Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume III
GA 237
8 August 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Durch lange Zeiten haben wir gesprochen von karmischen Verhältnissen, die zusammenhängen mit der anthroposophischen Bewegung, mit der Anthroposophischen Gesellschaft, mit den einzelnen Persönlichkeiten, die innerlich ehrlich den Drang fühlen, ihren Lebensweg innerhalb der anthroposophischen Bewegung zu machen. Und obgleich vieles über die karmischen Verhältnisse nach dieser Richtung noch nach der Rückkunft von England zu sagen sein wird, möchte ich doch gerade heute als in der letzten Stunde vor der Abreise nach England einer Reise, die ja den ganzen Rest des August hin dauern wird —, als eine Art von Abschluß einiges vorbringen, das geeignet sein wird, die Gedanken, die ich Ihnen mitteilen durfte in diesen karmischen Betrachtungen, etwas zu runden.
[ 1 ] For a long time now, we have been speaking about karmic relationships connected with the anthroposophical movement, with the Anthroposophical Society, and with the individual personalities who sincerely feel the inner urge to follow their life path within the anthroposophical movement. And although there will still be much to say about these karmic relationships after my return from England, I would like—precisely today, in the final hour before my departure for England on a journey that will last the remainder of August—to offer a few concluding remarks that will help round out the thoughts I have been able to share with you in these karmic reflections.
[ 2 ] Sie alle haben ja bemerkt, meine lieben Freunde, wie das Karma des einzelnen Anthroposophen mannigfaltige Formen der Gestaltung in früheren Erdenleben und zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchgemacht hat, Und wir haben insbesondere in den beiden letzten Stunden schon Andeutungen machen können, welche Bedeutung das für das Karma des einzelnen Anthroposophen haben kann. Wir haben gesehen, daß dieses Karma des Anthroposophen zusammenhängt mit der ganzen Entwickelung, welche das Michael-Prinzip durch lange, lange Zeiträume durchgemacht hat. Wir haben gesehen, zunächst in mehr abstrakter Art, wie entfallen ist der Michael-Herrschaft dasjenige, was genannt werden konnte die Verwaltung der kosmischen Intelligenz. Es war ja durchaus so in älteren Zeiten, daß die Menschen, wie ich sagte, sich nicht selber zuschrieben das intelligente Wesen, sondern daß sie alles, was sie in intelligenten Formen äußerten, herleiteten aus der Inspiration höherer Mächte. Und die Kundigen auf diesem Gebiet wußten, daß es diejenigen höheren Mächte waren, die dann in christlicher Terminologie eben als die Michael-Mächte bezeichnet wurden. Nun habe ich Ihnen das 8. und 9. Jahrhundert als denjenigen Zeitpunkt in der Entwickelung der zivilisierten Menschheit bezeichnet, in welchem die kosmische Intelligenz allmählich sich herunterbewegt hat zur Erde, sich sozusagen in Tropfenformen gestaltet hat, die dann in den einzelnen menschlichen Seelen als die persönliche Intelligenz weiterlebten. Und ich habe Ihnen auch angedeutet, wie traditionell, aber auch aus einer gewissen Einsicht heraus — der Blick für die kosmische Intelligenz, also für die alte michaelische Verwaltung, geblieben ist. Wenn wir hinschauen auf die in vieler Beziehung ganz ausgezeichneten Gelehrten, die in Anlehnung an den Arabismus, in Anlehnung an das, was, von den Alexanderzügen ausgehend, in Asien als Aristotelismus gelebt hat, dann durchdrungen hat die Mystik des Orients und sie, ich möchte sagen, intelligent gemacht hat, wenn wir auf alles das hinschauen, was davon herübergetragen worden ist über Afrika nach Spanien und dort als maurische Weisheit gewirkt hat durch eine solche hervorragende Persönlichkeit wie Averroes, dann finden wir in den Lehren dieser maurisch-spanischen Gelehrten durchaus einen Abglanz der Anschauungen, die nach der kosmischen Intelligenz hingehen.
[ 2 ] You have all noticed, my dear friends, how the karma of the individual anthroposophist has undergone manifold forms of shaping in past earthly lives and between death and a new birth. And especially in the last two hours, we have already been able to hint at the significance this can have for the karma of the individual anthroposophist. We have seen that this karma of the anthroposophist is connected with the entire development that the Michael principle has undergone over long, long periods of time. We have seen, initially in a more abstract way, how the Michael realm has lost what might be called the administration of cosmic intelligence. It was indeed the case in earlier times that people, as I said, did not attribute the intelligent being to themselves, but rather derived everything they expressed in intelligent forms from the inspiration of higher powers. And those knowledgeable in this field knew that it was those higher powers that were then designated, in Christian terminology, as the Michaelic powers. Now I have identified the 8th and 9th centuries as the period in the development of civilized humanity during which cosmic intelligence gradually descended to Earth, taking shape, so to speak, in drop-like forms that then continued to live on in individual human souls as personal intelligence. And I have also hinted to you how the perspective on cosmic intelligence—that is, on the ancient Michaelic administration—has been preserved, both traditionally and out of a certain insight. If we look at the scholars—who were in many respects quite outstanding—who, drawing on Arabism and on what, originating with Alexander’s campaigns, flourished in Asia as Aristotelianism, were then permeated by the mysticism of the Orient, and— I would say, made them intelligent; when we look at all that was carried over from there through Africa to Spain and took effect there as Moorish wisdom through such an outstanding personality as Averroes, then we find in the teachings of these Moorish-Spanish scholars a distinct reflection of the views that point toward cosmic intelligence.
[ 3 ] Wollen wir uns einmal recht stark veranschaulichen, wie dies vorgestellt worden ist. Ich möchte zu diesem Zwecke eine skizzenhafte Zeichnung machen von dem, was diese maurischen Gelehrten ihren Schülern in Spanien im 10., 11., 12. Jahrhundert gelehrt haben, zur selben Zeit, in der an anderen Orten von Europa so etwas geherrscht hat wie die Schule von Chartres, von der ich Ihnen ausführlich erzählt habe.
[ 3 ] Let us try to clearly illustrate how this was conceived. To this end, I would like to sketch out what these Moorish scholars taught their students in Spain during the 10th, 11th, and 12th centuries—at the same time that, in other parts of Europe, institutions such as the School of Chartres, about which I have told you at length, were flourishing.
[ 4 ] In Spanien wurde von den maurischen Gelehrten, vor allen Dingen von einer solchen Persönlichkeit wie Averroes, gelehrt, wie die Intelligenz überall waltet, wie die ganze Welt, der Kosmos erfüllt ist von der allwaltenden Intelligenz. Die Menschen unten auf der Erde, sie haben verschiedene Eigenschaften, aber sie haben nicht eine eigene, persönliche Intelligenz. Sondern jedesmal, wenn ein Mensch auf der Erde wirkt, so geht ein Tropfen der Intelligenz, ein Strahl der Intelligenz von der allgemeinen Intelligenz aus, senkt sich gewissermaßen in den Kopf, in den Körper des Menschen, erfüllt ihn, so daß, wenn ein Mensch auf Erden herumgeht, er etwas hat wie eine Art Teil der ganz allgemeinen kosmischen Intelligenz. Stirbt dann der Mensch, geht er durch die Pforte des Todes, so geht das, was er als Intelligenz gehabt hat, zurück in die allgemeine Intelligenz, fließt zurück. So daß, was der Mensch während des Lebens zwischen Geburt und Tod an Gedanken, Begriffen, Ideen hat, in das allgemeine Reservoir der allgemeinen Intelligenz zurückfließt und man nicht davon sprechen kann, daß dasjenige, was der Mensch als besonders Wertvolles in seiner Seele trägt, seine Intelligenz, einer persönlichen Unsterblichkeit unterliegt.
[ 4 ] In Spain, Moorish scholars—above all a figure such as Averroes—taught how intelligence reigns everywhere, how the entire world, the cosmos, is filled with all-pervading intelligence. People down here on Earth have various qualities, but they do not possess their own, personal intelligence. Rather, every time a human being acts on Earth, a drop of intelligence, a ray of intelligence, emanates from the universal intelligence, descends, as it were, into the person’s head and body, and fills them, so that when a human being walks the Earth, they possess something like a part of the universal cosmic intelligence. When the person then dies and passes through the gate of death, what they possessed as intelligence returns to the general intelligence; it flows back. Thus, whatever thoughts, concepts, and ideas a person possesses during their life between birth and death flow back into the general reservoir of universal intelligence, and one cannot say that what a person carries in their soul as particularly valuable—their intelligence—is subject to personal immortality.


[ 5 ] Das war auch durchaus gelehrt von den spanisch-maurischen Gelehrten, daß der Mensch eine persönliche Unsterblichkeit nicht hat. Er lebt weiter, aber es ist ja das Wichtigste an ihm — so sagten die Gelehrten —, daß er während des Lebens intelligentes Wissen entfalten kann. Das geht aber nicht mit seinem Wesen mit. Also kann man nicht sagen, daß das intelligente Wesen eine persönliche Unsterblichkeit hat. Sehen Sie, das war, ich möchte sagen, der Furor des Kampfes der Scholastiker unter den Dominikanern, der Furor, geltendzumachen die persönliche Unsterblichkeit des Menschen. Es konnte das in jener Zeit nicht anders auftreten als so, daß diese Dominikaner geltend machten: Der Mensch ist persönlich unsterblich, und das, was Averroes lehrt, ist Ketzerei, ist Häresie. Das müssen wir heute anders sagen. Aber für die damalige Zeit ist begreiflich, daß man einen Menschen, der die persönliche Unsterblichkeit nicht annahm, wie Averroes in Spanien, für einen Häretiker erklärte. Heute müssen wir die Sache der Wirklichkeit, der Realität gemäß betrachten. Wir müssen sagen: In dem Sinne, wie der Mensch unsterblich geworden ist seiner Bewußtseinsseele nach, hat er sich diese Unsterblichkeit — dieses fortdauernde Bewußtsein von der Persönlichkeit —, nachdem er durch die Pforte des Todes durchgegangen war, erst errungen seit der Zeit, da eine Bewußtseinsseele im Erdenmenschen Platz greift. Wenn man also Aristoteles oder Alexander gefragt hätte, wie sie über Unsterblichkeit denken, wie würden sie geantwortet haben? Auf Worte kommt es nicht an, aber wenn sie gefragt worden wären und wenn sie in christlicher Terminologie geantwortet hätten, würden sie gesagt haben: Unsere Seele wird aufgenommen von Michael, und wir leben fort in der Gemeinschaft des Michael. — Oder sie würden es kosmologisch ausgedrückt haben; gerade aus einer solchen Gemeinschaft heraus, wie die des Alexander oder des Aristoteles war, würde man kosmologisch gesagt haben, und man hat es auch gesagt: Die Seele des Menschen ist intelligent auf Erden, aber diese Intelligenz ist ein Tropfen aus der Fülle dessen, was Michael ergießt wie einen intelligenten Regen, der die Menschen überströmt. Und dieser Regen geht von der Sonne aus, die Sonne nimmt in ihr eigenes Wesen wiederum zurück des Menschen Seele, und die Menschenseele, die da besteht zwischen Geburt und Tod, sie strahlt aus der Sonne auf die Erde nieder. Michael-Herrschaft hätte man auf der Sonne gesucht. So würde man kosmologisch geantwortet haben.
[ 5 ] This was also certainly taught by the Spanish-Moorish scholars: that human beings do not possess personal immortality. They continue to live, but—as the scholars said—the most important thing about them is that they can develop intelligent knowledge during their lifetime. However, this does not extend beyond their physical existence. Therefore, one cannot say that the intelligent being possesses personal immortality. You see, that was—I would say—the fervor of the struggle among the scholastics within the Dominican Order, the fervor to assert the personal immortality of human beings. At that time, it could not have played out any other way than for these Dominicans to assert: Human beings are personally immortal, and what Averroes teaches is heresy. We must express this differently today. But for that time, it is understandable that a person who did not accept personal immortality—such as Averroes in Spain—was declared a heretic. Today we must view the matter in accordance with reality. We must say: In the sense that the human being has become immortal in terms of his conscious soul, he has only attained this immortality—this enduring consciousness of personality—after passing through the gate of death, ever since the time when a conscious soul took up residence in the earthly human being. So if Aristotle or Alexander had been asked what they thought about immortality, how would they have answered? The exact words don’t matter, but if they had been asked and had answered using Christian terminology, they would have said: Our soul is received by Michael, and we live on in the community of Michael. — Or they would have expressed it in cosmological terms; precisely from a community such as that of Alexander or Aristotle, one would have said—and indeed did say—in cosmological terms: The human soul is intelligent on Earth, but this intelligence is a drop from the abundance of what Michael pours forth like an intelligent rain that floods over humanity. And this rain emanates from the sun; the sun, in turn, takes the human soul back into its own being, and the human soul, which exists between birth and death, radiates down from the sun onto the earth. One would have sought Michael’s dominion on the sun. That is how one would have answered cosmologically.
[ 6 ] Das ist nach Asien gekommen, ist von Asien zurückgekommen und hat noch geblüht als Anschauung der Mauren in Spanien in der Zeit, als die Scholastiker eingetreten sind für die persönliche Unsterblichkeit. Wir müssen nicht sagen, wie die Scholastiker gesagt haben: Es ist ein Irrtum —, sondern wir müssen sagen: Die Entwickelung der Menschheit hat die individuelle persönliche Unsterblichkeit gebracht, und in der Scholastik der Dominikaner war es, wo man zuerst diese persönliche Unsterblichkeit betont hat. — Und eine alte Wahrheit, die nicht mehr wahr war für jene Zeit in bezug auf die Entwickelung des Menschengeschlechtes, wurde vorgebracht auf den Hochschulen, die von den Mauren besorgt wurden in Spanien. Wir müssen heute nicht nur tolerant sein gegen die Gleichzeitigen, wir müssen auch tolerant sein gegen diejenigen, die alte Lehren fortgepflanzt haben. Das konnte man in der damaligen Zeit nicht; es ist daher wichtig, daß wir uns das immer wieder und wiederum sagen: Was durch die DominikanerScholastiker persönliche Unsterblichkeit genannt wurde, das ist eigentlich eine Wahrheit erst, seitdem die Bewußtseinsseele langsam und allmählich in die Menschheit eingezogen ist.
[ 6 ] This concept came to Asia, returned from Asia, and was still flourishing as a belief among the Moors in Spain at the time when the Scholastics began advocating for personal immortality. We need not say, as the Scholastics did, “It is an error”—but rather we must say: The evolution of humanity has brought about individual, personal immortality, and it was in the Scholasticism of the Dominicans that this personal immortality was first emphasized. — And an old truth, which was no longer true for that era in relation to the development of the human race, was taught at the universities run by the Moors in Spain. Today we must not only be tolerant toward our contemporaries; we must also be tolerant toward those who have perpetuated old teachings. That was not possible at that time; it is therefore important that we remind ourselves of this again and again: What the Dominican scholastics called personal immortality has actually only been a truth since the conscious soul slowly and gradually entered into humanity.
[ 7 ] Man kann das auch, ich möchte sagen, ganz imaginativ schildern. Stirbt heute ein Mensch, der wirklich die Möglichkeit hatte, während des Erdenlebens seine Seele zu durchdringen mit Intelligenz, mit wahrhaftiger Intelligenz, dann geht er durch die Pforte des Todes, und er schaut zurück auf sein Erdenleben, das da war als ein selbständiges Erdenleben. In früheren Jahrhunderten schaute der Mensch, nachdem er durch die Pforte des Todes gegangen war, auf sein Erdenleben zurück, wie da der Ätherleib im Kosmos sich auflöst, wie er durchgeht dann durch das Seelengebiet, wie er durchlebt die Ereignisse in rückwärtsgehender Form. Dann konnte er sich sagen: So verwaltet Michael durch die Sonne dasjenige, was mein war. — Das ist eben der große Unterschied. Man kann aber solch eine Entwickelung nur beurteilen, wenn man hinter die Kulissen des Daseins schaut und auf das Spirituelle hinter dem Materiellen schaut. Darauf kommt es an, daß man die äußeren Ereignisse in der Menschheit so sieht, wie sie aus der spirituellen Welt heraus gestaltet werden.
[ 7 ] One can also, I would say, describe this in a very imaginative way. If a person dies today who truly had the opportunity during their earthly life to imbue their soul with intelligence—with true intelligence—then they pass through the gate of death and look back on their earthly life, which existed as an independent earthly life. In earlier centuries, after passing through the gate of death, a person would look back on their earthly life—seeing how the etheric body dissolves into the cosmos, how they then pass through the realm of the soul, and how they relive the events in reverse order. Then they could say to themselves: “This is how Michael administers, through the Sun, that which was mine.”—That is precisely the great difference. However, one can only assess such a development by looking behind the scenes of existence and observing the spiritual reality behind the material world. What matters is that one views the external events in human history as they are shaped from within the spiritual world.
[ 8 ] Nun müssen Sie sich noch einmal hineinversetzen in alles dasjenige, was ich gesagt habe. Versetzen Sie sich hinein in die Tatsache, daß mit dem 9. nachchristlichen Jahrhundert die Krisis sich vollzieht: die kosmische Intelligenz geht hinunter unter die Erdenmenschen. Das ist objektive Tatsache, ist dasjenige, was sich vollzieht. Und nun versetzen Sie sich in die Sonnensphäre, die Michael mit den Seinen so verwaltete, wie ich es erzählt habe, indem man den Abschied des Christus von der Sonne und seinen Übergang auf die Erde im Mysterium von Golgatha wahrgenommen hat und nacherlebt hat, wie nach und nach die kosmische Intelligenz immer mehr und mehr hinuntergeht und individuelle Menschenerkenntnis wird. Ein wichtiges Ereignis, das tiefen Eindruck gemacht hat gerade auf diejenigen, die zu Michael gehören — ich habe das letztemal gesagt «Michaeliten» —, ein wichtiges Ereignis ganz hervorragender Art war dasjenige, was ich in früheren Zusammenhängen schon so charakterisiert habe, wie es sich hineinstellte in den Verlauf der Zivilisationsentwickelung der Erde. Aber jetzt muß es so charakterisiert werden, wie es sich ausnimmt von dem Aspekt der Michaeliten selber von der Sonne aus, wie man es aus der Perspektive sieht, wenn man hinunterschaut aus dem Reiche des Michael auf die Erde.
[ 8 ] Now you must once again immerse yourselves in everything I have said. Immerse yourselves in the fact that, with the 9th century A.D., the crisis is unfolding: the cosmic intelligence is descending among the people of Earth. This is an objective fact; it is what is taking place. And now place yourself within the solar sphere, which Michael and his followers administered as I have described, by perceiving Christ’s departure from the Sun and his transition to Earth in the Mystery of Golgotha, and by reliving how, little by little, the cosmic intelligence descends more and more, becoming individual human knowledge. An important event that made a deep impression, especially on those who belong to Michael—I referred to them last time as “Michaelites”—an important event of a truly remarkable nature was the one I have already described in earlier contexts as it unfolded within the course of Earth’s civilizational development. But now it must be characterized as it appears from the perspective of the Michaelites themselves, from the Sun—as one sees it when looking down from the realm of Michael onto the Earth.
[ 9 ] Dieses wichtige, dieses bedeutungsvolle Ereignis geschah im Jahre 869. Es ist das achte allgemeine, ökumenische Konzil in Konstantinopel, wo dogmatisch konstatiert worden ist: Die alte Anschauung von der Trichotomie — der Mensch bestehe aus Leib, Seele und Geist wäre ketzerisch, der Mensch habe nur Leib und Seele, nur daß die Seele einige geistige Eigenschaften habe. Während sich im Objektiven das vollzog, daß die Intelligenz auf die einzelnen Menschen überging, wurde auf Erden — in so besiegelnder Weise, daß niemand, der in der europäischen Zivilisation stand, dem zu widersprechen wagen konnte dekretiert, die Trichotomie sei falsch, sei ketzerisch. Man durfte nicht davon sprechen, daß der Mensch Leib, Seele und Geist habe, sondern nur von Leib und Seele durfte man sprechen und der Seele geistige Eigenschaften und Kräfte zuschreiben. Damit war etwas auf Erden geschehen, von dem man in den Michael-Reichen nur sagen konnte: Nun wird einziehen in die Seelen der Menschen die Überzeugung, daß das Geistige eine Seeleneigenschaft ist, daß das Geistige nicht das Göttliche ist, das im Fortgang der Menschheitsentwickelung waltet. «Seht hinunter auf die Erde» — das ist die Sprache des Michael —, «da schwindet das Bewußtsein vom Geiste.» Aber, meine lieben Freunde, mit diesem Schwinden des Bewußtseins vom Geiste war ja gerade das verbunden, von dem wir heute vorzugsweise sprechen wollen.
[ 9 ] This important, this significant event took place in the year 869. It was the Eighth Ecumenical Council in Constantinople, where it was dogmatically declared: The ancient view of trichotomy—that human beings consist of body, soul, and spirit—was heretical; human beings have only body and soul, except that the soul possesses certain spiritual qualities. While, in the objective realm, intelligence was being transferred to individual human beings, it was decreed on earth—in such a definitive manner that no one within European civilization dared to contradict it—that the trichotomy was false and heretical. One was not permitted to speak of human beings as having body, soul, and spirit; rather, one was allowed to speak only of body and soul, and to ascribe spiritual qualities and powers to the soul. With this, something had happened on Earth about which one could only say in the Michael Realms: Now the conviction will take hold in the souls of human beings that the spiritual is a quality of the soul, that the spiritual is not the Divine that reigns in the course of human development. “Look down upon the Earth”—these are the words of Michael—“there the consciousness of the spirit is fading.” But, my dear friends, this fading of the consciousness of the spirit was precisely connected to what we wish to discuss primarily today.
[ 10 ] Ich habe eben vorher gesagt, daß ich bisher nur abstrakt charakterisiert habe, wie sich die Entwickelung des Michael-Reiches hinter den Kulissen des Erdendaseins vollzogen hat. Ich sagte, die kosmische Intelligenz wäre hinuntergegangen zu den einzelnen Menschen. Aber das ist nur eine Abstraktion, meine lieben Freunde. Was ist denn Intelligenz? Man darf sich natürlich nicht vorstellen, wenn man hinaufkommt in die höheren Reiche, daß man da die Intelligenz so greife, wie man hier in der physischen Welt Bäume und Sträucher greift. Was ist das: «Intelligenz»? Solche Allgemeinheiten gibt es natürlich nicht in Realität. Intelligenz sind die gegenseitigen Verhaltungsmaßregeln der höheren Hierarchien. Was die tun, wie sie sich zueinander verhalten, wie sie zueinander sind, das ist kosmische Intelligenz. Und da wir natürlich als Menschen das uns nächste Reich ins Auge fassen müssen, so wird konkret für uns die kosmische Intelligenz: die Summe von Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi. Wenn wir im Konkreten sprechen, können wir nicht von einer Summe von Intelligenz sprechen, sondern von einer Summe von Angeloi; das ist die Realität. Daß sich die Kirchenväter im Jahre 869 darüber unterhielten, ob man von Geist reden soll, war die Folge davon, daß eine Anzahl von Angeloiwesen sich trennten von dem Michael-Reich, bei dem sie früher waren, und sich unter die Anschauung stellten, daß sie es nunmehr nur zu tun haben mit den Erdgewalten, daß sie nur von Erdgewalten aus die Führung der Menschen zu vollziehen haben. Also sehen Sie, was das für ein Ereignis in Wirklichkeit ist! Angeloi sind diejenigen Wesen, die den Menschen von Erdenleben zu Erdenleben führen. Die nächsten Wesen, die über uns in der geistigen Welt stehen, sind es, die uns auf dem Weg geleiten durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt und wiederum zum Erdenleben hinweisen, die die einzelnen Erdenleben zu einer zusammenhängenden Kette des Totallebens der Menschen machen. Eine Anzahl von Engelwesen, die diese Aufgabe haben, die früher vereinigt waren mit dem Michael-Reiche, ging heraus, verließ das Michael-Reich. Durch ein solches Verhalten konnte das Schicksal der Menschen unmöglich unberührt bleiben. Denn wer ist natürlich zunächst daran beteiligt, wie das Karma sich entwickelt, wie die Erdentaten, die Erdengedanken, die Erdengefühle verarbeitet werden zwischen Tod und neuer Geburt? Die Angeloiwesen sind es! Wenn nun diese Angeloiwesen zu einer ganz anderen Stellung im Kosmos kommen, wenn sie sozusagen das Sonnenreich verlassen und an Stelle von zölestischen Engeln zu terrestrischen Engeln werden, was muß denn da geschehen? Da liegt tatsächlich über der ganzen Entwickelung von Europa hinter den äußeren Tatsachen ein großes Geheimnis. Es sind gewisse Angeloi allerdings im Michael-Reich geblieben. In jener großen Lehrschule im Beginne des 15. Jahrhunderts waren auch solche Angeloiwesen, die zu den Menschen gehört haben, welche dazumal im Michael-Reiche waren. Zu all den Seelen der Menschen, die im Michael-Reiche lebten, von denen ich gesprochen habe, gehörten Angeloiwesen, die im Reiche des Michael geblieben sind. Aber die anderen, die waren es, die herausgingen, welche sich mit demjenigen identifizierten, was Erdenwesen war.
[ 10 ] I just said a moment ago that so far I have only described in abstract terms how the development of the Michael Kingdom has taken place behind the scenes of earthly existence. I said that the cosmic intelligence had descended to individual human beings. But that is only an abstraction, my dear friends. What, then, is intelligence? Of course, when one ascends to the higher realms, one must not imagine that one can grasp intelligence there in the same way one grasps trees and bushes here in the physical world. What is this “intelligence”? Such generalities do not, of course, exist in reality. Intelligence consists of the mutual rules of conduct within the higher hierarchies. What they do, how they relate to one another, how they are toward one another—that is cosmic intelligence. And since we, as human beings, must naturally focus on the realm closest to us, cosmic intelligence becomes concrete for us as the sum of beings from the hierarchy of the Angeloi. When we speak in concrete terms, we cannot speak of a sum of intelligence, but rather of a sum of Angeloi; that is the reality. The fact that the Church Fathers debated in the year 869 whether one should speak of a “Spirit” was the result of a number of Angeloi beings separating themselves from the Michael Realm, to which they had previously belonged, and adopting the view that they now had to deal solely with earthly powers, that they had to carry out the guidance of human beings solely through earthly powers. So you see what kind of event this really is! Angels are the beings who guide human beings from one earthly life to the next. They are the beings closest to us in the spiritual world; they accompany us on our journey through the life between death and rebirth and point us back toward earthly life; they weave the individual earthly lives into a coherent chain of humanity’s total life. A number of angelic beings entrusted with this task, who were formerly united with the Michael Realm, broke away and left the Michael Realm. Such an action could not possibly leave the fate of human beings unaffected. For who, naturally, is primarily involved in how karma unfolds, and how earthly deeds, thoughts, and feelings are processed between death and rebirth? It is the Angeloi beings! Now, when these Angeloi beings assume an entirely different position in the cosmos—when they, so to speak, leave the Solar Realm and, instead of being celestial angels, become terrestrial angels—what must happen then? There is indeed a great mystery underlying the entire development of Europe, hidden behind the outward facts. Certain Angeloi, however, have remained in the Michael Realm. In that great school of learning at the beginning of the 15th century, there were also such Angeloi beings who belonged to the people who were in the Michael Realm at that time. Among all the human souls who lived in the Michael Realm—of whom I have spoken—were Angeloi beings who remained in the Michael Realm. But the others were the ones who left, who identified with what was earthly.
[ 11 ] Nun werden Sie sagen: Ja, wie kommt es denn eigentlich, daß da einer Anzahl von Michael-Engeln es plötzlich einfällt, herauszugehen aus diesem Michael-Reich? Den anderen fällt es nicht bei, herauszugehen! — Ich muß gestehen, das ist eine der schwierigsten Fragen, die man aufwerfen kann in bezug auf die neuere Entwickelung der Menschheit. Es ist im Grunde genommen eine Frage, die alle inneren Kräfte des Menschen, wenn man sich damit beschäftigt, in Regsamkeit versetzen muß. Das ist eine Frage, die tief und innig zusammenhängt mit dem ganzen Menschenleben.
[ 11 ] Now you might say: Yes, but how is it, actually, that a number of Michael angels suddenly decide to leave this Michael realm? It doesn’t occur to the others to leave! — I must admit, this is one of the most difficult questions one can raise regarding the recent development of humanity. It is, in essence, a question that, when one engages with it, must stir all of a person’s inner forces into activity. It is a question that is deeply and intimately connected with the whole of human life.
[ 12 ] Sehen Sie, da liegt in der Tat eine kosmische Tatsache zugrunde. Sie wissen aus meinen Vorträgen, die ich hier von dieser Stelle aus gehalten habe: Alles, was man anspricht als einen physischen Planeten, ist eine Ansammlung von geistigen Wesenheiten. Wenn man hinaufschaut zu einem Stern, so ist das, was physisch erscheint, nur das Äußere; in Wirklichkeit hat man es da zu tun mit einer Versammlung von geistigen Wesenheiten. Nun besteht ein gewisser Gegensatz — der immer bestand, seitdem es eine Erdenentwickelung gegeben hat — zwischen den Intelligenzen aller Planeten und der Sonnenintelligenz. Es ist eben auf der einen Seite die Sonnenintelligenz, auf der anderen Seite sind die Planetenintelligenzen. Und immer war es so, daß die Sonnenintelligenz vorzugsweise unter der Herrschaft des Michael stand, die anderen planetarischen Intelligenzen dagegen unter den anderen Erzengeln. Also sagen wir (es wird an die Tafel geschrieben):
[ 12 ] You see, there is indeed a cosmic fact underlying this. You know from the lectures I have given here from this very spot: Everything that is referred to as a physical planet is a gathering of spiritual beings. When one looks up at a star, what appears physically is only the outer shell; in reality, one is dealing with an assembly of spiritual beings. Now there is a certain contrast—which has always existed ever since the Earth began to evolve—between the intelligences of all the planets and the solar intelligence. On the one hand, there is the solar intelligence; on the other hand, there are the planetary intelligences. And it has always been the case that the solar intelligence was primarily under the rule of Michael, while the other planetary intelligences were under the rule of the other archangels. So we say (it is written on the board):
[ 13 ] Sonnenintelligenz
Michael
[ 13 ] Solar Intelligence
Michael
[ 14 ] Planetenintelligenzen
Merkur: Raphael
Venus: Anael
Mars: Samael
Jupiter: Zachariel
Mond: Gabriel
Saturn: Oriphiel
[ 14 ] Planetary Intelligences
Mercury: Raphael
Venus: Anael
Mars: Samael
Jupiter: Zachariel
Moon: Gabriel
Saturn: Oriphiel


[ 15 ] Aber es war immer so, meine lieben Freunde, daß man nicht sagen konnte, Michael verwalte die Sonnenintelligenz allein. Sondern die ganze kosmische Intelligenz ist spezifiziert in Sonnenintelligenz und in den planetarischen Intelligenzen: Merkur, Venus, Mars und so weiter. Die kosmische Intelligenz wird von den einzelnen Wesen der Archangeloi-Hierarchie mitverwaltet, aber über allen zusammen waltet immer wieder Michael, so daß die gesamte kosmische Intelligenz von Michael verwaltet wird. Selbstverständlich, jeder Mensch war auch früher ein Mensch, als Michael die kosmische Intelligenz verwaltete und als nur ein Strahl in den einzelnen Menschen hineinkam, so daß der Mensch sich doch als Mensch auf der Erde fühlen konnte und der einzelne Mensch nicht bloß Umhüllung der allgemeinen kosmischen Intelligenz war. Das aber rührt von der Sonne her; alle menschliche Intelligenz rührt her von Michael in der Sonne.
[ 15 ] But it has always been the case, my dear friends, that one could not say Michael alone administers the solar intelligence. Rather, the entire cosmic intelligence is manifested in the solar intelligence and in the planetary intelligences: Mercury, Venus, Mars, and so on. Cosmic intelligence is co-administered by the individual beings of the Archangeloi hierarchy, but Michael always presides over them all, so that the entire cosmic intelligence is administered by Michael. Of course, every human being was also a human being in the past, when Michael administered the cosmic intelligence and when only a ray entered into each individual human being, so that the human being could still feel like a human being on Earth and the individual human being was not merely a vessel for the general cosmic intelligence. But this originates from the Sun; all human intelligence originates from Michael in the Sun.
[ 16 ] Nur als diese Jahrhunderte heraufkamen, das 8., 9., 10. Jahrhundert, da geschah es eben, daß die planetarischen Intelligenzen Rechnung trugen dem Umstande, daß die Erde sich verändert hatte, daß auch die Sonne sich verändert hatte. Ja, das, was da draußen vor sich geht, was die Astronomen beschreiben, das ist nur die Außenseite. Sie wissen: Alle elf Jahre ungefähr haben wir eine Sonnenfleckenperiode; die Sonne scheint so auf die Erde, daß gewisse Stellen dunkel sind, daß gewisse Stellen fleckig sind. Das war nicht immer so. Die Sonne glänzte in sehr alten Zeiten als eine gleichförmige Scheibe herunter, Sonnenflecken waren nicht da. Und die Sonne wird nach Tausenden und Tausenden von Jahren wesentlich viel mehr Flecken haben als heute, sie wird immer fleckiger. Das ist immer die äußere Offenbarung dessen, daß die Michael-Kraft, die kosmische Kraft der Intelligenz immer mehr abnimmt. In dem Vermehren der Sonnenflecken durch die kosmische Entwickelung zeigt sich der Verfall der Sonne; immer mehr zeigt sich das Matterwerden, das Altwerden der Sonne im Kosmos. Und an dem Auftreten einer genügend großen Anzahl von Sonnenflecken erkannten die anderen planetarischen Intelligenzen, daß sie nicht mehr von der Sonne beherrscht sein wollen. Sie nahmen sich vor, die Erde nicht mehr von der Sonne abhängig sein zu lassen, sondern direkt vom gesamten Kosmos. Das geschieht durch die planetarischen Ratschlüsse der Archangeloi. Namentlich unter der Führung des Oriphiel geschieht diese Emanzipierung der planetarischen Intelligenz von der Sonnenintelligenz. Es war ein vollständiges Trennen von bis dahin zusammengehörigen Weltgewalten. Die Sonnenintelligenz des Michael und die planetarischen Intelligenzen gerieten nach und nach in kosmische Opposition zueinander.
[ 16 ] It was only as these centuries dawned—the 8th, 9th, and 10th centuries—that the planetary intelligences took into account the fact that the Earth had changed and that the Sun, too, had changed. Yes, what is happening out there—what astronomers describe—is only the outer appearance. You know: About every eleven years we have a sunspot cycle; the Sun shines on Earth in such a way that certain areas are dark, that certain areas are spotted. It wasn’t always like that. In very ancient times, the Sun shone down as a uniform disk; there were no sunspots. And after thousands and thousands of years, the Sun will have significantly more spots than it does today; it will become increasingly spotted. This is always the outward manifestation of the fact that the Michael Force—the cosmic force of intelligence—is steadily diminishing. The increase in sunspots due to cosmic evolution reveals the Sun’s decline; the Sun’s growing materialization and aging within the cosmos become increasingly evident. And upon the appearance of a sufficiently large number of sunspots, the other planetary intelligences recognized that they no longer wished to be ruled by the Sun. They resolved to ensure that the Earth would no longer be dependent on the Sun, but rather directly on the entire cosmos. This is accomplished through the planetary decrees of the Archangels. Specifically, under the leadership of Oriphiel, this emancipation of the planetary intelligence from the solar intelligence is taking place. It was a complete separation of world powers that had previously been united. The solar intelligence of Michael and the planetary intelligences gradually came into cosmic opposition with one another.
[ 17 ] Ja, wenn wir auch den Wesenheiten der Hierarchie der Angeloi eine ganz andere Art der Seelenkraft, der Verfassung des Inneren zuschreiben — Entschlüsse, Erwägungen über das, was geschieht, müssen wir ihnen auch zuschreiben. Wir Menschen entscheiden uns ja auch nicht anders, als daß wir die Dinge ansehen, die äußerlich vor sich gehen, daß wir die Tatsachen sprechen lassen, und unter dem Einfluß der Tatsachen dies oder jenes tun. Nur sind für uns maßgebend zwischen Geburt und Tod die Erdentatsachen. Für die Wesenheiten der Hierarchie der Angeloi sind solche Tatsachen maßgebend wie diese, daß da im planetarischen Leben eine Spaltung vor sich geht. Die eine Schar wandte sich der Erdenintelligenz und damit zu gleicher Zeit der planetarischen Intelligenz zu; die andere Schar blieb treu der MichaelSphäre, um das, was der Michael als das Ewige verwaltet, hineinzutragen in alle Zukunft. Das ist nun etwas Entscheidendes, ob Michael das, was in seinem Wirken ewig ist, in alle Zukunft hineinzutragen vermag, jetzt, wo alle Macht unter den Menschen ist, wo das, was in der physischen Sonne erscheint, finsterer wird und allmählich verschwindet.
[ 17 ] Yes, even if we attribute a completely different kind of soul power—a different inner constitution—to the beings of the hierarchy of the Angeloi, we must also attribute to them decisions and reflections on what is happening. After all, we humans do not make decisions any differently than by observing the events unfolding externally, letting the facts speak for themselves, and acting in one way or another under the influence of those facts. The only difference is that for us, between birth and death, earthly facts are decisive. For the beings of the hierarchy of the Angeloi, decisive facts are such as the fact that a division is taking place within planetary life. One group turned toward earthly intelligence and, at the same time, toward planetary intelligence; the other group remained faithful to the Michael Sphere in order to carry into the future what Michael administers as the Eternal. This is now a decisive factor: whether Michael is able to carry what is eternal in his work into the future, now that all power lies with humanity, now that what appears in the physical sun is growing darker and gradually disappearing.
[ 18 ] So sehen wir, durch kosmische Ereignisse veranlaßt, eine Spaltung unter den Angeloi, die früher mit Michael vereinigt waren. Aber diese Wesenheiten bilden ja gerade mit die karmische Entwickelung. Und nun betrachten Sie das Ganze, wie es sich abspielt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Da ist es nicht so, daß jede Menschenseele allein laufen kann, auch nicht jeder Engel, der die Menschen leitet, kann allein laufen, sondern da wirkt die Hierarchie der Angeloi zusammen. Im Zusammenwirken wird das Karma ausgelebt. Natürlich, wenn ich in einem Erdenleben verbunden werde mit Menschen, und wir tragen das im nächsten Leben aus, dann muß zusammenkommen der Engel des einen Menschen mit dem Engel des anderen. Es muß ein Zusammenwirken geschehen, und vielfach war es so. Das ist das ungeheuer Erschütternde, ich möchte sagen das Zermalmende, das sich abspielt auf Erden in dem Ökumenischen Konzil von 869. Es ist das Signal für etwas Ungeheures, was da oben in der geistigen Welt geschieht. Das ist das Zerschmetternde — wenn man sich ganz aufrechterhält, mit dem richtigen Gebrauche der kosmischen Intelligenz aufrechterhält gegenüber solchen übermächtigen Tatsachen-Zusammenhängen —, das erschütternd Bedeutsame, was schon eintrat und immer mehr und mehr eintritt: daß der Angelos der einen Menschenseele, die mit einer anderen Menschenseele früher karmisch verbunden war, nicht zusammenging mit dem Angelos dieser anderen Menschenseele. Der eine Angelos von zwei karmisch verbundenen Menschenseelen blieb bei Michael, der andere ging hinunter zur Erde. Was mußte da geschehen? In dem Zeitraum zwischen der Begründung des Christentums und dem Bewußtseinszeitalter, das vorzugsweise signalisiert war durch das 9. Jahrhundert, durch das Jahr 869, mußte das geschehen, daß in das Karma der Menschen Unordnung hineinkam! Damit ist eines der bedeutsamsten Worte ausgesprochen, das man überhaupt aussprechen kann mit Bezug auf die neuere Geschichte der Menschheit. Unordnung ist in das Karma der neueren Menschheit hineingekommen. Es wurden in den folgenden Erdenjahren nicht mehr alle Erlebnisse richtig in das Karma hineingestellt. Und das Chaotische der neueren Geschichte, was in die neuere Geschichte immer mehr und mehr soziales und anderes Chaos, Kulturchaos hineinbringt, was nicht zu einem Ziel kommen läßt, das ist die Unordnung, in die Karma gebracht worden ist, weil eine Spaltung eintrat in der zu Michael gehörenden Hierarchie der Angeloi.
[ 18 ] Thus, prompted by cosmic events, we see a division among the Angeloi who were formerly united with Michael. But these beings are, in fact, part of the karmic development. And now consider the whole process as it unfolds in the life between death and rebirth. It is not the case that every human soul can act alone, nor can every angel who guides human beings act alone; rather, the hierarchy of the angels works together. Karma is lived out through this cooperation. Of course, when I am connected to people in one earthly life, and we carry this forward into the next life, then the angel of one person must come together with the angel of another. There must be a collaboration, and this was often the case. This is the immensely shattering—I would say crushing—event that took place on Earth during the Ecumenical Council of 869. It is the signal for something immense that is happening up there in the spiritual world. That is what is shattering—if one maintains one’s composure, sustaining oneself through the proper use of cosmic intelligence in the face of such overwhelming interconnections of facts—the profoundly significant event that has already occurred and is occurring more and more: that the Angelos of one human soul, which had previously been karmically connected to another human soul, did not unite with the Angelos of that other human soul. One Angelos of the two karmically connected human souls remained with Michael; the other descended to Earth. What had to happen there? In the period between the founding of Christianity and the Age of Consciousness—which was marked most notably by the 9th century, by the year 869—disorder had to enter into the karma of humankind! With this, one of the most significant statements that can possibly be made regarding the recent history of humankind has been uttered. Disorder has entered the karma of modern humanity. In the years that followed, not all experiences were properly incorporated into karma. And the chaos of recent history—which brings ever more social and other forms of chaos, as well as cultural chaos, into recent history, preventing any goal from being achieved—is the disorder that has been introduced into karma because a schism occurred within the hierarchy of the Angeloi belonging to Michael.
[ 19 ] Und nun können wir etwas aussprechen, was mit dem Karma der Anthroposophischen Gesellschaft zusammenhängt, was von ungeheurer Bedeutung ist, was, ich möchte sagen, erst die richtige Nuance gibt. Denn alles, was man schließlich in Anlehnung an die Verhältnisse charakterisieren kann, erschöpft nicht dasjenige, was im Geistigen hinter den Kulissen vorgeht. Es ist schwach und matt, was man aus den Erdenverhältnissen heraus an Gedanken auswählt. Man muß nach solchen Vorbereitungen zu dem greifen, was rein Geistiges charakterisiert.
[ 19 ] And now we can speak of something connected with the karma of the Anthroposophical Society—something of immense significance, something that, I would say, provides the proper nuance. For everything that can ultimately be characterized on the basis of external circumstances does not exhaust what is taking place in the spiritual realm behind the scenes. The thoughts one selects from earthly circumstances are weak and feeble. After such preparations, one must turn to what characterizes the purely spiritual.
[ 20 ] Da muß man sagen: Gewiß, all das, was die Seelen gemeinschaftlich in der Anthroposophischen Gesellschaft ehrlich durch inneren Seelendrang zusammengeführt hat, das gilt natürlich. Aber wie kommt es denn, daß auch die Kräfte vorhanden sind, die bewirken, daß wirklich heute sich Menschen zusammenfinden unter rein geistigen Prinzipien, die sonst fremd sind in der heutigen Welt? Wo liegen die Kräfte vom Sich-Zusammenfinden? Die liegen darin, daß durch den Eintritt der Herrschaft des Michael, durch das Michaelische Zeitalter, in dem wir leben, mit dem Hereindringen des Michael in die Erdenherrschaft, mit der Ablösung der Herrschaft des Gabriel durch die Herrschaft des Michael von Michael hereingebracht wird die Kraft, die da bei denjenigen, die mit ihm gegangen sind, wiederum das Karma in Ordnung bringen soll. So daß wir sagen können: Was vereinigt die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft? Das vereinigt sie, daß sie ihr Karma in Ordnung bringen sollen! Wenn jemand merkt im Verlaufe seines Lebens, daß er da oder dort in Beziehungen hineinkommt, die nicht konform sind seinem inneren Drange, die vielleicht in irgendeiner Weise herausfallen aus dem, was richtige Harmonie ist im Menschen zwischen gut und böse — dieses auf der einen Seite —, und auf der anderen Seite stets ein Drang in ihm ist, mit dem Anthroposophischen vorwärts zu kommen: da liegt das vor, daß der Mensch wiederum zurückstrebt zum Karma, zum wirklichen Karma, zum Ausleben des wirklichen Karma. Das ist der kosmische Strahl, der sich deutlich für den Erkennenden durch die anthroposophische Bewegung ergießt: Wiederherstellung der Wahrheit des Karma. Sehen Sie, damit ist vieles verknüpft von dem, was sowohl Schicksal der einzelnen in der Anthroposophischen Gesellschaft ist wie Schicksal der ganzen Gesellschaft. Natürlich, denn das fließt alles ineinander.
[ 20 ] One must say: Certainly, everything that has honestly brought souls together in the Anthroposophical Society through an inner spiritual impulse is, of course, true. But how is it that there are also forces at work that cause people today to come together under purely spiritual principles that are otherwise foreign to the modern world? Where do the forces of coming together lie? They lie in the fact that, through the advent of Michael’s reign—through the Michaelic Age in which we live—with Michael’s entry into earthly dominion and the replacement of Gabriel’s reign by Michael’s, Michael brings with him the power intended to restore karmic balance in those who have followed him. So we can say: What unites the members of the Anthroposophical Society? What unites them is that they are to set their karma right! If, in the course of their life, someone notices that they are entering into relationships here or there that are not in accordance with their inner impulse—relationships that perhaps in some way fall outside of what constitutes true harmony within the human being between good and evil—on the one hand—and, on the other hand, there is always an impulse within them to move forward with anthroposophy: then what is at work here is that the person is once again striving back toward karma, toward true karma, toward living out true karma. This is the cosmic ray that pours forth clearly for the discerning through the anthroposophical movement: the restoration of the truth of karma. You see, much of what constitutes both the destiny of the individual within the Anthroposophical Society and the destiny of the Society as a whole is connected to this. Naturally, for it all flows into one another.
[ 21 ] Nun müssen wir das Folgende ins Auge fassen: Sehen Sie, die Menschen, die zusammenhängen mit Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, die im Michael-Reiche verblieben sind, diese Menschen haben es schwer, für das, was sie begreifen sollen, Intelligenzformen zu finden. Sie streben ja dahin, auch die persönliche Intelligenz so zu erhalten, daß das mit der Michael-Verehrung zusammenhängen kann. Diejenigen Seelen, von denen ich gesagt habe, daß sie teilgenommen haben an jenen Vorbereitungen im 15. und 19. Jahrhundert, kommen zur Erde hinunter, hängend noch im tiefsten Drang nach Michael und seiner Sphäre. Dennoch, sie sollen nach Entwickelungsprinzipien der Menschheit die individuelle persönliche Intelligenz aufnehmen. Das gibt Zwiespalt, aber einen Zwiespalt, der sich lösen muß durch eine spirituelle Entwickelung, durch das Zusammenkommen der individuellen Aktivität mit dem, was geistige Welten herunterbringen im jetzigen Intelligenzzeitalter. Die anderen, deren Engel abfielen — was natürlich mit dem Karma zusammenhängt, denn der Engel fällt ab, wenn er mit einem Menschenkarma zusammenhängt, das dementsprechend ist —, die anderen nehmen wie mit Selbstverständlichkeit die persönliche Intelligenz auf, ganz wie selbstverständlich, aber dafür wirkt sie auch automatisch in ihnen, sie wirkt durch die Körperlichkeit. Sie wirkt so, daß diese Menschen denken, gescheit denken, aber sie sind nicht engagiert dabei. Das war der große Streit, der lange Zeit zwischen den Dominikanern und den Franziskanern sich abspielte. Die Dominikaner konnten nicht das persönliche Intelligenzprinzip anders ausgestalten als in möglichster Treue zur Michael-Sphäre. Die Franziskaner, die Anhänger von Duns Scotus — nicht von Scotus Erigena —, die wurden völlig Nominalisten. Sie sagten: Intelligenz ist überhaupt nur eine Summe von Worten. Alles was sich abspielte an Diskussionen zwischen den Menschen, alles das ist eben wirklich so, daß es das Abbild ist von mächtigen Kämpfen, die stattfinden zwischen der einen Schar der Angeloi und der anderen Schar der Angeloi.
[ 21 ] Now we must consider the following: You see, the people who are connected to beings from the hierarchy of the Angeloi—those who have remained in the Michael Realm—find it difficult to find forms of intelligence that correspond to what they are meant to comprehend. They strive, after all, to maintain their personal intelligence in such a way that it can be connected to the veneration of Michael. Those souls of whom I have spoken—who took part in those preparations in the 15th and 19th centuries—come down to Earth, still clinging to the deepest longing for Michael and his sphere. Nevertheless, according to the principles of human development, they are to assimilate individual personal intelligence. This creates a conflict, but one that must be resolved through spiritual development, through the convergence of individual activity with what the spiritual worlds bring down in the present age of intelligence. The others, whose angels fell—which is naturally connected to karma, for the angel falls when it is linked to human karma that corresponds to it—these others absorb personal intelligence as a matter of course, quite naturally; but in return, it also works automatically within them, acting through their physicality. It works in such a way that these people think—think intelligently—but they are not engaged in the process. This was the great dispute that played out for a long time between the Dominicans and the Franciscans. The Dominicans could not conceive of the principle of personal intelligence in any way other than with the utmost fidelity to the sphere of Michael. The Franciscans, the followers of Duns Scotus—not Scotus Erigena—became complete nominalists. They said: Intelligence is nothing more than a sum of words. Everything that took place in the discussions among people—all of it—is in fact a reflection of the powerful battles taking place between one host of angels and another host of angels.
[ 22 ] Sehen Sie, das ist so, daß die Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, welche nun mit dem Erdenprinzip sich vereinigt haben, eigentlich ja etwa seit dem 9., 10. Jahrhundert auf der Erde leben. Und das ist wiederum das Erschütternde, meine lieben Freunde: Da nimmt auf der Erde der Materialismus zu, da sind gerade die vorgerücktesten, die gescheitesten Menschen so, daß sie das Geistige leugnen, daß sie anfangen zu spotten darüber, daß geistige Wesen ebenso in ihrer Umgebung sein sollen wie physische Menschen. In dieser Zeit, in der sich der Materialismus ausbreitet, steigen immer mehr und mehr Engel herunter und leben auf der Erde. Sie tun mit. Gerade sie sind es, die in gewissen Zeiten, wo das menschliche Bewußtsein getrübt ist, sich inkorporieren und auf Erden wirken. Eine große Anzahl von Wesen der Angeloi hält sich zurück, aber diejenigen, die nach ihrem Angeloikarma am nächsten stehen den ahrimanischen Gewalten, die halten sich nicht zurück, die inkorporieren sich in Menschen, tauchen unter in Menschen zu gewissen Zeiten.
[ 22 ] You see, the fact is that the beings from the hierarchy of the Angeloi, who have now united with the earthly principle, have actually been living on Earth since around the 9th or 10th century. And that, my dear friends, is what is so shocking: Materialism is on the rise on Earth, and it is precisely the most advanced, the most intelligent people who deny the spiritual, who begin to mock the idea that spiritual beings might be present in their surroundings just as physical human beings are. In this age when materialism is spreading, more and more angels are descending and living on Earth. They are taking part. It is precisely they who, at certain times when human consciousness is clouded, incarnate and work on Earth. A large number of angelic beings hold back, but those whose angelic karma brings them closest to the Ahrimanic forces do not hold back; they incarnate in human beings, immersing themselves in humanity at certain times.
[ 23 ] Dann entsteht dasjenige, was ich in der vorigen Stunde bezeichnet habe dadurch, daß ich sagte: Da ist nun ein solcher Mensch auf Erden, er hat menschliche Begabung, menschliche Intelligenz, die er auslebt, vielleicht genial auslebt, aber für eine gewisse Zeit, wo sein Bewußtsein getrübt ist, nimmt eine ahrimanische Angeloi-Intelligenz in ihm Platz. Da kann dann diese Erscheinung auftreten: Da ist ein Mensch, er scheint so, als ob er ein gewöhnlicher Mensch wäre und aus seiner Menschheit heraus dieses oder jenes schreibt. Nun kann das Ahrimanische gerade durch dasjenige an den Menschen heran, was man heute in intelligenten Formen aufnimmt. Man muß seine Persönlichkeit geltend machen, wenn man heute nicht überflutet werden soll von all dem, was ich angedeutet habe im Laufe dieser Vorträge. Und deshalb ist es, daß Ahriman als Schriftsteller auftreten kann. Er bedient sich natürlich eines Angeloswesens. Er kann schriftstellern. Und wenn wir jetzt im Zeichen unserer Weihnachtstagung vereinigt sind, so soll über solche Dinge nicht geschwiegen werden. Deshalb möchte ich das Folgende noch bemerken.
[ 23 ] Then what I described in the previous lecture arises from the fact that I said: There is now such a person on Earth; he possesses human gifts and human intelligence, which he lives out—perhaps even brilliantly—but for a certain period, when his consciousness is clouded, an Ahrimanic angelic intelligence takes up residence within him. This phenomenon can then occur: There is a person who appears to be an ordinary human being and who writes this or that out of his humanity. Now the Ahrimanic can approach the human being precisely through that which is absorbed today in intelligent forms. One must assert one’s personality if one is not to be overwhelmed today by all that I have alluded to in the course of these lectures. And that is why Ahriman can appear as a writer. He naturally makes use of an angelic being. He is capable of writing. And now that we are gathered together for our Christmas Conference, such matters should not be passed over in silence. That is why I would like to add the following:
[ 24 ] Sehen Sie, es war eine andere Stellung möglich zu einem der glänzendsten Schriftsteller der letzten Zeit, einem der größten Schriftsteller, bevor dessen letzte Werke erschienen sind. Als ich mein Buch schrieb: «Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit», hatte man es in der Öffentlichkeit zu tun mit dem blendenden Schriftsteller, der menschliche Fähigkeiten bis zum Höchsten hinauf gesteigert hatte. Dann erst wurde man bekannt mit dem, was Nietzsche in der Zeit seines Verfalles geschrieben hat. Da sind vor allen Dingen zwei Werke, «Antichrist» und «Ecce homo»: das sind zwei Werke, die Ahriman geschrieben hat nicht Nietzsche, sondern ein ahrimanischer Geist, in Nietzsche inkorporiert. Da trat zuerst Ahriman als Schriftsteller auf Erden auf. Er wird das fortsetzen. Nietzsche ist daran zerschellt. Man denke, welchen Impulsen man gegenübersteht, wenn man jenen Ideen gegenübersteht, die in Nietzsche gelebt haben in der Zeit, wo er aus jenem Geiste heraus jene glänzenden, aber teuflischen Werke geschrieben hat, die Werke «Antichrist» und «Ecce homo» — intelligente Werke! Ich habe gesprochen von der großen, umfassenden Intelligenz Ahrimans. In bezug auf das, was großartig, blendend ist, setzt man ein Werk nicht herunter, wenn man es ahrimanisch nennt, wie Einfältige meinen können, die nicht wissen, welche Größe in Ahriman sein kann. Man tadelt nicht, man lobt nicht, wenn man von Ahriman spricht; sehr viel auf Erden hängt von ihm ab. Wer geblutet hat — ich meine es seelisch —, wie ich geblutet habe, als ich zum ersten Mal Nietzsches Schrift «Der Wille zur Macht» las, die dann veröffentlicht worden ist in einer Weise, daß die Menschen keine richtige Vorstellung davon bekommen konnten, und wer zu gleicher Zeit hineinschauen kann in die Reiche, die, seitdem die Herrschaft des Michael besteht, seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, nur durch eine ganz dünne Wand getrennt sind von den physischen Erdenreichen, wer weiß, wie dieses Reich ganz unmittelbar anstößt an das physische Reich, so daß man sagen kann, es ist das ein Reich, das ähnlich ist dem Reich, das der Mensch durchmacht nach dem Tode, wer hineinschaut, wie die Anstrengungen sind nach dieser Richtung, der weiß, wie sie impulsierend zum Ausdruck kommen in so etwas wie «Ecce homo» und «Antichrist». Man braucht nur daran zu denken, was für ahrimanische Bemerkungen im «Antichrist» stehen. Ich weiß nicht, ob in den neueren Ausgaben die Stelle auch so steht. Es gibt eine Stelle, wo er über Jesus schreibt — ich zitiere nicht wörtlich — und sagt, Renan bezeichne Jesus als Genie. Nietzsche sieht ihn nicht als Genie an, er sagt: Mit der Strenge des Physiologen gesprochen, wäre hier ein ganz anderes Wort am Platze... In meiner Ausgabe von Nietzsches Werken stehen an dieser Stelle drei Punkte, ich weiß nicht, ob es in neueren Ausgaben auch so ist, im Manuskript steht hier «Idiot», ganz ausgeschrieben. Daß Jesus als «Idiot» bezeichnet wird, ist die Hand des Ahriman. Und manches andere von dieser Art steht da. Und wer könnte denn glauben, daß nicht da in Nietzsche, der gleichzeitig, als er diese Dinge schrieb, Anwandlungen in seiner Seele hatte, zum Katholizismus zu kommen — es ging parallel, Sie müssen.das nicht vergessen —, wer könnte da glauben, daß da nicht ein tiefes Rätsel verborgen ist? Der «Antichrist» — mit welchen Worten schließt er? Mit den Worten — ich kann es nicht wörtlich zitieren —: Ich möchte es an alle Wände schreiben, und ich habe Schreibmaterial mit weithin leuchtenden Lettern, ich möchte es an alle Wände schreiben, was das Christentum ist: Das Christentum ist der größte Fluch der Menschheit! — So schließt das Buch. Da liegt doch ein Problem vor. Man muß eben sehen, wie dieses ganze, nur durch eine dünne Wand von dem unsrigen getrennte Reich, wo sich alle die geistigen Kämpfe beim Ausgang des Kali Yuga abgespielt haben — noch etwas hinausragend über das Kali Yuga —, wie dieses Reich herein will in das physische Erdenreich.
[ 24 ] You see, it was possible to take a different stance toward one of the most brilliant writers of recent times—one of the greatest writers—before his final works were published. When I wrote my book, Nietzsche, a Fighter Against His Time, the public was still dealing with the dazzling writer who had elevated human capabilities to the highest level. Only then did people become familiar with what Nietzsche wrote during his period of decline. Above all, there are two works, The Antichrist and Ecce Homo: these are two works written not by Nietzsche, but by Ahriman—an Ahrimanic spirit incarnated within Nietzsche. It was there that Ahriman first appeared on earth as a writer. He will continue to do so. Nietzsche was shattered by it. Consider the impulses one faces when confronted with those ideas that lived within Nietzsche at the time when, out of that spirit, he wrote those brilliant but diabolical works, The Antichrist and Ecce Homo—intelligent works! I have spoken of Ahriman’s great, all-encompassing intelligence. With regard to what is magnificent and dazzling, one does not disparage a work by calling it “Ahrimanic,” as simple-minded people might think, not knowing what greatness can be found in Ahriman. One neither criticizes nor praises when speaking of Ahriman; very much on Earth depends on him. Whoever has bled—I mean spiritually—as I did when I first read Nietzsche’s treatise The Will to Power, which was then published in such a way that people could not form a proper conception of it, and whoever at the same time can look into the realms that, ever since Michael’s reign began in the 1880s, are separated from the physical realms of the earth by only a very thin wall—who knows how this realm borders directly on the physical realm, so that one can say, it is a realm similar to the one a person passes through after death; whoever looks into the efforts being made in this direction knows how they find impulsive expression in works such as Ecce Homo and The Antichrist. One need only think of the Ahrimanic remarks found in The Antichrist. I do not know whether this passage appears the same way in the more recent editions. There is a passage where he writes about Jesus—I am not quoting verbatim—and says that Renan describes Jesus as a genius. Nietzsche does not regard him as a genius; he says: “Speaking with the rigor of a physiologist, a quite different word would be appropriate here...” In my edition of Nietzsche’s works, there are three dots at this point; I don’t know if it’s the same in newer editions. In the manuscript, the word “Idiot” is written out in full here. The fact that Jesus is described as an “Idiot” is the hand of Ahriman. And there are many other passages of this kind there. And who could possibly believe that there isn’t something hidden there in Nietzsche—who, at the very same time he was writing these things, was experiencing stirrings in his soul to convert to Catholicism—it happened in parallel; you must not forget that—who could believe that there isn’t a deep mystery concealed there? The Antichrist—with what words does it conclude? With the words—I cannot quote them verbatim—: “I would like to write it on every wall, and I have writing materials with letters that shine far and wide; I would like to write on every wall what Christianity is: Christianity is the greatest curse of humanity!”—That is how the book concludes. There is certainly a problem here. One must simply see how this entire realm—separated from our own by only a thin wall, where all the spiritual struggles at the end of the Kali Yuga took place—extending slightly beyond the Kali Yuga—how this realm seeks to enter the physical realm of the Earth.
[ 25 ] Das sind die Dinge, auf die man hinschauen muß, wenn man begreifen will, wie nun die Menschheit eigentlich stehen kann zu dem, was in der Zivilisation auftreten muß durch den Anbruch des Michael-Zeitalters. Man mußte bei dem Kali Yuga-Übergang, bei dem Übergang von dem finsteren in das lichte Zeitalter, ja tatsächlich in einer geistig-physischen Anschaulichkeit drinnenstehen, wenn man charakterisieren wollte, so wie ich es getan habe in der Vorrede zu meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», die Stimmung, die man haben muß gegenüber dem Geistigen und dem Materiellen. Es ist tatsächlich so, daß man überall herholen möchte die Möglichkeiten, diesen grandiosen Übergang, der da stattfindet als Anbruch des Michael-Zeitalters, zu charakterisieren. Und mit allem, was anthroposophische Bewegung ist, muß man sich da drinnen fühlen. Denn all dieses Großartige, dieses Große, es lebt sich zunächst aus in dem schon in Unordnung gekommenen Menschenkarma. Wenn man denkt, wie allgemeine Wahrheit in den karmischen Zusammenhängen liegt, und wie die Welt so ist, daß selbst in diese allgemeinen karmischen Zusammenhänge die Ausnahmen eingreifen konnten durch Jahrhunderte hindurch, und wie die Forderung hereintritt, kosmische Ausnahmen wiederum in ihre Regeln zurückzuführen: dann wird man etwas empfinden — weil das die Aufgabe, die Mission der anthroposophischen Bewegung ist — von der großen Bedeutung und Tragweite der anthroposophischen Bewegung.
[ 25 ] These are the things one must look at if one wants to understand how humanity can actually relate to what must occur in civilization with the dawn of the Michael Age. During the transition from the Kali Yuga—the transition from the dark age to the age of light—one really had to be immersed in a spiritual-physical vividness if one wanted to characterize it, as I did in the preface to my book Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life, the attitude one must have toward the spiritual and the material. It is indeed the case that one would like to draw upon every possible means to characterize this magnificent transition that is taking place as the dawn of the Michael Age. And one must feel oneself immersed in everything that constitutes the anthroposophical movement. For all this magnificence, this greatness, initially plays itself out within human karma, which has already fallen into disorder. When one considers how universal truth lies in karmic interrelationships, and how the world is such that even within these general karmic interrelationships exceptions have been able to intervene over the course of centuries, and how the demand arises to bring cosmic exceptions back into line with their rules: then one will sense something—because that is the task, the mission of the anthroposophical movement—of the great significance and scope of the anthroposophical movement.
[ 26 ] Das, meine lieben Freunde, soll in Ihren Seelen ruhen, wenn Sie sich sagen: Diejenigen, die heute aus solcher Unterscheidung heraus den Drang fühlen, in das anthroposophische Leben hineinzukommen, sie werden mit dem Ablauf des 20. Jahrhunderts wiederum berufen, um an dem Kulminationspunkte die größtmögliche Ausbreitung der anthroposophischen Bewegung zu erreichen. Aber das kann nur geschehen, wenn diese Dinge leben können in uns, wenn leben kann die Anschauung von dem, was kosmisch-geistig hereinragt ins IrdischPhysische, wenn selbst in die irdische Intelligenz, in die Anschauung der Menschen hereinragt die Erkenntnis von der Bedeutung des Michael.
[ 26 ] This, my dear friends, should rest in your souls when you say to yourselves: Those who, based on this distinction, feel the urge today to enter into anthroposophical life will, as the 20th century draws to a close, be called upon once more to achieve the greatest possible expansion of the anthroposophical movement at its culmination. But this can only happen if these things can live within us, if the vision of what reaches down from the cosmic-spiritual into the earthly-physical can live, if even into earthly intelligence, into human perception, the recognition of the significance of Michael can reach.
[ 27 ] Dieser Impuls muß die Seele sein des anthroposophischen Strebens; die Seele selbst muß darinnenstehen wollen in der anthroposophischen Bewegung. Damit werden wir die Möglichkeit finden, Gedanken von einer großen Tragweite durch einige Zeit in unseren Seelen nicht nur zu bewahren, sondern lebendig zu machen; so daß die Seelen durch diese Gedanken in anthroposophischer Weise sich ferner gestalten, damit die Seele in Wahrheit werde dasjenige, was sie sein soll, durch den unbewußten Drang zur Anthroposophie zu kommen — damit die Seele ergriffen werde von der Mission der Anthroposophie. Um dieses Ergriffensein einmal in einiger Ruhe auf sich wirken zu lassen, habe ich zu Ihnen in dieser letzten Stunde diese ernsten Worte gesprochen. Wir wollen sie fortsetzen, wenn wir wieder zusammenkommen. Wenn wir in den ersten Septembertagen zusammenkommen werden, werden wir die Fortsetzung dieser Betrachtungen haben. In der Zwischenzeit möchte ich an Ihrer aller Herzen gerade dasjenige gelegt haben, was ich heute abend sprechen mußte im Zusammenhang mit dem Karma der einzelnen Anthroposophen und der Anthroposophischen Gesellschaft.
[ 27 ] This impulse must be the very soul of the anthroposophical endeavor; the soul itself must desire to be at the very heart of the anthroposophical movement. In this way, we will find the means not only to preserve thoughts of great significance in our souls for some time, but also to bring them to life; so that through these thoughts the souls may continue to develop in an anthroposophical way, so that the soul may truly become what it is meant to be through the unconscious urge to come to anthroposophy—so that the soul may be seized by the mission of anthroposophy. In order to allow this sense of being seized to take effect within you in a moment of quiet, I have spoken these earnest words to you in this final hour. We will continue them when we meet again. When we gather in the first days of September, we will resume these reflections. In the meantime, I would like to have laid upon all your hearts precisely what I had to speak about this evening in connection with the karma of individual anthroposophists and the Anthroposophical Society.
