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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume V
GA 239

23 May 1924, Paris

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Das letzte Mal, als ich wenigstens zu einer gewissen Anzahl von Ihnen sprechen durfte, war es, als unser Goetheanum in Dornach noch bestand. Es bereitete mir damals eine große Befriedigung, vor einer Anzahl französischer Freunde sprechen zu dürfen. Diese Befriedigung wird wiederholt dadurch, daß ich auf Einladung unserer französischen Freunde nun auch hier über Gegenstände unserer Anthroposophie sprechen darf. Ich danke diesen Freunden für ihre so liebe Einladung, insbesondere Mile Sauerwein, und spreche auch meine Befriedigung darüber aus, daß Dr. Sauerwein, der dazumal in einer so schönen, entgegenkommenden Weise die Vorträge in Dornach übersetzt hat, auch in Paris sich bereit erklärt hat, diese Arbeit zu übernehmen. Ich bin ihm ganz besonders dafür dankbar.

[ 1 ] The last time I had the opportunity to speak to at least some of you was when our Goetheanum in Dornach was still standing. At that time, it gave me great satisfaction to be able to speak before a number of French friends. That satisfaction is now renewed by the fact that, at the invitation of our French friends, I am now also able to speak here on topics related to our anthroposophy. I thank these friends for their kind invitation, especially Mile Sauerwein, and I also express my satisfaction that Dr. Sauerwein, who at that time translated the lectures in Dornach in such a lovely, accommodating manner, has agreed to take on this work here in Paris as well. I am especially grateful to him for this.

[ 2 ] In der anthroposophischen Bewegung hat sich ja einiges dadurch verändert, daß wir in einer verhältnismäßig kurzen Zeit, nachdem uns das Unglück des Brandes getroffen hat, unter großer Teilnahme der anthroposophischen Freunde die Weihnachtstagung abhalten durften, die der anthroposophischen Bewegung, wie ich glaube, doch einen neuen Impuls gegeben hat, insbesondere einen neuen Impuls in bezug auf den Inhalt des anthroposophischen Wirkens selbst. Das Neue in der anthroposophischen Bewegung besteht ja auch darinnen, daß ich selber die Präsidentschaft nun übernehmen mußte, während sie bisher von anderen ausgeübt wurde, und ich mich nur als Lehrer betrachtete. Nun, meine lieben Freunde, es war ein ganz bedeutender Entschluß, auch gegenüber der geistigen Welt, den ich damals fassen mußte. Denn es war ein Wagnis. Ein Wagnis aus dem Grunde, weil mit der Übernahme der äußeren Führung ebensogut es hätte sein können, daß die Offenbarungen von Seite geistiger Wesenheiten, auf die wir doch durchaus angewiesen sind, wenn es sich um Verbreitung der Anthroposophie handelt, — daß diese Offenbarungen geistiger Wesenheiten hätten weniger werden können dadurch, daß ich mich in Anspruch nehmen ließ von der äußeren Verwaltung der Gesellschaft. Ich darf heute schon auf die außerordentlich bedeutsame Tatsache hinblicken, daß dies nicht der Fall ist, sondern daß im Gegenteil seit der Weihnachtstagung der geistige Impuls, der aus den spirituellen Welten herunterkommen muß, wenn die anthroposophische Bewegung ihren richtigen Fortgang nehmen soll, durchaus gewachsen ist, so daß unsere anthroposophische Bewegung seit unserer Weihnachtstagung immer esoterischer und esoterischer werden konnte und es weiter werden wird. Es ist damit verbunden, daß allerdings auch — ich meine von der geistigen Seite her — sehr starke gegnerische Mächte, dämonische Mächte gegen die anthroposophische Bewegung anstürmen. Aber es steht durchaus zu hoffen, daß die Kräfte des Bündnisses, das wir durch die Weihnachtstagung mit guten geistigen Mächten schlieBen durften, in der Zukunft imstande sein werden, alle diejenigen gegnerischen Mächte auf geistigem Gebiete, die sich doch der Menschen auf Erden bedienen, um ihre Wirkungen zu erzielen, — alle diese gegnerischen Mächte aus dem Felde zu schlagen.

[ 2 ] Indeed, a number of changes have taken place within the anthroposophical movement as a result of the fact that, in a relatively short time after we were struck by the misfortune of the fire, we were able to hold the Christmas Conference with the active participation of our anthroposophical friends—an event that, I believe, gave a new impetus—particularly a new impetus with regard to the content of anthroposophical work itself. What is new in the anthroposophical movement is, after all, that I myself have now had to assume the presidency, whereas previously it had been exercised by others, and I regarded myself merely as a teacher. Well, my dear friends, it was a very significant decision—also in relation to the spiritual world—that I had to make at that time. For it was a risk. A risk for the reason that, by assuming external leadership, it could just as easily have been the case that the revelations from spiritual beings—on whom we are, after all, entirely dependent when it comes to the dissemination of anthroposophy—might have diminished as a result of my allowing myself to be drawn into the external administration of the Society. Today I can already point to the extraordinarily significant fact that this is not the case; on the contrary, since the Christmas Conference, the spiritual impulse that must descend from the spiritual worlds—if the anthroposophical movement is to proceed in the right direction—has definitely grown, so that our anthroposophical movement has been able to become more and more esoteric since our Christmas Conference and will continue to do so. This is connected to the fact that, admittedly, very strong opposing forces—I mean from the spiritual side—demonic forces are also assailing the anthroposophical movement. But there is every reason to hope that the forces of the alliance we were able to form with benevolent spiritual powers through the Christmas Conference will, in the future, be able to defeat all those opposing forces in the spiritual realm—forces that, after all, make use of human beings on Earth to achieve their ends—all these opposing forces.

[ 3 ] In diesen drei Vorträgen, meine lieben Freunde, möchte ich mir erlauben, zu sprechen davon, wie auf der einen Seite Anthroposophie als eine Erkenntnis des Geistigen in der Welt und im Menschen leben kann und zwar als eine solche Erkenntnis von Welt und Mensch, daß es auf der anderen Seite möglich ist, aus einer solchen Erkenntnis wirkliche innere Seelenimpulse zu erhalten für das moralische und das religiöse Leben. Dadurch, daß dies überhaupt möglich sein wird, Erkenntnisse zu erhalten, die zu gleicher Zeit religiöse, moralische Impulse geben, dadurch wird Anthroposophie etwas anderes der Menschheit geben können als die Zivilisation der letzten Jahrhunderte. Diese krankte ja ganz besonders daran, daß Erkenntnisse großartiger Art da waren, Naturwissenschaft, ökonomische, philosophische Erkenntnisse; aber alle diese Erkenntnisse beschäftigten den Kopf des Menschen. Die moralischen, die religiösen Impulse müssen aus dem Herzen kommen, müssen aus dem Gemüte hervorsprießen. Sie waren da als religiöse, als moralische Ideale. Aber ob in diesen moralischen Idealen auch eine so starke Kraft ist, daß moralisches und religiöses Fühlen Welten schaffen kann, die eine Zukunft bedeuten, wenn die physische Welt der Gegenwart untergegangen sein wird, darüber konnte die neuere Wissenschaft nichts aussagen. Daraus aber entsprangen die großen Zweifel des verflossenen und des gegenwärtigen Zeitalters.

[ 3 ] In these three lectures, my dear friends, I would like to take the liberty of speaking about how, on the one hand, anthroposophy can live as an understanding of the spiritual in the world and in human beings—and indeed as such an understanding of the world and human beings that, on the other hand, it is possible to derive from this understanding genuine inner spiritual impulses for moral and religious life. Precisely because it will be possible to gain insights that simultaneously provide religious and moral impulses, anthroposophy will be able to offer humanity something different from the civilization of the past centuries. That civilization suffered, in particular, from the fact that there were magnificent insights—in the natural sciences, economics, and philosophy—but all these insights occupied only the human mind. Moral and religious impulses must come from the heart; they must spring forth from the soul. They existed as religious and moral ideals. But whether these moral ideals also contain a force strong enough that moral and religious feeling can create worlds that hold a future—once the physical world of the present has perished—is something modern science could say nothing about. Yet it was from this that the great doubts of the past and present ages arose.

[ 4 ] Von drei Aspekten aus möchte ich zunächst heute das Wesen des Menschen betrachten. Dieses Wesen des Menschen, wir verfolgen es, wir stehen selber darinnen mit unserem Schicksal zwischen der Geburt und dem Tode. Was wir da verfolgen, ist begrenzt auf der einen Seite von der Geburt, besser gesagt von der Konzeption, von der anderen Seite vom Tode. Geburt und Tod sind nicht das Leben, sie beginnen das Leben, sie schließen das Leben. Die Frage ist diese: Können wir mit derselben Betrachtung, mit der wir im Leben, in unserem eigenen Leben, im Leben anderer Menschen zwischen Geburt und Tod darinnenstehen, — können wir mit derselben Betrachtung Geburt und Tod selber anschauen, oder muß auch die Betrachtung eine andere werden, wenn wir an den Grenzen, bei Geburt und Tod, ankommen? Demnach sei der Aspekt des Todes, der in so deutlicher Weise das menschliche Leben begrenzt, das erste, was wir heute geistig ins Auge fassen wollen.

[ 4 ] Today, I would like to begin by examining the nature of the human being from three perspectives. We explore this nature of the human being; we ourselves are part of it, with our destiny unfolding between birth and death. What we are tracing here is bounded on one side by birth—or rather, by conception—and on the other side by death. Birth and death are not life; they mark the beginning and the end of life. The question is this: Can we view birth and death themselves with the same perspective with which we stand within life—in our own lives and in the lives of others—between birth and death? Or must our perspective change when we reach the boundaries of birth and death? Accordingly, let the aspect of death, which so clearly delimits human life, be the first thing we wish to contemplate spiritually today.

[ 5 ] Der Tod nimmt das Physische, das vor uns steht, vom Menschen im Erdenleben hinweg. Wie nimmt er dieses Physische hinweg? Die Erde mit ihren Elementen, sei es in ihrem eigenen Elemente, beim Begräbnis, sei es durch das Element des Feuers, bei der Kremation, die Erde mit ihren Elementen nimmt den physischen Menschen hinweg. Was kann sie mit dem, was wir mit unseren physischen Sinnen vom Menschen betrachten, was kann sie damit machen? Sie kann damit nur Zerstörung üben. Schauen wir hin auf die Kräfte, die um uns herum sind. Sie bauen, wenn ihnen der menschliche Leichnam überliefert wird, im menschlichen Körper nichts auf, sie zerstören. Wir können sagen: Dasjenige, was an Naturkraft um uns ist, ist nicht da zum Aufbau; denn wenn der menschliche Leib den Naturkräften überlassen wird, zerfällt er. Es muß also etwas anderes sein, was ihn aufbaut, etwas anderes als Irdisches, denn durch Irdisches zerfällt er.

[ 5 ] Death takes away the physical body that stands before us from the human being during earthly life. How does it take this physical body away? The earth with its elements—whether in its own element during burial, or through the element of fire during cremation—the earth with its elements takes the physical human being away. What can it do with what we perceive of the human being through our physical senses? It can do nothing but destroy it. Let us look at the forces around us. When the human corpse is handed over to them, they do not build anything up within the human body; they destroy it. We can say: The forces of nature around us are not there to build up; for when the human body is left to the forces of nature, it decays. So there must be something else that builds it up—something other than the earthly—for through the earthly it decays.

[ 6 ] Aber anders sieht diese ganze Sache aus, wenn man mit Erkenntniskräften, die durch Seelenübungen aus der Seele herausgeholt werden, den Tod des Menschen betrachtet. Die gewöhnlichen Erkenntniskräfte sehen den Leichnam, sonst nichts. Gelangt man aber durch Seelenübungen zu einer ersten Erkenntnisstufe, die ich in meinen Büchern geschildert habe, zur Imagination, dann verwandelt sich der Tod vollständig. Der Mensch entreißt sich im Tode der Erde. Und wir sehen, wenn wir die Erkenntnisstufe der Imagination ausbilden, in unmittelbarer Anschauung in lebendigen Bildern den Menschen im Tode nicht sterben, sondern auferstehen aus seinem Leichnam. Es verwandelt sich der physische Tod in Geistgeburt für die Erkenntnisstufe der Imagination. Vor dem Tode steht der Mensch da als Erdenmensch. Er kann sagen: Ich bin da an diesem Orte, draußen ist die Welt. — In dem Augenblick, wo der Tod eintritt, ist der Mensch nur da nicht, wo sein Leichnam ist. Er beginnt sein Dasein in den Weiten des Weltenraumes, er wird eins mit der Welt, die er früher nur angeschaut hat. Die Welt außer seinem Leibe wird nun sein Erlebnis, und damit wird das, was bisher Innenwelt war, Außenwelt; dasjenige, was bisher Außenwelt war, wird Innenwelt. Wir bekommen aus dem persönlichen Dasein heraus ein Weltendasein. Die Erde — so zeigt es sich für die imaginative Erkenntnis — gibt uns mit die Möglichkeit, durch den Tod zu gehen. Die Erde offenbart sich vor dieser imaginativen Erkenntnis als der Träger des Todes im Weltenall. Nirgends finden wir auf den Schauplätzen, die der Mensch betritt, im physischen oder geistigen Leben anderswo den Tod als auf der Erde. Denn im Augenblick, in dem der Mensch durch den Tod durchgeht und mit der Welt eins wird, bietet sich uns der zweite Aspekt dar, — nicht mehr der Aspekt des Todes, sondern jener Aspekt, in dem uns die Weiten des Raumes erscheinen als überall erfüllt von Weltgedanken. Die ganze Welt, der ganze Kosmos wird nun für die Anschauung und für den Menschen selbst, der durch den Tod gegangen ist, voll von Weltgedanken, die leben und weben in den Weiten des Raumes. Der Raumaspekt wird Offenbarer, so daß wir, wenn wir durch den Tod gehen, eintreten in eine Welt der Weltgedanken. Alles wirkt und webt in Weltgedanken. Das ist der zweite Aspekt des Todes.

[ 6 ] But this whole matter looks quite different when one observes human death using the powers of insight that are drawn from the soul through spiritual exercises. Ordinary powers of perception see only the corpse, nothing else. But if, through spiritual exercises, one reaches the first level of perception—which I have described in my books—that of imagination, then death is completely transformed. In death, the human being tears itself away from the earth. And when we develop the level of perception known as imagination, we see in direct vision, through vivid images, that the human being in death does not die, but rises from his or her corpse. Physical death is transformed into spiritual birth at the level of imagination. Before death, the human being stands there as an earthly being. He or she can say: “I am here in this place; out there is the world.” — At the very moment death occurs, the human being is simply not where his physical body is. He begins his existence in the vastness of the cosmos; he becomes one with the world he previously only observed. The world outside his body now becomes his experience, and thus what was previously the inner world becomes the outer world; what was previously the outer world becomes the inner world. We move from a personal existence to a cosmic existence. The Earth—as imaginative insight reveals—gives us the opportunity to pass through death. To this imaginative insight, the Earth reveals itself as the bearer of death in the cosmos. Nowhere else in the realms that human beings enter—whether in physical or spiritual life—do we find death as we do on Earth. For at the moment when a human being passes through death and becomes one with the world, a second aspect presents itself to us—no longer the aspect of death, but that aspect in which the vastness of space appears to us as universally filled with cosmic thoughts. The entire world, the entire cosmos, now becomes—for the beholder and for the human being who has passed through death—full of world-thoughts that live and weave throughout the vastness of space. The spatial aspect becomes more evident, so that when we pass through death, we enter a world of world-thoughts. Everything acts and weaves within world-thoughts. This is the second aspect of death.

[ 7 ] Wenn wit im Erdenleben Menschen gegenüberstehen, haben wir vor uns zunächst die Persönlichkeit des Menschen; er muß sprechen, wenn wir seine Gedanken haben wollen. Wir sagen dann: Die Gedanken sind in ihm, sie kommen durch seine Sprache zu uns, — Aber nirgends entdecken wir im Umkreis des Erdenlebens Gedanken für sich. Sie sind nur vorhanden in den Menschen und kommen aus ihnen heraus. Treten wir aus der Erdensphäre des Todes in die Raumessphäre der Gedanken, dann leben zunächst nicht Wesen da; wir treffen zunächst in den Weiten des Raumes nicht Wesen — weder Götter noch Menschen —, aber wir treffen überall Weltgedanken. Es ist so, wenn wir durch den Tod gegangen sind und die Weltenweiten betreten, wie wenn wir hier in der physischen Welt nicht zuerst den Menschen sehen würden, sondern, wenn wir dem Menschen entgegentreten, zuerst seine Gedanken wahrnehmen würden, ohne daß wir den Menschen selbst sehen. Wir würden eine Wolke von Gedanken sehen. Und wir sehen eine zweite Wolke: Wir begegnen nicht Wesen, wir begegnen den Weltgedanken, der allgemeinen Weltintelligenz.

[ 7 ] When we encounter people in earthly life, what we see before us first and foremost is the person’s personality; they must speak if we are to know their thoughts. We then say: The thoughts are within them; they come to us through their speech—but nowhere within the sphere of earthly life do we discover thoughts in and of themselves. They exist only within human beings and emerge from them. When we step out of the earthly sphere of death into the cosmic sphere of thoughts, there are initially no beings there; in the vastness of space, we do not initially encounter beings—neither gods nor humans—but we encounter cosmic thoughts everywhere. It is as if, after passing through death and entering the vastness of the worlds, we did not first see human beings here in the physical world, but rather, when we encounter a human being, we first perceive their thoughts without seeing the human being themselves. We would see a cloud of thoughts. And we see a second cloud: we do not encounter beings; we encounter the world-thoughts, the universal world intelligence.

[ 8 ] In dieser Sphäre der kosmischen Intelligenz lebt der Mensch einige Tage nach seinem Tode. Und in den Weltgedanken, die da weben, erscheint wie eine Einzelheit, ich möchte sagen, wie eine besondere Wolke, auf die man hinsieht, das eigene letzte Erdenleben, das man erlebt hat. Das ist eingeschrieben in die Weltenintelligenz. Man schaut das eigene Leben auf einmal, auf einmal in einem großen Tableau auf wenige Tage. Mit jedem Tage — es sind nur wenige — wird dasjenige, was in die Weltenintelligenz sich eingeschrieben hat, schwächer und schwächer. Es dehnt sich in den Weltenraum hinaus, es entschwindet einem. Während am Ende des Erdenlebens der Aspekt des Todes dasteht, steht am Ende des Erlebens nach wenigen Tagen das Entschwinden in die Weltenweiten. Wir haben so nach dem ersten Aspekt, den wir nennen können den Aspekt des Todes, den zweiten Aspekt, den wir nennen können den Aspekt des Entschwindens des Erdenlebens. Es ist tatsächlich nach dem Tode für jeden Menschen da ein Moment, wo eine ungeheure Sorge auftritt, Furcht, Angst, daß er sich verliere mit seinem ganzen Erdenleben in die Weltenweiten.

[ 8 ] In this sphere of cosmic intelligence, a person lives for a few days after death. And within the cosmic thoughts that weave there, one’s own last earthly life—the one one has lived—appears as a detail, I would say, like a distinct cloud that one looks upon. This is inscribed in the cosmic intelligence. One suddenly sees one’s own life—all at once, in a vast tableau—condensed into a few days. With each passing day—and there are only a few—what has been inscribed in the world intelligence grows weaker and weaker. It expands out into the vastness of the cosmos; it fades from one’s sight. While the aspect of death looms at the end of one’s earthly life, what stands at the end of this experience after a few days is the fading into the vastness of the cosmos. Thus, after the first aspect—which we can call the aspect of death—we have the second aspect, which we can call the aspect of the disappearance of earthly life. Indeed, after death, there is a moment for every human being when an immense anxiety arises—fear, dread—that they might lose themselves, along with their entire earthly life, into the vastness of the cosmos.

[ 9 ] Will man sich nun weiter in den Erlebnissen des Menschen nach dem Tode zurechtfinden, so reicht die Erkenntnis der Imagination nicht aus. Es muß eintreten die zweite Erkenntnisstufe, die Inspiration. Die Erkenntnisstufe der Imagination hat Bilder vor sich; sie sind im Grunde wie die Traumbilder. Nur können wir bei den Traumbildern nie überzeugt sein, ob wir eine Wirklichkeit dahinter haben; bei den Bildern der Imagination ist es immer so, daß sie ausdrücken durch ihre eigene Qualität eine Realität. Man lebt mit der Imagination in einer Bildwelt, die aber Realität ist. Diese Bildwelt, sie muß überwunden werden, wenn man dazu kommen will, dasjenige zu schauen, was der Mensch nach den wenigen Tagen, in denen er sein Leben geschaut hat, nach dem Tode erfährt.

[ 9 ] If one wishes to gain a deeper understanding of human experiences after death, the insight provided by the imagination is not sufficient. The second level of insight—inspiration—must come into play. The level of insight known as imagination presents images; these are essentially like dream images. However, with dream images we can never be certain whether there is any reality behind them; with the images of imagination, it is always the case that they express a reality through their very nature. Through imagination, one lives in a world of images that is, however, reality. This world of images must be transcended if one is to come to behold what a human being experiences after death, following the few days during which he has observed his own life.

[ 10 ] Diese Inspiration, die nun errungen werden muß nach der Imagination oder während der Imagination, die hat nicht Bilder vor sich; das ist eine Erkenntnis der Bildlosigkeit, aber des geistigen Hörens. Die inspirierte Erkenntnis nimmt die Weltintelligenz, die Weltgedanken so auf, daß man sie wie geistig hört. Von allen Seiten spricht es, erklingt das Weltenwort mit aller Deutlichkeit; man weiß, daß etwas dahinter ist. Man hat zunächst die Verkündigung. Und dann, wenn man sich hingeben kann dieser Inspiration, dann ist es so, daß man nun — hinter den Gedanken der Welt — die Wesenheiten der Welt beginnt wahrzunehmen in der Intuition. Imagination nimmt Bilder des Geistigen wahr, die Inspiration hört das Geistige geistig sprechen. Intuition nimmt die Wesen selber wahr. Ich sagte: Die Welt ist erfüllt mit Weltgedanken. — Die deuten noch auf keine Wesen, aber wir kommen dazu, hinter den Gedanken Worte zu vernehmen, die Wesenheiten der Welt zu schauen mit der Intuition.

[ 10 ] This inspiration, which must now be attained after or during the act of imagination, does not have images before it; it is a realization of the absence of images, but of spiritual hearing. Inspired realization takes in the intelligence of the world, the thoughts of the world, in such a way that one hears them as if spiritually. It speaks from all sides; the word of the world resounds with complete clarity; one knows that there is something behind it. First comes the proclamation. And then, when one can surrender to this inspiration, one begins—behind the thoughts of the world—to perceive the beings of the world through intuition. Imagination perceives images of the spiritual; inspiration hears the spiritual speaking spiritually. Intuition perceives the beings themselves. I said: The world is filled with world-thoughts. — These do not yet point to any beings, but we come to hear words behind the thoughts and to see the beings of the world through intuition.

[ 11 ] Der erste Aspekt ist der Aspekt des Todes, der Erdenaspekt; der zweite Aspekt, der uns in die Weiten des Raumes hinausführt, in die wir sonst verständnislos als Erdenmenschen hinausblicken, ist der Aspekt des Verschwindens des Menschen. Dann liefert uns der dritte Aspekt das, was die Raumesweiten auch für den sichtbaren Blick begrenzt, — der dritte Aspekt ist der Aspekt der Sterne. Aber die Sterne erscheinen nicht so wie für den physischen Anblick. Für den physischen Anblick sind die Sterne leuchtende Punkte an den Grenzen des Raumes, zu denen wir hinblicken. Sind wir bei der intuitiven Erkenntnis angekommen, so sind die Sterne Offenbarer der Weltwesen, der geistigen Weltwesen. Und wir schauen statt der physischen Sterne mit der Intuition Kolonien, geistige Kolonien im geistigen Weltall, die an den einzelnen Orten sind, an denen wir physische Sterne vermuten. Der dritte Aspekt ist der Aspekt der Sterne. Er führt uns ein, nachdem wir den Tod kennengelernt haben, nachdem wir die Weltintelligenz erkannt haben durch die Raumesweiten, er führt uns, der dritte Aspekt, ein in die Sphären der Weltwesen, der geistigen Weltwesen, er tritt als Menschenaspekt ein in die Sphären der Weltwesen, damit aber in die Sphäre der Sterne. Und so, wie zwischen Geburt und Tod den Menschen aufgenommen hat die Erde, so nimmt, nachdem der Mensch über den Abgrund der Weltenintelligenz hinweggegangen ist wenige Tage nach seinem Tode, die Sternenwelt den Menschen auf. Der Mensch war auf der Erde ein Erdenmensch unter Erdenwesen; er wird nach dem Tode ein Himmelswesen unter Himmelswesen. Die erste Sphäre, in die der Mensch eintritt, ist die Mondensphäre. Er betritt dann später die anderen Weltensphären. Ich darf vielleicht dasjenige, was ich ausführen will, um Ihnen eine kleine Unterstützung zu geben, schematisch an die Tafel zeichnen. Im Moment des Todes gehört der Mensch noch der Erdensphäre an. In diesem Moment hat für den Menschen keine Bedeutung mehr alles dasjenige, was irdisches Wissen umfassen kann. Auf der Erde haben wir verschiedene Stoffe, Metalle, andere Stoffe. Im Moment des Todes hört alle diese Differenzierung auf. Alle äußeren festen Stoffe sind irdisch, und der Mensch lebt im Moment des Todes in Erde, Wasser, Luft und Wärme. Die wenigen Tage nach dem Tode seien durch diese ‚blaue Sphäre, der Sphäre der Weltenintelligenz, bezeichnet. Der Mensch schaut sein eigenes Leben, der Mensch ist zwischen dem Erdengebiete und dem Himmelsgebiete. Er betritt wenige Tage nach dem Tode das Himmelsgebiet, zuerst die Sphäre des Mondes. In dieser Sphäre des Mondes begegnen wir als Mensch nun zuerst wirklichen Weltwesen, aber noch sehr menschenähnlichen; denn mit den Wesen, die wir hier wenige Tage nach unserem Tode in der Mondensphäre begegnen, waren wir früher auf der Erde schon einmal zusammen. Sie werden, meine lieben Freunde, in meinen Büchern nachlesen können, wie der Mond als physischer Weltenkörper sich einmal von der Erde getrennt hat. Er war mit ihr verbunden und wurde ein selbständiger Weltenkörper. Aber nicht nur der physische Mond hat sich von der Erde getrennt. Es waren einmal auf der Erde unter den Menschen große Lehrer der Menschheit, die großen Urlehrer der Menschheit, die die erste Weisheit den Menschen auf die Erde gebracht haben. Diese Urlehrer waren nicht in einem physischen Menschenleibe, sie waren nur in einem ätherischen Leibe auf der Erde vorhanden. Wenn der Mensch unterrichtet wurde von ihnen, so vernahm er das innerlich. Nachdem eine Weile diese großen Urlehrer auf der Erde verweilt hatten, trennten sie sich mit dem Monde von der Erde und bildeten jetzt eine Kolonie auf dem Monde, eine Kolonie der Mondenwesen. Diesen Urlehrern der Menschen auf der Erde, die seit langer Zeit von der Erde abgeschieden sind, denen begegnen wir als ersten Weltwesen wenige Tage nach dem Tode.

[ 11 ] The first aspect is that of death, the earthly aspect; the second aspect, which leads us out into the vastness of space—into which we, as earthly human beings, otherwise gaze without understanding—is the aspect of humanity’s disappearance. Then the third aspect provides us with that which also limits the expanses of space to the visible eye—the third aspect is the aspect of the stars. But the stars do not appear as they do to physical sight. To the physical eye, the stars are luminous points at the boundaries of space toward which we gaze. Once we have arrived at intuitive knowledge, the stars become revealers of world beings, of spiritual world beings. And instead of the physical stars, we see with our intuition colonies—spiritual colonies in the spiritual universe—located at the very places where we suspect physical stars to be. The third aspect is the aspect of the stars. It introduces us—after we have come to know death, after we have recognized the world intelligence through the vastness of space—it introduces us, this third aspect, into the spheres of the world beings, the spiritual world beings; it enters as the human aspect into the spheres of the world beings, and thereby into the sphere of the stars. And just as the Earth has received the human being between birth and death, so too, after the human being has crossed the abyss of world intelligence a few days after death, the world of the stars receives the human being. On Earth, the human being was an earthly being among earthly beings; after death, he becomes a celestial being among celestial beings. The first sphere into which the human being enters is the lunar sphere. He then later enters the other spheres of the worlds. Perhaps I may sketch what I wish to explain on the board to give you a little guidance. At the moment of death, a human being still belongs to the earthly sphere. At that moment, everything that earthly knowledge can encompass no longer has any significance for the human being. On Earth, we have various substances, metals, and other materials. At the moment of death, all this differentiation ceases. All external solid substances are earthly, and at the moment of death, the human being exists within earth, water, air, and warmth. The few days following death are characterized by this “blue sphere,” the sphere of world intelligence. The human being surveys their own life, existing between the earthly realm and the heavenly realm. A few days after death, they enter the celestial realm, beginning with the sphere of the Moon. In this sphere of the Moon, we as human beings first encounter true cosmic beings, though they are still very much like humans; for we were once together on Earth with the beings we meet here in the lunar sphere a few days after our death. You will be able to read in my books, my dear friends, how the Moon, as a physical celestial body, once separated from the Earth. It was connected to the Earth and became an independent celestial body. But it was not only the physical Moon that separated from the Earth. There were once on Earth, among humanity, great teachers of mankind—the great primordial teachers of humanity—who brought the first wisdom to the people of Earth. These primordial teachers did not inhabit a physical human body; they were present on Earth only in an etheric body. When a person was taught by them, they perceived it inwardly. After these great primordial teachers had remained on Earth for a while, they separated from Earth along with the Moon and formed a colony on the Moon—a colony of lunar beings. It is these primordial teachers of humanity on Earth, who have long since departed from Earth, whom we encounter as the first celestial beings a few days after death.

[ 12 ] Diese Zeit, die nun der Mensch nach dem Tode mit den Mondenwesen zusammenlebt, diese Zeit gibt dem Menschen ein Leben, das sich in einem merkwürdigen Verhältnis zu dem Erdenleben befindet. Wenn man mit der übersinnlichen Erkenntnis in das Leben eines solchen Menschen nach dem Tode eintritt, könnte man glauben, daß dieses Leben ein flüchtigeres, weniger dichtes sei als das Erdenleben, daß der Mensch gewissermaßen gegenüber dem Erdenleben mehr ein luftförmiges Dasein führt. Das ist aber nicht der Fall. Nimmt man mit der übersinnlichen Erkenntnis teil an dem Leben, das der Mensch nach dem Tode durchlebt, so stellt sich heraus, daß durch eine lange Zeit der Mensch ein Leben durchlebt, das viel realer auf ihn wirkt als das Erdenleben, demgegenüber das Erdenleben vielfach ein Traum ist. Es dauert ungefähr ein Drittel der Lebenszeit. Es ist bei verschiedenen Menschen verschieden, was jetzt durchlebt wird im Anschluß an die wenigen Tage nach dem Tode, die ich geschildert habe. Denn was erleben wir dann? Der Mensch gibt sich, wenn er zurückschaut auf die Erdenleben, einer Illusion hin. Er sieht nur die Tage, er beachtet nicht, was er geistig im Schlafe erlebt hat. Es ist im Leben nun einmal so, daß, wenn man nicht ein besonderer Schlafmensch ist, man ein Drittel des Lebens verschläft. Auf das schaut man nun zurück, man durchlebt es bewußt mit den vereinigten Mondenmächten. Das durchlebt man, weil diese großen Urlehrer der Menschheit ihr Dasein uns dann eingießen, mit uns leben; man durchlebt diese auf der Erde gar nicht bewußt vollbrachten Nächte in einer viel stärkeren Realität als das Erdenleben.

[ 12 ] This period, during which a person lives together with the lunar beings after death, gives the person a life that stands in a peculiar relationship to earthly life. If one enters into the life of such a person after death through supersensible knowledge, one might believe that this life is more fleeting, less dense than earthly life, that the person, so to speak, leads a more ethereal existence in comparison to earthly life. But that is not the case. If one participates through supersensible perception in the life that a person experiences after death, it becomes clear that for a long time the person lives a life that seems far more real to them than earthly life; in comparison, earthly life is in many ways a dream. It lasts about one-third of one’s lifetime. What is experienced following the few days after death that I have described varies from person to person. For what do we experience then? When a person looks back on their earthly lives, they succumb to an illusion. They see only the days; they do not take into account what they experienced spiritually during sleep. It is simply a fact of life that, unless one is a particularly heavy sleeper, one spends a third of one’s life asleep. One now looks back on this and consciously relives it together with the united lunar powers. One relives this because these great primordial teachers of humanity then infuse their presence into us and live with us; one relives these nights—which were not consciously experienced on Earth—in a reality far more intense than earthly life.

[ 13 ] Das, was ich hier gesagt habe, möchte ich mir erlauben, durch ein Beispiel zu belegen. Vielleicht kennen einige der lieben Freunde das erste oder ein anderes meiner «Mysteriendramen» und wissen, daß ich dort gezeichnet habe unter anderen Gestalten die Gestalt eines gewissen Strader. Dieser Strader ist künstlerisch gezeichnet nach einer lebenden Persönlichkeit, jetzt verstorbenen, aber damals lebenden Persönlichkeit. Nicht als ob das Erdenleben abgemalt worden wäre, aber es lag der Gestaltung des Strader in meinen «Mysterien» das Erdenleben eines Menschen zugrunde, der außerordentlich interessant war für mich, weil er aus verhältnismäßig einfachen Verhältnissen hineingewachsen ist zuerst in ein Priesterdasein, dann den Priesterrock abgeworfen hat und äußerlich Weltgelehrter geworden ist in einem gewissen rationalistischen Sinne. Die ganzen inneren Kämpfe dieses Mannes interessierten mich. Ich versuchte, sie geistig zu erfassen. Ich habe die vier «Mysterien» geschrieben, indem ich hingeschaut habe auf sein Erdenleben. Nachdem er tot war, konnte ich durch das Interesse, das ich an ihm genommen habe, ihm folgen nach dem Tode die Zeit hindurch, die er in der Mondensphäre durchlebt. Da ist er heute noch darinnen. Von diesem Momente ab, wo zu mir durchgebrochen ist diese Persönlichkeit, diese Individualität in dem Leben nach dem Tode in all der intensiven Realität, in dem dieses Leben nun wirkt, da löschte vollständig aus dasjenige, was einen für das Erdenleben in einem solchen Falle hat interessieren können. Man lebt nun ganz mit dieser Individualität nach dem Tode, und das drückte sich bei mir so aus, daß ich diese Individualität im vierten Mysteriendrama ebenfalls sterben lassen mußte, weil dieser Mensch mir auch nicht mehr als Erdenmensch gegenüberstand. Dies sei nur zur Bekräftigung der Behauptung hingestellt, daß dieses Leben nach dem Tode intensiver, substantieller, realer innerlich erlebt wird von den Menschen als das Erdenleben, das wie ein Traum ist.

[ 13 ] I would like to illustrate what I have said here with an example. Perhaps some of my dear friends are familiar with the first or another of my “Mystery Dramas” and know that I depicted, among other characters, the figure of a certain Strader. This Strader is artistically based on a real person—one who has since passed away but was alive at the time. Not that his earthly life was copied verbatim, but the character of Strader in my “Mystery Plays” was based on the earthly life of a man who was extraordinarily interesting to me because he had risen from relatively humble circumstances—first to a life as a priest, then cast off the priest’s robe and outwardly became a scholar of the world in a certain rationalistic sense. I was fascinated by all of this man’s inner struggles. I tried to grasp them spiritually. I wrote the four “Mysteries” by looking closely at his earthly life. After he died, the interest I had taken in him enabled me to follow him beyond death through the time he is now experiencing in the lunar sphere. He is still there today. From the moment this personality, this individuality, broke through to me in the life after death—in all the intense reality in which this life now operates—that which might have interested one in his earthly life in such a case was completely extinguished. One now lives entirely with this individuality after death, and this manifested itself in me in such a way that I also had to let this individuality die in the fourth Mystery Drama, because this person no longer stood before me as an earthly human being. This is offered merely to reinforce the assertion that this life after death is experienced inwardly by human beings as more intense, more substantial, and more real than earthly life, which is like a dream.

[ 14 ] Wir müssen aufmerksam darauf sein, daß der Mensch nach dem Tode sich herauslebt in die große Welt, in den Kosmos. Der Kosmos wird jetzt er selber. Er fühlt den Kosmos jetzt als seinen Leib, aber er fühlt auch moralisch dasjenige, was während seines Erdenlebens außer ihm war, jetzt in sich. Dasjenige, was in ihm war, fühlt er außer sich. Nehmen Sie ein ganz triviales Beispiel. Nehmen Sie an, Sie hätten sich während des Erdenlebens durch eine Emotion hinreißen lassen, jemandem einen Schlag zu geben, wodurch Sie ihm erstens physische Schmerzen verursachten und zweitens moralisches Leid zufügten. Nach dem Tode, in der Mondensphäre, durch den Einfluß jener Mondenindividualitäten, erleben Sie nun nicht, was Sie erlebt haben während des Erdenlebens, wo Sie aus innerem Ärger jemandem einen Schlag versetzt haben, vielleicht mit einem innerlichen Wohlgefallen, wo Sie nicht fühlten das Leid des anderen, — jetzt erleben Sie, was der andere erlebt hat. Den physischen Schmerz, das Leid, das der andere erfahren mußte, das erleben Sie in der Mondensphäre. Sie erleben das, was Sie selber getan haben oder auch gedacht haben während des Erdenlebens, nicht wie Sie es fühlten, sondern wie es der andere erlebt hat. So erlebt der Mensch in einem Drittel seiner Lebenszeit nach dem Tode alles dasjenige, was er gedacht, verübt hat während des Erdenlebens in der Art wiederum, wie es ihm die Mondenwesen, von denen ich gesprochen habe, in einer intensiven Realität zeigen, und zwar erlebt er dieses Leben rückwärtsgehend. Als ich zum Beispiel Strader — ich nenne ihn so in den Mysteriendramen, obwohl er anders geheißen hat — , als ich Straders Leben zurückerlebte mit ihm — er ist 1912 gestorben —, da war es so, daß er zuerst dasjenige erlebte, was er zuletzt auf der Erde erlebt hat, dann das Frühere und so weiter zurück. Wenn er mir jetzt vor die Seele tritt, erlebt er ungefähr in der anderen Sphäre, in der Mondensphäre, was er erlebte im Jahre 1875. Die Zeit zwischen 1912 und 1875 hat er seither zurückerlebt und wird weiter zurückerleben bis zu seinem Geburtsdatum.

[ 14 ] We must be mindful that after death, a person extends into the vast world, into the cosmos. The cosmos now becomes the person himself. He now feels the cosmos as his own body, but he also feels—on a moral level—that which was outside of him during his earthly life now within himself. What was within him, he now feels outside himself. Take a very trivial example. Suppose that during your earthly life, you allowed yourself to be carried away by an emotion and struck someone, thereby first causing them physical pain and second, inflicting moral suffering upon them. After death, in the lunar sphere, under the influence of those lunar individualities, you do not experience what you experienced during your earthly life—when, out of inner anger, you struck someone, perhaps with a sense of inner satisfaction, without feeling the other person’s suffering—but now you experience what the other person experienced. The physical pain, the suffering that the other person had to endure—you experience that in the lunar sphere. You experience what you yourself did or even thought during your earthly life, not as you felt it, but as the other person experienced it. Thus, for one-third of their time after death, human beings relive everything they thought and did during their earthly life—in the way that the lunar beings I have spoken of show it to them in an intense reality—and they experience this life in reverse. For example, when I relived Strader’s life with him—I call him that in the Mystery Dramas, although his name was different—he died in 1912—it was the case that he first experienced what he had experienced most recently on Earth, then what came before that, and so on backward. When he now appears before my soul, he is experiencing in the other sphere—the lunar sphere—what he experienced in the year 1875. He has since relived the period between 1912 and 1875 and will continue to relive it all the way back to his date of birth.

[ 15 ] So durchlebt der Mensch in einem Drittel nach dem Tode sein Leben rückwärts in den Sphären der Mondenwesen, die einmal Erdenwesen waren. Es ist dieses Leben der erste Keim zu demjenigen, was sich verwirklicht als das Karma in den folgenden Erdenleben. Man wird in diesem Leben, das da in einem Drittel der Erdenlebenszeit durchlebt wird, wirklich bekannt innerlich durch eigenes Fühlen und Wahrnehmen, bekannt damit, wie die eigenen Taten auf die anderen Menschen gewirkt haben. Und da geht, meine lieben Freunde, ein gewaltiger, im Inneren des Geistmenschen daseiender Wunsch auf, daß dasjenige, was man jetzt in geistiger Sphäre, in der Mondensphäre durchlebt, weil man es auf der Erde bewirkt hat in anderen Menschen, — daß das auf einen wieder abgeladen werde, damit Ausgleich sei. Der Entschluß, sein Schicksal gemäß den Erdentaten und den Erdgedanken zu verwirklichen, dieser Wunsch steht am Ende dieser Mondenzeit. Und wenn dieser Wunsch aus diesem Erleben, das zurückgeht bis zur Geburt, furchtlos ist, dann wird der Mensch reif, von der nächsten Sphäre, von der Merkursphäre aufgenommen zu werden. Der Mensch tritt dann ein in die Merkursphäre. In der Merkursphäre — das werden wir in dem nächsten Vortrage zu betrachten haben — erfährt der Mensch durch Wesenheiten, in deren Bereich er jetzt tritt, die niemals Erdenwesen waren, die immer überirdische Wesen waren, — in deren Bereich erfährt er, wie er weiter sein Schicksal gestalten kann. So werden wir ihn zu verfolgen haben durch Merkursphäre, Venussphäre und Sonnensphäre, um kennenzulernen dasjenige, was der Mensch durchmacht zwischen Tod und einer neuen Geburt, entsprechend als sein geistiges Dasein demjenigen, was er unter irdischen Wesen zwischen Geburt und Tod durchgemacht hat. Denn der Mensch lebt sein totales Leben im Erdendasein zwischen Geburt und Tod, im Himmelsdasein zwischen Tod und einer neuen Geburt. Daraus setzt sich sein gesamtes Leben zusammen: Wie? — davon wollen wir dann in den nächsten Vorträgen sprechen.

[ 15 ] Thus, for one-third of the time after death, a person relives their life in reverse in the spheres of the lunar beings, who were once earthly beings. This life is the first seed of what manifests as karma in subsequent earthly lives. In this life—which is lived through during one-third of the earthly lifespan—one truly comes to know, inwardly through one’s own feelings and perceptions, how one’s own actions have affected other people. And there, my dear friends, a powerful desire arises within the spiritual human being: that what one is now experiencing in the spiritual sphere—the lunar sphere—because of what one caused in other human beings on Earth—may be returned to one, so that balance may be restored. The resolve to realize one’s destiny in accordance with one’s earthly deeds and thoughts—this desire marks the end of this lunar period. And if this desire, arising from this experience that extends back to birth, is fearless, then the human being becomes ripe to be received by the next sphere, the Mercury sphere. The human being then enters the Mercury sphere. In the Mercury sphere—which we will examine in the next lecture—the human being learns, through beings into whose realm he now enters—beings who were never earthly beings but have always been super-earthly beings—how he can continue to shape his destiny. Thus we will follow the human being through the sphere of Mercury, the sphere of Venus, and the sphere of the Sun, in order to understand what the human being undergoes between death and a new birth, corresponding in their spiritual existence to what they experienced among earthly beings between birth and death. For the human being lives his entire life in earthly existence between birth and death, and in heavenly existence between death and a new birth. This is what constitutes his entire life: How? — We will discuss this in the next lectures.