The Development of Human Consciousness
GA 228
29 July 1923, Dornach
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The Development of Human Consciousness, tr. SOL
Mass, Zahl und Gewicht: Die schwerelose Farbe als Forderung der neuen Malentwickelung
Measure, Number, and Weight—Weightless Color as a Requirement of New Developments in Painting
[ 1 ] Der Mensch wechselt während seines irdischen Daseins in den Bewußtseinszuständen, die wir ja auch in diesen Tagen schon von manchen Gesichtspunkten aus betrachtet haben, zwischen den Zuständen des völligen Wachens, des Schlafens und des Träumens. Und ich habe ja gerade bei dem kleinen Vortragszyklus während der Delegiertenversammlung die ganze Bedeutung des Träumens auseinanderzusetzen versucht. Wir wollen uns heute einmal zunächst die Frage vorlegen: Gehört es zum Wesentlichen des Menschen, als irdisches Wesen in diesen drei Bewußtseinszuständen zu leben?
[ 1 ] During their earthly existence, human beings alternate between states of consciousness—which we have already examined from various perspectives in recent days—namely, the states of complete wakefulness, sleep, and dreaming. And I have just attempted to explore the full significance of dreaming in the short series of lectures given during the Delegates’ Assembly. Today, let us first consider the question: Is it an essential part of being human—as an earthly being—to live in these three states of consciousness?
[ 2 ] Wir müssen uns klar sein darüber, daß innerhalb des irdischen Daseins nur der Mensch in diesen drei Bewußtseinszuständen lebt. Das Tier lebt ja in einem wesentlich anderen Wechsel. Jenen tiefen traumlosen Schlaf, den der Mensch die größte Zeit hindurch hat zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, hat das Tier nicht, dagegen hat auch das Tier nicht das vollständige Wachsein, das der Mensch hat zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. Der tierische Wachzustand ist eigentlich dem menschlichen Träumen etwas ähnlich. Nur sind die Bewußtseinserlebnisse der höheren Tiere bestimmter, gesättigter, möchte ich sagen, als die flüchtigen menschlichen Träume. Aber auf der anderen Seite ist das Tier niemals in jenem hohen Grade bewußtseinslos, wie der Mensch das im tiefen Schlafe ist.
[ 2 ] We must be clear that, within earthly existence, only human beings live in these three states of consciousness. Animals, after all, experience a fundamentally different cycle. Animals do not experience that deep, dreamless sleep that humans experience for most of the time between falling asleep and waking up; conversely, animals also do not experience the complete wakefulness that humans experience between waking up and falling asleep. The animal state of wakefulness is actually somewhat similar to human dreaming. However, the conscious experiences of higher animals are more definite—more saturated, I would say—than the fleeting human dreams. On the other hand, animals are never as unconscious as humans are during deep sleep.
[ 3 ] Das Tier unterscheidet sich daher nicht in demselben Maße von seiner Umgebung wie der Mensch. Das Tier hat nicht in dieser Weise eine Außenwelt und Innenwelt, wie der Mensch sie hat. Das Tier rechnet sich eigentlich, wenn wir in menschliche Sprache übersetzen, was als ein dumpfes Bewußtsein in den höheren Tieren lebt, mit seinem ganzen Innenwesen zur Außenwelt mit.
[ 3 ] Animals, therefore, do not differ from their environment to the same extent as humans do. Animals do not have an external and internal world in the same way that humans do. If we translate what exists as a dim consciousness in higher animals into human language, the animal actually relates its entire inner being to the external world.
[ 4 ] Wenn das Tier eine Pflanze sieht, dann ist nicht zunächst für das Tier die Empfindung da: es ist außen eine Pflanze, und ich bin im Inneren ein geschlossenes Wesen, sondern für das Tier ist ein starkes inneres Erlebnis von der Pflanze da, eine unmittelbar sprechende Sympathie oder Antipathie. Das Tier empfindet gewissermaßen dasjenige, was die Pflanze äußert, in seinem Inneren mit. Daß in unserem heutigen Zeitalter die Menschen so wenig beobachten können, was sich nicht in ganz grober Weise der Beobachtung ergibt, dieser Umstand nur ist es ja, der sie verhindert, einfach an dem Getriebe, an dem Gehaben des Tieres schon zu sehen, daß das so ist, wie ich es gesagt habe.
[ 4 ] When an animal sees a plant, its initial perception is not: “There is a plant on the outside, and I am a closed being on the inside.” Rather, the animal experiences a strong inner response to the plant—an immediate, intuitive sympathy or antipathy. In a sense, the animal feels within itself what the plant expresses. The fact that people in our present age are so unable to observe anything that does not present itself to observation in a very crude way—it is this circumstance alone that prevents them from simply seeing, from the animal’s movements and behavior, that it is just as I have described.
[ 5 ] Nur der Mensch hat dieses scharfe, deutliche Unterscheiden zwischen seiner Innenwelt und der äußeren Welt. Warum anerkennt der Mensch eine äußere Welt? Wodurch kommt der Mensch dazu, überhaupt von einer Innenwelt und von einer Außenwelt zu sprechen? Er kommt dadurch dazu, daß er mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leibe jedesmal im Schlafzustand außerhalb seines physischen und seines Atherleibes ist, daß er sozusagen seinen physischen und Ätherleib sich selbst überläßt im Schlaf, und bei denjenigen Dingen ist, die Außenwelt sind. Wir teilen ja während unseres Schlafzustandes das Schicksal der äußeren Dinge. So wie Tische und Bänke, Bäume und Wolken während des Wachzustandes außerhalb unseres physischen und Ätherleibes sind, und wir sie deshalb als Außenwelt bezeichnen, so sind unser eigener astralischer Körper und unser eigenes Ich während des Schlafes der Außenwelt angehörig. Und wenn wir mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leibe während des Schlafes der Außenwelt angehören, da geschieht etwas.
[ 5 ] Only human beings have this sharp, clear distinction between their inner world and the outer world. Why do human beings recognize an outer world? What leads human beings to speak of an inner world and an outer world in the first place? They come to do so because, whenever they are in the state of sleep, their “I” and their astral body are outside their physical and etheric bodies; they, so to speak, leave their physical and etheric bodies to their own devices during sleep and are among the things that constitute the external world. After all, during our state of sleep, we share the fate of external things. Just as tables and benches, trees and clouds are outside our physical and etheric bodies during the waking state—and we therefore call them the external world—so our own astral body and our own “I” belong to the external world during sleep. And when we, with our “I” and our astral body, belong to the external world during sleep, something happens.
[ 6 ] Um einzusehen, was da geschieht, wollen wir zunächst einmal von dem ausgehen, was eigentlich geschieht, wenn wir in einem ganz normalen Wachzustande der Welt gegenüberstehen. Da sind die Gegenstände außer uns. Und es hat ja allmählich das wissenschaftliche Denken der Menschen es dahin gebracht, als sicher für diese physischen Dinge der Außenwelt nur das anzuerkennen, was man messen, wägen und zählen kann. Der Inhalt unserer physischen Wissenschaft wird ja bestimmt nach Gewicht, nach Maß, nach Zahl.
[ 6 ] To understand what is happening here, let us first consider what actually happens when we face the world in a completely normal waking state. Objects exist outside of us. And scientific thinking has gradually led people to regard as certain, with regard to these physical things of the external world, only what can be measured, weighed, and counted. The content of our physical science is, after all, determined by weight, measure, and number.
[ 7 ] Wir rechnen mit den Rechnungsoperationen, die einmal für die irdischen Dinge gelten, wir wägen die Dinge, wir messen sie. Und was wir durch Gewicht, Maß und Zahl bestimmen, das gibt eigentlich das Physische, Wir würden einen Körper nicht als einen physischen bezeichnen, wenn wir ihn nicht irgendwie mit der Waage in seiner Realität nachweisen könnten. Dasjenige aber, was zum Beispiel Farben sind, was Töne sind, was selbst Wärme- und Kälteempfindungen sind, was also die eigentlichen Sinneswahrnehmungen sind, das webt so hin über den schweren, meßbaren, zählbaren Dingen. Wenn wir irgendein physisches Ding bestimmen wollen, so ist das, was seine eigentliche physische Wesenheit ausmacht, eben dasjenige, was sich wägen, zählen läßt, womit der Physiker eigentlich bloß zu tun haben will. Von Farbe, von Ton und so weiter sagt er: Ja, da geschieht eben draußen etwas, was auch mit Wägen oder Zählen zu tun hat. — Er sagt ja selbst von den Farbenerscheinungen: Da draußen sind schwingende Bewegungen, die machen einen Eindruck auf den Menschen, und diesen Eindruck, den bezeichnet der Mensch, wenn das Auge ihn bestimmt, als Farbe, wenn das Ohr ihn bestimmt, als Ton und so weiter. — Eigentlich könnte man sagen: Mit allen diesen Dingen — Ton, Farbe, Wärme und Kälte — weiß der Physiker heute nichts anzufangen. Er betrachtet sie eben als Eigenschaften dessen, was sich mit der Waage, mit dem Maßstab oder durch die Rechnung bestimmen läßt. Es haften gewissermaßen die Farben an dem Physischen, es entringt sich dem Physischen der Ton, es wellt heraus aus dem Physischen die Wärme oder Kälte. Man sagt: Dasjenige, was ein Gewicht hat, das hat die Röte, oder es ist rot.
[ 7 ] We perform the arithmetic operations that apply to earthly things; we weigh things; we measure them. And what we determine through weight, measure, and number is, in fact, the physical. We would not describe a body as physical if we could not somehow verify its reality with a scale. But that which, for example, colors are, that which sounds are, that which even sensations of heat and cold are—in other words, the actual sensory perceptions—hovers above the heavy, measurable, countable things. When we want to define any physical thing, what constitutes its actual physical essence is precisely that which can be weighed or counted—which is what the physicist is really only interested in. Regarding color, sound, and so on, he says: “Yes, something is happening out there that also has to do with weighing or counting.” — He himself says of color phenomena: “Out there are oscillating movements that make an impression on people, and this impression—when perceived by the eye—is designated by people as color; when perceived by the ear, as sound; and so on.” — In fact, one could say: The physicist today doesn’t know what to make of all these things—sound, color, warmth, and cold. He simply regards them as properties of that which can be determined by a scale, a ruler, or through calculation. Colors, so to speak, cling to the physical; sound breaks free from the physical; heat or cold ripples out from the physical. One says: That which has weight has a reddish hue, or it is red.
[ 8 ] Wenn der Mensch nun in dem Zustand zwischen Einschlafen und Aufwachen ist, da ist es mit dem Ich und mit dem astralischen Leibe anders. Da sind die Dinge nach Maß, Zahl und Gewicht zunächst überhaupt nicht da. Nach dem irdischen Maß, Zahl und Gewicht sind die Dinge nicht da. Da haben wir nicht Dinge um uns herum, wenn wir schlafen, die man abwiegen kann, so sonderbar es erscheint, wir haben auch nicht Dinge um uns herum, die man zählen kann, oder die man messen kann unmittelbar. Einen Maßstab könnte man nicht anwenden als Ich und als astralischer Leib im Schlafzustande.
[ 8 ] When a person is in that state between falling asleep and waking up, things are different for the “I” and the astral body. At first, things do not exist at all in terms of measure, number, and weight. According to earthly measures of length, number, and weight, things are not present. When we sleep, we are not surrounded by things that can be weighed—as strange as that may seem—nor are we surrounded by things that can be counted or measured directly. One could not apply any standard of measurement to the “I” or the astral body in the state of sleep.
[ 9 ] Aber was da ist, das sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, die frei schwebenden, frei webenden Sinnesempfindungen. Nur daß der Mensch im gegenwärtigen Zustand seiner Entwickelung nicht die Fähigkeit hat, die frei schwebende Röte, die Wellen des frei webenden Tones und so weiter wahrzunehmen.
[ 9 ] But what is there, if I may put it that way, are the freely floating, freely weaving sensory perceptions. It is just that, at the present stage of human development, people do not have the ability to perceive the freely floating redness, the waves of the freely weaving sound, and so on.


[ 10 ] Will man schematisch die Sache zeichnen, so könnte man das so machen. Man könnte sagen: Hier auf Erden haben wir wägbare feste Dinge [violette Bogen], und an diesen wägbaren festen Dingen haftet gewissermaßen die Röte, die Gelbe, also dasjenige, was die Sinne an den Körpern wahrnehmen. Wenn wir schlafen, dann ist die Gelbe frei schwebendes Wesen, die Röte ist frei schwebendes Wesen, nicht haftend an solchen Schwerebedingungen, sondern frei webend und schwebend. Ebenso ist es mit dem Ton: nicht die Glocke klingt, sondern das Klingen webt.
[ 10 ] If one were to sketch this concept schematically, one could do so as follows. One could say: Here on Earth, we have weighable, solid things [purple arcs], and attached to these weighable, solid things, as it were, are the red and the yellow—that is, what the senses perceive in the bodies. When we sleep, the yellow is a freely floating entity, the red is a freely floating entity—not bound to such conditions of weight, but freely weaving and floating. The same is true of sound: it is not the bell that rings, but the ringing that weaves.
[ 11 ] Und nicht wahr, wenn wir in unserer physischen Welt herumgehen, irgend etwas sehen, so heben wir es auf; dann ist es eigentlich erst ein Ding, sonst könnte es auch eine Augentäuschung sein. Das Gewicht muß hinzukommen. Daher ist man so geneigt, etwas, was im Physischen erscheint, ohne daß man es als schwer empfindet — wie die Farben des Regenbogens —, als eine Augentäuschung zu betrachten. Wenn Sie heute ein Physikbuch aufschlagen, so ist es so, daß man da erklärt: Das ist eine Augentäuschung. — Als das eigentlich Reale sieht man den Regentropfen an. Und da zeichnet man Linien hinein, die eigentlich gar nichts bedeuten für das, was da ist, aber die man sich so durch den Raum hin denkt; man nennt sie dann Strahlen. Aber die Strahlen sind gar nicht da. Dann sagt man: Das Auge projiziert sich das hinaus. — Dieses ProjJizieren ist ja überhaupt etwas, was in einer sehr sonderbaren Weise heute in der Physik angewendet wird. Also ich greife die Vorstellung auf: Wir sehen einen roten Gegenstand. Um uns zu überzeugen, daß es keine Augentäuschung ist, heben wir ihn, und er ist schwer: dadurch verbürgt er seine Realität.
[ 11 ] And isn’t it true that when we walk around in our physical world and see something, we pick it up; only then does it actually become a thing—otherwise, it could just as easily be an optical illusion. Weight must be a factor. That is why we are so inclined to regard something that appears in the physical world without feeling its weight—such as the colors of the rainbow—as an optical illusion. If you open a physics textbook today, you’ll find that it explains: “This is an optical illusion.” — The raindrop is regarded as what is actually real. And then lines are drawn into it that actually mean nothing in relation to what is actually there, but which one imagines extending through space; these are then called rays. But the rays aren’t actually there at all. Then one says: The eye projects them out. — This “projection” is, after all, something that is applied in a very peculiar way in physics today. So I’ll take up this idea: We see a red object. To convince ourselves that it is not an optical illusion, we pick it up, and it is heavy: thereby it attests to its reality.
[ 12 ] Derjenige, der sich nun im Ich und im astralischen Leibe außerhalb des physischen und des Ätherleibes bewußt wird, der kommt auch endlich darauf, daß so etwas da drinnen schon ist in diesem frei schwebenden und frei webenden Farbigen, Tönenden; aber es ist anders. Es ist in einem so frei schwebenden Farbigen die Tendenz, in die Weiten der Welt hinaus sich zu entfernen; es hat eine entgegengesetzte Schwere. Diese Dinge der Erde, die wollen da herunter nach dem Mittelpunkt der Erde [siehe Zeichnung Seite 200, Pfeile abwärts], jene [Pfeile aufwärts] wollen frei hinaus in den Weltenraum.
[ 12 ] The one who now becomes conscious of the “I” and the astral body outside the physical and etheric bodies will eventually realize that something like this is already present within this freely floating and freely weaving world of colors and sounds; but it is different. In such a freely floating, colorful substance, there is a tendency to move out into the vastness of the world; it possesses a counteracting heaviness. These earthly things want to descend toward the center of the Earth [see drawing on page 200, downward arrows], while those [upward arrows] want to move freely out into outer space.


[ 13 ] Und es ist auch schon so etwas Ähnliches da wie ein Maß. Man kommt nämlich darauf, wenn man irgendwo, sagen wir, eine kleine rötliche Wolke hat, und diese kleine rötliche Wolke ist meinetwillen eingesäumt von einem mächtigen gelben Gebilde: Dann mißt man, aber nicht mit dem Maßstab, sondern qualitativ mißt man mit dem Roten, mit dem stärker Scheinenden das schwächer scheinende Gelbe. Und so wie Ihnen der Maßstab sagt: Das sind fünf Meter —, so sagt Ihnen hier das Rote [siehe Zeichnung]: Wenn ich mich ausbreiten würde, gehe ich fünfmal in das Gelbe hinein. Ich muß mich weiten, ich muß mächtiger werden, dann werde ich auch gelb. — So geschehen die Messungen hier.
[ 13 ] And there’s already something like a measure there. You realize this when, for example, you have a small reddish cloud somewhere, and this small reddish cloud is, for my sake, bordered by a massive yellow formation: Then you measure—not with a ruler, but qualitatively—using the red, the brighter one, to measure the weaker, more faint yellow. And just as the ruler tells you, “That’s five meters”—so here the red [see drawing] tells you: If I were to expand, I would extend five times into the yellow. I must expand; I must become more powerful; then I, too, will become yellow. — That is how the measurements are made here.


[ 14 ] Noch schwieriger ist das Zählen hier klarzumachen, weil wir beim irdischen Zählen ja doch zumeist nur Erbsen oder Apfel zählen, die gleichgültig nebeneinander liegen. Und wir haben immer das Gefühl, wenn wir aus der Eins zweie machen, so ist es dieser Eins eigentlich ganz gleichgültig, daß noch eine Zwei neben ihr ist. Im menschlichen Leben wird es ja schon anders; da ist es zuweilen so, daß Eins auf das Zwei angewiesen ist. Doch das geht ja auch schon in das Geistige hinein. Aber bei der eigentlichen physischen Mathematik ist es immer den Einteilungen gleichgültig, was sich zu ihnen gesellt. Das ist hier nicht der Fall.
[ 14 ] It is even more difficult to explain counting here, because in everyday counting we usually count only peas or apples that lie indifferently side by side. And we always have the feeling that when we turn one into two, it is actually quite indifferent to that one whether there is a two next to it. In human life, of course, things are different; there it is sometimes the case that one depends on the other. But that already enters into the spiritual realm. In actual physical mathematics, however, the units are always indifferent to what joins them. That is not the case here.
[ 15 ] Wenn hier irgendwo eine Eins [siehe Zeichnung] ist von einer bestimmten Art, so fordert das irgendwelche, sagen wir, drei oder fünf andere, je nachdem es ist. Das hat immer inneren Bezug zu den anderen, da ist die Zahl eine Realität. Und wenn ein Bewußtsein anfängt darüber, wie es ist, wenn man mit dem Ich und mit dem astralischen Leib da draußen ist, dann kommt man schon auch dahin, etwas wie Maß, Zahl und Gewicht zu bestimmen, aber nach entgegengesetzter Art.
[ 15 ] If there is a one here somewhere [see drawing] of a certain kind, it requires, say, three or five others, depending on the situation. This always has an inner connection to the others; there, the number is a reality. And when consciousness begins to grasp what it is like to be out there with the “I” and the astral body, one eventually arrives at determining something like measure, number, and weight—but in the opposite way.
[ 16 ] Und dann, wenn einem das Schauen und Hören da draußen nicht mehr ein bloßes Schwimmeln und Schwummeln von Rot und Gelb und Tönen ist, sondern wenn man anfängt, auch da drinnen die Dinge so geordnet zu empfinden, dann beginnt das Wahrnehmen der geistigen Wesenheiten, die sich in diesen frei schwebenden Sinnesempfindungen verwirklichen, realisieren. Dann kommen wir hinein in die positive geistige Welt, in das Leben und Treiben der geistigen Wesenheiten. Wie wir hier auf Erden hineinkommen ins Leben und Treiben der irdischen Dinge, indem wir sie mit der Waage, mit dem Maßstab, mit unserer Rechnerei bestimmen, so kommen wir dadurch, daß wir uns aneignen das bloß qualitative, entgegengesetzte Schwersein, das heißt, mit Leichtigkeit sich ausdehnen wollen im Weltenraum, das Messen von Farbe durch Farbe und so weiter, hinein in das Erfassen von geistigen Wesenheiten. Solche geistigen Wesenheiten durchsetzen nun auch alles das, was draußen in den Reichen der Natur ist.
[ 16 ] And then, when seeing and hearing out there is no longer just a dizzying swirl of red and yellow and sounds, but when one begins to perceive things as orderly within as well, then the perception of the spiritual beings who manifest themselves in these freely floating sensory impressions begins to take shape. Then we enter the positive spiritual world, into the life and activity of the spiritual beings. Just as we here on Earth enter into the life and activity of earthly things by determining them with scales, with rulers, and with our calculations, so, by appropriating the purely qualitative, opposite quality of heaviness—that is, by seeking to expand with lightness into the space of the universe, by measuring color through color, and so on—we enter into the perception of spiritual beings. Such spiritual beings now permeate everything that exists out there in the realms of nature.
[ 17 ] Mit dem wachen Bewußtsein sieht der Mensch nur die Außenseite der Mineralien, der Pflanzen, der Tiere. Aber bei dem, was in allen diesen Wesen der Naturreiche lebt als Geistiges, bei dem ist der Mensch, wenn er schläft. Und wenn er dann beim Aufwachen wiederum in sich zurückgeht, dann behalten sein Ich und sein astralischer Leib gewissermaßen die Neigung, die Affinität zu den äußeren Dingen und veranlassen den Menschen, daß er eine Außenwelt anerkennt. Wenn der Mensch eine Organisation hätte, die nicht zum Schlaf eingerichtet wäre, so würde er nicht eine Außenwelt anerkennen. Es kommt natürlich nicht darauf an, daß einer an Schlaflosigkeit leidet. Denn ich sage nicht, wenn der Mensch nicht schläft, sondern wenn der Mensch nicht eine Organisation hätte, die zum Schlafen eingerichtet wäre. Es handelt sich um das Eingerichtetsein zu etwas. Daher wird ja auch der Mensch krank, wenn er an Schlaflosigkeit leidet, weil das eben seiner Wesenheit nicht angepaßt ist. Aber die Dinge sind eben so: Gerade dadurch, daß der Mensch schlafend verweilt bei dem, was in der Außenwelt ist, bei dem, was er dann wachend seine Außenwelt nennt, dadurch kommt er auch zu einer Außenwelt, zu einer Anschauung von der Außenwelt.
[ 17 ] With his waking consciousness, a person sees only the outer appearance of minerals, plants, and animals. But when it comes to what lives as the spiritual essence within all these beings of the natural kingdoms, a person is asleep. And when they then turn inward again upon waking, their “I” and their astral body retain, so to speak, a tendency—an affinity—toward external things, causing them to recognize an external world. If human beings had an organism that were not adapted to sleep, they would not recognize an external world. Of course, it is not a matter of someone suffering from insomnia. For I am not saying this applies when a person does not sleep, but rather when a person did not have an organism adapted for sleep. It is a matter of being adapted to something. That is why a person becomes ill when suffering from insomnia—because it is simply not suited to their nature. But this is precisely how things are: It is precisely because a person, while asleep, remains with what is in the external world—with what they then, while awake, call their external world—that they also come to an external world, to a perception of the external world.
[ 18 ] Dieses Verhältnis des Menschen zum Schlaf, das gibt den irdischen Wahrheitsbegriff. Inwiefern? Nun, wir nennen es Wahrheit, wenn wir im Inneren ein Äußeres richtig nachbilden können, wenn wir ein Äußeres richtig im Inneren erleben. Dazu aber bedürfen wir der Einrichtung des Schlafes. Wir würden gar keinen Wahrheitsbegriff haben, wenn wir nicht die Einrichtung des Schlafens hätten. So daß wir sagen können: Dem Schlafzustand verdanken wir die Wahrheit. Wir müssen, um uns der Wahrheit der Dinge hinzugeben, mit den Dingen auch unser Dasein in einer gewissen Zeit verbringen. Die Dinge sagen uns von sich nur dadurch etwas, daß wir während des Schlafens mit unserer Seele bei ihnen sind.
[ 18 ] This relationship between human beings and sleep is what defines the earthly concept of truth. In what sense? Well, we call it truth when we are able to correctly reproduce an external reality within ourselves, when we correctly experience an external reality internally. But for this, we need the mechanism of sleep. We would have no concept of truth at all if we did not have the mechanism of sleep. So we can say: We owe truth to the state of sleep. In order to surrender ourselves to the truth of things, we must also spend a certain amount of time with them. Things reveal something about themselves to us only by our being with them in spirit while we sleep.
[ 19 ] Anders ist es mit dem Traumzustand. Der Traum ist ja, wie ich Ihnen in dem kleinen Zyklus während der Delegiertenversammlung ausgeführt habe, verwandt mit der Erinnerung, mit dem inneren Seelenleben, mit dem, was ja vorzugsweise in der Erinnerung lebt. Wenn der Traum frei schwebende Ton-Farbenwelt ist, so sind wir noch halb draußen aus unserem Leibe. Wenn wir ganz untertauchen, dann werden dieselben. Kräfte, die wir webend-lebend im Traume entfalten, Erinnerungskräfte. Da unterscheiden wir uns nicht mehr in derselben Weise von der Außenwelt. Da fällt unser Inneres zusammen mit der Außenwelt, da leben wir mit unseren Sympathien und Antipathien so stark in der Außenwelt, daß wir nicht die Dinge als sympathisch oder antipathisch empfinden, sondern daß die Sympathien und Antipathien selber sich bildhaftig zeigen.
[ 19 ] The situation is different with the dream state. As I explained to you in the short series of lectures during the Delegates’ Assembly, the dream is related to memory, to the inner life of the soul, to that which lives primarily in memory. When the dream is a freely floating world of sound and color, we are still half outside our bodies. When we immerse ourselves completely, the very same forces that we unfold in the dream—weaving and living—become forces of memory. Then we no longer distinguish ourselves from the external world in the same way. There, our inner world merges with the outer world; there, we live so intensely in the outer world with our sympathies and antipathies that we do not perceive things as sympathetic or antipathetic, but rather the sympathies and antipathies themselves manifest pictorially.
[ 20 ] Hätten wir nicht die Möglichkeit zu träumen und die Fortsetzung dieser Traumeskraft in unserem Inneren, so hätten wir keine Schönheit. Daß wir überhaupt Anlagen für die Schönheit haben, das beruht darauf, daß wir träumen können. Für das prosaische Dasein müssen wir sagen: Wir verdanken es der Traumeskraft, daß wir eine Erinnerung haben; für das künstlerische Dasein des Menschen verdanken wir der Traumeskraft die Schönheit. Also: Traumzustand hängt zusammen mit der Schönheit. Die Art, wie wir ein Schönes empfinden und ein Schönes schaffen, ist nämlich sehr ähnlich der webenden wirkenden Kraft des Träumens.
[ 20 ] If we did not have the ability to dream and the continuation of this power of dreaming within us, we would have no beauty. The fact that we possess an aptitude for beauty at all is due to our ability to dream. As for our prosaic existence, we must say: We owe our ability to remember to the power of dreaming; as for the artistic existence of human beings, we owe beauty to the power of dreaming. Thus: The state of dreaming is connected to beauty. The way we perceive and create beauty is, in fact, very similar to the weaving, active power of dreaming.
[ 21 ] Wir verhalten uns beim Erleben des Schönen, beim Schaffen des Schönen — nur eben unter Anwendung unseres physischen Leibes — ähnlich, wie wir uns verhalten außer unserem physischen Leibe, oder halb verbunden mit unserem physischen Leibe, beim Träumen. Es ist eigentlich zwischen dem Träumen und dem Leben in Schönheit nur ein kleiner Ruck. Und nur weil in der heutigen materialistischen Zeit die Menschen so grob veranlagt sind, daß sie diesen Ruck nicht bemerken, ist so wenig Bewußtsein vorhanden von der ganzen Bedeutung der Schönheit. Man muß im Traume sich dem notwendig hingeben, um dieses Freischweben und -weben zu erleben. Während dann, wenn man sich der Freiheit, dem inneren Willkürgebaren hingibt, also nach dem Ruck lebt, man nicht mehr die Empfindung hat, daß es dasselbe ist wie das Träumen, da es nur unter Anwendung der Kräfte des physischen Leibes eben dasselbe ist.
[ 21 ] When we experience beauty, when we create beauty—merely by making use of our physical body—we behave in much the same way as we do when we are outside our physical body, or half-connected to it, while dreaming. There is actually only a slight shift between dreaming and living in beauty. And it is only because people in today’s materialistic age are so coarse in their nature that they do not notice this shift that there is so little awareness of the full significance of beauty. One must necessarily surrender to this in a dream in order to experience this free floating and weaving. Whereas, when one surrenders to freedom, to inner spontaneity—that is, when one lives according to that leap—one no longer has the sensation that it is the same as dreaming, since it is precisely the same, only carried out through the use of the physical body’s powers.
[ 22 ] Die heutigen Menschen werden lange nachdenken, was man in älteren Zeiten gemeint hat, wenn man «Chaos» gesagt hat. Es gibt die mannigfaltigsten Definitionen von Chaos. In Wirklichkeit kann das Chaos nur so charakterisiert werden, daß man sagt: Wenn der Mensch in einen Bewußtseinszustand kommt, wo das Erleben der Schwere, des irdischen Maßes, gerade aufhört, und die Dinge anfangen, halb leicht zu werden, aber noch nicht hinaus wollen in das Weltenall, sondern noch sich in der Horizontale, im Gleichgewicht erhalten, wenn die festen Grenzen verschweben, wenn also noch mit dem physischen Leib, aber schon mit der Seelenkonstitution des Träumens das webende Unbestimmte der Welt geschaut wird, dann schaut man das Chaos. Und der Traum ist bloß das schattenhafte Heranschweben des Chaos an den Menschen.
[ 22 ] People today will ponder for a long time what was meant in earlier times when the word “chaos” was used. There are countless definitions of chaos. In reality, chaos can only be characterized by saying: When a person enters a state of consciousness in which the experience of heaviness—of earthly measure—ceases, and things begin to become half-light, but do not yet wish to venture out into the cosmos, instead remaining in the horizontal plane, in equilibrium; when fixed boundaries dissolve; when, in other words, the world’s weaving indeterminacy is beheld still with the physical body but already with the soul’s dream-like constitution—then one beholds chaos. And the dream is merely the shadowy approach of chaos to the human being.
[ 23 ] In Griechenland noch hatte man die Empfindung: Schön machen kann man eigentlich die physische Welt nicht. Die physische Welt ist halt Naturnotwendigkeit, sie ist, wie sie ist. Schön machen kann man nur dasjenige, was chaotisch ist. Wenn man das Chaos in den Kosmos wandelt, dann entsteht die Schönheit. Daher sind Chaos und Kosmos Wechselbegriffe. Man kann den Kosmos — das bedeutet eigentlich die schöne Welt — nicht aus den irdischen Dingen herstellen, sondern nur aus dem Chaos, indem man das Chaos formt. Und dasjenige, was man mit irdischen Dingen macht, ist bloß ein Nachahmen im Stoffe des geformten Chaos.
[ 23 ] In ancient Greece, there was still the sense that one cannot truly make the physical world beautiful. The physical world is simply a natural necessity; it is what it is. One can only make that which is chaotic beautiful. When chaos is transformed into the cosmos, beauty emerges. That is why chaos and cosmos are interchangeable terms. One cannot create the cosmos—which actually means the beautiful world—from earthly things, but only from chaos, by giving form to chaos. And what one does with earthly things is merely an imitation, in material form, of the shaped chaos.
[ 24 ] Das ist so bei allem Künstlerischen der Fall. Von diesem Verhältnis des Chaos zum Kosmos hatte man in Griechenland, wo die Mysterienkultur noch einen gewissen Einfluß hatte, noch eine sehr lebhafte Vorstellung.
[ 24 ] This is true of all artistic expression. In Greece, where the culture of the mysteries still exerted a certain influence, people still had a very vivid conception of this relationship between chaos and the cosmos.
[ 25 ] Wenn man aber in allen diesen Welten herumkommt — in der Welt, in welcher der Mensch unbewußt ist, wenn er im Schlafzustande ist, in der Welt, in welcher der Mensch halbbewußt ist, wenn er im Traumzustand ist —, wenn man da überall herumwandelt: das Gute findet man nicht. Diese Wesenheiten, die da drinnen sind, sie sind vom Urbeginne ihres Lebenslaufes weisheitsvoll vorherbestimmt. Man findet in ihnen waltende, webende Weisheit, man findet in ihnen Schönheit. Aber es hat keinen Sinn, wenn es sich darum handelt, diese Wesenheiten, die wir als Erdenmensch erreichen, kennenzulernen, von Güte bei ihnen zu sprechen. Von Güte können wir erst sprechen, wenn der Unterschied da ist zwischen Innen- und Außenwelt, so daß das Gute der geistigen Welt folgen kann oder nicht folgen kann.
[ 25 ] But if one travels through all these worlds—the world in which a person is unconscious, when in a state of sleep; the world in which a person is semi-conscious, when in a state of dreaming—if one wanders through all of them, one will not find goodness. These beings that dwell there are wisely predestined from the very beginning of their life course. One finds wisdom reigning and weaving within them; one finds beauty within them. But it makes no sense, when it comes to getting to know these beings—which we, as earthly human beings, can reach—to speak of goodness in them. We can only speak of goodness when there is a distinction between the inner and outer worlds, so that the good of the spiritual world may or may not follow.
[ 26 ] So wie der Schlafzustand der Wahrheit, der Traumzustand der Schönheit, so ist der Wachzustand der Güte, dem Guten zugeteilt.
[ 26 ] Just as the state of sleep is associated with truth, and the state of dreaming with beauty, so the waking state is associated with goodness.
Schlafzustand: Wahrheit
Traumzustand: Schönheit, Chaos
Wachzustand: Güte
Sleep state: Truth
Dream state: Beauty, Chaos
Wakefulness: Kindness
[ 27 ] Das aber widerspricht nicht dem, was ich in diesen Tagen gesagt habe, daß, wenn man das Irdische verläßt und hinauskommt in den Kosmos, man veranlaßt ist, auch die irdischen Begriffe fallenzulassen, um von moralischer Weltenordnung zu sprechen. Denn die moralische Weltenordnung, die ist im Geistigen ebenso vorherbestimmt, notwendig vorherbestimmt, wie hier auf Erden die Kausalität. Nur ist sie eben dort geistig: die Vorbestimmung, das In-sich-bestimmt-Sein. Also da ist kein Widerspruch.
[ 27 ] But this does not contradict what I have said in recent days: that when one leaves the earthly realm and ventures out into the cosmos, one is compelled to let go of earthly concepts as well in order to speak of a moral world order. For the moral world order is just as predetermined—necessarily predetermined—in the spiritual realm as causality is here on Earth. It is just that there it is spiritual: predetermination, being determined in and of itself. So there is no contradiction.
[ 28 ] Aber für die menschliche Natur müssen wir uns klar sein: Wollen wir die Idee der Wahrheit haben, dann müssen wir uns an den Schlafzustand wenden; wollen wir die Idee der Schönheit haben, dann müssen wir uns an den Traumzustand wenden; wollen wir die Idee der Güte haben, dann müssen wir uns an den Wachzustand wenden.
[ 28 ] But when it comes to human nature, we must be clear: if we want to grasp the idea of truth, we must turn to the state of sleep; if we want to grasp the idea of beauty, we must turn to the state of dreaming; if we want to grasp the idea of goodness, we must turn to the waking state.
[ 29 ] Der Mensch hat also, wenn er wach ist, nicht eine Bestimmung zu seinem physischen und ätherischen Organismus nach der Wahrheit, sondern die Bestimmung nach der Güte. Da müssen wir also erst recht auf die Idee der Güte kommen.
[ 29 ] Thus, when a person is awake, their physical and etheric organisms are not governed by truth, but by goodness. This is all the more reason for us to turn to the idea of goodness.
[ 30 ] Nun frage ich Sie: Was erstrebt denn die Wissenschaft der Gegenwart, wenn sie den Menschen erklären will? Sie will ja nicht aufsteigen, indem sie den wachen Menschen erklären will, von der Wahrheit durch die Schönheit zur Güte, sie will ja alles nach einer äußeren kausalen Notwendigkeit, die nur der Idee der Wahrheit entspricht, erklären. Da kommt man gar nicht zu dem, was im Menschen wachend webt und lebt, da kommt man nur zu dem, was der schlafende Mensch höchstens ist. Wenn Sie daher heute Anthropologien lesen und es mit wachem Auge tun, wach für die Seeleneigentümlichkeiten und Kräfte der Welt, dann bekommen Sie folgenden Eindruck. Sie sagen sich: Das ist ja alles recht schön, was uns da erzählt wird von der heutigen Wissenschaft über den Menschen. Aber wie ist denn dieser Mensch eigentlich, von dem uns diese Wissenschaft erzählt? Er liegt fortwährend im Bett. Er kann nämlich nicht gehen. Bewegen kann er sich nicht. Die Bewegung zum Beispiel wird absolut gar nicht erklärt. Er liegt fortwährend im Bett.
[ 30 ] Now I ask you: What is the aim of contemporary science when it seeks to explain human beings? It does not seek to ascend by explaining to the awakened human being the path from truth through beauty to goodness; rather, it seeks to explain everything according to an external causal necessity that corresponds solely to the idea of truth. That approach does not lead to what is actively weaving and living within the human being; it leads only to what the sleeping human being is, at best. Therefore, if you read anthropological works today with an alert eye—alert to the soul’s characteristics and the forces of the world—you will gain the following impression. You will say to yourself: “Well, that’s all very nice—what modern science tells us about human beings.” But what is this human being actually like, the one this science tells us about? He lies in bed all the time. For he cannot walk. He cannot move. Movement, for example, is not explained at all. He lies in bed all the time.
[ 31 ] Der Mensch, den die Wissenschaft erklärt, der kann nur als ein im Bett liegender Mensch erklärt werden. Es geht gar nicht anders. Die Wissenschaft erklärt nur den schlafenden Menschen. Wenn man ihn in Bewegung bringen will, dann müßte man das mechanisch tun. Deshalb ist sie auch ein wissenschaftlicher Mechanismus. Da muß man in diesen schlafenden Menschen eine Maschinerie hineinbringen, die diesen Plumpsack, wenn er aufstehen soll, in Schwung bringt und abends wiederum in das Bett legt.
[ 31 ] The human being that science explains can only be explained as a person lying in bed. There is simply no other way. Science explains only the sleeping person. If one wants to set him in motion, one would have to do so mechanically. That is why it is also a scientific mechanism. One must introduce a mechanism into this sleeping person that sets this sack of flab in motion when he is to get up and puts him back to bed in the evening.
[ 32 ] Also diese Wissenschaft sagt uns überhaupt nichts vom Menschen, der da herumgeht in der Welt, der da webt und lebt, der da wacht. Denn was ihn in Bewegung setzt, das ist enthalten in der Idee der Güte, nicht in der Idee der Wahrheit, die wir von den äußeren Dingen zunächst gewinnen. Das ist etwas, was ziemlich wenig bedacht wird. Man hat das Gefühl, wenn einem der heutige Physiologe oder der heutige Anatom den Menschen beschreibt, daß man gerne sagen möchte: Wach auf, wach auf, du schläfst ja, du schläfst! Die Leute gewöhnen sich unter dem Einfluß dieser Weltanschauung eben den Schlafzustand an. Und was ich immer charakterisieren mußte: daß eigentlich die Menschen alles Mögliche verschlafen, das ist, weil sie von der Wissenschaft besessen sind. Heute ist ja — weil die populären Zeitschriften alles überall hinaustragen — auch schon der Ungebildete von der Wissenschaft besessen. Es hat nie so viel Besessene gegeben als heute, sie sind von der Wissenschaft besessen. Es ist ganz eigentümlich, wie man reden muß, wenn man die realen Verhältnisse der heutigen Zeit zu schildern hat. Man muß in ganz andere Töne verfallen als in diejenigen, die heute gang und gäbe sind.
[ 32 ] So this science tells us absolutely nothing about the human being who walks about in the world, who weaves and lives, who is awake. For what sets him in motion is contained in the idea of goodness, not in the idea of truth, which we initially derive from external things. This is something that is given very little thought. When today’s physiologists or anatomists describe human beings, one gets the feeling that one would like to say: Wake up, wake up—you’re asleep, you’re asleep! Under the influence of this worldview, people simply grow accustomed to a state of slumber. And what I have always had to point out—that people are actually sleeping through all sorts of things—is because they are obsessed with science. Today—because popular magazines spread everything far and wide—even the uneducated are obsessed with science. There have never been as many obsessed people as there are today; they are obsessed with science. It is quite peculiar how one must speak when describing the real conditions of the present day. One has to resort to tones quite different from those that are commonplace today.
[ 33 ] So ist es ja auch, wenn nun der Mensch ein wenig von den Materialisten in die Umgebung hineingestellt wird. Als die materialistische Hochflut war, da haben die Leute solche Bücher geschrieben, wie zum Beispiel eines, das austönte in einem bestimmten Kapitel, in dem es heißt: Der Mensch ist eigentlich an sich nichts. Er ist das Ergebnis des Sauerstoffes der Luft, er ist das Ergebnis des Kältegrades oder des Wärmegrades, unter dem er ist. Er ist eigentlich — so endet pathetisch diese materialistische Schilderung — ein Ergebnis jedes Zuges der Luft.
[ 33 ] This is indeed the case when human beings are placed in an environment somewhat influenced by materialists. During the height of materialism, people wrote books such as one that, in a certain chapter, declared: “Human beings are, in and of themselves, nothing.” He is the result of the oxygen in the air; he is the result of the temperature—whether cold or hot—to which he is subjected. He is, in fact—so this materialistic description ends dramatically—the result of every movement of the air.
[ 34 ] Geht man auf eine solche Beschreibung ein und stellt man sich den Menschen vor, der das wirklich ist, was der materialistische Forscher da beschreibt, dann ist es nämlich im höchsten Grade ein Neurastheniker. Die Materialisten haben nie andere Menschen beschrieben. Wenn sie schon nicht bemerkten, daß sie eigentlich den Menschen schlafend schilderten, wenn sie sozusagen aus der Rolle gefallen sind und weitergehen wollten, haben sie nie andere Menschen beschrieben als hochgradige Neurastheniker, die schon am nächsten Tag sterben müssen vor lauter Neurasthenie, die gar nicht leben können. Denn den lebendigen Menschen hat eben diese Epoche der Wissenschaft niemals ergriffen.
[ 34 ] If one considers such a description and imagines the person who truly is what the materialist researcher describes there, then that person is, in fact, a neurasthenic of the highest order. The materialists have never described other people. Even if they failed to notice that they were actually portraying people as if they were asleep—when, so to speak, they stepped out of character and wanted to move on—they have never described anyone other than severe neurasthenics who must die the very next day from sheer neurasthenia, who are utterly incapable of living. For this era of science has never truly grasped the living human being.
[ 35 ] Da liegen die großen Aufgaben, welche die Menschen aus den Zuständen der Gegenwart wiederum herausführen müssen in solche Zustände, unter denen das weitere Leben der Weltgeschichte einzig und allein möglich ist. Was gebraucht wird, das ist ein Eindringen in die Geistigkeit. Es muß der andere Pol gefunden werden zu dem, was erlangt worden ist. Was ist denn eigentlich erlangt worden gerade im Laufe des für die materialistische Weltanschauung gloriosen 19. Jahrhunderts? Was ist denn erlangt worden?
[ 35 ] These are the great tasks that must lead humanity out of the present conditions and back into conditions under which the continued existence of world history is the only possibility. What is needed is a penetration into the spiritual realm. The opposite pole to what has been achieved must be found. What, in fact, has actually been achieved, particularly in the course of the 19th century—a century that was so glorious for the materialistic worldview? What has actually been achieved?
[ 36 ] In einer wunderbaren Weise — es kann ganz aufrichtig und ehrlich gesagt werden — ist es gelungen, die äußere Welt nach Maß, Zahl und Gewicht zu bestimmen als irdische Welt. Darin hat das 19. Jahrhundert und der Beginn des 20. Jahrhunderts Großartiges, Gewaltiges geleistet. Aber die Sinnesempfindungen, die Farben, die Töne, die flattern so herum im Unbestimmten. Die Physiker haben ja ganz aufgehört, von Farben und Tönen zu reden; sie reden von Luftschwingungen und Atherschwingungen, die sind ja nicht Farben und auch nicht Töne. Die Luftschwingungen sind doch keine Töne, sondern sie sind höchstens das Medium, auf dem die Töne sich fortpflanzen. Und es ist gar keine Erfassung da von dem, was die Sinnesqualitäten sind. Dazu muß man erst wiederum kommen. Eigentlich sieht man heute nur, was mit der Waage, mit dem Maßstab, mit der Rechnung sich bestimmten läßt. Das andere ist einem entschwebt.
[ 36 ] In a wonderful way—and this can be said quite sincerely and honestly—we have succeeded in defining the external world in terms of measure, number, and weight as the earthly world. In this regard, the 19th century and the early 20th century achieved something magnificent and monumental. But sensory perceptions—colors and sounds—flutter about in the realm of the indefinite. Physicists have, after all, completely stopped talking about colors and sounds; they speak of air vibrations and ether vibrations, which are neither colors nor sounds. Air vibrations are not sounds, after all; at most, they are the medium through which sounds propagate. And there is no real grasp whatsoever of what sensory qualities actually are. We must return to that. In fact, today we see only what can be determined by the scale, the ruler, and calculation. The rest has slipped away from us.
[ 37 ] Und wenn nun die Relativitätstheorie auch die Ihnen gestern beschriebene grandiose Unordnung hineinbringt in das, was sich messen, wägen, zählen läßt, dann zerklüftet sich alles, dann geht alles auseinander. Aber schließlich, an gewissen Grenzen scheitert schon diese Relativitätstheorie. Nicht gegenüber den Begriffen — mit den irdischen Begriffen entkommt man der Relativitätstheorie nicht; das habe ich an einem anderen Orte schon einmal auseinandergesetzt —, aber mit der Realität entkommt man immer den Relativitätsbegriffen. Denn was sich messen, zählen, wägen läßt, das geht durch Maß, Zahl und Gewicht ganz bestimmte Beziehungen ein in der äußeren sinnlichen Wirklichkeit.
[ 37 ] And if the theory of relativity now introduces—as I described to you yesterday—that tremendous disorder into what can be measured, weighed, and counted, then everything becomes fragmented; everything falls apart. But ultimately, even this theory of relativity fails at certain limits. Not in relation to concepts—one cannot escape the theory of relativity with earthly concepts; I have already discussed this elsewhere—but with reality, one always escapes the concepts of relativity. For whatever can be measured, counted, or weighed enters into very specific relationships in external sensory reality through measure, number, and weight.
[ 38 ] Es war in Stuttgart, da hat einmal ein Physiker, oder eine Reihe von Physikern Anstoß genommen an der Behandlung der Relativitätstheorie von seiten der Anthroposophen. Dann hat er in einer Diskussion das einfache Experiment vorgeführt, daß es eigentlich ganz gleichgültig ist, ob ich hier die Zündholzschachtel habe und mit dem Zündholz darüber streiche: es brennt; oder ob ich das Zündholz festhalte und mit der Schachtel darüber streiche: dann brennt es auch. Es ist relativ.
[ 38 ] It was in Stuttgart that a physicist—or rather, a group of physicists—took offense at the way the anthroposophists were treating the theory of relativity. Then, during a discussion, he demonstrated a simple experiment showing that it actually makes no difference whether I hold the matchbox here and strike the match against it—it burns—or whether I hold the match and strike the box against it—it burns just the same. It is relative.
[ 39 ] Gewiß, hier ist es noch relativ. Und in bezug auf alles, was auf einen Newtonschen Raum bezogen wird, oder auf einen Euklidischen Raum, ist das alles relativ. Aber sobald jene Realität in Betracht kommt, die als Schwere, als Gewicht auftritt, da geht es nicht mehr so leicht, wie der Einstein es sich vorgestellt hat, denn da treten dann reale Verhältnisse auf. Man muß da wirklich wiederum paradox reden. Die Relativität läßt sich eben dann geltend machen, wenn man die ganze Wirklichkeit mit Mathematik und Geometrie und Mechanik verwechselt. Aber wenn man auf die wahre Wirklichkeit eingeht, dann geht das nicht mehr. Denn es ist ja schließlich doch nicht bloß relativ, ob man den Kalbsbraten ißt, oder ob der Kalbsbraten einen ißt! Mit der Zündholzschachtel läßt sich das machen, hin- und herzufahren, aber den Kalbsbraten muß man essen, man kann sich nicht von dem Kalbsbraten aufessen lassen. Es sind eben da Dinge, die diesen Relativitätsbegriffen Grenzen setzen. Diese Dinge sind so, daß wenn sie nun nach außen erzählt werden, man sagen wird: Da ist nicht das geringste Verständnis für diese ernste Theorie. — Aber die Logik ist doch schon so, wie ich sie sage: Es ist nicht anders, ich kann es nicht anders machen.
[ 39 ] Certainly, here it is still relative. And with regard to everything that is related to a Newtonian space, or to a Euclidean space, it is all relative. But as soon as that reality comes into play—the one that manifests as gravity, as weight—things are no longer as straightforward as Einstein imagined, because real conditions then come into play. One really has to speak in paradoxical terms again. Relativity can only be applied when one confuses the whole of reality with mathematics, geometry, and mechanics. But when one delves into true reality, that no longer works. After all, it is not merely a matter of relativity whether one eats the veal roast or whether the veal roast eats one! With a matchbox, one can go back and forth, but one must eat the veal roast; one cannot let the veal roast eat one. There are simply things that set limits on these concepts of relativity. These things are such that, if they were explained to outsiders, people would say: “There isn’t the slightest understanding of this serious theory.” — But the logic is exactly as I describe it: It is no different; I cannot put it any other way.
[ 40 ] Also es handelt sich darum, zu sehen, wie man durch die Berücksichtigung des Gewichtes — also dessen, was eigentlich die physischen Körper macht —, wie man da in der Wirklichkeit, möchte ich sagen, Farben, Töne und so weiter nirgendwo unterbringt. Aber mit dieser Tendenz entfällt einem etwas außerordentlich Wichtiges. Es entfällt einem nämlich das Künstlerische. Indem wir immer physikalischer und physikalischer werden, nimmt das Künstlerische von uns Abschied. Kein Mensch wird heute in dem, was die Physikbücher schildern, noch eine Spur von Kunst finden. Da ist nichts mehr von Kunst, da muß alles, alles heraus. Es ist ja schauderhaft, heute überhaupt ein Physikbuch zu studieren, wenn man noch eine Spur von Schönheitsgefühl hat. Dadurch, daß alles, woraus die Schönheit gewoben wird, aus Farbe und Ton, dadurch, daß das alles vogelfrei wird, daß es nur anerkannt wird, wenn es an den schweren Dingen haftet, gerade dadurch entfällt den Menschen die Kunst. Heute entfällt sie einem. Und je physischer die Menschen werden, desto unkünstlerischer werden sie! Denken Sie doch einmal: Wir haben eine großartige Physik. Dazu bedarf es wahrhaftig nicht des Zurechtweisens der Gegner, daß man auf anthroposophischem Felde sagt: Wir haben eine großartige Physik. — Aber die Physik lebt von der Verleugnung des Künstlerischen. Sie lebt in jedem einzelnen von der Verleugnung des Künstlerischen, denn sie ist angelangt bei einer Art, die Welt zu behandeln, bei der sich der Künstler gar nicht mehr kümmert um den Physiker.
[ 40 ] So the point is to see how, by taking weight into account—that is, what actually constitutes physical bodies—one finds, in reality, I would say, that colors, sounds, and so on have no place anywhere. But with this tendency, something extraordinarily important is lost. Namely, the artistic aspect is lost. As we become more and more physical, the artistic aspect takes its leave of us. No one today will find even a trace of art in what physics textbooks describe. There is nothing left of art there; everything, absolutely everything, must be stripped away. It is truly dreadful to study a physics textbook today if one still possesses even a trace of a sense of beauty. Precisely because everything from which beauty is woven—color and sound—is cast out, because it is only acknowledged when it clings to the heavy, material things, it is precisely through this that art is lost to people. Today, it is slipping away from us. And the more physical people become, the less artistic they become! Just think about it: We have a magnificent physics. We truly do not need to be told by our opponents that, in the field of anthroposophy, we say: We have a magnificent physics. — But physics thrives on the denial of the artistic. It thrives in each and every one of us through the denial of the artistic, for it has arrived at a way of treating the world in which the artist no longer cares at all about the physicist.
[ 41 ] Ich glaube zum Beispiel nicht, daß der Musiker heute großen Wert darauf legt, die physikalischen Theorien der Akustik zu studieren. Das ist ihm zu langweilig, es kümmert ihn nicht. Der Maler wird auch nicht gern diese schreckliche Farbenlehre, die in der Physik enthalten ist, studieren. Er wendet sich in der Regel, wenn er sich überhaupt um Farben kümmert, noch zur Goetheschen Farbenlehre. Aber die ist ja falsch nach der Ansicht der Physiker. Die Physiker drücken ein Auge zu und sagen: Nun ja, das ist ja nicht so wesentlich, ob der Maler eine richtige oder eine falsche Farbenlehre hat. — Es ist eben so, daß unter der physikalischen Weltanschauung von heute die Kunst zugrunde gehen muß. Nun müssen wir uns die Frage vorlegen: Warum war denn in älteren Zeiten eine Kunst da?
[ 41 ] For example, I don’t believe that musicians today place much value on studying the physical theories of acoustics. It’s too boring for them; they don’t care. Nor does the painter particularly enjoy studying that dreadful theory of color contained in physics. As a rule, if he concerns himself with colors at all, he still turns to Goethe’s theory of color. But that is, of course, incorrect in the view of physicists. The physicists turn a blind eye and say: Well, it’s not really that important whether the painter has a correct or incorrect theory of color. — The fact is that, under today’s physical worldview, art is bound to perish. Now we must ask ourselves: Why did art exist in earlier times?
[ 42 ] Wenn wir in ganz alte Zeiten zurückgehen, in die Zeiten, in denen die Menschen noch ein ursprüngliches Hellsehen hatten, da war es so, daß nämlich die Menschen nicht so viel merkten von Maß, Zahl und Gewicht in den irdischen Dingen. Es kam ihnen gar nicht so sehr auf Maß, Zahl und Gewicht an, sie gaben sich mehr den Farben, den Tönen der irdischen Dinge hin.
[ 42 ] If we go back to very ancient times, to the days when people still possessed a primal clairvoyance, it was the case that people did not pay much attention to measure, number, and weight in earthly things. They did not place much importance on measurements, numbers, and weights; instead, they were more attuned to the colors and sounds of earthly things.
[ 43 ] Denken Sie doch nur einmal, daß ja die Chemie erst seit Lavoisier mit dem Gewicht rechnet; das ist etwas mehr als hundert Jahre! Das Gewicht wurde ja erst angewendet auf eine Weltanschauung am Ende des 18. Jahrhunderts. Es war eben bei der älteren Menschheit das Bewußtsein nicht vorhanden, daß alles nach irdischem Maß, Zahl und Gewicht bestimmt werden muß. Man war mit seinem Gemüte hingegeben dem Farbenteppich der Welt, den Tonwebungen und -wellungen; nicht den Luftschwingungen, sondern den Tonwellungen und -webungen, denen war man hingegeben. Man lebte darin, auch indem man in der physischen Welt lebte.
[ 43 ] Just think for a moment that chemistry has only been using weight as a measure since Lavoisier; that’s a little over a hundred years! Weight was only applied to a worldview at the end of the 18th century. Among the people of earlier times, there was simply no awareness that everything must be determined by earthly measures, numbers, and weight. People devoted themselves with their hearts to the tapestry of colors in the world, to the weavings and undulations of sound; not to air vibrations, but to the undulations and weavings of sound—to these they were devoted. They lived within it, even while living in the physical world.
[ 44 ] Aber welche Möglichkeit hatte man denn dadurch, daß man in diesem schwerefreien sinnlichen Wahrnehmen lebte? Dadurch hatte man die Möglichkeit, wenn man zum Beispiel an den Menschen herankam, den Menschen gar nicht so zu sehen, wie man ihn heute sieht, sondern man sah sich den Menschen an wie ein Ergebnis des ganzen Weltenalls. Der Mensch war mehr ein Zusammenfluß des Kosmos. Er war mehr ein Mikrokosmos als dasjenige, was innerhalb seiner Haut da auf diesem kleinen Fleck Erde steht, wo der Mensch steht. Man dachte sich im Menschen mehr ein Abbild der Welt. Da flossen die Farben von allen Seiten so zusammen, gaben dem Menschen die Farben. Die Weltenharmonie war da, durchtönte den Menschen, gab dem Menschen die Gestalt.
[ 44 ] But what possibilities did living in this weightless, sensory perception actually offer? It offered the possibility that, when one approached a person, for example, one did not see that person at all as one sees them today, but rather viewed that person as a product of the entire universe. A human being was more of a convergence of the cosmos. He was more of a microcosm than simply what stands within his skin on that small patch of earth where he stands. People conceived of the human being more as a reflection of the world. There, colors flowed together from all sides, giving the human being his colors. The harmony of the worlds was present, resonating through the human being, giving him his form.
[ 45 ] Und von der Art und Weise, wie alte Mysterienlehrer zu ihren Schülern sprachen, kann ja die Menschheit heute kaum etwas verstehen. Denn wenn heute ein Mensch das menschliche Herz erklären will, so nimmt er einen Embryo und sieht, wie da die Blutgefäße sich aussacken, und wie da ein Schlauch zunächst entsteht und dann das Herz sich allmählich formt. Ja, so haben die alten Mysterienlehrer zu ihren Schülern nicht gesagt! Das hätte ihnen nicht viel wichtiger geschienen, als wenn man sich einen Strumpf strickt, weil ja schließlich der Vorgang so ganz ähnlich ausschaut. Dagegen haben sie etwas anderes als ein ungeheuer Wichtiges hervorgehoben. Sie haben gesagt: Das menschliche Herz ist ein Ergebnis des Goldes, das im Lichte überall lebt, und das von dem Weltenall hereinströmt und eigentlich das menschliche Herz bildet. Sie haben die Vorstellungen gehabt: Da webt durch das Weltenall das Licht, und das Licht trägt das Gold. Überall im Lichte ist das Gold, das Gold webt und lebt im Lichte. Und wenn der Mensch im irdischen Leben steht, dann ist sein Herz — Sie wissen ja, nach sieben Jahren ändert es sich — nicht aus den Gurken und aus dem Salat und aus dem Kalbsbraten aufgebaut, die der Mensch inzwischen gegessen hat, sondern da wußten diese alten Lehrer: das ist aus dem Golde des Lichtes aufgebaut. Und die Gurken und der Salat, die sind nur die Anregung dazu, daß das im Lichte webende Gold vom ganzen Weltenall das Herz aufbaut.
[ 45 ] And humanity today can hardly understand anything about the way in which the ancient mystery teachers spoke to their students. For when a person today wants to explain the human heart, they take an embryo and observe how the blood vessels bulge out, how a tube first forms, and then how the heart gradually takes shape. Yes, that is not what the ancient mystery teachers told their students! That would not have seemed much more important to them than knitting a sock, since, after all, the process looks quite similar. Instead, they emphasized something else—something of immense importance. They said: The human heart is the result of the gold that lives everywhere in the light, which flows in from the universe and actually forms the human heart. They held the vision that light weaves through the universe, and that light carries the gold. Everywhere in the light is the gold; the gold weaves and lives in the light. And when a person lives their earthly life, their heart—as you know, it changes after seven years—is not made up of the cucumbers, the lettuce, and the roast veal that the person has eaten in the meantime; rather, these ancient teachers knew that it is built from the gold of the light. And the cucumbers and the lettuce are merely the stimulus that enables the gold weaving in the light from the entire universe to build up the heart.


[ 46 ] Ja, die Leute haben anders geredet, und man muß sich dieses Gegensatzes bewußt werden, denn man muß ja wieder lernen, so zu reden, nur eben auf einer anderen Bewußtseinsstufe. Dasjenige, was zum Beispiel auf dem Gebiete der Malerei einmal da war, was dann verschwunden ist, wo man noch aus dem Weltenall heraus gemalt hat, weil man noch nicht die Schwere hatte, das hat seine letzte Spur zurückgelassen — sagen wir zum Beispiel bei Cimabue und namentlich bei der Inkonenmalerei der Russen. Die Ikone ist noch aus der Außenwelt, aus dem Makrokosmos gemalt; sie ist gewissermaßen ein Ausschnitt aus dem Makrokosmos. Dann aber war man einmal bei der Sackgasse angelangt. Da konnte man nicht weiter, weil einfach für die Menschheit diese Anschauung nicht mehr da ist. Hätte man malen wollen die Ikone mit innerem Anteil, nicht bloß aus der Tradition und aus dem Gebet heraus, dann hätte man wissen müssen, wie man das Gold behandelt. Die Behandlung des Goldes auf dem Bilde, das war ja eines der größten Geheimnisse der alten Malerei. Heraufzubringen dasjenige, was am Menschen gestaltet ist, aus dem Hintergrunde des Goldes, das war die alte Malerei.
[ 46 ] Yes, people used to speak differently, and one must become aware of this contrast, for one must learn to speak that way again—only now at a different level of consciousness. That which once existed, for example, in the field of painting—which then disappeared, when people still painted from the cosmos itself because they were not yet weighed down by gravity—has left its final trace behind—let’s say, for example, in the work of Cimabue and especially in Russian icon painting. The icon is still painted from the outer world, from the macrocosm; it is, so to speak, a fragment of the macrocosm. But then a dead end was reached. One could go no further, because this perspective simply no longer exists for humanity. If one had wanted to paint the icon with inner participation—not merely out of tradition and prayer—then one would have had to know how to treat the gold. The treatment of gold in the painting was, after all, one of the greatest secrets of ancient painting. To bring forth that which is formed in the human being from the background of gold—that was ancient painting.
[ 47 ] Es liegt ein ungeheurer Abgrund zwischen Cimabue und Giotto. Denn Giotto begann bereits mit dem, was dann Raffael auf besondere Höhe gebracht hat. Cimabue hatte es noch durch Tradition, Giotto wurde schon halber Naturalist. Er merkte: Die Tradition wird nicht mehr innerlich in der Seele lebendig. Jetzt muß man den physischen Menschen nehmen, jetzt hat man nicht mehr das Weltenall. Man kann nicht mehr aus dem Golde heraus malen, man muß aus dem Fleische heraus malen.
[ 47 ] There is a vast chasm between Cimabue and Giotto. For Giotto had already begun what Raphael would later elevate to extraordinary heights. Cimabue was still bound by tradition, while Giotto was already becoming something of a naturalist. He realized: Tradition no longer comes alive within the soul. Now one must take the physical human being; now one no longer has the cosmos. One can no longer paint from gold; one must paint from the flesh.
[ 48 ] Das ist endlich so weit gekommen, daß ja schließlich die Malerei zu dem übergegangen ist, was sie im 19. Jahrhundert vielfach gehabt hart. Die Ikonen, die haben ja gar keine Schwere, die Ikonen sind «hereingescheint» aus der Welt; die haben ja keine Schwere. Man kann sie nur heute nicht mehr malen, aber wenn man sie in ursprünglicher Gestalt malte, hätten sie überhaupt kein Gewicht.
[ 48 ] Things have finally reached the point where painting has, in the end, returned to what it often was in the 19th century. Icons have no heaviness at all; they seem to have “shone in” from the world; they have no heaviness. It’s just that we can no longer paint them today, but if they were painted in their original form, they would have no weight at all.
[ 49 ] Giotto fing zuerst an, die Dinge so zu malen, daß sie Gewicht haben. Daraus wurde dann, daß alles, was man malt, auch auf dem Bilde Gewicht hat, und man streicht es dann von außen an; so daß sich die Farben zu dem verhalten, was gemalt ist, wie der Physiker erklärt, daß die Farbe da an der Oberfläche durch irgendeine besondere Wellenschwingung entsteht. Es hat die Kunst schließlich auch mit dem Gewichte gerechnet. Nur fing Giotto das in ästhetisch-künstlerischer Weise an, und Raffael brachte es dann auf die höchste Höhe.
[ 49 ] Giotto was the first to begin painting objects in such a way that they have weight. This led to the idea that everything one paints also has weight in the picture, and one then applies the paint from the outside; so that the colors relate to what is painted in the same way that, as the physicist explains, color arises on the surface through some particular wave vibration. Art, too, has ultimately taken weight into account. Only Giotto began this in an aesthetic and artistic way, and Raphael then brought it to its highest level.
[ 50 ] So daß man sagen kann: Da ist das Weltenall gewichen aus dem Menschen, und der schwere Mensch wurde dasjenige, was man jetzt nur noch sehen konnte. Und weil noch die Gefühle der alten Zeit da waren, so wurde sozusagen das Fleisch möglichst wenig schwer, aber es wurde schwer. Und da entstand die Madonna als Gegensatz der Ikone: die Ikone, die kein Gewicht hat, die Madonna, die ja Gewicht hat, wenn sie auch schön ist. Die Schönheit hat sich noch erhalten. Aber Ikonen sind überhaupt nicht mehr malbar, weil der Mensch sie nicht erlebt. Und es ist eine Unwahrheit, wenn die Menschen heute glauben, daß sie Ikonen erleben. Daher auch die Ikonenkultur eben in eine gewisse sentimentale Unwahrheit eingetaucht war. Das ist eine Sackgasse in der Kunst, das wird schematisch, das wird traditionell.
[ 50 ] So that one can say: The universe has receded from within the human being, and the heavy human being became that which could now only be seen. And because the feelings of the old era were still present, the flesh, so to speak, became as light as possible—yet it still became heavy. And thus the Madonna emerged as the antithesis of the icon: the icon, which has no weight, and the Madonna, which does have weight, even though she is beautiful. Beauty has been preserved. But icons are no longer paintable at all, because people do not experience them. And it is a falsehood when people today believe that they experience icons. That is why icon culture was immersed in a certain sentimental falsehood. This is a dead end in art; it becomes schematic, it becomes traditional.
[ 51 ] Die Malerei Raffaels, die Malerei, die sich eigentlich auf dem aufbaut, was Giotto aus dem Cimabue gemacht hat, diese Malerei, die kann nur so lange Kunst bleiben, solange noch der alte Glanz der Schönheit auf sie strahlt. Gewissermaßen waren es die sonnigen Renaissancemaler, die noch etwas empfunden haben von dem im Lichte webenden Gold und wenigstens ihren Bildern den Glanz gaben, mit dem im Lichte webenden Gold sie von außen überstrahlen ließen.
[ 51 ] Raphael’s painting—the style that is essentially built upon what Giotto developed from Cimabue—can remain art only as long as the old splendor of beauty continues to shine upon it. In a sense, it was the radiant Renaissance painters who still sensed something of the gold shimmering in the light and at least imbued their paintings with the radiance that allowed the gold shimmering in the light to outshine them from the outside.
[ 52 ] Aber das hörte auf. Und so ist der Naturalismus geworden. Und so sitzt heute die Menschheit künstlerisch zwischen zwei Stühlen auf der Erde, zwischen der Ikone und der Madonna, und ist darauf angewiesen, dasjenige zu entdecken, was die reine webende Farbe, der reine webende Ton ist, mit ihrem entgegengesetzten Gewicht, entgegengesetzt der Meßbarkeit, der wägbaren Zählbarkeit. Wir müssen lernen, aus der Farbe heraus zu malen. Treffen wir das heute versuchsweise auch noch so anfänglich und schlecht, es ist unsere Aufgabe, aus der Farbe heraus zu malen, die Farbe selber zu erleben, losgelöst von der Schwere die Farbe selber zu erleben. In diesen Dingen muß man bewußt, auch künstlerisch bewußt, vorgehen können.
[ 52 ] But that came to an end. And that is how naturalism came to be. And so today, humanity finds itself artistically caught between two stools on Earth—between the icon and the Madonna—and is dependent on discovering what pure, weaving color and pure, weaving sound are, with their opposing weight, in contrast to measurability and quantifiable countability. We must learn to paint from within the color itself. Even if we attempt this today only tentatively, however rudimentary and poorly, it is our task to paint from within the color itself, to experience the color itself, detached from its heaviness. In these matters, one must be able to proceed consciously—and artistically so.
[ 53 ] Und wenn Sie sich ansehen, was erstrebt wurde in den einfachen Versuchen unserer Programme, dann werden Sie sehen: da ist, wenn es auch nur ein Anfang ist, eben doch der Anfang gemacht, die Farben loszubekommen von der Schwere, die Farbe als ein in sich selbst tragendes Element zu erleben, zum Sprechen zu bringen die Farben. Wenn das gelingt, dann wird gegenüber der unkünstlerischen physikalischen Weltanschauung, die alle Kunst ausdampfen läßt, aus dem freien Elemente der Farbe, des Tones eine Kunst geschaffen, die wiederum frei ist von Schwere.
[ 53 ] And if you look at what we have strived for in the simple experiments of our programs, you will see: even if it is only a beginning, the first step has indeed been taken—to free colors from their heaviness, to experience color as an element that sustains itself, and to make the colors speak. If this succeeds, then—in contrast to the non-artistic, physical worldview that causes all art to evaporate—an art will be created from the free elements of color and tone that is, in turn, free from heaviness.
[ 54 ] Ja, wir sitzen auch zwischen zwei Stühlen, zwischen der Ikone und der Madonna, aber wir müssen aufstehen. Dazu hilft uns die physische Wissenschaft nicht. Ich habe Ihnen gesagt: Man muß ja immer liegenbleiben, wenn man nur die physische Wissenschaft anwendet auf den Menschen. Nun müssen wir aber aufstehen! Dazu brauchen wir wirklich Geisteswissenschaft. Die enthält das Lebenselement, das uns hinträgt von der Schwere zur schwerelosen Farbe, zur Realität der Farbe, von dem Gebundensein selbst schon im musikalischen Naturalismus zu der freien musikalischen Kunst und so weiter.
[ 54 ] Yes, we, too, are caught between two stools—between the icon and the Madonna—but we must stand up. Physical science cannot help us with this. I have told you: One must always remain lying down if one applies only physical science to human beings. But now we must stand up! For this, we truly need spiritual science. It contains the element of life that carries us from heaviness to weightless color, to the reality of color, from being bound—even within musical naturalism—to free musical art, and so on.
[ 55 ] Auf allen Gebieten sehen wir, wie es sich handelt um ein Sich-Aufraffen, um ein Erwachen der Menschheit. Das ist es, daß wir aufnehmen sollten diesen Impuls zum Erwachen, zum Hinausschauen, zum Erblicken dessen, was ist und was nicht ist, und wo überall die Aufforderungen liegen, weiter vorzuschreiten. Deshalb war es, daß ich eigentlich jetzt vor dieser Sommerpause, die durch die englische Reise bedingt ist, wollen mußte, sowohl bei der Delegiertenversammlung wie jetzt in diesen Tagen, gerade mit solchen Betrachtungen abzuschließen, wie ich sie Ihnen gebracht habe. Diese Dinge gehen schon an den Nerv unserer Zeit. Und das ist notwendig, daß man das andere so hereinscheinen läßt in unsere Bewegung, wie ich versucht habe es anzudeuten.
[ 55 ] In every area, we see that this is a matter of pulling ourselves together, of a reawakening of humanity. This is why we should embrace this impulse toward awakening, toward looking outward, toward perceiving what is and what is not, and recognizing where the calls to move forward lie. That is why, just before this summer break—which is due to my trip to England—I felt compelled to conclude both the Delegates’ Assembly and these recent days with precisely the reflections I have shared with you. These matters strike a chord with the spirit of our times. And it is necessary to allow this other perspective to shine into our movement, as I have tried to suggest.
[ 56 ] Ich habe geschildert, wie der Philosoph der Neuzeit dazu gekommen ist, sich zu gestehen: Wozu führt denn dieser Intellektualismus? Eine Riesenmaschine zu bauen, die man in den Mittelpunkt der Erde versetzt, um von da aus die Erde in alle Räume des Weltenalls hinauszusprengen! Er gestand sich, daß das so ist. Die anderen gestehen es sich nicht!
[ 56 ] I have described how the modern philosopher came to admit to himself: Where does this intellectualism lead? To building a gigantic machine that is placed at the center of the Earth, from which point the Earth is blown out into all the spaces of the universe! He admitted to himself that this is so. The others do not admit it!
[ 57 ] Und so habe ich versucht an den verschiedensten Stellen — zum Beispiel als ich Ihnen gestern zeigte, wie die Begriffe, die noch vor dreißig, vierzig Jahren da waren, heute durch die Relativitätstheorie aufgelöst werden, einfach hinschmelzen wie der Schnee an der Sonne -, so habe ich versucht, Ihnen zu zeigen, wie überall die Aufforderungen liegen, zur Anthroposophie doch wirklich hinzustreben. Denn es sagt doch der Philosoph Eduard von Hartmann: Wenn die Welt so ist, wie wir uns sie vorstellen müssen — das heißt, wie er sie nach dem Sinn des 19. Jahrhunderts vorstellt -, dann müssen wir eigentlich, weil wir es nicht in ihr aushalten können, sie in den Weltenraum hinaussprengen, und es handelt sich nur darum, daß wir einmal so weit sind, daß wir es ausführen können. Diese Zeit müssen wir herbeisehnen, wo wir die Welt in alle Weiten des Universums versprengen können. — Vorher sorgen dann noch die Relativisten dafür, daß die Menschen keine Begriffe mehr haben! Raum, Zeit, Bewegung lösen sich auf, dann kann man ohnedies schon so in Verzweiflung kommen, daß man unter gewissen Voraussetzungen das höchste Befriedigende schon sieht in diesem Hinaussprengen in das ganze Universum. Aber man muß sich eben in klarer Weise bekanntmachen mit dem, was als gewisse Impulse in unserer Zeit liegt.
[ 57 ] And so I have tried in various places—for example, when I showed you yesterday how the concepts that were still around thirty or forty years ago are now being dissolved by the theory of relativity, simply melting away like snow in the sun—I have tried to show you how everywhere there are calls to truly strive toward anthroposophy. For, as the philosopher Eduard von Hartmann says: If the world is as we must imagine it—that is, as he conceives it in the spirit of the nineteenth century—then we must actually, because we cannot endure it, blast it out into outer space, and it is simply a matter of our eventually reaching the point where we can carry this out. We must long for that time when we can scatter the world across the vastness of the universe. — Before that, the relativists will ensure that people no longer have any concepts! Space, time, and motion dissolve; then one can already fall into such despair that, under certain conditions, one sees the highest satisfaction precisely in this scattering out into the entire universe. But one must simply familiarize oneself clearly with what lies as certain impulses in our time.
