Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume V
GA 239
30 March 1924, Prague
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Esoteric Considerations of Karmic Connections V, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Gestern habe ich begonnen, einige Gesichtspunkte anzugeben über das Begreifen des menschlichen Schicksals, und ich führte ja an, wie die Ahnung von dem Walten des Schicksals aufgehen kann in dem Menschen, wenn für sein Leben bedeutsame Erfahrungen eingreifen. Und ich sagte, man nehme an, man begegne einem anderen Menschen in einem bestimmten Lebensalter; man begegne dem Menschen so, daß sich das fernere Schicksal der beiden Menschen, die sich begegnen, gemeinsam abspielt, daß sich aber auch das ganze Leben, das sie bis dahin geführt haben, in einer tief einschneidenden Weise ändert. Wenn ein solches Ereignis eintritt, dann wäre es sinnlos, wenn alles dasjenige, was der Mensch vorher erlebt hat auf Erden, in gar keiner Beziehung stünde zu diesem Ereignis. Das ist auch nicht der Fall. Denn für eine unbefangene Beobachtung, die nach rückwärts blickt, zeigt sich ja klar, daß eigentlich fast jeder Schritt im Leben, den wir getan haben, ein Schritt war in der Richtung nach jenem Erlebnis hin. Wir können zurückblicken bis in die Kindheit, immer wird es sich uns zeigen, daß die der Zeit nach weit von diesem Erlebnis entfernte Tat, die wir getan haben, der ganze Lebensweg, den wir genommen haben, so die Richtung hat nach diesem Ereignis, als wenn wir bewußt und überlegt diesen Weg genommen hätten. Es ist gerade eine solche Betrachtung geeignet, den Menschen immer wieder und wiederum hinzuweisen auf dasjenige, was wir in der Anthroposophie karmische Zusammenhänge nennen müssen.
[ 1 ] Yesterday I began to outline some perspectives on understanding human destiny, and I mentioned how a sense of the workings of destiny can arise in a person when significant experiences occur in their life. And I said: Suppose one encounters another person at a certain stage of life; suppose one encounters that person in such a way that the future destinies of the two people who meet unfold together, but that the entire life they have led up to that point is also transformed in a profoundly decisive way. When such an event occurs, it would be meaningless if everything a person had previously experienced on earth were in no way related to this event. Nor is that the case. For an unbiased observation looking back clearly reveals that, in fact, almost every step we have taken in life was a step leading toward that experience. We can look back as far as our childhood; we will always see that even actions we performed long before this experience—the entire path of life we have taken—are directed toward this event as if we had consciously and deliberately chosen this path. It is precisely this kind of reflection that is suited to drawing people’s attention, time and again, to what we in anthroposophy must call karmic connections.
[ 2 ] Und dann habe ich auch darauf hingewiesen, wie die Begegnungen mit Menschen sich in verschiedener Weise ausnehmen und habe Ihnen zwei extreme Fälle angeführt: Wir begegnen einem Menschen, es entsteht zu ihm ein Lebensverhältnis, ganz gleich, wie er äußerlich für unsere Sinnesanschauung, für unsere ästhetische Empfindung uns entgegentritt. Wir kümmern uns nicht weiter um seine besonderen Eigenschaften. Es ist etwas, was aus unserem Inneren aufsteigt, und was uns den Zug zu ihm eingibt. Anderen Menschen begegnen wir, so sagte ich, bei denen sich ein solcher innerer Drang nicht geltend macht. Wir werden mehr auf die Eigenschaften aufmerksam, die sie uns von außen zeigen, die sie unseren Sinnen, unserem Vorstellungsvermögen, unserem ästhetischen Empfinden einflößen. Bis in die Träume, sagte ich, geht das hinein. Wir treffen Menschen der ersteren Art, beschäftigen uns sogleich, wenn wir nachts außer dem physischen und dem Ätherleibe im Ich und astralischen Leib sind, mit ihnen. Träume über sie tauchen auf. Die sind eben ein Zeichen, daß wir innerlich in uns etwas aufgerüttelt haben bei der Begegnung. Anderen Menschen begegnen wir, wir können nicht von ihnen träumen, weil sie uns nicht aufrütteln, weil nichts in uns aufsteigt. Wir leben ihnen vielleicht sehr nahe, aber wir träumen nicht von ihnen, weil sie in unserem Innern nichts aufrütteln, was uns bis in den Astralleib und in die Ich-Organisation hinein beschäftigen kann.
[ 2 ] And then I also pointed out how encounters with people take on different forms, and I cited two extreme cases: We encounter a person, and a relationship develops with them, regardless of how they appear to our sensory perception or our aesthetic sensibility. We pay no further attention to their specific characteristics. It is something that arises from within us and inspires our attraction to them. We encounter other people, I said, with whom such an inner impulse does not assert itself. We become more attentive to the characteristics they present to us from the outside—those they instill in our senses, our imagination, and our aesthetic sensibility. This extends even into our dreams, I said. We encounter people of the former kind and, when we are in the “I” and astral bodies at night—apart from the physical and etheric bodies—we immediately engage with them. Dreams about them arise. These are precisely a sign that we have stirred something within ourselves during the encounter. We encounter other people, yet we cannot dream of them because they do not stir us, because nothing stirs within us. We may live very close to them, but we do not dream of them because they do not stir anything within us that can engage us down into the astral body and the ego organization.
[ 3 ] Dasjenige, was da vorliegt, haben wir dann in Beziehung gebracht zu den Kräften, mit denen der Mensch zusammenhängt außerhalb des irdischen Wesens, auf welche die heutige Weltanschauung wenig Rücksicht nimmt, mit den Kräften, die von der Umwelt, von dem Außerirdischen auf die Erde hereinwirken. Und wir haben darauf hingewiesen, daß der Mensch diejenigen Kräfte, welche von den geistigen Mondenwesenheiten her tätig sind, in Zusammenhang bringen muß mit alledem, was für ihn selbst Vergangenheit ist. Ja, meine lieben Freunde, es ist für uns Vergangenheit, wenn wir an einen Menschen herantreten und sogleich in uns etwas aufsteigt, was uns den Zug nach ihm hin gibt.
[ 3 ] We then related what is presented here to the forces with which human beings are connected outside of their earthly existence—forces that today’s worldview pays little attention to—namely, the forces that act upon Earth from the surrounding environment and from beyond the Earth. And we have pointed out that human beings must connect the forces active through the spiritual lunar beings with everything that is, for them, a thing of the past. Yes, my dear friends, it is a thing of the past for us when we approach a person and something immediately wells up within us that draws us toward them.
[ 4 ] Wie aber diese Dinge zusammenhängen, das wird erst klar, wenn an Stelle der äußeren ahnenden Betrachtung die Eingeweihten-Wissenschaft tritt, jene Eingeweihten-Wissenschaft, welche wirklich die inneren Zusammenhänge bloßlegen kann. Der Eingeweihte, vor dem die geistige Welt offen liegt, hat diese beiden Erlebnisse, von denen ich gesprochen habe, eben noch in einem viel intensiveren Sinne, als sie das gewöhnliche Bewußtsein haben kann. In dem einen Falle, wo das gewöhnliche Bewußtsein dieses innere Aufsteigen hat, erlebt der Eingeweihte, wenn er dem anderen Menschen entgegentritt, daß wirklich ein Bild oder auch eine Reihe von Bildern, ganz wesenhaften Bildern, aus seinem Inneren aufsteigen. Es ist, wie wenn sich da aus seinem Inneren diese Bilder hervorarbeiteten, wie wenn man eine Schrift vor sich hat und den Sinn, den sie ausdrücken will, lesen kann. So wird einem das Erlebnis klar, das man an diesen Bildern hat: Das Bild, das in dir aufsteigt, das aus deinem Inneren kommt, das erlebst du als ein innerliches Zusammensein mit dem Bilde, wie wenn der Maler ein Bild malte und nicht vor dem Bilde, vor der Leinwand stünde, sondern in der Leinwand selber darin weben würde, mit jeder Farbe mitgehen und jede Farbe innerlich erleben würde. So erlebt man und man weiß, das Bild, das da aufsteigt, hat etwas zu tun mit dem Menschen, dem man im Leben entgegengetreten ist. Und durch ein ähnliches Erlebnis, wie das ist, wenn man einem Menschen nach Jahren wieder begegnet — man erlebt das immer wieder —, erkennt man in dem Menschen, der physisch vor einem steht, der einem physisch gegenübertritt, die Wiederholung desjenigen, was da innerlich in einem aufsteigt. Man weiß, indem man das innerlich aufsteigende Bild mit dem vergleicht, was äußerlich vor einem steht: Das, was da innerlich aufsteigt, ist das Bild desjenigen, was man gemeinsam mit dem Menschen selbst in einem früheren Erdenleben erlebt hat. Und man schreitet wirklich zurück in frühere Zeiten, in denen man gemeinsame Erlebnisse mit ihm hatte. Und durch das, was man durchgemacht hat, um sich für die Einweihungswissenschaft vorzubereiten, erlebt man nicht bloß als dunkles Gefühl, wie sonst im gewöhnlichen Bewußtsein, sondern wie in einem lebendigen Bild das mit dem Menschen, dem man nun begegnet, gemeinsam Erlebte eines vorigen Erdenlebens oder einer Anzahl voriger Erdenleben. Man kann schon sagen, die Einweihungswissenschaft macht es durchaus möglich, daß man das, was man mit einem Menschen durchlebt hat, mit dem man karmisch verbunden ist, aus dem eigenen Inneren so intensiv aufsteigen sieht, daß es ist, daß es aussieht wie wenn der Mensch, der da vor einem steht, aus seinem Selbst hervortritt, in seiner früheren Gestaltung vor uns hintritt und sich selbst in seiner jetzigen Gestalt begegnet. So intensiv wirkt das. Aber gerade dadurch, daß man die Sache in einer solchen Wirklichkeit erlebt, lernt man sie beziehen auf die Kräfte, die ihr zugrunde liegen, und man wird verwiesen auf die Art und Weise, wie man zu diesem Bilde gekommen ist.
[ 4 ] But how these things are connected only becomes clear when the science of the initiated takes the place of an external, intuitive observation—that science of the initiated which can truly reveal the inner connections. The initiate, to whom the spiritual world lies open, experiences these two phenomena I have spoken of in a far more intense way than ordinary consciousness ever can. In the one case where ordinary consciousness experiences this inner rising, the initiate, when encountering another person, experiences that an image—or even a series of images, entirely essential images—truly rises from within. It is as if these images were emerging from within, as if one were holding a text before oneself and could read the meaning it intends to express. Thus the experience one has with these images becomes clear: the image that rises within you, that comes from your inner being—you experience it as an inner oneness with the image, as if the painter were not standing before the painting, before the canvas, but were weaving within the canvas itself, moving with each color and experiencing each color inwardly. That is how one experiences it, and one knows that the image that arises has something to do with the person one has encountered in life. And through an experience similar to that of encountering a person again after many years—something one experiences time and again—one recognizes in the person standing physically before one, facing one physically, the repetition of what is rising up within oneself. By comparing the image rising within you with what stands before you externally, you know: what rises within you is the image of what you experienced together with that person in a previous earthly life. And you truly step back into earlier times when you shared experiences with them. And through what one has gone through to prepare for the science of initiation, one experiences—not merely as a vague feeling, as is usually the case in ordinary consciousness—but as a vivid image the shared experiences from a previous earthly life or a number of previous earthly lives with the person one now encounters. One can certainly say that the science of initiation makes it entirely possible to see what one has lived through with a person to whom one is karmically connected rise up so intensely from within oneself that it appears as if the person standing before you is stepping out of their own being, appearing before us in their former form, and encountering themselves in their present form. That is how intensely it affects one. But precisely because one experiences the matter in such a tangible way, one learns to relate it to the forces underlying it, and one is led to reflect on the way in which one arrived at this image.
[ 5 ] Der Mensch, indem er aus seinem geistig-seelischen Dasein, das er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verbringt, zum Erdenleben heruntersteigt, macht ja die verschiedenen Regionen durch. Sozusagen die letzte Region, die er durchmacht, ist die Mondenregion; vorher geht er durch andere Sternen- und geistige Regionen durch. Da trifft er wirklich auf seinem Wege durch die Mondenregion jene Wesenheiten, die, wie ich gestern auseinandersetzte, früher einmal die Urlehrer der Menschheit waren. Ihnen begegnet er im Weltall, bevor er zum irdischen Dasein heruntersteigt, und sie sind es, die in jene feine Substanz, welche die orientalischen Weisen im Gegensatz zu den irdischen Substanzen Akasha nennen, alles dasjenige einschreiben, was im Menschenleben zwischen Menschen durchgemacht wird. Es ist einmal so, alles, was man im Leben durchmacht, alles, was erlebt wird von den Menschen, das wird beobachtet von jenen Wesen, welche einmal mit den Menschen die Erde bewohnt haben — nicht als verkörperte Wesen, sondern als Geistwesen. Das wird beobachtet und wird nicht in jener abstrakten Schrift, wie es die unsere ist, sondern in lebendiger Gestalt eingetragen in die Akasha-Substanz. Diese Mondenwesen, die einstmals die großen Lehrer während der Zeit der Urweltweisheit waren, diese Geistwesen, sie sind die Registratoren für die Erlebnisse der Menschheit. Und wenn dann der Mensch auf seinem Wege, der da verläuft zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, sich wieder der Erde nähert, um sich zu vereinigen mit dem Keim, der ihm durch die Eltern gegeben wird, dann geht er durch das Gebiet, wo die Mondwesen dasjenige registriert haben, was auf der Erde in früheren Inkarnationen erlebt worden ist. Während diese Mondenwesen, als sie auf der Erde lebten, den Menschen Weisheit brachten, eine Weisheit, welche sich namentlich auf die Vergangenheit des Weltalls bezog, halten sie in ihrem jetzigen kosmischen Dasein die Vergangenheit fest. Indem der Mensch hinuntersteigt zum irdischen Dasein, gräbt sich gewissermaßen alles das, was sie festgehalten haben, in seinen Astralleib ein. Ja, meine lieben Freunde, man redet so leicht davon: der Mensch besteht aus einer Ich-Organisation, einem Astralleib, einem Ätherleib und so weiter. Die Ich-Organisation ist eben diejenige, die am meisten der Erde zugeneigt ist, ist dasjenige, was wir im Erdendasein lernen und erleben; anders aber ist das bei den tiefer liegenden Gliedern der menschlichen Wesenheit. Schon beim Astralleib ist es anders, der ist voller Eintragungen, voller Bilder. Dieses gewöhnlich nur «unbewußt» Genannte, das wird ja etwas außerordentlich Reiches, wenn es in das Wissen wieder emporkommt. Und die Einweihung gibt eben die Möglichkeit, hinunterzutauchen in diesen astralischen Leib und alles, was die Mondwesen eingetragen haben — und das ist eben von der Art wie die gemeinsamen Erlebnisse mit andern Menschen —, an das Schauen heranzubringen. So kommt man durch die Einweihungswissenschaft wirklich hinter das Geheimnis, wie die ganze Vergangenheit im Menschen ruht, und wie «Schicksal » dadurch wird, daß mit dem Mondendasein Wesen verbunden sind, welche die Vergangenheit festhalten, so daß sie in unserem Inneren ruht, wenn wir die Erde betreten.
[ 5 ] As human beings descend from their spiritual-soul existence—which they spend between death and a new birth—into earthly life, they pass through various regions. The final region they pass through, so to speak, is the lunar region; before that, they pass through other stellar and spiritual regions. There, on their way through the lunar region, they truly encounter those beings who, as I explained yesterday, were once the primordial teachers of humanity. He encounters them in outer space before descending to earthly existence, and it is they who inscribe into that subtle substance—which the Eastern sages call Akasha in contrast to earthly substances—everything that is experienced in human life among human beings. It is simply this: everything one goes through in life, everything experienced by human beings, is observed by those beings who once inhabited the Earth alongside humanity—not as incarnate beings, but as spiritual beings. This is observed and recorded not in an abstract script, as ours is, but in living form within the Akashic substance. These lunar beings, who were once the great teachers during the age of primordial wisdom—these spiritual beings—are the recorders of humanity’s experiences. And when a human being, on the path that lies between death and a new birth, approaches the Earth once more to unite with the seed given to them by their parents, they pass through the realm where the lunar beings have recorded what was experienced on Earth in earlier incarnations. While these lunar beings, when they lived on Earth, brought wisdom to humankind—a wisdom that pertained specifically to the past of the universe—in their present cosmic existence they preserve that past. As the human being descends into earthly existence, everything they have preserved is, so to speak, imprinted upon his astral body. Yes, my dear friends, it is so easy to speak of this: human beings consist of an “I”-organization, an astral body, an etheric body, and so on. The “I”-organization is precisely the part that is most inclined toward the Earth; it is what we learn and experience in earthly life; but the situation is different with the deeper aspects of the human being. Even the astral body is different; it is full of imprints, full of images. What is usually called merely “unconscious” becomes something extraordinarily rich when it rises up into consciousness. And initiation provides precisely the opportunity to delve down into this astral body and bring everything that the lunar beings have imprinted—which is precisely of the nature of shared experiences with other human beings—into the realm of vision. In this way, through the science of initiation, one truly uncovers the mystery of how the entire past rests within the human being, and how “fate” arises from the fact that beings associated with the lunar existence hold the past fast, so that it rests within us when we set foot on Earth.
[ 6 ] Ein anderer Fall: Wenn der Eingeweihte an Menschen herantritt, bei denen das gewöhnliche Bewußtsein so sich verhält, daß es einen ästhetischen, einen vorstellungsgemäßen Eindruck hat, er auch davon nicht träumen kann, dann steigt bei diesem Begegnen aus dem Innern des Eingeweihten zunächst nichts Bildhaftes herauf; aber indem der Eingeweihte einer solchen Persönlichkeit gegenübertritt, wird sein Blick, wie in dem andern Falle zum Mond, so jetzt zur Sonne geleitet. Und ebenso wie der Mond mit den Wesen in Verbindung ist, die ich Ihnen in der angegebenen Weise charakterisieren konnte, so ist die Sonne nicht etwa bloß der Gasball, von dem die Physiker heute sprechen. Die Physiker würden höchlichst erstaunt sein, wenn sie einmal eine Expedition ausrüsten und an den Ort kommen könnten, von dem sie meinen, daß er ausgefüllt sei durch allerlei glühende Gase, und der nach ihrer Meinung die Sonne bildet. Die Physiker würden nämlich finden, daß dort, wo sie glühende Gase vermutet haben, überhaupt nichts ist, viel weniger ist, als der Raum, weniger ist als nichts: ein Loch im Weltenraum. Was heißt Raum? Was Raum ist, das wissen ja die Menschen nicht, am wenigsten die, die viel darüber nachdenken, die Philosophen. Denn sehen Sie, wenn hier ein Stuhl ist, und ich gehe hin, ohne ihn zu beachten, so stoße ich mich an ihm. Er ist dicht, läßt mich nicht durch. Wenn kein Stuhl da ist, gehe ich durch den Raum ungehindert.
[ 6 ] Another case: When the initiate approaches people whose ordinary consciousness is such that it has an aesthetic, imaginative impression—one that the initiate cannot even dream of—then, at the moment of this encounter, nothing pictorial initially rises from within the initiate; but as the initiate faces such a personality, his gaze is directed—just as in the other case toward the moon—now toward the sun. And just as the moon is connected to the beings I was able to characterize for you in the manner described, so the sun is not merely the ball of gas that physicists speak of today. Physicists would be most astonished if they could ever equip an expedition and reach the place they believe to be filled with all manner of incandescent gases—the place which, in their opinion, constitutes the Sun. For the physicists would find that where they had presumed incandescent gases to exist, there is absolutely nothing—far less than space, less than nothing: a hole in the cosmos. What does “space” mean? People do not know what space is—least of all those who think about it a great deal: the philosophers. For you see, if there is a chair here, and I walk toward it without paying attention to it, I will bump into it. It is solid; it does not let me pass through. If there is no chair there, I walk through the space unhindered.
[ 7 ] Nun gibt es aber noch einen dritten Fall. In diesem dritten Fall würde ich, wenn ich ginge, nicht aufgehalten, nicht gestoßen, aber ich würde aufgesogen werden, ich würde verschwinden: da fehlt der Raum, da ist das Gegenteil von Raum vorhanden. Und dieses Gegenteil von Raum ist eben in der Sonne. Die Sonne ist negativer Raum, ist ausgesparter Raum. Und gerade dadurch, daß da negativer, ausgesparter Raum ist, ist sie der Sitz, der gewöhnliche Sitz der dem Menschen nächststehenden, über ihm stehenden Wesenheiten: Angeloi, Archangeloi, Archai. Und der Blick des Eingeweihten wird in dem Falle, den ich erzählt habe, gelenkt nach jenen Wesen, die in der Sonne sind, nach den geistigen Wesenheiten der Sonne. Das heißt mit anderen Worten: eine solche Begegnung mit einem Menschen, die nicht karmische Vergangenheit ist, die neu auftritt, sie ist für den Eingeweihten die Vermittlung, mit diesen Wesenheiten in Zusammenhang zu kommen. Und es zeigt sich, daß da gewisse Wesen sind, mit denen der Mensch eine nähere, mit andern eine entferntere Verbindung hat. Und an der Art und Weise, wie diese Wesen an ihn herantreten, wird ihm nicht im einzelnen, sondern im großen und ganzen klar, welches Karma sich da anspinnt: kein altes Karma, sondern eines, dem er zum ersten Male begegnet. Da wird der Mensch gewahr, daß diese Wesenheiten, die mit der Sonne in Verbindung sind, ebenso mit der Zukunft zu tun haben, wie die Wesen, die mit dem Monde in Verbindung sind, mit der Vergangenheit zu tun haben.
[ 7 ] But there is also a third case. In this third case, if I were to walk away, I would not be stopped or pushed, but I would be absorbed; I would disappear: there is no space there; the opposite of space is present. And this opposite of space is precisely in the sun. The sun is negative space, it is hollowed-out space. And precisely because there is this negative, hollowed-out space, it is the seat—the usual seat—of the beings closest to and above humankind: Angeloi, Archangeloi, Archai. And in the case I have described, the initiate’s gaze is directed toward those beings who are in the sun, toward the spiritual beings of the sun. In other words: such an encounter with a human being—one that is not part of a karmic past but occurs anew—serves as a means for the initiate to come into connection with these beings. And it becomes apparent that there are certain beings with whom the person has a closer connection, and others with whom the connection is more distant. And from the way these beings approach him, it becomes clear to him—not in detail, but in general terms—what karma is unfolding there: not old karma, but karma he is encountering for the first time. There the human being becomes aware that these beings, who are connected to the sun, have just as much to do with the future as the beings connected to the moon have to do with the past.
[ 8 ] Sehen Sie, es ist wirklich eine Vertiefung des ganzen menschlichen Gemütslebens, wenn sich der Mensch das, was so die Einweihungswissenschaft aus den Tiefen des Geisteswesens hervorholt, klarmacht, auch wenn er noch kein Eingeweihter ist. Denn die Dinge können. schon einleuchten. Geradeso wie man ein Bild verstehen kann, ohne daß man ein Maler ist — ich habe den Vergleich oft gebraucht —, kann man diese Wahrheiten verstehen, ohne daß man ein Eingeweihter ist. Aber wenn man diese Wahrheiten auf sich wirken läßt, vertieft sich ungeheuer das ganze Verhältnis, das der Mensch zum Weltall hat. Denken Sie doch, wie abstrakt, trocken, nüchtern eigentlich heute der Mensch von der Erde zum Weltgebäude hinaufsieht. Wenn der Mensch auf die Erde hinsieht, dann hat er noch einiges Interesse an der Erde. Er sieht die Tiere des Waldes mit einigem Interesse an. Wenn er ein edler Mensch ist, so gefallen sie ihm, die schlanke Gazelle, das flinke Reh. Wenn er weniger edel ist, interessieren sie ihn dennoch als Wildbret, er kann sie essen. Der Kohl auf dem Felde interessiert ihn. Das alles hat Beziehung zu demjenigen im Menschen, was er zunächst in sich selber wahrnimmt. Aber ebenso, wie der Mensch Beziehungen hat zu diesem Irdischen, das seine Gefühlswelt aufrüttelt, kann er seine Gefühlswelt aufrütteln, kann er seine Beziehungen entwickeln zu dem außerirdischen Kosmos. Und alles dasjenige, was schicksalsgemäß von der Vergangenheit herüberkommt, ruft — wenn es auf uns einen Eindruck macht — unser Herz, unsere Seele auf, hinzublicken nach den Mondwesenheiten und sich zu sagen: Hier auf der Erde wandeln Menschen herum; auf dem Monde leben Wesen, die einstmals mit uns auf der Erde waren. Sie haben einen anderen Schauplatz, Wohnplatz gesucht, aber wir Menschen sind mit ihnen verbunden geblieben; sie registrieren unsere Vergangenheit. Dasjenige, was sie tun, lebt in uns, wenn die Vergangenheit herüberwirkt in unser Erdendasein.
[ 8 ] You see, it truly deepens one’s entire inner life when a person comes to understand what the science of initiation draws forth from the depths of the spiritual being—even if that person is not yet an initiate. For these things can already make sense. Just as one can understand a painting without being a painter—I have often used this comparison—one can understand these truths without being an initiate. But when one allows these truths to take effect within oneself, the entire relationship that a person has with the universe deepens immensely. Just think how abstract, dry, and matter-of-factly people today look up from the Earth toward the structure of the universe. When a person looks down at the Earth, they still have some interest in it. They regard the animals of the forest with some interest. If they are a noble person, they take pleasure in them—the slender gazelle, the nimble deer. If they are less noble, they still interest them as game—they can eat them. The cabbage in the field interests them. All of this relates to that part of the human being which they first perceive within themselves. But just as human beings have relationships with this earthly realm that stirs their emotional world, they can also stir their emotional world and develop their relationships with the extraterrestrial cosmos. And everything that comes to us from the past as a matter of destiny—when it makes an impression on us—calls upon our heart and our soul to look toward the lunar beings and to say to ourselves: Here on Earth, human beings walk about; on the Moon live beings who were once with us on Earth. They sought a different setting, a different place to live, but we humans have remained connected to them; they take note of our past. What they do lives on within us when the past exerts its influence on our earthly existence.
[ 9 ] Wir schauen mit einer gewissen ehrfürchtigen Inbrunst zu diesen Wesen auf, und der äußere, silbern leuchtende Mond ist nur ein Zeichen für jene Wesenheiten, die so innig mit unserer Vergangenheit zusammenhängen. Und wir lernen gewissermaßen, eine Beziehung zu haben mit diesen kosmischen, außerirdischen Mächten, deren Sinnbilder die Sterne sind, eine Beziehung zu haben zu ihnen durch dasjenige, was wir als Menschen erleben, wie wir sonst eine Beziehung haben dutch unser fleischliches Dasein mit alledem, was auf Erden lebt. Ebenso, wenn wir als Menschen ahnend, wie in banger Erwartung, der Zukunft entgegenschauen, wenn wir in diese Zukunft hineinleben mit unseren Hoffnungen und Bestrebungen, dann bleiben wir mit unserer Seele nicht allein, sondern wir verbinden uns ahnend mit demjenigen, was uns von der Sonne entgegenglänzt. Angeloi, Archangeloi, Archai werden für uns Sonnenwesen, sie werden für uns Wesen, von denen wir wissen: sie geleiten uns aus unserer Gegenwart in die Zukunft hinüber. Wenn wir dann hinaufschauen in den Kosmos und sehen, wie der Mondenschein abhängig ist vom Sonnenschein, wie diese Himmelskörper in gegenseitiger Beziehung stehen, dann sehen wir da draußen im Kosmos ein Bild desjenigen, was in uns selber lebt. Denn so wie Sonne und Mond draußen in der Sternenwelt in Beziehung zueinander stehen, so steht in uns, was in uns mondenhaft ist, unsere Vergangenheit, in Beziehung zu unserem Sonnenhaften, zu unserer Zukunft. Und das Schicksal ist ja das, was im Menschen durch die Gegenwart aus der Vergangenheit in die Zukunft hinüberläuft. Wir sehen — gewissermaßen eingesponnen in den Kosmos, den Gang der Sterne — durch die gegenseitigen Verhältnisse der Sterne dasjenige im Großen, im Weiten abgebildet, was in unserem eigenen Inneren lebt.
[ 9 ] We look up to these beings with a certain reverent fervor, and the outer, silvery-shining moon is merely a symbol of those entities that are so intimately connected with our past. And we learn, in a sense, to have a relationship with these cosmic, extraterrestrial powers—of which the stars are symbols—to relate to them through what we experience as human beings, just as we otherwise relate, through our physical existence, to all that lives on Earth. Likewise, when we as human beings look toward the future with a sense of foreboding, as if in anxious anticipation, when we live into this future with our hopes and aspirations, then we are not alone with our souls, but we intuitively connect with that which shines toward us from the sun. Angels, archangels, and archai become solar beings for us; they become beings of whom we know: they guide us from our present into the future. When we then look up into the cosmos and see how the moonlight depends on the sunlight, how these celestial bodies are in mutual relationship, then we see out there in the cosmos an image of what lives within ourselves. For just as the sun and moon are related to one another out there in the world of the stars, so too within us does that which is moon-like—our past—stand in relation to that which is sun-like—our future. And destiny is, after all, that which flows through the human being from the past into the future via the present. We see—as it were, woven into the cosmos, the course of the stars—reflected on a grand, vast scale through the mutual relationships of the stars that which lives within our own inner being.
[ 10 ] Ja, meine lieben Freunde, das aber erweitert den Blick tief hinein in die Weltenzusammenhänge. Denn wenn der Mensch durch des Todes Pforte geht, hat er sich zunächst bloß losgelöst von seinem physischen Leib. Er lebt in seiner Ich-Organisation, seinem Astralleib, seinem Ätherleib. Aber der Ätherleib löst sich nach einigen Tagen los vom Astralleib und von dem Ich. Dasjenige, was der Mensch erlebt, das ist etwas, was gewissermaßen aus ihm herauswächst; es ist zunächst klein, dann wird es immer größer und größer: es ist sein Ätherleib. Es wächst hinaus in die Weiten, es wächst hinaus bis in die Sternenwelt, so erscheint es ihm. Aber in diesem Wachsen wird es so dünn, daß es nach wenigen Tagen dem Menschen schon entschwindet. Doch es ist noch etwas anderes dabei. Indem wir so unseren Ätherleib dem Kosmos übergeben, indem er sich verdünnt, erweitert, ist es, wie wenn wir ergreifen würden nach dem Tode die Geheimnisse der Sterne, wie wenn wir uns hineinleben würden in die Geheimnisse der Sterne.
[ 10 ] Yes, my dear friends, but this broadens our perspective deep into the interconnections of the worlds. For when a person passes through the gate of death, he has at first merely detached himself from his physical body. He lives within his “I”-organization, his astral body, and his etheric body. But after a few days, the etheric body detaches itself from the astral body and from the “I.” What the person experiences is something that, so to speak, grows out of them; at first it is small, then it becomes larger and larger: it is their etheric body. It grows out into the vastness, it grows out into the world of the stars—that is how it appears to them. But as it grows, it becomes so thin that after a few days it already vanishes from the person’s sight. Yet there is something else at work here as well. As we thus surrender our etheric body to the cosmos—as it thins out and expands—it is as if, after death, we were grasping the mysteries of the stars, as if we were living our way into the mysteries of the stars.
[ 11 ] Zunächst ist es ja so — und das ist auch der Fall, wenn wir durch die Todespforte gegangen sind —, daß, wenn wir jetzt hinaufgehen, wenn wir durch die Mondenregion kommen, aus unserem astralischen Leibe die Mondenwesen dasjenige ablesen, was eben von uns erlebt worden ist im Erdendasein. Beim Weggange aus dem Erdendasein, da empfangen uns diese Mondwesenheiten, da ist ihnen unser astralischer Leib, in welchem wir jetzt sind, wie ein Buch, in dem sie lesen. Und das notieren sie getreulich, um es in den neuen astralischen Leib, wenn wir wieder heruntergehen zur Erde, einzuschreiben.
[ 11 ] First of all, it is true—and this remains the case even after we have passed through the gate of death—that as we ascend and pass through the lunar region, the lunar beings read from our astral body what we have just experienced during our earthly existence. Upon departing from earthly life, these lunar beings receive us; to them, our astral body—in which we now find ourselves—is like a book from which they read. And they faithfully record this information so that they may inscribe it into our new astral body when we descend once more to Earth.
[ 12 ] Aus der Mondenregion kommen wir dann durch andere Regionen, durch die Merkur- und Venusregion in die Sonnenregion. In dieser Sonnenregion wird nun alles dasjenige in uns lebendig, was wir als Menschen in früheren Leben durchlebt, gewirkt, getan haben. Wir treten ein in die Wesenheiten der höheren Hierarchien, in ihr Wirken, in ihre Taten und wir sind jetzt im Kosmos darinnen. Wie wir während des Erdendaseins auf der Erde herumwandelten, gewissermaßen gebannt in die Verhältnisse der Erde, so sind wir jetzt in den Weiten des Kosmos. Wir erleben im Weiten, während wir hier auf der Erde im Engen leben. Es kommt uns vor, wenn wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt unser Dasein verbringen, wie wenn wir auf der Erde eingesperrt gewesen wären, denn alles wird nun weit, wir erleben die Geheimnisse des Kosmos. Wir erleben sie nicht wie etwas, was unter physischen Naturgesetzen steht; diese physischen Naturgesetze erscheinen uns kleinliche Erzeugnisse des Menschengeistes. Wir erleben, was in den Sternen vorgeht, als die Taten der göttlich-geistigen Wesenheiten, wir gliedern uns ein in die Taten der göttlich-geistigen Wesenheiten. Nach dem, was wir können, handeln wir zwischen ihnen und mit ihnen, und eben aus dem Kosmos heraus bereiten wir unser nächstes Erdendasein vor.
[ 12 ] From the lunar region, we then pass through other regions—the Mercury and Venus regions—into the solar region. In this solar region, everything we experienced, accomplished, and did as human beings in past lives comes to life within us. We enter into the beings of the higher hierarchies, into their workings, into their deeds, and we are now within the cosmos. Just as we wandered about on Earth during our earthly existence, as it were bound by the conditions of the Earth, so are we now in the vastness of the cosmos. We experience the vastness, whereas here on Earth we live in confinement. It seems to us, as we spend our existence between death and a new birth, as though we had been imprisoned on Earth, for everything now becomes vast; we experience the mysteries of the cosmos. We do not experience them as something subject to physical laws of nature; these physical laws of nature appear to us as petty products of the human mind. We experience what takes place in the stars as the deeds of divine-spiritual beings; we become part of the deeds of these divine-spiritual beings. To the best of our ability, we act among them and with them, and it is precisely from within the cosmos that we prepare for our next earthly existence.
[ 13 ] Das ist es, was eigentlich wirklich in einem tieferen Sinne begriffen werden soll, daß dasjenige, was der Mensch in sich trägt, von ihm erarbeitet worden ist, während er im Kosmos war zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist ja so wenig, was der Mensch äußerlich von seiner Organisation wahrnimmt. Das, was in jedem Organ steckt, ist nur verständlich, wenn das betreffende Organ aus dem Kosmos heraus verstanden wird. Nehmen wir gleich das edelste Organ, das menschliche Herz. Ja, der Naturforscher von heute seziert den Embryo, sieht daraus, wie das Herz allmählich zusammenschießt; er macht sich weiter keine Gedanken darüber. Aber dieses äußere plastische Gebilde, das menschliche Herz, es ist ja das Ergebnis, so wie es beim einzelnen Menschen individuell ist, desjenigen, was er mit den Göttern zusammen erarbeitet hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Erst muß der Mensch, indem er das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durchmacht, in jener Richtung arbeiten, die von der Erde nach dem Löwen, dem Sternbild des Löwen im Tierkreis hingeht. Diese Richtung, diese Strömung von der Erde nach dem Sternbild des Löwen ist ja angefüllt von lauter Kräften. In dieser Richtung muß der Mensch arbeiten, damit er als Keim das Herz hervortreiben kann; da drinnen sind ja kosmische Kräfte. Dann muß der Mensch, wenn er diese Region durchgemacht hat, welche in den Weiten des Weltalls liegt, in sozusagen der Erde nähere Regionen, in die Sonnenregion kommen. Da werden wiederum Kräfte entwickelt, die das Herz weiter vervollkommnen. Und dann kommt der Mensch in jenes Gebiet hinein, wo er schon berührt wird von dem, was man Erdenwärme nennen kann; da draußen im Weltenraum ist ja nicht Erdenwärme, da ist ja etwas ganz anderes. Da wird das menschliche Herz in einer dritten Etappe vorbereitet. Die Kräfte, aus denen das Herz vorbereitet wird, sind in der Löwenrichtung zunächst rein moralisch-religiöse Kräfte; in unser Herz sind zunächst rein moralisch-religiöse Kräfte hineingeheimnißt. Demjenigen, der das durchschaut, erscheint es eigentlich ruchlos, wie die heutige Naturwissenschaft die Sterne, ohne das Moralische zu sehen, als gleichgültige, neutrale physische Massen ins Auge faßt. Und wenn der Mensch durch die Sonnenregion geht, werden diese moralisch-religiösen Kräfte von den Ätherkräften ergriffen. Und erst wenn der Mensch der Erde schon näher kommt, der Wärme, der Feuer-Region, da werden gewissermaßen der Vorbereitung die letzten Schritte hinzugefügt. Da beginnen die Kräfte tätig zu sein, die dann den physischen Keim gestalten für den Menschen, der als geistig-seelisches Wesen heruntersteigt.
[ 13 ] This is what must truly be understood in a deeper sense: that what a human being carries within has been developed by him or her while in the cosmos, between death and a new birth. After all, so little of one’s physical constitution is perceived externally. What lies within each organ can only be understood if the organ in question is understood in the context of the cosmos. Let us take the noblest organ of all: the human heart. Yes, today’s natural scientist dissects the embryo, observes how the heart gradually forms; he gives it no further thought. But this external, three-dimensional structure—the human heart—is, in its individual form within each person, the result of what that person has worked out together with the gods between death and a new birth. First, as a person goes through the life between death and a new birth, they must work in the direction that leads from the Earth toward Leo, the constellation of Leo in the zodiac. This direction, this current from the Earth toward the constellation of Leo, is, after all, filled with all manner of forces. A person must work in this direction so that they can bring forth the heart as a seed; for within it lie cosmic forces. Then, once a person has passed through this region, which lies in the vastness of the cosmos, they must enter regions closer to the Earth, so to speak—the solar region. There, in turn, forces are developed that further perfect the heart. And then the human being enters that region where they are already touched by what might be called “earthly warmth”; out there in outer space, after all, there is no earthly warmth—there is something entirely different. There, the human heart is prepared in a third stage. The forces through which the heart is prepared are, in the direction of Leo, initially purely moral-religious forces; purely moral-religious forces are first instilled into our hearts. To those who see through this, it actually seems wicked how modern natural science regards the stars—without perceiving the moral aspect—as indifferent, neutral physical masses. And as the human being passes through the solar region, these moral-religious forces are taken up by the etheric forces. And only when the human being draws closer to the Earth—to warmth, to the region of fire—are the final steps, so to speak, added to this preparation. There the forces begin to take effect that then shape the physical germ for the human being who descends as a spiritual-soul being.
[ 14 ] Und so ist es, daß jedes einzelne Organ herausgearbeitet wird aus den Weiten des Weltenalls. Wir tragen in uns einen Sternenhimmel. Und wir hängen nicht nur durch den Grießbrei, den wir eben in den Magen hineingetan haben und der eben im Begriffe ist, sich in unseren Organismus zu verarbeiten, zusammen mit der Pflanzenwelt, die uns nährt, sondern wir hängen mit den Kräften des ganzen Kosmos zusammen. Diese Dinge werden dem Menschen allerdings erst klar, wenn er Sinn hat dafür, das Leben wirklich zu beobachten. Man wird schon dazu kommen, wiederum gegenüber dem Mikroskopischen, dem man heute geradezu einen Kultus entgegenbringt, auch das Makroskopische ins Auge zu fassen. Heute will der Mensch kennenlernen die Geheimnisse der Organisation des Tierischen, des Menschlichen, indem er möglichst sich vom Weltenall abschließt. Da versenkt er den Blick in eine Röhre, nennt das Mikroskopieren, und er schneidet ein winziges Ding aus, gibt es aufs Probiergläschen und bemüht sich, möglichst wegzugehen von der Welt, möglichst das Leben zu verlassen. Er reißt ein Stückchen ab, betrachtet es durch etwas, was den Blick abschließt von der übrigen Welt. Es soll gar nichts gesagt werden selbstverständlich gegen diese Art von Forschung, da kommen allerlei ganz schöne Dinge zutage. Aber den Menschen wirklich kennenlernen kann man auf diesem Wege nicht. Und sehen Sie, wenn man so vom Irdischen hinausblickt ins Außerirdische des Kosmos, hat man ja auch erst einen Teil von der Welt. Denn schließlich ist das nur ein Teil, der in das Sichtbare hereinstrebt. Die Sterne sind zwar nicht dasjenige, als was sie sich dem Auge darbieten — das ist bloß das Sinnbild —, aber sie sind ja doch noch sichtbar! Doch die ganze Welt, die wir durchmachen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ist ja unsichtbar, ist übersinnlich. Und es gibt Regionen, die ja außerhalb des Sinnlichen liegen. Der Mensch gehört aber mit seinem Wesen diesen übersinnlichen Daseinsgebieten ebenso an wie dem Sinnlichen, und das, was der Mensch ist, lernt man eigentlich erst richtig kennen, wenn man in Betracht zieht, wie der Mensch durch die Weiten des Kosmos durchgegangen ist. Wenn er durch die Pforte des Todes in die Weiten des Kosmos getreten und wiederum zurückgekommen ist zur Erde, so lebt ja das auch in uns in den kosmischen Zusammenhängen; es lebt in uns, was von uns durch die Weiten des Kosmos durchgegangen ist, was einmal schon auf der Erde gelebt hat, aufgestiegen ist in den Kosmos und wiederum heruntergekommen ist zum engen Erdendasein. Und wir lernen allmählich hinblicken auf das, was wir im früheren Erdendasein waren. Losgerissen wird unser Blick vom Physischen, erhoben wird er in das Geistige. Denn wenn wir zurückblicken in frühere Erdenleben, vergeht uns durch die Kraft der Einweihungswissenschaft die Lust, alles nur sinnlich vorzustellen.
[ 14 ] And so it is that every single organ is formed from the vastness of the universe. We carry a starry sky within us. And we are connected not only through the semolina porridge we have just put into our stomachs—which is now in the process of being assimilated into our organism, together with the plant world that nourishes us—but we are also connected to the forces of the entire cosmos. These things, however, only become clear to a person when they have the sensibility to truly observe life. We will eventually come to consider the macroscopic realm as well, in contrast to the microscopic, which is practically worshipped today. Today, people seek to uncover the secrets of the organization of the animal and human realms by isolating themselves as much as possible from the universe. So they fix their gaze through a tube—they call it microscopy—and they cut out a tiny specimen, place it in a test tube, and strive to distance themselves as much as possible from the world, to leave life behind as much as possible. They tear off a tiny piece and examine it through something that blocks their view of the rest of the world. Of course, nothing is to be said against this kind of research—all sorts of wonderful things come to light through it. But one cannot truly get to know human beings in this way. And you see, when one looks out from the earthly realm into the extraterrestrial realm of the cosmos, one still has only a part of the world. For ultimately, that is only a part that strives to enter the visible realm. The stars, to be sure, are not what they appear to be to the eye—that is merely a symbol—but they are still visible! Yet the entire world we pass through between death and a new birth is invisible; it is supersensible. And there are realms that lie beyond the sensible world. Yet human beings, by their very nature, belong just as much to these supersensible realms of existence as they do to the sensible world, and one can only truly come to know what a human being is by considering how the human being has journeyed through the vastness of the cosmos. When a human being has passed through the gate of death into the vastness of the cosmos and has returned once more to Earth, this also lives within us within the cosmic context; what has passed through the vastness of the cosmos—what once lived on Earth, ascended into the cosmos, and descended once more into the confined existence on Earth—lives within us. And we gradually learn to look back upon what we were in our former earthly existence. Our gaze is torn away from the physical and lifted up into the spiritual. For when we look back on former earthly lives, the power of initiatory science dispels our desire to imagine everything solely through the senses.
[ 15 ] Zwar hat man auch in dieser Hinsicht manches erlebt. Es war eine Zeit, da gab es gewisse Theosophen, die wußten, daß der Mensch in wiederholten Erdenleben lebt. Sie wußten das aus der orientalischen Weisheit, aber sie wollten sich das Ganze so vorstellen, wie man es sinnlich vorstellen kann. Sie täuschten sich darüber, aber sie brauchten ein sinnliches Vorstellen. So wurde man damals darauf angeredet, daß ja der Mensch als physischer Organismus, wenn er durch die Pforte des Todes geht, zerfällt, zerstäubt; aber ein Atom bliebe, dieses eine Atom gehe auf wunderbaren Wegen zum nächsten Erdenleben über, und das nannten dann diese Theosophen das «permanente Atom». Es war nur ein Umweg, die Sache materialistisch vorstellen zu können. Aller solcher Hang zum materialistischen Vorstellen vergeht einem, wenn man wirklich durchmacht, was die Seele erleben kann, wenn man sieht, dieses menschliche Herz ist aus den Weltenweiten heraus gebildet.
[ 15 ] It is true that much has been experienced in this regard as well. There was a time when certain Theosophists knew that human beings live through repeated earthly lives. They knew this from Eastern wisdom, but they wanted to conceive of the whole thing in a way that could be sensually imagined. They were mistaken about this, but they needed a sensory conception. Thus, people were told back then that when the human being, as a physical organism, passes through the gate of death, it disintegrates and dissipates; but one atom would remain, and this single atom would pass on to the next earthly life through wondrous paths—and these Theosophists called this the “permanent atom.” It was merely a detour to be able to conceive of the matter in materialistic terms. Any such inclination toward materialistic thinking vanishes when one truly experiences what the soul can undergo, when one sees that this human heart is formed from the vastness of the worlds.
[ 16 ] Dagegen wird die Leber erst ganz nahe der Erdenregion gebildet; sie hat wenig Gemeinschaft noch mit dem, was Weite des Kosmos ist. Man lernt allmählich durch die Einweihungswissenschaft den Menschen so kennen, daß man sich sagt: das Herz, das könnte gar nicht im Menschen sein, wenn es nicht zubereitet würde, innerlich gestaltet würde aus den ganzen Weiten des Kosmos. Dagegen ein solches Organ wie die Leber, wie die Lunge, das wird erst in der Nähe des Erdendaseins gebildet. In bezug auf Lunge, Leber sieht der Mensch kosmisch der Erdennähe ähnlich, in bezug auf das Herz ist er ein weites kosmisches Wesen. Es geht einem am Menschen die ganze Welt auf. Man möchte, wenn man mit geistiger Anatomie Leber, Lunge, einige andere Organe aufzeichnet, sich die Erde aufzeichnen und das, was in ihrer Nähe ist; so ist es eigentlich in bezug auf die Kräfte. Geht man über zum Herzen, so möchte man das ganze Weltenall aufzeichnen. Der Mensch ist das ganze Weltenall, zusammengezogen, zusammengerollt. Er ist ein ungeheures Geheimnis, der Mensch, er ist ein wirklicher Mikrokosmos. Aber dieser Makrokosmos, in den der Mensch sich nach dem Tode verwandelt, reißt das Erkennen ganz los von der Sinnlichkeit, von der Materialität. Und man lernt jetzt erkennen die gesetzmäßigen Zusammenhänge, welche bestehen zwischen Geistigem und Physischem, zwischen Seelischem und Seelischem.
[ 16 ] In contrast, the liver is formed only very close to the earthly region; it has little connection with the vastness of the cosmos. Through the science of initiation, one gradually comes to understand the human being in such a way that one says to oneself: the heart could not possibly be within the human being if it were not prepared, if it were not inwardly shaped from the vast expanses of the cosmos. In contrast, an organ such as the liver or the lungs is formed only in the vicinity of earthly existence. In terms of the lungs and liver, the human being resembles the Earth’s vicinity on a cosmic scale; in terms of the heart, he is a vast cosmic being. The whole world opens up to one in the human being. When one maps out the liver, lungs, and certain other organs through spiritual anatomy, one feels as though one were mapping out the Earth and what lies in its vicinity; this is actually the case with regard to the forces. When one turns to the heart, one would like to depict the entire universe. The human being is the entire universe, condensed and rolled up. The human being is an immense mystery; he is a true microcosm. But this macrocosm, into which the human being is transformed after death, completely detaches cognition from sensuality and materiality. And one now learns to recognize the lawful connections that exist between the spiritual and the physical, between the soul and the soul.
[ 17 ] Wir finden zum Beispiel Menschen in der Welt, die ein angeborenes Verständnis für die Dinge ihrer Umwelt haben, für die Menschen, die sie umgeben. Betrachten Sie nur nach diesen Verhältnissen das Leben, meine lieben Freunde! Es gibt Menschen, die begegnen vielen anderen Menschen, sie lernen sie aber nie wirklich kennen, Was sie einem von ihnen erzählen, ist höchst uninteressant, es sind keine charakteristischen Züge darin. Solche Menschen können sich nicht versenken, können sich nicht hingeben an die Wesenheit des anderen Menschen, sie haben kein Verständnis für den anderen. Es gibt Menschen, die haben dieses Verständnis. Wenn sie einen Menschen kennengelernt haben, und sie erzählen einem von ihm, dann trägt alles das Gepräge des Treffsicheren; man weiß gleich, wie der andere ist, wenn man ihn auch nie gesehen hat, er steigt vor einem auf. Es braucht nicht eine ausführliche Erzählung zu sein, kurze charakteristische Sätze kann derjenige zum vollständigen Hinmalen eines Bildes gebrauchen, der sich versenken kann in das Wesen eines Menschen. Es muß nicht ein Mensch sein, es kann irgend etwas in der Natur sein. Mancher Mensch erzählt einem, wie ein Berg ausschaut, ein Baum ausschaut; man gerät in Verzweiflung, man bekommt kein Bild davon, es bleibt alles leer, man hat das Gefühl, das Gehirn trocknet einem aus. Dagegen gibt es andere, die haben gleich volles Verständnis für irgend etwas; man könnte malen dasjenige, von dem sie einem erzählen. Solche Gaben oder Ungaben, Verständnis für die Umwelt, Verstocktheit gegenüber der Umgebung, die sind nicht aus dem Nichts heraus entstanden, sondern sie sind Ergebnisse unseres früheren Erdendaseins. Wenn man nun mit der Einweihungswissenschaft einen Menschen betrachtet, der recht viel Verständnis für seine menschliche und außermenschliche Umgebung hat, und man geht dann zurück — ich werde noch viel über dieses Zurückgehen zu sprechen haben —, mit der Einweihungswissenschaft in das vorige Erdenleben, dann findet man, welche Eigenschaften der Mensch im vorigen Erdenleben hatte, und wie sie sich verwandelt haben in das Verständnis der Umwelt im Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt. Und man kommt dann darauf, ein Mensch, der Verständnis hat für die Umwelt, war im vorigen Erdenleben so geartet, daß er viel Freude erleben konnte. Das ist sehr interessant. Menschen, die keine Freude erleben konnten im vorigen Erdenleben, können auch nicht zu einem Verständnis für die Menschen oder für die Umwelt kommen. Bei jedem Menschen, der dieses Verständnis hat, findet man: er war ein Mensch, der Freude haben konnte an der Umgebung. Aber auch das hat man sich erworben in einem früheren Erdenleben. Und wodurch kommt man dazu, diese Freude, diese Begabung, diese Anlage zur Freude an der Umgebung zu haben?. Dazu kommt man, wenn man in weiter vorangehenden Erdenleben Liebe entwickelt hat. Liebe in einem Erdenleben verwandelt sich in Freude; die Freude des nächsten Erdenlebens verwandelt sich in verständnisvolles Erfassen der Umwelt im dritten Erdenleben.
[ 17 ] For example, we find people in the world who have an innate understanding of the things in their environment and of the people around them. Just look at life from this perspective, my dear friends! There are people who meet many others but never really get to know them. What they tell you about one of them is utterly uninteresting; there are no distinctive traits in their descriptions. Such people cannot immerse themselves, cannot devote themselves to the essence of another person; they have no understanding of others. There are people who do possess this understanding. When they have gotten to know a person and tell you about him, everything bears the mark of accuracy; you know immediately what the other person is like, even if you have never seen him—he comes to life before your eyes. It need not be a detailed account; brief, characteristic phrases are enough for someone who can immerse himself in a person’s essence to paint a complete picture. It doesn’t have to be a person; it can be anything in nature. Some people describe to you what a mountain looks like or what a tree looks like; you become frustrated, you can’t form a picture of it, everything remains empty, and you feel as if your brain is drying up. In contrast, there are others who immediately have a complete understanding of something; you could paint the very thing they’re describing to you. Such gifts or lack thereof—understanding of one’s surroundings, or a closed-mindedness toward them—did not arise out of nowhere, but are the results of our previous earthly existence. If one now observes, through the science of initiation, a person who has a great deal of understanding for their human and non-human surroundings, and then goes back —I will have much more to say about this looking back—using the science of initiation into their previous earthly life, one discovers what qualities the person possessed in that previous life and how these qualities were transformed into an understanding of the environment during the life between death and a new birth. And one then comes to realize that a person who has an understanding of their surroundings was, in their previous earthly life, of such a nature that they were able to experience great joy. This is very interesting. People who were unable to experience joy in their previous earthly life cannot develop an understanding of other people or of their surroundings either. In every person who possesses this understanding, one finds that they were someone who was able to take joy in their surroundings. But this, too, was acquired in a previous earthly life. And how does one come to possess this joy, this gift, this predisposition to find joy in one’s surroundings? One attains this by having developed love in earlier earthly lives. Love in one earthly life transforms into joy; the joy of the next earthly life transforms into an understanding perception of the environment in the third earthly life.
[ 18 ] So schaut man Erdenleben an Erdenleben sich reihen, und so gewinnt man Verständnis auch für dasjenige, was aus der Gegenwart in die Zukunft hinüberstrahlt, Menschen, die viel hassen können, sie tragen als Ergebnis ihres Hassens in das nächste Erdenleben hinüber die Begabung, von allem schmerzlich berührt zu sein. Das ist so, wenn man einen Menschen studiert, der so als rechter «Zwiderwurzen » durch das Leben gehen muß, weil er von allem schmerzlich berührt wird, immer leidet. Man kann ja Mitleid haben, das ist auch das Richtige, aber es führt einen immer in ein voriges Erdenleben zurück, wo er es über den Haß nicht hinausbrachte. Ich bitte, mich .nicht mißzuverstehen. Wenn da von Haß gesprochen wird, sagt sich der Mensch leicht: Ich hasse nicht, ich liebe alle. Er soll sich nur einmal prüfen, wieviel verborgener Haß auf dem Grunde der Menschenseele ruht. Ja, diese Zusammenhänge, sie werden einem wirklich erst klar, wenn man die Menschen voneinander reden hört. Es wird wirklich — denken Sie sich eine solche Statistik — viel mehr Schlechtes über einen Menschen gesagt, als Lobendes, Anerkennendes gesagt wird. Und wenn man eben wirklich diese Statistik aufnehmen würde, so würde man finden, daß unter den Menschen hundertmal — man kann wirklich diese Zahl angeben — mehr gehaßt als geliebt wird. Ja, es ist so, nur merken es gewöhnlich die Menschen nicht, weil sie ja glauben, immer berechtigt zu sein, zu hassen, und es ungeheuer entschuldbar finden, wenn sie hassen. Aber dieser Haß entwickelt sich in Leidensfähigkeit, Schmerzfähigkeit im nächsten Erdenleben, und in Verständnislosigkeit, in Verstocktheit im dritten Erdenleben, die an nichts heranwill, sich in nichts vertiefen kann.
[ 18 ] This is how one sees one earthly life following another, and this is how one also gains an understanding of that which radiates from the present into the future: people who are capable of great hatred carry over into their next earthly life—as a result of their hatred—the gift of being deeply moved by everything. This is the case when one studies a person who must go through life as a true “Zwiderwurzen” because he is painfully affected by everything and is always suffering. One can, of course, feel compassion—and that is the right thing to do—but it always leads one back to a previous earthly life, where he was unable to rise above hatred. Please do not misunderstand me. When people speak of hatred, they easily say to themselves: “I do not hate; I love everyone.” They should just examine themselves once to see how much hidden hatred lies at the bottom of the human soul. Yes, these connections really only become clear when you hear people talking about one another. It’s truly the case—just imagine such a statistic—that far more negative things are said about a person than words of praise or appreciation. And if one were to actually compile such statistics, one would find that among people, there is a hundred times—one can really cite this figure—more hatred than love. Yes, that is how it is, but people usually do not realize it because they believe they are always justified in hating, and they find it utterly excusable when they do hate. But this hatred develops into a capacity for suffering and pain in the next earthly life, and into a lack of understanding and obstinacy in the third earthly life—an obstinacy that refuses to engage with anything and cannot immerse itself in anything.
[ 19 ] Und so haben Sie die Möglichkeit, dadurch drei hintereinanderlaufende Erdenleben zu beobachten, indem Sie das Gesetz betrachten: Liebe wandelt sich in Freude, Freude im dritten Erdenleben in Verständnis für die Umgebung. Haß verwandelt sich in Anlage zum Schmerzerleiden; diese Anlage zum Schmerzerleiden, die aus dem Haß kommt, verwandelt sich im dritten Erdenleben in Verstocktheit, in Verständnislosigkeit gegenüber der Umgebung. Das sind seelische Zusammenhänge, die von einem Erdenleben in das andere hinüberführen.
[ 19 ] And so you have the opportunity to observe three consecutive earthly lives by contemplating the law: Love transforms into joy, and joy, in the third earthly life, into understanding of one’s surroundings. Hatred transforms into a predisposition to suffer pain; this predisposition to suffer pain, which arises from hatred, transforms in the third earthly life into obstinacy and a lack of understanding toward one’s surroundings. These are spiritual connections that carry over from one earthly life to the next.
[ 20 ] Versuchen wir aber, an das Leben in einer andern Form heranzutreten. Es gibt Menschen — vielleicht haben sie es sich gerade auf diese Art in ihr Leben hereingebracht —, die interessiert nichts, sie wollen sich für nichts anderes interessieren außer für sich selber. Aber es hat eine große Bedeutung im Menschenleben, ob der Mensch sich für etwas interessiert oder nicht interessiert. Wirklich, auch in dieser Beziehung liefert die Statistik die merkwürdigsten Dinge. Ich habe Menschen kennengelernt, die am Vormittag mit einer Dame gesprochen haben, und am Nachmittag haben sie nicht gewußt, was die Dame für einen Hut oder was sie für eine Brosche gehabt hat, oder was für eine Farbe ihr Kleid gehabt hat. Es gibt solche Menschen, die sehen das nicht! Es gibt da die merkwürdigsten Anschauungen. Man hält das manchmal sogar für etwas Verzeihliches; aber das ist nicht verzeihlich! Es ist Interesselosigkeit, eine Interesselosigkeit, die manchmal soweit geht, daß der Mensch wirklich nicht weiß, ob derjenige, dem er begegnet ist, einen schwarzen oder einen hellen Rock angehabt hat! Es verbindet sich nicht inniglich dasjenige, was der Mensch aus seinem Leben hinaus schaut, mit dem, was da draußen steht. Ich erwähne etwas radikal diese Dinge; ich will ja nicht gleich behaupten, man verfalle Ahriman oder Luzifer, wenn man nicht weiß, ob die Dame blonde oder schwarze Haare gehabt hat. Ich will nur hinweisen darauf, daß die Menschen einen gewissen Grad von Interesse entwickeln für ihre Umgebung, oder auch Interesselosigkeit; doch das hat ja für die Seele eine große Bedeutung. Interessiert man sich für die Umgebung, dann wird die Seele innerlich erregt von dieser Umgebung, die Seele erlebt innerlich die Umgebung mit. Aber was man hier erlebt, mit Interesse, Anteil erlebt, das trägt man ja durch des Todes Pforte hinaus in die ganzen Weiten des Kosmos. Und so wie man hier Augen haben muß, um Farben zu sehen auf der Erde, muß man hier auf der Erde durch Interesse angeregt worden sein, um zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Möglichkeit zu haben, geistig zu sehen dasjenige, was da durchlebt wird. Und. geht man interesselos durch das Leben, haftet man an nichts mit seinem Blick, hört man nichts von dem, was vorgeht, dann hat man zwischen dem Tod und einer neuen Geburt keinen Zusammenhang mit dem Kosmos, man ist gewissermaßen seelisch blind, kann nicht arbeiten mit den Kräften des Kosmos. Dadurch aber bereitet man seinen Organismus und seine Organe schlecht vor: man kommt in die Löwenrichtung und kann nicht die erste Vorbereitung für das Herz durchmachen; man kommt in die Sonnenregion und kann das Herz nicht weiter ausbauen; man kommt in die Feuerregion der Erde und kann hier nicht den letzten Schliff geben; man kommt auf die Erde und kommt mit der Anlage zur Herzkrankheit auf die Welt. So wirkt ein Seelisches, die Interesselosigkeit, in dieses Erdenleben hinüber. Und eigentlich wird das Wesen des Krankseins erst völlig erklärlich, wenn man die Zusammenhänge durchschauen kann, wenn man sieht, wie der Mensch, der gegenwärtig an dem oder jenem physisch leidet, dieses physische Leiden dadurch hat, daß er ein Seelisches in einem vorigen Erdenleben entwickelt hat, das sich in ein Physisches in diesem Erdenleben verwandelt. Physische Leiden in einem Erdenleben sind so oder anders geartete Erlebnisse eines vorigen Erdenlebens. Menschen, die, wie man sagt, pumperlgesund sind, die nicht krank werden können, die immer die beste Gesundheit haben, die führen in der Regel den Blick aus diesem Erdendasein zurück in frühere Erdendasein, in denen sie das tiefste Interesse gehabt haben für alles dasjenige, was ihre Umgebung ist, alles angeschaut, alles erkannt haben.
[ 20 ] But let’s try to approach life from a different angle. There are people—perhaps they’ve brought this situation upon themselves—who aren’t interested in anything; they don’t want to care about anything other than themselves. But it is of great significance in human life whether a person takes an interest in something or not. Indeed, statistics reveal the most remarkable things in this regard as well. I have met people who spoke with a lady in the morning, and by the afternoon they had no idea what kind of hat she was wearing, what kind of brooch she had, or what color her dress was. There are people like that who simply don’t notice such things! There are the strangest views on this. People sometimes even consider this to be something forgivable; but it is not forgivable! It is a lack of interest—a lack of interest that sometimes goes so far that a person truly does not know whether the person they encountered was wearing a black or a light-colored coat! There is no deep connection between what a person perceives from within their own life and what exists out there. I am putting these things rather bluntly; I do not mean to claim outright that one falls prey to Ahriman or Lucifer simply because one does not know whether the lady had blonde or black hair. I merely wish to point out that people develop a certain degree of interest in their surroundings—or, conversely, indifference—and this, of course, is of great significance for the soul. If one takes an interest in one’s surroundings, then the soul is inwardly stirred by them; the soul experiences the surroundings inwardly. But what one experiences here—with interest, with engagement—one carries through the gate of death into the vast expanses of the cosmos. And just as one must have eyes here on Earth to see colors, one must have been stirred by interest here on Earth in order to have the ability, between death and a new birth, to see spiritually what is being lived through there. And if one goes through life without interest, if one’s gaze does not linger on anything, if one hears nothing of what is happening, then between death and a new birth one has no connection with the cosmos; one is, so to speak, spiritually blind and cannot work with the forces of the cosmos. As a result, however, one fails to properly prepare one’s organism and organs: one enters the Lion region and cannot undergo the initial preparation for the heart; one enters the Sun region and cannot further develop the heart; one enters the Earth’s Fire region and cannot put the finishing touches on it there; one comes to Earth and is born with a predisposition to heart disease. Thus, a spiritual factor—indifference—spills over into this earthly life. And in fact, the nature of illness can only be fully understood when one can see through these connections, when one sees how a person who is currently suffering from this or that physical ailment has come to experience this physical suffering because they developed a psychological state in a previous earthly life that has transformed into a physical condition in this earthly life. Physical suffering in one earthly life is, in one way or another, an experience carried over from a previous earthly life. People who are, as they say, as healthy as a horse—who cannot get sick, who are always in the best of health—typically cast their gaze from this earthly existence back to previous earthly existences, in which they took the deepest interest in everything around them, observed everything, and understood everything.
[ 21 ] Natürlich dürfen Dinge, die sich auf das geistige Leben beziehen, niemals gepreßt werden. Sehen Sie, es kann natürlich auch eine karmische Strömung anfangen. Ich kann mit Verständnislosigkeit in diesem Leben beginnen: dann wird die Zukunft auf diese Verständnislosigkeit zurückweisen. Man darf nicht bloß von der Gegenwart in die Vergangenheit weisen. Daher kann man auch nur sagen: in der Regel, oder wenn eben karmische Veranlagung stattfindet, ist es so, daß gewisse Krankheiten zusammenhängen mit einer gewissen Seelenartung.
[ 21 ] Of course, matters relating to spiritual life must never be forced. You see, a karmic current can, of course, also begin. I may start out with a lack of understanding in this life; then the future will reflect that lack of understanding. One must not merely point from the present to the past. Therefore, one can only say: as a rule, or when karmic predisposition is at work, certain illnesses are connected with a certain type of soul.
[ 22 ] Überhaupt: Seelisches aus einem Erdenleben verwandelt sich in Körperliches im anderen Erdenleben; Körperliches aus einem Erdenleben verwandelt sich in Seelisches in einem anderen Erdenleben. In dieser Beziehung ist es wirklich so, daß derjenige, der auf karmische Zusammenhänge sehen will, manchmal den Blick auf Kleinigkeiten lenken muß. Es ist ungeheuer wichtig, den Blick nicht auf die Dinge ‘ zu lenken, welche wir sonst im Leben für besonders wichtig halten. Wenn man erkennen will, wie ein Erdenleben auf ein früheres Erdenleben zurückführt, muß man den Blick zuweilen auf Kleinigkeiten lenken. Ich versuchte zum Beispiel karmische Zusammenhänge — über solche Dinge werde ich noch in den nächsten Tagen zu sprechen haben — für verschiedene Persönlichkeiten des geschichtlichen und geistigen Lebens zu suchen, in ernster Weise natürlich, nicht so, wie häufig gesucht wird, und ich fand eine Persönlichkeit, welche ein so merkwürdiges inneres radikales Leben entwickelte, daß sie zuletzt dazu kam, besondere Wortbildungen sogar zu machen. Diese Persönlichkeit hat viele Bücher geschrieben, darin hat sie die merkwürdigsten Wortbildungen geschaffen. Zum Beispiel schimpfte sie viel, kritisierte viel die Zustände, die Menschen, ihre Gemeinschaften. So kritisierte der Betreffende auch die Art, wie manche Gelehrte im Neid gegen andere sich benehmen. Da stellt er Tatsachen nach dieser Richtung zusammen, in denen er das Schleicherische gewisser Gelehrtennaturen gegenüber den anderen Mitmenschen charakterisieren wollte, und das betreffende Kapitel überschrieb er: «Schlichologisches in der wissenschaftlichen Welt.» Es ist charakteristisch, wenn ein Mensch den Ausdruck «Schlichologisches» bildet, man fühlt etwas bei diesem Schlichologischen. Und sehen Sie, gerade das scharfe seelische Ins-Augefassen solcher Wortbildungen führt dazu, zu erkennen, wie diese Persönlichkeit in einem vorigen Erdenleben ein Mensch war, der viel zu tun hatte mit allerlei kriegerischen Unternehmungen, wo man vieles auf schleichenden Wegen durchzuführen hatte. Karmisch verwandelte sich das in die Fähigkeit, so Bilder zu machen vom Schleichen, von Kämpfen, Bekriegen in allerlei Unternehmungen, indem er in solchen Wortbildungen für die Dinge, die er jetzt erschaute, aus dem Kopf heraus das bezeichnen konnte, was er früher mit den Füßen, mit den Händen tat. So könnte ich bei dieser Persönlichkeit vieles anführen, was sich in gewisser Weise aus dem Physischen verwandelte in ein Seelisch-Geistiges.
[ 22 ] In general: What is spiritual in one earthly life is transformed into the physical in another earthly life; what is physical in one earthly life is transformed into the spiritual in another earthly life. In this regard, it is indeed true that anyone who wishes to understand karmic connections must sometimes focus their attention on trivial matters. It is immensely important not to focus on the things that we otherwise consider particularly important in life. If one wishes to recognize how one earthly life leads back to a previous one, one must sometimes turn one’s attention to trivial matters. For example, I tried to seek out karmic connections—I will have more to say about such matters in the coming days—for various figures from historical and spiritual life, in a serious manner, of course, not in the way such connections are often sought, and I found a figure who developed such a remarkable, inner, radical life that she ultimately even came to create unique word formations. This figure wrote many books, in which she created the most remarkable neologisms. For example, she railed a great deal, criticizing the state of affairs, people, and their communities. She also criticized the way in which some scholars behave out of envy toward others. In doing so, she compiled facts along these lines, aiming to characterize the underhandedness of certain scholarly personalities toward their fellow human beings, and she titled the relevant chapter: “Schlichological Aspects in the Scientific World.” It is characteristic that when a person coins the term “Schlichological,” one senses something in this Schlichological quality. And you see, it is precisely the sharp, intuitive grasp of such word formations that leads one to recognize how this personality, in a previous earthly life, was a person who had much to do with all manner of warlike undertakings, where many things had to be carried out by stealth. Karmically, this transformed into the ability to create such images of stealth, of battles, and of warfare in all kinds of undertakings, in that through such word formations he could describe from his mind the things he now perceived—what he had previously done with his feet and hands. Thus, I could cite many examples regarding this individual where, in a certain sense, the physical was transformed into the soul-spiritual.
[ 23 ] Nun werden wir diese Betrachtungen morgen fortsetzen.
[ 23 ] We will continue these reflections tomorrow.
