Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

World History from an Anthroposophical Perspective
GA 233

25 December 1923, Dornach

Translate the original German text into any language:

Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Aus den gestrigen Darstellungen wird Ihnen hervorgegangen sein, wie man eine richtige Anschauung über den geschichtlichen Verlauf der Menschenentwickelung auf der Erde nur dadurch bekommen kann, daß man sich einläßt auf die durchaus verschiedenen Seelenzustände, die vorhanden waren in den verschiedenen Zeitaltern. Und ich versuchte ja gestern zu begrenzen die eigentliche altorientalische, die asiatische Entwickelung, versuchte hinzuweisen auf jenen Zeitabschnitt, in dem die Nachkommen der atlantischen Bevölketung nach der atlantischen Katastrophe ihren Weg herübergefunden haben vom Westen nach dem Osten und nach und nach Europa, Asien bevölkert haben. Dasjenige, was dann dutch diese Völkerschaften in Asien abläuft, es stand ja ganz unter dem Einflusse eines Gemütszustandes dieser Menschen, der an das Rhythmische gewöhnt war. Im Beginne haben wir noch die Nachklänge, die deutlichen Nachklänge desjenigen, was ja in der Atlantis vollständig vorhanden war: das lokalisierte Gedächtnis. Dann geht es während der orientalischen Entwickelung in das ryhthmische Gedächtnis über. Und ich zeigte Ihnen ja, wie mit der griechischen Entwickelung erst der Umschwung zum Zeitgedächtnis eintritt.

[ 1 ] Aus den gestrigen Darstellungen wird Ihnen hervorgegangen sein, wie man eine richtige Anschauung über den geschichtlichen Verlauf der Menschenentwickelung auf der Erde nur dadurch bekommen kann, daß man sich einläßt auf die durchaus verschiedenen Seelenzustände, die vorhanden waren in den verschiedenen Zeitaltern. Und ich versuchte ja gestern zu begrenzen die eigentliche altorientalische, die asiatische Entwickelung, versuchte hinzuweisen auf jenen Zeitabschnitt, in dem die Nachkommen der atlantischen Bevölketung nach der atlantischen Katastrophe ihren Weg herübergefunden haben vom Westen nach dem Osten und nach und nach Europa, Asien bevölkert haben. Dasjenige, was dann dutch diese Völkerschaften in Asien abläuft, es stand ja ganz unter dem Einflusse eines Gemütszustandes dieser Menschen, der an das Rhythmische gewöhnt war. Im Beginne haben wir noch die Nachklänge, die deutlichen Nachklänge desjenigen, was ja in der Atlantis vollständig vorhanden war: das lokalisierte Gedächtnis. Dann geht es während der orientalischen Entwickelung in das ryhthmische Gedächtnis über. Und ich zeigte Ihnen ja, wie mit der griechischen Entwickelung erst der Umschwung zum Zeitgedächtnis eintritt.

[ 2 ] Damit aber ist die eigentliche asiatische Entwickelung — denn das, was die Geschichte darstellt, sind ja schon Dekadenzzustände diejenige ganz andersgearteter Menschen, als es die Menschen späterer Zeit sind, und die äußeren geschichtlichen Geschehnisse sind in jenen alten Zeiten viel mehr abhängig von dem, was im Menschengemüte lebte, als später. Was in jenen älteren Zeiten im Menschengemüte lebte, das lebte eben im ganzen Menschen. Man kannte nicht ein so abgesondertes Seelen- und Denkleben wie heute. Man kannte nicht dieses Denken, das gar keinen Zusammenhang mehr fühlt mit den inneren Vorgängen des menschlichen Hauptes. Man kannte nicht dieses abstrakte Fühlen, das gar nicht mehr sich im Zusammenhang weiß mit der Blutzirkulation, sondern man kannte nur ein Denken, das man zu gleicher Zeit innerlich als Geschehen des Hauptes erlebte, ein Fühlen, das man erlebte im Atmungs- und Blutrhythmus und so weiter. Man erlebte, man empfand den ganzen Menschen in ungetrennter Einheit.

[ 2 ] Damit aber ist die eigentliche asiatische Entwickelung — denn das, was die Geschichte darstellt, sind ja schon Dekadenzzustände diejenige ganz andersgearteter Menschen, als es die Menschen späterer Zeit sind, und die äußeren geschichtlichen Geschehnisse sind in jenen alten Zeiten viel mehr abhängig von dem, was im Menschengemüte lebte, als später. Was in jenen älteren Zeiten im Menschengemüte lebte, das lebte eben im ganzen Menschen. Man kannte nicht ein so abgesondertes Seelen- und Denkleben wie heute. Man kannte nicht dieses Denken, das gar keinen Zusammenhang mehr fühlt mit den inneren Vorgängen des menschlichen Hauptes. Man kannte nicht dieses abstrakte Fühlen, das gar nicht mehr sich im Zusammenhang weiß mit der Blutzirkulation, sondern man kannte nur ein Denken, das man zu gleicher Zeit innerlich als Geschehen des Hauptes erlebte, ein Fühlen, das man erlebte im Atmungs- und Blutrhythmus und so weiter. Man erlebte, man empfand den ganzen Menschen in ungetrennter Einheit.

[ 3 ] Das alles war aber damit verbunden, daß man auch das Verhältnis zur Welt, zum Weltenall, zum Kosmos, zum Geistigen und Physischen im Kosmos ganz anders erlebte als später. Der heutige Mensch erlebt sich auf Erden mehr oder weniger auf dem Lande oder in Städten. Er ist umgeben von dem, was er als Wälder anschaut, als Flüsse, als Berge, oder er ist umgeben von dem, was Gemäuer der Städte ist. Und wenn er von dem Kosmisch-Übersinnlichen spricht, ja, wo ist es denn eigentlich? Der moderne Mensch weiß ja sozusagen keine Sphäre anzugeben, wo er das Kosmisch-Übersinnliche sich denken soll. Es ist nirgends eigentlich für ihn greifbar, faßbar, ich meine auch nicht seelisch-geistig greifbar, faßbar. Das war so nicht in jener alten orientalischen Entwickelung, sondern in jener alten orientalischen Entwickelung war eigentlich die Umgebung, die wir heute als physische Umgebung bezeichnen würden, nur die unterste Partie einer einheitlich gedachten Welt. Da war um den Menschen herum dasjenige, was in den drei Naturreichen enthalten ist, was in Fluß und Berg und so weiter enthalten ist, aber das war zu gleicher Zeit geistdurchwachsen, wenn ich so sagen darf, geistdurchströmt, geistdurchwoben. Und der Mensch sagte: Ich lebe mit Bergen, ich lebe mit Flüssen, aber ich lebe auch mit den Elementargeistern der Berge, der Flüsse. Ich lebe im physischen Reich, aber dieses physische Reich ist der Körper eines geistigen Reiches. Um mich herum ist überall die geistige Welt, die unterste geistige Welt.

[ 3 ] Das alles war aber damit verbunden, daß man auch das Verhältnis zur Welt, zum Weltenall, zum Kosmos, zum Geistigen und Physischen im Kosmos ganz anders erlebte als später. Der heutige Mensch erlebt sich auf Erden mehr oder weniger auf dem Lande oder in Städten. Er ist umgeben von dem, was er als Wälder anschaut, als Flüsse, als Berge, oder er ist umgeben von dem, was Gemäuer der Städte ist. Und wenn er von dem Kosmisch-Übersinnlichen spricht, ja, wo ist es denn eigentlich? Der moderne Mensch weiß ja sozusagen keine Sphäre anzugeben, wo er das Kosmisch-Übersinnliche sich denken soll. Es ist nirgends eigentlich für ihn greifbar, faßbar, ich meine auch nicht seelisch-geistig greifbar, faßbar. Das war so nicht in jener alten orientalischen Entwickelung, sondern in jener alten orientalischen Entwickelung war eigentlich die Umgebung, die wir heute als physische Umgebung bezeichnen würden, nur die unterste Partie einer einheitlich gedachten Welt. Da war um den Menschen herum dasjenige, was in den drei Naturreichen enthalten ist, was in Fluß und Berg und so weiter enthalten ist, aber das war zu gleicher Zeit geistdurchwachsen, wenn ich so sagen darf, geistdurchströmt, geistdurchwoben. Und der Mensch sagte: Ich lebe mit Bergen, ich lebe mit Flüssen, aber ich lebe auch mit den Elementargeistern der Berge, der Flüsse. Ich lebe im physischen Reich, aber dieses physische Reich ist der Körper eines geistigen Reiches. Um mich herum ist überall die geistige Welt, die unterste geistige Welt.

[ 4 ] Da war dieses Reich, das nun für uns das irdische geworden ist, unten. Der Mensch lebte darinnen. Aber er stellte sich eben in seinem Bilde vor (siehe Zeichnung), daß, wo dieses Reich (hell) nach oben hin aufhört, eben ein anderes beginnt (gelb-rot), in welches das untere übergeht, und dann wieder ein anderes (blau), und zuletzt das höchste, das noch zu erreichen ist (orange). Und wenn wir nach dem, was unter uns in der anthroposophischen Erkenntnis üblich geworden ist, diese Reiche benennen wollten — im alten orientalischen Leben hatten sie andere Namen, aber das kommt nicht darauf an, wir wollen sie so benennen, wie sie für uns heißen —, so würden wir da oben die erste Hierarchie haben: Seraphim, Cherubim, Throne, dann die zweite Hierarchie: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai, und die dritte Hierarchie: Archai, Archangeloi, Angeloi.

[ 4 ] Da war dieses Reich, das nun für uns das irdische geworden ist, unten. Der Mensch lebte darinnen. Aber er stellte sich eben in seinem Bilde vor (siehe Zeichnung), daß, wo dieses Reich (hell) nach oben hin aufhört, eben ein anderes beginnt (gelb-rot), in welches das untere übergeht, und dann wieder ein anderes (blau), und zuletzt das höchste, das noch zu erreichen ist (orange). Und wenn wir nach dem, was unter uns in der anthroposophischen Erkenntnis üblich geworden ist, diese Reiche benennen wollten — im alten orientalischen Leben hatten sie andere Namen, aber das kommt nicht darauf an, wir wollen sie so benennen, wie sie für uns heißen —, so würden wir da oben die erste Hierarchie haben: Seraphim, Cherubim, Throne, dann die zweite Hierarchie: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai, und die dritte Hierarchie: Archai, Archangeloi, Angeloi.

[ 5 ] Und nun kam das vierte Reich, wo die Menschen drinnen leben, wo wir heute nach unserer Erkenntnis nur die Naturgegenstände und Naturvorgänge ansetzen, wo diese Menschen die Naturvorgänge und Naturdinge durchwoben fühlten von den Elementargeistern des Wassers, der Erde. Und das war Asien (siehe Zeichnung).

[ 5 ] Und nun kam das vierte Reich, wo die Menschen drinnen leben, wo wir heute nach unserer Erkenntnis nur die Naturgegenstände und Naturvorgänge ansetzen, wo diese Menschen die Naturvorgänge und Naturdinge durchwoben fühlten von den Elementargeistern des Wassers, der Erde. Und das war Asien (siehe Zeichnung).

[ 6 ] Asien bedeutete das unterste Geisterreich, in dem man als Mensch noch darinnen ist. Allerdings, was heute unsere gewöhnliche Anschauung ist, die der Mensch für sein gewöhnliches Bewußtsein hat, das hatte man in jenen alten orientalischen Zeiten nicht. Es wäre ganz unsinnig zu denken, daß man in jenen alten orientalischen Zeiten die Möglichkeit gehabt hätte, geistlose Materie irgendwo zu vermuten. Was wir heute reden von Sauerstoff, Stickstoff, es wäre ja für jene alten Zeiten zu denken die reine Unmöglichkeit gewesen. Sauerstoff war das Geistige, das belebend, erregend wirkte auf das schon Lebendige, das beschleunigend auf das Leben des Lebendigen wirkte. Stickstoff, den wir heute uns so vorstellen, daß er dem Sauerstoff beigemengt in der Luft enthalten ist, Stickstoff war jenes Geistige, das die Welt durchwebt und das, indem es auf das lebendige Organische wirkt, dieses Organische bereitmacht, in sich Seelisches aufzunehmen. Nur so kannte man zum Beispiel Sauerstoff und Stickstoff. Und so kannte man alle Naturvorgänge als im Zusammenhange mit Geistigem, weil man die Anschauung, die man heute als Mann auf der Straße hat, gar nicht hatte. Einzelne hatten sie, und das waren gerade die Eingeweihten, die Initiierten. Die anderen Menschen hatten für das gewöhnliche Alltägliche einen Bewußtseinszustand, der sehr ähnlich ist einem Wachtraum, aber eben ein Traumzustand, wie er bei uns nur noch in abnormen Erlebnissen vorhanden ist. Mit diesem Träumen ging der Mensch herum. Mit diesem Träumen ging er an die Wiesen, an die Bäume, an die Flüsse heran, an die Wolken, und er sah alles in dieser Weise, wie man es sehen und hören kann in diesem Traumzustande.

[ 6 ] Asien bedeutete das unterste Geisterreich, in dem man als Mensch noch darinnen ist. Allerdings, was heute unsere gewöhnliche Anschauung ist, die der Mensch für sein gewöhnliches Bewußtsein hat, das hatte man in jenen alten orientalischen Zeiten nicht. Es wäre ganz unsinnig zu denken, daß man in jenen alten orientalischen Zeiten die Möglichkeit gehabt hätte, geistlose Materie irgendwo zu vermuten. Was wir heute reden von Sauerstoff, Stickstoff, es wäre ja für jene alten Zeiten zu denken die reine Unmöglichkeit gewesen. Sauerstoff war das Geistige, das belebend, erregend wirkte auf das schon Lebendige, das beschleunigend auf das Leben des Lebendigen wirkte. Stickstoff, den wir heute uns so vorstellen, daß er dem Sauerstoff beigemengt in der Luft enthalten ist, Stickstoff war jenes Geistige, das die Welt durchwebt und das, indem es auf das lebendige Organische wirkt, dieses Organische bereitmacht, in sich Seelisches aufzunehmen. Nur so kannte man zum Beispiel Sauerstoff und Stickstoff. Und so kannte man alle Naturvorgänge als im Zusammenhange mit Geistigem, weil man die Anschauung, die man heute als Mann auf der Straße hat, gar nicht hatte. Einzelne hatten sie, und das waren gerade die Eingeweihten, die Initiierten. Die anderen Menschen hatten für das gewöhnliche Alltägliche einen Bewußtseinszustand, der sehr ähnlich ist einem Wachtraum, aber eben ein Traumzustand, wie er bei uns nur noch in abnormen Erlebnissen vorhanden ist. Mit diesem Träumen ging der Mensch herum. Mit diesem Träumen ging er an die Wiesen, an die Bäume, an die Flüsse heran, an die Wolken, und er sah alles in dieser Weise, wie man es sehen und hören kann in diesem Traumzustande.

[ 7 ] Sie müssen sich nur einmal vorstellen, was da zum Beispiel geschehen kann für den heutigen Menschen. Der Mensch ist eingeschlummert. Plötzlich tritt vor ihm auf das Bild, das Traumesbild eines feurigen Ofens. Er hört: Feurio! Draußen fährt die Feuerwehr vorbei, um irgendwo ein Feuer zu löschen. — Wie weit verschieden ist dasjenige, was trocken die menschliche Vernunft, wie man sagt, und das gewöhnliche sinnliche Anschauen von diesem Tun der Feuerwehr vernehmen, von dem, was der Traum dem Menschen vorspiegeln kann. Aber so in Träume gegossen war alles das, was jene alte orientalische Menschheit erlebte. Da verwandelte sich alles, was draußen in den Reichen der Natur war, in Bilder. Und in diesen Bildern erlebte man die Elementargeister des Wassers, der Erde, der Luft, des Feuers. Und jener Plumpsackschlaf, den wir haben — ich meine, jener Schlaf, wo man eben ganz daliegt wie ein Sack und gar nichts von sich weiß —, den hatten die Menschen in damaliger Zeit nicht. Nicht wahr, diesen Schlaf gibt es doch heute. Den hatten aber die Menschen in der damaligen Zeit nicht, sondern sie hatten auch während dieses Schlafes ein dumpfes Bewußtsein. Während sie auf der einen Seite, wie wir es heute nennen, ihren Körper ausruhten, wob das Geistige in ihnen in einem Tätigsein der äußeren Welt. Und in diesem Weben nahm man wahr dasjenige, was die dritte Hierarchie ist. Asien nahm man wahr im gewöhnlichen Wach-Traumzustande, das heißt in dem alltäglichen Bewußtsein von damals. Die dritte Hierarchie nahm man wahr im Schlafe. Und in den Schlaf tauchte dann zuweilen ein noch dumpfes Bewußtsein ein, aber ein Bewußtsein, welches seine Erlebnisse tief in das Menschengemüt hineingrub. So daß es also für diese orientalische Bevölkerung dieses Alltagsbewußtsein gab, wo alles sich in Imaginationen und Bilder wandelte. Sie waren nicht so real, wie jene der älteren Zeit, zum Beispiel der atlantischen oder gar der lemurischen Zeit oder der Mondenzeit, aber es waren immerhin Bilder, die da noch vorhanden waren auch während dieser orientalischen Entwickelung.

[ 7 ] Sie müssen sich nur einmal vorstellen, was da zum Beispiel geschehen kann für den heutigen Menschen. Der Mensch ist eingeschlummert. Plötzlich tritt vor ihm auf das Bild, das Traumesbild eines feurigen Ofens. Er hört: Feurio! Draußen fährt die Feuerwehr vorbei, um irgendwo ein Feuer zu löschen. — Wie weit verschieden ist dasjenige, was trocken die menschliche Vernunft, wie man sagt, und das gewöhnliche sinnliche Anschauen von diesem Tun der Feuerwehr vernehmen, von dem, was der Traum dem Menschen vorspiegeln kann. Aber so in Träume gegossen war alles das, was jene alte orientalische Menschheit erlebte. Da verwandelte sich alles, was draußen in den Reichen der Natur war, in Bilder. Und in diesen Bildern erlebte man die Elementargeister des Wassers, der Erde, der Luft, des Feuers. Und jener Plumpsackschlaf, den wir haben — ich meine, jener Schlaf, wo man eben ganz daliegt wie ein Sack und gar nichts von sich weiß —, den hatten die Menschen in damaliger Zeit nicht. Nicht wahr, diesen Schlaf gibt es doch heute. Den hatten aber die Menschen in der damaligen Zeit nicht, sondern sie hatten auch während dieses Schlafes ein dumpfes Bewußtsein. Während sie auf der einen Seite, wie wir es heute nennen, ihren Körper ausruhten, wob das Geistige in ihnen in einem Tätigsein der äußeren Welt. Und in diesem Weben nahm man wahr dasjenige, was die dritte Hierarchie ist. Asien nahm man wahr im gewöhnlichen Wach-Traumzustande, das heißt in dem alltäglichen Bewußtsein von damals. Die dritte Hierarchie nahm man wahr im Schlafe. Und in den Schlaf tauchte dann zuweilen ein noch dumpfes Bewußtsein ein, aber ein Bewußtsein, welches seine Erlebnisse tief in das Menschengemüt hineingrub. So daß es also für diese orientalische Bevölkerung dieses Alltagsbewußtsein gab, wo alles sich in Imaginationen und Bilder wandelte. Sie waren nicht so real, wie jene der älteren Zeit, zum Beispiel der atlantischen oder gar der lemurischen Zeit oder der Mondenzeit, aber es waren immerhin Bilder, die da noch vorhanden waren auch während dieser orientalischen Entwickelung.

[ 8 ] Also diese Menschen hatten diese Bilder. Dann hatten sie in den Schlafzuständen dasjenige, was sie in die Worte kleiden konnten: Entschlummern wir dem gewöhnlichen irdischen Dasein, dann treten wir ein in das Reich der Angeloi, Archangeloi, Archai und leben unter ihnen. Die Seele macht sich frei vom Organismus und lebt unter den Wesen der höheren Hierarchien.

[ 8 ] Also diese Menschen hatten diese Bilder. Dann hatten sie in den Schlafzuständen dasjenige, was sie in die Worte kleiden konnten: Entschlummern wir dem gewöhnlichen irdischen Dasein, dann treten wir ein in das Reich der Angeloi, Archangeloi, Archai und leben unter ihnen. Die Seele macht sich frei vom Organismus und lebt unter den Wesen der höheren Hierarchien.

[ 9 ] Zu gleicher Zeit war man sich klar darüber, daß, während man in Asien lebte, mit Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamandern, das heißt mit den Elementargeistern der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers, daß man in dem Schlafzustand, in dem der Körper sich ausruhte, erlebte die Wesenheiten der dritten Hierarchie, aber zu gleicher Zeit erlebte mit dem planetarischen Dasein, mit demjenigen, was in dem Planetensystem lebt, das zur Erde gehört. — Dann aber trat manchmal herein in das Schlafbewußtsein, wo man die dritte Hierarchie wahrnahm, ein ganz besonderer Zustand, in dem der Schlafende fühlte: Es kommt ein ganz fremdes Bereich an mich heran. Es nimmt mich etwas an sich, es holt mich etwas weg aus dem irdischen Dasein. Das fühlte man noch nicht, indem man in die dritte Hierarchie vetsetzt war, aber indem dieser tiefere Schlafzustand kam, fühlte man dieses. Eigentlich war niemals ein deutliches Bewußtsein davon vorhanden, was während dieses Schlafzustandes der dritten Art geschah. Aber tief, tief bohrte sich ein in das ganze menschliche Sein dasjenige, was da erlebt wurde aus der zweiten Hierarchie heraus. Und der Mensch hatte es bei seinem Aufwachen in seinem Gemüte, und er sagte: Ich bin begnadet worden von höheren Geistern, die über dem planetarischen Dasein ein Leben haben. — Und so sprachen diese Menschen dann von jener Hierarchie, welche die Exusiai, die Kyriotetes und die Dynamis umfaßt. — Und dieses, was ich Ihnen jetzt erzähle, das war sozusagen im älteren Asien im Grunde das gewöhnliche Bewußtsein. Die zwei Bewußtseinszustände, das Wachend-Schlafen, Schlafend-Wachen, und den Schlaf, in den die dritte Hierarchie hereinragte, das hatten schon von vornherein alle. Und manche hatten durch ihre besondere Naturanlage dann dieses Hereinragen eines tieferen Schlafes, wo die zweite Hierarchie in das menschliche Bewußtsein hereinspielte. Und die Eingeweihten in den Mysterien, sie bekamen einen weiteren Bewußtseinszustand. Welchen? Das ist eben gerade das Übertaschende. Wenn man die Antwort darauf gibt: Welchen Bewußtseinszustand bekamen nun die Eingeweihten der damaligen Zeit? —, so lautet sie: Den Bewußtseinszustand, den Sie heute am Tage immer haben. — Sie entwickeln ihn in Ihrem zweiten, dritten Lebensjahre auf natürliche Weise. Der alte Orientale ist auf natürliche Weise nie dazu gekommen, sondern er mußte ihn künstlich heranbilden. Er mußte ihn heranbilden aus dem wachenden Träumen, träumenden Wachen. Während er, wenn er herumging mit seinem wachenden Träumen, träumenden Wachen, Bilder überall sah, die mehr oder weniger symbolisch nur dasjenige gaben, was wir heute mit scharfen Konturen sehen, kamen die Eingeweihten dazu, die Dinge dazumal so zu sehen, wie sie der Mensch heute mit dem gewöhnlichen Bewußtsein alle Tage sieht. Und die Eingeweihten kamen dazumal dazu, dutch dieses erst heranentwickelte Bewußtsein das zu lernen, was heute jeder Schulknabe und jedes Schulmädchen in der Volksschule lernt. Und der Unterschied bestand nicht darin, daß der Inhalt etwas anderes war. Allerdings jene abstrakten Buchstabenformen, die wir heute haben, die hatte man damals nicht. Die Schrift wies Charaktere auf, welche in innigerem Zusammenhange mit den Sachen und Vorgängen der Welt standen. Aber immerhin, das Schreiben, das Lesen lernten in diesen alten Zeiten nur die Eingeweihten, weil man schreiben und lesen eben nur lernen kann in dem verstandesmäßigen Bewußtseinszustand, der heute der natürliche ist.

[ 9 ] Zu gleicher Zeit war man sich klar darüber, daß, während man in Asien lebte, mit Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamandern, das heißt mit den Elementargeistern der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers, daß man in dem Schlafzustand, in dem der Körper sich ausruhte, erlebte die Wesenheiten der dritten Hierarchie, aber zu gleicher Zeit erlebte mit dem planetarischen Dasein, mit demjenigen, was in dem Planetensystem lebt, das zur Erde gehört. — Dann aber trat manchmal herein in das Schlafbewußtsein, wo man die dritte Hierarchie wahrnahm, ein ganz besonderer Zustand, in dem der Schlafende fühlte: Es kommt ein ganz fremdes Bereich an mich heran. Es nimmt mich etwas an sich, es holt mich etwas weg aus dem irdischen Dasein. Das fühlte man noch nicht, indem man in die dritte Hierarchie vetsetzt war, aber indem dieser tiefere Schlafzustand kam, fühlte man dieses. Eigentlich war niemals ein deutliches Bewußtsein davon vorhanden, was während dieses Schlafzustandes der dritten Art geschah. Aber tief, tief bohrte sich ein in das ganze menschliche Sein dasjenige, was da erlebt wurde aus der zweiten Hierarchie heraus. Und der Mensch hatte es bei seinem Aufwachen in seinem Gemüte, und er sagte: Ich bin begnadet worden von höheren Geistern, die über dem planetarischen Dasein ein Leben haben. — Und so sprachen diese Menschen dann von jener Hierarchie, welche die Exusiai, die Kyriotetes und die Dynamis umfaßt. — Und dieses, was ich Ihnen jetzt erzähle, das war sozusagen im älteren Asien im Grunde das gewöhnliche Bewußtsein. Die zwei Bewußtseinszustände, das Wachend-Schlafen, Schlafend-Wachen, und den Schlaf, in den die dritte Hierarchie hereinragte, das hatten schon von vornherein alle. Und manche hatten durch ihre besondere Naturanlage dann dieses Hereinragen eines tieferen Schlafes, wo die zweite Hierarchie in das menschliche Bewußtsein hereinspielte. Und die Eingeweihten in den Mysterien, sie bekamen einen weiteren Bewußtseinszustand. Welchen? Das ist eben gerade das Übertaschende. Wenn man die Antwort darauf gibt: Welchen Bewußtseinszustand bekamen nun die Eingeweihten der damaligen Zeit? —, so lautet sie: Den Bewußtseinszustand, den Sie heute am Tage immer haben. — Sie entwickeln ihn in Ihrem zweiten, dritten Lebensjahre auf natürliche Weise. Der alte Orientale ist auf natürliche Weise nie dazu gekommen, sondern er mußte ihn künstlich heranbilden. Er mußte ihn heranbilden aus dem wachenden Träumen, träumenden Wachen. Während er, wenn er herumging mit seinem wachenden Träumen, träumenden Wachen, Bilder überall sah, die mehr oder weniger symbolisch nur dasjenige gaben, was wir heute mit scharfen Konturen sehen, kamen die Eingeweihten dazu, die Dinge dazumal so zu sehen, wie sie der Mensch heute mit dem gewöhnlichen Bewußtsein alle Tage sieht. Und die Eingeweihten kamen dazumal dazu, dutch dieses erst heranentwickelte Bewußtsein das zu lernen, was heute jeder Schulknabe und jedes Schulmädchen in der Volksschule lernt. Und der Unterschied bestand nicht darin, daß der Inhalt etwas anderes war. Allerdings jene abstrakten Buchstabenformen, die wir heute haben, die hatte man damals nicht. Die Schrift wies Charaktere auf, welche in innigerem Zusammenhange mit den Sachen und Vorgängen der Welt standen. Aber immerhin, das Schreiben, das Lesen lernten in diesen alten Zeiten nur die Eingeweihten, weil man schreiben und lesen eben nur lernen kann in dem verstandesmäßigen Bewußtseinszustand, der heute der natürliche ist.

[ 10 ] Wenn Sie sich also vorstellen würden, daß irgendwo wiederum auftreten würde diese altorientalische Welt mit Menschen jener Art, wie sie damals waren, und Sie unter diese Menschen treten würden mit Ihrer Seelenartung von heute, so wären Sie für jene Menschen dazumal alle Eingeweihte. Der Unterschied liegt eben nicht im Inhaltlichen. Sie wären Eingeweihte, aber Sie würden von den Menschen der damaligen Zeit in dem Augenblicke, wo Sie als Eingeweihte erkannt würden, mit allen möglichen Mitteln aus dem Lande getrieben werden, weil die Leute sich darüber klar wären, daß man als Eingeweihter die Dinge nicht so wissen darf, wie die heutigen Menschen sie wissen. Man darf zum Beispiel — das war die Anschauung der damaligen Zeit, ich charakterisiere sie durch dieses Bild nicht schreiben können, nach der Ansicht der damaligen Leute, wie die Menschen der heutigen Zeit schreiben können. Wenn ich mich hineinversetze in ein Gemüt der damaligen Zeit und es träte einem ein solcher Pseudoeingeweihter, das heißt ein gewöhnlicher Mensch, ein gewöhnlich gescheiter Mensch der Gegenwart entgegen, so würde dieser Mensch der damaligen Zeit sagen: Der kann schreiben, er macht Zeichen auf das Papier, die etwas bedeuten, und er ist sich nicht einmal bewußt, wie unendlich teuflisch es ist, so etwas zu tun und nicht das Bewußtsein in sich zu tragen, daß man dies nur im Auftrage des göttlichen Weltbewußtseins tun darf, daß man Zeichen, die etwas bedeuten, auf das Papier nur machen darf, wenn man sich bewußt ist: Der Gott wirkt in den Händen, in den Fingern, der Gott wirkt in der Seele, so daß die Seele sich ausdrückt durch diese Buchstabenformen. — Dieses, das nicht in der Verschiedenheit des Inhaltes liegt, das in der menschlichen Auffassung der Sache liegt, das ist es, was eben die Eingeweihten der alten Zeit noch ganz anders hatten als die heutigen Menschen, welche dasselbe inhaltlich haben. Sie werden, wenn Sie in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache», die jetzt wiederum in Neuauflage erschienen ist, nachlesen, gleich im Anfange angedeutet finden, daß darinnen eigentlich das Wesen des Eingeweihten der alten Zeit lag. Und es ist eigentlich immer so in der Weltenentwickelung: Was in einer späteren Zeit auf natürliche Art in dem Menschen erwächst, das ist in einer früheren Zeit durch die Einweihung zu erringen.

[ 10 ] Wenn Sie sich also vorstellen würden, daß irgendwo wiederum auftreten würde diese altorientalische Welt mit Menschen jener Art, wie sie damals waren, und Sie unter diese Menschen treten würden mit Ihrer Seelenartung von heute, so wären Sie für jene Menschen dazumal alle Eingeweihte. Der Unterschied liegt eben nicht im Inhaltlichen. Sie wären Eingeweihte, aber Sie würden von den Menschen der damaligen Zeit in dem Augenblicke, wo Sie als Eingeweihte erkannt würden, mit allen möglichen Mitteln aus dem Lande getrieben werden, weil die Leute sich darüber klar wären, daß man als Eingeweihter die Dinge nicht so wissen darf, wie die heutigen Menschen sie wissen. Man darf zum Beispiel — das war die Anschauung der damaligen Zeit, ich charakterisiere sie durch dieses Bild nicht schreiben können, nach der Ansicht der damaligen Leute, wie die Menschen der heutigen Zeit schreiben können. Wenn ich mich hineinversetze in ein Gemüt der damaligen Zeit und es träte einem ein solcher Pseudoeingeweihter, das heißt ein gewöhnlicher Mensch, ein gewöhnlich gescheiter Mensch der Gegenwart entgegen, so würde dieser Mensch der damaligen Zeit sagen: Der kann schreiben, er macht Zeichen auf das Papier, die etwas bedeuten, und er ist sich nicht einmal bewußt, wie unendlich teuflisch es ist, so etwas zu tun und nicht das Bewußtsein in sich zu tragen, daß man dies nur im Auftrage des göttlichen Weltbewußtseins tun darf, daß man Zeichen, die etwas bedeuten, auf das Papier nur machen darf, wenn man sich bewußt ist: Der Gott wirkt in den Händen, in den Fingern, der Gott wirkt in der Seele, so daß die Seele sich ausdrückt durch diese Buchstabenformen. — Dieses, das nicht in der Verschiedenheit des Inhaltes liegt, das in der menschlichen Auffassung der Sache liegt, das ist es, was eben die Eingeweihten der alten Zeit noch ganz anders hatten als die heutigen Menschen, welche dasselbe inhaltlich haben. Sie werden, wenn Sie in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache», die jetzt wiederum in Neuauflage erschienen ist, nachlesen, gleich im Anfange angedeutet finden, daß darinnen eigentlich das Wesen des Eingeweihten der alten Zeit lag. Und es ist eigentlich immer so in der Weltenentwickelung: Was in einer späteren Zeit auf natürliche Art in dem Menschen erwächst, das ist in einer früheren Zeit durch die Einweihung zu erringen.

[ 11 ] Gerade indem ich so etwas darstelle, werden Sie den gründlichen Unterschied verspüren zwischen der Gemütslage dieser alten orientalischen Völker der vorhistorischen Entwickelung und den Menschen, die später in die Zivilisation eingetreten sind. Es ist schon eine andere Menschheit, die den untersten Himmel Asien nannte und das eigene Land darunter verstand, die Natur, die einen umgab. Man wußte, wo der letzte Himmel ist. Vergleichen Sie das mit den Anschauungen von heute, wie wenig die Menschen der Gegenwart dasjenige, was sie umgibt, als den letzten Himmel betrachten. Die meisten können ihn ja nicht als den letzten betrachten, weil sie die vorhergehenden auch nicht kennen.

[ 11 ] Gerade indem ich so etwas darstelle, werden Sie den gründlichen Unterschied verspüren zwischen der Gemütslage dieser alten orientalischen Völker der vorhistorischen Entwickelung und den Menschen, die später in die Zivilisation eingetreten sind. Es ist schon eine andere Menschheit, die den untersten Himmel Asien nannte und das eigene Land darunter verstand, die Natur, die einen umgab. Man wußte, wo der letzte Himmel ist. Vergleichen Sie das mit den Anschauungen von heute, wie wenig die Menschen der Gegenwart dasjenige, was sie umgibt, als den letzten Himmel betrachten. Die meisten können ihn ja nicht als den letzten betrachten, weil sie die vorhergehenden auch nicht kennen.

[ 12 ] Nun, wir sehen also, daß das Geistige bis tief in das Naturdasein hereinragt in dieser alten Zeit. Und dennoch, wir treffen etwas unter diesen Menschen wiederum, das uns in der gegenwärtigen Zeit unendlich barbarisch erscheinen möchte, wenigstens vielen von uns. Den Menschen dazumal wäre es furchtbar barbarisch erschienen, wenn jemand so hätte schreiben können, mit solcher Gesinnung, wie man heute schreiben kann. Es wäre ihnen überhaupt teuflisch erschienen. Einer großen Anzahl von Menschen der Gegenwart erscheint es aber ganz gewiß wiederum barbarisch, wie in jenem Asien drüben es etwas ganz Selbstverständliches war, daß eine Völkerschaft, die von Westen nach dem Osten weiter hinüberzog, oftmals mit großer Grausamkeit eine andere, die schon seßhaft war, sich untertan machte, deren Land eroberte, die Bevölkerung zu Sklaven machte. Das ist überhaupt im weiteren Umfange der Inhalt dieser orientalischen Geschichte über ganz Asien. Während diese Menschen eine hohe spirituelle Anschauung hatten in der Art, wie ich es eben charakterisiert habe, verlief die äußere Geschichte in fortwährenden Eroberungen fremden Landes, deren Bevölkerung untertänig gemacht worden ist. Das erscheint gewiß vielen Menschen in der Gegenwart wiederum barbarisch. Und wenn heute auch noch irgendwie Eroberungskriege vorhanden sind, so hat man doch dabei, selbst diejenigen, die sie verteidigen, nicht ein ganz gutes Gewissen. Man merkt das den Verteidigungen der Eroberungskriege schon an: man hat nicht ein ganz gutes Gewissen dabei. In der damaligen Zeit hatte man gerade gegenüber den Eroberungskriegen das allerbeste Gewissen, und man fand, daß dieses Erobern überhaupt gottgewollt ist. Und dasjenige, was dann später als die Friedenssehnsuchten über einen großen Teil Asiens sich ausgebreitet hatte, das ist eigentlich Spätprodukt der Zivilisation. Dagegen ist Frühprodukt der Zivilisation für Asien das fortwährende Erobern von Ländern und Untertänigmachen der Bevölkerungen. Je weiter man in die vorhistorischen Zeiten zurückschaut, desto mehr findet man dieses Erobern, von dem nur ein Schatten noch dasjenige ist, was Xerxes und ähnliche Leute getan haben.

[ 12 ] Nun, wir sehen also, daß das Geistige bis tief in das Naturdasein hereinragt in dieser alten Zeit. Und dennoch, wir treffen etwas unter diesen Menschen wiederum, das uns in der gegenwärtigen Zeit unendlich barbarisch erscheinen möchte, wenigstens vielen von uns. Den Menschen dazumal wäre es furchtbar barbarisch erschienen, wenn jemand so hätte schreiben können, mit solcher Gesinnung, wie man heute schreiben kann. Es wäre ihnen überhaupt teuflisch erschienen. Einer großen Anzahl von Menschen der Gegenwart erscheint es aber ganz gewiß wiederum barbarisch, wie in jenem Asien drüben es etwas ganz Selbstverständliches war, daß eine Völkerschaft, die von Westen nach dem Osten weiter hinüberzog, oftmals mit großer Grausamkeit eine andere, die schon seßhaft war, sich untertan machte, deren Land eroberte, die Bevölkerung zu Sklaven machte. Das ist überhaupt im weiteren Umfange der Inhalt dieser orientalischen Geschichte über ganz Asien. Während diese Menschen eine hohe spirituelle Anschauung hatten in der Art, wie ich es eben charakterisiert habe, verlief die äußere Geschichte in fortwährenden Eroberungen fremden Landes, deren Bevölkerung untertänig gemacht worden ist. Das erscheint gewiß vielen Menschen in der Gegenwart wiederum barbarisch. Und wenn heute auch noch irgendwie Eroberungskriege vorhanden sind, so hat man doch dabei, selbst diejenigen, die sie verteidigen, nicht ein ganz gutes Gewissen. Man merkt das den Verteidigungen der Eroberungskriege schon an: man hat nicht ein ganz gutes Gewissen dabei. In der damaligen Zeit hatte man gerade gegenüber den Eroberungskriegen das allerbeste Gewissen, und man fand, daß dieses Erobern überhaupt gottgewollt ist. Und dasjenige, was dann später als die Friedenssehnsuchten über einen großen Teil Asiens sich ausgebreitet hatte, das ist eigentlich Spätprodukt der Zivilisation. Dagegen ist Frühprodukt der Zivilisation für Asien das fortwährende Erobern von Ländern und Untertänigmachen der Bevölkerungen. Je weiter man in die vorhistorischen Zeiten zurückschaut, desto mehr findet man dieses Erobern, von dem nur ein Schatten noch dasjenige ist, was Xerxes und ähnliche Leute getan haben.

[ 13 ] Aber diesem Prinzip der Eroberungen liegt ja etwas ganz Bestimmtes zugrunde. In der damaligen Zeit war eben durch jene Bewußtseinszustände bei den Menschen, die ich Ihnen geschildert habe, der Mensch auch im Verhältnis zu den anderen Menschen und zur Welt in einer ganz anderen Lage als heute. Gewisse Unterschiede in den Bevölkerungsteilen der Erde haben heute ihre prinzipielle Bedeutung verloren. Dazumal waren sie in einer ganz anderen Weise vorhanden als heute. Und so wollen wir einmal etwas, was oftmals real war, als Beispiel vor unsere Seele hinstellen.

[ 13 ] Aber diesem Prinzip der Eroberungen liegt ja etwas ganz Bestimmtes zugrunde. In der damaligen Zeit war eben durch jene Bewußtseinszustände bei den Menschen, die ich Ihnen geschildert habe, der Mensch auch im Verhältnis zu den anderen Menschen und zur Welt in einer ganz anderen Lage als heute. Gewisse Unterschiede in den Bevölkerungsteilen der Erde haben heute ihre prinzipielle Bedeutung verloren. Dazumal waren sie in einer ganz anderen Weise vorhanden als heute. Und so wollen wir einmal etwas, was oftmals real war, als Beispiel vor unsere Seele hinstellen.

[ 14 ] Nehmen wir an, wir hätten hier links das europäische Gebiet (Zeichnung Seite 36), hier rechts das asiatische Gebiet. Eine erobernde Bevölkerung (rot) konnte, auch vom Norden von Asien, herüberkommen, dehnt sich über irgendein Gebiet in Asien aus, macht die Bevölkerung untertan (rot um gelb).

[ 14 ] Nehmen wir an, wir hätten hier links das europäische Gebiet (Zeichnung Seite 36), hier rechts das asiatische Gebiet. Eine erobernde Bevölkerung (rot) konnte, auch vom Norden von Asien, herüberkommen, dehnt sich über irgendein Gebiet in Asien aus, macht die Bevölkerung untertan (rot um gelb).

Blackboard 4Blackboard 4

[ 15 ] Was lag da eigentlich vor? In den charakterisierten Fällen, welche die eigentliche geschichtliche Entwickelung im Fluß erhielten, war immer die Bevölkerung, die erobernd auftrat, als Volk oder als Rasse jung — jung, voller Jugendkraft. Nun, was heißt heute unter den Menschen der gegenwärtigen Erdenentwickelung jung sein? Unter den Menschen der gegenwärtigen Erdenentwickelung heißt jung sein, so viel Todeskräfte in jedem Augenblick seines Lebens in sich tragen, daß man die Seelenkräfte, die die absterbenden Vorgänge des Menschen brauchen, versorgen kann. Wir haben ja die sprießenden, sprossenden Lebenskräfte in uns; die machen uns aber nicht besonnen, sondern die machen uns gerade ohnmächtig, bewußtlos. Die abbauenden, die Todeskräfte, die fortwährend in uns auch wirken, die nur immer von den Lebenskräften während des Schlafes überwunden werden, so daß wir eben nur am Ende des Lebens zusammenfassen all die Todeskräfte in dem einmaligen Tode, diese Todeskräfte müssen fortwährend in uns sein. Die bewirken die Besonnenheit, das Bewußtsein. Das ist aber eben ein Charakteristikum der gegenwärtigen Menschheit. Solch eine junge Rasse, ein junges Volk, das litt an seinen überstarken Lebenskräften. Was da Mensch war, hatte fortwährend das Gefühl: Ich drücke dauernd mein Blut gegen meine Körperwände. Ich kann es nicht aushalten. Mein Bewußtsein will nicht besonnen werden. Ich kann meine volle Menschlichkeit wegen meiner Jugendlichkeit nicht entwickeln.

[ 15 ] Was lag da eigentlich vor? In den charakterisierten Fällen, welche die eigentliche geschichtliche Entwickelung im Fluß erhielten, war immer die Bevölkerung, die erobernd auftrat, als Volk oder als Rasse jung — jung, voller Jugendkraft. Nun, was heißt heute unter den Menschen der gegenwärtigen Erdenentwickelung jung sein? Unter den Menschen der gegenwärtigen Erdenentwickelung heißt jung sein, so viel Todeskräfte in jedem Augenblick seines Lebens in sich tragen, daß man die Seelenkräfte, die die absterbenden Vorgänge des Menschen brauchen, versorgen kann. Wir haben ja die sprießenden, sprossenden Lebenskräfte in uns; die machen uns aber nicht besonnen, sondern die machen uns gerade ohnmächtig, bewußtlos. Die abbauenden, die Todeskräfte, die fortwährend in uns auch wirken, die nur immer von den Lebenskräften während des Schlafes überwunden werden, so daß wir eben nur am Ende des Lebens zusammenfassen all die Todeskräfte in dem einmaligen Tode, diese Todeskräfte müssen fortwährend in uns sein. Die bewirken die Besonnenheit, das Bewußtsein. Das ist aber eben ein Charakteristikum der gegenwärtigen Menschheit. Solch eine junge Rasse, ein junges Volk, das litt an seinen überstarken Lebenskräften. Was da Mensch war, hatte fortwährend das Gefühl: Ich drücke dauernd mein Blut gegen meine Körperwände. Ich kann es nicht aushalten. Mein Bewußtsein will nicht besonnen werden. Ich kann meine volle Menschlichkeit wegen meiner Jugendlichkeit nicht entwickeln.

[ 16 ] So sprachen allerdings nicht die gewöhnlichen Menschen, so sprachen aber die Eingeweihten in den Mysterien, die diese ganzen geschichtlichen Vorgänge dazumal noch leiteten und lenkten. Und so hatte eine solche Bevölkerung zuviel Jugend, zuviel Lebenskräfte, zuwenig von dem in sich, was Besonnenheit geben konnte. Dann zog sie aus, eroberte ein Gebiet, wo eine ältere Bevölkerung lebte, die schon in irgendeiner Weise Todeskräfte in sich aufgenommen hatte, weil sie bereits in die Dekadenz gekommen war, zog aus, machte sich diese Bevölkerung untertänig. Es brauchte nicht eine Blutsverwandtschaft einzutreten zwischen den Eroberern und den zu Sklaven Gemachten. Dasjenige, was sich unbewußt im Seelischen abspielte zwischen den Eroberern und den versklavten Leuten, das wirkte verjüngend, und auf die Besonnenheit hin wirkte es. Und der erobernde Mensch, der sich seinen Hof begründet hatte, wo er nun seine Sklaven hatte, er brauchte eben auch nur den Einfluß auf sein Bewußtsein. Er brauchte nur hinzulenken seinen Sinn auf diese Sklaven, und, ich möchte sagen, abgedämpft in der Sehnsucht nach der Ohnmächtigkeit wurde die Seele, und Bewußtheit, Besonnenheit trat ein.

[ 16 ] So sprachen allerdings nicht die gewöhnlichen Menschen, so sprachen aber die Eingeweihten in den Mysterien, die diese ganzen geschichtlichen Vorgänge dazumal noch leiteten und lenkten. Und so hatte eine solche Bevölkerung zuviel Jugend, zuviel Lebenskräfte, zuwenig von dem in sich, was Besonnenheit geben konnte. Dann zog sie aus, eroberte ein Gebiet, wo eine ältere Bevölkerung lebte, die schon in irgendeiner Weise Todeskräfte in sich aufgenommen hatte, weil sie bereits in die Dekadenz gekommen war, zog aus, machte sich diese Bevölkerung untertänig. Es brauchte nicht eine Blutsverwandtschaft einzutreten zwischen den Eroberern und den zu Sklaven Gemachten. Dasjenige, was sich unbewußt im Seelischen abspielte zwischen den Eroberern und den versklavten Leuten, das wirkte verjüngend, und auf die Besonnenheit hin wirkte es. Und der erobernde Mensch, der sich seinen Hof begründet hatte, wo er nun seine Sklaven hatte, er brauchte eben auch nur den Einfluß auf sein Bewußtsein. Er brauchte nur hinzulenken seinen Sinn auf diese Sklaven, und, ich möchte sagen, abgedämpft in der Sehnsucht nach der Ohnmächtigkeit wurde die Seele, und Bewußtheit, Besonnenheit trat ein.

[ 17 ] Dasjenige, was wir heute als individueller Mensch erreichen müssen, wurde dazumal im Zusammenleben mit den anderen Menschen erreicht. Man brauchte sozusagen um sich eine Bevölkerung, die mehr Todeskräfte in sich hatte als eine herrisch auftretende, aber junge, nicht zu voller Besonnenheit kommende Bevölkerung. Die rang sich hinauf zu dem, was sie als Menschen brauchten, dadurch, daß sie eine andere Bevölkerung überwanden. Und so sind diese oftmals so furchtbaren, uns heute so barbarisch anmutenden altorientalischen Kämpfe nichts anderes als die Impulse der Menschheitsentwickelung überhaupt. Sie mußten da sein. Sie sind die Impulse der Menschheitsentwickelung. Die Menschheit hätte auf der Erde sich nicht entwickeln können, wenn nicht diese uns heute barbarisch anmutenden furchtbaren Kämpfe und Kriege vorhanden gewesen wären.

[ 17 ] Dasjenige, was wir heute als individueller Mensch erreichen müssen, wurde dazumal im Zusammenleben mit den anderen Menschen erreicht. Man brauchte sozusagen um sich eine Bevölkerung, die mehr Todeskräfte in sich hatte als eine herrisch auftretende, aber junge, nicht zu voller Besonnenheit kommende Bevölkerung. Die rang sich hinauf zu dem, was sie als Menschen brauchten, dadurch, daß sie eine andere Bevölkerung überwanden. Und so sind diese oftmals so furchtbaren, uns heute so barbarisch anmutenden altorientalischen Kämpfe nichts anderes als die Impulse der Menschheitsentwickelung überhaupt. Sie mußten da sein. Sie sind die Impulse der Menschheitsentwickelung. Die Menschheit hätte auf der Erde sich nicht entwickeln können, wenn nicht diese uns heute barbarisch anmutenden furchtbaren Kämpfe und Kriege vorhanden gewesen wären.

[ 18 ] Die Eingeweihten der Mysterien, die sahen dann eben die Welt doch schon so, wie sie heute gesehen wird, nur verbanden sie damit eine andere Seelenverfassung, eine andere Gesinnung. Für sie war dasjenige, was sie in scharfen Konturen erlebten, so wie wir heute beim sinnlichen Wahrnehmen die äußeren Dinge in scharfen Konturen erleben, für sie war das immerhin dasjenige, was von den Göttern kam, auch für das menschliche Bewußtsein von den Göttern kam. Denn wie trat das vor einen damaligen Eingeweihten?

[ 18 ] Die Eingeweihten der Mysterien, die sahen dann eben die Welt doch schon so, wie sie heute gesehen wird, nur verbanden sie damit eine andere Seelenverfassung, eine andere Gesinnung. Für sie war dasjenige, was sie in scharfen Konturen erlebten, so wie wir heute beim sinnlichen Wahrnehmen die äußeren Dinge in scharfen Konturen erleben, für sie war das immerhin dasjenige, was von den Göttern kam, auch für das menschliche Bewußtsein von den Göttern kam. Denn wie trat das vor einen damaligen Eingeweihten?

Blackboard 3Blackboard 3

[ 19 ] Sehen Sie, da war vielleicht, sagen wir, der Blitz. Nehmen wir ein recht anschauliches Bild. Nun, ihn sieht der heutige Mensch so, wie Sie ja wissen, daß man eben den Blitz sieht (siehe Zeichnung, oben). Das sah der alte Mensch nicht so. Der sah hier lebend-geistige Wesenheiten sich bewegen (gelb), und die scharfen Konturen des Blitzes verschwanden vollständig. Das war ein Heereszug oder eine Prozession von Geistwesen, die über dem oder im Weltenraum vorwärtsdrangen. Den Blitz als solchen sah er nicht. Er sah einen Geisterzug durch den Weltenraum schweben. Für den Eingeweihten wurde das so, daß er ja auch wie die anderen Leute diesen Heereszug sah, aber für sein Schauen, das in ihm entwickelt worden war, konnte sich, indem das Bild von dem Heereszug allmählich sich dämpfte und dann verschwand, der Blitz herausentwickeln in der Gestalt, wie ihn heute jeder sieht. Die ganze Natur, wie sie heute jeder sieht, mußte in alten Zeiten erst durch die Initiation errungen werden. Aber wie empfand man dieses? Auch dieses empfand man durchaus nicht in der Gleichgültigkeit, mit der man heute Erkenntnisse oder Wahrheiten empfindet. Man empfand dieses durchaus mit einem moralischen Einschlag. Und wenn wir uns das anschauen, was mit den Jüngern der Mysterien geschah, so müssen wir uns das Folgende sagen: Sie wurden eingeführt in diejenige Naturanschauung, die dann später die naturgemäße, allen zugängliche war. Einzelne nur wurden durch harte innere Prüfungen und Proben zu dieser Naturanschauung hingeführt. Dann aber hatten sie ganz naturgemäß folgende Empfindung: Da ist der Mensch mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein. Er sieht diesen Heereszug von Elementarwesen dutch die Lüfte reiten. Aber er ist dadurch, daß er eine solche Anschauung hat, bar des menschlichen freien Willens. Er ist ganz hingegeben an die göttlich-geistige Welt. — Denn in diesem wachenden Träumen, träumenden Wachen lebte der Wille nicht als freier, sondern als derjenige, der in den Menschen einströmte als der göttliche Wille. Und der Eingeweihte, der den Blitz gun herauskommen sah aus diesen Imaginationen, der empfand das so, daß er sagen lernte durch seinen Initiator: Ich muß ein Mensch sein, der in der Welt sich auch bewegen darf ohne die Götter, für den die Götter auswerfen ins Unbestimmte den Welteninhalt. — Es war gewissermaßen für die Initiierten dasjenige, was sie in scharfen Konturen sahen, der von den Göttern ausgeworfene Welteninhalt, an den der Eingeweihte herantrat, um unabhängig zu werden von den Göttern.

[ 19 ] Sehen Sie, da war vielleicht, sagen wir, der Blitz. Nehmen wir ein recht anschauliches Bild. Nun, ihn sieht der heutige Mensch so, wie Sie ja wissen, daß man eben den Blitz sieht (siehe Zeichnung, oben). Das sah der alte Mensch nicht so. Der sah hier lebend-geistige Wesenheiten sich bewegen (gelb), und die scharfen Konturen des Blitzes verschwanden vollständig. Das war ein Heereszug oder eine Prozession von Geistwesen, die über dem oder im Weltenraum vorwärtsdrangen. Den Blitz als solchen sah er nicht. Er sah einen Geisterzug durch den Weltenraum schweben. Für den Eingeweihten wurde das so, daß er ja auch wie die anderen Leute diesen Heereszug sah, aber für sein Schauen, das in ihm entwickelt worden war, konnte sich, indem das Bild von dem Heereszug allmählich sich dämpfte und dann verschwand, der Blitz herausentwickeln in der Gestalt, wie ihn heute jeder sieht. Die ganze Natur, wie sie heute jeder sieht, mußte in alten Zeiten erst durch die Initiation errungen werden. Aber wie empfand man dieses? Auch dieses empfand man durchaus nicht in der Gleichgültigkeit, mit der man heute Erkenntnisse oder Wahrheiten empfindet. Man empfand dieses durchaus mit einem moralischen Einschlag. Und wenn wir uns das anschauen, was mit den Jüngern der Mysterien geschah, so müssen wir uns das Folgende sagen: Sie wurden eingeführt in diejenige Naturanschauung, die dann später die naturgemäße, allen zugängliche war. Einzelne nur wurden durch harte innere Prüfungen und Proben zu dieser Naturanschauung hingeführt. Dann aber hatten sie ganz naturgemäß folgende Empfindung: Da ist der Mensch mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein. Er sieht diesen Heereszug von Elementarwesen dutch die Lüfte reiten. Aber er ist dadurch, daß er eine solche Anschauung hat, bar des menschlichen freien Willens. Er ist ganz hingegeben an die göttlich-geistige Welt. — Denn in diesem wachenden Träumen, träumenden Wachen lebte der Wille nicht als freier, sondern als derjenige, der in den Menschen einströmte als der göttliche Wille. Und der Eingeweihte, der den Blitz gun herauskommen sah aus diesen Imaginationen, der empfand das so, daß er sagen lernte durch seinen Initiator: Ich muß ein Mensch sein, der in der Welt sich auch bewegen darf ohne die Götter, für den die Götter auswerfen ins Unbestimmte den Welteninhalt. — Es war gewissermaßen für die Initiierten dasjenige, was sie in scharfen Konturen sahen, der von den Göttern ausgeworfene Welteninhalt, an den der Eingeweihte herantrat, um unabhängig zu werden von den Göttern.

[ 20 ] Sie begreifen, es wäre ein unerträglicher Zustand gewesen, wenn er nicht irgendein ausgleichendes Moment gehabt hätte. Das hat er aber gehabt. Denn indem der Eingeweihte auf der einen Seite Asien erleben lernte gottverlassen, geistverlassen, lernte er auf der anderen Seite einen noch tieferen Bewußtseinszustand kennen als derjenige war, der zur zweiten Hierarchie hinreichte. Er lernte kennen zu seiner entgötterten Welt die Welt der Seraphim, Cherubim und Throne.

[ 20 ] Sie begreifen, es wäre ein unerträglicher Zustand gewesen, wenn er nicht irgendein ausgleichendes Moment gehabt hätte. Das hat er aber gehabt. Denn indem der Eingeweihte auf der einen Seite Asien erleben lernte gottverlassen, geistverlassen, lernte er auf der anderen Seite einen noch tieferen Bewußtseinszustand kennen als derjenige war, der zur zweiten Hierarchie hinreichte. Er lernte kennen zu seiner entgötterten Welt die Welt der Seraphim, Cherubim und Throne.

[ 21 ] In einer bestimmten Zeit der asiatischen Entwickelung, die etwa die mittlere ist — wir werden über die Zeiten noch genauer zu sprechen haben —, war der Bewußtseinszustand dieser Menschen, dieser Eingeweihten so, daß sie über die Erde hingingen und ungefähr schon den Anblick von den Erdenreichen hatten, den der moderne Mensch hat; aber das fühlten sie eigentlich in ihren Gliedern. Sie fühlten ihre Glieder befreit von den Göttern in der entgötterten Erdenmaterie. Aber dafür begegneten sie in diesem götterlosen Lande den hohen Göttern der Seraphim, Cherubim und Throne. Man lernte als Eingeweihter nicht mehr bloß kennen jene graugrünen Geistwesen, welche die Bilder des Waldes, die Bilder der Bäume waren, sondern man lernte als Eingeweihter kennen den Wald geistlos, aber man hatte dafür das Ausgleichende, daß man in dem Walde gerade den Angehörigen der ersten Hierarchie begegnete, irgendeinem Wesen aus dem Reiche der Seraphim, Cherubim oder Throne.

[ 21 ] In einer bestimmten Zeit der asiatischen Entwickelung, die etwa die mittlere ist — wir werden über die Zeiten noch genauer zu sprechen haben —, war der Bewußtseinszustand dieser Menschen, dieser Eingeweihten so, daß sie über die Erde hingingen und ungefähr schon den Anblick von den Erdenreichen hatten, den der moderne Mensch hat; aber das fühlten sie eigentlich in ihren Gliedern. Sie fühlten ihre Glieder befreit von den Göttern in der entgötterten Erdenmaterie. Aber dafür begegneten sie in diesem götterlosen Lande den hohen Göttern der Seraphim, Cherubim und Throne. Man lernte als Eingeweihter nicht mehr bloß kennen jene graugrünen Geistwesen, welche die Bilder des Waldes, die Bilder der Bäume waren, sondern man lernte als Eingeweihter kennen den Wald geistlos, aber man hatte dafür das Ausgleichende, daß man in dem Walde gerade den Angehörigen der ersten Hierarchie begegnete, irgendeinem Wesen aus dem Reiche der Seraphim, Cherubim oder Throne.

[ 22 ] Das alles als soziale Konfiguration aufgefaßt, ist eben das Wesentliche im geschichtlichen Werden des alten Orients. Und die treibenden Kräfte der Weiterentwickelung, sie sind diejenigen, die den Ausgleich suchen zwischen jungen Rassen und alten Rassen, so daß die jungen Rassen an den alten reif werden können, gerade an den unterworfenen Seelen reif werden können. Und so weit wir nach Asien hinüberblicken, überall finden wir dies, daß junge Rassen, die durch sich selber nicht besonnen werden können, die Besonnenheit im Erobern suchen. Aber wenn wir den Blick von Asien herüberlenken nach Griechenland, dann finden wir, daß da etwas anders wird. In Griechenland drüben war auch schon in den herrlichsten Zeiten der griechischen Entwickelung eine Bevölkerung, welche allerdings das Älterwerden verstanden hat, aber nicht verstanden hat, das Älterwerden zu durchdringen mit voller Geistigkeit. Ich habe ja öfter aufmerksam machen müssen auf jenen charakteristischen Ausspruch des weisen Griechen: Besser ein Bettler sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten. — Mit dem Tode draußen und mit dem Tode auch drinnen im Menschen kam der Grieche nicht zurecht. Aber auf der anderen Seite hatte er diesen Tod wieder in sich. Und so war bei dem Griechen nicht eine Sehnsucht nach Besonnenheit, die als Impuls in ihm vorhanden gewesen wäre, sondern bei dem Griechen war es die Angst vor dem Tode. Diese Angst vor dem Tode empfanden die jungen orientalischen Völker nicht, denn sie zogen auf Eroberungen aus, wenn die Menschen als Rasse den Tod nicht in der richtigen Weise erleben konnten.

[ 22 ] Das alles als soziale Konfiguration aufgefaßt, ist eben das Wesentliche im geschichtlichen Werden des alten Orients. Und die treibenden Kräfte der Weiterentwickelung, sie sind diejenigen, die den Ausgleich suchen zwischen jungen Rassen und alten Rassen, so daß die jungen Rassen an den alten reif werden können, gerade an den unterworfenen Seelen reif werden können. Und so weit wir nach Asien hinüberblicken, überall finden wir dies, daß junge Rassen, die durch sich selber nicht besonnen werden können, die Besonnenheit im Erobern suchen. Aber wenn wir den Blick von Asien herüberlenken nach Griechenland, dann finden wir, daß da etwas anders wird. In Griechenland drüben war auch schon in den herrlichsten Zeiten der griechischen Entwickelung eine Bevölkerung, welche allerdings das Älterwerden verstanden hat, aber nicht verstanden hat, das Älterwerden zu durchdringen mit voller Geistigkeit. Ich habe ja öfter aufmerksam machen müssen auf jenen charakteristischen Ausspruch des weisen Griechen: Besser ein Bettler sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten. — Mit dem Tode draußen und mit dem Tode auch drinnen im Menschen kam der Grieche nicht zurecht. Aber auf der anderen Seite hatte er diesen Tod wieder in sich. Und so war bei dem Griechen nicht eine Sehnsucht nach Besonnenheit, die als Impuls in ihm vorhanden gewesen wäre, sondern bei dem Griechen war es die Angst vor dem Tode. Diese Angst vor dem Tode empfanden die jungen orientalischen Völker nicht, denn sie zogen auf Eroberungen aus, wenn die Menschen als Rasse den Tod nicht in der richtigen Weise erleben konnten.

[ 23 ] Der innere Konflikt aber, den die Griechen mit dem Tode erlebt haben, der führte als ein innerer Menschheitsimpuls zu dem, wovon uns berichtet wird als dem Trojanischen Krieg. Die Griechen brauchten nicht den Tod bei einer fremden Bevölkerung zu suchen, um die Besonnenheit sich zu erobern, die Griechen brauchten aber gerade für dasjenige, was sie vom Tode empfanden, das innere lebensvolle Geheimnis vom Tode. Und das führte zu jenem Konflikte zwischen den Griechen als solchen und den Menschen, von denen die Griechen hergekommen waren in Asien. Der Trojanische Krieg ist ein Sorgenkrieg, der Trojanische Krieg ist ein Angstkrieg. Wir sehen, wie einander gegenüberstehen im Trojanischen Kriege die Repräsentanten der kleinasiatischen Priesterkultur und die Griechen, die den Tod schon in sich fühlen, aber mit dem Tode nichts anzufangen wissen. Die übrige orientalische Bevölkerung, die auf Eroberungen auszog, die wollte den Tod, die hatte ihn nicht; die Griechen hatten den Tod, wußten aber mit ihm nichts anzufangen. Sie brauchten einen ganz anderen Einschlag, um mit dem Tode etwas anfangen zu können. Achill, Agamemnon, alle diese Leute tragen den Tod in sich, wissen aber nichts mit ihm anzufangen. Sie schauen hinüber nach Asien. Und sie haben in Asien drüben eine Bevölkerung, die in der umgekehrten Lage ist, die unter dem unmittelbaren Eindruck der entgegengesetzten Seelenlage leidet. Da drüben sind diejenigen Menschen, die den Tod nicht in dieser intensiven Weise fühlen wie die Griechen, die den Tod fühlen als etwas, was im Grunde doch lebenstrotzend ist.

[ 23 ] Der innere Konflikt aber, den die Griechen mit dem Tode erlebt haben, der führte als ein innerer Menschheitsimpuls zu dem, wovon uns berichtet wird als dem Trojanischen Krieg. Die Griechen brauchten nicht den Tod bei einer fremden Bevölkerung zu suchen, um die Besonnenheit sich zu erobern, die Griechen brauchten aber gerade für dasjenige, was sie vom Tode empfanden, das innere lebensvolle Geheimnis vom Tode. Und das führte zu jenem Konflikte zwischen den Griechen als solchen und den Menschen, von denen die Griechen hergekommen waren in Asien. Der Trojanische Krieg ist ein Sorgenkrieg, der Trojanische Krieg ist ein Angstkrieg. Wir sehen, wie einander gegenüberstehen im Trojanischen Kriege die Repräsentanten der kleinasiatischen Priesterkultur und die Griechen, die den Tod schon in sich fühlen, aber mit dem Tode nichts anzufangen wissen. Die übrige orientalische Bevölkerung, die auf Eroberungen auszog, die wollte den Tod, die hatte ihn nicht; die Griechen hatten den Tod, wußten aber mit ihm nichts anzufangen. Sie brauchten einen ganz anderen Einschlag, um mit dem Tode etwas anfangen zu können. Achill, Agamemnon, alle diese Leute tragen den Tod in sich, wissen aber nichts mit ihm anzufangen. Sie schauen hinüber nach Asien. Und sie haben in Asien drüben eine Bevölkerung, die in der umgekehrten Lage ist, die unter dem unmittelbaren Eindruck der entgegengesetzten Seelenlage leidet. Da drüben sind diejenigen Menschen, die den Tod nicht in dieser intensiven Weise fühlen wie die Griechen, die den Tod fühlen als etwas, was im Grunde doch lebenstrotzend ist.

[ 24 ] In einer wunderbaren Weise hat das eigentlich Floszer zum Ausdrucke gebracht. Überall, wo die Trojaner den Griechen gegenübergestellt werden — sehen Sie sich an die charakteristischen Figuren Hektor und Achill —, überall ist dieser Gegensatz da. Und in diesem Gegensatze drückt sich aus, was an der Grenze von Asien und Europa geschieht. Asien hatte in jener alten Zeit sozusagen einen Überschuß des Lebens über den Tod, sehnte sich nach Tod. Europa auf griechischem Boden hatte einen Überschuß von Tod im Menschen, mit dem man nichts anzufangen wußte. So standen sich Europa und Asien von einem zweiten Gesichtspunkte aus gegenüber: auf der einen Seite der Übergang des rhythmischen Erinnerns in das zeitliche Erinnern, auf der anderen Seite das ganz verschiedene Erleben gegenüber dem Tode in der menschlichen Organisation.

[ 24 ] In einer wunderbaren Weise hat das eigentlich Floszer zum Ausdrucke gebracht. Überall, wo die Trojaner den Griechen gegenübergestellt werden — sehen Sie sich an die charakteristischen Figuren Hektor und Achill —, überall ist dieser Gegensatz da. Und in diesem Gegensatze drückt sich aus, was an der Grenze von Asien und Europa geschieht. Asien hatte in jener alten Zeit sozusagen einen Überschuß des Lebens über den Tod, sehnte sich nach Tod. Europa auf griechischem Boden hatte einen Überschuß von Tod im Menschen, mit dem man nichts anzufangen wußte. So standen sich Europa und Asien von einem zweiten Gesichtspunkte aus gegenüber: auf der einen Seite der Übergang des rhythmischen Erinnerns in das zeitliche Erinnern, auf der anderen Seite das ganz verschiedene Erleben gegenüber dem Tode in der menschlichen Organisation.

[ 25 ] Wir werden dann morgen diesen Gegensatz, den ich Ihnen am Schlusse der heutigen Betrachtung nur andeuten konnte, genauer betrachten, um so jene tief in die Menschheitsentwickelung einschneidenden Übergänge kennenzulernen, die von Asien nach Europa herüberführen und ohne deren Verständnis im Grunde genommen doch auch nichts in der gegenwärtigen Entwickelung der Menschheit zu verstehen ist.

[ 25 ] Wir werden dann morgen diesen Gegensatz, den ich Ihnen am Schlusse der heutigen Betrachtung nur andeuten konnte, genauer betrachten, um so jene tief in die Menschheitsentwickelung einschneidenden Übergänge kennenzulernen, die von Asien nach Europa herüberführen und ohne deren Verständnis im Grunde genommen doch auch nichts in der gegenwärtigen Entwickelung der Menschheit zu verstehen ist.