Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume VI
GA 240
6 February 1924, Stuttgart
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Esoteric Considerations of Karmic Connections VI, tr. SOL
Die Bedeutung der die Erde umgebenden Himmelskörper für das Leben des Menschen IV
The Significance of the Celestial Bodies Surrounding the Earth for Human Life IV
[ 1 ] Gestatten Sie, daß ich mit einer anthroposophischen Auseinandersetzung beginne, um dann am Schluß mit einigen wenigen Worten zurückzukommen auf dasjenige, was mit der Weihnachtstagung gemeint war.
[ 1 ] Allow me to begin with an anthroposophical discussion, and then, at the end, return briefly to what the Christmas Conference was intended to be.
[ 2 ] Sie kennen aus den verschiedenen anthroposophischen Darstellungen die Bedeutung der die Erde umgebenden Himmelskörper für das Leben und Dasein des Menschen. Über ein besonderes Kapitel aus diesem Gebiete möchte ich heute zu Ihnen sprechen. Wenn wir den Blick umherschweifen lassen hier während unseres Erdendaseins auf alles dasjenige, was uns auf der Erde umgibt, und auch auf das, was uns im Weltenumkreise der Erde umgibt, so sehen wir eigentlich mit den physischen Sinnen, auch dann, wenn diese physischen Sinne zu den Sternen heraufschweifen, nur dasjenige, was zusammenhängt mit jenem Teile unserer menschlichen Wesenheit, den wir mit dem Tode ablegen. Wir wissen ja aus den verschiedenen anthroposophischen Darstellungen, daß der menschliche physische Leib seine Kräfte, auch seine substantielle Zusammensetzung aus demjenigen holt, was uns auf der Erde umgibt. Wir wissen ferner, daß wir außer dem physischen Leib in uns tragen einen Ätherleib und daß in gleicher Weise, wie der physische Leib seine Kräfte, seine substantiellen Bestandstücke der Erde entnimmt, so dieser Ätherleib seine Bestandstücke, seine Kräfte den Weiten des außerirdischen Weltenalls, der ätherischen Welt. Und diese ätherische Welt ist es ja, welche die Erde in den Raumesweiten umgibt, diese ätherische Welt ist es, in welche die Sterne eingebettet sind, aus der das Licht aus dem Weltenall auf die Erde herniederströmt. So verdanken wir unser physisches und unser ätherisches Dasein demjenigen, was wir entweder in unserer Erdenumgebung oder in der Weltumgebung der Erde schauen können, offenbar werden sehen. Aber innerhalb desjenigen, was uns als die Ätherumgebung der Erde im Weltenall umhüllt, sehen wir zunächst zwei Weltenkörper, die wir geradezu bezeichnen können als Tore in die geistige Welt hinein. Wir sehen die beiden Weltenkörper, den Mond und die Sonne. Diesen beiden Weltenkörpern, dem Monde und der Sonne, wurde von jeher von allen denjenigen, die mit ihrer Einsicht tiefer hineinschauen können in das Gefüge des Weltganzen, die denkbar größte Bedeutung für das menschliche Leben und Dasein beigelegt.
[ 2 ] You are familiar, from various anthroposophical accounts, with the significance of the celestial bodies surrounding the Earth for human life and existence. Today I would like to speak to you about a particular aspect of this subject. When we let our gaze wander here during our earthly existence over all that surrounds us on Earth, and also over what surrounds us in the cosmos surrounding the Earth, we actually perceive with our physical senses—even when these physical senses wander up toward the stars— we see only that which is connected to that part of our human being which we shed at death. We know, of course, from various anthroposophical descriptions that the human physical body derives its forces—and also its substantial composition—from what surrounds us on Earth. We also know that, in addition to the physical body, we carry within us an etheric body, and that just as the physical body draws its forces and its substantial constituents from the Earth, so this etheric body draws its constituents and its forces from the vastness of the outer cosmos, the etheric world. And it is indeed this etheric world that surrounds the Earth in the vastness of space; it is this etheric world in which the stars are embedded, from which the light of the universe streams down upon the Earth. Thus, we owe our physical and etheric existence to that which we can perceive—either in our earthly surroundings or in the world surrounding the Earth. But within what envelops us as the Earth’s etheric environment in the cosmos, we first see two celestial bodies that we can truly describe as gateways into the spiritual world. We see these two celestial bodies, the Moon and the Sun. From time immemorial, all those who, through their insight, are able to look more deeply into the structure of the whole universe have attributed the greatest possible significance to these two celestial bodies—the Moon and the Sun—for human life and existence.
[ 3 ] Wenn wir den Menschen im anthroposophischen Sinne betrachten, so können wir ja wissen, wie außer dem physischen Leib und dem Ätherleib die astralische Wesenheit des Menschen und die Ich-Wesenheit in ihm vorhanden sind. Allein, wenn wir auf diese astralische und Ich-Wesenheit hinschauen, wir finden überall in den Weiten, die wir beobachten können mit den äußeren Sinnen — auch wenn wir, wie gesagt, den Blick in die Sternenwelt hinaufschweifen lassen —, nichts, was zunächst für die äußere Beobachtung ähnlich ist dem astralischen Wesen und dem Ich-Wesen des Menschen. Wir finden eben nur dasjenige, was ähnlich ist dem physischen und dem Ätherwesen. Nichts im sichtbar und offenbar werdenden, für unsere Sinne, für den Verstand offenbar werdenden weiten Weltenall, nichts liefert für den astralischen Leib und für die Ich-Wesenheit Bestandstücke, Kräfte. Aber eben in Mond und Sonne haben wir dennoch etwas, was wie Tore sich ausnimmt in diejenige Welt hinein, aus der unser astralischer Leib und unsere Ich-Wesenheit stammen.
[ 3 ] When we consider the human being in the anthroposophical sense, we can indeed know that, in addition to the physical body and the etheric body, the astral entity and the “I” entity are present within the human being. However, when we look at these astral and “I” entities, we find nothing anywhere in the vast expanses we can observe with our external senses—even when, as mentioned, we let our gaze wander up into the world of the stars—that, at first glance, resembles the human astral being and the human I-being. We find only that which resembles the physical and etheric beings. Nothing in the vast universe that becomes visible and manifest to our senses and to our intellect; nothing provides the astral body and the I-being with constituents or forces. Yet it is precisely in the Moon and the Sun that we find something that appears as gateways into that world from which our astral body and our I-being originate.
[ 4 ] Sie haben ja verfolgt, wie in meiner «Geheimwissenschaft» und anderen Schriften auf einen Zeitpunkt hingewiesen worden ist, in dem sich der physische Mond losgetrennt hat von der Erde. Es ist darauf hingewiesen worden, wie der physische Mond mit der Erde einstmals _ einen Körper im Weltenall bildete, wie dann sich dieser physische Mond von der Erde abgetrennt hat. Allein diese physische Abtrennung oder auch ätherische Abtrennung, die ist nicht alles, was uns mit Beziehung auf das Mondendasein und auf das menschliche Leben beschäftigen soll, sondern wir haben es in der Abtrennung des Mondes zugleich zu tun mit einer bedeutungsvollen geistigen Tatsache. Und auf diese geistige Tatsache wollen wir einmal das Augenmerk lenken.
[ 4 ] You have surely followed how, in my Occult Science and other writings, reference has been made to a point in time when the physical Moon separated from the Earth. It has been pointed out how the physical Moon once formed—together with the Earth—a single body in the cosmos, and how this physical Moon subsequently separated from the Earth. However, this physical separation—or even etheric separation—is not all that should concern us in relation to the Moon’s existence and human life; rather, in the Moon’s separation we are simultaneously dealing with a significant spiritual fact. And let us now turn our attention to this spiritual fact.
[ 5 ] Auch darauf habe ich ja öfter hingewiesen, wie in uralten Erdenzeiten der Mensch eine sogenannte Urweisheit besessen hat. Wir sind heute stolz auf unsere Verstandeseinsicht, auf unser sogenanntes Verstandes- und Beobachtungswissen. Nun ja, gewiß, dasjenige, was wir heute in dieser Art wissen, das hat eine ältere Menschheit nicht gewußt, dazu mußte die Erde erst eine gewisse Entwickelung durchmachen und der Mensch mit ihr. Erst durch diese Entwickelung konnte er seinen physischen, zum Nervensystem verfeinerten Leib so weit benützen, daß er eben Verstandeswissen erwerben kann. Das uralte Wissen der Menschheit war ein instinktives, kam auch in anderer Art zum Vorschein als zumeist das heutige Wissen. In mächtig einherrollenden dichterischen Formen prägte sich dasjenige aus, was in uralten Zeiten die Menschheit über die Geheimnisse der Welt wußte. Und in demjenigen, was traditionell erhalten ist, was man heute in den Dokumenten verfolgen kann, in dem ist eigentlich nur ein Nachklang vorhanden von dem Großartigen, Gewaltigen der Urweisheit, welche die Menschheit einmal auf der Erde besessen hat. Wir können aber heute in tiefes Erstaunen verfallen, wenn wir so etwas wie die morgenländischen Veden oder die Vedantaphilosophie auf uns wirken lassen. Wir bewundern die herrlichen Verse der Bhagavad Gita, wir sehen in all dem etwas Großes. Allein wir müssen uns bewußt sein: das sind doch nur die letzten Ausläufer von etwas viel Größerem, von etwas viel Gewaltigerem, das einmal für die Menschheit da war. Und dieses Große, Gewaltige, das einmal da war, die Menschheit verdankte es der Tatsache, daß sie damals mit Wesenheiten in Genossenschaft lebte, die in ihrem Dasein höher standen als die heutige Menschheit und auch natürlich als die damalige Menschheit, Wesenheiten, die nicht nach Art des heutigen Menschenleibes einen physischen Leib an sich trugen, Wesen, die nur im ätherischen Leibe auf der Erde herumwandelten, die aber dennoch ein mit den übrigen Menschen gemeinsames Leben führten.
[ 5 ] I have also pointed out on several occasions how, in the Earth’s ancient past, humankind possessed what is called “primordial wisdom.” Today we take pride in our intellectual insight, in our so-called intellectual and observational knowledge. Well, certainly, what we know today in this way was not known to earlier humanity; for that to happen, the Earth first had to undergo a certain development, and humanity along with it. Only through this development was humanity able to use its physical body—refined into a nervous system—to such an extent that it could acquire intellectual knowledge. Humanity’s ancient knowledge was instinctive and manifested itself in a different way than most of today’s knowledge does. What humanity knew in ancient times about the mysteries of the world was expressed in powerful, sweeping poetic forms. And in what has been preserved through tradition—what we can trace today in the documents—there is really only an echo of the grandeur and power of the primordial wisdom that humanity once possessed on Earth. Yet today we can be filled with deep wonder when we allow something like the Vedas of the East or Vedanta philosophy to take effect upon us. We admire the magnificent verses of the Bhagavad Gita; we see something great in all of this. Yet we must be aware: these are, after all, merely the final vestiges of something much greater, of something much more powerful that once existed for humanity. And this greatness and power that once existed—humanity owed it to the fact that, at that time, it lived in communion with beings who stood higher in their existence than humanity today and, of course, than humanity of that time as well— beings who did not possess a physical body of the kind found in today’s human form, beings who walked the earth only in their etheric bodies, yet who nevertheless led a life in common with the rest of humanity.
[ 6 ] Da diese Wesen keinen physischen Leib hatten, konnten sie natürlich nicht in der Art mit den Menschen sprechen, wie wir es heute gewohnt sind, daß von einem Menschen zum anderen gesprochen wird. Aber in gewissen Bewußtseinszuständen fühlten die Menschen der Urzeiten — und schließlich waren wir das ja alle selber in unseren früheren Erdenleben —, wir also, kann ich sagen, fühlten in den Urzeiten der Erdenentwickelung in besonderen Bewußtseinszuständen, wie innerlich Empfindungen, Gedanken auftauchten, von denen man wußte: sie stammen nicht von dem Menschen selber, der sie hegt, ebensowenig wie das von uns selber heute stammt, was wir durch sprachliche Mitteilung von einem anderen hören. Auf geistige Art wurde von den auf der Erde herumwandelnden ätherischen Übermenschen, könnte man sagen, eininspiriert den Menschen das viel höhere, viel gewaltigere Wissen, das diese Wesenheiten hatten. Umgang also mit Wesenheiten nicht physischer Art hatten wir in früheren Erdenleben in den irdischen Urzeiten. Diese Wesenheiten, sie sind heute nicht mehr da. Sie sind schon seit langen Zeiten nicht mehr innerhalb des irdischen Lebens. Sie haben sich von dem Umgang mit den Menschen zurückgezogen, und die Menschheit hat spärliche Überreste von dem, was sie einstmals durch diese Urzeitwesen von Geheimnissen des Weltenalls erfahren hatte, spärliche Überreste hat die Menschheit aufbewahrt in den verschiedenen Dokumenten. Und eigentlich kann man sagen, daß sie diese spärlichen Überreste auch kaum mehr versteht.
[ 6 ] Since these beings had no physical body, they naturally could not speak to humans in the way we are accustomed to today, when one person speaks to another. But in certain states of consciousness, the people of primeval times—and after all, we were all like that ourselves in our earlier earthly lives— we, I might say, felt in the early days of Earth’s evolution, in particular states of consciousness, how inner sensations and thoughts arose—and we knew that these did not originate from the person experiencing them, just as what we hear today from another through spoken communication does not originate from ourselves. In a spiritual sense, one might say that the ethereal superhuman beings wandering the Earth inspired into human beings the far higher, far more powerful knowledge that these beings possessed. Thus, in our earlier Earth lives during the primordial times of Earth, we had contact with beings of a non-physical nature. These beings are no longer here today. They have not been part of earthly life for a very long time. They have withdrawn from contact with human beings, and humanity has preserved only scant remnants of what it once learned about the mysteries of the universe from these primeval beings—scant remnants that humanity has preserved in various documents. And in fact, one could say that humanity barely understands these scant remnants anymore.
[ 7 ] Wohin haben sich diese Wesen der Urweltzeiten zurückgezogen? Sehen Sie, geradeso wie der physische Mond sich von der Erde abgetrennt hat, so haben sich in Gemeinschaft mit diesem physischen Weltenkörper des Mondes diese Wesenheiten hinaus in das weite Weltenall zurückgezogen. Ich habe ja über etwas Ähnliches schon gesprochen. Wir wollen heute ein Weiteres über diese Wesenheiten kennenlernen, so daß — wenn wir den Blick hinauflenken auf diesen Weltenkörper des Mondes — wir uns sagen können: Der wird bewohnt von Wesenheiten, die einstmals die Genossen der Menschheit auf der Erde waren und die sich in diese Mondenkolonie zurückgezogen haben. Mit dem äußeren Menschen, der in seinem physischen Leibe auf der Erde lebt, haben diese Wesenheiten zunächst scheinbar keinen Zusammenhang; aber sie haben ihn doch. Und eben auf diesen Zusammenhang wollen wir einmal hinweisen. Daß diese Wesenheiten in irgendeiner Art mit der menschlichen Vergangenheit zusammenhängen, können wir ja schon daraus entnehmen, daß sie in vergangenen Zeiten eben die Genossen der Menschheit auf Erden waren. Und sie sind mit der Vergangenheit des Menschen verknüpft geblieben.
[ 7 ] Where have these beings from the primeval ages withdrawn to? You see, just as the physical Moon separated from the Earth, so too have these beings, in union with this physical world-body of the Moon, withdrawn out into the vast cosmos. I have, in fact, already spoken about something similar. Today we want to learn more about these beings, so that—when we turn our gaze upward toward this lunar body—we can say to ourselves: It is inhabited by beings who were once companions of humanity on Earth and who have withdrawn to this lunar colony. At first glance, these beings seem to have no connection to the outer human being who lives on Earth in his physical body; yet they do have one. And it is precisely this connection that we wish to point out. We can already infer that these beings are connected in some way to humanity’s past from the fact that in bygone times they were indeed companions of humanity on Earth. And they have remained linked to humanity’s past.
[ 8 ] Wenn wir den Menschen betrachten, wie er sein Leben innerhalb des physischen Leibes auf der Erde hier vollendet, dann finden wir, daß sich in dieses Leben hineinwebt dasjenige, was wir das Schicksal nennen. Dieses Schicksal, das man gewohnt worden ist mit dem orientalischen Namen Karma zu bezeichnen, es nimmt sich als etwas recht Geheimnisvolles im menschlichen Leben aus. Aber man betrachtet dieses Geheimnisvolle nicht immer in seinen bedeutungsvollen Zusammenhängen. Denken Sie einmal: In einem bestimmten Alter treffen aufeinander zwei Menschen. Sie haben sich vorher nicht gesehen. Von dem Zeitpunkte an, da sie aufeinandertreffen, tritt in ihr Leben etwas ein, das mit ihrer Gemeinsamkeit zusammenhängt. Sie erkennen einander sozusagen, und sie wissen, daß sie nun viel miteinander zu tun haben werden. Wenn aber solche Menschen dann zurückschauen auf das Leben, das sie auf der Erde seit ihrer Kindheit vollbracht haben, dann nimmt sich, wenn sie nur vorurteilslos genug die Sache ansehen, alles das, was sie getan haben bis zu dem Zeitpunkte, wo sie sich getroffen haben, außerordentlich sinnvoll in der Richtung aus, daß es ihnen sich zeigt, wie sie eigentlich jeden Schritt ihres Lebens seit ihrer Kindheit so angeordnet haben, als ob sie den Weg bis zu dem Orte hin von Anfang an hätten nehmen wollen, bis zu dem Orte, an dem sie sich dann treffen. Man blickt zurück von diesem Momente, wo man einen anderen getroffen hat, mit dem man dann Gemeinsamkeit pflegt, man blickt zurück —, und das vorangegangene Erdenleben, es nimmt sich wirklich oftmals so aus, daß man sich sagen kann: Da ist mein Ausgangspunkt in einer fernen Kindheit, aber ich habe jeden Schritt so gemacht, daß mein Weg mich zuletzt dahin führen mußte, wo ich den anderen treffe. Alles dasjenige, was ich in so sinnvoller Weise getan habe, alles das ist ja ganz unbewußt geschehen; dasjenige, was bewußt geschah, tritt erst ein nach dem Treffen, aber das Unbewußte schließt sich in einer wunderbaren Weise mit dem Bewußten in eins zusammen, Und es ist ein großer Unterschied in dem Weben des Schicksales mit Bezug auf dasjenige, was wir so unbewußt als unseren Erdenweg angeordnet haben, um den anderen zu treffen, und dasjenige, was wir dann vollbringen, wenn wir ihn getroffen haben. Da ist er vor uns, da sehen wir ihn, da verstehen wir dasjenige, was er spricht, da richten wir unsere Handlungen nach dem ein, wie er sich äußert, wie er uns im äußeren Leben entgegentritt, da führen wir mit ihm ein gemeinsames Leben, das zugänglich ist unseren Sinnen, unserem Verstande. Aber wir werden sehen, wie sich in dieses gemeinsame, nun unseren Sinnen und unserem Verstande zugängliche Leben doch eben unbewußt wieder hineinmischt auch dasjenige, wie wir gegangen sind bis zu dem Zeitpunkte, wo wir uns getroffen haben. Wir können fragen: Was wirkt und lebt in all diesen Richtungen, in all diesen Kräften, mit denen wir uns zu dem anderen hinbewegen?
[ 8 ] When we consider human beings as they live out their lives here on Earth within their physical bodies, we find that what we call “fate” is woven into the fabric of that life. This destiny, which people have come to refer to by the Eastern term “karma,” appears to be something quite mysterious in human life. But this mystery is not always viewed in its meaningful context. Consider this: At a certain age, two people meet. They have never seen each other before. From the moment they meet, something enters their lives that is connected to what they have in common. They recognize one another, so to speak, and they know that they will now have a great deal to do with one another. But when such people then look back on the life they have lived on Earth since childhood, if they view the matter without prejudice, everything they have done up to the point where they met takes on extraordinary meaning in the sense that it becomes clear to them how they have, in fact, arranged every step of their lives since childhood as if they had intended from the very beginning to take the path leading to that place—the place where they would eventually meet. Looking back from that moment when one met another person with whom one then shares a bond, looking back—one’s previous earthly life often appears in such a way that one can say to oneself: There is my starting point in a distant childhood, but I took every step in such a way that my path was bound to lead me ultimately to the place where I would meet the other person. Everything I did in such a meaningful way—all of that happened entirely unconsciously; what happened consciously only comes into play after the meeting, but the unconscious merges in a wonderful way with the conscious into a single whole. And there is a great difference in the weaving of destiny with regard to what we have so unconsciously arranged as our earthly path in order to meet the other person, and what we then accomplish once we have met them. There he is before us; there we see him; there we understand what he says; there we adjust our actions according to how he expresses himself, how he appears to us in outward life; there we lead a shared life with him that is accessible to our senses and our intellect. But we will see how, into this shared life—now accessible to our senses and our intellect—the very way we lived up to the moment we met once again unconsciously intermingles. We may ask: What is at work and alive in all these directions, in all these forces with which we move toward the other?
[ 9 ] Es kann auch irgendein Ereignis sein, zu dem wir uns hinbewegen. Alles Schicksalsmäßige kommt dabei in Betracht. Wir werden finden, daß da ein großer Unterschied ist im Erleben zwischen der einen Sorte von Erlebnissen und der anderen. Wir können nämlich auf zweifache Art im Leben einem Menschen gegenübertreten. Bei der einen Art bekommen wir sogleich die Empfindung — oder wir bekommen sie, nachdem wir nachher Bekanntschaft geschlossen haben mit einem Menschen oder dem Ereignis —, die Empfindung, die wir in unseren Willen aufnehmen. Wir lernen den Menschen kennen; das, was er ist, was er mit uns nun gemeinsam tut, es ist so, daß wir es willenshaft in uns selber empfinden. Daß wir vor allen Dingen so denken wollen, wie er denkt, so fühlen, wie er fühlt, so wollen, wie er will. Ja, wir fühlen: Dieser Mensch beginnt in uns selber zu kraften. Wir fühlen ihn im Inneren. Er rüttelt etwas auf in unserem Inneren, das von ihm kommt, das aber doch in unserem Willen lebt, das vom Willen aus unser Gemüt durchzieht. Wir lernen sogar uns selber auf diese Art besser kennen, indem wir unserem Wollen und dem tiefer mit dem Willen zusammenhängenden Gefühl das anempfinden: der Mensch ist eigentlich nicht nur da, um auf uns von außen zu wirken, wenn wir ihn anschauen, sondern der rührt und rüttelt etwas in uns auf, was in uns selber ist. Das ist die eine Art, wie wir Menschen schicksalsmäßig im Leben entgegentreten.
[ 9 ] It can also be any event toward which we are moving. Anything fateful comes into consideration here. We will find that there is a great difference in experience between one kind of experience and the other. For we can encounter a person in two different ways in life. In one way, we immediately have the feeling—or we have it after we have subsequently become acquainted with a person or the event—the feeling that we take into our will. We get to know the person; what he is, what he is now doing together with us—we feel it willfully within ourselves. Above all, we want to think as they think, feel as they feel, and will as they will. Indeed, we feel: this person begins to take effect within us. We feel them inside. They stir something within us that comes from them, yet lives within our will, and permeates our mind from the will. We even come to know ourselves better in this way, by perceiving in our will and in the feelings more deeply connected to it that this person is not merely there to affect us from the outside when we look at him, but rather that he stirs and shakes something within us that is already within ourselves. This is one way in which we encounter other people as a matter of destiny in life.
[ 10 ] Die andere Art ist diese, wo weniger in uns selber aufgerüttelt wird bei der Bekanntschaft mit den Menschen, wo wir den Menschen mehr von außen anschauen, wo wir ihn beurteilen nach dem Verstandeseindruck, den er auf uns macht, nach dem ästhetischen Eindruck, den er auf uns macht. Bedenken Sie, was für ein großer Unterschied ist zwischen diesen beiden Arten, mit anderen Menschen bekannt zu werden.
[ 10 ] The other type is one in which we are less deeply stirred within ourselves when getting to know people; in which we view people more from the outside; in which we judge them based on the intellectual impression they make on us, based on the aesthetic impression they make on us. Consider what a great difference there is between these two ways of getting to know other people.
[ 11 ] Denken Sie sich nur: Sie werden mit dem einen oder anderen Menschen bekannt, kommen dann irgendwo anders hin, und Sie sind versucht zu reden über diese Ihre Bekanntschaft, beziehungsweise über den anderen Menschen, mit dem Sie bekannt geworden sind. Diese Art, wie man da redet, die unterscheidet sich ganz beträchtlich für unsere Menschenbekanntschaften im Leben. Das eine Mal reden wir so, daß jeder merkt, wir sind bei unseren Worten dabei, wir geben etwas von uns selber, indem wir von dem anderen Menschen reden — und wir reden Dinge, die den anderen Menschen gar nicht verständlich sind. Wir reden in schönen Worten von dem anderen Menschen, aber er ist häßlich, und da sind Menschen in der Umgebung, die können das gar nicht begreifen, daß wir so reden, denn auf sie macht der Mensch den Eindruck des Häßlichen. Sie können nicht fassen, wie wir in Hymnen über einen Menschen reden, den sie für häßlich ansehen. Aber uns geht das gar nichts an, was die anderen nach einem äußerlich-ästhetischen Eindruck als häßlich an ihm finden, wir reden nicht von dem, was den Eindruck wiedergibt, den er von außen macht. Wir reden von dem, was er in uns aufgerührt und aufgerüttelt hat, was von uns ist, und was wir von diesem Menschen reden, braucht nicht zu stimmen mit dem Eindruck, den andere Menschen haben.
[ 11 ] Just imagine: You get to know one person or another, then end up somewhere else, and you’re tempted to talk about this acquaintance of yours—or rather, about the other person you’ve come to know. The way we talk in these situations differs quite significantly depending on the people we know in life. Sometimes we speak in a way that makes it clear to everyone that we’re fully present in our words, that we’re sharing a part of ourselves by talking about the other person—and we say things that the other person can’t understand at all. We speak of the other person in beautiful terms, but they are ugly, and there are people around who simply cannot comprehend why we speak this way, because to them, this person gives the impression of being ugly. They cannot fathom how we can sing the praises of someone they consider ugly. But it’s none of our business what others find ugly about him based on an external, aesthetic impression; we’re not talking about what reflects the impression he makes from the outside. We’re talking about what he has stirred and shaken within us—what belongs to us—and what we say about this person doesn’t have to match the impression other people have.
[ 12 ] Bei anderen Menschen wieder ist es anders. Da haben wir ein gutes Gesicht dafür, ob sie schön oder häßlich sind. Da reden wir so, daß man sieht: der Verstandeseindruck, der Sinneseindruck, der ästhetische Eindruck sind maßgebend. Wir reden so, daß wir vielleicht sagen: Das ist ein Prachtskerl! Sie wissen, es gibt im Leben Bekanntschaften, wo es uns gar nicht einfällt, in dieser äußerlichen Weise über einen Menschen zu reden, Wir reden auch so, daß die anderen die Sache sogleich verstehen können, wenn sie den Menschen auch kennen oder wenn sie ihn kennenlernen.
[ 12 ] With other people, however, it’s different. In those cases, we can tell at a glance whether they’re beautiful or ugly. We speak in such a way that it’s clear: the intellectual impression, the sensory impression, and the aesthetic impression are what matter. We speak in a way that might lead us to say, “What a splendid fellow!” You know, there are acquaintances in life where it would never occur to us to speak about a person in this superficial way. We also speak in a way that allows others to understand the situation immediately, whether they already know the person or are just getting to know him.
[ 13 ] Diese zwei Arten, das Zusammentreffen mit Menschen zu schildern, überhaupt anzusehen, diese zwei Arten gibt es eben einfach. Nur ist die erste Art diejenige, die zurückweist darauf, daß beim Zusammentreffen mit dem Menschen aufgerührt und aufgerüttelt wird in uns das weitere Zusammenleben im früheren Erdendasein. Daß etwas zurück weist auf frühere Inkarnationen, in denen wir gemeinsam mit diesem Menschen gelebt haben, das ist es, was dann in dieser Weise empfindungsgemäß zutage tritt bei der ersten Art der Beurteilung eines Menschen. Und bei der zweiten Art ist es so, daß wir äußerlich urteilen, urteilen in einer solchen Weise, wie es die anderen auch verstehen können, weil wir eben nicht in früheren Erdenleben mit diesem Menschen zusammen waren, vielleicht erst in diesem Erdenleben das allererste Mal zusammentreffen.
[ 13 ] These two ways of describing—or even of viewing—encounters with people simply exist. However, the first way is the one that points back to the fact that, when we encounter a person, our shared life in a previous earthly existence is stirred and shaken within us. That something points back to earlier incarnations in which we lived together with this person—that is what then comes to light in this way, intuitively, in the first way of assessing a person. And with the second type, we judge outwardly, in a way that others can also understand, because we were not together with this person in previous earthly lives—perhaps we are meeting for the very first time in this earthly life.
[ 14 ] Wenn man dann aber mit geistiger Einsicht prüft, was diesem Schicksalsmäßigen, das in dem ersten Fall in einer so charakteristischen Weise auftritt, zugrunde liegt, dann finden wir, daß dem Menschen einverwoben wird, bevor er zum physischen Erdendasein heruntersteigt — indem er sich vor diesem Heruntersteigen, nachdem er andere Sphären durchgemacht hat, durch die Mondensphäre bewegt —, einverpflanzt wird in seinen astralischen Leib dasjenige, was sein gemeinsames Karma mit anderen Menschen ist; einverpflanzt wird es ihm für sein heutiges Erdendasein von denjenigen Menschengenossen, welche einstmals auf der Erde mit den Menschen gelebt haben, so wie ich es Ihnen vorher geschildert habe, und welche sich zurückgezogen haben nach dem Mondendasein. Das sind die Wesenheiten, durch deren Sphäre wir hindurchgehen, bevor wir heruntersteigen in das Erdendasein. Das sind die Wesenheiten, die seit jener Zeit, seit sie die Erde, seit sie die Menschengenossenschaft verlassen haben, sich beschäftigen mit dem Aufzeichnen des Schicksales, das die Menschen gemeinsam miteinander leben. Und so ist es, daß wir zurückschauen können auf dasjenige, was in uns ist, was da rumort, wenn wir auf die erste Art einen anderen Menschen treffen, daß wir dasjenige, was da in uns ist, zugleich finden in jenen großen Schicksalsbüchern, welche diese Mondenwesen mit ihrer Erkenntnis der menschlichen Erdenleben vollschreiben. Das sind Bücher, die im Geistigen geführt werden. Das sind Bücher, die alles enthalten, was wir mit anderen Menschen gemeinsam durchlebt haben. Gemeinsam lesen wir, indem wir die Mondensphäre passieren, in diesen Büchern dasjenige, was wir dann heruntertragen, und mit dem, was wir in diesen Büchern gelesen haben, richten wir uns unseren Weg ein, den wir hinorientieren — vielleicht fünfundzwanzig bis dreißig Jahre —, bis wir denjenigen finden im Erdendasein, von dem geschrieben stand in den Mondenbüchern, bevor wir heruntergestiegen sind auf die Erde, daß wir dieses oder jenes in vergangenen Erdenleben mit ihm durchgemacht haben.
[ 14 ] But if we then examine with spiritual insight what underlies this fateful aspect, which manifests itself in such a characteristic way in the first case, we find that before a human being descends into physical life on Earth—as he moves through the sphere of the Moon prior to this descent, after having passed through other spheres, moves through the lunar sphere—what constitutes his shared karma with other human beings is implanted in his astral body; it is implanted in him for his present earthly existence by those fellow human beings who once lived on Earth with humanity, just as I have described to you previously, and who have withdrawn to the lunar existence. These are the beings through whose sphere we pass before we descend into earthly existence. These are the beings who, ever since that time—ever since they left the Earth and the human community—have been engaged in recording the destiny that human beings share with one another. And so it is that we can look back upon what is within us—what stirs there—when we encounter another human being in the first sense; that we find what is within us at the same time in those great books of destiny, which these lunar beings fill with their knowledge of human earthly lives. These are books kept in the spiritual realm. These are books that contain everything we have experienced together with other people. As we pass through the lunar sphere, we read together in these books what we then carry down with us, and with what we have read in these books, we chart our course—perhaps twenty-five to thirty years—until we find that person in earthly existence about whom it was written in the lunar books, before we descended to Earth, that we had experienced this or that with them in past earthly lives.
[ 15 ] So wunderbar sind die geheimnisvollen Zusammenhänge im Weltenall eingerichtet. Und so müssen wir mit einem vertieften Gefühl, mit einem durch Anthroposophie vertieften Gefühl hinaufschauen zu dem Mondendasein und nicht nur dasjenige ins Auge fassen, was uns eine physische Wissenschaft beschreibt vom Monde, sondern dasjenige ins Auge fassen, was eine Geisteswissenschaft uns über das Geistig-Seelische, über das Geistige des Mondes sagen kann. Wenn man doch nur einmal bedächte, wie sich überall die Gleichnisse finden für dasjenige, was verständlich macht diese Weltensphäre! Mit Bezug auf das irdische Gleichnis gibt es heute ein Wissen, das für das Leben ja nicht beachtet wird; aber es ist immerhin als Wissen da.
[ 15 ] The mysterious interconnections in the universe are arranged in such a wondrous way. And so we must look up at the lunar realm with a deeper sense—a sense deepened by anthroposophy—and not merely consider what physical science describes about the Moon, but rather consider what spiritual science can tell us about the spiritual-soul aspects, about the spiritual nature of the Moon. If only one would consider, just once, how everywhere we find parables for what makes this sphere of the universe comprehensible! With regard to the earthly parable, there is knowledge today that is, admittedly, not taken into account in life; but it is, after all, there as knowledge.
[ 16 ] Es wurde auch in unseren Reihen schon öfter betont: Der Mensch wechselt seinen physischen Stoff alle sieben bis acht Jahre einfach aus. Sie wissen ja, der Mensch stößt nach außen den physischen Stoff an seiner Haut ab, er schneidet sich die Nägel, die Haare. Das alles weist uns darauf hin und es ist auch so, daß der Mensch von dem Zentrum seines Wesens den Stoff immer vorschiebt und immer Neues sich nachschiebt. Was Sie heute von Ihrem Nagel abschneiden, das war vor sieben oder acht Jahren eine Substanz inmitten Ihres Organismus, das schieben Sie sich vor, das geht dann weg. Physische Stofflichkeit wird erneuert. Ja, es ist so, für diejenigen, die schon dagesessen haben vor zehn Jahren, ist es so, daß sie sich nicht einbilden dürfen, daß dieselben Muskeln und dieselben substantiellen Bestandteile, die damals auf diesen Stühlen saßen, heute wieder dasitzen. Von alledem ist nichts vorhanden; aber ihr Geistig-Seelisches ist vorhanden, das ist wieder da. Ebenso ist es aber, wenn wir nach den Weltenkörpern hinausblicken. Der physische Beobachter will nur nach der physischen Substanz hinsehen und redet so, als ob der Mond, der da oben ist, derselbe wäre, der sich einmal seiner physischen Substanz nach von der Erde getrennt hat. Das ist geradeso ein Unsinn, wie wenn Sie glauben würden, daß diese Muskeln, diese physischen Bestandteile, die vor zehn Jahren auf diesen Stühlen saßen, heute auch dasitzen würden. Es dauert allerdings länger bei den Weltenkörpern, bis die Substanzen sich austauschen, aber sie tauschen sich aus. Der physische Mond, von dem die physische Wissenschaft spricht, ist nicht etwas, von dem man so reden kann, wie man gewöhnlich redet. Was da geblieben ist, das sind die geist-seelischen Wesenheiten, die auf der Erde Mitbewohner der Menschen waren. Dasjenige, was das Mondendasein darstellt, auf dem sie leben, das hat sich als physische Substanz ausgetauscht. Die Wesenheiten geistig-seelischer Art, die eigentlich das Mondendasein in Wirklichkeit bilden — so wie Ihr geistig-seelisches Dasein den Zusammenhang Ihres Wesens von vor zehn Jahren mit heute bildet —, diese geistig-seelischen Wesen sind diejenigen, die gewissermaßen unsere Vergangenheit registrieren.
[ 16 ] It has also been emphasized many times within our own ranks: Human beings simply renew their physical substance every seven to eight years. As you know, human beings shed the physical substance on their skin, and they trim their nails and hair. All of this points to the fact—and it is indeed true—that human beings constantly push physical matter forward from the center of their being, and new matter constantly follows. What you cut off your nail today was, seven or eight years ago, a substance at the center of your organism; you push it forward, and it then disappears. Physical matter is renewed. Yes, it is true that those who were already sitting here ten years ago must not imagine that the very same muscles and the very same physical constituents that sat in these chairs back then are sitting here again today. Nothing of all that remains; but their spiritual-soul aspect remains—that is here again. The same is true, however, when we look out toward the celestial bodies. The physical observer wants to look only at physical substance and speaks as if the Moon up there were the same one that once separated from the Earth in terms of its physical substance. That is just as much nonsense as if you were to believe that these muscles, these physical components, which sat in these chairs ten years ago, would be sitting there today as well. It does, however, take longer for the substances of the celestial bodies to be replaced, but they are indeed replaced. The physical Moon, of which physical science speaks, is not something one can speak of in the usual sense. What has remained there are the spiritual-soul entities that were fellow inhabitants of humanity on Earth. That which constitutes the lunar existence on which they live has been replaced as physical substance. The spiritual-soul entities that actually constitute lunar existence—just as your spiritual-soul existence forms the connection between your being ten years ago and your being today—these spiritual-soul beings are the ones who, in a sense, record our past.
[ 17 ] Dasjenige, was man in dieser Weise darstellen kann, das läßt sich noch vertiefen, wenn man versucht, es mit der Initiationswissenschaft darzustellen. Ich habe bisher es so dargestellt, daß ich Sie darauf hingewiesen habe, wie dasjenige, was in uns zu rumoren anfängt bei Bekanntschaften der ersten Art, das ist, was die Mondenwesenheiten uns aus ihren Büchern haben lesen lassen, bevor wir zur Erde herabgestiegen sind. Der Initiierte, der nimmt dasjenige, was in dieser Art ihm im Leben entgegentritt, noch auf eine ganz andere Art wahr. Auch er trifft im Leben einen anderen Menschen: Während für das gewöhnliche Bewußtsein nur die innerliche Empfindung da ist, daß man den anderen Menschen in den Willen aufnimmt, ihn nicht nach dem äußeren Eindruck beurteilt, tritt für den Initiierten das ein, daß tatsächlich anschaubar für ihn wird dasjenige, was frühere Erdenleben der Persönlichkeiten waren, die ihm da entgegentreten. Da tritt nicht nur dieser physische Mensch auf mit seinem geistig-seelischen Inhalte, sondern gewissermaßen hinter ihm schattenhaft früheres Erdenleben, vielleicht mehrere frühere Erdenleben. Man lernt einen Menschen so kennen, daß einem gegenübertritt aus dem geistig-seelischen Anschauen eine ganze Reihe von Menschen. Man lernt zugleich mit einer Bekanntschaft eine ganze Reihe von Personen kennen, die so gegenständlich sind, wie der Mensch gegenständlich ist, den man im Physischen vor sich hat. In Zivilisationen, in denen man von solchen Dingen noch etwas geahnt hat, hat man sogar solche Dinge gemalt. Denken Sie, es gibt doch alte Bilder, wo Sie eine Menschengestalt haben, hinter ihr eine zweite etwas erhöht, hinter ihr eine dritte etwas erhöht. Das ist dasjenige, was man malerisch festhalten wollte von dem Eindruck, den der Initiierte durch eine Bekanntschaft hat, die so an ihn herantritt, daß das betreffende Menschenwesen ihm nicht nur das Anschauen aufgehen läßt, das es ihm im gegenwärtigen Erdenleben entgegenbringt, sondern das, was es ihm entgegenbringt aus vergangenen Erdenleben. So daß dasjenige, was nur eine Art Gefühl und Empfindung ist für das gewöhnliche Bewußtsein, auftritt in heller Anschaulichkeit für das initiierte Bewußtsein. Und es darf im Sinne der. Geisteswissenschaft gesagt werden, daß die Sache in der Tat so ist: dasjenige, was da in einem Menschen karmisch mit ihm verbunden ist und für den Initiierten als Anschauung auftritt, das tritt als dunkles Gefühl auf, wenn nicht die Initiation, sondern wenn das gewöhnliche Bewußtsein da ist.
[ 17 ] What can be described in this way can be explored even more deeply if one attempts to explain it through the science of initiation. So far, I have presented it in such a way as to point out to you how what begins to stir within us in the first kind of acquaintance is what the lunar beings allowed us to read from their books before we descended to Earth. The initiate perceives what confronts him in this way in life in an entirely different manner. He, too, encounters another human being in life: While for ordinary consciousness there is only the inner feeling of accepting the other person into one’s will—without judging them by outward impressions—for the initiate, what actually becomes visible to him is the past earthly lives of the personalities he encounters. It is not only this physical human being who appears with his spiritual and soul content, but, in a sense, behind him, like a shadow, a previous earthly life—perhaps several previous earthly lives. One comes to know a person in such a way that, through spiritual and soul perception, a whole series of people appears before one. At the same time as making an acquaintance, one gets to know a whole series of individuals who are just as tangible as the person one has before oneself in the physical realm. In civilizations where people still had some inkling of such things, they even painted such scenes. Just think: there are, after all, old paintings where you see one human figure, behind it a second one slightly elevated, and behind that a third one slightly elevated. This is what artists sought to capture in their paintings: the impression the initiate gains from an acquaintance who approaches him in such a way that the human being in question reveals to him not only the aspect presented to him in the present earthly life, but also what is presented to him from past earthly lives. Thus, what is merely a kind of feeling and sensation for ordinary consciousness appears with vivid clarity to the initiated consciousness. And it may be said, in the sense of spiritual science, that this is indeed the case: that which is karmically connected to a person and appears as a vision to the initiate appears as a dark feeling not when initiation is present, but when ordinary consciousness is present.
[ 18 ] So können wir das, was aus unserer Vergangenheit wirkt und webt in unserem Schicksal, das in uns befindliche Mondenhafte nennen. Wir blicken zurück auf unsere Erdenleben: das Mondenhafte wirkt in uns. Es wirkt so, daß wir, in den wir Menschen gegenübertreten, eigentlich immer einem Vielfachen dann entgegentreten, wenn diese Menschen mit uns karmisch verbunden sind. Für den Initiierten ist eine so geartete Bekanntschaft gewissermaßen eine solche mit mehreren Menschen in ihm, wenigstens mehrerer Menschenleben in ihm. Denn diese Bekanntschaft mit den früheren Leben ist zumindest eine ebenso lebendige wie mit dem gegenwärtigen Leben des anderen Menschen.
[ 18 ] Thus we can call that which works from our past and weaves itself into our destiny the “lunar aspect” within us. We look back on our earthly lives: the lunar aspect is at work within us. It works in such a way that when we encounter other people, we are actually always encountering a multitude of them when these people are karmically connected to us. For the initiate, an acquaintance of this nature is, in a sense, an acquaintance with several people within him—or at least with several human lives within him. For this acquaintance with past lives is at least as vivid as that with the other person’s present life.
[ 19 ] Nun betrachten wir einmal jene andere Art von Bekanntschaften, wo wir den Menschen mehr beurteilen nach dem äußeren Eindruck, mehr nach dem, was unser Verstand über ihn sagt, was unsere Sinne über ihn sagen, was jeder gleich versteht, nach dem ästhetischen Eindruck und so weiter. Da führt, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich betrachtet, nichts zurück in die Vergangenheit, da sind keine Wesen da, welche den Weg bis zu dieser Bekanntschaft hin im Erdenleben vermitteln innerhalb der Mondensphäre; da ist auch nichts eingeschrieben worden innerhalb der Mondensphäre in den astralischen Leib des Menschen. Aber da wirken eben andere Kräfte. Da wirken die Kräfte, die als geistig-seelische Kräfte nun mit dem Sonnendasein zusammenhängen. Die Kräfte, die geistig-seelischen Kräfte des Sonnendaseins wirken herunter auf diese zweite Art der Bekanntschaft und weben von einer anderen Seite her das Schicksal. Ja, für eine geistige Betrachtung ist es schon so, als ob wir, ich möchte sagen, wie die geheimnisvolle Nacht zunächst dasjenige erlebten, was uns zu Menschen hinführt, mit denen wir in vergangenen Erdenleben manches vollbracht haben. Dann treten wir diesem Menschen selber entgegen: Jetzt richten wir uns mehr nach dem, was er als Eindruck in uns hervorruft, jetzt ist es, wie wenn an Stelle der geheimnisvollen Nacht die Tageshelle träte, die Sonne aufträte. Es ist auch geistig so: jetzt tritt auf für diejenigen, die schon lange karmisch zusammengehören, jetzt tritt auf für sie nicht nur die Vergangenheit, sondern Gegenwart und Zukunft. Das Schicksal wird weiter gewoben. Geistig-Sonnenhaftes tritt an den Menschen heran.
[ 19 ] Now let us consider that other kind of acquaintance, where we judge a person more by their outward appearance, more by what our intellect tells us about them, what our senses tell us about them—things that everyone immediately understands—by the aesthetic impression, and so on. From a spiritual-scientific perspective, nothing here leads back into the past; there are no beings within the lunar sphere who mediate the path leading up to this acquaintance in earthly life; nor has anything been inscribed within the lunar sphere into the human astral body. But other forces are at work here. The forces that are now connected to solar existence as spiritual-soul forces are at work here. The forces—the spiritual-soul forces of solar existence—act down upon this second kind of acquaintance and weave destiny from another direction. Indeed, from a spiritual perspective, it is as if we—I would say—were first experiencing, like the mysterious night, that which leads us to people with whom we have accomplished many things in past earthly lives. Then we encounter this person directly: Now we are guided more by the impression they evoke in us; now it is as if the brightness of day were to replace the mysterious night, as if the sun were to rise. Spiritually, it is the same: now, for those who have long been karmically bound together, not only the past but also the present and the future come to the fore. Destiny continues to unfold. Something spiritual and sun-like draws near to the person.
[ 20 ] Aber auch für diejenigen, die nichts miteinander durchgemacht haben in früheren Erdenleben, auch für die tritt dieses Geistig-Sonnenhafte auf für das Weben der Schicksale in Gegenwart und Zukunft. Und wiederum: derjenige, der mit der Initiationseinsicht so etwas betrachtet, lernt einen Menschen, mit dem er in früheren Erdenleben nicht beisammen war, sondern mit dem er das erste Mal oder ein erstes Mal zusammenkommt, nicht so kennen, daß er hinter ihm die schattenhaften Erdenleben erblickt. Aber er erblickt, indem er dem Menschen so entgegentritt, hinter diesem Menschen Wesenheiten der höheren Hierarchien, Wesenheiten von der Art, die der Mensch noch nicht erreicht hat. Angeloi, Archangeloi, die treten jetzt hinter dem Menschen auf. Innerhalb der Initiationseinsicht ist es ein großer Unterschied, ob man einem Menschen entgegentritt, mit dem man schon beisammen war, oder ob man ihm zum ersten Male entgegentritt. War man mit ihm viel zusammen, so erscheinen hinter ihm seine früheren Erdenleben. War man nicht mit ihm beisammen, dann erscheinen in seinem Hintergrunde Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchien, nämlich solche Wesenheiten, welche mit den Sonnenstrahlen, mit dem Sonnenstrahlenleuchten zu uns auf die Erde niederdringen. Und ebenso wie die Mondenwesen das Karma, das vergangen ist, in unseren astralischen Leib einverweben, wird von dieser Schar der Sonnenwesen in unsere IchOrganisation einverwebt — in die unterbewußte Ich-Organisation der Ich-Wesenheit des Menschen — dasjenige, was sich abspielt, nachdem wir einen anderen Menschen hier auf der Erde getroffen haben: das, was die Grundlage ist für weiteres Karma in die Zukunft hinein. Gegenwart verwandelt sich ja fortwährend in Zukunft. Was jetzt noch Gegenwart ist, ist für den vorhergehenden Augenblick die Zukunft gewesen. So daß eigentlich unsere Entwickelung von der Vergangenheit in die Zukunft läuft.
[ 20 ] But even for those who have not shared any experiences together in previous earthly lives, this spiritual-solar aspect also comes into play in the weaving of destinies in the present and future. And again: the person who views such things with the insight of initiation does not come to know a human being—with whom he was not together in previous earthly lives, but with whom he is meeting for the first time or one of the first times—in such a way that he perceives the shadowy earthly lives behind that person. But when approaching this person in this way, he perceives, behind this person, beings of the higher hierarchies—beings of a kind that the person has not yet attained. Angels and archangels now appear behind the person. Within the insight of initiation, there is a great difference between encountering a person with whom one has already been together and encountering them for the first time. If one has spent a great deal of time with that person, their past earthly lives appear behind them. If one has not been with them, then beings from the next higher hierarchies appear in their background—namely, those beings who descend to us on Earth with the sunbeams, with the radiance of the sunbeams. And just as the lunar beings weave past karma into our astral body, this host of solar beings weaves into our ego-organization—into the subconscious ego-organization of the human ego-essence—that which unfolds after we have encountered another human being here on Earth: that which forms the basis for further karma extending into the future. The present, after all, is constantly transforming into the future. What is still the present now was the future for the preceding moment. So, in fact, our development runs from the past into the future.
[ 21 ] Dasjenige, was wir beim Menschen so fortschreitend sehen von der Vergangenheit in die Zukunft, das sehen wir in seinem Gegenbilde im Kosmos draußen, indem wir den über den Himmel schreitenden Mond betrachten und dann in seinem Gefolge oder vorausgehend die Sonne. Wie Sonne und Mond in ihrem Lauf um die Welt, so verhalten sich Vergangenheit und Zukunft im Verlauf des menschlichen Lebens in dem geheimnisvoll gewobenen Schicksal. Geradeso wie man sich mit der Initiationswissenschaft beim Begegnen eines Menschen sagt, aus tiefstem, bewegtem Gefühl heraus sagt: Das, was du da hinter ihm schaust, was die Mondenwesen in seinen astralischen Leib eingezeichnet haben, das gehört dir ebenso an wie ihm, durch das bist du mit ihm zusammengewachsen, so sagt man sich, wenn man mit der Initiationswissenschaft einen Menschen in der Welt zum ersten Male trifft: Da stehen Angeloi, Archangeloi hinter ihm. Jeder weist gewissermaßen mit dem Finger auf die Zukunft hin. — Viele Möglichkeiten treten da auf, Möglichkeiten eines kommenden schicksalsgemäßen Lebens.
[ 21 ] What we see in human beings as a progressive movement from the past into the future, we see reflected in the cosmos outside, as we observe the moon traversing the sky and then, following in its wake or preceding it, the sun. Just as the sun and moon move in their orbits around the world, so do the past and future unfold in the course of human life within the mysteriously woven fabric of destiny. Just as one says to oneself—out of the deepest, most stirring feeling—when encountering a person through the science of initiation: “What you see behind him, what the lunar beings have inscribed in his astral body, belongs to you just as much as it does to him; through this you have grown together with him”—so one says to oneself when, through the science of initiation, one meets a person in the world for the first time: There stand angels and archangels behind him. Each, as it were, points a finger toward the future. — Many possibilities arise there, possibilities for a future life in accordance with destiny.
[ 22 ] Sehen Sie, wenn man in dieser Art den Blick hinausrichtet in die Weltenweiten, dann erscheinen einem eben Mond und Sonne als die beiden Tore in die geistige Welt hinein. Und man sagt sich: Dasjenige, was in der physischen Erdenumgebung ist, es lebt in meinem physischen Leibe augenblicklich; dasjenige, was in den weiten Äthersphären ist, wo die Sterne sind, es lebt in meinem Ätherleibe. Aber wenn ich zum Mond hinaufblicke, zur Sonne, dann blicke ich auf zu dem, was weder in meinem physischen Leibe ist, noch zu dem, was in meinem Ätherleibe lebt, sondern zu dem, was in meinem Astralischen lebt und was mein Ich durchkraftet. Da werden wir durch das Mondendasein aus der physischen und Ätherwelt hinaus in die geistige Welt hinein geführt. Und wiederum, wenn man zur Sonne hinaufschaut, so sagt man sich: Da werde ich durch dasjenige, was als Geistig-Seelisches zur Sonne gehört, durch ein Tor geleitet, das mich hineinweist in eine Welt, die gleichartig ist mit meiner Ich-Wesenheit; nicht bloß in eine Welt, die gleichwertig ist mit meinem physischen und astralischen Leibe, sondern die gleichwertig ist sogar mit meiner Ich-Wesenheit, durch die ich als bewußtes Wesen in der Welt auftrete mit demjenigen, was uns in unser Schicksal wie eine Notwendigkeit gewoben erscheint, dem wir folgen, weil wir diese oder jene physischen Anlagen, dieses oder jenes Temperament, diesen oder jenen Charakter haben. Dies ist alles nur Ausdruck für unser Karma. — In allem, dem wir als der Notwendigkeit unseres Leibes folgen, in all dem, was der Dichter ausspricht mit den Worten: «So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehn» — in all dem lebt die menschliche Vergangenheit des Mondendaseins. Und in alledem, was als Freiheit in uns lebt, so daß wir eingreifen — wir wollen es aus unserer vollen Besonnenheit heraus —, da wirkt das Sonnendasein.
[ 22 ] You see, when one gazes out into the vastness of the universe in this way, the moon and the sun appear as the two gateways into the spiritual world. And one says to oneself: That which is in the physical environment of the Earth lives in my physical body at this very moment; that which is in the vast etheric spheres, where the stars are, lives in my etheric body. But when I look up at the moon, at the sun, I am looking up not at what is in my physical body, nor at what lives in my etheric body, but at what lives in my astral body and through which my “I” works. There, through the presence of the moon, we are led out of the physical and etheric worlds and into the spiritual world. And again, when one looks up at the sun, one says to oneself: There I am guided by that which, as spiritual-soul elements, belongs to the sun, through a gateway that leads me into a world that is of the same nature as my I-being; not merely into a world that is equivalent to my physical and astral bodies, but one that is equivalent even to my I-essence, through which I appear in the world as a conscious being with that which appears woven into our destiny as a necessity—a destiny we follow because we possess this or that physical disposition, this or that temperament, this or that character. All of this is merely an expression of our karma. — In everything we follow as the necessity of our body, in all that the poet expresses with the words: “This is how you must be; you cannot escape it”—in all of this lives the human past of the lunar existence. And in everything that lives within us as freedom, so that we intervene—we do so out of our full deliberation—there the solar existence is at work.
[ 23 ] So webt sich Naturdasein und moralisches Dasein vor einer geistigen Betrachtung in eins zusammen. Wir haben vor einer solchen geistigen Betrachtung nicht auf der einen Seite die Natur mit ihrer starren Notwendigkeit und auf der anderen Seite das Geistig-Seelische, das damit keine Verbindung eingehen kann, sondern als eine abgezogene moralische Weltordnung daliegt, nein, wir haben diesen Gegensatz nicht, wir haben die Möglichkeit, in den Erscheinungen der Natur zu gleicher Zeit das zu finden, was in uns moralisch lebt. Allerdings müssen wir dann von den gewöhnlichen Naturerscheinungen hinausschreiten zu demjenigen, was sich uns darstellt im geistigen Sonnen- und Mondendasein.
[ 23 ] Thus, from a spiritual perspective, natural existence and moral existence are woven together into one. In such a spiritual contemplation, we do not have, on the one hand, nature with its rigid necessity and, on the other hand, the spiritual-psychic realm, which cannot enter into any connection with it but lies there as an abstract moral world order—no, we do not have this contrast; we have the possibility of finding, in the phenomena of nature, at the very same time, that which lives within us morally. However, we must then move beyond ordinary natural phenomena to that which presents itself to us in the spiritual existence of the sun and moon.
[ 24 ] Sehen Sie, vor einer solchen Betrachtung taucht überhaupt auf diese Möglichkeit, aus dem Naturdasein des Menschen aufzusteigen zum geistig-seelischen Dasein. Wir blicken ja auch so in die Natur hinaus, daß, indem wir hinausblicken — wenn wir das auch nicht zu durchschauen vermögen mit dem gewöhnlichen Bewußtsein —, wir auf dasjenige hinausblicken, was in unserer Erdenumgebung oder auch in der Weltenumgebung uns die Krankheit bringt. Da ist es überall in unserer Umgebung. Unser Organismus für sich ist ja gesund, denn der ist aus seinem gesunden Ich, aus seinem gesunden astralischen Leib und eigentlich auch aus dem gesunden Ätherischen heraus geboren. Hier auf der Erde kann uns krank machen nur irgend etwas, was von außen an den Menschen herantritt und was der Mensch nicht in der Lage ist, gemäß seinem inneren Wesen voll umzuwandeln. Bei den einfachsten Erscheinungen können Sie das beobachten. Nehmen Sie bloß an, Sie seien irgendwie in einem so und so warmen Raum oder auch kalten Raum, so nehmen Sie Wärme oder Kälte auf. Die darf nicht durch Sie hindurchgehen wie durch ein Stück Holz oder durch ein Stück Stein. Sie stellen sich in einen warmen oder kalten Raum nicht hinein wie ein Stück Holz oder Stein und werden dadurch auch wie das Holz oder der Stein warm und kalt, sondern Sie verarbeiten die Wärme, die außer Ihnen ist. Das Äußere regt Sie nur an; die Wärme, die Sie in sich tragen, die erzeugen Sie in sich selber in Ihrer Organisation. Können Sie das aber nicht, stellen Sie sich in Ihre Umgebung so hinein wie ein Stück Holz oder Stein und behandelt Sie Ihre Umgebung so wie ein Stück Holz oder Stein, dringt ein Äußeres in Sie ein, ohne daß Sie es umwandeln können: sogleich werden Sie erkältet. Der Mensch kann nicht die Umgebung der Erde unverwandelt in sich aufnehmen, auch nicht mit den Nahrungsmitteln. Das ist nur eine wissenschaftliche Phantasie, wenn man das glaubt. Der Mensch verwandelt das Essen ebenso wie alles, was in seiner Umgebung ist. Kann er es nicht, dann tritt die Krankheit an ihn heran: das ist die physische Ursache der Krankheit. Die Krankheit hat aber auch etwas Schicksalsmäßiges, sie stellt sich hinein in sein Leben als etwas Schicksalsmäßiges.
[ 24 ] You see, it is only in the context of such a perspective that this possibility—of rising from humanity’s natural existence to a spiritual-soul existence—arises at all. After all, we look out into nature in such a way that, as we look out—even if we cannot fully comprehend it with our ordinary consciousness—we are looking at that which, in our earthly environment or even in the environment of the worlds, brings us illness. It is everywhere in our surroundings. Our organism in and of itself is healthy, for it is born from its healthy “I,” from its healthy astral body, and, in fact, also from the healthy etheric body. Here on Earth, the only thing that can make us sick is something that approaches the human being from the outside and that the human being is unable to fully transform in accordance with their inner nature. You can observe this even in the simplest phenomena. Just suppose you are somehow in a room that is a certain temperature—whether warm or cold—and you absorb that warmth or cold. It must not pass through you as it would through a piece of wood or a piece of stone. You do not stand in a warm or cold room like a piece of wood or stone and thereby become warm or cold like wood or stone; rather, you process the warmth that exists outside of you. The external environment merely stimulates you; the warmth you carry within you is generated by your own body. But if you are unable to do this—if you place yourself in your environment like a piece of wood or stone, and your environment treats you like a piece of wood or stone—then external influences penetrate you without your being able to transform them: you immediately catch a cold. Human beings cannot absorb the Earth’s environment into themselves untransformed, not even through food. To believe that is merely a scientific fantasy. Human beings transform food just as they transform everything in their environment. If they cannot do so, illness befalls them: that is the physical cause of illness. But illness also has an element of fate; it enters their life as something fated.
[ 25 ] Ja, sehen Sie, wenn wir in diesem einen Erdenleben zunächst so sind, wie wir jetzt dastehen von irgendeinem Jahre im 19. oder 20. Jahrhundert bis zum 6. Februar 1924, wenn wir in diesem einen Menschenleben stehen, dieses nur betrachten, ja dann können wir schon sagen: Wir müssen, wenn wir innerhalb dieses Lebens durch die Umgebung krank werden wollen, die Umgebung robust auf uns einwirken haben. Mindestens Wärme oder Kälte oder auch irgendwelche schädliche Luftarten oder dergleichen müssen auf uns einwirken. Es muß etwas Robustes sein, was von außen kommt, das auf uns einwirkt und zur Krankheit wird. Wenn man eine Tollkirsche bloß ansieht, so vergiftet man sich nicht mit ihr. Wenn man irgendeine schädliche Luftart nur genügend weit von sich hat, so vergiftet man sich auch nicht mit ihr, macht sich nicht krank. Kurz, wenn man bloß den Eindruck hat für das Seelische, so macht man sich nicht krank. Da muß eine robustere Einwirkung geschehen.
[ 25 ] Yes, you see, if we consider this one earthly life—as we are now, from some point in the 19th or 20th century up to February 6, 1924—if we focus solely on this one human life, then we can already say: If we want to become ill due to our surroundings within this life, those surroundings must have a powerful effect on us. At the very least, heat or cold, or some kind of harmful air, or the like, must affect us. It must be something powerful coming from the outside that affects us and leads to illness. If one merely looks at a belladonna, one does not poison oneself with it. If one has any kind of harmful air far enough away from oneself, one does not poison oneself with it either; one does not make oneself sick. In short, if one merely has an impression on the soul, one does not make oneself sick. A more robust influence must take place.
[ 26 ] Aber nehmen Sie jetzt folgendes an. In der Gegenwart gibt es so viele Menschen, die ganz materialistisch leben, die auch nur materialistische Eindrücke von der Umgebung haben wollen. Sie werden es in diesem Leben verschmähen — auch mit Bezug auf gewisse Verrichtungen ihres Leibes —, Materialisten zu sein: Sie essen das Geistige der Pflanze, das Seelische der Tiere, das essen sie mit; denn wenn sie brave Materialisten wären auch in bezug auf das Essen, müßten sie nur Steine essen, das Unorganische, das tot ist. Aber in ihr Seelisches nehmen sie nur Ideen, Begriffe von Unlebendigem auf. Dasjenige, was da geistig-seelisch mit der Seele des Menschen sich verbindet, das wird dann Krankheitskraft für nächste Erdenleben. Da wirken die Eindrücke hinein, da wandeln sie sich um, so daß sie physisch wirkende Kräfte werden können. Das Schicksalsmäßige der Krankheit, das tragen wir aus früheren Erdenleben deshalb in unser jetziges Erdenleben herein, weil wir empfänglich werden für Krankheiten dadurch, daß wir gewisse Eindrücke, die dem Menschen nicht angemessen sind, in früheren Erdenleben gehabt haben. Diese Eindrücke wirken jetzt so, wie physisch-robuste Krankheitserzeuger in diesem Erdenleben wirken. Alles dasjenige, was in einem Erdenleben bloß Idee, Empfindung, inneres seelisches Sein war, verwandelt sich beim Durchgang durch die Zeit, die wir verleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in Physisch-Wirkendes im Menschenleben, und wir tragen in uns vieles Physisch-Wirkende, das bloß ein Seelisches war in früheren Erdenleben. Auf diese Art müssen wir auch in der Krankheit etwas Schicksalsmäßiges finden, müssen nicht etwa in den Aberglauben verfallen, daß man nur mit geistigen Mitteln Krankheiten heilen kann. Dazu braucht es physische, dem Physikalischen ähnliche Mittel. Aber wenn wir mit vollem Verständnis der Tatsache gegenüberstehen, daß Physisch-Wirkendes der Gegenwart zurückgeht auf Seelisch-Wirkendes früherer Erdenleben, so können wir uns sagen: Dasjenige, was wir sonst von der Krankheit hinüberschleppen würden in das nächste Erdenleben, heilen wir für ein folgendes Erdenleben, indem wir die Gedanken von dem ablenken, was unvollkommen am Menschen war, und hinlenken auf dasjenige, was vollkommen ist am Menschen. Wenn wir zum Beispiel die Sicherheit haben, irgendeine Krankheit sei im Zusammenhang mit einem materialistischen Seelenleben in einem früheren Erdendasein, so können wir sicher sein, daß wir diese Krankheit nur dadurch entfernen können, daß wir aus spirituellen Anschauungen und Ideen die Krankheit behandeln. Alles dasjenige, was in Anthroposophie wirkt, wirkt eben so, daß es nicht bloße Theorie ist, sondern daß es unmittelbar zusammenhängt mit dem Leben, empfindungs-, gefühlserzeugend für das Leben ist.
[ 26 ] But now suppose the following. In the present day, there are so many people who live entirely materialistically, who want only materialistic impressions of their surroundings. In this life, they will reject—even with regard to certain bodily functions—the idea of being materialists: they consume the spiritual essence of plants and the soul-aspect of animals; for if they were true materialists even in their eating, they would have to eat only stones—the inorganic, the dead. But into their soul they take in only ideas, concepts of the inanimate. That which connects spiritually and soulfully with the human soul becomes a source of illness for the next earthly life. There the impressions take effect; there they are transformed so that they can become physically active forces. We carry the fateful aspects of illness from previous earthly lives into our present one because we become susceptible to illness as a result of having experienced certain impressions in earlier lives that were not appropriate for human beings. These impressions now act in the same way that physically robust pathogens act in this earthly life. Everything that was merely an idea, a feeling, or an inner soul-life in one earthly life is transformed, during the passage through the time we spend between death and a new birth, into physically active forces in human life; and we carry within us many physically active forces that were merely soul-forces in previous earthly lives. In this way, we must also find something fateful in illness; we must not, for example, fall into the superstition that illnesses can be healed only by spiritual means. This requires physical means, or means similar to the physical. But when we face the fact with full understanding that the physical effects of the present go back to the soul-related effects of earlier earthly lives, we can say to ourselves: What we would otherwise carry over from this illness into our next earthly life, we heal for a subsequent earthly life by diverting our thoughts away from what was imperfect in the human being and directing them toward what is perfect in the human being. If, for example, we are certain that a particular illness is connected to a materialistic spiritual life in a previous earthly existence, we can be sure that we can only remove this illness by treating it through spiritual perspectives and ideas. Everything that is at work in anthroposophy operates in such a way that it is not mere theory, but is directly connected to life and evokes sensations and feelings in life.
[ 27 ] Und wie wird eigentlich dieser Sternenhimmel, die Erdenumgebung für unser Anschauen, wenn wir sie in dem Lichte zu betrachten vermögen, das Anthroposophie, wenn sie in der rechten Art gepflegt wird, von sich ausstrahlt? Wie verwandt werden uns Sonne und Mond, wenn wir sie in dieser Weise als die äußeren kosmischen Bilder unserer eigenen Vergangenheit und unserer eigenen Zukunft anschauen! Wie tief intensiv tragen wir dann das Bewußtsein unserer Verwandtschaft mit dem Kosmos und der Welt in uns: Wir schauen in uns Vergangenheit und Zukunft unser Schicksal weben; wir schauen hinaus, schauen Sonne und Mond, schauen, wie uns in Sonne und Mond entgegentritt Weltenschicksal, äußerlich sich offenbarend. Wir fühlen in unserer Vergangenheit etwas, was sich so hinstellt neben Gegenwart und Zukunft, wie sich der Mond neben die Sonne im Weltenall hinstellt. Unsere Ehrfurcht, unser Hingegebensein, unsere Opferfähigkeit für das Weltenall wird erhöht, wenn wir so unser eigenes Dasein hinauszuerweitern verstehen zu dem Weltendasein, um im einzelnen die Verwandtschaft desjenigen, was in uns lebt, mit dem, was im Weltenall webt, zu erschauen.
[ 27 ] And what, in fact, does this starry sky—the earthly setting for our contemplation—become when we are able to view it in the light that anthroposophy, when practiced in the right way, radiates? How closely related the sun and moon become to us when we view them in this way as the outer cosmic images of our own past and our own future! How deeply and intensely we then carry within us the awareness of our kinship with the cosmos and the world: We see our past and future weaving our destiny within us; we look outward, gaze upon the sun and moon, and see how the destiny of the world confronts us in the sun and moon, revealing itself externally. We sense in our past something that stands alongside the present and future just as the moon stands alongside the sun in the cosmos. Our reverence, our devotion, and our capacity for self-sacrifice for the universe are heightened when we thus learn to expand our own existence outward into the existence of the world, so that we may perceive, in every detail, the kinship between what lives within us and what weaves throughout the universe.
[ 28 ] Sehen Sie, daß der Mensch so mit der Welt zusammenwächst, das ist auch eine der Aufgaben, welche Anthroposophie in ihrem Wirken sich stellt. Und ich hoffe, daß wir, die wir ja gerade in diesen Zweigen so zahlreich versammelt sind, gerade durch solche Betrachtungen mit dieser Aufgabe der Anthroposophie, den Menschen nicht nur die Gedanken, sondern die Empfindungen, das Herz zu vertiefen, immer mehr und mehr zusammenwachsen. Und daß dies immer besser und immer intensiver geschehen könne, dazu war eben die Weihnachtstagung da. Diese Weihnachtstagung hat hingewiesen darauf, daß, wenn die Anthroposophische Gesellschaft im weiteren ihre Wirksamkeit richtig entfalten soll, sie die Wege, die sie in den letzten zehn Jahren beschritten hat, verlassen muß; sie muß aus dem äußeren Gesellschaftsmäßigen in das innere Geistige hineingreifen. Sie muß im ganzen einen esoterischen Charakter annehmen. Dasjenige, was als Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach in der Zukunft bestehen wird, muß eine Art esoterischen Charakters tragen, und die ganze Institution der Gesellschaft muß einen esoterischen Charakter tragen. Damit wird die Gesellschaft ihr spirituelles Leben erhalten können, das sie braucht. Sie darf sich nicht veräußerlichen, und die Veräußerlichung drohte ihr in den letzten zehn Jahren.
[ 28 ] You see, helping human beings to grow together with the world in this way is also one of the tasks that anthroposophy sets for itself in its work. And I hope that we—who are gathered here in such large numbers, especially in these branches—will, through such reflections, grow ever closer to this task of anthroposophy: to deepen not only people’s thoughts but also their feelings and their hearts. And the Christmas Conference was held precisely so that this might happen ever more effectively and intensely. This Christmas Conference has pointed out that if the Anthroposophical Society is to properly unfold its effectiveness in the future, it must depart from the paths it has taken over the last ten years; it must move from the outer, social realm into the inner, spiritual realm. It must, as a whole, take on an esoteric character. What will exist in the future as the School of Spiritual Science in Dornach must have a kind of esoteric character, and the entire institution of the Society must have an esoteric character. In this way, the Society will be able to maintain the spiritual life it needs. It must not become externalized, and this externalization has threatened it over the past ten years.
[ 29 ] Was haben wir erlebt in den zehn Jahren und schon vorher? Nehmen Sie als Beispiel nur die Tatsache, daß eine sehr wirksame Gegnerschaft, die gerade jetzt sich sehr wirksam entfaltet, davon herrührt, daß diese Gegnerschaft hinweisen kann auf nicht öffentlich erhaltbare Zyklen, Nachschriften von Vorträgen. Nicht wahr, man wünschte, daß es solche Zyklen, solche nachgeschriebenen Vorträge gäbe. Wie sehr mußte man sich bisher solchen Wünschen fügen, trotzdem man wissen konnte: Gerade dadurch wird für die Gegnerschaft das Eminenteste, was sie braucht, gezimmert. Wir leben eben in einer Zeit, in der solche Dinge unmöglich sind. Deshalb mußte bei der Weihnachtstagung die volle Öffentlichkeit für die Gesellschaft in Anspruch genommen werden. Das wird durchaus nicht widersprechen der Tatsache, daß sie auf der anderen Seite um so mehr esoterisch wird. Aber es muß ein intensiveres Bewußtsein in die ganze Führung der Gesellschaft hineinkommen, es muß sozusagen die Gesellschaft in anthroposophischer Art geführt werden. Deshalb ist bei dem, was man auch Statuten nennen könnte, bei der Weihnachtstagung ganz anders vorgegangen worden als beim sonstigen Schaffen von Statuten. Beim sonstigen Schaffen von Statuten sagt man: Man bekennt sich zu diesen oder jenen Grundsätzen. Wir haben ja auch früher in der Theosophischen Gesellschaft solche Grundsätze gehabt. Erster Grundsatz: Bildung einer allgemeinen Bruderschaft der Menschheit, zweiter Grundsatz: Einheit in den Religionen aufzeigen und so weiter. Ich habe öfter darauf hingewiesen, daß gerade hier einsetzen muß dasjenige, was die Anthroposophische Gesellschaft eigentlich erst als Realität begründen kann. Dann ist in der Weihnachtstagung tatsächlich diese Realität geltend gemacht worden. Es wurde nicht von Grundsätzen gesprochen, sondern es wurde darauf hingewiesen: In Dornach lebt etwas, da ist etwas lebendig. Und wer in dem Lebendigen, das in Dornach lebt, etwas Berechtigtes sieht, schließt sich der Gesellschaft an. Es wird nicht auf abstrakte Grundsätze hingewiesen, sondern auf etwas Lebendiges, auf etwas, was da ist. Und es wird nicht das Leben derGesellschaftinForm von Abstraktionen gefordert in diesen sogenannten Statuten, die eigentlich keine Statuten sind, sondern eine Erzählung desjenigen, was in Dornach besteht und was man von dort aus tun will. Erzählung sind diese Grundsätze, nicht Statuten. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Gesellschaft einen Vorstand haben soll, der txt, der im Tun, in seiner Initiative dasjenige sieht, was ihn macht, was ihn bildet. So ist versucht worden, in alles an die Stelle der Abstraktionen das rein Menschliche, das unmittelbar Menschliche schon im «Statut» zu bringen. Und so kann einzig und allein eine Gesellschaft leben, welche ein Organismus sein soll für ein Geistiges, das hereinfließt in die Welt.
[ 29 ] What have we experienced over the past ten years—and even before that? Take, for example, the fact that a very effective opposition—one that is currently making itself felt very strongly—stems from the fact that this opposition can point to cycles and transcripts of lectures that are not publicly available. Isn’t it true that one would wish such lecture cycles and transcribed lectures existed? How much has one had to resign oneself to such wishes up to now, even though one knew: it is precisely through this that the opposition is provided with the very thing it needs most. We are, after all, living in a time when such things are impossible. That is why, at the Christmas Conference, the Society had to make full use of public exposure. This in no way contradicts the fact that, on the other hand, it is becoming all the more esoteric. But a more intense awareness must permeate the entire leadership of the Society; the Society must, so to speak, be led in an anthroposophical manner. That is why, with regard to what one might call statutes, a completely different approach was taken at the Christmas Conference than in the usual process of drafting statutes. In the usual process of drafting statutes, one says: We commit ourselves to these or those principles. We, too, had such principles in the Theosophical Society in the past. First principle: the formation of a universal brotherhood of humanity; second principle: demonstrating unity among the religions, and so on. I have often pointed out that it is precisely here that what can actually establish the Anthroposophical Society as a reality must begin. Then, at the Christmas Conference, this reality was indeed brought to the fore. There was no talk of principles; instead, it was pointed out: Something is alive in Dornach; there is something living there. And whoever sees something legitimate in the living reality that exists in Dornach joins the Society. The emphasis is not on abstract principles, but on something living, on something that is actually there. And the life of the Society is not demanded in the form of abstractions in these so-called statutes, which are not actually statutes at all, but rather a narrative of what exists in Dornach and what we intend to do from there. These principles are a narrative, not statutes. I have pointed out that the society should have a board of directors—a txt—that, in its actions and initiatives, recognizes what shapes it and what forms it. Thus, an effort has been made to replace abstractions with the purely human, the immediately human, in every aspect—even within the “statutes” themselves. And this is the only way a society can live—a society that is meant to be an organism for a spiritual reality flowing into the world.
[ 30 ] Sehen Sie, ich möchte sagen: Dieser Vorstand, der in Dornach zu Weihnachten gebildet worden ist, der beruht auf einer Art hypothetischen Urteils. Wenn die Gesellschaft aufnehmen will das, was er tut, dann wird er der Vorstand sein; wenn sie es nicht aufnehmen will, dann wird er überhaupt nichts sein. Aber man wird ihn auch nur so nehmen können als, ich möchte sagen, das Zentrum eines lebendigen Wirkens. Damit kann ich nur andeuten — denn ich sagte ja, ich möchte nur wenige Worte sprechen, alles übrige wird ja in den «Mitteilungen» deutlich ausgesprochen —, daß tatsächlich durch die Weihnachtstagung versucht worden ist, einen neuen Geist in die Gesellschaft hineinzuführen. Aber es ist wünschenswert, daß man verstehe, welcher Art dieser neue Geist ist: daß er ein Geist der Lebendigkeit gegenüber dem Geiste der Abstraktionen ist, daß er ein Geist ist, der nicht zum Kopf, sondern der zu den Herzen sprechen möchte. Daher kommt es, daß eigentlich diese Weihnachtstagung entweder für die anthroposophische Sache nichts oder alles ist. Sie wird nichts sein, wenn sie keine Fortsetzung findet, wenn sie eine Festlichkeit war, bei der man sich so ein bißchen gefreut hat; nachher vergißt man das Ganze und lebt im alten Trott weiter. Dann hat sie keinen Inhalt, es strahlt nichts zurück auf sie. Sie bekommt erst ihren Inhalt von dem Leben auf den verschiedenen Gebieten der Gesellschaft, sie ist erst eine Wirklichkeit durch das, was durch sie geschieht, was fortwährend im Leben der Anthroposophischen Gesellschaft durch sie geschieht. Die Weihnachtstagung wird erst real durch das, was aus ihr weiter wird. Hinschauen auf die Weihnachtstagung bedingt schon eine gewisse Verantwortlichkeit in der Seele, sie wirklich zu machen, während sie sich sonst zurückzieht von dem Erdendasein, dieselbe Richtung gehen wird, die ich heute von dem Mondenwesen beschrieben habe. Sie war natürlich in einem gewissen Sinne in der Welt da. Ob sie als Weihnachtstagung für das Leben wirksam sein wird, hängt davon ab, ob sie fortgesetzt wird.
[ 30 ] You see, what I want to say is this: This executive committee, which was formed in Dornach at Christmas, is based on a kind of hypothetical judgment. If the Society is willing to accept what it does, then it will be the executive committee; if it is not willing to accept it, then it will be nothing at all. But it will also only be possible to regard it as, I would say, the center of a living activity. With this I can only hint—for as I said, I wish to speak only a few words; everything else is clearly stated in the “Mitteilungen”—that an attempt was indeed made during the Christmas Conference to introduce a new spirit into the Society. But it is desirable that people understand what kind of spirit this new spirit is: that it is a spirit of liveliness as opposed to the spirit of abstractions, that it is a spirit that seeks to speak not to the head but to the hearts. That is why this Christmas Conference is, in fact, either nothing or everything for the anthroposophical cause. It will be nothing if it is not followed up, if it was merely a festive occasion where people enjoyed themselves a little; afterward, the whole thing is forgotten, and life continues in the old rut. Then it has no substance; nothing radiates back to it. It derives its substance only from life in the various spheres of society; it becomes a reality only through what comes of it—what continually takes place in the life of the Anthroposophical Society through it. The Christmas Conference becomes real only through what grows out of it. Reflecting on the Christmas Conference already entails a certain responsibility in the soul to make it real, whereas otherwise it withdraws from earthly existence and will follow the same path that I described today in relation to the lunar being. It was, of course, present in the world in a certain sense. Whether it will have an effect on life as the Christmas Conference depends on whether it is continued.
[ 31 ] Sehen Sie, wir haben das ja recht deutlich zum Ausdruck gebracht. In das Herz jedes Teilnehmers wurde versenkt der spirituelle Grundstein für die Anthroposophische Gesellschaft. Wir haben zwar formell geschlossen, aber eigentlich sollte diese Weihnachtstagung nie geschlossen sein, sondern immer fortwähren in dem Leben der Anthroposophischen Gesellschaft. Daher möchte ich Sie bitten, dasjenige, was da ist durch das Mitteilungsblatt, in vollem Ernste zu nehmen, wirklich das, was da nach und nach nicht nur in der Beschreibung, sondern als Realität an Sie herankommen wird, wirklich mit allem Ernste zu betrachten. Nicht wahr, nicht alles kann jetzt übers Knie gebrochen werden, fortwährend kommt man zunächst damit: Wie soll das und das gemacht werden? — Natürlich kann nicht alles in einem Tag geschehen. Sie werden als eine der nächsten Einrichtungen sehen, daß in dem Mitteilungsblatt: «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht», Sie jede Woche Richtlinien finden werden — wenn ich mich abstrakt ausdrücke in einer Form von Thesen. Da wird in kurzen Sätzen jede Woche stehen etwas von anthroposophischen Wahrheiten in bezug auf den Menschen — Menschenleben, Religion, Kunst und so weiter —, was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht. Und da wird man Gelegenheit haben, in den verschiedenen anthroposophischen Zweigen zu sagen: Von Dornach wird dieser oder jener Gedanke uns geschickt als Richtlinie: reden wir in den Zweigen neben dem anderen vor allen Dingen jede Woche über das, was man uns von Dornach schickt als den Gedanken, der in den Mitteilungsblättern zum Ausdruck kommt.
[ 31 ] You see, we have expressed this quite clearly. The spiritual foundation of the Anthroposophical Society has been laid deep within the heart of every participant. Although we have formally concluded the conference, this Christmas conference was never actually meant to end, but rather to continue forever in the life of the Anthroposophical Society. Therefore, I would like to ask you to take what is published in the newsletter very seriously—truly to regard with the utmost seriousness what will gradually come to you, not only in description but as reality. After all, not everything can be rushed through right now; at first, the question that constantly arises is: How should this or that be done? — Of course, not everything can happen in a single day. You will see, as one of the next initiatives, that in the newsletter, “What Is Happening in the Anthroposophical Society,” you will find guidelines every week—if I may express myself abstractly, in the form of theses. Each week, in short sentences, there will be something about anthroposophical truths as they relate to human beings—human life, religion, art, and so on—and what is happening in the Anthroposophical Society. And there, in the various anthroposophical branches, we will have the opportunity to say: “This or that thought is being sent to us from Dornach as a guideline; let us, in the branches alongside one another, discuss above all else each week what is sent to us from Dornach—the thought expressed in the newsletters.”
[ 32 ] Dadurch wird eine Einheit hineinkommen in die verschiedenen Gebiete des anthroposophischen Lebens in der Gesellschaft. Und so werden auf diese Weise viele Dinge nach und nach entstehen, die wie ein Blut die Anthroposophische Gesellschaft tatsächlich durchziehen, nicht nur damit man von Einheit spricht, sondern damit ihr etwas zugeführt wird, was sie mit einheitlichem geistigem Blut durchströmen kann. Auf das wollte hingewiesen sein bei der Weihnachtstagung. Damals hat man es fühlen können, man wird es des weiteren sehen.
[ 32 ] This will bring unity into the various areas of anthroposophical life within the Society. And in this way, many things will gradually come into being that will truly permeate the Anthroposophical Society like blood—not merely so that one can speak of unity, but so that something may be infused into it that can flow through it as a unified spiritual blood. This was the point I wanted to emphasize at the Christmas Conference. At that time, people could sense it; they will continue to see it in the future.
[ 33 ] Aber das ist hier insbesondere in Deutschland notwendig. Man steht ja in Deutschland in der Tat in einer ganz anderen Weise innerhalb des anthroposophischen Lebens als sonst. Sonst ist die Gegnerschaft nicht in der Weise ausgebildet wie hier. Man kann ja sehen, daß, wo sie sonst auftritt, sie vielfach von hier importiert wird, wenn auch eine gewisse Art von Gegnerschaft überall, insbesondere um Dornach selber herum, vorhanden ist. Aber wiederum eine ganz besondere Art von Gegnerschaft ist ja die, der man gegenübersteht in’Deutschland, ich möchte sagen: die ganz robuste Gegnerschaft, die systematisch, voll bewußt, organisiert arbeitet. Da war es schon ein schwerer Entschluß, in der Anthroposophischen Gesellschaft nun das Unterste zuoberst zu kehren. Denn so ist es in den Tatsachen geschehen. Als die Anthroposophische Gesellschaft begründet wurde 1912/1913 — ja, Sie brauchen nur zu bedenken: ich war weder mit irgendeinem Amt in der Anthroposophischen Gesellschaft begabt, noch war ich überhaupt Mitglied. Ich war nicht Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft seit ihrer Begründung, ich habe das öfter betont, man hat nur nicht richtig auf die Bedeutung hingehört, denn ich wollte, daß die Anthroposophische Gesellschaft mich nur als Lehrenden hat, als denjenigen, der zu den Quellen des anthroposophischen Lebens führt und so weiter. Und es mußte zunächst der Versuch gemacht werden, damit zu sehen, was auf diese Art geschehen kann.
[ 33 ] But this is particularly necessary here in Germany. After all, in Germany one’s place within anthroposophical life is indeed quite different from elsewhere. Elsewhere, opposition is not as pronounced as it is here. One can see that, wherever it occurs elsewhere, it is often imported from here, even though a certain kind of opposition exists everywhere, especially around Dornach itself. But then again, the kind of opposition one faces in Germany is quite unique; I would say: it is a very robust opposition that operates systematically, fully consciously, and in an organized manner. It was therefore a difficult decision to turn the Anthroposophical Society upside down. For that is, in fact, what happened. When the Anthroposophical Society was founded in 1912–1913—well, just consider this: I held no office whatsoever in the Anthroposophical Society, nor was I even a member. I was not a member of the Anthroposophical Society from its founding; I have emphasized this many times, but people simply did not listen closely enough to what I meant, for I wanted the Anthroposophical Society to regard me solely as a teacher—as the one who leads to the sources of anthroposophical life, and so on. And an attempt had to be made first to see what could happen in this way.
[ 34 ] Nun sehen Sie, es ist eben so gekommen, daß ich in einem Lebensalter, wo man sich gewöhnlich schon pensionieren läßt, erst anfangen muß, denn in der Tat, ich betrachte das, was mit der Weihnachtstagung in Dornach geschehen ist, als einen Anfang, als einen richtigen Lebensanfang. Und ich möchte, daß man fühlt, daß wir vor einem Anfange stehen. Und wenn man richtig fühlt, daß man vor einem Anfange steht, so kann eben schon, da dieser Anfang manches in sich trägt, aus diesem Anfange etwas werden. Wie gesagt, eben nur aus der Notwendigkeit heraus bin ich Mitglied, bin ich sogar Vorsitzender geworden dieser Anthroposophischen Gesellschaft, und ich möchte gern, daß man den ganzen Ernst desjenigen wirklich einsieht, was mit der Weihnachtstagung zusammenhängt.
[ 34 ] Well, you see, it just so happens that at an age when people usually retire, I am only just beginning; for in fact, I regard what happened at the Christmas Conference in Dornach as a beginning—as a true new beginning in life. And I would like people to feel that we are standing at the threshold of a new beginning. And if one truly feels that we are standing at the threshold of a new beginning—since this beginning holds so much within it—then something can indeed come of it. As I said, it was purely out of necessity that I became a member, and even chairman, of this Anthroposophical Society, and I would very much like people to truly grasp the full gravity of what is connected with the Christmas Conference.
[ 35 ] Wird man es einsehen, dann wird eben doch vielleicht durch diesen Versuch es möglich sein, daß im Zusammenarbeiten von allen Orten mit demjenigen, was von Dornach ausgehen soll, echtes anthroposophisches Leben durch die Anthroposophische Gesellschaft fließen wird. Mit dieser Gesinnung — und auf diese Gesinnung wird es vorzugsweise ankommen in der Anthroposophischen Gesellschaft —, mit dieser Gesinnung möchte ich in herzlichster Weise antworten auf die Begrüßung, die nach der Weihnachtstagung mir heute durch Dr. Kolisko geworden ist, nachdem ich das erste Mal wieder unter Ihnen bin, möchte antworten mit einem ebenso herzlichen Gruß, so daß Gruß dem Gruße sagt, Herz dem Herzen sagt: Wir wollen mit dem Geiste, der mit der Weihnachtstagung gemeint war, so zusammenwirken, daß der wirkende Impuls dieser Weihnachtstagung unter Anthroposophen, welche die Bedingungen des anthroposophischen Lebens richtig zu erkennen sich bestreben, niemals aufhören möge; daß durch dieses anthroposophische Bestreben die Dornacher Tagung immer mehr und mehr ihren wirklichen Inhalt erhalte; daß diese Dornacher 'Tagung durch dasjenige, was die Anthroposophen überall in der Welt aus ihr machen, eigentlich niemals aufhöre; daß der Geist, den anzurufen dort versucht wurde, daß dieser Geist immer da sei durch den guten Willen, durch die Hingabe, durch das eindringende Verständnis der Mitgliedschaft für Anthroposophie und anthroposophisches Leben.
[ 35 ] If we come to understand this, then perhaps this endeavor will indeed make it possible for genuine anthroposophical life to flow through the Anthroposophical Society as all local groups collaborate with what is to emanate from Dornach. With this spirit—and it is this spirit that will be of paramount importance in the Anthroposophical Society—with this spirit, I would like to respond most cordially to the greeting extended to me today by Dr. Kolisko following the Christmas Conference, now that I am among you once again for the first time; I would like to respond with an equally heartfelt greeting, so that greeting answers greeting, and heart speaks to heart: Let us work together in the spirit that was intended by the Christmas Conference, so that the active impulse of this Christmas Conference may never cease among anthroposophists who strive to correctly recognize the conditions of anthroposophical life; so that through this anthroposophical striving, the Dornach Conference may increasingly take on its true substance; that this Dornach “Conference,” through what anthroposophists all over the world make of it, may in fact never cease; that the spirit which was sought to be invoked there—that this spirit may always be present through the good will, through the devotion, and through the deep understanding of the membership for anthroposophy and anthroposophical life.
[ 36 ] So wollen wir zusammenwirken, so wollen wir aber auch die Dornacher Tagung wirklich als etwas Berechtigtes, als etwas Ernstes betrachten, nicht auf sie hinschauen als auf etwas, was uns gleichgültig sein kann, sondern hinschauen auf sie als etwas, was uns in der Tat tief, tief ins Herz, ins Gemüt, ins Gewissen selbst eindringt. Dann werden wir in der richtigen Weise in der Weihnachtstagung nicht bloß eine Festwoche gehabt haben, sondern etwas Weltwirkendes, Menschengeschick Bezwingendes. Und alles Weltwirkende und Menschengeschick Bezwingende kann der richtige Impuls für anthroposophische Arbeit, anthroposophisches Wirken, anthroposophisches Leben sein.
[ 36 ] Let us work together in this way; but let us also truly regard the Dornach Conference as something worthwhile, as something serious—not viewing it as something we can be indifferent to, but rather as something that truly penetrates deep, deep into our hearts, our souls, and our very consciences. Then, in the right way, the Christmas Conference will not merely have been a week of celebration, but something that influences the world and overcomes human destiny. And everything that influences the world and overcomes human destiny can be the right impulse for anthroposophical work, anthroposophical activity, and anthroposophical life.
