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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume V
GA 239

8 June 1924, Wrocław

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Gestern wurde auseinandergesetzt, wie der Mensch das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zur Vorbereitung der Kräfte seines Karma zunächst zubringt in dem, was man die Mondensphäre nennen kann, und wir haben gesehen, wie der Mensch in dieser Mondensphäre diejenigen Wesenheiten trifft, welche einmal seine Mitbewohner auf der Erde waren: die großen Urlehrer der Menschheit. Das ist die eine Art von Wesenheiten, die der Mensch unmittelbar, könnte man sagen, nach seinem Tode antrifft. Zusammen mit diesen Wesenheiten sind dann diejenigen, welche Sie angeführt finden in meiner «Geheimwissenschaft» unter dem Namen der Angeloi. Es sind diejenigen Wesenheiten, welche unmittelbare Erdenbewohner ja niemals waren, welche also einen Erdenkörper nie getragen haben, auch nicht einen solchen ätherischen Leib, wie ihn der Mensch trägt. Denn die anderen Mondenbewohner, von denen ich gesprochen habe, haben wohl einen menschenähnlichen ätherischen Leib getragen, wenn auch nicht einen physischen Menschenleib.

[ 1 ] Yesterday we discussed how, in preparation for the forces of his karma, a human being initially spends the time between death and a new birth in what might be called the lunar sphere, and we saw how, in this lunar sphere, a human being encounters those beings who were once his fellow inhabitants on Earth: the great primordial teachers of humanity. This is the one type of beings that a human being encounters, one might say, immediately after death. Along with these beings are those whom you will find listed in my Occult Science under the name of the Angeloi. These are the beings who were never direct inhabitants of the Earth—that is, who never possessed an earthly body, nor even an etheric body such as that which human beings possess. For the other lunar inhabitants of whom I have spoken did indeed possess a human-like etheric body, even if not a physical human body.

[ 2 ] Diese Angeloi sind diejenigen Wesenheiten, die uns geleiten von Erdenleben zu Erdenleben. Sie sind in der gegenwärtigen kosmischen Entwickelungsperiode unserer Menschenwesenheit die Führer von einem Erdenleben zum anderen. Und es ist schon von der Mondensphäre aus, daß sie uns leiten. Nun haben wir ja gesehen, wie der Mensch dazu kommt, in dieser Mondensphäre sein Karma gewissermaßen zu veranlagen und die inneren Impulse aufzunehmen, die ihn dann zum Ausleben des Karma führen. Dasjenige aber, was der Mensch mit sich genommen hat durch die Todespforte an unrechten Taten, an solchen Taten, die nicht bestehen können vor den geistigen Welten, alles das muß der Mensch in dieser Mondensphäre zurücklassen, so daß, wenn ich mich so ausdrücken darf, das böse Karma in der Mondensphäre zurückgelassen wird. Denn in dem Augenblicke, wo der Mensch weiterdringt in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, würde es ganz unmöglich sein, daß der Mensch behaftet bliebe mit demjenigen, was die Wirkung, die Konsequenz seiner bösen Taten ist.

[ 2 ] These Angeloi are the beings who guide us from one earthly life to the next. In the current cosmic period of development of our human existence, they are the guides leading us from one earthly life to another. And they begin guiding us as early as the lunar sphere. Now we have seen how human beings, in this lunar sphere, so to speak, determine their karma and absorb the inner impulses that then lead them to live out that karma. But whatever a person has brought with them through the gate of death in the form of wrongful deeds—deeds that cannot stand before the spiritual worlds—all of that must be left behind in this lunar sphere, so that, if I may put it this way, the evil karma is left behind in the lunar sphere. For at the very moment when a human being proceeds further in the life between death and a new birth, it would be entirely impossible for that person to remain burdened by what is the effect, the consequence, of their evil deeds.

[ 3 ] Dann, wenn der Mensch hinausgekommen ist über diese Mondensphäre, dann hat er wiederum sein inneres Leben vergrößert über ein weiteres Gebiet des Kosmos hinaus. Er tritt ein in diejenige Sphäre, die man die Merkursphäre nennen kann. Da lebt er zunächst nicht zusammen mit solchen Wesenheiten, welche mit ihm die Erde bewohnt haben, sondern er lebt zusammen mit den Wesenheiten der Hierarchie der Archangeloi. Die lernt er da kennen. Natürlich lebt er in all diesen Gebieten zusammen mit jenen Menschenseelen, die nun auch durch die Pforte des Todes gegangen sind. In der Mondensphäre ist das die dritte Art von Wesenheiten, mit welchen der Mensch zusammenlebt: Menschenseelen, die entkörpert sind, die gleich ihm durch des Todes Pforte gegangen sind. Wir werden gerade nachher sehen, warum eigentlich die Wirkungen, die geistigen Wirkungen der bösen Seite des Karma zurückbleiben müssen in der Mondensphäre. Jetzt wollen wir uns mit der Tatsache begnügen.

[ 3 ] Then, once the human being has moved beyond this lunar sphere, he has once again expanded his inner life to encompass yet another region of the cosmos. He enters the sphere that can be called the Mercury sphere. There, at first, he does not live alongside the beings who inhabited the Earth with him, but rather alongside the beings of the hierarchy of the Archangels. It is there that he comes to know them. Of course, in all these realms he lives alongside those human souls who have now also passed through the gate of death. In the lunar sphere, this is the third type of beings with whom the human being lives: human souls who are disembodied, who, like him, have passed through the gate of death. We will see shortly why the effects—the spiritual effects—of the evil side of karma must remain in the lunar sphere. For now, let us content ourselves with this fact.

[ 4 ] Indem der Mensch in die Merkursphäre eintritt, wird er weiter geläutert und gereinigt. Der Mensch hat nämlich, wenn er sozusagen das für den Kosmos moralisch Unbrauchbare in der Mondensphäre abgelegt hat, noch immer an sich die geistigen Gegenbilder seiner physischen Untauglichkeiten, seiner physischen Schwächen. Er hat in sich diejenigen Krankheitsanlagen und Krankheitsergebnisse, die er hier auf Erden durchlebt hat. Nun wird es Sie überraschen, aber die Sache ist so, daß wir zuerst in dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt ablegen die moralischen Schwächen, während die physischen Schwächen später erst abgelegt werden, nämlich in der Merkursphäre. Da wird der Mensch geläutert und gereinigt in seiner Seele von all dem, was er in der Seele miterlebt hat während der Erdenzeit: die verschiedensten Krankheitsprozesse. Der Mensch wird also seelisch völlig gesund gemacht in der Merkursphäre. Denn Sie müssen bedenken, der Mensch ist ja durchaus ein einheitliches Wesen. Man spricht ganz falsch über den Menschen vom okkulten Standpunkt aus, wenn man sagt, der Mensch sei eine Zusammensetzung von Geist, Seele und Leib. Er ist nicht aus diesen drei Bestandteilen etwa zusammengesetzt, sondern wenn man ihn betrachtet, so nimmt er sich nach der einen Seite als Leib, nach der anderen als Geist aus und zwischendrinnen als Seele; aber in Wirklichkeit ist das alles eine Einheit. Wenn der Mensch krank ist, so erlebt die Seele auch das Kranksein; der Geist durchlebt es auch, das Kranksein. Und wenn dann der Mensch im Tode den physischen Leib abgelegt hat, so hat er in der Seele zunächst die Wirkungen auch jener Erlebnisse, die er durch die Krankheitsprozesse durchgemacht hat. Die aber werden in der Merkursphäre völlig abgelegt unter der Einwirkung jener Wesenheiten, die wir als die Archangeloi bezeichnen. Da wird also der Mensch nach und nach durch Monden- und Merkursphäre ein Wesen, das keine moralischen und keine physischen Schwächezustände mehr in sich hat. Er tritt in diesem Zustande nun ein — mittlerweile sind viele Jahrzehnte verflossen — in die Venussphäre. Und in dieser Venussphäre wird das, was jetzt vom Menschen hindurchgedrungen ist durch Monden- und Merkursphäre, so bearbeitet, daß der Mensch übergehen kann, nachdem er die Venussphäre durchgemacht hat, in die Sonnensphäre. Und wir durchleben in der Tat einen größeren Teil unseres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in dieser Sonnensphäre.

[ 4 ] As a person enters the sphere of Mercury, they are further purified and cleansed. For even after a person has, so to speak, shed what is morally unfit for the cosmos in the lunar sphere, they still carry within themselves the spiritual counterparts of their physical shortcomings and weaknesses. They carry within themselves the predispositions to illness and the consequences of illness that they have experienced here on Earth. Now, this may surprise you, but the fact is that we first shed our moral weaknesses during the life between death and the new birth, while the physical weaknesses are shed only later, namely in the Mercury sphere. There, the human being is purified and cleansed in their soul of everything they experienced in the soul during their earthly life: the most diverse disease processes. The human being is thus made completely healthy in the soul within the Mercury sphere. For you must bear in mind that the human being is, after all, a thoroughly unified being. From an occult standpoint, it is entirely incorrect to speak of the human being as a composite of spirit, soul, and body. The human being is not, as it were, composed of these three components; rather, when viewed, they appear on one side as body, on another as spirit, and in between as soul; but in reality, all of this is a single unity. When a human being is ill, the soul also experiences the illness; the spirit also lives through it. And when the human being has shed the physical body in death, the soul initially retains the effects of those experiences that the person went through during the course of the illness. But these are completely shed in the Mercury sphere under the influence of those beings we call the Archangels. Thus, as the human being gradually passes through the Moon and Mercury spheres, they become a being who no longer harbors any moral or physical weaknesses within themselves. In this state—by which time many decades have passed—they now enter the Venus sphere. And in this Venus sphere, what has now passed through the human being via the lunar and Mercury spheres is processed in such a way that, after passing through the Venus sphere, the human being can transition into the solar sphere. And we do, in fact, spend a large part of our lives between death and a new birth in this solar sphere.

[ 5 ] Gerade aus den Angaben, die ich Ihnen mache, werden Sie ersehen, wie begründet durchaus eigentlich alles ist, was Einrichtung war jener alten Mysterien, die aus einer instinktiven, aber großartigen, gewaltigen Hellseherweisheit in alten Zeiten hervorgegangen sind. In diesen alten Zeiten hatte man zum Beispiel niemals Medizin so studiert wie heute, indem man einfach in der physischen Welt bleibt und den physischen Menschen in seinen Krankheitssymptomen studiert, probiert, was ihm da helfen kann, indem man die Leiche seziert, die Veränderungen an der Leiche gegenüber dem normalen Organismus studiert und so weiter. Das würde man in den Zeiten der alten Mysterienweisheit als etwas außerordentlich Kindisches betrachtet haben, denn da wußte man ganz genau, wie der Mensch geheilt wird. Das kann man nur erfahren, wenn einem die Wesenheiten der Merkursphäre die Aufklärung darüber geben, denn die wird im Zusammenhang aller kosmischen Prozesse gegeben. Da wird der Mensch gründlich geheilt. Wenn man daher in das hineinsieht, was ich ja von einem anderen Gesichtspunkte in meiner «Geheimwissenschaft» als die Orakel der Merkur-Mysterien beschrieben habe, so gewahrt man da, wie es eigentlich in diesen Mysterien, die im wesentlichen im Dienste der alten Heilkunde gestanden haben, zugegangen ist.

[ 5 ] From the information I am providing you, you will see just how well-founded everything actually is regarding the structure of those ancient mysteries, which arose in ancient times from an instinctive yet magnificent and powerful clairvoyant wisdom. In those ancient times, for example, medicine was never studied the way it is today—by simply remaining within the physical world and studying the physical human being in terms of his symptoms of illness, experimenting to see what might help him, dissecting the corpse, studying the changes in the corpse compared to the normal organism, and so on. In the times of ancient mystery wisdom, this would have been regarded as something extraordinarily childish, for back then people knew exactly how to heal a human being. This can only be known when the beings of the Mercury sphere impart this knowledge, for it is given in the context of all cosmic processes. There, the human being is thoroughly healed. Therefore, when one looks into what I have described—from a different perspective—in my Occult Science as the oracles of the Mercury Mysteries, one perceives how things actually unfolded in these Mysteries, which essentially served ancient medicine.

[ 6 ] Sehen Sie, wir haben gestern sprechen müssen von den großen Urlehrern. Das waren einmal Mitbewohner der Menschen auf Erden. Sie waren überall, wo Menschen waren, denn sie bevölkerten mit den Menschen als eine Art zweites, ätherisch vorhandenes Menschengeschlecht die Erde. Aber in jenen alten Zeiten stiegen für das Bewußtsein der Menschen, das allerdings nur ein dumpfes, traumhaftes war, auch andere Wesenheiten zu den Menschen herunter, Wesenheiten, die nun durchaus nicht die Erde bewohnen. Natürlich ist das, was man über solche Dinge zu sagen hat, für den Menschen, der so ganz ergeben ist der heutigen materialistischen Wissenschaft, nicht nur ein Paradoxon, sondern ein völliger Unsinn. Aber dieser «Unsinn» ist eben die Wahrheit. Diese alten Mysterienweisen haben gewußt: Aufschluß über die Gesundungsprozesse können nur die übersinnlichen Wesenheiten des Merkur geben. Daher wurden diese Merkur-Mysterien so eingerichtet, daß durch einen entsprechenden Kultus in der Tat Bewohner des Merkur herabsteigen konnten auf den Altar der Merkur-Kultstätte, und daß die Priester der Merkur-Mysterien sich besprechen konnten mit den geistigen Wesenheiten, die so herunterstiegen durch die Verrichtungen der Kultushandlungen. Und das, was in diesen alten Zeiten Heilkunde war, das wurde durchaus in den Merkur-Mysterien in diesem Sinne entgegengenommen. Man nannte die einzelnen Wesenheiten — die nicht einmal immer dieselben zu sein brauchten, aber man empfand sie als dieselben —, die herunterstiegen auf die Altäre, eben den Gott Merkur. Man nahm die alte MysterienMedizin entgegen in der Art, daß man sagte: Das hat der Gott Merkur seinen Arzt-Priestern mitgeteilt. Damit heilte man.

[ 6 ] You see, yesterday we had to speak about the great primordial teachers. They were once fellow inhabitants of the Earth alongside human beings. They were everywhere humans were, for they populated the Earth alongside humans as a sort of second, ethereal human race. But in those ancient times, other beings also descended to be with humanity—beings that now by no means inhabit the Earth—for the sake of human consciousness, which was, admittedly, only a dull, dreamlike state. Of course, what one has to say about such things is not only a paradox but utter nonsense to a person who is so completely devoted to today’s materialistic science. But this “nonsense” is, in fact, the truth. The ancient initiates of the mysteries knew that only the supersensible beings of Mercury could provide insight into the processes of healing. That is why these Mercury Mysteries were organized in such a way that, through an appropriate ritual, inhabitants of Mercury could indeed descend onto the altar of the Mercury sanctuary, and the priests of the Mercury Mysteries could converse with the spiritual beings who descended in this way through the performance of the ritual acts. And what was considered medicine in those ancient times was indeed received in this sense within the Mercury Mysteries. The individual beings—who did not even always have to be the same, though they were perceived as such—who descended onto the altars were called none other than the god Mercury. The ancient mystery medicine was accepted in such a way that it was said: “This is what the god Mercury has communicated to his physician-priests.” And with this, healing took place.

[ 7 ] Auch heute beruht die Geisteswissenschaft darauf, daß durch die entsprechende Vorbereitung der Initiierten die Wesenheiten unseres Kosmos auf die Erde heruntersteigen. Diejenigen, die Eingeweihte sind in die heutige Mysterienweisheit, wissen ganz gut, daß auch da das Wesentliche darauf beruht, daß man ins Zwiegespräch kommt mit den Wesenheiten des Kosmos. Aber im allgemeinen Menschenbewußtsein von heute ist das Gegenteil vorhanden von dem, was in der alten Zeit durchaus da war. Heute sagt man: Der ist ein Arzt, der an der Universität zum Arzt promoviert worden ist.— Das sagte man in alten Zeiten nicht. In alten Zeiten war der ein Arzt, der mit dem Gotte Merkur gesprochen hat. In den darauffolgenden Zeiten ist schon alles in der Auflösung; da waren nur noch die Traditionen desjenigen vorhanden, was einst in den Mysterien aus den Zwiegesprächen zwischen den Arzt-Priestern mit dem Gotte Merkur hervorgegangen ist.

[ 7 ] Even today, spiritual science is based on the fact that, through the appropriate preparation of the initiates, the beings of our cosmos descend to Earth. Those who are initiated into today’s mystery wisdom know very well that, there too, the essence lies in entering into a dialogue with the beings of the cosmos. But in today’s general human consciousness, the opposite prevails of what was certainly present in ancient times. Today people say: “He is a doctor because he earned his medical degree at the university.”—That is not what people said in ancient times. In ancient times, a doctor was someone who had spoken with the god Mercury. In the periods that followed, everything was already in a state of dissolution; all that remained were the traditions of what had once emerged in the mysteries from the dialogues between the priest-doctors and the god Mercury.

[ 8 ] Nun, in der Venussphäre handelt es sich darum, daß tatsächlich das, was vom Menschen noch übriggeblieben ist, nachdem er sein Böses und seine ungesunden Zustände abgelegt hat, übergeführt werde in die Sonnensphäre, Sehen Sie, da müssen wir, wenn wir das verstehen wollen, auf eine Eigentümlichkeit der ganzen Menschenwesenheit hindeuten. Hier auf der Erde erscheint uns der Mensch immer als ein Ganzes. Er muß schon ein so großer Verbrecher werden, daß er enthauptet wird, dann erscheint er nach der Enthauptung nicht mehr als ein Ganzes im physischen Leibe. Aber bei geringeren Vergehen und Verbrechen, wenn er auch noch so streng bestraft wird, erscheint er immer als ein Ganzes. Nun, das ist nicht der Fall mit dem geistig-seelischen Gegenbild, das der Mensch durch die Monden- und Merkursphäre hindurchträgt. Der Mensch ist eigentlich, indem er mit Seele und Geist ankommt in der übersinnlichen Welt, nachdem er durch die Pforte des Todes geschritten ist und abgelegt hat die Schwächen des Bösen und die Schwächen der Krankheiten, in gewissem Sinne kein ganzer Mensch mehr. Denn der Mensch ist identisch mit seinem Bösen, das Böse bildet einen Teil seines eigenen Wesens. Wenn einer nur ein ausgepichter Bösewicht wäre, gar nichts gutes Menschliches in sich hätte, dann würde er seinen ganzen Menschen in der Mondensphäre zurücklassen müssen, er käme gar nicht weiter; denn in demselben Maße, in dem wir böse sind, lassen wir unser eigenes Wesen im Monde zurück. Wir sind eins, identisch mit demjenigen, was böse an uns ist vor der geistigen Welt, so daß wir in gewissem Sinne als verstümmelte Menschen in der Venussphäre ankommen. Nun herrscht in der Venussphäre tatsächlich in dem geistigsten Sinne reinste Liebe, Die Venus ist das Element der reinsten Liebe, und da wird durch die kosmische Liebe von der Venussphäre in das Sonnendasein das hinübergetragen, was in dieser Weise vom Menschen geblieben ist.

[ 8 ] Well, in the Venus sphere, the point is that what actually remains of the human being after he has shed his evil and his unhealthy states is transferred to the Sun sphere. You see, if we want to understand this, we must point to a peculiarity of the entire human being. Here on Earth, human beings always appear to us as a whole. A person must become such a great criminal that he is beheaded; only then, after the beheading, does he no longer appear as a whole in the physical body. But in the case of lesser offenses and crimes, no matter how severely he is punished, he always appears as a whole. Now, this is not the case with the spiritual-soul counterpart that the human being carries through the lunar and Mercury spheres. In a certain sense, the human being is no longer a whole human being when he arrives in the supersensible world with soul and spirit, after having passed through the gate of death and shed the weaknesses of evil and the weaknesses of illness. For the human being is identical with his evil; evil forms a part of his own being. If a person were merely a thoroughly evil villain, with nothing good or human within him at all, then he would have to leave his entire being behind in the lunar sphere; he would not be able to proceed any further; for to the same extent that we are evil, we leave our own being behind in the Moon. We are one, identical with that which is evil in us before the spiritual world, so that, in a certain sense, we arrive in the sphere of Venus as mutilated human beings. Now, in the sphere of Venus, the purest love indeed reigns in the most spiritual sense; Venus is the element of the purest love, and there, through cosmic love, that which has remained of the human being in this way is carried over from the sphere of Venus into solar existence.

[ 9 ] In der Sonnensphäre hat nun der Mensch real zu arbeiten an dem Zustandekommen seines Karma. Unsere jetzigen Physiker würden im höchsten Grade staunen müssen, wenn sie nun wirklich einmal in die Sonne kämen. Denn alles das, was hier auf der Erde auszukundschaften wäre über die Sonne, stimmt nicht. Die Sonne soll etwas wie eine Art glühender Gasball sein. Das ist sie nicht, sondern die Sache ist so — ich möchte von einem Vergleich ausgehen, der etwas banal ist —: Wenn Sie Selterswasser in einer Flasche haben, so müssen Sie, wenn Sie das Wasser sehen wollen, schon sehr aufmerksam sein und da hinschauen, wo es bald aufhört, sonst erscheint es Ihnen überhaupt nicht. Was sehen Sie denn eigentlich? Sie sehen nicht das Wasser, sondern die Perlen der Kohlensäure, die dünner sind als das Wasser. Sie sehen das Dünnere, und das Dichtere sehen Sie nicht. Nun, wie ist es mit der Sonne? Wenn Sie zur Sonne hinschauen, dann sehen Sie die Sonne nicht deshalb, weil sie im leeren Raum ein verdichteter, glühender Gasball wäre, sondern Sie sehen die Sonne deshalb, weil es da besonders dünn ist. Und nun müssen Sie sich schon zu einer Vorstellung bequemen, die nicht gerade gewöhnlich ist.

[ 9 ] In the solar sphere, human beings must now actively work to bring about their karma. Our present-day physicists would be utterly astonished if they were ever to actually set foot on the Sun. For everything that has been discovered here on Earth about the Sun is incorrect. The Sun is said to be something like a glowing ball of gas. It is not that; rather, the situation is as follows—I’d like to start with a somewhat banal comparison—: If you have seltzer water in a bottle, you have to be very attentive and look right where the water ends if you want to see it; otherwise, it won’t appear to you at all. What do you actually see? You don’t see the water, but rather the bubbles of carbon dioxide, which are less dense than the water. You see the less dense part, and you don’t see the denser part. Now, what about the sun? When you look at the sun, you don’t see it because it is a dense, glowing ball of gas in empty space; rather, you see the sun because that area is particularly sparse. And now you must bring yourself to accept a concept that is not exactly commonplace.

[ 10 ] Wenn Sie so hinschauen, so sehen Sie in den Raum hinein. Ich will nicht über die Natur des Raumes sprechen. Hier sehen Sie ins Wasser hinein; im Wasser sind die Perlen ausgespart (siehe Zeichnung), die sind dünner als das Wasser. Da, wo oben die Sonne ist, ist es dünner als der Raum. Sie werden sagen: Der Raum ist schon nichts. — Aber wirklich, wo die Sonne ist, ist noch weniger als nichts! Nun, Erdenmenschen könnten ja, besonders in der heutigen Zeit, aus ganz anderen Untergründen heraus wissen, daß es auch weniger als nichts gibt. Wenn ich fünf Mark in der Tasche habe, so habe ich fünf Mark. Wenn ich sie nach und nach ausgegeben habe, so habe ich endlich Null. Aber wenn ich Schulden mache, dann habe ich weniger als nichts. Man weiß ja das heute, was das bedeutet, weniger als nichts haben. Sehen Sie, so ist es: Wo Raum bloß ist, ist nichts; aber wo die Sonne ist, ist weniger als nichts. Da ist in dem Raum ein Loch, da ist gar kein Raum, und in diesem Loch im Raum, da leben in der Tat geistige Wesenheiten, leben die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Sie leben in diesem Loch — allerdings, indem sich überallhin ihr Dasein erstreckt — als die Wesenheiten Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, die Sie angeführt finden in meiner «Geheimwissenschaft». Und mit ihnen lebt der Mensch den größten Teil seines Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zusammen. Mit ihnen im Verein, mit denjenigen Menschenseelen ferner, die mit ihm durch die Todespforte gegangen sind und mit denen er einen karmischen Zusammenhang hat, und mit anderen Wesenheiten noch, von denen die Menschen kaum eine Ahnung haben können, wird dann in gemeinschaftlicher Arbeit das Karma ausgearbeitet für das nächste Erdenleben.

[ 10 ] If you look that way, you’ll see into space. I don’t want to talk about the nature of space. Here you’re looking into the water; the pearls are recessed within the water (see drawing)—they’re thinner than the water. Where the sun is up above, it is thinner than space. You might say: Space is nothing anyway. — But really, where the sun is, there is even less than nothing! Well, people on Earth could, especially in this day and age, know from entirely different perspectives that there is also such a thing as less than nothing. If I have five marks in my pocket, then I have five marks. If I spend them little by little, I eventually have zero. But if I go into debt, then I have less than nothing. People today know what it means to have less than nothing. You see, that’s how it is: Where there is only space, there is nothing; but where the sun is, there is less than nothing. There is a hole in that space; there is no space at all there, and in this hole in space, spiritual beings do indeed live—the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes. They live in this hole—though their existence extends everywhere—as the beings Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes, whom you will find described in my Esoteric Science. And together with them, human beings spend the greater part of their lives between death and a new birth. In union with them—and also with those human souls who have passed through the gate of death with them and with whom they have a karmic connection, as well as with other beings of whom human beings can scarcely have any inkling—karma is then worked out through collective effort for the next earthly life.

[ 11 ] In diesem Sonnengebiete geht es anders zu als hier auf der Erde. Warum stellen sich denn unsere gescheiten Naturforscher — gescheit sind sie wirklich — die Sonne als einen glühenden Gasball vor? Weil sie aus einem gewissen illusionären materialistischen Instinkt heraus wollen, daß sie sich in der Sonne etwas vorstellen können, wo etwas Physisches vor sich geht. Es geht in der Sonne gar nichts Physisches vor sich. Das geht nur höchstens vor in der Sonnenkorona, gar nicht im Sonnenraum. Der ist reinste geistige Welt. Da drinnen gibt es keine Naturgesetze. Die Materialisten möchten, daß auch in der Sonne die Naturgesetze walten; aber da gibt es keine Naturgesetze, die sind ausgeschlossen. Da walten einzig und allein jene Gesetze, welche die entsprechenden karmischen Folgen erzeugen aus dem Guten, und welche, wenn der Mensch jetzt verstümmelt die Sonne betritt, durch die Liebe der Venuswesen ergänzend wirken auf seine Verstümmelung, die als Ergebnis seines bösen Karma da ist. Der Mensch kann natürlich durchaus Respekt, Achtung haben vor dem vielen, was hier auf der Erde geschieht, und die Menschen werden, wenn man das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt schildert, oftmals den Eindruck haben: Dort sind wir so lange, was machen wir da eigentlich? — Ja, gegenüber dem, was da gemacht wird, damit wir im nächsten Erdenleben die Wirkungen des Karma haben, gegenüber allen diesen Mächten, die um uns sind und durch uns gehen während des Sonnendaseins, ist alles, was in der Hochkultur der Erde geschieht, eine Kleinigkeit. Nur geschieht da alles auf eine rein geistige Weise.

[ 11 ] Things are different in this region of the Sun than they are here on Earth. Why, then, do our intelligent natural scientists—and they really are intelligent—imagine the Sun as a glowing ball of gas? Because, driven by a certain illusory materialistic instinct, they want to be able to imagine something within the Sun where something physical is taking place. Nothing physical is happening in the Sun at all. That occurs, at most, in the solar corona—but not at all in the solar realm. That is a purely spiritual world. There are no laws of nature there. The materialists would like the laws of nature to prevail in the sun as well; but there are no laws of nature there—they are ruled out. There, the only laws that prevail are those that produce the corresponding karmic consequences from good deeds, and which—when a human being now enters the sun in a mutilated state—work through the love of the Venusian beings to compensate for his mutilation, which is the result of his evil karma. Of course, a person can certainly have respect and reverence for the many things that happen here on Earth, and when one describes life between death and a new birth, people will often have the impression: “We’re there for so long—what are we actually doing there?” — Yes, compared to what is done there so that we may experience the effects of karma in our next earthly life—compared to all these forces that surround us and pass through us during our existence in the Sun—everything that happens in Earth’s advanced civilization is a trifle. It’s just that everything there takes place in a purely spiritual way.

[ 12 ] Sehen Sie, ein Teil des Karma wird schon vorbereitet in der Venussphäre, sogar in der Merkursphäre wird schon etwas vom Karma ausgearbeitet. Wir werden in den folgenden Vorträgen eine berühmte weltgeschichtliche Persönlichkeit kennenlernen, die ihr Lebenskarma im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts dadurch hatte, daß sie es zum Teil vorbereitete gerade in der Venus- und Merkursphäre. Und solche Persönlichkeiten, die schon in der Venus- und Merkursphäre beginnen, die Gestaltung des Karma des folgenden Lebens vorzubereiten, werden oftmals außerordentlich bedeutsame Persönlichkeiten in ihrem folgenden Erdenleben. Aber für die weitaus meisten Menschen wird der Hauptteil dessen, was als Karma sich auslebt im Erdenleben, innerhalb der Sonnensphäre, wo wir am längsten sind, ausgearbeitet. Auf das Genauere werden wir noch einzugehen haben; ich will heute zunächst das Bild skizzieren, wie das Karma nach und nach in den verschiedenen Sphären veranlagt wird. Nur müssen Sie sich vorstellen, damit Sie nicht in Widerspruch kommen mit Schilderungen, die ich von anderen Gesichtspunkten aus gegeben habe über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, daß der Mensch, indem er aufrückt in diese Sphären, in ganz andere Weltverhältnisse hineinkommt. Wenn man zum Beispiel die Sonnensphäre betreten hat und dann wiederum hinaustritt aus der Sonne und in die Marssphäre hineinkommt, dann ist man nicht über diese Sonnensphäre ganz hinaus, sondern die Sonne wirkt weiter hinein in diesen von der Erde abgelegenen Teil des Kosmos. In der Sonnensphäre hat man es nur zu tun mit dem, was vom Menschen als Moralisches geblieben ist und was von ihm im Gesunden geblieben ist; das andere hat er abgelegt. Das andere ist in ihm als eine Art Unvollständigkeit; aber alles das, was unvollständig ist, wird in der Sonnensphäre ergänzt. Wir leben da in der Sonnensphäre zunächst eine erste Hälfte unseres Daseins; da bereiten wir namentlich das vor, was dann führen kann zur physischen Durchorganisierung des nächsten Menschenleibes. In der zweiten Hälfte des Sonnendaseins widmen wir uns im Verein mit den Wesenheiten Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, im Verein mit den Menschenseelen, mit denen wir karmisch verbunden sind, der Ausarbeitung des Moralischen, das dann in unserem nächsten Leben aufgeht, des moralischen Teiles des Karma. Nur wird namentlich dieser moralische Teil und der geistige Teil des Karma, zum Beispiel besondere Anlagen für dies oder jenes, ausgebildet in der Marssphäre, in die wir eintreten nach der Sonnensphäre, in der Jupitersphäre und in der Saturnsphäre. Und das ist ja gerade das Eigentümliche, daß wir, indem wir diese Sphären durchmachen, erkennen, was eigentlich die physischen Sterne sind.

[ 12 ] You see, part of one’s karma is already being prepared in the sphere of Venus; even in the sphere of Mercury, some of one’s karma is already being worked out. In the following lectures, we will get to know a famous figure in world history who experienced their life karma during the nineteenth century because they had prepared part of it precisely in the Venus and Mercury spheres. And such individuals, who begin as early as the Venus and Mercury spheres to prepare the shaping of their karma for the next life, often become extraordinarily significant figures in their subsequent earthly lives. But for the vast majority of people, the main part of what plays out as karma in earthly life is worked out within the solar sphere, where we spend the longest time. We will have to go into more detail later; for now, I want to sketch a picture of how karma is gradually laid the groundwork for in the various spheres. However, to avoid contradicting descriptions I have given from other perspectives regarding life between death and a new birth, you must understand that as a person ascends into these spheres, they enter into entirely different worldly conditions. For example, when one has entered the solar sphere and then steps out of the Sun again and enters the Martian sphere, one has not completely left the solar sphere behind; rather, the Sun continues to exert its influence into this part of the cosmos that is remote from Earth. In the solar sphere, one deals only with what remains of the human being in terms of morality and what remains of the healthy aspects of the human being; the rest has been shed. The rest remains within the human being as a kind of incompleteness; but everything that is incomplete is supplemented in the solar sphere. There, in the solar sphere, we first live out the first half of our existence; there we prepare, in particular, what can then lead to the physical organization of the next human body. In the second half of our existence in the solar sphere, we devote ourselves—in union with the beings Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes, and in union with the human souls with whom we are karmically connected—to the development of the moral aspect, which then blossoms in our next life: the moral part of karma. However, it is specifically this moral aspect and the spiritual aspect of karma—for example, particular aptitudes for this or that—that are developed in the sphere of Mars, which we enter after the sphere of the Sun, as well as in the spheres of Jupiter and Saturn. And that is precisely what is so distinctive: that as we pass through these spheres, we come to recognize what the physical stars actually are.

[ 13 ] Ein physischer Stern ist eine Contradictio in adjecto. Denn was ist denn eigentlich ein Stern? Da stellen sich heute die Physiker vor: Da oben brennt irgend etwas, ein Gas oder so etwas. Wenn sie herankommen würden an die Sonne, würden sie höchst erstaunt sein, gerade in der Sonne kein Brennendes, sondern ein Loch im Raum zu finden, so daß sie überhaupt zersplittern würden zu einem Staube, der dünner ist als jeder Staub, der auf der Erde gedacht werden kann. Es wäre nur das Geistige da. So sind auch die anderen Sterne, die wir sehen, nicht etwa jenes glühende, brennende Gas; da ist ganz etwas anderes. Angrenzend an diese Erde, die wir bewohnen, die ihre physischen Stoffe und ihre physischen Kräfte hat, ist der allgemeine Weltenäther. Dieser allgemeine Weltenäther wird uns sichtbar dadurch, daß, wenn wir einfach so hineinschauen in den Äther, unser Sehraum begrenzt ist; er scheint dann blau umgrenzt. Aber jetzt überhaupt noch zu glauben, daß da im Kosmos physische Substanzen herumbummeln, so wie man im materialistischen Denken es sich vorstellt, das ist eine kindische Vorstellung. Da bummeln gar nicht physische Substanzen herum, sondern wo ein Stern ist, ist etwas ganz anderes. Man kommt überhaupt allmählich, wenn man im Ätherischen immer weiter geht, aus dem Raum ganz hinaus in jene Sphären, wo die Götter leben. Und jetzt stellen Sie sich ganz lebhaft vor eine seelische Beziehung von Mensch zu Mensch, die sich körperlich auslebt. Drastisch ausgedrückt, stellen Sie sich vor, Sie werden von einem Menschen geliebt; der streichelt Sie, Sie spüren das Streicheln. Es wäre kindisch, wenn Sie sich vorstellen würden, an der Stelle, wo die Streichelströme gehen, da sei, wenn Sie nicht hinschauen, physische Materie. Sie werden gar nicht angestrichen mit physischer Materie, es ist ein Vorgang da, und das, was das Wesentliche ist, ist eine Seelenempfindung, die des Streichelns. So ist es, wenn wir hinausschauen in die Äthersphären. Die Götter in ihrer Liebe streicheln gewissermaßen die Welt. Es ist ein ganz ordentlicher Vergleich: sie liebkosen die Welt, sie berühren sie an gewissen Stellen; nur dauert dieses Berühren sehr lange, weil die Götter dauernd sind. Aber dieser Ausdruck der Liebe im Äther, das sind die Sterne. Das sind sie wirklich; da ist gar nichts Physisches. Und einen Stern sehen heißt kosmisch dasselbe, wie eine Berührung, die aus der Liebe der Menschen hervorgegangen ist, verspüren. So verspüren wir die Liebe der göttlich-geistigen Wesenheiten, indem wir zu den Sternen aufsehen. Wir müssen uns damit bekanntmachen, daß die Sterne nur Zeichen sind für die Anwesenheit der Götter im Weltenall. Unsere physische Wissenschaft wird viel zu lernen haben, wenn sie von ihrer Illusion zur Wahrheit vordringen will. Aber die Menschen werden überhaupt nicht zur Selbsterkenntnis kommen und das eigene Wesen nicht kennenlernen, bevor sie nicht — für das außerirdische Weltenall — diese physische Wissenschaft ganz und gar umgewandelt haben werden in eine geistige Wissenschaft. Physische Wissenschaft, das hat nur einen Sinn für die Erde, denn nur auf der Erde gibt es physische Substanz.

[ 13 ] A physical star is a contradiction in terms. For what, exactly, is a star? Physicists today imagine that something is burning up there—a gas or something of that sort. If they were to approach the Sun, they would be utterly astonished to find, precisely in the Sun, not something burning, but a hole in space—so much so that they would shatter into dust finer than any dust conceivable on Earth. Only the spiritual would be there. The other stars we see are not that glowing, burning gas either; there is something entirely different there. Adjacent to this Earth that we inhabit—which has its physical substances and physical forces—is the universal world ether. This universal world ether becomes visible to us in that, when we simply look into the ether, our field of vision is limited; it then appears to be bordered by a blue hue. But to still believe at all that physical substances are floating around in the cosmos, as materialistic thinking imagines, is a childish notion. Physical substances are not floating around there at all; rather, where there is a star, there is something entirely different. In fact, as one proceeds further and further into the ethereal realm, one gradually emerges from space entirely into those spheres where the gods dwell. And now imagine very vividly a spiritual relationship between two people that finds physical expression. To put it dramatically, imagine that you are loved by another person; they caress you, and you feel that caress. It would be childish to imagine that, where the currents of caress flow, there is—if you do not look—physical matter. You are not being touched by physical matter at all; there is a process taking place, and what is essential is a soul sensation—that of being caressed. This is how it is when we look out into the etheric spheres. The gods, in their love, caress the world, so to speak. It is a very apt comparison: they caress the world; they touch it at certain points; only this touching lasts a very long time, because the gods are eternal. But this expression of love in the ether—that is what the stars are. That is truly what they are; there is nothing physical there at all. And to see a star means, in a cosmic sense, the same thing as feeling a touch that has arisen from human love. Thus we sense the love of the divine-spiritual beings when we look up at the stars. We must come to understand that the stars are merely signs of the presence of the gods in the universe. Our physical science will have much to learn if it wishes to move from its illusion to the truth. But human beings will not attain self-knowledge at all, nor will they come to know their own nature, until they have—for the sake of the extraterrestrial cosmos—completely transformed this physical science into a spiritual science. Physical science has meaning only for the Earth, for physical substance exists only on Earth.

[ 14 ] Und so kommen wir, indem wir die Erde verlassen beim Durchgange durch die Todespforte, immer mehr in ein rein geistiges Erleben hinein. Daß zuerst unser Leben bei diesem rückläufigen Durchleben in einem dritten Teil des Erdenlebens anders ausschaut als das physische Leben, rührt davon her, weil die Mondensphäre mit ihrer Substantialität uns durchdringt. Das ist auf geistige Weise bewirkt. Und unter den vielen Dingen, die da zu geschehen haben in den Sternensphären, ist eben auch die Ausarbeitung des Karma.

[ 14 ] And so, as we leave the earth by passing through the gate of death, we enter more and more into a purely spiritual experience. The fact that, at first, our life during this retrograde passage through a third part of earthly existence appears different from physical life stems from the fact that the lunar sphere, with its substantiality, permeates us. This is brought about in a spiritual manner. And among the many things that must take place in the stellar spheres is precisely the working out of karma.

[ 15 ] Nun möchte ich Ihnen auch noch sagen, damit diese Dinge immer eins das andere stützen, wie derjenige, der heute die Initiationswissenschaft durchmacht, zu solchen Beobachtungen kommt. Ich habe es ja öfter seit einiger Zeit sogar schon in öffentlichen Vorträgen geschildert, wie der Mensch, wenn er durch die Methoden, die Sie angegeben finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», zu dem wirklichen übersinnlichen Erkennen aufsteigt, zunächst zurückblickt auf sein Erdenleben und dieses wie in einem Tableau überschaut. Alles, was sonst im Innern hintereinander ist, ist gleichzeitig da als ein mächtiges Lebenspanorama, das man überschaut bis zur Ich-Geburt, aber getrennt in einem gewissen Sinne sind doch die einzelnen Lebensepochen. Man schaut hin auf dasjenige, was man durchlebt hat von der Geburt bis zum Zahnwechsel, man schaut zurück und übersieht als eine geschlossene Reihe für sich das, was vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife geht, dann wiederum bis zum Anfang der Zwanzig und so weiter. Aber indem man weiter aufsteigt in seinen Konzentfiationen, eben die Methoden für die Erkenntnis der geistigen Welt weiter auf sich anwendet, kommt man dazu, nicht nur das, was man da schaut, zu sehen, sondern man bringt es, indem man das Lebenstableau überschaut und zuerst das sieht, was von der Geburt bis zum siebenten Jahre geht, später dazu, daß dieses Menschenleben verschwindet: man schaut gewissermaßen durch sein eigenes Leben durch. Da erscheint an der Stelle des eigenen Lebens, welche die erste Kindheit bedeutet, da, wo man früher dasjenige gesehen hat, was sich in einem abgespielt hat von der Geburt bis zum siebenten Jahre, wenn man in das leere Bewußtsein eingetreten ist, wenn man zur Inspiration aufgestiegen ist, das Leben und Weben der Mondensphäre. So daß die Initiationswissenschaft für die normale heutige Initiation erkennen läßt die Geheimnisse der Mondensphäre, wenn man mit inspirierter Erkenntnis auslöscht das eigene Lebenstableau und sieht, was da nun aufleuchtet an der Stelle dessen, was in dem eigenen Leben sich abspielt von der Geburt bis zum siebenten Lebensjahre.

[ 15 ] Now I would also like to explain to you—so that these things may always support one another—how someone who is undergoing the science of initiation today arrives at such observations. I have, in fact, described this on several occasions in recent times—even in public lectures—how a person, when ascending to true supersensory knowledge through the methods you will find outlined in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, first looks back on their earthly life and surveys it as if in a tableau. Everything that is otherwise sequenced internally is present simultaneously as a powerful panorama of life, which one surveys all the way back to the birth of the “I”; yet, in a certain sense, the individual epochs of life remain distinct. One looks upon what one has experienced from birth until the change of teeth; one looks back and surveys as a self-contained sequence the period from the change of teeth to sexual maturity, then again up to the early twenties, and so on. But as one ascends further in one’s concentrations—that is, as one continues to apply the methods for perceiving the spiritual world to oneself—one comes to not only see what is there, but also, by surveying the tableau of life and first seeing what extends from birth to the age of seven, and later realizing that this human life disappears: one looks, as it were, right through one’s own life. There, in the place of one’s own life that corresponds to early childhood—where one previously saw what had unfolded within oneself from birth to the age of seven—once one has entered into empty consciousness and ascended to the realm of inspiration, the life and weaving of the lunar sphere appear. Thus, the science of initiation, as applied to the standard initiation of today, reveals the mysteries of the lunar sphere when, through inspired insight, one erases the tableau of one’s own life and sees what now shines forth in place of what unfolded in one’s own life from birth to the age of seven.

[ 16 ] Schaut man dann zurück auf das Gebiet, das man durchlebt hat vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre, und löscht man es aus in inspitierter Erkenntnis, so schaut man hinein in die Merkursphäre. Alles ist mit dem menschlichen Wesen selber verknüpft. Der Mensch ist mit dem ganzen Weltenall verbunden. Lernt er sich wirklich selber kennen, findet er sich in sich selber zurecht, so lernt er das ganze Weltenall kennen. Und nun bitte ich Sie, eines zu berücksichtigen. Man bekommt wirklich einen großen Respekt vor der alten instinktiven Initiationswissenschaft. Diehatden Dingen die richtigen Namen gegeben, die uns heute noch geblieben sind. Würden nur wenige Dinge heute Namen bekommen, so würde man das Chaos sehen. Denn mit heutigem Erkennen und Wissen können keine ordentlichen Namen gebildet werden. Aber wenn wir das Leben unbefangen anschauen, so bekommen wir Achtung, Ehrerbietung vor demjenigen, was die alte Initiationswissenschaft getan hat. Die wußte aus ihrem Instinkt heraus noch dasjenige, was heute durch alle möglichen Statistiken festgestellt werden kann: daß eigentlich der Mensch in ganz kindlichem Alter die Kinderkrankheiten hat, sehr krankheitsanfällig ist, leicht stirbt, und eben erst wieder so anfällig ist nach der Geschlechtsreife. Das gesündeste Lebensalter sind die Jahre von sieben bis vierzehn, da ist die Sterblichkeit gering. Da wirkt die Merkursphäre. Das haben die alten Weisen gewußt, und heute erkennen wir es wieder, wenn man durch die heutige Initiationswissenschaft eindringt in die Geheimnisse des Daseins. Da möchte man niederknien vor demjenigen, was aus den urheiligsten Traditionen der Menschheit vor einen hintreten kann.

[ 16 ] If one then looks back on the period one lived through from the age of seven to fourteen, and erases it through inspired insight, one looks into the sphere of Mercury. Everything is linked to the human being itself. The human being is connected to the entire universe. If one truly comes to know oneself and finds one’s way within oneself, one comes to know the entire universe. And now I ask you to consider one thing. One truly develops a great respect for the ancient, instinctive science of initiation. It gave things their proper names, which have remained with us to this day. If only a few things were given names today, one would see chaos. For with today’s understanding and knowledge, no proper names can be formed. But when we look at life with an open mind, we gain respect and reverence for what the ancient science of initiation has accomplished. Out of instinct, it already knew what can now be established through all manner of statistics: that in early childhood, human beings suffer from childhood illnesses, are highly susceptible to disease, die easily, and are just as vulnerable again after reaching sexual maturity. The healthiest years of life are those from seven to fourteen, when mortality is low. This is where the sphere of Mercury is at work. The ancient sages knew this, and today we recognize it anew when we penetrate the mysteries of existence through modern initiatory science. One is moved to kneel before that which can step forth before us from the most sacred traditions of humanity.

[ 17 ] Und dann, wenn man zurückblickt in dasjenige, was der Mensch erlebt von dem vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Lebensjahre und es auslöscht in inspirierter Erkenntnis, so dringt man in die Geheimnisse der Venussphäre ein. Wiederum sehen Sie da die alte Initiationswissenschaft wunderbar wirken. Der Mensch wird geschlechtsreif, das Lieben tritt auf. Da tritt man ein in diejenige Lebensepoche, wo man die Venusgeheimnisse enthüllt, wenn man mit Initiationswissenschaft darauf zurückschaut. Alle die Dinge, die man auf solche Weise schildern kann, wie ich es getan habe, sind ein Teil der wirklichen menschlichen Selbsterkenntnis, der vertieften menschlichen Selbsterkenntnis, die auf diese Weise entsteht.

[ 17 ] And then, when one looks back on what a person experiences from the age of fourteen to twenty-one and erases it through inspired insight, one penetrates the mysteries of the sphere of Venus. Once again, you see the ancient science of initiation at work in a wondrous way. A person reaches sexual maturity; love emerges. This marks the entry into that phase of life in which the mysteries of Venus are revealed when viewed through the lens of initiatory science. All the things that can be described in the way I have done are part of true human self-knowledge—the deepened human self-knowledge that arises in this way.

[ 18 ] Dann wiederum, wenn man in die Zeit vom einundzwanzigsten bis zum zweiundvierzigsten Lebensjahre zurückblickt und durch Inspirationserkenntnis auslöscht das eigene imaginative Erleben, so kommt man an die Geheimnisse der Sonnensphäre heran, und es kann, wie ich schon verschiedentlich in den eben vorher gemachten Auseinandersetzungen angedeutet habe, der Mensch bei der Rückschau auf die Zeit zwischen dem einundzwanzigsten und zweiundvierzigsten Lebensjahre durch eine vertiefte Selbsterkenntnis erleben die Sonnenerkenntnisse. Um die Sonnenerkenntnisse zu erringen, müssen wir eine dreimal so lange Lebensdauer durchschauen, wie diejenige für die anderen Himmelskörper unseres Planetensystems. — Und nehmen Sie jetzt das Real-Konkrete. Wenn ich Ihnen gesagt habe, eine weltgeschichtliche Persönlichkeit hätte ihr Karma vorzugsweise durchgearbeitet in der Merkur- und in der Venussphäre, so sehen Sie jetzt, wie so etwas erforscht wird. Man erlangt die Möglichkeit, im eigenen Leben zurückzublicken in die Lebensepoche zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre, und dann in die zwischen dem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahre; dann löscht man sie aus in der Inspiration, und dann erlangt man Einblicke in die Merkur- und in die Venussphäre. Durch diese Einblicke sieht man, wie eine solche Individualität zusammenarbeitet mit den anderen Wesenheiten der höheren Hierarchien und mit anderen Menschenseelen, und wie dadurch ihre Erdeninkar nation zustande gekommen ist, eine Erdeninkarnation im neunzehnten Jahrhundert.

[ 18 ] On the other hand, when one looks back on the period from the age of twenty-one to forty-two and, through inspirational insight, erases one’s own imaginative experiences, one gains access to the mysteries of the solar sphere, and, as I have already indicated on several occasions in the discussions just concluded, by looking back on the period between the ages of twenty-one and forty-two, one can experience the insights of the Sun through a deepened self-knowledge. To attain the insights of the Sun, we must look back over a period of life three times as long as that required for the other celestial bodies of our planetary system. — And now consider the concrete reality. When I told you that a figure of world-historical significance had primarily worked through their karma in the spheres of Mercury and Venus, you can now see how such a thing is explored. One gains the ability to look back in one’s own life to the period between the ages of seven and fourteen, and then to the period between the ages of fourteen and twenty-one; then one erases these memories through inspiration, and thereby gains insights into the Mercury and Venus spheres. Through these insights, one sees how such an individuality works together with the other beings of the higher hierarchies and with other human souls, and how, as a result, their earthly incarnation came about—an earthly incarnation in the nineteenth century.

[ 19 ] Haben nun Wesenheiten an ihrem Karma besonders arbeiten müssen in der Marssphäte, so ist das schon schwerer zu erforschen. Denn wenn jemand vor dem neunundvierzigsten Jahr initiiert wird, so kann er nicht zurückblicken zu derjenigen Lebenszeit, auf die es jetzt hier ankommt, die Lebenszeit vom zweiundvierzigsten bis neunundvierzigsten Jahre. Man muß über das neunundvierzigste Lebensjahr hinausgekommen sein, um auslöschen zu können, was man da war; dann kann man in die Geheimnisse der Marssphäre hineinschauen. Und ist man initiiert nach dem sechsundfünfzigsten Jahr, so kann man noch in eine andere Periode zurückblicken, in die Periode zwischen dem neunundvierzigsten und sechsundfünfzigsten Lebensjahre, in die Periode, wo die Jupiterkarmen ausgearbeitet werden. Und nun sehen Sie den ganzen Zusammenhang dieser Dinge. Erst beim Rückblick in die Lebenszeit zwischen dem sechsundfünfzigsten und dreiundsechzigsten Lebensjahr kann der ganze Zusammenhang dann überschaut und aus innerer Erkenntnis heraus gesprochen werden, denn da kann man auf die ganz außerordentlich merkwürdige Saturnsphäre zurückblicken. Denn die Saturnkarmen sind diejenigen, welche die Menschen auf die merkwürdigste Weise gerade zusammen wiederum in die Welt hineinstellen. Aber um diese Zusammenhänge mit der Initiationswissenschaft zu durchschauen — gewiß, durch Unterweisung kann man es schon verstehen —, aber um selbständig hineinzuschauen und den ganzen Zusammenhang zu beurteilen, muß man selbst sogar dreiundsechzig Jahre geworden sein. Es heißt das also: Es treten Menschen auf innerhalb eines bestimmten Erdenlebens, zum Beispiel ein großer Dichter, von dem ich Ihnen sprechen werde, tritt auf; er lebt durch seine Fähigkeiten, durch seine Schöpfungen ganz besonders das in seinem Karma dar, was nur durchgearbeitet werden konnte in. der Saturnsphäre.

[ 19 ] If, however, certain beings have had to work particularly hard on their karma in the sphere of Mars, this is much more difficult to investigate. For if someone is initiated before the age of forty-nine, they cannot look back to the period of life that is now relevant here—the period from the age of forty-two to forty-nine. One must have passed the age of forty-nine in order to be able to erase what one was during that time; only then can one glimpse into the mysteries of the sphere of Mars. And if one is initiated after the age of fifty-six, one can look back even further to another period—the period between the ages of forty-nine and fifty-six—the period in which the karmic debts of Jupiter are worked out. And now you see the whole connection between these things. Only by looking back on the period of life between the ages of fifty-six and sixty-three can the entire context be grasped and spoken of from a place of inner knowledge, for then one can look back upon the extraordinarily remarkable sphere of Saturn. For it is the karmic debts of Saturn that, in the most remarkable way, place human beings back into the world once again. But to grasp these connections through the science of initiation—certainly, one can already understand them through instruction—but to look into them independently and assess the entire context, one must oneself have reached the age of sixty-three. This means, then, that certain individuals appear within a specific earthly life—for example, a great poet, of whom I shall speak to you—who, through his abilities and his creative works, expresses in a very special way that aspect of his karma which could only have been worked through in the Saturn sphere.

[ 20 ] So dürfen wir sagen: Schauen wir hinauf zu unserem Planetensystem mit der Sonne — und wir können so hinaufschauen zu den übrigen Sternen, denn der übrige Sternenhimmel ist durchaus auch im Zusammenhang mit dem Menschen, wir werden auch darüber sprechen —, schauen wir da hinauf, so schauen wir unter manchem anderen aus dem Kosmos heraus gestaltet das menschliche Karma. Dieser Mond, diese Venus, dieser Jupiter sind wahrhaftig nicht allein das, als was sie uns die physische Astronomie schildert. Wir haben in ihnen zu schauen, in ihren Konstellationen, in ihren gegenseitigen Verhältnissen, in ihrem Glanz und in ihrem ganzen Dasein die Aufbauer des Menschenschicksals, die Schicksalsuhr, in der wir lesen können unser Schicksal. Sie scheint so eigentlich herunter vom Himmel in den Konstellationen. Das hat man auch einstmals in der alten instinktiven Mysterienweisheit gewußt, aber diese alte Astrologie, die eine rein geisteswissenschaftliche ist, die mit den geistigen Untergründen des Daseins erkennend arbeitete, ist eben in dilettantischer und laienhafter Form auf die Nachwelt gekommen. Und erst wieder aus Anthroposophie heraus wird sich etwas ergeben, was im wirklichen Geistzusammenhang erkennen lassen wird, wie durch die große Schicksalsuhr dieses Menschenleben hier auf der Erde gesetzmäßig sich gestaltet.

[ 20 ] So we may say: Let us look up at our planetary system with the Sun—and we can look up in this way at the other stars as well, for the rest of the starry sky is certainly also connected to humanity; we will speak about that, too—when we look up there, we see human karma taking shape amidst many other phenomena emerging from the cosmos. This Moon, this Venus, this Jupiter are truly not merely what physical astronomy describes them to be. In them—in their constellations, in their mutual relationships, in their radiance, and in their entire existence—we must see the architects of human destiny, the clock of fate in which we can read our destiny. It actually shines down from the heavens in the constellations. This was also known in the past through the ancient, instinctive wisdom of the mysteries; but this ancient astrology—which is a purely spiritual science that worked with insight into the spiritual foundations of existence—has been passed down to posterity in a dilettantish and layman-like form. And only through anthroposophy will something emerge that, within the true spiritual context, will reveal how human life here on Earth is shaped according to the laws of the great clock of destiny.

[ 21 ] Aber sehen wir von diesem Gesichtspunkte aus auf ein menschliches Karma hin. Schauen wir uns einen Menschen an, dessen Karma wir auf uns wirken lassen. Es ist ja wirklich so, daß derjenige, welcher nun wiederum durch Anthroposophie hereinwächst in eine gesunde Weltanschauung gegenüber unserer krankhaften von heute, nicht nur zu anderen Begriffen und Vorstellungen über die Welt und den Menschen kommt, sondern auch zu anderen Gefühlen und Empfindungen. Denn denken Sie sich: Lernt man ein Menschenschicksal kennen, dann lernt man dabei Geheimnisse des ganzen Sternensystems kennen. Man schaut auf die Geheimnisse des Kosmos hin, indem man ein Menschenschicksal vor sich hat. Es kommen nun die heutigen Menschen, schreiben Biographien und haben keine Ahnung davon, was sie da eigentlich profanieren, wenn sie in ihrer Weise Biographien schreiben. In den Zeiten, in denen das Wissen heilig war, weil es galt als eine Ausstrahlung der Mysterien, schrieb man nicht in dem Sinne, wie man das heute tut, Biographien. Man schrieb die Biographien, indem man dahinter durchaus vermuten ließ, was aus den Geheimnissen der Sternenwelt wirkte. Wenn man ein menschliches Schicksal überblickt, dann sieht man darinnen das Walten zunächst höherer Wesenheiten des VorSonnendaseins, der Angeloi, Archangeloi, Archai; das Walten höherer Wesenheiten des Sonnendaseins, Exusiai, Dynamis, Kyriotetes; der Wesenheiten, die das ganze Karma ausarbeiten, das vorzugsweise das Marskarma ist, der Throne; das Walten derjenigen, die ausarbeiten das Jupiterkarma, der Cherubim; das Walten derjenigen Wesenheiten, die mit dem Menschen zusammen arbeiten an einem solchen Karma, das das Saturnkarma ist, der Seraphim. Wir schauen also dadurch, daß wir das Bild des Schicksals, ein Menschenkarma vor uns haben, in diesem Menschenkarma die waltenden Hierarchien. Dieses Menschenkarma ist ja zunächst ein Hintergrund, ein Vorhang, wie ein Schleier. Schauen wir hinter diesen Schleier, dann weben und arbeiten und wirken und tun daran Archai, Archangeloi, Angeloi; Kyriotetes, Dynamis, Exusiai; Seraphim, Cherubim, Throne. Jedes Menschenschicksal ist eigentlich in Wahrheit doch wie etwas, das auf einem Blatt Papier als Geschriebenes ist. Denken Sie sich, es könnte ja auch einen Menschen geben, der sich so etwas, was auf ein Blatt Papier gedruckt ist, anschaut und sagt: Da sind Zeichen darauf, zuerst K-E-I und so weiter; mehr versteht er nicht, er ist nicht imstande, diese Buchstaben zusammenzusetzen zu Worten. Was liegt da für ein Ungeheures darinnen, diese Buchstaben zusammenzusetzen zu Worten! Wir haben ja die zweiundzwanzig bis achtundzwanzig Buchstaben — nun ja, dreißig bis vierunddreißig, wenn wir alle nehmen —: Der ganze Goethesche «Faust» besteht aus nichts anderem, als aus diesen Buchstaben! Wer nicht lesen kann, kann den Goetheschen «Faust» nicht lesen, er hat nur diese vierunddreißig Buchstaben, gar nichts sieht er im Goetheschen «Faust ». Wenn einer nun etwas anderes sieht, weil er diese Buchstaben in ihrer Zusammensetzung zu diesem ganz wunderbaren Goetheschen «Faust» aufbauen kann, da könnte nun sogar einer, der keine Begriffe hätte vom Lesen, ein ausgepichter Analphabet, sich furchtbar skandalisieren und sagen: Da kommt jetzt einer, der will aus diesem «Faust» da vieles herauslesen, der fängt an: «Habe nun, ach...» Das ist ja ein ganz großer Narr! — Und doch, der ganze «Faust» besteht nur aus diesen Buchstaben. Ja, sehen Sie, so wie man gewöhnlich ein Menschenkarma, ein einzelnes menschliches Karma betrachtet, so sieht man nur Buchstaben. In dem Augenblicke, wo man anfängt zu lesen, sieht man darin Angeloi, Archangeloi, Archai und deren gegenseitige Taten. Und so ein einzelnes Menschenleben in seinem Schicksal wird um so viel reicher, als es dieses Büchelchen wird von dem Momente an, wo man hinauskommt über die vierunddreißig Buchstaben und den «Faust» darinnen hat. So ungeheuer viel reicher wird dasjenige, was vom rein irdischen Gesichtspunkte, vom kosmisch-analphabetischen Unwissen, zu dem Wissen übergeht, wenn man da durchschaut in demjenigen, was ein Schicksal darstellt, daß da die Buchstaben Zeichen sind für die Taten der Wesenheiten der höheren Hierarchien.

[ 21 ] But let us consider human karma from this perspective. Let us look at a person whose karma we allow to influence us. It is indeed true that those who, through anthroposophy, are now developing a healthy worldview in contrast to our current, unhealthy one, not only arrive at different concepts and ideas about the world and humanity, but also at different feelings and sensations. For just imagine: When one comes to know a human destiny, one thereby comes to know the mysteries of the entire star system. One gazes upon the mysteries of the cosmos by contemplating a human destiny. Then there are the people of today who write biographies and have no idea what they are actually desecrating when they write biographies in their own way. In times when knowledge was sacred—because it was regarded as a radiance of the Mysteries—biographies were not written in the same sense as they are today. Biographies were written in such a way as to allow the reader to sense what was at work behind them from the mysteries of the starry world. When one surveys a human destiny, one sees within it, first of all, the working of higher beings of the pre-Solar era—the Angeloi, Archangeloi, and Archai; the working of higher beings of the Solar era—the Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes; the beings who work out the entire karma, which is primarily Mars karma—the Thrones; the influence of those who work out Jupiter karma—the Cherubim; and the influence of those beings who work together with the human being on such karma as Saturn karma—the Seraphim. Thus, by having the image of destiny—a human karma—before us, we see within this human karma the ruling hierarchies. This human karma is, after all, initially a backdrop, a curtain, like a veil. If we look behind this veil, we see that Archai, Archangeloi, Angeloi; Kyriotetes, Dynamis, Exusiai; Seraphim, Cherubim, and Thrones are weaving, working, acting, and doing their part within it. Every human destiny is, in truth, actually like something written on a sheet of paper. Imagine, for instance, that there might be a person who looks at something printed on a sheet of paper and says: “There are symbols here—first K-E-I and so on”; he understands nothing more than that; he is incapable of putting these letters together to form words. What an immense task it is to put these letters together to form words! We have, after all, twenty-two to twenty-eight letters—well, thirty to thirty-four, if we count them all—: Goethe’s entire Faust consists of nothing but these letters! Anyone who cannot read cannot read Goethe’s Faust; they have only these thirty-four letters, and see absolutely nothing in Goethe’s Faust. Now, if someone sees something else—because they can assemble these letters into that truly marvelous “Faust”—then even someone who has no concept of reading, a complete illiterate, might be terribly scandalized and say: “Here comes someone who wants to read all sorts of things into this ‘Faust’; they start with: ‘Now I have, alas…’ What a complete fool! — And yet, the entire Faust consists solely of these letters. Yes, you see, just as one usually regards human karma—a single human karma—one sees only letters. The moment one begins to read, one sees within it angels, archangels, archaic beings, and their mutual deeds. And so a single human life, in its destiny, becomes all the richer, just as this little book becomes all the richer from the moment one moves beyond the thirty-four letters and finds Faust within them. That which, from a purely earthly perspective—from cosmically illiterate ignorance—transitions into knowledge becomes immeasurably richer when one sees through what constitutes a destiny, recognizing that the letters are symbols of the deeds of the beings of the higher hierarchies.

[ 22 ] Karma als die Schicksalsgestaltung des menschlichen Lebens ist so ungeheuer, so erhaben, so majestätisch für den, der es durchschaut, daß er einfach dadurch, daß er versteht, wie sich Karma verhält zum Weltenall, zum geistigen Kosmos, hereinwächst in eine ganz andere Empfindungs- und Gefühlsweise, nicht bloß in ein theoretisches Wissen. Und alles, was man sich aneignet durch Anthroposophie, sollte eben nicht Aneignung von theoretischen Erkenntnissen bloß sein, sollte immer stufenweise wirken auf die Gestaltung unserer Denk- und Empfindungsweise, indem es uns immer tiefer mit unserem Herzen hineinführt von dem Regenwurmfühlen auf der Erde zum Fühlen innerhalb des Geisterlandes. Denn wir Menschen gehören nicht bloß der Erde an, wir gehören dem Geisterlande an. In demjenigen, was innerhalb unserer Haut auf der Erde abgeschlossen ist, da ist ja die Zusammenwirkung der ganzen Zeit zu schauen, die wir zubringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Innerhalb dessen, was menschliche Haut ist, sind alle Weltengeheimnisse in einer bestimmten Form immer enthalten. Menschliche Selbsterkenntnis ist keineswegs dieses triviale Wort, von dem man so oft redet, auch nicht etwas Sentimentales. Menschliche Selbsterkenntnis ist Welterkenntnis. Deshalb habe ich oftmals den Freunden, bei denen dazu Gelegenheit war, in ein Buch geschrieben das Wort, das da lautet:

[ 22 ] Karma, as the shaping of human destiny, is so immense, so sublime, so majestic to those who perceive it that simply by understanding how karma relates to the universe and to the spiritual cosmos, one grows into an entirely different way of sensing and feeling—not merely into theoretical knowledge. And everything one acquires through anthroposophy should not merely be the acquisition of theoretical knowledge; it should always work step by step to shape our way of thinking and feeling, leading us ever deeper with our hearts—from the earthworm’s sense of existence on Earth to a sense of existence within the spiritual realm. For we humans do not belong solely to the Earth; we belong to the spiritual realm. In that which is enclosed within our skin on Earth, we can indeed observe the interplay of the entire period we spend between death and a new birth. Within what constitutes human skin, all the mysteries of the world are always contained in a specific form. Human self-knowledge is by no means that trivial word people so often speak of, nor is it something sentimental. Human self-knowledge is knowledge of the world. That is why I have often written the following words in a book for friends when the occasion arose:

Willst Du Dein Selbst erkennen,
schaue hinaus in die Weltenweiten.
Willst Du die Weltenweiten durchschauen,
Blicke hinein in das eigene Selbst.

If you wish to know yourself,
look out into the vastness of the universe.
If you wish to see through the vastness of the universe,
look within yourself.