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World History from an Anthroposophical Perspective
GA 233

27 December 1923, Dornach

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Vierter Vortrag

Vierter Vortrag

[ 1 ] Es war gestern meine Aufgabe, an einzelnen Persönlichkeiten zu zeigen, wie die weltgeschichtliche Entwickelung sich abspielt. Man kann, wenn man in geisteswissenschaftlicher Richtung vorwärtsschreiten will, auch gar nicht anders darstellen als so, daß man die Folge der Ereignisse in ihrer Spiegelung in dem Menschen zeigt. Denn bedenken Sie, daß nur unser Zeitalter aus Gründen, die wir noch im Verlauf dieser Vorträge besprechen werden, so geartet ist, daß der Mensch sich abgeschlossen von der übrigen Welt als ein einzelnes Wesen fühlt. Alle vorangehenden Zeitalter und auch alle folgenden Zeitalter, das muß ausdrücklich betont werden, sind so, daß die Menschen sich fühlten und fühlen werden als Glied der ganzen Welt, als hineingehörig in die ganze Welt. Wie ich oftmals gesagt habe: So wie ein Finger an einem Menschen kein für sich bestehendes Wesen sein kann, sondern nur am Menschen, während er vom Menschen abgetrennt eben nicht mehr der Finger ist, sondern zugrunde geht, etwas ganz anderes ist, ganz anderen Gesetzen unterliegt als am Organismus, geradeso wie der Finger nur Finger ist in Verbindung mit dem Organismus, so ist der Mensch nur Wesen in irgendeiner Form, sei es in der Form des Erdenlebens, sei es in der Form des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, im Zusammenhange mit der ganzen Welt. — Aber das Bewußtsein davon war eben in früheren Zeiten vorhanden, wird später wieder vorhanden sein, ist nur heute getrübt, verdunkelt, weil, wie wit hören werden, der Mensch diese Vertrübung, Verdunkelung brauchte, um das Erlebnis der Freiheit in vollem Maße in sich ausbilden zu können. Und in je ältere Zeiten wir zurückkommen, um so mehr finden wir, wie die Menschen ein Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit mit dem Kosmos haben.

[ 1 ] Es war gestern meine Aufgabe, an einzelnen Persönlichkeiten zu zeigen, wie die weltgeschichtliche Entwickelung sich abspielt. Man kann, wenn man in geisteswissenschaftlicher Richtung vorwärtsschreiten will, auch gar nicht anders darstellen als so, daß man die Folge der Ereignisse in ihrer Spiegelung in dem Menschen zeigt. Denn bedenken Sie, daß nur unser Zeitalter aus Gründen, die wir noch im Verlauf dieser Vorträge besprechen werden, so geartet ist, daß der Mensch sich abgeschlossen von der übrigen Welt als ein einzelnes Wesen fühlt. Alle vorangehenden Zeitalter und auch alle folgenden Zeitalter, das muß ausdrücklich betont werden, sind so, daß die Menschen sich fühlten und fühlen werden als Glied der ganzen Welt, als hineingehörig in die ganze Welt. Wie ich oftmals gesagt habe: So wie ein Finger an einem Menschen kein für sich bestehendes Wesen sein kann, sondern nur am Menschen, während er vom Menschen abgetrennt eben nicht mehr der Finger ist, sondern zugrunde geht, etwas ganz anderes ist, ganz anderen Gesetzen unterliegt als am Organismus, geradeso wie der Finger nur Finger ist in Verbindung mit dem Organismus, so ist der Mensch nur Wesen in irgendeiner Form, sei es in der Form des Erdenlebens, sei es in der Form des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, im Zusammenhange mit der ganzen Welt. — Aber das Bewußtsein davon war eben in früheren Zeiten vorhanden, wird später wieder vorhanden sein, ist nur heute getrübt, verdunkelt, weil, wie wit hören werden, der Mensch diese Vertrübung, Verdunkelung brauchte, um das Erlebnis der Freiheit in vollem Maße in sich ausbilden zu können. Und in je ältere Zeiten wir zurückkommen, um so mehr finden wir, wie die Menschen ein Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit mit dem Kosmos haben.

[ 2 ] Nun habe ich Ihnen zwei Persönlichkeiten dargestellt, die eine Gilgamesch genannt in dem bekannten Epos, die andere Eabani in demselben Epos, und ich habe Ihnen gezeigt, wie diese Persönlichkeiten im alten chaldäisch-ägyptischen Zeitraum auf die Art leben, wie man eben damals leben konnte, wie sie dann eine Vertiefung erfahren durch die ephesischen Mysterien. Und ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, wie dieselben Menschenwesen dann in die weltgeschichtliche Entwickelung hineingestellt sind in Aristoteles und Alexander. Aber damit wir völlig verstehen können, wie in jenen Zeiten, in denen sich das für diese Persönlichkeiten abspielte, was ich beschrieben habe, der Gang der Erdenentwickelung überhaupt war, müssen wir noch genauer hineinschauen in dasjenige, was solche Seelen in diesen drei aufeinanderfolgenden Zeitpunkten in sich aufnehmen konnten.

[ 2 ] Nun habe ich Ihnen zwei Persönlichkeiten dargestellt, die eine Gilgamesch genannt in dem bekannten Epos, die andere Eabani in demselben Epos, und ich habe Ihnen gezeigt, wie diese Persönlichkeiten im alten chaldäisch-ägyptischen Zeitraum auf die Art leben, wie man eben damals leben konnte, wie sie dann eine Vertiefung erfahren durch die ephesischen Mysterien. Und ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, wie dieselben Menschenwesen dann in die weltgeschichtliche Entwickelung hineingestellt sind in Aristoteles und Alexander. Aber damit wir völlig verstehen können, wie in jenen Zeiten, in denen sich das für diese Persönlichkeiten abspielte, was ich beschrieben habe, der Gang der Erdenentwickelung überhaupt war, müssen wir noch genauer hineinschauen in dasjenige, was solche Seelen in diesen drei aufeinanderfolgenden Zeitpunkten in sich aufnehmen konnten.

[ 3 ] Ich habe Sie ja darauf aufmerksam gemacht, wie die hinter dem Namen Gilgamesch sich verbergende Persönlichkeit einen Zug nach dem Westen unternimmt und immerhin eine Art westlicher nachatlantischer Initiation durchmacht. Nun wollen wir uns, um das Spätere zu verstehen, eine Vorstellung davon bilden, wie eine solche späte Initiation war. Wir müssen da allerdings diese Initiation aufsuchen an derjenigen Stätte, wo Nachklänge der alten atlantischen Initiation lange Zeit bestehen blieben. Und das war der Fall bei den Mystetien von Hybernia, von denen ich ja zu den Freunden, die hier in Dornach sind, in der letzten Zeit schon gesprochen habe. Ich muß aber einiges von dem Besprochenen nachholen, damit wir das zum vollen Verständnis bringen, was hier in Betracht kommt.

[ 3 ] Ich habe Sie ja darauf aufmerksam gemacht, wie die hinter dem Namen Gilgamesch sich verbergende Persönlichkeit einen Zug nach dem Westen unternimmt und immerhin eine Art westlicher nachatlantischer Initiation durchmacht. Nun wollen wir uns, um das Spätere zu verstehen, eine Vorstellung davon bilden, wie eine solche späte Initiation war. Wir müssen da allerdings diese Initiation aufsuchen an derjenigen Stätte, wo Nachklänge der alten atlantischen Initiation lange Zeit bestehen blieben. Und das war der Fall bei den Mystetien von Hybernia, von denen ich ja zu den Freunden, die hier in Dornach sind, in der letzten Zeit schon gesprochen habe. Ich muß aber einiges von dem Besprochenen nachholen, damit wir das zum vollen Verständnis bringen, was hier in Betracht kommt.

[ 4 ] Die Mysterien von Hybernia, die irischen Mysterien, haben ja lange Zeit bestanden. Sie haben bestanden noch zur Zeit der Begründung des Christentums, und sie sind diejenigen, welche von einer gewissen Seite her die alten Weisheitslehren der atlantischen Bevölkerung am treuesten bewahrt haben. Nun möchte ich Ihnen ein Bild geben zunächst über die Erlebnisse, die jemand hatte, der in die irischen Mysterien in der nachatlantischen Zeit eingeweiht worden ist. Derjenige, der diese Weihe, diese Initiation empfangen sollte, mußte dazumal in einer strengen Art vorbereitet werden, wie überhaupt die Vorbereitungen in die Mysterien in alten Zeiten von einer außerordentlichen Strenge waren. Der Mensch mußte eigentlich innerlich in seiner Seelenverfassung, in seiner ganzen menschheitlichen Verfassung umgestaltet werden. Dann handelte es sich darum, daß bei den Mysterien von Hybernia der Mensch zunächst so vorbereitet wurde, daß er aufmerksam wurde, in starken inneren Erlebnissen aufmerksam wurde auf dasjenige, was trügerisch ist in dem den Menschen umgebenden Sein, in allen den Dingen, die den Menschen so umgeben, daß er ihnen zunächst der Sinneswahrnehmung nach das Sein zuschreibt. Und der Mensch wurde ferner aufmerksam gemacht auf all die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die sich ihm gegenüberstellen, wenn er nach der Wahrheit, nach der wirklichen Wahrheit strebt. Der Mensch wurde aufmerksam gemacht, daß im Grunde genommen alles, was uns in der Sinneswelt umgibt, eine Illusion ist, daß die Sinne ein Illusionäres geben und daß sich die Wahrheit verbirgt hinter der Illusion, daß also eigentlich das wahre Sein vom Menschen dutch die Sinneswahrnehmung nicht zu erreichen ist.

[ 4 ] Die Mysterien von Hybernia, die irischen Mysterien, haben ja lange Zeit bestanden. Sie haben bestanden noch zur Zeit der Begründung des Christentums, und sie sind diejenigen, welche von einer gewissen Seite her die alten Weisheitslehren der atlantischen Bevölkerung am treuesten bewahrt haben. Nun möchte ich Ihnen ein Bild geben zunächst über die Erlebnisse, die jemand hatte, der in die irischen Mysterien in der nachatlantischen Zeit eingeweiht worden ist. Derjenige, der diese Weihe, diese Initiation empfangen sollte, mußte dazumal in einer strengen Art vorbereitet werden, wie überhaupt die Vorbereitungen in die Mysterien in alten Zeiten von einer außerordentlichen Strenge waren. Der Mensch mußte eigentlich innerlich in seiner Seelenverfassung, in seiner ganzen menschheitlichen Verfassung umgestaltet werden. Dann handelte es sich darum, daß bei den Mysterien von Hybernia der Mensch zunächst so vorbereitet wurde, daß er aufmerksam wurde, in starken inneren Erlebnissen aufmerksam wurde auf dasjenige, was trügerisch ist in dem den Menschen umgebenden Sein, in allen den Dingen, die den Menschen so umgeben, daß er ihnen zunächst der Sinneswahrnehmung nach das Sein zuschreibt. Und der Mensch wurde ferner aufmerksam gemacht auf all die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die sich ihm gegenüberstellen, wenn er nach der Wahrheit, nach der wirklichen Wahrheit strebt. Der Mensch wurde aufmerksam gemacht, daß im Grunde genommen alles, was uns in der Sinneswelt umgibt, eine Illusion ist, daß die Sinne ein Illusionäres geben und daß sich die Wahrheit verbirgt hinter der Illusion, daß also eigentlich das wahre Sein vom Menschen dutch die Sinneswahrnehmung nicht zu erreichen ist.

[ 5 ] Nun werden Sie sagen, das ist eine Überzeugung, die Sie in Ihrer langen anthroposophischen Zeit ja schon immer hatten. Das wissen Sie ganz gut, werden Sie sagen. Aber jenes Wissen, das überhaupt in dem gegenwärtigen Bewußtsein ein Mensch haben kann von dem illusionären Charakter der sinnlichen Außenwelt, das ist eben gar nichts gegen die inneren Erschütterungen, gegen die innere Tragik, die durchgemacht wurde von den Menschen, die damals vorbereitet wurden für die hybernische Einweihung. Denn wenn man so theoretisch sich sagt: Alles ist Maja, alles ist Illusion —, so nimmt man das eigentlich sehr leicht. Aber die Vorbereitung der hybernischen Schüler wurde so weit getrieben, daß sie sich sagten: Es gibt keine Menschenmöglichkeit, durch die Illusion dutchzudringen und zu dem wirklichen, wahrhaftigen Sein zu kommen.

[ 5 ] Nun werden Sie sagen, das ist eine Überzeugung, die Sie in Ihrer langen anthroposophischen Zeit ja schon immer hatten. Das wissen Sie ganz gut, werden Sie sagen. Aber jenes Wissen, das überhaupt in dem gegenwärtigen Bewußtsein ein Mensch haben kann von dem illusionären Charakter der sinnlichen Außenwelt, das ist eben gar nichts gegen die inneren Erschütterungen, gegen die innere Tragik, die durchgemacht wurde von den Menschen, die damals vorbereitet wurden für die hybernische Einweihung. Denn wenn man so theoretisch sich sagt: Alles ist Maja, alles ist Illusion —, so nimmt man das eigentlich sehr leicht. Aber die Vorbereitung der hybernischen Schüler wurde so weit getrieben, daß sie sich sagten: Es gibt keine Menschenmöglichkeit, durch die Illusion dutchzudringen und zu dem wirklichen, wahrhaftigen Sein zu kommen.

[ 6 ] Die Schüler wurden dadurch vorbereitet, daß sie sich, gewissermaßen zunächst aus Verzweiflung, innerlich seelisch zufriedenstellten mit der Illusion. Sie kamen in die verzweiflungsvolle Stimmung hinein, daß der illusionäre Charakter ein so aufdringlicher, ein so gewaltiger ist, daß man über die Illusion überhaupt nicht hinauskommen kann. Und es gab im Leben dieser Schüler immer wieder die Stimmung: Nun, dann muß man eben in der Illusion bleiben —, das heißt aber: Dann muß man den Boden unter den Füßen verlieren, denn auf der Illusion ist nicht festzustehen. — Ja, von der Strenge der Vorbereitung in den alten Mysterien, von der macht man sich heute im Grunde kaum eine Vorstellung. Die Menschen schrecken eben zurück vor demjenigen, was innere Entwickelung wirklich fordert.

[ 6 ] Die Schüler wurden dadurch vorbereitet, daß sie sich, gewissermaßen zunächst aus Verzweiflung, innerlich seelisch zufriedenstellten mit der Illusion. Sie kamen in die verzweiflungsvolle Stimmung hinein, daß der illusionäre Charakter ein so aufdringlicher, ein so gewaltiger ist, daß man über die Illusion überhaupt nicht hinauskommen kann. Und es gab im Leben dieser Schüler immer wieder die Stimmung: Nun, dann muß man eben in der Illusion bleiben —, das heißt aber: Dann muß man den Boden unter den Füßen verlieren, denn auf der Illusion ist nicht festzustehen. — Ja, von der Strenge der Vorbereitung in den alten Mysterien, von der macht man sich heute im Grunde kaum eine Vorstellung. Die Menschen schrecken eben zurück vor demjenigen, was innere Entwickelung wirklich fordert.

[ 7 ] Und ebenso, wie es mit dem Sein und seinem illusionären Charakter war, so war es für diese Schüler mit dem Streben nach Wahrheit. Und alles lernten sie kennen, was den Menschen verhindert in seinen Emotionen, in seinen dunklen, ihn überwältigenden Empfindungen und Gefühlen, zur Wahrheit zu kommen, was trübt das klare Licht der Erkenntnis. So daß sie auch da wiederum in einen Zeitpunkt hineinkamen, in dem sie sich sagten: Wenn wir also nicht in der Wahrheit leben können, dann müssen wir eben im Irrtum, in der Unwahrheit leben! — Es heißt ja geradezu, seine Menschheit aus sich selber herausreißen, wenn man eine Zeit seines Lebens dazu kommt, zu verzweifeln an Sein und Wahrheit.

[ 7 ] Und ebenso, wie es mit dem Sein und seinem illusionären Charakter war, so war es für diese Schüler mit dem Streben nach Wahrheit. Und alles lernten sie kennen, was den Menschen verhindert in seinen Emotionen, in seinen dunklen, ihn überwältigenden Empfindungen und Gefühlen, zur Wahrheit zu kommen, was trübt das klare Licht der Erkenntnis. So daß sie auch da wiederum in einen Zeitpunkt hineinkamen, in dem sie sich sagten: Wenn wir also nicht in der Wahrheit leben können, dann müssen wir eben im Irrtum, in der Unwahrheit leben! — Es heißt ja geradezu, seine Menschheit aus sich selber herausreißen, wenn man eine Zeit seines Lebens dazu kommt, zu verzweifeln an Sein und Wahrheit.

[ 8 ] Das alles war dazu da, damit der Mensch durch das Erleben des Gegenteiles von dem, was er zuletzt als das Ziel erreichen soll, diesem Ziele die richtig tiefe menschliche Empfindung entgegenbringt. Denn wer nicht kennengelernt hat, was es heißt, mit Irrtum und Illusion zu leben, der weiß eben das Sein und die Wahrheit nicht zu schätzen. Und schätzen lernen sollten die Schüler von Hybernia die Wahrheit und das Sein.

[ 8 ] Das alles war dazu da, damit der Mensch durch das Erleben des Gegenteiles von dem, was er zuletzt als das Ziel erreichen soll, diesem Ziele die richtig tiefe menschliche Empfindung entgegenbringt. Denn wer nicht kennengelernt hat, was es heißt, mit Irrtum und Illusion zu leben, der weiß eben das Sein und die Wahrheit nicht zu schätzen. Und schätzen lernen sollten die Schüler von Hybernia die Wahrheit und das Sein.

[ 9 ] Und dann, wenn die Schüler solches durchgemacht hatten, wenn sie gewissermaßen den Gegenpol absolviert hatten von dem, wozu sie zuletzt kommen mußten, dann wurden sie — und ich muß das, was nun geschah, in solcher Bildlichkeit darstellen, wie sie dazumal in der Tat in den hybernischen Mysterien real war — in eine Art Heiligtum geführt, in dem zwei Bildsäulen waren, Bildsäulen von einer ungeheuer starken suggestiven Gewalt. Und die eine dieser Bildsäulen von gigantischer Größe, sie war so, daß sie innerlich hohl war; die Außenfläche, die den Hohlraum umgab, also die Gesamtsubstanz, aus der die Bildsäule bestand, war ein durchaus elastischer Stoff, so daß überall, wo man drückte, man hineindrücken konnte in die Bildsäule. Aber in dem Augenblicke, wo man mit dem Drücken nachließ, da stellte sich die Form wieder her. Die ganze Bildsäule war so gemacht, daß vorzugsweise das Haupt ausgebildet war und daß man, indem man ihr entgegentrat, das Gefühl hatte: vom Haupte aus strahlen die Kräfte in den übrigen kolossalen Körper, denn den hohlen Innenraum sah man natürlich nicht, nahm ihn nicht wahr, merkte ihn nur, wenn man drückte. Und man wurde angehalten zu drücken. Man hatte das Gefühl, daß der ganze übrige Körper außer dem Kopfe von den Kräften des Kopfes ausgestrahlt wird, daß der Kopf alles tut an dieser Bildsäule.

[ 9 ] Und dann, wenn die Schüler solches durchgemacht hatten, wenn sie gewissermaßen den Gegenpol absolviert hatten von dem, wozu sie zuletzt kommen mußten, dann wurden sie — und ich muß das, was nun geschah, in solcher Bildlichkeit darstellen, wie sie dazumal in der Tat in den hybernischen Mysterien real war — in eine Art Heiligtum geführt, in dem zwei Bildsäulen waren, Bildsäulen von einer ungeheuer starken suggestiven Gewalt. Und die eine dieser Bildsäulen von gigantischer Größe, sie war so, daß sie innerlich hohl war; die Außenfläche, die den Hohlraum umgab, also die Gesamtsubstanz, aus der die Bildsäule bestand, war ein durchaus elastischer Stoff, so daß überall, wo man drückte, man hineindrücken konnte in die Bildsäule. Aber in dem Augenblicke, wo man mit dem Drücken nachließ, da stellte sich die Form wieder her. Die ganze Bildsäule war so gemacht, daß vorzugsweise das Haupt ausgebildet war und daß man, indem man ihr entgegentrat, das Gefühl hatte: vom Haupte aus strahlen die Kräfte in den übrigen kolossalen Körper, denn den hohlen Innenraum sah man natürlich nicht, nahm ihn nicht wahr, merkte ihn nur, wenn man drückte. Und man wurde angehalten zu drücken. Man hatte das Gefühl, daß der ganze übrige Körper außer dem Kopfe von den Kräften des Kopfes ausgestrahlt wird, daß der Kopf alles tut an dieser Bildsäule.

[ 10 ] Ich gebe Ihnen gern zu, daß wenn ein heutiger Mensch in der gegenwärtigen Prosa des Lebens vor die Bildsäule hingeführt würde, er ja auch kaum etwas anderes als Abstraktes empfinden würde. Gewiß, aber es ist eben etwas anderes, mit seinem ganzen Inneren, mit seinem Geist, mit seiner Seele, mit seinem Blute, mit seinen Nerven erlebt zu haben die Macht der Illusion und die Macht des Irrtums und dann die suggestive Gewalt einer solchen gigantischen Gestalt zu erleben.

[ 10 ] Ich gebe Ihnen gern zu, daß wenn ein heutiger Mensch in der gegenwärtigen Prosa des Lebens vor die Bildsäule hingeführt würde, er ja auch kaum etwas anderes als Abstraktes empfinden würde. Gewiß, aber es ist eben etwas anderes, mit seinem ganzen Inneren, mit seinem Geist, mit seiner Seele, mit seinem Blute, mit seinen Nerven erlebt zu haben die Macht der Illusion und die Macht des Irrtums und dann die suggestive Gewalt einer solchen gigantischen Gestalt zu erleben.

[ 11 ] Diese Bildsäule hatte einen männlichen Charakter. Neben ihr stand eine andere, die einen weiblichen Charakter hatte. Sie war nicht hohl. Sie war aus einem nicht elastischen, aber plastischen Stoff. Wenn man an ihr drückte — und man wurde wieder angehalten, an ihr zu drücken —, zerstörte man die Form. Man grub ein Loch ein in den Körper.

[ 11 ] Diese Bildsäule hatte einen männlichen Charakter. Neben ihr stand eine andere, die einen weiblichen Charakter hatte. Sie war nicht hohl. Sie war aus einem nicht elastischen, aber plastischen Stoff. Wenn man an ihr drückte — und man wurde wieder angehalten, an ihr zu drücken —, zerstörte man die Form. Man grub ein Loch ein in den Körper.

[ 12 ] Aber nachdem der Schüler an der einen Bildsäule erfahren hatte, daß dutch Elastizität sich alles wieder herstellte in der Form, nachdem er an der anderen Bildsäule erfahren hatte, daß er sie deformiert hatte mit seinem Drücken, verließ er nach einigem anderen, von dem ich gleich sprechen werde, den Raum, und er wurde erst wiederum in diesen Raum geführt, wenn alle die Fehler, die Deformationen, die er vollbracht hatte an der plastischen, nicht elastischen Bildsäule, die einen weiblichen Charakter hatte, wieder ausgeglichen waren. Er wurde erst wiederum hineingeführt, wenn die Bildsäule intakt war. Und durch alle diese Vorbereitungen — ich kann die Sache nur skizzenhaft schildern —, die der Schüler durchgemach hatte, bekam er bei der Bildsäule, die einen weiblichen Charakter hatte, in seinem ganzen Menschenwesen nach Geist, Seele und Leib ein inneres Erlebnis. Dieses innere Erlebnis war ja auch schon früher bei ihm vorbereitet, aber es stellte sich in vollstem Maße ein durch die suggestive Wirkung der Bildsäule selber. Er bekam in sich ein Gefühl einer inneren Erstarrung, einer inneren frostigen Erstartung. Und diese frostige Erstarrung wirkte so in ihm, daß er seine Seele mit Imaginationen aufgefüllt sah, und diese Imaginationen waren Bilder des Erdenwinters, Bilder, die darstellten den Erdenwinter. Also der Schüler wurde dazu geführt, von innen heraus das Winterliche zu schauen im Geiste.

[ 12 ] Aber nachdem der Schüler an der einen Bildsäule erfahren hatte, daß dutch Elastizität sich alles wieder herstellte in der Form, nachdem er an der anderen Bildsäule erfahren hatte, daß er sie deformiert hatte mit seinem Drücken, verließ er nach einigem anderen, von dem ich gleich sprechen werde, den Raum, und er wurde erst wiederum in diesen Raum geführt, wenn alle die Fehler, die Deformationen, die er vollbracht hatte an der plastischen, nicht elastischen Bildsäule, die einen weiblichen Charakter hatte, wieder ausgeglichen waren. Er wurde erst wiederum hineingeführt, wenn die Bildsäule intakt war. Und durch alle diese Vorbereitungen — ich kann die Sache nur skizzenhaft schildern —, die der Schüler durchgemach hatte, bekam er bei der Bildsäule, die einen weiblichen Charakter hatte, in seinem ganzen Menschenwesen nach Geist, Seele und Leib ein inneres Erlebnis. Dieses innere Erlebnis war ja auch schon früher bei ihm vorbereitet, aber es stellte sich in vollstem Maße ein durch die suggestive Wirkung der Bildsäule selber. Er bekam in sich ein Gefühl einer inneren Erstarrung, einer inneren frostigen Erstartung. Und diese frostige Erstarrung wirkte so in ihm, daß er seine Seele mit Imaginationen aufgefüllt sah, und diese Imaginationen waren Bilder des Erdenwinters, Bilder, die darstellten den Erdenwinter. Also der Schüler wurde dazu geführt, von innen heraus das Winterliche zu schauen im Geiste.

[ 13 ] Bei der anderen Bildsäule, der männlichen, war es so, daß der Schüler etwas empfand, wie wenn all sein Leben, das er sonst in seinem ganzen Leibe hatte, in sein Blut ginge, wie wenn das Blut durchdrungen würde von Kräften und an die Haut drückte. Während er also vor der einen Bildsäule glauben mußte, zum frostigen Skelett zu werden, mußte er vor der anderen Bildsäule glauben, daß sein ganzes inneres Leben in Hitze zugrunde gehe und er lebe in seiner ausgespannten Haut. Und dieses Erleben des ganzen Menschen, an dessen Oberfläche gedrückt, das führte den Schüler dazu, die Einsicht zu bekommen, sich zu sagen: Du verspürst dich, du empfindest dich, du erlebst dich so, wie du wärest, wenn von allem im Kosmos allein die Sonne auf dich wirkte. — Und der Schüler lernte auf diese Weise die kosmische Sonnenwirkung in ihrer Verteilung erkennen. Er lernte erkennen die Beziehung des Menschen zur Sonne. Und er lernte erkennen, daß der Mensch nur deshalb in Wirklichkeit nicht so ist, wie er sich jetzt unter der suggestiven Wirkung der Sonnenstatue vorkam, weil andere Kräfte von anderen Weltenecken aus diese Wirkung modifizieren. In solcher Art lernte sich der Schüler einleben in den Kosmos. Und wenn der Schüler die suggestive Wirkung der Mondenstatue empfand, wenn er also innerlich das Frostige hatte der Erstarrung, die winterliche Landschaft erlebte — bei der Sonnenstatue erlebte er sommerliche Landschaft im Geiste, wie aus sich selbst erzeugt —, dann fühlte der Mensch, wie er wäre, wenn nur die Mondenwitrkungen da wären.

[ 13 ] Bei der anderen Bildsäule, der männlichen, war es so, daß der Schüler etwas empfand, wie wenn all sein Leben, das er sonst in seinem ganzen Leibe hatte, in sein Blut ginge, wie wenn das Blut durchdrungen würde von Kräften und an die Haut drückte. Während er also vor der einen Bildsäule glauben mußte, zum frostigen Skelett zu werden, mußte er vor der anderen Bildsäule glauben, daß sein ganzes inneres Leben in Hitze zugrunde gehe und er lebe in seiner ausgespannten Haut. Und dieses Erleben des ganzen Menschen, an dessen Oberfläche gedrückt, das führte den Schüler dazu, die Einsicht zu bekommen, sich zu sagen: Du verspürst dich, du empfindest dich, du erlebst dich so, wie du wärest, wenn von allem im Kosmos allein die Sonne auf dich wirkte. — Und der Schüler lernte auf diese Weise die kosmische Sonnenwirkung in ihrer Verteilung erkennen. Er lernte erkennen die Beziehung des Menschen zur Sonne. Und er lernte erkennen, daß der Mensch nur deshalb in Wirklichkeit nicht so ist, wie er sich jetzt unter der suggestiven Wirkung der Sonnenstatue vorkam, weil andere Kräfte von anderen Weltenecken aus diese Wirkung modifizieren. In solcher Art lernte sich der Schüler einleben in den Kosmos. Und wenn der Schüler die suggestive Wirkung der Mondenstatue empfand, wenn er also innerlich das Frostige hatte der Erstarrung, die winterliche Landschaft erlebte — bei der Sonnenstatue erlebte er sommerliche Landschaft im Geiste, wie aus sich selbst erzeugt —, dann fühlte der Mensch, wie er wäre, wenn nur die Mondenwitrkungen da wären.

[ 14 ] Sehen Sie, in der Gegenwart, was weiß man denn eigentlich da von der Welt? Man weiß von der Welt, daß die Zichorie blau ist, daß die Rose rot ist, der Himmel blau ist und so weiter. Aber das sind ja keine erschütternden Eindrücke. Die berichten nur von dem Allernächsten, das in der menschlichen Umgebung ist. Der Mensch muß in einem intensiveren Maße mit seiner ganzen Wesenheit zum Sinnesorgan werden, wenn er die Geheimnisse des Weltenalls kennenlernen will. Und es wurde eben durch die suggestive Wirkung der Sonnenstatue sein Wesen in seinem ganzen Blutumlauf konzentriert. Der Mensch lernte sich als Sonnenwesen kennen, indem er diese suggestive Wirkung in sich erlebte. Und der Mensch lernte sich als Mondenwesen kennen, indem er die suggestive Wirkung der weiblichen Statue erlebte. Und dann konnte er aus diesen seinen inneren Erlebnissen heraus sagen, wie Sonne und Mond auf den Menschen wirken, so wie heute der Mensch nach dem Erlebnis seines Auges sagen kann, wie die Rose wirkt, nach dem Erlebnis seines Ohres, wie der Ton cis wirkt und so weiter. Und so erlebten die Schüler dieser Mysterien noch in den nachatlantischen Zeiten das Eingegliedertsein des Menschen in den Kosmos. Das wurde für sie eine unmittelbare Erfahrung.

[ 14 ] Sehen Sie, in der Gegenwart, was weiß man denn eigentlich da von der Welt? Man weiß von der Welt, daß die Zichorie blau ist, daß die Rose rot ist, der Himmel blau ist und so weiter. Aber das sind ja keine erschütternden Eindrücke. Die berichten nur von dem Allernächsten, das in der menschlichen Umgebung ist. Der Mensch muß in einem intensiveren Maße mit seiner ganzen Wesenheit zum Sinnesorgan werden, wenn er die Geheimnisse des Weltenalls kennenlernen will. Und es wurde eben durch die suggestive Wirkung der Sonnenstatue sein Wesen in seinem ganzen Blutumlauf konzentriert. Der Mensch lernte sich als Sonnenwesen kennen, indem er diese suggestive Wirkung in sich erlebte. Und der Mensch lernte sich als Mondenwesen kennen, indem er die suggestive Wirkung der weiblichen Statue erlebte. Und dann konnte er aus diesen seinen inneren Erlebnissen heraus sagen, wie Sonne und Mond auf den Menschen wirken, so wie heute der Mensch nach dem Erlebnis seines Auges sagen kann, wie die Rose wirkt, nach dem Erlebnis seines Ohres, wie der Ton cis wirkt und so weiter. Und so erlebten die Schüler dieser Mysterien noch in den nachatlantischen Zeiten das Eingegliedertsein des Menschen in den Kosmos. Das wurde für sie eine unmittelbare Erfahrung.

[ 15 ] Nun, dasjenige, was ich Ihnen erzählt habe, ist eine kurze Skizze dessen, was in ganz grandioser Weise bis in die ersten Jahrhunderte der christlichen Entwickelung herein an den Mysterien in Hybernia von den Schülern erlebt worden ist als kosmisches Erlebnis, indem man an das Sonnen- und an das Mondenerlebnis herangeführt wurde.

[ 15 ] Nun, dasjenige, was ich Ihnen erzählt habe, ist eine kurze Skizze dessen, was in ganz grandioser Weise bis in die ersten Jahrhunderte der christlichen Entwickelung herein an den Mysterien in Hybernia von den Schülern erlebt worden ist als kosmisches Erlebnis, indem man an das Sonnen- und an das Mondenerlebnis herangeführt wurde.

[ 16 ] In ganz anderer Weise waren die Erlebnisse, welche die Schüler durchzumachen hatten in den ephesischen, den kleinasiatischen ephesischen Mysterien. In diesen ephesischen Mysterien erlebte man in ganz besonders intensiver Weise mit seinem ganzen Menschen dasjenige, was dann später einen paradigmatischen Ausdruck gefunden hat in den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums: «Im Urbeginne war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und ein Gott war das Wort.»

[ 16 ] In ganz anderer Weise waren die Erlebnisse, welche die Schüler durchzumachen hatten in den ephesischen, den kleinasiatischen ephesischen Mysterien. In diesen ephesischen Mysterien erlebte man in ganz besonders intensiver Weise mit seinem ganzen Menschen dasjenige, was dann später einen paradigmatischen Ausdruck gefunden hat in den Anfangsworten des Johannes-Evangeliums: «Im Urbeginne war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und ein Gott war das Wort.»

[ 17 ] In Ephesus wurde der Schüler nicht vor zwei Statuen geführt, sondern vor eine, vor die eine Statue, die ja bekannt ist als die Artemis von Ephesus. Und indem der Schüler sich identifizierte mit dieser Statue, die voller Leben war, die überall von Leben strotzte, lebte sich der Schüler in den Weltenäther ein. Er hob sich hinaus mit seinem ganzen inneren Erleben und Empfinden vom bloßen Erdenleben, er hob sich in das Erleben des Weltenäthers hinein. Und ihm wurde das Folgende klar. Ihm wurde zunächst vermittelt, was eigentlich die menschliche Sprache ist. Und an der menschlichen Sprache, also dem menschlichen Abbild, dem menschlichen abbildlichen Logos gegenüber dem Welten-, dem kosmischen Logos, an dem wurde ihm klargemacht, wie das Weltenwort schöpferisch durch den Kosmos webt und wallt.

[ 17 ] In Ephesus wurde der Schüler nicht vor zwei Statuen geführt, sondern vor eine, vor die eine Statue, die ja bekannt ist als die Artemis von Ephesus. Und indem der Schüler sich identifizierte mit dieser Statue, die voller Leben war, die überall von Leben strotzte, lebte sich der Schüler in den Weltenäther ein. Er hob sich hinaus mit seinem ganzen inneren Erleben und Empfinden vom bloßen Erdenleben, er hob sich in das Erleben des Weltenäthers hinein. Und ihm wurde das Folgende klar. Ihm wurde zunächst vermittelt, was eigentlich die menschliche Sprache ist. Und an der menschlichen Sprache, also dem menschlichen Abbild, dem menschlichen abbildlichen Logos gegenüber dem Welten-, dem kosmischen Logos, an dem wurde ihm klargemacht, wie das Weltenwort schöpferisch durch den Kosmos webt und wallt.

[ 18 ] Ich kann wiederum die Sache nur skizzieren. Sie ging so vor sich. Der Schüler wurde besonders aufmerksam darauf gemacht, wirklich zu erleben, was da geschieht, wenn der Mensch spricht, wenn er dem Atmungsaushauch das Wort einprägt. Der Schüler wurde zum Erleben dessen geführt, wie dasjenige, was er da dutch seine eigene innere Tat in Leben überführt, in dem luftigen Elemente geschieht, daß aber mit dem, was im luftigen Elemente geschieht, zwei andere Vorgänge verbunden sind.

[ 18 ] Ich kann wiederum die Sache nur skizzieren. Sie ging so vor sich. Der Schüler wurde besonders aufmerksam darauf gemacht, wirklich zu erleben, was da geschieht, wenn der Mensch spricht, wenn er dem Atmungsaushauch das Wort einprägt. Der Schüler wurde zum Erleben dessen geführt, wie dasjenige, was er da dutch seine eigene innere Tat in Leben überführt, in dem luftigen Elemente geschieht, daß aber mit dem, was im luftigen Elemente geschieht, zwei andere Vorgänge verbunden sind.

[ 19 ] Stellen wir uns vor, dies sei der Aushauch (siehe Zeichnung, rechter Teil, hellblau mit roter Linie), dem eingeprägt würden gewisse Wortgebilde, die der Mensch spricht. Während dieser Aushauch, zu Worten geformt, aus unserer Brust nach außen strömt, geht nach unten die rhythmische Schwingung über in das ganze wäßtrige, in das flüssige Element, das den menschlichen Organismus durchzieht (hell; Wasser). So daß der Mensch beim Sprechen in der Höhe seines Kehlkopfes, seiner Sprachorgane, die Luftrhythmen hat; parallel aber geht mit diesem Sprechen ein Durchwellen und Durchwogen des Flüssigkeitsleibes in ihm. Die Flüssigkeit, die unterhalb der Sprachregion ist, kommt in Schwingungen, schwingt mit im Menschen. Und das ist es ja im wesentlichen, daß wir das, was wir sprechen, begleiten vom Fühlen. Und würde nicht mitschwingen das wäßrige Element im Menschen, die Sprache ginge neutral nach außen, gleichgültig nach außen; der Mensch würde nicht mitfühlen mit dem Gesprochenen. Nach oben aber, nach dem Kopf, geht das Wärmeelement (rot), und es begleiten die Worte, die wir dem Aushauche einprägen, die nach oben strömenden Wärmewellen, die unser Haupt durchdringen und die da bewirken, daß wir die Worte mit Gedanken begleiten. So daß, wenn wit sprechen, wir es zu tun haben mit dreierlei: mit Luft, Wärme, Wasser oder Flüssigkeit.

[ 19 ] Stellen wir uns vor, dies sei der Aushauch (siehe Zeichnung, rechter Teil, hellblau mit roter Linie), dem eingeprägt würden gewisse Wortgebilde, die der Mensch spricht. Während dieser Aushauch, zu Worten geformt, aus unserer Brust nach außen strömt, geht nach unten die rhythmische Schwingung über in das ganze wäßtrige, in das flüssige Element, das den menschlichen Organismus durchzieht (hell; Wasser). So daß der Mensch beim Sprechen in der Höhe seines Kehlkopfes, seiner Sprachorgane, die Luftrhythmen hat; parallel aber geht mit diesem Sprechen ein Durchwellen und Durchwogen des Flüssigkeitsleibes in ihm. Die Flüssigkeit, die unterhalb der Sprachregion ist, kommt in Schwingungen, schwingt mit im Menschen. Und das ist es ja im wesentlichen, daß wir das, was wir sprechen, begleiten vom Fühlen. Und würde nicht mitschwingen das wäßrige Element im Menschen, die Sprache ginge neutral nach außen, gleichgültig nach außen; der Mensch würde nicht mitfühlen mit dem Gesprochenen. Nach oben aber, nach dem Kopf, geht das Wärmeelement (rot), und es begleiten die Worte, die wir dem Aushauche einprägen, die nach oben strömenden Wärmewellen, die unser Haupt durchdringen und die da bewirken, daß wir die Worte mit Gedanken begleiten. So daß, wenn wit sprechen, wir es zu tun haben mit dreierlei: mit Luft, Wärme, Wasser oder Flüssigkeit.

[ 20 ] Dieser Vorgang, der erst ein Gesamtbild dessen gibt, was im menschlichen Sprechen webt und lebt, dieser Vorgang wurde zum Ausgangspunkt genommen bei dem Schüler von Ephesus. Und dann wurde ihm klargemacht, wie dieses, was da im Menschen sich abspielt, ein vermenschlichter Weltenvorgang ist, daß in einer gewissen älteren Zeit die Erde selber so gewirkt hat, daß in ihr nun nicht das luftförmige, aber das wäßrige, das flüssige Element (linker Teil der Zeichnung, blau), jenes flüssige Element, von dem ich gestern gesprochen habe als flüchtig-flüssiges Eiweiß, in einer solchen Wellenbewegung war. So wie dann im Menschen im Kleinen die Luft beim Aushauche ist, wenn er spricht, so war dereinst das die Erde als Atmosphäre umgebende flüchtig-flüssige Eiweiß. Und das ging dann über, so wie hier das Luftförmige in das Wärmeelement, in eine Art Luftelement (links, hellblau), und unten in eine Art erdigen Elementes (hell). So daß, wie bei uns in unserem Körper durch das flüssige Element die Gefühle entstehen, so entstanden in der Erde die Erdenbildungen, die Erdenkräfte, alles dasjenige, was in der Erde wirkt und wellt an Kräften. Und es entstand darüber im luftigen Element dasjenige, was webende kosmische Gedanken sind, die da schaffend wirken im Irdischen.

[ 20 ] Dieser Vorgang, der erst ein Gesamtbild dessen gibt, was im menschlichen Sprechen webt und lebt, dieser Vorgang wurde zum Ausgangspunkt genommen bei dem Schüler von Ephesus. Und dann wurde ihm klargemacht, wie dieses, was da im Menschen sich abspielt, ein vermenschlichter Weltenvorgang ist, daß in einer gewissen älteren Zeit die Erde selber so gewirkt hat, daß in ihr nun nicht das luftförmige, aber das wäßrige, das flüssige Element (linker Teil der Zeichnung, blau), jenes flüssige Element, von dem ich gestern gesprochen habe als flüchtig-flüssiges Eiweiß, in einer solchen Wellenbewegung war. So wie dann im Menschen im Kleinen die Luft beim Aushauche ist, wenn er spricht, so war dereinst das die Erde als Atmosphäre umgebende flüchtig-flüssige Eiweiß. Und das ging dann über, so wie hier das Luftförmige in das Wärmeelement, in eine Art Luftelement (links, hellblau), und unten in eine Art erdigen Elementes (hell). So daß, wie bei uns in unserem Körper durch das flüssige Element die Gefühle entstehen, so entstanden in der Erde die Erdenbildungen, die Erdenkräfte, alles dasjenige, was in der Erde wirkt und wellt an Kräften. Und es entstand darüber im luftigen Element dasjenige, was webende kosmische Gedanken sind, die da schaffend wirken im Irdischen.

[ 21 ] Das war ein majestätischer, gewaltiger Eindruck, den der Mensch in Ephesus bekam, wenn er aufmerksam darauf gemacht wurde, daß in seiner Sprache der mikrokosmische Nachklang dessen lebt, was einmal makrokosmisch war. Und der Schüler von Ephesus fühlte, indem er sprach, in dem Erlebnis des Sprechens eine Einsicht in das Wirken des Weltenwortes, wie es einstmals sinnvoll das flüssigflüchtige Element bewegte, wie es oben grenzte an die schaffenden Weltengedanken, unten an die entstehenden Erdenkräfte.

[ 21 ] Das war ein majestätischer, gewaltiger Eindruck, den der Mensch in Ephesus bekam, wenn er aufmerksam darauf gemacht wurde, daß in seiner Sprache der mikrokosmische Nachklang dessen lebt, was einmal makrokosmisch war. Und der Schüler von Ephesus fühlte, indem er sprach, in dem Erlebnis des Sprechens eine Einsicht in das Wirken des Weltenwortes, wie es einstmals sinnvoll das flüssigflüchtige Element bewegte, wie es oben grenzte an die schaffenden Weltengedanken, unten an die entstehenden Erdenkräfte.

[ 22 ] So lebte sich der Schüler ein in das Kosmische, indem er in richtiger Weise sein eigenes Sprechen verstehen lernte: In dir ist der menschliche Logos. Der menschliche Logos wirkt aus dir während deiner Erdenzeit, und du bist als Mensch der menschliche Logos. Denn in der Tat, durch dasjenige, was nach unten strömt im flüssigen Elemente, werden wir als Mensch geformt aus der Sprache heraus; durch dasjenige, was nach oben strömt, haben wir unsere menschlichen Gedanken während unserer Erdenzeit. — Aber ebenso, wie in dir das Menschlichste der mikrokosmische Logos ist, so war einstmals der Logos im Urbeginn und war bei Gott und war selber ein Gott.

[ 22 ] So lebte sich der Schüler ein in das Kosmische, indem er in richtiger Weise sein eigenes Sprechen verstehen lernte: In dir ist der menschliche Logos. Der menschliche Logos wirkt aus dir während deiner Erdenzeit, und du bist als Mensch der menschliche Logos. Denn in der Tat, durch dasjenige, was nach unten strömt im flüssigen Elemente, werden wir als Mensch geformt aus der Sprache heraus; durch dasjenige, was nach oben strömt, haben wir unsere menschlichen Gedanken während unserer Erdenzeit. — Aber ebenso, wie in dir das Menschlichste der mikrokosmische Logos ist, so war einstmals der Logos im Urbeginn und war bei Gott und war selber ein Gott.

[ 23 ] Das wurde in Ephesus gründlich, weil durch den Menschen und am Menschen selber, verstanden.

[ 23 ] Das wurde in Ephesus gründlich, weil durch den Menschen und am Menschen selber, verstanden.

[ 24 ] Sehen Sie, wenn Sie sich nun solch eine Persönlichkeit anschauen wie diejenige, die sich hinter dem Namen Gilgamesch verbirgt, dann müssen Sie das Gefühl bekommen, daß diese ja lebte in dem ganzen Milieu, in der ganzen Umgebung, die ausstrahlte von den Mysterien. Denn alle Kultur, alle Zivilisation war in früheren Zeiten Ausstrahlung der Mysterien. Und wenn ich Ihnen Gilgamesch nenne, so war er, als er noch in seiner Heimat Erek war, zwar nicht in die Mysterien von Erek selber eingeweiht, wohl aber in einer Zivilisation drinnen, die substantiell durchsetzt war von dem, was man empfinden konnte durch diese Beziehung zum Kosmos. Und dann wurde von ihm etwas erlebt bei dem Zug nach dem Westen, was ihn direkt bekannt machte allerdings nicht mit den hybernischen Mystetien, soweit kam er nicht, aber gewissermaßen mit dem, was gepflegt wurde in einer Kolonie der hybernischen Mysterien, ich sagte Ihnen, im heutigen Burgenlande war diese Kolonie. Das lebte in der Seele dieses Gilgamesch. Das bildete sich weiter aus in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das nun folgte und für das dann beim nächsten Erdenleben in Ephesus selber die Vertiefung der Seele stattfand.

[ 24 ] Sehen Sie, wenn Sie sich nun solch eine Persönlichkeit anschauen wie diejenige, die sich hinter dem Namen Gilgamesch verbirgt, dann müssen Sie das Gefühl bekommen, daß diese ja lebte in dem ganzen Milieu, in der ganzen Umgebung, die ausstrahlte von den Mysterien. Denn alle Kultur, alle Zivilisation war in früheren Zeiten Ausstrahlung der Mysterien. Und wenn ich Ihnen Gilgamesch nenne, so war er, als er noch in seiner Heimat Erek war, zwar nicht in die Mysterien von Erek selber eingeweiht, wohl aber in einer Zivilisation drinnen, die substantiell durchsetzt war von dem, was man empfinden konnte durch diese Beziehung zum Kosmos. Und dann wurde von ihm etwas erlebt bei dem Zug nach dem Westen, was ihn direkt bekannt machte allerdings nicht mit den hybernischen Mystetien, soweit kam er nicht, aber gewissermaßen mit dem, was gepflegt wurde in einer Kolonie der hybernischen Mysterien, ich sagte Ihnen, im heutigen Burgenlande war diese Kolonie. Das lebte in der Seele dieses Gilgamesch. Das bildete sich weiter aus in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das nun folgte und für das dann beim nächsten Erdenleben in Ephesus selber die Vertiefung der Seele stattfand.

[ 25 ] Nun, für beide Persönlichkeiten, von denen ich gesprochen habe, fand eine solche Vertiefung der Seele statt. Da brandete gewissermaßen aus der allgemeinen Zivilisation an die Menschenseelen dieser Persönlichkeiten etwas in Realität heran, in starker, intensiver Realität noch, was seit der homerischen Zeit in Griechenland im wesentlichen schon nur noch schöner Schein war.

[ 25 ] Nun, für beide Persönlichkeiten, von denen ich gesprochen habe, fand eine solche Vertiefung der Seele statt. Da brandete gewissermaßen aus der allgemeinen Zivilisation an die Menschenseelen dieser Persönlichkeiten etwas in Realität heran, in starker, intensiver Realität noch, was seit der homerischen Zeit in Griechenland im wesentlichen schon nur noch schöner Schein war.

[ 26 ] Gerade in Ephesus drüben, an jener Stätte, an der ja auch Heraklit lebte und an der noch so viel von alter Realität empfunden wurde bis in die spätere griechische Zeit herein, bis ins 6., 5. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit, gerade in Ephesus konnte man noch nachempfinden die ganze Realität, in der einstmals die Menschheit gelebt hat, als sie noch in unmittelbarer Beziehung zu dem Göttlich-Geistigen stand, als noch Asia nur der unterste der Himmel war, in dem man noch in Verbindung stand mit den oberen Himmeln, die daran grenzten, weil in Asia die Naturgeister erlebt wurden, darüber die Angeloi, Archangeloi und so weiter, darüber die Exusiai und so weiter. Und so kann man sagen: Während schon in Griechenland selbst die Nachklänge nur sich herausbildeten an dasjenige, was einstmals Realität war, während dasjenige, was Wirklichkeit war, sich umwandelte in die Bilder der Heroensagen, an denen noch deutlich zu merken ist, daß sie hinweisen auf ursprüngliche Realitäten, während in Griechenland das dramatische Element ursprünglicher Realitäten in Äschylos Leben gewann, war es eigentlich in Ephesus noch immer so, daß man, in das tiefe Dunkel der Mysterien getaucht, Nachklänge jener alten Realitäten empfand, in denen der Mensch in unmittelbarem Zusammenhange mit der göttlich-geistigen Welt lebte. Und das ist ja das Wesentliche des Griechentums, daß der Grieche in die dem Menschen näherliegenden Mythen und in die dem Menschen näherliegende Schönheit und Kunst getaucht hat, also ins Abbild getaucht hat dasjenige, was einstmals im Zusammenhange mit dem Kosmos eben vom Menschen erlebt werden konnte.

[ 26 ] Gerade in Ephesus drüben, an jener Stätte, an der ja auch Heraklit lebte und an der noch so viel von alter Realität empfunden wurde bis in die spätere griechische Zeit herein, bis ins 6., 5. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit, gerade in Ephesus konnte man noch nachempfinden die ganze Realität, in der einstmals die Menschheit gelebt hat, als sie noch in unmittelbarer Beziehung zu dem Göttlich-Geistigen stand, als noch Asia nur der unterste der Himmel war, in dem man noch in Verbindung stand mit den oberen Himmeln, die daran grenzten, weil in Asia die Naturgeister erlebt wurden, darüber die Angeloi, Archangeloi und so weiter, darüber die Exusiai und so weiter. Und so kann man sagen: Während schon in Griechenland selbst die Nachklänge nur sich herausbildeten an dasjenige, was einstmals Realität war, während dasjenige, was Wirklichkeit war, sich umwandelte in die Bilder der Heroensagen, an denen noch deutlich zu merken ist, daß sie hinweisen auf ursprüngliche Realitäten, während in Griechenland das dramatische Element ursprünglicher Realitäten in Äschylos Leben gewann, war es eigentlich in Ephesus noch immer so, daß man, in das tiefe Dunkel der Mysterien getaucht, Nachklänge jener alten Realitäten empfand, in denen der Mensch in unmittelbarem Zusammenhange mit der göttlich-geistigen Welt lebte. Und das ist ja das Wesentliche des Griechentums, daß der Grieche in die dem Menschen näherliegenden Mythen und in die dem Menschen näherliegende Schönheit und Kunst getaucht hat, also ins Abbild getaucht hat dasjenige, was einstmals im Zusammenhange mit dem Kosmos eben vom Menschen erlebt werden konnte.

[ 27 ] Und nun müssen wir uns vorstellen, wie, als nun schon auf der einen Seite diese griechische Zivilisation auf ihrem Höhepunkte angelangt war, als sie stolz zurückgewiesen hatte sogar dasjenige, was, wie in den Perserkriegen, noch nachstofen wollte von alter asiatischer Realität, als sie auf der einen Seite auf ihrem Höhepunkte angelangt war, aber auf der anderen Seite schon im Sturze war, wie das Persönlichkeiten erlebten, die in ihren Seelen deutlich die Nachklänge desjenigen trugen, was einstmals göttlich-geistige irdische Realität in Geist, Seele und Leib des Menschen war.

[ 27 ] Und nun müssen wir uns vorstellen, wie, als nun schon auf der einen Seite diese griechische Zivilisation auf ihrem Höhepunkte angelangt war, als sie stolz zurückgewiesen hatte sogar dasjenige, was, wie in den Perserkriegen, noch nachstofen wollte von alter asiatischer Realität, als sie auf der einen Seite auf ihrem Höhepunkte angelangt war, aber auf der anderen Seite schon im Sturze war, wie das Persönlichkeiten erlebten, die in ihren Seelen deutlich die Nachklänge desjenigen trugen, was einstmals göttlich-geistige irdische Realität in Geist, Seele und Leib des Menschen war.

[ 28 ] Und so müssen wir uns vorstellen, daß eigentlich Alexander der Große und Aristoteles in einer Welt lebten, die ihnen doch nicht ganz konform war, die eigentlich tragisch für sie war. Das Eigentümliche ist, daß in Alexander und in Aristoteles Menschen lebten, die eine andere Beziehung zum Geistigen hatten als ihre Umgebung, die, trotzdem sie sich nicht viel kümmerten um die samothrakischen Mysterien, dennoch in ihrer Seele eine große Verwandtschaft hatten mit dem, was in den samothrakischen Mysterien mit den Kabiren vorging. Das hat man lange Zeit gefühlt, im Mittelalter noch nachgefühlt. Und man muß schon sagen — darüber machen sich die Menschen heute ganz falsche Vorstellungen —, wie noch im Mittelalter, bis herein ins 13., 14. Jahrhundert, bei einzelnen Menschen aller Stände ein deutliches geistiges Anschauen wenigstens auf dem Gebiete war, das man einstmals im alten ÖOriente drüben Asia genannt hat. Und das im Mittelalter von einem Priester gedichtete «Alexanderlied» ist immerhin ein sehr bedeutsames Dokument des späteren Mittelalters. Gegenüber dem, was heute in der Geschichte entstellt lebt von demjenigen, was sich abgespielt hat durch Alexander und Aristoteles, erscheint das, was der Priester Lamprecht als Alexanderlied etwa im 12. Jahrhundert gedichtet hat, noch als eine großartige, mit der alten verwandte Auffassung dessen, was durch Alexander den Großen geschehen ist.

[ 28 ] Und so müssen wir uns vorstellen, daß eigentlich Alexander der Große und Aristoteles in einer Welt lebten, die ihnen doch nicht ganz konform war, die eigentlich tragisch für sie war. Das Eigentümliche ist, daß in Alexander und in Aristoteles Menschen lebten, die eine andere Beziehung zum Geistigen hatten als ihre Umgebung, die, trotzdem sie sich nicht viel kümmerten um die samothrakischen Mysterien, dennoch in ihrer Seele eine große Verwandtschaft hatten mit dem, was in den samothrakischen Mysterien mit den Kabiren vorging. Das hat man lange Zeit gefühlt, im Mittelalter noch nachgefühlt. Und man muß schon sagen — darüber machen sich die Menschen heute ganz falsche Vorstellungen —, wie noch im Mittelalter, bis herein ins 13., 14. Jahrhundert, bei einzelnen Menschen aller Stände ein deutliches geistiges Anschauen wenigstens auf dem Gebiete war, das man einstmals im alten ÖOriente drüben Asia genannt hat. Und das im Mittelalter von einem Priester gedichtete «Alexanderlied» ist immerhin ein sehr bedeutsames Dokument des späteren Mittelalters. Gegenüber dem, was heute in der Geschichte entstellt lebt von demjenigen, was sich abgespielt hat durch Alexander und Aristoteles, erscheint das, was der Priester Lamprecht als Alexanderlied etwa im 12. Jahrhundert gedichtet hat, noch als eine großartige, mit der alten verwandte Auffassung dessen, was durch Alexander den Großen geschehen ist.

[ 29 ] Sie brauchen nur das Folgende sich vor die Seele zu stellen. Wir haben im Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht ja eine wunderbare Schilderung, eine wunderbare Schilderung etwa der folgenden Art: Jedes Jahr, wenn der Frühling kommt und man geht nach einem Wald hinaus und kommt an den Waldestand, da wo an diesem Waldesrand Blumen wachsen und wo zu gleicher Zeit die Sonne so steht, daß von den Waldesbäumen der Schatten fällt auf die am Waldesrande wachsenden Blumen, da sieht man, wie im Schatten der Waldesbäume im Frühling aus den Blumenkelchen hervorkommen die geistigen Blumenkinder, die an den Waldesrändern Tänze und Reigen vollführen. — Und man erkennt ganz deutlich, daß in dieser Schilderung des Pfaffen Lamprecht durchschimmert etwas von einer wirklichen Erfahrung, von einer Erfahrung, die Menschen der damaligen Zeit noch machen konnten; daß sie nicht in die Wälder hinausgingen, um in prosaischer Weise zu sagen: Da ist Gras, da sind Blumen, da fangen die Bäume an —, sondern wenn sie sch dem Walde näherten, dann trat ihnen, wenn die Sonne hinter dem Walde stand und der Schatten über die Blumen her fiel, im Schatten der Waldesbäume von den Blumen aus entgegen die ganze Welt von Blumengeschöpfen, die da waren für sie, bevor sie den Wald betraten, wo sie ja dann im Walde die anderen Elementargeister wahrnahmen. Aber dieser Blumenreigen, der erschien dem Pfaffen Lamprecht als das, was er besonders gern schildern wollte. Und es ist immerhin bedeutsam, daß, als der Pfaffe Lamptecht die Alexanderzüge schildern wollte, er diese Schilderung durchsetzte und durchströmte — noch im 12. Jahrhundert, Anfang des 12. Jahrhunderts —, dutchsetzte und durchströmte mit Schilderungen der Natur, die überall das Sich-Offenbaren der Elementarreiche in sich schließen. Das Ganze ist getragen von dem Bewußtsein: Wenn man schildern will, was da vorging einstmals in Makedonien, als die Alexanderzüge nach Asien begannen und als Alexander von Aristoteles unterrichtet wurde, wenn man das schildern will, so kann man es nicht schildern, indem man die prosaische Erde ringsherum beschreibt, sondern man kann es allein schildern, wenn man hinzunimmt zu der prosaischen Erde die Reiche der elementarischen Wesenheiten.

[ 29 ] Sie brauchen nur das Folgende sich vor die Seele zu stellen. Wir haben im Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht ja eine wunderbare Schilderung, eine wunderbare Schilderung etwa der folgenden Art: Jedes Jahr, wenn der Frühling kommt und man geht nach einem Wald hinaus und kommt an den Waldestand, da wo an diesem Waldesrand Blumen wachsen und wo zu gleicher Zeit die Sonne so steht, daß von den Waldesbäumen der Schatten fällt auf die am Waldesrande wachsenden Blumen, da sieht man, wie im Schatten der Waldesbäume im Frühling aus den Blumenkelchen hervorkommen die geistigen Blumenkinder, die an den Waldesrändern Tänze und Reigen vollführen. — Und man erkennt ganz deutlich, daß in dieser Schilderung des Pfaffen Lamprecht durchschimmert etwas von einer wirklichen Erfahrung, von einer Erfahrung, die Menschen der damaligen Zeit noch machen konnten; daß sie nicht in die Wälder hinausgingen, um in prosaischer Weise zu sagen: Da ist Gras, da sind Blumen, da fangen die Bäume an —, sondern wenn sie sch dem Walde näherten, dann trat ihnen, wenn die Sonne hinter dem Walde stand und der Schatten über die Blumen her fiel, im Schatten der Waldesbäume von den Blumen aus entgegen die ganze Welt von Blumengeschöpfen, die da waren für sie, bevor sie den Wald betraten, wo sie ja dann im Walde die anderen Elementargeister wahrnahmen. Aber dieser Blumenreigen, der erschien dem Pfaffen Lamprecht als das, was er besonders gern schildern wollte. Und es ist immerhin bedeutsam, daß, als der Pfaffe Lamptecht die Alexanderzüge schildern wollte, er diese Schilderung durchsetzte und durchströmte — noch im 12. Jahrhundert, Anfang des 12. Jahrhunderts —, dutchsetzte und durchströmte mit Schilderungen der Natur, die überall das Sich-Offenbaren der Elementarreiche in sich schließen. Das Ganze ist getragen von dem Bewußtsein: Wenn man schildern will, was da vorging einstmals in Makedonien, als die Alexanderzüge nach Asien begannen und als Alexander von Aristoteles unterrichtet wurde, wenn man das schildern will, so kann man es nicht schildern, indem man die prosaische Erde ringsherum beschreibt, sondern man kann es allein schildern, wenn man hinzunimmt zu der prosaischen Erde die Reiche der elementarischen Wesenheiten.

[ 30 ] Aber sehen Sie, wenn Sie heute ein Geschichtswerk lesen — es ist ja ganz berechtigt für die gegenwärtige Zeit —, nun ja, dann lesen Sie eben: Alexander hat gegen den Rat seines Lehrers Aristoteles, dem er ungehorsam war, die Mission sich eingebildet, er müsse die Barbaren mit den zivilisierten Menschen versöhnen und müsse eine Durchschnittskultur etwa hervorrufen, die bestehen sollte aus den zivilisierten Griechen, aus den Hellenen, aus den Makedoniern und den Barbaren. Das ist zwar für die heutige Zeit richtig, aber dennoch, gegenüber der Wahrheit, der wirklichen Wahrheit ist es eben läppisch. Und man empfängt den Eindruck des Großartigen, wenn man sieht, wie der Pfaffe Lamprecht, indem er die Alexanderzüge schildert, diesen Alexanderzügen ein ganz anderes Ziel setzt. Und es kommt einem vor, als ob dasjenige, was ich eben geschildert habe als das Hereinragen der Natur-Elementarreiche, des Geistigen der Natur in das Physische der Natur, als ob dies eben bloß die Introduktion sein sollte. Denn was ist das Ziel der Alexanderzüge im Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht?

[ 30 ] Aber sehen Sie, wenn Sie heute ein Geschichtswerk lesen — es ist ja ganz berechtigt für die gegenwärtige Zeit —, nun ja, dann lesen Sie eben: Alexander hat gegen den Rat seines Lehrers Aristoteles, dem er ungehorsam war, die Mission sich eingebildet, er müsse die Barbaren mit den zivilisierten Menschen versöhnen und müsse eine Durchschnittskultur etwa hervorrufen, die bestehen sollte aus den zivilisierten Griechen, aus den Hellenen, aus den Makedoniern und den Barbaren. Das ist zwar für die heutige Zeit richtig, aber dennoch, gegenüber der Wahrheit, der wirklichen Wahrheit ist es eben läppisch. Und man empfängt den Eindruck des Großartigen, wenn man sieht, wie der Pfaffe Lamprecht, indem er die Alexanderzüge schildert, diesen Alexanderzügen ein ganz anderes Ziel setzt. Und es kommt einem vor, als ob dasjenige, was ich eben geschildert habe als das Hereinragen der Natur-Elementarreiche, des Geistigen der Natur in das Physische der Natur, als ob dies eben bloß die Introduktion sein sollte. Denn was ist das Ziel der Alexanderzüge im Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht?

[ 31 ] Alexander kommt bis an die Pforte des Paradieses! Das ist zwar ins Christliche der damaligen Zeit umgesetzt, aber es entspricht eigentlich in einem hohen Maße, wie ich weiter ausführen werde, der Wahrheit. Denn die Alexanderzüge waren nicht bloß gemacht, um Eroberungen zu vollziehen oder, gar gegen den Rat des Aristoteles, um die Barbaren mit den Hellenen zu versöhnen, sondern die Alexanderzüge waren durchsetzt von einem wirklichen hohen geistigen Ziel, und sie waren impulsiert aus dem Geiste heraus. Und wit lesen dann beim Pfaffen Lamprecht, der also, man kann sagen, fünfzehn Jahrhunderte, nachdem Alexander gelebt hat, in seiner Art mit großer Hingebung diese Alexanderzüge schildert, wir lesen, daß Alexander bis an die Pforte des Paradieses kommt, aber in das Paradies selber nicht hineinkommt, weil, wie der Pfaffe Lamprecht meint, nur derjenige in das Paradies hineinkommt, der die rechte Demut hat. Aber Alexander konnte in der vorchristlichen Zeit noch nicht die rechte Demut haben, denn die rechte Demut konnte erst das Christentum in die Menschheit hineinbringen. Immerhin, wenn man nicht in engherzigem, sondern in weitherzigem Sinn so etwas auffaßt, so sehen wir, wie der christliche Pfaffe Lamprecht etwas von dem Tragischen der Alexanderzüge empfindet.

[ 31 ] Alexander kommt bis an die Pforte des Paradieses! Das ist zwar ins Christliche der damaligen Zeit umgesetzt, aber es entspricht eigentlich in einem hohen Maße, wie ich weiter ausführen werde, der Wahrheit. Denn die Alexanderzüge waren nicht bloß gemacht, um Eroberungen zu vollziehen oder, gar gegen den Rat des Aristoteles, um die Barbaren mit den Hellenen zu versöhnen, sondern die Alexanderzüge waren durchsetzt von einem wirklichen hohen geistigen Ziel, und sie waren impulsiert aus dem Geiste heraus. Und wit lesen dann beim Pfaffen Lamprecht, der also, man kann sagen, fünfzehn Jahrhunderte, nachdem Alexander gelebt hat, in seiner Art mit großer Hingebung diese Alexanderzüge schildert, wir lesen, daß Alexander bis an die Pforte des Paradieses kommt, aber in das Paradies selber nicht hineinkommt, weil, wie der Pfaffe Lamprecht meint, nur derjenige in das Paradies hineinkommt, der die rechte Demut hat. Aber Alexander konnte in der vorchristlichen Zeit noch nicht die rechte Demut haben, denn die rechte Demut konnte erst das Christentum in die Menschheit hineinbringen. Immerhin, wenn man nicht in engherzigem, sondern in weitherzigem Sinn so etwas auffaßt, so sehen wir, wie der christliche Pfaffe Lamprecht etwas von dem Tragischen der Alexanderzüge empfindet.

[ 32 ] Nun, ich wollte Sie mit dieser Schilderung des Alexanderliedes nur aufmerksam darauf machen, daß es nicht überraschend zu sein braucht, wenn man gerade an diesem Beispiel der Alexanderzüge einsetzt, um das Vorhergehende und Nachherige der Menschheitsgeschichte des Abendlandes in seiner Angliederung an das Morgenland zu schildern. Denn dasjenige, was dabei als Empfindung zugrunde liegt, war noch, wie Sie sehen, bis zu einer verhältnismäßig späten Zeit des Mittelalters nicht nur als eine allgemeine Empfindung vorhanden, sondern in so konkreter Weise vorhanden, daß dieses Alexanderlied entstehen konnte, das nun eigentlich wirklich in einer großartig dramatischen Weise schildert, was nun durch die beiden Seelen, die ich Ihnen charakterisiert habe, sich abgespielt hat. Durchaus weist dieser Punkt der makedonischen Geschichte auf der einen Seite weit in die Vergangenheit zurück, auf der anderen Seite weit in die Zukunft hinein. Und man muß vor allen Dingen dabei berücksichtigen, daß über all dem, was bei Aristoteles und Alexander vorhanden ist, weltgeschichtliche Tragik schwebt. Schon äußerlich verrät sich diese weltgeschichtliche Tragik. Sie verrät sich dadurch, daß ja durch die besonderen Verhältnisse, durch die besonderen weltgeschichtlichen Schicksalsverhältnisse von Aristoteles nur der kleinste Teil der Schriften in das europäische Abendland gekommen sind und dann von der Kirche weiter gepflegt worden sind. Es sind eigentlich im wesentlichen nur die logischen und die ins Logische gekleideten Schriften. Wer aber heute noch sich vertieft in das Wenige, was von den naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles erhalten ist, der wird bei Aristoteles sehen, wie gewaltig seine Einsicht noch war in den Zusammenhang des Kosmos mit dem Menschen. Ich möchte Sie da nur auf eines aufmerksam machen.

[ 32 ] Nun, ich wollte Sie mit dieser Schilderung des Alexanderliedes nur aufmerksam darauf machen, daß es nicht überraschend zu sein braucht, wenn man gerade an diesem Beispiel der Alexanderzüge einsetzt, um das Vorhergehende und Nachherige der Menschheitsgeschichte des Abendlandes in seiner Angliederung an das Morgenland zu schildern. Denn dasjenige, was dabei als Empfindung zugrunde liegt, war noch, wie Sie sehen, bis zu einer verhältnismäßig späten Zeit des Mittelalters nicht nur als eine allgemeine Empfindung vorhanden, sondern in so konkreter Weise vorhanden, daß dieses Alexanderlied entstehen konnte, das nun eigentlich wirklich in einer großartig dramatischen Weise schildert, was nun durch die beiden Seelen, die ich Ihnen charakterisiert habe, sich abgespielt hat. Durchaus weist dieser Punkt der makedonischen Geschichte auf der einen Seite weit in die Vergangenheit zurück, auf der anderen Seite weit in die Zukunft hinein. Und man muß vor allen Dingen dabei berücksichtigen, daß über all dem, was bei Aristoteles und Alexander vorhanden ist, weltgeschichtliche Tragik schwebt. Schon äußerlich verrät sich diese weltgeschichtliche Tragik. Sie verrät sich dadurch, daß ja durch die besonderen Verhältnisse, durch die besonderen weltgeschichtlichen Schicksalsverhältnisse von Aristoteles nur der kleinste Teil der Schriften in das europäische Abendland gekommen sind und dann von der Kirche weiter gepflegt worden sind. Es sind eigentlich im wesentlichen nur die logischen und die ins Logische gekleideten Schriften. Wer aber heute noch sich vertieft in das Wenige, was von den naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles erhalten ist, der wird bei Aristoteles sehen, wie gewaltig seine Einsicht noch war in den Zusammenhang des Kosmos mit dem Menschen. Ich möchte Sie da nur auf eines aufmerksam machen.

[ 33 ] Wir sprechen heute ja auch vom irdischen Elemente, vom wäßrigen Elemente, vom luftigen Elemente, vom feurigen oder Wärmeelemente und dann von dem anderen, dem Äther. Wie stellt Aristoteles die Sache dar? Er stellt die Erde dar, die feste Erde (siehe Zeichnung, heller Kern), die flüssige Erde, Wasser (hellrot), die Luft (blau), das Ganze mit dem Feuer durchdrungen und vom Feuer umgeben (tiefrot). Aber so reicht für Aristoteles die Erde bis zum Monde hinauf. Und vom Kosmos herein, von den Sternen herein bis zum Monde — also nicht mehr in den irdischen Bereich, aber bis zum Monde, bis hierher —, vom Tierkreis, von den Sternen herein reicht räumlich-kosmisch der übrige Äther (hell außen). Der Äther reicht bis zum Monde herunter.

[ 33 ] Wir sprechen heute ja auch vom irdischen Elemente, vom wäßrigen Elemente, vom luftigen Elemente, vom feurigen oder Wärmeelemente und dann von dem anderen, dem Äther. Wie stellt Aristoteles die Sache dar? Er stellt die Erde dar, die feste Erde (siehe Zeichnung, heller Kern), die flüssige Erde, Wasser (hellrot), die Luft (blau), das Ganze mit dem Feuer durchdrungen und vom Feuer umgeben (tiefrot). Aber so reicht für Aristoteles die Erde bis zum Monde hinauf. Und vom Kosmos herein, von den Sternen herein bis zum Monde — also nicht mehr in den irdischen Bereich, aber bis zum Monde, bis hierher —, vom Tierkreis, von den Sternen herein reicht räumlich-kosmisch der übrige Äther (hell außen). Der Äther reicht bis zum Monde herunter.

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[ 34 ] Das lesen ja auch heute noch die Gelehrten in den Büchern, die über Aristoteles geschrieben werden. Aristoteles selber aber sagte seinem Schüler Alexander immer wieder und wiederum: Jener Äther, der da außerhalb des Irdisch-Wärmehaften ist, also der Lichtäther, chemische Äther, Lebensäther, war auch einstmals mit der Erde verbunden. Das alles ging bis zur Erde herein. Als aber der Mond sich zurückzog in der alten Entwickelung, da zog sich der Äther von der Erde zurück. Und — so meinte Aristoteles zu seinem Schüler Alexander — so ist dasjenige, was äußerlich räumlich tote Welt ist, auf der Erde zunächst nicht vom Äther durchzogen. Aber wenn zum Beispiel der Frühling naht, dann bringen die Elementargeister von dem Monde für diejenigen Wesen, die entstehen — die Pflanzen, die Tiere, die Menschen —, den Äther aus dem Mondenbereiche gerade wiederum in diese Wesen hinein, so daß der Mond das Gestaltende ist.

[ 34 ] Das lesen ja auch heute noch die Gelehrten in den Büchern, die über Aristoteles geschrieben werden. Aristoteles selber aber sagte seinem Schüler Alexander immer wieder und wiederum: Jener Äther, der da außerhalb des Irdisch-Wärmehaften ist, also der Lichtäther, chemische Äther, Lebensäther, war auch einstmals mit der Erde verbunden. Das alles ging bis zur Erde herein. Als aber der Mond sich zurückzog in der alten Entwickelung, da zog sich der Äther von der Erde zurück. Und — so meinte Aristoteles zu seinem Schüler Alexander — so ist dasjenige, was äußerlich räumlich tote Welt ist, auf der Erde zunächst nicht vom Äther durchzogen. Aber wenn zum Beispiel der Frühling naht, dann bringen die Elementargeister von dem Monde für diejenigen Wesen, die entstehen — die Pflanzen, die Tiere, die Menschen —, den Äther aus dem Mondenbereiche gerade wiederum in diese Wesen hinein, so daß der Mond das Gestaltende ist.

[ 35 ] Stand man vor der einen, der weiblichen Gestalt in Hybernia, so empfand man das ganz lebhaft, wie der Äther eigentlich nicht der Erde angehört, sondern von den Elementargeistern alljährlich, soweit er notwendig ist zur Entstehung der Wesen, auf die Erde heruntergebracht wird.

[ 35 ] Stand man vor der einen, der weiblichen Gestalt in Hybernia, so empfand man das ganz lebhaft, wie der Äther eigentlich nicht der Erde angehört, sondern von den Elementargeistern alljährlich, soweit er notwendig ist zur Entstehung der Wesen, auf die Erde heruntergebracht wird.

[ 36 ] Es gab auch für Aristoteles tiefe Einsichten in den Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos. Die Schriften, die davon handelten, hat der Schüler Theophrast nicht nach dem Westen kommen lassen. Nach dem Orient ging einiges von diesen Schriften zurück, wo noch Verständnis für solche Dinge war. Und da kam es dann durch Nordafrika und Spanien, durch Juden und Araber kam es nach dem Westen von Europa und stieß in der Weise, wie ich das noch schildern will, mit den Ausstrahlungen, mit den Zivilisationsausstrahlungen der Mysterien von Hybernia zusammen.

[ 36 ] Es gab auch für Aristoteles tiefe Einsichten in den Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos. Die Schriften, die davon handelten, hat der Schüler Theophrast nicht nach dem Westen kommen lassen. Nach dem Orient ging einiges von diesen Schriften zurück, wo noch Verständnis für solche Dinge war. Und da kam es dann durch Nordafrika und Spanien, durch Juden und Araber kam es nach dem Westen von Europa und stieß in der Weise, wie ich das noch schildern will, mit den Ausstrahlungen, mit den Zivilisationsausstrahlungen der Mysterien von Hybernia zusammen.

[ 37 ] Aber das, was ich Ihnen bis jetzt charakterisiert habe, war ja nur der Ausgangspunkt für die Lehren, die Aristoteles dem Alexander gab. Die bezogen sich durchaus auf inneres Erleben. Und wenn ich, ich möchte sagen, in etwas kohlezeichnender Darstellung die Sache gebe, so muß ich folgendes sagen: Alexander lernte durch Aristoteles gut kennen, daß dasjenige, was draußen in der Welt lebt als das irdische, das wäßtige, das luftige, das feurige Element, auch im Menschen drinnen lebt, daß der Mensch in dieser Beziehung ein wirklicher Mikrokosmos ist, daß in ihm, in seinen Knochen, das irdische Element lebt, daß in seiner Blutzirkulation und in alle dem, was Säfte in ihm sind, Lebenssäfte sind, das wäßrige Element lebt; daß in ihm das luftige Element in der Atmung und Atmungserregung wirkt, in der Sprache wirkt, daß das feurige Element in den Gedanken lebt. Alexander wußte sich noch in den Elementen der Welt lebend. Aber indem man sich in den Elementen der Welt lebend fühlte, fühlte man auch noch seine innige Verwandtschaft mit der Erde. Heute reist der Mensch nach Ost, nach West, nach Nord, nach Süd: er empfindet nicht, was da eigentlich alles auf ihn einstürmt, denn er sieht ja nur dasjenige, was seine äußeren Sinne wahrnehmen, und er sieht ja nur, was die irdischen Substanzen in ihm wahrnehmen, nicht was die Elemente in ihm wahrnehmen. Aber Aristoteles konnte den Alexander lehren: Wenn du auf der Erde nach dem Östen ziehst, ziehst du immer mehr und mehr hinein in ein dich austrocknendes Element. Du ziehst in das Trockene hinein (siehe Zeichnung).

[ 37 ] Aber das, was ich Ihnen bis jetzt charakterisiert habe, war ja nur der Ausgangspunkt für die Lehren, die Aristoteles dem Alexander gab. Die bezogen sich durchaus auf inneres Erleben. Und wenn ich, ich möchte sagen, in etwas kohlezeichnender Darstellung die Sache gebe, so muß ich folgendes sagen: Alexander lernte durch Aristoteles gut kennen, daß dasjenige, was draußen in der Welt lebt als das irdische, das wäßtige, das luftige, das feurige Element, auch im Menschen drinnen lebt, daß der Mensch in dieser Beziehung ein wirklicher Mikrokosmos ist, daß in ihm, in seinen Knochen, das irdische Element lebt, daß in seiner Blutzirkulation und in alle dem, was Säfte in ihm sind, Lebenssäfte sind, das wäßrige Element lebt; daß in ihm das luftige Element in der Atmung und Atmungserregung wirkt, in der Sprache wirkt, daß das feurige Element in den Gedanken lebt. Alexander wußte sich noch in den Elementen der Welt lebend. Aber indem man sich in den Elementen der Welt lebend fühlte, fühlte man auch noch seine innige Verwandtschaft mit der Erde. Heute reist der Mensch nach Ost, nach West, nach Nord, nach Süd: er empfindet nicht, was da eigentlich alles auf ihn einstürmt, denn er sieht ja nur dasjenige, was seine äußeren Sinne wahrnehmen, und er sieht ja nur, was die irdischen Substanzen in ihm wahrnehmen, nicht was die Elemente in ihm wahrnehmen. Aber Aristoteles konnte den Alexander lehren: Wenn du auf der Erde nach dem Östen ziehst, ziehst du immer mehr und mehr hinein in ein dich austrocknendes Element. Du ziehst in das Trockene hinein (siehe Zeichnung).

[ 38 ] Sie müssen sich das nicht so vorstellen, daß, wenn man nach Aisen hinüberzieht, man ganz austrocknet. Es ist natürlich das so, daß es feine Wirkungen sind, aber Wirkungen, die durchaus nach den Anleitungen des Aristoteles Alexander in sich empfand. Et konnte sich in Makedonien sagen: Ich habe einen gewissen Grad von Feuchtigkeit in mir; der vermindert seine Feuchtigkeit, indem ich nach Osten hinüberziehe. — So fühlte er mit der Wanderung auf der Erde die Konfiguration der Erde, wie man fühlt, sagen wir, wenn man einen Menschen berührt, über irgendeinen Teil seines Körpers streichelnd fährt, wie der Unterschied ist zwischen Nase und Augen und Mund. So nahm eine solche Persönlichkeit, wie die geschilderte, noch wahr, wie der Unterschied ist, wenn man sich erlebt, indem man immer mehr und mehr in das Trockene hineinkommt, und wie man sich erlebt, wenn man nach der anderen Seite, nach dem Westen, in das Feuchte hineinkommt.

[ 38 ] Sie müssen sich das nicht so vorstellen, daß, wenn man nach Aisen hinüberzieht, man ganz austrocknet. Es ist natürlich das so, daß es feine Wirkungen sind, aber Wirkungen, die durchaus nach den Anleitungen des Aristoteles Alexander in sich empfand. Et konnte sich in Makedonien sagen: Ich habe einen gewissen Grad von Feuchtigkeit in mir; der vermindert seine Feuchtigkeit, indem ich nach Osten hinüberziehe. — So fühlte er mit der Wanderung auf der Erde die Konfiguration der Erde, wie man fühlt, sagen wir, wenn man einen Menschen berührt, über irgendeinen Teil seines Körpers streichelnd fährt, wie der Unterschied ist zwischen Nase und Augen und Mund. So nahm eine solche Persönlichkeit, wie die geschilderte, noch wahr, wie der Unterschied ist, wenn man sich erlebt, indem man immer mehr und mehr in das Trockene hineinkommt, und wie man sich erlebt, wenn man nach der anderen Seite, nach dem Westen, in das Feuchte hineinkommt.

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[ 39 ] Die anderen Differenzierungen, die erleben die Menschen, wenn auch grob, noch heute. Gegen Norden erleben sie ja das Kalte, gegen Süden das Warme, das Feurige. Aber jenes Zusammenspiel von feucht-kalt, wenn man nach dem Nordwesten hinüberkam, das fühlen die Menschen nicht mehr. Aristoteles machte rege in Alexander, was Gilgamesch erlebt hat, als er den Zug nach dem Westen hinüber unternommen hatte. Und die Folge davon war, daß im unmittelbaren inneren Erleben der Schüler das wahrnehmen konnte, was nun eben erlebt wird in der Zwischenzone zwischen feucht und kalt nach Nordwesten hin: Wasser. Und es war durchaus nicht nur eine mögliche, sondern eine sehr wirkliche Redensart für einen solchen Menschen wie Alexander, daß er nicht sagte: Dahin geht der Zug, nach Nordwesten —, sondern: Dahin geht der Zug, wo das Element des Wassers die Oberhertschaft führt. — In der Zwischenzone zwischen feucht und warm liegt das Element, wo die Luft die Oberhertschaft führt. So war es in den alten griechisch-chthonischen Mysterien gelehrt, so war es in den alten samothrakischen Mysterien gelehrt, so war es von Aristoteles seinem unmittelbaren Schüler gelehrt. Und in der Zwischenzone zwischen kalt und trocken, also gegen Sibirien zu von Makedonien aus, wurde die Region der Erde erlebt, wo die Erde selbst, das Irdische die Oberherrschaft führte, das Element Erde, das Feste. In der Zwischenzone zwischen warm und trocken, also gegen Indien hin, wurde jene Region der Erde erlebt, wo vorherrschte das Feuerelement. Und so war es, daß der Schüler des Aristoteles nach Nordwesten zeigte und sagte: Da empfinde ich herwirkend auf der Erde die Wassergeister. — Daß er nach Südwesten zeigte und sagte: Da her empfinde ich die Luftgeister. Daß er nach Nordosten zeigte, und da die Geister der Erde vorzugsweise heranschweben sah. Daß er nach Südosten zeigte, gegen Indien zu, und die Geister des Feuers heranschweben oder in ihrem Elemente sah.

[ 39 ] Die anderen Differenzierungen, die erleben die Menschen, wenn auch grob, noch heute. Gegen Norden erleben sie ja das Kalte, gegen Süden das Warme, das Feurige. Aber jenes Zusammenspiel von feucht-kalt, wenn man nach dem Nordwesten hinüberkam, das fühlen die Menschen nicht mehr. Aristoteles machte rege in Alexander, was Gilgamesch erlebt hat, als er den Zug nach dem Westen hinüber unternommen hatte. Und die Folge davon war, daß im unmittelbaren inneren Erleben der Schüler das wahrnehmen konnte, was nun eben erlebt wird in der Zwischenzone zwischen feucht und kalt nach Nordwesten hin: Wasser. Und es war durchaus nicht nur eine mögliche, sondern eine sehr wirkliche Redensart für einen solchen Menschen wie Alexander, daß er nicht sagte: Dahin geht der Zug, nach Nordwesten —, sondern: Dahin geht der Zug, wo das Element des Wassers die Oberhertschaft führt. — In der Zwischenzone zwischen feucht und warm liegt das Element, wo die Luft die Oberhertschaft führt. So war es in den alten griechisch-chthonischen Mysterien gelehrt, so war es in den alten samothrakischen Mysterien gelehrt, so war es von Aristoteles seinem unmittelbaren Schüler gelehrt. Und in der Zwischenzone zwischen kalt und trocken, also gegen Sibirien zu von Makedonien aus, wurde die Region der Erde erlebt, wo die Erde selbst, das Irdische die Oberherrschaft führte, das Element Erde, das Feste. In der Zwischenzone zwischen warm und trocken, also gegen Indien hin, wurde jene Region der Erde erlebt, wo vorherrschte das Feuerelement. Und so war es, daß der Schüler des Aristoteles nach Nordwesten zeigte und sagte: Da empfinde ich herwirkend auf der Erde die Wassergeister. — Daß er nach Südwesten zeigte und sagte: Da her empfinde ich die Luftgeister. Daß er nach Nordosten zeigte, und da die Geister der Erde vorzugsweise heranschweben sah. Daß er nach Südosten zeigte, gegen Indien zu, und die Geister des Feuers heranschweben oder in ihrem Elemente sah.

[ 40 ] Und Sie empfinden jene tiefe Verwandtschaft gegenüber dem Natürlichen und gegenüber dem Moralischen, wenn ich jetzt am Schlusse sage, es entstand in Alexander die Redensart: Ich muß aus dem kaltfeuchten Elemente heraus mich ins Feuer stürzen, den Zug nach Indien unternehmen! — Das war eine Redensart, die ebenso an Natürliches anknüpfte, wie sie anknüpfte an Moralisches, wovon wir dann morgen sprechen wollen. Aber ich wollte Sie hineinführen anschaulich in dasjenige, was da lebte. Denn in dem, was da verhandelt wurde zwischen Alexander und Aristoteles, sehen Sie zu gleicher Zeit sich spiegeln den ganzen Umschwung in der weltgeschichtlichen Entwickelung. Man konnte noch im intimen Unterricht in der damaligen Zeit sprechen von den großen Mysterien der vergangenen Zeit. Dann nahm die Menschheit nur mehr das Logische, das Abstrakte, die Kategorien auf, während sie das andere zutückstieß. Daher deuten wir damit zugleich auf einen ungeheuren Umschwung in der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit, auf einen allerwichtigsten Punkt in dem ganzen Hergang der europäischen Zivilisation in ihrem Zusammenhange mit dem Orient. Davon dann morgen weiter.

[ 40 ] Und Sie empfinden jene tiefe Verwandtschaft gegenüber dem Natürlichen und gegenüber dem Moralischen, wenn ich jetzt am Schlusse sage, es entstand in Alexander die Redensart: Ich muß aus dem kaltfeuchten Elemente heraus mich ins Feuer stürzen, den Zug nach Indien unternehmen! — Das war eine Redensart, die ebenso an Natürliches anknüpfte, wie sie anknüpfte an Moralisches, wovon wir dann morgen sprechen wollen. Aber ich wollte Sie hineinführen anschaulich in dasjenige, was da lebte. Denn in dem, was da verhandelt wurde zwischen Alexander und Aristoteles, sehen Sie zu gleicher Zeit sich spiegeln den ganzen Umschwung in der weltgeschichtlichen Entwickelung. Man konnte noch im intimen Unterricht in der damaligen Zeit sprechen von den großen Mysterien der vergangenen Zeit. Dann nahm die Menschheit nur mehr das Logische, das Abstrakte, die Kategorien auf, während sie das andere zutückstieß. Daher deuten wir damit zugleich auf einen ungeheuren Umschwung in der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit, auf einen allerwichtigsten Punkt in dem ganzen Hergang der europäischen Zivilisation in ihrem Zusammenhange mit dem Orient. Davon dann morgen weiter.