Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge
Band VI
GA 240
6 Februar 1924, Stuttgart
Die Bedeutung der die Erde umgebenden Himmelskörper für das Leben des Menschen IV
[ 1 ] Gestatten Sie, daß ich mit einer anthroposophischen Auseinandersetzung beginne, um dann am Schluß mit einigen wenigen Worten zurückzukommen auf dasjenige, was mit der Weihnachtstagung gemeint war.
[ 2 ] Sie kennen aus den verschiedenen anthroposophischen Darstellungen die Bedeutung der die Erde umgebenden Himmelskörper für das Leben und Dasein des Menschen. Über ein besonderes Kapitel aus diesem Gebiete möchte ich heute zu Ihnen sprechen. Wenn wir den Blick umherschweifen lassen hier während unseres Erdendaseins auf alles dasjenige, was uns auf der Erde umgibt, und auch auf das, was uns im Weltenumkreise der Erde umgibt, so sehen wir eigentlich mit den physischen Sinnen, auch dann, wenn diese physischen Sinne zu den Sternen heraufschweifen, nur dasjenige, was zusammenhängt mit jenem Teile unserer menschlichen Wesenheit, den wir mit dem Tode ablegen. Wir wissen ja aus den verschiedenen anthroposophischen Darstellungen, daß der menschliche physische Leib seine Kräfte, auch seine substantielle Zusammensetzung aus demjenigen holt, was uns auf der Erde umgibt. Wir wissen ferner, daß wir außer dem physischen Leib in uns tragen einen Ätherleib und daß in gleicher Weise, wie der physische Leib seine Kräfte, seine substantiellen Bestandstücke der Erde entnimmt, so dieser Ätherleib seine Bestandstücke, seine Kräfte den Weiten des außerirdischen Weltenalls, der ätherischen Welt. Und diese ätherische Welt ist es ja, welche die Erde in den Raumesweiten umgibt, diese ätherische Welt ist es, in welche die Sterne eingebettet sind, aus der das Licht aus dem Weltenall auf die Erde herniederströmt. So verdanken wir unser physisches und unser ätherisches Dasein demjenigen, was wir entweder in unserer Erdenumgebung oder in der Weltumgebung der Erde schauen können, offenbar werden sehen. Aber innerhalb desjenigen, was uns als die Ätherumgebung der Erde im Weltenall umhüllt, sehen wir zunächst zwei Weltenkörper, die wir geradezu bezeichnen können als Tore in die geistige Welt hinein. Wir sehen die beiden Weltenkörper, den Mond und die Sonne. Diesen beiden Weltenkörpern, dem Monde und der Sonne, wurde von jeher von allen denjenigen, die mit ihrer Einsicht tiefer hineinschauen können in das Gefüge des Weltganzen, die denkbar größte Bedeutung für das menschliche Leben und Dasein beigelegt.
[ 3 ] Wenn wir den Menschen im anthroposophischen Sinne betrachten, so können wir ja wissen, wie außer dem physischen Leib und dem Ätherleib die astralische Wesenheit des Menschen und die Ich-Wesenheit in ihm vorhanden sind. Allein, wenn wir auf diese astralische und Ich-Wesenheit hinschauen, wir finden überall in den Weiten, die wir beobachten können mit den äußeren Sinnen — auch wenn wir, wie gesagt, den Blick in die Sternenwelt hinaufschweifen lassen —, nichts, was zunächst für die äußere Beobachtung ähnlich ist dem astralischen Wesen und dem Ich-Wesen des Menschen. Wir finden eben nur dasjenige, was ähnlich ist dem physischen und dem Ätherwesen. Nichts im sichtbar und offenbar werdenden, für unsere Sinne, für den Verstand offenbar werdenden weiten Weltenall, nichts liefert für den astralischen Leib und für die Ich-Wesenheit Bestandstücke, Kräfte. Aber eben in Mond und Sonne haben wir dennoch etwas, was wie Tore sich ausnimmt in diejenige Welt hinein, aus der unser astralischer Leib und unsere Ich-Wesenheit stammen.
[ 4 ] Sie haben ja verfolgt, wie in meiner «Geheimwissenschaft» und anderen Schriften auf einen Zeitpunkt hingewiesen worden ist, in dem sich der physische Mond losgetrennt hat von der Erde. Es ist darauf hingewiesen worden, wie der physische Mond mit der Erde einstmals _ einen Körper im Weltenall bildete, wie dann sich dieser physische Mond von der Erde abgetrennt hat. Allein diese physische Abtrennung oder auch ätherische Abtrennung, die ist nicht alles, was uns mit Beziehung auf das Mondendasein und auf das menschliche Leben beschäftigen soll, sondern wir haben es in der Abtrennung des Mondes zugleich zu tun mit einer bedeutungsvollen geistigen Tatsache. Und auf diese geistige Tatsache wollen wir einmal das Augenmerk lenken.
[ 5 ] Auch darauf habe ich ja öfter hingewiesen, wie in uralten Erdenzeiten der Mensch eine sogenannte Urweisheit besessen hat. Wir sind heute stolz auf unsere Verstandeseinsicht, auf unser sogenanntes Verstandes- und Beobachtungswissen. Nun ja, gewiß, dasjenige, was wir heute in dieser Art wissen, das hat eine ältere Menschheit nicht gewußt, dazu mußte die Erde erst eine gewisse Entwickelung durchmachen und der Mensch mit ihr. Erst durch diese Entwickelung konnte er seinen physischen, zum Nervensystem verfeinerten Leib so weit benützen, daß er eben Verstandeswissen erwerben kann. Das uralte Wissen der Menschheit war ein instinktives, kam auch in anderer Art zum Vorschein als zumeist das heutige Wissen. In mächtig einherrollenden dichterischen Formen prägte sich dasjenige aus, was in uralten Zeiten die Menschheit über die Geheimnisse der Welt wußte. Und in demjenigen, was traditionell erhalten ist, was man heute in den Dokumenten verfolgen kann, in dem ist eigentlich nur ein Nachklang vorhanden von dem Großartigen, Gewaltigen der Urweisheit, welche die Menschheit einmal auf der Erde besessen hat. Wir können aber heute in tiefes Erstaunen verfallen, wenn wir so etwas wie die morgenländischen Veden oder die Vedantaphilosophie auf uns wirken lassen. Wir bewundern die herrlichen Verse der Bhagavad Gita, wir sehen in all dem etwas Großes. Allein wir müssen uns bewußt sein: das sind doch nur die letzten Ausläufer von etwas viel Größerem, von etwas viel Gewaltigerem, das einmal für die Menschheit da war. Und dieses Große, Gewaltige, das einmal da war, die Menschheit verdankte es der Tatsache, daß sie damals mit Wesenheiten in Genossenschaft lebte, die in ihrem Dasein höher standen als die heutige Menschheit und auch natürlich als die damalige Menschheit, Wesenheiten, die nicht nach Art des heutigen Menschenleibes einen physischen Leib an sich trugen, Wesen, die nur im ätherischen Leibe auf der Erde herumwandelten, die aber dennoch ein mit den übrigen Menschen gemeinsames Leben führten.
[ 6 ] Da diese Wesen keinen physischen Leib hatten, konnten sie natürlich nicht in der Art mit den Menschen sprechen, wie wir es heute gewohnt sind, daß von einem Menschen zum anderen gesprochen wird. Aber in gewissen Bewußtseinszuständen fühlten die Menschen der Urzeiten — und schließlich waren wir das ja alle selber in unseren früheren Erdenleben —, wir also, kann ich sagen, fühlten in den Urzeiten der Erdenentwickelung in besonderen Bewußtseinszuständen, wie innerlich Empfindungen, Gedanken auftauchten, von denen man wußte: sie stammen nicht von dem Menschen selber, der sie hegt, ebensowenig wie das von uns selber heute stammt, was wir durch sprachliche Mitteilung von einem anderen hören. Auf geistige Art wurde von den auf der Erde herumwandelnden ätherischen Übermenschen, könnte man sagen, eininspiriert den Menschen das viel höhere, viel gewaltigere Wissen, das diese Wesenheiten hatten. Umgang also mit Wesenheiten nicht physischer Art hatten wir in früheren Erdenleben in den irdischen Urzeiten. Diese Wesenheiten, sie sind heute nicht mehr da. Sie sind schon seit langen Zeiten nicht mehr innerhalb des irdischen Lebens. Sie haben sich von dem Umgang mit den Menschen zurückgezogen, und die Menschheit hat spärliche Überreste von dem, was sie einstmals durch diese Urzeitwesen von Geheimnissen des Weltenalls erfahren hatte, spärliche Überreste hat die Menschheit aufbewahrt in den verschiedenen Dokumenten. Und eigentlich kann man sagen, daß sie diese spärlichen Überreste auch kaum mehr versteht.
[ 7 ] Wohin haben sich diese Wesen der Urweltzeiten zurückgezogen? Sehen Sie, geradeso wie der physische Mond sich von der Erde abgetrennt hat, so haben sich in Gemeinschaft mit diesem physischen Weltenkörper des Mondes diese Wesenheiten hinaus in das weite Weltenall zurückgezogen. Ich habe ja über etwas Ähnliches schon gesprochen. Wir wollen heute ein Weiteres über diese Wesenheiten kennenlernen, so daß — wenn wir den Blick hinauflenken auf diesen Weltenkörper des Mondes — wir uns sagen können: Der wird bewohnt von Wesenheiten, die einstmals die Genossen der Menschheit auf der Erde waren und die sich in diese Mondenkolonie zurückgezogen haben. Mit dem äußeren Menschen, der in seinem physischen Leibe auf der Erde lebt, haben diese Wesenheiten zunächst scheinbar keinen Zusammenhang; aber sie haben ihn doch. Und eben auf diesen Zusammenhang wollen wir einmal hinweisen. Daß diese Wesenheiten in irgendeiner Art mit der menschlichen Vergangenheit zusammenhängen, können wir ja schon daraus entnehmen, daß sie in vergangenen Zeiten eben die Genossen der Menschheit auf Erden waren. Und sie sind mit der Vergangenheit des Menschen verknüpft geblieben.
[ 8 ] Wenn wir den Menschen betrachten, wie er sein Leben innerhalb des physischen Leibes auf der Erde hier vollendet, dann finden wir, daß sich in dieses Leben hineinwebt dasjenige, was wir das Schicksal nennen. Dieses Schicksal, das man gewohnt worden ist mit dem orientalischen Namen Karma zu bezeichnen, es nimmt sich als etwas recht Geheimnisvolles im menschlichen Leben aus. Aber man betrachtet dieses Geheimnisvolle nicht immer in seinen bedeutungsvollen Zusammenhängen. Denken Sie einmal: In einem bestimmten Alter treffen aufeinander zwei Menschen. Sie haben sich vorher nicht gesehen. Von dem Zeitpunkte an, da sie aufeinandertreffen, tritt in ihr Leben etwas ein, das mit ihrer Gemeinsamkeit zusammenhängt. Sie erkennen einander sozusagen, und sie wissen, daß sie nun viel miteinander zu tun haben werden. Wenn aber solche Menschen dann zurückschauen auf das Leben, das sie auf der Erde seit ihrer Kindheit vollbracht haben, dann nimmt sich, wenn sie nur vorurteilslos genug die Sache ansehen, alles das, was sie getan haben bis zu dem Zeitpunkte, wo sie sich getroffen haben, außerordentlich sinnvoll in der Richtung aus, daß es ihnen sich zeigt, wie sie eigentlich jeden Schritt ihres Lebens seit ihrer Kindheit so angeordnet haben, als ob sie den Weg bis zu dem Orte hin von Anfang an hätten nehmen wollen, bis zu dem Orte, an dem sie sich dann treffen. Man blickt zurück von diesem Momente, wo man einen anderen getroffen hat, mit dem man dann Gemeinsamkeit pflegt, man blickt zurück —, und das vorangegangene Erdenleben, es nimmt sich wirklich oftmals so aus, daß man sich sagen kann: Da ist mein Ausgangspunkt in einer fernen Kindheit, aber ich habe jeden Schritt so gemacht, daß mein Weg mich zuletzt dahin führen mußte, wo ich den anderen treffe. Alles dasjenige, was ich in so sinnvoller Weise getan habe, alles das ist ja ganz unbewußt geschehen; dasjenige, was bewußt geschah, tritt erst ein nach dem Treffen, aber das Unbewußte schließt sich in einer wunderbaren Weise mit dem Bewußten in eins zusammen, Und es ist ein großer Unterschied in dem Weben des Schicksales mit Bezug auf dasjenige, was wir so unbewußt als unseren Erdenweg angeordnet haben, um den anderen zu treffen, und dasjenige, was wir dann vollbringen, wenn wir ihn getroffen haben. Da ist er vor uns, da sehen wir ihn, da verstehen wir dasjenige, was er spricht, da richten wir unsere Handlungen nach dem ein, wie er sich äußert, wie er uns im äußeren Leben entgegentritt, da führen wir mit ihm ein gemeinsames Leben, das zugänglich ist unseren Sinnen, unserem Verstande. Aber wir werden sehen, wie sich in dieses gemeinsame, nun unseren Sinnen und unserem Verstande zugängliche Leben doch eben unbewußt wieder hineinmischt auch dasjenige, wie wir gegangen sind bis zu dem Zeitpunkte, wo wir uns getroffen haben. Wir können fragen: Was wirkt und lebt in all diesen Richtungen, in all diesen Kräften, mit denen wir uns zu dem anderen hinbewegen?
[ 9 ] Es kann auch irgendein Ereignis sein, zu dem wir uns hinbewegen. Alles Schicksalsmäßige kommt dabei in Betracht. Wir werden finden, daß da ein großer Unterschied ist im Erleben zwischen der einen Sorte von Erlebnissen und der anderen. Wir können nämlich auf zweifache Art im Leben einem Menschen gegenübertreten. Bei der einen Art bekommen wir sogleich die Empfindung — oder wir bekommen sie, nachdem wir nachher Bekanntschaft geschlossen haben mit einem Menschen oder dem Ereignis —, die Empfindung, die wir in unseren Willen aufnehmen. Wir lernen den Menschen kennen; das, was er ist, was er mit uns nun gemeinsam tut, es ist so, daß wir es willenshaft in uns selber empfinden. Daß wir vor allen Dingen so denken wollen, wie er denkt, so fühlen, wie er fühlt, so wollen, wie er will. Ja, wir fühlen: Dieser Mensch beginnt in uns selber zu kraften. Wir fühlen ihn im Inneren. Er rüttelt etwas auf in unserem Inneren, das von ihm kommt, das aber doch in unserem Willen lebt, das vom Willen aus unser Gemüt durchzieht. Wir lernen sogar uns selber auf diese Art besser kennen, indem wir unserem Wollen und dem tiefer mit dem Willen zusammenhängenden Gefühl das anempfinden: der Mensch ist eigentlich nicht nur da, um auf uns von außen zu wirken, wenn wir ihn anschauen, sondern der rührt und rüttelt etwas in uns auf, was in uns selber ist. Das ist die eine Art, wie wir Menschen schicksalsmäßig im Leben entgegentreten.
[ 10 ] Die andere Art ist diese, wo weniger in uns selber aufgerüttelt wird bei der Bekanntschaft mit den Menschen, wo wir den Menschen mehr von außen anschauen, wo wir ihn beurteilen nach dem Verstandeseindruck, den er auf uns macht, nach dem ästhetischen Eindruck, den er auf uns macht. Bedenken Sie, was für ein großer Unterschied ist zwischen diesen beiden Arten, mit anderen Menschen bekannt zu werden.
[ 11 ] Denken Sie sich nur: Sie werden mit dem einen oder anderen Menschen bekannt, kommen dann irgendwo anders hin, und Sie sind versucht zu reden über diese Ihre Bekanntschaft, beziehungsweise über den anderen Menschen, mit dem Sie bekannt geworden sind. Diese Art, wie man da redet, die unterscheidet sich ganz beträchtlich für unsere Menschenbekanntschaften im Leben. Das eine Mal reden wir so, daß jeder merkt, wir sind bei unseren Worten dabei, wir geben etwas von uns selber, indem wir von dem anderen Menschen reden — und wir reden Dinge, die den anderen Menschen gar nicht verständlich sind. Wir reden in schönen Worten von dem anderen Menschen, aber er ist häßlich, und da sind Menschen in der Umgebung, die können das gar nicht begreifen, daß wir so reden, denn auf sie macht der Mensch den Eindruck des Häßlichen. Sie können nicht fassen, wie wir in Hymnen über einen Menschen reden, den sie für häßlich ansehen. Aber uns geht das gar nichts an, was die anderen nach einem äußerlich-ästhetischen Eindruck als häßlich an ihm finden, wir reden nicht von dem, was den Eindruck wiedergibt, den er von außen macht. Wir reden von dem, was er in uns aufgerührt und aufgerüttelt hat, was von uns ist, und was wir von diesem Menschen reden, braucht nicht zu stimmen mit dem Eindruck, den andere Menschen haben.
[ 12 ] Bei anderen Menschen wieder ist es anders. Da haben wir ein gutes Gesicht dafür, ob sie schön oder häßlich sind. Da reden wir so, daß man sieht: der Verstandeseindruck, der Sinneseindruck, der ästhetische Eindruck sind maßgebend. Wir reden so, daß wir vielleicht sagen: Das ist ein Prachtskerl! Sie wissen, es gibt im Leben Bekanntschaften, wo es uns gar nicht einfällt, in dieser äußerlichen Weise über einen Menschen zu reden, Wir reden auch so, daß die anderen die Sache sogleich verstehen können, wenn sie den Menschen auch kennen oder wenn sie ihn kennenlernen.
[ 13 ] Diese zwei Arten, das Zusammentreffen mit Menschen zu schildern, überhaupt anzusehen, diese zwei Arten gibt es eben einfach. Nur ist die erste Art diejenige, die zurückweist darauf, daß beim Zusammentreffen mit dem Menschen aufgerührt und aufgerüttelt wird in uns das weitere Zusammenleben im früheren Erdendasein. Daß etwas zurück weist auf frühere Inkarnationen, in denen wir gemeinsam mit diesem Menschen gelebt haben, das ist es, was dann in dieser Weise empfindungsgemäß zutage tritt bei der ersten Art der Beurteilung eines Menschen. Und bei der zweiten Art ist es so, daß wir äußerlich urteilen, urteilen in einer solchen Weise, wie es die anderen auch verstehen können, weil wir eben nicht in früheren Erdenleben mit diesem Menschen zusammen waren, vielleicht erst in diesem Erdenleben das allererste Mal zusammentreffen.
[ 14 ] Wenn man dann aber mit geistiger Einsicht prüft, was diesem Schicksalsmäßigen, das in dem ersten Fall in einer so charakteristischen Weise auftritt, zugrunde liegt, dann finden wir, daß dem Menschen einverwoben wird, bevor er zum physischen Erdendasein heruntersteigt — indem er sich vor diesem Heruntersteigen, nachdem er andere Sphären durchgemacht hat, durch die Mondensphäre bewegt —, einverpflanzt wird in seinen astralischen Leib dasjenige, was sein gemeinsames Karma mit anderen Menschen ist; einverpflanzt wird es ihm für sein heutiges Erdendasein von denjenigen Menschengenossen, welche einstmals auf der Erde mit den Menschen gelebt haben, so wie ich es Ihnen vorher geschildert habe, und welche sich zurückgezogen haben nach dem Mondendasein. Das sind die Wesenheiten, durch deren Sphäre wir hindurchgehen, bevor wir heruntersteigen in das Erdendasein. Das sind die Wesenheiten, die seit jener Zeit, seit sie die Erde, seit sie die Menschengenossenschaft verlassen haben, sich beschäftigen mit dem Aufzeichnen des Schicksales, das die Menschen gemeinsam miteinander leben. Und so ist es, daß wir zurückschauen können auf dasjenige, was in uns ist, was da rumort, wenn wir auf die erste Art einen anderen Menschen treffen, daß wir dasjenige, was da in uns ist, zugleich finden in jenen großen Schicksalsbüchern, welche diese Mondenwesen mit ihrer Erkenntnis der menschlichen Erdenleben vollschreiben. Das sind Bücher, die im Geistigen geführt werden. Das sind Bücher, die alles enthalten, was wir mit anderen Menschen gemeinsam durchlebt haben. Gemeinsam lesen wir, indem wir die Mondensphäre passieren, in diesen Büchern dasjenige, was wir dann heruntertragen, und mit dem, was wir in diesen Büchern gelesen haben, richten wir uns unseren Weg ein, den wir hinorientieren — vielleicht fünfundzwanzig bis dreißig Jahre —, bis wir denjenigen finden im Erdendasein, von dem geschrieben stand in den Mondenbüchern, bevor wir heruntergestiegen sind auf die Erde, daß wir dieses oder jenes in vergangenen Erdenleben mit ihm durchgemacht haben.
[ 15 ] So wunderbar sind die geheimnisvollen Zusammenhänge im Weltenall eingerichtet. Und so müssen wir mit einem vertieften Gefühl, mit einem durch Anthroposophie vertieften Gefühl hinaufschauen zu dem Mondendasein und nicht nur dasjenige ins Auge fassen, was uns eine physische Wissenschaft beschreibt vom Monde, sondern dasjenige ins Auge fassen, was eine Geisteswissenschaft uns über das Geistig-Seelische, über das Geistige des Mondes sagen kann. Wenn man doch nur einmal bedächte, wie sich überall die Gleichnisse finden für dasjenige, was verständlich macht diese Weltensphäre! Mit Bezug auf das irdische Gleichnis gibt es heute ein Wissen, das für das Leben ja nicht beachtet wird; aber es ist immerhin als Wissen da.
[ 16 ] Es wurde auch in unseren Reihen schon öfter betont: Der Mensch wechselt seinen physischen Stoff alle sieben bis acht Jahre einfach aus. Sie wissen ja, der Mensch stößt nach außen den physischen Stoff an seiner Haut ab, er schneidet sich die Nägel, die Haare. Das alles weist uns darauf hin und es ist auch so, daß der Mensch von dem Zentrum seines Wesens den Stoff immer vorschiebt und immer Neues sich nachschiebt. Was Sie heute von Ihrem Nagel abschneiden, das war vor sieben oder acht Jahren eine Substanz inmitten Ihres Organismus, das schieben Sie sich vor, das geht dann weg. Physische Stofflichkeit wird erneuert. Ja, es ist so, für diejenigen, die schon dagesessen haben vor zehn Jahren, ist es so, daß sie sich nicht einbilden dürfen, daß dieselben Muskeln und dieselben substantiellen Bestandteile, die damals auf diesen Stühlen saßen, heute wieder dasitzen. Von alledem ist nichts vorhanden; aber ihr Geistig-Seelisches ist vorhanden, das ist wieder da. Ebenso ist es aber, wenn wir nach den Weltenkörpern hinausblicken. Der physische Beobachter will nur nach der physischen Substanz hinsehen und redet so, als ob der Mond, der da oben ist, derselbe wäre, der sich einmal seiner physischen Substanz nach von der Erde getrennt hat. Das ist geradeso ein Unsinn, wie wenn Sie glauben würden, daß diese Muskeln, diese physischen Bestandteile, die vor zehn Jahren auf diesen Stühlen saßen, heute auch dasitzen würden. Es dauert allerdings länger bei den Weltenkörpern, bis die Substanzen sich austauschen, aber sie tauschen sich aus. Der physische Mond, von dem die physische Wissenschaft spricht, ist nicht etwas, von dem man so reden kann, wie man gewöhnlich redet. Was da geblieben ist, das sind die geist-seelischen Wesenheiten, die auf der Erde Mitbewohner der Menschen waren. Dasjenige, was das Mondendasein darstellt, auf dem sie leben, das hat sich als physische Substanz ausgetauscht. Die Wesenheiten geistig-seelischer Art, die eigentlich das Mondendasein in Wirklichkeit bilden — so wie Ihr geistig-seelisches Dasein den Zusammenhang Ihres Wesens von vor zehn Jahren mit heute bildet —, diese geistig-seelischen Wesen sind diejenigen, die gewissermaßen unsere Vergangenheit registrieren.
[ 17 ] Dasjenige, was man in dieser Weise darstellen kann, das läßt sich noch vertiefen, wenn man versucht, es mit der Initiationswissenschaft darzustellen. Ich habe bisher es so dargestellt, daß ich Sie darauf hingewiesen habe, wie dasjenige, was in uns zu rumoren anfängt bei Bekanntschaften der ersten Art, das ist, was die Mondenwesenheiten uns aus ihren Büchern haben lesen lassen, bevor wir zur Erde herabgestiegen sind. Der Initiierte, der nimmt dasjenige, was in dieser Art ihm im Leben entgegentritt, noch auf eine ganz andere Art wahr. Auch er trifft im Leben einen anderen Menschen: Während für das gewöhnliche Bewußtsein nur die innerliche Empfindung da ist, daß man den anderen Menschen in den Willen aufnimmt, ihn nicht nach dem äußeren Eindruck beurteilt, tritt für den Initiierten das ein, daß tatsächlich anschaubar für ihn wird dasjenige, was frühere Erdenleben der Persönlichkeiten waren, die ihm da entgegentreten. Da tritt nicht nur dieser physische Mensch auf mit seinem geistig-seelischen Inhalte, sondern gewissermaßen hinter ihm schattenhaft früheres Erdenleben, vielleicht mehrere frühere Erdenleben. Man lernt einen Menschen so kennen, daß einem gegenübertritt aus dem geistig-seelischen Anschauen eine ganze Reihe von Menschen. Man lernt zugleich mit einer Bekanntschaft eine ganze Reihe von Personen kennen, die so gegenständlich sind, wie der Mensch gegenständlich ist, den man im Physischen vor sich hat. In Zivilisationen, in denen man von solchen Dingen noch etwas geahnt hat, hat man sogar solche Dinge gemalt. Denken Sie, es gibt doch alte Bilder, wo Sie eine Menschengestalt haben, hinter ihr eine zweite etwas erhöht, hinter ihr eine dritte etwas erhöht. Das ist dasjenige, was man malerisch festhalten wollte von dem Eindruck, den der Initiierte durch eine Bekanntschaft hat, die so an ihn herantritt, daß das betreffende Menschenwesen ihm nicht nur das Anschauen aufgehen läßt, das es ihm im gegenwärtigen Erdenleben entgegenbringt, sondern das, was es ihm entgegenbringt aus vergangenen Erdenleben. So daß dasjenige, was nur eine Art Gefühl und Empfindung ist für das gewöhnliche Bewußtsein, auftritt in heller Anschaulichkeit für das initiierte Bewußtsein. Und es darf im Sinne der. Geisteswissenschaft gesagt werden, daß die Sache in der Tat so ist: dasjenige, was da in einem Menschen karmisch mit ihm verbunden ist und für den Initiierten als Anschauung auftritt, das tritt als dunkles Gefühl auf, wenn nicht die Initiation, sondern wenn das gewöhnliche Bewußtsein da ist.
[ 18 ] So können wir das, was aus unserer Vergangenheit wirkt und webt in unserem Schicksal, das in uns befindliche Mondenhafte nennen. Wir blicken zurück auf unsere Erdenleben: das Mondenhafte wirkt in uns. Es wirkt so, daß wir, in den wir Menschen gegenübertreten, eigentlich immer einem Vielfachen dann entgegentreten, wenn diese Menschen mit uns karmisch verbunden sind. Für den Initiierten ist eine so geartete Bekanntschaft gewissermaßen eine solche mit mehreren Menschen in ihm, wenigstens mehrerer Menschenleben in ihm. Denn diese Bekanntschaft mit den früheren Leben ist zumindest eine ebenso lebendige wie mit dem gegenwärtigen Leben des anderen Menschen.
[ 19 ] Nun betrachten wir einmal jene andere Art von Bekanntschaften, wo wir den Menschen mehr beurteilen nach dem äußeren Eindruck, mehr nach dem, was unser Verstand über ihn sagt, was unsere Sinne über ihn sagen, was jeder gleich versteht, nach dem ästhetischen Eindruck und so weiter. Da führt, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich betrachtet, nichts zurück in die Vergangenheit, da sind keine Wesen da, welche den Weg bis zu dieser Bekanntschaft hin im Erdenleben vermitteln innerhalb der Mondensphäre; da ist auch nichts eingeschrieben worden innerhalb der Mondensphäre in den astralischen Leib des Menschen. Aber da wirken eben andere Kräfte. Da wirken die Kräfte, die als geistig-seelische Kräfte nun mit dem Sonnendasein zusammenhängen. Die Kräfte, die geistig-seelischen Kräfte des Sonnendaseins wirken herunter auf diese zweite Art der Bekanntschaft und weben von einer anderen Seite her das Schicksal. Ja, für eine geistige Betrachtung ist es schon so, als ob wir, ich möchte sagen, wie die geheimnisvolle Nacht zunächst dasjenige erlebten, was uns zu Menschen hinführt, mit denen wir in vergangenen Erdenleben manches vollbracht haben. Dann treten wir diesem Menschen selber entgegen: Jetzt richten wir uns mehr nach dem, was er als Eindruck in uns hervorruft, jetzt ist es, wie wenn an Stelle der geheimnisvollen Nacht die Tageshelle träte, die Sonne aufträte. Es ist auch geistig so: jetzt tritt auf für diejenigen, die schon lange karmisch zusammengehören, jetzt tritt auf für sie nicht nur die Vergangenheit, sondern Gegenwart und Zukunft. Das Schicksal wird weiter gewoben. Geistig-Sonnenhaftes tritt an den Menschen heran.
[ 20 ] Aber auch für diejenigen, die nichts miteinander durchgemacht haben in früheren Erdenleben, auch für die tritt dieses Geistig-Sonnenhafte auf für das Weben der Schicksale in Gegenwart und Zukunft. Und wiederum: derjenige, der mit der Initiationseinsicht so etwas betrachtet, lernt einen Menschen, mit dem er in früheren Erdenleben nicht beisammen war, sondern mit dem er das erste Mal oder ein erstes Mal zusammenkommt, nicht so kennen, daß er hinter ihm die schattenhaften Erdenleben erblickt. Aber er erblickt, indem er dem Menschen so entgegentritt, hinter diesem Menschen Wesenheiten der höheren Hierarchien, Wesenheiten von der Art, die der Mensch noch nicht erreicht hat. Angeloi, Archangeloi, die treten jetzt hinter dem Menschen auf. Innerhalb der Initiationseinsicht ist es ein großer Unterschied, ob man einem Menschen entgegentritt, mit dem man schon beisammen war, oder ob man ihm zum ersten Male entgegentritt. War man mit ihm viel zusammen, so erscheinen hinter ihm seine früheren Erdenleben. War man nicht mit ihm beisammen, dann erscheinen in seinem Hintergrunde Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchien, nämlich solche Wesenheiten, welche mit den Sonnenstrahlen, mit dem Sonnenstrahlenleuchten zu uns auf die Erde niederdringen. Und ebenso wie die Mondenwesen das Karma, das vergangen ist, in unseren astralischen Leib einverweben, wird von dieser Schar der Sonnenwesen in unsere IchOrganisation einverwebt — in die unterbewußte Ich-Organisation der Ich-Wesenheit des Menschen — dasjenige, was sich abspielt, nachdem wir einen anderen Menschen hier auf der Erde getroffen haben: das, was die Grundlage ist für weiteres Karma in die Zukunft hinein. Gegenwart verwandelt sich ja fortwährend in Zukunft. Was jetzt noch Gegenwart ist, ist für den vorhergehenden Augenblick die Zukunft gewesen. So daß eigentlich unsere Entwickelung von der Vergangenheit in die Zukunft läuft.
[ 21 ] Dasjenige, was wir beim Menschen so fortschreitend sehen von der Vergangenheit in die Zukunft, das sehen wir in seinem Gegenbilde im Kosmos draußen, indem wir den über den Himmel schreitenden Mond betrachten und dann in seinem Gefolge oder vorausgehend die Sonne. Wie Sonne und Mond in ihrem Lauf um die Welt, so verhalten sich Vergangenheit und Zukunft im Verlauf des menschlichen Lebens in dem geheimnisvoll gewobenen Schicksal. Geradeso wie man sich mit der Initiationswissenschaft beim Begegnen eines Menschen sagt, aus tiefstem, bewegtem Gefühl heraus sagt: Das, was du da hinter ihm schaust, was die Mondenwesen in seinen astralischen Leib eingezeichnet haben, das gehört dir ebenso an wie ihm, durch das bist du mit ihm zusammengewachsen, so sagt man sich, wenn man mit der Initiationswissenschaft einen Menschen in der Welt zum ersten Male trifft: Da stehen Angeloi, Archangeloi hinter ihm. Jeder weist gewissermaßen mit dem Finger auf die Zukunft hin. — Viele Möglichkeiten treten da auf, Möglichkeiten eines kommenden schicksalsgemäßen Lebens.
[ 22 ] Sehen Sie, wenn man in dieser Art den Blick hinausrichtet in die Weltenweiten, dann erscheinen einem eben Mond und Sonne als die beiden Tore in die geistige Welt hinein. Und man sagt sich: Dasjenige, was in der physischen Erdenumgebung ist, es lebt in meinem physischen Leibe augenblicklich; dasjenige, was in den weiten Äthersphären ist, wo die Sterne sind, es lebt in meinem Ätherleibe. Aber wenn ich zum Mond hinaufblicke, zur Sonne, dann blicke ich auf zu dem, was weder in meinem physischen Leibe ist, noch zu dem, was in meinem Ätherleibe lebt, sondern zu dem, was in meinem Astralischen lebt und was mein Ich durchkraftet. Da werden wir durch das Mondendasein aus der physischen und Ätherwelt hinaus in die geistige Welt hinein geführt. Und wiederum, wenn man zur Sonne hinaufschaut, so sagt man sich: Da werde ich durch dasjenige, was als Geistig-Seelisches zur Sonne gehört, durch ein Tor geleitet, das mich hineinweist in eine Welt, die gleichartig ist mit meiner Ich-Wesenheit; nicht bloß in eine Welt, die gleichwertig ist mit meinem physischen und astralischen Leibe, sondern die gleichwertig ist sogar mit meiner Ich-Wesenheit, durch die ich als bewußtes Wesen in der Welt auftrete mit demjenigen, was uns in unser Schicksal wie eine Notwendigkeit gewoben erscheint, dem wir folgen, weil wir diese oder jene physischen Anlagen, dieses oder jenes Temperament, diesen oder jenen Charakter haben. Dies ist alles nur Ausdruck für unser Karma. — In allem, dem wir als der Notwendigkeit unseres Leibes folgen, in all dem, was der Dichter ausspricht mit den Worten: «So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehn» — in all dem lebt die menschliche Vergangenheit des Mondendaseins. Und in alledem, was als Freiheit in uns lebt, so daß wir eingreifen — wir wollen es aus unserer vollen Besonnenheit heraus —, da wirkt das Sonnendasein.
[ 23 ] So webt sich Naturdasein und moralisches Dasein vor einer geistigen Betrachtung in eins zusammen. Wir haben vor einer solchen geistigen Betrachtung nicht auf der einen Seite die Natur mit ihrer starren Notwendigkeit und auf der anderen Seite das Geistig-Seelische, das damit keine Verbindung eingehen kann, sondern als eine abgezogene moralische Weltordnung daliegt, nein, wir haben diesen Gegensatz nicht, wir haben die Möglichkeit, in den Erscheinungen der Natur zu gleicher Zeit das zu finden, was in uns moralisch lebt. Allerdings müssen wir dann von den gewöhnlichen Naturerscheinungen hinausschreiten zu demjenigen, was sich uns darstellt im geistigen Sonnen- und Mondendasein.
[ 24 ] Sehen Sie, vor einer solchen Betrachtung taucht überhaupt auf diese Möglichkeit, aus dem Naturdasein des Menschen aufzusteigen zum geistig-seelischen Dasein. Wir blicken ja auch so in die Natur hinaus, daß, indem wir hinausblicken — wenn wir das auch nicht zu durchschauen vermögen mit dem gewöhnlichen Bewußtsein —, wir auf dasjenige hinausblicken, was in unserer Erdenumgebung oder auch in der Weltenumgebung uns die Krankheit bringt. Da ist es überall in unserer Umgebung. Unser Organismus für sich ist ja gesund, denn der ist aus seinem gesunden Ich, aus seinem gesunden astralischen Leib und eigentlich auch aus dem gesunden Ätherischen heraus geboren. Hier auf der Erde kann uns krank machen nur irgend etwas, was von außen an den Menschen herantritt und was der Mensch nicht in der Lage ist, gemäß seinem inneren Wesen voll umzuwandeln. Bei den einfachsten Erscheinungen können Sie das beobachten. Nehmen Sie bloß an, Sie seien irgendwie in einem so und so warmen Raum oder auch kalten Raum, so nehmen Sie Wärme oder Kälte auf. Die darf nicht durch Sie hindurchgehen wie durch ein Stück Holz oder durch ein Stück Stein. Sie stellen sich in einen warmen oder kalten Raum nicht hinein wie ein Stück Holz oder Stein und werden dadurch auch wie das Holz oder der Stein warm und kalt, sondern Sie verarbeiten die Wärme, die außer Ihnen ist. Das Äußere regt Sie nur an; die Wärme, die Sie in sich tragen, die erzeugen Sie in sich selber in Ihrer Organisation. Können Sie das aber nicht, stellen Sie sich in Ihre Umgebung so hinein wie ein Stück Holz oder Stein und behandelt Sie Ihre Umgebung so wie ein Stück Holz oder Stein, dringt ein Äußeres in Sie ein, ohne daß Sie es umwandeln können: sogleich werden Sie erkältet. Der Mensch kann nicht die Umgebung der Erde unverwandelt in sich aufnehmen, auch nicht mit den Nahrungsmitteln. Das ist nur eine wissenschaftliche Phantasie, wenn man das glaubt. Der Mensch verwandelt das Essen ebenso wie alles, was in seiner Umgebung ist. Kann er es nicht, dann tritt die Krankheit an ihn heran: das ist die physische Ursache der Krankheit. Die Krankheit hat aber auch etwas Schicksalsmäßiges, sie stellt sich hinein in sein Leben als etwas Schicksalsmäßiges.
[ 25 ] Ja, sehen Sie, wenn wir in diesem einen Erdenleben zunächst so sind, wie wir jetzt dastehen von irgendeinem Jahre im 19. oder 20. Jahrhundert bis zum 6. Februar 1924, wenn wir in diesem einen Menschenleben stehen, dieses nur betrachten, ja dann können wir schon sagen: Wir müssen, wenn wir innerhalb dieses Lebens durch die Umgebung krank werden wollen, die Umgebung robust auf uns einwirken haben. Mindestens Wärme oder Kälte oder auch irgendwelche schädliche Luftarten oder dergleichen müssen auf uns einwirken. Es muß etwas Robustes sein, was von außen kommt, das auf uns einwirkt und zur Krankheit wird. Wenn man eine Tollkirsche bloß ansieht, so vergiftet man sich nicht mit ihr. Wenn man irgendeine schädliche Luftart nur genügend weit von sich hat, so vergiftet man sich auch nicht mit ihr, macht sich nicht krank. Kurz, wenn man bloß den Eindruck hat für das Seelische, so macht man sich nicht krank. Da muß eine robustere Einwirkung geschehen.
[ 26 ] Aber nehmen Sie jetzt folgendes an. In der Gegenwart gibt es so viele Menschen, die ganz materialistisch leben, die auch nur materialistische Eindrücke von der Umgebung haben wollen. Sie werden es in diesem Leben verschmähen — auch mit Bezug auf gewisse Verrichtungen ihres Leibes —, Materialisten zu sein: Sie essen das Geistige der Pflanze, das Seelische der Tiere, das essen sie mit; denn wenn sie brave Materialisten wären auch in bezug auf das Essen, müßten sie nur Steine essen, das Unorganische, das tot ist. Aber in ihr Seelisches nehmen sie nur Ideen, Begriffe von Unlebendigem auf. Dasjenige, was da geistig-seelisch mit der Seele des Menschen sich verbindet, das wird dann Krankheitskraft für nächste Erdenleben. Da wirken die Eindrücke hinein, da wandeln sie sich um, so daß sie physisch wirkende Kräfte werden können. Das Schicksalsmäßige der Krankheit, das tragen wir aus früheren Erdenleben deshalb in unser jetziges Erdenleben herein, weil wir empfänglich werden für Krankheiten dadurch, daß wir gewisse Eindrücke, die dem Menschen nicht angemessen sind, in früheren Erdenleben gehabt haben. Diese Eindrücke wirken jetzt so, wie physisch-robuste Krankheitserzeuger in diesem Erdenleben wirken. Alles dasjenige, was in einem Erdenleben bloß Idee, Empfindung, inneres seelisches Sein war, verwandelt sich beim Durchgang durch die Zeit, die wir verleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in Physisch-Wirkendes im Menschenleben, und wir tragen in uns vieles Physisch-Wirkende, das bloß ein Seelisches war in früheren Erdenleben. Auf diese Art müssen wir auch in der Krankheit etwas Schicksalsmäßiges finden, müssen nicht etwa in den Aberglauben verfallen, daß man nur mit geistigen Mitteln Krankheiten heilen kann. Dazu braucht es physische, dem Physikalischen ähnliche Mittel. Aber wenn wir mit vollem Verständnis der Tatsache gegenüberstehen, daß Physisch-Wirkendes der Gegenwart zurückgeht auf Seelisch-Wirkendes früherer Erdenleben, so können wir uns sagen: Dasjenige, was wir sonst von der Krankheit hinüberschleppen würden in das nächste Erdenleben, heilen wir für ein folgendes Erdenleben, indem wir die Gedanken von dem ablenken, was unvollkommen am Menschen war, und hinlenken auf dasjenige, was vollkommen ist am Menschen. Wenn wir zum Beispiel die Sicherheit haben, irgendeine Krankheit sei im Zusammenhang mit einem materialistischen Seelenleben in einem früheren Erdendasein, so können wir sicher sein, daß wir diese Krankheit nur dadurch entfernen können, daß wir aus spirituellen Anschauungen und Ideen die Krankheit behandeln. Alles dasjenige, was in Anthroposophie wirkt, wirkt eben so, daß es nicht bloße Theorie ist, sondern daß es unmittelbar zusammenhängt mit dem Leben, empfindungs-, gefühlserzeugend für das Leben ist.
[ 27 ] Und wie wird eigentlich dieser Sternenhimmel, die Erdenumgebung für unser Anschauen, wenn wir sie in dem Lichte zu betrachten vermögen, das Anthroposophie, wenn sie in der rechten Art gepflegt wird, von sich ausstrahlt? Wie verwandt werden uns Sonne und Mond, wenn wir sie in dieser Weise als die äußeren kosmischen Bilder unserer eigenen Vergangenheit und unserer eigenen Zukunft anschauen! Wie tief intensiv tragen wir dann das Bewußtsein unserer Verwandtschaft mit dem Kosmos und der Welt in uns: Wir schauen in uns Vergangenheit und Zukunft unser Schicksal weben; wir schauen hinaus, schauen Sonne und Mond, schauen, wie uns in Sonne und Mond entgegentritt Weltenschicksal, äußerlich sich offenbarend. Wir fühlen in unserer Vergangenheit etwas, was sich so hinstellt neben Gegenwart und Zukunft, wie sich der Mond neben die Sonne im Weltenall hinstellt. Unsere Ehrfurcht, unser Hingegebensein, unsere Opferfähigkeit für das Weltenall wird erhöht, wenn wir so unser eigenes Dasein hinauszuerweitern verstehen zu dem Weltendasein, um im einzelnen die Verwandtschaft desjenigen, was in uns lebt, mit dem, was im Weltenall webt, zu erschauen.
[ 28 ] Sehen Sie, daß der Mensch so mit der Welt zusammenwächst, das ist auch eine der Aufgaben, welche Anthroposophie in ihrem Wirken sich stellt. Und ich hoffe, daß wir, die wir ja gerade in diesen Zweigen so zahlreich versammelt sind, gerade durch solche Betrachtungen mit dieser Aufgabe der Anthroposophie, den Menschen nicht nur die Gedanken, sondern die Empfindungen, das Herz zu vertiefen, immer mehr und mehr zusammenwachsen. Und daß dies immer besser und immer intensiver geschehen könne, dazu war eben die Weihnachtstagung da. Diese Weihnachtstagung hat hingewiesen darauf, daß, wenn die Anthroposophische Gesellschaft im weiteren ihre Wirksamkeit richtig entfalten soll, sie die Wege, die sie in den letzten zehn Jahren beschritten hat, verlassen muß; sie muß aus dem äußeren Gesellschaftsmäßigen in das innere Geistige hineingreifen. Sie muß im ganzen einen esoterischen Charakter annehmen. Dasjenige, was als Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach in der Zukunft bestehen wird, muß eine Art esoterischen Charakters tragen, und die ganze Institution der Gesellschaft muß einen esoterischen Charakter tragen. Damit wird die Gesellschaft ihr spirituelles Leben erhalten können, das sie braucht. Sie darf sich nicht veräußerlichen, und die Veräußerlichung drohte ihr in den letzten zehn Jahren.
[ 29 ] Was haben wir erlebt in den zehn Jahren und schon vorher? Nehmen Sie als Beispiel nur die Tatsache, daß eine sehr wirksame Gegnerschaft, die gerade jetzt sich sehr wirksam entfaltet, davon herrührt, daß diese Gegnerschaft hinweisen kann auf nicht öffentlich erhaltbare Zyklen, Nachschriften von Vorträgen. Nicht wahr, man wünschte, daß es solche Zyklen, solche nachgeschriebenen Vorträge gäbe. Wie sehr mußte man sich bisher solchen Wünschen fügen, trotzdem man wissen konnte: Gerade dadurch wird für die Gegnerschaft das Eminenteste, was sie braucht, gezimmert. Wir leben eben in einer Zeit, in der solche Dinge unmöglich sind. Deshalb mußte bei der Weihnachtstagung die volle Öffentlichkeit für die Gesellschaft in Anspruch genommen werden. Das wird durchaus nicht widersprechen der Tatsache, daß sie auf der anderen Seite um so mehr esoterisch wird. Aber es muß ein intensiveres Bewußtsein in die ganze Führung der Gesellschaft hineinkommen, es muß sozusagen die Gesellschaft in anthroposophischer Art geführt werden. Deshalb ist bei dem, was man auch Statuten nennen könnte, bei der Weihnachtstagung ganz anders vorgegangen worden als beim sonstigen Schaffen von Statuten. Beim sonstigen Schaffen von Statuten sagt man: Man bekennt sich zu diesen oder jenen Grundsätzen. Wir haben ja auch früher in der Theosophischen Gesellschaft solche Grundsätze gehabt. Erster Grundsatz: Bildung einer allgemeinen Bruderschaft der Menschheit, zweiter Grundsatz: Einheit in den Religionen aufzeigen und so weiter. Ich habe öfter darauf hingewiesen, daß gerade hier einsetzen muß dasjenige, was die Anthroposophische Gesellschaft eigentlich erst als Realität begründen kann. Dann ist in der Weihnachtstagung tatsächlich diese Realität geltend gemacht worden. Es wurde nicht von Grundsätzen gesprochen, sondern es wurde darauf hingewiesen: In Dornach lebt etwas, da ist etwas lebendig. Und wer in dem Lebendigen, das in Dornach lebt, etwas Berechtigtes sieht, schließt sich der Gesellschaft an. Es wird nicht auf abstrakte Grundsätze hingewiesen, sondern auf etwas Lebendiges, auf etwas, was da ist. Und es wird nicht das Leben derGesellschaftinForm von Abstraktionen gefordert in diesen sogenannten Statuten, die eigentlich keine Statuten sind, sondern eine Erzählung desjenigen, was in Dornach besteht und was man von dort aus tun will. Erzählung sind diese Grundsätze, nicht Statuten. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Gesellschaft einen Vorstand haben soll, der txt, der im Tun, in seiner Initiative dasjenige sieht, was ihn macht, was ihn bildet. So ist versucht worden, in alles an die Stelle der Abstraktionen das rein Menschliche, das unmittelbar Menschliche schon im «Statut» zu bringen. Und so kann einzig und allein eine Gesellschaft leben, welche ein Organismus sein soll für ein Geistiges, das hereinfließt in die Welt.
[ 30 ] Sehen Sie, ich möchte sagen: Dieser Vorstand, der in Dornach zu Weihnachten gebildet worden ist, der beruht auf einer Art hypothetischen Urteils. Wenn die Gesellschaft aufnehmen will das, was er tut, dann wird er der Vorstand sein; wenn sie es nicht aufnehmen will, dann wird er überhaupt nichts sein. Aber man wird ihn auch nur so nehmen können als, ich möchte sagen, das Zentrum eines lebendigen Wirkens. Damit kann ich nur andeuten — denn ich sagte ja, ich möchte nur wenige Worte sprechen, alles übrige wird ja in den «Mitteilungen» deutlich ausgesprochen —, daß tatsächlich durch die Weihnachtstagung versucht worden ist, einen neuen Geist in die Gesellschaft hineinzuführen. Aber es ist wünschenswert, daß man verstehe, welcher Art dieser neue Geist ist: daß er ein Geist der Lebendigkeit gegenüber dem Geiste der Abstraktionen ist, daß er ein Geist ist, der nicht zum Kopf, sondern der zu den Herzen sprechen möchte. Daher kommt es, daß eigentlich diese Weihnachtstagung entweder für die anthroposophische Sache nichts oder alles ist. Sie wird nichts sein, wenn sie keine Fortsetzung findet, wenn sie eine Festlichkeit war, bei der man sich so ein bißchen gefreut hat; nachher vergißt man das Ganze und lebt im alten Trott weiter. Dann hat sie keinen Inhalt, es strahlt nichts zurück auf sie. Sie bekommt erst ihren Inhalt von dem Leben auf den verschiedenen Gebieten der Gesellschaft, sie ist erst eine Wirklichkeit durch das, was durch sie geschieht, was fortwährend im Leben der Anthroposophischen Gesellschaft durch sie geschieht. Die Weihnachtstagung wird erst real durch das, was aus ihr weiter wird. Hinschauen auf die Weihnachtstagung bedingt schon eine gewisse Verantwortlichkeit in der Seele, sie wirklich zu machen, während sie sich sonst zurückzieht von dem Erdendasein, dieselbe Richtung gehen wird, die ich heute von dem Mondenwesen beschrieben habe. Sie war natürlich in einem gewissen Sinne in der Welt da. Ob sie als Weihnachtstagung für das Leben wirksam sein wird, hängt davon ab, ob sie fortgesetzt wird.
[ 31 ] Sehen Sie, wir haben das ja recht deutlich zum Ausdruck gebracht. In das Herz jedes Teilnehmers wurde versenkt der spirituelle Grundstein für die Anthroposophische Gesellschaft. Wir haben zwar formell geschlossen, aber eigentlich sollte diese Weihnachtstagung nie geschlossen sein, sondern immer fortwähren in dem Leben der Anthroposophischen Gesellschaft. Daher möchte ich Sie bitten, dasjenige, was da ist durch das Mitteilungsblatt, in vollem Ernste zu nehmen, wirklich das, was da nach und nach nicht nur in der Beschreibung, sondern als Realität an Sie herankommen wird, wirklich mit allem Ernste zu betrachten. Nicht wahr, nicht alles kann jetzt übers Knie gebrochen werden, fortwährend kommt man zunächst damit: Wie soll das und das gemacht werden? — Natürlich kann nicht alles in einem Tag geschehen. Sie werden als eine der nächsten Einrichtungen sehen, daß in dem Mitteilungsblatt: «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht», Sie jede Woche Richtlinien finden werden — wenn ich mich abstrakt ausdrücke in einer Form von Thesen. Da wird in kurzen Sätzen jede Woche stehen etwas von anthroposophischen Wahrheiten in bezug auf den Menschen — Menschenleben, Religion, Kunst und so weiter —, was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht. Und da wird man Gelegenheit haben, in den verschiedenen anthroposophischen Zweigen zu sagen: Von Dornach wird dieser oder jener Gedanke uns geschickt als Richtlinie: reden wir in den Zweigen neben dem anderen vor allen Dingen jede Woche über das, was man uns von Dornach schickt als den Gedanken, der in den Mitteilungsblättern zum Ausdruck kommt.
[ 32 ] Dadurch wird eine Einheit hineinkommen in die verschiedenen Gebiete des anthroposophischen Lebens in der Gesellschaft. Und so werden auf diese Weise viele Dinge nach und nach entstehen, die wie ein Blut die Anthroposophische Gesellschaft tatsächlich durchziehen, nicht nur damit man von Einheit spricht, sondern damit ihr etwas zugeführt wird, was sie mit einheitlichem geistigem Blut durchströmen kann. Auf das wollte hingewiesen sein bei der Weihnachtstagung. Damals hat man es fühlen können, man wird es des weiteren sehen.
[ 33 ] Aber das ist hier insbesondere in Deutschland notwendig. Man steht ja in Deutschland in der Tat in einer ganz anderen Weise innerhalb des anthroposophischen Lebens als sonst. Sonst ist die Gegnerschaft nicht in der Weise ausgebildet wie hier. Man kann ja sehen, daß, wo sie sonst auftritt, sie vielfach von hier importiert wird, wenn auch eine gewisse Art von Gegnerschaft überall, insbesondere um Dornach selber herum, vorhanden ist. Aber wiederum eine ganz besondere Art von Gegnerschaft ist ja die, der man gegenübersteht in’Deutschland, ich möchte sagen: die ganz robuste Gegnerschaft, die systematisch, voll bewußt, organisiert arbeitet. Da war es schon ein schwerer Entschluß, in der Anthroposophischen Gesellschaft nun das Unterste zuoberst zu kehren. Denn so ist es in den Tatsachen geschehen. Als die Anthroposophische Gesellschaft begründet wurde 1912/1913 — ja, Sie brauchen nur zu bedenken: ich war weder mit irgendeinem Amt in der Anthroposophischen Gesellschaft begabt, noch war ich überhaupt Mitglied. Ich war nicht Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft seit ihrer Begründung, ich habe das öfter betont, man hat nur nicht richtig auf die Bedeutung hingehört, denn ich wollte, daß die Anthroposophische Gesellschaft mich nur als Lehrenden hat, als denjenigen, der zu den Quellen des anthroposophischen Lebens führt und so weiter. Und es mußte zunächst der Versuch gemacht werden, damit zu sehen, was auf diese Art geschehen kann.
[ 34 ] Nun sehen Sie, es ist eben so gekommen, daß ich in einem Lebensalter, wo man sich gewöhnlich schon pensionieren läßt, erst anfangen muß, denn in der Tat, ich betrachte das, was mit der Weihnachtstagung in Dornach geschehen ist, als einen Anfang, als einen richtigen Lebensanfang. Und ich möchte, daß man fühlt, daß wir vor einem Anfange stehen. Und wenn man richtig fühlt, daß man vor einem Anfange steht, so kann eben schon, da dieser Anfang manches in sich trägt, aus diesem Anfange etwas werden. Wie gesagt, eben nur aus der Notwendigkeit heraus bin ich Mitglied, bin ich sogar Vorsitzender geworden dieser Anthroposophischen Gesellschaft, und ich möchte gern, daß man den ganzen Ernst desjenigen wirklich einsieht, was mit der Weihnachtstagung zusammenhängt.
[ 35 ] Wird man es einsehen, dann wird eben doch vielleicht durch diesen Versuch es möglich sein, daß im Zusammenarbeiten von allen Orten mit demjenigen, was von Dornach ausgehen soll, echtes anthroposophisches Leben durch die Anthroposophische Gesellschaft fließen wird. Mit dieser Gesinnung — und auf diese Gesinnung wird es vorzugsweise ankommen in der Anthroposophischen Gesellschaft —, mit dieser Gesinnung möchte ich in herzlichster Weise antworten auf die Begrüßung, die nach der Weihnachtstagung mir heute durch Dr. Kolisko geworden ist, nachdem ich das erste Mal wieder unter Ihnen bin, möchte antworten mit einem ebenso herzlichen Gruß, so daß Gruß dem Gruße sagt, Herz dem Herzen sagt: Wir wollen mit dem Geiste, der mit der Weihnachtstagung gemeint war, so zusammenwirken, daß der wirkende Impuls dieser Weihnachtstagung unter Anthroposophen, welche die Bedingungen des anthroposophischen Lebens richtig zu erkennen sich bestreben, niemals aufhören möge; daß durch dieses anthroposophische Bestreben die Dornacher Tagung immer mehr und mehr ihren wirklichen Inhalt erhalte; daß diese Dornacher 'Tagung durch dasjenige, was die Anthroposophen überall in der Welt aus ihr machen, eigentlich niemals aufhöre; daß der Geist, den anzurufen dort versucht wurde, daß dieser Geist immer da sei durch den guten Willen, durch die Hingabe, durch das eindringende Verständnis der Mitgliedschaft für Anthroposophie und anthroposophisches Leben.
[ 36 ] So wollen wir zusammenwirken, so wollen wir aber auch die Dornacher Tagung wirklich als etwas Berechtigtes, als etwas Ernstes betrachten, nicht auf sie hinschauen als auf etwas, was uns gleichgültig sein kann, sondern hinschauen auf sie als etwas, was uns in der Tat tief, tief ins Herz, ins Gemüt, ins Gewissen selbst eindringt. Dann werden wir in der richtigen Weise in der Weihnachtstagung nicht bloß eine Festwoche gehabt haben, sondern etwas Weltwirkendes, Menschengeschick Bezwingendes. Und alles Weltwirkende und Menschengeschick Bezwingende kann der richtige Impuls für anthroposophische Arbeit, anthroposophisches Wirken, anthroposophisches Leben sein.
