Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume III
GA 237
4 July 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Ich werde heute noch einiges darüber anzudeuten haben, wie die karmischen Vorbereitungskräfte im Menschen dann weiter ihre Entwickelung durchmachen, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Wir müssen uns ja vorstellen, daß für das gewöhnliche Bewußtsein die Sache so liegt, daß die Bildung des Karma, jener Verkehr überhaupt mit der Welt, den man karmisch nennen kann, sich im Menschen mehr instinktiv abspielt. Wir sehen die Tiere instinktiv handeln. Gerade solche Worte, die sehr häufig innerhalb und außerhalb der Wissenschaft gebraucht werden, wie Instinkt, werden ja gewöhnlich in ganz unbestimmter Weise gebraucht. Man gibt sich keine Mühe, etwas Deutlicheres darunter sich vorzustellen. Was ist denn eigentlich bei den Tieren dasjenige, was man Instinkt nennt?
[ 1 ] Today I will have a few more things to say about how the karmic preparatory forces in a human being continue their development after the person has passed through the gate of death. We must realize that, from the perspective of ordinary consciousness, the formation of karma—that interaction with the world which can be called karmic—takes place in human beings more instinctively. We see animals acting instinctively. Precisely such terms as “instinct,” which are used very frequently both within and outside of science, are usually employed in a completely vague manner. No effort is made to conceive of anything more precise by that term. What, then, is it in animals that we call “instinct”?
[ 2 ] Wir wissen, die Tiere haben eine Gruppenseele. Das Tier ist ja, so wie es ist, kein abgeschlossenes Wesen, sondern dahinter steht die Gruppenseele. Welcher Welt gehört denn eigentlich die Gruppenseele an? Da muß man die Frage beantworten: Wo findet man die Gruppenseelen der Tiere? Hier in der physisch-sinnlichen Welt findet man die Gruppenseelen der Tiere ja nicht, hier sind nur die einzelnen Individuen der Tiere. Man findet die Gruppenseelen der Tiere erst, wenn man entweder durch Initiation oder im gewöhnlichen Verlauf der menschlichen Entwickelung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in die ganz andere Welt hineinkommt, die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt durchmacht. Da findet man unter den Wesenheiten, mit denen man dann zusammen ist und unter denen ja vorzugsweise diejenigen sind, die ich angeführt habe als solche, mit denen man das Karma ausarbeitet, die Gruppenseelen der Tiere. Und die Tiere, die hier auf dieser Erde sind, handeln, wenn sie instinktiv handeln, aus dem vollen Bewußtsein dieser Gruppenseelen heraus. So können Sie sich vorstellen, meine lieben Freunde, wie, wenn wir, schematisch gezeichnet, hier das Reich haben, in dem wir zwischen Tod und neuer Geburt leben (siehe Zeichnung, gelb), die Kräfte wirken, die von den Gruppenseelen der Tiere ausgehen (blau). Die sind da drinnen auch. Und hier auf dieser Erde sind dann die einzelnen Tiere, die wirken, indem sie gewissermaßen an den Fäden gezogen werden, die zu den Gruppenseelen hingehen, die man in dem Reiche zwischen dem Tod und einer neuen Geburt findet. Das ist Instinkt.
[ 2 ] We know that animals have a group soul. The animal, as it is, is not a self-contained being; rather, the group soul stands behind it. To which world does the group soul actually belong? We must answer the question: Where are the group souls of animals to be found? Here in the physical-sensory world, one does not find the group souls of animals; here there are only the individual animals. One finds the group souls of animals only when, either through initiation or in the ordinary course of human development, one enters—between death and a new birth—the entirely different world that a human being passes through between death and a new birth. There, among the beings with whom one is then together—and among whom are primarily those I have mentioned as the ones with whom one works out karma—one finds the group souls of the animals. And the animals that are here on this Earth, when they act instinctively, do so out of the full consciousness of these group souls. So you can imagine, my dear friends, how—if we schematically depict the realm here in which we live between death and a new birth (see diagram, yellow)—the forces emanating from the group souls of the animals (blue) are at work. They are there as well. And here on this Earth are the individual animals, which act, as it were, by being guided by the threads that lead to the group souls found in the realm between death and a new birth. That is instinct.


[ 3 ] Es ist ganz natürlich, daß eine materialistische Weltanschauung den Instinkt nicht erklären kann, weil der Instinkt ein Handeln aus dem heraus ist, was Ste zum Beispiel in meinem Buche « Theosophie» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» als «Geisterland» bezeichnet finden. Beim Menschen ist das anders. Der Mensch hat auch einen Instinkt, aber er handelt, wenn er hier ist, durch diesen Instinkt nicht aus diesem Reiche heraus, sondern er handelt aus seinen früheren Erdenleben heraus, über die Zeit hinaus aus seinen früheren Erdenleben, aus einer Anzahl früherer Erdenleben (rot). Wie das geistige Reich auf die Tiere in der Art wirkt, daß sie instinktiv handeln, so wirken die früheren Inkarnationen des Menschen auf die späteren Inkarnationen so, daß das Karma einfach instinktmäßig ausgelebt wird, aber es ist ein geistiger Instinkt, es ist ein Instinkt, der innerhalb des Ich wirkt. Gerade wenn man dies ins Auge faßt, wird man die absolut widerspruchslose Vereinigung dieses Instinktwirkens mit der menschlichen Freiheit ins Auge fassen. Denn die Freiheit wirkt aus dem Gebiete heraus, aus dem die Tiere instinktiv wirken: aus dem Geisterreiche heraus.
[ 3 ] It is only natural that a materialistic worldview cannot explain instinct, because instinct is an action arising from what Ste, for example, refers to as the “spirit realm” in my book Theosophy and in my Outline of the Occult Science. With human beings, it is different. Human beings also have an instinct, but when they are here on Earth, they do not act through this instinct from within that realm; rather, they act based on their past earthly lives—beyond time, from their past earthly lives, from a number of past earthly lives (red). Just as the spiritual realm influences animals in such a way that they act instinctively, so do a person’s earlier incarnations influence their later incarnations in such a way that karma is simply lived out instinctively—but it is a spiritual instinct; it is an instinct that works within the “I.” It is precisely when one considers this that one will perceive the absolutely consistent union of this instinctive activity with human freedom. For freedom operates from the same realm from which animals act instinctively: from the spiritual realm.


[ 4 ] Nun wird es sich uns aber heute viel mehr darum handeln, wie dieser Instinkt sich vorbereitet, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Hier im Erdenleben ist das karmische Erleben eben instinktiv, es spielt sich sozusagen unter der Oberfläche des Bewußtseins ab. In dem Augenblicke, wo wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, wird alles das, was wir zunächst auf Erden erlebt haben, während weniger Tage ja objektiv bewußt; wir haben es vor uns in sich immer vergrößernden Bildern. Da geht mit dem, was wir da überschauen, auch dasjenige mit, was sich instinktiv im karmischen Walten abgespielt hat. So daß also, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet und das Leben, sich immer mehr vergrößernd (siehe Zeichnung, gelb) vor seinem Anblick sich abspielt, mit alledem auch dasjenige mitgeht, was ihm nur instinktiv, nicht bewußt war: das ganze karmische Gewebe (blau). Das sieht er nicht gleich in den nächsten Tagen nach dem Tode, aber er sieht allerdings das, was er sonst nur in der blassen Erinnerung überblickt, in lebendiger Gestaltung; er sieht zum Beispiel, daß da schon etwas anderes drinnen ist als die gewöhnliche Erinnerung. Wenn man dann mit dem Initiationsblick überschaut, was da der Mensch vor sich hat, so kann man folgendes ausführen.
[ 4 ] Today, however, we will be much more concerned with how this instinct prepares itself when a person passes through the gate of death. Here in earthly life, the karmic experience is instinctive; it takes place, so to speak, beneath the surface of consciousness. At the very moment we pass through the gate of death, everything we initially experienced on Earth becomes objectively conscious over the course of a few days; we see it before us in ever-expanding images. Along with what we survey there goes, too, that which has unfolded instinctively within the workings of karma. So that when a person steps through the gate of death and life unfolds before their eyes, growing ever larger (see illustration, yellow), all of this is accompanied by what was only instinctive to them, not conscious: the entire karmic fabric (blue). They do not see this immediately in the days following death, but they do see—in vivid form—what they would otherwise only glimpse as a faint memory; for example, they see that there is already something different there than ordinary memory. When one then surveys, with the initiatory gaze, what the person has before them, the following can be explained.
[ 5 ] Der Mensch selbst, der gestorben ist und das gewöhnliche Bewußtsein gehabt hat während des Erdenlebens, sieht ja sozusagen dasjenige, was er da vor sich hat als sein Erdenleben in einem mächtigen Panorama, das sieht er ja sozusagen von vorne (siehe Zeichnung, blau). Mit dem Initiationsblick kann man es auch von der anderen Seite, von rückwärts anschauen (gelb), dann sprießt da heraus das Netz der karmischen Zusammenhänge. Da sieht man es dann, dieses Netz der karmischen Zusammenhänge, die ja zunächst noch aus Gedanken gesponnen sind, die in dem Willen während des Erdenlebens gelebt haben — da kommt es heraus.
[ 5 ] The person who has died—and who possessed ordinary consciousness during their earthly life—sees, so to speak, what lies before them as their earthly life in a vast panorama; they see it, so to speak, from the front (see illustration, blue). With the initiatory gaze, one can also view it from the other side, from the back (yellow); then the web of karmic connections emerges. There one sees it—this web of karmic connections, which are initially still woven from thoughts that were lived out in the will during one’s earthly life—that is what emerges.
[ 6 ] Aber jetzt gliedert sich gleich ein anderes an, meine lieben Freunde. Ich habe es Ihnen ja oftmals betont: die Gedanken, die man während des Erdenlebens bewußt durchlebt, sind tot; diejenigen Gedanken aber, die ins Karma hineinverwoben sind, und die da herauskommen, sie sind lebendig. So daß nach dem Rückwärts der Lebensüberschau lebendige Gedanken heraussprießen. Und jetzt ist das ungeheuer Bedeutsame und Wesenhafte dieses, daß nun die Wesen der dritten Hierarchie herankommen und das, was da aufsprießt, ich möchte sagen von der Hinterseite der Lebensüberschau, in Empfang nehmen. Angeloi, Archangeloi, Archai saugen gewissermaßen dasjenige auf, was da aufsprießt, atmen es auf.
[ 6 ] But now another thought follows immediately, my dear friends. I have often emphasized this to you: the thoughts that one consciously experiences during earthly life are dead; but those thoughts that are woven into karma and emerge from it are alive. So that, looking back through the panorama of life, living thoughts spring forth. And now the immensely significant and essential aspect of this is that the beings of the third hierarchy are approaching and receiving what is sprouting forth—I might say—from the reverse side of the life-overview. Angels, archangels, and archai, so to speak, absorb what is sprouting forth there; they breathe it in.
[ 7 ] Das geschieht während der Zeit, während welcher der Mensch sich hinauflebt bis zum Ende der Mondsphäre. Dann tritt er ein in diese Mondsphäre, und die Rückwärtswanderung durch das Leben beginnt, die ein Drittel der Zeit dauert, die der Mensch auf der Erde durchlebt hat, die eigentlich, genauer gesprochen, so lange dauert, wie die Schlafenszeiten dauerten, die der Mensch auf der Erde verbracht hat.
[ 7 ] This takes place during the period in which the human being ascends to the end of the lunar sphere. Then he enters this lunar sphere, and the journey backward through life begins, which lasts one-third of the time the person has lived on Earth—or, to be more precise, lasts as long as the periods of sleep the person spent on Earth.
[ 8 ] Wie dieses Rückwärtsleben geschieht, habe ich Ihnen ja auch schon öfter dargestellt. Wir können uns aber zunächst fragen: Wenn der Mensch im gewöhnlichen Schlafe ist, wie ist er da im Verhältnis zu dem Zustande, in dem er so unmittelbar nach dem Tode ist? Ja, sehen Sie, wenn der Mensch in den gewöhnlichen Schlaf kommt, so ist er ja als geistig-seelisches Wesen nur in seinem Ich und in seinem astralischen Leibe. Er hat nicht seinen Ätherleib bei sich, der ist zurückgeblieben im Bette. Dadurch bleiben die Gedanken leblos, haben gar keine Wirkungsweise, sind Bilder. Jetzt, indem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, nimmt der Mensch zunächst seinen Ätherleib mit, der sich dann vergrößert, und der Ätherleib hat nun nicht nur für das physische Wesen das Belebende in sich, sondern auch für die Gedanken. Dadurch können die Gedanken lebendig werden, daß der Mensch eben seinen Ätherleib mitgenommen hat, der ja im Loslösen die lebendigen Gedanken hinausträgt von dem Menschen zu dem gnadenvollen Empfangen der Angeloi, Archangeloi, Archai hin.
[ 8 ] I have, of course, already explained to you on several occasions how this “life in reverse” takes place. But let us first ask ourselves: When a person is in ordinary sleep, how does that state compare to the state in which they find themselves immediately after death? Well, you see, when a person falls into ordinary sleep, as a spiritual-soul being they exist only in their “I” and in their astral body. They do not have their etheric body with them; it has remained behind in the bed. As a result, thoughts remain lifeless, have no active effect whatsoever, and are merely images. Now, as a person passes through the gate of death, they first take their etheric body with them, which then expands; and the etheric body now contains the life-giving force not only for the physical being but also for the thoughts. This is how thoughts can come to life: because the human being has taken their etheric body with them, which, in the process of detachment, carries the living thoughts out from the human being to be graciously received by the Angeloi, Archangeloi, and Archai.
[ 9 ] Das ist zunächst, ich möchte sagen, der erste Akt, der sich abspielt im Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß jenseits der Schwelle des Todes herankommen an das, was sich vom Menschen loslöst, was seinem sich auflösenden ätherischen Leibe anvertraut ist, die Wesenheiten der dritten Hierarchie, daß das in Empfang genommen wird von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Und wir verrichten als Menschen ein gutes, ein schönes, ein herrliches Gebet, wenn wir über den Zusammenhang des Lebens mit dem Tode oder über einen Verstorbenen so denken, daß wir sagen:
[ 9 ] This is, I would say, the first act that takes place in life between death and a new birth: that beyond the threshold of death, the beings of the third hierarchy approach what is detaching itself from the human being—that which is entrusted to his dissolving etheric body—and that this is received by the beings of the third hierarchy. And as human beings, we offer a good, beautiful, and magnificent prayer when we reflect on the connection between life and death, or on a departed soul, in such a way that we say:
Es empfangen Angeloi, Archangeloi, Archai im Ätherweben
das Schicksalsnetz des betreffenden Menschen.
Angels, Archangels, and Archai in the etheric web
receive the web of destiny of the person in question.
[ 10 ] Denn da schauen wir hin auf einen geistigen Tatbestand. Und es hängt schon etwas davon ab, ob Menschen geistige Tatbestände denken oder nicht, ob sie bloß mit Gedanken, die auf der Erde zurückbleiben, Tote begleiten, oder ob sie die Toten begleiten auf ihrem weiteren Wege mit Gedanken, die Abbilder sind dessen, was in jenem Reiche geschieht, in das der Tote eingetreten ist.
[ 10 ] For here we are looking at a spiritual reality. And it does depend to some extent on whether people conceive of spiritual realities or not—whether they merely accompany the dead with thoughts that remain on Earth, or whether they accompany the dead on their further journey with thoughts that are reflections of what takes place in that realm into which the dead have entered.
[ 11 ] Das ist ja dasjenige, meine lieben Freunde, was der heutigen Initiationswissenschaft als so ungeheuer wünschenswert erscheint: daß innerhalb des Erdenlebens solches gedacht werde, was Abbild ist eines wirklichen geistigen Geschehens. Mit bloßem Theoriendenken, mit dem bloßen Denken darüber, daß der Mensch höhere Glieder hat, mit dem Aufzählen dieser höheren Glieder ist ja noch keine Verbindung hergestellt mit der geistigen Welt. Erst mit dem Denken von Realitäten, die sich in der geistigen Welt abspielen, ist eine solche Verbindung mit der geistigen Welt hergestellt.
[ 11 ] This, my dear friends, is precisely what appears so immensely desirable to today’s science of initiation: that within earthly life, we conceive of things that are a reflection of a real spiritual event. Mere theoretical thinking—merely thinking about the fact that human beings have higher members, or simply listing these higher members—does not yet establish a connection with the spiritual world. Only by thinking about realities that take place in the spiritual world is such a connection with the spiritual world established.
[ 12 ] Daher sollten es wiederum Herzen vernehmen können, was Herzen vernommen haben während der alten Initiationszeiten in den alten Mysterien, wo man den zu Initiierenden eindrucksvoll immer zugerufen hat: Macher mit die Schicksale der Toten! Es ist ja nur das mehr oder weniger abstrakt gewordene Wort davon geblieben: «Memento mori», das auf den gegenwärtigen Menschen nicht mehr in der tiefen Weise wirken kann, weil es eben abstrakt geworden ist, weil es nicht das Bewußtsein hinausdehnt in ein lebendigeres Leben, als es hier in der Sinneswelt ist.
[ 12 ] Therefore, hearts should once again be able to perceive what hearts perceived during the ancient times of initiation in the ancient mysteries, when the words were always impressively proclaimed to those to be initiated: “You who shape the fates of the dead!” All that remains is the phrase “Memento mori,” which has become more or less abstract; it can no longer have a profound effect on people today precisely because it has become abstract, because it does not expand consciousness into a life more vibrant than that which exists here in the sensory world.
[ 13 ] Und was da der Empfang des menschlichen Schicksalsnetzes ist durch Angeloi, Archangeloi, Archai, das entwickelt sich so, daß man den Eindruck hat: das webt und lebt in violett-blauer Ätheratmosphäre. Es ist Weben und Leben in violett-blauer Ätheratmosphäre.
[ 13 ] And what is the reception of the human web of destiny by the Angeloi, Archangeloi, and Archai? It unfolds in such a way that one gets the impression: it weaves and lives within a violet-blue etheric atmosphere. It is weaving and living within a violet-blue etheric atmosphere.
[ 14 ] Und wenn sich der Ätherleib auflöst, das heißt, wenn die Gedanken eingeatmet sind von Angeloi, Archangeloi, Archai, dann tritt der Mensch nach einigen Tagen in dieses Zurückleben ein, wie ich es Ihnen geschildert habe. Da erlebt der Mensch seine Taten, seine Willensimpulse, seine Gedankenrichtungen so, wie sie gewirkt haben in den anderen Menschen, denen er irgend etwas Gutes oder Böses zugefügt hat. Er lebt sich ganz ein in die Gemüter der anderen Menschen, er lebt nicht in seinem eigenen Gemüte. Mit dem deutlichen Bewußtsein, daß er es ist, der mit diesen Dingen etwas zu tun hat, erlebt er die Erlebnisse, die in den Tiefen der Seelen der anderen Menschen vor sich gegangen sind, mit denen er in karmische Verbindung getreten ist, denen er überhaupt irgend etwas in Gutem oder Bösem zugefügt hat. Da zeigt es sich wieder, wie nunmehr dasjenige aufgenommen wird, was der Mensch so erlebt. Er erlebt es in voller Wirklichkeit, in einer Wirklichkeit, die ich ja schildern mußte als wirklicher noch als die Sinneswirklichkeit zwischen der Geburt und dem Tode. Er erlebt also eine Realität, in der er, ich möchte sagen, glutvoller drinnen steht als hier im Erdenleben.
[ 14 ] And when the etheric body dissolves—that is, when the thoughts have been inhaled by the Angeloi, Archangeloi, and Archai—then, after a few days, the human being enters into this “re-living,” as I have described it to you. There the human being experiences his deeds, his impulses of will, and his trains of thought just as they have affected the other people to whom he has done something good or evil. He immerses himself completely in the minds of other people; he does not live in his own mind. With the clear awareness that it is he who has had a hand in these matters, he experiences the events that have taken place in the depths of the souls of other people with whom he has entered into a karmic connection—those to whom he has inflicted anything at all, whether good or evil. Here it becomes evident once again how what the human being experiences in this way is now perceived. He experiences it in full reality—a reality that I had to describe as even more real than the sensory reality between birth and death. He thus experiences a reality in which, I might say, he stands more intensely immersed than here in earthly life.
[ 15 ] Schaut man das wiederum mit dem Blick der Initiationseinsicht von der anderen Seite an, so sieht man, wie jetzt das, was da der Mensch erlebt, in die Wesenhaftigkeit, in die Realität der Kyriotetes, Dynamis, Exusiai aufgenommen wird. Die saugen die Negative der menschlichen Taten auf. Die durchdringen sich damit. Und dieser Blick, dieser Initiiertenblick, der nun auf dieses ganz Wunderbare hinschaut, wie der Menschen in Gerechtigkeit umgesetzte Tatenfolgen aufgesogen werden von Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, dieser ganze Anblick versetzt denjenigen, der ihn hat, in ein solches Bewußtsein, daß er sich weiß im Mittelpunkt der Sonne, und damit im Mittelpunkte des Planetensystems. Er schaut vom Gesichtspunkt der Sonne aus auf dasjenige, was geschieht. Und er sieht ein lilaartiges Weben und Leben, er sieht das Aufsaugen der in Gerechtigkeit umgesetzten Menschentaten durch Exusiai, Dynamis und Kyriotetes in dem Weben und Leben einer hellvioletten, einer lilafarbigen Astralatmosphäre.
[ 15 ] If, in turn, one views this from the perspective of initiatory insight—from the other side—one sees how what the human being experiences there is now absorbed into the essence, into the reality of Kyriotetes, Dynamis, and Exusiai. These absorb the negative aspects of human actions. They are permeated by them. And this view—this initiated gaze—which now looks upon this truly wondrous phenomenon, as the consequences of human actions carried out in righteousness are absorbed by Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes—this entire vision transports the one who beholds it into such a state of consciousness that he knows he is at the center of the sun, and thus at the center of the planetary system. He observes what is happening from the perspective of the Sun. And he sees a lilac-like weaving and life; he sees the absorption of human deeds carried out in righteousness by the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes within the weaving and life of a bright violet, lilac-colored astral atmosphere.
[ 16 ] Sehen Sie, da hat man die Wahrheit, daß der Sonnenanblick, so wie er sich dem Erdenmenschen darstellt, ja nur von der einen Seite her ist, von der Peripherie her. Vom Mittelpunkte erscheint die Sonne als das Feld, wo die Geisteswirkungen, die Taten von Exusiai, Dynamis, Kyriotetes vor sich gehen. Da ist alles geistige Tat, geistiges Ereignis. Da finden wir, ich möchte sagen, die Rückseite der Bilder des Erdenlebens, das wir hier zwischen der Geburt und dem Tode erleben.
[ 16 ] You see, the truth is that the view of the sun, as it appears to human beings on Earth, is indeed only from one side—from the periphery. From the center, the sun appears as the realm where spiritual forces—the actions of Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes—take place. There, everything is spiritual action, spiritual event. There we find, I might say, the reverse side of the images of earthly life that we experience here between birth and death.
[ 17 ] Und wiederum denken wir in der richtigen Weise an dasjenige, was da geschieht, wenn wir den Gedanken so gestalten, daß wir das Wort, das gewöhnlich bloß für Verwehen, Vergehen, Verwelken, Vernichtetwerden gebraucht wird, in seiner eigentlichen Bedeutung nehmen. Wir haben das Wort «Wesen», wir haben das Wort «Geben». Wenn wir sagen: «Vergeben», so heißt das «Hingeben». Nur im Kartenspiel heißt es anders, aber in der naturgemäßen Sprache heißt es «FHingeben». Wenn wir sagen: «Verwesen», heißt es: das Wesen hinleiten. Mit diesem Bewußtsein bilden wir den Satz:
[ 17 ] And once again, we think correctly about what is happening there when we frame our thoughts in such a way that we take the word—which is usually used only to mean “fading,” “passing away,” “wilting,” or “being destroyed”—in its true sense. We have the word “essence,” we have the word “giving.” When we say “forgive,” it means “to give away.” Only in card games is it called something else, but in natural language it means “to give away.” When we say “to let the essence pass,” it means to guide the essence onward. With this awareness, we form the sentence:
Es verwesen in Exusiai, Dynamis, Kyriotetes
im Astralempfinden des Kosmos
die gerechten Folgen des Erdenlebens des Menschen.
They are reflected in exousia, dynamis, and kyriotetes
in the astral perception of the cosmos
as the just consequences of human life on Earth.
[ 18 ] Dann, wenn dieses vollbracht ist, wenn der Mensch dieses Drittel des irdischen Lebens verlebt hat nach dem Tode, zurückgewandert ist, sich nun wiederum am Ausgangspunkte des Erdenlebens, aber im Geistesraum fühlt, in dem Momente vor seinem Eintritt in das Erdenleben, da tritt der Mensch, man kann sagen, durch den Mittelpunkt der Sonne in das eigentliche Geisterland ein. Da drinnen werden nun diese ins Gerechte umgesetzten Erdentaten aufgenommen in die Tätigkeit der ersten Hierarchie. Da gelangen sie in den Bereich der Seraphim, Cherubim und Throne. Da tritt der Mensch ein in ein Reich, bei dessen Betreten er fühlt: was auf der Erde durch mich geschehen ist, das nehmen in ihr eigenes Tatenwesen auf Seraphim, Cherubim und Throne, Bedenken Sie nur, meine lieben Freunde, wir denken richtig über dasjenige, was mit dem 'Toten vorgeht im weiteren Leben nach dem Tode, wenn wir den Gedanken hegen: Das, was er hier auf der Erde am Schicksalsnetz gesponnen hat, das wird zunächst aufgefangen von Angeloi, Archangeloi, Archai. Die tragen es hin, in dem nächsten Abschnitt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in den Bereich der Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Diese werden umfangen, umsponnen von den Wesenheiten der ersten Hierarchie. Und immer wird in diesem Umspinnen, Umfangen in das Wesen, in das Tatenwesen, in das Tun der Throne, Cherubim und Seraphim des Menschen Tun auf Erden aufgenommen. Und wir denken wiederum richtig, wenn wir uns nun zu dem ersten und zu dem zweiten Satze den dritten hinzufügen:
[ 18 ] Then, when this is accomplished—when the human being has lived through this third of earthly life after death, has returned, and now finds himself once again at the starting point of earthly life, but in the spiritual realm, in that moment before his entry into earthly life—the human being, so to speak, enters the actual realm of the spirits through the center of the sun. There, these earthly deeds—transformed into righteousness—are now incorporated into the activity of the first hierarchy. There they enter the realm of the Seraphim, Cherubim, and Thrones. There the human being enters a realm where, upon entering, he feels: what has been accomplished on Earth through me is taken up into the very essence of their own deeds by the Seraphim, Cherubim, and Thrones. Just consider, my dear friends, that we think correctly about what happens to the ‘dead’ in the life beyond death when we cherish the thought: What he has woven here on Earth into the web of destiny is first received by the Angeloi, Archangeloi, and Archai. They carry it onward, in the next phase between death and a new birth, into the realm of the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes. These are encompassed and enveloped by the beings of the first hierarchy. And in this enveloping and entwining, the human being’s actions on Earth are always incorporated into the essence, into the nature of action, and into the deeds of the Thrones, Cherubim, and Seraphim. And we are again correct in our thinking when we now add a third sentence to the first and second:
Es auferstehen in Thronen, Cherubim, Seraphim
als deren Tatenwesen
die gerechten Ausgestaltungen des Erdenlebens des Menschen.
They arise in thrones, cherubim, and seraphim
as beings whose deeds
are the righteous manifestations of human life on earth.
[ 19 ] So daß, wenn man den Initiationsblick hinrichtet auf das, was fortwährend geschieht in der geistigen Welt, wir hier auf der Erde das Treiben der Menschen haben mit ihrem Karma-Instinkte, mit dem, was sich als das Schicksalsgewebe abspielt: ein mehr oder weniger dem Gedankengewebe ähnliches Gewebe. Richten wir aber den Blick hinauf in die geistigen Welten, dann sehen wir, wie dasjenige, was einstmals Erdentaten der Menschen war, nachdem es durch Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai, Dynamis, Kyriotetes durchgegangen ist, aufgenommen wird, sich oben als Himmelstaten verbreitet bei Thronen, Cherubim, Seraphim (es wird an die Tafel geschrieben):
[ 19 ] So that when we direct our initiatory gaze toward what is constantly happening in the spiritual world, we see here on Earth the activities of human beings with their karmic instincts, with what unfolds as the fabric of destiny: a fabric more or less similar to the fabric of thought. But if we turn our gaze upward into the spiritual worlds, we see how that which was once the earthly deeds of human beings—after passing through the Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes—is taken up and spreads out above as heavenly deeds among the Thrones, Cherubim, and Seraphim (it is written on the tablet):
[ 20 ] 1. Es empfangen Angeloi, Archangeloi, Archai im Ätherweben das Schicksalsnetz des Menschen.
2. Es verwesen in Exusiai, Dynamis, Kyriotetes im Astralempfinden des Kosmos die gerechten Folgen des Erdenlebens des Menschen.
3. Es auferstehen in Thronen, Cherubim, Seraphim als deren Tatenwesen die gerechten Ausgestaltungen des Erdenlebens des Menschen.
[ 20 ] 1. Angels, archangels, and archai receive the web of human destiny within the etheric fabric.
2. In Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes, within the astral perception of the cosmos, the just consequences of human life on Earth are determined.
3. In Thrones, Cherubim, and Seraphim, as beings of action, the just manifestations of human life on Earth arise.
[ 21 ] Das, meine lieben Freunde, ist insbesondere in der Gegenwart eine bedeutsame, eine unendlich bedeutsame und eine unendlich erhabene Tatsachenreihe. Denn jetzt eben ist es so im eingetretenen MichaelReiche, daß, ich möchte sagen, in diesem weltgeschichtlichen Augenblicke geschaut werden können die Taten derjenigen Menschen, die vor Ablauf des Kali Yuga in den achtziger, neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hier auf Erden gelebt haben; dasjenige, was damals war unter Menschen, das ist jetzt aufgenommen worden von Thronen, Cherubim und Seraphim. Aber niemals war der geistige Lichtkontrast ein so großer, wie er in der Gegenwart ist für diese Tatsachenreihe.
[ 21 ] That, my dear friends, is—especially in the present—a significant, an infinitely significant, and an infinitely sublime series of facts. For now, in the Michael Realm that has come to pass, it is the case—I would say—that at this moment in world history, the deeds of those people who lived here on Earth in the 1880s and 1890s, before the end of the Kali Yuga, can be beheld; that which existed among human beings at that time has now been taken up by thrones, cherubim, and seraphim. But never has the spiritual contrast of light been as great as it is in the present for this series of events.
[ 22 ] Wenn man in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den Blick hinaufgerichtet hat und gesehen hat, wie die Revolutionsleute von der Mitte des 19. Jahrhunderts in ihren Taten gewissermaßen oben aufgenommen wurden von Thronen, Cherubim und Seraphim, dann sah man, daß etwas von Düsternis über der Mitte des 19. Jahrhunderts lagerte. Und es hellte sich nur wenig auf dasjenige, was man dann sah beim Übergange in das Reich der Seraphim, Cherubim und Throne.
[ 22 ] If, in the 1880s, one looked up and saw how the revolutionaries of the mid-19th century were, in a sense, received in their deeds by thrones, cherubim, and seraphim, then one could see that a certain gloom hung over the mid-19th century. And there was only a slight brightening of what one then saw upon entering the realm of the seraphim, cherubim, and thrones.
[ 23 ] Wenn man aber jetzt zurückblickt auf das, was am Ende des 19. Jahrhunderts als Taten der Menschen in dem Verhältnis der Menschen untereinander sich abgespielt hat, dann — nachdem man eben noch klar hat sehen können in dieser auslaufenden Kali Yugazeit, nachdem man eben noch einigermaßen hat sehen können, was sich da abgespielt hat und sozusagen wie verwehende Gedankenmassen durchschauen konnte dasjenige, was sich schicksalsmäßig unter diesen Menschen vom Ende des Kali Yuga abgespielt hat —, dann entschwindet einem das, und man schaut dasjenige, was himmelwärts daraus geworden ist, in einem strahlend hellen Lichte.
[ 23 ] But if one now looks back on what took place at the end of the 19th century in terms of human actions and the relationships among people—after having been able to see clearly, just a short while ago, during this waning Kali Yuga, after having been able to see, to some extent, what was taking place there and, so to speak, to penetrate like fleeting masses of thought what unfolded as a matter of destiny among these people at the end of the Kali Yuga—then all that fades away, and one beholds what has risen from it toward the heavens in a radiant, bright light.
[ 24 ] Das aber bezeugt nichts anderes als die ungeheure Bedeutung dessen, was da eigentlich geschieht im Umsetzen von Menschen-Erdentaten in Seelen-Himmelstaten in der Gegenwart. Denn, was der Mensch als sein Schicksal, als sein Karma erlebt, das spielt sich ab für ihn, in ihm, um ihn, von Erdenleben zu Erdenleben. Aber dasjenige, was sich abspielt noch in der Region der Himmelswelten als die Folge dessen, was er hier auf der Erde erlebt und verrichtet hat, das wirkt fortwährend auch in der historischen Gestaltung des Erdenlebens weiter. Das spielt sich ab in dem, was der Mensch hier auf Erden nicht als einzelner Mensch beherrscht.
[ 24 ] But this testifies to nothing other than the immense significance of what is actually taking place in the transformation of human deeds on Earth into deeds of the soul in Heaven in the present. For what a person experiences as his destiny, as his karma, unfolds for him, within him, and around him, from one earthly life to the next. But what unfolds in the region of the heavenly realms as a consequence of what a person has experienced and accomplished here on Earth continues to exert an influence on the historical shaping of earthly life. This takes place in the realm of what a person here on Earth cannot control as an individual.
[ 25 ] Nehmen Sie diesen Satz nur in seiner vollen Schwere, meine lieben Freunde. Der einzelne Mensch erlebt sein Schicksal. Schon wenn zwei Menschen zusammenwirken, entsteht ja ganz etwas anderes als der Vollzug des Schicksals des einen und des anderen Menschen. Es spielt sich sozusagen zwischen den beiden Menschen etwas ab, was herausgeht aus demjenigen, was jeder einzelne erlebt. Für das gewöhnliche Bewußtsein ist ja kein Zusammenhang zunächst bemerkbar zwischen dem, was sich da zwischen Menschen abspielt, und dem, was oben in den geistigen Welten geschieht. Nur wenn heilig-geistiges Handeln hereingeholt wird in die physisch-sinnliche Welt, wenn die Menschen bewußt ihre physisch-sinnlichen Taten so umgestalten, daß sie zugleich Taten in der geistigen Welt sind, dann wird ein solcher Zusammenhang hergestellt.
[ 25 ] Please take this sentence in all its gravity, my dear friends. Each individual experiences his or her own destiny. Even when two people interact, something entirely different arises than the fulfillment of each person’s destiny. Something takes place, so to speak, between the two people that goes beyond what each individual experiences. To ordinary consciousness, no connection is initially apparent between what takes place between people and what happens above in the spiritual worlds. Only when sacred-spiritual action is brought into the physical-sensory world—when people consciously transform their physical-sensory deeds so that they are simultaneously deeds in the spiritual world—is such a connection established.
[ 26 ] Aber alles das, was dann zwischen Menschen geschieht im größeren Umkreise, das ist ja noch etwas anderes, als was der einzelne Mensch als Schicksal erlebt. Das alles, was so nicht einzelmenschliches Schicksal ist, sondern was durch das Zusammen-Denken und ZusammenEmpfinden, Zusammen-Fühlen und Zusammen-Handeln der Menschen auf Erden bewirkt wird, das steht im Zusammenhange mit demjenigen, was da oben Seraphim, Cherubim und Throne tun. Und in das fließen ein die Taten der Menschen in dem Zusammenhange dieser Menschen, und auch die einzelnen menschlichen Erdenleben.
[ 26 ] But everything that then happens among people on a larger scale is, after all, something different from what the individual experiences as fate. All that which is not the fate of an individual, but rather what is brought about through the collective thinking, feeling, and acting of people on Earth, is connected to what the Seraphim, Cherubim, and Thrones do up above. And into this flow the deeds of human beings within the context of their collective lives, as well as the individual human lives on Earth.
[ 27 ] Dann ist eben der weitere Anblick, der sich dem Initiiertenblick darbietet, von einer besonderen Wichtigkeit. Wir schauen hinauf. Oben zeigt sich heute die himmlische Tatenfolge desjenigen, was in den letzten siebziger Jahren, den achtziger, den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sich hier auf Erden abgespielt hat. Dann ist es, wie wenn ein feiner Regen, ein geistiger Regen herunterfiele auf die Erde und benetze die Menschenseelen und triebe sie zu dem, was zwischen den Menschen gewissermaßen historisch entsteht.
[ 27 ] Then, the further vision that presents itself to the initiated gaze is of particular importance. We look up. Above, the heavenly sequence of events is now revealed—the events that unfolded here on Earth during the last seventy years, the eighties, and the nineties of the previous century. It is as if a fine rain, a spiritual rain, were falling upon the Earth, moistening human souls and drawing them toward what, in a sense, arises historically among human beings.
[ 28 ] Und da kann man dann wiederum sehen, wie in lebendigen Gedanken-Spiegelbildern dasjenige auf dem Umwege durch Seraphim, Cherubim und Throne heute lebt, was in den siebziger, achtziger, neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts hier auf der Erde durch Menschen getan worden ist.
[ 28 ] And there, in turn, one can see how—in living reflections of thought—that which was accomplished here on Earth by human beings in the 1870s, 1880s, and 1890s lives on today through the Seraphim, Cherubim, and Thrones.
[ 29 ] Wenn man dieses durchblickt, ist es einem ja wirklich oftmals so, daß man ganz genau sieht: Man spricht heute mit einem Menschen; dasjenige, was er einem sagt durch die allgemeine Meinung, was nicht aus seinen eigenen Emotionen, seinen inneren Impulsen kommt, sondern was er einem sagt, weil er eben ein Angehöriger dieses Zeitalters ist, das erscheint einem oftmals wie im Zusammenhang stehend mit denjenigen Menschen, die in den siebziger, achtziger, neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelebt haben. Es ist wirklich so, daß man manchen heutigen Menschen wie in einer Geistversammlung sieht, umringt von gewissen Menschen, die sich um ihn bemühen, die aber eigentlich nur die vom Himmel geregneten Nachbilder dessen sind, was durch Menschen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gelebt hat.
[ 29 ] When you see through this, you often find that you can see quite clearly: You speak with a person today; what they tell you—based on general opinion, not stemming from their own emotions or inner impulses, but rather what they say simply because they are a product of this age—often seems to you to be connected to those people who lived in the 1970s, 1980s, and 1990s of the last century. It is truly the case that one sees some people today as if in a spiritual gathering, surrounded by certain people who are concerned with them, but who are actually only the afterimages, rained down from heaven, of what was lived through by people in the last third of the 19th century.
[ 30 ] So gehen wirklich auf geistige Art die Revenants, ich möchte sagen, die sehr realen Gespenster eines früheren Zeitalters, in einem späteren Zeitalter um. Es ist das eine der feinen, generellen Karmawirkungen, die in der Welt vorhanden sind, und die oftmals auch von den okkultesten der Okkultisten nicht beachtet werden. Man möchte manchem, der einem heute etwas nicht Persönliches, sondern Stereotypes sagt, ins Ohr raunen: Das hat dir der oder jener im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gesagt!
[ 30 ] This is how the revenants—I would say, the very real ghosts of an earlier age—truly roam in a later age. It is one of the subtle, general effects of karma that exist in the world, and which are often overlooked even by the most occult of occultists. One might want to whisper in the ear of some people who say something to you today that is not personal but stereotypical: “That’s what so-and-so told you in the last third of the 19th century!”
[ 31 ] So erst wird das Leben ein Ganzes. Und wieder muß von diesem Zeitalter, von diesem mit dem Ablauf des Kali Yuga begonnenen Zeitalter gesagt werden, daß es sich unterscheidet von allen zunächst historischen früheren Zeitaltern. Es unterscheidet sich in der Art, daß tatsächlich diejenigen Menschentaten, die verflossen sind im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, auf das erste Drittel dieses 20. Jahrhunderts den denkbar größten Einfluß haben.
[ 31 ] Only then does life become a whole. And once again, it must be said of this era—this era that began with the end of the Kali Yuga—that it differs from all earlier historical eras. It differs in that the human actions that took place in the last third of the 19th century have had the greatest possible influence on the first third of the 20th century.
[ 32 ] Meine lieben Freunde, ich sage es, indem ich damit etwas bezeichnen will, was fern ist allem Gebrauche von abergläubischen Worten, ich sage es als etwas, das mit dem vollen Bewußtsein, eine exakte Tatsache auszusprechen, gesagt wird: Noch nie sind so vernehmbar die Gespenster der letzten uns vorangegangenen Zeit unter uns herumgegangen wie in der Gegenwart. Und wenn die Menschen heute diese Gespenster nicht wahrnehmen, so ist es nicht deshalb, weil wir im finsteren Zeitalter leben, sondern weil die Menschen zunächst noch durch das Licht des lichten Zeitalters geblendet sind. Dadurch ist das, was durch die Revenants des vorigen Jahrhunderts unter uns vollzogen wird, etwas so ungeheuer Fruchtbares für die Ahrimanleute. Die Ahrimanleute wirken heute, ohne daß es die Menschen bemerken, in einer besonders schlimmen Weise. Sie versuchen, möglichst viel von diesen Gespenstern des vorigen Jahrhunderts, ich möchte sagen, ahrimanisch zu galvanisieren und zu Einfluß zu bringen auf die Menschen der Gegenwart.
[ 32 ] My dear friends, I say this to describe something that is far removed from any use of superstitious language; I say it with the full awareness that I am stating an exact fact: Never before have the ghosts of the era that preceded us walked among us as audibly as they do today. And if people today do not perceive these ghosts, it is not because we are living in a dark age, but because people are still, for the time being, dazzled by the light of the Age of Light. Consequently, what is being wrought among us by the revenants of the previous century is something immensely fruitful for the Ahrimanic forces. The Ahrimanic forces are at work today, unnoticed by people, in a particularly pernicious way. They are attempting to galvanize as many of these ghosts of the previous century as possible—I would say in an Ahrimanic way—and to make them exert influence on the people of the present.
[ 33 ] Man kann durch nichts diesem ahrimanischen Zuge unseres Zeitalters mehr entgegenkommen als durch alles das, was geschieht, indem sich für die Verirrungen des vorigen Jahrhunderts, die ja eigentlich heute für die Einsichtigen längst verglommene Ideen sind, populäre Vereinigungen bilden. Das Laientum hat ja niemals so stark in einem Zeitalter die Verirrungen des vorigen Zeitalters popularisiert wie in dem heutigen Zeitalter, wie in der Gegenwart. Und man kann schon sagen: will man das Wesen der ahrimanischen Taten kennenlernen, so kann man das heute eigentlich überall, wo man Versammlungen besucht, die aus dem gewöhnlichen Bewußtsein heraus wirksam sind. Man hat heute viel Gelegenheit, den Ahrimanismus in der Welt kennenzulernen, denn er wirkt außerordentlich stark. Und er ist es ja, der auf diesem Umwege, wie ich es heute geschildert habe, die Menschen abhält davon, dasjenige in ihr Herz, in ihre Seele aufzunehmen, was neu hervortreten muß, weil es eben früher nicht da war, wie das, was eben in der Anthroposophie zutage tritt.
[ 33 ] There is nothing that can counter this Ahrimanic tendency of our age more effectively than the very fact that popular associations are forming in support of the aberrations of the previous century—ideas that, for those with insight, have long since faded into obscurity. Never before has the laity popularized the aberrations of the previous century as strongly as in the present age, as in the present day. And one can certainly say: if one wishes to understand the nature of Ahrimanic deeds, one can actually do so today wherever one attends gatherings that operate out of ordinary consciousness. Today there are many opportunities to become acquainted with Ahrimanism in the world, for it is at work with extraordinary intensity. And it is precisely this force that, through the indirect means I have described today, prevents people from taking into their hearts and souls that which must now emerge—precisely because it was not there before—such as what is now coming to light in anthroposophy.
[ 34 ] Die Menschen sind schon zufrieden, wenn sie nur irgendwie dasjenige, was in der Anthroposophie neu zutage tritt, decken können mit irgendeinem alten Ausspruch. Man soll nur sehen, wie zufrieden die Menschen sind, wenn in irgendeinem Vortrage von mir etwas vorkommt, von dem dann einer sagen kann: Sieh einmal, das steht auch in einem alten Buche. — Es steht doch ganz anders darinnen, eben aus ganz anderen Bewußtseinsgründen heraus! Aber man ist so wenig mutig, das, was auf dem Boden der Gegenwart wächst, aufzunehmen, daß man sich schon beruhigt fühlt, wenn man so etwas aus der Vergangenheit herbeibringen kann.
[ 34 ] People are already satisfied if they can somehow tie what is emerging anew in anthroposophy to some old saying. Just look at how satisfied people are when something comes up in one of my lectures that allows someone to say: “Look, that’s in an old book, too.” — But it’s presented quite differently there, based on entirely different states of consciousness! Yet people lack the courage to embrace what is growing out of the present, so they feel reassured just by being able to dredge up something like that from the past.
[ 35 ] Das eben bezeugt, wie stark Vergangenheitsimpulse auf die gegenwärtigen Menschen wirken und wie beruhigt sich die Menschen der Gegenwart fühlen, wenn Vergangenheitsimpulse auf sie wirken. Und das kommt eben davon her, daß dieses 19. Jahrhundert so stark in das 20. Jahrhundert noch hereinwirkt. Künftige Betrachter der Menschheitsgeschichte der Gegenwart, die ja geistig schildern werden, während wir heute bloß aus Dokumenten schildern, die werden vor allen Dingen das zu schildern haben, was in den Worten liegt: Schaut man hin auf den Beginn des 20. Jahrhunderts, auf die ersten drei Jahrzehnte, so nimmt sich alles das zumeist so aus, wie wenn es eigentlich getan wäre von den Schattenbildern der Menschentaten vom Ende des 19. Jahrhunderts.
[ 35 ] This simply demonstrates how strongly impulses from the past influence people today and how comforted people of the present feel when these impulses affect them. And this stems precisely from the fact that the 19th century continues to exert such a strong influence on the 20th century. Future observers of the history of humanity as it is today—who will, of course, describe it in spiritual terms, whereas we today merely describe it based on documents—will, above all, have to describe what is contained in the following words: If one looks at the beginning of the 20th century, at the first three decades, it all appears, for the most part, as if it were actually the work of the shadows cast by human deeds from the end of the 19th century.
[ 36 ] Wenn ich vielleicht ein Wort hier aussprechen darf, das wahrhaftig nicht politisch gemeint ist — Politik muß aus unserer Anthroposophischen Gesellschaft ganz herausbleiben —, aber wenn ich ein Wort hier aussprechen darf, das eben einfach Tatsachen charakterisieren soll, so ist es dieses: Man kann hinschauen auf die weltumwälzenden Taten Geschehnisse, meine ich, Ereignisse, denn Taten waren es ja nicht —, aber auf die weltumwälzenden Ereignisse namentlich des zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts. Es ist ja schon so oft ausgesprochen worden, daß es eine Trivialität geworden ist, zu sagen, daß eigentlich, solange die Zeit währt, über die man Geschichte schreibt, solch Weltumwälzendes sich nicht zugetragen hat. Aber stehen denn nicht die Menschen im Grunde genommen in diesen weltumwälzenden Taten so darinnen, als wenn sie nicht darinnen stünden? Man geht überall herum; es ist so, als ob sich die weltumwälzenden Ereignisse außerhalb der Menschen abspielten, als wenn die Menschen gar keinen Anteil daran hätten. Man möchte fast jeden Menschen, den man heute trifft, fragen: Ja, hast denn du mitgemacht das zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts? Und erst, wenn man die Sache noch von einem anderen Gesichtspunkte ansieht: wie hilflos nehmen sich die Menschen aus, wie unendlich hilflos, wie hilflos im Urteilen, wie hilflos im Tun! Ministerstühle sind ja noch niemals unter so großen Schwierigkeiten besetzt worden wie in dieser Zeit. Bedenken Sie nur, wie kurios es ist, was nach dieser Richtung eigentlich geschieht, wie hilflos die Menschen sind in dem, was sich da abspielt! Da kommt man schon darauf, die Frage aufzuwerfen: Ja, wer tut denn da eigentlich etwas? Wer ist denn daran beteiligt? Nun, wer daran beteiligt ist, meine lieben Freunde, das sind, mehr als die Menschen der Gegenwart, die Menschen vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Deren Schattenkräfte sieht man in allem wirksam.
[ 36 ] If I may perhaps say a few words here—which are truly not meant in a political sense—politics must be kept entirely out of our Anthroposophical Society—but if I may say a few words here that are simply meant to describe facts, then it is this: One can look at the world-shaking deeds—or rather, events, for they were not actually deeds—but at the world-shaking events, particularly those of the second decade of the 20th century. It has, after all, been stated so often that it has become a cliché to say that, in fact, as long as the period about which history is written has lasted, nothing so earth-shattering has ever occurred. But are people not, when it comes down to it, so deeply immersed in these earth-shattering events that it is as if they were not part of them at all? People go about their business everywhere; it is as if these world-shaking events were taking place outside of them, as if people had no part in them at all. One is almost tempted to ask every person one meets today: “So, were you actually part of the second decade of the 20th century?” And when one looks at the matter from yet another perspective: how helpless people seem, how infinitely helpless, how helpless in their judgment, how helpless in their actions! Ministerial posts have never been filled under such great difficulties as in this era. Just consider how curious it is what is actually happening in this regard, how helpless people are in the face of what is unfolding! This naturally leads one to ask: “Well, who is actually doing anything here?” Who is actually involved? Well, my dear friends, those involved are, more than the people of the present, the people of the last third of the 19th century. Their shadow forces can be seen at work in everything.
[ 37 ] Sehen Sie, das ist das Geheimnis unserer Zeit. Man möchte sagen: Keine anderen Toten waren jemals so mächtig wie diejenigen vom letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts. Das ist auch ein Weltaspekt. Und wenn man mit Bezug auf den geistigen Inhalt sich die entsprechenden Dinge anschaut im einzelnen Falle, kommt man doch auf ganz Merkwürdiges.
[ 37 ] You see, that is the mystery of our time. One might say: No other dead people have ever been as powerful as those from the last third of the nineteenth century. This is also a global phenomenon. And when one examines the relevant aspects in detail with regard to their spiritual content, one arrives at something quite remarkable.
[ 38 ] Es hat sich für mich darum gehandelt, ob ich bei der Neuauflage meiner Schriften, die geschrieben worden sind in den siebziger, achtziger, neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, dies oder jenes ändern sollte. Diejenigen, die einfache Philister der Gegenwart sind, sagen: Alles hat sich erneut; die wissenschaftlichen Theorien und Hypothesen von dazumal sind ja längst abgetane Dinge. — Betrachtet man aber die Sache vom realen Standpunkte, so kann man nichts ändern. Denn eigentlich steht hinter jedem, der heute ein Buch schreibt, oder der von einer Lehrkanzel herunterspricht, einer dahinter im Schattenbilde: da sprechen noch immer die Du Bois-Reymonds, die Helmholtzens, die Haeckels, diejenigen, die eben in der damaligen Zeit gesprochen haben; in der Medizin die Oppolzer, Billroths und so weiter. Das ist etwas vom Geheimnis der Gegenwart. Deshalb sagt die Initiationswissenschaft: Niemals waren die Toten so mächtig wie in unserem Zeitalter.
[ 38 ] For me, the question was whether I should change this or that in the new edition of my writings, which were written in the 1870s, 1880s, and 1890s. Those who are mere philistines of the present day say: Everything has changed; the scientific theories and hypotheses of that time are, after all, long-discarded notions. — But if one considers the matter from a realistic standpoint, there is nothing to change. For in truth, behind everyone who writes a book today or lectures from a pulpit, there stands a shadow figure: it is still the Du Bois-Reymonds, the Helmholtzes, the Haeckels—those who spoke in that era—who are speaking; in medicine, the Oppolzes, Billroths, and so on. This is part of the mystery of the present. That is why the science of initiation says: Never have the dead been as powerful as in our age.
[ 39 ] Das ist dasjenige, was ich jetzt in diese Karmabetrachtungen einfügen wollte.
[ 39 ] That is what I wanted to include in these reflections on karma.

