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Anthroposophy
A Summary After Twenty-one Years
GA 234

27 January 1924, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Heute möchte ich noch einen der Vorträge halten, in dem ich hinweisen möchte von einem gewissen Gesichtspunkte aus auf die Beziehung des exoterischen Lebens zu dem esoterischen Leben, ich könnte auch sagen, auf den Übergang vom gewöhnlichen Wissen zu der Initiationserkenntnis, wobei das durchaus gilt, was ich bei der Beschreibung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, in dem Mitteilungsblatt für Mitglieder, schon vorgebracht habe: daß nämlich alles, was Initiationswissenschaft ist, wenn es in die entsprechenden Ideen gebracht wird, durchaus von jedem Menschen, der nur vorurteilslos genug ist, eingesehen werden kann. So daß man nicht sagen kann, man müsse erst selber der Initiation teilhaftig werden, um dasjenige zu durchschauen, was von seiten der Initiationswissenschaft gesagt werden kann. Aber ich möchte heute die Beziehung desjenigen, was als Anthroposophie auftritt, zu dem, was ihre Quelle, die Quelle der Anthroposophie, die eigentliche Initiationswissenschaft ist, das möchte ich heute einmal erörtern, und dann werden die drei Vorträge, die ich nun mit dem heutigen zusammen zu halten habe, eine Art Einleitung bilden zu dem, was nun das nächste Mal kommen wird als Vorträge in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft: die Gliederung des Menschen nach physischem Leib, Ätherleib und so weiter.

[ 1 ] Today I would like to give another of these lectures, in which I intend to highlight—from a certain perspective—the relationship between exoteric life and esoteric life, or, I might also say, the transition from ordinary knowledge to initiatory knowledge—and in this regard, what I have already stated in my description of the School of Spiritual Science in the newsletter for members certainly applies: namely, that everything that constitutes initiatory science, when expressed in the appropriate terms, can certainly be understood by anyone who is open-minded enough. So one cannot say that one must first undergo initiation oneself in order to grasp what can be said from the perspective of initiatory science. But today I would like to discuss the relationship between what appears as anthroposophy and what is its source—the source of anthroposophy, which is the actual science of initiation—and then the three lectures that I am now to give, together with today’s, will form a kind of introduction to what will follow next time as lectures in the General Anthroposophical Society: the division of the human being into the physical body, the etheric body, and so on.

[ 2 ] Wenn wir uns das heutige Bewußtsein des Menschen ansehen, so müssen wir sagen: Er steht auf der Erde da, schaut in die Weiten des Kosmos hinaus, ohne bei sich zu fühlen eine Beziehung desjenigen, was ihn auf der Erde umgibt, und seiner selbst zu diesen Weiten des Kosmos. Denn man nehme nur einmal, wie abstrakt beschrieben wird, was Sonne ist, von all denjenigen, die heute Anspruch darauf machen, gültige Erkenntnis zu vertreten. Man nehme, wie alles das beschrieben wird von den gleichen Menschen, was Mond ist, wie wenig eigentlich daran gedacht wird, ob denn, abgesehen davon, daß einem die Sonne im Sommer warm macht, im Winter einen kalt läßt, daß der Mond ein beliebter Genosse von Liebenden ist in gewissen Verhältnissen, ob abgesehen davon, an die Beziehung des Menschen, der auf der Erde hier wandelt, zu den Weltenkörpern gedacht wird.

[ 2 ] When we look at human consciousness today, we must say: Human beings stand here on Earth, gazing out into the vastness of the cosmos, without feeling within themselves any connection between what surrounds them on Earth and themselves, on the one hand, and these vast expanses of the cosmos, on the other. For just consider, for a moment, how abstractly the nature of the Sun is described by all those who claim today to represent valid knowledge. Consider how these same people describe what the Moon is—how little thought is actually given to whether, apart from the fact that the Sun warms us in summer and leaves us cold in winter, and that the Moon is a beloved companion of lovers in certain circumstances, any thought is given to the relationship between the human being walking here on Earth and the celestial bodies.

[ 3 ] Und dennoch, man braucht, um diese Beziehungen zu erkennen, nur ein wenig jenen Blick in sich zu entwickeln, von dem ich Ihnen in der vorletzten Stunde hier sprach, den Blick für das, was Menschen einmal gewußt haben, Menschen, die näher standen der großen Welt als die heutigen Menschen, Menschen, die ein naives Bewußtsein gehabt haben, mehr einen Erkenntnisinstinkt gehabt haben als eine verstandesmäßige Erkenntnis, die aber dennoch zu sinnen wußten über die Beziehung der einzelnen Gestirne zum Wesen und Leben des Menschen.

[ 3 ] And yet, to recognize these connections, one need only develop a little of that inner perspective I spoke to you about in the penultimate lecture here—an eye for what people once knew, people who were closer to the greater world than people are today, people who possessed a naive awareness, possessed more of an instinct for insight than intellectual knowledge, yet who nevertheless knew how to reflect on the relationship of the individual celestial bodies to the essence and life of human beings.

[ 4 ] Nun, diese Beziehung des Menschen zu den Gestirnen und damit zu dem ganzen Weltenall, sie muß wiederum in das Bewußtsein der Menschen hinein. Und sie wird hineinkommen, wenn Anthroposophie in der richtigen Weise gepflegt wird.

[ 4 ] Well, this relationship of human beings to the celestial bodies—and thus to the entire universe—must find its way back into human consciousness. And it will do so if anthroposophy is practiced in the right way.

[ 5 ] Der Mensch vermeint heute, sein Schicksal, sein Karma hier auf der Erde zu haben; er blickt nicht nach den Sternen hinauf, um in ihnen Andeutungen für dasjenige zu finden, was Menschengeschick ist. Anthroposophie soll eben den Anteil des Menschen an der übersinnlichen Welt ins Auge fassen. Aber alles, was den Menschen zunächst umgibt, gehört ja eigentlich nur zu seinem physischen Leib und höchstens zu seinem Ätherleib. Und wenn wir noch so weit hinausschauen in die Sternenwelten, wir sehen die Sterne durch ihr Licht. Licht ist eine Äthererscheinung. Alles was wir in der Welt wahrnehmen durch das Licht, ist eine Äthererscheinung. So daß wir noch so weit hinausblicken können im Weltenall, über das Ätherische kommen wir, indem wir einfach den Blick herumschweifen lassen, nicht hinaus.

[ 5 ] People today believe that their destiny, their karma, lies here on Earth; they do not look up at the stars to find in them hints of what human destiny is. Anthroposophy is intended precisely to take into account humanity’s connection to the supersensible world. But everything that initially surrounds human beings actually belongs only to their physical body and, at most, to their etheric body. And no matter how far out we look into the worlds of the stars, we see the stars through their light. Light is an etheric phenomenon. Everything we perceive in the world through light is an etheric phenomenon. So no matter how far out into the universe we may gaze, we do not go beyond the etheric realm simply by letting our gaze wander.

[ 6 ] Aber das menschliche Wesen geht ins Übersinnliche. Der Mensch trägt sein übersinnliches Wesen aus dem vorirdischen Dasein in das irdische herein, und er trägt es nach dem Tode wiederum hinaus, dieses übersinnliche Wesen, sowohl aus dem physischen wie aus dem ätherischen Wesen.

[ 6 ] But the human being extends into the supersensible realm. Human beings carry their supersensible nature from their pre-earthly existence into their earthly life, and after death they carry it out again—this supersensible nature, which is part of both their physical and etheric beings.

[ 7 ] Im Grunde genommen ist nichts von den Welten, die der Mensch betreten hat, bevor er auf die Erde herabgestiegen ist, die er betreten wird, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen sein wird, es ist nichts von diesen Welten im weiten Umkreise, der um uns herum auf der Erde oder im Kosmos draußen ist.

[ 7 ] Essentially, none of the worlds that humans have entered before descending to Earth—or that they will enter once they have passed through the gate of death—exist within the vast expanse that surrounds us here on Earth or out in the cosmos.

[ 8 ] Aber zwei Tore sind, die hinausführen aus der Welt des Physischen und aus der Welt des Ätherischen in das Übersinnliche hinein. Das eine Tor ist der Mond, das andere Tor ist die Sonne. Und wir verstehen Mond und Sonne nur im rechten Sinne, wenn wir uns bewußt werden, daß sie Tore sind zur übersinnlichen Welt, Tore zur übersinnlichen Welt, die sehr viel zu tun haben mit dem, was der Mensch als sein Schicksal hier auf der Erde erlebt.

[ 8 ] But there are two gates that lead out of the physical world and out of the etheric world and into the supersensible world. One gate is the Moon; the other gate is the Sun. And we can only understand the Moon and the Sun in the proper sense when we become aware that they are gateways to the supersensible world—gateways to the supersensible world that have a great deal to do with what human beings experience as their destiny here on Earth.

[ 9 ] Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus zunächst einmal das Mondendasein. Der Physiker weiß nichts über dieses Mondendasein, als daß durch den Mond das zurückgeworfene Sonnenlicht erscheint. Er weiß: Mondenlicht ist ein zurückgeworfenes Sonnenlicht. Aber dabei bleibt er stehen. Er berücksichtigt nicht, daß dasjenige, was als solcher Weltenkörper vor unserem physischen Auge als Mond sichtbar wird, einmal verbunden war mit unserem Erdendasein.

[ 9 ] From this perspective, let us first consider the nature of the moon. The physicist knows nothing about this lunar existence other than that the sunlight reflected by the Moon appears as moonlight. He knows: Moonlight is reflected sunlight. But that is as far as he goes. He does not take into account that what appears to our physical eye as the Moon—a celestial body in its own right—was once connected to our earthly existence.

[ 10 ] Der Mond war einmal eingegliedert in das Erdendasein; er war ein Stück Erde. Er hat sich in Urzeiten von der Erde losgetrennt und wurde ein eigener Weltenkörper draußen im Himmelsraume. Aber nicht nur das, daß er ein eigener Weltenkörper im Himmelsraume wurde, was zuletzt ja doch auch als eine physische Tatsache ausgelegt werden kann, ist der Fall, sondern noch etwas wesentlich anderes.

[ 10 ] The Moon was once part of the Earth’s existence; it was a piece of the Earth. In primeval times, it separated from the Earth and became a celestial body of its own out in space. But it is not merely the case that it became a separate celestial body in outer space—which, after all, can ultimately be interpreted as a physical fact—but something else entirely.

[ 11 ] Wer mit vollem Ernste zurückgeht in der Betrachtung der Menschheitszivilisation und Menschheitskultur, der findet, wie in alten Zeiten über die Erde eine Urweisheit verbreitet war, eine Urweisheit, von der eigentlich vieles abstammt von dem, was noch in unsere Zeiten hereinragt und eigentlich viel gescheiter ist als dasjenige, was heute durch die Wissenschaft erkundet werden kann. Und wer sich von diesem Gesichtspunkte aus zum Beispiel einmal die Veden Indiens oder die Jogaphilosophie betrachtet, der wird vor allen Dingen eine tiefe Ehrfurcht bekommen vor dem, was ihm da mehr in dichterischer Form, in einer heute ungewohnten Form entgegentritt, was aber noch eigentlich um so mehr Ehrfurcht einflößen muß, je mehr er sich darein vertieft. Und wenn man nicht mit der heutigen trockenen, nüchternen Art an diese Dinge herantritt, sondern wenn man sie in all ihrer innerlich aufrüttelnden und doch tiefen Weise auf sich wirken läßt, dann kommt man eben dazu, auch aus äußeren Dokumenten es begreiflich zu finden, wenn Geisteswissenschaft, Anthroposophie, sagen muß aus ihren Erkenntnissen heraus: Es hat einmal eine, wenn auch nicht in Form des Verstandes auftretende, sondern mehr in dichterischer Form über unsere Erde sich ausbreitende Urweisheit gegeben.

[ 11 ] Anyone who looks back with complete seriousness at human civilization and culture will discover how, in ancient times, a primordial wisdom was widespread across the earth—a wisdom from which much of what still extends into our own times actually derives, and which is, in fact, far wiser than what can be explored by science today. And anyone who, from this perspective, considers, for example, the Vedas of India or the philosophy of yoga will, above all, feel a deep sense of awe toward what confronts them there—more in a poetic form, in a form unfamiliar today—but which must actually inspire all the more awe the more one delves into it. And if one does not approach these things with today’s dry, sober manner, but rather allows them to take effect in all their inwardly stirring and yet profound way, then one will come to find it understandable—even from external documents—when spiritual science, anthroposophy, must say, based on its insights: “There once was a primordial wisdom that spread across our Earth, not in the form of the intellect, but rather in a poetic form.”

[ 12 ] Aber der gegenwärtige Mensch ist ja durch seinen physischen Leib darauf angewiesen, dasjenige, was ihm an Weisheit entgegentritt, immerhin so zu begreifen, daß das Werkzeug dieses Begreifens das Gehirn ist. Dieses Gehirn als Werkzeug des Begreifens hat sich erst im Laufe langer Zeiten entwickelt. In der Zeit, als die Urweisheit auf Erden war, war ein heutiges Gehirn nicht vorhanden. Die Weisheit war dazumal Geschöpfen eigen, die nicht in einem physischen Leib lebten.

[ 12 ] But modern human beings, because of their physical bodies, are compelled to comprehend whatever wisdom comes their way in such a way that the brain serves as the instrument of this comprehension. This brain, as an instrument of comprehension, developed only over the course of a long period of time. At the time when primordial wisdom was present on Earth, a brain as we know it today did not exist. Wisdom was then inherent in beings who did not live in physical bodies.

[ 13 ] Es gab einmal Genossen der Menschen auf der Erde, die nicht in einem physischen Leib lebten. Und das waren die großen Urlehrer der Menschheit, die von der Erde verschwunden sind. Nicht nur daß der physische Mond in den Weltenraum hinausgegangen ist, diese Wesenheiten sind mit dem Monde in das Weltenall hinausgegangen. So daß derjenige, der mit wirklicher Einsicht nach dem Monde hinsieht, sich sagt: Da droben ist eine Welt, welche Wesen in sich hat, die einmal hier auf Erden unter uns lebten, uns gelehrt haben in unseren früheren Erdenleben, und die sich jetzt nach der Mondenkolonie zurückgezogen haben. Nur dann, wenn man in dieser Art die Dinge betrachtet, kommt man auf die Wahrheit.

[ 13 ] There were once companions of humankind on Earth who did not live in physical bodies. These were the great primordial teachers of humanity who have vanished from Earth. Not only did the physical Moon depart into outer space, but these beings also departed into the cosmos along with the Moon. So that anyone who looks up at the Moon with true insight says to themselves: Up there is a world that contains beings who once lived here on Earth among us, who taught us in our earlier earthly lives, and who have now withdrawn to the lunar colony. Only when one views things in this way does one arrive at the truth.

[ 14 ] Nun, der Mensch innerhalb seines physischen Leibes kann heute eigentlich nur, wenn ich so sagen darf, in ganz schwachem Aufguß dasjenige betrachten, was einmal Urweisheit war. Er besaß etwas von dieser Urweisheit in uralten Zeiten, wo eben diese Urweisheitslehrer die Lehrer der Menschen waren. Da nahm er auf mit seinem Instinkt, nicht mit dem Verstande, diese Urweisheit auf denjenigen Wegen, durch die höhere Wesenheiten ihm sich offenbaren konnten, als nur solche Wesenheiten, die in einem physischen Leibe sind.

[ 14 ] Well, today, human beings within their physical bodies can, if I may put it that way, really only perceive—in a very faint form—what was once primordial wisdom. They possessed some of this primordial wisdom in ancient times, when it was precisely these teachers of primordial wisdom who were the teachers of humankind. At that time, through instinct—not through the intellect—he absorbed this primordial wisdom through the very channels by which higher beings could reveal themselves to him, as beings distinct from those who are merely in a physical body.

[ 15 ] Und so weist uns all dasjenige, was mit dem Monde zusammenhängt, auf die menschliche Vergangenheit. Diese menschliche Vergangenheit ist für den heutigen Menschen abgestreift. Er hat sie nicht mehr. Aber er trägt sie doch in sich. Und während wir zwischen unserer Geburt und unserem Tode mit jenen Wesenheiten, von denen ich eben gesprochen habe, die einstmals Erdenwesen waren, jetzt Mondenwesen geworden sind, während wir in unserem heutigen Zustande zwischen Geburt und Tod mit diesen Wesenheiten nicht eigentlich uns begegnen, begegnen wir ihnen sehr wohl im vorirdischen Dasein, in dem Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und dasjenige, was wir in uns tragen und was uns immer weist über unsere Geburt hinaus in ein früheres Dasein, was herauftönt aus unserem Unterbewußtsein, nicht zur vollen verstandesmäßigen Klarheit kommt, was daher vielfach mit Gemüt und Gefühl des Menschen zu tun hat, das weist nicht nur den Instinkt der Liebenden nach dem Mondenschein hin, sondern das weist gerade denjenigen nach dem Mondenschein hin, der auf diese unterbewußten Impulse der menschlichen Natur einen Wert legen kann.

[ 15 ] And so everything connected with the Moon points us to the human past. This human past has been shed by modern human beings. They no longer possess it. Yet they still carry it within themselves. And while between our birth and our death we do not actually encounter those beings I have just spoken of—who were once earthly beings and have now become lunar beings—in our present state between birth and death, we do indeed encounter them in our pre-earthly existence, in the existence between death and a new birth. And that which we carry within us—and which always points us beyond our birth to a former existence, which resonates from our subconscious without reaching full intellectual clarity, and which therefore often has to do with the human heart and emotions— that points not only to the instinct of lovers toward the moonlight, but it points precisely to the moonlight for those who can appreciate these subconscious impulses of human nature.

[ 16 ] Dasjenige, was wir unbewußt in uns tragen, das weist uns nach dem Monde hin. Und ein Zeugnis dafür mag uns schon das sein, daß eben der Mond einmal mit der Erde vereinigt war, und die Wesen, die ihn bewohnen, auch einmal mit der Erde vereinigt waren. In dieser Art ist der Mond ein Tor zum Übersinnlichen. Und wer ihn richtig studiert, der wird auch aus seiner äußeren physischen Beschaffenheit einen Anhaltspunkt dafür gewinnen, daß er ein Tor zum Übersinnlichen ist.

[ 16 ] That which we unconsciously carry within us points us toward the Moon. And the very fact that the Moon was once united with the Earth—and that the beings who inhabit it were also once united with the Earth—may serve as evidence of this. In this way, the Moon is a gateway to the supersensible. And anyone who studies it properly will also find evidence in its external physical nature that it is a gateway to the supersensible.

[ 17 ] Denn versuchen Sie nur einmal, sich die Art zu vergegenwärtigen, in der der Mond mit seinen Bergen und so weiter beschrieben wird. All das weist Sie darauf hin, daß diese Berge, diese ganze Mondenkonfiguration, so nicht sein können, wie sie auf der Erde sind. Es wird ja immer betont, daß der Mond keine Luft, kein Wasser hat zum Beispiel. Es ist anders. Es ist eben so mit der Mondenkonfiguration, daß sie ist, wie die Erdenkonfiguration einmal war, ehe sie ganz mineralisch geworden ist.

[ 17 ] Just try to imagine the way the Moon is described, with its mountains and so on. All of this points to the fact that these mountains—this entire lunar configuration—cannot be the same as they are on Earth. After all, it is always emphasized that the Moon has no air or water, for example. It’s different. The fact is that the Moon’s configuration is just as the Earth’s configuration once was, before it became entirely mineral.

[ 18 ] Ich führe Ihnen das heute aphoristisch an. Ich müßte eine ganze Anzahl meiner Bücher vorlesen, müßte manches aus Zyklen vorlesen, wenn ich das zusammenfassen sollte als Ergebnis desjenigen, was hier schon entwickelt worden ist, was ich jetzt vorbringe. Aber ich will zunächst nur charakterisieren, einleitend, wie Anthroposophie vorgeht. Sie führt in der Art, wie ich es gezeigt habe, aus dem Physischen wiederum hinaus in das Geistige. Und naturgemäß denken lernt der Mensch durch Anthroposophie, während er ja heute gar nicht naturgemäß denken kann.

[ 18 ] I am presenting this to you today in aphoristic form. I would have to read aloud from quite a number of my books, and from various cycles, if I were to summarize what I am now presenting as the result of what has already been developed here. But first, by way of introduction, I simply want to describe how anthroposophy proceeds. As I have shown, it leads from the physical realm back into the spiritual. And through anthroposophy, human beings learn to think in a natural way, whereas today they are completely unable to think naturally.

[ 19 ] Sehen Sie, der Mensch weiß heute, daß die physische Substanz seines Leibes oftmals in seinem Erdenleben ausgewechselt wird. Wir schuppen fortwährend ab. Wir schneiden uns die Nägel. Aber so geht alles aus dem Inneren nach der Oberfläche, und schließlich ist dasjenige, was im Zentrum unseres Leibes ist, an der Oberfläche. Wir schuppen es ab. Und keiner von Ihnen, meine lieben Freunde, darf glauben, daß dasjenige, was von Fleisch und Blut, überhaupt von physischer Substanz heute hier auf diesem Stuhle sitzt, auch da gesessen hätte, wenn Sie vor zehn Jahren dagewesen wären. Das alles ist ausgetauscht. Was ist denn geblieben? Ihr Seelisch-Geistiges ist geblieben. Davon weiß man heute wenigstens, wenn man es auch nicht immer bedenkt, daß alle die Menschen, die heute hier auf ihren Stühlen sitzen, nicht dieselben Muskeln und dieselben Knochen gehabt hätten vor zehn oder zwanzig Jahren, wenn sie hier gesessen hätten.

[ 19 ] You see, people today know that the physical substance of their body is frequently replaced during their earthly life. We constantly shed skin. We cut our nails. But in this way, everything moves from the inside to the surface, and eventually what is at the center of our body ends up on the surface. We shed it. And none of you, my dear friends, should believe that what is made of flesh and blood—indeed, of physical substance—sitting here in this chair today would have been sitting there if you had been here ten years ago. All of that has been replaced. What, then, has remained? Your soul-spiritual nature has remained. We know this today, at least—even if we do not always consider it—that all the people sitting here in their chairs today would not have had the same muscles and the same bones ten or twenty years ago, had they been sitting here then.

[ 20 ] Wenn die Leute nach dem Mond hinaufschauen, so haben sie so ungefähr das Bewußtsein: dasjenige, was die äußere physische Substanz des Mondes ist, war vor Jahrmillionen schon so. Es war nämlich ebensowenig so, wie der heutige physische Leib des Menschen vor zwanzig Jahren so war. Allerdings, die physischen Substanzen der Sterne tauschen sich nicht so schnell aus. Aber so lange brauchen sie nicht dazu, als die Physiker heute für die Sonne berechnen. Diese Rechnungen stimmen todsicher, aber sie sind falsch. Ich habe das früher schon öfter erwähnt. Sehen Sie, ich sagte, Sie können berechnen, wie sich die innere Konfiguration Ihres Herzens zum Beispiel verändert, sagen wir, von Monat zu Monat. Nun rechnen Sie es aus durch drei Jahre hindurch. Und Sie rechnen dann ganz exakt, wie nun diese Konfiguration des Herzens vor dreihundert Jahren war, oder wie es in dreihundert Jahren sein wird. Sie kriegen sehr schöne Zahlen heraus. Die Rechnung ist absolut richtig. Rechnungen können ganz richtig sein, aber das Herz war ja noch nicht da vor dreihundert Jahren, wird auch nach dreihundert Jahren nicht da sein.

[ 20 ] When people look up at the moon, they have roughly the following realization: the moon’s outer physical substance has been that way for millions of years. It was just as different from what it is now as a person’s physical body today is from what it was twenty years ago. Admittedly, the physical substances of the stars do not change that quickly. But it does not take as long as physicists today calculate for the Sun. These calculations are absolutely accurate, but they are wrong. I have mentioned this many times before. You see, I said that you can calculate how the internal configuration of your heart, for example, changes—let’s say, from month to month. Now calculate this over a period of three years. And then you calculate very precisely what this configuration of the heart was like three hundred years ago, or what it will be like in three hundred years. You’ll come up with very nice numbers. The calculation is absolutely correct. Calculations can be completely correct, but the heart wasn’t there three hundred years ago, nor will it be there three hundred years from now.

[ 21 ] So rechnen aber heute die Geologen. Sie beobachten die Schichten der Erde, rechnen aus, wie sich diese Schichten im Laufe der Jahrhunderte verändern, multiplizieren die Sache und sagen: Nun ja, vor zwanzig Millionen Jahren war es so! Es ist genau dieselbe Rechnung mit demselben Sinn — nur war alles das von der Erde vor zwanzig Millionen Jahren noch nicht da und wird nach zwanzig Millionen Jahren wieder nicht da sein.

[ 21 ] But that’s how geologists do their calculations today. They observe the Earth’s strata, calculate how these strata change over the centuries, extrapolate the data, and say: Well, that’s how it was twenty million years ago! It’s exactly the same calculation with the same meaning—only, none of that existed on Earth twenty million years ago, and it won’t exist again twenty million years from now.

[ 22 ] Aber ganz davon abgesehen: Geradeso wie der Mensch dem Stoffwechsel unterliegt, so unterliegen alle Himmelskörper dem Stoffwechsel. Und wenn Sie hinaufsehen nach dem Monde: vor einer gewissen Anzahl von Jahrtausenden war die Substanz, die wir heute sehen, ebensowenig in dem Monde drinnen, wie Ihre Substanz vor zehn Jahren auf dem Stuhl gesessen hat. Dasjenige, was den Mond erhält, das sind die Wesenheiten, das ist das Geistig-Seelische in ihm; geradeso wie das Geistig-Seelische in Ihnen das ist, was Sie erhält.

[ 22 ] But quite apart from that: just as human beings are subject to metabolism, so too are all celestial bodies subject to metabolism. And when you look up at the moon: a certain number of millennia ago, the substance we see today was no more present in the moon than your own substance was sitting on this chair ten years ago. What sustains the moon are the beings, the spiritual-soul element within it; just as the spiritual-soul element within you is what sustains you.

[ 23 ] Und erst, wenn wir wissen, daß einmal der physische Mond hinausgegangen ist in den Weltenraum! Aber dasjenige, was da physisch hinausgegangen ist, das wechselt fortwährend seine Substanz, diejenigen Wesenheiten aber, die den Mond bewohnen, sie bleiben auf ihm, die sind das Bleibende, ganz abgesehen nun von ihrem Wandel auch durch wiederholte Mondenleben und so weiter; aber darauf wollen wir heute nicht eingehen.

[ 23 ] And only when we know that the physical Moon has once gone out into outer space! But that which has physically gone out into space is constantly changing its substance, whereas the beings who inhabit the Moon remain on it; they are the enduring ones, quite apart from their own transformation through repeated lunar lives and so on; but we will not go into that today.

[ 24 ] Wenn man den Mond derart betrachtet, so bekommt man schon eine Art Wissenschaft vom Monde, die sich nicht nur in den Kopf, die sich in das Herz des Menschen einschreibt. Man bekommt eine Beziehung zu dem geistigen Kosmos, betrachtet den Mond als das eine der Tore zu dem geistigen Kosmos. Alles was in den Tiefen unseres Wesens drunten vorhanden ist, nicht nur die unbestimmten Liebesgefühle, um es nochmals zu erwähnen, sondern alles was in den unterbewußten Tiefen der Seele vorhanden ist, was das Ergebnis ist früherer Erdenleben, hängt mit dem Mondendasein zusammen. Mit demjenigen, was unser gegenwärtiges Dasein ist, mit dem entreißen wir uns dem Mondendasein. Fortwährend entreißen wir uns dem Mondendasein. Wenn wir durch unsere Sinne nach außen sehen oder hören, wenn wir mit unserem Verstande denken, wenn wir also dasjenige, was nicht aus den Tiefen des Seelenlebens heraufkommt und was wir deutlich als ein Vergangenes, das in uns wirkend war, erkennen, wenn wir nicht das betrachten, sondern wenn wir betrachten, was uns immer wieder in die Gegenwart hereinreißt, dann werden wir ebenso an das Sonnendasein gewiesen, wie wir durch das Vergangene an das Mondendasein gewiesen werden. Nur daß die Sonne auf uns wirkt auf dem Umwege durch den physischen Menschenleib. Wenn wir uns selbständig durch unsere Willkür dasjenige aneignen wollen, was uns die Sonne gibt, so müssen wir eben diese Willkür, diesen Verstand in Erregung bringen. Und mit dem, was wir Menschen heute durch unseren regsamen Verstand einsehen, durch unsere Vernunft, kommen wir lange nicht so weit, als wir instinktiv dadurch kommen, daß einfach eine Sonne im Weltenall ist.

[ 24 ] When one looks at the moon in this way, one gains a kind of knowledge of the moon that is inscribed not only in the mind but also in the human heart. One develops a connection to the spiritual cosmos, viewing the moon as one of the gateways to the spiritual cosmos. Everything that exists in the depths of our being—not only the vague feelings of love, to mention it once more, but everything that exists in the subconscious depths of the soul, which is the result of previous earthly lives—is connected to the lunar existence. Through our present existence, we tear ourselves away from the lunar existence. We are constantly breaking free from the lunar existence. When we see or hear outwardly through our senses, when we think with our intellect—that is, when we do not focus on what does not arise from the depths of our soul life and what we clearly recognize as a past that was active within us, but instead focus on what repeatedly draws us into the present— then we are pointed just as much toward the solar existence as we are pointed toward the lunar existence through the past. Except that the sun acts upon us indirectly through the physical human body. If we wish to appropriate for ourselves, of our own free will, what the sun gives us, then we must stir up precisely this free will, this intellect. And with what we humans today comprehend through our active intellect, through our reason, we do not come nearly as far as we do instinctively simply because there is a sun in the universe.

[ 25 ] Ein jeder weiß, oder kann es wenigstens wissen, daß die Sonne nicht nur uns jeden Morgen aufweckt, um uns aus der Finsternis zum Licht zu rufen, sondern daß die Sonne in ihm Quell der Wachstumskräfte ist, aber auch Quell der seelischen Wachstumskräfte.

[ 25 ] Everyone knows—or at least can know—that the sun not only wakes us up every morning to call us out of darkness into the light, but that the sun is a source of the forces of growth within us, as well as a source of the forces of spiritual growth.

[ 26 ] Dasjenige, was in diesen seelischen Kräften aus der Vergangenheit herüberwirkt, hängt mit dem Monde zusammen, dasjenige, was in der Gegenwart wirkt, aber wozu wir uns eigentlich durch unsere Willkür erst entwickeln werden in der Zukunft, das hängt von der Sonne ab.

[ 26 ] That which influences us from the past through these spiritual forces is connected to the Moon; that which influences us in the present—but which we will actually develop in the future through our own free will—depends on the Sun.

[ 27 ] Ebenso wie der Mond auf unsere Vergangenheit weist, so weist uns die Sonne auf die Zukunft. Und wir blicken hinauf zu den beiden Gestirnen, zu dem des Tages, zu dem der Nacht, und blicken oben auf die Verwandtschaft dieser beiden Gestirne, denn sie senden uns beide dasselbe Licht. Und wir blicken in uns, blicken auf all dasjenige, was in unser Schicksal einverwoben ist durch das, was wir in der Vergangenheit durchgemacht haben als Menschen und erblikken in diesem in unser Schicksal als Vergangenes Einverwobenes unser inneres Mondendasein. Und wir erblicken in dem, was immerzu als Schicksal bestimmend herantritt in der Gegenwart, das Sonnenhafte, nicht nur dasjenige, was in der Gegenwart wirkt, sondern was in die Zukunft hineinwirkt. Und wir sehen, wie sich Vergangenes und Zukünftiges im Menschenschicksal ineinanderwebt.

[ 27 ] Just as the moon points to our past, so the sun points us toward the future. And we look up at these two celestial bodies—the one of the day and the one of the night—and contemplate the connection between them, for they both send us the same light. And we look within ourselves, at all that is woven into our destiny through what we have experienced in the past as human beings, and in this—our destiny as something woven from the past—we perceive our inner lunar existence. And we perceive, in what continually emerges as a determining force of destiny in the present, the solar aspect—not only that which is active in the present, but also that which exerts an influence into the future. And we see how the past and the future are interwoven in human destiny.

[ 28 ] Und wir können im Menschenleben dieses näher betrachten, wie also Vergangenes und Zukünftiges zusammenhängt. Nehmen wir an, zwei Menschen finden sich zu irgendeiner Lebensgemeinschaft in einem gewissen Lebensalter. Wer nicht nachdenkt über so etwas, wer nicht nachsinnt, nun, der sagt: Da war ich, da war der andere, da war der Ort, zum Beispiel Müllheim, und in Müllheim haben wir uns gefunden. — Er denkt nicht weiter darüber nach.

[ 28 ] And we can examine this more closely in human life—namely, how the past and the future are connected. Let’s suppose two people come together to form some kind of partnership at a certain age. Someone who doesn’t think about such things, who doesn’t reflect on them, well, that person says: There I was, there was the other person, there was the place—Müllheim, for example—and in Müllheim we found each other. — They don’t think any further about it.

[ 29 ] Derjenige der tiefer nachdenkt, verfolgt das Leben des einen, der vielleicht dreißig Jahre alt geworden ist, das des anderen, der vielleicht fünfundzwanzig Jahre alt geworden ist, als sie sich gefunden haben. Er wird sehen können, wie merkwürdig, wie wunderbar das Leben dieser beiden Menschen von ihrer Geburt auf Erden an, Schritt für Schritt sich so entwickelt hat, daß sie zuletzt an diesem Ort sich zusammengefunden haben. Man kann schon sagen: Von den entferntesten Orten finden sich die Leute dann irgendwo einmal in der Mitte des Lebens zusammen. Und es ist so, als ob sie alle ihre Wege so angeordnet hätten, daß sie sich zusammenfinden.

[ 29 ] Those who reflect more deeply trace the life of one who may have lived to be thirty years old, and that of the other, who may have lived to be twenty-five, when they found each other. They will be able to see how remarkable, how wonderful it is that the lives of these two people, from the moment of their birth on earth, have unfolded step by step in such a way that they ultimately came together in this place. One might even say: People from the most distant places eventually come together somewhere in the middle of their lives. And it is as if they had all arranged their paths so that they might find one another.

[ 30 ] Aber das alles können sie ja nicht mit Bewußtsein voneinander gemacht haben, denn sie hatten sich noch gar nicht gesehen, oder wenigstens nicht so beurteilt, daß sie in einer solchen Weise sich finden. Das alles verläuft im Unbewußten. Wir machen die Wege zu wichtigen Lebensabschnitten, zu wichtigen Lebenspunkten im tiefsten Unbewußten. Und aus diesem Unbewußten heraus wird das Schicksal zunächst gewoben.

[ 30 ] But they couldn’t have done all this consciously, because they hadn’t even met yet—or at least hadn’t assessed each other in a way that would lead them to find one another in such a manner. All of this takes place in the unconscious. We chart the paths to important stages of life, to important turning points, in the deepest unconscious. And it is from this unconscious that fate is first woven.

[ 31 ] Wenn wir dann solch einen Menschen hören wie Goethes Freund Knebel, der im höchsten Alter gesagt hat: Schaue ich zurück in mein Leben, so kommt es mir vor, als ob jeder Schritt derart angeordnet gewesen wäre, daß ich an einem bestimmten Punkte zuletzt ankommen mußte —, so fangen wir an, solche lebenserfahrenen Leute zu verstehen.

[ 31 ] When we hear someone like Goethe’s friend Knebel, who said in his old age: “When I look back on my life, it seems to me as if every step had been arranged in such a way that I was bound to arrive at a certain point in the end”—then we begin to understand such people who have lived through a great deal.

[ 32 ] Dann aber tritt der Moment ein, wo dasjenige, was nun zwischen diesen Menschen sich abspielt, in vollem Bewußtsein sich abspielt. Sie lernen sich kennen, sie lernen ihre Eigenschaften, Temperamente, Charaktere kennen, sie finden Sympathien oder Antipathien miteinander und so weiter.

[ 32 ] But then comes the moment when what is now unfolding between these people takes place with full awareness. They get to know each other; they come to understand each other’s traits, temperaments, and personalities; they develop feelings of sympathy or antipathy toward one another, and so on.

[ 33 ] Prüfen wir nun, wie das mit dem Weltenall zusammenhängt, so finden wir: Dasjenige, was Mondenkräfte sind, war wirksam in den Wegen, die die Menschen genommen haben bis zu dem Momente, wo sie sich gefunden haben. Dann beginnt die Sonnenwirkung. Da treten sie gewissermaßen in das helle Licht der Sonnenwirkung ein. Da sind sie mit ihrem eigenen Bewußtsein immer dabei und da beginnt Zukunft die Vergangenheit zu beleuchten, wie draußen im Weltenall die Sonne den Mond beleuchtet. Und indem die Zukunft die Vergangenheit beleuchtet, erhellt wiederum die Vergangenheit die Zukunft des Menschen, wie der Mond die Erde mit zurückgeworfenem Lichte beleuchtet.

[ 33 ] If we now examine how this relates to the universe, we find that the forces of the Moon were at work in the paths that human beings took up until the moment they found themselves. Then the influence of the Sun begins. There, they step, as it were, into the bright light of the sun’s influence. There, they are always present with their own consciousness, and there the future begins to illuminate the past, just as the sun illuminates the moon out in the universe. And as the future illuminates the past, the past in turn illuminates humanity’s future, just as the moon illuminates the Earth with reflected light.

[ 34 ] Nun frägt es sich aber, ob wir im Leben auch unterscheiden können zwischen den Dingen, die sonnenhaft im Menschen sind, und denen, die mondenhaft im Menschen sind. Schon das Gefühl kann manches doch unterscheiden, wenn man es tiefer und nicht oberflächlich nimmt. Schon in der Kindheit, schon in der Jugend des Menschen begegnet dieser anderen Menschen, die nur in ein äußeres Verhältnis zu ihm treten, an denen er vorübergeht, die an ihm vorübergehen, vielleicht aber trotzdem recht viel mit ihm zu tun haben. Sie alle waren in der Schule; der geringste Teil von Ihnen kann sagen, daß er Lehrer gehabt hat, zu denen er tiefere Beziehungen gehabt hat; aber es wird immerhin den einen oder den anderen geben, der sich sagen wird: O ja, da war ein Lehrer, der hat auf mich einen solchen Eindruck gemacht, daß ich habe werden wollen wie er; oder auch, er hat auf mich einen solchen Eindruck gemacht, daß ich ihn am liebsten von der Erde wegwünschte. Es kann Antipathie sein, es kann Sympathie sein.

[ 34 ] But the question arises as to whether we can also distinguish in life between the things in a person that are sun-like and those that are moon-like. Even our feelings can distinguish between many things, if we consider them more deeply rather than superficially. Even in childhood, even in one’s youth, a person encounters others who enter into only a superficial relationship with him—people he passes by, who pass him by—yet who may nevertheless have quite a lot to do with him. You were all in school; only a very small number of you can say that you had teachers with whom you had deeper relationships; but there will surely be one or the other who will say to themselves: Oh yes, there was a teacher who made such an impression on me that I wanted to become like him; or, he made such an impression on me that I would have liked nothing better than to see him vanish from the face of the earth. It may be antipathy; it may be sympathy.

[ 35 ] Und auch im späteren Leben tritt das so ein. Wir finden andere Menschen. Sie beschäftigen sozusagen unseren Verstand nur, höchstens den ästhetischen Sinn. Denken Sie nur, wie oft kommt es vor, daß jemand einen anderen Menschen kennengelernt hat; trifft er dann da oder dort Menschen, die den auch kennen, so verständigt man sich miteinander, indem man ihn für einen Prachtskerl oder einen ekelhaften Kerl erklärt. Es ist ein ästhetisches Urteil, oder aber es ist ein verstandesmäßiges Urteil. Es gibt aber anderes. Es gibt menschliche Beziehungen, die nicht bloß im Verstande oder im ästhetischen Urteil sich erschöpfen, sondern die auf den Willen gehen, und zwar sehr stark auf den Willen gehen, wo wir nicht bloß in der Kindheit sagen, wir möchten so werden wie dieser, oder wir möchten ihn wegwünschen von der Erde — wenn ich die radikalen Dinge anführe —, sondern wo wir im tiefsten Unterbewußten in unserem Willen berührt werden, wo wir sagen: Der Mensch, der uns da begegnet, ist nicht nur von uns angeschaut worden so, daß wir ihn gut oder böse, gescheit oder töricht finden und dergleichen mehr, sondern wir möchten gerne das tun aus uns heraus, was sein Wille will, und wir möchten gar nicht den Verstand anstrengen, um ihn zu beurteilen; wir möchten all das, was er als Eindruck auf uns gemacht hat, in unseren Willen aufnehmen.

[ 35 ] And this is also true later in life. We meet other people. They occupy our minds, so to speak, or at most our aesthetic sense. Just think how often it happens that someone has met another person; then, when they encounter people here and there who also know that person, they communicate with one another by declaring him to be a splendid fellow or a despicable fellow. It is either an aesthetic judgment or an intellectual judgment. But there is more to it. There are human relationships that are not limited to the intellect or aesthetic judgment, but that appeal to the will—and indeed appeal very strongly to the will—where we do not merely say in childhood, “We’d like to be like this person,” or “We’d like to wish him off the face of the earth”—to cite the most extreme examples—but where we are touched in the deepest recesses of our subconscious will, where we say: The person we encounter there has not merely been viewed by us in such a way that we find him good or evil, wise or foolish, and the like; rather, we would like to do, of our own accord, what his will desires, and we do not wish to strain our intellect to judge him at all; we would like to take into our will everything that he has impressed upon us.

[ 36 ] Es gibt diese zwei Verhältnisse zu den Menschen. Die einen wirken auf unseren Verstand oder höchstens auf den ästhetischen Sinn; die anderen wirken auf unseren Willen, in unsere tiefere seelische Wesenheit hinein. Wofür ist das ein Zeugnis? Sehen Sie, wirken Menschen auf unseren Willen, fassen wir nicht nur eine starke Antipathie oder Sympathie, sondern möchten wir willentlich das, was wir als Sympathie und Antipathie empfinden, ausleben, dann waren diese Menschen mit uns im vorigen Erdenleben irgendwie verbunden. Machen die Menschen nur einen Eindruck auf unseren Verstand oder ästhetischen Sinn, dann treten sie in unser Leben herein, ohne mit uns im vorigen Erdenleben verbunden gewesen zu sein.

[ 36 ] There are these two kinds of relationships with people. Some affect our intellect or, at most, our aesthetic sense; others affect our will, penetrating into the deeper essence of our soul. What does this testify to? You see, when people affect our will—when we not only feel a strong antipathy or sympathy but also wish to act upon what we perceive as sympathy or antipathy—then these people were somehow connected to us in a previous earthly life. If people merely make an impression on our intellect or aesthetic sense, then they enter our lives without having been connected to us in a previous earthly life.

[ 37 ] Aber schon daraus sehen Sie: Im Menschenleben, im menschlichen Schicksal namentlich, wirken zusammen Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft hinein. Denn dasjenige, was wir nun mit den Menschen erleben, trotzdem sie nicht in unseren Willen hineinsprechen, das wird im folgenden, im zukünftigen Erdenleben wiederum zum Ausdruck kommen.

[ 37 ] But you can already see from this: In human life—and in human destiny, in particular—the past and the present interact to shape the future. For what we now experience with other people, even though they do not influence our will, will find expression again in the next, future earthly life.

[ 38 ] So wie in derselben Bahn Sonne und Mond kreisen, miteinander eine Beziehung haben, so haben im Menschenwesen Vergangenheit: Menschen-Mondenhaftes, und Zukunft: Menschen-Sonnenhaftes miteinander zu tun. Und wir können schon dazu kommen, zu Sonne und Mond hinaufzuschauen und in ihnen nicht nur die äußeren Lichtkörper zu sehen, sondern das, was uns in den Weiten des Kosmos draußen unser eigenes Schicksal in seinem Ineinanderverwobenwerden abspiegelt. Wie zu gewissen Zeiten das Mondenlicht in das Sonnenlicht, das Sonnenlicht in das Mondenlicht übergeht, so gehen in unsere Schicksale immer Vergangenheit und Zukunft ineinander über, verweben sich ineinander. Ja, im einzelnen Falle der Menschenbeziehung verweben sie sich ineinander.

[ 38 ] Just as the sun and moon orbit along the same path and are connected to one another, so too in the human being are the past—that which is moon-like—and the future—that which is sun-like—interconnected. And we can come to look up at the sun and the moon and see in them not only the outer luminous bodies, but also what, in the vastness of the cosmos out there, reflects our own destiny as it becomes interwoven. Just as, at certain times, moonlight merges into sunlight and sunlight into moonlight, so too do the past and the future in our destinies always merge into one another, weaving themselves together. Indeed, in the specific case of human relationships, they weave themselves together.

[ 39 ] Nehmen wir die Wege, die die Menschen durchgemacht haben, der eine durch dreißig Jahre, der andere durch fünfundzwanzig Jahre. Sie treffen sich. Alles, was sie durchgemacht haben, der eine bis zum fünfundzwanzigsten Jahre, der andere bis zum dreißigsten Jahre, gehört dem Mondenhaften im Menschen an. Jetzt aber, indem sie sich kennenlernen, indem sie sich bewußt gegenübertreten, treten sie in das Schicksalmäßig-Sonnenhafte ein und verweben nun Zukunft und Vergangenheit miteinander, um wiederum weiter das Schicksal zu weben für künftige Erdenleben.

[ 39 ] Let us consider the paths that people have traveled—one for thirty years, the other for twenty-five. Their paths converge. Everything they have experienced—one up to the age of twenty-five, the other up to the age of thirty—belongs to the lunar aspect within the human being. But now, as they get to know one another, as they consciously face each other, they enter into the fateful, solar aspect and now interweave the future and the past, in order to continue weaving their destiny for future earthly lives.

[ 40 ] Und so sieht man an der Art und Weise, wie das Schicksalhafte an den Menschen herantritt, wie in dem einen Falle Mensch auf Mensch wirkt nur auf den Verstand, auf den ästhetischen Sinn, im anderen Falle aber auf den menschlichen Willen und das mit dem Willen verbundene Gefühl.

[ 40 ] And so one can see, from the way in which fate approaches human beings—how, in one case, one person’s influence on another affects only the intellect and the aesthetic sense, while in another case it affects the human will and the emotion associated with the will.

[ 41 ] Sehen Sie, so weit, als ich Ihnen bisher die Dinge erzählt habe wie gesagt, ich will heute nur aphoristisch erzählen, um Ihnen den Weg der Anthroposophie und den Weg ihrer Quelle, der Initiationswissenschaft, darzulegen, wir werden es in der Zukunft in allen Einzelheiten genau machen —, so weit kann dieses durch unmittelbare Erkenntnis von jedem erlebt werden. Und man kann erkennend auf das Schicksal hinblicken. Jenes eigentümliche, innere intime Herauftauchen des anderen Menschen in einem selbst weist auf vergangenes Karma hin. Wenn ich einen Menschen so empfinde, daß er eigentlich mich innerlich ergreift, nicht nur in den Sinnen und im Verstande, sondern innerlich erfaßt, daß mein Wille daran engagiert ist, wie er mich erfaßt, ist er karmisch aus der Vergangenheit mit mir verknüpft. Mit einem etwas feineren, intimeren Sinne kann der Mensch also fühlen, wie ein anderer mit ihm karmisch verknüpft ist.

[ 41 ] You see, as far as I have told you so far—as I said, I want to speak only in aphorisms today in order to outline for you the path of anthroposophy and the path of its source, the science of initiation; we will go into all the details precisely in the future—to this extent, this can be experienced by everyone through direct knowledge. And one can look upon one’s destiny with insight. That peculiar, inner, intimate emergence of another human being within oneself points to past karma. When I perceive a person in such a way that they actually touch me inwardly—not merely through the senses and the intellect, but in a way that captures me inwardly, so that my will is engaged by how they affect me—they are karmically linked to me from the past. With a somewhat more subtle, more intimate sense, a person can thus feel how another is karmically linked to them.

[ 42 ] Wenn nun aber dasjenige eintritt, was als eine gewisse Stufe beim Menschen kommen kann, wenn er durchmacht, was ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», dann erlebt er die ganze Sache noch in wesentlich anderer Weise. Wenn also beim Menschen die Initiation eintritt, dann erlebt er nicht nur den anderen Menschen, mit dem er karmisch verknüpft war, in der Art, daß er sich sagt: Er wirkt auf meinen Willen, er wirkt in meinem Willen —, sondern er erlebt den anderen Menschen tatsächlich persönlich in sich. Und tritt einer, der initiiert ist, einem anderen Menschen, mit dem er karmisch verbunden ist, entgegen, dann ist dieser andere Mensch so in ihm mit einer selbständigen Sprache, mit selbständigen Außerungen und Offenbarungen, daß er aus ihm spricht, wie sonst ein Mensch, der neben uns steht, zu uns spricht. Was also sonst nur gefühlt wird im Willen, die karmische Verbindung, die tritt für den Initiierten so auf, daß der andere Mensch aus ihm redet, wie sonst ein neben ihm stehender Mensch. So daß also für den mit Initiationswissenschaft Ausgestatteten das karmische Gegenübertreten bedeutet: der andere Mensch wirkt nicht nur auf seinen Willen, sondern er wirkt in ihm so stark, wie sonst ein neben ihm stehender Mensch wirkt.

[ 42 ] But when that which can occur as a certain stage in a person’s development sets in—when he goes through what I have described in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds or in the second part of my Outline of Esoteric Science—then he experiences the whole matter in a fundamentally different way. Thus, when initiation takes place in a person, they do not merely experience the other person with whom they were karmically linked in such a way that they say to themselves: “This person influences my will, this person acts within my will”—but rather, they actually experience the other person personally within themselves. And when an initiated person encounters another person with whom they are karmically connected, that other person is present within them with an independent voice, with independent utterances and revelations, so that they speak through them just as a person standing next to us would otherwise speak to us. Thus, what is otherwise only felt in the will—the karmic connection—manifests for the initiate in such a way that the other person speaks from within him, just as a person standing next to him would. Thus, for one endowed with the science of initiation, a karmic encounter means that the other person not only acts upon his will but acts within him as strongly as a person standing next to him would.

[ 43 ] Sie sehen, dasjenige, was sonst in einer unbestimmten, bloß willens- und gemütshaften Weise sich ankündigt für das gewöhnliche Bewußtsein, das wird für das höhere Bewußtsein zur völligen Konkretheit erhoben. Sie werden sagen: Ja, dann geht aber derjenige, der initiiert ist, in sich mit dem Bündel all der Leute herum, mit denen er karmisch verbunden ist. — Es ist aber auch so. Erkenntnis erlangen beruht eben nicht bloß darauf, daß man etwas mehr reden lernt, als die anderen Leute reden, aber geradeso redet wie diese, sondern es ist wirklich das Erwerben eines anderen Stückes Welt.

[ 43 ] You see, what otherwise presents itself to ordinary consciousness in an indefinite, purely volitional and emotional manner is elevated to complete concreteness for the higher consciousness. You might say: Yes, but then the initiated person goes about within himself with the whole group of people to whom he is karmically connected. — And that is indeed the case. Gaining insight does not merely consist in learning to speak a little more than other people do, while speaking just as they do; rather, it is truly the acquisition of another part of the world.

[ 44 ] Will man also reden darüber, wie Karma in den Menschen wirkt, so daß ihr gegenseitiges Schicksal gezimmert wird, so muß man die Bekräftigung seiner Rede hernehmen können von dem Wissen, wie die anderen Menschen in einem reden, wie sie wirklich zu einem Stück des eigenen Menschen werden.

[ 44 ] If, then, one wishes to speak about how karma works within people, shaping their shared destiny, one must be able to draw support for one’s words from the knowledge of how other people speak within oneself—how they truly become a part of one’s own being.

[ 45 ] Stellt man das aber dann dar, so braucht es für den, der nicht initiiert ist, nichts Jenseitiges zu bleiben, sondern er kann sich sagen und wird es sich bei gesunden Sinnen sagen: Gewiß, sprechen höre ich den, der mit mir karmisch verbunden ist, nicht in mir; aber ich fühle ihn. Ich fühle ihn in meinem Willen und in der Art und Weise, wie mein Wille aufgerüttelt wird durch ihn. — Und man lernt verstehen diese Aufrüttelung des Willens. Man lernt dasjenige verstehen, was man im gewöhnlichen Bewußtsein erlebt, und was man durch nichts anderes verstehen kann als dadurch, daß man es hört aus der Initiationswissenschaft schildern in seiner wahren konkreten Bedeutung.

[ 45 ] But when this is explained, it need not remain something otherworldly for the uninitiated; rather, he can say to himself—and, with sound judgment, will say: “True, I do not hear the voice of the one who is karmically connected to me within myself; but I feel him.” I feel him in my will and in the way my will is stirred by him. — And one learns to understand this stirring of the will. One learns to understand what one experiences in ordinary consciousness, and what can be understood by nothing other than hearing it described in its true, concrete meaning through the science of initiation.

[ 46 ] Worauf es mir aber heute ganz besonders ankam, das ist dies, daß nun wirklich das, was sonst in einer gewissen nebulosen Art in das Bewußtsein eintritt, dieses Gefühl von karmischer Verknüpftheit mit dem anderen, für den Initiierten ein konkretes Erlebnis wird. Und so wie man das für das Karma, für das Schicksal des Menschen schildern kann, so kann man das schildern für alles dasjenige, was Initiationswissenschaft wirken kann.

[ 46 ] But what was particularly important to me today is this: that what otherwise enters consciousness in a somewhat nebulous way—this feeling of karmic connection with others—becomes a concrete experience for the initiate. And just as this can be described in relation to karma—to human destiny—so too can it be described in relation to everything that the science of initiation can bring about.

[ 47 ] Es kann noch manches andere dem Menschen ankündigen, wie er karmisch mit einem anderen verbunden ist. Einzelne von Ihnen werden wissen, wenn sie das Leben betrachten: Man begegnet Menschen im Leben, von denen man nicht träumt; man kann lange mit ihnen zusammenleben, man kann nicht von ihnen träumen. Anderen Menschen begegnet man — man kriegt sie aus dem Traume gar nicht wieder los. Kaum hat man sie gesehen, so träumt man schon in der nächsten Nacht von ihnen, und immer wieder und wiederum treten sie in den Träumen auf.

[ 47 ] There are many other ways to tell how a person is karmically connected to another. Some of you will know, when you reflect on life: You meet people in life whom you do not dream about; you can live with them for a long time, yet you do not dream about them. Then there are other people you meet—you simply cannot get them out of your dreams. No sooner have you seen them than you dream about them the very next night, and they appear in your dreams again and again.

[ 48 ] Träume sind dasjenige, was im Unterbewußten besonders figuriert. Menschen, von denen wir gleich träumen, wenn wir sie erleben, das sind sicher solche, mit denen wir karmisch verbunden sind. Menschen, von denen wir nicht träumen können, machen nur einen oberflächlichen Eindruck auf unsere Sinne; wir begegnen ihnen im Leben, ohne daß wir karmisch mit ihnen verbunden sind.

[ 48 ] Dreams are what feature most prominently in the subconscious. People we dream about immediately after encountering them are certainly those with whom we have a karmic connection. People we cannot dream about make only a superficial impression on our senses; we encounter them in life without being karmically connected to them.

[ 49 ] Was in den Tiefen unseres Willens lebt, ist wie ein wacher Traum. Und für den Initiierten wird dieser wache Traum eben ein vollinhaltliches Bewußtsein. Daher hört er denjenigen, der karmisch mit ihm verbunden ist, aus sich sprechen. Selbstverständlich bleibt er immer vernünftig, so daß er nicht herumgeht und mit allen möglichen Leuten, die mit ihm sprechen, dann auch aus diesen als Initiierter spricht; aber er gewöhnt sich unter Umständen auch an, in ganz konkreter Weise, auch wenn er ihnen nicht räumlich gegenübersteht, die Menschen, die mit ihm karmisch verbunden sind und aus ihm sprechen, wie im Zwiegespräch richtig anzusprechen, wobei durchaus Dinge zutage treten, die auch eine reale Bedeutung haben. Doch das sind Dinge, die ich dann in der Zukunft einmal schildern werde.

[ 49 ] What lives in the depths of our will is like a waking dream. And for the initiate, this waking dream becomes a fully realized consciousness. Therefore, he hears the voice of the one who is karmically connected to him speaking from within himself. Of course, he always remains rational, so that he does not go around speaking through all sorts of people who speak to him as an initiate; but under certain circumstances, he also gets used to addressing, in a very concrete way—even when he is not physically facing them—the people who are karmically connected to him and speak through him, as if in a dialogue, whereby things certainly come to light that also have real significance. But these are things that I will describe at some point in the future.

[ 50 ] So kann man das Bewußtsein des Menschen vertiefen beim Hinaufschauen in die Weiten des Kosmos, so kann man es vertiefen beim Hineinschauen in den Menschen. Und je mehr man in den Menschen selber hineinschaut, desto mehr lernt man dasjenige verstehen, was in den Weiten des Kosmos ist. Man sagt sich dann: Ich blicke nicht mehr in der Weise bloß in die Gestirnswelt hinein, daß ich da leuchtende Scheiben oder leuchtende Kugeln sehe, sondern es erscheint mir das, was im Kosmos draußen ist, als kosmisch gewobenes Schicksal. Die menschlichen Schicksale auf der Erde sind dann die Abbilder der kosmisch gewobenen Schicksale. Und wenn man gründlich weiß, daß sich die Substanz in einem Weltenkörper ändert, austauscht, wie die Substanz des Menschen, dann wird man wissen, daß es gar keinen Sinn hat, von abstrakten Naturgesetzen bloß zu reden. Diese Gesetze sind ja ganz gut, aber nicht für die Erkenntnis. Man darf die Naturgesetze nicht als etwas ansehen, was Erkenntnis gibt. Es ist damit geradeso wie bei Versicherungsgesellschaften. Man versichert dort sein Leben. Wodurch können solche Versicherungsgesellschaften bestehen? Dadurch, daß man eines Menschen wahrscheinliche Lebensdauer ausrechnet. Aus der Anzahl derjenigen Menschen, die von so und so viel Fünfundzwanzigjährigen das dreißigste Lebensjahr erreichen und so weiter, kann man dann ausrechnen, wie viele Jahre wahrscheinlich ein Dreißigjähriger noch lebt; danach versichert man ihn. Und man kommt gut durch mit der Versicherung. Das Versicherungsgesetz gilt. Aber keinem Menschen würde es einfallen, das mit seinem innersten Wesen nun in Einklang zu bringen. Sonst müßte er doch sagen: Ich bin dazumal mit dreißig Jahren versichert worden, weil mein wahrscheinlicher Tod mit fünfundfünfzig Jahren eintritt. Er müßte sich sagen: Jetzt muß ich doch sterben mit fünfundfünfzig Jahren. Er wird niemals die Konsequenz daraus ziehen, trotzdem die Rechnung durchaus stimmt; aber die Konsequenz bedeutet gar nichts für das wirkliche Leben.

[ 50 ] Just as one can deepen one’s consciousness by gazing up into the vastness of the cosmos, so too can one deepen it by looking into the human being. And the more one looks into the human being itself, the more one learns to understand what lies within the vastness of the cosmos. One then says to oneself: I no longer look into the world of the stars merely in such a way that I see luminous discs or luminous spheres there, but rather what lies out there in the cosmos appears to me as a fate woven by the cosmos. Human destinies on Earth are then the reflections of these cosmically woven destinies. And when one thoroughly understands that the substance within a celestial body changes and is renewed, just as the substance of a human being does, then one will realize that it makes no sense at all to speak merely of abstract laws of nature. These laws are certainly valid, but not for the purpose of true understanding. One must not regard the laws of nature as something that provides insight. It is just like with insurance companies. There, one insures one’s life. How can such insurance companies exist? By calculating a person’s probable lifespan. Based on the number of people—out of, say, a certain number of twenty-five-year-olds—who reach the age of thirty, and so on, one can then calculate how many more years a thirty-year-old is likely to live; the insurance is based on that. And the insurance works out just fine. The law of insurance holds true. But it would never occur to anyone to reconcile this with their innermost being. Otherwise, they would have to say: I was insured at the age of thirty because my probable death will occur at fifty-five. They would have to tell themselves: Now I must die at fifty-five. They will never draw that conclusion, even though the calculation is entirely correct; but the conclusion means nothing at all for real life.

[ 51 ] Naturgesetze sind auch nur errechnet. Sie sind gut dafür, daß wir sie technisch verwenden können; sie sind gut dazu, Maschinen machen zu können, wie wir die Menschen versichern können nach Versicherungsgesetzen; aber in das Wesen der Dinge führen sie nicht hinein. In das Wesen der Dinge führt nur das wirkliche Erkennen der Wesenheiten selber hinein.

[ 51 ] The laws of nature are merely calculated. They are useful for our technical applications; they are useful for building machines and for insuring people according to insurance laws; but they do not lead us into the essence of things. Only the true knowledge of the entities themselves leads us into the essence of things.

[ 52 ] Was die Astronomen ausrechnen an Naturgesetzen des Himmels, das ist im Menschenleben wie die Versicherungsgesetze. Was eine wirkliche Initiationswissenschaft über das Wesen dessen, was da als Sonne und Mond ist, erkundet, das ist so, wie wenn ich denjenigen, der nach seiner Police lange gestorben sein müßte, nach zehn Jahren doch noch finde. Es lag in seinem Wesen, weiterzuleben.

[ 52 ] What astronomers deduce from the natural laws of the heavens is like the laws of insurance in human life. What a true initiatory science explores regarding the nature of what we call the sun and the moon is like finding, after ten years, someone who, according to his insurance policy, should have been dead long ago. It was in his nature to continue living.

[ 53 ] Das wirkliche Geschehen hat im Grunde genommen gar nichts mit den Naturgesetzen zu tun. Die Naturgesetze sind gut für die Anwendung der Kräfte. Aber die Wesenheit muß durch Initiationswissenschaft erkannt werden.

[ 53 ] What actually happens has, in essence, nothing to do with the laws of nature. The laws of nature are useful for applying forces. But the essence must be understood through the science of initiation.

[ 54 ] Nun, damit habe ich Ihnen den dritten der Vorträge gegeben, durch die ich eigentlich nur andeuten wollte, wie der Ton sein soll in der Anthroposophie. Wir werden nun beginnen, die Konstitution des Menschen in etwas anderer Weise zu schildern, als es in meiner «Theosophie» geschehen ist, aufbauend eben eine anthroposophische Wissenschaft, eine anthroposophische Erkenntnis aus den Fundamenten heraus. Sehen Sie die drei Vorträge, die ich bisher gehalten habe, gewissermaßen als Probe an, wie anders als das gewöhnliche Bewußtsein dasjenige Bewußtsein spricht, das in die wirkliche Wesenheit der Dinge hineinführt.

[ 54 ] Well, with this I have presented to you the third of the lectures, through which I really only wanted to hint at what the tone should be in anthroposophy. We will now begin to describe the constitution of the human being in a somewhat different way than I did in my Theosophy, building up an anthroposophical science, an anthroposophical understanding, from the very foundations. Please regard the three lectures I have given so far, in a sense, as a sample of how the consciousness that leads into the true essence of things speaks differently from ordinary consciousness.