Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume IV
GA 238
10 September 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Der Verlauf der Menschheitsgeschichte und unseres eigenen Lebens wird nur zum geringsten Teile begriffen, wenn wir ihn nach seiner Außenseite betrachten, nach jener Außenseite, die wir überblicken, wenn wir zuhilfe nehmen, was sich abspielt im Ausblicke von unserem Erdenleben zwischen Geburt und Tod. Und unmöglich ist es, die inneren Motive von Geschichte und Leben zu überschauen, wenn der Blick nicht auf dasjenige hingewendet wird, was als der geistige Hintergrund dem äußeren physischen Geschehen zugrunde liegt. Man stellt ja die Weltgeschichte dar und in dieser Weltgeschichte auch die Ereignisse, welche sich in der physischen Welt abspielen, und sagt wohl, diese Weltgeschichte stellt Ursachen und Wirkungen hin. Man geht an die Ereignisse im zweiten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts heran, stellt sie als Wirkungen der Ereignisse des ersten Jahrzehntes dar und so weiter. Aber wie viel Illusion ist da möglich! Es ist so, wie wenn wir etwa ein fortlaufendes Wasser sehen würden, das Wellen aufwirft, und wir jede Welle nur als die Folge der vorhergehenden ansehen würden; während von unten herauf die Kräfte dringen, welche die Wellen aufwerfen. So ist es: Dasjenige, was an irgendeiner Stelle des geschichtlichen Werdens oder des menschlichen Lebens überhaupt geschieht, das wird aus der geistigen Welt heraus gestaltet, und nur zum geringsten Teile können wir in bezug auf dieses Geschehen von Ursachen und Wirkungen sprechen.
[ 1 ] The course of human history and of our own lives is understood only to a very small extent when we view it from the outside—that outer aspect we can survey when we draw upon what unfolds in the perspective of our earthly life between birth and death. And it is impossible to grasp the inner motives of history and life unless our gaze is turned toward that which, as the spiritual background, underlies the outer physical events. After all, we depict world history—and within this world history, the events that unfold in the physical world—and we say that this world history presents causes and effects. We approach the events of the second decade of the twentieth century, presenting them as effects of the events of the first decade, and so on. But how much illusion is possible here! It is as if we were to see, for example, a flowing stream that creates waves, and we were to regard each wave merely as the consequence of the preceding one; whereas, from below, the forces that create the waves are surging upward. So it is: whatever happens at any point in historical development or in human life in general is shaped from within the spiritual world, and only to a very small extent can we speak of causes and effects in relation to these events.
[ 2 ] Ich möchte Ihnen nun an einigen fortlaufenden Beispielen zeigen, wie man, um ein wirkliches Bild von dem zu bekommen, was dem Geschehen zugrunde liegt, die geistigen Ereignisse in dieses Geschehen hereinbeziehen muß. Die gegenwärtige Zeit hängt ja in geistiger Beziehung mit dem zusammen, was man im geistigen Leben die Michael-Herrschaft nennen kann. Diese Michael-Herrschaft aber ist wiederum mit demjenigen verbunden, was im tiefsten Sinne auch die anthroposophische Bewegung will, namentlich mit dem, was sie soll. So daß mit den Ereignissen, von denen ich sprechen werde, auch das Schicksal, das Karma, wie sich uns das nächste Mal herausstellen wird, der Anthroposophischen Gesellschaft und damit das Karma der weitaus meisten Einzelpersönlichkeiten zusammenhängt, welche in dieser Anthroposophischen Gesellschaft sich finden. Einzelnes von dem, was ich heute abend berühren werde, ist vielen von Ihnen aus vorigen Vorträgen schon bekannt. Allein ich möchte heute Bekanntes mit weniger Bekanntem von einem gewissen Gesichtspunkte aus betrachten.
[ 2 ] I would now like to use a few consecutive examples to show you how, in order to gain a true picture of what underlies these events, one must take spiritual events into account. The present time is, after all, spiritually connected to what can be called the Michael Reign in spiritual life. This Michael Reign, however, is in turn linked to what the anthroposophical movement also seeks in the deepest sense—namely, its very purpose. Thus, the events I will speak of are also connected to the destiny—the karma, as it will become clear to us next time—of the Anthroposophical Society and, with it, to the karma of the vast majority of the individual personalities who are members of this Anthroposophical Society. Some of what I will touch upon this evening is already familiar to many of you from previous lectures. However, today I would like to consider the familiar alongside the less familiar from a certain perspective.
[ 3 ] Wir sehen, meine lieben Freunde, wie seit dem Mysterium von Golgatha eine fortlaufende christliche Entwickelung durch die gebildete Welt geht. Und es ist ja öfter auch von mir in früheren Zeiten dargestellt worden, welchen Sinn diese christliche Entwickelung in den aufeinanderfolgenden Jahrhunderten angenommen hat. Aber es ist ja nicht zu leugnen, daß in diese christliche Entwickelung manches andere hereingespielt hat. Denn wäre das nicht der Fall, so könnte nicht unsere heutige Zeitbildung von jenem starken Materialismus durchsetzt sein, von dem sie durchsetzt ist.
[ 3 ] We see, my dear friends, how a continuous Christian development has been taking place throughout the civilized world since the Mystery of Golgotha. And I have, in fact, often described in the past the direction this Christian development has taken over the successive centuries. But it cannot be denied that many other factors have played a role in this Christian development. For if that were not the case, our present-day culture could not be permeated by the strong materialism that indeed permeates it.
[ 4 ] Es ist zwar nicht zu leugnen, daß zu diesem Materialismus gerade die christlichen Bekenntnisse starke Beiträge geliefert haben, aber nicht eigentlich aus den christlichen Impulsen heraus, sondern aus anderen Impulsen heraus, die eben von anderer Seite in die christliche Entwickelung hereingeflossen sind.
[ 4 ] While it cannot be denied that Christian creeds have made significant contributions to this materialism, they did so not strictly from Christian impulses, but rather from other impulses that flowed into Christian development from other sources.
[ 5 ] Wir sehen, wie im Abendlande — nehmen wir eine gewisse Zeit heraus, das achte, den Beginn des neunten Jahrhunderts —, wir sehen, wie da in einer Weise, mit der wir vielleicht nicht immer einverstanden sein können von unseren heutigen humanitären Begriffen aus, durch solch eine Persönlichkeit wie Karl den Großen das Christentum überall hingetragen wird unter die damals in Europa lebenden, noch nicht christlichen Menschen. Unter diesen nichtchristlichen Menschen sind aber diejenigen ganz besonders bemerkenswert, welche von jenen Zügen beeinflußt worden sind, die von Asien durch Nordafrika nach Europa herüberkamen und die vom Arabismus, vom Mohammedanertum ausgehen. Wir müssen dabei das Mohammedanertum im weiteren Sinne des Wortes fassen.
[ 5 ] We see how in the West—if we focus on a specific period, the eighth and early ninth centuries—we see how, in a manner with which we may not always agree from the perspective of our modern humanitarian ideals, Christianity was spread far and wide by a figure such as Charlemagne among the people living in Europe at that time who were not yet Christian. Among these non-Christian peoples, however, those who were influenced by the traits that came from Asia through North Africa to Europe—and which stem from Arab culture and Islam—are particularly noteworthy. In this context, we must understand Islam in the broader sense of the word.
[ 6 ] Ein halbes Jahrtausend und mehr nach dem Mysterium von Golgatha sehen wir entstehen aus dem Arabismus heraus alle alten Weltanschauungselemente des Arabismus im Mohammedanertum, vieles, was damit zusammenhängt, vieles namentlich von einer reichen, aber in einer unchristlichen Art gestalteten Gelehrsamkeit, sehen diese Gelehrsamkeit mit durchstoßenden Kriegszügen von Asien herüber durch Nordafrika nach dem Westen und Süden Europas sich verbreiten. Wir sehen allmählich diesen Strom versiegen für die mehr äußerliche Welt, aber er versiegt nicht im Innern der Entwickelung des geistigen Lebens. Als die mehr äußerliche Art, den Arabismus nach Europa auszubreiten, schon versiegte, sehen wir — und hier kommt einer der Fälle, wo wir nun von der äußeren Geschichte nach dem spirituellen Hintergrunde zu sehen haben —, wie auf eine innerliche Art der Arabismus sich ausbreitet. Und ich habe Ihnen ja gesagt bei der letzten Karmabetrachtung, die ich hier angestellt habe, daß, wenn wir die aufeinanderfolgenden Erdenleben von einzelnen Menschen betrachten, wir nicht aus dem Äußerlichen, aus der äußerlichen Attitüde irgendwelche Schlüsse ziehen können darauf, wie ein früheres Erdenleben gestaltet war, denn es kommt auf viel innerlichere Impulse an. So kommt es auch bei den historischen Persönlichkeiten auf viel innerlichere Impulse an. Und wir sehen die Ergebnisse früherer Kulturepochen in spätere von Persönlichkeiten getragen, von den Menschen selber hinübergetragen, aber wir sehen sie bei diesem Hinübertragen auch verändert, so daß wir sie in der neuen Form, in der sie eine Persönlichkeit austrägt in einer neuen Inkarnation, nicht ohne weiteres durch die Betrachtung des Äußeren wiedererkennen können. Und so wollen wir denn eine solche innere Strömung ins Auge fassen.
[ 6 ] Half a millennium or more after the Mystery of Golgotha, we see all the ancient worldview elements of Arabism emerging from within Arabism itself in Islam, much that is connected with it—much, in particular, from a rich but unchristian form of scholarship—and we see this scholarship spreading from Asia through North Africa to the west and south of Europe via penetrating military campaigns. We see this stream gradually drying up for the more external world, but it does not dry up within the development of spiritual life. Just as the more external form of spreading Arabism to Europe had already dried up, we see—and here we come to one of those cases where we must now look beyond external history to the spiritual background—how Arabism spreads in an inner way. And I did tell you in the last reflection on karma that I presented here that, when we consider the successive earthly lives of individual human beings, we cannot draw any conclusions from the external, from outward behavior, about what a previous earthly life was like, for it depends on much more inner impulses. The same is true for historical figures: much depends on far more inner impulses. And we see the results of earlier cultural epochs carried over into later ones by individuals—transmitted by the people themselves—but we also see them transformed in the process of this transmission, so that we cannot readily recognize them by observing the outward appearance in the new form in which a personality embodies them in a new incarnation. And so let us now consider such an inner current.
[ 7 ] In derselben Zeit, in der Karl der Große — man möchte sagen, auf eine etwas primitive Art mit der damaligen europäischen primitiven Bildung verknüpft — das Christentum ausbreitete, lebte drüben im Orient eine Persönlichkeit, die eigentlich gegenüber Karl dem Großen auf einer viel bedeutenderen Höhe stand, Harzn al Raschid. Harun al Raschid versammelte an seinem Hofe in Vorderasien die bedeutendsten geistigen Größen seiner Zeit. Und es war ein glänzender, ja auch von Karl dem Großen vielfach verehrter Hof, dieser Hof des Harun al Raschid. Wir sehen die Architektur, Dichtkunst, Astronomie, Geographie, Historie, Menschenkunde, alles in glänzendster Weise durch die glänzendsten Persönlichkeiten vertreten, zum Teil durch Persönlichkeiten, welche noch viel in sich trugen von Erkenntnissen alter Initiationswissenschaft.
[ 7 ] At the same time that Charlemagne—one might say, in a somewhat primitive manner linked to the primitive education of Europe at that time—was spreading Christianity, there lived in the East a figure who was actually on a much higher level than Charlemagne: Harun al-Rashid. Harun al-Rashid gathered the most eminent intellectual figures of his time at his court in the Near East. And it was a brilliant court—one that was even greatly admired by Charlemagne in many ways—this court of Harun al-Rashid. We see architecture, poetry, astronomy, geography, history, and anthropology, all represented in the most brilliant manner by the most brilliant personalities, some of whom still carried within them much of the knowledge of the ancient science of initiation.
[ 8 ] Insbesondere sehen wir beigesellt dem Harun al Raschid, der selber ein organisatorischer Geist im großen Stile war, der aus seinem Hofe geradezu, ich möchte sagen, eine Universal-Akademie zu gestalten vermochte, wo in einem großen organischen Ganzen die einzelnen Glieder dessen, was man dazumal im Orient an Kunst und Wissenschaft hatte, zusammenwirkten, wir sehen dem Harun al Raschid beigesellt eine andere Persönlichkeit, eine Persönlichkeit, die geradezu die Elemente alter Einweihung in sich trug.
[ 8 ] In particular, we see that Harun al-Rashid—who was himself a master organizer on a grand scale—was able to create, right from his court, I might say, a universal academy, where the individual elements of what the Orient had to offer in art and science at that time worked together within a great organic whole—we see, alongside Harun al-Rashid, another personality, a personality who literally embodied the elements of ancient initiation.
[ 9 ] Es ist ja nicht so, daß ein Mensch, der in früherer Inkarnation ein Eingeweihter war, wiederum als Eingeweihter in einer späteren Inkarnation erscheinen muß. Sie können ja, meine lieben Freunde, die Frage aufwerfen, die im Anschlusse an manches in diesen Vorträgen Behauptete aufzuwerfen ist: Ja, es soll doch alte Eingeweihte gegeben haben, wo sind denn die hingekommen? Haben die sich nicht wieder verkörpert? Wo sind sie heute? Wo waren sie in den letzten Jahrhunderten? — Nun, sie waren schon da, aber man muß eben in Erwägung ziehen, daß derjenige, der in einer früheren Inkarnation ein Initiierter war, in einer neuen Inkarnation vor allen Dingen für sich die äußere Körperlichkeit benutzen muß, die eben das Zeitalter geben kann. Die neuere menschliche Entwickelung gibt nicht Körper, die so innerlich schmiegsam, biegsam und weich sind, daß unmittelbar dasjenige in sie eintreten kann, was in einer früheren Inkarnation in der Individualität lebte. Und so bekommen dann die Initiaten andere Aufgaben, in denen schon unbewußt in der Stoßkraft der Impulse dasjenige wirkt, was früher während ihrer Initiation da war, was aber nicht in der Form des Initiationswirkens auftritt.
[ 9 ] It is not the case that a person who was an initiate in a previous incarnation must necessarily appear as an initiate again in a later incarnation. You may well, my dear friends, raise the question that naturally follows from some of the assertions made in these lectures: Yes, there are said to have been ancient initiates—where have they gone? Have they not reincarnated? Where are they today? Where have they been over the past few centuries? — Well, they have been here all along, but one must take into account that someone who was an initiate in a previous incarnation must, above all, make use of the physical body available to them in a new incarnation—the very body that the current age can provide. Recent human evolution does not produce bodies that are so inwardly pliable, flexible, and supple that what lived within the individuality in a previous incarnation can immediately enter them. And so the initiates are then given different tasks in which—already unconsciously, in the driving force of the impulses—that which was present during their initiation is at work, though it does not manifest in the form of the initiatory process.
[ 10 ] So lebte am Hofe Harun al Raschids als ein zweiter Organisator, der auch ein Besitzer außerordentlich tiefer Einsicht war — nur nicht gerade in der damaligen Inkarnation der Initiaten-Einsicht — ein Ratgeber, der die größtdenkbaren Dienste dem Harun al Raschid leistete.
[ 10 ] Thus, at the court of Harun al-Rashid, there lived a second organizer—who also possessed extraordinarily deep insight, though not exactly in the form of initiatic insight as it was understood at that time—an advisor who rendered the greatest possible services to Harun al-Rashid.
[ 11 ] Diese beiden Persönlichkeiten, Harun al Raschid und sein Ratgeber, sie gingen durch die Pforte des Todes. Und sie sahen gewissermaßen, nachdem sie drüben im geistigen Reiche angekommen waren, noch die letzten Phasen der Ausbreitung des Arabismus auf der einen Seite über Afrika nach Spanien hinüber, weit nach Europa herein, auf der andern Seite aber auch nach Mitteleuropa herein. Sie waren stärkste Kräfte, die beiden, und Harun al Raschid hatte manches getan während seines Lebens, um in der physischen Welt zur Ausbreitung des Arabismus beizutragen.
[ 11 ] These two figures, Harun al-Rashid and his advisor, passed through the gate of death. And, in a sense, after they had arrived in the spiritual realm, they still witnessed the final phases of the spread of Arabism—on the one hand across Africa into Spain, deep into Europe, and on the other hand also into Central Europe. They were both powerful forces, and Harun al-Rashid had done much during his lifetime to contribute to the spread of Arabism in the physical world.
[ 12 ] Dieser Arabismus hat ja eine besondere Gestalt am Hofe Harun al Raschids bekommen: die Gestalt, die nun eben hervorgegangen war aus mancherlei anderen Gestaltungen, welche Erkennen und Kunst drüben in Asien seit langer Zeit hatten. Die letzte große Entwickelungswelle nach Asien hinüber war ja von dem vorigen Michael-Zeitalter als dasjenige ausgegangen, was griechisches Geistesleben, griechische Spiritualität, griechischer künstlerischer Sinn bedeutete und was zusammengefaßt wurde durch die Gemeinschaft von Aristoteles und Alexander dem Großen und als die Blüte des griechischen Geisteslebens, in einer ungemein energischen, aber auch für Geistverbreitung vorbildlichen Art durch die Eroberungszüge Alexanders des Großen nach Asien, nach Afrika hinübergetragen wurde, durchsetzt mit der Gesinnung, die sich wissenschaftlich ausprägte im Aristotelismus in Vorderasien und Afrika. Und damit wurde überhaupt der Arabismus und der Orientalismus gesinnungsgemäß ausgestaltet mit jenen Impulsen, welche das Griechentum des Aristoteles angenommen hatte und die dann durch Alexanders Eroberungen und Gründungen eine so glänzende Verbreitung gefunden haben.
[ 12 ] This Arabism did indeed take on a distinctive form at the court of Harun al-Rashid: a form that had just emerged from various other forms that had long been present in Asian thought and art. The last great wave of development toward Asia had, after all, originated in the preceding Michaelic Age as that which embodied Greek intellectual life, Greek spirituality, and the Greek artistic sensibility—a synthesis embodied by the partnership of Aristotle and Alexander the Great and carried over to Asia and Africa as the flowering of Greek intellectual life through the conquests of Alexander the Great, in an extraordinarily energetic, yet also exemplary for the dissemination of the spirit, through Alexander the Great’s conquests into Asia and Africa, imbued with the mindset that found its scientific expression in Aristotelianism in the Near East and Africa. And thus, Arabism and Orientalism were shaped in spirit by those impulses that Aristotelian Hellenism had adopted and which then found such brilliant dissemination through Alexander’s conquests and the founding of new cities.
[ 13 ] Wenn wir da ein paar Jahrhunderte vor das Mysterium von Golgatha zurücksehen, bis zu den Alexanderzügen, bis zu der Verbreitung jener Weisheitsgüter, die ich eben angedeutet habe, durch Alexander den Großen, so sehen wir die ganzen Jahrhunderte hindurch bis zu Harun al Raschid, der dann im achten nachchristlichen Jahrhundert lebte, drüben in Asien die Gesinnung, die Aufnahmefähigkeit für griechisches Geistesleben in der aristotelischen Gestalt. Aber es hatte eigentümliche Formen angenommen. Obzwar das alles geistvoll, großartig eindringlich, von dem Arabismus durchdrungen am Hofe Harun al Raschids lebte, obzwar es gepflegt wurde von Harun al Raschid, von seinem Ratgeber, von den anderen, die da waren, sogar durchsetzt wurde von alter orientalischer Initiatenweisheit, so war das, was an Aristotelismus am Hofe Harun al Raschids lebte, doch nicht das Echte, was etwa zwischen Aristoteles und Alexander gepflegt worden ist. Es hatte Formen angenommen, die sich wenig um das Christentum kümmern wollten.
[ 13 ] If we look back a few centuries before the Mystery of Golgotha, all the way to Alexander’s campaigns, to the dissemination of those treasures of wisdom I just alluded to by Alexander the Great, we see, throughout all those centuries up to Harun al-Rashid—who lived in the eighth century CE—over in Asia a mindset and receptivity to Greek intellectual life in its Aristotelian form. But it had taken on peculiar forms. Although all of this flourished at the court of Harun al-Rashid—spiritual, magnificently compelling, and imbued with Arab culture—and although it was cultivated by Harun al-Rashid, his advisor, and the others present, and was even interwoven with ancient Oriental initiatory wisdom, what flourished as Aristotelianism at the court of Harun al-Rashid was not the authentic form that had been cultivated, for example, between Aristotle and Alexander. It had taken on forms that paid little heed to Christianity.
[ 14 ] Und so haben wir da drüben, glänzend gepflegt namentlich unter der Ägide Harun al Raschids und seines Ratgebers, einen Aristotelismus, ein Alexandertum, der einen dem Christentum abträglichen Pol darstellt, der eine Geistgestalt, namentlich eine Art von Pantheismus, angenommen hat, die sich mit dem Christentum niemals vereinigen wollte, durch ihre innere Essenz sich nicht mit dem Christentum vereinigen konnte.
[ 14 ] And so, over there, brilliantly cultivated particularly under the aegis of Harun al-Rashid and his advisor, we have an Aristotelianism, an Alexandrian tradition that represents a pole opposed to Christianity, one that has adopted a spiritual form—namely, a kind of pantheism—that never sought to unite with Christianity and, by its very essence, could not unite with it.
[ 15 ] Mit einer solchen Gesinnung eines antiken Geisteslebens, das nicht in das Christentum hineinwollte, gingen Harun al Raschid und sein Ratgeber durch die Pforte des Todes. All ihr Mühen, all ihre Sehnsucht, all ihre Kraft war, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen waren, darauf gerichtet, von der Geistwelt aus in der geschichtlichen Entwickelung gewissermaßen fortsetzend in dasjenige einzugreifen, was an Verbreitung des Geisteslebens des Arabismus — früher im Laufe der Kriegszeiten und dergleichen — von Asien nach Europa herein stattgefunden hatte. Sie sandten nach ihrem Tode aus der geistigen Welt herunter die Geiststrahlen, die gewissermaßen Europa in seinem Geistesleben mit Arabismus durchdringen wollten.
[ 15 ] With this mindset—a mindset rooted in an ancient spiritual life that did not wish to be absorbed into Christianity—Harun al-Rashid and his advisor passed through the gate of death. All their efforts, all their longing, all their strength, after they had passed through the gate of death, were directed toward intervening—from the spiritual world, as it were, continuing the historical development—in what had taken place in terms of the spread of the spiritual life of Arabism from Asia into Europe—earlier during times of war and the like. After their death, they sent down from the spiritual world the spiritual rays that, in a sense, sought to permeate Europe’s spiritual life with Arabism.
[ 16 ] Und so sehen wir, wie der eine, Harun al Raschid, folgende Entwickelung nach seinem Tode durchmacht: Von Vorderasien durch den Süden Europas herüber, durch Spanien verfolgt er von der geistigen Welt aus das, was zur Verbreitung des Arabismus geschieht, und setzt es fort. Der andere, der in der geistigen Welt lebt, beobachtet entsprechend und lebt in einer gewissen Weise mit demjenigen mit, was unten in der physischen Welt ist; er nimmt gewissermaßen in der Geistwelt einen Zug, der sich in seiner Projektion etwa ausnehmen würde wie: nördlich vom Schwarzen Meer nach Mitteleuropa herein.
[ 16 ] And so we see how one of them, Harun al-Rashid, undergoes the following development after his death: From the Near East, across southern Europe, and through Spain, he observes from the spiritual world the events leading to the spread of Arab culture and carries them forward. The other, who lives in the spiritual world, observes accordingly and, in a certain sense, shares in what is happening down below in the physical world; in the spiritual world, he takes a path that, if projected, would roughly look like this: from north of the Black Sea into Central Europe.
[ 17 ] So senden wir einmal unsern Blick hinauf zu diesen Individualitäten, gewissermaßen in Geistwanderungen, die sich in dieser eben angegebenen Weise auf den physischen Plan herunterprojizieren lassen. Sie wissen ja auch schon historisch, wie der Aristotelismus, wie die Alexandersage sich in das Christentum hinein verbreitet hatten. Im neunten, zehnten, elften, zwölften, dreizehnten Jahrhundert noch gehörte zu den allerpopulärsten Stoffen, von denen man überall erzählte in Europa, der Stoff, der sich an Alexander den Großen anknüpfte. Und wir haben da die wunderbare Dichtung des Pfaffen Lamprecht, das Alexanderlied, das überall aber die Taten Alexanders an die geistige Welt anknüpft. Die Erziehung und das Leben Alexanders werden geschildert, die Züge nach Asien hinüber. Aber überall wird dasjenige, was in diesem Erdenleben Alexanders geistig lebt, hervorgehoben. Und mit allem Erdenleben hängt ja Geistiges zusammen, das sieht nur das gewöhnliche Bewußtsein nicht. In dieser Bearbeitung des Stoffes im Mittelalter war das alles darinnen. Und so breitet sich der Aristotelismus aus bis herein in die Scholastik: überall ariistotelische Begriffe. Aber es ist nur der andere Pol: Drüben, hinüber nach Asien, in arabistischer Form, hier in christlicher Form; das Alexanderlied ganz von christlicher Gesinnung durchdrungen, der Aristotelismus in Europa durchaus in christlicher Gestalt.
[ 17 ] So let us turn our gaze upward toward these individualities, in a sense through spiritual journeys, which can be projected down onto the physical plane in the manner just described. You already know from history how Aristotelianism and the legend of Alexander the Great had spread into Christianity. As late as the ninth, tenth, eleventh, twelfth, and thirteenth centuries, the stories connected with Alexander the Great were still among the most popular subjects, recounted everywhere in Europe. And we have there the wonderful poem by the priest Lamprecht, the Alexanderlied, which throughout links Alexander’s deeds to the spiritual world. Alexander’s upbringing and life are described, as are his campaigns into Asia. But throughout, the emphasis is on what lives spiritually within Alexander’s earthly life. And the spiritual is, of course, connected to all earthly life; it is just that ordinary consciousness fails to see this. All of this was present in the medieval treatment of the subject matter. And so Aristotelianism spread all the way into Scholasticism: Aristotelian concepts everywhere. But it is merely the other pole: over there, across in Asia, in an Arab form; here, in a Christian form; the Song of Alexander entirely imbued with a Christian spirit, Aristotelianism in Europe thoroughly in a Christian guise.
[ 18 ] Ja, es spielt sich da sogar das Merkwürdige ab, daß die christlichen Kirchenlehrer, ausgerüstet in ihrer Seele mit dem Aristoteles, gegen diejenigen kämpfen, die von Asien herüber den anderen Aristoteles getragen hatten nach Spanien hinein und dort eine unchristliche Lehre verbreiteten. Und wir sehen überall auf den Bildern, die eben in späterer Zeit gemalt worden sind, ich möchte sagen, den Aristotelismus kämpfen mit den christlichen Kirchenvätern, die Kirchenväter mit dem in der Hand, was sie aus Aristoteles haben, tot-tretend mit den Füßen Averrhoes und die anderen, die nun auch jenen Aristotelismus, der durch das Alexandertum herüber nach Europa gekommen war, in ihrer Art vertreten.
[ 18 ] Yes, there is even the curious phenomenon that the Christian Church Fathers, whose minds were shaped by Aristotle, fought against those who had brought the “other” Aristotle from Asia into Spain and were spreading a non-Christian doctrine there. And everywhere in the paintings that were created in later times, we see—I would say—Aristotelianism battling the Christian Church Fathers, who, armed with what they had taken from Aristotle, are trampling Averroes and the others underfoot—those who, in their own way, now also represent that Aristotelianism which had come to Europe via the Alexandrian school.
[ 19 ] Das spielt sich äußerlich ab. Aber man darf aus der geistigen Forschung heraus sagen: Harun al Raschid und sein Ratgeber lebten in der angedeuteten Weise weiter fort, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen waren. So lebten selbstverständlich auch fort Alexander und Aristoteles. Sie selber aber, die wirklichen Individualitäten, die nur einmal, ich möchte sagen, vorübergehend ins Erdenleben hereinsahen in den ersten christlichen Jahrhunderten — sogar in einer für die anthroposophischen Gesichtspunkte interessanten Gegend —, aber dann wiederum zurückgingen in die geistige Welt und die in der geistigen Welt zugleich waren in der Zeit, als Harun al Raschid und sein Ratgeber schon einige Zeit den physischen Plan verlassen hatten, Aristoteles und Alexander verfolgten andere Wege. Ihre wirklichen Individualitäten gingen mit der christlichen Entwickelung, gingen westwärts mit der christlichen Entwickelung.
[ 19 ] This takes place on the outer plane. But from the perspective of spiritual research, we can say that Harun al-Rashid and his advisor continued to live in the manner described after they had passed through the gate of death. Of course, Alexander and Aristotle also lived on in this way. But they themselves—the true individualities who only once, I might say, briefly looked into earthly life during the early Christian centuries—even in a region of interest from an anthroposophical perspective— but then returned to the spiritual world—and were present in the spiritual world at the same time that Harun al-Rashid and his advisor had already left the physical plane for some time—Aristotle and Alexander followed other paths. Their true individualities moved along with Christian development, moving westward with Christian development.
[ 20 ] Nun spielte sich auch das Wichtigste, das Wesentlichste ab im neunten Jahrhundert. Aber dasjenige, was jetzt von der geistigen Welt aus maßgebend ist für das, was in Europa geistig geschieht, das fällt in übersinnlichen Welten mit einem Ereignis zusammen, in dem man es nicht leicht wiedererkennt, — aber es fällt zusammen mit diesem Ereignis. Und ein ungeheuer Bedeutsames geschieht gerade 869 in übersinnlichen Welten. Oben geschieht etwas außerordentlich Bedeutsames; unten spielt sich ab jenes achte ökumenische Konzil in Konstantinopel, in dem dogmatisch erklärt wird, man dürfe nicht sagen, wenn man Christ sein wolle, der Mensch bestünde aus Leib und Seele und Geist. Die Trichotomie, wie man es nannte, wurde für ketzerisch erklärt.
[ 20 ] Now, the most important, the most essential events also took place in the ninth century. But what is now, from the spiritual world, decisive for what is happening spiritually in Europe coincides in the supersensible worlds with an event that is not easily recognized—yet it does coincide with this event. And something immensely significant is taking place in the supersensible worlds in the very year 869. Above, something extraordinarily significant is taking place; below, the Eighth Ecumenical Council is being held in Constantinople, at which it is dogmatically declared that, if one wishes to be a Christian, one must not say that human beings consist of body, soul, and spirit. The trichotomy, as it was called, was declared heretical.
[ 21 ] Ich habe das früher oftmals so ausgedrückt, daß ich sagte: Auf diesem Konzil 869 wurde der Geist abgeschafft; man mußte in der Zukunft sagen, der Mensch bestehe aus Leib und Seele, und die Seele habe einige geistige Eigenschaften. Das, was da unten in dieser Weise in Konstantinopel geschah, das war eine irdische Projektion, in der man allerdings dasjenige nicht wiedererkennt, von dem es die Projektion ist. Es war die Projektion eines geistigen, aber für die europäische Geistesgeschichte ungeheuer wichtigen Ereignisses, das sich allerdings über viele Jahre erstreckte, das aber sozusagen doch nach diesem Zeitpunkte auch angesetzt werden kann.
[ 21 ] I have often expressed this in the past by saying: At the Council of 869, the concept of the spirit was abolished; from then on, one had to say that human beings consist of body and soul, and that the soul possesses certain spiritual qualities. What took place in Constantinople in this way was an earthly projection in which, however, one does not recognize that of which it is a projection. It was the projection of a spiritual event—one of immense importance for European intellectual history—which, though it spanned many years, can nevertheless, so to speak, be dated to this point in time.
[ 22 ] Es war schon jene Zeit herangekommen in diesem neunten Jahrhundert, wo für die europäische Menschheit und ihr Geistesleben vollständig vergessen war, was in den ersten christlichen Jahrhunderten den echten Christen durchaus noch geläufig war: daß der Christus als ein Wesen, das früher in der Sonne war, sein Leben mit der Sonne zusammenhängend hatte, daß dieser Christus in dem Leibe des Jesus von Nazareth sich verkörpert hatte, wie es ja oftmals hier dargestellt wurde. Christus, das Sonnenwesen Christus zusammenhängend mit der kosmischen Welt durch seine Wohnung in der Sonne vor dem Mysterium von Golgatha, und nicht nur das Sonnenwesen, sondern das Wesen, das mit allem, was planetarisch mit der Sonne zusammenhängt, eben auch verbunden war: das war etwas den ersten Christen Geläufiges. Aber dieser kosmische Ursprung des Christus-Impulses, er war im neunten Jahrhundert schon nicht mehr da. Man hatte sozusagen die Größe des Christus-Impulses abgestreift. Immer mehr und mehr rückte man heran an das, was man das rein Menschliche nannte, das heißt das nur auf dem physischen Plan sich Abspielende. Man nahm die Evangelien, erklärte nicht das, was in den Kosmos hinauswies, sondern erzählte wie ein Erden-Epos dasjenige, was Inhalt der Evangelien ist.
[ 22 ] By this time, in the ninth century, the European people and their spiritual life had completely forgotten what had still been well known to true Christians in the early Christian centuries: that Christ, as a being who had formerly dwelt in the sun, had a life intimately connected with the sun; that this Christ had incarnated in the body of Jesus of Nazareth, as has often been described here. Christ, the solar being—Christ connected to the cosmic world through his dwelling in the sun prior to the Mystery of Golgotha—and not only the solar being, but the being who was also connected to everything planetary associated with the sun: this was something familiar to the early Christians. But this cosmic origin of the Christ impulse had already disappeared by the ninth century. People had, so to speak, shed the grandeur of the Christ impulse. More and more, they moved toward what was called the purely human—that is, what takes place solely on the physical plane. They took the Gospels and, rather than explaining what pointed out into the cosmos, recounted the content of the Gospels as if it were an earthly epic.
[ 23 ] Wenn man recht verstehen will, was damit eigentlich geschieht, dann muß man sich klar sein darüber, daß es ja in der wirklichen Entwickelung der Menschheit ein Christentum vor Christus, vor dem Mysterium von Golgatha gab. Und ernst sollte man nehmen solche Worte wie die des Heiligen Augustinus, der ja sagte, das Christentum war immer da, nur nannte man diejenigen, die sich vor dem Mysterium von Golgatha zum Christentum bekannten, nicht Christen, sondern man nannte sie eben anders. Das ist aber nur der äußere Ranken-Ausdruck für etwas, was außerordentlich tief bedeutsam ist. In den Mysterien, in den wahren Mysterien, und sogar an denjenigen Stätten, wo nicht selber Mysterien waren, aber das Mysterium-Wissen und die Mysterien-Impulse hineinspielten, da gab es überall ein Christentum vor dem Mysterium von Golgatha. Nur sprach man von dem Christus-Wesen als dem Wesen, das auf der Sonne ist, das man dann schauen kann, mit dem man wirken kann, wenn man durch die Initiations-Weisheit so weit kommt, daß einem die Tatsache des Sonnenlebens in ihrem geistigen Inhalte, in ihrem tatsächlichen Inhalte gegenwärtig sein kann.
[ 23 ] If one wants to truly understand what is actually happening here, one must be clear that, in the actual development of humanity, there was a Christianity that existed before Christ, before the Mystery of Golgotha. And one should take seriously words such as those of Saint Augustine, who said that Christianity had always existed; it was just that those who professed Christianity before the Mystery of Golgotha were not called Christians, but were referred to by other names. But this is only the outward, tangled expression of something that is extraordinarily profound. In the mysteries—the true mysteries—and even in those places where there were no mysteries per se, but where mystery knowledge and mystery impulses were at work, there was Christianity everywhere before the Mystery of Golgotha. It was simply that people spoke of the Christ Being as the Being who is on the sun—one whom one can then behold and with whom one can work—when, through the wisdom of initiation, one has progressed far enough that the reality of solar life, in its spiritual and actual content, can become present to one.
[ 24 ] So sprach man von dem Christus, der da kommen wird, in den alten Mysterien. Man sprach nicht von einem irdischen Christus, der auf der Erde gelebt hat und da ist; man sprach aber von dem kommenden Christus, der einmal da sein wird, den man dazumal noch auf der Sonne suchte. Solches aber verbreitete sich auch in die späteren Zeiten noch hinein für manche Stätten, die das Christentum auch in nachchristlichen Jahrhunderten noch nicht erreicht hatte.
[ 24 ] This is how the Christ who is to come was spoken of in the ancient mysteries. They did not speak of an earthly Christ who had lived on Earth and was present there; rather, they spoke of the coming Christ, who would one day be present—a figure whom people at that time still sought on the sun. Such beliefs, however, persisted into later times in certain regions where Christianity had not yet taken hold, even in the centuries following Christ.
[ 25 ] Und da hat sich gerade vor kurzem durch den englischen Aufenthalt, als der Sommerkurs stattfand in Torquay, im Westen Englands, in der Nähe derjenigen Stätte, wo einstmals Artus mit den Seinen war — wir konnten ja diese Stätte besuchen —, da hat sich gerade etwas ergeben, was hinwies auf ein solches verspätetes Wirken in einem Christentum vor dem Christentum. Dort hat sich einfach das erhalten in spätere Zeiten hinein, was in der Artus-Sage vielfach von einer Gelehrsamkeit, die aber nicht sehr gelehrt ist in bezug auf das Tatsächliche, auf spätere Zeiten bezogen wird. Das geht aber in sehr frühe Zeiten zurück. Und es ist ja wirklich ein tiefer Eindruck, den man bekommen kann, wenn man da auf der Stätte steht, von der man hinunterschaut in das Meer, wie einstmals die Ritter der Artusschen Tafelrunde hinuntergeschaut haben in das Meer. Und man bekommt, wenn man dafür empfänglich ist, heute noch durchaus jenen Eindruck, der einem sagt, was eigentlich diese Ritter der Tafelrunde, die Artus-Ritter, da oben machten in diesem Riesenschloss, von dem die letzten Steine, die abbröckelnden Steine, die spätesten Zeugen, stehen.
[ 25 ] And just recently, during our stay in England—when the summer course took place in Torquay, in western England, near the very site where Arthur and his companions once were (we were able to visit that site)—something came to light that pointed to such a belated influence within a form of Christianity that predated Christianity itself. There, what has simply been preserved into later times is what is often attributed in the Arthurian legend to a scholarship—which, however, is not very well-informed regarding the facts—as pertaining to later times. Yet this actually dates back to very early times. And it really is a profound experience to stand there on the site, looking down at the sea, just as the knights of King Arthur’s Round Table once looked down at the sea. And if you’re receptive to it, you can still get that very same impression today—one that tells you what these Knights of the Round Table, the Knights of Arthur, were actually doing up there in that gigantic castle, of which the last stones—the crumbling stones, the final witnesses—still stand.
[ 26 ] Von dieser Ruinenstätte, die, trotzdem sie ganz zerbröckelt ist, noch einen gigantischen Eindruck macht, schaut man hinaus in das Meer. Es ist eine Bergkuppe, auf beiden Seiten davon das Meer. Indem man da in das Meer hinausschaut, in einer Gegend, wo fast immer stundenweise die Witterung wechselt, kann man, wenn man da steht, den glänzenden Sonnenschein, der sich im Meere spiegelt, anschauen; gleich darauf weht stürmisches Wetter. Man bekommt, wenn man das, was sich heute noch da abspielt, mit dem okkulten Auge überschaut, einen großartigen Eindruck. Es weben und leben elementarische Geister, die da sich herausentwickeln aus den Lichtwirkungen, den Luftwirkungen, den Wirkungen der sich kräuselnden und an dem Ufer sich stoßenden Meereswellen. Der Eindruck jener Elementargeister, die in dem allem leben, die Wechselwirkung der Elementargeister in dem Leben, in dem Weben dieser Elementargeister zeigt sich heute noch ganz anschaulich: wie die Sonne in ihrer Wesenheit Irdisches wirkt, indem sie zusammenkommt mit dem, was von unten an Elementargewalten, an spirituellen Elementargeistern aus der Erde herauswächst. Da bekommt man heute den Eindruck: Das war die unmittelbare, ursprüngliche Inspirationsquelle der Zwölf, die zu dem Artus gehörten.
[ 26 ] From this ruin, which, despite being completely crumbling, still makes a gigantic impression, one looks out over the sea. It is a mountaintop, with the sea on both sides. As you gaze out to sea from there—in a region where the weather changes almost hourly—you can, while standing there, behold the gleaming sunlight reflected in the sea; moments later, stormy weather sweeps in. If you survey what is still taking place there today with the occult eye, you gain a magnificent impression. Elemental spirits weave and live there, emerging from the effects of light, the effects of air, and the effects of the rippling sea waves crashing against the shore. The presence of those elemental spirits that live within all this, the interplay of the elemental spirits in the life and activity of these elemental spirits, is still quite vividly evident today: just as the sun, in its very nature, exerts an earthly influence by coming together with what grows upward from below—the elemental forces and spiritual elemental spirits emerging from the earth. This gives one the impression today that this was the immediate, original source of inspiration for the Twelve who belonged to the Order of Arthur.
[ 27 ] Man sieht sie stehen dort, diese Ritter von Artus’ Tafelrunde, beobachtend dieses Spiel der Licht-, Luft-, Wasser-, Erdgewalten, der elementaren Geister. Aber man sieht auch, wie diese Elementargeister ihnen Boten waren für Sonnen- und Monden- und SternenBotschaften, was dann übergegangen ist in ihre Impulse, namentlich in älteren Zeiten. Vieles hatte sich erhalten durch die Jahrhunderte der nachchristlichen Zeit bis zu jenem Jahrhundert, dem neunten Jahrhundert, von dem ich eben spreche.
[ 27 ] One sees them standing there, these knights of Arthur’s Round Table, observing this interplay of the forces of light, air, water, and earth—the elemental spirits. But one also sees how these elemental spirits served as messengers to them, conveying messages from the sun, moon, and stars—messages that then became part of their inner impulses, especially in earlier times. Much of this had been preserved through the centuries of the post-Christian era up to that century—the ninth century—of which I am just speaking.
[ 28 ] Es war ja die Aufgabe dieses Artus-Ordens, der auf den Unterricht Merlins hin dort begründet worden ist, Europa zu kultivieren, als Europa noch überall in seinem Geistesleben unter dem Einflusse der merkwürdigsten Elementarwesenheiten stand. Und mehr als man heute glaubt, muß das alte Leben Europas begriffen werden so, daß man überall sieht das Hineinspielen von elementargeistigen Wesenheiten in das unmittelbare menschliche Leben.
[ 28 ] It was, after all, the task of this Order of Arthur—which had been founded there under Merlin’s guidance—to cultivate Europe at a time when Europe’s spiritual life was still everywhere under the influence of the most remarkable elemental beings. And more than is generally believed today, the ancient life of Europe must be understood in such a way that one sees everywhere the interplay of elemental spiritual beings in immediate human life.
[ 29 ] Da aber lebte auch, bevor dorthin die Kunde von dem Christentum gekommen war, und sogar in den ältesten Formen — denn, wie gesagt, das Artusleben führt bis in vorchristliche Zeit zurück —, da lebte auch die Erkenntnis, wenigstens praktisch instinktiv, aber praktisch instinktiv ganz deutlich, die Erkenntnis von dem Christus, dem Sonnengeiste, vor dem Mysterium von Golgatha. Und in dem, was die Ritter von Artus’ Tafelrunde taten, lebte dieser selbe kosmische Christus, der — nur nicht unter dem Namen des Christus — auch enthalten war in dem Impetus, mit dem Alexander der Große nach Asien hinüber die griechische Kultur mit ihrem spirituellen Leben trug. Es gab sozusagen spätere Alexanderzüge, die von den Rittern von Artus’ Tafelrunde so nach Europa ausgeführt wurden wie der Alexanderzug von Mazedonien nach Asien hinüber.
[ 29 ] But even before the news of Christianity had reached that region—and even in its earliest forms, for, as I said, the Arthurian legend dates back to pre-Christian times—even then there existed, at least in a practical, instinctive way, yet quite clearly in that practical, instinctive sense, the knowledge of Christ, the Sun Spirit, prior to the Mystery of Golgotha. And in what the knights of Arthur’s Round Table did, this same cosmic Christ lived on—who, though not under the name of Christ, was also contained in the impetus with which Alexander the Great carried Greek culture, with its spiritual life, across to Asia. There were, so to speak, later “campaigns of Alexander,” which were carried out by the Knights of the Round Table in Europe in much the same way as Alexander’s campaign from Macedonia into Asia.
[ 30 ] Ich führe das an, weil man da an einem Beispiele, das gerade in der letzten Zeit untersucht werden konnte, sieht, wie der Sonnendienst, das heißt der alte Christusdienst, eigentlich da gepflegt worden ist; aber selbstverständlich mit diesem Christus, wie er für die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha war: Da war alles kosmisch, sogar in dem irdisch-elementaren Übergang des Kosmos. In den Elementargeistern, die in Licht und Luft und Wasser und Erde lebten, lebte ja das Kosmische; da konnte man darinnen das Kosmische beim Erkennen nicht verleugnen. So daß im europäischen Heidentum in diesem neunten Jahrhundert viel vorchristliches Christentum lebte. Das ist das Eigentümliche —, und daß diese Nachzügler des europäischen Heidentums den kosmischen Christus in dieser Zeit überhaupt verstanden, viel würdiger verstanden als diejenigen, die in dem sich ofliziell verbreitenden Christentum den Christus hinnahmen.,
[ 30 ] I mention this because it illustrates, through an example that has recently been studied, how the service to the Sun—that is, the ancient service to Christ—was actually practiced there; but, of course, with this Christ as He was for humanity before the Mystery of Golgotha: Everything was cosmic there, even in the earthly-elemental transition of the cosmos. The cosmic principle lived within the elemental spirits that dwelt in light, air, water, and earth; one could not deny the cosmic within them upon recognizing it. Thus, in European paganism during this ninth century, much pre-Christian Christianity was alive. That is what is peculiar—and that these stragglers of European paganism understood the cosmic Christ at all during this time, understood him far more worthily than those who accepted Christ within the officially spreading Christianity.,
[ 31 ] Wir sehen ja, wenn wir dieses Leben um den König Artus, von König Artus, hereinleuchten sehen in die Gegenwart, wie merkwürdig sich das fortsetzt, wenn es sich durch Karmagewalt, durch Schicksalsgewalt plötzlich in die Gegenwart hereinstellt. So konnte ich schauend kommen auf ein Mitglied von Artus’ Tafelrunde, das wirklich das Leben von Artus’ Tafelrunde in einer sehr eindringlichen Weise führte, etwas abseits von den übrigen, die mehr dem Rittertum hingegeben waren. Es war das ein Ritter mit einem etwas beschaulichen Leben. Nicht ähnlich dem Gralsrittertum, — das gab es bei Artus nicht. Man nannte das, was aus ihren Aufgaben heraus, die zum großen Teile eben gemäß der damaligen Zeit Kriegszüge waren, diese Ritter trieben, man nannte das: Abenteuer, Aventiuren. Aber der eine, der mir herausfiel aus den anderen Gestalten, der zeigte ganz aus diesem Leben heraus vieles, das ja in seiner Inspiration wunderbar ist. Diese Ritter gingen hinaus auf das vorspringende Land, überschauten jenes wunderbare Wolkenspiel oben, die sich kräuselnden Wellen unten, dieses Ineinanderwerfen, das heute noch einen majestätischen, großartigen Eindruck macht, sahen darinnen das Geistige, inspirierten sich damit. Dadurch hatten sie ihre Kraft. Aber es gab einen darunter, der hatte einen besonders eindringlichen Blick für dieses Kräuseln und Wellen, dafür, wie die geistigen Wesenheiten in diesen kräuselnden Wellen herauftollen, mit ihren für irdischen Anblick grotesken Gestalten, er hatte einen wunderbaren Blick für die Art und Weise, wie diese herrlich reine Sonnenwirkung mit der übrigen Natur zusammenspielte, lebte und webte in dem geistigen Wirken und Weben dieser bewegten Meeresoberfläche, er lebte in dem, was man auch sieht in dieser durch die wässrige Atmosphäre, ich möchte sagen, getragenen Lichtnatur der Sonne, die in einer anderen Weise an Bäume und Baumzwischenräume herankommt als in anderen Gegenden. Sie erglänzt wieder, zuweilen wie in Regenbogenfarben spielend, von den Baumzwischenräumen hervor.
[ 31 ] We see, after all, when we observe this life centered on King Arthur—this life of King Arthur—shining into the present, how strangely it continues when, through the force of karma, through the force of fate, it suddenly manifests itself in the present. Thus, as I observed, I came upon a member of Arthur’s Round Table who truly lived the life of the Round Table in a very intense way, somewhat apart from the others, who were more devoted to chivalry. He was a knight who led a somewhat contemplative life. Not like the knighthood of the Grail—that did not exist in Arthur’s time. What drove these knights, arising from their duties—which, for the most part, were military campaigns in keeping with the times—was called “adventures,” or “Aventiuren.” But the one who stood out to me from the other figures revealed, precisely through this way of life, many things that are indeed wondrous in their inspiration. These knights went out onto the protruding land, surveyed the marvelous play of clouds above, the rippling waves below—this interplay that still makes a majestic, magnificent impression today—and saw the spiritual within it, drawing inspiration from it. That was the source of their strength. But there was one among them who had a particularly keen eye for this rippling and these waves, for how the spiritual beings frolicked in these rippling waves, with their forms that seem grotesque to earthly eyes, he had a marvelous eye for the way in which this wonderfully pure effect of the sun interacted with the rest of nature, living and weaving within the spiritual activity and interplay of this agitated sea surface; he lived in what one also sees in this—through the watery atmosphere, I would say, carried by the sun’s luminous nature, which approaches trees and the spaces between them in a different way than in other regions. It shines forth again, at times playing with rainbow colors, from the spaces between the trees.
[ 32 ] Solch ein Ritter war da unter diesen, der einen eindringlichen Blick hatte für diese Dinge. Es lag mir viel daran, dessen Leben weiter zu verfolgen, die Individualität weiter zu schauen, denn gerade da mußte sich etwas von einem, ich möchte sagen, fast primitiven heidnischen, nur so weit christlichen Leben, wie ich es dargestellt habe, in einer späteren Inkarnation ergeben. Es hat sich ergeben: Gerade dieser Ritter der Tafelrunde des Artus ist wiedergeboren als Arnold Böcklin. Und dieses Rätsel, das mich ungeheuer lange verfolgt hat, kann nur gelöst werden in Anknüpfung an Artus’ Tafelrunde. Sehen Sie, da haben wir ein Christentum vor dem Mysterium von Golgatha, das heute noch mit geistigen Händen zu greifen ist, das noch hineinleuchtet in die Zeit, bis zu der Zeit, die ich hier skizziert habe.
[ 32 ] Among them was a knight who had a keen eye for such things. It was very important to me to continue tracing his life, to look more deeply into his individuality, for it was precisely there that something of what I would call an almost primitive, pagan—yet only to a certain extent Christian—life, as I have described it, had to emerge in a later incarnation. And so it did: this very knight of Arthur’s Round Table was reborn as Arnold Böcklin. And this mystery, which has haunted me for an incredibly long time, can only be solved by connecting it to Arthur’s Round Table. You see, there we have a Christianity prior to the Mystery of Golgotha, one that can still be grasped with spiritual hands today, one that still shines into the era I have outlined here.
[ 33 ] Die Persönlichkeiten, die durch die Pforte des Todes gegangen waren, die gut kannten, was Christentum vor dem Mysterium von Golgatha war, trafen zusammen, während das achte allgemeine Konzil in Konstantinopel spielte, ich möchte sagen, bei einem himmlischen Konzil, das gleichzeitig war; bei dem sich Aristoteles, Alexander, Harun al Raschid, sein Ratgeber und manche aus dem Kreise, gerade von Artus’ Tafelrunde, begegneten.
[ 33 ] The figures who had passed through the gates of death—those who knew well what Christianity was like before the Mystery of Golgotha—gathered together while the Eighth Ecumenical Council was taking place in Constantinople; I might say, at a heavenly council that was occurring at the same time; at which Aristotle, Alexander, Harun al-Rashid, his advisor, and some from the circle—much like Arthur’s Round Table—met.
[ 34 ] Da war von den im christlichen Sinne wirken wollenden Aristoteles und Alexander viel Mühe aufgewandt, den Arabismus, der in den Individualitäten von Harun al Raschid und den anderen lebte, zu besiegen. Es ging nicht. Die Individualitäten waren nicht dazu geeignet. Aber das andere ergab sich: daß noch tiefer durchdrungen, als es eben in den rauheren Attitüden der Artusritter war, das alte kosmische Christentum in den von Artus’ Tafelrunde herkommenden Menschen lebte. Und da war es, bei diesem überirdischen Konzil, daß gegenüber dem, was nun wohl in der Zukunft geschehen werde und was man voraussah, unter der Mitwirkung der Michaelmacht sozusagen von Alexander und Aristoteles die Entschlüsse gefaßt wurden, wie in Europa das geistige Leben neue Impulse im Sinne eines verchristlichten Alexandrismus, eines verchristlichten Aristotelismus erhalten solle.
[ 34 ] Aristotle and Alexander, who sought to work within the Christian tradition, expended great effort to overcome the Arab influence that lived on in the individualities of Harun al-Rashid and the others. It did not work. The individualities were not suited to it. But something else emerged: that even more deeply ingrained than it was in the rougher attitudes of the Knights of Arthur, the ancient cosmic Christianity lived on in the people descended from Arthur’s Round Table. And it was there, at this supermundane council, that—in view of what was now likely to happen in the future and what was foreseen—with the cooperation of the Michaelic power, so to speak, Alexander and Aristotle made the decisions regarding how spiritual life in Europe should receive new impulses in the spirit of a Christianized Alexandrianism, a Christianized Aristotelianism.
[ 35 ] Aber Harun al Raschid und sein Ratgeber blieben bei dem alten. Und das, was durch dieses, wenn ich so sagen darf, himmlische Konzil sich abspielte, dieses nun weiter zu verfolgen in der europäischen Geistesgeschichte, das ist von der allergrößten Bedeutung. Denn wenn wir auf die weitere Wanderung im Geistesleben blicken, finden wir Harun al Raschid, diesen wunderbaren Organisator, diesen großartigen Geist aus der Zeit Karls des Großen, auf Erden wiederkommen. Und er erscheint wiederum später mitten im Christentum, aber indem er durchgetragen hat durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt seinen Arabismus. Doch es braucht nicht in der äußeren Konfiguration, die dann in der physischen Welt auftritt, dasjenige, was eine solche Persönlichkeit darlebt, dem arabischen Elemente ähnlich zu sein. Es kleidet sich in die neuen Formen, bleibt aber in den neuen Formen dennoch dem Wesen nach das Alte: Mohammedanismus, Arabismus.
[ 35 ] But Harun al-Rashid and his advisor stuck to the old ways. And to continue tracing the course of events that unfolded through this—if I may say so—heavenly council in the history of European thought is of the utmost importance. For when we look at the further development of spiritual life, we find Harun al-Rashid—this marvelous organizer, this magnificent spirit from the time of Charlemagne—returning to earth. And he appears again later in the midst of Christianity, having carried his Arab identity through the life between death and new birth. Yet what such a personality embodies need not resemble the Arab element in the outer configuration that then appears in the physical world. It takes on new forms, yet in these new forms it remains, in essence, the old: Mohammedanism, Arabism.
[ 36 ] Das tritt auf, wirksam im europäischen Geistesleben, als Harun al Raschid wiedererscheint, wiederverkörpert in Bacon, Baco von Verulam. Und das tritt in einer anderen Weise auf, sogar in einer merkwürdigen Weise mit dem Christentum durchsetzt, indem sein Ratgeber auftritt in Mitteleuropa, weithin in Europa dann wirkt als Amos Comenius. Vieles im europäischen Geistesleben ist im Zusarmmenhange mit dem geschehen, was die wiedererstandenen Geister des Hofes von Harun al Raschid in diesen neuen menschlichen Gestalten in Europa begründet haben.
[ 36 ] This manifests itself, exerting an influence on European intellectual life, when Harun al-Rashid reappears, reincarnated as Bacon, Baco of Verulam. And this manifests itself in another way—even in a remarkable way interwoven with Christianity—as his advisor appears in Central Europe and then exerts a wide influence throughout Europe as Amos Comenius. Much of European intellectual life is connected to what the resurrected spirits of Harun al-Rashid’s court established in these new human forms in Europe.
[ 37 ] Wir sehen, wie dagegen wirkt, was sich erst vorbereitet, dann wirklich geschieht, aber später geschieht. Denn dasjenige, was in Baco von Verulam, was in Amos Comenius später herausgekommen ist, es hat geistig vorher lange gewirkt von der geistigen Welt herunter, denn es hatte ganz besonders intensive Formen angenommen durch dieses übersinnliche Konzil 869.
[ 37 ] We see how what first takes shape, then actually happens, but happens later, has an opposing effect. For what later emerged in Bacon of Verulam and in Amos Comenius had long been at work spiritually, descending from the spiritual world, because it had taken on particularly intense forms through this supersensible council of 869.
[ 38 ] Dagegen wirkt nun auch der andere Pol, der Pol, den nun Alexandertum und Aristotelismus für das Christentum angenommen haben. Das prägte sich zunächst aus in den mannigfaltigsten Influenzierungen, die stattfanden an einsamen Stätten der Pflege christlichen Geisteslebens. Namentlich sehen wir eine solche Stätte in der hier schon öfter für einzelne, aber nicht für alle, die da sind, genannten Schule von Chartres. Die Schule von Chartres, die namentlich im zwölften Jahrhundert blühte, hatte einen großartigen spirituellen Einschlag. Sylvester von Chartres, Alanus ab Insulis, andere Geister, die in irgendeiner Weise mit der Schule von Chartres in Zusammenhang standen oder wie Alanus ab Insulis oder Sylvester in ihr lehrten, sie hatten viel in sich von alter Initiatenweisheit, wenn sie auch nicht selber im wahren Sinne des Wortes voll Initiierte genannt werden können. Die Bücher, die von ihnen herrühren, sehen wie Kataloge von Worten aus. Aber es war dazumal nicht möglich, dasjenige, was man dem vollen Leben geben wollte, in Büchern anders anzubringen als in voller Rhetorik, als eine Art Wortkatalog. Aber wer zu lesen versteht, der liest gerade in diesen Büchern dasjenige, was in einer glänzenden, wunderbar spirituell durchdrungenen Weise von den großen Lehrern von Chartres zahlreichen Schülern gelehrt worden ist.
[ 38 ] In contrast, the other pole—the one that Alexandrianism and Aristotelianism have now adopted for Christianity—is also making its presence felt. This initially manifested itself in a wide variety of influences that took place in secluded centers of Christian spiritual life. In particular, we see such a center in the School of Chartres, which has already been mentioned here several times in reference to some, but not all, of those associated with it. The School of Chartres, which flourished particularly in the twelfth century, had a profound spiritual impact. Sylvester of Chartres, Alanus ab Insulis, and other thinkers who were in some way connected to the School of Chartres—or who, like Alanus ab Insulis or Sylvester, taught there—possessed much of the ancient wisdom of the initiates, even if they themselves cannot be called fully initiated in the true sense of the word. The books that originated from them resemble catalogs of words. But in those days, it was not possible to convey in books what one wished to impart to life in its fullness other than through elaborate rhetoric, as a kind of catalog of words. Yet anyone who knows how to read will find in these very books precisely what was taught in a brilliant, wonderfully spiritually imbued manner by the great teachers of Chartres to their numerous students.
[ 39 ] Da glänzte wirklich ein spiritueller Stern über dem europäischen Geistesleben in dieser Schule von Chartres, dem Ort, an dem ja heute noch die architektonisch wunderbar gestalteten Kathedralen sind, die das Werk von Jahrhunderten in feiner Ausgestaltung zeigen.
[ 39 ] A spiritual star truly shone over European intellectual life at this school in Chartres, the place where, even today, the architecturally magnificent cathedrals stand, showcasing the work of centuries in their exquisite design.
[ 40 ] Auch an manchen anderen Orten lebte dasjenige, was da spirituelles Leben war: eine Einsicht in die Natur, aber eine andere Einsicht, eine spirituellere Einsicht, als die später gekommene ist, ein geistiges Leben, das auch auf geistigem Wege gewirkt hat. Es ist ja interessant, was dieses geistige Leben, dieses spirituelle Leben in der mannigfaltigsten Weise ausgestrahlt hat. Wir können an einzelnen Orten Frankreichs verfolgen, wie an den hohen Schulen, von Chartres ausgehend, durch Frankreich hindurch, nach Südfrankreich herein, bis nach Italien herüber, auch im Lehren der Geist von Chartres lebte. Aber er lebte auch auf spirituelle Art selber.
[ 40 ] In some other places, too, what constituted spiritual life at that time was alive: an insight into nature, but a different kind of insight—a more spiritual one than the one that came later—a spiritual life that also exerted its influence through spiritual means. It is indeed interesting to see how this spiritual life radiated in the most diverse ways. We can trace, in various places in France—such as the universities, starting from Chartres, moving through France, into southern France, and even across to Italy—how the spirit of Chartres lived on in the teachings. But it also lived on in a spiritual way in its own right.
[ 41 ] Es ist ja interessant, daß Brunetto Latini, der eine Zeitlang Gesandter in Spanien war, als er wieder zurückging und von dem Unglücke seiner Vaterstadt Florenz aus der Ferne schon hörte, dadurch eine starke seelische Erschütterung erlitten hat, die zusammenfiel mit einem leisen Sonnenstich, den er bekommen hatte. In solcher körperlicher Verfassung ist der Mensch leicht spirituellen Einflüssen, die sich auf spirituelle Art verbreiten, zugänglich. Es ist ja bekannt, wie Brunetto Latini auf seinem Wege nach Florenz geradezu eine Art von elementarischer Einweihung erlebte. Er wurde der Lehrer Dantes. Die Spiritualität der «Commedia» ist herrührend von den Lehren, die Brunetto Latini Dante, seinem Schüler, gegeben hat.
[ 41 ] It is indeed interesting that Brunetto Latini, who had served for a time as an envoy in Spain, suffered a severe emotional shock upon his return—having already heard from afar of the misfortune that had befallen his hometown of Florence—a shock that coincided with a mild case of sunstroke he had contracted. In such a physical state, a person is easily susceptible to spiritual influences that spread in a spiritual manner. It is well known how Brunetto Latini, on his way to Florence, experienced a kind of elemental initiation. He became Dante’s teacher. The spirituality of the Commedia stems from the teachings that Brunetto Latini imparted to Dante, his student.
[ 42 ] In all dem lebt eben dasjenige, was, ich möchte sagen, übersinnlich ausgemacht worden ist auf dem übersinnlichen Konzil 869. Denn die Inspiration zu den Lehren von Chartres, die Inspiration für Brunetto Latini, auch die Inspiration für Dante, so daß in Dantes Gedichtwerk Kosmisches leben konnte, all das hängt zusammen mit dem Impuls, der von dieser übersinnlichen Versammlung ausgegangen war im neunten nachchristlichen Jahrhundert.
[ 42 ] In all of this lives precisely that which, I might say, was defined as supersensible at the Supersensible Council of 869. For the inspiration behind the teachings of Chartres, the inspiration for Brunetto Latini, and also the inspiration for Dante—which allowed cosmic life to take root in Dante’s poetic works—all of this is connected to the impulse that emanated from this supersensible assembly in the ninth century A.D.
[ 43 ] Wenn man in diese Dinge hineinschaut, zusammen erblickt das ganze europäische Geistesleben aus der alten Alexanderzeit, in der Zeit des Mysteriums von Golgatha, bis herein in diese Zeiten, bis zur Schule von Chartres, und wenn man es weiter verfolgt in die folgende Zeit hinein — wir werden das noch sehen —, wenn man da ineinanderschaut, was übersinnlich sich abspielt, mit dem, was hier unten sein Schattenbild in der physischen Welt ist, dann beginnt man dasjenige, was man heute Michaelströmung nennen soll, erst wirklich zu begreifen, zu begreifen, was die Michaelströmung will.
[ 43 ] When one looks into these things, one sees the whole of European spiritual life from the ancient Alexandrian era, through the time of the Mystery of Golgotha, right up to the present day, up to the School of Chartres, and if one traces it further into the subsequent era—we shall see this later—if one looks at the interplay between what is taking place on the supersensible plane and what is its shadow image here below in the physical world, then one begins to truly grasp what we should today call the Michael Current, to understand what the Michael Current intends.
[ 44 ] Man kann dann hineinsehen in das, was im Sinne der Michaelströmung die anthroposophische Bewegung will. — Davon wollen wir dann das nächste Mal weiter sprechen.
[ 44 ] One can then gain insight into what the anthroposophical movement aims for in the spirit of the Michael Movement. — We will continue discussing this next time.

