Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume III
GA 237
8 July 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Ich möchte heute einiges einfügen in unsere Betrachtungen, das uns dann möglich machen wird, die karmischen Zusammenhänge der anthroposophischen Bewegung selber genauer zu verfolgen. Dasjenige, was ich heute einfügen will, soll ausgehen von der Tatsache, daß in der anthroposophischen Bewegung zwei Gruppen von Menschen sind. Im allgemeinen habe ich ja charakterisiert, wie sich die anthroposophische Bewegung aus einzelnen Menschen zusammensetzt. Die Sache ist natürlich zunächst nur im großen und ganzen gemeint, aber es gibt eben zwei Gruppen von Menschen in der anthroposophischen Bewegung. Nur sind die Erscheinungen, die ich charakterisiere, nicht so auf der flachen Hand liegend; sie sind nicht so, daß man mit der groben Beobachtung sagen kann: Bei dem einen ist das so, bei dem anderen ist das so. Vieles von dem, was ich heute zu charakterisieren haben werde, liegt nicht im vollen gewöhnlichen Bewußtsein der Persönlichkeit, sondern liegt eben, wie das meiste Karmische, in den Instinkten, im Unterbewußtsein, prägt sich aber durchaus in Charakter, Temperament, Handlungsweise und in der wirklichen Handlung aus.
[ 1 ] Today I would like to add a few points to our reflections that will enable us to trace the karmic connections within the anthroposophical movement itself more closely. What I wish to add today will be based on the fact that there are two groups of people within the anthroposophical movement. In general, I have described how the anthroposophical movement is composed of individual people. Of course, this is meant only in broad terms at first, but there are indeed two groups of people within the anthroposophical movement. However, the phenomena I am describing are not immediately obvious; they are not such that one can say, based on a superficial observation: “It’s like this with one person, and like that with another.” Much of what I will be describing today does not lie within the full, ordinary consciousness of the personality, but rather, like most karmic factors, lies in the instincts and the subconscious; yet it certainly manifests itself in character, temperament, behavior, and actual actions.
[ 2 ] Wir haben die eine Gruppe zu unterscheiden, welche zu dem Christentum in einer solchen Weise steht, daß den Angehörigen dieser Gruppe die Zugehörigkeit zum Christentum besonders am Herzen liegt, und daß in ihren Seelen die Sehnsucht lebt, sich als Anthroposoph im richtigen Sinne des Wortes, wie sie es auffassen, Christ nennen zu können. Für diese Gruppe ist es geradezu ein Trost, daß in vollem Umfange gesagt werden kann: Die anthroposophische Bewegung stellt eine solche Bewegung dar, welche den Christus-Impuls anerkennt und in sich trägt. Und es würde dieser Gruppe Gewissensbisse machen, wenn das nicht der Fall wäre.
[ 2 ] We must distinguish one group whose relationship to Christianity is such that its members are particularly committed to belonging to the Christian faith, and that a longing lives within their souls to be able to call themselves Christians—in the true sense of the word, as they understand it—as anthroposophists. For this group, it is a true source of comfort that it can be said without reservation: The anthroposophical movement is a movement that recognizes and carries within itself the Christ impulse. And this group would feel a pang of conscience if that were not the case.
[ 3 ] Die andere Gruppe ist zunächst in ihrer Offenbarung oder in der Offenbarung ihrer Persönlichkeiten nicht weniger ehrlich christlich, aber es ist so, daß diese Gruppe eigentlich aus einer anderen Voraussetzung heraus an das Christentum herankommt. Es ist so, daß diese Gruppe zunächst Befriedigung findet an der anthroposophischen Kosmologie, an der Entwickelung der Erde aus anderen planetarischen Formen heraus, Befriedigung findet an demjenigen, was Anthroposophie über den Menschen im allgemeinen zu sagen hat, und von da ausgehend dann gewiß naturgemäß zu dem Christentum hingeführt wird, aber nicht in demselben Maße ein innerliches Herzensbedürfnis hat, unbedingt den Christus in die Mitte zu stellen. Wie gesagt, diese Dinge spielen sich zum großen Teile im Unterbewußten ab. Wer Seelenbeobachtung üben kann, der weiß immer im einzelnen Falle die betreffenden Persönlichkeiten in der richtigen Weise zu beurteilen.
[ 3 ] The other group is, at first glance, no less sincerely Christian in its revelation or in the revelation of its members’ personalities, but the fact is that this group actually approaches Christianity from a different starting point. The fact is that this group initially finds fulfillment in anthroposophical cosmology—in the idea of the Earth’s development from other planetary forms— finds satisfaction in what anthroposophy has to say about human beings in general, and from there is then naturally led to Christianity, but does not feel the same inner, heartfelt need to place Christ at the center. As I said, these processes take place largely in the subconscious. Anyone who can practice soul observation will always know how to judge the personalities in question correctly in each individual case.
[ 4 ] Nun gehen die Voraussetzungen zu dieser Gruppierung in alte Zeiten zurück. Sie wissen ja aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» daß in einer bestimmten Zeit der Erdenentwickelung Seelen gewissermaßen ihren Abschied genommen haben von der fortlaufenden Erdenentwickelung, daß sie zum Bewohnen anderer Planeten gekommen sind, und daß sie während einer bestimmten Zeit, der lemurischen und der atlantischen Zeit, wiederum auf die Erde heruntergekommen sind. Und wir wissen ja auch, daß unter dem Einflusse der Tatsache, daß von den verschiedenen Planeten, vom Jupiter, Saturn, Mars und so weiter, aber auch von der Sonne die Seelen heruntergekommen sind, um irdische Gestalt anzunehmen, die ursprünglichen Mysterien, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» auch Orakel genannt habe, entstanden sind.
[ 4 ] The origins of this grouping date back to ancient times. As you know from my Outline of Esoteric Science, during a certain period of Earth’s evolution, souls, so to speak, took their leave of the ongoing evolution of the Earth; they went to inhabit other planets, and during a specific period—the Lemurian and Atlantean eras—they returned to Earth. And we also know that under the influence of the fact that souls came down from various planets—Jupiter, Saturn, Mars, and so on—as well as from the Sun to take on earthly form, the original mysteries, which I also called oracles in my Esoteric Science, came into being.
[ 5 ] Nun sind diese Seelen so, daß unter ihnen natürlich viele waren, welche durch ein sehr altes Karma dazu neigten, eben in diejenige Strömung sich hineinzubegeben, die dann die christliche wurde. Wir müssen ja ins Auge fassen, daß immerhin kaum ein Drittel der Erdenbevölkerung sich zum Christentum bekennt, und daß also nur gesagt werden kann, daß ein gewisser Teil der Menschenseelen, die da herunterkamen, die Tendenz entwickelte, den Impuls entwickelte, nach der christlichen Strömung hin sich zu entfalten.
[ 5 ] Now, these souls were such that, naturally, many among them were inclined—due to very ancient karma—to join precisely that movement which later became Christianity. We must, after all, bear in mind that barely a third of the Earth’s population professes Christianity, and that therefore it can only be said that a certain portion of the human souls who descended developed the tendency—the impulse—to unfold along the lines of the Christian movement.
[ 6 ] Nun kamen eben die Seelen zu verschiedenen Zeiten herunter, und es gibt solche, welche verhältnismäßig früh heruntergekommen sind in den ersten Zeiten der atlantischen Entwickelung. Es gibt aber auch solche, welche verhältnismäßig spät heruntergekommen sind, die sozusagen einen langen vorirdischen planetarischen Aufenthalt gehabt haben. Es sind dies solche Seelen, bei denen, wenn man zurückgeht von ihrer jetzigen Inkarnation, man vielleicht kommt zu einer Inkarnation in der ersten Hälfte des Mittelalters, zu einer christlichen Inkarnation, vielleicht noch zu einer christlichen Inkarnation, dann, wenn man weiter zurückgeht, zu den vorchristlichen und so weiter, und daß man verhältnismäßig bald von der frühesten Inkarnation, auf die man auftrifft, sagen muß: Jetzt geht es nach rückwärts hinauf ins Planetarische. Vorher waren diese Seelen noch nicht in Erdeninkarnationen da. Bei anderen Seelen, die auch ins Christentum eingelaufen sind, steht die Sache so, daß man weit zurückgehen kann, viele Inkarnationen findet, und dann sind, nach vielen vorchristlichen, auch schon atlantischen Inkarnationen, diese Seelen in die christliche Strömung untergetaucht.
[ 6 ] Now, souls came down at various times, and there are some who came down relatively early, during the early stages of Atlantean development. But there are also those who descended relatively late, who, so to speak, had a long pre-earthly planetary sojourn. These are souls for whom, if one goes back from their present incarnation, one might arrive at an incarnation in the first half of the Middle Ages—a Christian incarnation—perhaps another Christian incarnation; then, if one goes back further, to pre-Christian incarnations, and so on—and that relatively soon after encountering the earliest incarnation, one must conclude: Now the path leads backward up into the planetary realm. Before that, these souls had not yet been present in earthly incarnations. With other souls who also entered Christianity, the situation is such that one can go back a long way, find many incarnations, and then—after many pre-Christian and even Atlantean incarnations—these souls have immersed themselves in the Christian current.
[ 7 ] Nun ist ja natürlich für alles intellektualistische Betrachten eine solche Sache, wie ich sie jetzt eben erwähnt habe, so irreführend als möglich; denn leicht könnte man auf den Glauben kommen, daß bei solchen Persönlichkeiten, die gegenüber dem heutigen Urteile der Zivilisation als besonders fähige Köpfe zu gelten haben, gerade viele Inkarnationen nach rückwärts hin vorliegen. Das muß aber nicht der Fall sein, sondern es können durchaus solche Persönlichkeiten, welche im heutigen Sinne gute Fähigkeiten haben, in das Leben eingreifende Fähigkeiten haben, solche sein, bei denen man nicht auf so viele Inkarnationen zurückkommt. |
[ 7 ] Now, of course, for any intellectualistic perspective, a matter such as the one I have just mentioned is as misleading as possible; for one could easily come to believe that such personalities—who, by today’s standards of civilization, are regarded as particularly gifted minds—have in fact undergone many past incarnations. However, this need not be the case; rather, such personalities—who possess abilities that are effective in life according to today’s standards—may well be individuals for whom one does not have to look back to so many past incarnations. |
[ 8 ] Ich darf dabei vielleicht an das erinnern, was ich — inaugurierend die anthroposophische Strömung, die wir jetzt eben in der anthroposophischen Bewegung haben — bei der Weihnachtstagung vorgebracht habe, wo ich von denjenigen Individualitäten gesprochen habe, an die dann das Gilgamesch-Epos anknüpft. Ich habe ja dazumal einiges über solche Individualitäten ausgeführt. Bei einer dieser Individualitäten haben wir es gerade mit verhältnismäßig wenigen nach rückwärts reichenden Inkarnationen zu tun. Dagegen ist es eben bei der anderen so, daß wir es mit vielen nach rückwärts reichenden Inkarnationen zu tun haben.
[ 8 ] Perhaps I may recall here what I presented—in inaugurating the anthroposophical current that we now have within the anthroposophical movement—at the Christmas Conference, where I spoke of those individualities to whom the Epic of Gilgamesh then refers. I did, after all, say quite a bit about such individualities at that time. In the case of one of these individualities, we are dealing with relatively few past incarnations. In contrast, with the other, we are dealing with many past incarnations.
[ 9 ] Nun ist ja vor allen Dingen, ganz gleichgültig, ob noch Inkarnationen dazwischen liegen oder nicht, für Menschenseelen, die heute in die Anthroposophie hereinkommen, diejenige Inkarnation wichtig — die in der Regel ja auf lange Zeiten, auf zwei bis drei Jahrhunderte verteilt ist —, die etwa in das 3., 4., 5. nachchristliche Jahrhundert fällt, bei einigen eben auch noch in spätere Zeiten. Wir müssen uns also vor allen Dingen die Erlebnisse der Seelen in dieser Zeit ansehen — bei einigen geht es auch noch bis ins 7., 8. Jahrhundert herauf, und dann kommen sie zum Befestigen durch eine spätere Inkarnation. Aber ich will die Sache heute möglichst präzise anknüpfen an die erste sozusagen christliche Inkarnation.
[ 9 ] Now, above all else—regardless of whether there are other incarnations in between or not—for human souls entering anthroposophy today, the one incarnation that is important—which is generally spread out over a long period of time, spanning two to three centuries—is the one that falls roughly in the 3rd, 4th, 5th centuries A.D., and for some, even into later periods. We must therefore, above all, look at the experiences of the souls during this period—for some, this extends as far as the 7th or 8th century, and then they come to consolidate their experience through a later incarnation. But today I want to link this matter as precisely as possible to the first, so to speak, Christian incarnation.
[ 10 ] Bei diesen Seelen kommt sehr stark in Betracht, wie sie sich nach ihren Vorbedingungen, nach ihren früheren Erdenleben zum Christentum stellen konnten. Sehen Sie, meine lieben Freunde, diese Frage ist deshalb eine wichtige Karmafrage, zunächst — wir werden später ja auch sozusagen nebensächlichere Karmafragen zu besprechen haben, aber diese Frage ist eine karmische Kardinalfrage —, weil zur Anthroposophischen Gesellschaft, zunächst mit Übergehung vieler anderer, nebensächlicherer Dinge, die Menschen ja gerade durch diese innersten Erlebnisse früherer Inkarnationen kommen, gerade durch dasjenige, was ihre Seele in bezug auf Weltanschauung, religiöses Bekenntnis und so weiter erlebt hat. Daher muß in bezug auf das Karma der Anthroposophischen Gesellschaft schon in den Vordergrund gestellt werden, was diese Seelen in bezug auf Erkenntnis, in bezug auf Weltanschauung und Religionen erlebt haben.
[ 10 ] For these souls, it is very important to consider how they were able to relate to Christianity based on their preconditions and their previous earthly lives. You see, my dear friends, this question is therefore an important karmic question—at least for now; we will, of course, have to discuss more peripheral karmic questions later, but this is a fundamental karmic question—because people come to the Anthroposophical Society, setting aside for the time being many other, more secondary matters, precisely through these innermost experiences of earlier incarnations, precisely through what their souls have experienced in terms of worldview, religious affiliation, and so on. Therefore, with regard to the karma of the Anthroposophical Society, we must first and foremost consider what these souls have experienced in terms of knowledge, worldview, and religion.
[ 11 ] Nun war es in diesen ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung durchaus möglich, noch traditionell an Erkenntnisse anzuknüpfen, die ja seit der Begründung des Christentums über das Wesen Christi vorhanden waren, Erkenntnisse, die dahin gingen, daß man denjenigen, der als Christus in der Persönlichkeit des Jesus lebte, als einen Sonnenbewohner, ein Sonnenwesen angesehen hat, bevor es das irdische Leben betreten hat. Man darf nicht glauben, daß die christliche Welt in bezug auf diese Sachen immer so unwissend war wie heute. In den ersten Jahrhunderten des Christentums verstand man schon auch das Evangelium an bestimmten Stellen, die sehr deutlich sprechen in der Richtung, daß das Wesen, das als Christus bezeichnet wird, von der Sonne herunter in einen Menschenleib gekommen ist. Wie man sich das im einzelnen vorgestellt hat, darauf kommt es ja weniger an; aber diese Vorstellung, die so weit ging, wie ich es jetzt charakterisierte, die hatte man eben.
[ 11 ] Now, during these first centuries of Christian development, it was certainly still possible to build upon traditional insights that had existed since the founding of Christianity regarding the nature of Christ—insights that held that the one who lived as Christ in the personality of Jesus was regarded as a solar inhabitant, a solar being, before entering earthly life. One must not assume that the Christian world was always as ignorant about these matters as it is today. In the early centuries of Christianity, people already understood certain passages of the Gospel that speak very clearly to the effect that the being designated as Christ descended from the sun into a human body. How exactly this was conceived in detail is of lesser importance; but this conception, which went as far as I have just described, was indeed held.
[ 12 ] Doch war zu gleicher Zeit in der Epoche, von welcher ich jetzt gesprochen habe, schon eine geringere Möglichkeit da, so etwas zu verstehen, daß ein Wesen, das von der Sonne stammt, auf die Erde herunterkommt. Und insbesondere waren es diejenigen Seelen, die in das Christentum eingeströmt waren und viele Erdeninkarnationen, bis weit in die atlantische Zeit zurückreichend, hatten — viele Seelen waren es —, die eigentlich nicht mehr verstehen konnten, wie man den Christus ein Sonnenwesen nennen kann. Gerade diejenigen Seelen, welche in ihren alten Bekenntnissen sich an die Sonnenorakel angeschlossen fühlten, die eigentlich schon in der atlantischen Zeit den Christus verehrten, aber indem sie den Christus verehrten, eben auf die Sonne hinaufschauten, diese Seelen, die also einmal — selbst nach des heiligen Augustinus Ausspruch —, schon bevor das Christentum auf der Erde begründet wurde, gewissermaßen Sonnenchristen waren, diese Seelen konnten aus ihrer ganzen Geistigkeit heraus kein rechtes Verständnis dafür finden, daß der Christus ein Sonnenheld wäre. Deshalb zogen sie es vor, an demjenigen festzuhalten, was ohne diese Interpretation, ohne diese christologische Kosmologie, den Christus allerdings als einen Gott betrachtete, aber als einen Gott, unbekannt woher, der sich mit dem Leibe des Jesus vereinigt hatte. Und dann nahmen sie das, was in den Evangelien erzählt wird, eben einfach unter den Voraussetzungen hin, die ich angeführt habe. Sie konnten nicht mehr den Blick hinaufwenden in die kosmischen Welten, um das Wesen des Christus zu verstehen, gerade deshalb, weil sie den Christus eben nur in außerirdischen Welten kennengelernt hatten. Weil ihnen auch die irdischen Mysterien, die Sonnenorakel, von dem Christus immer als von einem Sonnenwesen gesprochen haben, konnten sie sich nicht in die Anschauung hineinfinden, daß dieser Christus, dieser außerirdische Christus ein wirkliches Erdenwesen geworden sei.
[ 12 ] Yet at the same time, during the epoch I have just been discussing, there was already a slight possibility of understanding that a being originating from the sun could descend to Earth. And in particular, it was those souls who had flowed into Christianity and had undergone many earthly incarnations, stretching far back into the Atlantean era—and there were many such souls—who could no longer really understand how one could call the Christ a solar being. Precisely those souls who, in their ancient beliefs, felt connected to the solar oracles—who had in fact already worshiped the Christ during the Atlantean era, but who, in worshiping the Christ, looked up to the sun—these souls, who, as St. Augustine himself remarked, even before Christianity was established on earth, were, in a sense, “sun Christians”—these souls could not, out of their entire spiritual nature, find a proper understanding of the idea that Christ was a solar hero. Therefore, they preferred to hold fast to that which, without this interpretation—without this Christological cosmology—did indeed regard Christ as a god, but as a god of unknown origin who had united himself with the body of Jesus. And so they simply accepted what is recounted in the Gospels on the very premises I have outlined. They could no longer turn their gaze upward toward the cosmic worlds to understand the nature of Christ, precisely because they had come to know Christ only in extraterrestrial realms. Since the earthly mysteries—the solar oracles, which always spoke of Christ as a solar being—were also familiar to them, they could not bring themselves to accept the idea that this Christ, this extraterrestrial Christ, had become a real earthly being.
[ 13 ] Und so kamen diese Seelen, als sie dann durch die Pforte des Todes gingen, in eine merkwürdige Lage. Sie kamen in die Lage, die ich, wenn ich es etwas trivial charakterisieren soll, dadurch kennzeichnen könnte, daß ich sage: Diese Christen befanden sich im Post-mortemZustande in der Lage, in der ein Mensch sich befindet, der von einem anderen Menschen gut den Namen kennt, vielleicht auch vieles von ihm hat erzählen hören, aber ihn selbst seiner Wesenheit nach nie kennengelernt hat. Da kann es eben passieren, daß, wenn jene Stütze fehlt, die ihm gedient hat, solange er bloß den Namen gekannt hat, ihm dann, wenn irgend etwas kommt, wo er die Wesenheit kennen soll, sein seelisches Leben gegenüber dieser Erscheinung versagt.
[ 13 ] And so, when these souls passed through the gate of death, they found themselves in a strange situation. They found themselves in a situation that I, if I were to characterize it somewhat trivially, could describe by saying: These Christians, in the postmortem state, were in the same situation as a person who knows another person’s name well, perhaps has even heard much about him, but has never actually come to know him in his true essence. It can happen, then, that when that support—which served him as long as he knew only the name—is missing, his spiritual life fails him in the face of this phenomenon whenever a situation arises in which he is supposed to recognize the essence.
[ 14 ] Und so kamen diese Seelen, von denen ich eben jetzt gesprochen habe, die in alten Zeiten namentlich zu den Sonnenorakeln sich zugehörig fühlten, im Post-mortem-Zustande in die Lage, sich zu fragen: Ja, wo ist denn eigentlich der Christus? Wir sind jetzt bei den Wesen der Sonne, da haben wir ihn immer gefunden; jetzt finden wir ihn nicht! — Daß er auf Erden sei, das hatten sie nicht mitgenommen in ihre Gedanken und Gefühle, die ihnen geblieben waren, als sie durch die Pforte des Todes gegangen waren. Sie fanden sich nach dem Tode in einer großen Ungewißheit über den Christus, und sie lebten in dieser Ungewißheit über den Christus, sie blieben in dieser Ungewißheit in vieler Beziehung und waren dadurch — wenn noch eine Inkarnation in der Zwischenzeit kam — leicht geneigt, denjenigen Menschengruppen sich anzuschließen, die in der Religionsgeschichte Europas in den verschiedenen Ketzergesellschaften geschildert werden.
[ 14 ] And so these souls, of whom I have just spoken—who in ancient times felt they belonged specifically to the solar oracles—found themselves, in the postmortem state, asking: “Yes, where, then, is the Christ?” We are now among the beings of the Sun; that is where we have always found him; now we cannot find him! — The idea that he might be on Earth had not occurred to them in the thoughts and feelings that remained with them when they passed through the gate of death. After death, they found themselves in a state of great uncertainty regarding the Christ, and they lived in this uncertainty; they remained in this uncertainty in many respects and were thus—if another incarnation occurred in the meantime—easily inclined to join those groups of people who are described in the history of European religion as belonging to various heretical sects.
[ 15 ] Und gleichgültig, ob sie noch eine solche Inkarnation durchmachten oder nicht, sie fanden sich dann ein, ich möchte sagen, in jener großen überirdischen Versammlung, die ich am letzten Sonntag hier charakterisiert habe, und die ich versetzt habe in die Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da fanden sich vor einer Art übersinnlichem Kultus, der da bestand in mächtigen Imaginationen, eben auch diese Seelen ein, denen man vorzugsweise in diesem überirdischen Kultus das Sonnengeheimnis Christi in mächtigen Imaginationen vor das geistige Auge stellte. Es hatte dies die Aufgabe, diese Seelen, die in einer gewissen Weise in der gekennzeichneten Art mit ihrem Christentum in eine Sackgasse gekommen waren, wenigstens durch Bilder, bevor sie wiederum zum Erdenleben heruntergingen, an den Christus heranzuführen, den sie nicht ganz, aber so weit verloren hatten, daß er in ihrer Seele in die Strömungen des Zweifels und der Ungewißheit hineingeraten war.
[ 15 ] And regardless of whether they underwent such an incarnation again or not, they then found themselves, I might say, in that great supernatural assembly that I described here last Sunday, and which I have set in the first half of the 19th century. There, in the context of a kind of supersensible cult—which consisted of powerful imaginations—these very souls also found themselves, and it was precisely in this supersensible cult that the mystery of Christ as the Sun was presented to their spiritual eye through powerful imaginations. The purpose of this was to lead these souls—who, in a certain sense, had reached a dead end with their Christianity in the manner described—at least through images, before they descended once more into earthly life, to Christ, whom they had not entirely lost, but had lost to such an extent that He had become caught up in the currents of doubt and uncertainty within their souls.
[ 16 ] Eigentümlich verhielten sich dann diese Seelen. Sie gerieten zwar nicht etwa in eine noch größere Ungewißheit dadurch, daß man ihnen dieses vorführte — es gab schon eine Art von Befriedigung für sie in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, auch eine Art von Erlösung aus gewissen Zweifeln —, aber es gab für sie auch eine Art Erinnerung an das, was sie nun, von dem Mysterium von Golgatha noch nicht in der richtigen Weise, in der kosmischen Weise durchdrungen, über den Christus aufgenommen hatten. Und so blieb ihnen im Innersten ihres Wesens eine ungeheure Wärme und Hingabe für das Fühlen des Christentums und ein unterbewußtes Heraufdämmern jener mächtigen Imaginationen. Und das alles drängte sich zusammen in die Sehnsucht, nun in richtiger Weise Christen sein zu können. Als sie dann herunterstiegen, wieder jung wurden, zur Erde kamen am Ende des 19. Jahrhunderts oder um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert, da waren sie diejenigen Seelen, welche gar nicht anders konnten — weil sie eigentlich in gefühlsmäßiger Weise, ohne kosmisches Verständnis, den Christus aufgenommen hatten in der frühchristlichen Inkarnation —, als sich zu Christus hingedrängt zu fühlen. Aber die Eindrücke, die sie in den mächtigen Imaginationen bekommen hatten, zu denen sie im vorirdischen Leben hindrängten, die blieben ihnen unbestimmte Sehnsuchten. Und so wurde es ihnen schwer, sich in die anthroposophische Weltanschauung hineinzufinden, insofern diese anthroposophische Weltanschauung zunächst den Kosmos betrachtet und die Christus-Betrachtung noch zurückstellt. Warum wurde es ihnen schwer? Es wurde ihnen schwer aus dem einfachen Grunde, weil sie zu der Frage: Was ist Anthroposophie? — in ganz besonderer Art standen.
[ 16 ] These souls then behaved in a peculiar way. Although they did not fall into even greater uncertainty as a result of this being presented to them—there was already a kind of satisfaction for them in the life between death and a new birth, as well as a kind of deliverance from certain doubts— but there was also a kind of memory within them of what they had now absorbed about the Christ—though not yet truly, in the cosmic sense, imbued with the Mystery of Golgotha. And so, deep within their being, there remained an immense warmth and devotion to the spirit of Christianity, along with a subconscious dawning of those powerful imaginings. And all of this coalesced into a longing to now be able to be Christians in the true sense. When they then descended, became young again, and came to Earth at the end of the 19th century or around the turn of the 19th to the 20th century, they were those souls who could not help but feel drawn to Christ—because they had actually taken in the Christ in the early Christian incarnation in an emotional way, without cosmic understanding. But the impressions they had received in the powerful imaginations toward which they had been drawn in their pre-earthly lives remained as vague longings for them. And so they found it difficult to find their way into the anthroposophical worldview, insofar as this anthroposophical worldview first considers the cosmos and still sets aside the contemplation of Christ. Why did they find it difficult? They found it difficult for the simple reason that they had a very special relationship to the question: “What is anthroposophy?”
[ 17 ] Werfen wir die Frage auf: Was ist Anthroposophie ihrer Realität nach? Ja, meine lieben Freunde, wenn Sie durchschauen alle die wunderbaren, majestätischen Imaginationen, die als ein übersinnlicher Kultus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dastanden, und das in Menschenbegriffe übersetzen, dann haben Sie die Anthroposophie.
[ 17 ] Let us pose the question: What is anthroposophy in its true essence? Yes, my dear friends, if you look beyond all the wonderful, majestic visions that existed as a supersensory cult in the first half of the 19th century and translate them into human terms, then you have anthroposophy.
[ 18 ] Für das nächsthöhere Erlebnisniveau, für die nächste geistige Welt, aus der der Mensch heruntersteigt ins irdische Dasein, war Anthroposophie da in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nicht auf der Erde war sie, aber da war sie. Und wenn heute Anthroposophie geschaut wird, dann schaut man sie nach der Richtung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; ganz selbstverständlich schaut man sie dort. Sogar schon am Ende des 18. Jahrhunderts schaut man sie.
[ 18 ] Anthroposophy existed in the first half of the 19th century for the next higher level of experience, for the next spiritual world from which human beings descend into earthly existence. It was not on Earth, but it was there. And when one looks at anthroposophy today, one looks at it in the context of the first half of the 19th century; quite naturally, one looks at it there. One can even see it as early as the end of the 18th century.
[ 19 ] Und sehen Sie, Menschen können folgendes Erlebnis haben. Es gibt eine Persönlichkeit, die war einmal in einer ganz besonderen Lage. Durch einen Freund wurde die große Rätselfrage des menschlichen Erdendaseins aufgeworfen. Aber dieser Freund war etwas verstrickt in das Kantsche Denken, und so kam die Sache in einer abstrakt-philosophischen Weise heraus. Der andere konnte sich nicht hineinfinden in das «kantige» Kantsche Denken, und alles rührte in seiner Seele diese Frage auf: Wie hängt Vernunft und Sinnlichkeit im Menschen zusammen? — Da öffneten sich gewissermaßen — nicht Tore, aber Schleusen, die für einen Moment hereinleuchten ließen in diese Seele jene Regionen der Welt, in der sich abspielten jene gewaltigen Imaginationen. Und da kam das, was so, nicht durch Tore, nicht durch Fenster, aber durch Schleusen hereinkam, in, ich möchte sagen, Miniaturbilder übersetzt, heraus als das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Denn die Persönlichkeit, die ich meine, ist Goethe.
[ 19 ] And you see, people can have the following experience. There is a person who once found himself in a very special situation. A friend raised the great mystery of human existence on Earth. But this friend was somewhat entangled in Kantian thought, and so the matter came across in an abstract, philosophical way. The other person could not find his way into Kant’s “angular” way of thinking, and everything stirred up this question in his soul: How are reason and sensibility connected in human beings? — Then, in a sense, not gates but sluices opened, allowing a momentary glimpse into this soul of those regions of the world where those powerful imaginings were unfolding. And what came in—not through gates, not through windows, but through sluices—emerged, translated, I might say, into miniature images, as the “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.” For the person I am referring to is Goethe.
[ 20 ] Es sind Miniaturbilder, kleine Spiegelbilder, sogar manchmal ins Liebliche übersetzt, was da herunterkam in dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Es braucht daher gar nicht besonders wunderbar zu erscheinen, daß, als es sich darum handelte, das Anthroposophische in künstlerischen Bildern zu geben, wo ja auch zurückgegangen werden mußte auf die Imaginationen, da meine «Pforte der Einweihung» in der Struktur — wenn auch im ganzen Inhalte anders — ähnlich wurde dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie».
[ 20 ] These are miniature images, small reflections—sometimes even rendered in a charming way—of what was conveyed in the “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.” It should therefore come as no great surprise that, when it came to expressing anthroposophical ideas through artistic images—which necessarily required a return to the realm of the imagination—my Gateway to Initiation came to resemble, in structure—though differing entirely in content—the “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.”
[ 21 ] Sehen Sie, die Dinge liegen eben so, daß man schon durch das, was vorgegangen ist, hineinschauen kann in den Zusammenhang. Jeder, der nur einigermaßen mit okkulten Tatsachen sich beschäftigt hat, weiß ja, daß dasjenige, was auf Erden geschieht, im Grunde genommen die Herunterspiegelung von etwas ist, was lange vorher sich in der geistigen Welt abgespielt hat, etwas variiert, so daß nicht hineingemischt sind bestimmte Geister der Hindernisse, Geister der Hemmnisse, aber es hat sich eben vorher im Geistigen abgespielt.
[ 21 ] You see, the way things stand is that one can already gain insight into the bigger picture simply by looking at what has happened so far. Anyone who has even moderately studied occult phenomena knows that what happens on Earth is, in essence, a reflection of something that took place long before in the spiritual world—albeit in a slightly varied form, so that certain spirits of obstacles and hindrances are not mixed in—but it did indeed take place beforehand in the spiritual realm.
[ 22 ] Und diejenigen Seelen, die sich gerade anschickten, am Ende des 19. Jahrhunderts, am Beginn des 20. Jahrhunderts oder eigentlich um die Wende, herunterzusteigen ins irdische Dasein, die brachten sich dann eine gewisse Sehnsucht, allerdings im Unterbewußtsein, mit, auch etwas von Kosmologie und dergleichen zu wissen, hinzuschauen auf die Welt im anthroposophischen Sinne. Aber ihre Gemütsentflammung für den Christus war vor allem stark, und daher hätten sie Gewissensbisse empfunden, wenn das, wozu sie sich hingezogen fühlten im vorirdischen Dasein, zur Anschauung der Anthroposophie, nicht von dem Christus-Impuls durchzogen gewesen wäre. Das ist die eine Gruppe, im großen ganzen natürlich.
[ 22 ] And those souls who were just preparing, at the end of the 19th century, at the beginning of the 20th century—or, in fact, around the turn of the century—to descend into earthly existence brought with them a certain longing, albeit in their subconscious, to know something of cosmology and the like, to view the world in the anthroposophical sense. But their spiritual fervor for Christ was particularly strong, and therefore they would have felt pangs of conscience if what had drawn them in their pre-earthly existence—the vision of anthroposophy—had not been permeated by the Christ impulse. That is one group, broadly speaking, of course.
[ 23 ] Die andere Gruppe lebte anders. Die andere Gruppe hatte, als sie in ihrer gegenwärtigen Inkarnation auftrat, ich möchte sagen, noch nicht jene Müdigkeit im Heidentum erlangt, welche die Seelen, die ich beschrieben habe, erlangt hatten. Gegenüber den anderen waren sie ja verhältnismäßig kurze Zeit auf Erden, hatten weniger Inkarnationen vollführt. In diesen wenigen Inkarnationen hatten sie sich erfüllt mit jenen mächtigen Impulsen, die man gerade dann haben kann, wenn man mit den vielen heidnischen Göttern in früheren Erdenleben noch in einem sehr lebendigen Zusammenhange gestanden hat, und wenn dieser Zusammenhang noch stark nachwirkt in späteren Inkarnationen. Es sind daher auch solche Seelen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten noch nicht müde waren des alten Heidentums, in denen die alten heidnischen Impulse stark nachwirkten, trotzdem sie mehr oder weniger zum Christentum, das ja nur langsam sich aus dem Heidentum herausarbeitete, hinneigten. Diese Seelen nahmen damals das Christentum vorzugsweise mit dem allerdings vom Gemüte durchzogenen Intellekt auf, aber doch immerhin mit dem Intellekt, und dachten viel über das Christentum. Dabei müssen Sie nicht an gelehrtes Denken denken; es können verhältnismäßig einfache Menschen gewesen sein in einfachen Lebensverhältnissen, aber sie dachten viel.
[ 23 ] The other group lived differently. When they appeared in their present incarnation, I would say they had not yet reached that state of weariness with paganism that the souls I have described had reached. Compared to the others, they had, after all, been on Earth for a relatively short time and had undergone fewer incarnations. In these few incarnations, they had been filled with those powerful impulses that one can experience precisely when one has still been in a very vivid connection with the many pagan gods in earlier earthly lives, and when this connection continues to have a strong effect in later incarnations. These are therefore also the souls who, in the early Christian centuries, were not yet weary of the old paganism—in whom the old pagan impulses continued to exert a strong influence, even though they were more or less inclined toward Christianity, which was, after all, only slowly emerging from paganism. At that time, these souls absorbed Christianity primarily through the intellect—albeit an intellect imbued with emotion—but nonetheless through the intellect, and they thought deeply about Christianity. You need not think of scholarly thought here; they may have been relatively simple people living in modest circumstances, but they thought deeply.
[ 24 ] Wiederum ist es gleichgültig, ob eine spätere Inkarnation noch nachfolgte, denn die hat wohl einiges verändert, aber das Wesentliche ist nun, daß, als diese Seelen durch die Pforte des Todes gingen, sie die Rückschau auf die Erde so hatten, daß ihnen eigentlich das Christentum wie etwas erschien, in das sie erst hineinwachsen mußten. Weil sie eben weniger müde waren des alten Heidentums, weil sie noch aus dem alten Heidentum heraus starke Impulse in ihren Seelen trugen, warteten sie gewissermaßen noch darauf, erst echte Christen zu werden.
[ 24 ] Again, it does not matter whether a later incarnation followed, for that may well have changed a few things, but the essential point is that, as these souls passed through the gate of death, they looked back upon the earth in such a way that Christianity actually appeared to them as something into which they first had to grow. Precisely because they were less weary of the old paganism, and because they still carried strong impulses from that paganism within their souls, they were, in a sense, still waiting to become true Christians.
[ 25 ] Gerade diejenigen Persönlichkeiten, von denen ich auch heute vor acht Tagen gesprochen habe, daß sie gegen das Heidentum auf der Seite des Christentums kämpften, gehörten selber zu solchen Seelen, die eigentlich noch viel Heidentum, viel heidnische Impulse in sich trugen und eigentlich noch warteten, richtig Christen zu werden. Als diese Seelen durch die Pforte des Todes gingen, drüben in der geistigen Welt ankamen, durchmachten das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt und dann in der Zeit, die ich angedeutet habe — erste Hälfte des 19. Jahrhunderts oder etwas früher —, vor jene gewaltigen, gloriosen Imaginationen kamen, da erblickten sie in diesen Imaginationen lauter Impulse für den Antrieb ihres Arbeitens, ihres Wirkens. Sie nahmen diese Impulse vorzugsweise in ihren Willen auf. Und man möchte sagen: Sieht man dann hin mit dem okkulten Blicke auf das, was solche Seelen namentlich in ihrem Willen tragen, dann zeigt sich gerade heute in diesem Willen vielfach der Abdruck jener gewaltigen Imaginationen.
[ 25 ] Precisely those figures whom I spoke of eight days ago—who fought against paganism on the side of Christianity—belonged themselves to those souls who actually still carried within them a great deal of paganism and pagan impulses, and who were in fact still waiting to become true Christians. When these souls passed through the gate of death, arrived in the spiritual world, went through the life between death and a new birth, and then, in the period I have indicated—the first half of the 19th century or somewhat earlier— when they encountered those mighty, glorious imaginations, they saw in them nothing but impulses to drive their work and their activity. They absorbed these impulses primarily into their will. And one might say: If one then looks with the occult gaze at what such souls carry, particularly in their will, then precisely today the imprint of those mighty imaginations is evident in many ways within that will.
[ 26 ] Aber solche Seelen, die in einer solchen Verfassung ins irdische Leben eintreten, die haben zunächst das Bedürfnis, dasjenige, was sie im vorirdischen Dasein als maßgebend in der Karma-Arbeit erlebt haben, auch hier wiederum in der Art zu erleben, wie es sich eben auf Erden erleben läßt. Und so verlief für die erste Art von Seelen, für die erste Gruppe von Seelen das geistige Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so, daß sie sich gedrängt haben dazu aus einer tiefen Sehnsucht heraus, Teilnehmer jenes übersinnlichen Kultus zu werden. Aber dabei kamen sie, ich möchte sagen, in eine gewisse Art von nebuloser Stimmung, so daß beim Herunterstieg auf die Erde nur dunkle Erinnerungen blieben, an die dann allerdings verständnisvoll anknüpfen konnte die ins Irdische verwandelte Anthroposophie. Dagegen war es bei der zweiten Gruppe wie ein Wiederzusammenfinden in der Nachwirkung eines Entschlusses, der gefaßt worden war gerade von diesen Seelen, die noch immer nicht ganz müde des Heidentums waren, die aber in der Erwartung standen, Christen werden zu können in einer sachgemäfßen Entwickelung. Es war, wie wenn sie sich erinnern sollten an einen Entschluß, den sie damals in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefaßt hatten: all dasjenige, was da in mächtigen Bildern stand, herunterzutragen auf die Erde, es in Erdenform zu verwandeln. Gerade wenn wir hinschauen auf manchen Anthroposophen, der vor allen Dingen den Impuls in sich trug, in tätiger Art mit der Anthroposophie mitzuarbeiten, gerade unter solchen Anthroposophen finden wir Seelen der zuletzt charakterisierten Art. Beide Typen sind sehr deutlich voneinander zu unterscheiden.
[ 26 ] But such souls, who enter earthly life in this state, initially feel the need to experience here once again—in the way that it can be experienced on Earth—what they had experienced in their pre-earthly existence as decisive in their karmic work. And so, for the first type of souls—the first group of souls—spiritual life in the first half of the 19th century unfolded in such a way that, driven by a deep longing, they felt compelled to become participants in that supersensible cult. But in doing so, they entered, I might say, a certain kind of nebulous state of mind, so that when they descended to Earth, only dark memories remained—memories to which, however, Anthroposophy, now transformed into an earthly form, was able to relate with understanding. In contrast, for the second group it was like a reunion in the aftermath of a resolution that had been made precisely by these souls, who were still not entirely weary of paganism but who were awaiting the opportunity to become Christians through an appropriate process of development. It was as if they were to recall a decision they had made back then in the first half of the 19th century: to bring down to Earth all that which stood there in powerful images, and to transform it into an earthly form. Precisely when we look at certain anthroposophists who, above all, carried within themselves the impulse to actively collaborate with anthroposophy, it is among such anthroposophists that we find souls of the type just described. The two types can be very clearly distinguished from one another.
[ 27 ] Nun, meine lieben Freunde, werden Sie sagen: Ja, das alles, was du uns da sagst, das klärt uns auf über manches im Karma der Anthroposophischen Gesellschaft; aber es könnte einem ja angst und bange werden vor dem, was noch nachkommt, wenn man sieht, wie man da über manche Dinge aufgeklärt wird, über die man vielleicht nicht gerne aus einer gewissen Unwissenheit herausgerissen wird. Denn sollen wir jetzt beginnen nachzudenken, ob wir zu dem einen oder zu dem anderen Typus gehören?
[ 27 ] Well, my dear friends, you will say: Yes, everything you’re telling us here sheds light on many aspects of the karma of the Anthroposophical Society; but one might well feel anxious and fearful about what is yet to come when one sees how one is being enlightened about certain things—things from which one might not wish to be torn away from a certain state of ignorance. For should we now begin to wonder whether we belong to one type or the other?
[ 28 ] Darauf muß schon eine ganz bestimmte Antwort gegeben werden. Die Antwort, die darauf gegeben werden muß, ist diese: Wäre die Anthroposophische Gesellschaft nur etwas, was eine theoretische Lehre in sich trüge, vielleicht auch das Bekenntnis zu diesen oder jenen Ideen der Kosmologie, der Christologie und so weiter, wäre sie ihrem Wesen nach dieses, so wäre sie wirklich nicht das, was sie im Sinne derjenigen sein soll, die an ihrem Ursprunge stehen. Anthroposophie soll tatsächlich etwas sein, was bei den wahren Anthroposophen das Leben umgestalten kann, was in das Geistige hinübertragen kann dasjenige, was man nur in seinen ungeistigen Auslebungen heute erleben kann.
[ 28 ] This question demands a very specific answer. The answer that must be given is this: If the Anthroposophical Society were merely something that embodied a theoretical doctrine—perhaps even a commitment to this or that idea in cosmology, Christology, and so on—if that were its very essence, then it would truly not be what it is meant to be in the eyes of those who founded it. Anthroposophy is indeed meant to be something that can transform the lives of true anthroposophists, something that can carry over into the spiritual realm that which today can only be experienced in its non-spiritual manifestations.
[ 29 ] Nun frage ich Sie: Wirkt das auf das Kind ganz besonders schlimm ein, wenn es über gewisse Dinge in einem bestimmten Lebensalter aufgeklärt wird? Bis zu einem gewissen Lebensjahre wissen ja die Kinder nicht, ob sie Franzosen oder Deutsche oder Norweger oder Belgier oder Italiener sind, wenigstens hat die ganze Betrachtungsweise, ob sie das oder jenes sind, keine große Bedeutung für sie. Sie wissen sozusagen nichts davon. Sie werden noch nicht viel chauvinistische Säuglinge erlebt haben, Sie werden auch noch nicht Chauvinisten mit drei Jahren und dergleichen erlebt haben. Man wird erst in einer bestimmten Lebensepoche gewahr: du bist Deutscher, du bist Franzose, du bist Engländer, du bist Holländer und so weiter. Lebt man sich nicht in naturgemäßer Art in diese Dinge ein, indem man sie hinnimmt? Sagt man etwa, daß das etwas ist, was man nicht ertragen könnte: in einem bestimmten kindlichen Alter zu erfahren, man sei Pole oder man sei Franzose oder Deutscher oder Russe oder Holländer? Da ist man es eben gewöhnt, da betrachtet man es als etwas Selbstverständliches. Aber das, meine lieben Freunde, ist auf äußerem, sinnlichem Gebiete. Anthroposophie soll aber das ganze Menschenleben auf ein höheres Niveau heraufheben. Man soll anderes ertragen lernen als das, was einen bloß, wenn man es mißversteht, im sinnlichen Leben schockiert. Und unter dem, was man erkennen lernen soll, ist eben dieses, daß man nun auch selbstverständlich hineinwachsen soll in die Selbsterkenntnis: man gehört zu dem einen oder zu dem anderen Typus.
[ 29 ] Now I ask you: Does it have a particularly negative effect on a child if they are taught about certain things at a specific age? Up to a certain age, children don’t know whether they are French, German, Norwegian, Belgian, or Italian; at least, the whole question of whether they are one thing or another is of little importance to them. They know nothing about it, so to speak. You probably haven’t encountered many chauvinistic infants yet, nor have you encountered three-year-old chauvinists or the like. It’s only at a certain stage in life that one becomes aware: you’re German, you’re French, you’re English, you’re Dutch, and so on. Doesn’t one naturally come to terms with these things by simply accepting them? Does one say, for example, that it is something one could not bear: to learn at a certain age in childhood that one is Polish, or French, or German, or Russian, or Dutch? One is simply used to it; one regards it as a matter of course. But that, my dear friends, pertains to the external, sensory realm. Anthroposophy, however, is meant to elevate the whole of human life to a higher level. One should learn to endure things other than those that merely shock one in sensory life when misunderstood. And among the things one is to learn to recognize is precisely this: that one should naturally grow into the self-knowledge that one belongs to one type or another.
[ 30 ] Dadurch wird, möchte ich sagen, die Unterlage geschaffen für den Menschen, die anderen karmischen Einschläge in richtiger Weise in das Leben hineinzustellen. Und deshalb mußte schon gewissermaßen als erste Direktion das gegeben werden, wie man sich nach der besonderen Art seiner Prädestination zur Anthroposophie, zu dieser ganzen Christologie und zu dem mehr Passiv- oder Aktivsein in der anthroposophischen Bewegung stellt.
[ 30 ] This, I would say, lays the foundation for a person to properly integrate other karmic influences into their life. And that is why, in a sense, the first guiding principle had to be how one relates—according to the specific nature of one’s predestination—to anthroposophy, to this entire Christology, and to whether one takes a more passive or active role in the anthroposophical movement.
[ 31 ] Natürlich gibt es zwischen beiden Typen auch durchaus Übergänge. Aber diese Übergänge rühren davon her, daß dasjenige, was aus der vorhergehenden Inkarnation herüberkommt, herüberwirkt in die gegenwärtige, durchleuchtet wird von der noch früheren Inkarnation. Namentlich bei den Seelen der zweiten Gruppe ist das vielfach der Fall. Es leuchtet bei ihnen vieles noch aus den echt heidnischen Inkarnationen herüber. Daher haben sie eine ganz vorbestimmte Neigung, den Christus sofort so zu nehmen, wie er eigentlich genommen werden muß: als eine kosmische Wesenheit.
[ 31 ] Of course, there are certainly transitional cases between the two types. But these transitions stem from the fact that what carries over from the previous incarnation influences the present one and is illuminated by the even earlier incarnation. This is particularly often the case with the souls of the second group. Much still shines through in them from their truly pagan incarnations. Therefore, they have a very specific predisposition to immediately accept Christ as he must actually be accepted: as a cosmic being.
[ 32 ] Das, was ich da sage, zeigt sich eigentlich gar nicht so stark der ideellen Betrachtung als vielmehr der praktischen Lebensbetrachtung. Man kann viel besser als ihren Gedanken nach die beiden Typen kennenlernen — die abstrakten Gedanken haben ja keine große Bedeutung für den Menschen —, man kann den Menschen viel besser kennenlernen an der Art und Weise, wie er Einzelheiten im Leben handhabt. Und da wird man zum Beispiel finden, daß Übergangstypen von dem einen zu dem anderen vielfach unter denjenigen sind — das Persönliche ist ja dabei selbstverständlich immer ausgeschlossen —, die eigentlich gar nicht anders können, als die Gewohnheiten des außeranthroposophischen Lebens in die anthroposophische Bewegung hereintragen, die eigentlich gar nicht einmal geneigt sind, die anthroposophische Bewegung besonders wichtig zu nehmen, die sich namentlich dadurch charakterisieren, daß sie in der anthroposophischen Bewegung viel über Anthroposophen schimpfen. Gerade unter denen, die viel schimpfen über die Verhältnisse in der anthroposophischen Bewegung selber, namentlich über Persönlichkeiten, schimpfen im kleinlichen, sind Übergangstypen, die von dem einen in das andere hinüberschillern. Da sind dann die beiden Impulse nicht von einer sehr starken Intensität.
[ 32 ] What I’m saying here isn’t really so much a matter of abstract speculation as it is a practical view of life. One can get to know these two types much better by observing their actions—since abstract thoughts are of little significance to human beings—than by their ideas; one can get to know a person much better by the way they handle the details of life. And there one will find, for example, that transitional types from one to the other are often found among those — personal matters are, of course, always excluded here — who actually have no choice but to carry the habits of non-anthroposophical life into the anthroposophical movement, who are not even particularly inclined to take the anthroposophical movement seriously, and who are characterized, in particular, by the fact that they spend a great deal of time within the anthroposophical movement complaining about anthroposophists. Precisely among those who complain a great deal about the conditions within the anthroposophical movement itself—particularly about individuals, and do so in a petty manner—there are transitional types who shift back and forth between the two. In such cases, neither of the two impulses is of particularly strong intensity.
[ 33 ] Und wir müssen daher unter allen Umständen, selbst wenn es bisweilen eine Art Gewissenserforschung darstellt, eine Charakter-Gewissenserforschung, wir müssen schon dem Leben eine Möglichkeit abgewinnen, die anthroposophische Bewegung dahin zu vertiefen, daß wir an solche Dinge herantreten, uns ein wenig Gedanken darüber machen: Wie gehören wir unserer übersinnlichen Natur nach zu dieser anthroposophischen Bewegung? Dadurch wird eine allmählich immer stärker werdende vergeistigte Auffassung der anthroposophischen Bewegung zutage treten. Was man als Theorien verficht, und was nicht besonders tief zu gehen braucht, wenn man es nur als Theorien verficht, das wendet man dann auf das Leben an. Es ist eine starke Anwendung auf das Leben, wenn man sich selber, entsprechend diesen Dingen, in das Leben hineinstellt. Daß einer viel redet vom Karma: das wird so belohnt, das wird so bestraft von einem Leben ins andere herüber —, das braucht einem nicht besonders weh zu tun. Aber wenn es sozusagen ins eigene Fleisch geht, wenn es sich darum handelt, die gegenwärtige Inkarnation hereinzustellen mit einer ganz bestimmten übersinnlichen Qualität, die ihr zugrunde liegt, dann geht es schon näher an die eigene Wesenheit heran. Und Vertiefung des menschlichen Wesens soll es ja sein, was wir durch die Anthroposophie in das Erdenleben, in die Erdenzivilisation hereinbringen.
[ 33 ] And so, under all circumstances—even if it sometimes involves a kind of examination of conscience, an examination of our character—we must find a way in life to deepen the anthroposophical movement by approaching such matters and giving them some thought: How do we, in our supersensible nature, belong to this anthroposophical movement? Through this, a spiritualized understanding of the anthroposophical movement—one that gradually grows ever stronger—will come to light. What one advocates as theories—and which need not go particularly deep if one advocates them merely as theories—one then applies to life. It is a profound application to life when one positions oneself within life in accordance with these things. The fact that someone talks a lot about karma—that this is rewarded in such a way, that is punished in such a way, carried over from one life to the next—need not cause one any particular pain. But when it hits close to home, so to speak—when it comes to imbuing the present incarnation with a very specific supersensible quality that underlies it—then it does come closer to one’s own being. And it is precisely this deepening of the human being that we aim to bring into earthly life and into earthly civilization through anthroposophy.
[ 34 ] Nun, meine lieben Freunde, das war eine Intermezzobetrachtung, die dann am nächsten Freitag weiterführen wird.
[ 34 ] Well, my dear friends, that was a brief interlude, which will continue next Friday.

