Anthroposophy
A Summary After Twenty-one Years
GA 234
20 January 1924, Dornach
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Anthroposophy: A Summary After Twenty-one Years, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Gestern hatte ich darauf hinzuweisen, wie der Mensch nach zwei Seiten hin sich betrachten kann, und wie nach diesen zwei Seiten hin an den Menschen das Welten- und das Menschenrätsel herantritt. Wenn wir noch einmal hinblicken auf dasjenige, was sich uns gestern ergeben hat, so sehen wir auf der einen Seite das, was zunächst auf dieselbe Weise wahrgenommen wird wie die äußere physische Welt. Wir sehen den menschlichen physischen Leib. Wir nennen ihn deshalb physischen Leib, weil er für unsere physischen Sinne so vor uns dasteht wie die äußere physische Welt. Aber wir müssen zugleich gedenken des gewaltigen Unterschiedes gerade dieses physischen Menschenleibes von der äußeren physischen Welt. Und wir haben diesen gewaltigen Unterschied gestern daran wahrzunehmen gehabt, daß in dem Augenblicke, wo der Mensch, durch die Pforte des Todes tretend, den physischen Leib den Elementen der äußeren physischen Welt übergeben muß, daß in diesem Augenblicke dieser physische Leib von der äußeren Natur vernichtet wird. Die äußere Natur hat also nicht in ihren Aufbaukräften, sondern in ihren Zerstörungskräften dasjenige, womit sie den menschlichen physischen Leib behandelt. Und wir müssen daher das, was dem menschlichen physischen Leib seine Gestalt gibt von der Geburt oder von der Empfängnis bis zum Tode, ganz außerhalb der physischen Welt suchen. Wir müssen von einer zunächst anderen Welt sprechen, die diesen physischen Menschenleib aufbaut, denn die äußere physische Natur kann ihn nicht aufbauen, sie kann ihn nur vernichten.
[ 1 ] Yesterday I pointed out how human beings can view themselves from two perspectives, and how the mystery of the world and the mystery of humanity approach human beings from these two perspectives. If we look once more at what emerged for us yesterday, we see, on the one hand, that which is initially perceived in the same way as the external physical world. We see the human physical body. We call it the physical body because it stands before us through our physical senses just as the external physical world does. But at the same time, we must bear in mind the immense difference between this very physical human body and the external physical world. And we were able to perceive this immense difference yesterday in the fact that at the very moment when a human being, passing through the gate of death, must surrender the physical body to the elements of the external physical world—at that very moment, this physical body is destroyed by external nature. External nature, therefore, treats the human physical body not with its constructive forces, but with its destructive forces. And we must therefore seek what gives the human physical body its form—from birth or conception until death—entirely outside the physical world. We must speak of a world that is, at first glance, different—one that builds up this physical human body—for external physical nature cannot build it up; it can only destroy it.
[ 2 ] Aber auf der anderen Seite sind zwei Dinge da, welche diesen physischen Menschenleib in ein ganz nahes Verhältnis zur Natur bringen. Auf der einen Seite bedarf dieser physische Menschenleib der Substanzen für seinen Aufbau, gewissermaßen als seiner Baumaterialien, obwohl das im uneigentlichen Sinne gesprochen ist, er bedarf der Substanzen der äußeren Natur, oder wenigstens können wir sagen, er bedarf der Aufnahme der Substanzen der äußeren Natur.
[ 2 ] But on the other hand, there are two things that bring this physical human body into a very close relationship with nature. On the one hand, this physical human body requires substances for its constitution—as building materials, so to speak, although this is speaking in a figurative sense—it requires the substances of external nature, or at least we can say that it requires the intake of the substances of external nature.
[ 3 ] Und doch, wenn wir, sei es in den Ausscheidungen, die sich ergeben, sei es, daß der ganze physische Leib des Menschen uns nach dem Tode als Leichnam entgegentritt, wenn wir das betrachten, was dieser physische Leib nach außen offenbart, so sind es doch wiederum die Substanzen der äußeren physischen Welt; denn wo wir auch diesen physischen Leib betrachten, seien es die einzelnen Ausscheidungen, sei es die Abscheidung des ganzen physischen Leibes mit dem Tode, er stellt sich uns dar als offenbarend dieselben Substanzen, die wir auch in der äußeren physischen Welt finden. So daß wir sagen müssen: Was auch immer in diesem Wesen des Menschen vor sich geht, Anfang und Ende der inneren Prozesse, der inneren Vorgänge sind verwandt der äußeren physischen Welt.
[ 3 ] And yet, whether we consider the excretions that result, or the fact that the entire physical body of a human being confronts us after death as a corpse—when we observe what this physical body reveals outwardly—it is, once again, the substances of the external physical world; for wherever we observe this physical body—whether in the individual excretions or in the shedding of the entire physical body at death—it presents itself to us as revealing the very same substances that we also find in the external physical world. Thus we must say: Whatever takes place within this human being—the beginning and end of the inner processes, the inner occurrences—are related to the external physical world.
[ 4 ] Aber die materialistische Wissenschaft zieht aus der eben erwähnten Tatsache einen Schluß, der ganz und gar nicht gezogen werden kann. Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß der Mensch durch Essen oder Trinken oder durch Atmen die Substanzen der äußeren physischen Welt in sich aufnimmt, daß er durch Ausatmen, Ausscheiden oder im Tode diese Substanzen wiederum an die äußere Welt abgibt als solche Substanzen, die mit denen der äußeren Welt übereinstimmen, so können wir doch nur sagen, daß wir es da mit einem Anfang und mit einem Ende zu tun haben. Was dazwischen im menschlichen physischen Leibe vor sich geht, das ist damit nicht ausgemacht.
[ 4 ] But materialistic science draws a conclusion from the fact just mentioned that simply cannot be drawn. If, on the one hand, we see that human beings take in the substances of the external physical world through eating, drinking, or breathing, and that through exhalation, excretion, or at death, returns these substances to the external world as substances that correspond to those of the external world, we can only say that we are dealing here with a beginning and an end. What takes place in the human physical body in between is not thereby determined.
[ 5 ] Man spricht so leichten Herzens von dem Blute, das der Mensch in sich trägt. Aber hat jemals ein Mensch dieses Blut im lebenden menschlichen Organismus selber untersucht? Das kann man ja gar nicht mit physischen Mitteln. So daß also nicht ohne weiteres der materialistische Schluß gezogen werden darf: dasjenige, was in den Körper hineingeht und was wieder aus ihm herausgeht, das ist auch in dem menschlichen Organismus drinnen.
[ 5 ] People speak so lightly of the blood that flows within the human body. But has anyone ever examined this blood within a living human organism? That is simply not possible by physical means. Therefore, one cannot readily draw the materialistic conclusion that whatever enters the body and whatever leaves it is also present within the human organism.
[ 6 ] Aber jedenfalls sehen wir, schon wenn die Aufnahme von äußeren physischen Substanzen, sagen wir zum Beispiel im Munde beginnt, daß sogleich eine Verwandelung eintritt. Wir brauchen ja nur ein Körnchen Salz in den Mund zu nehmen, sofort muß es aufgelöst werden. Es tritt sofort eine Verwandelung ein. Der menschliche physische Leib in seinem Inneren ist nicht gleich der äußeren Natur. Er verwandelt dasjenige, was er aufnimmt und verwandelt es wiederum zurück. So daß wir im menschlichen physischen Organismus etwas zu suchen haben, was in seinem Anfange bei der Aufnahme der physischen Substanzen ähnlich ist der äußeren Natur, was bei seiner Ausgabe ähnlich ist der äußeren Natur. Dazwischen aber liegt dasjenige, was eben erst erkannt werden muß im Menschenwesen.
[ 6 ] But in any case, we see that as soon as the intake of external physical substances begins—say, in the mouth, for example—a transformation takes place immediately. We need only put a grain of salt in our mouth; it must be dissolved immediately. A transformation occurs at once. The inner nature of the human physical body is not the same as external nature. It transforms what it takes in and then transforms it back again. Thus, within the human physical organism, we must seek something that, in its initial stage of taking in physical substances, is similar to external nature, and that, in its output, is similar to external nature. But in between lies that which has yet to be recognized in the human being.


[ 7 ] Stellen Sie sich einmal dasjenige schematisch vor, was ich gesagt habe (siehe Zeichnung). Wir haben das, was der menschliche physische Organismus aufnimmt, und wir haben das, was er ausgibt, auch als seinen ganzen Leib ausgibt. Dazwischen liegen die Vorgänge, die im menschlichen Organismus vor sich gehen zwischen der Aufnahme und der Ausgabe. Wir können gar nicht bei dem, was der menschliche physische Organismus aufnimmt, irgend etwas über das Verhältnis des Menschen zur äußeren Natur sagen. Denn man möchte das aussprechen: Wenn es schon so ist, daß die äußere physische Natur den Leichnam des Menschen vernichtet, auflöst, zerstäubt, der Mensch zahlt der äußeren Natur in bezug auf seinen eigenen Organismus das wiederum zurück. Er löst auch alles auf, was er von der äußeren Natur empfängt. Also wenn wir bei denjenigen Organen beginnen, durch die der Mensch Physisches aufnimmt, kommen wir zu keinem Verhältnis zur äußeren Natur, denn die vernichten die äußere Natur. Wir kommen allein zu einem Verhältnis des Menschen zur äußeren Natur, wenn wir auf das hinschauen, was der Mensch ausscheidet. Mit Bezug auf die Gestalt, die der Mensch ins physische Leben hereinträgt, ist die Natur eine Zerstörerin; in bezug auf dasjenige, was er ausscheidet, nimmt sie das auf, was der menschliche Organismus liefert. So daß der menschliche physische Organismus an seinem Ende sich selber ganz ungleich, aber der äußeren Natur sehr ähnlich wird. Der menschliche physische Organismus macht sich der äußeren Natur erst ähnlich, indem er ausscheidet.
[ 7 ] Try to visualize schematically what I have said (see diagram). We have what the human physical organism takes in, and we have what it gives out—including what it gives out through its entire body. In between lie the processes that take place within the human organism between intake and output. We cannot say anything at all about the relationship between the human being and external nature based on what the human physical organism takes in. For one might say this: If it is indeed the case that external physical nature destroys, dissolves, and disperses the human body, then the human being, in relation to his own organism, pays this back to external nature. He also dissolves everything he receives from external nature. So if we begin with the organs through which the human being takes in physical matter, we do not arrive at a relationship to external nature, for these organs are destroyed by external nature. We arrive at a relationship between the human being and external nature only when we look at what the human being excretes. With regard to the form that the human being brings into physical life, nature is a destroyer; but with regard to what the human being excretes, nature takes in what the human organism provides. Thus, at the end of its life, the human physical organism becomes quite unlike itself, yet very similar to external nature. The human physical organism only becomes similar to external nature through excretion.
[ 8 ] Wenn Sie dies bedenken, dann werden Sie sich sagen: Draußen in der Natur sind die Substanzen der verschiedenen Naturreiche. Sie sind heute nun einmal, wie sie eben geworden sind; aber sie sind ganz gewiß nicht immer so gewesen. Das gibt selbst die physische Wissenschaft zu, daß, wenn man zurückgeht im Zeitenverlaufe und man zu alten Zuständen des Irdischen kommt, diese ganz anders sind als heute; also dasjenige, was uns draußen in den Reichen der Natur umgibt, ist erst zu dem geworden, was es heute ist. Und wenn man auf den menschlichen physischen Leib hinsieht, so muß man sich sagen: Der menschliche physische Leib vernichtet, was er aufnimmt, zunächst in sich, verwandelt es — wir werden schon darauf kommen, daß er es in Wirklichkeit vernichtet, aber sagen wir zunächst verwandelt —, jedenfalls muß er es zu einem gewissen Zustande bringen, aus dem heraus er es dann weiterführen kann bis zu der heutigen physischen Natur. Das heißt, wenn Sie sich auf der einen Seite irgendwo im menschlichen Organismus einen Anfang denken, wo die Substanzen beginnen sich bis zu den Ausscheidungen hin zu entwickeln, und dann die Erde sich denken (siehe Zeichnung), so muß die Erde nur in einer langen Zeit irgendwo irgendwie zurückgehen zu einem Zustande, in dem sie einmal war, und in dem heute das Innere des menschlichen physischen Organismus ist. Sie müssen sagen: Es muß irgendwo in der Vergangenheit die ganze Erde in einem Zustande gewesen sein, worin heute irgendetwas im Inneren des Menschen ist. Und in der kurzen Spanne Zeit, in der sich im menschlichen Organismus ein in ihm organisch Verwobenes in die Ausscheidungen verwandelt, in dieser kurzen Zeit wiederholen die inneren Vorgänge des menschlichen Organismus dasjenige, was im Laufe langer Zeiträume von der Erde selber vollzogen worden ist.
[ 8 ] If you consider this, you will say to yourself: Out in nature are the substances of the various kingdoms of nature. Today they are simply as they have become; but they certainly have not always been this way. Even physical science admits that, if one goes back in time and examines the Earth’s past states, they are quite different from what they are today; thus, what surrounds us out there in the kingdoms of nature has only recently become what it is today. And when we look at the human physical body, we must say to ourselves: The human physical body first destroys what it takes in within itself, transforms it—we will come to the point that it actually destroys it, but let us say for now that it transforms it—in any case, it must bring it to a certain state from which it can then carry it on to the physical nature we see today. That is to say, if you imagine, on the one hand, a starting point somewhere within the human organism where substances begin to develop all the way through to excretions, and then imagine the Earth (see drawing), then the Earth must, over a long period of time, somehow revert to a state in which it once was—and which is now the interior of the human physical organism. You must say: Somewhere in the past, the entire Earth must have been in a state that corresponds to what is found today within the human being. And in the brief span of time during which something organically interwoven within the human organism is transformed into excretions, the internal processes of the human organism repeat what the Earth itself has accomplished over the course of long periods of time.
[ 9 ] Wir schauen daher auf die äußere Natur und sagen uns: Dasjenige, was heute äußere Natur ist, es war einmal ganz anders. Aber wenn wir auf den Zustand, in dem diese äußere Natur einmal war, hinschauen und etwas ähnliches finden wollen, dann müssen wir in unseren eigenen Organismus hineinschauen. Da ist noch der Erdenanfang drinnen. Jedesmal, wenn wir essen, kommen die Eßmaterialien im Inneren durch die Verwandelung, die sie durchmachen, in einen Zustand, in dem die ganze Erde einmal war. Und die Erde hat im Laufe langer Zeiträume sich weiter entwickelt, ist das geworden, was sie heute ist. Wir haben dasjenige, was im Menschen vorhanden ist als ein Zustand seiner verzehrten Nahrungsmittel, die sich entwickeln bis zu den Ausscheidungen. In dieser Entwickelung eines kurzen Zeitraumes liegt, kurz wiederholt, der ganze Erdenprozeß.
[ 9 ] We therefore look at the external natural world and say to ourselves: What is the external natural world today was once quite different. But if we want to look at the state in which this external natural world once was and find something similar, then we must look within our own organism. The beginning of the Earth is still there. Every time we eat, the food we consume undergoes a transformation within us that brings it into a state in which the entire Earth once existed. And over the course of long periods of time, the Earth has continued to develop, becoming what it is today. What exists within the human being is the state of the food consumed, which develops all the way through to excretion. To put it briefly, this development over a short period of time encapsulates the entire process of the Earth.
[ 10 ] Sehen Sie, man kann auf den Frühlingspunkt blicken, in dem jährlich im Frühling die Sonne aufgeht. Er verschiebt sich, er schreitet vorwärts. In alten Zeiten, sagen wir im ägyptischen Zeitraum, war der Frühlingspunkt im Sternbilde des Stieres. Er ist fortgeschritten durch das Sternbild des Stieres, des Widders, steht heute im Sternbild der Fische. Und dieser Frühlingspunkt läuft immer weiter und weiter. Er läuft im Kreise herum. Er muß nach einiger Zeit wiederum zurückkommen. Der Sonnenaufgangspunkt durchläuft einen Himmelskreis in 25920 Jahren. Die Sonne durchläuft diesen Kreis jeden Tag. Sie geht auf, sie geht unter und durchläuft dabei dieselbe Bahn, die der Frühlingspunkt durchläuft. Wir blicken auf den langen Zeitraum von 25920 Jahren als der Umlaufszeit des Frühlingspunktes. Wir blicken auf den kurzen Zeitraum eines Sonnenauf- und -unterganges bis zum Zurückkommen wiederum zum Aufgangspunkte — auf einen vierundzwanzigstündigen Zeitraum blicken wir. Da durchläuft die Sonne denselben Kreis in kurzer Zeit.
[ 10 ] You see, one can look toward the vernal equinox, where the sun rises every spring. It shifts; it moves forward. In ancient times—let’s say during the Egyptian period—the vernal equinox was in the constellation of Taurus. It has moved through the constellations of Taurus and Aries, and today it is in the constellation of Pisces. And this vernal equinox keeps moving farther and farther. It moves in a circle. After some time, it must return again. The vernal equinox completes a circuit of the celestial sphere in 25,920 years. The sun traverses this circuit every day. It rises, it sets, and in doing so follows the same path as the vernal equinox. We view the long period of 25,920 years as the orbital period of the vernal equinox. We view the short period from sunrise to sunset until it returns again to the point of sunrise—we view a twenty-four-hour period. During that time, the Sun traverses the same circle in a short time.
[ 11 ] So ist es mit dem menschlichen physischen Organismus. Im Laufe längerer Jahre hat die Erde aus Substanzen bestanden, die gleich denen sind, die wir in uns tragen, wenn wir einen gewissen Grad der Verdauung erreicht haben, gerade den Zwischenpunkt zwischen der Aufnahme und der Ausscheidung, wo sich die Aufnahme in die Ausscheidung verwandelt; da tragen wir in uns den Erdenanfang. In kurzer Zeit bringen wir es bis zu der Ausscheidung. Da sind wir der Erde ähnlich. Da werden die Stoffe in der Form, wie sie heute sind, der Erde übergeben. Wir tun mit unserem Ernährungsprozeß im physischen Leib etwas ähnliches, wie es die Sonne tut bei ihrem Umgang gegenüber dem Frühlingspunkte. Wir dürfen daher hinausschauen auf das physische Erdenrund und dürfen sagen: Heute ist dieses physische Erdenrund bei Gesetzen angekommen, welche die Gestalt unseres physischen Organismus auflösen. Aber diese Erde muß einmal in einem Zustande gewesen sein, wo auf sie Gesetze wirkten, die heute unseren physischen Organismus dahin bringen, wo eben die Nahrungsmittel sind, wenn sie zwischen Aufnahme und Ausscheidung in der Mitte drinnenstehen. Das heißt, wir tragen die Gesetze des Erdenanfangs in uns. Wir wiederholen dasjenige, was einmal auf der Erde da war.
[ 11 ] So it is with the human physical organism. Over the course of many years, the Earth has consisted of substances that are the same as those we carry within us when we have reached a certain stage of digestion—precisely the midpoint between ingestion and excretion, where ingestion transforms into excretion; at that point, we carry within us the Earth’s origin. In a short time, we bring it to the point of excretion. There we are similar to the Earth. There, the substances, in the form they have today, are handed over to the Earth. Through our process of nutrition in the physical body, we do something similar to what the Sun does in its orbit around the vernal equinox. We may therefore look out upon the physical Earth and say: Today, this physical Earth has arrived at laws that dissolve the form of our physical organism. But this Earth must once have been in a state where laws were at work that today bring our physical organism to the point where food is, precisely when it is in the middle, between intake and excretion. That is to say, we carry within us the laws of the Earth’s beginnings. We are repeating what once existed on Earth.
[ 12 ] Nun, so können wir sagen: Wenn wir unseren physischen Organismus ansehen als dasjenige, das die äußeren Stoffe aufnimmt und sie wiederum abschiebt in der Form von äußeren Stoffen, so ist dieser physische Organismus in einem gewissen Sinne also hinorganisiert auf die Aufnahme und Ausscheidung der heutigen Substanzen; aber in sich trägt er etwas, was im Erdenanfange vorhanden war, was heute die Erde nicht mehr hat, was aus ihr verschwunden ist, denn die Erde hat die Endprodukte, nicht aber die Anfangsprodukte. Wir tragen also etwas in uns, was wir suchen müssen in sehr, sehr alten Zeiten innerhalb der Konstitution der Erde. Und was wir so in uns tragen, was zunächst die Erde als Ganzes nicht hat, das ist dasjenige, das den Menschen hinaushebt über das physische Erdendasein. Das ist dasjenige, was den Menschen dazu bringt, sich zu sagen: Ich habe in mir den Erdenanfang bewahrt. Ich trage, indem ich durch die Geburt ins physische Dasein hereintrete, immer etwas in mir, was die Erde heute nicht hat, aber vor Jahrmillionen gehabt hat.
[ 12 ] Well, we can say this: If we view our physical organism as that which takes in external substances and in turn expels them in the form of external substances, then this physical organism is, in a certain sense, organized for the intake and excretion of today’s substances; but within itself it carries something that was present at the beginning of the Earth, something the Earth no longer has today, something that has disappeared from it, for the Earth possesses the end products, but not the initial products. We therefore carry within us something that we must seek in very, very ancient times within the constitution of the Earth. And what we thus carry within us—which the Earth as a whole no longer possesses—is that which elevates the human being above physical earthly existence. This is what leads the human being to say to themselves: I have preserved the beginning of the Earth within me. By entering physical existence through birth, I always carry within me something that the Earth does not have today, but which it possessed millions of years ago.
[ 13 ] Sie sehen daraus, daß wir, wenn wir den Menschen eine kleine Welt nennen, nicht bloß Rücksicht darauf nehmen können, wie die Welt um uns herum heute ist, sondern daß wir über den heutigen Zustand in die Entwickelungszeiten hineingehen müssen, daß wir, um den Menschen zu verstehen, uralte Erdenzustände ins Auge fassen müssen.
[ 13 ] You can see from this that when we refer to human beings as a “small world,” we cannot merely take into account what the world around us is like today; rather, we must look beyond the present state of affairs and delve into the periods of evolution, and that in order to understand human beings, we must consider ancient conditions on Earth.
[ 14 ] Dasjenige, was auf diese Art an dem Menschen noch vorhanden ist, was die Erde nicht mehr hat, kann aber dennoch vor der menschlichen Beobachtung auftreten. Und das geschieht dadurch, daß der Mensch zu dem greift, was man meditieren nennen kann. Man ist gewöhnt, die Vorstellungen, durch die man die äußere Welt wahrnimmt, einfach in sich entstehen zu lassen, die äußere Welt durch diese Vorstellungen abzubilden. Und in den letzten Jahrhunderten hat sich der Mensch so stark gewöhnt, nur die äußere Welt abzubilden, daß er gar nicht dazu kommt, sich innerlich bewußt zu werden, daß er auch selber Vorstellungen von innen heraus frei bilden kann. Solche Vorstellungen von innen heraus frei bilden, heißt meditieren: sich im Bewußtsein durchdringen mit Vorstellungen, die nicht von der äußeren Natur kommen, mit Vorstellungen, welche aus dem Inneren herausgeholt werden, wobei man vorzugsweise aufmerksam ist auf diejenige Kraft, die diese Vorstellungen heraustreibt. Man kommt dann dazu, zu fühlen, wie wirklich im Menschen ein zweiter Mensch steckt, wie wirklich im Menschen etwas innerlich fühlbar werden kann, was man so erlebt, wie zum Beispiel die Muskelkraft, mit der man einen Arm ausstreckt — man erlebt diese Muskelkraft am Menschen. Wenn man denkt, erlebt man gewöhnlich nichts; aber durch das Meditieren ist es möglich, die Gedankenkraft, die Kraft, durch die man die Gedanken bildet, in einer solchen Weise zu verstärken, daß man sie innerlich so erlebt wie die Muskelkraft, wenn man den Arm ausstreckt. Und das Meditieren hat einen Erfolg, wenn man sich zuletzt sagen kann: Ich bin eigentlich in meinem gewöhnlichen Denken ganz passiv. Ich lasse mit mir etwas geschehen. Ich lasse mich von der Natur ausstopfen mit Gedanken. Aber ich will mich nicht weiter ausstopfen lassen mit Gedanken, sondern ich versetze in mein Bewußtsein hinein diejenigen Gedanken, die ich haben will, und ich gehe von einem Gedanken zu dem anderen über nur durch die Kraft des inneren Denkens selber. — Da wird das Denken immer stärker und stärker, wie die Muskelkraft stärker wird, wenn man den Arm gebraucht. Da merkt man zuletzt, daß dieses Denken ebenso ein Spannen, ein Tasten, ein innerliches Erleben ist wie das Erleben der Muskelkraft. Hat der Mensch sich so innerlich erlebt, daß er sein Denken in sich fühlt, wie man sonst nur die innere Muskelkraft fühlt, dann tritt sofort dasjenige vor sein Bewußtsein, was er zunächst in sich trägt als Wiederholung eines alten Erdenzustandes. Er lernt erkennen diejenige Kraft, welche die von ihm genossenen Speisen im physischen Leibe umwandelt und wiederum zurückverwandelt. Und indem er dazu kommt, in sich diesen höheren Menschen zu erleben, der so real ist, wie nur der physische Mensch ist, kommt er zugleich dazu, die äußeren Dinge der Welt nun auch mit diesem erkrafteten Denken anzuschauen.
[ 14 ] That which still exists in human beings in this way—which the Earth no longer possesses—can nevertheless manifest itself to human observation. And this happens when a person turns to what might be called meditation. We are accustomed to simply allowing the images through which we perceive the external world to arise within us, and to representing the external world through these images. And in recent centuries, human beings have become so accustomed to representing only the external world that they never get around to becoming inwardly aware that they, too, can freely form images from within. Freely forming such images from within is what meditation means: permeating one’s consciousness with images that do not come from external nature, with images drawn from within, while paying particular attention to the force that drives these images forth. One then comes to feel how there truly is a second human being within the human being, how something can truly become inwardly perceptible within the human being—something experienced in the same way as, for example, the muscular strength with which one extends an arm—one experiences this muscular strength within the human being. When one thinks, one usually experiences nothing; but through meditation, it is possible to strengthen the power of thought—the power by which one forms thoughts—in such a way that one experiences it inwardly just as one experiences muscular strength when extending one’s arm. And meditation is successful when one can finally say to oneself: I am actually quite passive in my ordinary thinking. I let things happen to me. I let nature fill me up with thoughts. But I no longer want to let myself be filled up with thoughts; instead, I bring into my consciousness the thoughts I want to have, and I move from one thought to the next solely through the power of inner thinking itself. — Then thinking becomes stronger and stronger, just as muscular strength increases when one uses one’s arm. Eventually one realizes that this thinking is just as much a straining, a feeling one’s way, an inner experience as the experience of muscular strength. Once a person has experienced themselves inwardly to the point where they feel their thinking within themselves—just as one otherwise feels only inner muscular strength—then what they initially carry within themselves as a repetition of an old earthly state immediately comes to the forefront of their consciousness. He learns to recognize the force that transforms the food he has eaten within his physical body and then transforms it back again. And as he comes to experience within himself this higher human being—who is as real as the physical human being is—he simultaneously comes to view the external things of the world through this empowered thinking as well.
[ 15 ] Nun, meine lieben Freunde, denken Sie sich: mit einem solchen erkrafteten Denken schaue ich auf einen Stein, meinetwillen auf einen Salzwürfel oder auf einen Quarzkristall. Ich schaue mit dieser innerlichen Erkraftung auf einen Stein. Da ist es so, daß es mir vorkommt, wie wenn ich einem Menschen begegne: den habe ich doch schon gesehen? Ich erinnere mich dadurch, daß ich ihn wieder vor mir sehe, an Erlebnisse, die ich vor zehn, zwanzig Jahren mit ihm gehabt habe. Mittlerweile war er meinetwillen in Australien oder irgendwo. Dasjenige, was jetzt als Mensch vor mich hintritt, zaubert mir herauf das Erlebnis, das ich mit ihm vor zehn oder zwanzig Jahren gehabt habe. Schaue ich einen Salzwürfel, schaue ich einen Quarzkristall an mit dem erkrafteten Denken, sofort steht vor mir, wie dieser Salzwürfel, dieser Quarzkristall einmal war, wie wenn die Erinnerung an einen Urzustand der Erde aufgehen würde. Damals aber war dieser Salzwürfel nicht hexaedrisch, also nicht sechsflächig, sondern alles war in einem welligen, webenden Steinweltenmeer. Der Urzustand der Erde geht so auf, wie an den gegenwärtigen Gegenständen eben eine Erinnerung aufgeht.
[ 15 ] Now, my dear friends, imagine this: with such a strengthened thought, I look at a stone—let’s say a cube of salt or a quartz crystal. I look at a stone with this inner strength. It is as if I were encountering a person: haven’t I seen this person before? Seeing him before me again brings back memories of experiences I had with him ten or twenty years ago. In the meantime, he had been in Australia or somewhere else, as far as I’m concerned. The being that now steps before me as a human being conjures up the experience I had with him ten or twenty years ago. When I look at a salt cube or a quartz crystal with this energized thinking, I immediately see before me what this salt cube or quartz crystal once was, as if the memory of the Earth’s primordial state were unfolding. Back then, however, this salt cube was not hexahedral—that is, it did not have six faces—but everything existed within a undulating, weaving sea of stone worlds. The primordial state of the Earth emerges in this way, just as a memory arises in relation to the objects before us.
[ 16 ] Und dann blicke ich zum Menschen zurück, und ganz derselbe Eindruck, den ich sonst vom Urzustand der Erde habe, stellt sich mir dar in einem zweiten Menschen, den der Mensch in sich trägt. Und ganz derselbe Eindruck stellt sich mir dar, wenn ich nun nicht Steine ansehe, sondern wenn ich Pflanzen ansehe. Und ich komme dazu, mit einem gewissen Recht neben dem physischen Leib von einem Ätherleib zu sprechen. Die Erde war einstmals Äther. Sie ist aus dem Äther das geworden, was sie heute ist in ihren unorganischen, in ihren leblosen Dingen. Die Pflanze trägt noch dasjenige in sich, was ein uralter Zustand der Erde war. Und ich selber auch: als einen zweiten Menschen, als den Ätherleib des Menschen.
[ 16 ] And then I look back at the human being, and the very same impression I otherwise have of the Earth’s primordial state presents itself to me in a second human being that the human carries within. And the very same impression presents itself to me when I look not at stones, but at plants. And I am led, with some justification, to speak of an etheric body alongside the physical body. The Earth was once ether. From the ether, it became what it is today in its inorganic, lifeless forms. The plant still carries within itself what was once an ancient state of the Earth. And so do I: as a second human being, as the etheric body of the human being.
[ 17 ] Das alles, was ich Ihnen schildere, kann Beobachtungsgegenstand des erkrafteten Denkens werden. So daß wir sagen können: Gibt sich der Mensch Mühe, das erkraftete Denken zu haben, dann schaut er an sich, an der Pflanze, und indem er auf die Mineralien sieht, in Erinnerung an uralte Zeiten, die die Mineralien wachrufen, außer dem Physischen Ätherisches. Nun aber, was weiß man denn aus dem, was einem so in einer höheren Beobachtung entgegentritt? Man weiß daraus, daß die Erde einmal in einem ätherischen Zustande war, daß der Äther geblieben ist, daß er heute noch die Pflanzen durchsetzt, die Tiere durchsetzt, denn auch an ihnen nimmt man ihn wahr, daß er den Menschen durchsetzt.
[ 17 ] Everything I am describing to you can become the object of observation for thinking that has been strengthened. So that we can say: If a person makes an effort to cultivate this active thinking, then he looks at himself, at the plant, and, as he looks at the minerals—recalling the ancient times that the minerals evoke—he perceives the etheric beyond the physical. But what, then, can one learn from what one encounters in such higher observation? From this, one knows that the Earth was once in an etheric state, that the ether has remained, that it still permeates plants and animals today—for one perceives it in them as well—and that it permeates human beings.
[ 18 ] Aber nun tritt ein weiteres auf. Die Mineralien erblicken wir ätherfrei. Die Pflanzen erblicken wir mit Äther begabt. Aber wir lernen zu gleicher Zeit den Äther überall sehen. Er ist heute noch da. Er füllt den Weltenraum aus. Er nimmt nur nicht teil an der äußeren mineralischen Natur. Er ist überall da. Und wenn ich nur die Kreide aufhebe, da merke ich, in dem Äther geht allerlei vor. Oh, das ist ein verwickelter Prozeß, ein verwickelter Vorgang, wenn ich die Kreide aufhebe. Mein Arm und meine Hand heben die Kreide auf. Dasjenige, was da meine Hand tut, das ist die Entwickelung einer Kraft in mir. Diese Kraft in mir ist während des wachen Zustandes vorhanden; während des schlafenden Zustandes ist sie nicht vorhanden. Wenn ich das, was der Äther tut, verfolge, die geschilderte Verwandlung der Nahrungsmittel, so ist das durch den Wach- und durch den Schlafzustand hindurch vorhanden. Das könnte man zunächst, wenn man oberflächlich wäre, beim Menschen bezweifeln, aber bei den Schlangen nicht, denn die schlafen, um zu verdauen. Aber dasjenige was dadurch geschieht, daß ich den Arm hebe, das kann nur im wachen Zustand geschehen. Der Ätherleib hilft mir nichts zu diesem Heben. Aber dennoch, wenn ich nur die Kreide hebe, muß ich Ätherkräfte überwinden, muß ich in den Äther hineinwirken. Aber der eigene Ätherleib kann das nicht. Ich muß also einen dritten Menschen in mir tragen, der das kann.
[ 18 ] But now another aspect comes into play. We perceive minerals as devoid of ether. We perceive plants as endowed with ether. But at the same time, we learn to see the ether everywhere. It is still there today. It fills the space of the universe. It simply does not participate in the outer mineral nature. It is everywhere. And when I simply pick up the piece of chalk, I notice that all sorts of things are happening in the ether. Oh, it is a complex process, a complex sequence of events, when I pick up the piece of chalk. My arm and my hand pick up the chalk. What my hand is doing there is the unfolding of a force within me. This force within me is present during the waking state; during the sleeping state, it is not present. If I observe what the ether does—the transformation of food described above—it is present throughout both the waking and sleeping states. At first glance, if one were to be superficial, one might doubt this in the case of humans, but not in the case of snakes, for they sleep in order to digest. But what happens when I raise my arm can only occur in the waking state. The etheric body does not assist me in this lifting. Yet even when I merely lift a piece of chalk, I must overcome etheric forces; I must act into the ether. But my own etheric body cannot do this. I must therefore carry within me a third human being who can do so.
[ 19 ] Diesen dritten Menschen, ihn finde ich nicht in irgend etwas ähnlichem draußen in der Natur zunächst. Diesen dritten Menschen, der sich bewegen kann, der Dinge heben kann, der seine eigenen Glieder heben kann, ihn finde ich nicht in der äußeren Natur. Aber die äußere Natur, in der überall Äther ist, die tritt ja in Beziehung zu diesem, sagen wir, Kräftemenschen, zu diesem Menschen, in den der Mensch selber die Kraft seines Willens hineingießt.
[ 19 ] At first glance, I cannot find this third kind of human being in anything similar out there in nature. This third kind of human being—who can move, who can lift things, who can lift his own limbs—I cannot find him in external nature. But external nature, in which ether is everywhere present, does indeed enter into a relationship with this—let’s say—“human of power,” with this human being into whom the human being himself pours the power of his will.
[ 20 ] Zunächst kann man diese innere Kräfte-Entfaltung nur wahrnehmen an sich selber durch ein inneres Erleben. Wenn man aber die Meditation weiter treibt, wenn man nicht nur das innerlich tut, daß man Vorstellungen selber schafft, von einer Vorstellung zur anderen übergeht, um so das Denken zu erkraften, sondern wenn man, nachdem man ein solches kraftvolles Denken sich errungen hat, es innerlich wieder abschafft, sich ganz leer im Bewußtsein macht, dann erreicht man etwas Besonderes. Ja, wenn man sich von den gewöhnlichen Gedanken, die man passiv erwirbt, freimacht, schläft man ein. In dem Augenblick, wo der Mensch nicht mehr wahrnimmt, nicht mehr denkt, schläft er ein, weil das gewöhnliche Bewußtsein eben passiv erworben ist. Ist es nicht da, schläft er ein. Aber wenn man die Kräfte entwickelt, durch die man das Ätherische sieht, hat man einen innerlich erstarkten Menschen. Man fühlt die Gedankenkräfte, wie man sonst die Muskelkräfte fühlt. Wenn man diesen erstarkten Menschen wiederum wegsuggeriert, dann schläft man nicht ein, dann exponiert man sein leeres Bewußtsein der Welt. Dann tritt dasjenige objektiv in den Menschen herein, was der Mensch spürt, indem er seine Arme bewegt, indem er geht, indem er seinen Willen entfaltet. In der Welt des Raumes ist dasjenige nirgends zu finden, was da als Kräfte im Menschen wirkt. Aber es tritt in den Raum herein, wenn man in der Weise, wie ich es geschildert habe, leeres Bewußtsein erzeugt. Dann entdeckt man auch objektiv diesen dritten Menschen im Menschen. Schaut man dann wiederum in die äußere Natur hinaus, dann merkt man: Ja, der Mensch hat einen Ätherleib, die Tiere haben einen Ätherleib, die Pflanzen haben einen Ätherleib. Die Mineralien haben keinen. Die erinnern nur an den ursprünglichen Erdenäther. Aber überall ist Äther. Wo man hinschaut, hingeht, überall ist Äther. Aber er verleugnet sich. Warum? Weil er sich nicht als Äther gibt.
[ 20 ] At first, one can perceive this unfolding of inner forces only within oneself through an inner experience. But if one continues the meditation—if one does not merely engage in the inner process of creating one’s own mental images and moving from one to the next in order to strengthen one’s thinking, but rather, after having attained such powerful thinking, lets it go inwardly and empties one’s consciousness completely—then one achieves something special. Yes, when one frees oneself from the ordinary thoughts that one passively acquires, one falls asleep. The moment a person no longer perceives, no longer thinks, they fall asleep, because ordinary consciousness is, after all, passively acquired. If it is not there, they fall asleep. But when one develops the powers through which one sees the etheric, one has an inwardly strengthened human being. One feels the powers of thought just as one otherwise feels muscular strength. If one then suggests this strengthened human being away again, one does not fall asleep; instead, one exposes one’s empty consciousness to the world. Then that which the human being senses when moving their arms, when walking, and when exercising their will objectively enters into the human being. In the world of space, what acts as forces within the human being cannot be found anywhere. But it enters into space when one creates empty consciousness in the way I have described. Then one also objectively discovers this third human being within the human being. If one then looks out again into the external natural world, one realizes: Yes, the human being has an etheric body; animals have an etheric body; plants have an etheric body. Minerals do not. They merely remind us of the primordial earth ether. But ether is everywhere. Wherever one looks, wherever one goes, ether is everywhere. But it denies itself. Why? Because it does not reveal itself as ether.
[ 21 ] Sehen Sie, wenn Sie mit dem meditativen Bewußtsein, wie ich es zunächst geschildert habe, an die Pflanzen herantreten, so haben Sie ein Ätherbild. Treten Sie an den Menschen heran, Sie haben ein Ätherbild. Wenn Sie aber an den allgemeinen Äther in der Welt herantreten, dann sind Sie so, wie wenn Sie im Meere schwimmen würden: Überall ist nur der Äther. Er gibt kein Bild; aber er gibt in dem Momente ein Bild, wo ich nur die Kreide erhebe: da erscheint im Ätherischen ein Bild, wo mein dritter Mensch seine Kraft entwickelt.
[ 21 ] You see, when you approach plants with the meditative consciousness I described at the beginning, you have an etheric image. When you approach a human being, you have an etheric image. But when you approach the general ether in the world, it is as if you were swimming in the sea: there is nothing but ether everywhere. It does not produce an image; but it does produce an image the moment I simply raise the chalk: then an image appears in the etheric realm where my third being develops its power.
[ 22 ] Stellen Sie sich dieses Bild vor: Die Kreide liegt da zunächst, meine Hand ergreift die Kreide, hebt sie auf. Das Ganze kann ich ja meinetwillen nachbilden in Augenblicksaufnahmen. Das, was sich da entwickelt, das hat im Äther ein Gegenbild. Aber dieses Gegenbild im Äther wird erst in dem Momente gesehen, wo ich durch das leere Bewußtsein wahrnehmen kann, wo ich den dritten Menschen wahrnehmen kann, nicht den zweiten ätherischen Menschen, sondern wo ich den dritten Menschen wahrnehmen kann. Das heißt, der allgemeine Weltenäther wirkt nicht als Äther, er wirkt so wie der dritte Mensch.
[ 22 ] Imagine this scene: The chalk is lying there at first; my hand grasps the chalk and picks it up. I can, of course, recreate the whole thing in my mind as a series of snapshots. What unfolds there has a counterpart in the ether. But this counterpart in the ether is only seen at the moment when I can perceive through empty consciousness—when I can perceive the third human being, not the second, etheric human being, but the third human being. This means that the general world ether does not act as ether; it acts like the third human being.


[ 23 ] Und ich kann sagen: Ich habe zunächst den physischen Leib (Oval), dann den ätherischen Leib, den ich wahrnehme durch das meditative Bewußtsein (gelb), dann den dritten Menschen, ich nenne ihn den astralischen Menschen (rötlich). Ringsherum überall habe ich aber dasjenige, was hier das zweite war in der Welt, den Weltenäther (gelb). Dieser Weltenäther, er ist zunächst wie ein unbestimmtes Äthermeer. Nun, in dem Moment, wo ich irgend etwas, was von meinem dritten Menschen kommt, in diesen Äther hineinstrahle, da antwortet er mir, wie wenn er gleich wäre meinem dritten Menschen; da antwortet er mir nicht ätherisch, da antwortet er mir astral. So daß ich überall im weiten Äthermeere durch meine eigene Tätigkeit etwas entfessele, was meinem eigenen dritten Menschen ähnlich ist.
[ 23 ] And I can say: First I have the physical body (oval), then the etheric body, which I perceive through meditative consciousness (yellow), and then the third human being—I call him the astral human (reddish). But all around me, everywhere, I have what was the second element in the world, the world ether (yellow). This world ether is, at first, like an indefinite sea of ether. Now, the moment I radiate anything that comes from my third human being into this ether, it responds to me as if it were identical to my third human being; it does not respond to me etherically, but rather astral. Thus, through my own activity, I unleash something throughout the vast sea of ether that is similar to my own third human being.
[ 24 ] Wenn ich mich nun frage: Was ist denn das, was ich da entfessele? Was ist denn das, was da sonst im Ätherischen als ein Gegenbild ist? Ich hebe die Kreide auf, meine Hand geht von unten nach oben. Das Ätherbild geht von oben nach unten. Es ist das richtige Gegenbild. Es ist eigentlich ein astralisches Bild, aber es ist ein bloßes Bild. Aber dasjenige, durch das dieses Bild hervorgerufen wird, ist der heutige reale Mensch. Lerne ich nun durch dasjenige, was ich früher gesagt habe, zurückschauen in der Erdenentwickelung, lerne ich dasjenige, was kurz wiederholt wird auf die Art, wie ich es beschrieben habe, anwenden auf die große Entwickelung, da stellt sich mir dann das Folgende heraus:
[ 24 ] Now, when I ask myself: What is it, then, that I am unleashing there? What is it, then, that serves as a counter-image in the etheric realm? I pick up the chalk; my hand moves from bottom to top. The etheric image moves from top to bottom. It is the correct counterpart. It is actually an astral image, but it is merely an image. Yet that through which this image is evoked is the real human being of today. If I now learn, through what I have said earlier, to look back at Earth’s evolution, and if I learn to apply what has been briefly repeated in the manner I have described to the great process of evolution, then the following becomes clear to me:


[ 25 ] Ich habe den heutigen Erdenzustand (siehe Zeichnung). Ich gehe zurück zu einer Äthererde. In der finde ich noch nicht dasjenige, was da durch mich entfesselt wird im umliegenden Äther. Ich muß noch weiter zurückgehen und komme zu einem noch früheren Erdenzustand, in dem die Erde gleich meinem eigenen Astralleib war, in dem die Erde astralisch war, in dem die Erde ein Wesen war, wie mein dritter Mensch selber ist. Und dieses Wesen, ich muß es suchen in längst vergangenen Zeiten, in viel mehr vergangenen Zeiten, als diejenigen sind, in denen die Erde eine Äthererde war. Aber indem ich da weit zurückgehe in der Zeitenentwickelung, ist es wirklich nicht anders, als wenn ich im Raume einen fernen Gegenstand sehe, meinetwillen ein Licht, das bis hierher leuchtet. (Es wird gezeichnet.) Es ist dort, es leuchtet bis hierher, entwickelt Bilder, geht bis hierher. Hier habe ich es verlassen; hier habe ich für den Raum nur die Zeit. Dasjenige, was meinem eigenen Astralleib gleich ist, war in uralten Zeiten vorhanden, aber es ist immer noch da. Die Zeit hat nicht aufgehört zu sein, sie ist noch da. Und wie im Raume das Licht bis hierher leuchtet, so wirkt dasjenige, was in einer längst vergangenen Zeit liegt, in die heutige Gegenwart herein. Es ist also im Grunde genommen die ganze Zeitentwickelung noch da. Es ist nicht verschwunden, was einmal da war, wenn es so etwas ist, wie dasjenige, was im äußeren Äther meinem eigenen astralischen Leibe ähnlich ist.
[ 25 ] I have the current state of the Earth (see drawing). I go back to an etheric Earth. In it, I do not yet find that which is unleashed through me into the surrounding ether. I must go back even further and arrive at an even earlier state of the Earth, in which the Earth was like my own astral body, in which the Earth was astral, in which the Earth was a being, just as my third human self is. And this being—I must seek it in times long past, in times far more distant than those in which the Earth was an etheric Earth. But as I go back so far in the course of time, it is really no different from when I see a distant object in space—let us say a light that shines all the way here. (A drawing is made.) It is there; it shines all the way here, forms images, and extends all the way here. Here I have left it; here I have only time instead of space. That which is like my own astral body existed in ancient times, but it is still there. Time has not ceased to exist; it is still there. And just as the light shines from space all the way here, so does that which lies in a time long past continue to influence the present. So, essentially, the entire course of time’s development is still present. What once was has not disappeared, if it is something like that which, in the outer ether, resembles my own astral body.
[ 26 ] Ich komme da also zu etwas, was im Geiste vorhanden ist und die Zeit zum Raume macht. Und es ist nicht anders, als wenn ich meinetwillen durch einen Telegraphen weithin korrespondiere; so korrespondiere ich, indem ich die Kreide aufhebe und ein Bild im Äther erzeuge, mit demjenigen, was für die äußere Anschauung längst vergangen ist.
[ 26 ] So I arrive at something that exists in the mind and transforms time into space. And it is no different than when I correspond from afar via a telegraph for my own sake; in this way, by picking up the chalk and creating an image in the ether, I correspond with that which has long since passed for external perception.
[ 27 ] Wir sehen, wie der Mensch in die Welt hineingestellt wird in einer ganz anderen Weise, als ihm das zunächst erscheint. Aber wir begreifen auch, warum für den Menschen Welträtsel auftauchen. Der Mensch fühlt in sich, wenn er sich das auch nicht klarmacht — heute macht es ja nicht einmal die Wissenschaft sich klar —, der Mensch fühlt in sich, daß er ein Ätherisches hat, das die Speisen umwandelt und wiederum zurückverwandelt. Er findet das in den Steinen nicht, sondern die Steine waren in uralten Zeiten noch vorhanden als allgemeiner Äther. Aber in diesem allgemeinen Äther ist wirksam dasjenige, was noch weiter zurückliegt. Der Mensch trägt also eine uralte Vergangenheit schon, wie wir sehen, in zweifacher Weise in sich: eine spätere Vergangenheit in seinem Ätherleib und eine noch weiter zurückreichende Vergangenheit in seinem Astralleibe.
[ 27 ] We see how human beings are placed in the world in a way that is quite different from what it initially appears to be. But we also understand why the mysteries of the world arise for human beings. Human beings sense within themselves—even if they do not realize it—and indeed, not even science today fully grasps this—that they possess an ethereal element which transforms food and then transforms it back again. They do not find this in stones; rather, in ancient times, stones still existed as a general ether. But at work within this general ether is that which lies even further back in time. Human beings thus already carry an ancient past within themselves in two ways, as we can see: a more recent past in their etheric body and a past reaching even further back in their astral body.
[ 28 ] Wenn der Mensch sich heute der Natur gegenüberstellt, betrachtet er eigentlich gewöhnlich nur das Leblose. Das Lebendige selbst in den Pflanzen betrachtet er nur dadurch, daß er die Substanzen und die Gesetze in den Substanzen, die er im Laboratorium erkundet hat, dann auf die Pflanzen anwendet. Das Wachsen läßt er aus, er kümmert sich nicht um das Wachsen, um das Leben in den Pflanzen. Die heutige Wissenschaft betrachtet ja schon die Pflanzen so wie einer, der ein Buch in die Hand nimmt und bloß die Buchstabenformen anschaut und nicht liest. So betrachtet die heutige Wissenschaft alle Dinge der Welt.
[ 28 ] When people today confront nature, they usually focus only on the inanimate. They perceive life in plants only by applying to the plants the substances and the laws governing those substances that they have investigated in the laboratory. They leave out the process of growth; they pay no attention to growth or to the life within plants. Modern science, after all, views plants just as someone who picks up a book and merely looks at the shapes of the letters without reading them. This is how modern science views all things in the world.
[ 29 ] Ja, im Grunde genommen, wenn man so ein Buch aufschlägt und nicht lesen kann, müssen einem die Formen sehr rätselhaft erscheinen. Man kann doch wirklich nicht begreifen, warum da eine Form ist, die just so ausschaut: b, a, dann eine solche: l, und eine solche: d bald. Was tut das nebeneinander? Es ist ja rätselhaft. Das ist ja ein Welträtsel. — Das, was ich Ihnen dargelegt habe als eine Betrachtungsart, ist ein Lesenlernen in der Welt und im Menschen. Und durch das Lesenlernen kommt man allmählich der Lösung der Rätsel nahe.
[ 29 ] Yes, basically, when you open a book like that and can’t read, the shapes must seem very mysterious to you. You really can’t understand why there’s a shape that looks exactly like this: b, a, then one like this: l, and one like this: d right away. What are they doing next to each other? It really is a mystery. It’s a mystery of the world. — What I have presented to you as a way of looking at things is a process of learning to read the world and human beings. And through this process of learning to read, one gradually comes closer to solving the mysteries.
[ 30 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, ich wollte Ihnen heute nur einen allgemeinen Gang des Menschensinnens geben, durch den man hinausgelangen kann aus dem verzweiflungsvollen Zustand, in dem der Mensch sich befindet, und den ich Ihnen gestern geschildert habe. Wir werden aufsteigend betrachten, wie man im Lesen der Erscheinungen draußen in der Welt und im Lesen der Erscheinungen im Menschen immer weiter und weiter dringen kann.
[ 30 ] You see, my dear friends, today I simply wanted to give you a general outline of the human thought process through which one can find a way out of the state of despair in which humanity finds itself, and which I described to you yesterday. We will examine, step by step, how one can delve deeper and deeper by observing the phenomena out in the world and within human beings.
[ 31 ] Damit aber macht man schließlich Gedankengänge durch, die dem heutigen Menschen ganz ungewohnt sind. Und was ist das Gewöhnliche? Das Gewöhnliche ist, daß nun die Menschen sagen: Das verstehe ich nicht. — Aber was heißt denn das: Das verstehe ich nicht? Das heißt nichts anderes als: es stimmt mit demjenigen, was mir in der Schule beigebracht worden ist, nicht überein, und ich bin gewöhnt worden, so zu denken, wie ich in der Schule angeleitet worden bin.
[ 31 ] But this ultimately involves lines of thought that are completely unfamiliar to people today. And what is the usual reaction? The usual reaction is that people say: “I don’t understand that.” — But what does that mean: “I don’t understand that”? It means nothing other than: “It doesn’t agree with what I was taught in school, and I’ve been conditioned to think the way I was instructed in school.”
[ 32 ] Aber die Schule baut doch auf der richtigen Wissenschaft auf. Ja, aber diese richtige Wissenschaft! Wer ein bißchen alt geworden ist wie ich, hat mancherlei da miterlebt. So erlebte man zum Beispiel, daß für jenen Prozeß, den ich hier ja auch heute angedeutet habe, Aufnahme von Nahrungsmitteln, Verwandlung von Nahrungsmitteln im menschlichen Organismus, verschiedenerlei notwendig ist. Man zählt auf: Eiweißstoffe, Zucker und Stärkeprodukte, Fette, Wasser und Salze, das ist für den Menschen notwendig. Nun experimentiert man.
[ 32 ] But the school is based on true science, isn’t it? Yes, but this “true science”! Anyone who’s gotten a little older, like me, has witnessed all sorts of things in this regard. For example, we’ve seen that for that process I’ve alluded to here today—the intake of food and its transformation within the human organism—various elements are necessary. They list them: proteins, sugars and starches, fats, water, and salts—these are essential for humans. Now they’re conducting experiments.
[ 33 ] Wenn man so etwa zwanzig Jahre zurückgeht, da haben die Experimente ergeben, daß der Mensch im Tag mindestens 120 Gramm Eiweiß zu sich nehmen müsse, sonst könne er nicht leben. Das war vor zwanzig Jahren Wissenschaft. Was ist heute Wissenschaft? Heute ist Wissenschaft, daß man mit 20 bis 50 Gramm ausreicht. Das ist heute Wissenschaft. Dazumal war es Wissenschaft, daß man, wenn man die 120 Gramm nicht hat, ein kranker Mensch wird, unterernährt wird. Heute ist Wissenschaft, daß es nicht zuträglich ist, mehr als höchstens 50 Gramm zu haben, man reicht aber auch mit 20 aus. Und wenn man mehr genießt, so bilden sich im Darm faulige Substanzen, die den Körper mit einer Art von Selbstvergiftung behandeln. Es ist also schädlich, mehr als 50 Gramm Eiweiß aufzunehmen. Das ist heute Wissenschaft.
[ 33 ] If you go back about twenty years, experiments showed that a person had to consume at least 120 grams of protein a day; otherwise, they couldn’t survive. That was science twenty years ago. What is science today? Today, science tells us that 20 to 50 grams is sufficient. That is science today. Back then, science held that if you didn’t get the 120 grams, you would become sick and malnourished. Today, science tells us that consuming more than 50 grams is not beneficial, but 20 grams is sufficient. And if one consumes more, putrefactive substances form in the intestines, subjecting the body to a kind of self-poisoning. It is therefore harmful to consume more than 50 grams of protein. That is science today.
[ 34 ] Aber das ist ja nicht nur Wissenschaft, das ist zu gleicher Zeit Leben. Denn denken Sie sich nur einmal, vor zwanzig Jahren, als es wissenschaftlich war, daß man mindestens 120 Gramm Eiweiß haben muß, wurde den Menschen gesagt: Ihr müßt halt solche Nahrungsmittel zu euch nehmen, wobei ihr 120 Gramm Eiweiß in euch bekommt. — Man müßte dann bei dem Menschen auch voraussetzen, daß er das alles bezahlen kann. Das geht in die Nationalökonomie hinein, Man hat sorgfältig dazumal beschrieben, wie es unmöglich ist, durch Pflanzenkost zum Beispiel diese 120 Gramm Eiweiß aufzunehmen. Heute weiß man, daß die nötige Eiweißmenge bei jeder Nahrung in den Menschen kommt; denn wenn er einfach genügend Kartoffeln ißt, er braucht nicht einmal viel zu essen, wenn er Kartoffeln ißt mit etwas Butter, so gibt das die nötige Menge Eiweißstoff. Es ist heute ganz absolut wissenschaftlich sicher, daß das so ist. Und dabei ist die Sache noch so: Wenn der Mensch sich anfüllt mit den 120 Gramm Eiweiß, wird sein Appetit höchst unsicher. Wenn er aber bei einer Nahrung bleibt, die ihm die 20 Gramm Eiweiß liefert, und es passiert ihm wirklich einmal, daß er eine Nahrung zu sich nimmt, die nicht die 20 Gramm hat, durch die er also unterernährt würde, so schmeckt es ihm nicht mehr. Sein Instinkt wird wiederum sicher. Nun ja, dabei gibt es natürlich immer noch unterernährte Menschen. Das kommt von anderen Dingen, das kommt dann jedenfalls nicht von zu geringem Eiweiß. Aber es gibt ganz sicher zahllose Menschen, die, weil sie mit Eiweiß sich überfüttern, Selbstvergiftungen durchmachen und allerlei andere Dinge.
[ 34 ] But this isn’t just science—it’s life itself. Just think back twenty years, when it was considered scientific fact that one needed at least 120 grams of protein; people were told: “You simply have to eat foods that provide you with 120 grams of protein.” — One would then also have to assume that people could afford all of that. This ties into the national economy. Back then, it was carefully explained how it is impossible to obtain these 120 grams of protein through a plant-based diet, for example. Today we know that the necessary amount of protein is provided by any diet; for if a person simply eats enough potatoes—and they don’t even need to eat much—and eats them with a little butter, that provides the necessary amount of protein. It is now absolutely scientifically certain that this is the case. And there’s another aspect to this: If a person fills up on 120 grams of protein, their appetite becomes highly unreliable. But if they stick to a diet that provides them with 20 grams of protein, and it does happen once in a while that they eat a meal that doesn’t contain those 20 grams—which would leave them undernourished—then it no longer tastes good to them. Their instinct becomes reliable again. Well, of course, there are still malnourished people. That stems from other factors; in any case, it certainly isn’t due to insufficient protein. But there are undoubtedly countless people who, because they overfeed on protein, suffer from self-poisoning and all sorts of other problems.
[ 35 ] Ich will jetzt nicht sprechen über die Natur der Infektionskrankheiten, aber am leichtesten ist der Mensch zugänglich für die sogenannte Infektion, wenn er 120 Gramm Eiweiß zu sich nimmt. Da kriegt er am leichtesten Diphtherie oder selbst Pocken. Wenn er nur 20 Gramm zu sich nimmt, wird er sehr schwer angesteckt.
[ 35 ] I don’t want to discuss the nature of infectious diseases right now, but a person is most susceptible to so-called infection when they consume 120 grams of protein. That is when they are most susceptible to diphtheria or even smallpox. If they consume only 20 grams, they are very difficult to infect.
[ 36 ] Es war also einmal wissenschaftlich: Man braucht soviel Eiweiß, daß man sich damit selbst vergiftet und daß man sich jeder möglichen Ansteckung dadurch aussetzt. Das war vor zwanzig Jahren Wissenschaft! Ja, sehen Sie, was man so denkt, das liegt in der Richtung des Wissenschaftlichen; aber wenn man anschaut, was in ganz wichtigen Dingen vor ganz kurzer Zeit wissenschaftlich war und was heute wissenschaftlich ist, dann kommt man doch zu einer wesentlichen Erschütterung dieses Wissenschaftlichen.
[ 36 ] So, according to science back then, you needed so much protein that you would poison yourself and expose yourself to every possible infection. That was science twenty years ago! Yes, you see, what people generally think tends to be in line with scientific thinking; but when you look at what was considered scientific on very important matters just a short time ago and what is considered scientific today, you come to realize that this “scientific” view has been fundamentally shaken.
[ 37 ] Das ist etwas, was man auch als ein Gefühl aufnehmen muß, wenn jetzt etwas auftritt wie die Anthroposophie, die das Denken, das ganze Sinnen des Menschen, die ganze Seelenverfassung eben in eine andere Richtung bringt, als diejenige ist, die nun eben gang und gäbe ist. Ich wollte also nur sozusagen auf etwas hinweisen, was zunächst wie eine Anleitung erscheint, in ein anderes Sinnen und in ein anderes Denken hineinzukommen.
[ 37 ] This is something one must also take to heart when something like anthroposophy emerges—something that directs human thinking, the entire human sensibility, and the entire state of the soul in a different direction than the one that is currently the norm. So I just wanted to point out, so to speak, something that at first appears to be a guide to entering into a different way of feeling and a different way of thinking.



