Humanity as the harmony of the
creative, formative, and shaping Word of the World
GA 230
11 November 1923, Dornach
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Humanity as the harmony of the creative, formative, and shaping Word, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Wenn man sieht, wie im menschlichen Organismus das Außerlich-Natürliche umgewandelt wird, zum Beispiel so radikal wie das Mineralische, das bis zum Wärmeätherischen hin kommen muß, dann wird man auch finden, wie dasjenige, was im natürlichen, im organisierten Menschen lebt, sich anschließt an das Geistige. Wenn man, wie man es so häufig im Sinne hat nach den Abbildungen, die etwa in den gebräuchlichen Handbüchern über Anatomie und Physiologie sind, sich vorstellt: der Mensch ist ein festes Gebilde und nimmt dann die äußeren Naturbestandteile auf, hält sie in sich fast unverwandelt, dann wird man natürlich immer unter dem Mangel einer Brücke leiden, die geschlagen werden muß hinüber von dem, was im natürlichen Menschen ist, zu dem, womit der Mensch verbunden ist seinem eigentlich Seelischen nach.
[ 1 ] When one observes how the external-natural is transformed within the human organism—for example, as radically as the mineral, which must progress all the way to the warmth-etheric—one will also discover how that which lives within the natural, organized human being connects to the spiritual. If one imagines—as is so often the case based on the illustrations found in standard textbooks on anatomy and physiology—that that the human being is a solid structure that takes in the external natural elements and retains them almost unchanged within itself, then one will naturally always suffer from the lack of a bridge that must be built from what is in the natural human being to that with which the human being is connected in terms of its true soul.
[ 2 ] Zunächst wird man die Verbindung des Knochensystems, des Muskelsystems, die man sich so als feste Körper vorstellt, zum Beispiel mit der moralischen Weltordnung nicht finden können. Man wird sagen: das eine ist eben Natur, das andere ist etwas, was radikal verschieden ist von der Natur. Aber wenn man sich klar darüber ist, daß im Menschen alle Arten von Substantialität vorhanden sind, und daß alles durchgehen muß durch auch flüchtigere Arten von Substantialität, als die Muskeln und die Knochen sind, dann wird man finden, daß allerdings dasjenige, was flüchtiger, ätherischer ist, eine Verbindung eingehen kann mit dem, was die Impulse der moralischen Weltordnung sind.
[ 2 ] At first, one will not be able to find a connection between the skeletal system and the muscular system—which one tends to think of as solid bodies—and, for example, the moral order of the world. One will say: one is simply nature, while the other is something radically different from nature. But once one realizes that all kinds of substantiality are present in human beings, and that everything must pass through forms of substantiality even more ephemeral than muscles and bones, one will find that what is more ephemeral and ethereal can indeed enter into a connection with the impulses of the moral world order.
[ 3 ] An diesen Gedanken muß man anknüpfen, wenn man die Betrachtungen, die wir bereits angestellt haben, zu derjenigen Verbindung hinführen will, die der Mensch nach oben, nach dem Geistigen des Kosmos hat, nach denjenigen Wesenheiten, die wir als die Wesenheiten der höheren Hierarchien bezeichnet haben. Und so wollen wir denn, wie wir bei den verflossenen Vorträgen mehr ausgegangen sind von dem Natürlichen, heute ausgehen, sagen wir von dem, was geistig-moralisch unter den Menschen wirkt.
[ 3 ] We must build on this thought if we wish to connect the considerations we have already made to the connection that human beings have upward, toward the spiritual realm of the cosmos, toward those beings we have referred to as the beings of the higher hierarchies. And so, just as in our previous lectures we focused more on the natural realm, today we will focus—let us say—on what works spiritually and morally among human beings.
[ 4 ] Geistig, moralisch: das sind eigentlich für die moderne Zivilisation schon mehr oder weniger Begriffe geworden, die ein Konventionelles darstellen. Immer mehr und mehr ist zurückgegangen das ursprüngliche elementarische Fühlen des Moralisch-Geistigen in der menschlichen Wesenheit. Die moderne Zivilisation weist den Menschen zum Beispiel schon seiner ganzen Erziehung nach immer mehr und mehr darauf hin, zu fragen: Was ist üblich? Was hat sich konventionell festgesetzt? Was ist Gebot? Was ist Gesetz? und so weiter. — Sie geht weniger auf das, was aus dem Menschen eben herauskommt als Impulse, die da wurzeln an derjenigen Stelle, an die man sehr häufig in unbestimmter Art das Gewissen zum Beispiel verlegt. Dieses innerliche Sich-selber-Richtung-und-Ziel-Setzen, das ist etwas, was immer mehr und mehr in der modernen Zivilisation zurückgegangen ist. Daher ist schließlich das Geistig-Moralische etwas geworden, was heute mehr oder weniger im Konventionell-Traditionellen lebt.
[ 4 ] Intellectual, moral: for modern civilization, these have actually become, more or less, conventional terms. The original, elemental sense of the moral and intellectual in the human being has diminished more and more. Modern civilization, for example, through the very nature of a person’s upbringing, increasingly prompts people to ask: What is customary? What has become established as convention? What is a commandment? What is law? And so on. — It pays less attention to what arises spontaneously from within the human being as impulses rooted in that place which is very often, in a vague sense, referred to as the conscience, for example. This inner process of setting one’s own direction and goals is something that has declined more and more in modern civilization. Consequently, the spiritual-moral realm has ultimately become something that today exists more or less within the realm of convention and tradition.
[ 5 ] Ältere Weltanschauungen, namentlich diejenigen, welche noch von instinktivem Hellsehen getragen waren, die brachten aus dem Inneren des Menschen die moralischen Impulse hervor, die zeitigten moralische Impulse. Diese moralischen Impulse sind da; aber sie sind heute traditionell geworden. Man muß sich nur klar darüber sein, wie stark das Moralische zum Beispiel traditionell geworden ist. Es soll damit selbstverständlich gar nichts gesagt werden gegen das Traditionelle im Moralischen — aber bedenken Sie nur, wie alt sind denn die Zehn Gebote? Sie werden gelehrt als etwas, das verzeichnet ist aus alten Zeiten her. Können wir sagen, daß heute es etwas Gewöhnliches ist, daß aus der ursprünglichen elementarischen Menschennatur etwas dergleichen hervorquillt, wie es einmal mit dem Dekalog, mit den Zehn Geboten war? Und aus was quillt denn das Moralisch-Geistige, das die Menschen sozial verbindet, das die sozialen Fäden schlägt von Person zu Person, hervor unter den Menschen?
[ 5 ] Older worldviews—namely those that were still sustained by instinctive clairvoyance—drew moral impulses from within the human being, which in turn gave rise to moral impulses. These moral impulses are still present; but today they have become traditional. One need only be clear about just how deeply moral principles, for example, have become traditional. This is, of course, not meant to say anything against the traditional aspect of morality—but just consider: how old are the Ten Commandments? They are taught as something recorded from ancient times. Can we say that today it is common for something similar to what once was the case with the Decalogue—the Ten Commandments—to well up from original, elemental human nature? And from what, then, does the moral-spiritual—which unites people socially, which weaves the social threads from person to person—well up among human beings?
[ 6 ] Es gibt als die eigentlichen Quellen des Moralisch-Geistigen in der Menschheit nur dasjenige, was man Menschenverständnis nennen kann, gegenseitiges Menschenverständnis, und die auf dieses Verständnis der Menschen gebaute Menschenliebe. Wir mögen noch so sehr uns umsehen in der Entstehung der moralisch-geistigen Impulse der Menschen, insofern diese im sozialen Leben eine Rolle spielen, wir werden überall finden, daß da, wo elementar diese moralischen Impulse aus der Menschheit entsprungen sind, sie hervorkamen aus Menschenverständnis und aus Menschenliebe. Diese letzteren sind das eigentlich Treibende des sozial Geistig-Moralischen innerhalb der Menschheit. Und im Grunde genommen lebt der Mensch, insofern er ein geistiges Wesen ist, unter anderen Menschen nur davon, daß er Menschenverständnis und Menschenliebe entwickelt.
[ 6 ] The only true sources of the moral-spiritual in humanity are what can be called human understanding—mutual human understanding—and the love of humanity built upon this understanding. No matter how closely we examine the origins of humanity’s moral-spiritual impulses—insofar as they play a role in social life—we will find everywhere that, where these moral impulses have arisen in a fundamental way from humanity, they have emerged from human understanding and love for humanity. These latter qualities are the true driving force behind the social, spiritual, and moral life within humanity. And fundamentally, insofar as human beings are spiritual beings, they live among other human beings solely by developing an understanding of humanity and love for humanity.
[ 7 ] Nun können Sie eine bedeutungsvolle Frage aufwerfen, eine Frage, die zwar nicht immer aufgeworfen wird, die aber gerade dem Gesagten gegenüber eigentlich jedem auf der Zunge liegen müßte: Wenn Menschenliebe und Menschenverständnis die eigentlichen Impulse des menschlichen Zusammenlebens sind, woher kommt es denn, daß das Gegenteil, Menschenunverständnis und Menschenhaß, innerhalb unserer sozialen Ordnung auftreten?
[ 7 ] Now you may raise a significant question—one that, while not always raised, should actually be on everyone’s mind in light of what has just been said: If love and understanding for others are the true driving forces of human coexistence, how is it that the opposite—misunderstanding and hatred of others—occurs within our social order?
[ 8 ] Das ist eine Frage, welche am meisten von allen Menschen gerade die Initiierten beschäftigt hat. Die Initiationswissenschaft hat zu allen Zeiten, wo sie ursprünglich war, dies gerade als eine ihrer wichtigsten Fragen betrachtet. Aber diese Initiationswissenschaft hatte, als sie ursprünglich war, auch noch gewisse Mittel, hinter die Lösung dieser Frage zu kommen. Wenn man heute die gebräuchliche Wissenschaft anschaut, so kommt man eigentlich dazu, wenn man den Menschen betrachtet — die Gott-geschaffene Seele ist ja eigentlich veranlagt zu Menschenverständnis und Menschenliebe —, zu fragen: Warum wirken denn diese nicht als Selbstverständliches innerhalb der sozialen Ordnung? Woher kommt denn Menschenhaß und Menschenunverständnis? Und wenn wir sie nicht im Geistigen, im Seelischen suchen können, diesen Menschenunverstand und diesen Menschenhaß, müssen wir sie natürlich im Physisch-Leiblichen suchen.
[ 8 ] This is a question that has preoccupied the Initiates more than anyone else. In its original form, the science of initiation has always regarded this as one of its most important questions. But in its original form, the science of initiation also possessed certain means for arriving at the solution to this question. When one looks at conventional science today, one is actually led—when observing human beings (for the soul created by God is, after all, naturally inclined toward understanding and love of humanity)—to ask: Why do these qualities not manifest as a matter of course within the social order? Where, then, do hatred of others and a lack of understanding of others come from? And if we cannot find this lack of understanding and this hatred of others in the spiritual or the soul, we must naturally seek them in the physical-bodily realm.
[ 9 ] Ja, aber nun antwortet uns die heutige gebräuchliche Wissenschaft, was das Physisch-Leibliche des Menschen ist: Blut, Nerven, Muskeln, Knochen. Man kann einen Knochen noch so lange anschauen, wenn man nur mit dem Auge der heutigen Naturwissenschaft blickt, man wird nicht sagen können: Dieser Knochen, der ist der Verführer des Menschen zum Haß. — Oder man wird das Blut noch so sehr nach den Prinzipien untersuchen können, nach denen heute untersucht wird, man wird nicht feststellen können auf diese Weise: Dieses Blut ist der Verführer des Menschen zum Menschenunverstand.
[ 9 ] Yes, but modern mainstream science tells us what constitutes the physical, bodily aspect of a human being: blood, nerves, muscles, bones. No matter how long one looks at a bone, if one views it solely through the lens of modern natural science, one will not be able to say: “This bone is what incites humans to hatred.” — Or no matter how thoroughly one examines blood according to the principles by which it is examined today, one will not be able to determine in this way: “This blood is what incites humans to inhumanity.”
[ 10 ] Das war allerdings in den Zeiten, in denen die Initiationswissenschaft ursprünglich war, ganz anders. Da sah man hin auf das Physisch-Leibliche des Menschen, und man hatte da das Gegenbild dessen, was man durch instinktives Hellsehen im Geistigen hatte. Wenn heute der Mensch vom Geistigen spricht, so redet er ja höchstens von abstrakten Gedanken; die sind ihm das Geistige. Und wenn ihm diese Gedanken zu dünn sind, dann bleiben ihm nur die Worte noch übrig, und er schreibt eine «Kritik der Sprache», wie es Fritz Mauthner getan hat. Durch eine solche Kritik der Sprache kommt man in die Möglichkeit, den Geist, der ohnedies schon dünn genug geworden ist, völlig verdunsten zu lassen in den bloß abstrakten Gedanken. Die mit instinktivem Hellsehen durchsetzte Initiationswissenschaft sah das Geistige nicht in abstrakten Gedanken. Sie sah das Geistige in Gestalten, in dem, was bildhaft war, was selber sprechen, tönen konnte. Sie sah das Geistige in Lebendigkeit. Dadurch, daß das Geistige in Lebendigkeit gesehen wurde, konnte auch noch das Physische, der Knochen, das Blut in Geistigkeit gesehen werden. Es gab in dieser Initiationswissenschaft nicht diese Gedanken, diese Vorstellung des Skelettes, die man heute hat. Dieses Skelett ist heute etwas, das betrachtet wird wie von einem rechnenden Architekten aufgebaut für den Anatomen oder für den Physiologen. Aber das ist es ja nicht. Dieses Skelett ist, wie Sie gesehen haben, dadurch gestaltet, daß das Mineralische bis hinauf zum Wärmeäther getrieben wird, daß in den Wärmeäther die Kräfte der geistigen Hierarchien eingreifen, und dann daraus die Knochenformen gebildet werden.
[ 10 ] However, things were quite different in the early days of the science of initiation. Back then, attention was focused on the physical and corporeal aspects of the human being, and these served as a counterpoint to what was perceived in the spiritual realm through instinctive clairvoyance. When people today speak of the spiritual, they are at most referring to abstract thoughts; for them, these are the spiritual. And if these thoughts seem too insubstantial to them, then all that remains are words, and they write a “Critique of Language,” as Fritz Mauthner did. Through such a “Critique of Language,” one opens the door to allowing the spirit—which has already become thin enough—to evaporate completely into mere abstract thoughts. The science of initiation, interwoven with instinctive clairvoyance, did not see the spiritual in abstract thoughts. It saw the spiritual in forms, in that which was pictorial, in that which could speak and sound on its own. It saw the spiritual in liveliness. Because the spiritual was seen in liveliness, even the physical—the bones, the blood—could be seen as spiritual. In this initiatory science, there were none of the ideas, none of the conceptions of the skeleton that we have today. Today, the skeleton is something that is regarded as having been constructed by a calculating architect for the anatomist or the physiologist. But that is not what it is. As you have seen, this skeleton is formed by the mineral element being driven all the way up into the warmth ether, by the forces of the spiritual hierarchies intervening in the warmth ether, and then the bone forms being shaped from it.
[ 11 ] Wer also das Skelett richtig anschauen kann, dem verrät es den geistigen Ursprung. Und es ist wirklich so, daß derjenige, der das Skelett in der heutigen Form anschaut, ich meine in der Form, wie es die heutige Wissenschaft anschaut, einem Menschen gleicht, der da sagt: Hier habe ich eine bedruckte Seite, da sind Buchstabenformen. — Er beschreibt diese Buchstabenformen, aber er liest nicht, weil er nicht lesen kann. Er bezieht nicht das, was da in den Buchstabenformen sich ausdrückt, auf das ihnen Zugrundeliegende; er beschreibt nur die Buchstabenformen. So beschreibt der heutige Anatom, der heutige Naturforscher die Knochen, als wenn sie auf gar nichts hindeuteten; sie deuten aber auf ihren Ursprung aus dem Geistigen hin.
[ 11 ] So anyone who can look at the skeleton correctly will find that it reveals its spiritual origin. And it is truly the case that anyone who looks at the skeleton in its present form—I mean, in the way modern science views it—resembles a person who says: Here I have a printed page; there are letter forms. — He describes these letter forms, but he does not read, because he cannot read. He does not relate what is expressed in the letter forms to what underlies them; he merely describes the letter forms. In the same way, today’s anatomist and natural scientist describe the bones as if they pointed to nothing at all; yet they point to their origin in the spiritual realm.
[ 12 ] So ist es mit allem, was physische Naturgesetze, was ätherische Naturgesetze sind. Alles ist wie das Schriftzeichen von dem, was geistige Welt ist. Und erst dann versteht man diese Dinge, wenn man sie auffassen kann als Schriftzeichen aus den geistigen Welten.
[ 12 ] This is true of everything that constitutes the physical laws of nature and the ethereal laws of nature. Everything is like a symbol of the spiritual world. And one can only understand these things when one is able to perceive them as symbols from the spiritual worlds.
[ 13 ] Dann aber, wenn man so hinschauen kann auf den menschlichen physischen Organismus, dann wird man etwas gewahr, was in jenes Gebiet gehört, von dem die Initiierten allerZeiten — das heißt diejenigen eben, die es wirklich waren — gesagt haben: Übertritt man die Schwelle in die geistige Welt, dann wird man zunächst gewahr etwas, was schreckhaft ist, was gar nicht einmal leicht zunächst zu ertragen ist. Die Menschen wollen ja zumeist von dem, was ihnen erstrebenswert erscheint, wohlgefällig berührt werden. Allein es ist schon so, daß man durch den Schrecken durchgehen muß, wenn man die geistige Wirklichkeit, das heißt, überhaupt die wahre Wirklichkeit kennenlernen will. Denn mit Bezug auf die Menschengestalt, wie sie anatomisch-physiologisch sich uns vor Augen stellt, merkt man: sie ist aufgebaut aus der geistigen Welt heraus aus zwei Elementen, die da sind moralische Kälte und Haß.
[ 13 ] But when one is able to look at the human physical organism in this way, one becomes aware of something that belongs to that realm of which the initiates of all times—that is, those who truly were initiates—have said: When one crosses the threshold into the spiritual world, one first becomes aware of something terrifying, something that is not at all easy to bear at first. After all, people generally want to be pleasantly moved by what seems desirable to them. Yet it is simply a fact that one must pass through this terror if one wishes to come to know spiritual reality—that is, true reality itself. For when we consider the human form as it presents itself to us anatomically and physiologically, we realize that it is composed, from within the spiritual world, of two elements: moral coldness and hatred.
[ 14 ] Wir tragen wirklich in der Seele die Anlage zur Menschenliebe und zu jener Wärme, zu jener moralischen Wärme, die den anderen Menschen versteht. Wir tragen aber in unseren festen Bestandteilen des Organismus die moralische Kälte. Das ist jene Kraft, die gewissermaßen aus der geistigen Welt heraus unsere physische Organisation zusammenbackt. Und wir tragen in uns den Impuls des Hasses. Der ist dasjenige, was aus der geistigen Welt heraus die Zirkulation des Blutes bewirkt. Und während wir vielleicht mit einer sehr liebenden Seele, mit einer Seele, die nach Menschenverständnis dürstet, durch die Welt gehen, müssen wir gewahr werden, daß im Unterbewußten unten, da, wo die Seele hineinströmt und hineinimpulsiert in das Körperliche, damit wir überhaupt einen Körper an uns tragen können, die Kälte sitzt. Ich werde immer von Kälte sprechen, ich meine die moralische Kälte, die aber allerdings auf dem Umwege durch den Wärmeäther in die physische Kälte übergehen kann. Da unten in uns sitzt im Unterbewußten die moralische Kälte und der Haß, und der Mensch bringt in seine Seele leicht dasjenige herein, was in seinem Körper sitzt, so daß seine Seele gewissermaßen angesteckt werden kann von Menschenunverständnis; das ist aber das Ergebnis von der moralischen Kälte und vom Menschenhaß. Weil das so ist, muß der Mensch moralische Wärme, das heißt, Menschenverständnis und Liebe eigentlich erst in sich heranerziehen, denn diese müssen besiegen, was aus dem Körperlichen kommt.
[ 14 ] We truly carry within our souls the capacity for love of humanity and for that warmth—that moral warmth—that understands other people. But we also carry moral coldness within the fixed components of our organism. This is the force that, so to speak, binds our physical organization together from the spiritual world. And we carry within us the impulse of hatred. This is what causes the circulation of blood from the spiritual world. And while we may go through the world with a very loving soul—a soul that thirsts for human understanding—we must become aware that in the depths of the subconscious, down there where the soul flows into and impels the physical so that we can have a body at all, coldness resides. I will always speak of coldness; I mean moral coldness, which, however, can indeed, via a detour through the warmth ether, transform into physical coldness. Down there within us, in the subconscious, lies moral coldness and hatred, and a person easily brings into their soul what resides in their body, so that their soul can, as it were, be infected by a lack of understanding of others; but this is the result of moral coldness and hatred of humanity. Because this is the case, human beings must first cultivate moral warmth—that is, understanding of others and love—within themselves, for these must overcome what arises from the physical realm.
[ 15 ] Nun kann eben nicht geleugnet werden — das stellt sich dem geistigen Blicke mit aller Klarheit dar —, daß mit unserer Zeit, mit unserer Zivilisation, die mit dem 15. Jahrhundert begonnen hat, und auf der einen Seite intellektualistisch, auf der anderen Seite materialistisch geworden ist, verbunden ist, daß auf dem Grunde der Seelen vieles an Menschenunverständnis und Menschenhaß vorhanden ist. Mehr als man glaubt, ist das der Fall. Denn gewahr wird man eigentlich erst, wieviel im menschlichen Unbewußten Menschenunverständnis und Menschenhaß vorhanden ist, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist. Da zieht er heraus sein Seelisch-Geistiges aus dem Physisch-Leiblichen. Das Physisch-Leibliche legt er ab. Die Impulse der Kälte, die Impulse des Hasses zeigen sich dann als bloße Naturkräfte; sie sind dann bloße Naturkräfte.
[ 15 ] Now, it simply cannot be denied—this presents itself to the spiritual gaze with complete clarity—that our era, our civilization, which began in the 15th century and has become intellectualistic on the one hand and materialistic on the other, is linked to the fact that deep within people’s souls there is a great deal of misunderstanding and hatred toward others. This is more true than one might think. For one only truly becomes aware of how much misunderstanding and hatred of humanity exists in the human unconscious once a person has passed through the gate of death. There, the person draws its soul-spiritual essence out of the physical-bodily. They shed the physical body. The impulses of coldness and the impulses of hatred then reveal themselves as mere natural forces; they are then mere natural forces.
[ 16 ] Sehen wir uns den Leichnam an. Sehen wir uns mit dem geistigen ‚Auge selbst den ätherischen Leichnam an. Wir haben da hinzuschauen auf etwas, was ein moralisches Urteil nicht mehr hervorruft, ebensowenig wie die Pflanze, wie der Stein. Was da an Moralischem darinnensteckte, das hat sich in Naturkräfte verwandelt. Aber der Mensch hat viel herausgesogen während seines Lebens; das nimmt er mit durch die Pforte des Todes. Und so ziehen sich das Ich und der astralische Leib zurück, und sie nehmen mit, indem sie es herausziehen, was während des Lebens unbemerkt geblieben ist, weil es immer wiederum ganz in den physischen und ätherischen Leib untertauchte. Sie nehmen mit, dieses Ich und der astralische Leib, in die geistige Welt hinein all die Impulse des Menschenhasses und der Kälte gegenüber den Menschen, die eben in der Seele Platz gegriffen haben. Ich sagte, man merkt erst, wieviel gerade in unserer Zivilisation durch verschiedene Dinge, von denen wir noch sprechen werden, eingepflanzt wird im Menschen an Menschenunverstand und Menschenhaß, wenn man den Menschen durch die Pforte des Todes gehen sieht. Denn der heutige Mensch trägt viel von diesen beiden Impulsen durch die Pforte des Todeshindurch, ungeheuer viel.
[ 16 ] Let us look at the corpse. Let us look at the ethereal corpse with our spiritual ‘eye’ ourselves at the etheric corpse. We must look upon something that no longer evokes a moral judgment, any more than a plant or a stone does. Whatever moral substance was contained within it has been transformed into natural forces. But the human being has drawn much out of it during his or her life; this is what he or she takes with them through the gate of death. And so the “I” and the astral body withdraw, taking with them—as they draw it out—what went unnoticed during life because it was always completely submerged in the physical and etheric bodies. The “I” and the astral body take with them into the spiritual world all the impulses of hatred toward humanity and coldness toward people that have taken root in the soul. I said that one only realizes how much—especially in our civilization—is instilled in people through various things, which we will discuss later, in the form of hostility toward others and hatred of humanity, when one sees a person pass through the gate of death. For modern human beings carry much of these two impulses through the gate of death—an immense amount.
[ 17 ] Aber das, was er da mitträgt, ist ja der geistige Rest desjenigen, was im Physischen sein soll, was den physischen und ätherischen Leib ausmachen soll. Der Mensch trägt in dem Menschenunverstande und im Menschenhasse die Reste dessen in die geistige Welt hinein, was eigentlich der physischen Welt angehört; und er trägt es auf eine geistige Weise hinein. Es könnte dem Menschen niemals frommen, das weiter durch den Zeitenlauf zu tragen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, denn er könnte gar nicht weiterkommen, er würde bei jedem weiteren Schritte in seiner Fortentwickelung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt straucheln, wenn er diesen Menschenunverstand und diesen Menschenhaß weitertragen müßte. In der übersinnlichen Welt, in die die sogenannten Toten eintreten, sieht man eigentlich heute fortwährend lauter Ströme, die, wenn sie so wirken würden, wie sie unmittelbar sind, die Menschen aufhalten würden in ihrem Fortschritte. Diese Ströme, von was rühren sie denn her?
[ 17 ] But what he carries with him there is, after all, the spiritual remnant of that which is meant to exist in the physical realm—that which is meant to constitute the physical and etheric bodies. Through human ignorance and human hatred, a person carries into the spiritual world the remnants of that which actually belongs to the physical world; and he carries it into that world in a spiritual way. It could never be of any benefit to a person to continue carrying this through the course of time between death and a new birth, for he would be unable to make any progress; with every further step in his development between death and a new birth, he would stumble if he were forced to carry this human folly and this hatred of humanity with him. In the supersensible world, into which the so-called dead enter, one actually sees today a constant flow of currents which, if they were to act as they truly are, would hinder human beings in their progress. These currents—where do they come from?
[ 18 ] Will man wissen, wovon sie herrühren, so braucht man sich nur das heutige Leben anzuschauen. Die Menschen gehen aneinander vorbei, sie sehen wenig hin, welche Eigentümlichkeiten der andere hat. Sind denn die Menschen heute nicht meistens so geartet, daß ein jeder richtig und gut findet, wie er selber ist? Und wenn der andere anders ist, so geht er nicht liebevoll auf diesen anderen ein, sondern er kommt nur zu dem Urteil, der sollte anders sein, wobei zuletzt meistens das dahinter ist, daß er sich sagt: Der sollte so sein wie ich. — Man bringt sich das nicht immer zum Bewußtsein, aber es steckt gerade im gesellschaftlichen Verkehre, im sozialen Verkehre der Menschen darinnen. In demjenigen, was heute zutage gefördert wird, ich möchte sagen in der Form der Menschensprache, lebt ja so wenig von dem, was Verständnis des anderen Menschen ist. Die Menschen brüllen in die Welt hinaus, wie sie sich vorstellen, daß der Mensch sein soll, wobei meistens nichts anderes dahinter ist, als das: wie man selber ist, so sollen alle Menschen sein. Wenn dann irgend jemand kommt, der ganz anders ist, so ist er nun gleich, wenn man sich das auch nicht voll zum Bewußtsein bringt, ein Feind, ein Mensch, gegen den man Antipathie entwickelt. Da fehlt es an Menschenverständnis, an der moralischen Wärme, da fehlt es an Liebe. Und im selben Maße, in dem es an diesem fehlt, geht moralische Kälte, geht Menschenhaß mit dem Menschen durch die Pforte des Todes, hält ihn dort auf.
[ 18 ] If you want to know where they come from, you need only look at life today. People pass each other by, paying little attention to the unique qualities of others. Aren’t most people today of such a nature that each considers their own way of being to be right and good? And when someone else is different, they do not respond to that person with love, but simply come to the conclusion that the other person should be different—which ultimately usually stems from telling themselves: “That person should be like me.” — We don’t always realize this, but it is precisely embedded in social interaction, in the way people relate to one another. In what is brought to light today—I would say in the form of human language—there is so little of what constitutes understanding of another person. People shout out into the world how they imagine a person should be, though most of the time there is nothing behind it other than this: just as one is oneself, so should all people be. When someone comes along who is completely different, then—even if one does not fully realize it—that person is immediately an enemy, someone toward whom one develops antipathy. There is a lack of human understanding, a lack of moral warmth, a lack of love. And to the same extent that this is lacking, moral coldness and hatred of humanity accompany a person through the gates of death, holding them back there.
[ 19 ] Aber da findet der Mensch zunächst, da seine Weiterentwickelung nicht nur sein Eigenziel ist, sondern seine Weiterentwickelung das Ziel der ganzen Weltenordnung ist, der weisheitsvollen Weltenordnung, da findet er dort zunächst die Wesenheiten der dritten Hierarchie, die Angeloi, Archangeloi, Archai. In der ersten Zeit, nachdem der Mensch durchgegangen ist durch die Pforte des Todes in die Welt, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt, neigen sie sich dem Menschen zu und nehmen ihm gnadenvoll die Kälte, die vom Menschenunverstand kommt, ab. Und wir sehen, wie die Wesenheiten der dritten Hierarchie sich belasten mit dem, was ihnen der Mensch auf die geschilderte Weise hineinträgt in die geistige Welt, indem er durch die Pforte des Todes geht.
[ 19 ] But there, since a person’s further development is not merely an end in itself but is the goal of the entire cosmic order—the wise cosmic order—there he first encounters the beings of the third hierarchy: the Angeloi, Archangeloi, and Archai. In the early stages, after a human being has passed through the gate of death into the world that lies between death and a new birth, these beings turn toward the human being and graciously relieve him of the coldness that stems from human ignorance. And we see how the beings of the third hierarchy take upon themselves what the human being carries into the spiritual world in the manner described, as he passes through the gate of death.
[ 20 ] Länger muß er die Reste des Menschenhasses forttragen, denn die können ihm nur abgenommen werden durch die Gnade der zweiten Hierarchie, der Exusiai, der Kyriotetes, der Dynamis. Die nehmen ihm dann ab alles das, was geblieben ist von Menschenhaß.
[ 20 ] He must continue to bear the remnants of hatred for humanity, for they can only be taken from him through the grace of the second hierarchy—the Exusiai, the Kyriotetes, and the Dynamis. They will then take from him all that remains of his hatred for humanity.
[ 21 ] Dann aber ist der Mensch mittlerweile ungefähr bis in diejenige Region gekommen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in der ihren Aufenthaltsort haben die Wesenheiten der ersten Hierarchie, die SeraPphim, Cherubim, Throne: das, was ich in meinen Mysterien die Mitternachtsstunde des geistigen Daseins genannt habe. Der Mensch könnte gar nicht durch diese Region der Seraphim, Cherubim und Throne durchgehen, ohne innerlich völlig vernichtet zu werden, das heißt, ausgelöscht zu werden, wenn er nicht vorher gnadevoll abgenommen erhalten hätte durch die Wesen der dritten und der zweiten Hierarchie Menschenunverständnis, das heißt moralische Kälte und Menschenhaß. So sehen wir denn, wie der Mensch, damit er den Anschluß findet an diejenigen Impulse, die zu seiner Weiterentwickelung beitragen können, zunächst beladen muß die Wesenheiten der höheren Hierarchien mit dem, was er aus seiner physischen und ätherischen Natur, wo es hingehört, hinaufträgt in die geistigen Welten.
[ 21 ] But by then, the human being has reached, more or less, that region between death and a new birth where the beings of the first hierarchy—the Seraphim, Cherubim, and Thrones—reside: what I have called, in my Mysteries, the midnight hour of spiritual existence. Human beings could not possibly pass through this region of the Seraphim, Cherubim, and Thrones without being completely destroyed inwardly—that is, annihilated—unless they had first been graciously relieved by the beings of the third and second hierarchies of human incomprehension, that is, moral coldness and hatred of humanity. Thus we see how, in order to connect with those impulses that can contribute to his further development, man must first burden the beings of the higher hierarchies with what he carries upward from his physical and etheric nature—where it belongs—into the spiritual worlds.
[ 22 ] Allerdings, wenn man dies alles durchschaut, wenn man da nun sieht, wie diese moralische Kälte in der geistigen Welt waltet, dann weiß man auch zu beurteilen die Verwandtschaft dieser geistigen Kälte mit dem, was physische Kälte hier unten ist. Diese physische Kälte, die in Schnee und Eis ist, ist ja nur das physische Abbild dieser moralisch-geistigen Kälte, die da oben ist. Hat man beide vor sich, so kann man sie vergleichen. Während der Mensch in dieser Weise abgenommen erhält Menschenunverstand und Menschenhaß, kann man ihn mit dem geistigen Auge verfolgen, wie er allmählich seine Gestalt sozusagen zunächst wie verliert, wie diese Gestalt mehr oder weniger abschmilzt, möchte man sagen.
[ 22 ] However, when one sees through all of this, when one sees how this moral coldness reigns in the spiritual world, then one is also able to assess the connection between this spiritual coldness and what physical coldness is down here. This physical coldness, found in snow and ice, is, after all, merely the physical reflection of that moral-spiritual coldness that exists up there. When one has both before one’s eyes, one can compare them. As a person is thus afflicted with a lack of human understanding and hatred of humanity, one can observe with the spiritual eye how he gradually loses his form, so to speak—how this form more or less melts away, one might say.
[ 23 ] Für den geistigen Blick der Imagination sieht der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, eigentlich noch ähnlich aus, wie er hier auf Erden war. Denn das, was der Mensch hier auf Erden in sich trägt, das sind die Substanzen, die mehr oder weniger in körniger Form, sagen wir, in atomistischer Form in ihm sitzen; aber die Gestalt des Menschen, die ist ja geistig. Wir müssen uns klar sein darüber: es ist einfach Unsinn, sich die Gestalt des Menschen physisch vorzustellen; wir müssen uns die Gestalt des Menschen geistig vorstellen. Das Physische darinnen, das ist gewissermaßen überall in kleinen Partikelchen drinnen. Die Gestalt, die nur ein Kraftkörper ist, hält dies, was sonst in einen Haufen auseinanderfallen würde, gestaltmäßig zusammen. Wenn man einen jeden von Ihnen beim Schopfe fassen und ihm die Gestalt wegziehen könnte, dann fiele das Physische und auch das Ätherische wie ein Sandhaufen hinunter. Daß das kein Sandhaufen ist, daß das verteilt ist und Gestalt annimmt, das rührt von nichts Physischem her, das rührt von Geistigem her. Der Mensch geht ja als Geistiges hier in der physischen Welt herum. Es ist Unsinn, daß der Mensch bloß ein physisches Wesen ist; seine Gestalt ist rein geistig. Das Physische ist, annähernd ausgedrückt, ein Haufen von Bröselchen.
[ 23 ] To the spiritual eye of the imagination, a person who has passed through the gate of death actually still looks much the same as they did here on Earth. For what a person carries within them here on Earth are the substances that reside within them in a more or less granular form—let us say, in an atomistic form—but the human form itself is, of course, spiritual. We must be clear about this: it is simply nonsense to imagine a person’s form in physical terms; we must imagine a person’s form spiritually. The physical aspect within it is, so to speak, present everywhere in tiny particles. The form, which is merely a body of force, holds together—in a formative way—what would otherwise fall apart into a heap. If one could grab each of you by the scruff of the neck and pull the form away from you, then the physical and also the etheric would fall down like a pile of sand. The fact that this is not a pile of sand—that it is distributed and takes on form—does not stem from anything physical; it stems from the spiritual. After all, human beings walk about here in the physical world as spiritual beings. It is nonsense to say that a human being is merely a physical being; their form is purely spiritual. The physical, to put it roughly, is a heap of crumbs.


[ 24 ] Diese Gestalt aber, die hat der Mensch noch, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Man sieht sie schimmernd, schillernd, in Farben glänzend. Nur daß der Mensch zuerst dasjenige verliert, was die Gestalt seines Hauptes ist; dann schmilzt allmählich das andere ab. Und es ist der Mensch vollständig metamorphosiert, wie zu einer Art ‚Abbild des Kosmos geworden in der Zeit, in der er zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in die Region der Seraphim, Cherubim und Throne kommt.
[ 24 ] But this form is still retained by the human being after he has passed through the gate of death. One sees it shimmering, iridescent, glowing with color. Except that a person first loses what constitutes the form of their head; then the rest gradually melts away. And the person is completely transformed, as if into a kind of ‘image of the cosmos,’ during the time when, between death and a new birth, they enter the realm of the Seraphim, Cherubim, and Thrones.
[ 25 ] So sieht man also, wenn man den Menschen verfolgt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ihn zunächst, ich möchte sagen, weiter weben, indem er seine Gestalt nach und nach verliert von oben nach unten. Aber indem sozusagen das Letzte von unten verlorengeht, hat sich schon etwas gebildet, was eine wunderbare Geistgestalt ist, die in sich wie ein Abbild ist der ganzen Weltensphäre und die zu gleicher Zeit das Vorbild ist des künftigen Kopfes, den der Mensch an sich tragen wird. Da ist der Mensch eingewoben in eine Tätigkeit, an der sich nicht nur die Wesen der unteren Hierarchien, sondern die Wesen der höchsten Hierarchien, der Seraphim; Cherubim und Throne beteiligen.
[ 25 ] So, when one follows a human being as they pass between death and a new birth, one sees them, I would say, continuing to weave, as they gradually lose their form from top to bottom. But as the “last” part, so to speak, is lost from below, something has already taken shape—a wondrous spiritual form that is, in itself, like a reflection of the entire world sphere and, at the same time, the prototype of the future head that the human being will bear within themselves. There the human being is woven into an activity in which not only the beings of the lower hierarchies but also the beings of the highest hierarchies—the Seraphim, Cherubim, and Thrones—take part.
[ 26 ] Was geschieht da? Da geschieht eigentlich das Wunderbarste, was man sich überhaupt vorstellen kann als Mensch. Denn da geht dasjenige, was der Mensch als unterer Mensch hier im Leben gewesen ist, in die Kopfbildung über. Wenn wir hier auf Erden herumgehen, da haben wir nur unseren armen Kopf alsdasOrgan des Vorstellens, alsdasOrgan, dasGedanken trägt. Aber Gedanken sind auch die Begleiter unserer Brust, Gedanken sind die Begleiter namentlich unserer Gliedmaßen. Aber in dem Augenblicke, wo wir nun nicht bloß mit dem Kopf denken, sondern mit den Gliedmaßen zum Beispiel anfangen zu denken, in diesem Augenblicke geht uns die ganze Realität des Karma auf. Wir wissen nichts von unserem Karma, weil wir immer nur mit diesem eigentlich oberflächlichsten Organ, mit dem Gehirn denken. In dem Augenblicke, wo wir mit den Fingern zu denken beginnen — und man kann gerade mit den Fingern, mit den Zehen viel heller denken, wenn man sich dazu aufgeschwungen hat, als mit den Nerven des Kopfes —, in dem Augenblicke, wo wir mit dem, was nicht ganz Materie geworden ist, mit dem unteren Menschen anfangen zu denken, sind unsere Gedanken die Gedanken unseres Karma. Wenn wir mit der Hand nicht bloß greifen, sondern denken, dann verfolgen wir mit der Hand denkend unser Karma. Und insbesondere mit den Füßen, wenn wir nicht bloß gehen, sondern wenn wir mit den Füßen denken, verfolgen wir mit besonderer Klarheit unser Karma. Daß der Mensch auf Erden so borniert ist — verzeihen Sie, es fällt mir halt kein anderes Wort ein —, das rührt davon her, daß er all sein Denken in diese Region des Kopfes einschließt. Aber man kann mit dem ganzen Menschen denken. Und wenn man mit dem ganzen Menschen denkt, so ist hier für die mittlere Partie eine ganze Kosmologie, eine wunderbare Weltenweisheit unser eigen. Und für die unteren Partien und für die Gliedmaßen überhaupt ist das Karma unser eigen.
[ 26 ] What happens there? What happens there is actually the most wonderful thing a human being can possibly imagine. For what a person has been as a lower human being here in life is transformed into the formation of the head. When we walk around here on Earth, we have only our poor head as the organ of imagination, as the organ that carries thoughts. But thoughts are also the companions of our chest; thoughts are the companions, in particular, of our limbs. But at the very moment when we no longer think merely with our head, but begin to think with our limbs, for example—at that very moment, the full reality of karma dawns upon us. We know nothing of our karma because we always think only with this organ, which is actually the most superficial of all—the brain. The moment we begin to think with our fingers—and one can think much more clearly with the fingers and toes, once one has risen to that level, than with the nerves of the head—the moment we begin to think with that which has not yet fully become matter, with the lower human being, our thoughts are the thoughts of our karma. When we use our hands not merely to grasp but to think, then, thinking with our hands, we trace our karma. And especially with the feet—when we do not merely walk but think with our feet—we pursue our karma with particular clarity. The fact that human beings on Earth are so narrow-minded—forgive me, but I simply cannot think of another word—stems from the fact that they confine all their thinking to this region of the head. But one can think with the whole human being. And when one thinks with the whole human being, the middle region holds a whole cosmology, a wonderful wisdom of the worlds, that is our own. And for the lower regions and for the limbs in general, karma is our own.
[ 27 ] Wir tun ja schon viel, wenn wir hier auf Erden einen gehenden Menschen betrachten und nicht ganz stumpf sind, sondern die Schönheit des Schrittes, das Charakteristische des Schrittes verfolgen, und wenn wir zum Beispiel seine Hände auf uns wirken lassen und diese Hände interpretieren und finden, daß die wunderbarsten Zeugnisse für das Menscheninnere in jeder Fingerbewegung liegen. Aber das ist nur der kleinste Teil dessen, was mit dem gehenden, mit dem greifenden, mit dem fingerbewegenden Menschen sich mitbewegt. Da bewegt sich ja sein ganzer moralischer Mensch, da bewegt sich sein Schicksal mit, da bewegt sich alles dasjenige mit, was er geistig ist. Und wenn wir, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, verfolgen können, wie die Gestalt da abschmilzt — es schmilzt zuerst das ab, was an die physische Gestalt erinnert —, dann kommt dasjenige zur Erscheinung, was allerdings mehr der physischen Gestaltung ähnlich ist, aber durch seine innere Natur, durch seine innere Wesenheit ankündigt, daß es eigentlich die Gestalt des Moralischen ist. Und so wird der Mensch, indem er sich der Mitternachtsstunde des Daseins nähert, indem er in die Sphäre der Seraphim, Cherubim und Throne kommt. Dann sehen wir, wie da die wunderbare Metamorphose vor sich geht, wie da, ich kann sagen, abschmilzt die Gestalt. Aber das ist nicht das eigentlich Wichtige. Es sieht aus, wie wenn sie abschmelzen würde, aber in Wahrheit arbeiten da die geistigen Wesenheiten der höheren Welten mit dem Menschen zusammen, mit denjenigen Menschen, die selber an sich arbeiten, aber auch mit denen, die karmisch verbunden sind — ein Mensch arbeitet an dem anderen — aus der früheren Gestalt des Menschen, aus der Gestalt des vorhergehenden Erdenlebens dasjenige aus, was dann die Gestalt:.der nächsten Inkarnation, zunächst geistig, wird,
[ 27 ] We are already doing a great deal when, here on earth, we observe a person walking—and are not entirely insensitive—but instead follow the beauty of the stride, the distinctive character of the stride; and when, for example, we allow their hands to affect us, interpret those hands, and discover that the most wonderful testimonies to the human inner life lie in every movement of the fingers. But that is only the smallest part of what moves along with the person who walks, who grasps, who moves his fingers. For his entire moral being moves there; his destiny moves along with it; everything that constitutes his spiritual essence moves along with it. And when, after a human being has passed through the gate of death, we can observe how the form there begins to dissolve—first, that which recalls the physical form melts away—then what comes into view is something that, while more similar in appearance to the physical form, announces through its inner nature, through its inner essence, that it is in fact the form of the moral being. And so the human being, as he approaches the midnight hour of existence, enters the sphere of the Seraphim, Cherubim, and Thrones. Then we see how the wondrous metamorphosis takes place there, how, I might say, the form melts away. But that is not what is truly important. It looks as if it were melting away, but in truth the spiritual beings of the higher worlds are working together with the human being—with those who are working on themselves, but also with those who are karmically connected—one human being working on another—to extract from the human being’s former form, from the form of the previous earthly life, that which will then become the form of of the next incarnation, initially in a spiritual form,
[ 28 ] Diese Geistgestalt, die verbindet sich dann erst mit dem, was im physischen Leben als Embryo dem Menschen gegeben wird. Aber da oben in der geistigen Welt, da wandelt sich Fuß und Bein um zum Kiefer des Kopfes. Da wandelt sich der Arm und die Hand um zu dem Jochknochen des Kopfes. Da wandelt sich der ganze untere Mensch um in das, was jetzt Geistanlage für den späteren Kopf wird. Das ist, sage ich, das Wunderbarste, das man aus der Welt heraus erkennend erleben kann, wie da diese Metamorphose geschieht: wie gewissermaßen zuerst ein Abbild der ganzen Welt geschaffen wird, und wie das hineindifferenziert wird in die Gestalt, an der alles Moralische haftet — nachdem aber alles das abgenommen worden ist, was ich gesagt habe —, wie sich das, was da war, umwandelt in das, was da wird. Und dann sieht man den Menschen als Geistgestalt weiterwandeln, wiederum zurück in die Region der zweiten Hierarchie, in die Region der dritten Hierarchie. Jetzt muß dieser umgewandelten Geistgestalt gewissermaßen das angesetzt werden — denn sie ist im Grunde nur die Anlage für den künftigen Kopf —, was Brustorgane werden, was Gliedmaßenorgane, Stoffwechselorgane werden. Das muß angesetzt werden. Woher kommen die geistigen Impulse zu diesem Ansetzen?
[ 28 ] This spiritual form is only then united with what is given to the human being in physical life as an embryo. But up there in the spiritual world, the foot and leg are transformed into the jaw of the head. The arm and hand are transformed into the zygomatic bone of the head. The entire lower part of the human being is transformed into what now becomes the spiritual foundation for the future head. This, I say, is the most wondrous thing one can experience through insight into the world—how this metamorphosis takes place: how, in a sense, an image of the entire world is first created, and how this is differentiated into the form to which all that is moral is attached—but after everything I have mentioned has been stripped away—how what was there is transformed into what will become. And then one sees the human being, as a spiritual form, continuing its journey, back again into the region of the second hierarchy, into the region of the third hierarchy. Now, to this transformed spiritual form—which is, in essence, merely the rudiment of the future head—must be added, so to speak, what will become the organs of the chest, the limbs, and the organs of metabolism. This must be added. Where do the spiritual impulses for this addition come from?
[ 29 ] Ja, die haben die Wesenheiten der zweiten und der dritten Hierarchie gnadevoll aufgesammelt, als der Mensch auf der ersten Hälfte des Weges war. Sie haben sie seinem Moralischen abgenommen; sie bringen sie jetzt wiederum herab und formen daraus die Anlage für den rhythmischen und für den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen. Dann erhält der Mensch in dieser späteren Zeit des Daseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Ingredienzien, die geistigen Ingredienzien für den physischen Organismus. In das Embryonale fährt hinein diese Geistgestalt und trägt hinein das, was nun physische Kräfte, ätherische Kräfte werden, die aber nur das physische Abbild sind von dem, was wir aus dem früheren Leben mittragen als Menschenunverständnis und Menschenhaß, aus dem unsere Gliedmaßen geistig gebildet worden sind.
[ 29 ] Yes, the beings of the second and third hierarchies graciously gathered them up when the human being was in the first half of the path. They took them from the human being’s moral nature; they are now bringing them down again and using them to form the foundation for the rhythmic and metabolic-limb human being. Then, during this later phase of existence between death and a new birth, the human being receives the ingredients—the spiritual ingredients—for the physical organism. This spiritual form enters the embryo and carries into it what will now become physical and etheric forces—forces that are, however, merely the physical reflection of what we carry over from our previous life as human incomprehension and hatred of humanity, from which our limbs were spiritually formed.
[ 30 ] Wenn man solche Anschauungen haben will, muß man sich eigentlich eine ganz andere Art des Empfindens aneignen, als man sie für die physische Welt braucht. Denn man muß hinschauen können auf das, was am Menschen in der angedeuteten Weise aus dem Geiste heraus physisch wird, und man muß ertragen können, daß in den Knochen Kälte, moralische Kälte im physischen Abbild lebt, daß im Blute moralischer Haß im physischen Abbild lebt. Man muß gewissermaßen wiederum lernen, ganz objektiv auf diese Dinge hinzuschauen.
[ 30 ] If one wishes to have such insights, one must actually acquire a completely different kind of perception than the one required for the physical world. For one must be able to look at what in human beings becomes physical in the way described, emerging from the spirit, and one must be able to bear the fact that coldness—moral coldness—lives in the physical form of the bones, and that moral hatred lives in the physical form of the blood. One must, so to speak, learn once again to look at these things entirely objectively.
[ 31 ] Allerdings, wenn man in diese Dinge so hineinblickt, dann merkt man im Grunde genommen erst den Unterschied zwischen dem Menscheninneren und dem, was äußere Natur ist.
[ 31 ] However, when you look closely at these things, that is when you truly begin to realize the difference between the inner being of a human being and what constitutes external nature.
[ 32 ] Gedenken Sie doch der Tatsache, die ich erwähnte, daß wir in den Blüten des Pflanzenreiches etwas erblicken wie das auseinandergelegte Gewissen des Menschen. Das, was da draußen ist, ist gewissermaßen dasBild unseres Seelischen. Was wir zunächst in unserem Inneren haben, das sind Kräfte, die nur der äußeren Natur nicht verwandt ausschauen. Der Knochen kann nur dadurch Knochen sein, daß er den kohlensauren und den phosphorsauren Kalk, wenn sie mineralisch auftreten, haßt, sich vor ihnen zurückzieht, sich in sich selber zusammenzieht und etwas anderes wird, als was kohlensaurer und phosphorsaurer Kalk draußen in der Natur sind. Man muß sich zu der Anschauung aufschwingen können, daß, damit der Mensch eine physische Gestalt haben kann, in seinem Physischen Haß und Kälte sein müssen.
[ 32 ] Do recall the fact I mentioned—that in the flowers of the plant kingdom we see something like the human conscience laid bare. What is out there is, in a sense, the image of our inner life. What we initially have within us are forces that merely appear unrelated to external nature. A bone can only be a bone by hating carbonic and phosphoric calcium—when they occur in mineral form—by withdrawing from them, contracting within itself, and becoming something other than what carbonic and phosphoric calcium are out in nature. One must be able to rise to the realization that, in order for a human being to have a physical form, there must be hatred and coldness within their physical being.
[ 33 ] Da gewinnen unsere Worte, ich möchte sagen eine innere Bedeutung. Wenn unsere Knochen eine bestimmte Härte haben, ist es gut für sie; sie haben diese Härte als ein physisches Abbild der geistigen Kälte. Wenn unsere Seele eine gewisse Härte hat, ist es für das soziale Leben nicht gut. Das physische Wesen des Menschen muß eben anders sein als sein Seelisches. Darin besteht gerade die Möglichkeit, daß der Mensch Mensch ist, daß sein physisches Wesen anders ist als sein Seelisch-Geistiges. Dieses physische Wesen des Menschen ist auch anders als die umliegende physische Natur. Darauf beruht die Notwendigkeit der Umwandelung, von der ich Ihnen gesprochen habe.
[ 33 ] That is when our words—I would say—take on an inner meaning. If our bones possess a certain hardness, it is good for them; they possess this hardness as a physical reflection of spiritual coldness. If our soul possesses a certain hardness, it is not good for social life. The physical nature of human beings must simply be different from their spiritual nature. It is precisely in this difference that the possibility lies for a human being to be human—that their physical nature is distinct from their spiritual nature. This physical nature of human beings is also different from the surrounding physical world. This is the basis for the necessity of transformation that I have spoken to you about.
[ 34 ] Aber Sie sehen, diese wichtige Ergänzung zu dem, was ich einstmals in dem Kursus, der über Kosmologie, Philosophie und Religion handelte, gesagt habe, diese notwendige Ergänzung für die Verbindung des Menschen mit den Hierarchien, die mußten wir einmal anbringen. Wir konnten sie aber nur anbringen, wenn wir gerade solche Ausgangspunkte gewonnen hatten, wie diejenigen der letzten Vorträge sind. Geradeso wie man mit dem geistigen Blick durchschaut, was die einzelnen Wesen des mineralischen, tierischen, pflanzlichen Reiches hier auf der Erde sind, so schaut man hinein in die Arbeit der Hierarchien, die von Zeit zu Zeit ebenso verläuft, wie von Zeit zu Zeit hier unten das physische Naturgeschehen und die Menschenarbeit verlaufen.
[ 34 ] But you see, this important addition to what I once said in the course on cosmology, philosophy, and religion—this necessary addition regarding humanity’s connection to the hierarchies—was something we simply had to include. But we could only introduce it once we had arrived at starting points such as those presented in the most recent lectures. Just as one uses the spiritual gaze to perceive the nature of the individual beings of the mineral, animal, and plant kingdoms here on Earth, so too does one look into the work of the Hierarchies, which proceeds from time to time in the same way that physical natural processes and human labor proceed from time to time down here.
[ 35 ] Wenn man so das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das heißt, das Leben in der geistigen Welt anschaut, dann kann man in einer ebensolchen Weise in Einzelheiten beschreiben, was der Mensch durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie man biographisch beschreiben kann, was er hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod durchmacht. Und so müßte eigentlich, ich möchte sagen, gehofft werden, daß alles das, was an Menschenunverstand und Menschenhaß durch die Menschen, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen, hinaufgetragen wird in die geistige Welt, daß das auch wiederum dem Menschen mitgegeben wird, das heißt, daß daraus, es veredelnd, Menschengestalten geschaffen werden.
[ 35 ] When one considers life between death and a new birth—that is, life in the spiritual world—one can describe in detail, in just the same way, what a person experiences between death and a new birth, just as one can describe biographically what a person experiences here on Earth between birth and death. And so, I would say, we should actually hope that all the human ignorance and hatred that people carry with them as they pass through the gate of death into the spiritual world will, in turn, be given back to them—that is, that human forms will be created from it, through a process of refinement.
[ 36 ] Nun hat sich aber im Laufe von langen Jahrhunderten für die gegenwärtige Entwickelung der Erdenmenschheit etwas sehr Sonderbares ergeben. Es konnten in der geistigen Welt nicht alle Menschenunverständnis- und Menschenhasseskräfte für neue Menschenbildungen, für neue Menschengestalten aufgebraucht werden. Es blieb ein Rest. Dieser Rest ist im Laufe der letzten Jahrhunderte auf die Erde heruntergeströmt, so daß in der geistigen Erdenatmosphäre, ich möchte sagen im Astrallicht der Erde, sich als Einschlag befindet eine Summe von Impulsen von außer dem Menschen vorhandenen Menschenhaß und Menschenverachtung. Die sind nicht menschliche Gestalten geworden; die strömen im Astrallicht um die Erde herum. Die wirken in die Menschen herein, aber jetzt nicht in dasjenige, was der einzelne Mensch ist; sie wirken in das herein, was die Menschen miteinander auf der Erde formen. Sie wirken in die Zivilisation herein. Und innerhalb der Zivilisation haben sie das angerichtet, was mich in die Notwendigkeit versetzt hat, im Frühling 1914 in Wien davon zu sprechen, daß unsere gegenwärtige Zivilisation durchsetzt ist von einem geistigen Karzinom, von einer geistigen Krebskrankheit, von geistigen Geschwüren.
[ 36 ] Over the course of many centuries, however, something very peculiar has emerged in the current development of humanity on Earth. Not all the forces of human misunderstanding and hatred in the spiritual world could be exhausted in the formation of new human beings, in the creation of new human forms. A remnant remained. Over the course of the last few centuries, this remnant has flowed down to Earth, so that in the spiritual atmosphere of the Earth—I would say in the astral light of the Earth—there is an impact consisting of a sum of impulses of hatred and contempt for humanity that exist outside of human beings. These have not become human forms; they flow around the Earth in the astral light. They influence human beings, but not now in what the individual human being is; they influence what human beings form together on Earth. They influence civilization. And within civilization, they have wrought such damage that it compelled me, in the spring of 1914 in Vienna, to speak of how our present civilization is permeated by a spiritual carcinoma, by a spiritual cancer, by spiritual ulcers.
[ 37 ] Dazumal hat man nicht gern hingehorcht darauf, daß dies ausgesprochen wurde in Wien in dem Zyklus, der gehandelt hat über die Erscheinungen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber seither haben die Menschen schon einiges von dem erfahren, was die Wahrheit des damals getanen Ausspruches war. Dazumal lebten nur die Menschen in Gedankenlosigkeit über dasjenige, was durch die Zivilisation strömt. Sie sahen nicht, daß wirkliche Geschwürbildungen der Zivilisation da waren: sie sind nur von 1914 an aufgebrochen. Sie zeigen sich heute als ganz verdorbene geistige Zivilisationssubstanzen. Man kann allerdings das, was in der Zivilisation lebt, auch als ein einheitliches geistiges Gebilde anschauen. Ja, dann stellt sich gerade für diese moderne Zivilisation heraus, in die eingeströmt sind die Strömungen von Menschenhaß und von Menschenkälte, die nicht verwendet worden sind bei Menschenbildungen: das, was da eingeströmt ist, lebt sich aus als das Parasitäre der modernen Zivilisation.
[ 37 ] At that time, people were reluctant to listen to what was said in Vienna during the lecture series that dealt with the phenomena between death and a new birth. But since then, people have already experienced some of what was true in that statement made back then. At that time, people simply lived in a state of thoughtlessness regarding what flows through civilization. They did not see that there were actual ulcers forming within civilization; these only began to break out starting in 1914. Today they manifest as thoroughly corrupted spiritual substances of civilization. One can, however, also view what lives within civilization as a unified spiritual entity. Indeed, it becomes clear precisely for this modern civilization—into which have flowed currents of hatred and coldness toward humanity that were not utilized in the formation of human beings—that what has flowed in there manifests itself as the parasitic element of modern civilization.
[ 38 ] Die moderne Zivilisation hat etwas tief Parasitäres; sie ist wie das Stück eines Organismus, das von Parasiten, von Bazillen durchzogen ist. Was an Gedanken die Menschen angehäuft haben, das ist da, ohne in lebendiger Verbindung mit den Menschen zu sein. Denken Sie nur einmal, wie es in den allertäglichsten Erscheinungen zutage tritt. Ein Mensch, der etwas lernen muß, weil der Inhalt des zu Lernenden nun schon einmal da ist, der aber nicht mit, Enthusiasmus lernt, sondern der sich hinsetzen muß und eben lernen muß, um durch ein Examen zu gehen, oder um einen richtigen Beamten vorzustellen oder dergleichen mehr: ja, für den ist keine elementare Verbindung da zwischen dem, was er aufnimmt, und dem, was in seiner Seele eigentlich an Begehrungsvermögen nach Aufnehmen des Geistigen lebt. Es ist gerade so, wie wenn ein Mensch, der nicht eingerichtet ist darauf, Hunger zu haben, fortwährend Nahrungsmittel in sich hineinstopft. Sie machen die Verwandlungen nicht durch, von denen ich gesprochen habe, sie werden Ballast in seinem Wesen, sie werden zuletzt etwas, was gerade die Parasiten herbeiruft.
[ 38 ] Modern civilization has something deeply parasitic about it; it is like a part of an organism that is riddled with parasites and germs. The ideas that people have accumulated exist without being in a living connection with them. Just think for a moment how this manifests itself in the most everyday occurrences. A person who has to learn something—not because the content of what is to be learned is already there, but because he must sit down and simply learn in order to pass an exam, or to present himself as a proper civil servant, or the like: well, for such a person there is no fundamental connection between what they take in and what actually lives in their soul as a capacity for desire to absorb the spiritual. It is just as if a person who is not predisposed to feeling hunger were constantly stuffing food into themselves. The food does not undergo the transformations I have spoken of; it becomes a burden on their being, and ultimately becomes something that actually attracts parasites.
[ 39 ] Vieles in unserer modernen Zivilisation, das wie abgesondert vom Menschen bleibt, das wie, ich möchte sagen, lauter Mistelpflanzen geistig gedacht — auf dem lebt, was der Mensch aus den ursprünglichen Impulsen seines Herzens, seines Gemütes hervorbringt, vieles von dem lebt so, daß es sich als parasitäres Dasein unserer Zivilisation auslebt. Und wer das mit geistigem Blicke anschaut, wer unsere Zivilisation sozusagen im Astrallichte schaut, für den war eben schon 1914 eine hochgradige Krebs-, eine Karzinombildung vorhanden, für den war die ganze Zivilisation von etwas Parasitärem durchzogen. Aber nun tritt zu dem Parasitären etwas anderes hinzu.
[ 39 ] Much in our modern civilization that remains as it were separate from human beings—that, I might say, is conceived spiritually as nothing but mistletoe—lives off what human beings bring forth from the original impulses of their hearts and minds; much of it lives in such a way that it manifests as a parasitic existence within our civilization. And for anyone who views this with a spiritual gaze—who, so to speak, sees our civilization in the astral light—it was already evident as early as 1914 that a highly advanced cancerous, carcinomatous formation was present; for such a person, the entire civilization was permeated by something parasitic. But now something else is added to this parasitic element.
[ 40 ] Ich habe Ihnen sozusagen geistig-physiologisch dargestellt, wie aus der Natur der Gnomen und Undinen, die von unten heraufwirken, im Menschen organisch die Möglichkeit entsteht, parasitäre Impulse zu haben. Dann aber, sagte ich, entsteht das Gegenbild. Dann wird von oben heruntergetragen durch Sylphen und Wärme-Elementarwesen das Giftige. Und so wird in einer Zivilisation, die den parasitären Charakter trägt, wie die unsrige, das, was von oben, das heißt, was als spirituelle Wahrheit hineinströmt, nicht durch sich zum Gift, aber in Gift verwandelt im Menschen, so daß er es, wie ich es beschrieben habe im «Goetheanum», in Angst zurück weist und sich allerlei Gründe erfindet, um es zurückzuweisen. Die zwei Dinge gehören zusammen: parasitäre Kultur unten, nicht aus dem elementarischen Gesetze hervorspringend, daher Parasiten in sich enthaltend, und sich senkendes Gift, sich senkende Spiritualität von oben, die, indem sie in die Zivilisation eindringt, von den Menschen so aufgenommen wird, daß sie zum Gifte wird. Dann haben Sie, wenn Sie dies bedenken, das wichtigste Symptomatische für unsere gegenwärtige Zivilisation. Und es ergibt sich, wenn man die Dinge durchschaut, einfach ganz von selbst das Kulturpädagogische, das dagegen als Heilmittel auftreten muß. Wie sich aus der wirklichen Diagnose, der wirklichen Pathologie ergibt die rationelle Therapie, so ergibt sich aus der Diagnose der Kulturkrankheit die Therapie, indem das eine das andere herbeizieht. (Tafel 20, rechts oben.)
[ 40 ] I have, so to speak, described to you in spiritual-physiological terms how the nature of the gnomes and undines, which act from below, gives rise within the human being to the organic possibility of having parasitic impulses. But then, I said, the opposite process occurs. Then the toxic elements are carried down from above by sylphs and warmth elemental beings. And so, in a civilization that bears a parasitic character, such as ours, that which comes from above—that is, what flows in as spiritual truth—is not poisonous in and of itself, but is transformed into poison within the human being, so that, as I described in *The Goetheanum*, the human being rejects it in fear and invents all sorts of reasons to reject it. These two things belong together: a parasitic culture at the bottom, not springing from elemental laws and therefore containing parasites within itself, and a descending poison—a descending spirituality from above—which, as it penetrates civilization, is received by people in such a way that it becomes poison. If you consider this, you have the most important symptom of our present-day civilization. And when one sees through these things, the cultural-pedagogical approach that must act as a remedy simply emerges of its own accord. Just as rational therapy follows from the true diagnosis, the true pathology, so too does therapy follow from the diagnosis of the cultural illness, in that one thing leads to the other. (Plate 20, top right.)
[ 41 ] Es ist ganz klar, daß die Menschheit heute wiederum etwas von einer Zivilisation braucht, die ganz nahe an das Menschengemüt und Menschenherz herankommt, die unmittelbar aus Menschengemüt und Menschenherz hervorkommt. Wenn man das Kind heute, wenn es in die Volksschule hereinkommt, heranbringt an diese ja einer Hochzivilisation angehörigen Buchstabenformen, die es jetzt lernen soll als A, B,C, da hat es ja gar nichts in seinem Herzen, in seinem Gemüt damit zu tun. Es hat gar keine Beziehung dazu. Das, was es da in seinem Kopf, in seinem Gemüt entwickelt, indem es A, B, C lernen muß, das ist Parasit in der menschlichen Natur, geistig-seelisch gedacht.
[ 41 ] It is quite clear that humanity today once again needs a form of civilization that comes very close to the human mind and heart—one that springs directly from the human mind and heart. When a child enters elementary school today and is introduced to these letter forms—which, after all, belong to a highly advanced civilization—that it is now supposed to learn as A, B, C, there is absolutely nothing in its heart or mind that relates to them. It has no connection to them whatsoever. What the child develops in its head and mind by having to learn A, B, C is, in spiritual and psychological terms, a parasite on human nature.
[ 42 ] So ist ja durch unsere ganze Bildungszeit hindurch vieles, was parasitisch heute aus der Zivilisation an den Menschen herandringt. Daher müssen wir, wenn das Kind in die Schule kommt, solche pädagogische Kunst entwickeln, welche aus dem kindlichen Gemüte heraus schafft. Wir müssen das Kind Farben formen lassen, und dann diese Farbenformen, die aus Freude, aus Enttäuschung, aus allen möglichen Gefühlen entstehen, zu Papier bringen lassen: Freude — Schmerz! Was da das Kind, indem es einfach sein Gemüt entfalten läßt, zu Papier bringt, das steht mit dem Menschen in Verbindung; das gibt kein Parasitäres. Das gibt etwas, was aus dem Menschen herauswächst wie seine Finger, wie seine Nase, während das, was der Mensch annimmt, indem er geführt wird an die Ergebnisse einer Hochzivilisation in den Buchstaben, zu Parasitärem führt.
[ 42 ] Indeed, throughout our entire educational journey, much of what today parasitically encroaches upon people from civilization is present. Therefore, when a child enters school, we must develop a pedagogical art that draws from the child’s own inner world. We must let the child form colors, and then let them put these color forms—which arise from joy, from disappointment, from all kinds of feelings—onto paper: joy—pain! What the child puts down on paper simply by allowing their mind to unfold is connected to the human being; it produces nothing parasitic. It produces something that grows out of the human being like their fingers, like their nose, whereas what the human being adopts—by being guided toward the products of a highly developed civilization in the form of letters—leads to the parasitic.


[ 43 ] Und in dem Augenblicke, wo wir dieses Anknüpfen der pädagogischen Kunst an das haben, was dem Menschengemüte und Menschenherzen ganz nahe liegt, bringen wir auch das Spirituelle an den Menschen heran, ohne daß es in ihm zum Gift wird. Und Sie haben da zuerst die Diagnose, die da findet: unsere Zivilisation ist von Karzinomen durchzogen, und dann die Therapie — nun, die Waldorfschul-Pädagogik!
[ 43 ] And the moment we connect the art of education to what lies closest to the human mind and heart, we also bring the spiritual to people without it becoming a poison within them. And there you have, first, the diagnosis: our civilization is riddled with carcinomas; and then the therapy—well, Waldorf education!
[ 44 ] Die Waldorfschul-Pädagogik ist nicht anders aufgebaut, meine lieben Freunde. Aus ganz derselben Denkweise heraus, aus der man medizinisch denkt, ist da über die Kultur gedacht. Und so sehen Sie hier im speziellen Falle angewendet, was ich vor ein paar Tagen gesagt habe: daß eigentlich das Menschenwesen von unten, von der Ernährung an durch die Heilung nach oben in die geistige Entwickelung geht, und daß man die Pädagogik als eine ins Geistige übersetzte Medizin anzusehen hat. Das aber tritt uns mit besonderer Schärfe hervor, wenn wir die Kulturtherapie finden wollen. Denn diese Kulturtherapie können wir nur denken als die Waldorfschul-Pädagogik.
[ 44 ] Waldorf education is structured in no different way, my dear friends. It is based on the very same way of thinking that underlies medical thought, but applied to culture. And so you see here, applied to this specific case, what I said a few days ago: that the human being actually progresses from the bottom up—from nutrition through healing—toward spiritual development, and that pedagogy must be regarded as medicine translated into the spiritual realm. But this becomes particularly clear to us when we seek to understand cultural therapy. For we can conceive of this cultural therapy only as Waldorf school pedagogy.
[ 45 ] Natürlich können Sie sich denken, wie es einem zumute ist, wenn man diesen Zusammenhang nicht nur durchschaut, sondern in diesem Zusammenhang diese Waldorfschul-Pädagogik praktisch auszubauen versuchte, und jetzt unter dem allgemeinen Ergebnis des Zivilisationskarzinoms in Mitteleuropa Zustände eintreten, die ja, wie Sie selbst heute wohl schon begreifen werden, wahrscheinlich das, was praktische Waldorfschul-Pädagogik ist, recht sehr gefährden, wenn nicht gar unmöglich machen werden.
[ 45 ] Of course, you can imagine how one feels when one not only sees through this connection but has also tried to develop Waldorf school pedagogy in practice within this context, and now—amid the general consequences of the “civilizational carcinoma” in Central Europe—conditions are arising that, as you yourself will likely already realize today, are likely to seriously endanger—if not render impossible—what practical Waldorf school pedagogy actually is.
[ 46 ] Solche Gedanken sollten wir nicht von uns weisen. Wir sollten sie in uns gerade als Impulse sein lassen, überall da, wo wir noch können, mitzuwirken an der Therapie unserer Kultur. Vielfach ist es ja heute aber wirklich so: Wie aus einer gewissen geistigen Erkenntnis heraus von mir während meines Helsingforser Zyklus 1913 die Inferiorität des Woodrow Wilson ausgesprochen wurde, der dann eine Art weltlicher Herrgott geworden ist für viele Zivilisationsmenschen und über den die Menschen erst jetzt, weil sie nicht mehr anders können, sich einige Klarheit machen —, wie es da gegangen ist, so ist es auch mit demjenigen gegangen, was dazumal über das Zivilisationskarzinom gesagt worden ist. Nun, dazumal ist es halt mit diesen Dingen so gegangen; heute geht es mit den Dingen, die für unsere Zeit gelten, ebenso: Es wird geschlafen. Uns geziemt aber denn doch das Erwachen. Und Anthroposophie hat alle Impulse für ein richtiges Kulturerwachen in sich, für ein richtiges Kulturerwachen des Menschen!
[ 46 ] We should not dismiss such thoughts. We should allow them to remain within us as impulses, so that wherever we still can, we may contribute to the healing of our culture. In many cases, however, this is indeed the reality today: Just as I spoke of the inferiority of Woodrow Wilson—based on a certain spiritual insight—during my Helsinki Cycle in 1913, a man who then became a sort of secular God for many people of civilization, and about whom people are only now—because they have no other choice—beginning to gain some clarity— just as that happened, so too has it happened with what was said back then about the “cancer of civilization.” Well, that is simply how things went back then; today, the same is true of the matters relevant to our time: people are asleep. But it is fitting for us to awaken. And anthroposophy contains within itself all the impulses for a true cultural awakening—for a true cultural awakening of humanity!
[ 47 ] Das ist es, was ich Ihnen nun in dem letzten dieser Vorträge sagen wollte.
[ 47 ] That is what I wanted to tell you in this final lecture.
