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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume III
GA 237

13 July 1924, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Ich habe unter den geistigen Entwickelungsbedingungen, welche zur anthroposophischen Bewegung geführt haben und gewissermaßen in dem Karma der anthroposophischen Bewegung enthalten sind von geistiger Seite her, die beiden äußeren Symptome angeführt: dasjenige, das sich ausdrückt in der Entstehung der Katechetik, in der Entstehung des Katechismus mit seinen Fragen und Antworten, was zu einem nicht an die geistige Welt unmittelbar anknüpfenden Glauben führte, und das Exoterischmachen der Messe, die in ihrer Gänze, auch mit Bezug auf die Transsubstantiation und Kommunion, allen Menschen, auch den unvorbereiteten, zugänglich wurde, also den Charakter des alten Mysteriums verlor. In diesen beiden irdischen Ereignissen vollzog sich dasjenige, was dann in der Beobachtung von der geistigen Welt aus, dazu führte, innerhalb der geistigen Entwickelung in einer ganz bestimmten Weise das vorzubereiten, was geistige Offenbarung werden sollte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert: die geistige Offenbarung, wie sie dem Zeitenlauf angemessen ist, wie sie kommen mußte nach dem Michael-Ereignis, und wie sie kommen mußte in der Zeit, als die alte, finstere Epoche des Kali Yuga ablief, und eben ein neues, lichtes Zeitalter für die Menschheit heraufziehen sollte.

[ 1 ] Among the spiritual conditions that led to the anthroposophical movement—and which, from a spiritual perspective, are, so to speak, contained within the karma of the anthroposophical movement—I have cited the two outward symptoms: the one expressed in the emergence of catechetics, in the emergence of the catechism with its questions and answers—which led to a faith not directly connected to the spiritual world—and the exotericization of the Mass, which, in its entirety—including with regard to transubstantiation and Communion—became accessible to all people, even the unprepared, and thus lost the character of the ancient mystery. In these two earthly events, what took place—as observed from the spiritual world—served to prepare, within the course of spiritual development, in a very specific way, what was to become spiritual revelation at the turn of the 19th to the 20th century: the spiritual revelation, as it is appropriate to the course of time, as it had to come after the Michael Event, and as it had to come at the time when the old, dark epoch of Kali Yuga was drawing to a close and a new, luminous age was about to dawn for humanity.

[ 2 ] Ein Drittes haben wir heute hinzuzufügen. Und erst wenn wir diese drei geistigen Vorbedingungen für jede spirituelle Entwickelung in der Gegenwart und in der Zukunft werden vor unsere Seele geführt haben, diese drei geistigen Bedingungen, die geeignet waren, eine Anzahl von Menschen zusammenzuführen, schon bevor sie heruntergestiegen sind in die physische Welt im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts oder um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert, erst wenn wir diese Vorbedingungen kennengelernt haben, wird es möglich sein, einzelne außerkarmische Ereignisse zu begreifen, welche eingeflossen sind in diejenigen Lebensläufe, die zusammengebunden sind in der anthroposophischen Bewegung.

[ 2 ] Today we have a third point to add. And only when we have brought before our souls these three spiritual prerequisites for all spiritual development in the present and the future—these three spiritual conditions that were capable of bringing together a number of people even before they descended into the physical world in the last third of the 19th century or around the turn of the 19th to the 20th century— only when we have come to know these prerequisites will it be possible to comprehend individual extra-karmic events that have flowed into the life courses bound together in the anthroposophical movement.

[ 3 ] Die besondere Art, sich zu der Natur zu stellen, und die Art, sich zum Geistigen zu stellen, wie sie heute in einem hohen Grade schon ausgebildet ist, rührt eben eigentlich erst von der Zeit her, die begonnen hat im 14., 15. Jahrhundert. Vorher war insbesondere die Beziehung der Menschheit zum Geistigen eine wesentlich andere. Nicht in Begriffen und Ideen näherte man sich dem Geiste, sondern in Erlebnissen, die noch durchdrangen, wenn auch schwach und leise, aber doch noch durchdrangen zum Geistigen.

[ 3 ] The particular way of relating to nature, and the way of relating to the spiritual—as it has already developed to a high degree today—actually dates back to the period that began in the 14th and 15th centuries. Before that, humanity’s relationship to the spiritual, in particular, was fundamentally different. People did not approach the spiritual through concepts and ideas, but through experiences that still penetrated—albeit weakly and softly—but still penetrated into the spiritual.

[ 4 ] Wenn wir heute von der Natur sprechen, haben wir ein wesenloses, totes Abstraktum. Wenn wir vom Geiste sprechen, haben wir ein Unbestimmtes, das wir irgendwie in der Welt voraussetzen, das wir einfassen in abstrakte Ideen und Begriffe. So war es nicht in der Zeit, in der die Seelen, die heute sich mit der Sehnsucht nach einer Spiritualität zusammenfinden, ihre maßgebende vorige Inkarnation hatten und in dieser maßgebenden vorigen Inkarnation hinhorchten auf das, was ihnen die erkennenden Führer der Menschheit für die Bedürfnisse ihrer Seele zu sagen hatten.

[ 4 ] When we speak of nature today, we are referring to an insubstantial, lifeless abstraction. When we speak of the spirit, we are referring to something indefinite that we somehow presuppose to exist in the world, something we encapsulate in abstract ideas and concepts. This was not the case in the time when the souls who today come together in their longing for spirituality had their defining previous incarnation, and in that defining previous incarnation listened to what the enlightened leaders of humanity had to say regarding the needs of their souls.

[ 5 ] Da kommt zunächst dasjenige Zeitalter in Betracht, das so heraufgeht bis ins 7., 8. christliche Jahrhundert, wo wir eben noch einen leisen Zusammenhang der Menschenseele mit der geistigen Welt, ein Erleben der geistigen Welt selber haben, wo auch die erkennenden Menschen in lebendiger Beziehung zur geistigen Welt standen. Und dann haben wir das Zeitalter, das mit dem 7., 8. Jahrhundert beginnt und dauert bis zur großen Wende im 14. und 15. Jahrhundert, wo diejenigen Menschenseelen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten auf der Erde noch jenes Zeitalter, das ich geschildert habe, mitgemacht haben, in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt waren.

[ 5 ] First, we must consider the era extending up to the 7th and 8th Christian centuries, when there was still a faint connection between the human soul and the spiritual world—an actual experience of the spiritual world itself—and when even those with spiritual insight maintained a living relationship with the spiritual world. And then we have the era that begins with the 7th and 8th centuries and lasts until the great turning point in the 14th and 15th centuries, when those human souls who, in the first Christian centuries, had still experienced on Earth the era I have described, were in the life between death and a new birth.

[ 6 ] Aber wenn auch vom 6., 7., 8. Jahrhundert ab kein unmittelbarer Zusammenhang mit der geistigen Welt vorhanden war, so, möchte ich sagen, flüchtete doch ein gewisses Bewußtsein dieses Zusammenhanges noch in einzelne Lehrstätten hinein. Man redete in einzelnen Lehrstätten noch so, wie man in den ersten christlichen Jahrhunderten auf dem Erkenntnisgebiete gesprochen hat. Und dann war es wohl möglich, daß einzelne auserlesene Menschen an der Art und. Weise, wie man redete über die geistige Welt, innere Impulse bekamen, um doch wenigstens zu gewissen Zeiten durchzubrechen in die geistige Welt. Und es gab immerhin einzelne Stätten, in denen man so lehrte, daß man sich von dieser Art heute keine Vorstellung mehr machen kann.

[ 6 ] But even though there was no direct connection to the spiritual world from the 6th, 7th, and 8th centuries onward, I would say that a certain awareness of this connection still found its way into individual centers of learning. In certain places of learning, people still spoke in the same way as they had in the early Christian centuries when it came to matters of knowledge. And so it was quite possible that certain exceptional individuals, through the very way in which the spiritual world was discussed, received inner impulses that enabled them to break through into the spiritual world, at least at certain times. And there were, after all, individual places where teaching was conducted in a way that is impossible to imagine today.

[ 7 ] Im 12., 13. Jahrhundert nahm das eigentlich erst sein Ende, und da ist es, ich möchte sagen, eingeströmt zuletzt in eine bedeutende Dichtung, in der es für das Erleben der Menschen ein Ende gefunden hat, in Dantes Commedia, in die «Divina Commedia». Es liegt in demjenigen, was vor der Entstehung der Commedia liegt, ein wunderbares Kapitel menschlicher Entwickelung aus dem Grunde, weil da fortwährend die Wirksamkeiten von hier, von der Erde aus, und die Wirksamkeiten von dem Überirdischen aus zusammenspielen. Beides fließt fortwährend zusammen: weil die Menschen auf der Erde den Zusammenhang mit der geistigen Welt etwas verloren hatten, weil denjenigen Menschen, die oben lebten und diesen Zusammenhang hier auf der Erde noch erlebt hatten, der Anblick des Irdischen eine besonders wehmutsvolle Stimmung hervorrief. Sie sahen hinsinken, was sie selbst noch auf der Erde erlebt hatten, und sie begeisterten, spiritualisierten von der übersinnlichen Welt aus Individualitäten in der sinnlichen Welt, um doch da und dort noch eine Pflegestätte zu bilden von demjenigen, was Zusammenhang des Menschen mit der Geistigkeit ist.

[ 7 ] It was not until the 12th and 13th centuries that this process truly came to an end, and there, I would say, it finally found its way into a significant work of poetry in which it found its culmination in human experience: Dante’s Commedia, the Divina Commedia. What lies prior to the creation of the Commedia constitutes a marvelous chapter in human development, precisely because the forces at work here on Earth and those from the spiritual realm are constantly interacting. The two constantly flow together: because people on Earth had somewhat lost their connection to the spiritual world, and because for those who lived above and had still experienced this connection here on Earth, the sight of the earthly realm evoked a particularly wistful mood. They saw what they themselves had once experienced on Earth sinking into oblivion, and from the supersensible world they inspired and spiritualized individualities in the sensory world in order to establish, here and there, a place of nurturing for that which constitutes humanity’s connection with the spiritual realm.

[ 8 ] Machen wir uns doch klar — ich habe es vor Jahren hier angedeutet —, wie bis ins 7., 8. Jahrhundert, als Nachwirkung der vorchristlichen Einweihung, das Christentum aufgenommen wurde in Stätten, die immerhin als hohe Erkentnisstätten, als die Nachzügler der Mysterien vorhanden waren. Da war es so, daß Menschen, zunächst nicht unterrichtlich, aber durch eine auf das Geistige hin gerichtete Erziehung im Körperlichen und im Geistigen, vorbereitet wurden auf den Moment, wo sie das leise Hinschauen auf die Geistigkeit haben konnten, die in der Menschenumgebung auf Erden sich offenbaren kann. Dann richtete sich ihr Blick hinaus auf die Reiche des Mineralischen, des Pflanzlichen, und alles das, was im tierischen, im menschlichen Reiche lebt. Und dann sahen sie aurisch aufsprießen und wiederum befruchtet werden aus dem Kosmos die geistig-elementaren Wesenheiten, die in allem Natürlichen lebten.

[ 8 ] Let us be clear—as I hinted at here years ago—that as late as the 7th and 8th centuries, as an aftereffect of pre-Christian initiation, Christianity was received in places that still existed as centers of higher knowledge, as the last vestiges of the mysteries. It was the case that people—not initially through formal instruction, but through an education directed toward the spiritual in both the physical and spiritual realms—were prepared for the moment when they could cast a gentle gaze upon the spirituality that can reveal itself in the human environment on Earth. Then their gaze turned outward to the mineral and plant kingdoms, and to all that lives in the animal and human kingdoms. And then they saw, aurically, the spiritual-elemental beings that lived in all of nature sprouting forth and being fertilized anew from the cosmos.

[ 9 ] Und dann vor allen Dingen erschien ihnen — wie ein Wesen, das sie ansprachen wie einen anderen Menschen, nur eben wie ein Wesen höherer Art — die «Göttin Natura». Es war das diejenige Göttin, die sie, ich kann nicht sagen leibhaftig, aber seelenhaftig in vollem Glanze vor sich sahen. Man sprach nicht von abstrakten Naturgesetzen, man sprach von der in der Natur überall schöpferischen Kraft der Göttin Natura.

[ 9 ] And then, above all else, the “Goddess Natura” appeared to them—like a being whom they addressed as they would another human being, only as a being of a higher order. It was that very goddess whom they saw before them—I cannot say in the flesh, but in spirit, in all her splendor. People did not speak of abstract laws of nature; they spoke of the creative power of the goddess Natura, present everywhere in nature.

[ 10 ] Sie war die Metamorphose der alten Proserpina. Sie war jene schaffende Göttin, mit der sich in einer gewissen Weise derjenige verband, der nach Erkenntnis suchen sollte, die ihm erschien aus jedem Mineral, aus jeder Pflanze, aus jedem Getier, erschien aus den Wolken, erschien aus den Bergen, erschien aus den Quellen. Von dieser Göttin, die abwechselnd in Winter und Sommer oberirdisch und unterirdisch schafft, von dieser Göttin empfanden sie: sie ist die Helferin derjenigen Gottheit, von der die Evangelien sprechen, sie ist die ausführende göttliche Macht.

[ 10 ] She was the metamorphosis of the ancient Proserpina. She was that creative goddess with whom, in a certain way, the one who was to seek knowledge connected—knowledge that appeared to him from every mineral, from every plant, from every creature, appeared from the clouds, appeared from the mountains, appeared from the springs. From this goddess, who creates alternately above and below ground in winter and summer, from this goddess they sensed: she is the helper of that deity of whom the Gospels speak; she is the active divine power.

[ 11 ] Und wenn dann ein solcher Mensch, der nach Erkenntnis strebte, in genügender Weise über das Mineralische, Pflanzliche, Tierische unterrichtet war von dieser Göttin, wenn er eingeführt war in die lebendigen Kräfte, dann lernte er durch sie kennen die Natur der vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Und er lernte kennen, wie wogen und weben innerhalb des Mineralischen, Tierischen und Pflanzlichen diese konkret über die Welt sich ergießenden vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Und er fühlte sich selbst hineinverwoben mit seinem ätherischen Leib in das Weben der Erde mit ihrer Schwere, des Wassers mit seiner belebenden Kraft, der Luft mit ihrer empfindungsweckenden Kraft, des Feuers mit seiner Ich-entzündenden Kraft. Da fühlte sich der Mensch hineinverwoben. Das empfand er als das Geschenk des Unterrichtes der Göttin Natura, der Nachfolgerin, der Metamorphose der Proserpina. Und daß die Schüler eine Ahnung bekamen von diesem lebendigen Verkehr mit der gotterfüllten, gottsubstantiterten Natur, hindurchdrangen bis zum Weben und Leben der Elemente, darauf sahen die Lehrer.

[ 11 ] And when such a person, who strove for knowledge, had been sufficiently instructed by this goddess about the mineral, plant, and animal realms, and had been initiated into the living forces, then through her he came to know the nature of the four elements: earth, water, air, and fire. And he came to understand how these four elements—earth, water, air, and fire—which pour out concretely over the world, surge and weave within the mineral, animal, and plant realms. And he felt himself, with his etheric body, woven into the weaving of the earth with its heaviness, of water with its life-giving power, of air with its sensation-awakening power, and of fire with its self-igniting power. There, the human being felt himself woven into this fabric. He perceived this as a gift from the teachings of the goddess Natura, the successor and metamorphosis of Proserpina. And the teachers sought to ensure that the students gained a sense of this living communion with nature—filled with and substantiated by the divine—and penetrated to the very fabric and life of the elements.

[ 12 ] Dann, nachdem die Schüler so weit waren, wurden sie eingeführt in das Planetensystem. Und sie lernten, wie in der Kenntnis des Planetensystems sich zugleich die Kenntnis der menschlichen Seele ergibt: Lerne erkennen, wie die Wandelsterne am Himmel wallen, so lernst du erkennen, wie deine eigene Seele in deinem Inneren wirkt und webt und lebt. Das wurde vor die Schüler hingestellt.

[ 12 ] Then, once the students were ready, they were introduced to the planetary system. And they learned how knowledge of the planetary system simultaneously yields knowledge of the human soul: Learn to recognize how the variable stars surge across the sky, and you will learn to recognize how your own soul works, weaves, and lives within you. This was presented to the students.

[ 13 ] Und dann wurden sie herangeführt an dasjenige, was man den «Großen Ozean» nannte. Aber dieser Ozean war das kosmische Meer, das von den Planeten, von den Wandelsternen zu den Ruhesternen, zu den Fixsternen hinausführte.

[ 13 ] And then they were led to what was called the “Great Ocean.” But this ocean was the cosmic sea that stretched from the planets, from the variable stars to the quiet stars, to the fixed stars.

[ 14 ] Dann drangen sie ein in die Geheimnisse des Ich dadurch, daß sie die Geheimnisse der Fixsternwelt kennenlernen konnten.

[ 14 ] Then they penetrated the mysteries of the “I” by coming to know the mysteries of the world of the fixed stars.

[ 15 ] Es ist heute vergessen, daß es solche Unterweisungen gegeben hat. Aber solche Unterweisungen waren da. Und solches lebendige Erkennen war ja bis zum 7., 8. Jahrhundert in den Nachzüglern der Mysterien gepflegt. Und als Lehre, als Theorie wurde es nun weitergepflegt bis in die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert, von der ich so oft gesprochen habe. Und wir können verfolgen in einzelnen Stätten, wo solche Lehren gepflegt wurden, wie diese alten Lehren fortlebten, wenn auch unter den größtmöglichen Schwierigkeiten, wenn auch fast abgetötet bis zu Begriffen und Ideen, aber doch zu so lebendigen Begriffen und Ideen, daß sie eine Aufschau zu alldem, wovon ich gesprochen habe, noch entzünden konnten in einzelnen Menschen.

[ 15 ] Today, people have forgotten that such teachings ever existed. But such teachings did exist. And this kind of living knowledge was, after all, cultivated among the followers of the Mysteries right up until the 7th and 8th centuries. And as a doctrine, as a theory, it continued to be cultivated until the turn of the 14th to the 15th century, which I have spoken of so often. And we can trace, in specific places where such teachings were preserved, how these ancient teachings lived on—albeit amid the greatest possible difficulties, albeit reduced almost to mere concepts and ideas—yet concepts and ideas so alive that they could still kindle in individual people a glimpse of all that I have spoken of.

[ 16 ] Da gab es im 11., namentlich aber im 12. Jahrhundert, herüberreichend ins 13. Jahrhundert, eine eigentlich wunderbare Schule, in der Lehrer waren, welche durchaus wußten, wie in den vorangehenden Jahrhunderten die Schüler hingeführt wurden zum Erleben des Geistigen. Es war die große Schule von Chartres, in der zusammengeflossen waren alle diejenigen Anschauungen, die hervorgegangen waren aus jener geistigen Lebendigkeit, die ich geschildert habe.

[ 16 ] In the 11th century, but especially in the 12th century—extending into the 13th—there was a truly wonderful school where the teachers knew exactly how, in the preceding centuries, students had been guided to experience the spiritual. It was the great school of Chartres, where all the insights that had emerged from that spiritual vitality I have described had converged.

[ 17 ] In Chartres, wo heute noch jene wunderbaren architektonischen Meisterwerke sich finden, da war vor allen Dingen hingekommen ein Strahl der noch lebendigen Weisheit des Peter von Compostella, der in Spanien gewirkt hat, der ein lebendig mysterienhaftes Christentum in Spanien pflegte, das noch sprach von der Helferin Christi, der Natur, das noch sprach davon, daß erst dann, wenn diese Natur den Menschen eingeführt hat in die Elemente, in die Planetenwelt, in die Sternenwelt, daß erst dann der Mensch reif wird, die sieben Helferinnen, ich kann wiederum nicht sagen leibhaftig, aber seelenhaftig kennenzulernen, Helferinnen, die nicht in abstrakten Theoriekapiteln vor die menschliche Seele hintraten, sondern als lebendige Göttinnen: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik. Als göttlich-geistige Gestalten, lebendig lernten die Schüler sie kennen.

[ 17 ] In Chartres, where those marvelous architectural masterpieces can still be found today, a ray of the still-living wisdom of Peter of Compostela—who worked in Spain and cultivated a living, mystical Christianity there that still spoke of the Helper of Christ, Nature, and which still spoke of the fact that only when this Nature has introduced humanity to the elements, to the world of the planets, to the world of the stars—only then does humanity become ripe to come to know the seven Helpers—I cannot say in bodily form, but in soulful form—Helpers who did not appear before the human soul in abstract theoretical chapters, but as living goddesses: Grammar, Dialectic, Rhetoric, Arithmetic, Geometry, Astronomy, Music. The students came to know them as living, divine-spiritual beings.

[ 18 ] Nun, von solchen lebendigen Gestalten sprachen diejenigen, die um Peter von Compostella waren. Die Lehren des Peter von Compeostella, sie strahlten hinein in die Schule von Chartres. In dieser Schule von Chartres lehrte zum Beispiel der große Bernardus von Chartres, der seine Schüler begeisterte, indem er ihnen zwar nicht mehr die Göttin Natura, nicht mehr die Göttinnen der sieben freien Künste zeigen konnte, der aber in einer solchen Lebendigkeit von ihnen sprach, daß wenigstens die Phantasiebilder vor die Schüler hingezaubert wurden, daß in jeder Lehrstunde Wissenschaft zur leuchtenden Kunst wurde.

[ 18 ] Well, those around Peter of Compostella spoke of such vibrant figures. The teachings of Peter of Compostella radiated into the School of Chartres. At this School of Chartres, for example, the great Bernard of Chartres taught; though he could no longer show his students the goddess Natura or the goddesses of the seven liberal arts, he spoke of them with such vitality that at least the images of the imagination were conjured before the students, so that in every lesson, science became a radiant art.

[ 19 ] Da lehrte Bernardus Silvestris, der wie in mächtigen Schilderungen vor den Schülern erstehen ließ dasjenige, was eben alte Weisheit war. Da lehrte vor allen Dingen Johannes von Chartres, der in einer geradezu grandios-inspirierten Weise von der menschlichen Seele sprach; dieser Johannes von Chartres, den man auch Johannes Salisbury nannte, entwickelte da Anschauungen, in denen er sich auseinandersetzte mit Aristoteles, mit dem Aristotelismus. Da wurde auf die besonders bevorzugten Schüler so gewirkt, daß sie eine Einsicht davon bekamen, daß auf der Erde nicht mehr sein kann eine solche Lehre, wie sie war in den ersten christlichen Jahrhunderten, daß die Erdenentwickelung das nicht mehr ertragen kann. Da wurde den Schülern klargemacht: Es gibt eine alte, fast hellseherische Erkenntnis, aber die dämmert ab. Wissen nur kann man noch von Dialektik, Rhetorik, Astronomie, Astrologie, schauen kann man nicht mehr die Göttinnen der sieben freien Künste, denn weiterwirken muß der schon im Altertum den Begriffen und Ideen des fünften nachatlantischen Zeitalters gewachsene Aristoteles.

[ 19 ] There, Bernardus Silvestris taught, bringing to life before his students—in powerful descriptions—that which was, in fact, ancient wisdom. Above all, John of Chartres taught, speaking of the human soul in a truly magnificent and inspired manner; this John of Chartres, also known as John of Salisbury, developed views in which he engaged with Aristotle and Aristotelianism. The particularly gifted students were influenced in such a way that they came to realize that such a teaching as existed in the early Christian centuries could no longer exist on Earth, that Earth’s evolution could no longer sustain it. It was made clear to the students: There is an ancient, almost clairvoyant insight, but it is fading. One can still know about dialectics, rhetoric, astronomy, and astrology, but one can no longer behold the goddesses of the seven liberal arts, for Aristotle—who had already grown, even in antiquity, into the concepts and ideas of the fifth post-Atlantean epoch—must continue to exert his influence.

[ 20 ] Und mit einer inspirierenden Kraft verpflanzte sich dasjenige, was [eine solche Lehre war, was] in der Schule von Chartres auf diese Weise gelehrt wurde, auch nach dem Cluniacenserorden hin und wurde verweltlicht in demjenigen, was der Abt der Cluniacenser, Hildebrand, der dann als Gregor VII. Papst wurde, über die Kirche verfügt hat; aber mit einer außerordentlichen Reinheit pflanzte sich diese Lehre in der Schule von Chartres weiter fort, und es glänzte das 12. Jahrhundert in diesen Lehren. Und insbesondere war einer da, der eigentlich alle anderen überragte, und der, ich möchte sagen, in einer ideellen Inspiration die Geheimnisse der sieben freien Künste in ihrem Zusammenhange mit dem Christentum in Chartres lehrte: Alanus von Lille.

[ 20 ] And with an inspiring force, what was taught in this way at the School of Chartres—that is, such a doctrine—spread to the Cluniac Order as well and was secularized in the decrees concerning the Church issued by the Cluniac abbot Hildebrand, who later became Pope Gregory VII; but with extraordinary purity, this teaching continued to flourish at the School of Chartres, and the 12th century shone with these teachings. And in particular, there was one who truly surpassed all others, and who, I would say, taught the mysteries of the seven liberal arts in their connection to Christianity at Chartres with an idealistic inspiration: Alanus of Lille.

[ 21 ] Alanus von Lille, er befeuerte geradezu Schüler im 12. Jahrhundert in Chartres. Er hatte eine große Einsicht in die Tatsache, daß in den nächsten Jahrhunderten dasjenige nicht weiter der Erde zugute kommen kann, was in einer solchen Weise gelehrt wird, denn das war nicht nur Platonismus, das war Lehre vom Mysterienschauen der vorplatonischen Zeit, nur daß dieses Schauen das Christentum in sich aufgenommen hatte. Und denjenigen, von denen er Verständnis voraussetzte, lehrte Alanus von Lille schon zu seinen Lebzeiten: Jetzt muß eine aristotelisch gefärbte Erkenntnis eine Weile auf Erden wirken, in scharfen Begriffen und Ideen. Denn nur so kann vorbereitet werden, was in einer späteren Zeit als eine Spiritualität wiederkommen muß.

[ 21 ] Alanus of Lille truly inspired his students in Chartres in the 12th century. He had a profound insight into the fact that, in the centuries to come, what was taught in this manner could no longer benefit the world, for it was not merely Platonism; it was the doctrine of mystical vision from the pre-Platonic era, except that this vision had incorporated Christianity. And to those whom he considered capable of understanding, Alanus of Lille taught even during his own lifetime: Now, an Aristotelian-influenced understanding must take effect on Earth for a time, in precise concepts and ideas. For only in this way can the ground be laid for what must return in a later age as spirituality.

[ 22 ] Es sieht für manche heutige Menschen, wenn sie die Literatur von damals lesen, trocken aus, aber es ist nicht trocken, wenn man eine Anschauung davon gewinnen kann, was vor den Seelen derjenigen stand, die in Chartres lehrten und wirkten. Lebendig wirkt durch, auch in der Dichtung, die von Chartres ausging, dieses Sich-Verbunden-Fühlen mit den lebendigen Göttern der sieben freien Künste. Und in der, für denjenigen, der sie verstehen kann, eindringlichen Dichtung: «La bataille des VII arts» fühlen wir den geistigen Atem der sieben freien Künste. Das alles wirkte im 12, Jahrhundert.

[ 22 ] To some people today, when they read the literature of that time, it may seem dry, but it is not dry if one can gain an insight into what lay before the souls of those who taught and worked in Chartres. This sense of connection to the living gods of the seven liberal arts comes through vividly, even in the poetry that originated in Chartres. And in the poem “La bataille des VII arts”—which is deeply moving to those who can understand it—we feel the spiritual breath of the seven liberal arts. All of this was at work in the 12th century.

[ 23 ] Das alles, sehen Sie, lebte noch dazumal in der geistigen Atmosphäre, das alles machte sich noch in einer gewissen Weise geltend. Das alles hatte ja noch manches Verwandte mit Schulen, die in Norditalien, in Italien überhaupt, in Spanien schon noch bestanden, aber ein sehr sporadisches Leben führten. Aber es pflanzte sich fort in lebendiger Art nach verschiedenen Strömungen der Erde hin. Und gegen das Ende des 12. Jahrhunderts war vieles von dem an der Universität von Orleans, wo merkwürdige Lehren nach dieser Art hin gepflegt wurden, wo manches vorhanden war von Inspiration durch die Schule von Chartres.

[ 23 ] All of this, you see, was still alive in the spiritual atmosphere at that time; all of this still exerted its influence in a certain way. All of this, after all, still had many points in common with schools that still existed in northern Italy, in Italy in general, and in Spain, though they led a very sporadic existence. Yet it continued to spread in a living way into various currents of thought across the world. And toward the end of the 12th century, much of this was present at the University of Orléans, where remarkable teachings of this kind were cultivated, and where much was influenced by the School of Chartres.

[ 24 ] Und dann geschah es eben eines Tages, daß da unten in Italien ein vorher in Spanien weilender Gesandter, unter einem mächtigen historischen Eindruck stehend, so etwas bekam wie eine Art Sonnenstich, und in ihm alles das, was er in seiner Schule als Vorbereitung empfangen hatte, unter dem Einflusse dieses leisen Sonnenstiches zu einer mächtigen Offenbarung wurde: wo er sah, was der Mensch sehen konnte unter dem Einfluß des lebendigen Erkenntnisprinzipes, wo er sah den mächtig aufsteigenden Berg mit alldem, was herauslebt aus Mineralien, Pflanzen und Tieren, wo erschien die Göttin Natura, wo erschienen die Elemente, wo erschienen die Planeten, wo erschienen die Göttinnen der sieben freien Künste, wo dann auftrat Ovid als der führende Lehrer —, wo noch einmal vor eines Menschen Seele stand jenes Gewaltige, was so oftmals vor Menschenseelen gestanden hat in den ersten Jahrhunderten des Christentums. Es war die Vision des Branetto Latini, die dann übergegangen ist auf Dante und aus der Dantes Commedia geflossen ist.

[ 24 ] And then one day, down in Italy, an envoy who had previously been staying in Spain—overwhelmed by a powerful historical impression—experienced something akin to sunstroke, and everything he had learned in school as preparation became, under the influence of this mild sunstroke, a powerful revelation: where he saw what a human being could see under the influence of the living principle of knowledge, where he saw the mightily rising mountain with all that springs forth from minerals, plants, and animals; where the goddess Nature appeared; where the elements appeared; where the planets appeared; where the goddesses of the seven liberal arts appeared; where Ovid then appeared as the guiding teacher—where, once again, that mighty presence stood before a human soul, the very presence that had so often stood before human souls in the early centuries of Christianity. It was Branetto Latini’s vision, which was then passed on to Dante and flowed into Dante’s Commedia.

[ 25 ] Aber ein anderes ergab sich für alle diejenigen, die in Chartres gewirkt hatten, als sie durch die Pforte des Todes gingen und, hindurchgegangen durch die Pforte des Todes, die geistige Welt betraten. Es war ein bedeutsames geistiges Leben, das Peter von Compostella, Bernardus von Chartres, Bernardus Silvestris, Johannes von ChartresSalisbury, Henri d’Andeli, der das Gedicht: «La bataille des VII arts» verfaßt hat, geführt hatten, aber insbesondere das des Alanus von Lille. Er hat ja auf seine Art die Schrift «Contra Haereticos» verfaßt und damit aus der alten Anschauung heraus gegen die Ketzer sich gewendet im christlichen Sinne, aber eben aus der Anschauung der geistigen Welt heraus.

[ 25 ] But a different fate awaited all those who had worked in Chartres when they passed through the gate of death and, having passed through the gate of death, entered the spiritual world. It was a significant spiritual life that Peter of Compostella, Bernard of Chartres, Bernard Silvestris, John of Chartres-Salisbury, and Henri d’Andeli—who wrote the poem “La bataille des VII arts”—had led, but especially that of Alan of Lille. In his own way, he wrote the treatise Contra Haereticos, thereby turning against the heretics from the perspective of the ancient worldview in a Christian sense, but specifically from the perspective of the spiritual world.

[ 26 ] Und jetzt betraten alle diese Seelenindividualitäten, welche als die letzten noch gewirkt haben in den Nachklängen der alten geschauten Weisheit, der lichtvoll geschauten Weisheit, jetzt betraten sie die geistige Welt: jene geistige Welt, wo gerade, sich vorbereitend zum Erdendasein, wichtigste Seelen waren, die demnächst heruntersteigen sollten ins Erdendasein, um zu wirken in dem Sinne, wie dann gewirkt werden mußte, um die Wende herbeizuführen, die im 14., 15. Jahrhundert eintrat.

[ 26 ] And now all these individual souls—who were the last to have been active in the afterglow of the ancient, clearly perceived wisdom, the wisdom perceived in the light—now entered the spiritual world: that spiritual world where, in preparation for earthly existence, were the most important souls who were soon to descend into earthly existence to work in the way that was then necessary to bring about the turning point that occurred in the 14th and 15th centuries.

[ 27 ] Da haben wir ein geistiges Dasein, meine lieben Freunde: Die letzten Großen der Schule von Chartres waren eben in der geistigen Welt angekommen. Diejenigen Individualitäten, die die Hochblüte der Scholastik einleiteten, waren noch in der geistigen Welt. Und einer der wichtigsten Ideenaustausche hinter den Kulissen der menschlichen Entwickelung spielte sich ab im Beginne des 13. Jahrhunderts zwischen denen, die noch den alten schauenden Platonismus hinaufgetragen haben aus der Schule von Chartres in die übersinnliche Welt, und denjenigen, die sich dazu bereiteten, den Aristotelismus herunterzutragen als den großen Übergang für die Herbeiführung einer neuen Spiritualität, die in der Zukunft hereinfluten sollte in die Entwickelung der Menschheit.

[ 27 ] Here we have a spiritual existence, my dear friends: the last great figures of the School of Chartres had just arrived in the spiritual world. Those individuals who ushered in the heyday of Scholasticism were still in the spiritual world. And one of the most important exchanges of ideas behind the scenes of human development took place at the beginning of the 13th century between those who had carried the old contemplative Platonism from the School of Chartres into the supersensible world, and those who were preparing to bring Aristotelianism down as the great transition for the advent of a new spirituality that was to flood into the development of humanity in the future.

[ 28 ] Da kam man überein, indem gerade diese Individualitäten, die aus der Schule von Chartres herstammten, denen sagten, die sich eben anschickten, herunterzusteigen in die sinnlich-physische Welt und den Aristotelismus in der Scholastik als das richtige Element des Zeitalters zu pflegen: Für uns ist zunächst ein Erdenwirken nicht möglich, denn die Erde ist jetzt nicht so, um in dieser Lebendigkeit die Erkenntnis zu pflegen. Was wir noch pflegen konnten als die letzten Träger des Platonismus, das muß nun vom Aristotelismus abgelöst werden. Wir bleiben hier oben. Und so blieben denn, ohne daß sie in maßgebliche Erdeninkarnationen bisher eintraten, die Geister von Chartres in der übersinnlichen Welt. Aber sie wirkten mächtig mit bei der Gestaltung jener grandiosen Imagination, die eben gestaltet wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von der ich Ihnen gesprochen habe.

[ 28 ] It was agreed that precisely these individuals, who came from the School of Chartres, would tell those who were just preparing to descend into the sensory-physical world and to cultivate Aristotelianism within Scholasticism as the proper element of the age: For us, working on Earth is not possible for the time being, for the Earth is not yet in a state to cultivate knowledge with this vitality. What we were still able to cultivate as the last bearers of Platonism must now be superseded by Aristotelianism. We remain up here. And so the spirits of Chartres remained in the supersensible world, without having entered into any significant earthly incarnations to date. But they played a powerful role in shaping that magnificent imagination that was taking form in the first half of the 19th century, of which I have spoken to you.

[ 29 ] Sie wirkten in vollem Einklange mit denen zusammen, die mit dem Aristotelismus zunächst auf die Erde herunterstiegen. Und insbesondere war es der Dominikanerorden, welcher Individualitäten enthielt, die, ich möchte sagen, in dieser Art von übersinnlichem Vertrag mit den Geistern von Chartres standen, die mit ihnen gewissermaßen verabredet hatten: Wir steigen herunter, um im Aristotelismus die Erkenntnis weiter zu pflegen. Ihr bleibt oben. Wir werden auch auf Erden mit euch in Verbindung bleiben können. Auf Erden kann zunächst der Platonismus nicht gedeihen. Wir werden euch wiederfinden, wenn wir zurückkommen, und wenn vorbereitet werden soll diejenige Zeit, in welcher, nachdem die Erde die scholastische Entwickelung des Aristotelismus durchgemacht hat, die Spiritualität wiederum gemeinsam mit den Geistern von Chartres entwickelt werden kann.

[ 29 ] They worked in complete harmony with those who first descended to Earth as Aristotelians. And in particular, it was the Dominican Order that included individuals who, I would say, were in a kind of supernatural covenant with the spirits of Chartres, who had, so to speak, made an agreement with them: “We will descend to continue cultivating knowledge within Aristotelianism. You will remain above.” We will also be able to remain in contact with you on Earth. For the time being, Platonism cannot flourish on Earth. We will find you again when we return, and when the time is to be prepared in which, after the Earth has undergone the scholastic development of Aristotelianism, spirituality can once again be developed together with the spirits of Chartres.

[ 30 ] Es war von tief eingreifender Bedeutung zum Beispiel, als Alanus von Lille — so hat er geheißen während seines Erdendaseins — aus der geistigen Welt heruntersendete einen von ihm in der geistigen Welt wohlunterrichteten Schüler, um zwar gerade alle die Diskrepanzen, welche bestehen konnten zwischen dem Platonismus und dem Aristotelismus, auf die Erde herunterfluten zu lassen, aber so, daß aus dem scholastischen Prinzip der damaligen Zeit eine Harmonie entstehen konnte. Und so wurde insbesondere im 13. Jahrhundert dahin gewirkt, daß zusammenfließen konnte die Arbeit derjenigen, die etwa im Dominikanerkleide auf der Erde waren, und das Wirken derer, die drüben geblieben waren in der anderen Welt, da sie zunächst nicht Erdenleiber finden konnten, um ihre besondere Art von Geistigkeit auszuprägen, die nicht zum Aristotelismus hinkommen konnte.

[ 30 ] It was of profound significance, for example, when Alanus of Lille—as he was known during his earthly life—sent down from the spiritual world a disciple whom he had thoroughly instructed there, specifically to bring down to Earth all the discrepancies that might exist between Platonism and Aristotelianism, but in such a way that harmony could emerge from the scholastic principles of that time. And so, particularly in the 13th century, efforts were made to ensure that the work of those who were on Earth—for example, in the habit of the Dominicans—could converge with the work of those who had remained in the other world, since they were initially unable to find earthly bodies in which to express their particular form of spirituality, which could not be reconciled with Aristotelianism.

[ 31 ] Und es entstand im 13. Jahrhundert eben ein wunderbares Zusammenwirken zwischen demjenigen, was auf der Erde geschah, und dem, was von oben her einfloß. Oftmals waren sich die Menschen, die auf Erden wirkten, dieses Zusammenwirkens gar nicht bewußt, um so mehr aber diejenigen, die drüben wirkten. Es war ein lebendiges Zusammenwirken. Man möchte sagen: das Mysterienprinzip war hinaufgestiegen in die Himmel und ließ seine Sonnenstrahlen herabfallen auf das, was auf Erden gewirkt hat.

[ 31 ] And in the 13th century, a wonderful interplay arose between what was happening on Earth and what was flowing in from above. Often, the people acting on Earth were not at all aware of this interplay, but those acting in the spiritual realm were all the more so. It was a living interplay. One might say: the principle of the mysteries had ascended into the heavens and let its rays of sunlight fall upon what was taking place on earth.

[ 32 ] Es ging bis in Einzelheiten, und kann insbesondere an Einzelheiten verfolgt werden. Alanus von Lille, er hatte in seiner eigenen irdischen Entwickelung als Lehrer von Chartres nur so weit gehen können, daß er in einem bestimmten Lebensalter das Kleid der Zisterzienser angelegt hatte, Zisterzienserordenspriester wurde. Und in den Zisterzienserorden hatte sich noch das letzte an Ordensübungen in der damaligen Zeit hineingeflüchtet, um Platonismus, platonische Weltanschauung mit dem Christentum zusammen zu erwecken.

[ 32 ] It went into great detail, and can be traced in particular through these details. Alanus of Lille—in his own earthly development as a teacher at Chartres—had been able to go only so far as to don the Cistercian habit at a certain age and become a priest of the Cistercian Order. And the Cistercian Order had become a refuge for the very last remnants of monastic practices of that time, with the aim of reviving Platonism—the Platonic worldview—in conjunction with Christianity.

[ 33 ] Die Art und Weise, wie er einen Schüler heruntergesendet hat, drückt sich darin aus, daß er diesen Schüler schickte, um durch den Dominikanerorden die Aufgabe, die auf den Aristotelismus übergehen sollte, weiter sich auswirken zu lassen. Der Übergang, der da war, drückte sich insbesondere äußerlich durch ein merkwürdiges Symptom aus: Jener, ich möchte sagen, überirdische Schüler des Alanus ab Insulis, er trug auf Erden zuerst das Zisterzienserkleid, vertauschte es aber später mit dem Dominikanerkleid.

[ 33 ] The way in which he sent a student forth is expressed in the fact that he sent this student to ensure, through the Dominican Order, that the task intended to lead to Aristotelianism would continue to bear fruit. This transition was manifested externally, in particular, by a remarkable phenomenon: that—I might say—supernatural disciple of Alanus ab Insulis first wore the Cistercian habit on earth, but later exchanged it for the Dominican habit.

[ 34 ] Da haben wir die Individualitäten, die auf eine übersinnlich-sinnliche Weise während des 13. Jahrhunderts und noch etwas ins 14. Jahrhundert hinein zusammenwirken: Maßgebende spätere Scholastiker und ihre Schüler, miteinander langverbundene Menschenseelen, diese aber auch verbunden wiederum mit den großen Geistern der Schule von Chartres.

[ 34 ] Here we have the individualities that interacted in a supersensory-sensory way during the 13th century and well into the 14th: influential later scholastics and their students, human souls long connected to one another, yet also linked in turn to the great minds of the School of Chartres.

[ 35 ] Da haben wir, ich möchte sagen, jenen großartigen, gewaltigen, weltgeschichtlichen Plan, der dahin ging, daß diejenigen, die nicht zum Aristotelismus auf die Erde haben heruntersteigen können, sich bewahrten in der geistigen Welt droben, um zu warten, bis die anderen dasjenige, in dem sie so innig mit den Zurückgebliebenen verbunden waren, auf der Erde weiterpflegen konnten unter dem Einfluß scharfer, vom Aristotelismus herrührender Begriffe und Ideen. Es war wirklich wie ein Herauf- und Heruntersprechen von der geistigen Welt zur irdischen, von der irdischen zur geistigen Welt hinauf in diesem 13. Jahrhundert.

[ 35 ] There we have, I would say, that magnificent, immense, world-historical plan, which held that those who could not descend to Earth through Aristotelianism would preserve themselves in the spiritual world above, waiting until the others could continue to cultivate on Earth that very thing in which they were so intimately connected with those left behind—under the influence of sharp concepts and ideas derived from Aristotelianism. It was truly like a dialogue ascending and descending from the spiritual world to the earthly world, and from the earthly world back up to the spiritual world, during this 13th century.

[ 36 ] In diese geistige Atmosphäre hinein konnte ja auch nur das echte Rosenkreuzertum wirken.

[ 36 ] Only genuine Rosicrucianism could have had an impact within this spiritual atmosphere.

[ 37 ] Und dann wurden, als diejenigen, die heruntergestiegen waren, um den Impuls des Aristotelismus zu geben, sozusagen ihre Aufgabe auf der Erde verrichtet hatten, auch sie hinaufgehoben in die geistige Welt, dann wurde in der geistigen Welt zusammengewirkt, ich möchte sagen, zwischen den Platonikern und Aristotelikern. Und um sie herum fanden sich nun jene Seelen, von denen ich gesprochen habe: die Seelen der beiden Gruppen, die ich angeführt habe.

[ 37 ] And then, when those who had descended to give rise to the Aristotelian impulse had, so to speak, fulfilled their task on Earth, they, too, were lifted up into the spiritual world; then there was a collaboration in the spiritual world—I would say—between the Platonists and the Aristotelians. And gathered around them were now those souls of whom I have spoken: the souls of the two groups I have mentioned.

[ 38 ] So daß wir in einer gewissen Weise in das Karma der anthroposophischen Bewegung einfließen haben eine weit ausgebreitete Schülerschaft von Chartres und ein Hineinleben in diese Schülerschaft von all denjenigen Seelen, die eben mitgenommen haben die eine oder die andere der beiden Strömungen, von denen ich in den letzten Tagen hier gesprochen habe — ein großer Kreis, denn viele leben in diesem Kreise, die heute noch nicht den Weg zur anthroposophischen Bewegung gefunden haben. Aber es ist schon so, daß in den mancherlei Erlebnissen sich dasjenige vorbereitet hat, was im anthroposophischen Felde heute ist.

[ 38 ] So that, in a certain sense, we are flowing into the karma of the anthroposophical movement—a widely spread circle of students from Chartres and the integration into this circle of all those souls who have just taken up one or the other of the two currents I have spoken of here in recent days—a large circle, for many live within this circle who have not yet found their way to the anthroposophical movement. But it is indeed true that what is present today in the anthroposophical field has been prepared through various experiences.

[ 39 ] Es war zum Beispiel etwas Merkwürdiges über den Zisterzienserorden gekommen, als Alanus ab Insulis, Alanus von Lille, das Zisterzienserkleid angezogen hatte, Zisterzienserpriester geworden war mit seinem Platonismus. Das blieb im Grunde genommen, ich möchte sagen, am Zisterzienserorden haften. Und ich darf schon sagen — denn warum sollten in solchen Zusammenhängen, wie sie hier nun eröffnet werden müssen, nicht auch kleine persönliche Bemerkungen gemacht werden dürfen, die nun nicht gerade in den «Lebensgang» einfließen konnten —, ich muß schon sagen: Dasjenige, was mich manchen Zusammenhang nach dieser Richtung erkennen lehren sollte — andere Zusammenhänge haben sich eben aus ganz anderen Richtungen her ergeben —, war, daß ich eigentlich in meinem Leben bis zu meiner Weimarischen Zeit nicht loskommen konnte vom Anblicke des Zisterzienserordens, und doch wiederum in einer gewissen Weise fortwährend ferngehalten worden bin vom Zisterzienserorden. Ich wuchs sozusagen im Schatten des Zisterzienserordens auf, der wichtige Niederlassungen um Wiener Neustadt herum hat. Zisterzienserordenspriester waren diejenigen, die die meisten jungen Leute erzogen in der Gegend, in der ich aufgewachsen war. Das Zisterzienserordensgewand hatte ich fortwährend vor mir, die weiße Kutte, den weißen Habit mit der schwarzen Binde, wir nennen es Stola, um die Mitte. Und wäre ich veranlaßt gewesen, über solche Dinge in meinem «Lebensgang» zu sprechen, so würde ich gesagt haben: Alles, alles war eigentlich in meiner Kindheit darauf veranlagt, nicht jenen Bildungsgang durchzumachen, den ich durchgemacht habe, durch die Wiener Neustädter Realschule hindurch, sondern durch das Gymnasium. Das war aber dazumal noch ein Zisterzienser-Gymnasium. Und es waren die Kräfte merkwürdig, die mich zugleich anzogen und fernhielten.

[ 39 ] For example, something peculiar had come to pass within the Cistercian Order when Alanus ab Insulis—Alanus of Lille—took the Cistercian habit and became a Cistercian priest while retaining his Platonism. That, I would say, essentially remained attached to the Cistercian Order. And I must say—for why shouldn’t small personal remarks be permitted in contexts such as these, which must now be opened up here, even if they could not exactly be incorporated into the “biography”—I must say: What taught me to recognize certain connections in this direction—other connections have simply arisen from entirely different directions—was that, up until my time in Weimar, I could not, in fact, escape the presence of the Cistercian Order in my life, and yet, in a certain sense, I was continually kept at a distance from the Cistercian Order. I grew up, so to speak, in the shadow of the Cistercian Order, which has important settlements around Wiener Neustadt. Priests of the Cistercian Order were the ones who educated most of the young people in the area where I grew up. I constantly had the Cistercian habit before my eyes—the white robe, the white habit with the black sash, which we call a stole, around the waist. And if I had been prompted to speak about such things in my Lebensgang, I would have said: Everything, absolutely everything in my childhood was actually predisposed toward me not following the educational path I actually took—through the Wiener Neustadt Realschule—but rather through the Gymnasium. But at that time, it was still a Cistercian Gymnasium. And there were strange forces that both drew me in and kept me at a distance.

[ 40 ] Und wiederum, der ganze Kreis von Mönchen, der an der Wiener Universität Theologie lehrte, der um Marie Eugenie delle Grazie herum war, bestand aus Zisterziensern. Die intimsten theologischen Gespräche, die intimsten Gespräche über Christologie hatte ich mit den Zisterziensern. Ich will das nur andeuten, weil es gewissermaßen koloriert den Hinblick gerade auf die Zeit des 12. Jahrhunderts, als die Blüte von Chartres hineinleuchtete in den Zisterzienserorden. Denn in der merkwürdigen Gelehrsamkeit der Zisterzienser, die so anziehend ist, lebte ja — allerdings auf korrumpierte Art — doch noch etwas fort von dem Zauber von Chartres. Wichtigstes über die mannigfaltigsten Dinge wurde von Zisterziensern, die ich gut kannte, erforscht. Und diejenigen Dinge waren mir die wichtigsten, wo ich sagen konnte: Es ist zwar unmöglich, daß etwa solche, die Schüler von Chartres waren, sich hier inkarniert hätten; aber es ergab sich schon dem Anblick, daß sich manche der Individualitäten, die zusammenhingen mit der Schule von Chartres — wenn ich es so nennen darf —, für kurze Zeiten inkorporierten in solchen Menschen, die das Zisterzienserordenskleid trugen.

[ 40 ] And again, the entire circle of monks who taught theology at the University of Vienna—the group that gathered around Marie Eugenie delle Grazie—consisted of Cistercians. The most intimate theological discussions, the most intimate discussions on Christology, I had with the Cistercians. I mention this only to suggest that it, in a sense, adds a certain color to our view of the 12th century in particular, when the splendor of Chartres shone into the Cistercian Order. For in the remarkable scholarship of the Cistercians—which is so appealing—something of the magic of Chartres still lived on, albeit in a corrupted form. The most important aspects of a wide variety of subjects were researched by Cistercians whom I knew well. And those subjects were the most important to me, where I could say: It is certainly impossible that those who were students of Chartres, for example, could have incarnated here; but it was evident even at a glance that some of the individualities associated with the School of Chartres—if I may call it that—incorporated themselves for brief periods into people who wore the habit of the Cistercian Order.

[ 41 ] Ich möchte sagen, durch eine dünne Wand getrennt, wirkte das immer fort auf Erden, was im Übersinnlichen in der Art, wie ich es beschrieben habe, vorbereitet worden ist, und was dann zu der großen Vorbereitung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte. Und es war mir schon etwas höchst Merkwürdiges jenes Gespräch, das ich in meinem «Lebensgang» angeführt habe über die Wesenheit Christi, das ich mit einem Zisterzienserordenspriester, nicht im Hause, aber beim Weggehen von dem Hause von delle Grazie geführt habe, das tatsächlich geführt worden ist nicht vom heutigen dogmatisch-theologischen Standpunkte oder vom Standpunkte des Neo-Scholastizismus, sondern das geführt wurde mit aller Vertiefung in dasjenige, was einmal da war, mit aristotelischer Begriffskonturiertheit, aber auch mit platonischer Durchleuchtung.

[ 41 ] I would like to say that, separated by a thin wall, what had been prepared in the supersensible realm in the way I have described continued to have an effect on Earth, and this ultimately led to the great preparation in the first half of the 19th century. And that conversation I mentioned in my Lebensgang—the one about the essence of Christ that I had with a Cistercian priest, not at home, but as I was leaving the house of delle Grazie—a conversation that was in fact conducted not from today’s dogmatic-theological standpoint or from the standpoint of neo-scholasticism, but with complete immersion in what once was, with Aristotelian conceptual precision, yet also with Platonic insight.

[ 42 ] Was da entstehen sollte in Anthroposophie, es leuchtete schon, wenn auch auf eine geheimnisvolle Art, durch die Zeitereignisse hindurch, es leuchtete, wenn auch nicht durch die in die eine oder in die andere konfessionelle oder soziale Strömung eingespannte Menschenseele, wohl aber durch dasjenige hindurch, womit diese Menschenseele als mit den großen geistigen Strömungen, die auf der Erde wirken, zusammenhängt. Und man konnte schon sehen, wie in mancherlei von dem, was da wirkte auf den verschiedensten Gebieten in einzelnen Menschen, von dem Eintritt des Michael-Zeitalters ab bis zum Ablauf des Kali Yugas, der Geist der Zeit so sprach, daß dieses Sprechen ein Herbeirufen der anthroposophischen Offenbarungen war. Man konnte heraufkommen sehen in lebendiger Art diese Anthroposophie wie ein Wesen, das geboren werden mußte, das aber wie in einem Mutterschoße ruhte in demjenigen, was aus den ersten christlichen Jahrhunderten herein auf Erden die Schule von Chartres vorbereitet hatte und was dann seine Fortpflanzung gefunden hat im Übersinnlichen und im Zusammenwirken mit dem, was auf Erden fortwirkte in der aristotelisch gefärbten Verteidigung des Christentums.

[ 42 ] What was to emerge in anthroposophy was already shining, albeit in a mysterious way, through the events of the time, it shone, not through the human soul bound up in one or another denominational or social current, but rather through that aspect by which this human soul is connected to the great spiritual currents at work on Earth. And one could already see how, in many of the things that were at work in various fields within individual human beings—from the beginning of the Michael Age until the end of the Kali Yuga—the spirit of the age spoke in such a way that this speaking was a summoning of the anthroposophical revelations. One could see this anthroposophy emerging in a living way, like a being, that had to be born, but which rested, as in a mother’s womb, within what the School of Chartres had prepared on Earth from the early Christian centuries—and which then found its continuation in the supersensible realm and in interaction with what continued to work on Earth in the Aristotelian-influenced defense of Christianity.

[ 43 ] Dann entstand ja aus jenen Impulsen heraus, die wir in dem Werke des Alanus von Lille «Contra Haereticos» finden, so etwas wie die «Summa fidei catholicae contra gentiles» des Thomas von Aguino. Und so entstand dann jener Zug der Zeit, den wir aus all den Bildern ersehen, wo die dominikanischen Kirchenlehrer mit Füßen treten auf Averroes, Avizenna und andere, womit die lebendige Verteidigung des spirituellen Christentums, aber zu gleicher Zeit der Übergang in das Intellektualistische gekennzeichnet ist.

[ 43 ] Then, out of those impulses that we find in Alanus of Lille’s work Contra Haereticos, something like Thomas Aquinas’s Summa fidei catholicae contra gentiles emerged. And so emerged that trend of the times that we see in all the images where the Dominican Doctors of the Church trample upon Averroes, Avicenna, and others—a trend that marks both the vigorous defense of spiritual Christianity and, at the same time, the transition toward intellectualism.

[ 44 ] Ich vermag nicht, meine lieben Freunde, in einer theoretisierenden Art etwas darzustellen, was eine Tatsachenwelt ist, denn durch jede theoretisierende Art würden die Dinge verblaßt, unintensiv gemacht. Tatsachen wollte ich vor Ihre Seele hinstellen, aus denen Sie empfinden sollen, worauf die Blicke fallen, wenn man hinschauen will auf diejenigen Seelen, die vor ihrem jetzigen irdischen Dasein ein geistiges Dasein zwischen Tod und neuer Geburt so durchgemacht hatten, daß sie auf der Erde die Sehnsucht bekamen nach Anthroposophie.

[ 44 ] My dear friends, I am unable to present, in a theoretical manner, something that is a world of facts, for any theoretical approach would cause things to fade and lose their intensity. I wanted to present facts before your souls, from which you might sense what catches the eye when one looks upon those souls who, before their present earthly existence, had undergone a spiritual existence between death and rebirth in such a way that they came to long for anthroposophy while on Earth.

[ 45 ] Es wirken die entgegengesetztesten Anschauungen zusammen in der Welt, um ein Ganzes zu geben. Und jetzt wirken diejenigen Seelen, welche im 12. Jahrhundert gearbeitet haben in der großen Schule von Chartres, und jene, die mit ihnen verbunden waren durch eine der größten Geistgemeinschaften, aber in der übersinnlichen Welt im Beginne des 13. Jahrhunderts — die Geister von Chartres wirken jetzt mit denen zusammen, die mit ihnen verbunden dann den Aristotelismus gepflegt haben, gleichgültig ob die einen hier auf Erden wirken, die anderen noch nicht auf die Erde herunter können, ein neues spirituelles Zeitalter für die Erdenentwickelung intendierend. Jetzt gilt es ihnen, die Seelen zu sammeln, die seit lange mit ihnen verbunden sind, die Seelen zu sammeln, mit denen ein spirituelles Zeitalter begründet werden kann, um in verhältnismäßig kurzer Zeit auf irgendeine Weise innerhalb der sonst zugrunde gehenden Zivilisation die Möglichkeit herbeizuführen, daß zusammenwirken in Erdeninkarnationen die Geister von Chartres aus dem 12. Jahrhundert und die mit ihnen verbundenen Geister aus dem 13. Jahrhundert, damit sie im Erdendasein zusammenarbeiten können, zusammenwirken können, um die Spiritualität innerhalb der sonst in den Verfall, in den Untergang hineinsegelnden Zivilisation neu zu pflegen.

[ 45 ] The most diametrically opposed views interact in the world to form a whole. And now those souls who worked in the 12th century at the great school of Chartres, and those who were connected to them through one of the greatest spiritual communities—but in the supersensible world at the beginning of the 13th century—the spirits of Chartres are now working together with those who, connected to them at that time, cultivated Aristotelianism, regardless of whether some are active here on Earth while others cannot yet descend to Earth, with the intention of ushering in a new spiritual age for Earth’s evolution. Their task now is to gather the souls that have long been connected to them—the souls with whom a spiritual age can be established—in order to bring about, in a relatively short time and in some way within the otherwise collapsing civilization, the possibility for the spirits of Chartres from the 12th century and the spirits associated with them from the 13th century to work together in earthly incarnations, so that they may collaborate in earthly existence to revitalize spirituality within a civilization that is otherwise heading toward decay and ruin.

[ 46 ] Absichten, die sozusagen gepflegt werden heute — nicht auf der Erde also, sondern zwischen Himmel und Erde, möchte ich sagen —, Absichten habe ich Ihnen damit charakterisieren wollen. Vertiefen Sie sich in das, was in diesen Absichten liegt, und Sie werden auf Ihre Seele wirksam haben den Hintergrund dessen, was im Vordergrunde haben muß das Zusammenströmen von Menschenseelen in der anthroposophischen Bewegung.

[ 46 ] I wanted to use this to characterize the intentions that are, so to speak, being cultivated today—not on Earth, then, but between Heaven and Earth, I would say—these are the intentions I wanted to describe to you. Delve deeply into what lies within these intentions, and you will find that the background of what must be in the foreground—the convergence of human souls in the anthroposophical movement—will have a profound effect on your soul.