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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume IV
GA 238

12 September 1924, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Wenn wir ein vom Geistesleben durchflossenes menschliches Denken und Handeln wiederum haben wollen, dann wird es notwendig sein, solche Anschauungen von der geistigen Welt, wie sie in den letzten Vorträgen durch unsere Seele gezogen sind, in vollem Ernste wiederum aufzunehmen, nachdem sie jahrhundertelang eigentlich gerade der zivilisiertren Menschheit gefehlt haben.

[ 1 ] If we wish to restore human thought and action imbued with spiritual life, it will be necessary to take up once again, with the utmost seriousness, such insights into the spiritual world as have passed through our souls in the recent lectures—insights that have, in fact, been lacking in civilized humanity for centuries.

[ 2 ] Wenn wir in verschiedene Epochen menschlicher Geschichtsentwickelung zurückblicken, so werden wir in älteren Zeiten sehen, wie menschliches Handeln auf Erden überall angeknüpft worden ist an dasjenige, was im Übersinnlichen sich vollzieht. Nicht als ob etwa bei dem weitaus größten Teil der Menschheit in der letzten Zeit ein gewisses abstraktes Bewußtsein vom Übersinnlichen gefehlt hätte; das soll nicht gesagt werden. Wohl aber hat der Mut gefehlt, dasjenige, was im Irdischen konkret geschieht, auch an konkrete Gestaltungen des geistigen Lebens und Webens anzuknüpfen.

[ 2 ] When we look back at the various epochs of human historical development, we see that in earlier times human activity on Earth was universally linked to what takes place in the supersensible realm. This is not to say that the vast majority of humanity in recent times has lacked a certain abstract awareness of the supersensible; that is not the point. What has been lacking, however, is the courage to connect what actually happens in the earthly realm to concrete forms of spiritual life and activity.

[ 3 ] Mit solchen Betrachtungen, wie wir sie nun angestellt haben, kommen wir wieder dazu. Namentlich kommen wir dazu, wenn wir das irdische Leben der Menschen, so wie es ja hier geschehen ist, in Zusammenhang zu bringen vermögen mit dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und wenn wir vermögen anzuknüpfen das, was in einem Erdenleben geschieht, an dasjenige, was in den aufeinanderfolgenden Erdenleben sich vollzieht.

[ 3 ] With considerations such as those we have just made, we come back to this point. Specifically, we arrive at this point when we are able to relate human life on earth—as has indeed been done here—to the life between death and a new birth, and when we are able to connect what happens in one earthly life to what unfolds in successive earthly lives.

[ 4 ] Wir haben nun damit begonnen, jene geistig-übersinnliche Strömung zu betrachten, von der ich sagen durfte, daß sie mit unserer gegenwärtigen Michaelströmung, in deren Dienst sich die Anthroposophie gestellt hat, zusammenhängt. Damit haben wir uns auf den Weg begeben, der in gewissem Sinne an das Karma der anthroposophischen Bewegung selbst herankommen soll und damit auch an das Karma der einzelnen Persönlichkeiten, die in ehrlicher Weise, das heißt aus einem selbstverständlichen Trieb ihres Inneren heraus, das Leben ihrer Seele, ihres Geistes vereinigen können mit der anthroposophischen Bewegung.

[ 4 ] We have now begun to examine that spiritual-supernatural current which I was permitted to describe as being connected to our present Michael current, to whose service anthroposophy has dedicated itself. With this, we have set out on a path that, in a certain sense, is intended to approach the karma of the anthroposophical movement itself—and thus also the karma of the individual personalities who, in an honest way—that is, out of a natural inner impulse—are able to unite the life of their soul and spirit with the anthroposophical movement.

[ 5 ] Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie gewissermaßen unter der Ägide der Michaelmacht ein übersinnliches Ereignis in derselben Zeit stattgefunden hat, in welcher auf Erden 869 jenes Konzil stattgefunden hat, durch welches das ganze Mittelalter in seinem Zivilisationsleben tief beeinflußt worden ist. Man muß nur die tiefe Scheu beobachten, mit der erleuchtete Geister des Mittelalters es vermieden, von dem dreigliedrigen Menschen nach Leib, Seele und Geist zu sprechen. Denn es hat eben dieses achte allgemeine Konzil in Konstantinopel die Lehre vom dreigliedrigen Menschen als ketzerisch, als häretisch erklärt, und bei der Macht, welche solche geistigen Verfügungen im Mittelalter hatten, ist es einleuchtend, daß nun eigentlich das ganze geistige Leben in gewisser Beziehung hier auf Erden unter dem Schatten dieser Verketzerung der sogenannten Trichotomie verläuft.

[ 5 ] And I have pointed out how, as it were, under the auspices of the Michaelic power, a supernatural event took place at the very same time that, in the year 869, that council was held on Earth—a council that profoundly influenced the entire Middle Ages in terms of its civilization. One need only observe the deep reluctance with which the enlightened minds of the Middle Ages avoided speaking of the threefold human being—body, soul, and spirit. For it was precisely this Eighth Ecumenical Council in Constantinople that declared the doctrine of the threefold human being—body, soul, and spirit—to be heretical; and given the power that such spiritual decrees held in the Middle Ages, it is evident that, in a certain sense, the entire spiritual life here on earth now unfolds under the shadow of this condemnation of the so-called trichotomy.

[ 6 ] Aber um so intensiver ist eigentlich dasjenige Geistesleben, das seit langer Zeit daran arbeitet, die Michaelströmung für das zwanzigste Jahrhundert vorzubereiten, die Michaelströmung, in der wir seit dem letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts stehen und in der wir als Menschheit drei bis vier Jahrhunderte stehen werden. Wir wollen heute auf den Fortgang dieser Strömung, die wir ja zu betrachten begonnen haben, hinweisen, um dann übermorgen, am nächsten Sonntag, mehr an dasjenige heranzukommen, was auf der einen Seite mit dem Karma der anthroposophischen Bewegung, auf der anderen Seite mit dem Geistesleben der Gegenwart karmisch zusammenhängt.

[ 6 ] But all the more intense, in fact, is the spiritual life that has long been working to prepare the Michael current for the twentieth century—the Michael current in which we have been living since the last third of the nineteenth century and in which we, as humanity, will remain for three to four centuries. Today we would like to point out the progress of this current, which we have indeed begun to consider, so that the day after tomorrow, next Sunday, we may delve more deeply into what is karmically connected, on the one hand, with the karma of the anthroposophical movement and, on the other hand, with the spiritual life of the present.

[ 7 ] Ich habe gesagt, daß bei einer Art übersinnlichen, überirdischen Konzils in derselben Zeit, als das achte allgemeine Konzil in Konstantinopel stattgefunden hat, sich die Individualitäten Harun al Raschids und seines weisen Ratgebers, aber auch die Individualitäten Alexanders und Aristoteles’ getroffen haben; daß sich da auch eingefunden haben einige Individualitäten aus der Zeit, in welcher der Dienst des Artus stattgefunden hat, und ich habe auseinandergesetzt, wie das alles unter der Ägide Michaels stattgefunden hat.

[ 7 ] I have said that, during a kind of supernatural, otherworldly council that took place at the same time as the Eighth Ecumenical Council in Constantinople, the individualities of Harun al-Rashid and his wise advisor, as well as those of Alexander and Aristotle, came together; that some individualities from the time of Arthur’s reign were also present there, and I explained how all of this took place under the aegis of Michael.

[ 8 ] Dann habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie Harun al Raschid wiedererscheint — herübertragend nach Europa orientalisches Geistesleben mit einer unchristlich gewordenen aristotelischen Lehre —, wie Harun al Raschid erscheint als Lord Bacon, als Baco von Verulam, der einen großen Einfluß auf das Geistesleben Europas hatte, aber einen Einfluß, der sich durchaus im materialistischen Sinne bewegt. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie der Ratgeber Harun al Raschids, den ich charakterisiert habe, wiederum erscheint als Amos Comenius, von dem ja mit Recht in einem guten Sinne viel geredet wird, der aber doch auch die Seite hat, daß er in dem Bestreben, anschauliche Bildlichkeit in den Unterricht hineinzubringen, den Materialismus dadurch gefördert hat, daß er im Grunde genommen die unmittelbar sinnliche Anschaulichkeit scharf betont hat.

[ 8 ] Then I pointed out how Harun al-Rashid reappears—bringing Eastern intellectual life to Europe along with an Aristotelian doctrine that had become non-Christian—how Harun al-Rashid appears as Lord Bacon, as Bacon of Verulam, who had a great influence on European intellectual life, but an influence that is entirely of a materialistic nature. And I drew attention to how Harun al-Rashid’s advisor, whom I have characterized, in turn appears as Amos Comenius—about whom, of course, much is rightly said in a positive sense, but who nevertheless also has the aspect that, in his endeavor to to introduce vivid imagery into teaching, he promoted materialism by, in essence, placing strong emphasis on immediate sensory perception.

[ 9 ] Da sehen wir gewissermaßen ins Erdenleben Ende des sechzehnten Jahrhunderts, Anfang des siebzehnten Jahrhunderts diejenige Strömung hereinbrechen, welche nicht in der geradlinigen Fortsetzung des Christentums liegt, welche ein dem Christentum fremdes Element in die europäische Geistesentwickelung hineinbringt. Aber auf der anderen Seite wirken ja weiter, und zwar jetzt in übersinnlichen Welten, die mit der Michaelströmung verbunden bleibenden Individualitäten Aristoteles’, Alexanders, alle diejenigen, welche dazugehören.

[ 9 ] Here, so to speak, we see a current breaking into earthly life at the end of the sixteenth century and the beginning of the seventeenth century—a current that does not lie in the direct continuation of Christianity, but rather introduces an element foreign to Christianity into the development of the European spirit. But on the other hand, the individualities of Aristotle, Alexander, and all those who belong to this group—who remain connected to the Michaelic current—continue to exert their influence, now in the supersensible worlds.

[ 10 ] Aber außerdem wirkt innerhalb dieser Strömung, zum Teil in übersinnlichen Welten, zum Teil auch auf Erden selber, etwas durch gewisse Persönlichkeiten, welche im Zusammenhange mit diesen übersinnlichen Strömungen standen, da sie zwischen Tod und neuer Geburt waren, Individualitäten, die dann als Persönlichkeiten auf der Erde im Laufe der nächsten Jahrhunderte erschienen; Individualitäten, die weniger an den Alexandrinismus, an den Aristotelismus anknüpfen, die an Plato und an alles dasjenige anknüpfen, was aus Platos Anschauung geworden ist.

[ 10 ] But in addition, within this current—partly in the supersensible worlds and partly on Earth itself—something is at work through certain personalities who were connected to these supersensible currents while they were between death and rebirth; these were individualities who then appeared as personalities on Earth over the course of the following centuries; individualities who were less connected to Alexandrianism or Aristotelianism, but rather to Plato and to everything that had developed from Plato’s philosophy.

[ 11 ] Namentlich sehen wir in den auf das neunte Jahrhundert folgenden Jahrhunderten platonisch gerichtete, platonisch orientierte Geister auf die Erde heruntersteigen. Und das sind ja diejenigen, welche eine von dem ofliziellen Christentum, von dem ofhiziellen Katholizismus als häretisch angesehene christliche Lehre, die aber die wahrere christliche Lehre war, im Mittelalter fortgesetzt haben. Die Individualitäten, die den christlichen Ariistotelismus fortsetzten, sie blieben zunächst in geistigen Welten zurück, denn auf der Erde war im neunten, zehnten, elften, zwölften Jahrhundert, nach den Zivilisationsbedingungen, die gegeben waren, keine rechte Anknüpfung für diese Geistesströmung. Dagegen konnten sich, man möchte sagen, in gewissen isolierten Geistesbezirken mit ganz besonderer Intensität diejenigen entwickeln, die mehr platonisch gesinnt waren. Man findet eingestreut in dem ofliziell sich immer mehr und mehr verbreitenden katholisch gefärbten Christentum da und dort Persönlichkeiten in Schulen, welche alte Mysterientradition fortsetzen und das Christentum beleuchten mit diesen alten Mysterientraditionen. Und eine Stätte, in die dann alles dasjenige eingeflossen ist, was als solche Traditionen fortgesetzt worden ist, ist ja die von mir in der letzten Zeit öfter genannte, durch und durch spirituelle Schule von Chartres, innerhalb welcher solche Geister wie Bernhardus Sylvestris, Alanus ab Insulis und andere gewirkt haben.

[ 11 ] Specifically, in the centuries following the ninth century, we see Platonic-minded, Platonic-oriented spirits descending to Earth. And these are, of course, the ones who, in the Middle Ages, continued a Christian doctrine that was regarded as heretical by official Christianity and official Catholicism, but which was in fact the truer Christian doctrine. The individualities who continued Christian Aristotelianism initially remained in the spiritual worlds, for on Earth—in the ninth, tenth, eleventh, and twelfth centuries—given the prevailing conditions of civilization, there was no real point of connection for this spiritual current. In contrast, one might say, those with a more Platonic inclination were able to develop with particular intensity in certain isolated spiritual spheres. Scattered here and there within the officially increasingly widespread Catholic-influenced Christianity, one finds figures in schools who continued the ancient mystery traditions and illuminated Christianity through these ancient mystery traditions. And one place into which everything that has been carried on as such traditions has flowed is, of course, the thoroughly spiritual School of Chartres—which I have mentioned frequently of late—within which such figures as Bernardus Sylvestris, Alanus ab Insulis, and others were active.

[ 12 ] Was ist da eigentlich für ein Geistesleben zur Entwickelung gekommen, das zuletzt eingelaufen ist in diese merkwürdige, der Menschheit eigentlich nur äußerlich bekannte Schule von Chartres? Das ist ein Geistesleben, welches im Grunde genommen völlig verschüttet ist in der neueren Zeit, ein Geistesleben, in dem noch alte Mysterientraditionen fortgepflanzt werden. Insbesondere finden wir innerhalb dieses Geisteslebens überall, daß eine Anschauung von der Natur herrscht, die tief geistig durchdrungen ist, eine Anschauung von der Natur, welche noch total verschieden ist von dieser abstrakten Naturanschauung, die dann später alle Kreise bewegte, jener abstrakten Naturanschauung, die nur in Gedanken ausdrückbare Naturgesetze kennt.

[ 12 ] What kind of spiritual life actually developed there, one that ultimately found its way into this remarkable School of Chartres, which humanity has really only known superficially? It is a spiritual life that has, in essence, been completely buried in more recent times—a spiritual life in which ancient mystery traditions are still carried on. In particular, we find throughout this spiritual life that a view of nature prevails that is deeply imbued with the spiritual—a view of nature that is still entirely different from the abstract view of nature that later swept through all circles, that abstract view of nature which recognizes only natural laws expressible in thought.

[ 13 ] Dasjenige, was die Geistesströmung, auf die ich hindeute, aus der Natur in die Seele aufgenommen hat, war etwas durchaus Geistgemäßes, war so, daß überall in der Natur nicht bloß abstrakte, tote, begriffliche Naturgesetze gesehen wurden, sondern lebendiges Wirken und Weben. Man hat noch wenig auf dasjenige gesehen, was später für die Menschen so bewundernswert geworden ist: auf unsere heutigen chemischen Elemente. Man hat aber um so mehr auf dasjenige gesehen, was man im alten Sinne die Elemente genannt hat: Erde, Wasser, Luft, Feuer. In dem Augenblicke, wo man aber diese Elemente kennt nicht durch bloße Tradition in Worten, sondern durch eine Tradition, die noch imprägniert ist von den ältesten der Mysterien, in demselben Momente sieht man dasjenige, was zwar nicht vorhanden ist in unseren siebzig bis achtzig chemischen Elementen, was aber in jenen vier Elementen vorhanden ist: die Welt der elementarischen Geistigkeit, die Welt gewisser Elementarwesen, in die man sich sogleich vertieft, wenn man in diese Elemente sich einlebt.

[ 13 ] What the spiritual current I am referring to absorbed from nature into the soul was something thoroughly spiritual; it meant that everywhere in nature, people saw not merely abstract, lifeless, conceptual laws of nature, but rather living activity and interplay. Little attention was paid at that time to what later became so admirable to people: our modern chemical elements. Instead, all the more attention was paid to what were called the elements in the ancient sense: earth, water, air, and fire. But the moment one comes to know these elements—not through mere verbal tradition, but through a tradition still imbued with the most ancient of the mysteries—at that very moment one perceives what is indeed absent from our seventy to eighty chemical elements, yet present in those four elements: the world of elemental spirituality, the world of certain elemental beings, into which one is immediately immersed when one attunes oneself to these elements.

[ 14 ] Und dann sieht man, wie der Mensch selber in bezug auf seine äußere Leiblichkeit teilnimmt an diesem Leben und Weben von Erde, Wasser, Luft, Feuer, wie das in ihm organische Gestalt wird. Und dann sahen diejenigen, die so hineinschauten in das Leben und Weben der Elemente, nicht Naturgesetze in dem Weben und Leben von Erde, Wasser, Feuer, Luft, sondern sie sahen hinter diesem Weben eine große, lebendige Wesenheit, die Göttin Natura. Und sie bekamen aus der Anschauung das unmittelbare Gefühl, daß diese Göttin Natura nur einen Teil ihres Wesens dem Menschen zunächst zuwendet, daß sich der andere Teil ihres Wesens verbirgt in derjenigen Welt, die der Mensch im Schlafe zwischen Einschlafen und Aufwachen zubringt, wo Ich und astralischer Leib in einer der Natur zugrunde liegenden Geistumgebung sind, wo Ich und astralischer Leib zusammen sind mit den Elementarwesen, die den Elementen zugrunde liegen. Und wir finden in diesen isolierten Geistesstätten und Schulen, auf die ich hingedeutet habe, überall Lehrer größerer oder kleinerer Menschengruppen, welche davon sprechen, wie die Göttin Natura in den äußeren Erscheinungen, die sich den Menschen im Wachzustande zeigen, einen Teil ihres lebenden und webenden Wesens zeigt, wie aber in allem elementarischen Wirken, in Wind und Wetter, in alledem, was den Menschen umgibt und den Menschen konstituiert, mitwirkt dasjenige, was der Mensch nicht schauen kann, sondern was sich ihm in der Finsternis des Schlafes verbirgt.

[ 14 ] And then one sees how human beings themselves, in terms of their outer physicality, participate in this life and interweaving of earth, water, air, and fire, and how this takes on an organic form within them. And then those who looked in this way into the life and interplay of the elements did not see natural laws in the interplay and life of earth, water, fire, and air; rather, they saw behind this interplay a great, living being—the goddess Natura. And from this contemplation they gained the immediate sense that this Goddess Natura initially turns only a part of her being toward human beings, that the other part of her being is hidden in that world which human beings experience in sleep, between falling asleep and waking up—where the I and the astral body are in a spiritual environment underlying nature, where the I and the astral body are together with the elemental beings, which underlie the elements. And in these isolated spiritual places and schools to which I have alluded, we find everywhere teachers of larger or smaller groups of people who speak of how the Goddess Nature reveals a part of her living and weaving being in the outer phenomena that appear to human beings in the waking state, but how in all elemental activity, in wind and weather, in all that surrounds and constitutes human beings, there is at work that which human beings cannot see, but which is hidden from them in the darkness of sleep.

[ 15 ] So empfanden diese Gelehrten der damaligen Zeit die große Göttin Natura als diejenige, die in der Hälfte der Zeit heraufsteigt und sich im äußeren Weben der Sinnesnatur zeigt; aber auch als diejenige, die hinuntersteigt allnächtlich, alljährlich hinuntersteigt, in den Gefilden wirkt und webt, die sich dem Menschen durch das Schlafbewußtsein verbergen. Und das war die gerade Fortsetzung jener Anschauung, die in den alten Mysterien vorhanden war als die Anschauung der Proserpina.

[ 15 ] Thus, the scholars of that time perceived the great Goddess Natura as the one who ascends in the middle of time and reveals herself in the outer workings of sensory nature; but also as the one who descends every night, descends every year, and works and weaves in the realms that are hidden from human beings through the consciousness of sleep. And this was the direct continuation of that view which existed in the ancient mysteries as the view of Proserpina.

[ 16 ] Sie müssen nur bedenken, was das bedeutet. Wir haben heute eine Naturanschauung, die aus Gedanken gewoben ist, die in Naturgesetzen besteht, die abstrakt spricht und denkt, in der nichts Lebendes ist. Dazumal war noch eine Naturanschauung, wo man die Natur in einer ähnlichen Weise anschaute, wie man die wirkende Göttin Proserpina, die Tochter der Demeter, anschaute. Und in den Vorstellungen, die in jenen Schulen als die richtigen übermittelt wurden, als die aus der noch lebendigen Tradition herauskommenden, waren viele Aussprüche und Ausdrücke, die sich genau als die Fortsetzungen desjenigen zeigten, was man in den alten Mysterien über Proserpina sagte.

[ 16 ] You just have to consider what that means. Today we have a view of nature that is woven from ideas, that consists of natural laws, that speaks and thinks abstractly, and in which there is nothing alive. Back then, there was still a view of nature in which people regarded nature in a similar way to how they regarded the active goddess Proserpina, the daughter of Demeter. And in the ideas that were taught in those schools as the correct ones—as those arising from a still-living tradition—there were many sayings and expressions that proved to be direct continuations of what was said about Proserpina in the ancient mysteries.

[ 17 ] Wenn man den Menschen zum Begreifen seines Seelenlebens von dem Begreifen seines körperlichen Lebens aus führen wollte, machte man ihm folgendes klar: Du bestehst in bezug auf dein Leibliches aus den Elementen, in denen die Elementarwesen mitweben, aber du trägst in dir die Seele; die steht nicht unter dem Einfluß dieser Elemente allein, sondern beherrscht im Gegenteil die Organisation der Elemente in dir; sie steht, diese Seele, unter dem Einflusse der planetarischen Welt des Merkur, des Jupiter, der Venus, unter dem Einfluß von Sonne und Mond, Saturn, Mars. — Der menschliche Blick wurde hinaufgelenkt, wenn Psychologie studiert werden sollte, zu den Geheimnissen der planetarischen Welt. Da erweiterte sich dasjenige, was Menschenwesen war, vom Leiblichen ins Seelische hinein, aber in der Anschauung der Zusammengehörigkeit mit der Welt, von dem Wirken und Weben der Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer zu demjenigen, was in ihrem Kreisen, in ihrem Scheinen, in ihrem Lichtwirken, in ihren geheimnisvollen okkulten Wirkungen die Planeten im menschlichen Seelenleben taten. Und von der Göttin Natura, der früheren Proserpina, wendete man sich hinauf zu den Intelligenzen, zu den Genien der Planeten, zu denen man aufschaute, wenn man das menschliche Seelenleben begreifen wollte.

[ 17 ] If one were to guide a person toward an understanding of their soul life by starting with an understanding of their physical life, one would explain the following to them: In terms of your physical being, you consist of the elements in which the elemental beings interweave, but you carry the soul within you; which is not subject to the influence of these elements alone, but rather governs the organization of the elements within you; this soul is under the influence of the planetary world of Mercury, Jupiter, and Venus, as well as under the influence of the Sun, the Moon, Saturn, and Mars.” — When psychology was to be studied, the human gaze was directed upward toward the mysteries of the planetary world. Thus, the concept of what it means to be human expanded from the physical into the soul, but within the perspective of interconnectedness with the world—from the workings and interplay of the elements earth, water, air, and fire to that which the planets accomplished in human soul life through their orbits, their radiance, their luminous effects, and their mysterious occult influences. And from the goddess Natura, formerly Proserpina, people turned their gaze upward toward the intelligences, toward the genii of the planets, to whom they looked up when they sought to understand human soul life.

[ 18 ] Und dann, wenn es sich darum handelte, das geistige Leben zu begreifen — denn die Lehrer dieser isolierten Schulen hatten sich nicht von der Betrachtung des Geistes abbringen lassen durch das Dogma des achten Konstantinopeler Konzils —, wenn es sich darum handelte, das geistige Leben zu begreifen, dann wendete man den Blick hinauf zu den Fixsternen, zu ihren Konfigurationen, insbesondere zu dem, was sich darstellt in dem Tierkreise. Und man begriff dasjenige, was der Mensch als Geist in sich trug, aus der Konstellation, dem Scheinen und den in den Fixsternen gewußten geistigen Mächten heraus.

[ 18 ] And then, when it came to understanding spiritual life — for the teachers of these isolated schools had not allowed themselves to be deterred from contemplating the spirit by the dogma of the Eighth Council of Constantinople — when it came to understanding spiritual life, they turned their gaze upward to the fixed stars, to their constellations, and especially to what is represented in the zodiac. And they understood what the human being carried within as spirit from the constellations, the light, and the spiritual powers known to reside in the fixed stars.

[ 19 ] So begriff man aus der Welt, aus dem Kosmos den Menschen. So war da in Wirklichkeit der Makrokosmos und der Mikrokosmos, der Mensch. Das war die Lehre von der Natur in der damaligen Zeit. Sie wurde begeistert in isolierten Schulen, aber auch von einzelnen, die da oder dorthin zerstreut waren, der Menschheit dargeboten. Und sie wurde dann wie in einer Art von Kulmination in wunderbarer Weise von solchen Persönlichkeiten wie Bernhardus Sylvestris, Alanus ab Insulis und anderen in der Schule von Chartres vorgebracht.

[ 19 ] Thus, humanity was understood through the world, through the cosmos. In reality, there was the macrocosm and the microcosm—humanity. That was the teaching about nature at that time. It was enthusiastically presented to humanity in isolated schools, but also by individuals scattered here and there. And it was then, as if in a kind of culmination, wonderfully presented by such figures as Bernhardus Sylvestris, Alanus ab Insulis, and others at the School of Chartres.

[ 20 ] Diese Schule von Chartres, sie ist eigentlich etwas ganz Wunderbares. Wenn man heute die Schriften in die Hand bekommt —, ich sagte schon, sie nehmen sich aus wie Kataloge von Namen. Aber es war in der damaligen Zeit eben nicht üblich, in anderer Weise als in, ich möchte sagen, solch katalogisierender Art zu schreiben über dasjenige, was man in lebendiger Geistigkeit haben wollte. Derjenige aber, der solche Dinge lesen kann, der namentlich in der Anordnung der Dinge lesen kann, der nimmt schon wahr, wie dasjenige, was herrührt von den Lehrern der Schule von Chartres, von alter Spiritualität durchdrungen ist. Die tiefe Spiritualität der Schule wirkte aber nicht nur dadurch, daß gelehrt wurde und daß zahlreiche Schüler da waren, die wiederum hinaustrugen, was sie gelernt hatten, sondern sie wirkte direkt auf spirimelle Art. Sie wirkte so, daß auch in der geistigen Atmosphäre der Menschheit auf okkulte Weise dasjenige ausgestrahlt wurde, was an lebendiger Geistigkeit in Chartres lebte. Deshalb sehen wir durch Frankreich hindurch bis nach Italien hinein die Geiststrahlen dieser Schule von Chartres. In verschiedenen Schulen, die dem äußeren Namen nach in der Geschichte bekanntgeworden sind, wurde aber solch eine Naturlehre gelehrt, wie ich sie angedeutet habe.

[ 20 ] This School of Chartres is actually something truly wonderful. When you pick up the writings today—as I’ve already said, they read like catalogs of names. But at that time, it simply wasn’t customary to write about what one wished to convey in a living spiritual sense in any other way than, I would say, in such a catalog-like manner. But anyone who can read such things—who can read, in particular, the arrangement of the material—will already perceive how what comes from the teachers of the School of Chartres is imbued with ancient spirituality. The deep spirituality of the school, however, did not merely exert its influence through teaching and the presence of numerous students who in turn carried forth what they had learned; rather, it exerted a direct, spiritual influence. It worked in such a way that what lived as living spirituality in Chartres was radiated in an occult manner into the spiritual atmosphere of humanity. That is why we can see the spiritual rays of this School of Chartres extending through France all the way to Italy. In various schools that have become known in history by their external names, however, a natural philosophy such as the one I have described was taught.

[ 21 ] Das ist eben ein konkreter Fall: Als Brunetto Latini, der Lehrer Dantes, von seinem spanischen Gesandtschaftsposten zurückkehrte und einen leisen Sonnenstich und einen großen Schreck in der Nähe seiner Vaterstadt Florenz erlebte, da wurde er zugänglich für die okkulten Ausstrahlungen der Schule von Chartres. Er erlebte dasjenige, was er dann selber so darstellt, daß er, indem er sich seiner Vaterstadt Florenz näherte, in einen tiefen Wald kam, wo er zunächst drei Tieren begegnete, wo er dann begegnete der Göttin Natura, welche aufbaue die Reiche der Natur in der Weise, wie es durch Jahrhunderte gelehrt wurde, wie ich es angedeutet habe. Er aber schaute das; in diesem halbpathologischen Zustand, der aber bald vorüberging, wurde ihm das Anschauen dessen, was in den Schulen gelehrt wurde. Und er schaute dann, nachdem er die Göttin Natura, die Nachfolgerin der Proserpina, in ihrer Arbeit gesehen hatte, wie der Mensch sich aufbaut aus den Elementen, wie die Seele webt in den Kräften der Planeten; er wird bis in den Sternenhimmel hinauf mit seinen Gedanken geführt. Er erlebt in eigener Person diese ganze gewaltige mittelalterliche Wissenschaft.

[ 21 ] This is precisely a concrete example: When Brunetto Latini, Dante’s teacher, returned from his diplomatic post in Spain and suffered a mild case of sunstroke and a great fright near his hometown of Florence, he became receptive to the occult influences of the School of Chartres. He experienced what he himself later described as follows: as he approached his hometown of Florence, he entered a deep forest, where he first encountered three animals, and then met the goddess Natura, who established the realms of nature in the manner taught for centuries, as I have indicated. But he beheld this; in this semi-pathological state—which, however, soon passed—he was granted a vision of what was taught in the schools. And then, after seeing the goddess Natura—the successor to Proserpina—at work, he observed how human beings are formed from the elements, how the soul weaves within the forces of the planets; his thoughts are led all the way up into the starry heavens. He experiences this entire mighty medieval science firsthand.

[ 22 ] Brunetto Latini ist der Lehrer von Dante. Wäre er es nicht gewesen, hätte er nicht dasjenige, was er in einer so majestätischen Schauung empfangen hat, seinem Schüler Dante überliefert, wir hätten die «Commedia» nicht, denn die ist der Abglanz der Lehre von Brunetto Latini aus Dantes Seele. Sehen Sie, es war jetzt keine andere Möglichkeit, als daß gewirkt wurde mit solchen Dingen innerhalb der damals gegenüber der späteren noch viel freieren kirchlichen Einrichtung, und wir sehen ja, wie alle diese Lehrer von Chartres Ordensgeistliche sind. Wir sehen sie das Zisterzienserkleid tragen. Wir sehen sie mit den besseren Strömungen innerhalb des christlichen Ordenslebens zusammenhängen.

[ 22 ] Brunetto Latini was Dante’s teacher. Had he not been so—had he not passed on to his student Dante what he had received in such a majestic vision—we would not have the Commedia, for it is the reflection of Brunetto Latini’s teachings in Dante’s soul. You see, there was simply no other possibility at that time—when the ecclesiastical structure was still much more restrictive than it would later become—than for such things to be brought to bear, and we can see, after all, that all these teachers from Chartres were members of religious orders. We see them wearing the Cistercian habit. We see them associated with the more enlightened currents within Christian monastic life.

[ 23 ] Nun kam eine eigentümliche Phase der Entwickelung. Während dieser ganzen Zeit, in der sozusagen die Platoniker auf die eben geschilderte Art gewirkt hatten, konnten die Aristoteliker auf der Erde nicht wirken. Es waren eben nicht die Bedingungen da. Aber sie bereiteten dafür im übersinnlichen Leben die Michaelströmung vor. Sie standen von der übersinnlichen Welt aus auch in einem fortwährenden Zusammenhang mit den Lehrern, die in der gleichen Richtung wirkten, die dann nach Chartres hin sich zogen. Dann aber fand, während die Blüte der Schule von Chartres Ende des elften Jahrhunderts, im zwölften Jahrhundert war — man muß diese Dinge mit irdischen Bezeichnungen belegen, obwohl natürlich diese irdischen Bezeichnungen nicht stimmen und man sich über sie leicht lächerlich machen kann —, es fand eine Art übersinnlicher Besprechung statt zwischen denjenigen Seelen, die hinaufstiegen in die übersinnliche Welt durch die Pforte des Todes aus der Strömung von Chartres heraus, zwischen den Platonikern und denen, die oben geblieben waren, den Aristotelikern, den Alexandrinern, eine Besprechung, welche um die Wende des zwölften und des dreizehnten Jahrhunderts im Mittelalter liegt, ein Ausgleich, wie fernerhin zu wirken sei.

[ 23 ] Now a peculiar phase of development began. Throughout this entire period, during which the Platonists, so to speak, had been active in the manner just described, the Aristotelians were unable to be active on Earth. The conditions simply were not there. But in the supersensible realm, they were preparing the Michael current for this purpose. From the supersensible world, they also maintained a continuous connection with the teachers who were working in the same direction—those who would later gravitate toward Chartres. But then, during the heyday of the School of Chartres—which was at the end of the eleventh century and into the twelfth century—one must describe these things using earthly terms, although of course these earthly terms are inaccurate and one can easily be ridiculed for using them— a kind of supersensible consultation took place between those souls who ascended into the supersensible world through the gate of death, emerging from the current of Chartres—between the Platonists and those who had remained above, the Aristotelians and the Alexandrians—a consultation that took place around the turn of the twelfth and thirteenth centuries in the Middle Ages, a compromise on how to proceed from there.

[ 24 ] Das führte dazu, daß, da nun andere Bedingungen eingetreten waren im Geistesleben der europäischen Menschheit, die Platoniker, die zuletzt in Chartres ihre grosse Wirksamkeit entfaltet hatten und in der übersinnlichen Welt waren, ihre Mission übertrugen auf die Aristoteliker. Und diese stiegen nun herunter in die physische Welt, um so fortzusetzen, wie sich eben fortsetzen ließ dasjenige, was ich nennen möchte den kosmischen Michaeldienst.

[ 24 ] This led to the following: since new conditions had now arisen in the spiritual life of the European people, the Platonists—who had most recently exerted their great influence in Chartres and were active in the supersensible world—entrusted their mission to the Aristotelians. And the Aristotelians now descended into the physical world to continue, as far as possible, what I would like to call the cosmic Michael service.

[ 25 ] Wieder finden wir diejenigen, welche in diesem mehr aristotelisch gefärbten Sinne wirkten, innerhalb des Dominikaner-Ordens in der mannigfaltigsten Weise wirksam. Es lösten sozusagen für das Erdenwirken die Seelen der Aristoteliker die Seelen der Platoniker ab, und es entwickelte sich dasjenige, was ja heute eigentlich nur innerhalb der anthroposophischen Bewegung wirklich gewürdigt wird — ich habe hier einmal einen Vortragszyklus über die Scholastik in ihrer wahren Gestalt und Herkunft gehalten —, es entwickelte sich die Scholastik des Mittelalters, jene Lehre, welche in einer schon dem Materialismus zueilenden Zeit festhalten wollte, was an Geistigkeit in den menschlichen Anschauungen festgehalten werden kann.

[ 25 ] Once again, we find those who worked in this more Aristotelian vein playing a wide variety of active roles within the Dominican Order. In a sense, the spirits of the Aristotelians replaced those of the Platonists in their earthly work, and what developed was something that today is truly appreciated only within the anthroposophical movement—I once gave a series of lectures here on Scholasticism in its true form and origin— what developed was medieval Scholasticism, that doctrine which, in an age already drifting toward materialism, sought to preserve whatever spirituality could be retained in human views.

[ 26 ] Noch bevor Baco von Verulam und Comenius auf der Erde erschienen, wird in der Scholastik an der Fortsetzung des Michaeldienstes gearbeitet. Wir sehen, wie in der Scholastik gerettet werden soll, in der sogenannten realistischen Schule gerettet werden soll der Ursprung dessen, was der Mensch in seinen Gedanken trägt für die Geistigkeit. Geistige Realität wird von den realistischen Scholastikern demjenigen zugeschrieben, was der Mensch durch seine Gedanken erfaßt, geistige Realität. Es ist eine dünne Geistigkeit, die da gerettet werden konnte, aber es ist Geistigkeit.

[ 26 ] Even before Bacon of Verulam and Comenius appeared on earth, Scholasticism was already working on continuing the service of Michael. We see how salvation is to be achieved in Scholasticism; in the so-called realist school, the origin of what a person carries in their thoughts is to be preserved for spirituality. Spiritual reality is attributed by the realist Scholastics to that which a person grasps through their thoughts—spiritual reality. It is a tenuous spirituality that could be preserved there, but it is spirituality.

[ 27 ] Es ist schon so, meine lieben Freunde, daß das spirituelle Leben in der Welten-Entwickelung sich so fortsetzt, daß man, wenn man es in seiner Realität überblickt und die Initiationsw issenschaft besitzt, gar nicht anders kann, als Physisches oder solches überhaupt, das sich in der physischen Historie auf der Erde abspielt, zusammenzuschauen mit dem, was aus dem Geistigen geistig dieses Physische durchdringt. Man kommt zu einer einheitlichen Anschauung, wie zuerst die platonischen Seelen wirken bis nach Chartres hin, wie dann die aristotelischen Seelen wirken. Man schaut zuerst die aristotelischen Seelen, wie sie inspirierend wirken von der übersinnlichen Welt nach den Lehrern hin, die als platonische Seelen auf der Erde leben, dort wirken, lehren, auf der Erde im Erdenverstande Wissenschaft ausbilden. Man schaut hinein in dieses Getriebe, sieht, wie der Lehrer von Chartres auf dem Erdenboden wandelt, seine von Schauungen durchdrungenen Studien absolviert und der inspirierende Strahl von der aristorelischen Seele vom Überirdischen hereinfällt und dasjenige in die richtigen Bahnen bringt, was platonisch gefärbt ist. Man bekommt dann eine ganz andere Anschauung von dem Leben, als sie sehr häufig vorhanden ist. Denn in dem äußeren Leben unterscheidet man so gern Platoniker und Aristoteliker wie Gegensätze. Das ist ja in der Wirklichkeit gar nicht so. Die Zeitepochen der Erde erfordern, daß bald im platonischen, bald im aristotelischen Sinne gesprochen werde. Aber wenn man das übersinnliche Leben im Hintergrunde des sinnlichen Lebens überschaut, so befruchtet das eine das andere, steckt das eine in dem anderen darinnen.

[ 27 ] It is indeed true, my dear friends, that spiritual life continues in the evolution of the world in such a way that, when one surveys it in its reality and possesses the knowledge of initiation, one cannot help but view the physical—or anything at all that takes place in physical history on Earth—in conjunction with that which, from the spiritual realm, spiritually permeates this physical realm. One arrives at a unified perspective: first, how the Platonic souls work all the way to Chartres; then, how the Aristotelian souls work. One first observes the Aristotelian souls as they work inspiringly from the supersensible world toward the teachers who live on Earth as Platonic souls, working there, teaching, and developing science on Earth in accordance with earthly understanding. One looks into this interplay, sees how the teacher of Chartres walks upon the earth, carries out his studies imbued with visions, and how the inspiring ray from the Aristotelian soul descends from the supersensible realm and steers that which is Platonic in character onto the right path. One then gains a completely different perspective on life than the one that is very often held. For in outward life, people are so quick to distinguish between Platonists and Aristotelians as if they were opposites. In reality, however, this is not the case at all. The epochs of Earth’s history require that we speak sometimes in the Platonic sense and sometimes in the Aristotelian sense. But when one surveys the supersensible life against the backdrop of the sensible life, one enriches the other; one is embedded within the other.

[ 28 ] Und wiederum, als innerhalb der Dominikaner die Aristoteliker lehrten, da waren die nunmehr in der geistigen Welt weilenden platonischen Seelen, nachdem sie sich verständigt hatten mit den später heruntergekommenen aristotelischen Seelen, die inspirierenden Genien. Das Leben war überhaupt anders in jener Zeit. Ob man das heute glaubt oder nicht, es war so, daß wenn man geistig auf diese Zeiten hinschaut, man solch einen Geist wie Alanus ab Insulis in seiner einsamen Zelle sitzend findet, seinen Studien ergeben, einen Geistbesuch empfangend aus der übersinnlichen Welt, der sich zu ihm gesellt und der eine aristotelische Seele ist. Ja, es ist ein starkes Bewußtsein vorhanden — auch dann, als im Dominikaner-Orden die Aristoteliker erscheinen —, ein starkes Bewußtsein von der Zugehörigkeit zu der geistigen Welt. Das kann einem aus solchen Tatsachen hervorgehen: Einer der Dominikaner-Lehrer steigt in das physische Erdenleben früher herunter als eine andere Seele, mit der er verbunden ist; diese bleibt in der geistigen Welt zunächst zurück, um etwas, was dort zunächst absolviert werden mußte, etwas später zu dem, der früher heruntergekommen ist, hinunterzutragen, um dann mit dem früher Geborenen wiederum zusammenzuwirken. Und das geht in Bewußtheit vor sich. Man weiß sich mit seinem Wirken, mit seiner Arbeit zusammenhängend mit der geistigen Welt.

[ 28 ] And again, when the Aristotelians taught within the Dominican Order, the Platonic souls—who were now dwelling in the spiritual world—served as the inspiring geniuses after they had come to an understanding with the Aristotelian souls who had later fallen. Life was entirely different in those days. Whether one believes it today or not, the fact is that when one looks back spiritually at those times, one finds a mind like that of Alanus ab Insulis sitting in his solitary cell, absorbed in his studies, receiving a spiritual visit from the supersensible world—a visit from an Aristotelian soul that joins him. Yes, there is a strong sense of belonging to the spiritual world—even when the Aristotelians appeared in the Dominican Order—a strong sense of belonging to the spiritual world. This can be seen from facts such as the following: One of the Dominican teachers descends into physical earthly life earlier than another soul with whom he is connected; the latter remains in the spiritual world for the time being in order to carry down, somewhat later, to the one who descended earlier, something that first had to be completed there, so that it may then work together again with the one born earlier. And this takes place in full consciousness. One is aware that one’s actions and one’s work are connected to the spiritual world.

[ 29 ] Das alles hat die spätere Geschichte ausgelöscht. Aber Wahrheit über das geschichtliche Leben muß man ja nicht aus den Dokumenten der neueren Zeit ablesen wollen, sondern aus dem Leben. Und man muß einen unbefangenen Blick für das Leben haben. Man muß das Leben auch da sich entfalten sehen, wo es innerhalb vielleicht recht wenig sympathischer Kreise sich entwickelt als etwas, was durch das Karma eben hineingestellt ist in diese Kreise, was aber innerlich etwas ganz anderes bedeutet.

[ 29 ] All of this has been erased by later history. But one need not seek the truth about historical life in the documents of more recent times, but rather in life itself. And one must have an unbiased view of life. One must also see life unfolding even where it develops within circles that may be rather unsympathetic—as something that has been placed within these circles by karma, but which inwardly signifies something entirely different.

[ 30 ] Solches Lesen in den Ereignissen, meine lieben Freunde, trat mir wirklich im Verlaufe meines Lebens in ganz merkwürdiger Weise entgegen. Und jetzt schaue ich auf manches erst, mit den Blicken es durchdringend, was in deutlicher Weise wie eine okkulte Schrift mir im Verlaufe des Lebens entgegengetreten ist. Karma webt und wirkt ja in recht geheimnisvoller Weise gerade für die bedeutsamsten Dinge, die man erlebt. Und ich möchte sagen: Es liegt ja auch ein eigentümliches Karma dem zugrunde, daß ich heute, und zu anderen Zeiten an anderen Orten, gerade jetzt in dieser Zeit über solche Dinge spreche wie über die Schule von Chartres und über alles dasjenige, was ihr vorangegangen ist, alles dasjenige, was ihr folgt. Denn gerade die hervorragendsten Menschen, die in der Schule von Chartres gelehrt haben, gehörten dem ZisterzienserOrden an.

[ 30 ] Such interpretations of events, my dear friends, have truly come my way in a most remarkable manner throughout my life. And now, for the first time, I look upon many things—penetrating them with my gaze—that have appeared to me in the course of my life as clearly as an occult script. Karma, after all, weaves and works in quite mysterious ways, especially in connection with the most significant events one experiences. And I would like to say: There is also a peculiar karma underlying the fact that I am speaking today—and at other times in other places—precisely now, at this time, about such things as the School of Chartres and everything that preceded it, everything that follows it. For it was precisely the most outstanding individuals who taught at the School of Chartres who belonged to the Cistercian Order.

[ 31 ] Nun ist der Zisterzienser-Orden, so wie die anderen Orden innerhalb der katholischen Entwickelung, dekadent geworden, aber in diesem Dekadentwerden liegt ja viel Äußerlichkeit. Die Individualitäten, sie stecken zuweilen, indem sie alte, auch für die Anthroposophie außerordentlich wertvolle Richtungen fortsetzen, in Zusammenhängen drinnen, zu denen sie eigentlich nicht gehören; jedoch das Leben, das Karma bringt sie hinein. So mußte ich es immer merkwürdig finden, daß — von meiner ersten Jugend an bis in eine gewisse Zeit — an mich immer etwas herangetreten ist vom Zisterzienser-Orden. Ich kam ja, als ich die Volksschule hinter mir hatte, nur dadurch, daß ich aus den Gründen, die ich in meinem Lebensgang auseinandergesetzt habe, von meinen Angehörigen in die Realschule verwiesen wurde, nicht in das Gymnasium kam, — nur knapp daran vorbei, Schüler zu werden eines ZisterzienserOrdensgymnasiums. Es war eigentlich ganz selbstverständlich, daß ich das hätte werden sollen. Ich wurde es nicht, natürlich auch aus guten karmischen Gründen.

[ 31 ] Now, the Cistercian Order, like the other orders within the development of Catholicism, has become decadent; but much of this decadence is merely superficial. Individuals, by continuing old traditions that are also extraordinarily valuable for anthroposophy, sometimes find themselves embedded in contexts to which they do not actually belong; yet life—karma—brings them into these contexts. So I always found it remarkable that—from my earliest youth up to a certain point in time—something from the Cistercian Order always drew me in. After I finished elementary school, I did not end up at a high school—solely because, for the reasons I have explained in my life story, my family sent me to a secondary school instead—and I only narrowly missed becoming a student at a Cistercian order high school. It was actually quite natural that I should have become one. I did not, of course, for good karmic reasons as well.

[ 32 ] Aber die Realschule, an der ich war, war ja nur fünf Schritte vom Zisterzienser-Ordensgymnasium entfernt. Man lernte alle diese dazumal eigentlich noch ganz ausgezeichnet wirkenden Zisterzienser-Lehrer kennen. Man braucht nicht vom Orden zu sprechen, sondern von den einzelnen Individualitäten. Ich denke heute noch mit einer tiefen Befriedigung an einen solchen Zisterzienser-Ordenspriester, der an jenem Gymnasium deutsche Literatur mit einschneidender Begeisterung lehrte, und ich sehe sie vor mir in allen ihren Individualitäten, in jener Straße, die man in Wiener-Neustadt die Alleegasse nennt, wo die Professoren immer spazieren gingen, bevor die Schule anfing: diese Zisterzienser-Ordenspriester im Zivilkostüm, ungeheuer begabte Leute. Und da ich mich in jener Zeit viel mehr damit beschäftigte, am Ende des Schuljahres die Programm-Aufsätze der Professoren zu lesen als die Schulbücher während des Schuljahres, so las ich wirklich mit eifriger Hingebung dasjenige, was in dem Schulprogramm dieses Wiener-Neustädter Gymnasiums diese Zisterzienser als ihre eigene Weisheit niederschrieben. Kurz, der Zisterzienser-Orden war mir nahe. Und ganz gewiß: wäre ich ins Zisterzienser-Gymnasium gekommen — das sind natürlich Hypothesen, wie man sie nur zur Beleuchtung aufstellen kann —, ich wäre selbstverständlich Zisterzienser geworden.

[ 32 ] But the secondary school I attended was, after all, just a stone’s throw away from the Cistercian Order’s high school. There, one got to know all those Cistercian teachers who, at the time, still made a truly outstanding impression. One need not speak of the Order itself, but rather of the individual personalities. Even today, I think back with deep satisfaction on one such Cistercian priest who taught German literature at that high school with such infectious enthusiasm, and I can still picture them all in their own unique ways, on that street in Wiener-Neustadt called Alleegasse, where the professors always went for a walk before school started: these Cistercian priests in civilian clothes, immensely gifted people. And since, at that time, I was far more preoccupied with reading the teachers’ essays in the school handbook at the end of the school year than with the textbooks during the school year, I truly read with eager devotion what these Cistercians had written down as their own wisdom in the school handbook of this Wiener-Neustadt high school. In short, the Cistercian Order was close to my heart. And one thing is certain: if I had attended the Cistercian high school—these are, of course, mere hypotheses, the kind one can only pose for illustrative purposes—I would naturally have become a Cistercian myself.

[ 33 ] Nun ging’s in Wien weiter — ich habe das alles in meinem Lebensgang erzählt. Nach einiger Zeit kam ich in den Kreis, der um delle Grazie sich versammelte, in dem viele von den TheologieProfessoren der theologischen Fakultät in Wien verkehrten. Ich wurde mit manchen sehr intim bekannt. Es waren alle da Wirkenden Mitglieder des Zisterzienser-Ordens. Ich kam wieder mit den Zisterziensern zusammen. Und ich habe durch dasjenige, was gegenwärtig durch den Zisterzienser-Orden strömt, gewissermaßen mancherlei zurückverfolgen können.

[ 33 ] Things then continued in Vienna—I’ve recounted all of this in my memoir. After some time, I joined the circle that gathered around delle Grazie, which included many of the theology professors from the Faculty of Theology in Vienna. I became very close friends with some of them. All those active there were members of the Cistercian Order. I was reunited with the Cistercians. And through what is currently flowing through the Cistercian Order, I have, in a sense, been able to trace back many things.

[ 34 ] Ich möchte, um Ihnen zu zeigen, wie Karma wirkt, auf ein Ereignis hinweisen. Ich hielt einen Vortrag, und ich war ja durch die — «five-o’clock teas» sind’s in England, in Wien «jour-Tage» — ich war ja durch die «jour-Tage» bei delle Grazie sehr gut bekannt geworden mit den dort verkehrenden Professoren der theologischen Fakultät, den Zisterziensern. Ich hielt einen Vortrag. Es war ein Zisterzienser-Ordenspriester da, einer, der ein ganz besonders ausgezeichneter Mensch war, und als ich meinen Vortrag beendet hatte, sagte er etwas ganz Eigentümliches, etwas, das ich nur in der Form andeuten möchte: Er brachte mir ein Wort entgegen, in dem gelegen war seine Erinnerung an ein Zusammensein von ihm mit mir in einem früheren Erdenleben.

[ 34 ] To show you how karma works, I’d like to mention an incident. I was giving a lecture, and—thanks to the “five-o’clock teas” in England, or the “jour-Tage” in Vienna—I had become quite well known through the “jour-Tage” at delle Grazie among the professors from the Faculty of Theology who frequented the place, the Cistercians. I was giving a lecture. There was a Cistercian priest present, a man of exceptional character, and when I had finished my lecture, he said something quite peculiar, something I would like to hint at only in general terms: He addressed me with a remark that alluded to his recollection of a time he had spent with me in a previous earthly life.

[ 35 ] Solche Dinge sind schon erziehend für das Leben. Es war im Jahre 1889. Gewiß, ich konnte nur die Äußerlichkeiten dieser Dinge im «Goetheanum» erzählen, und die Aufsätze werden ja als Buch erscheinen, mit Anmerkungen, in denen dann auch das Innerliche berücksichtigt werden wird.

[ 35 ] Such things are truly instructive for life. It was in the year 1889. Of course, I could only describe the outward aspects of these things at the “Goetheanum,” and the essays will, after all, be published as a book, with notes that will also take the inner aspects into account.

[ 36 ] Nun, sehen Sie, hier haben Sie etwas von den karmischen Gründen, die dazu führten, daß ich überhaupt in dieser Form sprechen kann über diese Geistesströmungen. Dafür kann ja die Vorbereitung nur im Leben liegen, nicht im Studium.

[ 36 ] Well, you see, here you have some of the karmic reasons that have enabled me to speak at all in this way about these spiritual currents. The preparation for this can only come from life experience, not from study.

[ 37 ] Nun zeigte ich also, wie zusammenwirkte die platonische, die aristotelische Strömung. Dann gingen auch die Aristoteliker wiederum durch die Pforte des Todes. Und es kam ja im Zeitalter der Bewußtseinsseele zunächst auf Erden immer mehr und mehr der Materialismus herauf. Aber gerade in der Zeit, als der Materialismus auf Erden seinen Anfang nahm, da wurde begründet — wie gesagt, man muß diese Dinge mit Trivial-Terminologie belegen —, da wurde begriindet in übersinnlichen Welten eine Art MichaelSchule, eine ausgebreitete Michael-Schule, in der vereinigt waren Geister wie Bernardus Silvestris nach dem Tode, Alanus ab Insulis, aber auch wiederum Aristoteles und Alexander; in der vereinigt waren menschliche Seelen, die dazumal nicht auf Erden verkörpert waren, mit geistigen Wesenheiten, die ihr Leben absolvieren, ohne auf Erden verkörpert zu sein, die aber verbunden sind mit Erdenseelen, Michael selber als der Lehrer, zurückschauend auf alles dasjenige, was die großen Lehren der alten Mysterien waren, eine wunderbare Überschau haltend über die Geheimnisse der alten Mysterien, aber zu gleicher Zeit einen gewaltigen Ausblick gebend über dasjenige, was geschehen soll.

[ 37 ] So I showed how the Platonic and Aristotelian currents interacted. Then the Aristotelians, too, passed through the gate of death. And indeed, in the age of the conscious soul, materialism began to rise more and more on Earth. But precisely at the time when materialism was beginning on Earth, a kind of Michael School—as I said, one must describe these things in trivial terminology—was established in the supersensible worlds: an extensive Michael School in which spirits such as Bernardus Silvestris after his death, Alanus ab Insulis, but also Aristotle and Alexander were united; in which human souls who were not incarnated on Earth at that time were united with spiritual beings who live out their lives without being incarnated on Earth, but who are connected to earthly souls, Michael himself as the teacher, looking back on all that constituted the great teachings of the ancient mysteries, maintaining a wondrous overview of the secrets of the ancient mysteries, yet at the same time offering a magnificent outlook on what is to come.

[ 38 ] Und sehen Sie, in irgendeiner Form findet man gewisse Seelen, die in vielen Erdenleben sich mehr oder weniger zusammengefunden haben innerhalb dieser Scharen, an dieser übersinnlichen Schule im vierzehnten, fünfzehnten Jahrhundert teilnehmend, Scharen von Seelen, die heranstreben zur Michael-Strömung, Seelen, welche in ihre Willensimpulse dasjenige aufnehmen, was man nennen kann: sich verbinden wollen mit der Michael-Strömung.

[ 38 ] And you see, in one form or another, one finds certain souls who, over the course of many earthly lives, have more or less come together within these groups, participating in this supersensible school in the fourteenth and fifteenth centuries, groups of souls striving toward the Michael Current—souls who incorporate into their impulses of will what might be called the desire to connect with the Michael Current.

[ 39 ] Man kann nach diesen Seelen hinschauen. Man findet sie sozusagen — weil dazumal die wenigsten von ihnen auf Erden, die meisten eben in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt waren und teilnahmen an der übersinnlichen Versammlung dieser übersinnlichen Schule —, man findet sie dort, diese Seelen. Man findet sie dort, hinhörend auf die Michael-Lehren. Man findet sie heute wieder in denjenigen Seelen, die, auf Erden verkörpert, ein ehrliches, innerliches, aufrichtiges Streben nach der anthroposophischen Bewegung entwickeln.

[ 39 ] One can look for these souls. One finds them there, so to speak—because at that time very few of them were on Earth; most were in the life between death and rebirth and were participating in the supersensible assembly of this supersensible school—one finds them there, these souls. One finds them there, listening to the teachings of Michael. One finds them again today in those souls who, incarnated on Earth, develop an honest, inner, and sincere striving toward the anthroposophical movement.

[ 40 ] In dem Karma derjenigen, die in ehrlicher, innerlich ehrlicher Weise nach der anthroposophischen Bewegung hintendieren, liegen die Impulse, die in der übersinnlichen Welt auch für das Karma studiert werden müssen. Natürlich: Daß diese Seelen durch ihr Karma getrieben wurden gerade dazumal zu einer solchen himmlischen Gemeinschaft, das hat seine Gründe darinnen, daß sie im früheren Erdenleben sich ihr Karma in der Weise gestaltet hatten, daß es sie eben dorthin geführt hat. Aber man kann ja auch das Karma von Seelen nicht erkennen, ohne daß man hinschaut nicht nur auf dasjenige, was sich auf Erden abspielt, sondern hinschaut auf dasjenige auch, was sich zwischen dem Tode und einer neuen Geburt abspielen wird.

[ 40 ] The karma of those who are drawn to the anthroposophical movement in an honest, inwardly sincere way contains the impulses that must also be studied in the supersensible world in relation to karma. Of course, the fact that these souls were driven by their karma to such a heavenly community at that very time has its reasons in the fact that, in their previous earthly lives, they had shaped their karma in such a way that it led them precisely there. But one cannot truly understand the karma of souls without looking not only at what takes place on Earth, but also at what will take place between death and a new birth.

[ 41 ] Es ist ja das Anschauen der Welt unendlich bereichernd, wenn man, wenn ich es so ausdrücken darf, bei der Betrachtung der in der Welt wirkenden Seelen — und das sind ja zum Schluß alle Menschen — nicht immer anzufangen hat da, wo die Menschen auf die Erde hereintreten, und aufzuhören hat da, wo sie sterben; denn sie fangen da ja gar nicht an zu wirken, sie hören da ja gar nicht auf zu wirken. In dem, was sich geistig abspielt, wirken ja nicht bloß etwa diejenigen Seelen, die auf Erden heute verkörpert sind, sondern andere Seelen, die heute zwischen dem Tode und einer neuen Geburt stehen und die Strahlen ihres Wirkens hereinsenden auf die Erde. In unseren eigenen Taten liegen die Impulse solcher Seelen. Das wirkt ja alles zusammen, geradeso wie die Erdentaten sich wiederum hineinerstrecken in das Himmelsgebiet und dort weiterwirken, wie ich es an den Persönlichkeiten Capesius und Strader zum Beispiel schon im ersten Mysteriendrama bildhaft angedeutet habe.

[ 41 ] Observing the world is infinitely enriching when—if I may put it this way—in contemplating the souls active in the world—and ultimately, these are all human beings—one does not always have to begin where people enter the earth and end where they die; for that is not where they begin to act, nor is it where they cease to act. In what takes place spiritually, it is not merely those souls who are incarnated on Earth today who are active, but also other souls who today stand between death and a new birth and who send the rays of their activity down to Earth. The impulses of such souls lie within our own actions. All of this works together, just as earthly deeds, in turn, extend into the heavenly realm and continue to have an effect there, as I have already vividly indicated, for example, through the characters of Capesius and Strader in the first Mystery Drama.

[ 42 ] Brunetto Latini, der Lehrer Dantes, er ist ja da. Er ist gestorben dazumal, durch die Pforte des Todes gegangen, aber das ist ja eine Lebensverwandlung. Er ist ja da. Er wirkt ja weiter, und man findet ihn, wenn man ihn geistig sucht.

[ 42 ] Brunetto Latini, Dante’s teacher—he is indeed there. He died back then, passed through the Gate of Death, but that is, after all, a transformation of life. He is indeed there. He continues to have an influence, and one can find him if one seeks him spiritually.

[ 43 ] Nun, dadurch vervollständigt sich das Bild der geistigen Entwickelung der Menschheit, wenn man immer die sogenannten Toten dazunehmen kann, denn sie sind ja eigentlich viel lebendiger als diejenigen, die die sogenannten Lebendigen sind. In vieler Beziehung ist ja jemand wie Brunetto Latini heute, trotzdem er nicht auf der Erde verkörpert ist, in ungeheuer vielem darinnen, was auf Erden geschieht. Sie sehen aber daraus, wie innig verbunden das Erdenleben ist mit dem übersinnlichen Leben, wie man gar nicht eigentlich reden kann von einer von der Erdenwelt, von der sinnlichen Welt getrennten übersinnlichen Welt, denn alles, was sinnlich ist, ist zu gleicher Zeit übersinnlich durchdrungen; alles, was übersinnlich ist, offenbart sich irgendwo oder irgendwann im Sinnlichen. Und aufnehmen kann man eigentlich das Erdenleben nur, wenn man diese Dinge hinter dem Erdenleben sieht.

[ 43 ] Well, this completes the picture of humanity’s spiritual development, provided one can always include the so-called dead, for they are, in fact, much more alive than those who are the so-called living. In many respects, someone like Brunetto Latini is involved today—even though he is not incarnated on Earth—in an immense number of things that happen on Earth. But you can see from this how intimately connected earthly life is with the supersensible life, how one cannot really speak of a supersensible world separate from the earthly world, from the sensory world, for everything that is sensory is at the same time permeated by the supersensible; everything that is supersensible reveals itself somewhere or at some time in the sensory realm. And one can truly comprehend earthly life only when one sees these things behind it.

[ 44 ] Das, meine lieben Freunde, soll der Zug sein, der in die anthroposophische Bewegung seit der Weihnachtstagung hineingekommen ist: daß in ganz unverhohlener, unbefangener Weise mit voller Erkenntnisbesinnung von den übersinnlichen Tatsachen gehandelt wird. Das soll der esoterische Zug sein, der durch die anthroposophische Bewegung geht. Erst dadurch wird es möglich sein, der anthroposophischen Bewegung ihren wirklichen spirituellen Inhalt zu geben.

[ 44 ] This, my dear friends, is the trend that has entered the anthroposophical movement since the Christmas Conference: that the supersensible facts are discussed in a completely open and unbiased manner, with full awareness of the truth. This is to be the esoteric trend running through the anthroposophical movement. Only through this will it be possible to give the anthroposophical movement its true spiritual content.

[ 45 ] Denn sehen Sie, dasjenige, was ich Ihnen von der Michaelströmung geschildert habe, es hat sich dann fortgesetzt. Aber wenn Individualitäten wiedererscheinen auf Erden: sie sind ja darauf angewiesen, zunächst die physischen Leiber zu benutzen, die in irgendeinem Zeitalter möglich sind, sie müssen sich hineinfinden in die Erziehungsimpulse, die in irgendeinem Zeitalter da sind; das alles bildet eine äußere Bekleidung in einer materialistischen Zeit. Und unsere materialistische Zeit, sie bietet die denkbar größten Hindernisse für die Seelen, die in früheren Erdenleben viel Spiritualität gehabt haben, um diese Spiritualität hineinzutreiben in die Leiber, die noch dazu präpariert werden durch die heutigen Erziehungsmaßnahmen. So daß Sie sich nicht zu verwundern brauchen, wenn ich sage: Die ehrlich nach der Anthroposophie hinstrebenden Seelen, sie sind in der angedeuteten Weise in früheren Erdentwickelungsperioden zu finden. Und man kann nicht wirkliches Erkennen begründen, wenn man nicht dieses Zusammengreifen von allem, was in der Welt wirkt und lebt, erschauen kann. Denn geistige Forschung hängt ja durchaus wiederum am geistigen Leben; geistige Forschung macht notwendig, daß der Geist eben auf seinem Wege auch gesucht werde. Und die Wege des Geistes, sie sind in jedem Zeitalter andere. In unserem Zeitalter sind sie nur zu gehen, wenn auch der feste Boden einer geistgemäßen Erkenntnis der äußeren Natur vorhanden ist.

[ 45 ] For you see, what I have described to you regarding the Michael Current has continued ever since. But when individualities reappear on Earth—since they are, after all, dependent on first using the physical bodies available in any given age—they must adapt to the educational impulses present in that age; all of this forms an outer garment in a materialistic age. And our materialistic age presents the greatest conceivable obstacles for souls who possessed a great deal of spirituality in earlier earthly lives, preventing them from infusing this spirituality into bodies that are, moreover, shaped by today’s educational practices. So you need not be surprised when I say: The souls who sincerely strive toward anthroposophy can be found in the manner described in earlier periods of Earth’s development. And one cannot establish true knowledge unless one can perceive this interplay of everything that acts and lives in the world. For spiritual research is, after all, entirely dependent on spiritual life; spiritual research necessitates that the spirit itself be sought along its own path. And the paths of the spirit are different in every age. In our age, they can only be walked if the firm foundation of a spiritual understanding of external nature is also present.

[ 46 ] Es folgt ja auf das Zeitalter, das ich beschrieben habe, innerhalb der Michael-Strömung beschrieben habe, ein solches Zeitalter, das hier auf Erden einen ganz materialistischen Aspekt zeigt, alles auf materialistische Weise ausbildet. Und es entwickelt sich im Übersinnlichen die intensivste Vorbereitung der Michael-Impulse, die in diesem unserem Zeitalter gewissermaßen vom Himmel auf die Erde getragen worden sind. Und anknüpfen kann unser Zeitalter nicht an dasjenige, was in den letzten Jahrhunderten vorangegangen ist; kennen muß man das, aber anknüpfen kann es nicht daran. Anknüpfen muß man mit dem heutigen Zeitbewußtsein an dasjenige, was im Übersinnlichen sich in den letzten Jahrhunderten abgespielt hat. Da berührt man dann, indem man auf dieses hinweist, den Boden, der der Boden anthroposophischer Wirksamkeit, anthroposophischen Lebens in der Gegenwart sein muß. Und solche Anschauungen, wie diejenigen sind, die ich in diesen Stunden auseinandersetzte, sie sollen nicht bloß mit dem kalten Verstande aufgenommen werden und dem nüchternen Herzen, sie müssen aufgenommen werden mit dem ganzen, vollen Menschen, mit dem ganzen Umfange des menschlichen Gemütes. Anthroposophie kann der Menschheit nur etwas sein, wenn sie mit dem ganzen Umfange des menschlichen Gemütes aufgenommen wird. Das liegt zugrunde dem Wollen der mit der Anthroposophischen Gesellschaft vereinigten anthroposophischen Bewegung seit der Weihnachtstagung. Von dem möchte man wünschen, daß es ganz tief in die Seelen der Menschen hineingeht, die damit verbunden sind, damit sie ein Bewußtsein von demjenigen bekommen, was eigentlich mit ihrem Karma in den Tiefen der Seelen zusammenhängt.

[ 46 ] The age I have described—within the Michael current—is followed by an age that manifests a thoroughly materialistic aspect here on Earth, shaping everything in a materialistic way. And in the supersensible realm, the most intense preparation is taking place for the Michael impulses, which in our present age have, so to speak, been brought down from heaven to earth. Our age cannot build upon what has preceded it in the past centuries; we must be aware of that, but it cannot build upon it. With today’s sense of the times, we must connect to what has taken place in the supersensible realm over the past centuries. By pointing this out, we then touch upon the ground that must be the foundation for anthroposophical activity and anthroposophical life in the present. And such views as those I have expounded in these lectures should not merely be received by the cold intellect and the sober heart; they must be received by the whole, full human being, with the entire scope of the human soul. Anthroposophy can only mean something to humanity if it is received with the entire scope of the human soul. This has been the underlying intention of the anthroposophical movement united with the Anthroposophical Society since the Christmas Conference. It is to be hoped that this will penetrate deeply into the souls of those connected with it, so that they may gain an awareness of what is actually connected with their karma in the depths of their souls.

[ 47 ] Und damit, meine lieben Freunde, haben wir eine Art Grundlage geschaffen für das, was uns weiterführen wird das nächste Mal am nächsten Sonntag, in der Sonntags-Mitgliederversammlung, wo wir den weiteren Fortgang der Michael-Strömung und dasjenige betrachten wollen, was sich daraus für die Aufgaben der Anthroposophie, als Aufgabe des geistigen Lebens in der Gegenwart überhaupt ergibt.

[ 47 ] And with that, my dear friends, we have laid a kind of foundation for what will guide us forward next time, next Sunday, at the Sunday Members’ Meeting, where we intend to consider the further development of the Michael Stream and what this implies for the tasks of anthroposophy—as the task of spiritual life in the present day.