Anthroposophy
A Summary After Twenty-one Years
GA 234
1 February 1924, Dornach
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Anthroposophy: A Summary After Twenty-one Years, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Ich werde nun in den mehr elementarischen Betrachtungen, die ich in der letzten Zeit begonnen habe, heute nach einer gewissen Richtung hin fortfahren. Ich habe in dem ersten Vortrage dieser Serie darauf aufmerksam gemacht, wie von zwei Seiten her dem Menschen das wirklich innerliche Herzensbedürfnis erwächst, die Wege der Seele zur geistigen Welt hin zu finden, oder wenigstens zu suchen. Die eine Seite ist diejenige, die von der Natur her kommt, die andere Seite ist diejenige, die von der inneren Erfahrung, von den inneren Erlebnissen her kommt.
[ 1 ] Today, I will continue in a certain direction with the more fundamental reflections I have recently begun. In the first lecture of this series, I pointed out how the truly inner, heartfelt need to find—or at least to seek—the soul’s paths to the spiritual world arises in human beings from two sources. One source is that which comes from nature; the other is that which comes from inner experience and inner experiences.
[ 2 ] Nun wollen wir uns heute doch noch einmal in ganz elementarer Weise diese beiden Seiten des menschlichen Lebens vor Augen stellen, um dann zu sehen, wie tatsächlich im Unterbewußten Impulse wirken, die von da aus den Menschen in alles hineintreiben, was er an Erkenntnis anstrebt aus den Bedürfnissen seines Lebens heraus, was er an Künstlerischem anstrebt, was er an Religiösem anstrebt und so weiter. Ich möchte sagen, Sie können ganz einfach den Gegensatz, den ich hier meine, an sich selbst in jedem Augenblicke betrachten.
[ 2 ] Today, let us once again consider these two aspects of human life in a very basic way, so that we may then see how impulses actually operate in the subconscious, driving people from there into everything they strive for in terms of knowledge—arising from the needs of their lives—as well as their artistic and religious pursuits, and so on. I would like to say that you can quite easily observe the contrast I am referring to here within yourselves at any moment.
[ 3 ] Nehmen Sie eine ganz einfache Tatsache: Sie sehen sich selber in irgendeinem Teil Ihres Körpers einmal an. Sie sehen Ihre Hand an. Sie sehen Ihre Hand genau ebenso an, was zunächst das Anschauen, die Erkenntnis betrifft, wie Sie irgendeinen Kristall, irgendeine Pflanze, irgend etwas in der Natur anschauen.
[ 3 ] Consider a very simple fact: You look at yourself—at any part of your body. You look at your hand. You look at your hand in exactly the same way—in terms of the act of looking and the act of recognizing—as you would look at any crystal, any plant, or anything else in nature.
[ 4 ] Indem Sie diesen Teil Ihres physischen Menschen sehen und mit der Anschauung durch das Leben gehen, finden Sie eben jenes, ich möchte sagen, in das ganze menschliche Erleben tragisch Eingreifende, von dem ich gesprochen habe. Sie finden, das, was Sie da sehen, wird einmal Leichnam, wird zu etwas, von dem man sagen muß: Nimmt die äußere Natur es auf, so hat diese äußere Natur eben nicht die Fähigkeit, nicht die Macht, etwas anderes zu tun damit, als es zu zerstören. In dem Augenblicke, wo der Mensch innerhalb der physischen Welt Leichnam geworden ist und in irgendeiner Form dieser Leichnam den Elementen übergeben wird, ist keine Rede mehr davon, daß die menschliche Gestalt in all das Substantielle, das Sie anschauen können an sich selbst, hineingegossen ist, das diese menschliche Gestalt erhalten kann.
[ 4 ] By observing this aspect of your physical being and carrying this perspective with you through life, you will discover precisely that—I would say—tragic element that permeates the entire human experience, the one I have been speaking of. You will find that what you see there will one day become a corpse, will become something of which one must say: If external nature absorbs it, then this external nature simply does not have the ability, does not have the power, to do anything with it other than destroy it. The moment a human being has become a corpse within the physical world, and this corpse is surrendered to the elements in whatever form, there is no longer any question of the human form being infused into all that substantial substance which you can observe in yourself—that which this human form is capable of sustaining.
[ 5 ] Nehmen Sie alle Naturkräfte zusammen, die Sie zum Inhalte irgendwelcher äußeren Wissenschaft machen können, alle diese Naturkräfte sind einzig und allein imstande, den Menschen zu zerstören, aufzubauen niemals. Jede vorurteilsfreie Betrachtung, die nicht aus der Theorie heraus, sondern aus den Erfahrungen des Lebens heraus geholt ist, führt dazu, sich zu sagen: Wir schauen um uns herum die Natur, die wir begreifen — wir wollen jetzt nicht von dem reden, was zunächst durch äußeres Erkennen nicht zu begreifen ist —, wir schauen die Natur, insofern sie zu begreifen ist. Ja, wir sind als Menschheit in der neueren Zeit so stolz darauf geworden, das, was wir durch unsere Einsicht in die Natur erhalten, als die Summe der Naturgesetze anzusehen; wir fühlen uns ungemein vorgeschritten, indem wir so und so viele Naturgesetze kennengelernt haben. Das Reden über den Fortschritt ist sogar durchaus berechtigt. Aber es ist doch einmal so, daß alle diese Naturgesetze in ihrer Wirkungsweise nur die eine Möglichkeit haben, den Menschen zu zerstören, ihn niemals zu bilden. Die menschliche Einsicht gibt ja zunächst keine Möglichkeit, etwas anderes durch das Hinausschauen in die Welt zu erhalten als diese den Menschen zerstörenden Naturgesetze.
[ 5 ] Take all the forces of nature that you can make the subject matter of any external science; all these forces of nature are capable solely of destroying humanity, never of building it up. Any unbiased observation—one drawn not from theory but from the experiences of life—leads one to say: We look around us at nature as we understand it—we will not speak here of what cannot initially be grasped through external perception—we look at nature insofar as it can be understood. Yes, as humanity, we have in recent times become so proud of regarding what we gain through our insight into nature as the sum of the laws of nature; we feel immensely advanced because we have come to know so many laws of nature. Talking about progress is, in fact, entirely justified. But the fact remains that, in their mode of operation, all these laws of nature have only one possibility: to destroy human beings, never to educate them. Human insight, after all, initially offers no possibility of gaining anything else from looking out into the world other than these laws of nature that destroy human beings.
[ 6 ] Nun blicken wir in unser Inneres. Wir erleben, was wir unser Seelenleben nennen: unser Denken, das ja mit einer ziemlichen Klarheit vor unserer Seele stehen kann; wir erleben unser Fühlen, das schon weniger klar vor unserer Seele steht, und unser Wollen; nun, das steht mit voller Unklarheit vor der Seele. Denn zunächst kann kein Mensch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein davon sprechen, daß er eine Einsicht darin hat, wie irgendeine Absicht, einen Gegenstand zu ergreifen, hinunterwirkt in diesen ganzen komplizierten Organismus von Muskeln und Nerven, um Arme und Beine zuletzt zu bewegen. Dasjenige, was da hineinarbeitet in unseren Organismus, vom Gedanken ausgehend bis zu dem Augenblick, wo wir wieder den Gegenstand gehoben sehen, ist in völliges Dunkel gehüllt. Aber es wirkt ein unbestimmter Impuls in uns zurück, herauf, der uns sagt: Ich will das. — Dadurch schreiben wir uns auch das Wollen zu. Und so sagen wir von unserem Seelenleben, wenn wir in uns hineinschauen: Nun Ja, wir tragen in uns ein Denken, ein Fühlen, ein Wollen.
[ 6 ] Now let us look within ourselves. We experience what we call our inner life: our thinking, which can indeed stand before our soul with considerable clarity; we experience our feeling, which stands before our soul with less clarity; and our willing—well, that stands before the soul in complete obscurity. For, to begin with, no one with ordinary consciousness can say that they have any insight into how any intention to grasp an object works its way down through this entire complex organism of muscles and nerves to ultimately move the arms and legs. That which works its way into our organism—starting from the thought and continuing until the moment we see the object lifted again—is shrouded in complete darkness. But an indefinable impulse works back within us, rising up, telling us: I want this. — Through this, we also attribute the act of willing to ourselves. And so, when we look within ourselves, we say of our inner life: Well, yes, we carry within us thinking, feeling, and willing.
[ 7 ] Aber nun kommt die andere Seite, die schon in einer gewissen Beziehung wiederum ins Tragische hineinführt. Wir sehen, daß mit jedem Schlafe dieses ganze Seelenleben des Menschen versinkt und jedesmal beim Aufwachen neu entsteht. So daß, wenn wir einen Vergleich gebrauchen wollen, wir sehr gut sagen können, dieses Seelenleben ist so wie eine Flamme, die ich anzünde und dann wieder auslösche.
[ 7 ] But now comes the other side, which, in a certain sense, leads back into the tragic. We see that with every sleep, this entire inner life of the human being subsides, and each time upon waking, it arises anew. So that, if we wish to use a comparison, we can very well say that this inner life is like a flame that I light and then extinguish again.
[ 8 ] Aber wir sehen mehr. Wir sehen, daß mit gewissen Zerstörungen in unserem Organismus dieses Seelenleben mit zerstört wird. Wir sehen außerdem dieses Seelenleben abhängig von der körperlichen Entwickelung dieses Organismus. Im kleinen Kinde ist es traumhaft vorhanden. Es wird allmählich heller und heller. Aber dieses Hellerwerden hängt ja ganz mit der Entwickelung des körperlichen Organismus zusammen. Und wenn man alt wird, wird es wiederum schwächer. Das Seelenleben hängt mit der Entwickelung und mit der Dekadenz des Organismus zusammen. Wir sehen also, wie das aufflammt, abglimmt.
[ 8 ] But we see more than that. We see that certain forms of destruction in our organism also destroy this inner life. We also see that this inner life depends on the physical development of this organism. In a small child, it exists in a dreamlike state. It gradually becomes clearer and clearer. But this becoming clearer is, of course, entirely connected with the development of the physical organism. And as one grows old, it becomes weaker again. The life of the soul is connected with the development and decline of the organism. We thus see how it flares up and then fades away.
[ 9 ] So gewiß wir auch wissen: Das, was wir da als seelisches Leben haben, hat ganz gewiß ein Eigenleben, ein Eigendasein, aber es ist abhängig in seinen Erscheinungen von dem physischen Organismus, so ist das doch nicht alles, was wir über dieses Seelenleben sagen können. Sondern dieses Seelenleben hat einen Einschlag, der vor allen Dingen dem Menschen wertvoll sein muß im Leben, denn von diesem Einschlag hängt eigentlich sein ganzes Menschentum, seine menschliche Würde ab. Das ist der moralische Einschlag.
[ 9 ] As certain as we are that what we call “soul life” certainly has a life of its own, an existence of its own, yet is dependent in its manifestations on the physical organism—this is not all we can say about this soul life. Rather, this spiritual life has an aspect that must be of particular value to human beings in life, for their entire humanity and human dignity actually depend on this aspect. That is the moral aspect.
[ 10 ] Wir können noch so weit in der Natur herumgehen, moralische Gesetze können wir aus der Natur nicht gewinnen. Die moralischen Gesetze müssen ganz innerhalb des Seelischen erlebt werden. Aber sie müssen auch innerhalb des Seelischen befolgt werden können. Es muß also eine Auseinandersetzung bloß im Inneren des Seelischen sein. Und wir müssen es ansehen als eine Art Ideal des Moralischen, daß wir als Menschen auch Moralprinzipien folgen können, die uns nicht aufgedrängt sind. Solange wir sagen müssen: Das, was uns unsere Triebe, Instinkte, Leidenschaften, Emotionen und so weiter aufdrängen, ist in uns — gut, es muß der Mensch dies oder jenes verrichten; der Mensch kann nicht ein abstraktes Wesen werden, das bloß moralischen Gesetzen folgt. Aber das Moralische beginnt eben doch erst dann, wenn diese Emotionen, Triebe, Instinkte, Leidenschaften, Temperamentsausbrüche und so weiter unter die Herrschaft dessen gebracht werden, was einer rein seelischen Auseinandersetzung mit den rein geistig erfaßten moralischen Gesetzen entspricht.
[ 10 ] No matter how far we explore nature, we cannot derive moral laws from it. Moral laws must be experienced entirely within the soul. But it must also be possible to follow them within the soul. It must therefore be a process that takes place solely within the soul. And we must regard it as a kind of moral ideal that we, as human beings, can also follow moral principles that are not imposed upon us. As long as we have to say: What our drives, instincts, passions, emotions, and so on impose upon us is within us—well, a human being must do this or that; a human being cannot become an abstract being who merely follows moral laws. But morality truly begins only when these emotions, drives, instincts, passions, outbursts of temperament, and so on are brought under the control of what corresponds to a purely psychological engagement with the moral laws grasped purely intellectually.
[ 11 ] In dem Augenblicke, wo wir uns unserer menschlichen Würde recht bewußt werden und fühlen, daß wir nicht sein können wie ein Wesen, das nur von der Notwendigkeit getrieben wird, da erheben wir uns tatsächlich in eine Welt, die eine ganz andere ist als die natürliche Welt.
[ 11 ] The moment we become truly aware of our human dignity and feel that we cannot be like a being driven solely by necessity, we actually rise into a world that is entirely different from the natural world.
[ 12 ] Und was nun das Beunruhigende ist, was, solange eine menschliche Entwickelung besteht, immer dazu geführt hat, über das unmittelbar sichtbare Leben hinauszustreben, das rührt eigentlich — so sehr dabei unterbewußte und unbewußte Momente mitspielen — von diesen Gesetzen her, daß wir uns auf der einen Seite anschauen als körperliches Wesen, aber dieses körperliche Wesen angehörig sehen einer Natur, die es nur zerstören kann; daß wir auf der anderen Seite uns innerlich erfahren als ein seelisches Wesen; dieses seelische Wesen aber, das glimmt auf, das glimmt ab, und ist doch mit unserem Wertvollsten verbunden, mit dem moralischen Einschlag.
[ 12 ] And what is so unsettling—what, as long as human development has existed, has always led us to strive beyond the immediately visible life—actually stems—even though subconscious and unconscious factors play a role—from these laws: that, on the one hand, we view ourselves as physical beings, but see this physical being as belonging to a nature that can only destroy it; that, on the other hand, we experience ourselves inwardly as a spiritual being; yet this spiritual being, which flares up and then fades, is nevertheless connected to what is most precious to us—our moral essence.
[ 13 ] Und es ist nur einer ganz tiefen Unehrlichkeit unserer Zivilisation zuzuschreiben, wenn die Menschen sich in einer furchtbaren Illusion einfach über das hinwegsetzen, was in diesem polarischen Gegensatze zwischen dem Anschauen des Äußeren und dem Erfahren des Inneren besteht. Erfaßt man sich, ohne eingeengt zu sein in jene Fäden, in jene Maschen, in die wir hineingezwängt werden heute durch unsere Erziehung, dadurch, daß diese Erziehung nach einem ganz bestimmten Ziele hin tendiert — hebt man sich ein wenig über dieses Eingezwängtsein hinaus, dann kommt man doch gleich dazu, sich zu sagen: Du, Mensch, du trägst in dir dein Seelenleben, dein Denken, dein Fühlen, dein Wollen. Das hängt zusammen mit der Welt, die dir vor allen Dingen wertvoll sein muß, mit der moralischen Welt, vielleicht mit dem, womit diese moralische Welt wieder zusammenhängt, mit dem religiösen Quell alles Seins. Aber das, was du als Seelenleben, als diese innerliche Auseinandersetzung hast, wo ist es denn, während du schläfst?
[ 13 ] And it is due solely to a profound dishonesty in our civilization that people, caught up in a terrible illusion, simply ignore the polar opposition that exists between observing the external and experiencing the internal. If one takes stock of oneself without being constrained by those threads, those meshes, into which we are forced today by our education—because this education tends toward a very specific goal—if one rises a little above this constraint, then one immediately comes to say to oneself: You, human being, carry within you your inner life, your thinking, your feeling, your willing. This is connected to the world that must be most precious to you of all things, to the moral world, perhaps to that with which this moral world is in turn connected—to the religious source of all being. But what you experience as your inner life, as this inner struggle—where is it while you sleep?
[ 14 ] Man kann natürlich über diese Dinge philosophisch phantasieren oder phantastisch philosophieren. Dann kann man sagen: Der Mensch hat in seinem Ich, das heißt in dem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein, eine sichere Grundlage — das beginnt bei dem heiligen Augustinus so zu denken, das setzt sich fort über Cartesius, das gewinnt einen etwas koketten Ausdruck im Bergsonianismus der Gegenwart —, aber jeder Schlaf widerlegt das. Denn von dem Augenblicke, wo wir einschlafen, bis zu dem Augenblicke, wo wir aufwachen, verfließt eine Zeit für uns. Wenn wir auf sie zurückschauen im wachen Zustande, so ist das Ich eben nicht da als Erlebnis innerhalb dieser Zeit. Es ist ausgelöscht. Und was da ausgelöscht ist, hängt mit dem Wertvollsten, mit dem moralischen Einschlag in unserem Leben zusammen.
[ 14 ] Of course, one can philosophize about these things in a speculative way or engage in fantastical philosophy. Then one might say: Human beings have a secure foundation in their “I”—that is, in ordinary self-consciousness—a line of thought that begins with Saint Augustine, continues through Descartes, and takes on a somewhat coquettish expression in contemporary Bergsonism—but every instance of sleep refutes this. For from the moment we fall asleep until the moment we wake up, time passes for us. When we look back on it while awake, the “I” is simply not there as an experience within that time. It is erased. And what is erased there is connected to what is most valuable, to the moral dimension of our lives.
[ 15 ] So daß wir sagen müssen: Dasjenige, wovon wir in brutaler Weise überzeugt sind, daß es da ist, unser Leib, der ist ganz gewiß aus der Natur heraus entstanden. Aber die Natur hat nur die Macht, ihn zu zerstören, auseinanderzustieben. Dasjenige, was wir auf der anderen Seite erfahren, unser eigenes Seelenleben, das entschlüpft uns in jedem Schlafe; das ist abhängig von jedem Aufstieg oder Abstieg unserer Leiblichkeit. Sobald man sich ein wenig erhebt über die Zwangslage, in die der heutige Zivilisationsmensch durch seine Erziehung versetzt ist, sieht man sofort ein, daß — mögen auch noch so viele unterbewußte, unbewußte Elemente da mitspielen — jedes religiöse, jedes künstlerische, überhaupt jedes höhere Streben der Menschen durch die ganze menschliche Entwickelung hindurch an diesen Gegensätzen hängt.
[ 15 ] So we must say: That of which we are brutally convinced exists—our body—has most certainly arisen from nature. But nature has only the power to destroy it, to scatter it to the winds. That which we experience on the other hand—our own inner life—slips away from us with every sleep; it depends on every rise and fall of our physical being. As soon as one rises even slightly above the predicament into which modern civilized humanity has been placed by its upbringing, one immediately realizes that—no matter how many subconscious or unconscious elements may be at play—every religious, every artistic, indeed every higher human aspiration throughout the entire course of human development hinges on these opposites.
[ 16 ] Gewiß, Millionen und aber Millionen von Menschen machen sich das nicht klar. Aber ist es denn nötig, daß sich der Mensch das, was für ihn zum Lebensrätsel wird, ganz klar macht? Wenn die Menschen von dem, was sie sich klarmachen, leben sollten, so würden sie bald sterben. Der größte Teil des Lebens verfließt eben in dem, was aus unklaren, unterbewußten Tiefen in die allgemeine Lebensstimmung herauffließt. Und wir dürfen nicht sagen, nur derjenige empfinde die Lebensrätsel, der sie in einer intellektuell klaren Weise formulieren kann und einem auf dem Präsentierteller bringt: erstes Lebensrätsel, zweites Lebensrätsel und so weiter. Auf diese Menschen ist sogar das Allerwenigste zu geben. Dasjenige, was da wie tief unten sich bewegt, das sind die Lebensrätsel, die eben erlebt werden. — Da kommt irgendein Mensch. Er hat das oder jenes, vielleicht etwas sehr Alltägliches zu sprechen; aber er spricht so, daß er mit der Aussicht, aus seinem Sprechen etwas zu erreichen für das Leben, durchaus nicht froh wird. Er will etwas, will es wieder nicht. Er kommt nicht zum Entschluß. Er fühlt sich nicht recht wohl bei dem, was er selber denkt. Ja, woher kommt das? Weil er keine Sicherheit hat in den unterbewußten Tiefen seines Wesens über die eigentliche Grundlage des Menschenwesens und der Menschenwürde. Er fühlt die Lebensrätsel. Und das, was er fühlt, kommt eben aus dem polarischen Gegensatz heraus, den ich charakterisiert habe: Daß man sich auf der einen Seite nicht halten kann an die Leiblichkeit, auf der anderen Seite nicht halten kann an die Geistigkeit, wie man sie erlebt; denn die Geistigkeit wird einem fortwährend klar als ein Auf- und Abglimmendes, und die Leiblichkeit wird einem als dasjenige klar, was aus der Natur stammt, was aber von der Natur nur zerstört werden kann.
[ 16 ] Certainly, millions upon millions of people do not realize this. But is it really necessary for a person to fully understand what becomes a mystery of life for them? If people were to live solely on what they understand, they would soon die. The greater part of life simply flows in what rises from obscure, subconscious depths into the general mood of life. And we must not say that only those who can formulate the mysteries of life in an intellectually clear way and present them to us on a silver platter—first mystery of life, second mystery of life, and so on—are the ones who experience them. Such people are to be trusted even in the smallest of matters. What stirs deep down there—those are the mysteries of life that are simply experienced. — Here comes a person. He has this or that to say—perhaps something very mundane—but he speaks in such a way that he is by no means pleased with the prospect of achieving anything for life through his words. He wants something, yet he doesn’t want it. He cannot make up his mind. He does not feel quite at ease with his own thoughts. Indeed, where does this come from? Because he lacks certainty in the subconscious depths of his being regarding the very foundation of the human being and human dignity. He senses the mysteries of life. And what he feels arises precisely from the polar opposition I have described: That, on the one hand, one cannot cling to physicality, and on the other hand, cannot cling to spirituality as one experiences it; for spirituality continually reveals itself as something that flares up and dies down, and physicality reveals itself as that which originates from nature, yet can only be destroyed by nature.
[ 17 ] Und so steht der Mensch da. Auf der einen Seite schaut er nach außen hin seinen physischen Leib an. Sein physischer Leib gibt ihm fortwährend ein Rätsel auf. Auf der anderen Seite schaut er sein Seelisch-Geistiges an, und dieses Seelisch-Geistige gibt ihm fortwährend ein Rätsel auf. Und dabei ist das größte Rätsel dieses: Wenn ich nun wirklich einen moralischen Impuls empfinde und muß meine Beine in Bewegung setzen, um irgend etwas zur Realisierung dieses moralischen Impulses zu tun, so komme ich in die Lage, meinen Körper aus dem moralischen Impuls heraus zu bewegen. Ich habe einen moralischen Impuls, sagen wir den Impuls eines Wohlwollens. Er wird wirklich zunächst rein seelisch erlebt. Wie dieser Impuls des Wohlwollens, der rein seelisch erlebt wird, hinunterschießt in die Körperlichkeit, ist für das gewöhnliche Bewußtsein nicht zu durchschauen. Wie kommt ein moralischer Impuls dazu, Knochen in Bewegung zu setzen durch Muskeln? Man kann solch eine Auseinandersetzung als theoretisch empfinden. Man kann sagen, das überlassen wir den Philosophen, die werden darüber schon nachdenken. Gewöhnlich macht es die heutige Zivilisation so, daß sie diese Frage den Denkern überläßt, und dann das, was die Denker sagen, verachtet oder wenigstens gering schätzt. Nun ja, dabei wird nur der menschliche Kopf froh, das menschliche Herz nicht; das menschliche Herz empfindet dabei eine nervöse Unruhe und kommt nicht zu irgendeiner Lebensfreude, Lebenssicherheit, Lebensgrundlage und so fort. Von der Art des Denkens aus, die schon einmal die Menschheit seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts angenommen hat, die so großartige Erfolge auf dem Gebiete der äußeren Naturwissenschaft errungen hat, gelangt man eben durchaus nicht dazu, irgend etwas dazu beitragen zu können, diese beiden Dinge, Rätselhaftigkeit des menschlichen physischen Leibes, Rätselhaftigkeit der menschlichen Seelenerfahrungen, irgendwie zu durchdringen. Und gerade aus der klaren Einsicht heraus in dieses kommt Anthroposophie und sagt sich: Gewiß, das Denken, wie es sich nun einmal herausgebildet hat in der Menschheit, ist machtlos gegenüber der Wirklichkeit; wir mögen noch so viel denken, wir können mit unserem Denken nicht im geringsten in ein äußeres Naturgeschehen unmittelbar eingreifen. Aber mit unserem bloßen Denken können wir auch nicht in unseren eigenen Willensorganismus eingreifen. Man muß nur einmal die ganze Machtlosigkeit dieses Denkens gründlich empfinden, dann wird man schon den Impuls erhalten, über dieses gewöhnliche Denken hinauszugehen.
[ 17 ] And so the human being stands there. On the one hand, he looks outward at his physical body. His physical body is a constant mystery to him. On the other hand, he looks at his soul-spiritual nature, and this soul-spiritual nature is a constant mystery to him. And the greatest mystery of all is this: When I truly feel a moral impulse and must set my legs in motion to do something to realize this moral impulse, I find myself in a position to move my body out of that moral impulse. I have a moral impulse—let’s say the impulse of goodwill. At first, it is truly experienced purely in the soul. How this impulse of goodwill, which is experienced purely in the soul, descends into the physical realm is something ordinary consciousness cannot fathom. How does a moral impulse come to set bones in motion through muscles? One might regard such an inquiry as theoretical. One might say, “Let’s leave that to the philosophers; they’ll think it through.” Modern civilization usually leaves this question to the thinkers, and then either scorns or at least disregards what the thinkers say. Well, this only satisfies the human mind, not the human heart; the human heart feels a nervous restlessness and fails to attain any joy in life, sense of security, foundation for life, and so on. Based on the kind of thinking that humanity has adopted since the first third of the 15th century—which has achieved such magnificent successes in the field of external natural science—one simply cannot contribute anything toward somehow penetrating these two things: the mystery of the human physical body and the mystery of human soul experiences. And it is precisely out of a clear insight into this that anthroposophy arises and says to itself: Certainly, thinking, as it has developed in humanity, is powerless in the face of reality; no matter how much we may think, we cannot, with our thinking, intervene in the slightest in external natural processes. But with our mere thinking, we cannot intervene in our own organism of the will either. One need only thoroughly experience the utter powerlessness of this thinking, and then one will already receive the impulse to go beyond this ordinary thinking.
[ 18 ] Aber man kann nicht hinausgehen durch Phantasterei, man kann auch nicht von irgendeinem anderen Orte aus anfangen, über die Welt nachzudenken, als vom Denken. Nun ist es aber ungeeignet, dieses Denken. Da handelt es sich darum, daß man eben einfach durch die Lebensnotwendigkeiten dazukommt, von diesem Denken aus einen Weg zu finden, durch den dieses Denken sich tiefer in das Sein, in die Wirklichkeit hineinbohrt. Und dieser Weg bietet sich nur durch dasjenige, was Sie zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als die Meditation beschrieben finden.
[ 18 ] But one cannot escape through fantasy, nor can one begin to reflect on the world from any other starting point than thought itself. Yet this very thought is unsuitable. The point is that one simply arrives, through the necessities of life, at a way—starting from this thinking—through which this thinking drills deeper into Being, into reality. And this path is offered only through what you will find described, for example, in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? as meditation.
[ 19 ] Wir wollen uns dies heute nur skizzenhaft vor die Seele stellen, denn wir wollen sozusagen die Skizze eines anthroposophischen Gebäudes in ganz elementarer Art liefern. Wir wollen wieder anfangen mit dem, womit wir vor zwanzig Jahren angefangen haben. Wir können sagen: Die Meditation besteht eben darinnen, das Denken in anderer Weise zu erleben, als man es gewöhnlich erlebt. Heute erlebt man das Denken so, daß man sich von außen anregen läßt; man gibt sich hin an die äußere Wirklichkeit. Und indem man sieht und hört und greift und so weiter, merkt man, wie sich gewissermaßen im Erleben das Aufnehmen von äußeren Eindrücken fortsetzt in Gedanken. Man verhält sich passiv in seinen Gedanken. Man gibt sich hin an die Welt, und die Gedanken kommen einem. Auf diese Weise kommt man nie weiter. Es handelt sich darum, daß man beginnt, das Denken zu erleben. Das tut man, indem man einen einfach überschaubaren Gedanken nimmt, diesen leicht überschaubaren Gedanken im Bewußtsein gegenwärtig sein läßt, das ganze Bewußtsein auf diesen überschaubaren Gedanken konzentriert.
[ 19 ] Today we want to merely sketch this out in our minds, for we wish, so to speak, to provide a very basic outline of an anthroposophical edifice. We want to begin again with what we began twenty years ago. We can say: Meditation consists precisely in experiencing thinking in a different way than one usually does. Today, people experience thinking in such a way that they allow themselves to be stimulated from the outside; they surrender to external reality. And as they see, hear, touch, and so on, they notice how, in a sense, the absorption of external impressions continues in thought within their experience. One remains passive in one’s thoughts. One surrenders to the world, and thoughts come to one. In this way, one never makes any progress. The point is to begin to experience thinking. One does this by taking a simple, manageable thought, allowing this easily graspable thought to be present in one’s consciousness, and concentrating one’s entire consciousness on this manageable thought.
[ 20 ] Es ist nun ganz gleichgültig, was dieser Gedanke für die äußere Welt bedeutet. Worauf es ankommt, ist lediglich, daß man das Bewußtsein mit Außerachtlassung von allem anderen Erleben auf diesen einen Gedanken konzentriert. Ich sage, es muß ein überschaubarer Gedanke sein. Sehen Sie, ich wurde einmal gefragt von einem sehr gelehrten Manne, wie man meditiert. Ich gab ihm einen furchtbar einfachen Gedanken. Ich sagte ihm, es käme nicht darauf an, ob der Gedanke irgendeine äußere Realität bedeute. Er solle denken: Weisheit ist im Licht. — Er solle immer wieder und wieder seine ganze Seelenkraft dazu verwenden, zu denken: Weisheit ist im Licht. — Ob das nun wahr oder falsch ist, darauf kommt es nicht an. Es kommt ebensowenig darauf an, ob irgend etwas ein weltbewegendes Ding ist oder ein Spiel, wenn wir unseren Arm anstrengen, um es in Bewegung zu setzen und immer wieder in Bewegung zu setzen. Wir verstärken dadurch unsere Armmuskeln. Wir verstärken unser Denken, indem wir uns anstrengen, immer wieder und wiederum diese Tätigkeit auszuüben, gleichgültig was der Gedanke bedeutet. Wenn wir uns immer wieder und wieder seelisch anstrengen, ihn im Bewußtsein gegenwärtig zu machen und das ganze Seelenleben darauf zu konzentrieren, so verstärken wir unser Seelenleben, wie wir die Muskelkraft unseres Armes verstärken, wenn wir sie immer wieder und wieder auf dieselbe Tätigkeit hin konzentrieren. Aber wir müssen einen leicht überschaubaren Gedanken haben. Denn haben wir den nicht, so sind wir allen möglichen Rankünen der eigenen Organisation ausgesetzt. Man glaubt ja gar nicht, wie stark die suggestive Kraft ist, die von Reminiszenzen des Lebens und dergleichen herkommt. In dem Augenblick, wo man nur einen komplizierteren Gedanken faßt, kommen gleich von allen möglichen Seiten dämonische Gewalten, die einem dies oder jenes ins Bewußtsein hineinsuggerieren. Man kann nur sicher sein, daß man mit voller Besonnenheit in der Meditation lebt, mit derselben Besonnenheit, mit der man sonst im Leben steht, wenn man vollbewußter Mensch ist, wenn man tatsächlich einen ganz überschaubaren Gedanken hat, in dem nichts anderes drinnenstecken kann als das, was man gedanklich erlebt.
[ 20 ] It doesn’t matter at all what this thought means to the outside world. What matters is simply that you focus your consciousness on this one thought, disregarding all other experiences. I say it must be a simple, straightforward thought. You see, I was once asked by a very learned man how to meditate. I gave him a terribly simple thought. I told him it didn’t matter whether the thought had any external reality. He should think: Wisdom is in the light. — He should use all the power of his soul, over and over again, to think: “Wisdom is in the light.” — Whether that is true or false is irrelevant. It matters just as little whether something is a matter of world-shaking importance or a mere game when we strain our arm to set it in motion and set it in motion again and again. In doing so, we strengthen the muscles of our arm. We strengthen our thinking by exerting ourselves to perform this activity again and again, regardless of what the thought means. If we exert ourselves mentally, time and again, to bring it into our consciousness and concentrate our entire inner life upon it, we strengthen our inner life just as we strengthen the muscular power of our arm when we concentrate it, time and again, on the same activity. But we must have a thought that is easily grasped. For if we do not have one, we are exposed to all manner of intrusions from our own psyche. One would hardly believe how powerful the suggestive force is that arises from memories of life and the like. The moment one grasps even a slightly more complex thought, demonic forces immediately arise from all directions, suggesting this or that into one’s consciousness. One can only be certain that one is living in meditation with complete composure—the same composure with which one otherwise approaches life—if one is a fully conscious person, if one actually has a completely clear and straightforward thought in which nothing else can be contained except what one is mentally experiencing.
[ 21 ] Wenn man so die Meditation einrichtet, mögen alle möglichen Leute sagen: Du unterliegst einer Autosuggestion oder dergleichen —, das ist natürlich alles unsinniges Zeug. Das hängt lediglich davon ab, ob man es dahin bringt, einen überschaubaren Gedanken zu haben oder ob man einen Gedanken hat, der irgendwie durch unterbewußte Impulse in einem wirkt. Nun hängt es allerdings davon ab — ich habe das oftmals gesagt —, was der Mensch für Fähigkeiten hat; bei dem einen dauert es lang, bei dem anderen kurz. Aber der Mensch kommt durch solche Konzentration dazu, sein Seelenleben, insofern es denkendes Seelenleben ist, zu verstärken, in sich zu erkraften. Und das Ergebnis wird eben dann nach einiger Zeit dieses, daß der Mensch sein Denken nicht so erlebt wie im gewöhnlichen Bewußtsein. Im gewöhnlichen Bewußtsein erlebt der Mensch so seine Gedanken, daß sie machtlos dastehen. Es sind eben Gedanken. Durch solche Konzentration kommt der Mensch dazu, die Gedanken auch wirklich so zu erleben wie ein innerliches Sein, wie er erlebt die Spannung seines Muskels, wie er erlebt das Ausgreifen, um einen Gegenstand zu erfassen. Das Denken wird in ihm eine Realität. Er erlebt gerade, indem er sich immer mehr und mehr ausbildet, einen zweiten Menschen in sich, von dem er vorher nichts wußte.
[ 21 ] If you set up meditation this way, all sorts of people might say: “You’re succumbing to autosuggestion or something like that”—which is, of course, all nonsense. It simply depends on whether you manage to have a clear, focused thought or whether you have a thought that is somehow influenced by subconscious impulses. Now, however—as I have often said—it depends on a person’s abilities; for some it takes a long time, for others a short time. But through such concentration, a person comes to strengthen their inner life—insofar as it is a thinking inner life—and to develop it within themselves. And the result, after some time, is precisely this: that the person no longer experiences their thinking as they do in ordinary consciousness. In ordinary consciousness, a person experiences their thoughts as being powerless. They are simply thoughts. Through such concentration, a person comes to truly experience thoughts as an inner being—just as they experience the tension in their muscles or the reaching out to grasp an object. Thinking becomes a reality within them. Precisely by developing themselves more and more, they experience a second person within themselves, of whom they previously knew nothing.
[ 22 ] Und dann beginnt für den Menschen der Augenblick, wo er sich sagt: Nun ja, ich bin der Mensch, der sich zunächst äußerlich anschauen kann, wie man die Dinge der Natur anschaut. Ich fühle innerlich sehr dunkel meine Muskelspannungen, aber weiß eigentlich nicht, wie meine Gedanken in diese Muskelspannungen hinunterschießen. Aber wenn der Mensch also, wie ich es geschildert habe, sein Denken verstärkt, dann fühlt er gewissermaßen rinnen, strömen, pulsieren das erkraftete Denken in seinem Wesen. Er fühlt einen zweiten Menschen in sich. Aber dies ist ja zunächst eine abstrakte Bestimmung. Die Hauptsache ist, daß in dem Augenblicke, wo man diesen zweiten Menschen in sich fühlt, die außerirdischen Dinge einen so anzugehen beginnen, wie einen vorher nur die irdischen Dinge angegangen haben. Ich meine die räumlich außerirdischen Dinge. In dem Augenblicke, wo Sie fühlen, wie der Gedanke innerliches Leben wird, wo Sie das rinnen fühlen wie die Atemzüge, wenn Sie auf sie aufmerksam sind, in dem Augenblicke fügen Sie zu Ihrer ganzen Menschlichkeit etwas Neues hinzu. Vorher zum Beispiel fühlen Sie: Ich stehe auf meinen Beinen. Da unten ist der Boden. Der Boden trägt mich. Wäre er nicht da und böte mir die Erde nicht einen Boden, ich müßte ins Bodenlose versinken. Ich stehe auf etwas.
[ 22 ] And then comes the moment for human beings when they say to themselves: Well, I am the kind of person who can first look at myself from the outside, just as one looks at things in nature. I sense my muscle tensions very vaguely within myself, but I don’t really know how my thoughts shoot down into these muscle tensions. But when a person, as I have described, intensifies their thinking, they feel, as it were, this strengthened thinking flowing, streaming, and pulsing within their being. They feel a second human being within themselves. But this is, of course, an abstract concept at first. The main point is that the moment one feels this second person within oneself, extraterrestrial things begin to affect one in the same way that only earthly things had affected one before. I mean things that are spatially extraterrestrial. The moment you feel how thought becomes inner life, the moment you feel it flowing like your breaths when you are attentive to them—at that very moment, you add something new to your entire humanity. Before that, for example, you feel: I am standing on my feet. Down there is the ground. The ground supports me. If it weren’t there and if the Earth didn’t provide me with a ground, I would have to sink into the abyss. I am standing on something.
[ 23 ] Nachher, wenn Sie Ihr Denken in sich erkraftet haben, den zweiten Menschen in sich fühlen, da beginnt für den Augenblick, wo Sie sich besonders für diesen zweiten Menschen interessieren, das was Sie irdisch umgibt, Sie nicht mehr so stark wie vorher zu interessieren. Nicht als ob man ein Träumer, ein Schwärmer werden würde. Man wird es nicht, wenn man in einer innerlich klaren und ehrlichen Weise zu solchen Stufen der Erkenntnis vorrückt. Man kann ganz gut wiederum mit aller Lebenspraxis in die Welt des gewöhnlichen Lebens zurück. Man wird nicht ein Phantast, der sagt: Ach, ich habe die geistige Welt kennengelernt, die irdische ist minderwertig, wesenlos, ich beschäftige mich nur mehr mit der geistigen Welt. Bei einem wirklichen geistigen Weg wird man nicht so, sondern man lernt erst recht das äußere Leben schätzen, wenn man wiederum in dasselbe zurückkehrt. Und die Momente, wo man aus demselben herausgeht in der Art, wie ich es geschildert habe, und wo das Interesse sich heftet an den zweiten Menschen, den man in sich entdeckt hat, können ohnedies nicht lange festgehalten werden; denn werden sie in innerlicher Ehrlichkeit festgehalten, dann gehört eine große Kraft dazu, und diese Kraft kann man nur durch eine gewisse Zeit, die im allgemeinen nicht sehr lange ist, auf einmal aufrechterhalten.
[ 23 ] Later, once you have strengthened your thinking within yourself and feel the second human being within you, from the moment you take a special interest in this second human being, the things that surround you in the earthly world will no longer interest you as strongly as before. It is not as if you were becoming a dreamer or a daydreamer. You do not become one if you advance to such levels of insight in an inwardly clear and honest way. You can quite easily return to the world of ordinary life with all its practical aspects. You do not become a fantasist who says: “Oh, I have come to know the spiritual world; the earthly world is inferior, insubstantial—I will concern myself only with the spiritual world from now on.” On a true spiritual path, you do not become that way; rather, you learn to appreciate external life all the more when you return to it. And the moments when one steps out of that life in the way I have described—and when one’s interest is drawn to the second self that one has discovered within—cannot be sustained for long anyway; for if they are sustained with inner honesty, it requires great strength, and this strength can only be maintained all at once for a certain period of time, which is generally not very long.
[ 24 ] Aber verbunden ist dieses Hinlenken des Interesses auf den zweiten Menschen damit, daß einem die räumliche Umgebung der Erde so wertvoll zu werden beginnt wie sonst dasjenige, was auf der Erde herunten ist. Man weiß, der Erdboden trägt einen. Man weiß, die Erde gibt einem aus ihren verschiedenen Naturreichen die Substanzen, die man essen muß, damit der Leib immer fort und fort durch die Nahrung die Anregung erhält, die er braucht. Man weiß, wie man auf diese Weise mit der irdischen Natur zusammenhängt. Geradeso wie man in den Garten gehen muß, um sich dort ein paar Kohlköpfe zu pflücken, sie dann zu kochen, damit man sie ißt, wie also notwendig ist dasjenige, was da draußen im Garten ist, wie es einen Zusammenhang hat mit dem, was man zunächst als erster, physischer Mensch ist, so lernt man jetzt erkennen, was einem der Sonnenstrahl, was einem das Mondenlicht ist, was einem all dasjenige ist, was Sternengefunkel um die Erde herum ist. Und man erlangt eine Möglichkeit, über dasjenige, was räumlich um die Erde herum ist, nach und nach in bezug auf den zweiten Menschen so zu denken, wie man vorher gedacht hat mit Bezug auf seinen ersten physischen Leib, in bezug auf seine physische Erdenumgebung.
[ 24 ] But this shift of interest toward the second human is connected to the fact that one’s spatial surroundings on Earth begin to become just as valuable as what is down here on Earth. One knows that the earth sustains one. One knows that the earth provides, from its various natural realms, the substances one must eat so that the body continually receives, through food, the nourishment it needs. One knows how one is connected in this way to earthly nature. Just as one must go into the garden to pick a few heads of cabbage, then cook them so you can eat them—just as what is out there in the garden is necessary, and just as it is connected to what you are first and foremost as a physical human being—so you now learn to recognize what the sun’s rays are to you, what the moonlight is to you, and what all that sparkling starlight around the Earth is to you. And one gradually gains the ability to think about what is spatially around the Earth—in relation to the second human being—in the same way one previously thought about one’s first physical body and one’s physical earthly surroundings.
[ 25 ] Und man sagt sich: Dasjenige, was du da in dir trägst als Muskeln, als Knochen, als Lunge, Leber und so weiter, das hängt zusammen mit dem Kohlkopf oder dem Fasanen und so weiter, die da draußen in der Welt sind. Dasjenige aber, was du jetzt als zweiten Menschen in dir trägst, was du dir zum Bewußtsein durch die Verstärkung deines Denkens gebracht hast, das hängt zusammen mit Sonne und Mond, mit dem ganzen Sterngefunkel, das hängt zusammen mit der räumlichen Umgebung der Erde. Man wird vertraut, eigentlich vertrauter mit der räumlichen Umgebung der Erde, als man so als gewöhnlicher Mensch, wenn man nicht gerade Nahrungsmittelhygieniker oder so etwas ist, mit der irdischen Umgebung vertraut ist. Man gewinnt wirklich eine zweite, zunächst räumlich zweite Welt.
[ 25 ] And one tells oneself: What you carry within you—your muscles, bones, lungs, liver, and so on—is connected to the head of cabbage or the pheasant and so on that are out there in the world. But what you now carry within you as a second human being—what you have brought into your consciousness through the intensification of your thinking—is connected to the sun and the moon, to the entire twinkling of the stars; it is connected to the Earth’s spatial surroundings. One becomes familiar—actually, more familiar—with the Earth’s spatial surroundings than one is, as an ordinary person (unless one happens to be a food safety specialist or something of that sort), with the earthly environment. One truly gains a second world—initially, a second world in a spatial sense.
[ 26 ] Man lernt sich als einen Bewohner der Sternenwelt ebenso einschätzen, wie man sich vorher eingeschätzt hat als einen Bewohner der Erde. Vorher hat man sich nämlich nicht als einen Bewohner der Sternenwelt eingeschätzt; denn die Wissenschaft, die nicht bis zum Erkraften des Denkens geht, bringt es nicht dazu, dem Menschen das Bewußtsein beizubringen, daß er für einen zweiten Menschen einen solchen Zusammenhang mit der räumlichen Erdenumgebung hat, wie er als physischer Mensch mit der physischen Erde hat. Das kennt sie nicht. Sie rechnet; aber was da die Rechnung selbst der Astrophysik und so weiter zutage fördert, all das liefert ja nur Dinge, die den Menschen eigentlich nichts angehen, die höchstens seine Wißbegierde befriedigen. Denn schließlich, was hat es denn für eine Bedeutung für den Menschen, für das, was er innerlich erlebt, wenn man weiß, wie man sich nun denken kann — stimmen tut es ja noch außerdem nicht —, daß der Spiralnebel in den «Jagdhunden» entstanden ist oder noch heute in seinen Gestaltungen verläuft. Es geht ja den Menschen nichts an. Der Mensch steht zur Sternenwelt so, wie irgendein leibfreies Wesen, das von irgendwoher käme und auf der Erde sich aufhielte, zu der Erdenwelt stünde, das keine Nahrung und so weiter zu nehmen brauchte, sie nicht zum Stehen brauchte und so weiter. Aber tatsächlich, der Mensch wird aus einem bloßen Erdenbürger ein Weltenbürger, wenn er in dieser Weise sein Denken erkraftet.
[ 26 ] One learns to regard oneself as an inhabitant of the world of the stars just as one previously regarded oneself as an inhabitant of Earth. Previously, one did not view oneself as an inhabitant of the starry world; for science that does not extend to the realm of thought fails to instill in a person the awareness that, in relation to another person, one has the same connection to the Earth’s physical environment as one has, as a physical human being, to the physical Earth. It does not know this. It calculates; but what even the calculations of astrophysics and the like bring to light—all of that merely yields things that are actually of no concern to human beings, things that at most satisfy their curiosity. After all, what significance does it have for human beings—for what they experience inwardly—if one knows, as one might imagine—though it is not yet accurate—that the spiral nebula arose in the “Hunting Dogs” constellation or continues to evolve in its current forms even today? It is, after all, none of their business. Human beings stand in relation to the world of the stars just as any incorporeal being—coming from somewhere else and staying on Earth—would stand in relation to the earthly world: a being that needs no food or the like, does not need to stand on the ground, and so on. But in fact, human beings are transformed from mere citizens of the Earth into citizens of the world when they develop their thinking in this way.
[ 27 ] Und nun entsteht ein ganz bestimmter Bewußtseinsinhalt. Es entsteht der Bewußtseinsinhalt, der sich in der folgenden Weise charakterisieren läßt. Wir sagen uns: Daß Kohlköpfe sind, Getreide draußen ist, das ist gut für uns, das baut uns den physischen Leib auf, wenn ich diesen Ausdruck, der nicht ganz richtig ist, jetzt gebrauchen darf nach der allgemeinen trivialen Anschauung; es baut uns unseren physischen Leib auf. Und ich konstatiere einen gewissen Zusammenhang zwischen dem, was da draußen in den verschiedenen Reichen der Natur ist, und meinem physischen Leib.
[ 27 ] And now a very specific content of consciousness arises. A content of consciousness arises that can be characterized as follows. We tell ourselves: The fact that there are cabbages, that there is grain out there—that is good for us; it builds up our physical body—if I may use this expression, which is not entirely accurate, in accordance with the common, trivial view; it builds up our physical body. And I observe a certain connection between what exists out there in the various kingdoms of nature and my physical body.
[ 28 ] Aber mit dem erkrafteten Denken beginne ich einen ebensolchen Zusammenhang zu konstatieren zwischen meinem zweiten Menschen, der in mir lebt und demjenigen, was im außerirdischen Raum uns umgibt. Man sagt sich zuletzt: Wenn ich in der Nacht hinausgehe und mich nur meiner gewöhnlichen Augen bediene, sehe ich nichts. Wenn ich bei Tag hinausgehe, macht mir das Sonnenlicht, das außerirdische, alle Gegenstände sichtbar. Ich weiß zunächst nichts. Wenn ich mich bloß auf die Erde beschränke, so weiß ich: da ist ein Kohlkopf, dort ist Quarzkristall. Ich sehe beides durch das Sonnenlicht, aber ich interessiere mich auf Erden nur für den Unterschied zwischen dem Kohlkopf und dem Quarzkristall.
[ 28 ] But with this strengthened thinking, I begin to observe a similar connection between my second self, which lives within me, and that which surrounds us in outer space. Ultimately, one says to oneself: When I go out at night and rely only on my ordinary eyes, I see nothing. When I go outside during the day, the sunlight—the light from beyond Earth—makes all objects visible to me. At first, I know nothing. If I limit myself solely to Earth, I know: there is a head of cabbage here, and a quartz crystal there. I see both through the sunlight, but on Earth I am interested only in the difference between the head of cabbage and the quartz crystal.
[ 29 ] Nun beginne ich zu wissen: ich bin selber als zweiter Mensch aus dem gemacht, was mir den Kohlkopf und den Quarzkristall sichtbar macht. Das ist ein ganz bedeutsamer Sprung, den man in seinem Bewußtsein macht. Es ist eine völlige Metamorphose des Bewußtseins. Und von da ab beginnt das, daß man sich sagt: Stehst du auf der Erde, so siehst du das Physische, das mit deinem physischen Menschen zusammenhängt; erkraftest du dein Denken und wird ebenso wie vorher das Physische der Erde für dich eine Welt war, die dich angeht, das außerirdische räumliche Dasein eine Welt, die dich angeht, nämlich dich und den Menschen, den du erst in dir entdeckt hast, dann schreibst du, so wie du der physischen Erde den Ursprung deines physischen Leibes zuschreibst, dem kosmischen Äther, durch dessen Wirkungen die irdischen Dinge erst sichtbar werden, dein zweites Dasein zu. Und du sprichst jetzt aus deiner Erfahrung heraus, so, daß du sagst, du hast deinen physischen Leib und du hast deinen Ätherleib. Es macht natürlich nicht den Inhalt einer Erkenntnis, wenn man bloß systematisiert und den Menschen aus verschiedenen Gliedern bestehend denkt, sondern es macht erst eine wirkliche Einsicht, wenn man die ganze Metamorphose des Bewußtseins ins Auge faßt, die dadurch entsteht, daß man einen solchen zweiten Menschen in sich wirklich entdeckt.
[ 29 ] Now I am beginning to realize: I myself, as a second human being, am made of that which makes the head of cabbage and the quartz crystal visible to me. This is a truly significant leap that one takes in one’s consciousness. It is a complete metamorphosis of consciousness. And from that point on, one begins to say to oneself: When you stand on Earth, you see the physical world connected to your physical self; when you strengthen your thinking, and just as the physical world of Earth was previously a world that concerns you, so too does the extraterrestrial, spatial existence become a world that concerns you— namely you and the human being you have only just discovered within yourself—then you attribute your second existence to the cosmic ether—just as you attribute the origin of your physical body to the physical Earth—through whose effects earthly things first become visible. And you now speak from your own experience, saying that you have your physical body and you have your etheric body. Of course, it does not constitute true insight merely to systematize and conceive of the human being as consisting of various parts; rather, true insight arises only when one grasps the entire metamorphosis of consciousness that results from truly discovering such a second human being within oneself.
[ 30 ] Ich greife mit meinem physischen Arm, und meine physische Hand umfaßt einen Gegenstand. Ich fühle gewissermaßen die Strömung, die da greift. Durch dieses Erkraften des Gedankens fühlt man den Gedanken, wie er in sich beweglich nun auch eine Art Tasten im Menschen bewirkt, eine Art Tasten, das nun auch in einem Organismus lebt, in dem ätherischen Organismus, in dem feineren übersinnlichen Organismus, der ebenso da ist wie der physische Organismus, der nur nicht mit dem Irdischen zusammenhängt, der mit dem Außerirdischen zusammenhängt.
[ 30 ] I reach out with my physical arm, and my physical hand grasps an object. In a sense, I feel the current that is grasping it. Through this strengthening of thought, one feels the thought—as it is now mobile within itself—also bringing about a kind of groping within the human being, a kind of groping that now also lives within an organism, within the etheric organism, within the finer supersensible organism, which is just as present as the physical organism, only it is not connected to the earthly but to the extraterrestrial.
[ 31 ] Jetzt kommt der Moment, wo man genötigt ist, ich möchte sagen, wiederum um eine Stufe herunterzusteigen; denn zunächst kommt man schon durch ein solches imaginatives Denken, wie ich es beschrieben habe, dazu, dieses innerliche Ertasten eines zweiten Menschen in sich zu fühlen, kommt auch dazu, das im Zusammenhange zu sehen mit den Weiten des Weltenäthers, wobei Sie sich unter diesen Worten nichts vorstellen sollen als dasjenige, wovon ich eben geredet habe, nicht von irgendwo anders her einen Inhalt dazu nehmend. Aber man ist jetzt genötigt, um weiterzukommen, wiederum zu dem gewöhnlichen Bewußtsein zurückzukehren,
[ 31 ] Now comes the moment when one is compelled—I would say—to descend another step; for at first, through the kind of imaginative thinking I have described, one comes to feel this inner sensing of a second human being within oneself, and also comes to see this in connection with the vastness of the world-ether—though you should not imagine anything by these words other than what I have just spoken of, without drawing any additional content from elsewhere. But in order to proceed, one is now compelled to return once more to ordinary consciousness,
[ 32 ] Nun, sehen Sie, da liegt es uns nahe, wenn wir an den physischen Leib des Menschen denken, in der Art, wie ich es eben jetzt beschrieben habe, uns zu fragen: Wie steht dieser physische Leib des Menschen denn eigentlich zu der Umgebung? Er steht ganz zweifellos zu der physischen Erdenumgebung in einer Beziehung, aber wie?
[ 32 ] Well, you see, when we think of the human physical body in the way I have just described, it stands to reason that we should ask ourselves: What is the relationship between this human physical body and its surroundings? It undoubtedly has a relationship to the physical environment of the Earth, but what kind?
[ 33 ] Wenn wir den Leichnam nehmen — er ist ja ein getreues Abbild des physischen Menschen auch während des Lebens —, ja, dann sehen wir in scharfen Konturen Leber, Milz, Niere, Herz, Lunge, Knochen, Muskeln, Nervenstränge. Das kann man zeichnen, das hat scharfe Konturen. Dadurch ist es ähnlich dem Festen, ähnlich demjenigen, was in festen Formen vorkommt. Aber mit diesem Konturierten im menschlichen Organismus hat es seine eigene Bewandtnis. Es gibt eigentlich nichts Trügerischeres als jene Handbücher, die heute von Anatomie oder Physiologie handeln, denn die Menschen kommen zu der Ansicht: da ist eine Leber, das ist das Herz und so weiter; sie sehen das alles in scharfen Konturen und stellen sich vor, daß die scharfe Konturiertheit wesentlich ist. Man stellt sich schon den menschlichen Organismus so wie ein Konglomerat von festen Dingen vor. Das ist er gar nicht, höchstens zu 10 Prozent, die übrigen 90 Prozent sind nichts Festes im menschlichen Organismus, sind flüssig oder gar luftförmig. Der Mensch ist zu 90 Prozent mindestens eine Wassersäule, wenn er lebt. So daß man sagen kann: Der Mensch gehört allerdings seinem physischen Leibe nach der festen Erde an, dem, was die älteren Denker im besonderen die Erde genannt haben; aber dann beginnt dasjenige, was im Menschen flüssig ist. Man wird nicht eher auch in der äußeren Wissenschaft zu einer vernünftigen Anschauung über den Menschen kommen, ehe man nicht wiederum den festen Menschen für sich unterscheidet und dann den Flüssigkeitsmenschen, dieses innerliche Wogen und Weben, in dem es wirklich ausschaut wie in einem kleinen Meere.
[ 33 ] When we look at a corpse—which is, after all, a faithful representation of the physical human being even during life—we see, in sharp contours, the liver, spleen, kidneys, heart, lungs, bones, muscles, and nerve tracts. You can draw these; they have sharp contours. In this respect, they resemble solid objects, things that exist in fixed forms. But there is a specific reason for these sharp contours in the human organism. There is actually nothing more deceptive than the textbooks on anatomy or physiology available today, for people come to the conclusion: here is a liver, there is the heart, and so on; they see all of this with sharp contours and imagine that these sharp contours are essential. People already imagine the human organism as a conglomerate of solid things. It is not like that at all—at most 10 percent; the remaining 90 percent of the human organism is not solid, but fluid or even gaseous. A human being is at least 90 percent a column of water when alive. So one can say: In terms of their physical body, human beings certainly belong to the solid earth—to what the ancient thinkers specifically called the earth—but then begins that which is fluid within the human being. We will not arrive at a reasonable understanding of the human being—even in the external sciences—until we once again distinguish the solid human being from the liquid human being, that inner surging and weaving in which it truly looks as if one were in a small sea.
[ 34 ] Aber einen eigentlichen Einfluß auf den Menschen hat das Irdische nur in bezug auf das, was in ihm fest ist. Denn auch draußen in der Natur können Sie sehen, wie da, wo das Flüssige beginnt, sofort eine innere Gestaltungskraft auftritt, die mit einer sehr großen Einheitlichkeit wirkt.
[ 34 ] But the earthly realm exerts a real influence on human beings only in relation to what is solid within them. For even out in nature, you can see how, where the liquid begins, an inner creative force immediately arises that acts with a very high degree of uniformity.
[ 35 ] Wenn Sie das gesamte Flüssige unserer Erde nehmen, ihr Wasser: es ist ein großer Tropfen. Wenn das Wasser frei sich gestalten kann, wird es tropfenförmig; überall wird das Flüssige tropfenförmig.
[ 35 ] If you take all the liquid on our Earth—its water—it is a single large drop. When water is free to take shape, it becomes drop-shaped; everywhere, liquid takes on a drop-like form.
[ 36 ] Dasjenige, was erdig ist, fest ist, sagen wir heute, das tritt in bestimmten Gestalten auf, die man als besondere Gestalten erkennen kann. Das Flüssige hat immer das Bestreben, tropfig zu werden, die Kugelform anzunehmen.
[ 36 ] That which is earthy and solid—as we say today—appears in specific forms that can be recognized as distinct shapes. The liquid always tends to become drop-like and take on a spherical shape.
[ 37 ] Und woher kommt denn das? Nun, wenn Sie den Tropfen, ob er nun klein ist oder ob er erdengroß ist, studieren, so finden Sie überall, der Tropfen ist das Abbild des ganzen Weltenalls. Selbstverständlich ist es nach heutigen gewöhnlichen Begriffen falsch, aber es ist so zunächst nach dem Anblick — und wir werden in der nächsten Zeit schon sehen, wie dieser Anblick doch gerechtfertigt ist —, es ist nach dem Anblick richtig: das Weltenall erscheint uns wie eine Hohlkugel, in die wir hineinschauen.
[ 37 ] And where does that come from? Well, if you study a drop—whether it is small or as large as the earth—you will find everywhere that the drop is a reflection of the entire universe. Of course, by today’s conventional standards, this is incorrect, but at first glance—and we will see in due course how this impression is indeed justified—it is correct at first glance: the universe appears to us as a hollow sphere into which we are looking.
[ 38 ] Jeder Tropfen, ob er klein oder groß ist, erscheint uns als eine Spiegelung des Weltenalls selber. Ob Sie den Regentropfen nehmen, oder ob Sie das ganze Erdengewässer nehmen, da sehen Sie an der Oberfläche ein Bild des Weltenalls. Sobald man nämlich ins Flüssige hineinkommt, kann man dieses Flüssige nicht mehr aus den irdischen Kräften erklären. Wenn Sie die unendlichen Bemühungen sehen werden, oder mit Bewußtsein anschauen werden, die Kugelform des Erdengewässers aus den irdischen Kräften selber zu erklären, so werden Sie finden, wie vergeblich diese Bemühungen sind. Aus der irdischen Anziehungskraft und so weiter erklärt sich nicht die Kugelform des Erdengewässers. Die Kugelform des Erdengewässers ist nicht durch Anziehungskraft, sondern durch Druck von außen zu erklären. Da kommen wir sogleich dazu, auch in der äußeren Natur einzusehen, daß wir zur Erklärung des Flüssigen aus dem Irdischen hinausgehen müssen. Und von da aus kommen Sie nun zum Erfassen dessen, wie es beim Menschen ist.
[ 38 ] Every drop, whether small or large, appears to us as a reflection of the universe itself. Whether you consider a raindrop or all the water on Earth, you will see an image of the universe on its surface. For as soon as one enters the realm of the liquid, one can no longer explain this liquid through earthly forces alone. If you observe—or contemplate with awareness—the endless efforts to explain the spherical shape of the Earth’s waters solely through earthly forces, you will find how futile these efforts are. The spherical shape of the Earth’s waters cannot be explained by Earth’s gravitational force and so on. The spherical shape of the Earth’s waters is not explained by gravitational force, but by external pressure. This leads us immediately to recognize, even in the external natural world, that we must go beyond the earthly realm to explain the nature of the liquid. And from there, you will now come to understand how it is with human beings.
[ 39 ] Solange Sie bei dem, was im Menschen fest ist, bleiben, können Sie beim Irdischen bleiben, wenn Sie seine Gestalt verstehen wollen. In dem Augenblicke, wo Sie an sein Flüssiges herankommen, brauchen Sie den in diesem Flüssigen wirkenden zweiten Menschen, zu dem Sie durch das erkraftete Denken kommen.
[ 39 ] As long as you focus on what is solid in human beings, you can remain within the earthly realm if you wish to understand its form. The moment you approach its fluid aspect, you need the second human being active within that fluidity, whom you reach through empowered thinking.
[ 40 ] Jetzt sind wir zum Irdischen wieder zurückgekehrt. Wir finden im Menschen das Feste. Das erklären wir mit unseren gewöhnlichen Gedanken. Was im Menschen flüssig ist, können wir seiner Form nach nicht verstehen, wenn wir nicht in ihm wirksam denken diesen zweiten Menschen, den wir im erkrafteten Denken in uns selber als den Ätherleib des Menschen erfühlen.
[ 40 ] Now we have returned to the earthly realm. We find the solid in the human being. We explain this with our ordinary thoughts. We cannot understand what is fluid in the human being based on its form unless we actively think within ourselves of this second human being, whom we sense within ourselves through intensified thinking as the human etheric body.
[ 41 ] Und so können wir sagen: Der physische Mensch wirkt im Festen, der ätherische Mensch wirkt im Flüssigen. Der ätherische Mensch ist damit noch immer etwas Selbständiges natürlich; aber sein Mittel, zu wirken, ist das Flüssige.
[ 41 ] And so we can say: The physical human being acts in the solid, the etheric human being acts in the liquid. The etheric human being is, of course, still something independent; but its means of acting is the liquid.
[ 42 ] Und nun handelt es sich darum, weiterzukommen. Denken Sie, wir haben nun wirklich uns so weit gebracht, dieses erkraftete Denken innerlich zu erleben, also den ätherischen Menschen, diesen zweiten Menschen zu erleben; das setzt voraus, daß wir eine starke innere Impulsivität entfalten.
[ 42 ] And now the task is to move forward. Do you think we have truly come this far—to the point of experiencing this empowered thinking inwardly, that is, to experience the etheric human, this second human? This requires that we develop a strong inner impulsiveness.
[ 43 ] Nun, Sie wissen ja, wenn man sich ein bißchen anstrengt, so kann man nicht nur sich zum Denken anregen lassen, sondern sich sogar die Gedanken wiederum verbieten. Man kann aufhören zu denken. Das besorgt die physische Organisation. Wenn man müde wird und einschläft, dann hört man auf zu denken. Nun, es wird schwerer, das, was man mit aller Anstrengung in sich hineinversetzt hat, dieses erkraftete Denken, das Ergebnis der Meditation, auch wiederum willkürlich auszulöschen. Ein gewöhnlicher machtloser Gedanke ist verhältnismäßig leicht auszulöschen. Man haftet schon mehr innerlich-seelisch an dem, was man da an erkraftetem Denken in sich entwickelt hat. Man muß dann eine stärkere Kraft gewinnen können, um es sich wieder absuggerieren zu können. Dann aber tritt etwas Besonderes ein.
[ 43 ] Well, as you know, if you make a little effort, you can not only stimulate your own thinking but even force yourself to stop thinking. You can stop thinking. The body takes care of that. When you get tired and fall asleep, you stop thinking. Well, it becomes more difficult to deliberately erase what you have instilled within yourself with all your effort—this energized thinking, the result of meditation. An ordinary, powerless thought is relatively easy to erase. One is already more deeply attached, inwardly and spiritually, to what one has developed within oneself as this energized thinking. One must then be able to gain a stronger force in order to suggest it away again. But then something special occurs.
[ 44 ] Wenn Sie das gewöhnliche Denken haben, nun ja, es ist angeregt von der Umgebung oder von den Erinnerungen an die Umgebung. Wenn Sie irgendeinen Gedankenweg machen, dann ist ja noch die Welt da. Sie schlafen ein, dann ist sie auch noch da. Aber Sie haben sich ja gerade aus dieser Welt der Sichtbarkeit hinausgehoben im erkrafteten Denken. Sie haben sich in Zusammenhang gebracht mit der außerirdisch räumlichen Umwelt. Sie betrachten das Verhältnis der Sterne jetzt zu sich, wie Sie früher das Verhältnis der Gegenstände der Reiche der Natur um sich herum betrachtet haben. Sie haben sich mit alledem jetzt in Beziehung gesetzt. Jetzt können Sie das unterdrücken. Aber indem Sie es unterdrücken, ist auch die äußere Welt nicht da, denn Sie haben ja eben Ihr Interesse diesem erkrafteten Bewußtsein zugewendet. Da ist die äußere Welt nicht da. Sie kommen zu dem, was man leeres Bewußtsein nennen kann. Das gewöhnliche Bewußtsein kennt die Leerheit des Bewußtseins nur im Schlafe; dann ist es aber Unbewußtsein.
[ 44 ] If you have ordinary thinking, well, it is stimulated by your surroundings or by memories of your surroundings. When you follow any train of thought, the world is still there. You fall asleep, and it is still there. But you have just lifted yourself out of this world of visibility through your energized thinking. You have connected yourself with the extraterrestrial spatial environment. You are now observing the relationship of the stars to yourself, just as you used to observe the relationship of objects in the natural world around you. You have now established a relationship with all of that. Now you can suppress it. But by suppressing it, the external world is also absent, for you have just turned your attention to this energized consciousness. The external world is not there. You arrive at what might be called empty consciousness. Ordinary consciousness experiences the emptiness of consciousness only in sleep; but then it is unconsciousness.
[ 45 ] Aber das ist ja eben, was man jetzt erreicht: voll bewußt zu bleiben, keine äußeren sinnlichen Eindrücke zu haben und dennoch nicht zu schlafen, bloß zu wachen. Aber man bleibt nicht bloß wachend. Jetzt, wenn man das leere Bewußtsein dem Unbestimmten, dem überall Unbestimmten entgegensetzt, jetzt dringt die eigentliche geistige Welt herein. Man sagt: Da kommt sie. Während man früher nur hinausgesehen hat in die außerirdische physische Umgebung, die eigentlich ätherische Umgebung ist, während man das Räumliche gesehen hat, kommt jetzt wie von unbestimmten Fernen durch dieses Kosmische herein von allen Seiten ein Neues, das eigentliche Geistige. Das Geistige kommt von dem Weltenende zuerst herein, wenn man diesen Gang, den ich beschrieben habe, durchmacht.
[ 45 ] But that is precisely what one achieves at this point: remaining fully conscious, having no external sensory impressions, and yet not sleeping—merely staying awake. But one does not merely remain awake. Now, when one contrasts this empty consciousness with the indeterminate—the indeterminate that is everywhere—the true spiritual world begins to penetrate. One says: There it comes. Whereas before one looked out only into the extraterrestrial physical environment—which is actually the etheric environment—and saw the spatial, now something new, the true spiritual, comes in from all sides through this cosmic realm, as if from indefinite distances. The spiritual enters first from the end of the world when one goes through this process I have described.


[ 46 ] Und jetzt tritt zu der früheren Metamorphose des Bewußtseins ein Drittes hinzu. Jetzt sagt man sich: Du trägst deinen physischen Leib an dir und deinen Ätherleib, den du im erkrafteten Denken ergriffen hast, und du trägst noch etwas an dir — ich bitte, ich rede von der Welt der Scheinbarkeit, wir werden in den nächsten Tagen sehen, inwiefern es berechtigt ist. Indem da von dem Ätherischen geredet wird (blau): aus dieser Welt des Räumlichen kommt es, aber was da weiter ist außerhalb (rötlich), das kommt herein vom Unbestimmten. Man verliert auch das Bewußtsein, daß es aus dem Räumlichen kommt; das durchsetzt einen wie ein dritter Mensch. Durch den Äther des Kosmos läuft es heran, durchsetzt einen als ein dritter Mensch. Und man beginnt mit Recht durch Erfahrung davon zu reden: man hatte den ersten Menschen, den physischen Menschen; den zweiten Menschen, den ätherischen Menschen; den dritten Menschen, den astralischen Menschen — stoßen Sie sich nicht an Worten, das wissen Sie ja, daß Sie das nicht sollen —, man trägt den astralischen Menschen, den dritten Menschen, an sich. Der kommt aus dem Geistigen, nicht bloß aus dem Ätherischen. Man kann von dem Astralleibe, von dem astralischen Menschen reden.
[ 46 ] And now a third element is added to the earlier metamorphosis of consciousness. Now one says to oneself: You carry your physical body and your etheric body—which you have grasped through intensified thinking—and you carry something else as well—please note, I am speaking of the world of appearances; we will see in the coming days to what extent this is justified. When we speak of the etheric (blue): it comes from this world of space, but what lies beyond it (reddish) comes in from the indefinite. One also loses the awareness that it comes from the spatial realm; it permeates one like a third human being. It flows in through the ether of the cosmos, permeating one like a third human being. And one rightly begins to speak of this through experience: one had the first human being, the physical human being; the second human being, the etheric human being; the third human being, the astral human being—don’t take offense at the words; you know, of course, that you shouldn’t— one carries the astral human, the third human, within oneself. It comes from the spiritual realm, not merely from the etheric. One can speak of the astral body, of the astral human.
[ 47 ] Und jetzt geht man weiter. Jetzt sagt man sich: Ich atme ein, ich verbrauche meinen Atem zu meiner inneren Organisation, ich atme aus. — Ist es denn wirklich wahr, daß das, was sich die Leute vorstellen als ein Gemisch, ein Gemenge von Sauerstoff und Stickstoff, kommt und fortgeht?
[ 47 ] And now we move on. Now we say to ourselves: I inhale, I use my breath for my inner organization, I exhale. — Is it really true that what people imagine to be a mixture, a blend of oxygen and nitrogen, comes and goes?
[ 48 ] Sehen Sie, was da kommt und fortgeht, das ist nach den Anschauungen der gegenwärtigen Zivilisation aus physikalischem Sauerstoff und Stickstoff und einigem anderen zusammengesetzt. Aber derjenige, der dazukommt, nun aus dem leeren Bewußtsein heraus dieses Heranlaufen möchte ich sagen, des Geistigen durch den Äther zu erleben, der erlebt im Einatmungszug dasjenige, was gestaltet ist nicht aus dem Äther bloß, sondern von etwas außer dem Äther, aus dem Geistigen heraus. Und man erlernt allmählich im Atmungsprozesse einen geistigen Einschlag in den Menschen erkennen. Man lernt erkennend sich zu sagen: Du hast einen physischen Leib. Er greift in das Feste ein; das ist sein Mittel. Du hast deinen ätherischen Leib. Der greift in das Flüssige ein. Indem du ein Mensch bist, der nicht nur fester Mensch, Flüssigkeitsmensch ist, sondern indem du in dir deinen Luftmenschen trägst, dasjenige, was luftförmig ist, gasförmig, kann eingreifen der dritte, der astralische Mensch. Durch dieses Substantielle auf der Erde, durch das Luftförmige, greift der astralische Mensch ein.
[ 48 ] Look at what comes and goes—according to the views of our present civilization, it is composed of physical oxygen, nitrogen, and a few other elements. But the one who comes to this—I would say, emerging from empty consciousness, this approaching experience of the spiritual through the ether—experiences in the act of inhalation that which is formed not merely from the ether, but from something beyond the ether, from the spiritual. And one gradually learns to recognize a spiritual influence within the human being through the breathing process. One learns to say to oneself with insight: You have a physical body. It interacts with the solid; that is its medium. You have your etheric body. It interacts with the liquid. Because you are a human being—not merely a solid human or a liquid human—but because you carry within you your airy human, that which is air-like and gaseous, the third human, the astral human, can intervene. Through this substantial aspect on Earth, through the airy aspect, the astral human intervenes.
[ 49 ] Niemals wird das, was im Menschen flüssige Organisation ist, die innerlich ein ebenso regelmäßiges Leben hat, aber ein fortwährend veränderliches, fortwährend wandelndes Leben hat, mit dem gewöhnlichen Denken erfaßt; das, was so Flüssigkeitsmensch ist, das wird nur mit dem erkrafteten Denken erfaßt: Mit dem gewöhnlichen Denken erfassen wir konturiert den physischen Menschen. Und weil unsere Anatomie und Physiologie bloß mit dem gewöhnlichen Menschen rechnen, so zeichnen sie 10 Prozent vom Menschen auf. Aber das, was der Mensch ist als Flüssigkeitsmensch, das ist in einer fortwährenden Bewegung, das zeigt nie eine feste Kontur. Da ist es so, da wieder anders, da lang, da kurz. Was in fortwährender Bewegung ist, das erfassen Sie nicht mit den rechnenden konturierten Begriffen, das erfassen Sie mit den Begriffen, die in sich beweglich sind, die Bilder sind. Den ätherischen Menschen im Flüssigkeitsmenschen erfassen Sie in Bildern.
[ 49 ] Ordinary thinking can never grasp what constitutes the fluid organization within the human being—an organization that, while possessing an inner life that is just as regular, also leads a life that is constantly changing and constantly evolving; what is, in this sense, the “fluid human being” can only be grasped through strengthened thinking: With ordinary thinking, we perceive the physical human being as having defined contours. And because our anatomy and physiology deal only with the ordinary human being, they account for 10 percent of the human being. But what the human being is as a “fluid human” is in constant motion; it never reveals a fixed contour. Here it is one way, there another; here long, there short. What is in constant motion cannot be grasped with calculative, defined concepts; it is grasped with concepts that are themselves in motion—that are images. You grasp the etheric human within the fluid human through images.
[ 50 ] Und den dritten Menschen, den astralischen Menschen, der im luftförmigen Menschen wirkt, den erfassen Sie nur, wenn Sie ihn nun nicht bloß in Bildern, sondern auf eine noch andere Art ergreifen. Rücken Sie nämlich in Ihrem Meditieren immer weiter und weiter fort — und ich beschreibe damit den abendländischen Meditationsprozeß —, dann merken Sie von einem bestimmten Punkte Ihrer Übungen an, daß der Atem in Ihnen etwas fühlbar Musikalisches wird. Als innere Musik erleben Sie den Atem. Sie erleben sich als von innerer Musik durchwebt und durchwellt. Den dritten Menschen, der physisch der Luftmensch ist, geistig der astralische Mensch ist, den erleben Sie als ein inneres Musikalisches. Sie ergreifen da den Atem.
[ 50 ] And the third human being, the astral human being, who acts within the etheric human being—you can grasp this only if you perceive it not merely through images, but in yet another way. For if you go farther and farther in your meditation—and by this I mean the Western process of meditation—then, from a certain point in your exercises onward, you will notice that your breath becomes something musically perceptible within you. You experience your breath as inner music. You experience yourself as interwoven and permeated by inner music. The third human being—who is physically the air-human and spiritually the astral human—you experience as an inner musical quality. It is there that you grasp the breath.
[ 51 ] Der orientalische Meditant hat das direkt gemacht, indem er sich auf das Atmen konzentriert hat, das Atmen unregelmäßig gemacht hat, das Joga-Atmen eingeführt hat, um darauf zu kommen, wie der Atem im Menschen webt und lebt. Er hat dadurch direkt hingearbeitet auf das Ergreifen dieses dritten Menschen.
[ 51 ] The Eastern meditator did this directly by concentrating on his breathing, making his breathing irregular, and introducing yogic breathing in order to understand how the breath weaves and lives within the human being. In this way, he worked directly toward grasping this third human being.
[ 52 ] Und so kommen wir zu dem, was dieser dritte Mensch ist, und können heute zunächst sagen: Durch eine Vertiefung der Einsicht, durch eine Erkraftung der Einsicht kommen wir dazu, zunächst am Menschen zu unterscheiden den physischen Leib, der auf Erden in festen Formen lebt und auch mit den irdischen Reichen in Zusammenhang steht; den zweiten, den Flüssigkeitsmenschen, in dem aber ein immer bewegliches Ätherisches lebt, der nur in Bildern erfaßt werden kann, in Bildern aber, die bewegte Bilder sind, bewegte Plastik; den dritten Menschen, den astralischen, der sein physisches Abbild hat in alledem, was die Einatmungsströmung macht. Sie kommt herein, sie ergreift die innere Organisation, breitet sich aus, arbeitet, verwandelt sich, strömt wiederum aus. Das ist ein wunderbares Werden. Das kann man nicht zeichnen, höchstens symbolisch, aber in Realität nicht. Ebensowenig können Sie das zeichnen, wie Sie die Töne einer Violine zeichnen können. Symbolisch können Sie es, aber Sie müssen das musikalische Gehör darauf richten, daß Sie innerlich hören. Nicht das äußerlich tönende Hören, sondern das innerlich musikalische Hören müssen Sie darauf lenken. Das Atmungsweben müssen Sie innerlich hören. Den astralischen Leib des Menschen müssen Sie innerlich hören. Es ist der dritte Mensch. Es ist derjenige Mensch, den wir erfassen, wenn wir vorrücken zum leeren Bewußtsein und dieses leere Bewußtsein ausfüllen lassen durch dasjenige, was uns eininspiriert wird.
[ 52 ] And so we come to what this third human being is, and can say for now: By deepening our insight, by strengthening our insight, we come to distinguish, first of all, in the human being: the physical body, which lives on Earth in solid forms and is also connected to the earthly realms; the second, the liquid human being, in whom, however, a constantly moving etheric element lives, which can only be grasped in images—but images that are moving images, moving sculpture; the third human being, the astral human, whose physical image is reflected in everything that the inhalation current does. It enters, takes hold of the inner organization, spreads out, works, transforms itself, and flows out again. This is a wondrous process of becoming. It cannot be drawn—at most symbolically, but not in reality. You can no more draw this than you can draw the notes of a violin. You can do so symbolically, but you must direct your musical ear toward it so that you hear it inwardly. You must direct not the hearing of external sounds, but your inner musical hearing toward it. You must hear the weaving of the breath inwardly. You must hear the human astral body inwardly. It is the third human being. It is the human being we perceive when we advance toward empty consciousness and allow this empty consciousness to be filled by that which is inspired into us.
[ 53 ] Nun, es ist wirklich die Sprache gescheiter, als die Menschen sind, weil die Sprache aus den Urzeiten kommt. Daß man das Atmen einmal eine Inspiration genannt hat, hat seinen tiefen Grund, wie überhaupt die Worte unserer Sprache viel mehr sagen, als wir heute mit unserem abstrakten Bewußtsein in den Worten fühlen.
[ 53 ] Well, language is truly wiser than humans are, because language dates back to primeval times. There is a profound reason why breathing was once called “inspiration”; indeed, the words of our language convey much more than we perceive in them today with our abstract consciousness.
[ 54 ] Das sind die Dinge, die uns zunächst führen konnten zu den drei Gliedern der Menschennatur, zum physischen Leib, Ätherleib, Astralleib, die sich äußern durch den Luftmenschen, den Flüssigkeitsmenschen, den festen Menschen, die in den Gebilden des festen Menschen, in den sich verwandelnden Gestalten des Flüssigkeitsmenschen, in dem, was den Menschen durchzieht als eine innere, im Gefühle erlebbare Musik, ihre physischen Gegenbilder haben. Das schönste Abbild dieser innerlichen Musik ist ja das Nervensystem. Das ist erst aus dem astralischen Leib, aus der innerlichen Musik heraus gebaut. Daher das Nervensystem an einer bestimmten Stelle diese wunderbare Gestaltung zeigt (es wird gezeichnet): das Rückenmark, daran sich die verschiedenen Stränge gliedernd. Das alles gibt zusammen ein wunderbares, musikalisches Gefüge, das fortwährend im Menschen wirkt, in das Haupt herauf wirkt.
[ 54 ] These are the things that initially led us to the three aspects of human nature: the physical body, the etheric body, and astral body—which manifest through the air-human, the liquid-human, and the solid-human, and which find their physical counterparts in the forms of the solid-human, in the ever-changing shapes of the liquid-human, and in what permeates the human being as an inner music experienced through feeling. The most beautiful reflection of this inner music is, of course, the nervous system. It is built first and foremost from the astral body, from this inner music. That is why the nervous system exhibits this marvelous structure at a certain point (it is drawn): the spinal cord, from which the various strands branch out. All of this together forms a marvelous, musical structure that is constantly at work within the human being, working its way up into the head.
[ 55 ] Eine Urweisheit, die noch im Griechentum lebendig war, fühlte im Inneren des Menschen dieses wunderbare Instrument, das da ist, denn durch das ganze Rückenmark geht ja herauf die veratmete Luft. Die Luft, die wir einatmen, zieht ein in den Rückenmarkskanal, schlägt herauf nach dem Gehirn. Diese Musik wird wirklich ausgeführt, nur bleibt sie dem Menschen unbewußt. Er findet nur dasjenige, was oben sich abstößt, im Bewußtsein vor. Da ist es die Leier des Apollo, dieses innerliche Musikinstrument, das die instinktive Urweisheit im Menschen noch erkannt hat. Ich habe früher auf diese Dinge aufmerksam gemacht, allein ich will ja jetzt ein Resume geben von dem, was im Laufe von zwanzig Jahren innerhalb unserer Gesellschaft entwickelt worden ist.
[ 55 ] An ancient wisdom, still alive in Greek culture, sensed within the human being this marvelous instrument that exists there, for the air we breathe rises all the way up through the spinal cord. The air we inhale enters the spinal canal and rises toward the brain. This music is truly being performed, though it remains unconscious to the human being. He finds only that which is reflected upward in his consciousness. There it is the lyre of Apollo, this inner musical instrument that the instinctive primordial wisdom within the human being still recognized. I have drawn attention to these things before, but now I would like to provide a summary of what has been developed within our society over the course of twenty years.
[ 56 ] Morgen werde ich weiterschreiten zu dem vierten Gliede der menschlichen Natur, der eigentlichen Ich-Organisation, um dann zu zeigen, wie diese verschiedenen Glieder der menschlichen Natur zusammenhängen mit des Menschen Leben auf Erden und des Menschen überirdischen oder außerirdischen sogenannten Ewigkeitsleben.
[ 56 ] Tomorrow I will move on to the fourth aspect of human nature—the actual “I” organization—in order to then show how these various aspects of human nature are connected to human life on Earth and to humanity’s so-called “eternal life” beyond Earth or in the afterlife.
