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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume IV
GA 238

18 September 1924, Dornach

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Den heutigen und den morgigen Vortrag möchte ich so gestalten, daß sich daraus einige Richtlinien ergeben können, um die Wirkung des Karma auf der einen Seite, aber auch die Bedeutung von Erkenntnissen, die sich auf das Karma von Menschen beziehen, für die allgemeine Entwickelungsgeschichte namentlich des geistigen Lebens, etwas zu beleuchten. Wir können Karma in seiner Wirksamkeit nicht verstehen, wenn wir nur auf die aufeinanderfolgenden Erdenleben irgendeiner Individualität hinblicken. Es ist ja so, daß man gewiß innerhalb des Erdenlebens, wo einem in starker Beleuchtung die irdische Laufbahn dieses oder jenes Menschen oder seine eigene entgegentritt, sich vor allen Dingen tief interessiert für die Frage: Wie reichen die Ergebnisse vorangegangener Erdenleben in spätere hinüber? — Aber erklärlich würde diese Wirkungsweise niemals werden, wenn man bei den Erdenleben stehenbleiben müßte, denn der Mensch verlebt ja zwischen den Erdenleben das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Und in diesem Leben zwischen Tod und neuer Geburt wird ja das eigentliche Karma ausgearbeitet aus dem, was in einem Erdenleben sich ereignet im Zusammenhange mit anderen Menschenseelen, die entkörpert sind, die karmisch mit ihnen verbunden sind, die auch in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind, und im Zusammenhange mit Geistern der höheren Hierarchien, auch wohl mit Geistern niederer Hierarchien. Und dieses Karma in seiner Ausarbeitung wird nur verständlich, wenn man zu dem außerirdischen Sternenwesen hinschauen kann, das ja in der Art, wie es dem physischen Auge erscheint, nur seine Außenseite zeigt.

[ 1 ] I would like to structure today’s and tomorrow’s lectures in such a way that they may provide some guidelines for shedding light, on the one hand, on the effects of karma and, on the other, on the significance of insights relating to human karma for the general history of development—particularly that of spiritual life. We cannot understand the workings of karma if we look only at the successive earthly lives of any given individual. It is certainly the case that within an earthly life—where one is confronted, in stark relief, with the earthly path of this or that person, or one’s own—one is, above all, deeply interested in the question: How do the results of previous earthly lives carry over into later ones? — But this mode of operation would never become clear if one were limited to earthly lives alone, for between earthly lives, a person experiences the life between death and rebirth. And in this life between death and rebirth, the actual karma is worked out from what occurs in an earthly life in connection with other human souls who are disembodied, who are karmically linked to them, who are also in the life between death and rebirth, and in connection with spirits of the higher hierarchies, as well as with spirits of the lower hierarchies. And this karma, as it is worked out, becomes understandable only when one is able to look toward the extraterrestrial star being, which, as it appears to the physical eye, reveals only its outer aspect.

[ 2 ] Man muß immer wieder sagen: Die Physiker würden in hohem Grade erstaunt sein, wenn sie an Orte kommen würden, wo die Sterne sind, die sie durch ihre Teleskope betrachten, die in den Spektroskopen analysiert werden in bezug auf ihre Substanzen, ja ihre Konstitution. Erstaunt wären diese Physiker, wenn sie hinaufkämen an die Orte, wo diese Sterne sind, die sie durch ihre Teleskope betrachten, und nun sehen würden, daß sie gar nicht das da antreffen, was sie erwarten! Das, was ein Stern der Beobachtung der Erde zeigt, ist ja eigentlich nur ein für sein eigenes Dasein ziemlich wesenloses Nach-außen-Scheinen; während dasjenige, was der Stern enthält, geistiger Art ist, oder wenn es physischer Art ist, sich als Rest, möchte man sagen, eines Geistigen zeigt.

[ 2 ] One must say time and again: Physicists would be greatly astonished if they were to go to the places where the stars they observe through their telescopes are located—stars whose substances, indeed their very constitution, are analyzed in spectroscopes. These physicists would be astonished if they were to ascend to the places where these stars are—the ones they observe through their telescopes—and then see that what they find there is not at all what they expect! What a star reveals when observed from Earth is, in fact, merely an outward radiance that is quite insignificant in relation to its own existence; whereas what the star contains is of a spiritual nature, or, if it is of a physical nature, it appears, one might say, as a remnant of something spiritual.

[ 3 ] Sie können sich, meine lieben Freunde, am besten in der folgenden Art klarmachen, was da vorliegt. Bedenken Sie einmal, irgendein Bewohner eines anderen Sternes würde in ähnlicher Weise die Erde beobachten, wie bei uns Astronomen und Astrophysiker andere Sterne beobachten: er würde eine Scheibe beschreiben, die in das Weltenall hinausglimmt, leuchtet, bei der er vielleicht dunkle und helle Flecken finden würde, die er irgendwie deuten würde. Wahrscheinlich würde die Deutung mit dem nicht stimmen, was wir Erdenbewohner unter uns wissen. Vielleicht, wenn der Vesuv Feuer speit und man das beobachten könnte, würde er davon reden, daß da von außen Kometen anfliegen und dergleichen. Jedenfalls würde dasjenige, was ein solcher Astronom beschreiben würde, recht wenig zu tun haben mit dem, was Wesenhaftes eigentlich unsere Erde bildet.

[ 3 ] My dear friends, the best way to understand what is happening here is as follows. Just imagine that an inhabitant of another star were to observe Earth in much the same way that we astronomers and astrophysicists observe other stars: he would describe a disk glowing and shining out into the cosmos, on which he might find dark and bright spots that he would interpret in some way. His interpretation would likely not match what we Earthlings know among ourselves. Perhaps, if Vesuvius were spewing fire and he could observe it, he would speak of comets approaching from outside and the like. In any case, what such an astronomer would describe would have very little to do with what actually constitutes the essence of our Earth.

[ 4 ] Und was bildet denn Wesenhaftes unsere Erde? Denken Sie nur einmal: Unsere Erde ist aus demjenigen hervorgegangen, was ich in meiner «Geheimwissenschaft» als Saturndasein geschildert habe. Da gab es noch keine Luft, keine Gase, keine Flüssigkeit, keine festen Erdenbestandteile, da gab es nur Wärmedifferenzierungen. Und in dieser Wärmedifferenzierung war alles keimhaft darinnen, was später mineralisches, pflanzliches, tierisches Reich geworden ist, auch menschliches Reich. Wir Menschen waren auch noch in diesem Saturn drinnen, in dieser Wärme.

[ 4 ] And what, then, constitutes the essential nature of our Earth? Just think about it: Our Earth emerged from what I described in my Occult Science as the Saturn state. At that time, there was no air, no gases, no liquids, and no solid components of the Earth; there were only thermal differentiations. And within this differentiation of heat lay the embryonic potential for everything that later became the mineral, plant, and animal kingdoms—as well as the human kingdom. We humans were also still present within this Saturn, within this heat.

[ 5 ] Dann hat sich das weiterentwickelt: Die Luft wurde abgesetzt aus der Wärme heraus, Wasser wurde abgesetzt, das Feste wurde abgesetzt; es sind lauter Reste, die abgesetzt wurden, die da von den Menschen herausgeworfen wurden, um ihre Bildung zu erreichen. Alles, was mineralisch Festes ist, gehört ja zu uns, ist ja nur zurückgebliebener Rest, ebenso das Wässerige, ebenso das Luftförmige. So daß das Wesentliche auf unserer Erde nicht dasjenige ist, was in den Reichen der Natur da ist, auch nicht dasjenige, was wir in den Knochen und in den Muskeln tragen, denn diese sind wieder zusammengesetzt aus dem, was also abgeschieden ist und was wir wieder hereingenommen haben; sondern das Wesentliche sind unsere Seelen. Und das andere ist im Grunde genommen alles mehr oder weniger Schein oder Restprodukt und dergleichen.

[ 5 ] Then this process continued: Air was separated from heat, water was separated, and solids were separated; these are all remnants that were separated—things that humans cast aside in order to achieve their own development. Everything that is a mineral solid belongs to us, after all; it is merely a residue left behind, just as the watery and the airy are. So the essential on our Earth is not what exists in the realms of nature, nor is it what we carry in our bones and muscles—for these, in turn, are composed of what has been separated and what we have taken back in—but rather, the essential is our souls. And the rest is, in essence, more or less an illusion or a byproduct and the like.

[ 6 ] Wahrhaftig würde man die Erde nur dann beschreiben, wenn man sie als die Kolonie der Menschenseelen im Weltenraum beschriebe. Und so sind alle Sterne Kolonien von Geistwesen im Weltenraum, Kolonien, die man kennenlernen kann. Unsere eigene Seele, indem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, bewegt sich durch diese Sternenkolonien hindurch, macht ihren weiteren Weg der Entwickelung durch bis zu einer neuen Geburt in Gemeinschaft mit jenen Seelen, die dort schon sind als Menschenseelen, in Gemeinschaft mit den Wesen der höheren Hierarchien oder auch niederer Hierarchien, und kommt dann, entsprechend dem, wie Karma ausgearbeitet ist, wie der Mensch reif geworden ist, wiederum zurück, um einen Erdenleib anzunehmen. So daß wir also, wenn wir Karma verstehen wollen, wiederum zu einer Sternenweisheit, zu einem spirituellen Untersuchen des Menschenweges zwischen Tod und neuer Geburt in Verbindung mit den Sternenwesen kommen müssen.

[ 6 ] Truly, one could only describe the Earth by describing it as a colony of human souls in outer space. And so all the stars are colonies of spiritual beings in outer space—colonies that one can come to know. Our own soul, having passed through the gate of death, moves through these stellar colonies, continuing its path of development until a new birth—in communion with those souls who are already there as human souls, in communion with the beings of the higher hierarchies or even the lower hierarchies— and then, depending on how karma has been worked out and how the human being has matured, returns once more to take on an earthly body. Thus, if we wish to understand karma, we must turn once again to stellar wisdom—to a spiritual investigation of the human journey between death and rebirth in connection with the stellar beings.

[ 7 ] Nun gibt es aber gerade bis in den Anbruch der Michael-Herrschaft herein für die Menschen der neueren Zeit große Schwierigkeiten, an eine wirkliche Sternenweisheit heranzukommen. Und indem die Anthroposophie dennoch herankommen mußte an diese Sternenweisheit, weiß sie dankbar zu sein dem Umstande, daß eben die Michael-Herrschaft mit dem letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts über das Geschehen der Erdenmenschheit hereingebrochen ist. Und unter den mancherlei Dingen, die der MichaelHerrschaft zu verdanken sind, ist eben dieses, daß wir wieder einen ungehinderten Zugang zu der Untersuchung desjenigen gewonnen haben, was in den Welten der Sterne untersucht werden muß, damit wir das Karma, die Karmabildung im Menschheitlichen verstehen können.

[ 7 ] However, right up until the dawn of the Michael Kingdom, people of the modern era face great difficulties in gaining access to true stellar wisdom. And since anthroposophy nevertheless had to gain access to this stellar wisdom, it is grateful for the fact that the Michael Kingdom broke in upon the events of humanity on Earth during the last third of the nineteenth century. And among the many things to which we owe a debt of gratitude to the Michael Era is precisely this: that we have once again gained unhindered access to the study of what must be investigated in the worlds of the stars, so that we may understand karma and the formation of karma within humanity.

[ 8 ] Ich möchte Ihnen das an einem Beispiel heute zeigen, um Sie langsam in die außerordentlich schwierigen Fragen hereinzuführen, die sich an die Untersuchung über Karma knüpfen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel vorführen, an dem Sie gewissermaßen illustrativ ersehen können, was alles zu geschehen hat, bevor man in einer solchen Weise über das Karmawirken sprechen kann, wie das jetzt in diesem Vortrage geschieht. Denn, nicht wahr, man weiß doch: Wenn von dem Inhalt dieser Vorträge irgendwie in der Öffentlichkeit, in der gewöhnlichen populären Öffentlichkeit heute gesprochen würde, so würde man ja das, was ganz exakte Forschung ist, für eine Torheit, für eine Narrheit ansehen. Aber es ist das eben ganz exakte Forschung, und Sie müssen schon bekannt werden mit all den Verantwortlichkeiten, deren man sich bei einer solchen Forschung bewußt wird, müssen bekannt werden mit all demjenigen, was einer solchen Forschung entgegensteht, welche, sozusagen, «Dornenhecken» man zu passieren hat bei einer solchen Forschung. Denn es ist notwendig, daß eine Anzahl von Menschen sie wissen können mit all jenen karmischen Eigentümlichkeiten der Michael-Zusammengehörigkeit, von der ich gesprochen habe; wissen eben, daß es sich bei diesen Dingen um ernste geistige Forschung handelt und nicht um dasjenige, was heute der Unkundige, der außerhalb der anthroposophischen Bewegung steht, über solche Dinge denkt.

[ 8 ] I would like to demonstrate this to you today using an example, in order to gradually introduce you to the extraordinarily difficult questions associated with the study of karma. I would like to present an example that will allow you, so to speak, to see clearly what must all take place before one can speak about the workings of karma in the way that is being done in this lecture. After all, don’t you know that if the content of these lectures were to be discussed in any way in public—in today’s ordinary, popular public sphere—what is in fact very precise research would be regarded as folly, as nonsense. But this is, in fact, very precise research, and you must become acquainted with all the responsibilities one becomes aware of in such research; you must become acquainted with all that stands in the way of such research—the “thorn hedges,” so to speak, that one must pass through in such research. For it is necessary that a number of people be able to understand, with all those karmic characteristics of the Michaelic community of which I have spoken, that these matters involve serious spiritual research and not what the uninformed person, who stands outside the anthroposophical movement, thinks about such things today.

[ 9 ] Die meisten von Ihnen, meine lieben Freunde — ich habe ja die Tatsache zum Teil schon erwähnt —, werden sich einer Gestalt erinnern, die in meinen Mysterien immer und immer wiederum auftritt: der Gestalt des Strader.

[ 9 ] Most of you, my dear friends—as I have already mentioned in part—will recall a figure who appears again and again in my Mysteries: the figure of Strader.

[ 10 ] Diese Gestalt des Strader ist, insofern das bei einer Dichtung der Fall sein kann, in einem gewissen Sinne nach dem Leben gezeichnet. Ich habe das schon vor einigen von Ihnen hier erwähnt. Und die Persönlichkeit des Strader hat eine Art von Vorbild gehabt, das die Entwickelung des letzten Drittels des neunzehnten Jahrhunderts miterlebt hat und in gewissem Sinne zu einer Art von rationalistischem Christentum gekommen ist. Eine Persönlichkeit, welche nach einer außerordentlich schwierigen Jugend — bei der Darstellung des Strader schimmert so etwas davon durch — Kapuziner geworden ist, aber es innerhalb der Kirche nicht aushalten konnte und den Weg dann fand zum Professorenamt.

[ 10 ] This character, Strader, is—insofar as that is possible in a work of fiction—in a certain sense drawn from life. I have already mentioned this to some of you here. And the character of Strader was modeled on a real person who lived through the developments of the last third of the nineteenth century and, in a certain sense, arrived at a form of rationalist Christianity. A figure who, after an extraordinarily difficult youth—a hint of which shines through in the portrayal of Strader—became a Capuchin friar, but could not endure life within the Church and subsequently found his way to a professorship.

[ 11 ] Diese Persönlichkeit war dann, als sie aus der Theologie hinein in die Philosophie getrieben worden war, begeisterter Schilderer von Lessings freigeistiger Religion geworden. Die Persönlichkeit war dann so, daß sie in eine Art innerlichen Konfliktes gekommen ist mit dem offiziellen Christentum, und aus der Vernunft heraus eine Art rationalistisches Christentum begründen wollte, ziemlich bewußt. Und die Seelenkämpfe, die man bei Strader in meinen Mysteriendramen findet, spielten sich schon mit einer gewissen Variante bei dieser Persönlichkeit im Leben ab.

[ 11 ] This figure, having been driven from theology into philosophy, had become an enthusiastic advocate of Lessing’s free-thinking religion. This individual was such that he had entered into a kind of inner conflict with official Christianity and, quite consciously, sought to establish a kind of rationalistic Christianity based on reason. And the inner struggles that one finds in Strader in my Mystery Dramas had already played out, with certain variations, in this individual’s life.

[ 12 ] Nun wissen Sie ja, daß in meinem letzten Mysteriendrama die Persönlichkeit des Strader stirbt. Und wenn ich selber zurückblicke auf die Art und Weise, wie sich mir Straders Persönlichkeit in das Ganze meiner Mysteriendramen hineinverwoben hat, dann muß ich sagen: Trotzdem ja gar kein äußerliches Hindernis gewesen wäre, auch den Strader noch weiterleben zu lassen, wie die anderen weiter leben, — er stirbt aus einer inneren Notwendigkeit heraus! So daß es sogar möglich ist, den Tod Straders als eine Überraschung im Mysteriendrama zu sehen. Es stirbt Strader in einem gewissen Momente: Ich hatte das Gefühl, ich könnte den Strader nicht weiter behandeln in den Mysteriendramen.

[ 12 ] Now, as you know, the character of Strader dies in my latest Mystery Drama. And when I myself look back on the way Strader’s character has been woven into the fabric of my Mystery Dramas as a whole, I must say: Even though there would have been no external obstacle whatsoever to letting Strader live on, just as the others continue to live—he dies out of an inner necessity! So it is even possible to view Strader’s death as a surprise in the Mystery Drama. Strader dies at a certain moment: I had the feeling that I could no longer deal with the character of Strader in the Mystery Dramas.

[ 13 ] Warum das? Ja, sehen Sie, meine lieben Freunde, mittlerweile ist, wenn ich es so nennen darf, das Original gestorben. Und Sie können sich denken, wie tief dieses Original mich interessiert hat in seinem Entwickelungsgange, da ich gerade die Gestalt des Strader entworfen hatte. Dieses Original interessiert mich weiter, auch nachdem es durch die Pforte des Todes gegangen war.

[ 13 ] Why is that? Well, you see, my dear friends, in the meantime—if I may put it that way—the original has died. And you can imagine how deeply I was interested in this original being’s course of development, since I had just created the character of Strader. I remain interested in this original being, even after it has passed through the gates of death.

[ 14 ] Aber nun besteht da eine gewisse Eigentümlichkeit. Wenn wir gerade veranlaßt sind, mit dem schauenden Auge eine Persönlichkeit zu verfolgen in der Zeit, die auf den Tod folgt, die ein Drittel ungefähr des physischen Erdenlebens dauert — das Erdenleben wird ja im rückwärtigen Gang in einer gewissen Weise wiederholt, aber mit dreifacher Schnelligkeit —, was erlebt denn der Mensch eigentlich da in den Jahrzehnten, die unmittelbar an das Erdenleben angrenzen?

[ 14 ] But now there is a certain peculiarity here. When we are led to follow, with the eye of the beholder, a personality through the time that follows death—a period lasting approximately one-third of one’s physical earthly life (for earthly life is, in a sense, repeated in reverse, but at three times the speed)—what does a person actually experience during those decades that immediately follow earthly life?

[ 15 ] Wenn Sie sich ein Menschenleben hier auf Erden vorstellen, so zerfällt es in Tage und Nächte, Wachzustände, Schlafzustände. In den Schlafzuständen sind immer schon bildhaft Reminiszenzen an das Tagesleben. Wenn man so zurückblickt auf das Leben, erinnert man sich gewöhnlich ja nur der Tageszustände, der Wachzustände, man gibt gar nicht acht; denn man müßte eigentlich die Erinnetungen so gestalten: Da erinnere ich mich vom Morgen bis zum Abend, jetzt bricht’s ab, vom Morgen bis zum Abend — bricht wieder ab, vom Morgen bis zum Abend — bricht wieder ab.

[ 15 ] If you imagine a human life here on Earth, it breaks down into days and nights, waking states, and sleeping states. During the sleeping states, there are always vivid recollections of daily life. When one looks back on life in this way, one usually remembers only the daytime states, the waking states; one doesn’t pay any attention to them at all—for one would actually have to structure the memories like this: I remember from morning to evening, now it breaks off, from morning to evening—breaks off again, from morning to evening—breaks off again.

[ 16 ] Aber weil da in der Nacht nichts drinnen ist in der Erinnerung, ziehen wir die Linie einfach glattweg durch und fälschen unsere Erinnerungen, indem wir nur die Tage aneinandersetzen. Aber nach dem Tode müssen wir dasjenige in starker Realität durchleben, was in den Nächten, während des dritten Teils des Lebens ungefähr, vorhanden war, und zwar rückwärts durchleben. Und da ist das Eigentümliche eben: Man hat ja ein gewisses Seinsgefühl, möchte ich sagen, ein Wirklichkeitsgefühl von dem, was einem auf Erden entgegentritt. Würde man dieses Wirklichkeitsgefühl nicht haben, so würde man ja alles, was einem bei Tag begegnet, auch für Träume halten können. Man hat also ein gewisses Wirklichkeitsgefühl. Man weiß, die Dinge sind wirklich, sie stoßen einen, wenn man an sie anstößt, sie senden einem Licht zu, senden Töne zu. Kurz, es gibt vieles, was veranlaßt, daß wir ein Wirklichkeitsgefühl haben hier während unseres Erdenlebens zwischen Geburt und Tod.

[ 16 ] But because there is nothing in our memory from that night, we simply draw a straight line through it and falsify our memories by stringing the days together. But after death, we must relive—in stark reality—what existed during the nights, roughly during the third part of life, and we must relive it in reverse. And that is precisely what is peculiar: One has, so to speak, a certain sense of being—I would say, a sense of reality—regarding what one encounters on earth. If one did not have this sense of reality, one could indeed regard everything one encounters during the day as dreams. So one does have a certain sense of reality. One knows that things are real; they push back when one bumps into them; they send light and sounds our way. In short, there are many things that give rise to our sense of reality here during our earthly life between birth and death.

[ 17 ] Aber wenn man all das nimmt, was wir hier als Wirklichkeitsgefühl haben, wenn Sie, meine lieben Freunde, all das nehmen, was Sie als Wirklichkeit der Menschen bezeichnen, denen Sie hier begegnen, so ist alles das in seiner Intensität wie Traumwirklichkeit gegenüber der ungeheuer intensiven Wirklichkeit, die man in diesen Jahrzehnten unmittelbar nach dem Tode erlebt und die der Betrachter miterlebt. All das erscheint einem viel realer, das Erdenleben erscheint einem so, als ob es ein Traum wäre, es ist, als ob eigentlich die Seele jetzt erst aufwachte in bezug auf die Intensität des Lebens. Das ist das Eigentümliche.

[ 17 ] But if you take everything we experience here as a sense of reality—if you, my dear friends, take everything you describe as the reality of the people you encounter here—then all of that, in terms of its intensity, is like the reality of a dream compared to the immensely intense reality one experiences in the decades immediately following death, and which the observer witnesses firsthand. All of that seems much more real; earthly life seems as if it were a dream—it is as if the soul were only now awakening to the true intensity of life. That is what is so peculiar about it.

[ 18 ] Und als ich dieses Vorbild des Strader verfolgte, nahm mich natürlich das Wirkliche, die wirkliche Individualität, die da lebte nach dem Tode, viel mehr in Anspruch als die Erinnerung an das Erdenleben, das ja gegen das, was da im Tode auftritt, wie im Traum erscheint. So daß ich gegenüber den starken Eindrücken des Toten nicht mehr das Interesse für den Lebenden hätte entwickeln können, um es zu beschreiben.

[ 18 ] And as I followed this example set by Strader, the reality—the true individuality that lived on after death—naturally captivated me far more than the memory of earthly life, which, compared to what appears in death, seems like a dream. As a result, in the face of the powerful impressions left by the deceased, I could no longer have mustered the interest in the living necessary to describe them.

[ 19 ] Ich kann also hier aus der eigenen Erfahrung heraus sprechen, wie wenig intensiv das Erdenleben ist gegenüber dem Leben, das einem da entgegentritt, wenn man den Menschen verfolgt nach dem Tode, und das intensivstes Leben ist. Und wenn man nun, gerade da, wo durch das angefachte Erdeninteresse dieses besondere Interesse erregt ist für das Leben nach dem Tode, aufmerksam zu verfolgen versucht, wie das nun weitergeht, dann merkt man die sich entgegensetzenden Schwierigkeiten. Denn wenn man ganz tichtig beobachtet, eindringlich beobachtet, so sieht man, wie in diesem Rückwärtsleben nach dem Tode, das ungefähr ein Drittel der Lebenszeit in Anspruch nimmt, sich bereits zeigt, daß der Tote an seine Karmabildung vorbereitend heranwill. Er sieht ja alles dasjenige, was er durchgemacht hat während des Lebens, bei diesem umgekehrten, bei diesem Zurück-Erleben. Wenn er einen Menschen beleidigt hat, erlebt er das wiederum. Sterbe ich als Dreiundsiebzigjähriger und habe in meinem sechzigsten Lebensjahr jemand beleidigt, so erlebe ich das im Rückwärtswandern wieder; aber ich erlebe es so, daß ich nicht die Gefühle erlebe, die ich beim Beleidigen gehabt habe, sondern die Gefühle, die der andere über mein Beleidigen gehabt hat. Ich lebe mich ganz in den anderen hinüber. Und so lebe ich eigentlich mit meinen eigenen Erlebnissen in denjenigen Menschen, die von diesen Erlebnissen berührt worden sind im guten oder bösen Sinn. Und da bereitet sich dann bei einem selber die Tendenz vor, den karmischen Ausgleich zu schaffen.

[ 19 ] So I can speak here from my own experience about how little intensity there is in earthly life compared to the life that one encounters when following a person after death—which is the most intense life of all. And if, precisely at the point where this particular interest in life after death is aroused by heightened earthly interest, one tries to follow attentively how things proceed from there, then one becomes aware of the conflicting difficulties. For if one observes very closely, intently, one sees how in this backward journey after death—which takes up about one-third of one’s lifetime—it already becomes apparent that the deceased is preparing to shape their karma. They see everything they went through during their life in this reversed, this re-experiencing of the past. If they have offended someone, they experience that all over again. If I die at the age of seventy-three and, in my sixtieth year, offended someone, I experience that again during this journey backward; but I experience it in such a way that I do not feel the emotions I had when I offended them, but rather the emotions the other person felt as a result of my offense. I fully immerse myself in the other person. And so, in a sense, I live through my own experiences within those people who have been affected by these experiences—for better or for worse. And this is where the tendency to bring about karmic balance begins to take shape within oneself.

[ 20 ] Nun war das Interesse, das ich an diesem irdischen Vorbilde des Strader hatte, das mir jetzt als eine übersinnliche Individualität gegenübertrat, namentlich dadurch angefacht, daß dieses Vorbild wirklich in einer eindringlich scharfsinnig rationalistischen Weise das Christentum erfassen wollte. Man bewundert dabei den Denker; aber man merkt überall bei dieser rationalistischen Darstellung des Christentums in den Büchern jenes Menschen, die er auf Erden geschrieben hat, wie der Faden des Rationalismus, der Faden der Begriffe abreißt, wie im Grunde doch etwas furchtbar Abstraktes dabei herauskommt, wie der Betreffende nicht hineinkommen kann in ein spirituelles Erfassen des Christentums, wie er mit philosophischen Begriffen eine Art Begriffsreligion sich zusammenzimmert und so weiter. Kurz, die ganze Schwäche des Intellektualismus moderner Zeit tritt bei dieser Persönlichkeit auf.

[ 20 ] Now, the interest I had in this earthly model of Strader—who now stood before me as a supernatural individuality—was particularly fueled by the fact that this model truly sought to grasp Christianity in a penetrating, incisive, and rationalistic way. One admires the thinker in this regard; but throughout this rationalistic presentation of Christianity in the books that man wrote on earth, one notices how the thread of rationalism the thread of concepts snaps, how, at the end of the day, something terribly abstract emerges, how the person in question cannot enter into a spiritual understanding of Christianity, how he cobbles together a sort of “religion of concepts” using philosophical terms, and so on. In short, the entire weakness of modern intellectualism is evident in this personality.

[ 21 ] Das wiederum zeigt sich in einer merkwürdigen Weise beim Verfolgen seines Lebensweges nach dem Tode zurück. Man findet bei Menschen, bei denen nicht solche Schwierigkeiten auftreten, daß sie sich nun allmählich hineinleben in die Sphäre des Mondes. Das ist die erste Station. Und wenn wir als Tote in die Mondenregion kommen, finden wir ja dort alle diejenigen, ich möchte sagen, «Registratoren» unseres Schicksals, welche einmal die weisen. Lehrer der Menschen in Urzeiten waren, von denen man oft hier gesprochen hat und die, als der Mond physisch sich von der Erde getrennt hat und aus einem Erdeninhalte ein eigener Weltkörper geworden ist, dann diesem Monde gefolgt sind. So daß wir heute, wenn wir die Mondenregion als Tote passieren, zunächst die großen Urlehrer der Menschheit antreffen, die nicht im physischen Leibe da waren, die aber die Urweisheit begründet haben, von der nur ein Abglanz vorhanden ist in demjenigen, was literarisch überliefert ist. Wir finden uns, wenn eben keine Hemmnisse eintreten, sozusagen ungehindert auf dem Wege in diese Mondenregion hinein.

[ 21 ] This, in turn, becomes evident in a remarkable way when we trace the course of one’s life after death. In people who do not encounter such difficulties, we find that they gradually settle into the sphere of the Moon. That is the first stage. And when we enter the lunar region as the dead, we find there all those—I would call them the “recorders” of our destiny—who were once the wise teachers of humanity in primeval times, of whom we have often spoken here, and who, when the Moon physically separated from the Earth and became a celestial body of its own from the Earth’s substance, followed the Moon. So that today, when we pass through the lunar region as the dead, we first encounter the great primordial teachers of humanity, who were not present in physical bodies but who laid the foundation for primordial wisdom, of which only a faint reflection remains in what has been handed down in literature. Provided no obstacles arise, we find ourselves, so to speak, moving unhindered along the path into this lunar region.

[ 22 ] Bei der Persönlichkeit, die das Urbild des Strader ist, trat etwas auf, wie wenn sie überhaupt nicht in der Lage wäre, ungehindert dieses unmittelbar auf den Tod folgende seelische Leben gegen die Mondenregion durchzumachen: fortwährend Hindernisse, wie wenn die Mondenregion diese Individualität nicht herankommen lassen wollte.

[ 22 ] The personality who serves as the archetype of Strader seemed to be unable to freely experience this spiritual life immediately following death as it relates to the lunar region: there were constant obstacles, as if the lunar region did not want to allow this individuality to approach it.

[ 23 ] Und wenn man in bildhafter Imagination verfolgte, was da eigentlich war, dann zeigte sich das Folgende: Es war, wie wenn die Geister, also die Urlehrer der Menschheit, die einmal die ursprüngliche spirituelle Wissenschaft der Menschheit gebracht haben, wie wenn diese Urlehrer der Menschheit immer diesem Urbilde des Strader entgegenrufen würden: Du kannst nicht zu uns, denn du darfst deiner besonderen menschlichen Qualität wegen noch nichts wissen von den Sternen; du mußt warten, du mußt Verschiedenes erst dir wiederholen von dem, was du nicht bloß in der letzten, sondern in den früheren Inkarnationen durchgemacht hast, damit du reif wirst, überhaupt irgend etwas wissen zu dürfen von den Sternen und ihrer Wesenheit.

[ 23 ] And when one used vivid imagination to trace what was actually there, the following became apparent: It was as if the spirits—that is, the primordial teachers of humanity who once brought humanity its original spiritual science—were constantly calling out to this primordial image of Strader: “You cannot come to us, for because of your particular human nature, you are not yet permitted to know anything about the stars; you must wait; you must first relive various experiences from what you have gone through not only in your last incarnation but also in earlier ones, so that you may become mature enough to be permitted to know anything at all about the stars and their nature.”

[ 24 ] Und da trat dieses Merkwürdige auf, daß man eine Individualität vor sich hatte, die dem Geistigen der Sternenwelt eigentlich gar nicht entgegenwachsen kann oder schwer entgegenwachsen kann. Sie wird ihr natürlich entgegenwachsen, aber sie kann ihr nur schwer entgegenwachsen. Und so habe ich gerade an dieser Persönlichkeit die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß es bei solchen neueren rationalistisch-intellektualistischen Individualitäten ein Hindernis in der Karma-Ausgestaltung ist, daß sie nicht an die Sterne in ihrer Wesenheit so ungehindert herankommen können. Bei der weiteren Nachforschung ergab sich, daß diese Persönlichkeit eben alle Kraft zu ihrem Rationalismus aus der Zeit geholt hat, die noch dem Anbruche der Michael-Herrschaft voranging. Sie war noch nicht berührt in richtiger Weise von der MichaelHerrschaft.

[ 24 ] And then this curious phenomenon arose: that one was faced with an individuality that, in truth, cannot—or can only with great difficulty—develop in harmony with the spiritual realm of the stars. It will, of course, develop in harmony with it, but it can do so only with great difficulty. And so, with regard to this particular personality, I made the remarkable discovery that for such newer, rationalistic-intellectualistic individuals, an obstacle in the shaping of their karma is that they cannot approach the stars in their essence so freely. Further investigation revealed that this personality had drawn all the strength for her rationalism from the time that preceded the dawn of the Michael Reign. She had not yet been properly touched by the Michael Reign.

[ 25 ] Nun wurde aber ganz stark herausgefordert die weitere Prüfung des Karma dieser Persönlichkeit für die Vergangenheit. Denn ich mußte mir sagen: Da liegt doch etwas vor, was diese Persönlichkeit aus den Ergebnissen vergangener Erdenleben karmisch so präpariert, daß das nicht nur im Erdenleben sich auswirkt, sondern noch hineinstößt in das Leben, das nach dem Tode liegt. Es ist das schon ein recht merkwürdiges Phänomen.

[ 25 ] However, the further examination of this personality’s past karma now posed a very serious challenge. For I had to admit to myself: There is clearly something here that, based on the results of past earthly lives, has karmically shaped this personality in such a way that it not only has an effect during earthly life, but also extends into the life that lies beyond death. This is indeed a rather remarkable phenomenon.

[ 26 ] Da zeigte sich denn, daß das Leben, welches vorangegangen ist diesem Ihnen skizzenhaft beschriebenen Erdenleben, das in der Gestalt des Strader sich spiegelt, das Leben, das diesem Erdenleben in den geistigen Welten vorangegangen ist, ein arges Prüfungsleben war, ein rechtes Prüfungsleben im Übersinnlichen: Wie soll ich’s denn mit dem Christentum halten?

[ 26 ] It then became clear that the life which preceded this earthly life—which I have outlined for you and which is reflected in the form of Strader—the life that preceded this earthly life in the spiritual worlds, was a life of severe trials, a true life of trials in the supersensible realm: How, then, should I relate to Christianity?

[ 27 ] Man möchte sagen, es bereitet sich langsam da im Übersinnlichen etwas vor, was diese Persönlichkeit unsicher macht in bezug auf die Auffassung ihres Christentums im Erdenleben. Auch das schimmert in der Strader-Figur durch: Sie ist in nichts sicher, weist ab in einer gewissen Weise dasjenige, was übersinnlich ist, will es nur mit dem Verstande erfassen, will aber doch etwas sehen. Erinnern Sie sich an die Schilderung des Strader. So ist es schon; so ist diese Persönlichkeit auch im Leben aus ihrem Karma in früherer Zeit herausgewachsen. Und es zeigt sich, daß tatsächlich diese Persönlichkeit beim Durchgange durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, vor diesem Erdenleben am Ende des neunzehnten Jahrhunderts und im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, in sehr stark abgedämpftem Bewußtseinszustande durch das Sternenleben durchgegangen ist, abgedämpft gerade dieses Leben zwischen Tod und neuer Geburt durchläuft. Dadurch trat dann im Leben die Reaktion auf, um so hellere, festere Begriffe zu fassen gegenüber den stumpfen Begriffsbildern, die diese Persönlichkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachte.

[ 27 ] One might say that something is slowly taking shape in the supersensible realm that makes this personality uncertain about her understanding of Christianity in her earthly life. This also shines through in the character of Strader: He is uncertain about everything, rejects the supersensible in a certain way, wants to grasp it only with the intellect, yet still wants to see something. Recall the description of Strader. That is indeed the case; this personality has also grown out of his karma from an earlier time in his life. And it becomes evident that this personality, in fact, during the passage through life between death and a new birth—prior to this earthly life at the end of the nineteenth century and the beginning of the twentieth century—passed through the astral life in a very greatly subdued state of consciousness, experiencing precisely this life between death and a new birth in a subdued manner. As a result, a reaction set in during this life, leading to the formation of clearer, more definite concepts in contrast to the dull mental images this personality had experienced between death and a new birth.

[ 28 ] Wenn man nun hinüberkommt über diese, ich möchte sagen, die Sternenwelten immer wie im Nebel zeigenden Erscheinungen zu dem vorigen Erdenleben dieser Persönlichkeit, da findet man etwas höchst Merkwürdiges. Da wird man zunächst — wenigstens ich wurde es — geführt zu dem «Sängerkrieg auf der Wartburg» 1206, gerade in der Zeit, die ich Ihnen geschildert habe als diejenige, in der die alten Platoniker zum Beispiel der Schule von Chartres hinaufgegangen waren in die geistige Welt, die anderen, die Aristoteliker, noch nicht heruntergekommen waren und wo über das eigentliche fortlaufende Michael-Geschehen eine Art himmlischer Konferenz zwischen beiden, eine Besprechung stattfand. In diese Zeit fällt der Sängerkrieg auf der Wartburg hinein.

[ 28 ] When one now moves beyond these phenomena—which, I might say, always appear as if shrouded in mist—to this personality’s previous earthly life, one discovers something most remarkable. One is first led—at least I was—to the “Singer’s War at Wartburg” in 1206, precisely during the period I have described to you as the one in which the ancient Platonists—for example, those of the School of Chartres—had ascended into the spiritual world, while the others, the Aristotelians, had not yet descended, and where, alongside the actual ongoing Michaelic events, a sort of heavenly conference between the two—a discussion—took place. The Singers’ Contest at Wartburg Castle falls within this period.

[ 29 ] Es ist immer interessant, zu verfolgen: Was ist hier auf Erden, und was ist darüber? Und so haben wir ein Ereignis in dem Sängerkrieg auf der Wartburg, das mit der fortlaufenden Michael-Strömung nicht unmittelbar zusammenhängt.

[ 29 ] It is always interesting to explore: What is here on earth, and what lies beyond? And so we have an event in The Singers' Contest at Wartburg that is not directly related to the ongoing Michaelian movement.

[ 30 ] Nun, wer war im Sängerkrieg auf der Wartburg? Es waren ja bedeutendste deutsche Dichter da vereinigt, die miteinander kämpften durch Gesang. Es ist ja bekannt, worinnen der Sängerkrieg auf der Wartburg bestand, wie da kämpften um den Ruhm von Fürsten und um ihre eigene Geltung Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Reinmar von Zweter, daß aber einer da war, der im Grunde gegen alle anderen war: Heinrich von Ofterdingen. Und in diesem Heinrich von Ofterdingen fand ich die Individualität, die dem Urbilde des Strader zugrunde lag, wieder.

[ 30 ] Well, who took part in the Singers’ Contest at Wartburg Castle? The most prominent German poets were gathered there, competing against one another through song. It is well known what the Singers’ Contest at Wartburg was all about—how Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, and Reinmar von Zweter competed for the glory of their princes and for their own prestige—but there was one who was, in essence, pitted against all the others: Heinrich von Ofterdingen. And in this Heinrich von Ofterdingen, I rediscovered the individuality that lay at the heart of the archetype of Strader.

[ 31 ] Also haben wir es mit dem Heinrich von Ofterdingen zu tun — und wir müssen unsern Blick darauf wenden: Warum hat Heinrich von Ofterdingen, nachdem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, die Schwierigkeit, wie im Dämmerzustand durchzugehen durch die Sternenwelt? Warum?

[ 31 ] So we are dealing with Heinrich von Ofterdingen—and we must turn our attention to this: Why does Heinrich von Ofterdingen, after passing through the gate of death, find it difficult to pass through the world of the stars, as if in a twilight state? Why?

[ 32 ] Da braucht man nur die Geschichte des Sängerkrieges ein wenig zu verfolgen: Heinrich von Ofterdingen nimmt den Kampf auf gegen die andern. Man hat schon den Henker gerufen: er soll gehenkt werden, wenn er verliert. Er entzieht sich der Sache. Aber er tuft, um einen erneuerten Kampf herbeizuführen, aus dem Ungarlande den Zauberer Klingsor. Er bringt den Zauberer Klingsor aus dem Ungarlande ja wirklich nach Eisenach.

[ 32 ] One need only follow the story of Der Sängerkrieg a little: Heinrich von Ofterdingen takes up the fight against the others. The executioner has already been summoned: he is to be hanged if he loses. He withdraws from the contest. But to bring about a renewed contest, he summons the sorcerer Klingsor from Hungary. He actually brings the sorcerer Klingsor from Hungary to Eisenach.

[ 33 ] Nun spielt sich da eine neuere Art Wartburgkrieg ab, bei dem Klingsor mitwirkt. Man sieht aber ganz deutlich: Klingsor, der jetzt eintritt für Heinrich von Ofterdingen, der selber kämpfend, singend auftritt, kämpft nicht allein, sondern er läßt geistige Wesenheiten mitkämpfen. Und um geistige Wesenheiten mitkämpfen zu lassen, läßt er ja zum Beispiel einen Jüngling besessen sein von einer solchen geistigen Wesenheit, läßt den dann statt seiner singen. Und er läßt noch stärkere geistige Kräfte auf der Wartburg auftreten.

[ 33 ] Now a new kind of Wartburg War is unfolding there, in which Klingsor plays a part. But it is quite clear: Klingsor, who now stands up for Heinrich von Ofterdingen—who himself appears fighting and singing—does not fight alone, but enlists spiritual beings to fight alongside him. And in order to have spiritual beings fight alongside him, he, for example, allows a young man to be possessed by such a spiritual being and then has him sing in his place. And he brings even more powerful spiritual forces to the Wartburg.

[ 34 ] All dem, was da von Klingsors Seite kommt, all dem steht gegenüber Wolfram von Eschenbach. Eine Prozedur, die Klingsor ausführt, besteht ja namentlich darinnen, daß eine solche geistige Wesenheit dahinterkommen soll, ob Wolfram von Eschenbach ein gelehrter Mensch ist oder nicht. Klingsor ist erwas in die Enge getrieben durch Wolfram von Eschenbach. Denn als Wolfram von Eschenbach merkt, daß da Geistiges im Spiele ist, da singt er von dem heiligen Abendmahl, von der Transsubstantiation, von der Gegenwart Christi im Abendmahl, — und der Geist muß weichen, er kann das nicht vertragen. Hinter diesen Dingen liegen ja durchaus wirkliche Realitäten, wenn ich diese Tautologie gebrauchen darf.

[ 34 ] Everything that comes from Klingsor’s side is countered by Wolfram von Eschenbach. One of the procedures Klingsor carries out consists specifically in having such a spiritual being determine whether Wolfram von Eschenbach is a learned man or not. Klingsor is, in a sense, cornered by Wolfram von Eschenbach. For when Wolfram von Eschenbach realizes that something spiritual is at play, he sings of the Holy Communion, of transubstantiation, of the presence of Christ in the Eucharist—and the spirit must retreat; it cannot bear it. Behind these things lie very real realities, if I may use this tautology.

[ 35 ] Und es gelingt Klingsor, dem Wolfram von Eschenbach mit Hilfe mancher geistiger Wesenheiten zu beweisen, daß Wolfram von Eschenbach wohl ein sternenloses Christentum hat, das nicht mehr mit dem Kosmos rechnende Christentum hat, aber ganz ungelehrt ist in aller kosmischen Weisheit. Darauf kommt es nun an. Klingsor hat bewiesen, daß der Sänger des Gral schon in jener Zeit nur alles das vom Christentum kennt, was das kosmische Christentum abgestreift hat. Und Klingsor kann ja nur dadurch in der geistig unterstützten Weise auftreten, daß er die Sternenweisheit hat. Aber schon aus der Art und Weise, wie er sie verwendet, sieht man, daß sich dasjenige, was man «schwarze Magie» nennt, in seine Künste hineinmischt.

[ 35 ] And Klingsor succeeds, with the help of certain spiritual beings, in proving to Wolfram von Eschenbach that Wolfram von Eschenbach may indeed have a “starless” Christianity—a Christianity that no longer takes the cosmos into account—but is entirely unschooled in all cosmic wisdom. That is what matters now. Klingsor has proven that even at that time, the singer of the Grail knew only that part of Christianity which had cast off its cosmic dimension. And Klingsor can only appear in this spiritually supported manner because he possesses stellar wisdom. But one can see from the very way he uses it that what is called “black magic” is intertwined with his arts.

[ 36 ] Und so sehen wir denn, wie auf eine unrichtige Weise dem Sternen-Laien Wolfram von Eschenbach die Sternenweisheit entgegengestellt worden ist. Wir stehen in der Zeit des dreizehnten Jahrhunderts, vor dem Auftreten jener Dominikaner, von denen ich gesprochen habe; wir stehen in der Zeit, wo das Christentum gerade da, wo es besonders groß war, abgestreift hat alle Einsicht in die Sternenwelt und wo im Grunde genommen nur da, wo innerliche Entfremdung von dem Christentum war, noch Sternenweisheit vorhanden war, wie bei dem Klingsor aus dem Ungarlande.

[ 36 ] And so we see how the knowledge of the stars was, in an incorrect manner, set in opposition to Wolfram von Eschenbach, a layman in matters of the stars. We are in the thirteenth century, before the appearance of those Dominicans of whom I have spoken; we are in an era when Christianity, precisely where it was particularly strong, had cast aside all understanding of the world of the stars, and when, essentially, astrological wisdom still existed only where there was an inner estrangement from Christianity—as in the case of Klingsor from Hungary.

[ 37 ] Nun hatte Heinrich von Ofterdingen den Klingsor herbeigerufen, hatte also den Bund geschlossen mit der unchristlichen Sternenweisheit. Dadurch ist in einer gewissen Weise Heinrich von Ofterdingen verbunden geblieben nicht nur mit der Persönlichkeit des Klingsor, die später aus seinem übersinnlichen Leben eigentlich verschwunden ist, sondern namentlich verbunden geblieben zunächst mit der entchristeten Kosmologie des Mittelalters. Und so lebte er weiter zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wird dann wiedergeboren in der Art, wie ich es Ihnen geschildert habe, lebt sich in eine gewisse Unsicherheit des Christentums hinein.

[ 37 ] Heinrich von Ofterdingen had now summoned Klingsor, and had thus entered into a pact with unchristian astrological wisdom. As a result, Heinrich von Ofterdingen remained connected in a certain way not only to the personality of Klingsor—who later actually disappeared from his spiritual life—but remained connected, first and foremost, to the de-Christianized cosmology of the Middle Ages. And so he continued to live between death and a new birth; he is then reborn in the manner I have described to you, and finds himself living within a certain uncertainty regarding Christianity.

[ 38 ] Aber das Wesentliche ist dieses: Er stirbt wiederum, macht den Weg zurück, und indem er den Weg zurück macht in der Seelenwelt, steht er auf Schritt und Tritt der Norwendigkeit gegenüber, um wiederum an die Sternenwelt heranzukommen, durch den harten Kampf durchzugehen, den Michael bei Inanspruchnahme seiner Herrschaft führen mußte gerade im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts gegen jene dämonischen Gewalten, die mit der unchristlichen Kosmologie des Mittelalters zusammenhängen. Und um dieses Bild vollständig zu machen: Man konnte ganz genau sehen, wie unter denen, welche nun die Michael-Herrschaft hart bekämpften, gegen welche die Geister des Michael vorgehen mußten, gerade diejenigen geistigen Wesenheiten jetzt noch sind, welche dazumal auf der Wartburg von Klingsor beschworen worden sind, um gegen Wolfram von Eschenbach aufzutreten.

[ 38 ] But the essential point is this: He dies again, makes his way back, and as he makes his way back through the world of souls, he is confronted at every turn with the necessity of once again approaching the world of the stars, of going through the hard struggle that Michael had to wage—as he asserted his dominion—precisely in the last third of the nineteenth century against those demonic forces connected with the unchristian cosmology of the Middle Ages. And to complete this picture: One could see quite clearly how, among those who were now fiercely opposing Michael’s dominion—against whom Michael’s spirits had to take action—there are still precisely those spiritual beings who were once summoned by Klingsor at the Wartburg to oppose Wolfram von Eschenbach.

[ 39 ] So daß also hier das vorliegt, daß jemand, der durch seine sonstigen karmischen Ergebnisse vorübergehend sogar in den Kapuzinerdienst hereingetrieben war, nicht herankommen konnte an das Christentum, nicht herankommen konnte aus dem Grunde, weil er in sich trug den Antagonismus gegen das Christentum, den er dazumal aufgebracht hatte, als er den Klingsor aus dem Ungarlande zu Hilfe gerufen hat gegen Wolfram von Eschenbach, den Sänger des Parsifal. Und während sich im Unbewußten dieses Mannes noch immer die unchristliche Kosmologie abgedämmert zeigte, war in seinem gewöhnlichen Bewußtsein ein rationalistisches Christentum vorhanden, das nicht einmal besonders interessant ist. Interessant ist nur sein Lebenskampf, mit dem christlichen Rationalismus eine Art rationalistischer Religion begründen zu wollen.

[ 39 ] So what we have here is that someone who, due to his other karmic consequences, had even been temporarily driven into the service of the Capuchins, could not come to terms with Christianity, could not come to terms with it because he carried within himself the antagonism toward Christianity that he had aroused back then when he called upon Klingsor from Hungary to help him against Wolfram von Eschenbach, the bard of Parsifal. And while the unchristian cosmology still lingered in the twilight of this man’s unconscious, his ordinary consciousness was occupied by a rationalistic Christianity that is not even particularly interesting. What is interesting is only his life’s struggle to use Christian rationalism to establish a kind of rationalistic religion.

[ 40 ] Aber sehen Sie, meine lieben Freunde, das Wichtigste, das Bedeutsamste ist, was man nun sieht als Zusammenhang zwischen abstraktem Rationalismus, abstraktem scharfsinnigem Denken und demjenigen, was im Unterbewußten webt: abgedämpfte, gelähmte Vorstellungen über die Sterne und Beziehungen zu den Sternen leben sich herauf in das Bewußtsein als abstrakte Gedanken.

[ 40 ] But you see, my dear friends, the most important, the most significant thing is what we now perceive as the connection between abstract rationalism, abstract, incisive thinking, and that which weaves in the subconscious: subdued, paralyzed ideas about the stars and relationships to the stars rise up into consciousness as abstract thoughts.

[ 41 ] Und wenn man dann verfolgt, wie geartet in ihrem Karma die auf materialistische Weise gescheitesten Menschen der Gegenwart sind, dann kommt man darauf, daß diese Menschen zumeist in früheren Erdenleben etwas zu tun hatten mit der kosmologischen Abirrung ins Schwarzmagische. Das ist ein bedeutsamer Zusammenhang.

[ 41 ] And when one examines the nature of the karma of the most intellectually gifted people of our time—in a materialistic sense—one comes to the conclusion that most of these people, in previous earthly lives, were involved in a cosmological deviation into black magic. This is a significant connection.

[ 42 ] Er hat sich instinktiv in den Bauern erhalten, die von vorneherein einen gewissen Abscheu haben, wenn unter ihnen einer herumgeht, der allzu gescheit ist in rationalistischer Beziehung. Den mögen sie nicht. Da steckt instinktiv in der Anschauung etwas von dem drinnen, was in solche Zusammenhänge gehört.

[ 42 ] It has instinctively persisted among the peasants, who from the outset feel a certain aversion when someone who is overly clever in a rationalistic sense walks among them. They don’t like such people. Instinctively, there is something in this view that belongs in such contexts.

[ 43 ] Ja, meine lieben Freunde, betrachten Sie das aber jetzt alles in unserm Zusammenhang. Solchen Geistern begegnete man im letzten Drittel des neunzehnten und im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie gehörten zu den interessantesten. So ein wiedergeborener Heinrich von Ofterdingen, der mit dem schwärzesten Magier seiner Zeit, mit Klingsor, zu tun hatte, der erweist sich schon als interessant gerade in seinem rationalistischen Verstande!

[ 43 ] Yes, my dear friends, but now consider all of this in our broader context. One encountered such minds in the last third of the nineteenth century and at the beginning of the twentieth. They were among the most interesting. A reincarnated Heinrich von Ofterdingen, who had dealings with the darkest magician of his time, Klingsor, proves to be particularly interesting precisely because of his rationalistic mind!

[ 44 ] Aber es zeigt sich hier, welche Schwierigkeiten bestehen, wenn man in richtiger Art an die Sternenweisheit herankommen will. Und dieses richtige Herankommen an die Sternenweisheit, das man braucht, um Karma zu durchschauen, ist eben nur im Lichte einer richtigen Einsicht in die Michael-Herrschaft und in einem Sich-zuMichael-Halten möglich.

[ 44 ] But this shows the difficulties that arise when one seeks to approach stellar wisdom in the proper way. And this proper approach to the wisdom of the stars—which is necessary to penetrate karma—is possible only in the light of a correct understanding of the Michael Kingdom and by aligning oneself with Michael.

[ 45 ] Das bezeugt Ihnen wiederum, wie durch die ganze Wirklichkeit der neueren Zeit — ich habe Ihnen das heute an einem einzelnen Beispiele gezeigt, an dem Beispiel des Vorbildes des Strader — eine Strömung des geistigen Lebens heraufgekommen ist, die es schwer macht, in unbefangener Art an die Wissenschaft der Sterne, damit an die Wissenschaft des Karma heranzukommen. Wie man das dennoch kann und sicher sein kann, daß man, ungehindert von den Anfechtungen, die heute möglich sind von jener Seite, die ich charakterisiert habe, dennoch an die Sternenweisheit und an die Gestaltung des Karma herankommen kann, davon wollen wir dann morgen weitersprechen.

[ 45 ] This, in turn, testifies to you how, throughout the entire reality of modern times—I have shown you this today using a single example, that of Strader as a role model—a current of spiritual life has arisen that makes it difficult to approach the science of the stars, and thus the science of karma, in an unbiased manner. How one can nevertheless do this—and be certain that, unhindered by the challenges that are possible today from the side I have described, one can still gain access to the wisdom of the stars and the shaping of karma—is what we will discuss further tomorrow.