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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume VI
GA 240

9 April 1924, Stuttgart

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Karmischer Betrachtungen im geschichtlichen Werden der Menschheit I

Karmic Reflections on the Historical Development of Humanity I

[ 1 ] Es ist einmal in einer außerordentlich eindringlichen Weise innerhalb des deutschen Geisteslebens die Wahrheit der wiederholten Erdenleben ausgesprochen worden. Und es ist ja innerhalb der anthroposophischen Bewegung auf dieses radikale Bekenntnis zu den wiederholten Erdenleben durch Lessing hingewiesen worden. Wir haben von Lessing aus der äußersten Reife seiner Entwickelung heraus die bedeutungsvolle Abhandlung über die Erziehung des Menschengeschlechts, und am Ende dieser Abhandlung haben wir dieses Bekenntnis zu den wiederholten Erdenleben. Mit monumental klingenden Sätzen wird da darauf hingewiesen, wie das geschichtliche Werden der Menschheit nur dadurch begreiflich ist, daß die einzelne menschliche Individualität durch wiederholte Erdenleben durchgeht und damit dasjenige, was in einer Epoche der menschlichen Entwickelung erlebt und getan werden kann, in eine nächstfolgende Epoche herüberträgt. Man braucht ja nur zwei Tatsachen nach dieser Richtung hin ins Auge zu fassen. Man bedenke, daß man alles mögliche aufbringen kann an Ideenwirkungen, an materiellen Wirkungen und so weiter, um im geschichtlichen Werden das Spätere aus dem Früheren zu erklären. Da plätschert man sozusagen ganz stark in Abstraktionen herum. Die reale Tatsache ist diese, daß dieselben menschlichen Individualitäten, die, sagen wir, am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts leben, in früheren Zeitepochen gelebt haben, aufgenommen haben in diesen früheren Zeitepochen das, was in ihrer Umgebung vorgegangen ist, was mit Menschen ihrer Umgebung zu erleben war, das dann durch die Pforte des Todes durchgetragen haben in die geistige Welt hinein, in der man lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, es wieder heruntergetragen haben in einem neuen Erdenleben und so selber die Träger sind für dasjenige, was von einer Zeitepoche zur anderen in der Menschheitsentwickelung vorgeht.

[ 1 ] The truth of repeated earthly lives has been expressed in an extraordinarily compelling way within German intellectual life. And indeed, within the anthroposophical movement, attention has been drawn to this radical affirmation of repeated earthly lives by Lessing. From Lessing, at the very height of his development, we have the significant treatise On the Education of the Human Race, and at the end of this treatise we find this affirmation of repeated earthly lives. In sentences that sound monumental, he points out how the historical development of humanity can only be understood by recognizing that the individual human personality passes through repeated earthly lives, thereby carrying over into the next epoch what can be experienced and accomplished in a given epoch of human development. One need only consider two facts in this regard. Consider that one can bring to bear all manner of conceptual influences, material effects, and so on, to explain in the course of history how the later arises from the earlier. In doing so, one dabbles, so to speak, quite heavily in abstractions. The real fact is this: that the same human individualities who, let us say, at the end of the 19th and the beginning of the 20th centuries, also lived in earlier epochs; they absorbed in those earlier epochs what was taking place in their surroundings, what they experienced with the people around them; they then carried this through the gateway of death into the spiritual world, where one lives between death and a new birth, have brought it back down into a new earthly life, and are thus themselves the bearers of what takes place from one epoch to another in the development of humanity.

[ 2 ] Die Menschenindividualitäten tragen jederzeit die Vergangenheit in die Zukunft hinüber. Das ist die eine Tatsache, die schon das Gemüt mit einer gewissen religiösen Hingabe erfüllen kann, wenn sie in völligem Ernste genommen wird. Und die andere Tatsache ist diese, daß wir ja alle, die wir hier sitzen, nur sozusagen den Blick auf uns selber zurückwenden brauchen und uns sagen können: Wir selber sind ja viele Male im Erdenleben dagewesen, und dasjenige, was wir heute sind, ist das Ergebnis unserer vorigen Erdenleben. So kann, wenn man den Blick auf die ganze Geschichte wirft und wenn man ihn zurücklenkt auf das eigene Erleben, die Tatsache der wiederholten Erdenleben wirklich eine tief religiös-erkenntnismäßige Beziehung in die Seele senken. So etwas wird wohl Lessing gefühlt haben, als er sagte: Soll denn diese Wahrheit von den wiederholten Erdenleben deshalb töricht sein, weil die Menschen auf sie gekommen sind in jenen Urzeiten, in denen ihre Seelen noch nicht verbildet, verlehrt waren? — Dann schließt Lessing mit dem monumentalen Satz, der ausdrückt, was ihm aufging aus dem Bewußtsein von zwei solchen Tatsachen, wie ich sie erwähnt habe: «Ist denn nicht die ganze Ewigkeit mein?!»

[ 2 ] Human individualities constantly carry the past into the future. This is a fact that, when taken in all seriousness, can fill the soul with a certain religious devotion. And the other fact is this: all of us sitting here need only, so to speak, turn our gaze inward and say to ourselves: We ourselves have been here on Earth many times, and who we are today is the result of our previous earthly lives. Thus, when one casts one’s gaze upon the whole of history and then turns it back to one’s own experience, the fact of repeated earthly lives can truly instill a profound sense of religious insight into the soul. Lessing must have felt something like this when he said: “Is this truth of repeated earthly lives to be considered foolish simply because people arrived at it in those primeval times when their souls were not yet distorted or misled?” — Lessing then concludes with the monumental sentence that expresses what dawned on him from the awareness of the two facts I have mentioned: “Is not all eternity mine?!”

[ 3 ] Der Faden geistiger Entwickelung, der damals in Anknüpfung an Lessings «Erziehung des Menschengeschlechts» in die deutsche Geistesentwickelung hätte eingeführt werden können, ist nicht fortgesetzt worden; er ist abgerissen worden. Und das 19. Jahrhundert hätte wohl das Weiterspinnen dieses Fadens angesehen wie etwas nicht ganz Gescheites.

[ 3 ] The thread of intellectual development that could have been introduced into German intellectual history at that time, building on Lessing’s The Education of the Human Race, was not continued; it was severed. And the 19th century would likely have regarded the continuation of this thread as something not entirely sensible.

[ 4 ] Meine lieben Freunde, als wir in Berlin vor jetzt mehr als zwei Jahrzehnten darangingen, innerhalb der Theosophischen Gesellschaft die anthroposophische Arbeit zu beginnen, als dazumal die erste Versammlung stattfand zur Begründung dessen, was dazumal genannt wurde die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft, da war auf dem Programm angekündigt von mir als einer der ersten Vorträge, die gehalten werden sollten: «Über praktische Karma-Übungen.» Damals hatte es sich darum gehandelt, die Karma-Idee sofort mit einer solchen inneren Impulsivität in die anthroposophische Bewegung einzuführen, daß sie gewissermaßen eines der großen Leitmotive hätte werden können, aus denen sich die anthroposophische Bewegung entwickelte. Aber als ich zu einigen Menschen, den damaligen Zelebritäten, die noch aus der alten Theosophischen Gesellschaft herübergekommen waren, davon gesprochen habe, was ich eigentlich mit diesem Titel meine, da wurde allgemein über mich hergefallen. Da erklärte man, so etwas könne überhaupt nicht sein. Und in der Tat — nicht etwa, als ob ich dadurch sagen wollte, diese Leute hätten recht gehabt —, aber im allgemeinen war eben noch nicht die Zeit gekommen, um zu einem größeren Kreise von esoterischen Wahrheiten zu sprechen in einer ganz eindringlichen Art. Und beginnt man, nicht in allgemeinen Abstraktionen, sondern in konkreter Weise über die Entwickelung im Karma und deren Bedeutung für das geschichtliche Leben der Menschheit zu sprechen, dann kann man das nicht, ohne in das Esoterische tief hineinzugreifen, ohne wirklich einzugehen auf konkrete esoterische Vorstellungen. Daher war in einer gewissen Beziehung alles dasjenige, was an Anthroposophie entwickelt worden ist innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, eine Vorbereitung, die notwendig geworden war, weil damals innerhalb dieser Gesellschaft die Reife nicht vorhanden war.

[ 4 ] My dear friends, when we set out in Berlin more than two decades ago to begin the anthroposophical work within the Theosophical Society—when the first meeting was held to establish what was then called the German Section of the Theosophical Society—one of the first lectures announced on the program by me was: “On Practical Karma Exercises.” At that time, the aim had been to introduce the idea of karma into the anthroposophical movement immediately and with such inner impetus that it could, so to speak, have become one of the great guiding themes from which the anthroposophical movement developed. But when I spoke to a few people—the “celebrities” of the time who had come over from the old Theosophical Society—about what I actually meant by this title, I was generally attacked. They declared that such a thing could not be possible at all. And in fact—not that I mean to say these people were right—but in general, the time had simply not yet come to speak to a wider circle about esoteric truths in a truly compelling way. And if one begins to speak—not in general abstractions, but in concrete terms—about development in karma and its significance for the historical life of humanity, then one cannot do so without delving deeply into the esoteric, without truly addressing concrete esoteric concepts. Therefore, in a certain sense, everything that had been developed in the field of anthroposophy within the Anthroposophical Society was a preparation that had become necessary because, at that time, the necessary maturity was not yet present within that society.

[ 5 ] Aber einmal muß der Zeitpunkt kommen, in dem begonnen werden kann mit dem esoterischen konkreten Sprechen über karmische Wahrheiten und ihren Zusammenhang mit der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Würde man heute noch länger warten, so würde das ein Versäumnis sein innerhalb der anthroposophischen Bewegung. Daher war es auch in den Absichten der Goetheanumtagung zu Weihnachten gelegen, nunmehr nicht mehr zurückzuhalten mit demjenigen, was nun einmal in wirklicher Geistesforschung auch über diese intimeren Fragen des geschichtlichen Werdens der Menschheit erforscht werden kann. Und es wird nach dieser Richtung in der Zukunft der anthroposophischen Bewegung nunmehr gehört werden auf dasjenige, was die Geister wollen, nicht auf das, was die Menschen aus einer gewissen ängstlichen Vorsichtigkeit heraus für das noch nicht Zeitgemäße oder Opportune halten. Gerade in dieser Beziehung bedeutet die Weihnachtstagung am Goetheanum nicht bloß etwas, was sozusagen nur qualitativ bedeutungsvoll für die Anthroposophische Gesellschaft ist, sondern was auch in bezug auf die Intensivierung des anthroposophischen Wirkens ein Anfang sein soll. Von diesem Gesichtspunkte aus, der ein Gesichtspunkt werden muß der anthroposophischen Bewegung, möchte ich zu Ihnen die heutige anthroposophische Betrachtung sprechen.

[ 5 ] But the time must eventually come when we can begin to speak concretely and esoterically about karmic truths and their connection to the historical development of humanity. To wait any longer today would be a dereliction of duty within the anthroposophical movement. That is why it was also part of the intentions of the Goetheanum Christmas Conference to no longer hold back on what can indeed be investigated in genuine spiritual research—even regarding these more intimate questions of humanity’s historical development. And in the future of the anthroposophical movement, attention will now be directed toward what the spirits will, rather than toward what people, out of a certain fearful caution, consider to be untimely or inopportune. Precisely in this regard, the Christmas Conference at the Goetheanum signifies not merely something that is, so to speak, only qualitatively significant for the Anthroposophical Society, but also something that is intended to be a beginning with regard to the intensification of anthroposophical work. From this perspective—which must become a perspective of the anthroposophical movement—I would like to address today’s anthroposophical reflection to you.

[ 6 ] Meine lieben Freunde, wir schauen hinein in dasjenige, was im großen in der Geschichte vorgeht. Wir gewahren, wie einzelne Persönlichkeiten auf diesem oder jenem Gebiet den Ton angeben. Wir sollen gewahr werden, wie eine Persönlichkeit, die historisch dasteht, die in der unmittelbarsten, nicht weit zurückliegenden Vergangenheit dasjenige inauguriert hat, unter dessen Einfluß wir heute leben, nur verstanden werden kann — und wie dadurch auch das Historische nur richtig verstanden werden kann aus diesen Vorstellungen heraus —, wenn sich anthroposophische Forschung daranmacht, hineinzuschauen in frühere Erdenleben solcher historischer Persönlichkeiten. Daraus folgt doch auch noch etwas anderes. Es folgt daraus, daß wir aus dem Anblick der Persönlichkeiten, über die uns die Geschichte berichtet, Vorgänge des menschlichen Schicksals durch die verschiedenen Erdenleben hindurch gewahr werden, und wir können mit dem Lichte, das uns dadurch über das Karma wird, unser eigenes persönliches Schicksalsleben beleuchten. Und das ist außerordentlich wichtig. Denn Karmabetrachtungen dürfen nicht aus Sensation angestellt werden, sondern nur, um tiefer hineinzuleuchten in die menschlichen Zusammenhänge und in die Erlebnisse der einzelnen Menschenseelen. Wir sehen zum Beispiel, wie besonders in den letzten zwei Dritteln des 19. Jahrhunderts eine ganz bestimmte allgemeine Seelenverfassung, die eine materialistische Färbung hat, heraufkommt, wie sich diese Seelenverfassung in einer gewissen Weise noch in das 20. Jahrhundert herein fortsetzt und wie diese Seelenverfassung diejenige ist, die schließlich alles das, was heute an Chaotischem, Verwirrendem in Kultur und Zivilisation der Menschheit vorhanden ist, mitbewirkt hat. Und da wir sehen, wie dasjenige, was, nachdem das erste Drittel des 19. Jahrhunderts abgelaufen war, eingetreten ist besonders innerhalb des deutschen Geisteslebens, sich radikal unterscheidet von demjenigen, was früher Grundton, Grundcharakter dieses Geisteslebens war, so fragen wir nach dem Ursprung. Wir sehen in diesen letzten zwei Dritteln des 19. Jahrhunderts Persönlichkeiten auftauchen, deren Individualitäten uns interessieren müssen, deren Individualitäten wir gedrängt sind, zurückzuverfolgen in ihre früheren Erdenleben.

[ 6 ] My dear friends, we are looking into the broader events unfolding in history. We observe how individual figures in this or that field set the tone. We must realize that a historical figure—one who, in the most immediate, not-too-distant past, inaugurated that which influences our lives today—can only be understood—and that history itself can only be properly understood from this perspective—if anthroposophical research sets out to look into the earlier earthly lives of such historical figures. But something else follows from this as well. It follows that, by observing the figures history tells us about, we become aware of the processes of human destiny as they unfold through various earthly lives, and we can use the light this sheds on karma to illuminate our own personal destiny. And this is extraordinarily important. For reflections on karma must not be undertaken for the sake of sensationalism, but only to shed deeper light on human interrelationships and the experiences of individual human souls. We see, for example, how—especially in the last two-thirds of the 19th century—a very specific general state of mind, one with a materialistic hue, emerged; how this state of mind continued in a certain way into the 20th century; and how this state of mind is the very one that ultimately contributed to all that is chaotic and and confusing in human culture and civilization today. And since we see how what emerged—particularly within German spiritual life—after the first third of the 19th century had passed differs radically from what had previously been the fundamental tone and character of that spiritual life, we ask about its origin. In these last two-thirds of the 19th century, we see personalities emerge whose individualities must interest us, whose individualities we are compelled to trace back to their earlier earthly lives.

[ 7 ] Der Blick desjenigen, der solche Forschungen anstellen kann, wird zunächst zurückgelenkt aus dem allgemeinen Charakter unseres Zeitalters nicht eigentlich auf christliche Vorleben der in ihr auftretenden Persönlichkeiten, sondern auf außerchristliche Vorleben. Da liegt es nahe, da das ungefähr auch übereinstimmt mit demjenigen, was wir als Zeitangabe verzeichnen können über die Zwischenzeiten zwischen aufeinanderfolgenden Erdenleben, zurückzugehen in die sehr umfassende geistige Bewegung, die ein halbes Jahrtausend nach der Begründung des Christentums aufgetreten ist, zurückzugehen auf den Mohammedanismus, auf den Arabismus. Das Christentum hat sich zunächst ausgebreitet von Asien aus, ein wenig, ich möchte sagen, erfangend die nordafrikanische Zivilisation, herüber über Spanien nach Westeuropa, hat sich weiterhin ausgebreitet über Osteuropa, über Mitteleuropa, aber diese Ausbreitung ist gewissermaßen flankiert worden durch den Arabismus, der auf der einen Seite seinen Vorstoß durch Kleinasien genommen hat, als der Mohammedanismus als Impuls in ihm war, auf der anderen Seite durch Afrika herüber nach Italien, nach Spanien. Und Sie können aus der äußeren Geschichte den Zusammenstoß der europäischen Zivilisation mit dem Arabismus aus den verschiedenen Kriegen ersehen, die zwischen dem Europäertum und dem Arabismus stattgefunden haben. Auch da handelt es sich darum, daß wir nun fragen: Ja, was sind denn die wirklichen, konkreten Tatsachen, was liegt denn da eigentlich in bezug auf die Entwickelung der menschlichen Seele zugrunde?

[ 7 ] The perspective of someone capable of conducting such research is initially drawn away from the general character of our age—not so much toward the Christian past lives of the personalities appearing in it, but rather toward non-Christian past lives. Since this roughly corresponds to what we can record as the time intervals between successive earthly lives, it stands to reason to go back to the very comprehensive spiritual movement that arose half a millennium after the founding of Christianity—to go back to Islam, to Arab culture. Christianity initially spread from Asia—a little, I might say, taking hold of North African civilization, across Spain to Western Europe, and continued to spread through Eastern Europe and Central Europe; but this spread was, so to speak, flanked by Arabism, which advanced on the one hand through Asia Minor—with Islam serving as its driving force—and on the other hand across Africa to Italy and Spain. And you can see from external history the clash between European civilization and Arabism in the various wars that have taken place between Europe and Arabism. Here, too, the question is: Yes, what are the real, concrete facts; what actually underlies this in terms of the development of the human soul?

[ 8 ] Nun betrachten wir einmal wirklich solche konkrete Tatsachen. Wir sehen zum Beispiel in derselben Zeit, in der, man möchte sagen, unter recht primitiven Zivilisationsverhältnissen in Westeuropa Karl der Große an der Spitze der Ereignisse stand, drüben in Asien in glänzender Weise sich entwickeln den Hof des Harun al Raschid. Und am Hofe des Harun al Raschid sind versammelt in der Tat die größten Geister der damaligen Zeit, jene größten Geister, welche tief in ihre Seele aufgenommen haben alles dasjenige, was aus der orientalischen Weisheit hervorgehen konnte, welche aber auch dasjenige vereinigt haben mit der orientalischen Weisheit, was vom Griechentum herübergekommen ist. Harun al Raschid entwickelte an seinem Hof ein geistiges Leben, das umfaßte Architektur, Astronomie im Sinne der damaligen Zeit, Geographie in der lebendigen Art der damaligen Zeit, Mathematik, Dichtung, Chemie, Medizin, und für alle diese Zweige hatte er eigentlich die hervorragendsten Vertreter seines Zeitalters an seinem Hofe versammelt. Er war diesen Vertretern ein energischer Beschützer, eine Persönlichkeit, die einen sicheren Boden abgegeben hat für eine, ich möchte sagen, ganz bewundernswerte Kulturzentrale, die da bestanden hat im 8. und 9. nachchristlichen Jahrhundert. Und wir sehen zum Beispiel, wenn wir diesen Hof Harun al Raschids betrachten, wie an diesem Hofe Harun al Raschids gelebt hat eine merkwürdige Persönlichkeit, eine Persönlichkeit, von der man vielleicht nicht die Empfindung hatte in demjenigen Erdenleben, das sie verbracht hat an dem Hofe Harun al Raschids, daß sie ein Initiierter war. Aber die Initiierten haben mit dieser Persönlichkeit zusammen gewußt, daß diese Persönlichkeit, die am Hofe Harun al Raschids gelebt hat, in einem früheren Erdenleben zu den bestinitiierten Menschen gehört hat. So lebte in einem späteren Erdenleben, nach außen nicht als Initiierter erscheinend, am Hofe Harun al Raschids ein ehemaliger, das heißt in einem früheren Erdenleben Initiierter. Die anderen waren wenigstens bekannt mit dem Initiationsleben des Altertums. Die Persönlichkeit, um die es sich dabei handelt, war ein großartiger, wir würden heute mit einem schmählichen Worte sagen, «Organisator» all dieses wissenschaftlichen, künstlerischen Lebens am Hofe des Harun al Raschid.

[ 8 ] Now let us take a closer look at such concrete facts. We see, for example, that at the very same time when—one might say—Charlemagne was at the forefront of events in Western Europe, under what were quite primitive civilizational conditions, the court of Harun al-Rashid was flourishing brilliantly over in Asia. And gathered at the court of Harun al-Rashid were indeed the greatest minds of that era—those who had deeply absorbed into their souls all that could emerge from Eastern wisdom, yet who had also synthesized with that Eastern wisdom the contributions that had come from the Greek world. At his court, Harun al-Rashid fostered an intellectual life that encompassed architecture, astronomy as understood in that era, geography as vibrantly practiced at that time, mathematics, poetry, chemistry, and medicine—and for all these fields, he had indeed gathered the most outstanding representatives of his age at his court. He was an energetic patron to these scholars, a figure who provided a solid foundation for what I would call a truly admirable cultural center that existed during the 8th and 9th centuries A.D. And we see, for example, when we consider the court of Harun al-Rashid, how a remarkable individual lived there—a person of whom one might not have sensed, during the earthly life they spent at Harun al-Rashid’s court, that they were an initiate. But the initiates knew, along with this individual, that this person who lived at Harun al-Rashid’s court had been among the most highly initiated people in a previous earthly life. Thus, in a later earthly life—appearing outwardly not as an initiate—a former initiate, that is, one who had been initiated in a previous earthly life, lived at Harun al-Rashid’s court. The others were at least familiar with the initiatory life of antiquity. The individual in question was a magnificent—we would today use a derogatory term to describe her as an “organizer”—of all this scientific and artistic life at the court of Harun al-Rashid.

[ 9 ] Nun wissen wir ja, daß in äußerlicher Weise unter dem Stoße des Mohammedanismus sich verbreitete der Arabismus über Afrika, Südeuropa, über Spanien nach Europa hinein. Wir kennen dasjenige, was sich an äußeren Kriegen, an äußeren Kulturkonflikten abgespielt hat. Aber das Ganze reißt einmal ab. Man redet ja gewöhnlich von der Schlacht des Karl Martell bei Tours und Poitiers so, als ob damit der Arabismus aus Europa verdrängt worden wäre. Aber im Arabismus war eine ungeheure geistige Stoßkraft. Und das Merkwürdige ist, daß, als der Arabismus äußerlich als politische, als kriegerische Macht sozusagen zurückgeschlagen worden war aus Europa, daß da die Seelen derer, die innerhalb des Arabismus tonangebend gewirkt haben, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen waren, in der geistigen Welt sich intensiv damit beschäftigt haben, wie sie weitergestalten können für Europa den Einfluß des Arabismus. Bei dem, was durch die geistige Welt durchgeht, handelt es sich nicht darum, meine lieben Freunde, daß in äußerlicher Weise die Dinge gestaltet werden. Das Außere mag sich wenig gleichen bei dem, was erscheint, wenn eine Individualität in zwei aufeinanderfolgenden Erdenleben auftritt. Da kommt es vielmehr auf das Innerlichste an. Das ist in unserer Zeit schwer zu begreifen. Denn in unserer Zeit, wo man es schon einem Menschen zum Vorwurf machen kann, wenn er einmal nicht verdammend über Haeckel schreibt, und dann nicht weiter über Haeckel schreibt wie vorher, sondern in einer Art, die engbegrenzte Gemüter für das Gegenteil des Früheren halten, wo man schon in dieser Weise Unverständnis zeigt, wird man es auch wenig begreifen, wie äußerlich verschieden menschliche Individualitäten in aufeinanderfolgenden Erdenleben sein können und wie doch innerlich dieselbe Impulsivität wirkt. Daher entwickeln sich diese großen Seelen des Arabismus in der Weise weiter zwischen Tod und einer neuen Geburt, daß sie verbunden bleiben mit dem Impuls, der vom Osten nach dem Westen gegangen war, daß sie verbunden bleiben in der geistigen Welt mit ihren Taten. In der äußeren Welt entwickelt sich, wie man sagt, die Zivilisation weiter. Ganz andere Formen erscheinen da, als diejenigen waren, die der Arabismus hatte. Aber die Seelen, die im Arabismus groß gewesen waren, erschienen wieder, und sie trugen eben, ohne daß sie seine äußeren Formen herübergetragen hätten, den Arabismus in seinen inneren Impulsen in eine viel spätere Zeit hinein. Sie erschienen als Kulturträger einer späteren Zeit, in der Sprache, in den Denkgewohnheiten, in den Empfindungsgewohnheiten, Willensimpulsen einer solchen späteren Zeit. Aber in ihren Seelen wirkte der Arabismus weiter. Und so sehen wir denn, daß gerade diejenige Geistesströmung, die heraufgekommen ist als die tonangebende in den zwei letzten Dritteln des 19. Jahrhunderts, tief beeinflußt war von solchen Geistern, welche aus dem Arabismus hervorgegangen sind.

[ 9 ] Now we know, of course, that outwardly, under the impetus of Islam, Arab culture spread across Africa, Southern Europe, and into Europe via Spain. We are familiar with what took place in terms of external wars and cultural conflicts. But at some point, the whole process came to an end. People usually speak of Charles Martel’s battles at Tours and Poitiers as if Arabism had thereby been driven out of Europe. But there was an immense spiritual driving force within Arabism. And the remarkable thing is that, when Arabism had been, so to speak, repelled from Europe as an external political and military power, the souls of those who had played a leading role within Arabism—after they had passed through the gate of death—intensively engaged in the spiritual world with the question of how they could continue to shape the influence of Arabism for Europe. What takes place in the spiritual world, my dear friends, is not a matter of things being shaped in an outward way. The outward appearance may differ little from what appears when an individual appears in two successive earthly lives. What matters far more is the innermost essence. This is difficult to grasp in our time. For in our time, when one can already be reproached for failing to write condemningly about Haeckel, and then does not continue to write about Haeckel as before, but in a way that narrow-minded people regard as the opposite of what came before—where such a lack of understanding is already evident—people will also have little grasp of how outwardly different human individualities can be in successive earthly lives, and yet how the same inner impulse is at work. Thus, these great souls of Arabism continue to develop between death and a new birth in such a way that they remain connected to the impulse that had traveled from the East to the West, remaining linked in the spiritual world to their deeds. In the outer world, as they say, civilization continues to develop. Forms appear there that are quite different from those of Arabism. But the souls who had been great in Arabism reappeared, and—without carrying over its outer forms—they carried Arabism, in its inner impulses, into a much later era. They appeared as bearers of culture in a later era, in the language, in the habits of thought, in the habits of feeling, and in the impulses of the will of such a later era. But Arabism continued to work within their souls. And so we see that the very spiritual current that emerged as the dominant one in the last two-thirds of the 19th century was deeply influenced by such spirits who had emerged from Arabism.

[ 10 ] So schauen wir hin auf die Seele des Harun al Raschid. Sie geht durch die Pforte des Todes im Harun al Raschid-Leben. Sie entwickelt sich weiter zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Sie erscheint in ganz anderen Zivilisationsformen in der neueren Zeit wieder. Denn diese Individualität des Harun al Raschid ist ja dieselbe Individualität, die dann innerhalb des westlichen englischen Geisteslebens als Lord Bacon von Verulam auftritt. Und wir haben diese umfassende Geistesart des Lord Bacon von Verulam anzusehen als die Wiederauferstehung desjenigen, was Harun al Raschid an seinem Hofe auf orientalische Art im 8., 9. Jahrhundert geleistet hat. Und wir wissen, daß Bacon von Verulam in der allertiefsten und intensivsten Weise beeinflußt hat bis in die neuesten Tage herauf das europäische Geistesleben. Man denkt eigentlich seit Lord Bacon so, wie er gedacht hatte in bezug auf wissenschaftliche Forschung und wissenschaftliche Gesinnung. Das ist gewiß nicht in den Einzelheiten überall richtig, das ist aber in dem großen Zug der Zeit richtig. Schaut man hin auf das Glanzvolle, auf das in gewisser Beziehung nach außen hin Wirkende des Harun al Raschid, und schaut man hin, nachdem man erfahren hat durch die innere Forschung, wie in Lord Bacon von Verulam wiedererschienen ist Harun al Raschid, schaut man hin auf die äußere Lebensentwickelung des Lord Bacon von Verulam, dann wird man zwar nicht in den äußeren Formen, aber in dem inneren Sinn dieser beiden Leben durchaus das Übereinstimmende, das Ähnliche finden.

[ 10 ] Thus we turn our gaze to the soul of Harun al-Rashid. It passes through the gate of death in the life of Harun al-Rashid. It continues to evolve between death and a new birth. It reappears in entirely different forms of civilization in more recent times. For this individuality of Harun al-Rashid is, after all, the very same individuality that later appears within Western English intellectual life as Lord Bacon of Verulam. And we must regard this comprehensive spirit of Lord Bacon of Verulam as the resurrection of what Harun al-Rashid accomplished at his court in an Eastern manner during the 8th and 9th centuries. And we know that Bacon of Verulam has influenced European intellectual life in the deepest and most intense way right up to the present day. In fact, ever since Lord Bacon, people have thought in the same way he did with regard to scientific research and the scientific mindset. This is certainly not correct in every detail, but it is correct in the broad sweep of history. If one looks at the splendor of Harun al-Rashid—and at what, in a certain sense, had an outward impact— and if one looks—after having discovered through inner research how Harun al-Rashid reappeared in Lord Bacon of Verulam—at the outward course of Lord Bacon of Verulam’s life, then one will find, not in the outward forms but in the inner meaning of these two lives, a clear correspondence and similarity.

[ 11 ] Ich sprach von einer Persönlichkeit, die am Hofe des Harun al Raschid gelebt hat, die in einem früheren Erdenleben, das diesem Leben am Hofe des Harun al Raschid voranging, ein Initiierter war. Ich muß da in Parenthesen anführen, daß es durchaus so sein kann, meine lieben Freunde, daß ein Initiierter der Vorzeit äußerlich scheinbar nicht als ein Initiierter in einem späteren Leben erscheint. Müssen Sie sich denn nicht fragen, meine lieben Freunde, wenn ich immer wieder und wiederum erzählte, daß es alte Eingeweihte in ziemlich großer Anzahl, Mysterienlehrer, Mysterienpriester gegeben hat: Wo sind diese hingekommen? Warum leben sie nicht unter uns in der Gegenwart? Ja, sehen Sie, meine lieben Freunde, eine Individualität, welche in einem früheren Erdenleben ein noch so durchleuchtetes Geistig-Seelisches hatte, kann sich ja in einem späteren Erdenleben nur äußern durch den Leib, den ihm dieses Erdenleben in einer späteren Zeit geben kann, und durch die Erziehung, die ihm beigebracht werden kann. Nun ist die Menschheitserziehung schon seit längerer Zeit so, daß in der Art und Weise, wie sich ein Mensch heute oder schon seit langem äußern kann, nicht sich durchstoßen kann dasjenige, was einmal in diesen Seelen gelebt hat, die initiiert waren. Sie müssen ganz andere Lebensformen annehmen, und nur derjenige, der intim das Leben des Menschen beobachten kann, kommt darauf, wie Menschen, denen man den Initiierten im späteren Erdenleben nicht ansieht, dennoch solche Initiationsleben durchgemacht haben.

[ 11 ] I was speaking of a person who lived at the court of Harun al-Rashid, who, in a previous earthly life preceding this one at the court of Harun al-Rashid, was an initiate. I must note here, in parentheses, that it is entirely possible, my dear friends, that an initiate from ancient times may not outwardly appear to be an initiate in a later life. Must you not ask yourselves, my dear friends, when I have told you time and again that there were quite a large number of ancient initiates—mystery teachers and mystery priests—where have they gone? Why do they not live among us in the present? Yes, you see, my dear friends, an individual who, in a previous earthly life, possessed a spiritual-soul nature however highly enlightened, can in a later earthly life express themselves only through the body that this earthly life can provide at a later time, and through the upbringing that can be imparted to them. Now, the state of human education has been such for quite some time that, in the way a person can express themselves today—or has been able to do so for a long time—what once lived within those souls who were initiated cannot break through. They must assume entirely different forms of life, and only those who can closely observe human life can discern how people—who, in their later earthly lives, do not appear to be initiates—have nevertheless undergone such initiatory lives.

[ 12 ] Eines der glänzendsten Beispiele in dieser Beziehung ist das des Freiheitshelden Garibaldi. Ein merkwürdiges Leben ist das von Garibaldi, dessen Wucht man nur zu verfolgen braucht, um das Hinausgehobensein dieser Persönlichkeit über die Verhältnisse des unmittelbaren Erdenlebens zu schauen. Garibaldi ist geworden aus einem ehemaligen Eingeweihten, der er war in einem früheren Erdenleben, zu einem politischen Visionär, denn als das muß man ihn bezeichnen. Er war ein Initiierter, der in einem vorigen Erdenleben Willensimpulse aufgenommen hat, die er dann im Garibaldi-Leben, wie das in seiner Zeit einem 1807 geborenen Menschen möglich ist, zum Austrag bringt. Aber man sehe hinein in die Eigentümlichkeiten seines Erdenlebens. Für mich war zunächst der Ausgangspunkt der, daß ich sah, wie Garibaldi seinen Schicksalsweg mit drei anderen Menschen zusammen im 19. Jahrhundert gegangen war, in bezug auf welche sein Zusammensein, die besondere Art, wie er mit ihnen zusammenwirkte, eigentlich nicht recht verständlich ist. Garibaldi war seiner tiefsten Gesinnung nach ehrlichster Republikaner, doch hat er zurückgewiesen alles dasjenige, was die Einheit Italiens unter republikanischer Flagge begründet hätte. Er drang, trotzdem er ehrlich republikanisch gesinnt war, auf die Herstellung des Königtums, noch dazu unter Viktor Emanuel. Und siehe da, geht man jetzt mit okkulter Forschung an die Rätselfrage heran: wie konnte Garibaldi diesen ViktorEmanuelzumKönig von Italien machen — denn er hat ihn zum König von Italien gemacht —, dann schaut man noch auf die zwei anderen Persönlichkeiten hin, man schaut hin auf Cavour und auf Mazzini, Merkwürdig: Garibaldi ist 1807 geboren, die anderen wenige Jahre davon entfernt. Garibaldi ist in Nizza geboren, Mazzini bekanntlich in Genua, Cavour in Turin, Viktor Emanuel nicht weit davon. Sie waren alle sozusagen in einem kleinen Umkreis auf der Erde geboren.

[ 12 ] One of the most brilliant examples in this regard is that of Garibaldi, the hero of freedom. Garibaldi’s life is a remarkable one; one need only trace its momentum to see how this personality transcends the conditions of immediate earthly life. Garibaldi evolved from a former initiate—which he was in a previous earthly life—into a political visionary, for that is what he must be called. He was an initiate who, in a previous earthly life, absorbed impulses of the will, which he then carried out in his life as Garibaldi, as was possible for a person born in 1807. But let us look into the peculiarities of his earthly life. For me, the starting point was that I saw how Garibaldi had walked his path of destiny together with three other people in the 19th century—with regard to whom his association, the particular way in which he interacted with them, is actually not entirely understandable. Garibaldi was, in his deepest convictions, the most sincere of republicans, yet he rejected everything that would have established the unity of Italy under a republican banner. Despite his sincere republican convictions, he pressed for the establishment of the monarchy—and under Victor Emmanuel, no less. And lo and behold, if one now approaches this enigmatic question through occult research—how could Garibaldi have made this Victor Emmanuel the King of Italy—for he did indeed make him the King of Italy—then one looks to the other two figures, one looks to Cavour and to Mazzini. Curious: Garibaldi was born in 1807; the others were born just a few years apart from him. Garibaldi was born in Nice, Mazzini, as is well known, in Genoa, Cavour in Turin, and Victor Emmanuel not far from there. They were all born, so to speak, within a small circle on the globe.

[ 13 ] Man braucht, wenn man karmische Forschungen anstellt, überall etwas, ich möchte sagen, Konkretes, von dem man ausgehen kann. Man kann nicht mit dem, wie gescheit einer ist, wie einer wissenschaftlich gebildet ist, viel anfangen. Man kann nicht einmal, wenn einer dreißig Romane in seinem Leben geschrieben hat, von diesem Romanschreiben ausgehen, um in frühere Erdenleben hineinzuschauen. Viel wichtiger ist es für die Erforschung des früheren Erdenlebens, ob einer hinkt oder ob einer mit den Augen blinzelt. Gerade scheinbare Kleinigkeiten des Lebens führen den Okkultisten auf die Pfade, die notwendig sind, um von einem Erdenleben aus in frühere Erdenleben hineinzuleuchten. So war maßgebend für die okkulte Forschung auf diesem Gebiete, zu erfassen, wie Garibaldi in das 19. Jahrhundert sich hineingelebt hat mit den drei anderen zusammen. Noch etwas anderes war maßgebend, meine lieben Freunde, nach dieser Richtung. So äußerlich betrachtet, erscheint Garibaldi wie ein Wirklichkeitsmensch, wie einer, der immer fest auf seinen Beinen steht, der nur nach der Lebenspraxis geht und so weiter. Aber dazwischen sind intimere Phasen aus diesem Garibaldi-Leben, die schon zeigen, wie Garibaldi eigentlich über das Niveau des Erd-Erlebbaren etwas stark hinausgeht. Man könnte da schon darauf hinweisen, wie er als junger Mensch wiederholt in den damaligen gefährlichen Seeverhältnissen die Adria mit dem Schiffe befährt, wiederholt gefangengenommen wird, aber immer wiederum sich befreit auf die abenteuerlichste Weise. Man kann weiter darauf hinweisen, daß es nicht jedem Menschen so passiert wie Garibaldi in seinem Leben, sich zuerst gedruckt zu sehen, eines Tages seinen Namen gedruckt zu finden in einer Zeitung mit der Nachricht, mit der Bekanntgabe seines Todesurteils. Er las zuerst seinen Namen, indem er sein Todesurteil las. Dieses Todesurteil war verhängt worden wegen seiner Teilnahme an einer Verschwörung. Aber dieses Todesurteil wurde nicht ausgeführt, denn sie haben noch keinen aufgehängt, den sie nicht erwischt haben, und sie haben Garibaldi nicht erwischt. Er floh nach Amerika und hat dort ein Abenteurerleben geführt, das aber immer von innerlicher Intensität und Kraft war.

[ 13 ] When conducting karmic research, one needs—I would say—something concrete to build upon. It doesn’t matter how intelligent one is or how well-educated one is in the sciences; that doesn’t get you very far. Even if someone has written thirty novels in their lifetime, one cannot use that novel-writing as a starting point to look into past earthly lives. What is far more important for the study of past earthly lives is whether someone limps or blinks their eyes. It is precisely the seemingly trivial details of life that lead the occultist onto the paths necessary to shed light on past earthly lives from the perspective of a present one. Thus, it was crucial for occult research in this field to understand how Garibaldi, together with the other three, immersed himself in the 19th century. There was something else as well, my dear friends, that was decisive in this regard. Viewed from the outside, Garibaldi appears to be a man of practical reality, someone who always stands firmly on his own two feet, who follows only the practicalities of life, and so on. But interspersed within this are more intimate phases of Garibaldi’s life that already reveal how he actually rises somewhat above the level of what is experienceable on Earth. One could point out, for instance, how as a young man he repeatedly sailed the Adriatic in the dangerous sea conditions of the time, was captured time and again, but always managed to free himself in the most adventurous ways. One can further point out that not everyone’s life unfolds as Garibaldi’s did—first seeing his name in print, then one day finding it in a newspaper alongside the news of his death sentence. He first read his name by reading his death sentence. This death sentence had been imposed because of his participation in a conspiracy. But this death sentence was not carried out, for they have never hanged anyone they did not catch, and they did not catch Garibaldi. He fled to America and led an adventurous life there, one that was, however, always marked by inner intensity and strength.

[ 14 ] Wie wenig Garibaldi innerhalb der gewöhnlichen Erdenverhältnisse stand, das zeigt zum Beispiel die Art, wie er seine erste Ehe einging, die eine außerordentlich glückliche durch Jahrzehnte war. Aber wie ist er mit der Dame, die er geheiratet hat, bekannt geworden? Das ist sehr merkwürdig zugegangen. Er war auf dem Schiff, noch ziemlich weit weg vom Lande, richtete das Fernrohr auf das Land und sah durch das Fernrohr eine Dame — und verliebte sich durch das Fernrohr sofort in diese Dame. Nun, es geschieht nicht alle Tage, daß sich die Menschen durch ein Fernrohr verlieben, da muß man schon über die gewöhnlichen Erdenverhältnisse hinausragen. Aber was geschieht? Er steuert sogleich dem Lande zu, trifft einen Mann, dem gefällt Garibaldi so gut, daß er ihn mit sich nimmt. Er kommt zum Mittagessen zu dem Mann: es ist der Vater der Dame, die er durch das Fernrohr gesehen hatte! Es stellt sich ein kleines Hindernis ein: Er kann nur italienisch sprechen, sie nur portugiesisch. Er kann ihre Sprache nicht, er gibt ihr aber zu verstehen, daß sie sich für das Leben verbinden müssen, und sie versteht das, trotzdem sie nicht italienisch, sondern nur portugiesisch kann. Es wird eine der glücklichsten, aber auch interessantesten Ehen. Sie ist mitgegangen durch alles dasjenige, was er in Amerika erlebt hat, und man braucht nur darauf hinzuweisen, wie sich einmal die Nachricht verbreitet hat, Garibaldi sei auf den dortigen Schlachtfeldern bei den Freiheitskämpfen gefallen. Frau Garibaldi suchte alle Schlachtfelder ab, so wie es erzählt wird von manchen sagenhaften Frauen. Jeden Leichnam hob sie auf, um ihm ins Gesicht zu schauen, bis sie auf ihrer Wanderung entdeckt, daß Garibaldi noch lebt. Aber bei diesem Unternehmen hatte sie ihr erstes Kind geboren, das vor Kälte umgekommen wäre, wenn sie es nicht bei ihrer Weiterwanderung mit einem Strick um den Hals gebunden und an ihrem eigenen Busen gewärmt hätte. Das alles sind keine gewöhnlichen bürgerlichen Verhältnisse, und dieses Zusammensein war auch nicht in gewöhnlichem Sinne bürgerlich. Aber als dann die Frau Garibaldis starb, da ereignete es sich, daß nach einiger Zeit Garibaldi doch wieder eine Dame heiratete, und zwar jetzt ganz nach gewöhnlichen bürgerlichen Verhältnissen, wie man halt zusammenkommt im Leben. Aber siehe da, diese Ehe, die nicht durch das Fernrohr arrangiert war, dauerte nur einen Tag. Man kann schon diese und ähnliche Züge aus dem Leben Garibaldis erzählen, welche zeigen, daß durchaus etwas sehr Merkwürdiges in seinem Leben vorhanden war.

[ 14 ] Just how little Garibaldi fit into the ordinary course of life is shown, for example, by the way he entered into his first marriage, which was an extraordinarily happy one that lasted for decades. But how did he come to meet the woman he married? It happened in a very strange way. He was on a ship, still quite far from land, when he pointed his telescope toward the shore and saw a woman through it—and immediately fell in love with her through the telescope. Well, it’s not every day that people fall in love through a telescope; that really takes one beyond the ordinary circumstances of life. But what happens next? He immediately heads for shore, meets a man who takes such a liking to Garibaldi that he takes him along. He goes to lunch with the man—who turns out to be the father of the woman he had seen through the telescope! A small obstacle arises: he can speak only Italian, and she only Portuguese. He doesn’t know her language, but he manages to make her understand that they must commit to each other for life, and she understands this, even though she speaks only Portuguese and not Italian. It becomes one of the happiest, but also most interesting, marriages. She stood by him through everything he experienced in America, and one need only point out how the news once spread that Garibaldi had fallen on the battlefields there during the struggles for freedom. Mrs. Garibaldi searched every battlefield, just as is told of many legendary women. She lifted every corpse to look into its face until, during her journey, she discovered that Garibaldi was still alive. But during this undertaking, she had given birth to her first child, who would have perished from the cold had she not tied the baby around her neck with a rope and kept it warm against her own breast as she continued her journey. None of this reflects ordinary middle-class circumstances, and this relationship was not middle-class in the conventional sense either. But when Garibaldi’s wife died, it so happened that, after some time, Garibaldi did indeed marry another woman—this time in a manner entirely in keeping with ordinary middle-class customs, just as people tend to come together in life. But lo and behold, this marriage—which had not been arranged through a telescope—lasted only one day. One can recount this and similar episodes from Garibaldi’s life, which show that there was indeed something very peculiar about his life.

[ 15 ] Nun zeigte sich mir, daß diese Persönlichkeit in einem früheren Erdenleben schon in der nachchristlichen Zeit ein irischer Eingeweihter gewesen war, der mit einer Mission aus Irland herübergekommen war nach dem Elsaß, dort in einer Mysterienstätte gelehrt hatte und diejenigen Individualitäten als Schüler hatte, die dann später mit ihm zusammen in der gleichen Zeit und auf dem gleichen Territorium geboren wurden. Nun war in den verschiedenen Einweihungsmysterien ein Gesetz, wonach gewisse Schüler so hangen mußten an dem Lehrer, daß der Lehrer seine Schüler nicht verlassen durfte, wenn sie unter ganz bestimmten Verhältnissen in einem späteren Leben einander begegneten. Da war vor allen Dingen die Individualität des Viktor Emanuel, die Garibaldi an sich gebunden fühlen mußte deshalb, weil diese Individualität sein Schüler in einem früheren Initiationsleben gewesen war. Da gelten keine Theorien mehr. In einem späteren Leben handelt es sich dann nicht darum, irgendwie etwas äußerlich zu übernehmen, sondern, wenn auch unbewußt, jenes innerliche Gesetz zu befolgen, das Menschen zusammenbringt nach solchen Impulsen, die im inneren Leben der geschichtlichen Entwickelung vor sich gehen.

[ 15 ] It now became clear to me that this individual had, in a previous earthly life—already in the post-Christian era—been an Irish initiate who had come from Ireland on a mission to Alsace, where he had taught at a mystery school and had as his students those individuals who were later born together with him at the same time and in the same region. Now, in the various initiation mysteries, there was a law according to which certain disciples had to be so attached to the teacher that the teacher was not permitted to abandon his disciples if they encountered one another under very specific circumstances in a later life. Above all, there was the individuality of Victor Emmanuel, to whom Garibaldi had to feel bound because this individuality had been his disciple in a previous life of initiation. Theories no longer apply here. In a later life, it is not a matter of adopting something externally in any way, but rather—even if unconsciously—of obeying that inner law that brings people together according to impulses taking place in the inner life of historical development.

[ 16 ] Man kann gerade an diesem ganzen Leben sehen, wie bei einem früheren Initiierten, weil die menschliche Körperlichkeit, die in einem Jahrhundert da ist, weil die Erziehung, die da ist, ihm nicht möglich macht, als Initiierter zu erscheinen, herauskommt dasjenige, was er in einem früheren Erdenleben aufgenommen hat, und wie eine solche Persönlichkeit äußerlich sich scheinbar nicht als Initiierter ausgibt. So war es auch bei jener Persönlichkeit, die am Hofe des Harun al Raschid gelebt hat und die, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen war, einen anderen Weg machen mußte als Harun al Raschid selber. Diese Persönlichkeit war tief innerlich verwandt und tief innerlich verbunden mit alledem, was sie als Initiationsgeheimnisse aus orientalischer Weisheit aufgenommen hatte, Sie konnte den Weg nicht machen, den der mehr auf Glanz sehende Harun al Raschid machte, sie mußte einen anderen Weg nehmen. Dieser andere Weg führte sie so zur Wiederverkörperung in einer späteren Zeit, daß sich die beiden Individualitäten gewissermaßen in den Zivilisationsströmungen, die unter ihrem Einfluß, dem des Harun al Raschid und seines Hofberaters, standen und die von ihnen in Europa angeregt waren, begegneten. Und die Seele dieses Ratgebers erschien wiederum als Amos Comenius, der nun auch nicht in äußerlicher Weise das Initiationsprinzip ausleben konnte, der aber durch die ganze Art, wie er sich energisch hineinstellte in das pädagogische, erzieherische Leben in der Zeit, die auch die Zeit des Bacon von Verulam ist, zeigt, daß Tiefes, Bedeutungsvolles in ihm gelebt hat. Und so sehen wir, wie mit einer mehr inneren Forderung Amos Comenius wiederum verkörpert wird, nachdem er am Hofe des Harun al Raschid gelebt hat; wie Harun al Raschid selber wieder verkörpert wird; schauen auf Persönlichkeiten, schauen in diesen Persönlichkeiten das Zusammenströmen von Zivilisationen, von Kulturen. Schaut man auf dieses europäische Geistesleben, wie es im 16.,17. Jahrhundert namentlich sich entwickelte, dann wird man überall in den neueren Formen den Arabismus finden. In alledem, was Bacon beeinflußt hat, ist Arabismus in der mehr glanzvollen Weise. Alledem, was Amos Comenius beeinflußt hat, merkt man noch an die tiefe orientalische Innerlichkeit.

[ 16 ] One can see precisely in this entire life—as in the case of a former initiate—that because of the human physicality that exists in a given century, and because of the education that prevails there, it is not possible for him to appear as an initiate; thus, what he absorbed in a previous earthly life comes to the fore, and such a personality outwardly does not appear to present himself as an initiate. This was also the case with that personality who lived at the court of Harun al-Rashid and who, after passing through the gate of death, had to take a different path than Harun al-Rashid himself. This individual was deeply and intimately connected to all that she had absorbed as the mysteries of initiation from Eastern wisdom. She could not follow the path taken by Harun al-Rashid, who was more focused on outward splendor; she had to take a different path. This different path led her to reincarnate at a later time, so that the two individualities, as it were, encountered one another within the currents of civilization that were under their influence—that of Harun al-Rashid and his court advisor—and which they had inspired in Europe. And the soul of this advisor reappeared as Amos Comenius, who, while he too could not live out the principle of initiation in an outward manner, nevertheless demonstrated—through the very way he energetically immersed himself in the pedagogical and educational life of his time, which was also the time of Bacon of Verulam—that something profound and significant lived within him. And so we see how, through a more inner calling, Amos Comenius is once again embodied after having lived at the court of Harun al-Rashid; how Harun al-Rashid himself is embodied anew; we look at personalities and see in these personalities the convergence of civilizations and cultures. If one looks at this European intellectual life, as it developed particularly in the 16th and 17th centuries, one will find Arabism everywhere in the newer forms. In everything that influenced Bacon, Arabism is present in a more resplendent manner. In everything that influenced Amos Comenius, one can still discern the deep Oriental inwardness.

[ 17 ] Was ich Ihnen so sage, ist keine Konstruktion. Denn diese Dinge werden wahrhaftig nicht gefunden auf die Art, daß man spekuliert, sondern können nur gefunden werden, wenn man sich ganz innerlich mit den entsprechenden Geistesentitäten verbindet und mit inspirierter Forschung aus dem einen Erdenleben ins andere Erdenleben hinüber den Weg sucht. Und so ist überhaupt, meine lieben Freunde, vieles von dem Arabismus durch die Verkörperung der Seelen in wiederholten Erdenleben in die neue Zeit herübergekommen. Es handelt sich nur darum, daß man niemals den Sinn solcher Forschung mißversteht.

[ 17 ] What I am telling you is not a mere construct. For these things are truly not discovered through speculation, but can only be discovered by connecting oneself deeply within to the corresponding spiritual entities and seeking the path from one earthly life to the next through inspired research. And so, my dear friends, much of this Arabism has been carried over into the modern era through the reincarnation of souls in repeated earthly lives. The only thing that matters is that one never misunderstands the purpose of such research.

[ 18 ] Ich sagte Ihnen, daß es sich nicht darum handelt, daß man dasjenige, was man gewöhnlich im materialistischen Leben für bedeutend hält, verfolgt. Da kommt nicht viel dabei heraus. Ich will Ihnen ein Beispiel dafür anführen. Ich hatte einen Lehrer — ich habe auch von ihm in meinem Lebensgang gesprochen —, der ein ausgezeichneter Geometrielehrer war. In einem gewissen Lebensalter fing er an, mich tief zu interessieren. Er hatte etwas Eigentümliches, eine geniale Einseitigkeit, hatte sonstige Eigentümlichkeiten, und durch den Inhalt seiner Seele in bezug auf die Geometrie konnte man den Weg zu seiner früheren Inkarnation nicht finden. Aber dieser im Konstruieren so ausgezeichnete Geometer hatte eine äußerliche Eigentümlichkeit: Er hatte einen Klumpfuß. Nun zeigt sich sehr häufig, wenn man solche Untersuchungen anstellt, die hinüberführen von einem Erdenleben in das andere, daß in der Tat alles dasjenige, was in dem einen Erdenleben mit der Entwickelung der Beine zusammenhängt, in einem anderen Erdenleben mit der Entwickelung des Hauptes zusammenhängt. Da geschieht eine merkwürdige Metamorphose mit den inneren Kräften, wie sie das eine Mal das Gliedmaßensystem konstituieren, das andere Mal das Hauptsystem.

[ 18 ] I told you that it is not a matter of pursuing what is usually considered important in materialistic life. There isn’t much to be gained from that. Let me give you an example. I had a teacher—I’ve also spoken of him in my autobiography—who was an excellent geometry teacher. At a certain stage in my life, he began to fascinate me deeply. He had something peculiar about him—a brilliant single-mindedness—as well as other peculiarities, and because of the nature of his soul in relation to geometry, it was impossible to trace the path to his previous incarnation. But this geometer, so outstanding in construction, had one outward peculiarity: he had a clubfoot. Now, it very often becomes apparent when one conducts such investigations that bridge one earthly life to another that, in fact, everything connected with the development of the legs in one earthly life is connected with the development of the head in another. A remarkable metamorphosis takes place with the inner forces, such that at one time they constitute the limb system, and at another time the head system.

[ 19 ] Ich setzte ein bei dieser Beinkrankheit, bei diesem Klumpfuß des Geometrieprofessors. Und siehe da, was geschah in der okkulten Forschung? Es brachte mich gerade der Blick, der auf dieses Gebrechen gerichtet war, mit einer anderen Persönlichkeit zusammen, die auch einen Klumpfuß hatte, nämlich mit Lord Byron. Und nun wußte ich: das hat mit Bezug auf wiederholte Erdenleben etwas miteinander zu tun. Und es war etwas in beider Kopf in einem früheren Erdenleben, das sie zu gemeinsamer Tätigkeit geführt hat, wenn sie auch in bezug auf ihre Erdentätigkeit in ihrer letzten Inkarnation nicht Zeitgenossen, aber fast Zeitgenossen waren. Ich bemerke ausdrücklich, daß ich, weil in den abgelaufenen Epochen vorzugsweise geschichtlich das männliche Leben gewirkt hat, auf die weiblichen Inkarnationen nicht eingehe. Das weibliche Leben beginnt erst zu wirken. In der Zukunft wird es ganz besonders von Interesse sein, gerade auf weibliche Inkarnationen Rücksicht zu nehmen. Aber für viele historische Persönlichkeiten ist die Sache so, daß man für manche Dinge die dazwischenliegenden weiblichen Inkarnationen, die aber auch da sind, wegläßt. Sie dürfen daraus nicht schließen, daß nicht weibliche Inkarnationen dazwischengelegen hätten; aber ich fasse solche Gesichtspunkte ins Auge, die einen zunächst zurückführen in die vorhergehenden männlichen Erdenleben. Da wurde ich durch diese beiden Persönlichkeiten, die sich mir zueinanderstellten, zurückgeführt in eine Zeit, in der sie — das genau zu bestimmen ist mir nicht möglich gewesen — entweder im 10. oder 11. nachchristlichen Jahrhundert im Osten von Europa in heutigen russischen Gegenden gelebt haben. Sie waren Kameraden. Und es war schon dazumal zu einigen Persönlichkeiten die Sage gekommen von der Wanderung des Palladiums in der Welt. Sie wissen vielleicht von diesem Palladium, einem Kleinod, an dem viel in der Zivilisation der Menschheit hängen soll: daß dieses Palladium zuerst in Troja war, dann in Rom, daß es Konstantin der Große unter großem Gepränge hinübergebracht hat nach Konstantinopel, darüber eine Säule zu seiner eigenen Glorifikation angebracht hat, an deren Spitze er ja sogar eine Apollofigur aufgestellt hat. An der Säule hat er einen Sternenkranz angebracht, in diesem Sternenkranz waren Hölzer, die er vom Kreuz Christi bringen ließ. Kurz und gut: alles zu seiner eigenen Glorifikation. Die Sage lauter, daß dieses Palladium einmal herübergetragen würde nach dem Norden und daß dann die Zivilisation, die nach Konstantinopel getragen wurde, sich nach Norden verpflanzen werde. Das hörten die beiden. Von Enthusiasmus wurden sie ergriffen, in Konstantinopel das Palladium zu erobern. Sie konnten es nicht. Aber sie unternahmen viel, um dieses Kulturkleinod nach dem Norden zu bringen. Nun sieht man ja, besonders bei dem einen, der dann im Westen wiederverkörpert wurde, wie er dasjenige, was im 19. Jahrhundert Byron im Enthusiasmus für die Freiheit hatte, als eine karmische Folge nach dem damaligen Streben nach dem Palladium in sich hatte. Die besondere Geisteskonfiguration könnten Sie verfolgen in alledem, was gerade mein Geometrielehrer in intimer Art zutage brachte: einen Freiheitssinn auf dem Gebiet der Wissenschaft — für denjenigen, der ihn erleben konnte.

[ 19 ] I began with this leg ailment, this clubfoot of the geometry professor. And lo and behold, what happened in my occult research? It was precisely my focus on this infirmity that brought me into contact with another figure who also had a clubfoot—namely, Lord Byron. And now I knew: this had something to do with repeated earthly lives. And there was something in both of their minds from a previous earthly life that had led them to work together, even though—in terms of their earthly activities in their last incarnation—they were not contemporaries, but were nearly so. I expressly note that, because in past epochs it has been primarily the male life that has had a historical impact, I will not go into detail about female incarnations. The female life is only now beginning to have an impact. In the future, it will be of particular interest to take female incarnations into account. But for many historical figures, the situation is such that, for certain matters, the intervening female incarnations—which do exist—are omitted. You must not conclude from this that no female incarnations occurred in between; however, I am focusing on those aspects that initially lead one back to the preceding male earthly lives. Through these two personalities, who presented themselves to me together, I was led back to a time when they—though I have not been able to determine this precisely—lived either in the 10th or 11th century A.D. in Eastern Europe, in what is now Russian territory. They were comrades. And even back then, the legend of the Palladium’s journey through the world had already reached certain individuals. You may know of this Palladium, a treasure upon which much of human civilization is said to depend: that this Palladium was first in Troy, then in Rome; that Constantine the Great had it brought to Constantinople with great pomp; that he erected a column in its honor for his own glorification, and at the top of which he even placed a statue of Apollo. He adorned the column with a wreath of stars, and within this wreath were pieces of wood that he had brought from the Cross of Christ. In short: all for his own glorification. The legend goes that this Palladium would one day be carried north, and that the civilization brought to Constantinople would then spread northward. The two men heard this. They were seized with enthusiasm to capture the Palladium in Constantinople. They were unable to do so. But they went to great lengths to bring this cultural treasure northward. Now one can see, especially in the one who was later reincarnated in the West, how he carried within himself—as a karmic consequence of his former striving for the Palladium—the very enthusiasm for freedom that Byron possessed in the 19th century. You can trace this particular spiritual configuration in everything that my geometry teacher, in particular, revealed in such an intimate way: a sense of freedom in the realm of science—for those who were able to experience it.

[ 20 ] So gehen die Wege von scheinbar Nebensächlichem, dem Klumpfuß, aus, um von da aus dann, von solchen Merkmalen aus, die man in dieser Art verfolgen kann, zu früheren Erdenleben der betreffenden Persönlichkeiten zurückzukommen. Überhaupt, man muß Sinn haben für innerliche Lebenskonfiguration, wenn man von den historischen Karmen sprechen will.

[ 20 ] Thus, the path begins with something seemingly trivial—a clubfoot—and from there, based on such characteristics that can be traced in this way, leads back to the earlier earthly lives of the individuals in question. In general, one must have a sense of inner life configuration if one wishes to speak of historical karmas.

[ 21 ] Ich möchte noch ein Beispiel anführen. In der Gegend, die man heute nennen würde den Nordosten Frankreichs, war im 8., 9. Jahrhundert eine Persönlichkeit, im damaligen Sinne eine Art wohlhabender Gutsbesitzer. Er war aber ein Abenteurer und unternahm in den benachbarten Gegenden Kriegszüge. Sowenig man das heute glauben würde, es geschah doch in der damaligen Zeit, er verließ Haus und Hof und unternahm in den Nachbargegenden mehr oder weniger glücklich Kriegszüge. Eines Tages kam er wieder zurück, und sein Gutshof war ihm von einem anderen geraubt worden; es saß ein anderer als Eigentümer da, der so viel Macht an Menschen und Waffen sich erobert hatte, daß er den früheren Besitzer fernhalten konnte. Und da der nicht fernbleiben konnte, wurde er Leibeigener dieses neuen Besitzers, beziehungsweise das, was später Leibeigener genannt wurde. So hat sich ein merkwürdiges Verhältnis bei diesen Menschen herausgebildet. Der frühere Eigentümer mußte sich geradezu umkehren. Auf dem Gut, auf dem er früher gesessen hatte, saß ein anderer, und in der Lage, in der früher der andere gewesen war, war er nun selber. Er hielt dann in den benachbarten Wäldern mit Gesinnungsgenossen allerlei nächtliche, Versammlungen würden wir es heute nennen, ab mit tiefem innerem Groll gegen den Räuber seines Besitzes und gegen Verhältnisse, die so etwas zulassen. Es ist interessant, hineinzuschauen in dasjenige, was dazumal aus tiefem Menschengroll gesprochen worden ist.

[ 21 ] I would like to give another example. In the region that today would be called northeastern France, there lived a man in the 8th and 9th centuries who, by the standards of the time, was a sort of wealthy landowner. He was, however, an adventurer and undertook military campaigns in neighboring regions. As hard as it may be to believe today, this was indeed the case back then: he left his home and estate and undertook military campaigns in neighboring regions, with varying degrees of success. One day he returned to find that his estate had been seized by another; a different man now sat there as the owner, having amassed enough power in terms of men and weapons to keep the former owner at bay. And since he could not stay away, he became a serf of this new owner—or rather, what would later be called a serf. Thus, a peculiar relationship developed among these people. The former owner was forced to turn his life completely upside down. Another man now sat on the estate where he had once lived, and he himself now found himself in the position that the other man had once occupied. He then held all sorts of nocturnal gatherings—as we would call them today—in the neighboring forests with like-minded people, driven by a deep inner resentment toward the usurper of his property and toward the circumstances that allowed such a thing to happen. It is interesting to look into what was spoken at that time out of deep human resentment.

[ 22 ] Nun gelang es mir, weiterzuverfolgen den Weg dieser beiden Menschen, die im 9. Jahrhundert durch die Pforte des Todes gegangen sind und im 19. Jahrhundert wieder erschienen sind. Der eine, der zuerst Gutsbesitzer war und dann seines Gutes beraubt wurde, das ist Karl Marx, der Begründer des Sozialismus im 19. Jahrhundert. So sehr die äußeren Umstände verschieden sind, durch Spekulieren und so weiter kommt man auf nichts. Aber wenn man gewisse Untergründe verfolgt, dann trifft man in jenem verschlagenen Gutsbesitzer des 9. Jahrhunderts auf die Seele des Karl Marx im 19. Jahrhundert. Der ihn da vertrieben hat, der ihm soviel Böses zugefügt hat, das ist sein Freund Friedrich Engels. Es handelt sich nicht um Sensation, es handelt sich darum, das Leben und die Geschichte zu verstehen aus den Zusammenhängen der Erdenleben.

[ 22 ] I was then able to trace the paths of these two individuals, who passed through the gates of death in the 9th century and reappeared in the 19th century. One of them, who was first a landowner and then stripped of his estate, is Karl Marx, the founder of 19th-century socialism. No matter how different the external circumstances may be, speculation and the like lead nowhere. But if one traces certain underlying currents, one encounters in that devious 9th-century landowner the soul of Karl Marx in the 19th century. The one who drove him out, who inflicted so much harm upon him, is his friend Friedrich Engels. This is not about sensationalism; it is about understanding life and history through the interconnections of earthly lives.

[ 23 ] Solche Dinge müssen auch empfindungsgemäß mit tieferem Ernste genommen werden, nicht mit irgendwelchen sensationellen Ambitionen. Da haben wir in diesem Beispiele ein Hereinleben geistigen Europäertums, aber in dieses Europäertum hat sich eben auch dasjenige eingegliedert, was durchaus aus dem Arabismus heraus gekommen ist. Es ist viel Arabismus in ganz anderer Form in der neueren Zeit vorhanden.

[ 23 ] Such matters must also be taken with a deeper sense of seriousness, not with any sensationalist ambitions. In this example, we see a living embodiment of spiritual Europeanism, but this Europeanism has also incorporated elements that have clearly emerged from Arabism. There is a great deal of Arabism present in a completely different form in more recent times.

[ 24 ] Nun, einer der Vorgänger des Harun al Raschid, einer der frühesten Nachfolger des Propheten Mohammed, ist Muawija im 7. nachchristlichen Jahrhundert. Eine merkwürdige Persönlichkeit, die viel gedürstet hat nach Eroberung nach dem Westen herüber, aber wenig ausgerichtet hat, die eine innere Sehnsucht nach dem Westen aufgenommen hatte, sie nicht ausleben konnte, den Zug nach dem Westen aber empfand, als sie durch die Pforte des Todes ging. Da war alles an dieser Persönlichkeit: der Zug nach dem Westen, Ausleben des Arabismus —, bis nach dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt dem Zug nach dem Westen Rechnung getragen war. Auch diese Individualität eines der frühesten Nachfolger des Propheten erschien wiederum als tonangebend in den Verhältnissen des 20. Jahrhunderts. In der Zeit, in der noch nicht unter dem Einfluß der Goetheanum-[ Weihnachts-]Tagung gesprochen wurde, habe ich mancherlei erwähnt, was seine Begründung hat in dem, was über wiederholte Erdenleben einer gewissen Persönlichkeit gesagt werden kann. Man hat wenig verstanden, was ich da gesagt habe. Denn schließlich lag die überzeugende Kraft, mit der das ausgesprochen wurde, in der Beobachtung eben der karmischen Verhältnisse durch Erdenleben hindurch. Denn Muawija ist wiedererschienen in unserer Zeit und hat als Woodrow Wilson den abstrakten Arabismus im äußeren Zivilisationsleben zur äußersten Ausprägung gebracht. Und wir sehen, wie in Woodrow Wilson eine Individualität auftrat, welche im stärksten Maße, besonders in den berühmten Vierzehn Punkten, den Arabismus auslebt in unserer Zeit. Was durch Woodrow Wilson an Unglück in unsere Zeit gekommen ist, das wird man am besten studieren, wenn man bis auf die Satzwendungen hin diese Punkte vergleicht mit gewissen Formulierungen im Koran. Dann werden Sie manches verständlich finden, dann werden Sie sehen, auf welche merkwürdigen Dinge Sie kommen, nachdem Sie erst wissen, wie der Zusammenhang in diesen Dingen ist.

[ 24 ] Well, one of Harun al-Rashid’s predecessors—one of the earliest successors to the Prophet Muhammad—was Muawiya in the 7th century CE. A remarkable figure who yearned deeply for conquest toward the West but achieved little; one who had embraced an inner longing for the West, yet could not fulfill it, but felt that pull toward the West as he passed through the gates of death. Everything was present in this personality: the pull toward the West, the living out of Arabism—until, after life, between death and a new birth, the pull toward the West was fulfilled. This individuality of one of the Prophet’s earliest successors also appeared, in turn, to set the tone in the circumstances of the 20th century. At a time when people were not yet speaking under the influence of the Goetheanum [Christmas] Conference, I mentioned various things that are grounded in what can be said about the repeated earthly lives of a certain personality. Little was understood of what I said there. For ultimately, the persuasive power with which it was expressed lay in the observation of precisely these karmic relationships across earthly lives. For Muawiya has reappeared in our time and, as Woodrow Wilson, has brought abstract Arabism to its utmost expression in the outer life of civilization. And we see how, in Woodrow Wilson, an individual emerged who, to the greatest degree—especially in the famous Fourteen Points—embodies Arabism in our time. The misfortune that has come into our time through Woodrow Wilson can best be studied by comparing these points—right down to the phrasing—with certain passages in the Qur’an. Then you will find many things understandable; then you will see what strange things you come across once you understand the connection between these matters.

[ 25 ] Heute ist es durchaus so, meine lieben Freunde, daß geschichtliche Betrachtung zur menschlichen Befriedigung nur dadurch möglich ist, daß wir Ernst machen mit den konkreten Erscheinungen der wiederholten Erdenleben, mit der Betrachtung des Karma und der inneren Zusammenhänge in den einzelnen Erdenleben der Menschen. Nachdem die Anthroposophische Gesellschaft durch zwei Jahrzehnte vorbereitet worden ist auf dasjenige, was unter dem Einfluß der Weihnachtstagung nun geschehen soll, darf wohl heute immer mehr und mehr dasjenige ausgeführt werden, was dazumal 1902 bei der Begründung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zunächst angekündigt war: «Praktische Karma-Übungen.» Diese praktischen Karma-Übungen sollen einen Teil bilden unseres anthroposophischen Lebens, aber nicht in sensationeller Weise, sondern so, daß sie die Grundlage werden für wirklich größere, stärkere Impulse, die da leben müssen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Betrachten Sie auch das, daß jetzt in dieser Weise gesprochen werden muß, als einen Ausfluß dessen, daß Esoterisches strömen muß durch die anthroposophische Bewegung, die in der Anthroposophischen Gesellschaft verkörpert ist. Aber seien wir uns auch klar darüber, mit welch tiefem Ernst solche Dinge betrachtet werden müssen. Werden sie mit diesem Ernste betrachtet, dann weben wir weiter an demjenigen, was begonnen wurde zu weben, als Lessing am Schlusse seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» auf die wiederholten Erdenleben hinwies. Denn lernen muß der Mensch wiederum aus einer tieferen intimen Betrachtung des Menschen, des Schicksals des Menschen, daß es durchaus wahr ist: Man schaut hinein durch Geisteswissenschaft in dasjenige, was die wahre Wesenheit des Menschen ist und was jederzeit, wenn er sich selber erkennt, die Worte sprechen kann: «Ist denn nicht die Ewigkeit mein?!» Aber man muß die Gliederung dieser Ewigkeit in den konkreten Tatsachen, in den Karma-Erwägungen, in den Schicksalsgliederungen des menschlichen, geschichtlichen Lebens erkennen.

[ 25 ] Today, my dear friends, it is certainly the case that a historical perspective that brings human fulfillment is possible only if we take seriously the concrete manifestations of repeated earthly lives, the consideration of karma, and the inner connections within the individual earthly lives of human beings. Now that the Anthroposophical Society has spent two decades preparing for what is to take place under the influence of the Christmas Conference, we may well now increasingly carry out what was first announced back in 1902 at the founding of the German Section of the Theosophical Society: “Practical Karma Exercises.” These practical exercises in karma are to form a part of our anthroposophical life, not in a sensational way, but in such a way that they become the foundation for truly greater, stronger impulses that must live within the Anthroposophical Society. Consider also the fact that we must now speak in this way as a manifestation of the need for esoteric teachings to flow through the anthroposophical movement, which is embodied in the Anthroposophical Society. But let us also be clear about the profound seriousness with which such matters must be regarded. If they are regarded with this seriousness, then we will continue to weave at what was begun when Lessing, at the end of his Education of the Human Race, referred to repeated earthly lives. For human beings must learn once again, through a deeper, more intimate contemplation of the human being and the destiny of humanity, that it is absolutely true: Through spiritual science, one looks into the true essence of the human being and, whenever one recognizes oneself, can utter the words: “Is not eternity mine?!” But one must recognize the structure of this eternity in concrete facts, in considerations of karma, and in the patterns of destiny within human, historical life.