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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume V
GA 239

7 June 1924, Wrocław

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Am allertiefsten greift ja die anthroposophische Weisheit dadurch in das Menschenleben ein, daß sie hinweist auf die umfassendsten kosmischen Geheimnisse, auf die Geheimnisse der ganzen Welt, die ja in der Wesenheit des Menschen eigentlich wiederum mikrokosmisch vereinigt sind. Aber in alledem, was uns auf diese Weise aus dem Kosmos heraus klar werden kann, lichtvoll werden kann, lebt etwas, das nicht nur ins Tägliche, sondern bis ins Stündliche des Menschenlebens hineinleuchtet, was dadurch, daß es dieses Menschenleben in bezug auf sein Schicksal, sein Karma behandelt, hineinleuchtet in dasjenige, was dem Menschenherzen unmittelbar naheliegt, ihm ja, wie gesagt, stündlich naheliegt. Und so möchte ich denn, von den verschiedensten Gesichtspunkten ausgehend, in diesen Tagen zu Ihnen namentlich sprechen über die anthroposophische Begründung derjenigen Ideen, derjenigen Geistesbilder, die uns das Karma des Menschen nahebringen können.

[ 1 ] Anthroposophical wisdom has its deepest impact on human life by pointing to the most comprehensive cosmic mysteries—the mysteries of the entire world—which are, in fact, united once again in a microcosmic form within the human being. But in all that which can thus become clear to us from the cosmos, which can become illuminated, there lives something that shines not only into the daily, but even into the hourly aspects of human life; something that, by addressing human life in terms of its destiny, its karma, shines into that which lies immediately close to the human heart—and, as I said, is close to us hour by hour. And so, drawing on a wide variety of perspectives, I would like to speak to you specifically in the coming days about the anthroposophical foundation of those ideas, those spiritual images, that can bring us closer to human karma.

[ 2 ] Wir wissen ja, daß in das Menschenleben, wie es abläuft zwischen Geburt und Tod, sozusagen zwei Augenblicke hineinspielen, die sich von allen anderen Augenblicken dieses irdischen Menschenlebens wesentlich unterscheiden. Das ist der Augenblick — es ist natürlich im wörtlichen Sinne kein Augenblick, aber Sie werden es verstehen —, in welchem der Mensch als geistig-seelisches Wesen heruntersteigt ins irdische Leben, annimmt einen physischen Leib als Werkzeug seines Wirkens im Irdischen, sich nicht nur umkleidet mit diesem physischen Leibe, sondern sich sozusagen in diesen physischen Leib verwandelt, um auf der Erde wirken zu können: der Anfang des irdischen Lebens, Geburt und Empfängnis. Der andere Augenblick ist der, in dem der Mensch aus dem irdischen Leben herausgeht, indem er durch die Pforte des Todes in die geistige Welt zurückkehrt.

[ 2 ] We know, of course, that in human life—as it unfolds between birth and death—there are, so to speak, two moments that differ fundamentally from all other moments of this earthly human life. This is the moment—it is, of course, not a moment in the literal sense, but you will understand—in which the human being, as a spiritual-soul being, descends into earthly life, takes on a physical body as an instrument for their activity on earth, and not only clothes themselves in this physical body but, so to speak, transforms themselves into this physical body in order to be able to act on earth: the beginning of earthly life, birth, and conception. The other moment is when a human being departs from earthly life by returning to the spiritual world through the gate of death.

[ 3 ] Wenn wir an den letzteren Augenblick uns zunächst halten, so sehen wir ja, wie in den ersten Tagen nach dem Tode die physische Menschenform bis zu einem gewissen Grade erhalten bleibt. Wir fragen uns aber: Wie verhält sich dasjenige, was da als physische Menschenform erhalten bleibt, zur Natur, zu demjenigen Dasein, das uns im Erdenleben in den verschiedenen Reichen der Natur umgibt? Sind diese Reiche der Natur, ist die ganze äußere Natur imstande, sich so zu dem Überreste der menschlichen Wesenheit zu verhalten, daß sie diesen Überrest in seiner Bildung aufrechterhalten kann? Nein, dazu ist die Natur nicht imstande. Die Natur ist einzig und allein in der Lage, dasjenige, was als menschlich-physisches Gebilde aufgebaut ist seit dem Hineintreten in das physische Erdenleben, zu zerstören, und mit dem Tode beginnt die Auflösung der Form, die der Mensch als seine Erdenform betrachtet. Wer diese ja ganz offensichtliche Wahrheit nur tief genug auf seine Seele wirken läßt, dem geht auf, wie einfach schon in der physischen Menschenform der Gegenbeweis gegen alles Materielle liegt. Denn wäre das Materielle richtig, so müßte man sagen können, die Natur baue die menschliche Form auf. Man kann es nicht sagen, denn die Natur kann die menschliche Form nur zerstören, nicht aufbauen. Und es kann von diesem Gedanken ein mächtiger Eindruck ausströmen. Er strömt auch aus, er wird nur sehr häufig nicht in die richtige Gedankenform gebracht. Er lebt im Unbewußten der menschlichen Seele, er lebt in allem, was wir beim Todesrätsel empfinden. Da aber lebt er doch ein energisches Dasein. Und Anthroposophie will ja nichts anderes, als solche Rätsel, die dem unbefangenen Menschensinn an dem Leben aufgehen, bis zu jenem Grade der Lösung bringen, der “ eben wiederum zur richtigen Führung des Lebens notwendig ist. Und so muß sie zunächst einfach den unbefangenen Menschengeist hinweisen auf dasjenige, was der Moment des Todes ist.

[ 3 ] If we focus first on this latter moment, we see that in the first few days after death, the physical human form is preserved to a certain degree. But we ask ourselves: How does that which remains as the physical human form relate to nature, to the existence that surrounds us in earthly life within the various realms of nature? Are these realms of nature—is all of external nature—capable of relating to the remnant of the human being in such a way that it can sustain this remnant in its formation? No, nature is not capable of this. Nature is solely capable of destroying that which has been built up as a human-physical form since entering physical earthly life, and with death begins the dissolution of the form that the human being regards as his earthly form. Whoever allows this—admittedly quite obvious—truth to sink deeply enough into their soul will realize how simply the physical human form itself serves as proof against all that is material. For if the material were true, one would have to be able to say that nature builds up the human form. One cannot say this, for nature can only destroy the human form, not build it up. And a powerful impression can radiate from this thought. It does radiate; it is just that very often it is not given the proper form of thought. It lives in the unconscious of the human soul; it lives in everything we feel regarding the mystery of death. Yet there it leads an energetic existence. And anthroposophy seeks nothing other than to bring such mysteries—which present themselves to the unbiased human mind in the context of life—to that degree of resolution which “is, in turn, necessary for the proper guidance of life.” And so it must first simply direct the unbiased human spirit toward what the moment of death actually is.

[ 4 ] Auf der anderen Seite kann sie hinweisen auf den Moment der Geburt. Aber über diesen Moment der Geburt kann man eigentlich nur eine der Todesvorstellung entsprechende Vorstellung gewinnen, wenn man sich ein wenig einläßt auf eine unbefangene Selbstbeobachtung. Diese Selbstbeobachtung muß auf das menschliche Denken gehen. Das menschliche Denken, es verbreitet sich über alles dasjenige, was in der physisch-sinnlichen Erdenwelt geschieht. Wir machen uns über das, was so in der Welt vorgeht, unsere Gedanken. Wir könnten gar nicht Menschen sein, wenn wir uns nicht diese Gedanken machten; denn durch die Bildung dieser Gedanken unterscheiden wir uns von allen anderen Wesenheiten, die uns in dem irdischen Bereiche umgeben. Aber wenn wir unsere Gedanken in unbefangener Selbstbeobachtung erfassen, dann erscheinen sie uns ja wirklich recht weit entfernt von alledem, was uns sonst als Wirkliches umgibt. Man stelle sich nur in der richtigen Art vor, wie innerlich-abstrakt und kalt wir werden, wenn wir uns dem Denken hingeben, gegenüber der Art, wie wir sind, wenn wir uns mit unserer Seele dem Leben hingeben. Darüber sollte gar kein Zweifel sein vor dem unbefangenen Gemüte, daß Gedanken als solche zunächst etwas Kaltes, Abstraktes, etwas Nüchternes, Trockenes haben. Aber es sollte zu dem ersten meditativen Erleben des Anthroposophen gehören, in der richtigen Art gerade unser Gedankenleben anzuschauen. Dann wird ihm an diesem Gedankenleben etwas aufgehen, was ihm sehr ähnlich erscheinen kann wie der Anblick, den wir gegenüber einem Leichnam haben. Was ist denn charakteristisch für den Anblick eines Leichnams? Da liegt er vor uns, dieser Leichnam. Wir sagen uns: In diesem Gebilde hat eine menschliche Seele, ein menschlicher Geist gelebt; diese menschliche Seele, dieser Geist sind fort. Wie eine Schale der Seele und des Geistes liegt das da, was ein menschlicher Leichnam ist, aber uns zugleich den Beweis liefernd, daß alles, was außermenschliche Welt ist, dieses Gebilde niemals hätte hervorbringen können, daß dieses Gebilde nur aus der innersten, geistbeseelten Menschennatur selber hervorgehen konnte, daß es ein Überrest ist von etwas, das nicht mehr ist. Die Form selber zeigt uns: Der Leichnam ist ja keine Wahrheit, er ist nur ein Rest von einer Wahrheit, er hat nur einen Sinn, wenn Seele und Geist darin leben. Jetzt in der übriggebliebenen Form hat er eben vieles verloren, aber so wie er ist, zeigt er gerade, daß Seele und Geist in ihm gewohnt haben.

[ 4 ] On the other hand, it can point to the moment of birth. But one can really only form a conception of this moment of birth that corresponds to the idea of death if one engages a little in unbiased self-observation. This self-observation must focus on human thinking. Human thinking extends to everything that happens in the physical, sensory world of the Earth. We form thoughts about what is happening in the world. We could not be human at all if we did not form these thoughts; for it is through the formation of these thoughts that we distinguish ourselves from all other beings that surround us in the earthly realm. But when we observe our thoughts through unbiased self-observation, they do indeed seem quite distant from everything else that otherwise surrounds us as reality. One need only properly imagine how inwardly abstract and cold we become when we give ourselves over to thinking, compared to how we are when we devote ourselves to life with our soul. There should be no doubt whatsoever in the unbiased mind that thoughts, as such, initially have something cold, abstract, sober, and dry about them. But it should be part of the anthroposophist’s first meditative experience to observe our life of thought in the right way. Then something will dawn on them regarding this life of thought that may seem very similar to the sight we have of a corpse. What, then, is characteristic of the sight of a corpse? There it lies before us, this corpse. We say to ourselves: A human soul, a human spirit, once lived within this form; that human soul, that spirit, is gone. A human corpse lies there like a shell of the soul and spirit, yet at the same time providing us with proof that nothing in the non-human world could ever have produced this form, that this form could only have emerged from the innermost, spirit-endowed human nature itself, that it is a remnant of something that is no longer. The form itself shows us: The corpse is, after all, no truth; it is merely a remnant of a truth; it has meaning only when soul and spirit dwell within it. Now, in the form that remains, it has indeed lost much, but just as it is, it shows precisely that soul and spirit once dwelt within it.

[ 5 ] Dann können wir unseren seelischen Blick auf das Denkleben richten. Es wird uns — zwar von einem etwas anderen Gesichtspunkte aus — auch so erscheinen, als ob es etwas Leichnamhaftes wäre. Das menschliche Denken, wenn wir es unbefangen in uns selber anschauen, kann eigentlich ebensowenig dutch sich selber bestehen, wie die menschliche Form im Leichnam. Die hat keinen Sinn, und der menschliche Gedanke, wie er die äußere Natur auffaßt, hat gar keinen Sinn, ebensowenig wie ein Leichnam. Denn die äußere Natur ist ja immer etwas, was von den Gedanken wohl erfaßt werden kann, aber niemals den Gedanken hervorbringen kann. Es könnte ja sonst keine Logik geben, die unabhängig von allen Naturgesetzen sieht, was denkerisch richtig und falsch ist. Wenn wir den Gedanken hier in der irdischen Welt auffassen und ihn richtig durchschauen, muß er uns als ein Leichnam, als ein seelischer Leichnam erscheinen, wie das als ein physischer Leichnam erscheint, was vom Menschen übrigbleibt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Wir verstehen die Form des Menschen nur, wenn wir sie anschauen als einen Rest dessen, was ein belebter Mensch übriggelassen hat im Tode. Denken Sie sich einmal, es gäbe nur einen einzigen Menschen auf der Erde und der wäre gestorben, und ein Marsbewohner käme herunter und schaute sich diesen Leichnam an: er würde ihn gar nicht verstehen. Er könnte alle Formen im Mineralischen, Pflanzlichen, Tierischen studieren und würde doch nicht begreifen, wie diese Form, die da tot liegt, zustande kommen konnte. Denn sie widerspricht sich selbst, und sie widerspricht der ganzen außermenschlichen, irdischen Welt. Sie verrät in sich selber, daß sie von etwas verlassen worden ist, denn sie könnte nicht so sein, wie sie ist, wenn sie nur immer so sich selbst überlassen gewesen wäre.

[ 5 ] Then we can turn our spiritual gaze toward the life of thought. It will also appear to us—albeit from a somewhat different perspective—as if it were something corpse-like. Human thought, when we observe it impartially within ourselves, can in fact no more exist through itself than the human form can exist in a corpse. The latter has no meaning, and the human thought, as it perceives external nature, has no meaning at all—just as a corpse has none. For external nature is, after all, always something that can be grasped by thoughts, but can never give rise to thoughts. Otherwise, there could be no logic that, independent of all natural laws, discerns what is intellectually right and wrong. When we perceive thought here in the earthly world and truly see through it, it must appear to us as a corpse, as a spiritual corpse, just as what remains of a human being after he has passed through the gate of death appears as a physical corpse. We can only understand the human form if we regard it as a remnant of what a living human being has left behind in death. Just imagine for a moment that there were only a single human being on Earth and that person had died, and a Martian came down and looked at this corpse: he would not understand it at all. He could study all the forms in the mineral, plant, and animal kingdoms and still would not comprehend how this form, lying there dead, could have come into being. For it contradicts itself, and it contradicts the entire non-human, earthly world. It reveals within itself that it has been abandoned by something, for it could not be as it is if it had always been left to its own devices.

[ 6 ] Geradeso ist es mit unseren Gedanken. Die könnten gar nicht so sein wie sie sind, wenn sie nur durch die äußere Natur da wären. Sie sind ein Seelenleichnam, dem physischen Leichnam zu vergleichen. Wenn ein Leichnam da ist, muß etwas gestorben sein. Was ist gestorben? Gestorben ist diejenige Form des Denkens, die wir gehabt haben, bevor wir heruntergestiegen sind in die irdische Welt. Da lebte das, was im abstrakten Gedanken tot ist. Es verhält sich das Denken der Seele, die noch keinen Körper hatte, zu dem Gedanken, wie wir ihn nun haben, so, wie sich der beseelte und durchgeistigte Mensch zum Leichnam verhält. Und wir Menschen im physischen Leibe sind das Grab, in dem begraben worden ist das lebendige Seelenleben des vorirdischen Daseins. Der Gedanke war in der Seele lebendig. Die Seele ist für die geistige Welt gestorben. Wir tragen nicht den lebendigen Gedanken, wir tragen den Gedankenleichnam in uns.

[ 6 ] It is exactly the same with our thoughts. They could not possibly be as they are if they were brought about solely by external nature. They are a corpse of the soul, comparable to the physical corpse. If there is a corpse, something must have died. What has died? What has died is the form of thinking we possessed before we descended into the earthly world. There, what is dead in abstract thought was alive. The thinking of the soul, which did not yet have a body, relates to the thought we now have in the same way that the animated and spiritualized human being relates to a corpse. And we humans in our physical bodies are the grave in which the living soul life of our pre-earthly existence has been buried. Thought was alive in the soul. The soul has died to the spiritual world. We do not carry living thought; we carry the corpse of thought within us.

[ 7 ] Das ist es, was sich ergibt, wenn wir an die andere Seite des irdischen Lebens gehen, die entgegengesetzt liegt der Seite des Todes, wenn wir nach der Geburt hin gehen. Wir sagen uns: In einer gewissen Weise stirbt das Geistige im Menschen durch die Geburt; das Physische am Menschen stirbt durch den Tod. — Dann sprechen wir richtiger über diese Tatsachen, als gewöhnlich gesprochen wird in unserer Zeit.

[ 7 ] This is what happens when we move toward the other side of earthly life—the side opposite to death—when we move toward birth. We say to ourselves: In a certain sense, the spiritual aspect of the human being dies through birth; the physical aspect of the human being dies through death. — Then we speak more accurately about these facts than is usually the case in our time.

[ 8 ] Wenn wir zuerst die Eingangspforte in die Anthroposophie suchen durch ein gemütvolles Hinlenken der Seele zu dem Tode und uns so begreiflich machen, wie das Denken ein Leichnam ist gegenüber dem vorirdischen Denken, dann weitet sich uns der Blick auf den Menschen über das Erdenleben hinaus, und wir bereiten uns erst dadurch vor, die anthroposophische Lehre, die anthroposophische Weisheit aufzunehmen. Nur weil man nicht in der richtigen Weise auf dasjenige sieht, was im Erdenleben zwar noch da ist, wenn auch als Leichnam — aber dazu ist das Erdenleben die Stelle —, deshalb findet man so schwer den naturgemäßen Weg zur Anthroposophie. Heute überschätzt man das Denken, aber man kennt es eigentlich nicht; man kennt es nur in seiner seelen-leichnamhaften Beschaffenheit.

[ 8 ] If we first seek the gateway to anthroposophy by turning our soul with deep feeling toward death, and thus come to understand how the human mind is a corpse in comparison to pre-earthly thinking, then our view of the human being expands beyond earthly life, and only through this do we prepare ourselves to receive the anthroposophical teaching, the anthroposophical wisdom. It is precisely because people do not view in the right way that which is still present in earthly life—albeit as a corpse—that is why it is so difficult to find the natural path to anthroposophy. Today, people overestimate thinking, but they do not really know it; they know it only in its soul-corporeal nature.

[ 9 ] Nun, wenn man so die Gedanken lenkt, wie ich sie versuchte vor Ihnen zu lenken, dann wird man ja stark auf die zwei Seiten des ewigen Lebens der menschlichen Seele gewiesen. Wir haben ja, im Grunde aus den menschlichen Hoffnungen heraus, nur ein Wort in den modernen Sprachen für die halbe Ewigkeit, die jetzt beginnt und nicht aufhört. Wir haben nur das Wort «Unsterblichkeit», weil den Menschen unseres Zeitalters vorzugsweise interessiert, was nach dem Tode geschieht. Er ist jetzt da, und es hängt mit allen seinen Lebensinteressen zusammen, zu wissen, was nach dem Tode geschieht. Aber es gab Zeiten in der Menschheitsentwickelung, da interessierte den Menschen noch ein anderes. Heute sagt sich der mehr egoistisch denkende Mensch: Das, was auf den Tod folgt, interessiert mich, denn ich möchte wissen, ob ich über den Tod hinaus lebe; das, was vor der Geburt war oder vor der Empfängnis, interessiert mich nicht. — Denn er ist da, der Mensch, also denkt er über das vorirdische Leben nicht ganz so nach wie über das nachtodliche. Aber zum Ewigen der Menschenseele gehören diese zwei Seiten: die Unsterblichkeit und die Ungeborenheit. Ältere, ursprüngliche Mysteriensprachen der Menschen, die noch, dem Zeitalter entsprechend, die übersinnliche Welt sahen, hatten auch für Ungeborenheit ein entsprechendes Wort. Wir müssen uns erst wiederum eines abringen dadurch, daß wir nach solchen Richtungen hin die Gedanken lenken. Dadurch aber werden wir auch zu der ganz andersartigen Gesetzmäßigkeit geführt als die Naturgesetzmäßigkeit ist, wie sie im Menschen besteht: zu dem menschlichen Schicksal.

[ 9 ] Well, if one directs one’s thoughts in the way I have tried to direct them before you, then one is strongly drawn to the two aspects of the eternal life of the human soul. After all, stemming essentially from human hopes, we have only one word in modern languages for the half-eternity that now begins and never ends. We have only the word “immortality” because people of our age are primarily interested in what happens after death. They are here now, and knowing what happens after death is intertwined with all their interests in life. But there were times in human development when people were interested in something else. Today, the more self-centered person says to himself: What follows death interests me, for I want to know whether I live on beyond death; what came before birth or before conception does not interest me. — For the human being is here, and so he does not reflect on pre-earthly life quite in the same way as he does on life after death. But these two aspects—immortality and pre-birth existence—are part of the eternal nature of the human soul. Older, primordial mystery languages of humanity, which, in keeping with their era, still perceived the supersensible world, also had a corresponding word for pre-birth existence. We must first wrest this understanding from ourselves by directing our thoughts in such directions. Through this, however, we are also led to a lawfulness entirely different from the natural law as it exists in human beings: to human destiny.

[ 10 ] Zunächst tritt uns ja dieses menschliche Schicksal nur so vor die Seele, daß es uns sozusagen wie zufällig trifft, daß es sich wie zufällig auslebt. Wir vollbringen dies und jenes aus diesem oder jenem Impulse heraus und müssen uns dem gewöhnlichen Leben gegenüber sagen: In unzähligen Fällen kommt es vor, daß dem Guten schwierige, leidvolle, tragische Lebenserfahrungen beschieden sind, wogegen demjenigen, der gar nicht gute Absichten hat, nicht schlimme, sondern gerade gute Lebenserfahrungen zuteil werden. Den Zusammenhang zwischen dem, was seelisch von uns ausgeht, und dem, was uns schicksalsmäßig trifft, diesen Zusammenhang sehen wir mit dem gewöhnlichen Bewußtsein im gewöhnlichen Leben bekanntlich nicht. Wir sehen, wie das Gute getroffen werden kann von den schlimmsten Schicksalsschlägen, das Böse nicht getroffen zu werden braucht von etwas anderem als oftmals von einem relativ guten Schicksal. Wir sehen im Naturgeschehen die Notwendigkeit, wie Wirkungen auf die Ursachen folgen; wir können das in geistiger Beziehung, in das unser moralisches Leben eingesponnen ist, nicht sehen. Und dennoch, wenn wir wiederum unbefangen auf das Leben hinsehen, sehen wir auch das Schicksal sich so abspielen, daß wir uns sagen müssen: es fließt so das Schicksal fort, daß wir es selber gesucht haben.

[ 10 ] At first, this human fate appears to us only in such a way that it strikes us, so to speak, as if by chance, and unfolds as if by chance. We do this or that out of one impulse or another, and we must admit to ourselves in the context of ordinary life: In countless cases, it happens that those who are good are dealt difficult, painful, and tragic life experiences, whereas those who have no good intentions at all are not dealt bad experiences, but rather good ones. As is well known, with our ordinary consciousness in everyday life, we do not perceive the connection between what emanates from us spiritually and what befalls us as a matter of fate. We see how the good can be struck by the worst blows of fate, while the evil need not be struck by anything other than—as is often the case—a relatively good fate. In the workings of nature, we see the necessity of effects following causes; we cannot see this in the spiritual realm in which our moral life is woven. And yet, when we look at life with an open mind, we also see fate unfolding in such a way that we must say to ourselves: fate flows on in a way that we ourselves have sought.

[ 11 ] Man sei nur ganz unbefangen sich selbst gegenüber. Man schaue sich in irgendeinem Zeitpunkte des Lebens, den man in dieser Inkarnation erreicht hat, das frühere Leben an. Sagen wit, es ist einer fünfzig Jahre alt geworden und er schaut mit unbefangenem Blicke diese fünfzig Jahre zurück bis in die Kindheit; dann sieht man, wie man eigentlich durch einen inneren Drang zu allem selber hingegangen ist, was einen trifft. Es ist unangenehm, es zu beobachten; aber man verfolge die Dinge rückwärts, und man sieht, wie man sich sagen muß bei dem, was ausschlaggebend ist im Leben: Man hat sich wie zu einem Punkte, auf den man im Raum losgeht, so in der Zeit zu diesen Ereignissen des Lebens hinbewegt. — Es fließt schon das Schicksalsmäßige aus uns selber. Deshalb ist es durchaus begreiflich, wenn solche Menschen, die nun auch etwas väterlich geworden sind, wie Goethes Freund Knebel, sich sagen: Betrachtet man dieses Menschenleben, so kommt es einem ganz planvoll vor. Gewiß, dieser Plan ist nicht immer so, daß, wenn man auf ihn zurückblickt, man sich auch immer sagt: Wenn ich so zurückschaue, da würde ich es wieder so tun. — Aber dennoch, wenn man auf die Einzelheiten, die man getan hat, hinsieht, sieht man immer: Man hat zum Vorhergehenden das Folgende zugesetzt aus inneren Trieben heraus, und so ist es geschehen, daß dieses oder jenes Ereignis in unser Leben hineinfiel, — Man kommt auf diese Weise dazu, einzusehen, daß eine ganz andere Gesetzmäßigkeit durch unser moralisches Seelenleben sich ausdrückt als im Naturleben. Durch alles das kann man sich dann die Stimmung schaffen, in der man gegenübertreten muß dem Geistesforscher, der nun aus der Anschauung der geistigen Welt die Gestaltung des Schicksals ebenso zu schildern weiß, wie der Naturforscher aus den Naturvorgängen die Naturgesetze. Und eben dieses Erfassen der geistigen Gesetzlichkeit im Weltenall, das ist die Aufgabe der Anthroposophie in der Gegenwatt.

[ 11 ] One should simply be completely unbiased toward oneself. At any point in life that one has reached in this incarnation, let us look back on one’s past life. Let us say someone has reached the age of fifty and looks back with an unbiased gaze over these fifty years, all the way back to childhood; then one sees how, through an inner impulse, one has actually moved toward everything that has come one’s way. It is unpleasant to observe this; but if one traces things backward, one sees how one must admit, regarding what is decisive in life: One has moved toward these events in life in time, just as one sets out toward a point in space. — The fateful element flows from within ourselves. That is why it is entirely understandable when such people, who have now also become somewhat fatherly, like Goethe’s friend Knebel, say to themselves: If one considers this human life, it seems quite deliberate. Certainly, this plan is not always such that, when one looks back on it, one always says to oneself: Looking back this way, I would do it again just the same. — But nevertheless, when one looks at the specific actions one has taken, one always sees: One has added what followed to what came before out of inner impulses, and so it came to pass that this or that event occurred in our lives—in this way, one comes to realize that a completely different law is expressed through our moral life of the soul than in natural life. Through all of this, one can then create the frame of mind necessary to encounter the spiritual researcher, who—drawing on his insight into the spiritual world—is able to describe the shaping of destiny just as the natural scientist describes the laws of nature based on natural processes. And it is precisely this grasping of spiritual laws in the universe that is the task of anthroposophy in the present age.

[ 12 ] Davon zunächst einleitend ein paar Worte, Sie erinnern sich, ich habe zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft» angeführt und auch in anderen Zusammenhängen dargestellt, wie dasjenige, was uns als Mond draußen vom Himmel herunterscheint, einmal mit der Erde verbunden war, wie der physische Mondenkörper sich von der Erde losgelöst hat, in einem ganz bestimmten Zeitpunkt sich getrennt hat von der Erde. Der Mond wird sich in einer zukünftigen Zeit wieder mit der Erde vereinigen. Aber nicht nur der physische Mond hat sich von der Erde getrennt, sondern auch gewisse Bewohner, die auf der Erde waren, als der physische Mond noch mit der Erde verbunden war, haben sich von der Erde getrennt. Wenn wir dasjenige, was als geistige Güter innerhalb der menschlichen Entwickelung lebt, nehmen, so kommen wir auch nur durch eine solche Betrachtung immer mehr darauf, daß zwar die gegenwärtige Menschheit ungeheuer gescheit ist — fast alle Menschen sind heute ungeheuer gescheit —, abet nicht weise. Weisheitsgüter — wenn auch nicht in verstandesmäßiger Form, sondern mehr in poetisch-bildhafter Form — waren einmal am Beginne der Menschheitsentwickelung da, hinausverstreut unter die Menschheit unserer Erde von großen Lehrern, von Urlehrern, die unter den Menschen waren. Diese Urlehrer der Menschheit waren nicht in einem physischen Menschenleibe wohnend, sie verkörperten sich nur in einem Ätherleibe, und der Verkehr mit ihnen war etwas anders, als erzwischen physischen Menschen ist. Diese Lehrer wanderten in einem Ätherleibe auf der Erde herum. Der Mensch, dem sie Führer wurden, der fühlte ihre Nähe in seiner Seele. Er fühlte in seine Seele etwas hineinkommen, was wie eine Inspiration war, wie ein innerliches Aufleuchten von Wahrheiten, auch von Anschauungen. Auf eine geistige Weise lehrten sie. Aber es war in der damaligen Zeit der Erdenentwickelung so, daß man unterschied Menschen, die man sehen kann, und Menschen, die man nicht sehen kann. Man machte nicht Anspruch darauf, Menschen, die man nicht sehen kann, sehen zu wollen, denn man hatte die Gabe, von ihnen die Lehren zu empfangen, auch wenn man sie nicht sah. Man hörte diese Lehren aus dem Innern der Seele heraus kommen und man sagte sich: Wenn diese Lehren kommen, dann hat sich mir genaht ein großer Urlehrer der Menschheit. — Und man hatte auch nicht etwa äußerlich Anschauungen von diesen Urlehrern; man begegnete ihnen im geistigen Schauen. Man schüttelte ihnen nicht physisch die Hand, aber begegnete sich doch und fühlte so etwas wie einen geistigen Händedruck.

[ 12 ] To begin with, a few introductory words on this: You may recall that I have mentioned, for example, in my Occult Science and also described in other contexts how that which shines down on us from the sky as the Moon was once connected to the Earth, how the physical body of the Moon detached itself from the Earth, separating from it at a very specific point in time. The Moon will reunite with the Earth in the future. But it was not only the physical Moon that separated from the Earth; certain inhabitants who were on Earth when the physical Moon was still connected to it also separated from the Earth. If we consider what lives as spiritual assets within human development, it is only through such contemplation that we increasingly come to realize that, although present-day humanity is immensely intelligent—almost all people today are immensely intelligent—it is not wise. Gifts of wisdom—albeit not in an intellectual form, but rather in a poetic, imagery-rich form—once existed at the dawn of human development, scattered among the people of our Earth by great teachers, by primordial teachers who were among humanity. These primordial teachers of humanity did not dwell in a physical human body; they embodied themselves only in an etheric body, and interaction with them was somewhat different from that between physical human beings. These teachers wandered the Earth in an etheric body. The person whom they guided felt their presence within their soul. They felt something enter their soul that was like an inspiration, like an inner illumination of truths and insights. They taught in a spiritual way. But at that stage of Earth’s development, a distinction was made between people who could be seen and those who could not be seen. People did not claim to want to see those who could not be seen, for they had the gift of receiving their teachings even without seeing them. They heard these teachings emerge from the depths of their souls and said to themselves: When these teachings come, then a great Primordial Teacher of humanity has drawn near to me. — Nor did one have any external perceptions of these primordial teachers; one encountered them through spiritual vision. One did not physically shake their hands, but one did meet them and felt something like a spiritual handshake.

[ 13 ] Diese Urlehrer haben der Menschheit die ursprünglichen großen Weistümer gegeben, die nur im Nachklang erhalten sind selbst in solchen Schöpfungen, wie es die Veden sind und die Vedantaphilosophie. Selbst diese großen Lehren des Orients sind doch nur Nachklänge. Da war einmal eine Urweisheit über die Menschheit der Erde ausgebreitet, die dann zugrunde gegangen ist, damit die Menschen aus sich selber heraus in freiem Wollen sich wieder hinaufarbeiten können zum Geist. Freiheit des Menschenwesens wäre nicht möglich gewesen, wenn die Urlehrer dageblieben wären. Diese waren daher eine verhältnismäßig kurze Zeit, nachdem der Mond sich getrennt hatte von der Erde, dem Monde gefolgt und haben ihren Wohnplatz in dieser Weltenkolonie des Mondes aufgeschlagen. Sie sind wichtigste Bewohner dieser Mondenkolonie seit jener Zeit geworden, seit der sie sich von der Erde getrennt und die Menschen sich selber überlassen haben. Aber wenn wir auch seit jener Zeit diesen großen Urlehrern nicht mehr hier auf der Erde begegnen, begegnen wir ihnen doch als Menschen, die von Erdenleben zu Erdenleben gehen, in unserem Leben nach dem Tode, und zwar sehr bald, nachdem wir durch die Pforte des Todes gegangen sind. Auch das ist geschildert worden, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes geht, erlebt, wie sich, nachdem er den physischen Leib verlassen hat,'der Ätherleib immer mehr weitet, immer größer und größer, aber auch dünner wird, und zuletzt im Weltenall verschwindet. Dann aber, dann fühlen wir unser Dasein nicht auf der Erde, sondern wir fühlen diese wenigen Tage nach dem Tode, nachdem wir den Ätherleib abgelegt haben, unser Dasein im unmittelbaren Umkreis der Erde. Ein paar Tage nach dem Tode fühlen wir uns nicht auf dem Erdenkörper lebend, sondern wir fühlen so, wie wenn dieser Erdenkörper erweitert wäre bis dahin, wo der Mond um die Erde herumkreist. Wir fühlen uns auf einer vergrößerten Erde, und wir fühlen gar nicht den Mond als nur einen Körper, sondern wir fühlen die ganze Sphäre als eins, die Mondenbahn nur als das Ende der Sphäre; die Erde einfach vergrößert wie bis zur Mondensphäre hin und geistig geworden. Wir sind in der Mondensphäre, und in dieser Mondensphäre verbleiben wir nun eine längere Zeit nach dem Tode. Da aber kommen wir zunächst wiederum zusammen mit denjenigen geistigen Wesenheiten, die im Ausgangspunkt des Erdendaseins des Menschen die großen Urlehrer waren. Die ersten Wesenheiten, denen wir nach unserem Tode im Kosmos sozusagen begegnen, sind diese ersten Urlehrer der Menschen; in deren Bereich kommen wir wieder. Und es ist nun eine merkwürdige Erfahrung, die wir machen.

[ 13 ] These primordial teachers bestowed upon humanity the original great wisdom, which has been preserved only as an echo—even in such works as the Vedas and Vedanta philosophy. Even these great teachings of the East are, after all, merely echoes. There was once a primordial wisdom spread throughout humanity on Earth, which then perished so that human beings could, of their own accord and through free will, work their way back up to the Spirit. Human freedom would not have been possible if the Primordial Teachers had remained. Therefore, a relatively short time after the Moon separated from the Earth, they followed the Moon and established their dwelling place in this lunar colony. They have become the most important inhabitants of this lunar colony ever since that time, ever since they separated from the Earth and left humanity to its own devices. But even though we no longer encounter these great Primordial Teachers here on Earth since that time, we do encounter them—as human beings who pass from one earthly life to the next—in our life after death, and indeed very soon after we have passed through the gate of death. It has also been described that when a person passes through the gate of death, they experience how, after leaving the physical body, the etheric body expands more and more, becoming ever larger and larger, yet also thinner, and finally vanishes into the vastness of the universe. But then, then we do not feel our existence on Earth; rather, during those few days after death, after we have shed the etheric body, we feel our existence in the immediate vicinity of the Earth. A few days after death, we do not feel ourselves living on the Earth’s body, but we feel as if this Earth’s body were extended all the way to where the Moon orbits the Earth. We feel ourselves on an enlarged Earth, and we do not perceive the Moon merely as a separate body, but rather we perceive the entire sphere as one, the Moon’s orbit merely as the boundary of the sphere; the Earth simply enlarged to the extent of the lunar sphere and made spiritual. We are in the lunar sphere, and in this lunar sphere we now remain for a longer period after death. There, however, we first reunite with those spiritual beings who were the great primordial teachers at the very beginning of human existence on Earth. The first beings we encounter, so to speak, in the cosmos after our death are these first primordial teachers of humanity; we return to their realm. And it is a remarkable experience that we have.

[ 14 ] Man könnte sich leicht vorstellen, das Dasein nach dem Tode, das eben eine Zeitlang dauert — von der Zeit werde ich noch zu sprechen haben —, habe etwas Schattenhaftes gegenüber dem Erdenleben. Das Erdenleben kommt uns ja so robust vor, wir können überall die Dinge anpacken, sie sind dicht; der Mensch ist dicht, kompakt. Wir bezeichnen etwas als wirklich dann, wenn wir es recht angreifen können. Dieses robuste Erdenleben erscheint uns, wenn wir durch die Todespforte gegangen sind, eigentlich wie ein Traum. Denn wir treten, indem wir auf die geschilderte Weise in den Mondenbereich eintreten, in ein Dasein, das uns nunmehr viel realer, viel mehr von Wirklichkeit durchsättigt erscheint, und das aus dem Grunde, weil diese Urlehrer der Menschheit, die ihr Dasein in der Mondenregion fortsetzen, uns mit ihrem eigenen Sein durchdringen und uns alles viel realer erscheinen lassen, als wie wir hier als Erdenmenschen die Dinge der Welt erleben. Und was erleben wir?

[ 14 ] One could easily imagine that life after death—which lasts only a short while (I will speak more about this time later)—has a somewhat shadowy quality compared to earthly life. Earthly life, after all, seems so robust to us; we can grasp things everywhere, they are solid; human beings are solid, compact. We call something “real” when we can truly grasp it. Once we have passed through the gate of death, this robust earthly life actually seems to us like a dream. For when we enter the lunar realm in the manner described, we step into an existence that now appears to us much more real, much more saturated with reality, and this is because these primordial teachers of humanity, who continue their existence in the lunar region, permeate us with their very being and make everything appear much more real to us than how we, as earthly human beings, experience the things of the world here. And what do we experience?

[ 15 ] Nun, sehen Sie, das Erdenleben erleben wir ja eigentlich nur fragmentarisch. Wenn wir so zurückblicken mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, dann kommt es uns wie ein einheitlicher Strom vor. Wie haben wir aber gelebt? Wir haben gelebt schattenhaft, einen Tag, dann folgt eine Nacht. Aber daran erinnert sich das gewöhnliche Bewußtsein nicht. Dann kommt wieder ein Tag, dann wieder eine Nacht, und so geht es fort, und wir setzen in der Erinnerung die Tage nur zusammen. Wir müssen in einer wahren Rückerinnerung immer die Tage unterbrechen mit dem, was wir in der Nacht erlebt haben, immer die Tage unterbrechen durch die Nächte. Das tut das gewöhnliche Bewußtsein mit einem gewissen Recht nicht, weil es herabgedämpft ist im Schlafe. Wenn wir unter diesen Mondenwesen sind, die einmal die Urlehrer der Menschheit waren, dann erleben wir gerade dasjenige, was wir in den Nächten durchgemacht haben hier auf der Erde. Daraus ergibt sich auch, wie lange diese Form des Daseins in der Mondenregion dauert. Wenn einer nicht eine Schlafratte ist, so verschläft er etwa ein Drittel seines Erdenlebens. Aber genau ebensolange dauert das Leben in der Mondenregion: ungefähr ein Drittel des Erdenlebens. Ist einer zwanzig Jahre alt geworden, so dauert es etwa sieben, ist einer sechzig Jahre alt geworden, so dauert es zwanzig Jahre, und so weiter. Da lebt man nun unter diesen Wesenheiten, da durchdringen sie einen mit ihrem Dasein.

[ 15 ] Well, you see, we actually experience life on Earth only in fragments. When we look back with our ordinary consciousness, it seems to us like a continuous stream. But how did we actually live? We lived in a shadowy way—one day, then a night follows. But ordinary consciousness does not remember this. Then comes another day, then another night, and so it goes on, and in our memory we simply string the days together. In true recollection, we must always interrupt the days with what we experienced at night; we must always break up the days with the nights. Ordinary consciousness, with a certain justification, does not do this because it is subdued during sleep. When we are among these lunar beings, who were once the primordial teachers of humanity, we experience precisely what we have gone through during the nights here on Earth. This also explains how long this form of existence in the lunar region lasts. Unless one is a sleep-deprived person, one sleeps through about one-third of one’s earthly life. But life in the lunar region lasts exactly that long: about one-third of an earthly life. If someone has lived to be twenty years old, it lasts about seven years; if someone has lived to be sixty years old, it lasts twenty years, and so on. There one lives among these beings, and they permeate one with their very existence.

[ 16 ] Um aber zu verstehen, was man da ist, muß man gleich eindringen in dasjenige, was man nun wird, wenn man den physischen Leib verläßt. Davon weiß der Initiierte zu sagen und der Tote zu sagen, denn der Tote verläßt den physischen Leib durch die Region des Raumes. In dem Augenblicke, wo man den physischen Leib verlassen hat, geht man gerade in demjenigen auf, was außerhalb des physischen Leibes ist. Wenn ich hier stehe und ich meinen Leib verlasse, so ist das erste, in dem ich drin bin, der Tisch, und dann alles, was mich umgibt. Ich bin immer in demjenigen drinnen, was die Welt erfüllt, und immer weiter in dem drinnen, nur just nicht innerhalb meiner Haut. Dasjenige, was bisher meine physische Innenwelt war, das wird meine Außenwelt, und alles, was früher die Außenwelt war, wird meine Innenwelt. So wird auch das Moralische meine Außenwelt. Stellen wir uns vor, ich habe, als ein böser Kerl, einem anderen eine Ohrfeige gegeben, und ich lebe jetzt zurück nach dem Tode ins vierzigste Jahr: da habe ich ihn verletzt. Es war für ihn ein furchtbarer moralischer Eindruck. Ich lachte vielleicht in meinem Leben darüber. Jetzt erlebe ich nicht das, was ich damals erlebt habe, sondern was er erlebte an physischem Schmerz, an moralischen Leiden. Ich bin ganz in ihm. Das war ich in Wirklichkeit schon während jeder Nacht, nur bleibt das im Unterbewußten, da erfährt man es nicht, es bleibt Bild. Jetzt werden wir durchdrungen mit der Substanz der großen Urlehrer, die in dem Monde leben. Da machen wir es durch in einer intensiveren Weise als hier auf der Erde. Es wird, was hier auf der Erde wie ein Traum ist, eine viel stärkere Realität; sie machen wir durch. Diese intensive Realität erlebt auch noch derjenige, welcher aus dem hellseherischen Bewußtsein heraus mit einem Toten nach dem Tode weiter fortlebt, mit ihm dadurch, daß er sich zur Inspiration aufschwingen kann, übersinnlich schauend leben kann. Da erlebt man dann, wie die Menschen nach dem Tode eine intensivere Realität durchmachen als vor dem Tode. Das zu erleben, was ein Mensch nach dem Tode durchmacht, das wirkt viel stärker, wenn man es wirklich erlebt, als irgendwelche irdischen Einflüsse wirken können. Dafür ein Beispiel.

[ 16 ] But in order to understand what one is there, one must immediately penetrate into that which one becomes when one leaves the physical body. The initiate and the dead can speak of this, for the dead leave the physical body through the region of space. The moment one has left the physical body, one merges precisely into that which lies outside the physical body. If I am standing here and I leave my body, the first thing I find myself within is the table, and then everything that surrounds me. I am always within that which fills the world, and ever deeper within it—just not inside my own skin. What was previously my physical inner world becomes my outer world, and everything that was formerly the outer world becomes my inner world. In this way, the moral realm also becomes my outer world. Let’s imagine that, as a wicked person, I slapped someone else, and now, after death, I am reliving that moment in my fortieth year: that is when I hurt him. It was a terrible moral shock for him. I may have laughed about it during my lifetime. Now I am not experiencing what I experienced back then, but rather what he experienced in terms of physical pain and moral suffering. I am completely within him. In reality, I was already there every night; it just remains in the subconscious—one does not experience it there; it remains an image. Now we are permeated by the substance of the great primordial teachers who live on the Moon. There we experience it in a more intense way than here on Earth. What is like a dream here on Earth becomes a much stronger reality; we live through it. This intense reality is also experienced by those who, from a clairvoyant state of consciousness, continue to live on with a deceased person after death—by being able to rise to a state of inspiration and live with them through supersensory perception. There one experiences how people go through a more intense reality after death than before death. To truly experience what a person goes through after death has a much stronger effect than any earthly influences could ever have. Here is an example:

[ 17 ] Einige werden doch wohl meine Mysterien kennen und in diesen Mysterien die Gestalt des Strader. Die Gestalt des Strader ist dem Leben nachgezeichnet. Es hat eine solche Persönlichkeit annähernd gegeben, sie hat mich außerordentlich interessiert. Ich habe das Leben dieser Persönlichkeit äußerlich verfolgt, die in der Gestalt des Strader — natürlich poetisch verändert — gegeben ist. Nun wissen Sie ja, daß ich vier Mysteriendramen geschrieben habe. Im vierten stirbt Strader. Dieses vierte Mysteriendrama, das 1913 geschrieben ist, das erlebte ich so, daß ich gar nicht anders konnte, als Strader sterben zu lassen. Warum? Nun, mein Blick war, solange das Vorbild von Strader in der physischen Welt hier lebte, auch auf dieses Vorbild des Strader gerichtet. Aber nun war mittlerweile dieses entsprechende Vorbild gestorben. Es hat mich so interessiert, daß ich es weiter verfolgte. Da waren die Eindrücke von dem Leben nach dem Tode so stark, daß sie mir völlig das Interesse auslöschten, wie er war während des Erdenlebens. Nicht so, als ob die Teilnahme nicht geblieben wäre, aber es war diese Teilnahme nicht hinreichend gegenüber den gewaltigen Eindrücken von dem, was er erlebte nach seinem physischen Erdentode, wenn man das verfolgte. Ich mußte den Strader sterben lassen, weil sein Vorbild mir vor Augen war, wie es nach dem Tode weiterlebte, und das war viel stärker als das frühere Leben.

[ 17 ] Some of you are surely familiar with my Mysteries and, within them, the character of Strader. The character of Strader is modeled on real life. A person of that sort actually existed, and he interested me greatly. I followed the outward course of this person’s life, which is embodied in the figure of Strader—albeit, of course, poetically transformed. Now, as you know, I have written four Mystery Dramas. In the fourth, Strader dies. I experienced this fourth Mystery Drama, written in 1913, in such a way that I simply could not help but let Strader die. Why? Well, as long as the real-life model for Strader was living here in the physical world, my attention was also focused on that model. But in the meantime, that model had died. I was so fascinated by it that I continued to explore it. The impressions of life after death were so powerful that they completely overshadowed my interest in what he was like during his earthly life. It wasn’t that my interest had vanished, but that interest was insufficient compared to the overwhelming impressions of what he experienced after his physical death on Earth, once one followed that thread. I had to let Strader die because I could see before my eyes how his archetype continued to live on after death, and that was much stronger than his earlier life.

[ 18 ] Sehen Sie, das hat sich auch praktisch ausgelebt. Freunde haben sich gefunden, die erraten haben, wer das Vorbild des Strader ist, und haben mit einer gewissen edlen Hingabe sich bemüht, nachzuforschen dem Nachlasse dieses Vorbildes des Strader. Sie brachten mir das mit einer ungeheuren Freude. Ich mußte sozusagen unwillkürlich etwas unartig werden, denn mich interessierte das gar nicht, weil in dem Augenblicke, wo gegenüber diesen Überresten des Irdischen die Eindrücke vom Leben nach dem Tode auftraten, diese alles dasjenige auslöschten, was die Freunde noch aus dem irdischen Leben mir brachten. Und das ist es nun, daß diese Eindrücke, die bewirkt werden dadurch, daß in den Menschen die Substanz der Mondenwesen einzieht, daß diese Eindrücke eben alles, was man im Erdenleben erfahren kann, übertönen, das Dasein realer machen. Man erlebt also in einer stärkeren Realität die ausgleichende gerechte Tat. Was es bedeutet für den anderen, daß man ihm dieses oder jenes zugefügt hat, das erlebt man stärker als dasjenige, was man selbst getan hat.

[ 18 ] You see, this actually came to fruition. Some friends figured out who Strader’s model was and, with a certain noble dedication, set out to investigate the estate of this model of Strader’s. They brought this news to me with immense joy. I had to, so to speak, involuntarily become a bit mischievous, for I wasn’t interested in any of it at all, because the moment the impressions of life after death arose in the face of these earthly remains, they erased everything that my friends had brought me from his earthly life. And this is precisely the point: that these impressions—brought about by the substance of the lunar beings entering into human beings—drown out everything one can experience in earthly life and make existence more real. Thus, one experiences the balancing, just act with greater intensity. What it means for the other person that one has inflicted this or that upon them is experienced more intensely than what one has done oneself.

[ 19 ] Aus diesem Erleben nach dem Tode, das wir in der Sphäre der groBen Urlehrer der Menschheit durchmachen, bildet sich der erste Keim des Karma. Da fassen wir die Absicht: Das, was wir getan haben, muß durch uns selber ausgeglichen werden. Da tritt zuerst das auf, daß Absichten Wirkungen haben im Leben. Hier in der irdischen Welt braucht sich das Gute nicht im Guten, das Böse nicht im Bösen zu verwirklichen. In dem Augenblicke, wo wir die außerirdische Welt betreten, muß so etwas, wie wir es als Entschluß fassen innerhalb einer viel realeren Welt als die irdische, was da lebt in uns als Impuls: Du mußt dasjenige, was da als die Gegenseite dessen erscheint, was du getan hast, ausgleichen —, in dem Augenblicke muß, was wir so in uns erfassen als Absicht, eine reale Ursache werden für den Ausgleich im späteren Leben.

[ 19 ] From this post-death experience, which we undergo in the sphere of the Great Primordial Teachers of Humanity, the first seed of karma is formed. There we resolve: What we have done must be balanced out by ourselves. This is where we first encounter the fact that intentions have effects in life. Here in the earthly world, good need not manifest as good, nor evil as evil. The moment we enter the extra-earthly world, what we resolve—within a world far more real than the earthly one—must become a living impulse within us: “You must balance what appears as the opposite of what you have done”—at that very moment, what we perceive within ourselves as an intention must become a real cause for the balancing in later life.

[ 20 ] Schildern möchte ich Ihnen, wie sich nach und nach das Karma bildet, was der Mensch, wenn er wieder erscheint, nachdem er durchgemacht hat die Zeit zwischen dem Tod und der neuen Geburt, zu einem neuen Leben gestaltet. Die erste Zeit, die wir durchmachen nach dem Tode, wird eben in dieser Weise durchgemacht, daß wir die Absicht, unser Karma auszuführen, durch das Zusammenleben mit den Mondenwesen in uns fassen. So möchte ich Ihnen konkret die Etappen schildern, in denen der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sein Karma ausgleicht.

[ 20 ] I would like to describe to you how karma gradually takes shape—the karma that a person, upon reappearing after having passed through the period between death and rebirth, shapes into a new life. The initial period we experience after death is characterized by the fact that, through our interaction with the lunar beings, we form within ourselves the intention to carry out our karma. I would therefore like to describe to you in concrete terms the stages through which a person balances their karma between death and a new birth.