Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume IV
GA 238
16 September 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Ich möchte in der Betrachtung, die ich vorgestern hier angestellt habe, heute fortfahren. Und zwar standen wir da, wo wir den Faden der Entwickelung, wie er hereinspielt in das spirituelle Leben der Gegenwart, fallengelassen haben mit der Individualität Julian Apostatas respektive der Individualität, die in Julian Apostata gelebt hat und von der ich Ihnen angedeutet habe, daß sie zunächst in derjenigen Persönlichkeit verkörpert war, von der nur legendäre Nachrichten da sind, von der Persönlichkeit, die in die ParsifalSage hineingeheimnißt ist als Herzeloyde. Es war ein vertieftes Seelenleben, das da in die Seele des frühern Julian Apostata einzog, ein vertieftes Seelenleben, das diese Individualität wahrhaftig brauchte, brauchte gegenüber den Stürmen und den inneren Oppositionsstimmungen, welche sie eben in dem Dasein als Julian Apostata durchgemacht hatte. Dieses Leben, von dem ich Ihnen sprach, war ein solches, das sich über das Julian-Apostata-Leben wie eine friedfertige, warme Wolke herüberzog. Und so ist die Seele innerlich intensiver geworden. So ist die Seele reicher auch geworren, reicher an den mannigfaltigsten inneren Impulsen.
[ 1 ] Today I would like to continue the discussion I began here the day before yesterday. We had left off at the point where we had lost track of the thread of development as it plays a role in the spiritual life of the present, with the individuality of Julian the Apostate—or rather, the individuality that lived within Julian the Apostate—and about which I have indicated to you that it was initially embodied in that personality of whom only legendary accounts exist, the personality who is enshrined in the Parsifal legend as Herzeloyde. It was a profound inner life that entered the soul of the former Julian the Apostate—a profound inner life that this individuality truly needed, needed in the face of the storms and inner conflicts it had just endured during its existence as Julian the Apostate. This life, of which I spoke to you, was one that drifted over the life of Julian the Apostate like a peaceful, warm cloud. And so the soul became more intense inwardly. Thus the soul also became richer, richer in the most manifold inner impulses.
[ 2 ] Aber diese Seele hatte ja, weil sie zu denjenigen gehörte, die noch etwas von den alten Mysterien übernommen hatten, die noch drinnen gelebt hatten in der Substanz der alten Mysterien in einer Zeit, wo diese Mysterien in gewisser Beziehung helleuchtend noch waren, diese Seele hatte von der Spiritualität des Kosmos viel in sich aufgenommen. Das war gewissermaßen zurückgedrängt worden während der Herzeloyde-Inkarnation, drängte aber herauf in der Seele, und so finden wir diese Individualität wieder im sechzehnten Jahrhunderte. Und wir erkennen im sechzehnten Jahrhunderte bei dieser Individualität, wie aufsteigt verchristlicht dasjenige, was sie als Julian Apostata durchgemacht hatte. Es erscheint diese Individualität als Tycho de Brahe im sechzehnten Jahrhunderte und steht da gegenüber demjenigen, was in der abendländischen Zivilisation als die kopernikanische Weltanschauung herauftaucht.
[ 2 ] But this soul—because it belonged to those who had still retained something of the ancient mysteries, who had still lived within the very essence of those mysteries at a time when they were, in a certain sense, still radiant—had absorbed much of the spirituality of the cosmos. This had, so to speak, been suppressed during the Herzeloyde incarnation, but it surged upward within the soul, and so we find this individuality again in the sixteenth century. And in the sixteenth century, we recognize in this individual how what she had experienced as Julian the Apostate rises up in a Christianized form. This individual appears as Tycho Brahe in the sixteenth century and stands in contrast to what emerges in Western civilization as the Copernican worldview.
[ 3 ] Diese kopernikanische Weltanschauung, sie gab ein Bild von dem Weltenall, das nun ganz darauf hinarbeitet, wenn es in seinen letzten Konsequenzen verfolgt wird, Spiritualität aus dem Kosmos in der Anschauung herauszutreiben. Das kopernikanische Weltbild führt zuletzt zu einer völlig mechanisch-maschinellen Auffassung des Weltalls im Raume. Und schließlich ist es ja dieses kopernikanische Weltbild, aus dem heraus ein berühmter Astronom zu Napoleon gesagt hat, er fände keinen Gott innerhalb dieses Weltenalls; er hätte alles durchforscht, er fände keinen Gott. Es ist eben das Austreiben aller Spiritualität.
[ 3 ] This Copernican worldview presented a picture of the universe that, when taken to its ultimate consequences, serves to drive spirituality out of the cosmos through this very conception. The Copernican worldview ultimately leads to a completely mechanical and machine-like conception of the universe in space. And after all, it is precisely this Copernican worldview that led a famous astronomer to tell Napoleon that he could find no God within this universe; he had searched everywhere, yet he could find no God. It is, in fact, the expulsion of all spirituality.
[ 4 ] Dem konnte sich die charakterisierte Individualität, die jetzt in Tycho de Brahe da war, nicht fügen. Daher sehen wir, wie Tycho de Brahe in bezug auf seine Weltanschauung dasjenige annimmt, was brauchbar ist im Kopernikanismus, wie er aber ablehnt die absolute Bewegung, die der Erde zugeschrieben werden mußte im Sinne des kopernikanischen Weltbildes. Und wir sehen dies gebunden bei Tycho de Brahe an wirkliche Spiritualität, Spiritualität, bei der wir, wenn wir den Verlauf seines Lebens ins Auge fassen, geradezu sehen können, wie altes Karma hinaufdrängt in das Tycho-de-Brahe-Leben, mit aller Gewalt heraufdrängt, Bewußtseinsinhalt werden will. So wird ja von seinen dänischen Angehörigen in jeder Weise versucht, ihn im juristischen Berufe festzuhalten; er muß unter der Aufsicht eines Hauslehrers in Leipzig Jurisprudenz studieren und kann nur, während jener schläft, sich die Stunden aussparen, in denen er in der Nacht mit den Göttern verkehrt. Und da zeigt sich — das ist ja auch in seiner Biographie wiederum enthalten — etwas höchst Merkwürdiges.
[ 4 ] The distinctive individuality that was now present in Tycho de Brahe could not accept this. Therefore, we see how Tycho Brahe, with regard to his worldview, accepts what is useful in Copernicanism, while rejecting the absolute motion that had to be attributed to the Earth according to the Copernican worldview. And we see this in Tycho de Brahe as linked to genuine spirituality—a spirituality in which, when we consider the course of his life, we can literally see how old karma surges into Tycho de Brahe’s life, surges upward with all its might, striving to become the content of his consciousness. Thus, his Danish relatives tried in every way to keep him in the legal profession; he was forced to study law in Leipzig under the supervision of a private tutor and could only, while the tutor slept, carve out the hours during which he communed with the gods at night. And here something highly remarkable becomes apparent—which is, after all, also reflected in his biography.
[ 5 ] Sie werden sehen, daß dies für die spätere Beurteilung der Tycho de Brahe-Herzeloyde-Julian-Individualität von Bedeutung ist. Schon mit sehr primitiven Instrumenten, die er sich selber zusammengestellt hat, entdeckt er bedeutende Rechenfehler, die gemacht worden sind in bezug auf die Ortsbestimmungen von Saturn und Jupiter. Und wir haben die merkwürdige Szene im Leben Tycho de Brahes, daß er als junger Mensch mit primitiven Instrumenten, mit denen man sonst gar nicht daran denkt, irgendwie etwas anfangen zu können, eines Tages sich gedrängt fühlt, die genauen Orte am Himmel für Saturn und Jupiter aufzusuchen. Solche Dinge werden dann bei ihm durchaus mit Spirituellem durchsetzt, mit Spirituellem, das ihn so hineinführt in eine Auffassung des Weltalls, wie man sie eigentlich haben muß, wenn man wiederum dem modernen Initiatentum zustrebt, wo man dann dazu kommt, von geistigen Wesen so zu sprechen, wie man von physischen Menschen auf Erden spricht, weil man ihnen ja eigentlich immer begegnen kann, weil ja im Grunde genommen nur ein Seins-Unterschied, ein Unterschied in der Qualität des Seins ist zwischen denjenigen Menschenindividualitäten, die gerade hier auf dem physischen Plane verweilen, und denjenigen, die entkörpert sind und zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben.
[ 5 ] You will see that this is significant for the subsequent assessment of the Tycho de Brahe-Herzeloyde-Julian individuality. Even with very primitive instruments that he had assembled himself, he discovered significant calculation errors that had been made regarding the determinations of the positions of Saturn and Jupiter. And we have this remarkable episode in Tycho de Brahe’s life: as a young man, using primitive instruments—the kind one would not normally think could be of any use—he one day felt compelled to determine the exact positions of Saturn and Jupiter in the sky. Such things are then thoroughly interwoven with the spiritual in his case—a spirituality that leads him into a conception of the universe such as one must actually have if one is striving toward modern initiation, where one then comes to to speak of spiritual beings in the same way one speaks of physical human beings on Earth—because one can, in fact, always encounter them; for, fundamentally, there is only a difference in being, a difference in the quality of being, between those human individualities who currently dwell here on the physical plane and those who are disembodied and live between death and a new birth.
[ 6 ] Das aber fachte in Tycho de Brahe überhaupt ein ungemein bedeutsames Hineinschauen in jene Zusammenhänge an, die sich ergeben, wenn man nicht mehr hier auf Erden alles wie durch irdische Impulse veranlaßt anschaut und dies oben in den Sternen nur mathematisch berechnet, sondern wenn man das Ineinanderwirken von Sternenimpulsen und menschheitlichen geschichtlichen Impulsen durchschaut. Durch jenes Instinktive in der Seele, das er sich aus seinem Julian-Apostata-Leben mitgebracht hatte, das damals während des Julian-Apostata-Lebens nicht durchsetzt war von Rationalismus oder Intellektualismus, sondern das intuitiv, imaginativ war — so war ja das innere Leben Julian Apostatas —, durch all das gelang es ihm dann, etwas sehr Aufsehenerregendes zu tun.
[ 6 ] But this sparked in Tycho Brahe an extraordinarily significant insight into the interrelationships that arise when one no longer views everything here on Earth as if it were caused by earthly impulses and calculates it up there in the stars merely mathematically, but rather when one perceives the interplay of stellar impulses and human historical impulses. Through that instinctive quality in the soul that he had brought with him from his life as Julian the Apostate—a life that, at the time, was not permeated by rationalism or intellectualism but was instead intuitive and imaginative (for such was the inner life of Julian the Apostate)—through all of this, he was then able to accomplish something truly sensational.
[ 7 ] Er konnte nicht viel Eindruck auf seine Zeitgenossen machen mit seinen von dem Kopernikus ja abweichenden astronomischen Ansichten, mit dem, was er sonst in der Sternkunde leistete. Er beobachtete unzählige Sterne und zeichnete eine Sternkarte, die es dann allein möglich machte, daß Kepler zu seinen großartigen Ergebnissen kam. Denn Kepler kam auf Grundlage der Sternkarte des Tycho de Brahe zu seinen Keplerschen Gesetzen. Das alles aber hätte auf seine Zeitgenossen wohl nicht den großen Eindruck gemacht, den eine an sich nicht gerade bedeutsame, aber auffällige Sache machte: Er sagte nämlich den Tod des Sultans Soliman fast bis auf den Tag genau prophetisch voraus, der dann auch so eintraf, wie er ihn vorausgesagt hatte. Wir sehen ja wirklich in Tycho de Brahe hereinwirken in eine neuere Zeit, verbunden mit einer spirituellen Intellektualität, möchte ich sagen, alte Anschauungen, die er als Julian Apostata aufgenommen hatte. Wir sehen das alles hereinwirken in die neuere Zeit in diesem Tycho de Brahe. Und Tycho de Brahe gehört schon zu den interessantesten Seelen, die dann, als er im siebzehnten Jahrhunderte durch die Todespforte ging, in die geistige Welt hinaufversetzt wurde.
[ 7 ] He was unable to make much of an impression on his contemporaries with his astronomical views—which, admittedly, differed from those of Copernicus—or with his other contributions to astronomy. He observed countless stars and drew a star chart, which was the sole factor that enabled Kepler to arrive at his magnificent findings. For Kepler arrived at his laws based on Tycho Brahe’s star chart. All of this, however, would likely not have made as great an impression on his contemporaries as a certain event—not particularly significant in itself, but striking nonetheless: namely, he prophetically predicted the death of Sultan Suleiman almost to the day, and it occurred exactly as he had foretold. We can truly see in Tycho Brahe the influence of a newer era, combined with—I would say—a spiritual intellectuality, ancient views that he had adopted from Julian the Apostate. We see all of this influencing the modern era in the figure of Tycho Brahe. And Tycho Brahe is certainly one of the most interesting souls who, when he passed through the gate of death in the seventeenth century, was transported into the spiritual world.
[ 8 ] Nun, in den Strömungen, die ich als Michael-Strömungen geschildert habe, findet sich eigentlich Tycho de Brahe-Julian-ApostataHerzeloyde fortwährend; in irgendeiner der übersinnlichen Funktionen ist er im Grunde genommen immer da. Deshalb findet man ihn auch wieder bei bedeutsamen Ereignissen in der übersinnlichen Welt, die mit dieser Michael-Strömung zusammenhängen, am Ende des achtzehnten und am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts.
[ 8 ] Well, Tycho de Brahe-Julian-ApostataHerzeloyde is actually constantly present in the currents I have described as “Michael currents”; in one or another of the supersensory functions, he is essentially always there. That is why he also reappears in connection with significant events in the supersensible world related to this Michael current at the end of the eighteenth and the beginning of the nineteenth centuries.
[ 9 ] Ich habe ja früher hingewiesen auf die große übersinnliche Lehrschule im fünfzehnten, sechzehnten Jahrhundert, die unter Michaels Ägide selber stand. Dann begann ein Leben für diejenigen, die in dieser Lehrschule waren, das sich so abspielte, daß Kraftentwickelungen, Tätigkeiten in der geistigen Welt abliefen, daß diese Tätigkeiten herunterwirkten in die physische Welt, im Zusammenhang wirkten mit der physischen Welt. So zum Beispiel fiel gerade in dieser Zeit, die nun folgte auf die Zeit dieser Lehrschule, eine wichtige Aufgabe einer Individualität zu, von deren fortlaufendem Leben ich ja öfter gesprochen habe: der Individualität Alexanders des Großen.
[ 9 ] I have previously referred to the great school of supersensible teaching in the fifteenth and sixteenth centuries, which was under Michael’s own auspices. Then, for those who were part of this school of teaching, a phase of life began in which the development of spiritual powers and activities in the spiritual world took place in such a way that these activities had a downward effect on the physical world and interacted with it. For example, precisely during this period—which followed the time of that school of instruction—an important task fell to an individual whose ongoing life I have often spoken of: the individuality of Alexander the Great.
[ 10 ] Ich habe ja auch hier aufmerksam darauf gemacht, wie Baco von Verulam, Lord Bacon, der wiedererstandene Harun al Raschid ist. Und das Merkwürdige ist dieses, daß im Zusammenhang mit Lord Bacons Anschauungen, die einen so intensiven, maßgebenden Einfluß auf die ganze folgende Geistesentwickelung gerade in feineren geistigen Bestrebungen gehabt haben, in Lord Bacon etwas geschah, was man bezeichnen könnte wie ein krankhaftes Heraustreiben alter Spiritualität, die er schon immerhin als Harun al Raschid gehabt hat. Und so sehen wir denn, daß von dem Impuls dieses Lord Bacon ausgeht eine ganze Welt dämonischer Wesenheiten. Es wird die Welt geradezu davon erfüllt, übersinnlich und sinnlich erfüllt — sinnlich, natürlich nicht anschaulich — ich meine, die sinnliche Welt wird erfüllt von dämonischen Wesenheiten. Der Individualität Alexanders fällt es zu, hauptsächlich den Kampf zu führen gegen diese Dämonen-Idole des Lord Bacon, des Baco von Verulam.
[ 10 ] I have, in fact, pointed out here as well how Bacon of Verulam, Lord Bacon, is the reincarnation of Harun al-Rashid. And what is remarkable is this: in connection with Lord Bacon’s views—which exerted such an intense, decisive influence on the entire subsequent development of thought, particularly in more refined spiritual pursuits—something occurred within Lord Bacon that could be described as a pathological expulsion of the ancient spirituality that he had, after all, already possessed as Harun al-Rashid. And so we see that a whole world of demonic entities emanates from the impulse of this Lord Bacon. The world is literally filled with them, filled both supersensually and sensually—sensually, though not in a concrete sense, of course—I mean, the sensory world is filled with demonic entities. It falls to Alexander’s individuality to lead the struggle against these demonic idols of Lord Bacon, the Baco of Verulam.
[ 11 ] Und ähnliche Tätigkeiten, die außerordentlich wichtig sind, geschehen unten, sonst wäre der Materialismus des neunzehnten Jahrhunderts noch in viel verheerenderer Weise hereingebrochen. Ähnliche Tätigkeiten, die sich im Zusammenhange der geistigen und der physischen Welt abspielten, die fielen dann der Michael-Strömung zu, bis in übersinnlichen Regionen am Ende des achtzehnten und Beginn des neunzehnten Jahrhunderts das stattfand, was ich schon einmal hier genannt habe: das Aufleben eines übersinnlichen bedeutsamen Kultus.
[ 11 ] And similar activities, which are of extraordinary importance, are taking place below; otherwise, nineteenth-century materialism would have taken hold in an even more devastating way. Similar activities, which took place at the intersection of the spiritual and physical worlds, were then attributed to the Michael current, until, in the supersensible realms at the end of the eighteenth and the beginning of the nineteenth centuries, what I have already mentioned here once before took place: the revival of a supersensibly significant cult.
[ 12 ] In der übersinnlichen Welt wurde dazumal ein Kultus eingerichtet, der in realen Imaginationen geistiger Art sich abspielte. So daß man sagen kann: Am Ende des achtzehnten und Beginn des neunzehnten Jahrhunderts schwebt eigentlich unmittelbar angrenzend, ganz in der Nähe — natürlich ist das qualitativ gemeint — der physisch-sinnlichen Welt ein übersinnliches Geschehen, das darstellt übersinnliche Kultushandlungen, mächtige Bilder-Entwickelung des geistigen Lebens, der Weltenwesenheiten, der Wesenheiten der Hierarchien, im Zusammenhange mit den großen Ätherwirkungen des Kosmos und mit den menschlichen Wirkungen auf der Erde. Es ist interessant, daß in einem besonders günstigen Augenblicke von dieser übersinnlichen Kultusbetätigung, ich möchte sagen, ein Miniaturbildchen einströmte in Goethes Geist. Und dieses Miniaturbildchen, dieses metamorphosierte, veränderte Miniaturbildchen haben wir von Goethe hingemalt in seinem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Es ist so ein Fall, wo leise nun etwas durchbricht. Sehen Sie, das war ein übersinnlicher Kultus, an dem sich vorzugsweise diejenigen beteiligt haben, welche mit teilgenommen haben an der Michael-Strömung bei all den Offenbarungen, den übersinnlichen und sinnlichen Offenbarungen, von denen ich gesprochen habe.
[ 12 ] In the supersensible world at that time, a form of worship was established that took place within real, spiritual imaginings. So one can say: At the end of the eighteenth and the beginning of the nineteenth centuries, there existed—in fact, in immediate proximity, very close—in a qualitative sense, of course—to the physical-sensory world, a supersensible event that consists of supersensible ritual acts, powerful imagery arising from spiritual life, the beings of the worlds, and the beings of the hierarchies, in connection with the great etheric forces of the cosmos and with human activities on Earth. It is interesting that, at a particularly propitious moment in this supersensible ritual activity, I might say, a miniature image flowed into Goethe’s mind. And this miniature image—this metamorphosed, transformed miniature image—we have seen depicted by Goethe in his “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.” It is one of those instances where something now gently breaks through. You see, this was a supersensible cult in which those who had participated in the Michael current—with all the revelations, both supersensible and sensory, of which I have spoken—took a special part.
[ 13 ] Überall spielt da die Individualität, die zuletzt in Tycho de Brahe war, eine außerordentlich große Rolle. Er war überall bestrebt, die großen, dauernden Impulse dessen, was man Heidentum, was man altes Mysterienwesen nennt, eben auch zum besseren Verständnis des Christentumes zu erhalten. In das Christentum war er eingezogen, während er als Seele der Herzeloyde lebte. Jetzt war er bestrebt, alles dasjenige, was er durch seine Julian-Apostata-Initiation hatte, einzuführen in die Vorstellungen des Christentums. Das war es ja ganz besonders, was wichtig erschien für diejenigen Seelen, von denen ich da gesprochen habe. Mit allen diesen Strömungen sind die zahlreichen Seelen verbunden, die jetzt in der anthroposophischen Bewegung sich finden, die ehrlich nach dieser Bewegung hinstreben. Sie fühlen sich angezogen von der Michael-Strömung gerade durch die innere Natur und Wesenheit dieser Michael-Strömung. Und Tycho de Brahe hatte einen bedeutenden Einfluß darauf, daß diese Seelen nun am Ende des neunzehnten Jahrhunderts oder im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, vorzugsweise aber Ende des neunzehnten Jahrhunderts, vorbereitet auf die Erde herunterkamen, um den Christus nicht nur so zu schauen oder zu fühlen, wie ihn die verschiedenen Bekenntnisse fühlen, sondern wiederum in seiner ganzen grandiosen Weltherrlichkeit als den kosmischen Christus. Dazu wurden sie ja vorbereitet, auch übersinnlich zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, durch solche Einflüsse wie die des Tycho de Brahe, der Seele, die zuletzt in Tycho de Brahe verkörpert war. So spielte diese Individualität eigentlich fortdauernd gerade innerhalb dieser Michael-Strömung eine außerordentlich bedeutsame Rolle.
[ 13 ] Everywhere, individuality—which was ultimately embodied in Tycho Brahe—plays an extraordinarily important role. He strove in every way to preserve the great, enduring impulses of what is called paganism, or the ancient mystery traditions, precisely in order to foster a better understanding of Christianity. He had entered Christianity while living as the soul of the Herzeloydes. Now he was striving to introduce everything he had gained through his Julian the Apostate initiation into the concepts of Christianity. That, in particular, was what seemed important to the souls I have been speaking of. The numerous souls who now find themselves in the anthroposophical movement—and who sincerely strive toward this movement—are connected to all these currents. They feel drawn to the Michael current precisely because of the inner nature and essence of this Michael current. And Tycho Brahe had a significant influence on the fact that these souls, at the end of the nineteenth century or the beginning of the twentieth century—but primarily at the end of the nineteenth century—came down to Earth prepared not merely to see or feel Christ as the various denominations do, but rather to perceive him once again in all his magnificent cosmic splendor as the cosmic Christ. To this end, they were indeed prepared—even supersensibly between death and a new birth—through influences such as those of Tycho de Brahe, the soul that was most recently incarnated in Tycho de Brahe. Thus, this individuality actually played an extraordinarily significant role, continuously and specifically within this Michael current.
[ 14 ] Sehen Sie, es wurde ja immer hingeschaut — sowohl innerhalb der alten Lehrschule im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert wie später bei der Verrichtung des übersinnlichen Kultus, der einleiten sollte gewissermaßen von der übersinnlichen Welt aus die spätere, neu eintretende spätere Michael-Herrschaft auf Erden —, es wurde ja überall hingewiesen auf die kommende Michael-Herrschaft.
[ 14 ] You see, attention was always focused on this—both within the ancient school of teaching in the fifteenth and sixteenth centuries and later during the practice of the supersensible cult, which was intended, so to speak, to usher in from the supersensible world the subsequent, newly emerging reign of Michael on Earth— everywhere, attention was drawn to the coming Michael reign.
[ 15 ] Nun blieben eine ganze Anzahl — ich habe das schon angedeutet — platonisch begabter Seelen seit ihrer Wirksamkeit in Chartres in der geistigen Welt. Ich habe heute andere Bilder aus der Sammlung von Bildern über Chartres hier anheften lassen, Prophetenbilder, aber auch Bilder der außerordentlich wunderbaren Architektur von Chartres. Die Individualitäten der Lehrer von Chartres, die gerade platonisch geartet waren, sie blieben in der geistigen Welt. Herunter stiegen mehr die Aristoteliker, die zum Beispiel im Dominikaner-Orden vielfach waren, dann aber nach einer bestimmten Zeit sich vereinigten und eben auch von der geistigen Welt aus auf übersinnliche Art mit den Platonikern zusammen wirkten. So daß man sagen kann: Eigentlich sind immer zurückgeblieben die platonisch gearteten Seelen; sie sind bis heute in ihren wesentlicheren Individualitäten nicht wiederum auf der Erde erschienen, sondern warten bis zum Ende dieses Jahrhunderts.
[ 15 ] Now, as I have already hinted, a great many souls with Platonic inclinations have remained in the spiritual world since their time of activity in Chartres. Today I have had other images from the collection of images about Chartres posted here—images of prophets, but also images of Chartres’ extraordinarily wondrous architecture. The individualities of the teachers of Chartres, who were specifically of a Platonic nature, remained in the spiritual world. It was more the Aristotelians—who, for example, were numerous in the Dominican Order—who descended; but after a certain time, they united and, from the spiritual world, worked together with the Platonists in a supersensible way. So one can say: In fact, the souls of a Platonic nature have always remained behind; to this day, they have not reappeared on Earth in their more essential individualities, but are waiting until the end of this century.
[ 16 ] Dagegen sind gerade viele, die sich angezogen fühlten von dem, was ich beschrieben habe als die Michael-Taten im Übersinnlichen, die sich in ehrlicher Weise zu einer solchen spirituellen Bewegung hingezogen fühlten, eben in die Strömung der anthroposophischen Bewegung eingelaufen. Und man kann schon sagen: Dasjenige, was in der Anthroposophie lebt, das ist angeregt zunächst von der Michael-Lehrschule im fünfzehnten, sechzehnten Jahrhundert und von jenem Kultus, der am Ende des achtzehnten Jahrhunderts und im Beginn des neunzehnten Jahrhunderts übersinnlich stattfand.
[ 16 ] On the other hand, many of those who felt drawn to what I have described as the Michael deeds in the supersensible realm—those who were sincerely drawn to such a spiritual movement—have in fact joined the current of the anthroposophical movement. And one can certainly say: What lives in anthroposophy was inspired, first and foremost, by the Michael School of Teaching in the fifteenth and sixteenth centuries and by that supersensible cult that took place at the end of the eighteenth century and the beginning of the nineteenth century.
[ 17 ] Es ist ja auch aus diesem Grunde, daß, als im Hinblick auf diesen übersinnlichen Kultus meine Mysterienspiele entstanden, gerade das erste Mysterium, trotzdem es sich viel unterscheidet von Goethes «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», doch deutlich ähnliche Züge aufweist. Diese Dinge, die reale Impulse spiritueller Art enthalten wollen, können eben nicht aus den Fingern gesogen werden, sondern werden durchaus im Einklange mit der geistigen Welt geschaut und gearbeitet.
[ 17 ] It is indeed for this reason that, when my mystery plays were created in connection with this supersensible cult, the very first mystery play—even though it differs greatly from Goethe’s “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily”—nevertheless exhibits clearly similar traits. These works, which are intended to contain genuine spiritual impulses, cannot simply be conjured out of thin air, but are conceived and crafted in complete harmony with the spiritual world.
[ 18 ] So stehen wir heute da mit der anthroposophischen Bewegung, die eingelaufen ist in die mittlerweile eingetretene Michael-Herrschaft, berufen dazu, gerade das Wesen dieser Michael-Herrschaft zu verstehen, berufen dazu, gerade im Sinne des Wirkens Michaels durch die Jahrhunderte und die Jahrtausende, jetzt, wo er wieder seine Erdenherrschaft in einem besonders bedeutsamen Momente antritt, berufen, in dieser Richtung zu wirken. Es liegt in dem inneren Esoterischen dieser Michael-Strömung, daß in einer ganz bestimmten Weise vorgezeichnet ist, zunächst für dieses Jahrhundert, dasjenige, was geschehen wird.
[ 18 ] Thus, here we stand today with the anthroposophical movement, which has entered the Michael Kingdom that has now begun, called upon to understand precisely the nature of this Michael Kingdom, called upon—precisely in the spirit of Michael’s work throughout the centuries and millennia— now that he is once again assuming his earthly reign at a particularly significant moment, to work in this direction. It lies in the inner esoteric nature of this Michael current that what is to happen is mapped out in a very specific way, at least for this century.
[ 19 ] Aber sehen Sie, meine lieben Freunde, für die Anthroposophie, wenn man sie so ihrem heutigen Inhalte nach nimmt und sie rückwärts verfolgt, findet man wenig Erdenvorbereitung. Gehen Sie nur etwas zurück von dem, was heute als Anthroposophie auftritt, und suchen Sie unbefangen, nicht etwa den Sinn getrübt durch allerlei philologische Spitzfindigkeiten, sondern unbefangen irgendwo Quellen für diese Anthroposophie etwa im Laufe dieses neunzehnten Jahrhunderts: Sie finden sie nicht. Sie finden einzelne Spuren von spiritueller Auffassung, die dann wie Keime, aber Keime sehr spärlicher Art, Verwendung finden konnten in dem ganzen Gefüge der Anthroposophie; aber eine eigentliche Vorbereitung innerhalb des Irdischen ist ja nicht vorhanden.
[ 19 ] But you see, my dear friends, when it comes to anthroposophy—if one takes it as it is today and traces its history back—one finds little preparation for life on Earth. Just step back a bit from what appears today as anthroposophy, and search with an open mind—not with your judgment clouded by all sorts of philological quibbles—but with an open mind for sources of this anthroposophy somewhere, say, in the course of the nineteenth century: you will not find them. You will find isolated traces of spiritual insight that, like seeds—though very sparse ones—could be incorporated into the entire structure of anthroposophy; but there is no actual preparation within the earthly realm.
[ 20 ] Um so stärker ist die Vorbereitung im Übersinnlichen. Und schließlich, inwiefern Goethes Wirken, auch nach seinem Tode — wenn auch das in meinen Büchern anders aussieht — mitgewirkt hat an der Gestaltung der Anthroposophie, das wissen Sie ja alle. Das Wichtigste in bezug auf diese Dinge, das unmittelbar Wichtigste hat sich schon im Übersinnlichen abgespielt. Aber wiederum wenn man so lebendig zurückverfolgt das geistige Leben des neunzehnten Jahrhunderts bis zu Goethe, Herder, sogar meinetwillen bis zu Lessing zurück, dann erscheint einem dennoch dasjenige, was in einzelnen Geistern des ablaufenden achtzehnten Jahrhunderts, der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gewirkt hat, wenn es auch wie zum Beispiel bei Hegel in starken Abstraktionen auftritt oder in abstrakt bildhafter Arc wie bei Schelling, es erscheint einem dennoch mindestens sehr stark spirituell angehaucht.
[ 20 ] All the more intense, then, is the preparation in the supersensible realm. And finally, you all know to what extent Goethe’s work—even after his death, though this may appear differently in my books—contributed to the shaping of anthroposophy. The most important aspect of these matters—the most immediately important one—has already taken place in the supersensible realm. But then again, when one traces the spiritual life of the nineteenth century back so vividly to Goethe, Herder, and—for my part—even back to Lessing, then what was at work in individual minds during the waning eighteenth century and the first half of the nineteenth century—even if it appears, as in the case of Hegel, for example, in strong abstractions, or in abstract, pictorial forms as with Schelling—still strikes one as having, at the very least, a very strong spiritual influence.
[ 21 ] Denn ich glaube, man erkennt in meinen «Rätseln der Philosophie» aus der Art und Weise, wie ich Schelling, wie ich Hegel geschildert habe, daß ich dennoch in dem Geistig-Seelischen dieser Entwickelung der Weltanschauung auf etwas hinweisen wollte, was dann einlaufen kann in das Anthroposophische. Ich versuchte ja auch in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» diese Abstraktionen, die da auftreten, ich möchte sagen, mit dem Gemüte zu erfassen. Ich darf da vielleicht ganz besonders auf das Kapitel über Hegel hinweisen, auch auf manches, was über Schelling gesagt ist.
[ 21 ] For I believe that in my The Riddles of Philosophy, from the way I have described Schelling and Hegel, one can see that I nevertheless wanted to point to something in the spiritual-psychic aspect of this development of the worldview that can then lead into anthroposophy. In my book The Riddles of Philosophy, I also attempted to grasp these abstractions that arise—I would say—with the heart. I might perhaps refer in particular to the chapter on Hegel, as well as to some of what is said about Schelling.
[ 22 ] Aber man muß eben doch noch tiefer gehen. Dann findet man merkwürdige Erscheinungen, die da im Geistesleben der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts auftreten und die dann nur, ich möchte sagen, zunächst versanken in demjenigen, was geistiges Leben, materialistisches Leben der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war. Und doch tritt in alledem etwas auf, worin, wenn auch in abstrakten Begriffen, eben durchaus Spirituelles ist, spirituelles Leben und Weben darinnen ist.
[ 22 ] But one must go even deeper. Then one finds strange phenomena that arose in the spiritual life of the first half of the nineteenth century and that then—I would say—initially sank into what constituted the spiritual and materialistic life of the second half of the nineteenth century. And yet, in all of this, something emerges that—even if expressed in abstract terms—is thoroughly spiritual; there is spiritual life and activity within it.
[ 23 ] Insbesondere interessant und immer interessanter, je mehr man sich in ihn einliest, wird der Philosoph Schelling. Ich möchte sagen, er beginnt fast wie Fichte mit willensdurchtränkten, scharf markierten, reinen Ideen. So trat ja Fichte auf. Johann Gottlieb Fichte ist ja eine der wenigen Persönlichkeiten in der Weltgeschichte, vielleicht in seiner Art überhaupt einzig in gewisser Beziehung, eine Persönlichkeit, die die stärksten Begriffsabstraktionen zu gleicher Zeit mit Enthusiasmus und Energie des Willens verband, so daß man gerade in ihm eine sehr interessante Erscheinung vor sich hat: Der kurze, gedrungene Fichte, im Wachstum etwas zurückgeblieben durch die Entbehrungen der Jugend, der, wenn man ihm auf der Straße nachschaute, mit einem ungeheuer fest auftretenden Schritte ging, alles Wille, Wille, der sich auslebt in der Darstellung der abstraktesten Begriffe, aber mit diesen abstraktesten Begriffen doch wiederum so etwas erreicht wie jene «Reden an die deutsche Nation», die er gehalten hat, mit denen er unzählige auf wunderbare Weise begeistert hat.
[ 23 ] The philosopher Schelling is particularly interesting—and becomes more and more so the more one delves into his work. I would say that, much like Fichte, he begins with ideas that are imbued with will, sharply defined, and pure. That was indeed how Fichte presented himself. Johann Gottlieb Fichte is, after all, one of the few figures in world history—perhaps, in a certain sense, unique in his kind—a figure who combined the most powerful conceptual abstractions with enthusiasm and the energy of the will, so that he presents a particularly fascinating phenomenon: The short, stocky Fichte, whose growth had been somewhat stunted by the hardships of his youth, who, when one watched him on the street, walked with an immensely firm stride, all will, a will that found its full expression in the articulation of the most abstract concepts, yet through these very concepts achieved something akin to those “Addresses to the German Nation” he delivered, with which he inspired countless people in a truly wondrous way.
[ 24 ] Schelling tritt fast fichtisch auf, nicht mit solcher Kraft, aber mit solcher Gedankenart. Wir sehen aber sehr bald, daß sich Schellings Geist erweitert. Geradeso wie Fichte von Ich und Nicht-Ich und von allerlei ähnlichem Abstrakten redet, redet auch Schelling in seiner Jugend, begeistert damit auch in Jena die Leute. Aber ihn verläßt das also bald, der Geist erweitert sich, und wir sehen in ihn einziehen, wenn auch phantasie-gestaltete, aber wiederum fast nach Imaginationen hinzielende Vorstellungen. Es geht eine Weile weiter, dann vertieft er sich in solche Geister wie Jakob Böhme, beschreibt etwas, was dem ganzen Ton und Stile nach ganz verschieden ist von seiner früheren Wirksamkeit: die Grundlage der menschlichen Freiheit, eine Art Auferweckung der Ideen Jakob Böhmes. Wir sehen dann, wie in Schelling der Platonismus fast auflebt. Ein Weltanschauungsgespräch «Bruno» verfaßt er, das wirklich an Platos Gespräche erinnert, das sehr eindringlich ist. Interessant ist auch ein anderes Schriftchen, «Clara», worinnen die übersinnliche Welt eine große Rolle spielt.
[ 24 ] Schelling comes across almost like Fichte—not with the same intensity, but with a similar way of thinking. We soon see, however, that Schelling’s mind broadens. Just as Fichte speaks of the “I” and the “not-I” and all sorts of similar abstractions, so too does Schelling in his youth, inspiring people in Jena with these ideas. But he soon moves beyond this; his mind broadens, and we see ideas entering his thought—ideas shaped by fantasy, yet in turn tending almost toward imagination. This continues for a while; then he immerses himself in thinkers such as Jakob Böhme, describing something that, in its entire tone and style, is quite different from his earlier work: the foundation of human freedom, a sort of revival of Jakob Böhme’s ideas. We then see how Platonism almost comes to life in Schelling. He composes a philosophical dialogue titled “Bruno,” which truly recalls Plato’s dialogues and is very compelling. Another short work, “Clara,” is also interesting, in which the supernatural world plays a major role.
[ 25 ] Dann schweigt Schelling furchtbar lange. Er wird von seinen Mit-Philosophen, ich möchte sagen, für einen Lebendig-Toten gehalten und veröffentlicht dann nur die außerordentlich bedeutsame Schrift über die Samothrakischen Mysterien, — wiederum Erweiterung seines Geistes. Er lebt aber vorerst noch in München, bis ihn der König von Preußen beruft, an der Berliner Universität diejenige Philosophie vorzutragen, von der Schelling sagt, daß er sie in der Stille seiner Einsamkeit durch die Jahrzehnte hindurch erarbeitet habe. Und jetzt tritt Schelling in Berlin auf mit derjenigen Philosophie, die dann in seinen nachgelassenen Werken als «Philosophie der Mythologie» und als «Philosophie der Offenbarung» enthalten ist. Er macht keinen großen Eindruck auf das Berliner Publikum, denn der Tenor dessen, was er in Berlin redet, ist doch eigentlich der: Mit allem Nachdenken bringt der Mensch es zu gar nichts in bezug auf die Weltanschauungen; es muß etwas in die Menschenseele hineinkommen, was als wirkliche geistige Welt das Nachdenken durchlebt.
[ 25 ] Then Schelling remains silent for an awfully long time. His fellow philosophers—I might say—consider him a living dead man, and he then publishes only the extraordinarily significant treatise on the Samothracian Mysteries—yet another expansion of his mind. For the time being, however, he continues to live in Munich until the King of Prussia summons him to lecture at the University of Berlin on the very philosophy that Schelling says he had developed in the silence of his solitude over the course of decades. And now Schelling appears in Berlin with the very philosophy that is later included in his posthumous works as the “Philosophy of Mythology” and the “Philosophy of Revelation.” He does not make a great impression on the Berlin audience, for the gist of what he says in Berlin is, in fact, this: No matter how much one reflects, one achieves nothing with regard to worldviews; something must enter the human soul that, as a real spiritual world, lives through that reflection.
[ 26 ] Da erscheint plötzlich statt der alten rationalistischen Philosophie bei Schelling ein Wiedererwecken der alten Götterphilosophie, der Mythologie, ein Wiedererwecken der alten Götter, und zwar in einer auf der einen Seite ganz modernen Weise; aber aus allem sieht man: Da wirkt nach alte Geistigkeit. Es ist ganz merkwürdig.
[ 26 ] Suddenly, instead of the old rationalist philosophy, we see in Schelling a revival of the ancient philosophy of the gods, of mythology—a revival of the ancient gods—and this in a way that is, on the one hand, entirely modern; but from all of this, one can see that an ancient spirituality is at work here. It is quite remarkable.
[ 27 ] Was er über das Christentum in der Philosophie der Offenbarung entwickelt, darin sind immerhin bedeutsame Anregungen gegeben, wenn auch in ganz abstrakten Formen, für dasjenige, was für manchen Punkt des Christentums auch innerhalb der Anthroposophie aus der geistigen Anschauung heraus gesagt werden muß.
[ 27 ] What he develops regarding Christianity in The Philosophy of Revelation does, after all, offer significant insights—albeit in highly abstract forms—into what must be said from a spiritual perspective about certain aspects of Christianity, even within anthroposophy.
[ 28 ] So leicht wie die Berliner kann man ganz gewiß über Schelling nicht hinweggehen. Man kann überhaupt nicht über ihn hinweggehen! Die Berliner gingen ganz leicht drüber hinweg. Als sich ein Sprößling Schellings vermählte mit der Tochter eines preußischen Ministers — ein äußerlich mit der Sache zusammenhängendes, wenn auch karmisch zusammenhängendes Ereignis —, hörte ein preußischer Funktionär von dieser Tatsache und sagte, früher hätte er nie gewußt, warum eigentlich Schelling nach Berlin gekommen wäre, jetzt wüßte er es.
[ 28 ] It is certainly not as easy to overlook Schelling as it is to overlook the Berliners. One cannot overlook him at all! The Berliners brushed him off quite easily. When one of Schelling’s descendants married the daughter of a Prussian minister—an event outwardly connected to the matter, if also karmically connected—a Prussian official heard of this and said that he had never before known why Schelling had actually come to Berlin, but now he knew.
[ 29 ] Aber man kann schon in innere Schwierigkeiten und Konflikte hineinkommen, wenn man Schelling so verfolgt. Zu alledem wird immer diese letzte Periode Schellings in den Philosophie-Geschichten zwar greulich geschildert, aber es steht überall da über diesem Kapitel der Titel: «Schellings Theosophie». — Nun, es war immer wiederum so, daß ich mich mit Schelling viel beschäftigte. Es ging immer, trotz der abstrakten Form, eine bestimmte Wärme aus von dem, was in Schelling lebte. So habe ich in verhältnismäßiger Jugend zum Beispiel mich viel beschäftigt mit jenem platonischen Gespräche, das ich eben erwähnt habe: «Bruno, oder über das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge».
[ 29 ] But one can certainly run into internal difficulties and conflicts if one follows Schelling in this way. On top of that, Schelling’s final period is always portrayed in a dreadful light in histories of philosophy, yet the title “Schelling’s Theosophy” appears above every chapter on the subject. — Well, it was always the case that I spent a great deal of time engaging with Schelling. Despite the abstract form, a certain warmth always emanated from what was alive in Schelling. For example, when I was still relatively young, I spent a great deal of time studying that Platonic dialogue I just mentioned: “Bruno, or On the Divine and Natural Principle of Things.”
[ 30 ] Schelling, der ja seit dem Jahre 1854 wieder in der geistigen Welt weilte, Schelling kam einem eigentlich gerade durch dieses Gespräch «Bruno», wenn man es vornahm, es durchlebte, durch seine «Clara», namentlich aber durch die Schrift über die Samothrakischen Mysterien ungemein nahe. Man kam leicht in die wirkliche, reale, spirituelle Nähe Schellings. Und da wurde mir denn doch eigentlich schon im Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts völlig klar — bei den anderen Persönlichkeiten, die für die Weltanschauung in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wirkten, mag das gewesen sein wie immer, aber bei Schelling war es klar —: da wirkt geistige Inspiration dennoch herein. In Schelling wirkte geistige Inspiration fortdauernd herein.
[ 30 ] Schelling, who had indeed been in the spiritual world again since 1854—Schelling actually came incredibly close to one precisely through this “Bruno” conversation, if one undertook it, lived through it, through his “Clara,” but especially through the treatise on the Samothracian Mysteries. It was easy to come into true, real, spiritual closeness with Schelling. And so it became completely clear to me as early as the beginning of the 1890s—whatever the case may have been with the other figures who shaped the worldview in the first half of the nineteenth century, with Schelling it was clear—that spiritual inspiration was indeed at work there. Spiritual inspiration was constantly at work in Schelling.
[ 31 ] Und so konnte man das folgende Bild haben: Sagen wir, zunächst unten in der physischen Welt den durch seine mannigfachen Lebensschicksale gehenden Schelling, der, wie ich gesagt habe, unter diesen Schicksalen eine lange Einsamkeit hatte, der in der mannigfaltigsten Weise behandelt wurde von seinen Mitmenschen, zuweilen mit riesiger, großartiger Begeisterung, zuweilen verhöhnt, verspottet, dieser Schelling, der eigentlich immer einen bedeutsamen Eindruck machte, wenn er wieder persönlich auftrat, er, der kurze, gedrungene Mann mit dem ungeheuer ausdrucksvollen Kopfe, den im spätesten Alter noch funkelnden, feuerfunkelnden Augen, aus denen das Feuer der Wahrheit sprach, das Feuer der Erkenntnis, dieser Schelling, man kann ganz deutlich sehen, je mehr man auf ihn eingeht: er hat Momente, wo Inspiration von oben in ihn hereinfällt.
[ 31 ] And so one could have the following picture: Let’s say, first of all, down here in the physical world, Schelling, who went through his manifold life destinies—who, as I have said, experienced a long period of solitude among these destinies, who was treated in the most varied ways by his fellow human beings, sometimes with immense, magnificent enthusiasm, sometimes mocked, mocked—this Schelling, who actually always made a significant impression whenever he appeared in person again; he, the short, stocky man with the immensely expressive head, whose eyes still sparkled—sparkled with fire—even in his very old age, eyes from which the fire of truth spoke, the fire of knowledge; this Schelling—one can see quite clearly, the more one delves into him: he has moments when inspiration descends upon him from above.
[ 32 ] Am alleranschaulichsten wurde mir das, als ich die Rezensionen von Robert Zimmermann — von dem Sie ja wissen, daß von ihm das Wort «Anthroposophie» herrührt, aber seine Anthroposophie ist ein Gestrüppe von Begriffen — über Schellings Schrift über die «Weltalter» las. Ich schätze Robert Zimmermann sehr, aber dazumal mußte ich denn doch innerlich in den Seufzer ausbrechen: O du Philister!
[ 32 ] This became most evident to me when I read Robert Zimmermann’s reviews—you know, of course, that the term “anthroposophy” originates from him, but his anthroposophy is a tangled thicket of concepts—of Schelling’s work on the “world ages.” I hold Robert Zimmermann in high regard, but at that moment I couldn’t help but sigh inwardly: “Oh, you philistine!”
[ 33 ] Da ging ich denn wieder zurück zu Schellings Schrift selber von den Weltaltern, die ja auch etwas abstrakt geschrieben ist, von der man aber sogleich erkennt: Da ist etwas drinnen wie eine Schilderung der alten Atlantis in ganz spiritueller Art, mannigfach verzerrt durch die Abstraktionen, aber es ist etwas darinnen.
[ 33 ] So I went back to Schelling’s own work on the world-ages, which is admittedly written in a somewhat abstract manner, but from which one immediately recognizes: There is something in it like a description of ancient Atlantis in a wholly spiritual sense, distorted in many ways by the abstractions, but there is something in it.
[ 34 ] Sie sehen also, es ist überall etwas da, was gerade bei Schelling so hereinwirkt, daß man sagen kann: Da unten ist Schelling, und da oben geschieht etwas, was auf Schelling herunterwirkt. Da bei Schelling wird es besonders anschaulich, daß eigentlich ein fortwährendes Wechselspiel der geistigen Welt oben und der Erdenwelt unten in bezug auf die geistige Entwickelung vorhanden ist. Und als ich dann einmal so in der Mitte der neunziger Jahre ganz besonders intensiv damit beschäftigt war, dasjenige aufzusuchen, was die spirituellen Grundlagen des Michael-Zeitalters sind und ähnliches, und wo ich dann selber hineinkam in eine Lebensphase — ich kann ja diese Dinge im «Lebensgang» nur andeuten, aber ich habe es schon angedeutet —, in der ich stark miterleben mußte die Welt, die unmittelbar angrenzt an unsere sinnlich-physische Welt, die aber eben doch durch eine dünne Wand von ihr getrennt ist — in dieser nächsten Welt spielen sich ja eigentlich die gigantischen Tatsachen ab, sie sind gar nicht so stark getrennt von unserer Welt —, als ich da in Weimar war, wo ich auf der einen Seite außerordentlich stark das gesellige Leben von Weimar nach allen Seiten hin miterlebte, aber zur gleichen Zeit die innere Notwendigkeit hatte, mich wiederum stark von allem zurückzuziehen, so daß diese Dinge parallel gingen: da war das für mich selber aufs höchste gestiegen, daß eigentlich immer bei mir ein stärkeres Miterleben der geistigen Welt als der physischen Welt vorhanden war. So daß es mir schon als junger Mensch nicht sehr schwer geworden ist, irgendeine Weltanschauung, die in meine Sphäre trat, schnell zu überblicken; aber ich mußte mir irgendeinen Stein oder eine Pflanze, die ich wiedererkennen sollte, nicht drei-, viermal, sondern fünfzig-, sechzigmal anschauen, — ich konnte nicht leicht die Seele verbinden mit demjenigen, was in der physischen Welt auf physische Art Namen bekommt.
[ 34 ] So you see, there is something everywhere that, especially in Schelling’s case, has such an effect that one can say: Schelling is down there, and something is happening up there that has an effect on Schelling. In Schelling’s work, it becomes particularly clear that there is, in fact, a continuous interplay between the spiritual world above and the earthly world below with regard to spiritual development. And then, once in the mid-1890s, when I was particularly intensely engaged in seeking out what the spiritual foundations of the Michael Age are and similar matters, and when I myself entered a phase of life—I can only hint at these things in My Life— but I have already hinted at it—in which I was compelled to experience very intensely the world that immediately adjoins our sensory-physical world, yet is separated from it by only a thin veil—it is in this neighboring world that the truly monumental events actually unfold, they are not at all so strongly separated from our world—when I was in Weimar, where, on the one hand, I experienced Weimar’s social life in all its facets with extraordinary intensity, but at the same time felt an inner necessity to withdraw strongly from it all, so that these things proceeded in parallel: for me, this had reached its peak: I had always experienced the spiritual world more intensely than the physical world. So even as a young person, it was not very difficult for me to quickly grasp any worldview that entered my sphere; but I had to look at a stone or a plant that I was supposed to recognize not three or four times, but fifty or sixty times—I could not easily connect my soul with that which is given a name in the physical world in a physical way.
[ 35 ] Das war damals aufs höchste gestiegen gerade während der Weimarer Zeit. Weimar ist ja dazumal, lange bevor die konstitutionelle Republikaner-Versammlung dort stattgefunden hat, wirklich ein Ort gewesen wie eine Oase, wie eine geistige Oase, ganz anders als andere Orte in Deutschland. Da in diesem Weimar, wie ich in meinem «Lebensgang» gesagt habe, erlebte ich schon meine Einsamkeiten. Und da nahm ich dann wieder einmal, um hinter manches zu kommen, Schellings «Gottheiten von Samothrake» und seine «Philosophie der Mythologie» 1897 eigentlich bloß zur Anregung in die Hand, nicht um drinnen zu studieren, sondern zur Anregung, so wie man äußere Hilfsmittel verwendet. Nicht wahr, sagen wir, es will irgendeiner, der in der geistigen Welt forscht, sich einmal die Forschung erleichtern: es sind eben bloß äußere Hilfsmittel, die man da hat, wie man ja auch technische Hilfsmittel hat, die dann mit der eigentlichen Sache nicht recht im Zusammenhang stehen. Will einer, sagen wir, über die Zeit der ersten christlichen Jahrhunderte forschen, so legt er sich einmal ein paar Nächte die Schriften des heiligen Augustinus oder des Clemens von Alexandrien unter den Kopf; das ist eine äußere Anregung, wie irgendein technisches Hilfsmittel beim Erinnern. So nahm ich dazumal die «Gottheiten von Samothrake» des Schelling, die «Philosophie der Mythologie» in die Hand. Aber eigentlich hatte ich dasjenige im Auge, was da im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts sich eben so abspielte, daß) es dann gleichsam erst herunterströmte und zur Anthroposophie werden konnte.
[ 35 ] That had reached its peak back then, precisely during the Weimar era. Back then, long before the Constitutional Republican Assembly took place there, Weimar really was a place like an oasis—an intellectual oasis—quite unlike any other place in Germany. It was in that Weimar, as I mentioned in my “Autobiography,” that I first experienced my moments of loneliness. And there, once again, in order to get to the bottom of certain things, I picked up Schelling’s Deities of Samothrace and his Philosophy of Mythology (1897)—actually just for inspiration, not to study them in depth, but for inspiration, just as one uses external aids. Isn’t it true, let’s say, that anyone conducting research in the spiritual world might want to make their research a little easier at times: these are simply external aids that one has at one’s disposal, just as one has technical aids that are not really directly related to the subject at hand. Suppose someone wants to research the early Christian centuries; they might spend a few nights with the writings of St. Augustine or Clement of Alexandria under their pillow; this is an external stimulus, like any technical aid for memory. So back then, I picked up Schelling’s The Deities of Samothrace and The Philosophy of Mythology. But what I actually had in mind was what unfolded over the course of the nineteenth century—namely, that it then, as it were, flowed down and was able to become anthroposophy.
[ 36 ] Da, als ich Schelling wirklich nun in seinem biographischen Werdegang verfolgen konnte, aber nicht deutlich — klar wurde das erst viel, viel später, als ich meine «Rätsel der Philosophie» geschrieben habe —, da konnte ich — wie gesagt, nicht ganz deutlich — wahrnehmen, wie vieles in Schellings Schriften eigentlich von ihm nur unter Inspiration niedergeschrieben ist, und daß der Inspirierende Julian Apostata-Herzeloyde-Tycho de Brahe ist, der nicht wieder selber auf dem physischen Plane erschienen ist, aber durch Schellings Seele ungeheuer viel gewirkt hat. Und dabei wurde ich gewahr, daß gerade dieser Tycho de Brahe in einer eminent starken Weise nach seinem Tycho de Brahe-Dasein fortgeschritten ist. Durch Schellings Leiblichkeit konnte ja nur wenig durchgehen. Aber wenn man das einmal weiß, daß da Tycho de Brahes Individualität als inspirierend über Schelling schwebt, und dann die genialen Blitze in den «Gottheiten von Samothrake», die genialen Blitze namentlich am Schlusse der «Philosophie der Offenbarung» liest, mit der in ihrer Art doch großartigen Interpretation Schellings der alten Mysterien, und namentlich wenn man sich in die Sprache, die Schelling da führt, in die so merkwürdige Sprache vertieft, dann hört man bald nicht Schelling reden, sondern Tycho de Brahe. Und dann wird man eben gewahr, wie unter anderen Geistern gerade dieser Tycho de Brahe, der ja auch als Individualität in Julian Apostata war, viel dazu beigetragen hat, daß manches heraufgekommen ist im neueren Geistesleben, was dennoch wiederum so anregend gewirkt hat, daß wenigstens die äußeren Formen des Ausdruckes für das anthroposophisch Geartete manchmal davon hergenommen sind.
[ 36 ] There, when I was finally able to trace Schelling’s biographical development—though not clearly; this only became clear much, much later, when I wrote my Riddles of Philosophy— I was able—as I said, not entirely clearly—to perceive how much of what is in Schelling’s writings was actually written by him only under inspiration, and that the source of this inspiration was Julian Apostata-Herzeloyde-Tycho de Brahe, who did not reappear himself on the physical plane but accomplished an immense amount through Schelling’s soul. And in doing so, I became aware that this very Tycho de Brahe had progressed in an eminently powerful way beyond his existence as Tycho de Brahe. After all, very little could pass through Schelling’s physical body. But once one knows that Tycho de Brahe’s individuality hovers over Schelling as an inspiration, and then reads the flashes of genius in the Deities of Samothrace ”—those flashes of genius, particularly at the end of The Philosophy of Revelation—along with Schelling’s interpretation of the ancient mysteries, which is magnificent in its own way, and especially when one delves into the language Schelling employs there, that most remarkable language—then one soon hears not Schelling speaking, but Tycho de Brahe. And then one becomes aware of how, among other spirits, this very Tycho de Brahe—who was, after all, also present as an individuality in Julian the Apostate—contributed greatly to the emergence of certain elements in modern spiritual life, elements which, in turn, have had such a stimulating effect that at least the outward forms of expression for the anthroposophical have sometimes been drawn from them.
[ 37 ] Dann wiederum, eine der Schriften aus der deutschen Philosophie, die auf mich einen großen Eindruck gemacht haben, ist die Schrift von Jakob Frohschammer: «Die Phantasie als Grundprinzip des Weltprozesses», eine geistvolle Schrift vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Geistvoll deshalb, weil dieser mutige Mann, der von der Kirche ausgestoßen worden ist, dessen Schriften auf den Index gesetzt wurden, der mutig war auch der Wissenschaft gegenüber, die Verwandtschaft aufdeckte zwischen dem, was rein seelisch in der Phantasie schafft, wenn der Mensch künstlerisch schafft, und demjenigen, was innerlich als Wachstum und Lebenskraft wirkt. Dazu gehörte schon etwas in jener Zeit. «Die Phantasie als Grundprinzip des Weltprozesses», als weltschöpferische Macht, ist schon eine bedeutsame Schrift.
[ 37 ] Then again, one of the works of German philosophy that made a great impression on me is Jakob Frohschammer’s essay: “Imagination as the Fundamental Principle of the World Process,” a brilliant work from the late nineteenth century. It is insightful because this courageous man—who was excommunicated by the Church and whose writings were placed on the Index—was also bold in the face of science, uncovering the connection between what the imagination creates purely in the soul when a person engages in artistic creation, and that which acts inwardly as growth and life force. That was quite something in those days. “The Imagination as the Fundamental Principle of the World Process,” as a world-creating power, is indeed a significant work.
[ 38 ] So interessierte mich wiederum dieser Jakob Frohschammer sehr. Ich suchte ihm beizukommen, eben auch real, nicht bloß durch seine Schriften. Wiederum fand ich: Der inspirierende Geist ist derselbe, der in Tycho de Brahe, in Julian Apostata gelebt hat.
[ 38 ] So I became very interested in this Jakob Frohschammer once again. I sought to get to know him—in real life, not just through his writings. Once again, I found that the inspiring spirit was the same one that lived in Tycho Brahe and Julian the Apostate.
[ 39 ] So gibt es eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, bei denen man sehen kann, wie etwas vorbereitend wirkte für dasjenige, was dann Anthroposophie geworden ist. Aber man braucht überall dahinter das spirituelle Licht, das im Übersinnlichen wirkt. Denn was vorher auf die Erde davon heruntergekommen ist, das sind eben doch Abstraktionen geblieben. Nur konkretisieren sie sich zuweilen bei solch einem Geiste wie Schelling oder bei einem so mutvollen Menschen wie Jakob Frohschammer.
[ 39 ] There is, in fact, a whole series of figures in whom one can see how certain influences laid the groundwork for what later became anthroposophy. But behind all of this, one must recognize the spiritual light that works in the supersensible realm. For what had previously descended to Earth remained, after all, mere abstractions. Only do they sometimes take on concrete form in a mind such as Schelling’s or in a person as courageous as Jakob Frohschammer.
[ 40 ] Und sehen Sie, wenn wir heute hinaufschauen zu dem, was da eigentlich wirkt im Übersinnlichen, und wissen, wie Anthroposophie zu dem steht, und wenn wir die Forschung ausdehnen auch in bezug auf die Geschichte in das ganz Konkrete hinein, in das konkrete Geistesleben hinein, dann dient uns wohl auch dieses ganz vorzüglich: Da auf der Erde sind ehrlich zur Anthroposophie strebend eine Anzahl von Seelen, welche den Michael-Strömungen immer nahegestanden haben; da sind in der übersinnlichen Welt eine Anzahl von Seelen, namentlich die Lehrer von Chartres, die zurückgeblieben sind. Zwischen denen, die hier in der sinnlichen Welt sind, und denen, die oben sind in der geistigen Welt, besteht die entschiedenste Tendenz, ihre Wirksamkeiten miteinander zu vereinen.
[ 40 ] And you see, when we look up today at what is actually at work in the supersensible realm, and understand anthroposophy’s stance on this, and when we extend our research—including in relation to history—into the very concrete, into concrete spiritual life, then this, too, serves us most excellently: Here on Earth, there are a number of souls who, in their sincere striving toward anthroposophy, have always been close to the Michael currents; and in the supersensible world, there are a number of souls—namely, the teachers of Chartres—who have remained behind. Between those who are here in the physical world and those who are above in the spiritual world, there is the most decisive tendency to unite their influences.
[ 41 ] Und sehen Sie, will man nun für das, was man erforschen soll für die Zukunft des zwanzigsten Jahrhunderts, einen bedeutsamen Helfer haben, sozusagen jemanden, der einem raten kann in bezug auf die übersinnliche Welt, wenn man Impulse braucht, die da drinnen sind, dann ist es die Individualität des Julian ApostataTycho de Brahe. Sie ist heute nicht auf dem physischen Plan, aber sie ist eigentlich immer da und gibt immer Auskunft über diejenigen Dinge, die sich namentlich auf das Prophetische in bezug auf das zwanzigste Jahrhundert beziehen.
[ 41 ] And you see, if one wishes to have a significant helper for what one is to explore regarding the future of the twentieth century—someone, so to speak, who can advise one regarding the supersensible world when one needs the impulses that lie within it—then it is the individuality of Julian Apostata Tycho de Brahe. It is not on the physical plane today, but it is actually always there and always provides information about those things that relate specifically to the prophetic aspects of the twentieth century.
[ 42 ] Und all das zusammennehmend, stellt sich doch heraus: Diejenigen Menschen, die heute in ehrlicher Weise die Anthroposophie aufnehmen, sie bereiten ihre Seele dazu vor, mit möglichster Abkürzung des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts wiederum zu erscheinen und dann auch vereint zu sein mit jenen Lehrern von Chartres, die zurückgeblieben sind.
[ 42 ] And taking all of this into account, it turns out that: Those who today sincerely embrace anthroposophy are preparing their souls to reappear at the end of the twentieth century, having taken the shortest possible path through the life between death and rebirth, and to be united with those teachers from Chartres who have remained behind.
[ 43 ] Und das ist etwas, meine lieben Freunde, was wir aufnehmen sollten in unsere Seelen: dieses Bewußtsein, daß die anthroposophische Bewegung in ihrem Wesentlichsten dazu berufen ist, weiter zu wirken, — und nicht nur in ihren bedeutsamsten, sondern fast in allen ihren Seelen wieder zu erscheinen mit dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, wo der große Anstoß für das geistige, für das spirituelle Leben auf Erden gegeben werden soll, weil sonst endgültig die Erdenzivilisation in ihre Dekadenz hineinzieht, deren Eigenschaften sie ja heute so stark zeigt.
[ 43 ] And this, my dear friends, is something we should take to heart: this awareness that the anthroposophical movement, in its very essence, is called upon to continue its work, — and to reappear not only in its most significant souls, but in almost all of them, at the end of the twentieth century, when the great impetus for spiritual life on Earth is to be given; for otherwise, earthly civilization will definitively slide into the decadence whose characteristics it so strongly exhibits today.
[ 44 ] Das ist es, was ich gerne möchte: aus solchen Untergründen heraus in Ihren Herzen, meine lieben Freunde, etwas von den Flammen anzünden, die wir brauchen, um das geistige Leben so stark schon jetzt innerhalb der anthroposophischen Bewegung zu machen, daß wir in der rechten Weise vorbereitet erscheinen, wenn jene große Epoche, mit der wir wieder wirken werden auf Erden nach abgekürztem übersinnlichem Leben, wenn jene große Epoche erscheint, bei der für die Rettung der Erde geradezu in ihren wichtigsten Gliedern auf dasjenige gerechnet wird, was Anthroposophen vermögen.
[ 44 ] This is what I would like to do: to kindle, from such depths within your hearts, my dear friends, some of the flames we need to make spiritual life within the anthroposophical movement so strong even now that we may appear properly prepared, when that great epoch arrives—in which we will once again be active on Earth after a brief supersensible existence—when that great epoch dawns, in which, for the salvation of the Earth, especially in its most vital aspects, people will be counting on what anthroposophists are capable of.
[ 45 ] Ich denke, schon der Hinblick auf diese Perspektive der Zukunft kann Anthroposophen begeistern, kann Anthroposophen dazu bringen, in sich die Gefühle hervorzurufen, welche sie in rechter, energischer, tatkräftiger, mit Enthusiasmus gezierter Weise durch das gegenwärtige Erdenleben tragen, damit das eine Vorbereitung sein kann für dasjenige am Ende des Jahrhunderts, wo eben Anthroposophie zu dem Angedeuteten berufen sein soll.
[ 45 ] I believe that even the mere prospect of this future can inspire anthroposophists, can prompt them to awaken within themselves the feelings that will carry them through their present earthly life in a proper, energetic, dynamic, and enthusiastic manner through their present earthly life, so that this may serve as a preparation for what lies at the end of the century, when anthroposophy is to be called upon to fulfill the mission indicated.
