Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume I
GA 235
16 March 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] In der Betrachtung karmischer Zusammenhänge habe ich bisher in der letzten Zeit die Regel verfolgt, von bestimmten Persönlichkeiten auszugehen, die Ihnen in der neueren Zeit entgegentreten können, um dann zu versuchen, zurückzukommen zu vorangehenden Erdenleben. Ich möchte nun heute, um die konkreten Beispiele für die karmischen Zusammenhänge zu ergänzen, ich möchte nun heute ausgehen umgekehrt von gewissen historischen Persönlichkeiten der Vergangenheit, und dann den Weg machen von diesen historischen Persönlichkeiten der Vergangenheit hinauf in die spätere Zeit, entweder in die spätere Zeit der Geschichte oder in das Leben bis herauf in die Gegenwart. Ich möchte also gewissermaßen eine von karmischen Betrachtungen durchsetzte geschichtliche Darstellung bestimmter Zusammenhänge geben.
[ 1 ] In my recent exploration of karmic connections, I have generally started with specific individuals whom you may encounter in more recent times, and then attempted to trace the path back to previous earthly lives. Today, to supplement the concrete examples of karmic connections, I would like to proceed in the opposite direction: starting with certain historical figures from the past, and then tracing a path from these historical figures back to later times—either to later periods in history or through their lives up to the present. In a sense, I would like to present a historical account of certain connections interwoven with karmic considerations.
[ 2 ] Wenn man die Entwickelung des Christentums verfolgt von seiner Begründung auf der Erde weiterhin nach Europa hinüber, wenn man die verschiedenen Wege, welche die christlichen Impulse erfahren haben, verfolgt, dann stößt man ja auf eine andere religiöse Geistesströmung, die, wenn sie heute auch weniger bemerkt wird, einen außerordentlich tiefgehenden Einfluß, ich möchte sagen, gerade unter der Oberfläche der äußeren historischen Ereignisse auf die europäische Zivilisation ausgeübt hat. Es ist dasjenige, was bekannt ist unter dem Namen des Mohammedanismus, die etwas mehr als ein halbes Jahrtausend nach der Begründung des Christentums entstandene mohammedanische Religion, mit allem dem aber, was zusammenhängt mit dem Leben, das sich an die Entstehung dieser mohammedanischen Religion angeknüpft hat.
[ 2 ] If one traces the development of Christianity from its origins on earth and onward into Europe, and if one follows the various paths that Christian impulses have taken, one encounters another religious current which, although it is less noticed today, has exerted an extraordinarily profound influence, I would say, just beneath the surface of external historical events, on European civilization. It is what is known as Islam—the Muslim religion that arose a little more than half a millennium after the founding of Christianity—along with everything connected to the life that was linked to the emergence of this Muslim religion.
[ 3 ] Wir sehen zunächst, wie von Mohammed eine Art von Monotheismus, eine Art von Religion begründet wird, welche aufschaut, so wie das Judentum, in strenger Weise zu einer einheitlichen, die Welt umspannenden Gottheit. Da ist ein einheitlicher Gott, den auch Mohammed verkündigen will. Das ist etwas, was wie ein mächtiger Impuls von Arabien ausgeht und weite, eindringliche Verbreitung drüben in Asien, durch Afrika herüber bis nach Europa herein über Spanien findet.
[ 3 ] We see, first of all, how Muhammad established a form of monotheism, a form of religion that, like Judaism, looks up in a strict sense to a single, all-encompassing deity. There is a single God whom Muhammad also seeks to proclaim. This is something that emanates from Arabia like a powerful impulse and spreads far and wide—across Asia, through Africa, and into Europe via Spain.
[ 4 ] Wer heute die Zivilisation der Gegenwart betrachtet, der wird sogar heute noch vieles in dieser Zivilisation falsch beurteilen, wenn er nicht ins Auge faßt, wie — gerade auf dem Umwege durch die Araberzüge — alles das, was schließlich seine Stoßkraft durch die Tat Mohammeds gefunden hat, mit hineingewirkt hat in die europäische Zivilisation, ohne daß die Form des religiösen Fühlens, mit dem die Sache verbunden war, eben auch einen Einzug in Europa gehalten hat.
[ 4 ] Anyone who looks at contemporary civilization today will still misjudge many aspects of it if they fail to consider how — precisely through the indirect influence of Arab traditions — everything that ultimately found its driving force in the deeds of Muhammad has contributed to European civilization, even though the form of religious sentiment associated with it did not, in fact, find its way into Europe.
[ 5 ] Wenn man auf die religiöse Form hinschaut, in der der Mohammedanismus aufgetreten ist in seiner arabischen Art, dann hat man zunächst den starren Monotheismus, die allmächtige Einheitsgottheit, die für das religiöse Leben etwas von fatalistischem Element in sich schließt. Das Schicksal der Menschen ist von vornherein bestimmt. Der Mensch hat sich diesem Schicksal zu unterwerfen, oder wenigstens sich unterworfen zu wissen. Das ist die religiöse Form. Allein dieser Arabismus — so wollen wir das nennen — hat doch noch etwas ganz anderes gezeitigt. Es ist das Merkwürdige, daß auf der einen Seite dieser Arabismus sich ausbreitet auf ganz kriegerische Weise, daß die Völker beunruhigt werden durch dasjenige, was kriegerisch vom Arabismus ausgeht. Es ist aber auf der anderen Seite im höchsten Grade auch merkwürdig, inwiefern fast das ganze erste Jahrtausend von der Begründung des Mohammedanismus an der Arabismus Zivilisationsträger gewesen ist. Sehen wir zum Beispiel auf die Zeit hin, in welcher innerhalb Europas Karl der Große, sagen wir, seinen größten Einfluß gehabt hat, so finden wir drüben in Asien in der Residenz in Bagdad eine wunderbare Zivilisation, eigentlich ein großartiges Geistesleben. Man möchte sagen, während Karl der Große aus primitiven Untergründen heraus — er lernt ja sogar erst das Schreiben, notdürftig sogar —, während er aus primitiven Untergründen heraus eine gewisse sehr anfängliche Bildung zu verbreiten versucht, sehen wir eine hohe Geisteskultur drüben in Asien, in Bagdad.
[ 5 ] If one looks at the religious form in which Islam emerged in its Arab form, one first encounters rigid monotheism—the almighty, unitary deity—which contains an element of fatalism within religious life. Human destiny is predetermined from the outset. Humans must submit to this fate, or at least acknowledge their submission to it. That is the religious form. Yet this Arabism—let us call it that—has also brought about something quite different. It is remarkable that, on the one hand, this Arabism spreads in a thoroughly warlike manner, causing unease among peoples due to the bellicose nature of Arabism. On the other hand, however, it is also highly remarkable to what extent Arabism served as a bearer of civilization for almost the entire first millennium following the founding of Islam. If we look, for example, at the period during which Charlemagne, let’s say, exerted his greatest influence within Europe, we find over in Asia, at the court in Baghdad, a marvelous civilization—in fact, a magnificent intellectual life. One might say that while Charlemagne, coming from primitive beginnings—he was, after all, only just learning to write, and even then rather poorly—while he was attempting to spread a certain very rudimentary education from those primitive beginnings, we see a highly developed intellectual culture over in Asia, in Baghdad.
[ 6 ] Wir sehen sogar, wie ein ungeheurer Respekt vor dieser Geisteskultur bis hinein in die Umgebung Karls des Großen besteht. Wir sehen in jener Zeit — es ist ja die Zeit, in der Karl der Große, wie man sagt, regierte, 768 bis 814 wird ja die Regierungszeit Karls des Großen gerechnet —, wir sehen in der Zeit von 786 bis 809 in Bagdad drüben an der Spitze einer großartigen Zivilisation Harun al Raschid. Wir sehen Harun al Raschid, den intensiv von Dichtern gepriesenen Mann, der der Mittelpunkt eines weiten Kreises in Wissenschaften und Künsten war, der selber ein feingebildeter Mensch war, der in seinem Gefolge nicht etwa bloß so primitive Menschen wie den Zinhard hatte, der um Karl den Großen war, sondern der tatsächlich glänzende Größen in Wissenschaften und Künsten um sich versammelte. Wir sehen Harun al Raschid drüben in Asien eben eine große Zivilisation, sagen wir jetzt nicht beherrschen, sondern impulsieren.
[ 6 ] We can even see how a tremendous respect for this intellectual culture persisted right into the era of Charlemagne. We see in that era—it is, after all, the time when Charlemagne, as they say, reigned; his reign is generally dated from 768 to 814—we see, from 786 to 809, Harun al-Rashid in Baghdad, at the helm of a magnificent civilization. We see Harun al-Rashid, the man so fervently praised by poets, who was the center of a wide circle in the sciences and arts, who was himself a highly educated man, and whose entourage did not consist merely of primitive figures like Zinhard, who was associated with Charlemagne, but who in fact gathered around him brilliant luminaries in the sciences and arts. We see Harun al-Rashid over in Asia not so much dominating a great civilization—let’s not say that—but rather inspiring it.
[ 7 ] Und wir sehen, wie in diese Geisteskultur, deren Seele Harun al Raschid ist, dasjenige aufgeht, was in einem kontinuierlichen Strom seit dem Aristotelismus in Asien drüben sich verbreitet hat. Aristotelische Philosophie, aristotelische Naturwissenschaft, sie hat auch nach Asien hinüber ihre Verbreitung gefunden. Sie wurde durchgearbeitet mit orientalischer Einsicht, mit orientalischer Imagination, orientalischer Anschauung. Wir finden sie in ganz Vorderasien bis fast über die indische Grenze hinaus wirksam, und wir finden sie so verarbeitet, daß zum Beispiel ein weit ausgedehntes, weit ausgebreitetes medizinisches System gepflegt wurde an diesem Hofe Harun al Raschids.
[ 7 ] And we see how this intellectual culture—whose soul is Harun al-Rashid—incorporates that which has spread in a continuous stream from Aristotelianism across to Asia. Aristotelian philosophy and Aristotelian natural science have also found their way to Asia. It was reinterpreted through an Eastern lens, with Eastern imagination and Eastern perspectives. We find it exerting an influence throughout the Near East, extending almost beyond the Indian border, and we find it adapted in such a way that, for example, a vast and extensive medical system was cultivated at the court of Harun al-Rashid.
[ 8 ] Wir sehen in einer tief philosophischen Weise dasjenige, was mit einer Art religiösen Furors von Mohammed begründet worden war, sehen es in einer großartig intensiv eindringlichen Weise zur Geltung kommen unter den Gelehrten, Dichtern, Naturforschern, Medizinern, die am Hofe des Harun al Raschid lebten.
[ 8 ] We see, in a profoundly philosophical way, that which had been established by Muhammad with a kind of religious fervor, and we see it come to the fore in a magnificently intense and compelling way among the scholars, poets, naturalists, and physicians who lived at the court of Harun al-Rashid.
[ 9 ] Mathematik wurde dort gepflegt, Geographie wurde gepflegt. Es wird leider viel zu wenig innerhalb der europäischen Geschichte dies betont, und man vergißt gewöhnlich über den Primitivitäten, sagen wir des Frankenhofes Karls des Großen, was da drüben in Asien war.
[ 9 ] Mathematics was cultivated there, and so was geography. Unfortunately, this is emphasized far too little in the context of European history, and people usually overlook what was happening over in Asia, focusing instead on the primitiveness of, say, Charlemagne’s Frankish court.
[ 10 ] Und wir haben, wenn wir das in Betracht ziehen, was sich da doch in gerader Richtung aus dem Mohammedanismus herausentwickelt hatte, wir haben ein merkwürdiges Bild vor uns. Der Mohammedanismus wird in Mekka begründet, in Medina fortgesetzt. Er verbreitet sich herauf in die Gegenden von Damaskus, Bagdad und so weiter nach ganz Vorderasien. Wir sehen ihn herrschen in einer solchen Weise, wie ich es eben jetzt beschrieben habe. Wir haben damit sozusagen die eine Linie, in der sich der Mohammedanismus ausbreitet, von Arabien nach Norden, herüber über Kleinasien. Die Araber belagern fortwährend Konstantinopel. Sie pochen an die Tore Europas. Sie wollen sozusagen das, was sie an Stoßkraft haben, über den europäischen Osten vorschieben nach der europäischen Mitte.
[ 10 ] And when we consider what had, in fact, developed directly out of Islam, we are presented with a remarkable picture. Islam was founded in Mecca and continued in Medina. It spread northward into the regions of Damascus, Baghdad, and so on, throughout the Near East. We see it reigning in the manner I have just described. This, so to speak, is one line along which Islam spread—from Arabia to the north, across Asia Minor. The Arabs are constantly besieging Constantinople. They are knocking at the gates of Europe. They want, so to speak, to push their momentum through Eastern Europe toward the heart of Europe.
[ 11 ] Und wir haben auf der anderen Seite den Arabismus, sich ausbreitend durch Nordafrika bis nach Spanien. Er erfaßt da gewissermaßen über Spanien herüber Europa von der anderen Seite. Wir haben tatsächlich das Merkwürdige vorliegend, daß, wie in einer Kulturgabelung, Europa umspannt werden soll vom Arabismus.
[ 11 ] And on the other hand, we have Arabism, spreading through North Africa all the way to Spain. In a sense, it reaches across Spain to encompass Europe from the other side. We are indeed faced with the curious situation that, as if at a cultural crossroads, Europe is to be encompassed by Arabism.
[ 12 ] Wir haben auf der einen Seite sich ausbreitend von Rom herauf, von dem Süden, das Christentum in der römischen Form, von Griechenland ausgehend dasjenige, was dann, sagen wir, in die Erscheinung tritt in Wulfilas Bibelübersetzung und so weiter; wir haben das in der Mitte drinnen. Und wir haben wie in einer Gabelung diese europäischchristliche Zivilisation umfassend den Mohammedanismus. Und alles dasjenige, was in der Geschichte Europas von den Taten Karls des Großen zur Förderung des Christentums erzählt wird, das darf ja nur so betrachtet werden, daß, während Karl der Große viel tut, um das Christentum in Europas Mitte zu verbreiten, zu fördern, gleichzeitig mit ihm in Asien drüben jenes gewaltige Kulturzentrum ist, von dem ich gesprochen habe: das Kulturzentrum Harun al Raschids.
[ 12 ] On the one hand, we have Christianity in its Roman form spreading from Rome, from the south; and, originating in Greece, that which later—let’s say—manifests itself in Wulfila’s Bible translation and so on; we have that in the middle. And, as if at a fork in the road, this European Christian civilization encompasses Islam. And everything that is recounted in European history about Charlemagne’s efforts to promote Christianity must be viewed in this light: while Charlemagne did much to spread and promote Christianity in the heart of Europe, at the same time, over in Asia, there existed that mighty cultural center I spoke of—the cultural center of Harun al-Rashid.
[ 13 ] Wenn man rein äußerlich-geschichtlich diese Sache ins Auge faßt, was tritt einem denn da entgegen? Da tritt einem entgegen, daß Kriege geführt werden längs der Linie, die über Nordafrika nach der iberischen Halbinsel sich zieht, daß über Spanien herüber die Bekenner des Arabismus kommen, daß sie zurückgeschlagen werden von den Vertretern des europäischen Christentums, von Karl Martell, von Karl dem Großen selber. Man erfährt dann später, daß sich gewissermaßen auslöschend über die Größe des Mohammedanismus ergießt das Türkentum, das die religiöse Form aufnimmt, aber eben auslöscht alles das, was an solcher Hochkultur vorhanden ist wie diejenige, die Harun al Raschid impulsiert hat.
[ 13 ] If one considers this matter purely from an external, historical perspective, what is it that one encounters? What we see is that wars are waged along the line stretching from North Africa to the Iberian Peninsula; that the adherents of Arabism cross over from Spain; and that they are repelled by the representatives of European Christianity—by Charles Martel and by Charlemagne himself. One then learns later that, in a sense, Turkish culture—which adopts the religious form of Islam—pours over the expanse of Mohammedanism, effectively obliterating everything that constitutes such a high culture as that which Harun al-Rashid had inspired.
[ 14 ] So daß man eigentlich sieht, daß durch das Entgegenstemmen der europäisch-christlichen kriegerischen Bevölkerung nach und nach jene Strömungen ersterben, von denen wir eben gesprochen haben. Und wenn man so gegen das Ende des ersten Jahrtausends kommt, da bleiben allerdings noch die Türkengefahren in Europa übrig, aber die haben eigentlich mit dem, was hier gemeint ist, nicht mehr viel zu tun; denn von da an redet man nicht mehr von der Ausbreitung des Arabismus.
[ 14 ] So one can actually see that, through the resistance of the warlike European-Christian population, the trends we have just discussed gradually died out. And as we approach the end of the first millennium, the Turkish threats in Europe certainly remain, but they no longer have much to do with what is meant here; for from that point on, there is no longer any talk of the spread of Arabism.
[ 15 ] Man könnte, wenn man die rein äußerliche Geschichte betrachtet, zu dem Schlusse kommen: Nun, die Europäer haben eben den Arabismus zurückgeschlagen. Es haben solche Schlachten stattgefunden wie die Schlacht von Tours und Poitiers und so weiter, die Araber sind abgeschlagen worden auf der anderen Seite, auf der Konstantinopeler Seite, und man könnte glauben, damit sei der Arabismus eigentlich aus der Weltgeschichte verschwunden.
[ 15 ] If one were to consider only the purely external history, one might come to the conclusion: Well, the Europeans have simply repelled Arabism. Battles such as the Battle of Tours and Poitiers and so on took place; the Arabs were defeated on the other side—the Constantinople side—and one might believe that Arabism had thus actually disappeared from world history.
[ 16 ] Aber auf der anderen Seite, wenn man sich vertieft in das, was namentlich in der europäischen wissenschaftlichen, in vieler Beziehung auch in der künstlerischen Kultur waltet, dann trifft man eben den Arabismus dennoch, aber wie zugeschüttet, wie im Geheimen ins Christentum hinein ergossen.
[ 16 ] But on the other hand, if one delves deeply into what prevails, particularly in European scientific culture—and in many respects also in artistic culture—one does indeed encounter Arabism, though as if buried, as if secretly poured into Christianity.
[ 17 ] Woher kommt das? Ja, sehen Sie, meine lieben Freunde, die Dinge gehen innerhalb des geistigen Lebens doch anders vor sich, als sie sich äußerlich in den gewöhnlichen weltgeschichtlichen Ereignissen offenbaren. Unter der Oberfläche des gewöhnlichen geschichtlichen Lebens gehen die eigentlichen großen Strömungen, in denen die Individualitäten der Menschen, die in einer Epoche da waren, gewirkt haben, und die dann wieder und wieder erscheinen, indem sie in eine ganz andere Sprachgemeinschaft hineingeboren werden, in ganz andere Gedankenrichtungen hineingeboren werden, aber mit denselben Grundtypen ihres Wirkens. Was sie in einer Epoche vorher in großartiger Weise entfaltet haben, weil die Möglichkeit der Bewegung vorhanden war, das müssen sie in späteren Epochen unter großen Hemmungen und Hindernissen in die Welt setzen. Sie müssen sich mit manchem begnügen, was sich klein ausnimmt gegenüber dem, was sie in ihren früheren Epochen groß bewirkt haben, aber es ist dasselbe der Grundseelenverfassung, der Grundseelenstimmung nach, was die menschlichen Individualitäten aus einer Epoche in die andere hinübertragen. Nur erkennt man nicht immer, was da herübergetragen wird, weil man sich zu leicht vorstellt, ein folgendes Erdenleben müsse einem früheren Erdenleben sehr ähnlich schauen. Es gibt sogar Leute, die glauben, ein Musiker muß wieder als Musiker, ein Philosoph wieder als Philosoph, ein Gärtner wiederum als Gärtner und so weiter kommen. Das ist eben nicht so. Die Kräfte, die von einem Erdenleben in das andere herübergetragen werden, die ruhen in tieferen Schichten des menschlichen Seelenlebens.
[ 17 ] Where does this come from? Yes, you see, my dear friends, things unfold differently within spiritual life than they do outwardly in the ordinary events of world history. Beneath the surface of ordinary historical life lie the truly great currents in which the individualities of the people who lived in a particular epoch have been active, and which then reappear again and again as they are reborn into an entirely different linguistic community, into entirely different schools of thought—but with the same fundamental patterns of their activity. What they previously unfolded in magnificent ways during one epoch—because the conditions for such movement existed—they must bring into being in later epochs amid great hindrances and obstacles. They must be content with many things that seem small compared to what they achieved on a grand scale in their earlier epochs, but in terms of the fundamental disposition of the soul, the fundamental mood of the soul, it is the same thing that human individualities carry over from one epoch to the next. It’s just that we don’t always recognize what is being carried over, because we too easily imagine that a subsequent earthly life must look very similar to a previous one. There are even people who believe that a musician must return as a musician, a philosopher as a philosopher, a gardener as a gardener, and so on. That is simply not the case. The forces that are carried over from one earthly life to the next lie in deeper layers of the human soul life.
[ 18 ] Und wenn man dies anschaut, dann kommt man darauf: der Arabismus ist dennoch nicht ausgestorben. Ich konnte Ihnen ja vor einiger Zeit hier an dem Beispiel von Friedrich Theodor Vischer und von Schubert vorführen, wie durch das Herüberkommen der Individualitäten in der Tat in ganz anderer Form dasjenige sich fortsetzt in einer späteren Zeit, was in einer früheren Epoche gearbeitet, geleistet worden ist.
[ 18 ] And when one considers this, one comes to the conclusion that Arabism has not, after all, died out. Some time ago, I was able to demonstrate to you here, using the examples of Friedrich Theodor Vischer and Schubert, how the emergence of individualities actually allows what was worked on and accomplished in an earlier epoch to continue in a completely different form in a later era.
[ 19 ] Nun, der Arabismus ist eben durchaus nicht in Wirklichkeit ausgestorben, sondern viel mehr Individualitäten, die im Arabismus festgewurzelt waren, leben innerhalb der europäischen Zivilisation, weil sie einfach geboren wurden unter Europäern, lebten sogar als tonangebende Persönlichkeiten, wie es in Europa dann in späterer Zeit möglich war.
[ 19 ] Well, Arabism is by no means actually extinct; rather, individuals who were deeply rooted in Arabism live within European civilization because they were simply born among Europeans and even went on to become leading figures, as was possible in Europe in later times.
[ 20 ] Es ist leichter, von einer historischen Persönlichkeit weiterzugehen, um sie wieder aufzufinden, als der umgekehrte Weg, den ich in den letzten Vorträgen charakterisiert habe, wo von späteren Inkarnationen auf frühere zurückgegangen wird. Wenn man nun die Individualität des Harun al Raschid ins Auge faßt, wenn man sie innerlich kennenlernt, kennenlernt, wie man sagt, im astralischen Lichte, kennenlernt, wie sie als geistige Individualität in ihrer Zeit vorhanden war im 9. Jahrhundert, wenn man ins Auge faßt, was sie hinter den Kulissen der Weltgeschichte noch war, was sich nur eben mit jenem Glanz, den ich geschildert habe, an der Oberfläche der Geschichte entwickelt hat, dann verfolgt man die Zeiten, den Zeitenlauf — und findet solch eine Individualität, wie sie in Harun al Raschid war, durch den Tod gegangen, mitmachend, gewissermaßen von der geistigen Welt herunterschauend auf dasjenige, was auf der Erde geschieht: die äußerliche Ausrottung des Arabismus, schicksalsgemäß von der anderen Seite her mitmachend diese Ausrottung. Man findet, wie solch eine Individualität durchgeht durch die geistige Welt und wieder erscheint, vielleicht nicht in solchem Glanze, aber mit einer Seelenverfassung, die schon eine typische Ähnlichkeit hat mit derjenigen, die vorher da war.
[ 20 ] It is easier to proceed from a historical figure in order to rediscover them than to take the reverse path, which I have described in recent lectures, where one traces back from later incarnations to earlier ones. Now, when one contemplates the individuality of Harun al-Rashid, when one gets to know it inwardly—as they say, in the astral light—and comes to understand how it existed as a spiritual individuality in its time, in the 9th century; when one contemplates what it still was behind the scenes of world history—what had just begun to unfold with that radiance I have described on the surface of history, then one traces the course of time—and finds such an individuality as Harun al-Rashid was, having passed through death, participating, as it were, looking down from the spiritual world upon what is happening on Earth: the outward eradication of Arabism, fatefully participating in this eradication from the other side. One finds how such an individuality passes through the spiritual world and reappears, perhaps not in such splendor, but with a state of soul that already bears a typical resemblance to the one that existed before.
[ 21 ] Und so sehen wir Harun al Raschid tatsächlich in der Geschichte des europäischen Geisteslebens wieder auferstehen. Und er tritt auf als eine Persönlichkeit, die auch wieder weithin bekannt ist, er tritt auf als Lord Bacon von Verulam. Ich habe in den verschiedensten Zusammenhängen diesen Lord Bacon behandelt. Alles das, was in einer gewissen Weise in Harun al Raschid praktische Impulsivität war, die er auf Personen in seiner Umgebung übertragen hat, das überträgt in der mehr abstrakten Form, weil es im abstrakten Zeitalter ist, Lord Bacon auf die einzelnen Wissenschaften. Wie Harun al Raschid ein universeller Geist dadurch ist, daß er eben die einzelnen speziellen Geister um sich vereinigt hat, so ist Lord Bacon — mit seinem Inspirator hinter ihm natürlich, aber er ist eben geeignet, so inspiriert zu werden — eine Persönlichkeit, die universalistisch wirken kann.
[ 21 ] And so we do indeed see Harun al-Rashid reemerging in the history of European intellectual life. And he appears as a figure who is once again widely known—he appears as Lord Bacon of Verulam. I have discussed this Lord Bacon in a wide variety of contexts. Everything that was, in a certain sense, practical impulsiveness in Harun al-Rashid—which he transmitted to those around him—Lord Bacon transmits in a more abstract form—because we are in the age of abstraction—to the individual sciences. Just as Harun al-Rashid is a universal spirit by virtue of having united the individual, specialized minds around him, so Lord Bacon—with his inspirer behind him, of course, but he is precisely the kind of person who can be inspired in this way—is a figure capable of exerting a universal influence.
[ 22 ] Und wenn man mit diesem Wissen eines historischen karmischen Zusammenhanges nun wiederum auf Lord Bacon und seine Schriften hinschaut, dann findet man den Grund, warum diese eigentlich so wenig christlich und so stark arabisch klingen. Ja, man findet erst die richtige arabische Nuance heraus in diesen Schriften des Lord Bacon. Und auch mancherlei mit Bezug auf den Charakter Lord Bacons, der ja so viele Anfechtungen erfahren hat, wird man erklärlich finden, wenn man eben in Lord Bacon den wiedergeborenen Harun al Raschid sieht. Es ist aus einer Lebenspraxis, aus einer Kulturlebenspraxis, die am Hofe des Harun al Raschid in Bagdad geherrscht hat, vor der sich selbst Karl der Große mit Recht gebeugt hat, dasjenige geworden, was dann allerdings ein abstrakter Wissenschafter war in Lord Bacon. Aber wiederum hat man sich gebeugt vor Lord Bacon. Und man möchte sagen, wer die Geste studiert, wie sich die europäische Zivilisation gegenüber Harun al Raschid im 8., 9. Jahrhundert verhalten hat, und wer dann die Geste studiert, wie sich die europäische Wissenschaftlichkeit zu Lord Bacon verhält, der hat den Eindruck: die Menschen haben sich einfach umgedreht. Während Harun al Raschids Zeit schauten sie nach dem Osten, dann drehten sie sich um in Mitteleuropa und schauten nach dem Westen zu Lord Bacon hin.
[ 22 ] And when, armed with this knowledge of a historical karmic connection, one now turns one’s attention back to Lord Bacon and his writings, one discovers the reason why they actually sound so un-Christian and so strongly Arabic. Indeed, it is only in these writings of Lord Bacon that one discovers the true Arabic nuance. And one will also find explanations for various aspects of Lord Bacon’s character—who, after all, endured so many trials—if one views Lord Bacon as the reincarnation of Harun al-Rashid. It was from a way of life—a cultural way of life—that prevailed at the court of Harun al-Rashid in Baghdad, before which even Charlemagne rightly bowed, that what later became an abstract scholar in Lord Bacon emerged. But once again, people have bowed before Lord Bacon. And one might say that anyone who studies the way European civilization behaved toward Harun al-Rashid in the 8th and 9th centuries, and then studies the way European scholarship behaves toward Lord Bacon, will get the impression that people have simply turned around. During Harun al-Rashid’s time, they looked toward the East; then, in Central Europe, they turned around and looked toward the West, toward Lord Bacon.
[ 23 ] Und so wird eben von Zeitalter zu Zeitalter durch die menschliche Individualität selber getragen, was vielleicht äußerlich im historischen Leben so hingeschwunden ist wie der Arabismus. Aber er lebt, in seiner Grundstimmung lebt er dann weiter. Und so verschieden ein folgendes Menschenleben seinen äußerlichen Seiten nach ist von dem vorangehenden Leben, so verschieden ist dann auch das, was geschichtlich auftritt durch eine solche Persönlichkeit.
[ 23 ] And so, from age to age, human individuality itself carries forward that which may have faded from historical life as visibly as Arabism did. But it lives on—it lives on in its fundamental spirit. And just as a subsequent human life differs in its outward aspects from the preceding one, so too does what appears historically through such a personality differ accordingly.
[ 24 ] Schlagen Sie die Geschichtsbücher auf, so werden Sie finden, 711 ist ein besonders wichtiges Ereignis in der Auseinandersetzung zwischen Europa und dem über Spanien heranstürmenden Arabismus. Tarik, Feldherr der Araber, setzt von Afrika herüber. Er kommt an derjenigen Stelle an, die selbst von ihm den Namen erhalten hat: Gebel al Tarik, Gibraltar später genannt. Es findet die Schlacht von Jerez de la Frontera statt 711; ein wichtiger Vorstoß des Arabismus im Beginne des 8. Jahrhunderts gegen Spanien herüber. Da finden wirklich Kämpfe statt, in denen das Kriegsglück hin und her schwankt zwischen den Völkerschaften, die da herübergekommen waren über Spanien zu den alten Einwohnern, die von früher da waren, und den nun heranstürmenden Arabern. Und es lebte schon damals in Spanien etwas von einer außerordentlich starken Achtung vor der Gebildetheit, würden wir heute sagen, der heranstürmenden Araber. Man wollte sich natürlich in Europa ihnen nicht unterwerfen; aber das, was sie an Kultur mitbrachten, war schon in einer gewissen Weise ein Abglanz dessen, was dann in einem so hohen Musterglanze unter Harun al Raschid später lebte. Wir haben durchaus bei einem Menschen wie Tarik noch die Seelenverfassung, die im Kriegssturm zum Ausleben bringen will, was im Arabismus veranlagt ist. Außerlich sieht man den Kriegssturm. Allein auf diesem Kriegswege gehen hohe Kulturrichtungen, geht ein hoher Kulturinhalt. Es ist ja auch äußerlich künstlerisch-wissenschaftlich in Spanien ungeheuer viel durch diese Araber begründet worden. Viele Reste dieses Arabismus lebten im europäischen Geistesleben weiter; die spanische Geschichte hört bald auf, ihre Rolle im Westen von Europa zu spielen.
[ 24 ] If you open the history books, you will find that 711 marks a particularly important event in the conflict between Europe and the Arab expansion sweeping across Spain. Tarik, the Arab commander, crossed over from Africa. He arrived at the very spot that took its name from him: Gebel al-Tarik, later called Gibraltar. The Battle of Jerez de la Frontera took place in 711—a significant Arab advance against Spain at the beginning of the 8th century. There were indeed battles in which the fortunes of war swung back and forth between the peoples who had crossed over from Africa into Spain—the ancient inhabitants who had been there from earlier times and the Arabs now advancing upon them. And even back then, there existed in Spain a profound respect for the culture—as we would say today—of the advancing Arabs. Naturally, people in Europe did not want to submit to them; but the culture they brought with them was, in a certain sense, a reflection of what later flourished in such splendid splendor under Harun al-Rashid. In a man like Tariq, we still see the state of mind that seeks to give full expression, in the heat of battle, to what is inherent in Arab culture. Outwardly, one sees the storm of war. Yet it is precisely along this path of war that great cultural movements and profound cultural content emerge. After all, an immense amount was established in Spain—both artistically and scientifically—through these Arabs. Many remnants of this Arab culture lived on in European intellectual life; Spanish history would soon cease to play its role in Western Europe.
[ 25 ] Wir sehen allerdings im Westen von Europa, zunächst in Spanien selber, wie da hin und her das Kriegsglück geht, wie da von Spanien wieder weiter gekämpft wird, sehen noch bei Leuten wie Spinoza, wie tief der Einfluß ist der arabischen Kultur. Man kann Spinoza nicht verstehen, wenn man nicht seinen Ursprung eben im Arabismus sieht. Man sieht, wie das nach England herübergreift. Aber da versiegt es, da hört es wieder auf. Wir blättern in den Schilderungen, die uns von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Europa und den Arabern gegeben werden, weiter in der Geschichte und finden, daß es versiegt. Aber unter der Oberfläche der Geschichte versiegt es nicht, sondern breitet sich aus im geistigen Leben. Und wiederum dieser Tarik, er trägt im Unterton des geschichtlichen Werdens dasjenige, was er, man möchte sagen, auf den Sturmflügeln des Krieges ursprünglich nach Spanien hereingetragen hat. Die Araber wollten ja ganz gewiß nicht bloß Leute totschlagen auf ihren kriegerischen Wegen, sondern sie wollten eben den Arabismus ausbreiten. Sie hatten Kulturaufgaben. Dasjenige nun, was solch ein Tarik im Beginne des 8. Jahrhunderts nach Spanien hereingetragen hat, das trägt er nun mit, als er durch die Pforte des Todes gegangen ist, erlebt wiederum das äußerliche geschichtliche Versiegen in den westlichen europäischen Gegenden, und taucht im 19. Jahrhundert wieder auf, den Arabismus in moderner Form ausprägend, als Charles Darwin.
[ 25 ] In Western Europe, however—and first and foremost in Spain itself—we see how the fortunes of war ebb and flow, how the fighting continues from Spain onward; and we can still see, even in figures like Spinoza, how deeply Arab culture has influenced the region. One cannot understand Spinoza unless one recognizes his roots in Arabism. We see how this spreads over to England. But there it dries up; there it comes to an end. As we leaf through the accounts of the military conflicts between Europe and the Arabs, moving further through history, we find that it dries up. But beneath the surface of history, it does not dry up; rather, it spreads throughout intellectual life. And again, this Tarik carries within the undertone of historical development that which he—one might say—originally brought into Spain on the stormy wings of war. The Arabs certainly did not merely want to kill people on their warlike campaigns; rather, they wanted to spread Arabism. They had cultural missions. Now, what a figure like Tarik brought to Spain at the beginning of the 8th century—he carries this with him as he passes through the gate of death; it experiences, once again, an outward historical decline in the regions of Western Europe, and reemerges in the 19th century, giving Arabism a modern form, in the person of Charles Darwin.
[ 26 ] Man wird ganz plötzlich ein Licht verbreitet finden über das, was sonst, ich möchte sagen, historisch wie aus der Pistole herausgeschossen ist, wenn man in dieser Weise das Herübertragen dessen, was in einer ganz anderen Form vorhandene Geschichte ist, aus einer früheren Zeit in einer spätere Zeit verfolgt.
[ 26 ] All of a sudden, one finds a light shed on what would otherwise—I might say—have been historically shot from the hip, when one traces in this way the transmission of history—which exists in a completely different form—from an earlier time to a later one.
[ 27 ] Es mag einem zunächst paradox erscheinen, aber die Paradoxie wird um so mehr schwinden, je mehr Sie auf die konkreten Tatsachen eingehen. Versuchen Sie nur einmal, mit dem durch diese Erwägungen geschärften Blicke in Darwin nachzulesen, da wird Ihnen eben doch auffallen: Donnerwetter, der Darwin schreibt ja geradezu Dinge, die der Tarik auf seinem Wege nach Europa gesehen haben könnte. — Gerade in diesen Kleinigkeiten werden Sie verspüren, wie das eine Leben in das andere herüberreicht.
[ 27 ] It may seem paradoxical at first, but the more you delve into the concrete facts, the more that paradox will fade. Just try reading Darwin with the perspective sharpened by these considerations, and you’ll notice: Good grief, Darwin is actually writing about things that Tarik might have seen on his way to Europe. — It is precisely in these small details that you’ll sense how one life flows into another.
[ 28 ] Und sehen Sie, dasjenige, was überhaupt in Vorderasien seit Urzeiten außerordentlich stark gepflegt worden ist, das ist das Astronomische in der Form von Astrologischem; aber man darf das Astrologische von damals nicht identifizieren mit dem dilettantenhaften Zeug, das später als Astrologie gepflegt worden ist, das heute als Astrologie gepflegt wird, sondern man muß einen Begriff sich bilden können von den tiefen Einsichten, die in das geistige Gefüge des Weltenalls in diesen Zeiten vorhanden waren, und die in einer ganz besonderen Weise ausgeprägt wurden gerade unter den Arabern, als sie eben Mohammedaner waren, als sie die Dynastie, die Mohammed begründet hat, in der verschiedensten Weise fortsetzten. Gerade Astronomie, Astrologie in der alten Form wurden da gepflegt.
[ 28 ] And you see, what has been practiced with extraordinary intensity in the Near East since time immemorial is astronomy in the form of astrology; but one must not equate the astrology of that time with the amateurish nonsense that was later practiced as astrology, that is practiced as astrology today; rather, one must be able to form a concept of the profound insights into the spiritual structure of the universe that existed in those times, and which were expressed in a very special way among the Arabs in particular, when they were Muslims, as they continued the dynasty founded by Muhammad in a wide variety of ways. It was precisely astronomy and astrology in their ancient forms that were cultivated there.
[ 29 ] Und so sehen wir, als die Residenz von Damaskus nach Bagdad verlegt wird, Mamun herrschen im 9. Jahrhundert. Wir sehen während Tafel 15 der Regierung des Mamun — all das waren ja Nachfolger des Propheten —, wir sehen da besonders Astrologie in der Weise gepflegt, in der sie dann dilettantisch in allerlei Traktate übergegangen ist in Europa. Die Dinge wurden später gefunden. Durch die Kreuzzüge kamen sie herüber, wurden aber furchtbar verballhornt. Aber es war das eigentlich eine großartige Sache. Und wenn wir unter denjenigen Persönlichkeiten nachforschen, die in der Geschichte nicht mit Namen genannt werden, die aber in der Umgebung des Mamun, 813 bis 833, gelebt haben in Bagdad, gerade dort Astrologisches-Astronomisches pflegend, so finden wir eine glänzende Persönlichkeit, die tief vertraut war mit Mamun — der Name wird historisch nicht genannt, ist auch gleichgültig —, eine Persönlichkeit, die in höchster Schätzung stand, die gefragt wurde immer, wenn es sich darum handelte, irgend etwas aus den Sternen heraus zu lesen. Und viele Maßnahmen wurden da drüben getroffen im äußeren sozialen Leben nach dem, was solche Zelebritäten, wie dieser Gelehrte am Hofe Mamuns, aus den Sternen heraus zu sagen wußten.
[ 29 ] And so, as the capital is moved from Damascus to Baghdad, we see Mamun ruling in the 9th century. During the 15th year of al-Ma’mun’s reign—all of whom, after all, were successors of the Prophet—we see astrology being cultivated in a manner that later found its way, in an amateurish form, into all sorts of treatises in Europe. These works were discovered later. They made their way over during the Crusades, but were terribly distorted. Yet it was actually a magnificent thing. And if we investigate among those figures who are not named in history but who lived in Baghdad during Mamun’s reign (813–833), specifically engaging in astrological and astronomical studies, we find a brilliant figure who was deeply familiar with Mamun—the name is not recorded historically, and it is irrelevant— a figure who was held in the highest esteem, who was always consulted whenever it came to interpreting the stars. And many decisions were made over there in public life based on what such luminaries—such as this scholar at al-Ma’mun’s court—were able to discern from the stars.
[ 30 ] Und wiederum, verfolgt man die Linie, in der sich die Seele dieses Gelehrten vom Hofe des Mamun in Bagdad weiterentwickelt, verfolgt man diesen Weg, man wird heraufgetrieben bis zu dem modernen Astronomen Laplace. Und da erscheint also wiederum eine der Persönlichkeiten in Laplace, die am Hofe des Kalifen Mamun lebten.
[ 30 ] And again, if one traces the path along which the spirit of this scholar from the court of al-Ma'mun in Baghdad continued to develop—if one follows this path—one is led all the way to the modern astronomer Laplace. And so, once again, one of the figures who lived at the court of Caliph al-Ma'mun appears in Laplace.
[ 31 ] Man möchte sagen, was an großen Impulsen, und auch an kleinen Impulsen — die kleinen brauche ich ja nicht alle aufzuzählen —, was an großen und an kleinen Impulsen hereingeflossen ist aus dieser Gabelung nach Europa, nachdem das äußere geschichtliche Werden schon versiegt war, das zeigt uns, wie auf geistige Art der Arabismus weiterlebt, wie diese Gabelung hier fortdauert.
[ 31 ] One might say that the major influences—and also the minor ones (though I need not list them all)—that have flowed from this fork in the road into Europe after the external historical development had already dried up show us how Arabism lives on in a spiritual sense, how this fork in the road continues here.
[ 32 ] Sie wissen, meine lieben Freunde, Mohammed selber hat noch den Hauptsitz des Mohammedanismus, Medina, begründet, dort, wo dann die Residenz seiner Nachfolger war. Später wurde diese Residenz nach Damaskus, wie ich schon erwähnt habe, verlegt. Und wir sehen dann, wie diese Residenz von Medina herauf nach Damaskus verlegt wird, wir sehen, wie von Damaskus aus durch Kleinasien bis an die Pforte von Europa, bis an Konstantinopel heran, die Feldherren der Nachfolger des Mohammed vorstürmen und eben wiederum auf den Sturmflügeln des Krieges dasjenige tragen, was sie an bedeutsamer Kultur von dem religiösen Leben des Mohammed zwar befruchten lassen, was aber durchsetzt ist eben mit dem, was auf dem Wege des Alexander, was an Aristotelismus herübergekommen ist von Griechenland, von Mazedonien aus, von allen möglichen Kulturzentren aus nach Asien.
[ 32 ] As you know, my dear friends, Muhammad himself founded the headquarters of Islam, Medina, which later became the seat of his successors. Later, as I have already mentioned, this seat of power was moved to Damascus. And we then see how this seat of power is transferred from Medina to Damascus; we see how, from Damascus through Asia Minor to the gates of Europe, all the way to Constantinople, the generals of Muhammad’s successors stormed forward, carrying on the storming wings of war that which they had indeed allowed to be enriched by the religious life of Muhammad—significant cultural elements—but which was interwoven with precisely what had come over in the wake of Alexander, what had come from Aristotelianism from Greece, from Macedonia, and from all manner of cultural centers to Asia.
[ 33 ] Und hier geschieht ja auch etwas Merkwürdiges. Hier wird durch die türkische Überflutung dasjenige ganz ausgelöscht, was herangestürmt ist vom Arabismus. Nur Rudimente, nur Reste finden dann die Kreuzfahrer, aber nicht herrschende Kulturströmungen; die Türken löschen das aus. Was sich durch Afrika, Spanien, nach dem Westen herein fortpflanzt, das pflanzt sich gewissermaßen in Kultur-, in Zivilisationsruhe fort; da findet man immer wieder Anknüpfungspunkte. Der Gelehrte Mamuns, Harun al Raschid selber, Tarik, sie fanden als Seelen die Möglichkeit, das, was sie in der Seele trugen, anzuknüpfen an das, was da war, indem ja in der Seele, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, immer eine gewisse Aneignungskraft bleibt für die Gebiete, auf denen man gewirkt hat. Wenn das auch durch andere Schicksalsimpulse verändert werden kann, es wirkt dennoch nach. Wird es verändert, so wirkt es als Sehnsuchten nach und dergleichen. Aber gerade weil an einen strengen Determinismus durch das Arabertum geglaubt worden ist, stellte sich, als die Möglichkeit geboten wurde, auf geistige Art fortzusetzen, was zunächst auf kriegerische Art impulsiert werden sollte, eben auch die Möglichkeit ein, diese geistigen Strömungen insbesondere nach Frankreich, nach England herauf zu tragen. Laplace, Darwin, Bacon, viele ähnliche Geister könnten in dieser Richtung vorgeführt werden.
[ 33 ] And something strange happens here as well. Here, the Turkish invasion completely wipes out everything that had swept in from Arab culture. The Crusaders then find only vestiges, only remnants—but not dominant cultural currents; the Turks wipe those out. What spreads through Africa and Spain into the West propagates, so to speak, in a state of cultural and civilizational tranquility; there, one repeatedly finds points of connection. Mamun’s scholar, Harun al-Rashid himself, and Tariq—as souls, they found the possibility of connecting what they carried within their souls to what was already there, for in the soul, once it has passed through the gate of death, there always remains a certain power of assimilation for the realms in which one has been active. Even if this can be altered by other impulses of fate, it nevertheless continues to have an effect. If it is altered, it continues to manifest as longings and the like. But precisely because the Arab world believed in a strict determinism, when the opportunity arose to continue in a spiritual manner what was initially intended to be driven by warlike impulses, the possibility also arose to carry these spiritual currents, particularly to France and England. Laplace, Darwin, Bacon, and many similar minds could be cited as examples in this regard.
[ 34 ] Aber hier [im Osten] wurde alles abgestumpft, möchte ich sagen; im Osten konnte der Arabismus nur in sehr spärlicher Weise an die Pforte von Europa klopfen, konnte da nicht weiterkommen. Da erlebten dann diejenigen Persönlichkeiten, welche durch die Pforte des Todes gegangen waren, nachdem sie auf diesem Gebiete hier gewirkt hatten, etwas wie ein Zurückgestoßenwerden, wie ein Nicht-Weiterkönnen. Das irdische Werk wurde ihnen zerschlagen. Das bewirkte sogar eine gewisse Paralysierung des Seelenlebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und da ist nun etwas ganz besonders Interessantes vorliegend.
[ 34 ] But here [in the East], everything was blunted, I would say; in the East, Arabism could only knock on the gates of Europe in a very limited way and could not make any further headway there. Then those individuals who had passed through the gate of death, after having worked in this region here, experienced something like being pushed back, like being unable to proceed further. Their earthly work was shattered. This even caused a certain paralysis of the soul’s life between death and a new birth. And here we have something particularly interesting.
[ 35 ] Wir sehen, wie bald nach dem Propheten die Residenz von Medina nach Damaskus verlegt wird, wie die Feldherren der Nachfolger des Propheten da heraufziehen, wie sie aber immer wieder zurückgeschlagen werden, wie hier nicht in derselben Weise etwas gelingt wie drüben nach dem Westen hin. Und so sehen wir denn sehr bald, wie einer der Nachfolger des Propheten, 661, Muavija ist. Muavija, einer der Nachfolger des Propheten, herrscht in Damaskus und steht ganz drinnen in jener Seelenverfassung, welche auf der einen Seite aus dem Monotheismus des Arabismus herauswächst, aber auch aus dem Determinismus, der dann immer mehr und mehr zum Fatalismus geworden ist. Aber schon damals herrschte, wenn auch, ich möchte sagen, auf eine mehr mystische Art, auf eine mehr innerliche Art, das nach Asien herübergekommene Griechentum, der Aristotelismus. Und Muavija, der auf der einen Seite seine Feldherrn bis nach Konstantinopel herüberschickte, auf der anderen Seite allerdings auch nach Afrika hin einiges versuchte — aber da gelang ihm nichts Besonderes —, Muavija war zu gleicher Zeit ein sinniger Mann, aber ein Mann, dem eigentlich äußerlich nicht viel gelang, auch nicht auf den geistigen Gebieten.
[ 35 ] We see how, soon after the Prophet’s death, the seat of power is moved from Medina to Damascus; how the generals of the Prophet’s successors march up there; but how they are repeatedly repelled; and how they do not achieve the same success here as they do over to the west. And so we see very soon that one of the Prophet’s successors, in 661, is Muawiya. Muawiya, one of the Prophet’s successors, rules in Damascus and is fully immersed in that state of mind which, on the one hand, grows out of the monotheism of Arabism, but also out of the determinism that has increasingly become fatalism. But even back then, Greek philosophy—Aristotelianism—which had come over from Asia, was already dominant, albeit, I would say, in a more mystical way, in a more inward way. And Muawiya, who on the one hand sent his generals as far as Constantinople, but on the other hand also made some attempts toward Africa—though he achieved nothing of note there—was at the same time a man of insight, yet a man who, outwardly speaking, did not achieve much, not even in the intellectual realms.
[ 36 ] Sie sehen, er herrscht nicht lange nach Mohammed. Er steht also noch ganz im Mohammedanismus als in dem eigentlich religiösen Element des Arabismus drinnen. Er ist einer der Repräsentanten des Mohammedanismus von dazumal, aber einer, der gerade herauswächst aus der starren religiösen Form des Mohammedanismus und hereinwächst in jene Denkungsweise, die ja dann, abstreifend die religiöse Form, in dem Wissenschaftlichen, in dem Schön-Wissenschaftlichen des Westens hervorgetreten ist.
[ 36 ] As you can see, he reigned not long after Muhammad. He was therefore still fully immersed in Islam as the truly religious element of Arabism. He is one of the representatives of Islam of that time, but one who is just emerging from the rigid religious form of Islam and growing into that way of thinking which, having shed its religious form, subsequently emerged in the scientific and aesthetic-scientific traditions of the West.
[ 37 ] Er ist schon ein repräsentativer Geist, dieser Muavija im ersten Jahrhundert nach Mohammed, ein Geist, der nicht mehr denkt wie Mohammed, der nur noch die Anregung von Mohammed hat, der noch nicht den eigentlichen religiösen Kern des Mohammedanismus abgestreift hat, aber ihn doch schon in die Denkform, in die logische Form hinübergeleitet hat. Und er gehört ja vor allen Dingen zu denen, die nun mit allem Eifer hinüber wollten nach Europa, mit allem Eifer nach dem Westen vordringen wollten. Wer die Kriegszüge, die aufgewendeten Kräfte verfolgt, die gerade unter Muavija tätig waren, der wird sehen: es war dieses Vorrücken-Wollen gegen den Westen dazumal verbunden mit einer ungeheuer starken Stoßkraft, die eben nur abgestumpft worden ist.
[ 37 ] Muawiya, living in the first century after Muhammad, is indeed a representative spirit—a spirit who no longer thinks like Muhammad, who is guided only by Muhammad’s inspiration, who has not yet shed the actual religious core of Islam, but has nevertheless already transformed it into a form of thought, into a logical form. And he certainly belongs, above all, to those who now wanted to cross over to Europe with all their zeal, who wanted to advance toward the West with all their zeal. Anyone who traces the military campaigns and the forces deployed that were active precisely under Muawiya will see: this desire to advance toward the West at that time was coupled with an immensely powerful driving force that had merely been blunted.
[ 38 ] Wenn dann ein solcher Geist durch die Pforte des Todes geht, weiterlebt, so lebt natürlich eine solche Stoßkraft weiter, und man hat dann, wenn man den Weg weiter verfolgt, vor allen Dingen den Eindruck: Das geht durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durch, indem vieles von dem, was Sehnsucht geblieben ist, ausgebildet wird als weltumspannende Pläne für ein späteres Leben; aber weltumspannende Pläne, die keine sehr konkrete Form annehmen. Weil ja alles eben abgestumpft worden ist, nehmen sie keine konkrete Form an.
[ 38 ] When such a spirit passes through the gate of death and continues to live, that driving force naturally lives on as well; and as one follows the path further, one is struck above all by the impression that: This process continues throughout the life between death and a new birth, as much of what has remained as longing takes shape as far-reaching plans for a future life; but these are far-reaching plans that do not take on a very concrete form. Because everything has been dulled, they do not take on a concrete form.
[ 39 ] Nun, ich gestehe, ich muß mir immer jetzt die Frage stellen: Soll ich, oder soll ich nicht? Aber ich meine, es hilft ja nichts, wenn man von diesen Dingen nur in Abstraktionen redet. Und so müssen schon alle Rücksichten beiseitegesetzt werden, um in konkreten Fällen von den Dingen zu reden, die da sind. Möge die Welt die Sache nehmen, wie sie sie eben nehmen kann. Für die Verbreitung von Anthroposophie bestehen innerliche geistige Notwendigkeiten. Man fügt sich dem, was sozusagen in einem angeregt wird aus den geistigen Notwendigkeiten heraus und treibt keine nach außen gehende «Opportunität»: Opportunität hat ja der Anthroposophischen Gesellschaft genugsam geschadet; sie soll in Zukunft nicht weiter getrieben werden. Und selbst wenn die Dinge recht paradox wirken sollten, so sollen sie doch in der Zukunft einfach gerade gesagt werden.
[ 39 ] Well, I admit, I always find myself asking the question: Should I, or shouldn’t I? But I think it doesn’t help at all to talk about these things only in abstract terms. And so all considerations must be set aside in order to speak, in concrete cases, about the things that are actually there. Let the world take the matter as best it can. There are inner spiritual necessities for the spread of anthroposophy. One submits to what is, so to speak, stirred within one out of these spiritual necessities and does not pursue any outward “opportunism”: opportunism has, after all, done the Anthroposophical Society ample harm; it should not be pursued any further in the future. And even if things should seem quite paradoxical, they should simply be stated plainly in the future.
[ 40 ] Verfolgt man diesen Muavija, der also einer der nächsten Nachfolger des Propheten war, weiter im Laufe der Geschichte, wie er in der Unterströmung weitergeht und wieder auftaucht, so findet man Woodrow Wilson.
[ 40 ] If one traces the history of Muawiya—who was, after all, one of the Prophet’s immediate successors—as he continues to flow through the undercurrent and resurfaces, one finds Woodrow Wilson.
[ 41 ] Und in einer erschütternden Weise schließt sich einem zusammen die Gegenwart mit der Vergangenheit. Plötzlich steht eine Verbindung da zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Und man kann dann sehen, wenn man schaut, wie gewissermaßen, ich möchte sagen, auf dem Meere des Geschehens, des geschichtlichen Geschehens da auftaucht die Woge Muavija, da auftaucht die Woge Woodrow Wilson, man sieht, wie die Unterströmung durch das Meer weitergeht, und wie da dieselbe Strömung vorliegend ist.
[ 41 ] And in a deeply moving way, the present and the past come together. Suddenly, a connection emerges between the present and the past. And then, when you look—as it were, I would say—at the sea of events, of historical events, where the wave of Muawiya emerges, where the wave of Woodrow Wilson emerges, you see how the undercurrent continues through the sea, and how the same current is present there.
[ 42 ] Und so erst wird die Geschichte, denke ich, begreiflich, wenn man sieht, wie aus der einen Epoche in die andere dasjenige herübergetragen wird, was eigentlich wirklich geschieht. Suchen Sie dieganze, ich möchte sagen, schon abstrakt-stierhafte Art der Vierzehn Punkte — es ist natürlich nicht die Betrachtung von den Vierzehn Punkten ausgegangen —, aber suchen Sie jetzt, nachdem die Sache da liegt, diese stierhafte Art, sich diesen abstrakten Vierzehn Punkten hinzugeben, suchen Sie diese in der Seelenkonfiguration auf, und fragen Sie sich dann, ob solche Seelenkonfiguration in solcher Stärke woanders veranlagt sein konnte als in einem Nachfolger Mohammeds! Und nehmen Sie den schon bei Muavija ausgebildeten Fatalismus, und übertragen Sie ihn in die Zeit der modernen Abstraktheit und fühlen Sie die Ähnlichkeit mit dem Mohammedanischen: Allah hat es geoffenbart; Allah wird es bewirken, das einzige Heil! — und versuchen Sie, manches Wort, das ausgegangen ist von dem Träger der Vierzehn Punkte, richtig zu verstehen: Sie werden cum grano salis eine fast wörtliche Übereinstimmung finden.
[ 42 ] And only then, I think, does history become comprehensible—when one sees how what is actually happening is carried over from one era to the next. Look for the whole—I would say, already abstract, bull-like nature of the Fourteen Points—it is, of course, not the contemplation of the Fourteen Points that served as the starting point— but now that the matter is before us, look for this bull-like way of devoting oneself to these abstract Fourteen Points; seek it out in the configuration of the soul, and then ask yourself whether such a configuration of the soul, in such intensity, could have been found anywhere other than in a successor of Muhammad! And take the fatalism that had already taken shape in Muawiya, and transpose it into the age of modern abstraction, and feel the similarity to the Muslim view: Allah has revealed it; Allah will bring it about—the only salvation! —and try to correctly understand some of the words that came from the bearer of the Fourteen Points: you will find, cum grano salis, an almost literal correspondence.
[ 43 ] So können wir schon, wenn wir uns die Menschen anschauen, auch von einer Wiederverkörperung der Ideen sprechen. Dann wird das Werden der Geschichte eigentlich erst eingesehen.
[ 43 ] Thus, simply by observing human beings, we can already speak of a re-embodiment of ideas. Only then can the unfolding of history truly be understood.

