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World History from an Anthroposophical Perspective
GA 233

29 December 1923, Dornach

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Sechster Vortrag

Sechster Vortrag

[ 1 ] Die Zeit drei bis vier Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha, drei bis vier Jahrhunderte nachher, was einen Zeitraum von sechs bis acht Jahrhunderten gibt, diese Zeit ist für das Verständnis der Geschichte des Abendlandes in ihrem Anschlusse an das Morgenland ganz besonders wichtig. Das Wesentliche der Ereignisse, von denen ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe und die da gipfelten im Auftreten des Aristotelismus und in den Alexanderzügen von Makedonien nach Asien hinüber, das Wesentliche dieser Ereignisse ist, daß sie eine Art von Abschluß bilden für jene Zivilisation des Orients, die noch ganz und gar getaucht war in die Impulse des Mysterienwesens.

[ 1 ] Die Zeit drei bis vier Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha, drei bis vier Jahrhunderte nachher, was einen Zeitraum von sechs bis acht Jahrhunderten gibt, diese Zeit ist für das Verständnis der Geschichte des Abendlandes in ihrem Anschlusse an das Morgenland ganz besonders wichtig. Das Wesentliche der Ereignisse, von denen ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe und die da gipfelten im Auftreten des Aristotelismus und in den Alexanderzügen von Makedonien nach Asien hinüber, das Wesentliche dieser Ereignisse ist, daß sie eine Art von Abschluß bilden für jene Zivilisation des Orients, die noch ganz und gar getaucht war in die Impulse des Mysterienwesens.

[ 2 ] Der letzte Abschluß sozusagen dieser noch echten, reinen Mysterienimpulse des Orients war ja der frevlerische Brand von Ephesus. Und wir haben es dann zu tun mit demjenigen, was sozusagen für Europa, für Griechenland, dann übrigbleibt an Mysterientradition, an Schattenbildern, möchte ich sagen, der alten gottdurchdrungenen Zivilisation. Und vier Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha können wir sozusagen sehen durch ein anderes Ereignis, was noch vorhanden war von den Trümmern des Mysterienwesens. Wir können es sehen an Julianus Apostata. Julianus Apostata, der römische Kaiser, wird im 4. Jahrhundert in dasjenige eingeweiht, in das man eben eingeweiht werden konnte, von einem der letzten Hierophanten der eleusinischen Mysterien. Das heißt, Julianus Apostata erfuhr ebensoviel von dem, was die älteren Göttergeheimnisse des Orients waren, als im 4. nachchristlichen Jahrhundert in den Eleusinien noch zu erfahren war.

[ 2 ] Der letzte Abschluß sozusagen dieser noch echten, reinen Mysterienimpulse des Orients war ja der frevlerische Brand von Ephesus. Und wir haben es dann zu tun mit demjenigen, was sozusagen für Europa, für Griechenland, dann übrigbleibt an Mysterientradition, an Schattenbildern, möchte ich sagen, der alten gottdurchdrungenen Zivilisation. Und vier Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha können wir sozusagen sehen durch ein anderes Ereignis, was noch vorhanden war von den Trümmern des Mysterienwesens. Wir können es sehen an Julianus Apostata. Julianus Apostata, der römische Kaiser, wird im 4. Jahrhundert in dasjenige eingeweiht, in das man eben eingeweiht werden konnte, von einem der letzten Hierophanten der eleusinischen Mysterien. Das heißt, Julianus Apostata erfuhr ebensoviel von dem, was die älteren Göttergeheimnisse des Orients waren, als im 4. nachchristlichen Jahrhundert in den Eleusinien noch zu erfahren war.

[ 3 ] Damit haben wir an einem Punkt, dem Ausgangspunkt eines gewissen Zeitalters, den Brand von Ephesus stehen. An dem Tage des Brandes von Ephesus ist der Geburtstag Alexanders des Großen. Wir haben am Ende dieser Epoche stehen, 363, den Todestag, den gewaltsamen Tod Julianus Apostatas drüben in Asien. Man möchte sagen: Mitten drinnen in diesem Zeitraume steht das Mysterium von Golgatha. Und nun sehen wir uns einmal an, wie sich dieser Zeitraum, den ich eben begrenzt habe, eigentlich ausnimmt in der ganzen Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Wir haben ja jetzt die merkwürdige Tatsache vor uns liegen, daß, wenn wir zurückschauen wollen jenseits dieses Zeitraumes in die Entwickelung der Menschheit hinein, wir etwas tun müssen in unserem Anschauen, das sehr ähnlich ist einem anderen. Nur bringen wir die beiden Dinge oftmals nicht zusammen,

[ 3 ] Damit haben wir an einem Punkt, dem Ausgangspunkt eines gewissen Zeitalters, den Brand von Ephesus stehen. An dem Tage des Brandes von Ephesus ist der Geburtstag Alexanders des Großen. Wir haben am Ende dieser Epoche stehen, 363, den Todestag, den gewaltsamen Tod Julianus Apostatas drüben in Asien. Man möchte sagen: Mitten drinnen in diesem Zeitraume steht das Mysterium von Golgatha. Und nun sehen wir uns einmal an, wie sich dieser Zeitraum, den ich eben begrenzt habe, eigentlich ausnimmt in der ganzen Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Wir haben ja jetzt die merkwürdige Tatsache vor uns liegen, daß, wenn wir zurückschauen wollen jenseits dieses Zeitraumes in die Entwickelung der Menschheit hinein, wir etwas tun müssen in unserem Anschauen, das sehr ähnlich ist einem anderen. Nur bringen wir die beiden Dinge oftmals nicht zusammen,

[ 4 ] Erinnern Sie sich, wie ich genötigt war darzustellen in meiner «Theosophie» die Welten, die für uns in Betracht kommen: die physische Welt, daran grenzend eine Übergangswelt, die Seelenwelt, und dann als die Welt, in die nur Eintritt gewinnen kann der höchste Teil des Menschen, das Geisterland. Und wenn man absieht von den besonderen Eigentümlichkeiten dieses Geisterlandes, das gegenwärtig der Mensch durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn man so auf die allgemeinen Eigentümlichkeiten des Geisterlandes sieht, dann ist es so, daß wir in ganz ähnlicher Weise, wie wir umorientieren müssen unsere Seelenverfassung, um dieses Geisterland zu begreifen, umorientieren müssen unsere Seelenverfassung, um dasjenige zu begreifen, was jenseits dieses Zeitpunktes liegt. Mit den Begriffen und Vorstellungen, die auf die heutige Welt anwendbar sind, sollen wir nur ja nicht glauben, dasjenige verstehen zu können, was hinter dem Brande von Ephesus liegt. Da muß man andere Begriffe und Vorstellungen ausbilden, die einem eben gestatten, hinzuschauen auf Menschen, die noch wußten, daß sie, so wie der Mensch im Atmungsprozesse mit der äußeren Luft, sie durch ihre Seele fortdauernd mit den Göttern zusammenhängen.

[ 4 ] Erinnern Sie sich, wie ich genötigt war darzustellen in meiner «Theosophie» die Welten, die für uns in Betracht kommen: die physische Welt, daran grenzend eine Übergangswelt, die Seelenwelt, und dann als die Welt, in die nur Eintritt gewinnen kann der höchste Teil des Menschen, das Geisterland. Und wenn man absieht von den besonderen Eigentümlichkeiten dieses Geisterlandes, das gegenwärtig der Mensch durchmacht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn man so auf die allgemeinen Eigentümlichkeiten des Geisterlandes sieht, dann ist es so, daß wir in ganz ähnlicher Weise, wie wir umorientieren müssen unsere Seelenverfassung, um dieses Geisterland zu begreifen, umorientieren müssen unsere Seelenverfassung, um dasjenige zu begreifen, was jenseits dieses Zeitpunktes liegt. Mit den Begriffen und Vorstellungen, die auf die heutige Welt anwendbar sind, sollen wir nur ja nicht glauben, dasjenige verstehen zu können, was hinter dem Brande von Ephesus liegt. Da muß man andere Begriffe und Vorstellungen ausbilden, die einem eben gestatten, hinzuschauen auf Menschen, die noch wußten, daß sie, so wie der Mensch im Atmungsprozesse mit der äußeren Luft, sie durch ihre Seele fortdauernd mit den Göttern zusammenhängen.

[ 5 ] Und nun, sehen wir uns an diese Welt, die gewissermaßen ein irdisches Devachan, ein irdisches Geisterland ist, denn die physische Welt nützt nichts für diese Welt. Dann haben wir jene Zwischenzeit von meinetwillen 356 vor Christus bis 363 nach Christus. Und was liegt nun jenseits davon? Jenseits davon gegen Asien hin, jenseits gegen Europa zu liegt die Welt, aus der die gegenwärtige Menschheit eben im Begriffe ist ebenso herauszukommen, wie die alte Menschheit aus der orientalischen Welt über die griechische ins Römerreich hineingekommen ist (siehe Zeichnung). Denn dasjenige, was durch die Jahrhunderte des Mittelalters bis in unsere Zeiten herein sich als Zivilisation entwickelt hat, das ist eine Zivilisation, welche sich gebildet, entfaltet hat, abgesehen von dem eigentlichen Inneren des Mysterienwesens, welche sich entwickelt hat auf der Grundlage dessen, was der Mensch mit seinen Begriffen und Vorstellungen ausbilden kann. In Griechenland hatte es sich schon vorbereitet seit Herodot, der in äußerlicher Weise die Tatsachen der Geschichte beschrieben hat und nicht mehr an das Geistige oder wenigstens nur höchst mangelhaft an das Geistige herangetreten ist. Dann bildet sich das immer mehr und mehr aus. Aber in Griechenland bleibt immer noch etwas von dem Hauche jener Schattenbilder, die an das geistige Leben erinnern sollten. In Rom dagegen beginnt jenes Zeitalter, dem die Menschheit der Gegenwart noch verwandt ist, jenes Zeitalter, das in einer ganz anderen Weise eine Seelenverfassung hat, als selbst diejenige Griechenlandes noch war. Nur solch eine Persönlichkeit wie Julianus Apostata empfindet etwas wie eine unbesiegliche Sehnsucht nach der alten Welt, und er läßt sich mit einer gewissen Ehrlichkeit in die eleusinischen Mysterien einweihen. Aber es hat keine Erkenntniskraft mehr, was er da bekommt. Und vor allen Dingen, er entstammt einer Welt, die mit dem Inneren der Seele nicht mehr voll ergreifen kann, was da an Traditionen aus dem Mysterienwesen des Orients vorhanden war.

[ 5 ] Und nun, sehen wir uns an diese Welt, die gewissermaßen ein irdisches Devachan, ein irdisches Geisterland ist, denn die physische Welt nützt nichts für diese Welt. Dann haben wir jene Zwischenzeit von meinetwillen 356 vor Christus bis 363 nach Christus. Und was liegt nun jenseits davon? Jenseits davon gegen Asien hin, jenseits gegen Europa zu liegt die Welt, aus der die gegenwärtige Menschheit eben im Begriffe ist ebenso herauszukommen, wie die alte Menschheit aus der orientalischen Welt über die griechische ins Römerreich hineingekommen ist (siehe Zeichnung). Denn dasjenige, was durch die Jahrhunderte des Mittelalters bis in unsere Zeiten herein sich als Zivilisation entwickelt hat, das ist eine Zivilisation, welche sich gebildet, entfaltet hat, abgesehen von dem eigentlichen Inneren des Mysterienwesens, welche sich entwickelt hat auf der Grundlage dessen, was der Mensch mit seinen Begriffen und Vorstellungen ausbilden kann. In Griechenland hatte es sich schon vorbereitet seit Herodot, der in äußerlicher Weise die Tatsachen der Geschichte beschrieben hat und nicht mehr an das Geistige oder wenigstens nur höchst mangelhaft an das Geistige herangetreten ist. Dann bildet sich das immer mehr und mehr aus. Aber in Griechenland bleibt immer noch etwas von dem Hauche jener Schattenbilder, die an das geistige Leben erinnern sollten. In Rom dagegen beginnt jenes Zeitalter, dem die Menschheit der Gegenwart noch verwandt ist, jenes Zeitalter, das in einer ganz anderen Weise eine Seelenverfassung hat, als selbst diejenige Griechenlandes noch war. Nur solch eine Persönlichkeit wie Julianus Apostata empfindet etwas wie eine unbesiegliche Sehnsucht nach der alten Welt, und er läßt sich mit einer gewissen Ehrlichkeit in die eleusinischen Mysterien einweihen. Aber es hat keine Erkenntniskraft mehr, was er da bekommt. Und vor allen Dingen, er entstammt einer Welt, die mit dem Inneren der Seele nicht mehr voll ergreifen kann, was da an Traditionen aus dem Mysterienwesen des Orients vorhanden war.

[ 6 ] Die heutige Menschheit wäre nimmermehr entstanden, wenn eben nicht auf Asien Griechenland, Rom gefolgt wäre. Die heutige Menschheit ist jene Menschheit, die auf Persönlichkeit, auf die individuelle Persönlichkeit des Einzelnen gebaut ist. Die orientalische Persönlichkeit, die orientalische Menschheit war nicht auf die individuelle Persönlichkeit des Einzelnen gebaut. Der einzelne fühlte sich als ein Glied des fortlaufenden göttlichen Prozesses. Die Götter hatten ihre Absichten mit der Erdenentwickelung, die Götter wollten dies oder jenes; daher geschah dies oder jenes hier unten auf der Erde. Im Willen der Menschen wirkten inspirierend die Götter. Alles dasjenige, was die machtvollen Persönlichkeiten, auf die ich Ihnen hingedeutet habe, im Orient getan haben, war Götterinspiration. Die Götter wollten, und die Menschen taten. Und die Mysterien waren gerade dazu angetan in den älteren Zeiten, dieses Götterwollen und Menschentun in die richtigen Geleise zu bringen.

[ 6 ] Die heutige Menschheit wäre nimmermehr entstanden, wenn eben nicht auf Asien Griechenland, Rom gefolgt wäre. Die heutige Menschheit ist jene Menschheit, die auf Persönlichkeit, auf die individuelle Persönlichkeit des Einzelnen gebaut ist. Die orientalische Persönlichkeit, die orientalische Menschheit war nicht auf die individuelle Persönlichkeit des Einzelnen gebaut. Der einzelne fühlte sich als ein Glied des fortlaufenden göttlichen Prozesses. Die Götter hatten ihre Absichten mit der Erdenentwickelung, die Götter wollten dies oder jenes; daher geschah dies oder jenes hier unten auf der Erde. Im Willen der Menschen wirkten inspirierend die Götter. Alles dasjenige, was die machtvollen Persönlichkeiten, auf die ich Ihnen hingedeutet habe, im Orient getan haben, war Götterinspiration. Die Götter wollten, und die Menschen taten. Und die Mysterien waren gerade dazu angetan in den älteren Zeiten, dieses Götterwollen und Menschentun in die richtigen Geleise zu bringen.

[ 7 ] Erst in Ephesus war das anders geworden. Da waren, wie ich Ihnen sagte, die Mysterienschüler auf ihre eigene Reife, nicht mehr auf Jahreszeitenlauf angewiesen. Da war zuerst die erste Spur von Persönlichkeit aufgetreten. Da hatten auch Aristoteles und Alexander der Große in früheren Inkarnationen den Impuls der Persönlichkeit empfangen. Aber nun kam die Zeit, die ihre Morgendämmerung da hat, wo Julianus Apostata die letzte Sehnsucht bekommt, ein Mensch des Mysterienwesens des Orients zu sein. Nun kommt die Zeit, in der es in der menschlichen Seele ganz anders wird, als es selbst in Griechenland war.

[ 7 ] Erst in Ephesus war das anders geworden. Da waren, wie ich Ihnen sagte, die Mysterienschüler auf ihre eigene Reife, nicht mehr auf Jahreszeitenlauf angewiesen. Da war zuerst die erste Spur von Persönlichkeit aufgetreten. Da hatten auch Aristoteles und Alexander der Große in früheren Inkarnationen den Impuls der Persönlichkeit empfangen. Aber nun kam die Zeit, die ihre Morgendämmerung da hat, wo Julianus Apostata die letzte Sehnsucht bekommt, ein Mensch des Mysterienwesens des Orients zu sein. Nun kommt die Zeit, in der es in der menschlichen Seele ganz anders wird, als es selbst in Griechenland war.

[ 8 ] Stellen Sie sich noch solch einen Menschen vor, der in den ephesischen Mysterien etwa seine Schulung erlangt hat. Nicht durch die ephesischen Mysterien, sondern dadurch, daß er in jener Zeit lebte, war es so in seiner Seele. Sehen Sie, wenn heute ein Mensch sich besinnt, wie man sagt, auf was kann er sich besinnen? Er kann sich besinnen auf irgend etwas, was er persönlich seit seiner Geburt erlebt hat. Da ist ein Mensch von einem bestimmten Alter; er besinnt sich auf dasjenige, was er vor zwanzig, dreißig Jahren erlebt hat. Die innere Gedankenbesinnung führt nicht weiter als in das persönliche Leben. $o war es nicht bei den Menschen, die zum Beispiel noch die ephesische Zivilisation mitmachten. Wenn diese nur eine Spur jener Schulung hatten, die in Ephesus zu erlangen war, dann kam es, indem sie sich besannen, daß auftauchten in ihrer Seele, wie heute die Erinnerungen an das persönliche Leben auftauchen, die Ereignisse des vorirdischen Daseins und auch die Ereignisse, die der Erdenentwickelung in den einzelnen Reichen der Natur vorangegangen sind: Mondenentwickelung, Sonnenentwickelung. Da konnte man in sich hineinschauen, und man schaute Kosmisches, Verbindung des Menschen mit Kosmischem, gleichsam das Hängen des Menschen an dem Kosmischen. Das, was in der menschlichen Seele lebte, war Selbsterinnerung.

[ 8 ] Stellen Sie sich noch solch einen Menschen vor, der in den ephesischen Mysterien etwa seine Schulung erlangt hat. Nicht durch die ephesischen Mysterien, sondern dadurch, daß er in jener Zeit lebte, war es so in seiner Seele. Sehen Sie, wenn heute ein Mensch sich besinnt, wie man sagt, auf was kann er sich besinnen? Er kann sich besinnen auf irgend etwas, was er persönlich seit seiner Geburt erlebt hat. Da ist ein Mensch von einem bestimmten Alter; er besinnt sich auf dasjenige, was er vor zwanzig, dreißig Jahren erlebt hat. Die innere Gedankenbesinnung führt nicht weiter als in das persönliche Leben. $o war es nicht bei den Menschen, die zum Beispiel noch die ephesische Zivilisation mitmachten. Wenn diese nur eine Spur jener Schulung hatten, die in Ephesus zu erlangen war, dann kam es, indem sie sich besannen, daß auftauchten in ihrer Seele, wie heute die Erinnerungen an das persönliche Leben auftauchen, die Ereignisse des vorirdischen Daseins und auch die Ereignisse, die der Erdenentwickelung in den einzelnen Reichen der Natur vorangegangen sind: Mondenentwickelung, Sonnenentwickelung. Da konnte man in sich hineinschauen, und man schaute Kosmisches, Verbindung des Menschen mit Kosmischem, gleichsam das Hängen des Menschen an dem Kosmischen. Das, was in der menschlichen Seele lebte, war Selbsterinnerung.

[ 9 ] Wir können also sagen: Wir haben da ein Zeitalter, jenes Zeitalter, in dem man in Ephesus erleben konnte die Weltgeheimnisse. Da war ein Erinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos. Diesem Erinnern ging voran ein wirkliches Drinnenleben in der Vorzeit. Es blieb davon einfach ein Hineinschauen in die Vorzeit. In der Zeit, von der das Gilgamesch-Epos erzählt, da können wir nicht sagen: Erinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos; da müssen wir sagen: ein Erleben der Vorzeit in der Gegenwart. — Nun kommt jener Zeitraum von Alexander bis Julianus Apostata. Wir wollen ihn zunächst auslassen. Und dann kommen wir zu dem Zeitalter, aus dem die abendländische Zivilisation des Mittelalters und der Neuzeit herausgewachsen ist. Da gab es nicht mehr ein Etinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos, nicht mehr ein Erleben der Vorzeit in der Gegenwart, sondern da gab es nur noch Tradition.

[ 9 ] Wir können also sagen: Wir haben da ein Zeitalter, jenes Zeitalter, in dem man in Ephesus erleben konnte die Weltgeheimnisse. Da war ein Erinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos. Diesem Erinnern ging voran ein wirkliches Drinnenleben in der Vorzeit. Es blieb davon einfach ein Hineinschauen in die Vorzeit. In der Zeit, von der das Gilgamesch-Epos erzählt, da können wir nicht sagen: Erinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos; da müssen wir sagen: ein Erleben der Vorzeit in der Gegenwart. — Nun kommt jener Zeitraum von Alexander bis Julianus Apostata. Wir wollen ihn zunächst auslassen. Und dann kommen wir zu dem Zeitalter, aus dem die abendländische Zivilisation des Mittelalters und der Neuzeit herausgewachsen ist. Da gab es nicht mehr ein Etinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos, nicht mehr ein Erleben der Vorzeit in der Gegenwart, sondern da gab es nur noch Tradition.

Erstens: Erleben der Vorzeit in der Gegenwart.
Zweitens: Erinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos.
Drittens: Tradition.

Erstens: Erleben der Vorzeit in der Gegenwart.
Zweitens: Erinnern der Menschenseele an die Vorzeit im Kosmos.
Drittens: Tradition.

Blackboard 9Blackboard 9

[ 10 ] Man konnte dasjenige aufschreiben, was geschehen ist. Geschichte entstand. Diese Geschichte beginnt mit dem römischen Zeitalter. Denken Sie sich den gewaltigen Unterschied! Denken Sie sich die Zeit, die mitgemacht wurde von den älteren ephesischen Schülern. Die brauchten keine Geschichtsbücher. Aufschreiben dasjenige, was geschehen ist, wäre ihnen lächerlich erschienen. Denn man mußte nachdenken, genügend tief nachdenken, dann kam herauf aus dem Untergrunde des Bewußtseins dasjenige, was geschehen ist. Und kein moderner Medikus war da, der das als Psychoanalyse darstellte, sondern es war gerade das Entzücken der Menschenseele, in dieser Weise heraufzuholen aus einem lebendigen Erinnern dasjenige, was einstmals da war.

[ 10 ] Man konnte dasjenige aufschreiben, was geschehen ist. Geschichte entstand. Diese Geschichte beginnt mit dem römischen Zeitalter. Denken Sie sich den gewaltigen Unterschied! Denken Sie sich die Zeit, die mitgemacht wurde von den älteren ephesischen Schülern. Die brauchten keine Geschichtsbücher. Aufschreiben dasjenige, was geschehen ist, wäre ihnen lächerlich erschienen. Denn man mußte nachdenken, genügend tief nachdenken, dann kam herauf aus dem Untergrunde des Bewußtseins dasjenige, was geschehen ist. Und kein moderner Medikus war da, der das als Psychoanalyse darstellte, sondern es war gerade das Entzücken der Menschenseele, in dieser Weise heraufzuholen aus einem lebendigen Erinnern dasjenige, was einstmals da war.

[ 11 ] Dann kam die Zeit, in der die Menschheit als solche vergessen hatte und notdürftig aufschreiben mußte dasjenige, was geschehen ist. Aber während die Menschheit das verkümmern lassen mußte, was früher in der Menschenseele kosmische Erinnerungskraft war, während die Menschheit stümperhaft anfangen mußte aufzuschreiben die Weltereignisse, Geschichte zu schreiben und so weiter, während der Zeit entwickelte sich im menschlichen Inneren das persönliche Gedächtnis, die persönliche Erinnerung. — Jedes Zeitalter hat seine besondere Mission, seine besondere Aufgabe. — Sie haben hier die andere Seite desjenigen, was ich schon in den allerersten Vorträgen so dargelegt habe, daß das Zeitengedächtnis auftrat. Dieses Zeitengedächtnis hatte seine erste Wiege in Griechenland, entwickelte sich aber dann eben durch die römisch-romanische Kultur in das Mittelalter herein bis in die Neuzeit herauf. Und daß zur Zeit des Julianus Apostata schon durchaus die Keime gelegt waren zu dieser Persönlichkeitskultur, dafür ist eben ein Beweis, daß es Julianus Apostata im Grunde genommen nichts mehr genützt hat, daß er sich in die eleusinischen Mysterien einweihen ließ.

[ 11 ] Dann kam die Zeit, in der die Menschheit als solche vergessen hatte und notdürftig aufschreiben mußte dasjenige, was geschehen ist. Aber während die Menschheit das verkümmern lassen mußte, was früher in der Menschenseele kosmische Erinnerungskraft war, während die Menschheit stümperhaft anfangen mußte aufzuschreiben die Weltereignisse, Geschichte zu schreiben und so weiter, während der Zeit entwickelte sich im menschlichen Inneren das persönliche Gedächtnis, die persönliche Erinnerung. — Jedes Zeitalter hat seine besondere Mission, seine besondere Aufgabe. — Sie haben hier die andere Seite desjenigen, was ich schon in den allerersten Vorträgen so dargelegt habe, daß das Zeitengedächtnis auftrat. Dieses Zeitengedächtnis hatte seine erste Wiege in Griechenland, entwickelte sich aber dann eben durch die römisch-romanische Kultur in das Mittelalter herein bis in die Neuzeit herauf. Und daß zur Zeit des Julianus Apostata schon durchaus die Keime gelegt waren zu dieser Persönlichkeitskultur, dafür ist eben ein Beweis, daß es Julianus Apostata im Grunde genommen nichts mehr genützt hat, daß er sich in die eleusinischen Mysterien einweihen ließ.

[ 12 ] Nun kommt also die Zeit, in der der Mensch im Abendlande vom 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert an bis in unsere Zeit herein während seines Erdenlebens ganz außerhalb der geistigen Welt lebt, die Zeit, in der er in bloßen Begriffen und Ideen, in Abstraktionen lebt. In Rom werden selbst die Götter zu Abstraktionen. Es kommt die Zeit, in der die Menschheit nichts mehr weiß von dem lebendigen Zusammenleben mit der geistigen Welt. Die Erde ist nicht mehr Asia, das unterste Gebiet der Himmel, die Erde ist eine Welt für sich, und die Himmel sind ferne, sind abgedämpft im menschlichen Anschauen. So daß man sagen kann: Die Persönlichkeit entwickelt der Mensch unter dem Einflusse desjenigen, was als römische Kultur über das Abendland gekommen ist.

[ 12 ] Nun kommt also die Zeit, in der der Mensch im Abendlande vom 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert an bis in unsere Zeit herein während seines Erdenlebens ganz außerhalb der geistigen Welt lebt, die Zeit, in der er in bloßen Begriffen und Ideen, in Abstraktionen lebt. In Rom werden selbst die Götter zu Abstraktionen. Es kommt die Zeit, in der die Menschheit nichts mehr weiß von dem lebendigen Zusammenleben mit der geistigen Welt. Die Erde ist nicht mehr Asia, das unterste Gebiet der Himmel, die Erde ist eine Welt für sich, und die Himmel sind ferne, sind abgedämpft im menschlichen Anschauen. So daß man sagen kann: Die Persönlichkeit entwickelt der Mensch unter dem Einflusse desjenigen, was als römische Kultur über das Abendland gekommen ist.

[ 13 ] Geradeso wie an die Geisteswelt, das Geisterland, das oben ist, unten eine Seelenwelt angrenzt, so grenzt nun auch der Zeit nach dasjenige an diese geistige orientalische Welt an, was die Zivilisation des Abendlandes ist: eine Art Seelenwelt. Und diese Seelenwelt zeigt sich eigentlich direkt bis in unsere Tage herein. Aber die Menschheit merkt heute in ihren meisten Exemplaren noch nicht, daß tatsächlich ein mächtiger Umschwung im Gange ist. Einzelne der Freunde, die mich öfter hören, werden wissen, daß ich nicht gern davon spreche, daß ein Zeitalter ein Übergangszeitalter ist, denn es ist eben jedes Zeitalter ein Übergangszeitalter, nämlich vom Früheren zum Späteren. Es kommt nur darauf an, von was zu was der Übergang stattfindet. Aber gerade mit dem, was ich Ihnen gesagt habe, ist hingedeutet darauf, daß dieser Übergang so ist, wie wenn man vom Geisterland in die Seelenwelt und von da erst in die physische Welt kommt. Oh, es gab noch immer in der Zivilisation, die bisher sich entwickelt hat, gewisse geistige Anklänge! Selbst im Materialismus verrieten sich gewisse geistige Anklänge. Der eigentliche Materialismus auf allen Gebieten, er ist erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts da, und er wird noch von den wenigsten Menschen in seiner vollen Bedeutung verstanden. Aber er ist da mit einer riesigen Kraft, und es ist heute eine Übergangszeit zu einer dritten Welt, die wirklich von der vorhergehenden so verschieden ist, wie diese vorhergehende römische von der orientalischen verschieden ist.

[ 13 ] Geradeso wie an die Geisteswelt, das Geisterland, das oben ist, unten eine Seelenwelt angrenzt, so grenzt nun auch der Zeit nach dasjenige an diese geistige orientalische Welt an, was die Zivilisation des Abendlandes ist: eine Art Seelenwelt. Und diese Seelenwelt zeigt sich eigentlich direkt bis in unsere Tage herein. Aber die Menschheit merkt heute in ihren meisten Exemplaren noch nicht, daß tatsächlich ein mächtiger Umschwung im Gange ist. Einzelne der Freunde, die mich öfter hören, werden wissen, daß ich nicht gern davon spreche, daß ein Zeitalter ein Übergangszeitalter ist, denn es ist eben jedes Zeitalter ein Übergangszeitalter, nämlich vom Früheren zum Späteren. Es kommt nur darauf an, von was zu was der Übergang stattfindet. Aber gerade mit dem, was ich Ihnen gesagt habe, ist hingedeutet darauf, daß dieser Übergang so ist, wie wenn man vom Geisterland in die Seelenwelt und von da erst in die physische Welt kommt. Oh, es gab noch immer in der Zivilisation, die bisher sich entwickelt hat, gewisse geistige Anklänge! Selbst im Materialismus verrieten sich gewisse geistige Anklänge. Der eigentliche Materialismus auf allen Gebieten, er ist erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts da, und er wird noch von den wenigsten Menschen in seiner vollen Bedeutung verstanden. Aber er ist da mit einer riesigen Kraft, und es ist heute eine Übergangszeit zu einer dritten Welt, die wirklich von der vorhergehenden so verschieden ist, wie diese vorhergehende römische von der orientalischen verschieden ist.

[ 14 ] Nun, ich möchte sagen, es ist gewissermaßen ein Zeitraum ausgespart worden zwischen Alexander und Julianus, und in die Mitte dieses Zeitraumes hinein fällt das Mysterium von Golgatha. Dieses Mysterium von Golgatha wird von der Menschheit nicht mehr so empfangen wie zur Zeit, da die Menschen die Mysterien begriffen haben, sonst würde man ja ganz andere Vorstellungen von dem Christus gehabt haben, der in dem Menschen Jesus von Nazareth gelebt hat. Aber nur wenige Menschen, die in die Mysterien eingeweihten Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha, hatten noch solche Vorstellungen. Die weitaus größte Zahl der abendländischen Menschheit hatte keine Vorstellungen, um spirituell das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Daher war die erste Art, wie das Mysterium von Golgatha auf Erden Platz gegriffen hat, die durch äußere Tradition, durch die äußere Überlieferung. Nur in Eingeweihtenkreisen in den allerersten Jahrhunderten war es so, daß man auch spirituell begreifen konnte, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen war.

[ 14 ] Nun, ich möchte sagen, es ist gewissermaßen ein Zeitraum ausgespart worden zwischen Alexander und Julianus, und in die Mitte dieses Zeitraumes hinein fällt das Mysterium von Golgatha. Dieses Mysterium von Golgatha wird von der Menschheit nicht mehr so empfangen wie zur Zeit, da die Menschen die Mysterien begriffen haben, sonst würde man ja ganz andere Vorstellungen von dem Christus gehabt haben, der in dem Menschen Jesus von Nazareth gelebt hat. Aber nur wenige Menschen, die in die Mysterien eingeweihten Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha, hatten noch solche Vorstellungen. Die weitaus größte Zahl der abendländischen Menschheit hatte keine Vorstellungen, um spirituell das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Daher war die erste Art, wie das Mysterium von Golgatha auf Erden Platz gegriffen hat, die durch äußere Tradition, durch die äußere Überlieferung. Nur in Eingeweihtenkreisen in den allerersten Jahrhunderten war es so, daß man auch spirituell begreifen konnte, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen war.

[ 15 ] Aber etwas anderes war noch da, wovon ich schon zu einigen von Ihnen in kurz vorangegangenen Vorträgen gesprochen habe. Drüben in Hybernia, in Irland, waren die Nachklänge der alten atlantischen Weisheit. In den Mysterien von Hybernia, die ich Ihnen vorgestern skizziert habe, waren für den Schüler in den zwei suggestiven Gestalten die Möglichkeiten vorhanden, scharf so die Welt zu sehen, wie sie die alten Atlantier gesehen haben. Und streng in sich abgeschlossen, in eine Atmosphäre von ungeheurem Ernst gehüllt, waren diese Mysterien von Hybernia. Sie waren da in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha, sie waren auch da zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Drüben in Asien ging vor sich das Mysterium von Golgatha, in Jerusalem spielte sich dasjenige ab, was dann traditionell historisch mitgeteilt wird in den Evangelien. Aber ohne daß irgendein menschlicher Mund eine Nachricht überbracht hätte, ohne daß irgendeine andere Verbindung dagewesen wäre, wußte man hellsichtig in den Mysterien von Hybernia in dem Momente, als das Mysterium von Golgatha sich tragisch vollzog, daß in Palästina das reale Mysterium von Golgatha vor sich ging. In den Mysterienstätten von Hybernia vollzog sich das symbolische Bild gleichzeitig. Man lernte dort nicht durch Tradition, man lernte dort kennen das Mysterium von Golgatha auf spirituelle Art. Und während sich das großartigste, majestätischste Ereignis in Palästina in äußerer physischer Tatsächlichkeit zugetragen hat, hatten sich in den Mysterien von Hybernia jene Kulthandlungen vollzogen, durch die dort im Astrallichte ein lebendes Bild des Mysteriums von Golgatha da war.

[ 15 ] Aber etwas anderes war noch da, wovon ich schon zu einigen von Ihnen in kurz vorangegangenen Vorträgen gesprochen habe. Drüben in Hybernia, in Irland, waren die Nachklänge der alten atlantischen Weisheit. In den Mysterien von Hybernia, die ich Ihnen vorgestern skizziert habe, waren für den Schüler in den zwei suggestiven Gestalten die Möglichkeiten vorhanden, scharf so die Welt zu sehen, wie sie die alten Atlantier gesehen haben. Und streng in sich abgeschlossen, in eine Atmosphäre von ungeheurem Ernst gehüllt, waren diese Mysterien von Hybernia. Sie waren da in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha, sie waren auch da zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Drüben in Asien ging vor sich das Mysterium von Golgatha, in Jerusalem spielte sich dasjenige ab, was dann traditionell historisch mitgeteilt wird in den Evangelien. Aber ohne daß irgendein menschlicher Mund eine Nachricht überbracht hätte, ohne daß irgendeine andere Verbindung dagewesen wäre, wußte man hellsichtig in den Mysterien von Hybernia in dem Momente, als das Mysterium von Golgatha sich tragisch vollzog, daß in Palästina das reale Mysterium von Golgatha vor sich ging. In den Mysterienstätten von Hybernia vollzog sich das symbolische Bild gleichzeitig. Man lernte dort nicht durch Tradition, man lernte dort kennen das Mysterium von Golgatha auf spirituelle Art. Und während sich das großartigste, majestätischste Ereignis in Palästina in äußerer physischer Tatsächlichkeit zugetragen hat, hatten sich in den Mysterien von Hybernia jene Kulthandlungen vollzogen, durch die dort im Astrallichte ein lebendes Bild des Mysteriums von Golgatha da war.

[ 16 ] Sie sehen, wie die Dinge verkettet sind, wie tatsächlich, ich möchte sagen, eine Art Weltentales da ist, indem der alte Zusammenhang mit den Göttern schwindet.

[ 16 ] Sie sehen, wie die Dinge verkettet sind, wie tatsächlich, ich möchte sagen, eine Art Weltentales da ist, indem der alte Zusammenhang mit den Göttern schwindet.

[ 17 ] Im Morgenlande korrumpiert diese alte Götteranschauung nach dem Brande von Ephesus. In Hybernia ist sie vorhanden, bleibt sie vorhanden, bis sie, aber da erst in der nachchristlichen Zeit, auch da verschwindet. Und es entwickelt sich alles, was vom Mysterium von Golgatha ausstrahlt, durch Tradition, durch mündliche Überlieferung. Es entwickelt sich überhaupt im Abendlande eine Zivilisation, die nur auf mündliche Überlieferung rechnet oder aber später auf eine äußere Naturforschung, auf eine rein sinnliche Naturforschung, was ja auf dem Gebiete der Natur entspricht der bloßen Überlieferung, der schriftlichen oder mündlichen Überlieferung auf geschichtlichem Gebiete.

[ 17 ] Im Morgenlande korrumpiert diese alte Götteranschauung nach dem Brande von Ephesus. In Hybernia ist sie vorhanden, bleibt sie vorhanden, bis sie, aber da erst in der nachchristlichen Zeit, auch da verschwindet. Und es entwickelt sich alles, was vom Mysterium von Golgatha ausstrahlt, durch Tradition, durch mündliche Überlieferung. Es entwickelt sich überhaupt im Abendlande eine Zivilisation, die nur auf mündliche Überlieferung rechnet oder aber später auf eine äußere Naturforschung, auf eine rein sinnliche Naturforschung, was ja auf dem Gebiete der Natur entspricht der bloßen Überlieferung, der schriftlichen oder mündlichen Überlieferung auf geschichtlichem Gebiete.

[ 18 ] So daß man sagen kann: Hier ist die Zivilisation der Persönlichkeit. Das Spiritualistische, das Mysterium von Golgatha wird noch historisch überliefert, nicht mehr geschaut (siehe Zeichnung, Seite 109). Man stelle sich das nur lebhaft vor, stelle sich vor, wie in der Zeit nach Julianus Apostata sich da eine Kultur mit Ausschluß des Spirituellen ausbreitet. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts, vom Ende der siebziger Jahre an, kam sozusagen ein neuer Ruf aus geistigen Höhen an die Menschheit heran. Es begann jenes Zeitalter, das ich oftmals als das Michael-Zeitalter charakterisiert habe. Heute will ich es von dem Gesichtspunkte aus charakterisieren, daß ich sage: Es kam jenes Zeitalter, wo der Mensch, wenn er bleiben will beim alten Materialismus — und ein großer Teil der Menschheit will zunächst dabei bleiben —, dann aber in furchtbare Abgründe hineinkommen wird. Der Mensch, wenn er bleiben will beim alten Materialismus, kommt unbedingt ins Untermenschliche hinunter, kann sich nicht auf der menschlichen Höhe erhalten. Um sich aber auf der menschlichen Höhe zu erhalten, muß der Mensch seine Sinne eröffnen. Das ist unbedingte Notwendigkeit vom Ende des 19. Jahrhunderts ab, daß der Mensch eröffne seine Sinne den spirituellen Offenbarungen, die seither wiederum zu haben sind.

[ 18 ] So daß man sagen kann: Hier ist die Zivilisation der Persönlichkeit. Das Spiritualistische, das Mysterium von Golgatha wird noch historisch überliefert, nicht mehr geschaut (siehe Zeichnung, Seite 109). Man stelle sich das nur lebhaft vor, stelle sich vor, wie in der Zeit nach Julianus Apostata sich da eine Kultur mit Ausschluß des Spirituellen ausbreitet. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts, vom Ende der siebziger Jahre an, kam sozusagen ein neuer Ruf aus geistigen Höhen an die Menschheit heran. Es begann jenes Zeitalter, das ich oftmals als das Michael-Zeitalter charakterisiert habe. Heute will ich es von dem Gesichtspunkte aus charakterisieren, daß ich sage: Es kam jenes Zeitalter, wo der Mensch, wenn er bleiben will beim alten Materialismus — und ein großer Teil der Menschheit will zunächst dabei bleiben —, dann aber in furchtbare Abgründe hineinkommen wird. Der Mensch, wenn er bleiben will beim alten Materialismus, kommt unbedingt ins Untermenschliche hinunter, kann sich nicht auf der menschlichen Höhe erhalten. Um sich aber auf der menschlichen Höhe zu erhalten, muß der Mensch seine Sinne eröffnen. Das ist unbedingte Notwendigkeit vom Ende des 19. Jahrhunderts ab, daß der Mensch eröffne seine Sinne den spirituellen Offenbarungen, die seither wiederum zu haben sind.

[ 19 ] Es waren gewisse geistige Mächte am Werke, die in der Persönlichkeit des Herostrat, ich möchte sagen, nur ihren äußeren Ausdruck gefunden haben. Herostrat war sozusagen der letzte Degen, den vorstreckten gewisse geistige Mächte von Asien. Und als Herostrat die Brandfackel in den Tempel von Ephesus hineinschleuderte, waren hinter ihm, gewissermaßen ihn nur haltend als das Schwert oder als die Fortsetzung der Brandfackel, dämonische Wesenheiten, welche im Grunde genommen vorhatten, kein Spirituelles hinüberzulassen in diese europäische Zivilisation.

[ 19 ] Es waren gewisse geistige Mächte am Werke, die in der Persönlichkeit des Herostrat, ich möchte sagen, nur ihren äußeren Ausdruck gefunden haben. Herostrat war sozusagen der letzte Degen, den vorstreckten gewisse geistige Mächte von Asien. Und als Herostrat die Brandfackel in den Tempel von Ephesus hineinschleuderte, waren hinter ihm, gewissermaßen ihn nur haltend als das Schwert oder als die Fortsetzung der Brandfackel, dämonische Wesenheiten, welche im Grunde genommen vorhatten, kein Spirituelles hinüberzulassen in diese europäische Zivilisation.

[ 20 ] Dem, sehen Sie, widersetzen sich Aristoteles und Alexander der Große. Denn was geschah denn nun eigentlich? Durch die Alexanderzüge wurde nach Asien hinübergetragen dasjenige, was Naturwissen des Aristoteles war, und überall breitete sich aus ein gründliches Naturwissen. Alexander hatte überall, nicht nur in Alexandria, in Ägypten, sondern überall drüben in Asien Akademien gegründet, in denen er die alte Weisheit festsetzte, so daß diese alte Weisheit da war und lange Zeit gepflegt wurde. Immerzu konnten die griechischen Weisen kommen und fanden dort ihre Zufluchtstätte. Naturwissen wurde durch Alexander nach Asien getragen.

[ 20 ] Dem, sehen Sie, widersetzen sich Aristoteles und Alexander der Große. Denn was geschah denn nun eigentlich? Durch die Alexanderzüge wurde nach Asien hinübergetragen dasjenige, was Naturwissen des Aristoteles war, und überall breitete sich aus ein gründliches Naturwissen. Alexander hatte überall, nicht nur in Alexandria, in Ägypten, sondern überall drüben in Asien Akademien gegründet, in denen er die alte Weisheit festsetzte, so daß diese alte Weisheit da war und lange Zeit gepflegt wurde. Immerzu konnten die griechischen Weisen kommen und fanden dort ihre Zufluchtstätte. Naturwissen wurde durch Alexander nach Asien getragen.

[ 21 ] Europa konnte dieses tiefere Naturwissen zunächst in aller Ehrlichkeit nicht vertragen. Es wollte nur äußeres Wissen, äußere Kultur, äußere Zivilisation. Daher nahm von dem, was im Aristotelismus war, sein Schüler Theophrast dasjenige, was man dem Abendlande übergeben konnte. Aber in dem steckte noch immer außerordentlich viel. Die mehr logischen Schriften des Aristoteles bekam das Abendland. Aber das ist nun eben das Eigentümliche des Aristoteles, daß er sich doch anders liest, selbst da, wo er abstrakt und logisch ist, als andere Schriftsteller. Man versuche es nur einmal mit innerer, spiritueller, auf Meditation gegründeter Erfahrung, den Unterschied herauszufinden zwischen dem Lesen des Plato und dem Lesen des Aristoteles. Wenn ein moderner Mensch mit einer wirklichen, richtigen geistigen Empfindung und Grundlage einer gewissen Meditation Plato liest, dann fühlt er nach einiger Zeit so, wie wenn sein Kopf etwas höher als der physische Kopf wäre, wie wenn er etwas herausgekommen wäre aus seinem physischen Organismus. Es ist das unbedingt bei demjenigen, der nicht nur ganz grob Plato liest, durchaus der Fall.

[ 21 ] Europa konnte dieses tiefere Naturwissen zunächst in aller Ehrlichkeit nicht vertragen. Es wollte nur äußeres Wissen, äußere Kultur, äußere Zivilisation. Daher nahm von dem, was im Aristotelismus war, sein Schüler Theophrast dasjenige, was man dem Abendlande übergeben konnte. Aber in dem steckte noch immer außerordentlich viel. Die mehr logischen Schriften des Aristoteles bekam das Abendland. Aber das ist nun eben das Eigentümliche des Aristoteles, daß er sich doch anders liest, selbst da, wo er abstrakt und logisch ist, als andere Schriftsteller. Man versuche es nur einmal mit innerer, spiritueller, auf Meditation gegründeter Erfahrung, den Unterschied herauszufinden zwischen dem Lesen des Plato und dem Lesen des Aristoteles. Wenn ein moderner Mensch mit einer wirklichen, richtigen geistigen Empfindung und Grundlage einer gewissen Meditation Plato liest, dann fühlt er nach einiger Zeit so, wie wenn sein Kopf etwas höher als der physische Kopf wäre, wie wenn er etwas herausgekommen wäre aus seinem physischen Organismus. Es ist das unbedingt bei demjenigen, der nicht nur ganz grob Plato liest, durchaus der Fall.

[ 22 ] Bei Aristoteles ist das anders. Bei Aristoteles wird man niemals die Empfindung gewinnen können, daß man durch die Lektüre ausser den Körper kommt. Aber wenn man den Aristoteles auf Grundlage einer gewissen meditativen Vorbereitung liest, dann wird man das Gefühl haben: er arbeitet gerade in dem physischen Menschen. Der physische Mensch kommt gerade dutch Aristoteles vorwärts. Es arbeitet. Es ist nicht eine Logik, die man bloß betrachtet, sondern es ist eine Logik, die innerlich arbeitet. Aristoteles ist doch noch um ein Stück höher als alle die Pedanten, die hinterher gekommen sind und Logik aus dem Aristoteles gebildet haben. Aristoteles’ logische Werke sind in einer gewissen Beziehung nur dann richtig aufgefaßt, wenn sie als Meditationsbücher aufgefaßt werden. So daß ein Merkwürdiges vorliegt. Denken Sie sich einmal: Wenn auf das Abendland einfach übergegangen wären von Makedonien nach dem Westen, nach Mitteleuropa und Südeuropa, die naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles, sie würden in einer Weise aufgenommen worden sein, die unheilvoll geworden wäre. Gewiß, die Menschen hätten manches aufgenommen, aber es wäre unheilvoll geworden. Denn dasjenige, was naturwissenschaftlich — ich habe eine Probe davon gegeben — Aristoteles zum Beispiel dem Alexander zu überliefern hatte, das mußte aufgefaßt werden mit Seelen, die doch noch berührt worden waren von dem Wesen der ephesischen Zeit, der vor dem Brande von Ephesus liegenden Zeit. Die konnte man nur drüben in Asien finden oder im ägyptischen Afrika. So daß durch die Alexanderzüge hinübergegangen war nach Asien die Naturwesenheits-Erkenntnis und -Einsicht (es wurde am Tafelbild — siehe Tafel IV — weitergezeichnet; orange nach rechts), und in abgeschwächter Gestalt kam sie später durch alle möglichen Züge über Spanien herüber nach Europa, aber in einem sehr durchgesiebten, abgeschwächten Zustande (gelb von rechts nach links).

[ 22 ] Bei Aristoteles ist das anders. Bei Aristoteles wird man niemals die Empfindung gewinnen können, daß man durch die Lektüre ausser den Körper kommt. Aber wenn man den Aristoteles auf Grundlage einer gewissen meditativen Vorbereitung liest, dann wird man das Gefühl haben: er arbeitet gerade in dem physischen Menschen. Der physische Mensch kommt gerade dutch Aristoteles vorwärts. Es arbeitet. Es ist nicht eine Logik, die man bloß betrachtet, sondern es ist eine Logik, die innerlich arbeitet. Aristoteles ist doch noch um ein Stück höher als alle die Pedanten, die hinterher gekommen sind und Logik aus dem Aristoteles gebildet haben. Aristoteles’ logische Werke sind in einer gewissen Beziehung nur dann richtig aufgefaßt, wenn sie als Meditationsbücher aufgefaßt werden. So daß ein Merkwürdiges vorliegt. Denken Sie sich einmal: Wenn auf das Abendland einfach übergegangen wären von Makedonien nach dem Westen, nach Mitteleuropa und Südeuropa, die naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles, sie würden in einer Weise aufgenommen worden sein, die unheilvoll geworden wäre. Gewiß, die Menschen hätten manches aufgenommen, aber es wäre unheilvoll geworden. Denn dasjenige, was naturwissenschaftlich — ich habe eine Probe davon gegeben — Aristoteles zum Beispiel dem Alexander zu überliefern hatte, das mußte aufgefaßt werden mit Seelen, die doch noch berührt worden waren von dem Wesen der ephesischen Zeit, der vor dem Brande von Ephesus liegenden Zeit. Die konnte man nur drüben in Asien finden oder im ägyptischen Afrika. So daß durch die Alexanderzüge hinübergegangen war nach Asien die Naturwesenheits-Erkenntnis und -Einsicht (es wurde am Tafelbild — siehe Tafel IV — weitergezeichnet; orange nach rechts), und in abgeschwächter Gestalt kam sie später durch alle möglichen Züge über Spanien herüber nach Europa, aber in einem sehr durchgesiebten, abgeschwächten Zustande (gelb von rechts nach links).

[ 23 ] Dasjenige aber, was direkt herübergekommen war, das waren die logischen Schriften des Aristoteles, war das Denkerische des Aristoteles. Und das lebte fort, lebte fort in der mittelalterlichen Scholastik.

[ 23 ] Dasjenige aber, was direkt herübergekommen war, das waren die logischen Schriften des Aristoteles, war das Denkerische des Aristoteles. Und das lebte fort, lebte fort in der mittelalterlichen Scholastik.

[ 24 ] Ja, und jetzt haben wir diese zwei Strömungen. Immer haben wir auf dem Grunde der mitteleuropäischen Einsichten dasjenige, was, ich möchte sagen, unansehnlich in weiten Kreisen von sogar etwas primitiven Menschen sich weiter fortpflanzt. Sehen Sie nur einmal, wie die Saat, die Alexander einstmals nach Asien hinübergetragen hat, die auf allen möglichen Wegen erst über Arabien und so weiter, dann aber auch auf den Landwegen durch die Kreuzfahrer nach Europa gekommen war, wie das überall lebt, aber unansehnlich, an verborgenen Stätten. Dahin kommen Leute wie Jakob Böhme, wie Paracelsus, wie zahlreiche andere, die das aufnehmen, was auf solchen Umwegen in die breiten primitiven Kreise Europas gekommen ist. Wir haben eine volkstümliche Weisheit hier übermittelt, viel mehr, als man gewöhnlich glaubt. Die lebt. Und sie rinnt manchmal in solche Reservoirs wie Valentin Weigel, wie Paracelsus, wie Jakob Böhme, wie viele andere, deren Namen viel weniger genannt wer Tafel 9 den; reichlich glänzt auf dasjenige, was da in Europa spät erst angekommener Alexandrinismus war oder ist, in Basilius Valentinus und so weiter. In Klöstern lebte eine wirkliche alchimistische Weisheit, die aber nicht bloß aufklärte über einige Verwandlungen der Stoffe, die aufklärte über innerste Eigentümlichkeiten der menschlichen Verwandlungen selber im Weltenall. Und die anerkannten Gelehrten beschäftigen sich mit einem allerdings entstellten, durchgesiebten, verlogisierten Aristoteles; aber dieser Aristoteles, mit dem sich die Scholastik und später die Wissenschaft beschäftigen als Philosophie, dieser Aristoteles wird doch dem Abendlande zum Segen. Denn erst im 19. Jahrhundert, als man nichts mehr verstand von Aristoteles, als man den Aristoteles nur noch studiert, als ob man ihn lesen sollte, als ob man nicht ihn üben sollte, als ob er nicht ein Meditationsbuch wäre, erst im 19. Jahrhundert kommt es dahin, daß die Menschen nichts mehr haben von Aristoteles, weil er nicht mehr in ihnen wirkt und lebt, sondern weil sie ihn bloß noch studieren, weil er nicht ein Übungsbuch ist, sondern ein Studienobjekt. Bis ins 19. Jahrhundert herein war er ein Übungsbuch. Aber sehen Sie, im 19. Jahrhundert geht ja alles so, daß dasjenige, was früher Übung war, was Können war, daß das sich umwandelt in abstraktes Wissen.

[ 24 ] Ja, und jetzt haben wir diese zwei Strömungen. Immer haben wir auf dem Grunde der mitteleuropäischen Einsichten dasjenige, was, ich möchte sagen, unansehnlich in weiten Kreisen von sogar etwas primitiven Menschen sich weiter fortpflanzt. Sehen Sie nur einmal, wie die Saat, die Alexander einstmals nach Asien hinübergetragen hat, die auf allen möglichen Wegen erst über Arabien und so weiter, dann aber auch auf den Landwegen durch die Kreuzfahrer nach Europa gekommen war, wie das überall lebt, aber unansehnlich, an verborgenen Stätten. Dahin kommen Leute wie Jakob Böhme, wie Paracelsus, wie zahlreiche andere, die das aufnehmen, was auf solchen Umwegen in die breiten primitiven Kreise Europas gekommen ist. Wir haben eine volkstümliche Weisheit hier übermittelt, viel mehr, als man gewöhnlich glaubt. Die lebt. Und sie rinnt manchmal in solche Reservoirs wie Valentin Weigel, wie Paracelsus, wie Jakob Böhme, wie viele andere, deren Namen viel weniger genannt wer Tafel 9 den; reichlich glänzt auf dasjenige, was da in Europa spät erst angekommener Alexandrinismus war oder ist, in Basilius Valentinus und so weiter. In Klöstern lebte eine wirkliche alchimistische Weisheit, die aber nicht bloß aufklärte über einige Verwandlungen der Stoffe, die aufklärte über innerste Eigentümlichkeiten der menschlichen Verwandlungen selber im Weltenall. Und die anerkannten Gelehrten beschäftigen sich mit einem allerdings entstellten, durchgesiebten, verlogisierten Aristoteles; aber dieser Aristoteles, mit dem sich die Scholastik und später die Wissenschaft beschäftigen als Philosophie, dieser Aristoteles wird doch dem Abendlande zum Segen. Denn erst im 19. Jahrhundert, als man nichts mehr verstand von Aristoteles, als man den Aristoteles nur noch studiert, als ob man ihn lesen sollte, als ob man nicht ihn üben sollte, als ob er nicht ein Meditationsbuch wäre, erst im 19. Jahrhundert kommt es dahin, daß die Menschen nichts mehr haben von Aristoteles, weil er nicht mehr in ihnen wirkt und lebt, sondern weil sie ihn bloß noch studieren, weil er nicht ein Übungsbuch ist, sondern ein Studienobjekt. Bis ins 19. Jahrhundert herein war er ein Übungsbuch. Aber sehen Sie, im 19. Jahrhundert geht ja alles so, daß dasjenige, was früher Übung war, was Können war, daß das sich umwandelt in abstraktes Wissen.

[ 25 ] In Griechenland — nehmen wir diese andere Linie, dutch die sich die Sache auch charakterisiert —, in Griechenland hat man Vertrauen dazu, daß aus dem ganzen Menschen heraus noch das kommt, was der Mensch als Einsicht hat. Der Lehrer ist der Gymnast. Aus dem ganzen Menschen in seiner körperlichen Bewegung, in der die Götter wirken, kommt das zustande, was dann gewissermaßen heraufkommt und zu menschlicher Einsicht wird. Der Gymnast ist der Lehrer. In Rom tritt später an die Stelle des Gymnasten der Rhetor. Das ist schon etwas abstrahiert vom ganzen Menschen, aber es ist wenigstens noch etwas da, was zusammenhängt mit einem Tun des Menschen in einem Teil des Organismus. Was wird alles bewegt, wenn wir reden! Wie lebt das Reden in unserem Herzen, in unserer Lunge, wie in unserem Zwerchfell und weiter hinunter! Es lebt nicht mehr so intensiv im ganzen Menschen wie dasjenige, was der Gymnast getrieben hat, aber es lebt immerhin in einem großen Teil des Menschen. Und die Gedanken sind dann nur ein Extrakt aus dem, was im Reden lebt. Der Rhetor tritt an die Stelle des Gymnasten. Der Gymnast hat es mit dem ganzen Menschen zu tun. Der Rhetor hat es nur noch zu tun mit dem, was gewissermaßen die Gliedmaßen schon ausschließt und also aus einem Teil des Menschen herauf in den Kopf dasjenige schickt, was Einsicht ist. Und die dritte Stufe, die kommt erst in der Neuzeit herauf: das ist der Doktor, der nichts mehr abrichtet als den Kopf, der nur mehr auf die Gedanken sieht. Es ist ja so geworden, daß sozusagen noch im 19. Jahrhundert an einzelnen Hochschulen Professoren der Eloquenz ernannt worden sind, aber sie haben diese Professur nicht mehr ausüben können, weil es nicht mehr üblich war, etwas zu geben auf das Reden, weil alles nur noch denken wollte. Die Rhetoren starben aus. Diejenigen, die nur noch das Geringste am Menschen vertraten, die Doktoren, die nur noch den Kopf vertraten, die wurden die Führer der Bildung.

[ 25 ] In Griechenland — nehmen wir diese andere Linie, dutch die sich die Sache auch charakterisiert —, in Griechenland hat man Vertrauen dazu, daß aus dem ganzen Menschen heraus noch das kommt, was der Mensch als Einsicht hat. Der Lehrer ist der Gymnast. Aus dem ganzen Menschen in seiner körperlichen Bewegung, in der die Götter wirken, kommt das zustande, was dann gewissermaßen heraufkommt und zu menschlicher Einsicht wird. Der Gymnast ist der Lehrer. In Rom tritt später an die Stelle des Gymnasten der Rhetor. Das ist schon etwas abstrahiert vom ganzen Menschen, aber es ist wenigstens noch etwas da, was zusammenhängt mit einem Tun des Menschen in einem Teil des Organismus. Was wird alles bewegt, wenn wir reden! Wie lebt das Reden in unserem Herzen, in unserer Lunge, wie in unserem Zwerchfell und weiter hinunter! Es lebt nicht mehr so intensiv im ganzen Menschen wie dasjenige, was der Gymnast getrieben hat, aber es lebt immerhin in einem großen Teil des Menschen. Und die Gedanken sind dann nur ein Extrakt aus dem, was im Reden lebt. Der Rhetor tritt an die Stelle des Gymnasten. Der Gymnast hat es mit dem ganzen Menschen zu tun. Der Rhetor hat es nur noch zu tun mit dem, was gewissermaßen die Gliedmaßen schon ausschließt und also aus einem Teil des Menschen herauf in den Kopf dasjenige schickt, was Einsicht ist. Und die dritte Stufe, die kommt erst in der Neuzeit herauf: das ist der Doktor, der nichts mehr abrichtet als den Kopf, der nur mehr auf die Gedanken sieht. Es ist ja so geworden, daß sozusagen noch im 19. Jahrhundert an einzelnen Hochschulen Professoren der Eloquenz ernannt worden sind, aber sie haben diese Professur nicht mehr ausüben können, weil es nicht mehr üblich war, etwas zu geben auf das Reden, weil alles nur noch denken wollte. Die Rhetoren starben aus. Diejenigen, die nur noch das Geringste am Menschen vertraten, die Doktoren, die nur noch den Kopf vertraten, die wurden die Führer der Bildung.

[ 26 ] Und so war es wirklich, als der echte Aristoteles lebte, Übung, Askesis, Exerzitium, was aus dem Aristoteles folgte. Und diese zwei Strömungen verblieben sogar. Derjenige, der nicht ganz jung ist und der bewußt mitgemacht hat, was sich abspielte ab Mitte bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, der weiß schon, wenn er etwas herumgekommen ist in der Art, wie etwa der Paracelsus unter dem Landvolke herumgegangen ist, der weiß schon, daß schließlich die letzten Überreste mittelalterlichen Volkswissens, aus dem Jakob Böhme, aus dem Paracelsus geschöpft hat, da waren bis in die siebziger, achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein. Und schließlich, auch das ist wahr: Namentlich innerhalb gewisser Orden und im Leben gewisser enger Kreise hat sich ein gewissser Aristotelismus der Praxis, der inneren Seelenpraxis auch noch erhalten bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts herein. Und man darf schon sagen: Man konnte noch kennenlernen auf der einen Seite die letzten Ausläufer desjenigen, was von Alexander vom Aristotelismus hinüber nach Asien getragen worden war, was auf der anderen Seite durch Vorderasien, Afrika, über Spanien herübergekommen ist und in solchen Leuten wie Basilius Valentinus und in Späteren auflebte als volkstümliche Weisheit, aus der ja auch Jakob Böhme, Paracelsus und zahlreiche andere geschöpft haben. Es ist auf anderem Wege auch wiederum zurückgekommen durch die Kreuzfahrer. Aber es war da in den breiten Massen des Volkes, und man konnte es noch finden. Man konnte noch in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sagen: Gott sei Dank, daß da noch, wenn auch kaum erkennbar, wenn auch korrumpiert, die letzten Ausläufer desjenigen lebten, was als alte Naturwissenschaft durch die Alexanderzüge nach Asien hinübergetragen worden ist. Was da noch von alter Alchimie, von alter Erkenntnis und den Zusammenhängen der Natursubstanzen und Naturkräfte auf ganz merkwürdige Weise im primitiven Volkstume lebte, das waren die letzten Nachklänge. Heute sind sie erstorben, heute sind sie nicht mehr da, sind nicht mehr zu finden, ist in ihnen nichts mehr zu erkennen.

[ 26 ] Und so war es wirklich, als der echte Aristoteles lebte, Übung, Askesis, Exerzitium, was aus dem Aristoteles folgte. Und diese zwei Strömungen verblieben sogar. Derjenige, der nicht ganz jung ist und der bewußt mitgemacht hat, was sich abspielte ab Mitte bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, der weiß schon, wenn er etwas herumgekommen ist in der Art, wie etwa der Paracelsus unter dem Landvolke herumgegangen ist, der weiß schon, daß schließlich die letzten Überreste mittelalterlichen Volkswissens, aus dem Jakob Böhme, aus dem Paracelsus geschöpft hat, da waren bis in die siebziger, achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein. Und schließlich, auch das ist wahr: Namentlich innerhalb gewisser Orden und im Leben gewisser enger Kreise hat sich ein gewissser Aristotelismus der Praxis, der inneren Seelenpraxis auch noch erhalten bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts herein. Und man darf schon sagen: Man konnte noch kennenlernen auf der einen Seite die letzten Ausläufer desjenigen, was von Alexander vom Aristotelismus hinüber nach Asien getragen worden war, was auf der anderen Seite durch Vorderasien, Afrika, über Spanien herübergekommen ist und in solchen Leuten wie Basilius Valentinus und in Späteren auflebte als volkstümliche Weisheit, aus der ja auch Jakob Böhme, Paracelsus und zahlreiche andere geschöpft haben. Es ist auf anderem Wege auch wiederum zurückgekommen durch die Kreuzfahrer. Aber es war da in den breiten Massen des Volkes, und man konnte es noch finden. Man konnte noch in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sagen: Gott sei Dank, daß da noch, wenn auch kaum erkennbar, wenn auch korrumpiert, die letzten Ausläufer desjenigen lebten, was als alte Naturwissenschaft durch die Alexanderzüge nach Asien hinübergetragen worden ist. Was da noch von alter Alchimie, von alter Erkenntnis und den Zusammenhängen der Natursubstanzen und Naturkräfte auf ganz merkwürdige Weise im primitiven Volkstume lebte, das waren die letzten Nachklänge. Heute sind sie erstorben, heute sind sie nicht mehr da, sind nicht mehr zu finden, ist in ihnen nichts mehr zu erkennen.

[ 27 ] Ebenso war da bei gewissen einzelnen Leuten, die man kennenlernen konnte, aristotelische Geistesschulung. Heute ist sie nicht mehr da. Es war bewahrt dasjenige, was dazumal nach dem Osten hinübergetragen war (Fortsetzung der Tafelzeichnung; rot von rechts nach links), und dasjenige, was auf dem Umwege von Aristoteles’ Schüler Theophrastus nach dem Westen hinübergetragen war (blau von der Mitte nach links). Dasjenige aber, was nach dem Osten hinübergetragen war, das war wiederum zurückgekommen. Und man kann sagen: In den siebziger, achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnte angeknüpft werden mit neuem, unmittelbarem spirituellem Erkennen an dasjenige, was in den letzten Ausläufern anknüpfte an jene Ereignisse, die ich Ihnen geschildert habe. Das ist ein wunderbarer Zusammenhang, denn man sieht daraus, daß die Alexanderzüge und der Aristotelismus da waren, um den Faden mit dem alten Spirituellen aufrechtzuerhalten, um Einschläge zu haben in dasjenige, was materielle Kultur werden sollte, Einschläge zu haben, die gerade reichen, bis neue spirituelle Offenbarungen kommen sollten.

[ 27 ] Ebenso war da bei gewissen einzelnen Leuten, die man kennenlernen konnte, aristotelische Geistesschulung. Heute ist sie nicht mehr da. Es war bewahrt dasjenige, was dazumal nach dem Osten hinübergetragen war (Fortsetzung der Tafelzeichnung; rot von rechts nach links), und dasjenige, was auf dem Umwege von Aristoteles’ Schüler Theophrastus nach dem Westen hinübergetragen war (blau von der Mitte nach links). Dasjenige aber, was nach dem Osten hinübergetragen war, das war wiederum zurückgekommen. Und man kann sagen: In den siebziger, achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnte angeknüpft werden mit neuem, unmittelbarem spirituellem Erkennen an dasjenige, was in den letzten Ausläufern anknüpfte an jene Ereignisse, die ich Ihnen geschildert habe. Das ist ein wunderbarer Zusammenhang, denn man sieht daraus, daß die Alexanderzüge und der Aristotelismus da waren, um den Faden mit dem alten Spirituellen aufrechtzuerhalten, um Einschläge zu haben in dasjenige, was materielle Kultur werden sollte, Einschläge zu haben, die gerade reichen, bis neue spirituelle Offenbarungen kommen sollten.

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[ 28 ] Sehen Sie, unter solchen Gesichtspunkten nimmt es sich ja wirklich so aus, und es ist dies wahr, daß scheinbare Unfruchtbarkeiten sich gerade als außerordentlich bedeutungsvoll im geschichtlichen Werden der Menschheit erweisen. Man kann leicht davon sprechen, daß die ganze Alexander-Expedition nach Asien und Ägypten hinüber dennoch verflutet wäre. Sie ist nicht verflutet. Man kann sagen, daß der Aristotelismus im 19. Jahrhundert aufgehört hat. Er hat nicht aufgehört. Beide Strömungen haben gereicht bis dahin, wo es möglich ist, ein neues spirituelles Leben zu beginnen.

[ 28 ] Sehen Sie, unter solchen Gesichtspunkten nimmt es sich ja wirklich so aus, und es ist dies wahr, daß scheinbare Unfruchtbarkeiten sich gerade als außerordentlich bedeutungsvoll im geschichtlichen Werden der Menschheit erweisen. Man kann leicht davon sprechen, daß die ganze Alexander-Expedition nach Asien und Ägypten hinüber dennoch verflutet wäre. Sie ist nicht verflutet. Man kann sagen, daß der Aristotelismus im 19. Jahrhundert aufgehört hat. Er hat nicht aufgehört. Beide Strömungen haben gereicht bis dahin, wo es möglich ist, ein neues spirituelles Leben zu beginnen.

[ 29 ] Ich habe Ihnen ja an verschiedenen Orten öfter gesagt, daß dieses neue spirituelle Leben gerade am Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts begonnen werden konnte in den ersten Andeutungen und dann mit dem Ende des Jahrhunderts immer mehr und mehr. Heute haben wir die Aufgabe, den vollen Strom des geistigen Lebens, der, ich möchte sagen, von den Höhen zu uns kommt, aufzufangen. Und so stehen wir heute drinnen in einem wirklichen Übergang der geistigen Menschheitsentfaltung. Und werden wir uns nicht bewußt dieser merkwürdigen Zusammenhänge und dieser Anknüpfung an Früheres, dann schlafen wir eigentlich gegenüber den wichtigsten Ereignissen, die sich um uns herum im geistigen Leben abspielen. Und wieviel wird eigentlich heute wirklich ge Tafel 9 schlafen gegenüber den allerwesentlichsten Ereignissen! Anthroposophie sollte aber dasein, um den Menschen zu erwecken.

[ 29 ] Ich habe Ihnen ja an verschiedenen Orten öfter gesagt, daß dieses neue spirituelle Leben gerade am Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts begonnen werden konnte in den ersten Andeutungen und dann mit dem Ende des Jahrhunderts immer mehr und mehr. Heute haben wir die Aufgabe, den vollen Strom des geistigen Lebens, der, ich möchte sagen, von den Höhen zu uns kommt, aufzufangen. Und so stehen wir heute drinnen in einem wirklichen Übergang der geistigen Menschheitsentfaltung. Und werden wir uns nicht bewußt dieser merkwürdigen Zusammenhänge und dieser Anknüpfung an Früheres, dann schlafen wir eigentlich gegenüber den wichtigsten Ereignissen, die sich um uns herum im geistigen Leben abspielen. Und wieviel wird eigentlich heute wirklich ge Tafel 9 schlafen gegenüber den allerwesentlichsten Ereignissen! Anthroposophie sollte aber dasein, um den Menschen zu erwecken.

[ 30 ] Und ich glaube, für alle diejenigen, die jetzt hier bei dieser Weihnachtstagung versammelt sind, gibt es einen Impuls einer möglichen Erweckung. Sehen Sie, wir stehen ja unmittelbar vor dem Tage und werden uns in dieser Tagung eben bis zu dem Jähren dieses traurigen Ereignisses hindurchfinden müssen, wir stehen vor jenem Tage, da die furchtbaren Feuergarben aufloderten, die das Goetheanum verzehrten. Und mag nun die Welt denken, wie sie will, über dieses Feuerverzehren des Goetheanum, in der Entwickelung der anthroposophischen Bewegung bedeutet dieser Brand etwas Ungeheures. Aber man beurteilt ihn doch nicht in seiner vollen Tiefe, wenn man nicht hinschaut auf der einen Seite, wie diese physischen Feuerflammen dazumal aufschlugen, als in merkwürdiger Art — ich werde davon noch sprechen in den nächsten Tagen — von den Orgelpfeifen, von anderem Metallischem das sengende Metallische in die Flammen hineinloderte, so daß diese merkwürdigen Färbungen der Flammen entstanden. Dann mußte man die Erinnerung mit hinübernehmen in das verflossene Jahr. Aber in dieser Erinnerung muß leben die Tatsache, daß Physisches Maja ist, daß wir die Wahrheit aus den Feuerflammen in dem geistigen Feuer zu suchen haben, das wir nunmehr anzufachen haben in unseren Herzen, in unseren Seelen. Aufgehen sollte uns in dem physisch brennenden Goetheanum das geistig wirksame Goetheanum.

[ 30 ] Und ich glaube, für alle diejenigen, die jetzt hier bei dieser Weihnachtstagung versammelt sind, gibt es einen Impuls einer möglichen Erweckung. Sehen Sie, wir stehen ja unmittelbar vor dem Tage und werden uns in dieser Tagung eben bis zu dem Jähren dieses traurigen Ereignisses hindurchfinden müssen, wir stehen vor jenem Tage, da die furchtbaren Feuergarben aufloderten, die das Goetheanum verzehrten. Und mag nun die Welt denken, wie sie will, über dieses Feuerverzehren des Goetheanum, in der Entwickelung der anthroposophischen Bewegung bedeutet dieser Brand etwas Ungeheures. Aber man beurteilt ihn doch nicht in seiner vollen Tiefe, wenn man nicht hinschaut auf der einen Seite, wie diese physischen Feuerflammen dazumal aufschlugen, als in merkwürdiger Art — ich werde davon noch sprechen in den nächsten Tagen — von den Orgelpfeifen, von anderem Metallischem das sengende Metallische in die Flammen hineinloderte, so daß diese merkwürdigen Färbungen der Flammen entstanden. Dann mußte man die Erinnerung mit hinübernehmen in das verflossene Jahr. Aber in dieser Erinnerung muß leben die Tatsache, daß Physisches Maja ist, daß wir die Wahrheit aus den Feuerflammen in dem geistigen Feuer zu suchen haben, das wir nunmehr anzufachen haben in unseren Herzen, in unseren Seelen. Aufgehen sollte uns in dem physisch brennenden Goetheanum das geistig wirksame Goetheanum.

[ 31 ] Ich glaube nicht, daß das in vollem weltgeschichtlichem Sinne geschehen kann, wenn man nicht sieht auf der einen Seite das uns teuer gewordene Goetheanum in der furchtbaren gigantischen Flamme auflodern und im Hintergrunde den anderen frevelhaften Brand von Ephesus, wo Herostrat die Brandfackel hineinwarf, geleitet von dämonischen Mächten. In dem Zusammenempfinden desjenigen, was da im Vordergrunde, und desjenigen, was im Hintergrunde steht, wird man vielleicht doch ein Bild gewinnen können, das tief genug in unser Herz hineinschreiben kann, was wir vor einem Jahre verloren haben und was wir mit allen Kräften wieder erbauen müssen.

[ 31 ] Ich glaube nicht, daß das in vollem weltgeschichtlichem Sinne geschehen kann, wenn man nicht sieht auf der einen Seite das uns teuer gewordene Goetheanum in der furchtbaren gigantischen Flamme auflodern und im Hintergrunde den anderen frevelhaften Brand von Ephesus, wo Herostrat die Brandfackel hineinwarf, geleitet von dämonischen Mächten. In dem Zusammenempfinden desjenigen, was da im Vordergrunde, und desjenigen, was im Hintergrunde steht, wird man vielleicht doch ein Bild gewinnen können, das tief genug in unser Herz hineinschreiben kann, was wir vor einem Jahre verloren haben und was wir mit allen Kräften wieder erbauen müssen.