf Erden geblieben, würden sie immerfort diese Weisheit den Menschen suggeriert haben, die Menschen würden aber niemals in das Zeitalter der Freiheit haben eintreten können.

[ 15 ] When one speaks in this way about the universe, moral concepts find their way into the ideas one develops. One forgets the physical concepts of the Earth; moral concepts enter into the description. We ask ourselves: Why have these lunar beings withdrawn? Why do they work in secret? — Yes, when they were still on Earth, they certainly inspired an immense sense of wisdom in human beings. Had they remained on Earth, they would have continued to inspire this wisdom in human beings, but human beings would never have been able to enter the age of freedom.

[ 16 ] Diese Wesenheiten hatten sozusagen den wunderbaren Ratschluß gefaßt, sich von der Erde zurückzuziehen, sich an einen geschlossenen Ort im Universum zurückzuziehen, um dort, fern von dem menschlichen Dasein, ihr Weltengeschäft zu verrichten, damit die Menschen ferner nicht von ihnen beeinflußt werden, damit die Menschen alle die Impulse des Universums aufnehmen können und freie Wesen werden können. Diese Wesenheiten haben sich einen neuen Wohnplatz im Universum ausgesucht, um den Menschen allmählich die Freiheit möglich zu machen.

[ 16 ] These beings had, so to speak, made the wondrous decision to withdraw from Earth, to retreat to a secluded place in the universe, so that there, far from human existence, they could carry out their cosmic work, so that humans would no longer be influenced by them, and so that all humans could absorb the impulses of the universe and become free beings. These beings have chosen a new dwelling place in the universe in order to gradually make freedom possible for human beings.

[ 17 ] Ja, das redet anders, als vom Physiker geredet wird, der, wenn er hörte, der Mond habe sich von der Erde abgespalten, einfach ausrechnen würde, mit welcher Geschwindigkeit das geschehen ist, durch welche Kräfte das geschehen ist und dabei immer nur die irdischen Kräfte, die irdischen Geschwindigkeiten im Auge hätte. Die werden ganz außer acht gelassen, wenn wir so, wie ich es gestern getan habe, von dem Mond sprechen. Aber wenn man das Physische wegläßt, so bleiben solche Ratschlüsse, solche große kosmisch-moralische Impulse. Man kommt, und das ist das Bedeutsame an der Sache, von dem physischen Herumgerede, das für die physischen Erdenverhältnisse gilt, eben zu einem Reden in moralischen Ideen über das Weltenall.

[ 17 ] Yes, this is a different way of speaking than that of a physicist, who, upon hearing that the Moon had broken away from the Earth, would simply calculate the speed at which this occurred and the forces involved—while keeping only earthly forces and earthly speeds in mind. These are completely disregarded when we speak of the Moon, as I did yesterday. But when one leaves the physical aspects aside, what remains are such conclusions, such great cosmic-moral impulses. One arrives—and this is the significant aspect of the matter—from the physical chatter that applies to physical conditions on Earth to a discourse in moral ideas about the universe.

[ 18 ] Das ist das Wesentliche, daß man nicht bloß Theorien aufstellt, die geglaubt werden sollen, sondern daß es eine moralische Weltenordnung gibt. Das hat die menschliche Seele in den letzten drei bis vier Jahrhunderten ganz verwirrt, daß man gesagt hat: Man kann einiges von der Erde wissen, und nach dem, was man auf der Erde weiß, das Weltenall berechnen und solche Theorien wie die KantLaplacesche aufstellen, aber in bezug auf die moralisch-göttliche Weltenordnung muß man glauben. — Das hat die Menschen ungeheuer verwirrt, weil die Einsicht ganz abhanden gekommen ist, daß man über die Erde iirdisch reden muß, daß man aber in dem Moment, wo man sich zum Weltenall hinauf erhebt, anfangen muß, kosmisch zu reden. Da geht das physische Reden allmählich in ein moralisches Reden hinein. Da wird praktisch das ausgeführt, was sonst höchstens erphantasiert wird.

[ 18 ] The essential point is not merely to propose theories that are meant to be believed, but that there is a moral order of the universe. This has thoroughly confused the human soul over the last three to four centuries—the idea that one can know certain things about the Earth, and based on what one knows on Earth, calculate the universe and formulate theories such as the Kant-Laplacean one, but when it comes to the moral-divine world order, one must simply believe. — This has confused people immensely, because the insight has been completely lost that one must speak in earthly terms about the Earth, but that the moment one rises to the universe, one must begin to speak cosmically. There, physical speech gradually gives way to moral speech. There, what is otherwise at most merely imagined is put into practice.

[ 19 ] Wenn Sie heute von einem Physiker die Sonne beschrieben finden, so ist sie irgendeine Gaskugel, die da draußen dampft, und ihre Eruptionen werden so beschrieben wie Erdeneruptionen. Alles wird auf diesen Weltenkörper so hinausprojiziert, wie das, was auf der Erde geschieht, und mit denselben Rechnungen, die wir uns hier angeeignet haben, berechnen wir dann, wie ein Lichtstrahl an der Sonne vorbeigeht oder dergleichen. Aber was hier für Erdendinge an Errechnetem gilt, das hört ja auf, eine Geltung zu haben, wenn man da hinauskommt. Und so wie das Licht in seiner Stärke mit der Entfernung im Quadrate abnimmt, so hören die Gesetze auf, im Weltenall draußen zu gelten. Und wir sind nur noch dem Weltenall verwandt in unserem Moralischen. Indem wir uns über das Physische als Mensch zum Moralischen erheben, werden wir hier auf Erden dem ähnlich, was im Weltenraum draußen als die realisierte Moralität wirkt.

[ 19 ] If you read a physicist’s description of the sun today, it is portrayed as some kind of gaseous sphere steaming out there, and its eruptions are described in the same way as eruptions on Earth. Everything is projected onto this celestial body in the same way as what happens on Earth, and using the same calculations we have adopted here, we then determine how a beam of light passes by the Sun or the like. But what applies here in terms of calculations for earthly phenomena ceases to hold true once you venture out there. And just as the intensity of light decreases in proportion to the square of the distance, so do the laws cease to apply out in the universe. And we are connected to the universe only through our morality. By rising above the physical realm as human beings to the moral realm, we here on Earth become similar to what operates out in the universe as realized morality.

[ 20 ] Also müssen wir sagen: Anthroposophie ist im äußersten Sinne Wissenschaft. Sie führt dasjenige, was sich als eine Forderung ergibt, auch wirklich aus. Sie redet gar nicht mehr in irdischen Vorstellungen, ausgenommen den moralischen, die aber auf Erden schon überirdisch sind. Sie redet in solchen moralischen Vorstellungen, wenn sie sich aufschwingt zum Weltenall. Das muß eben durchaus berücksichtigt werden. Und von diesem Gesichtspunkte aus müssen eben die Begriffe wiederum gewonnen werden, die wir brauchen, um auf der Erde dasjenige zu begreifen, was eben jetzt nicht begriffen werden kann.

[ 20 ] So we must say: Anthroposophy is, in the broadest sense, a science. It truly carries out what arises as a demand. It no longer speaks in earthly terms at all, except for moral ones—which, however, are already otherworldly on Earth. It speaks in such moral concepts when it soars up into the universe. This must certainly be taken into account. And from this point of view, we must in turn derive the concepts we need to comprehend on Earth that which cannot be comprehended at this moment.

[ 21 ] Sehen Sie, die Wesenheiten, die im Monde verankert sind, sie wirken, sagte ich, nur wie in einer Festung. Da treiben sie ihr Weltengeschäft. Denn alles, was der Mond der Welt gibt, der Erde gibt, ist ja zurückgeworfen, ist gespiegelt. Das aber ist ein Zustand, der im kosmischen Werden eben erst im Laufe der Entwickelung eingetreten ist. Früher war es anders. Und in die, ich möchte sagen, weiche, schleimartige Gestalt, welche die Erde selbst und alle Wesen einmal hatten, da wirkten diese Wesen, als sie noch auf Erden wandelten, hinein. Und mit diesen Wirkungen hängt sowohl beim Menschen wie bei den Tieren das Zustandekommen der Rückenmarkssäule zusammen. So daß die Rückenmarkssäule bei den Menschen und bei den Tieren eine Erbschaft ist aus sehr alten Zeiten, wo die Mondenwesen noch mit dem irdischen Sein verbunden waren. Das kann heute nicht mehr entstehen. Die Wirbelsäule ist eine Erbschaft, sie kann heute nicht mehr entstehen.

[ 21 ] You see, the beings anchored in the Moon—I said—operate only as if within a fortress. There they conduct their cosmic affairs. For everything the Moon gives to the world, to the Earth, is, after all, reflected back. But this is a state that has only recently come into being in the course of cosmic evolution. It used to be different. And these beings—when they still walked upon the Earth—acted upon the, I might say, soft, slimy form that the Earth itself and all beings once possessed. And the formation of the spinal column in both humans and animals is connected to these influences. Thus, the spinal column in humans and animals is a legacy from very ancient times, when the lunar beings were still connected to earthly existence. This can no longer come into being today. The spinal column is a legacy; it can no longer come into being today.

[ 22 ] Aber in bezug auf die vierfüßigen Tiere haben diese Wesenheiten die Wirbelsäule so fest gemacht, daß sie horizontal bleibt. Bei den Menschen haben sie sie so gemacht, daß sie vertikal werden konnte, und der Mensch dann durch die vertikale Wirbelsäule frei werden konnte für das Weltenall und seine Einflüsse in dem Moment, wo diese Mondenwesen sich in die Mondenfestung zurückzogen.

[ 22 ] But as for four-legged animals, these beings have made their spines so rigid that they remain horizontal. In humans, they designed it so that it could become vertical, and so that, through the vertical spine, humans could become free to experience the universe and its influences at the very moment these lunar beings withdrew into the lunar fortress.

[ 23 ] Und so werden wir allmählich dazu kommen, das Irdische aus dem Weltenall heraus zu erklären, und überhaupt geistige Kräfte und geistige Impulse auch im irdischen Dasein in der richtigen Weise zu beurteilen. Es ist so, daß sich in die menschlichen Köpfe eben Dinge hineingesetzt haben, die wirklich erst in den drei, vier letzten Jahrhunderten entstanden sind. Und zwar alle unter dem Einflusse der Ansicht, daß man auf das ganze Weltenall zu seiner Erklärung nur dasjenige anwenden kann, was man in den physischen Ereignissen und von den physischen Dingen der Erde gewonnen hat. Man hat das ganze Weltenall zu einem physischen Abbild der Erde gemacht. Man ist allerdings jetzt darauf gekommen: Da koinzidiert etwas mit meinem Fadenkreuz, aber das war einmal da! — Die ganze Geschichte gilt in dieser Weise nicht. Und wenn man in bezug auf Sterne, die weit genug entfernt sind, Rücksicht nimmt, so kann der heutige Physiker schon sagen: Was ich als Karte aufzeichne, das ist ja gar nicht da. Ich zeichne zwei Sterne nebeneinander: der eine Stern war einmal, sagen wir, vor tausend Jahren da, der andere war da vor sechshundert Jahren. Ja, so nebeneinander, wie ich da die Koinzidenzien der Lichtstrahlen in meinem Fadenkreuz habe, so waren sie niemals da!

[ 23 ] And so we will gradually come to explain the earthly realm in terms of the universe as a whole, and to properly assess spiritual forces and spiritual impulses even within earthly existence. The fact is that ideas have taken root in people’s minds that have really only emerged in the last three or four centuries. And all of them have arisen under the influence of the view that the only things one can apply to the entire universe to explain it are those derived from physical events and physical objects on Earth. The entire universe has been turned into a physical replica of the Earth. People have, however, now realized: Something coincides with my crosshairs, but that was there once! — The whole story does not hold true in this way. And when one takes into account stars that are far enough away, today’s physicist can already say: What I am mapping out does not actually exist there at all. I draw two stars side by side: one star was there, let’s say, a thousand years ago; the other was there six hundred years ago. Yes, side by side just as I see the points of intersection of the light rays in my crosshairs—they were never there like that!

[ 24 ] Also das alles zerschmilzt, das alles ist gar nicht so in Wirklichkeit. Mit diesen Begriffen kommt man nicht darauf, was da draußen ist. Man rechnet, rechnet, rechnet. Es ist geradeso, wie wenn die Spinne ihr Netz spinnt und sich dann einbilden würde, daß dieses Netz die ganze Welt durchspinnt.

[ 24 ] So all of that melts away; none of it is really like that. You can’t use these concepts to figure out what’s out there. You calculate, calculate, calculate. It’s just like when a spider spins its web and then imagines that this web spans the entire world.

[ 25 ] Der Grund davon ist der, daß diese Gesetze, nach denen man da rechnet, da draußen gar nicht mehr gelten, sondern daß man höchstens das Moralische, das in uns ist, benutzen kann, um Begriffe zu bekommen von dem, was da draußen ist. Da draußen im Sternenhimmel geht es nämlich moralisch, zuweilen auch unmoralisch, ahrimanisch, luziferisch und so weiter zu. Aber wenn ich das Moralische als Gattungsbegriff fasse, geht es moralisch zu, nicht physisch. Doch das ist etwas, auf das erst wieder gekommen werden muß, weil das andere sich im Laufe der letzten zwei bis drei Jahrhunderte so fest in die menschlichen Köpfe eingeprägt hat, daß selbst solche Zweifel, wie sie den Relativitätstheoretikern kommen — denn ihre Negationen haben sehr viel für sich —, daß selbst solche Zweifel es gar nicht aus den Köpfen heraustreiben können. Es ist auch begreiflich, denn wenn auch noch diese letzte Schimäre, die Zeit-Raum-Rechnung, die sie ausführen, wenn auch diese noch für den Sternenhimmel aus den Köpfen schwindet, so ist ja in diesen Köpfen gar nichts mehr darinnen, und etwas behalten die Menschen eben doch gerne darinnen. Denn etwas anderes wird erst darinnen sein können, wenn man sich eben aufschwingt zu der Möglichkeit, so den Sternenhimmel anzuschauen, wie wir es gestern getan haben.

[ 25 ] The reason for this is that the laws by which we calculate here no longer apply out there at all; rather, we can at most use the moral principle within us to form concepts of what exists out there. Out there in the starry sky, things unfold in a moral way—and at times also in an immoral, Ahrimanic, Luciferic, and so on manner. But if I take the moral as a generic concept, things unfold morally, not physically. Yet this is something we must return to, because the other view has become so firmly ingrained in people’s minds over the course of the last two to three centuries that even doubts such as those held by relativity theorists—for their objections have much merit—cannot drive it out of people’s minds at all. It is also understandable, for even if this last chimera—the space-time calculus they employ—were to vanish from people’s minds when they contemplate the starry sky, there would be nothing left in those minds at all, and people do, after all, like to keep something there. For something else will only be able to take its place there once one rises to the possibility of gazing at the starry sky just as we did yesterday.

[ 26 ] Nun muß man sich klarwerden, daß uns dieses alles darauf hinweist, wie es für den Menschen der Gegenwart schon notwendig ist, sich klare Begriffe zu verschaffen über das, was eigentlich in den letzten drei bis vier Jahrhunderten geschehen ist, und was sein vorläufiges Ergebnis gefunden hat in dem größten aller Kriege, die jemals auf Erden gewesen sind, und in den chaotischen Verhältnissen, die sich ja noch immer chaotischer gestalten werden in der nächsten Zukunft. Was als Anforderung an die Menschheit vorhanden ist, das ist, sich eben wirklich über diese Dinge doch einmal klarzuwerden. Und da ist es interessant, einen Blick über die Erde mit ihrer heutigen Geistesbildung so hinzuwerfen.

[ 26 ] Now we must realize that all of this points to how necessary it is for people today to form clear concepts of what has actually happened over the last three to four centuries, and what has found its provisional outcome in the greatest of all wars that have ever been waged on earth, and in the chaotic conditions that will, in fact, become even more chaotic in the near future. What is required of humanity is precisely to finally gain a clear understanding of these things. And in this regard, it is interesting to take a look at the world with its current spiritual development.

[ 27 ] Innerhalb derjenigen Zivilisation, in welcher der Abendländer mit seinem amerikanischen Anhange lebt, hält man ja einfach alles das, was sich in den drei bis vier letzten Jahrhunderten unter dem Einflusse einer phänomenal großartigen Technik und eines großartigen Weltverkehrs entwickelt hat — der nur heute auch in die Brüche geht —, für so fest, daß natürlich jeder ein Tor ist, der nicht dieselben Begriffe annimmt. Nun ist es ja richtig, daß der Orient in der Dekadenz ist, aber man muß doch sagen: Was man heute aus den Quellen unserer eigenen anthroposophischen Forschung wiederum so aussprechen muß, wie ich es gestern getan habe, das ist, wenn auch in ganz anderer Art, einmal in uralten Zeiten doch eben orientalische Weisheit gewesen.

[ 27 ] Within the civilization in which Westerners and their American followers live, everything that has developed over the last three to four centuries under the influence of phenomenally advanced technology and global commerce—which is only now beginning to fall apart—is considered so unshakable that, naturally, anyone who does not accept these same concepts is considered a fool. Now, it is true that the East is in a state of decadence, but one must nevertheless say: What we must once again state today, based on the sources of our own anthroposophical research—as I did yesterday—was, albeit in a completely different form, indeed Eastern wisdom in ancient times.

[ 28 ] Wir können diese orientalische Weisheit heute, wie ich oftmals auseinandergesetzt habe, in der alten Form nicht wieder annehmen. Wir müssen sie aus dem abendländischen Gemüte, aus der abendländischen Seele heraus wiedergewinnen. Aber es war einmal, ich möchte sagen, Sitte, aus dem alten Hellsehen, aus diesem traumhaften alten Hellsehen heraus über die Sterne so zu sprechen, wie ich gestern wiederum davon zu sprechen begonnen habe. Nur ist das der Menschheit eben vollständig verlorengegangen, und die europäische Menschheit betrachtet heute alles das als absurd, was einmal als höchste menschliche Weisheit galt.

[ 28 ] As I have often explained, we cannot accept this Eastern wisdom in its original form today. We must rediscover it from within the Western mind, from within the Western soul. But there was a time—I would say it was a custom—when, drawing on ancient clairvoyance, on that dreamlike ancient clairvoyance, people spoke of the stars in the way I began to speak of them again yesterday. However, this has been completely lost to humanity, and European humanity today regards as absurd everything that was once considered the highest human wisdom.

[ 29 ] Nun, wie gesagt, wenn auch im Orient drüben das einmal eine großartige ursprüngliche Weisheit war, heute sind die Leute in der Dekadenz. Aber in einem gewissen Sinne hat sich wenigstens äußerlich traditionell im Orient noch etwas erhalten von einem solchen Anschauen des Weltenalls, ich möchte sagen, von einem seelenvollen Anschauen des Weltenalls. Und den Orientalen imponiert die technische Kultur Europas sehr wenig. Diese Seelen gerade, die heute im Orient liebevoll eingehen auf die Urweisheit, die verachten im Grunde genommen, was in Europa sich als eine mechanische Kultur und Zivilisation herausgebildet hat. Sie studieren dasjenige, was die menschliche Seele betrifft, aus ihren alten Schriften. Manchem geht dabei innerlich eine, wenn auch schon dekadente Erleuchtung auf, so daß im Orient noch etwas von dem lebt, was seelisches Erschauen der Welt ist. Und es ist nicht unnötig, auch einmal auf die Art und Weise hinzuschauen, wie nun diese Menschen, die eine alte Kultur wenigstens noch in einer Art von Abglanz haben, auf das europäisch-amerikanische Geistestreiben hinschauen. Wenn es auch nur zum Vergleich ist, so ist es doch immerhin interessant.

[ 29 ] Well, as I said, even though there was once a magnificent, primordial wisdom over in the East, people there are now in a state of decadence. But in a certain sense, at least outwardly and traditionally, something of this view of the universe—I would say, a soulful view of the universe—has been preserved in the East. And the technical culture of Europe makes very little impression on people in the East. It is precisely these souls in the East who today respond lovingly to the ancient wisdom who, deep down, despise what has developed in Europe as a mechanical culture and civilization. They study what pertains to the human soul from their ancient writings. For some, this gives rise to an inner, albeit already decadent, enlightenment, so that something of what constitutes a spiritual perception of the world still lives on in the East. And it is not without value to consider, at least once, the way in which these people—who still possess, at least in a kind of reflection, an ancient culture—view the European-American intellectual ferment. Even if it is only for the sake of comparison, it is nonetheless interesting.

[ 30 ] Da ist ein merkwürdiges Buch erschienen von einem gewissen Rãmanãthan, einem Inder aus Ceylon, «The Culture of the Soul among the Western Nations» [der Titel wurde an die Tafel geschrieben]. Dieser Rãmanãthan spricht in einer merkwürdigen Weise. Er gehört offenbar zu denen, die sich da drüben im Orient innerhalb der indischen Zivilisation einmal gesagt haben: Diese Europäer haben doch auch ganz merkwürdige Schriften, zum Beispiel das Neue Testament. — Nun haben sich diese Leute, zu denen auch Rãmanãthan gehört, mit dem Neuen Testament beschäftigt — aber natürlich so, wie sich die Seele dieser Leute eben mit dem Neuen Testament beschäftigen kann —, haben dieses Neue Testament, das Wirken des Christus Jesus, durch das Neue Testament nach Maßgabe ihrer Seelenverfassung aufgenommen. Und es gibt schon immerhin da drüben — das zeigt dieses Buch von Rãmanãthan — Leute, die nun aus ihren Resten einer uralten Kultur von dem Christus Jesus und dem Neuen Testament sprechen. Sie haben sich da ganz bestimmte Vorstellungen gebildet von dem Christus Jesus.

[ 30 ] A curious book has been published by a certain Rãmanãthan, an Indian from Ceylon, titled The Culture of the Soul among the Western Nations [the title was written on the board]. This Rãmanãthan speaks in a peculiar way. He apparently belongs to those who, over there in the East within Indian civilization, once said to themselves: “These Europeans do have some very peculiar writings, for example, the New Testament.” — Now these people, among whom Rãmanãthan is included, have engaged with the New Testament—but of course in the way that the soul of these people is capable of engaging with the New Testament—and have absorbed this New Testament, the work of Christ Jesus as revealed in the New Testament, in accordance with the disposition of their souls. And there are indeed people over there—as this book by Rãmanãthan shows—who, drawing on the remnants of an ancient culture, now speak of Christ Jesus and the New Testament. They have formed very specific conceptions of Christ Jesus.

[ 31 ] Und nun schreibt dieser Mann viel über diese Vorstellungen von dem Christus Jesus, und er richtet natürlich das Buch — er hat es ja in englischer Sprache geschrieben — an die Europäer. Er richtet das Buch, das also vom indischen Geiste über Jesus in den Evangelien geschrieben ist, an die Europäer, und er sagt den Europäern etwas ganz Merkwürdiges. Er sagt ihnen: es sei doch ganz absonderlich, daß sie gar nichts von dem Christus Jesus wissen. Da in den Evangelien stehen großartige Dinge über den Christus Jesus, aber die Europäer und Amerikaner wissen gar nichts davon, wissen wirklich nichts davon! Und er gibt den Europäern und den Amerikanern einen merkwürdigen Rat. Er sagt ihnen: Laßt euch doch Lehrer des Neuen Testaments aus Indien kommen, die werden euch sagen können, wie es eigentlich mit dem Christus Jesus beschaffen ist.

[ 31 ] And now this man writes extensively about these ideas concerning Christ Jesus, and he naturally addresses the book—which he has written in English—to Europeans. He addresses the book—which was written by the Indian spirit about Jesus as described in the Gospels—to Europeans, and he tells them something quite remarkable. He tells them: it is truly strange that they know absolutely nothing about Christ Jesus. For the Gospels contain magnificent things about Christ Jesus, but Europeans and Americans know nothing at all about them—they really know nothing at all! And he gives the Europeans and Americans some curious advice. He tells them: “Why don’t you invite New Testament teachers from India to come to you? They will be able to tell you what Christ Jesus is really like.”

[ 32 ] Also diese Menschen in Asien drüben, die sich heute mit dem europäischen Fortschritt befassen und die dann das Neue Testament lesen, die sagen diesen Europäern: Wenn ihr etwas erfahren wollt über den Christus Jesus, dann müßt ihr euch Lehrer von uns kommen lassen, denn alle Lehrer, die bei euch reden, die verstehen gar nichts davon, das ist alles Mißverstandenes! — Und er führt das im einzelnen aus. Er sagt: In Europa ist in einer bestimmten Zeit eingetreten an die Stelle des Erfassens des geistig Wesenhaften ein gewisses Wortverständnis von allem. Die Europäer hängen in bezug auf alle Dinge an einem gewissen Wortverständnis. Sie tragen nicht ein geistiges Verständnis in ihren Köpfen, sondern die Worte, die sie bei ihren einzelnen Bevölkerungen lernen, die dunsten in ihre Köpfe hinauf, und dann denken sie in Worten.

[ 32 ] So these people over in Asia who are studying European progress today and who then read the New Testament say to these Europeans: “If you want to learn anything about Christ Jesus, then you must have teachers come from us, for all the teachers who speak among you understand nothing of it at all—it is all a misunderstanding!” — And he elaborates on this in detail. He says: “In Europe, at a certain point in time, a certain literal understanding of everything took the place of an understanding of the spiritual essence.” Europeans cling to a certain literal understanding of words in relation to all things. They do not carry a spiritual understanding in their minds, but rather the words they learn from their respective populations rise up into their heads, and then they think in words.

[ 33 ] Es ist eine merkwürdige Weise, in welcher diese Inder trotz ihrer Dekadenz noch zu dieser Einsicht kommen, denn bis hierher stimmt die Geschichte ganz auffällig. Bis in die Physik und Mathematik hinein wird ja heute in Worten gedacht, nicht in Sachen. In dieser Beziehung sind ja die Menschen heute recht merkwürdig. Wenn einer ganz gescheit sein will, dann zitiert er rasch: «Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein». — Es geschieht das heute aber meistens aus dem Drang heraus, daß dem Betreffenden selbst alle Begriffe ausgegangen sind: da stellt sich ihm nämlich rasch das Goethesche Wort ein. Aber das merkt er dann nicht. Er merkt nicht, daß er in dieser Untugend ganz bitter drinnen ist in dem Moment, wo er sie rügt.

[ 33 ] It is a curious way in which these Indians, despite their decadence, still arrive at this insight, for up to this point the story is strikingly accurate. Even in physics and mathematics today, people think in words, not in things. In this respect, people today are quite peculiar. If someone wants to appear very clever, they’ll quickly quote: “For precisely where concepts are lacking, a word steps in at the right moment.” — But today this usually happens out of the urge that the person in question has run out of concepts himself: that is when Goethe’s word quickly comes to mind. But he doesn’t realize that. He doesn’t realize that he is deeply mired in this vice at the very moment he is condemning it.

[ 34 ] Also das sagt dieser Inder den Europäern: Ihr habt ja nur ein Wortverständnis von allen Dingen, und ihr habt dieses Wortverständnis über das Neue Testament ausgedehnt, und dadurch habt ihr den Christus seit vier Jahrhunderten tot gemacht. Der lebt gar nicht mehr unter euch, der ist seit vier Jahrhunderten tot. Schafft euch Lehrer aus Indien an, damit er wiederum erweckt werden kann. — So sagt dieser Inder den Europäern.

[ 34 ] So this Indian says to the Europeans: You have only a verbal understanding of all things, and you have extended this verbal understanding to the New Testament, and thereby you have killed Christ for four centuries. He no longer lives among you; he has been dead for four centuries. Find teachers from India so that he may be resurrected. — This is what this Indian tells the Europeans.

[ 35 ] Er sagt: Seit drei bis vier Jahrhunderten wissen die Europäer überhaupt nichts mehr vom Christus. Sie können gar nichts wissen, weil sie gar nicht die Begriffe und Vorstellungen haben, durch die man von dem Christus etwas wissen kann. — Der Inder sagt den Europäern: Ihr braucht eine Renaissance des Christus Jesus. Ihr müßt den Christus wieder entdecken, oder irgendein anderer muß ihn für euch entdecken, damit ihr ihn wieder habt! — So sagt der Inder, nachdem er dazu gekommen ist, das Evangelium zu lesen. Also er merkt, daß da in den letzten drei bis vier Jahrhunderten in Europa sonderbare Dinge vorgegangen sind. Und dann sagt er: Wenn die Europäer selbst wiederum daraufkommen wollten, welcher Christus im Neuen Testamente lebt, da müßten sie weit zurückgehen. Denn dieses Christus-Unverständnis hat sich langsam vorbereitet, und eigentlich müßten die Europäer, wenn sie aus ihren eigenen Schriften noch etwas verstehen lernen wollten von dem Christus, bis zu der Gnosis zurückgehen.

[ 35 ] He says: For three to four centuries now, Europeans have known absolutely nothing about Christ. They cannot know anything at all because they lack the concepts and ideas through which one can come to know anything about Christ. — The Indian says to the Europeans: You need a Renaissance of Jesus Christ. You must rediscover Christ, or someone else must discover him for you, so that you may have him again! — So says the Indian, after he has come to read the Gospel. He realizes that strange things have been happening in Europe over the last three to four centuries. And then he says: If Europeans themselves were to rediscover the Christ who lives in the New Testament, they would have to go back a long way. For this lack of understanding of Christ has developed gradually, and in fact, if Europeans were to learn to understand anything about Christ from their own writings, they would have to go back as far as Gnosticism.

[ 36 ] Eine merkwürdige Erscheinung! Da ist ein Inder, der ja nur der Repräsentant für viele ist, der liest das Neue Testament und sagt den Europäern: Euch hilft überhaupt jetzt nichts mehr, als daß ihr zu den Gnostikern zurückgeht.

[ 36 ] What a strange phenomenon! Here is an Indian—who is, after all, merely a representative of many—who reads the New Testament and tells the Europeans: “Nothing can help you now except to return to the Gnostics.”

[ 37 ] Aber die Gnostiker haben ja die Europäer eigentlich nur in den Gegenschriften. Die Europäer wissen nichts von den Gnostikern. Es ist schon ein merkwürdiges Faktum: Die Schriften der Gnostiker sind ja alle ausgerottet worden, man hat nur die Polemiken der christlichen Kirchenväter gegen die Gnostiker, mit Ausnahme der «Pistis Sophia» und einigen anderen, die aber ebensowenig verstanden werden können, so wie sie vorliegen, als die Evangelien selber verstanden werden. '

[ 37 ] But the Gnostics are really only known to Europeans through the writings that oppose them. Europeans know nothing about the Gnostics. It is indeed a curious fact: The Gnostic writings have all been eradicated; all that remains are the polemics of the Christian Church Fathers against the Gnostics, with the exception of the Pistis Sophia and a few others—which, however, can be understood just as little in their current form as the Gospels themselves can be understood. '

[ 38 ] Nun kommen aber dann, wenn man nun nicht gerade Gnostiker ist, sondern aus der modernen Geisteswissenschaft heraus den Christus wiederfindet, die Theologen und sagen: Da wird die Gnosis wieder aufgewärmt — die Gnosis, die sie allerdings nicht kennen, denn sie können sie ja nicht kennen aus irgendwelchen äußerlichen Dingen. Aber «die Gnosis aufwärmen» ist es doch, und das darf man nicht, denn aus der wird ja das Christentum verfälscht. Das ist auch eine Divergenz zwischen Ost und West. Derjenige, der im Osten das Neue Testament studiert, der findet, man muß in die ersten Jahrhunderte zurückgehen. Wenn den Theologen von der Gegenwart etwas, das als die Christus-Schilderung in der heutigen Anthroposophie auftritt, so aussieht, als wenn sie an die ihnen unbekannte Gnosis anklänge, dann sagen sie: Der will die Gnosis wiederum aufwärmen, das darf nicht sein, dadurch wird das Christentum verfälscht.

[ 38 ] But then, if one is not a Gnostic but rediscovers Christ through modern spiritual science, the theologians come along and say: “Here, Gnosticism is being rehashed”—Gnosticism, which they do not actually know, of course, since they cannot know it from any external sources. But it is indeed “rehashing Gnosticism,” and that must not be done, for it leads to a distortion of Christianity. This is also a point of divergence between East and West. Anyone in the East who studies the New Testament finds that one must go back to the first centuries. When contemporary theologians encounter something—such as the portrayal of Christ in modern anthroposophy—that seems to echo the Gnosis unknown to them, they say: “He wants to revive Gnosis again; that must not be allowed, for it distorts Christianity.”

[ 39 ] Ja, das Urteil des Inders lautet doch ganz merkwürdig. Dieser Rãmanãthan sagt eigentlich: Das, was die Europäer jetzt ihr Christentum nennen, das ist verfälscht. Die Europäer sagen: Der Rãmanãthan verfälscht uns unser Christentum. Der Rãmanãthan aber kommt der richtigen Anschauung, allerdings mit seinem dekadenten Anschauen, ziemlich nahe. Das Richtige ist immer eine Verfälschung des Falschen. Es kommt nur darauf an, daß man diese Dinge bei dem richtigen Namen nennt. Das Richtige ist immer eine Verfälschung des Falschen, denn würde man das Falsche nicht verfälschen, dann würde man auf das Richtige nicht kommen.

[ 39 ] Yes, the Indian’s judgment is quite strange. This Rãmanãthan actually says: What Europeans now call their Christianity is a distortion. The Europeans say: Rãmanãthan is distorting our Christianity. Rãmanãthan, however, comes quite close to the correct view—albeit with his decadent perspective. The correct is always a distortion of the incorrect. It just matters that one calls these things by their proper names. The correct is always a distortion of the incorrect, for if one did not distort the incorrect, one would not arrive at the correct.

[ 40 ] So aber liegen die Dinge heute. Denken Sie nur, in welchen Abgrund man da hineinschaut, wenn man sich dieses Beispiel von dem Rãmanãthan nimmt. Es könnte zum Beispiel also jemand sagen: Lies doch die Evangelien unbefangen. — Es ist heute für den Europäer schwer, sie unbefangen zu lesen, nachdem ihm einmal die malträtierten Übersetzungen durch Jahrhunderte dargeboten sind, und er in gewissen Vorstellungen erzogen worden ist. Es ist schwer, sie unbefangen zu lesen. Wenn aber einer sie, wenn auch von seinem Standpunkt, unbefangen liest, dann entdeckt er in den Evangelien einen geistigen Christus. Denn den hat der Rãmanãthan entdeckt in den Evangelien, wenn er ihn auch noch nicht im anthroposophischen Sinne sehen kann. Aber immerhin sollten die Europäer das doch beachten, daß ihnen dieser ceylonesische Inder den Rat gibt: Lasset euch Prediger über den Christus aus Indien kommen, denn ihr habt keine.

[ 40 ] But that is how things stand today. Just think of the abyss one gazes into when considering this example from Rãmanãthan. For example, someone might say: Why don’t you read the Gospels with an open mind? — It is difficult for Europeans today to read them with an open mind, having been presented for centuries with those mangled translations and having been raised with certain preconceptions. It is difficult to read them with an open mind. But if someone reads them with an open mind—even if from their own point of view—then they will discover a spiritual Christ in the Gospels. For that is what Rãmanãthan discovered in the Gospels, even if he cannot yet perceive him in the anthroposophical sense. But Europeans should at least take note of the fact that this Ceylonese Indian is giving them this advice: “Let preachers come to you from India to speak of Christ, for you have none.”

[ 41 ] Bei diesen Dingen muß man heute den Mut haben, hineinzuschauen in die Entwickelung, die in den letzten drei bis vier Jahrhunderten sich vollzogen hat, und nur durch diesen Mut ist es möglich, wirklich aus dem ungeheuren Chaos herauszukommen, in das die Menschheit nach und nach hineingesaust ist. Dieser Hang zur Unklarheit trübt alle Begriffe und bewirkt zuletzt auch das soziale Chaos. Denn dasjenige, was zwischen Menschen sich abspielt, spielt sich eben doch aus ihren Seelen heraus ab, und es ist schon ein Zusammenhang zwischen den höchsten Wahrheiten und dem Zerstören der äußeren wirtschaftlichen Verhältnisse. Und so muß man sich eben wiederum herbeilassen, die irdischen Begriffe zu verlieren, wenn man hinaufdringen will in das Weltenall.

[ 41 ] When it comes to these matters, we must have the courage today to look deeply into the developments that have taken place over the last three to four centuries, and only through this courage is it possible to truly emerge from the immense chaos into which humanity has gradually plunged. This tendency toward obscurity clouds all concepts and ultimately leads to social chaos as well. For what takes place between people ultimately springs from their souls, and there is indeed a connection between the highest truths and the destruction of external economic conditions. And so one must once again be willing to let go of earthly concepts if one wishes to ascend into the universe.

[ 42 ] In dem gestrigen Vortrage wollte ich Ihnen ein Beispiel geben davon, wie sich der Kosmos hineinstellt in das gegenwärtige Geistesleben und wie die Dinge im gegenwärtigen Geistesleben stehen. Eine Verwandtschaft mit den irdischen Begriffen gibt es nur dann, wenn man in den Kosmos hinauskommt.

[ 42 ] In yesterday’s lecture, I wanted to give you an example of how the cosmos relates to contemporary spiritual life and what the state of affairs is in that life. A connection to earthly concepts exists only when one ventures out into the cosmos.