Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume VI
GA 240
19 July 1924, Arnheim
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Esoteric Considerations of Karmic Connections VI, tr. SOL
Das Karma der Anthroposophischen Gesellschaft und der Inhalt der anthroposophischen Bewegung II
The Karma of the Anthroposophical Society and the Essence of the Anthroposophical Movement II
[ 1 ] Gestern habe ich für diejenigen der Freunde, die hier waren, einiges auseinanderzusetzen mir erlaubt über das Karma der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich möchte heute etwas erörtern, was damit zusammenhängt, und werde es so sagen, daß das Heutige auch aus sich selbst heraus verstanden werden kann.
[ 1 ] Yesterday, for those of my friends who were here, I took the liberty of discussing the karma of the Anthroposophical Society at some length. Today I would like to discuss something related to that, and I will present it in such a way that today’s topic can also be understood on its own merits.
[ 2 ] Alles, was im gegenwärtigen Zeitpunkte der Menschheitsentwickelung zu leisten sein wird zur Vorbereitung von geistigen Ereignissen der nächsten und der ferneren Zukunft, hängt ja mit demjenigen zusammen, was ich öfter unter unseren anthroposophischen Freunden das Michael-Ereignis genannt habe, und ich möchte gerade heute über dieses Michael-Ereignis einiges besprechen, was zusammenhängt mit der anthroposophischen Bewegung.
[ 2 ] Everything that needs to be accomplished at this present stage of human development in preparation for spiritual events in the near and distant future is, after all, connected with what I have often referred to among our anthroposophical friends as the Michael Event, and today I would like to discuss a few points regarding this Michael Event as it relates to the anthroposophical movement.
[ 3 ] Wenn wir von einer solchen Erscheinung wie dem Michael-Ereignis sprechen, so müssen wir durchaus von der Vorstellung ausgehen, daß die Welt gewissermaßen «etappenweise» gebaut ist. Wenn wir nur mit denjenigen Kräften die Weltentwickelung anschauen, die dem Menschen heute durch sein irdisches Leben zwischen Geburt und Tod möglich sind, so sehen wir, wie sich die Menschheit auf der Erde entwickelt hat, wie alte Völker sich aus noch älteren herausgebildet haben; wie dann allmählich durch das Orientalentum, durch die indische, persische, arabische und chaldäisch-ägyptische Bevölkerung die griechisch-römische sich ergeben hat, wie dann aus der griechisch-römischen die mittelalterliche Zeit geworden ist und wie endlich unsere neuere Zeit mit allen ihren Wirren, aber auch mit allem, was sie in technischer Beziehung Großes gebracht hat, entstanden ist. Aber sowohl «unterhalb», möchte ich sagen, wie «oberhalb» dieser Fläche, die wir da im Fortgange der Völker überblicken, sehen wir Entwickelungen, Entwickelungen, die nun nicht von den Menschen durchgemacht werden, sondern die durchgemacht werden von geistigen Wesenheiten, aber von solchen geistigen Wesenheiten, welche mit der Menschheitsentwickelung in einem gewissen Zusammenhange stehen.
[ 3 ] When we speak of a phenomenon such as the Michael Event, we must certainly start from the idea that the world is, so to speak, built “in stages.” If we view the development of the world solely through the faculties available to human beings today in their earthly lives between birth and death, we see how humanity has developed on Earth, how ancient peoples emerged from even older ones; how the Greco-Roman civilization then gradually emerged from the Eastern civilizations—the Indian, Persian, Arab, and Chaldean-Egyptian peoples—how the medieval period then arose from the Greco-Roman era, and how, finally, our modern era, with all its turmoil but also with all the great technological achievements it has brought, came into being. But both “below,” I would say, and “above” this expanse that we survey here in the course of human history, we see developments—developments that are not undergone by human beings, but by spiritual beings; specifically, by those spiritual beings that stand in a certain connection with the development of humanity.
[ 4 ] Unmittelbar mit der Entwickelung der einzelnen Menschen hat es zu tun das Reich der Angeloi, der Engel im christlichen Sinne. Dieses Reich der Angeloi hat diejenigen Wesenheiten in sich, welche den einzelnen Menschen leiten, insofern er eine solche Geleitschaft, einen solchen Führer braucht, von Erdenleben zu Erdenleben; sie sind die Beschützer des Menschen in allem, wo er einen solchen Schutz braucht. Sie sind also, wenn auch für irdische Augen übersinnlich, unmittelbar mit der Menschheitsentwickelung verbunden.
[ 4 ] The realm of the Angeloi—the angels in the Christian sense—is directly connected to the development of individual human beings. This realm of the Angeloi comprises those beings who guide individual human beings—insofar as they need such companionship, such a guide—from one earthly life to the next; they are the protectors of human beings in all situations where such protection is needed. Thus, although they are supersensible to earthly eyes, they are directly connected to the development of humanity.
[ 5 ] Aber gleich im angrenzenden geistigen Reiche entwickeln diejenigen Wesenheiten ihre Tätigkeit, die wir als die Hierarchie der Archangeloi, der Erzengel, bezeichnen. Diese Archangeloi haben es mit vielem zu tun, was auch in der Menschheitsentwickelung eine Rolle spielt — nicht mit dem einzelnen Menschen, wohl aber mit Zusammenhängen von Menschen. So zum Beispiel ist das der Fall, was ich auch schon öfter in anthroposophischen Vorträgen erwähnt habe, daß die Völkerentwickelungen regiert werden von Erzengelwesen. Aber es ist auch so, daß gewisse Zeitalter in der Erdenentwickelung vorzugsweise impulsiert werden, bestimmt werden von ganz gewissen Erzengelwesenheiten. In den drei Jahrhunderten zum Beispiel, die dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts vorangegangen sind, also im 19., 18., 17. und in einem Teile des 16. Jahrhunderts, haben wir die zivilisierte Welt im wesentlichen uns vorzustellen unter der Herrschaft jenes Erzengelwesens, das von den Christen, die von solchen Dingen sprechen können, Gabriel genannt wird. So daß also während dieser Periode das Zeitalter des Gabriel war.
[ 5 ] But right in the adjacent spiritual realm, those beings we refer to as the hierarchy of the Archangeloi—the Archangels—carry out their work. These Archangeloi are involved in many things that also play a role in human evolution—not with individual human beings, but rather with groups of people. For example—as I have often mentioned in anthroposophical lectures—the development of nations is governed by archangelic beings. But it is also true that certain epochs in Earth’s evolution are primarily impelled and shaped by very specific archangelic beings. For example, during the three centuries preceding the last third of the 19th century—that is, in the 19th, 18th, 17th, and part of the 16th centuries—we can essentially picture the civilized world as being under the rule of that archangelic being whom Christians who can speak of such things call Gabriel. Thus, this period was the Age of Gabriel.
[ 6 ] Dieses Zeitalter des Gabriel hat eine große Bedeutung für die ganze neuere Entwickelung der Menschheit. Denn im Grunde genommen war es seit dem Mysterium von Golgatha so, daß die Menschen allerdings auf der Erde erlebt haben: das hohe Sonnenwesen Christus ist durch das Mysterium von Golgatha von der Sonne auf die Erde heruntergestiegen, hat in dem Leibe des Jesus einen Körper angenommen, hat sich mit dem Schicksal der Erde verbunden. Aber indem so das Christus-Wesen mit der Erde verbunden blieb, konnte — durch die ganze Reihe der Herrschaft der Erzengel hindurch von dem Mysterium von Golgatha bis zur Herrschaft des Gabriel — der Christus-Impuls eigentlich noch nicht das innere Physische und Ätherische der Menschheit ergreifen. Das war erst unter dem Gabriel-Impuls möglich, der etwa drei Jahrhunderte vor dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einsetzte. So daß erst seit dieser Zeit eine Menschheit da ist, die innerlich — wenn sie das auch bis heute noch nicht getan hat — durchdrungen werden kann von dem Christus-Impuls schon durch die Vererbungskräfte. Denn Gabriel regiert innerhalb der Menschheit alles, was physische Vererbungskräfte sind. Er ist namentlich der übersinnliche Geist, der mit der Generationenfolge verbunden ist, der, ich möchte sagen, der große, umfassende Schutzgeist der Mütter ist, insofern diese Mütter Menschenkinder in die Welt hineinstellen. Gabriel hat zu tun mit den Geburten, er hat zu tun mit der Embryonalentwickelung des Menschen. Die Kräfte des Gabriel liegen in alledem, was als Geistiges der physischen Fortpflanzung zugrunde liegt; so daß eigentlich erst seit dieser letzten Herrschaft des Gabriel die physische Fortpflanzung der Menschheit auf Erden in Zusammenhang gekommen ist mit dem Christus-Impuls.
[ 6 ] This Age of Gabriel is of great significance for the entire recent development of humanity. For, essentially, ever since the Mystery of Golgotha, it has been the case that human beings have indeed experienced on Earth that the high solar being Christ descended from the Sun to Earth through the Mystery of Golgotha, took on a physical body in the body of Jesus, and united Himself with the destiny of the Earth. But because the Christ Being remained connected to the Earth in this way, the Christ impulse was not yet able—through the entire sequence of the archangels’ reigns, from the Mystery of Golgotha to the reign of Gabriel—to truly take hold of the inner physical and etheric aspects of humanity. This became possible only under the Gabriel impulse, which began about three centuries before the last third of the 19th century. Thus, it is only since that time that a humanity has existed that can be permeated inwardly—even if it has not yet done so to this day—by the Christ impulse through the forces of heredity. For Gabriel governs within humanity everything that pertains to physical hereditary forces. He is, in particular, the supersensible spirit connected to the succession of generations; he is, I might say, the great, all-encompassing guardian spirit of mothers, insofar as these mothers bring human children into the world. Gabriel is concerned with births; he is concerned with the embryonic development of the human being. Gabriel’s powers lie in all that underlies physical procreation as a spiritual force; so that it is actually only since this final reign of Gabriel that the physical procreation of humanity on Earth has become connected with the Christ impulse.
[ 7 ] Dann beginnt von dem Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts an die Herrschaft des Michael. Sie ist eine ganz andere als die Herrschaft des Gabriel. Während man die Erzengelherrschaft in den vorangehenden drei Jahrhunderten in den geistigen Impulsen des Physischen hat suchen müssen, hat man in alledem, was seither als MichaelHerrschaft sich ausbreitet, gerade denjenigen Erzengel zu sehen, der vorzugsweise mit den geistigen, mit den Vernunfteigenschaften der Menschheit zu tun hat, mit allem also, was die vernünftige, die geistige Entwickelung der Menschheit, was die geistige Kultur betrifft. Und es ist für die Betrachtung des irdischen Menschheitszusammenhanges von außerordentlich großer Bedeutung, daß die Herrschaft des Gabriel, die, ich möchte sagen, im Geistigen das am meisten Physische ergreift, immer abgelöst wird von der Herrschaft des Michael, der es eigentlich zu tun hat mit alle dem, was in der Kultur das sogenannte Geistige ist. Wenn wir also nach der Erzengel-Schutzgottheit für die physische Fortpflanzung ausschauen wollen, dann schauen wir hinauf zum Erzengel Gabriel; wenn wir zu demjenigen Geiste emporschauen wollen, der es in dem Zeitalter der Zivilisation mit der Entwickelung der Wissenschaften, mit der Entfaltung der Künste und so weiter zu tun hat, dann schauen wir hinauf zu dem Erzengelwesen, das nach christlichem Gebrauch mit dem Namen Michael bezeichnet wird. — Es folgen für diejenigen Kulturen, die in den Zeitaltern immer die maßgebenden sind, immer aufeinander sieben Erzengelherrschaften; so daß der MichaelHerrschaft also sechs andere Erzengelherrschaften vorangegangen sind. Und wenn wir von Gabriel in den Erzengelherrschaften weiter zurückgehen, so kommen wir dann zu einem Zeitalter zurück, in welchem wieder Michael auf der Erde seinen Einfluß verwirklicht hat. So daß immer eine jede solche Erzengelherrschaft die Wiederholung von früheren, gleichartigen Erzengelherrschaften ist, und die Entwickelung der Erzengel selbst geschieht zugleich durch diesen Fortschritt. Immer kommt nach einer gewissen Zeit, nach etwa zwei Jahrtausenden, derselbe Erzengel innerhalb der maßgebenden Zivilisation zur Herrschaft.
[ 7 ] Then, beginning in the late 1870s, Michael’s reign begins. It is entirely different from Gabriel’s reign. Whereas in the preceding three centuries one had to seek the rule of the archangels in the spiritual impulses of the physical world, in everything that has since unfolded as Michael’s rule, precisely that archangel who is primarily concerned with the spiritual, rational qualities of humanity—that is, with everything pertaining to humanity’s rational and spiritual development and to spiritual culture. And it is of extraordinary importance for our consideration of the earthly context of humanity that the dominion of Gabriel—which, I might say, grasps the most physical aspects in the spiritual realm—is always succeeded by the dominion of Michael, who is actually concerned with all that is called “spiritual” in culture. So if we wish to look for the archangelic guardian deity of physical procreation, we look up to the Archangel Gabriel; if we wish to look up to the spirit who, in the age of civilization, is concerned with the development of the sciences, the unfolding of the arts, and so on, then we look up to the archangelic being who, according to Christian tradition, is designated by the name Michael. — For those cultures that have always been the dominant ones throughout the ages, there are always seven successive archangel reigns; thus, the reign of Michael was preceded by six other archangel reigns. And if we go further back from Gabriel in the succession of archangel reigns, we arrive at an age in which Michael once again exerted his influence on Earth. Thus, each such archangelic reign is a repetition of earlier, similar archangelic reigns, and the development of the archangels themselves occurs simultaneously through this progression. After a certain period of time—about two millennia—the same archangel always comes to reign within the dominant civilization.
[ 8 ] Aber diese Herrschaften, die jeweils so etwa dreihundert Jahre und etwas darüber dauern, unterscheiden sich wesentlich voneinander; nicht immer so stark wie die Michael-Herrschaft von der Gabriel-Herrschaft, aber sie unterscheiden sich doch wesentlich voneinander. Und da können wir sagen: Immer dann, wenn Gabriel herrscht, bereitet sich für die Folgezeit dasjenige Zeitalter vor, das die Völker voneinander trennt, sie differenziert, das Zeitalter, in welchem die Völker mehr nationalistisch werden. Sie können fragen: Wie kommt es, daß in der gegenwärtigen Zeit, wo doch das Zeitalter des Michael eingetreten ist, ein so starkes nationalistisches Element auf der Erde auftritt? Ja, geistig hat sich das lange vorher vorbereitet; dann wirkt es fort, schwingt ab, und es sind noch lange die Nachwehen vorhanden, die oftmals schlimmer sind als das unmittelbare Zeitalter. Denn nur nach und nach schiebt sich die Michael-Impulsivität in das hinein, was zum großen Teil jetzt von der Gabriel-Herrschaft zurückgelassen ist. Immer aber dann, wenn das Michael-Zeitalter anfängt, beginnt für die Menschheit auf der Erde eine Sehnsucht, alle völkischen Unterschiede zu überwinden und über die verschiedenen Völker, die zu dieser Zeit die Erde bevölkern, dasjenige auszubreiten, was als die höchste Kultur, als der höchste Geistesinhalt in einem bestimmten Zeitalter entstanden ist. Die MichaelHerrschaft bezeichnet immer das Überhandnehmen eines kosmopolitischen Prinzips, bezeichnet immer die Ausbreitung eines höchsten Geistesstandes auf der Erde unter denjenigen Völkern — gleichgültig, welche Sprache sie haben —, die für diesen Geistesstand zugänglich sind. Daher ist von den sieben Erzengeln, die ihre Impulse in die Menschheitsentwickelung hineinsenden, Michael immer derjenige, der der Menschheit den Impuls des Kosmopolitismus gibt — und zu gleicher Zeit den Impuls, das Wertvollste, das in einem Zeitalter da ist, unter den Menschen zur Ausbreitung zu bringen.
[ 8 ] But these reigns, each of which lasts about three hundred years and a little more, differ significantly from one another; not always as markedly as the Michael Reign differs from the Gabriel Reign, but they do differ significantly from one another. And here we can say: Whenever Gabriel reigns, the age that follows is one that separates the peoples from one another, differentiates them—the age in which the peoples become more nationalistic. You may ask: How is it that in the present time, even though the Age of Michael has begun, such a strong nationalistic element is emerging on Earth? Yes, spiritually this has been in preparation for a long time; then it continues to have an effect, its influence lingers, and the aftereffects remain for a long time—often worse than the era itself. For only gradually does the Michaelic impulse make its way into what has now, for the most part, been left behind by the reign of Gabriel. But whenever the Age of Michael begins, a longing arises within humanity on Earth to overcome all ethnic differences and to spread, among the various peoples inhabiting the Earth at that time, that which has emerged as the highest culture, as the highest spiritual content of a particular age. The Michael era always signifies the prevalence of a cosmopolitan principle; it always signifies the spread of the highest spiritual state on Earth among those peoples—regardless of their language—who are receptive to this spiritual state. Therefore, of the seven archangels who send their impulses into human development, Michael is always the one who gives humanity the impulse of cosmopolitanism—and at the same time the impulse to spread among people what is most valuable in a given age.
[ 9 ] Wenn wir nun in der Entwickelung der Menschheit zurückgehen und uns fragen: Welches ist das nächste, hinter dem unsrigen zurückliegende Michael-Zeitalter? — so kommen wir in jenes Zeitalter, das seinen Abschluß mit denjenigen kosmopolitischen Taten gefunden hat, die auf Grundlage des damals wertvollsten, griechischen Geisteslebens durch die Alexanderzüge nach Asien geschehen sind. Wir sehen da, wie aus der Grundlage der alten Zivilisationsentwickelung sich der Drang herausbildet, dasjenige, was in Griechenland — in dem kleinen Griechenland — an Geisteskultur erreicht worden ist, hinüberzutragen zu den orientalischen Völkern, hinüberzutragen nach Ägypten, es auszubreiten in kosmopolitischer Weise unter all den Völkern, welche dafür zugänglich gewesen sind. Das ungeheuer Bedeutungsvolle geschieht, daß aus diesem Michael-Zeitalter heraus die kosmopolitische Ausbreitung desjenigen sich entfaltet, was durch das Griechentum der Menschheit errungen worden ist. Und als die Stadt Alexandria im Norden von Afrika aufblüht, da ist dieses Aufblühen in einem gewissen Sinne die Krönung jenes damaligen Michael-Zeitalters.
[ 9 ] If we now look back at the development of humanity and ask ourselves: Which is the next Michael Age, preceding our own? — we arrive at that age which found its culmination in the cosmopolitan deeds that took place during Alexander’s campaigns into Asia, based on the Greek spiritual life, which was the most valuable at that time. There we see how, from the foundation of ancient civilizational development, the impulse arises to carry over to the Eastern peoples—to Egypt—that which had been achieved in Greece—in little Greece—in terms of spiritual culture, and to spread it in a cosmopolitan manner among all the peoples who were receptive to it. What is of immense significance is that, emerging from this Michael Age, the cosmopolitan spread of what had been achieved for humanity through Greek civilization unfolds. And when the city of Alexandria flourishes in North Africa, this flourishing is, in a certain sense, the crowning achievement of that Michael Age.
[ 10 ] Das war das vorangehende Michael-Zeitalter. Dann kommen die anderen sechs Erzengel zur Herrschaft. Und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, am Ende der siebziger Jahre, beginnt wiederum ein neues Michael-Zeitalter. Aber noch niemals in der ganzen Erdenentwickelung war ein so großer Unterschied zwischen zwei aufeinanderfolgenden Michael-Zeitaltern wie zwischen dem der Alexanderzeit und demjenigen, in dem wir jetzt seit dem Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts drinnen leben. Es fällt ja zwischen diese beiden Michael-Zeitalter dasjenige Ereignis, das der Erdenentwickelung den eigentlichen Sinn gibt: das Mysterium von Golgatha!
[ 10 ] That was the preceding Michael Age. Then the other six archangels come to rule. And in the last third of the 19th century, at the end of the 1870s, a new Michael Age begins once again. But never before in the entire history of Earth’s development has there been such a great difference between two successive Michael Ages as there is between the Age of Alexander and the one in which we have been living since the end of the 1870s. For it is between these two Michael Ages that the event occurs which gives Earth’s development its true meaning: the Mystery of Golgotha!
[ 11 ] Nun müssen wir bedenken, was Michael eigentlich im Ganzen des geistigen Kosmos zu verwalten hat: Er hat dasjenige zu verwalten, was zwar spirituell ist, was aber dann gipfelt in dem intellektuellen Begreifen des Menschen. Michael ist nicht etwa derjenige Geist, welcher die Intellektualität pflegt; aber alles, was er gibt als Spiritualität, das will in Form von Ideen, in Form von Gedanken — aber in Form von Ideen und Gedanken, die das Geistige ergreifen — der Menschheit einleuchten. Michael will, daß der Mensch ein freies Wesen ist, das in seinen Begriffen und Ideen auch einsieht, was ihm als Offenbarung von den geistigen Welten aus wird.
[ 11 ] Now we must consider what Michael actually has to administer within the spiritual cosmos as a whole: He has to administer that which, while spiritual, ultimately culminates in human intellectual understanding. Michael is not the Spirit who cultivates intellectuality; but everything he bestows as spirituality is meant to become clear to humanity in the form of ideas, in the form of thoughts—but in the form of ideas and thoughts that grasp the spiritual. Michael wants human beings to be free beings who, through their concepts and ideas, also comprehend what is revealed to them from the spiritual worlds.
[ 12 ] Schauen wir uns einmal dieses Michael-Zeitalter an, wie es in der Alexanderzeit war. Ich habe ja oftmals gesagt: in unserem Zeitalter sind die Menschen sehr, sehr gescheit, das heißt, sie haben Begriffe, Ideen, Vorstellungen, sie sind intellektualistisch, sie haben eine selbsterworbene Intellektualität. Aber gescheit waren die Leute in der Alexanderzeit auch. Nur, wenn man sie damals gefragt hätte: Woher habt ihr eure Begriffe, eure Ideen? — so hätten sie nicht gesagt: Die haben wir aus uns heraus errungen. — Sondern sie empfingen die geistigen Offenbarungen — und mit diesen zusammen die Ideen. So daß man nicht die Ideen als etwas ansah, was man selbst ausgestaltet, sondern als etwas, was mit der Spiritualität den Menschen geoffenbart wird. Und diese — im Gegensatz zur heutigen irdischen — himmlische Intellektualität hatte damals Michael in der Alexanderzeit zu verwalten. Er war unter den Erzengeln, insofern diese die Sonne bevölkern, der hervorragendste. Er war derjenige Geist, welcher von der Sonne aus nicht nur die physisch-ätherischen Sonnenstrahlen sandte, sondern welcher in den physisch-ätherischen Sonnenstrahlen die inspirierende Intellektualität auf die Erde sandte. Denn damals wußten die Menschen: Was sie an Intelligenzkraft auf der Erde entfalten, das ist Himmelsgabe, das ist Sonnengabe, das wird heruntergeschickt von der Sonne. Und der unmittelbar ausführende Geist, der die Intellektualität auf spirituelle Art auf die Erde heruntersendet, das ist Michael! — Das war auch vorhanden in den alten Sonnenmysterien als eine wunderbare Eingeweihtenlehre: daß auf der Sonne Michael wohne, daß er dort die kosmische Intelligenz verwalte und daß diese kosmische Intelligenz, indem sie die Menschen inspiriert, eine Gabe des Michael ist.
[ 12 ] Let’s take a look at this Michaelic Age, as it was during the Alexandrian Age. I have often said: in our age, people are very, very clever—that is to say, they have concepts, ideas, and notions; they are intellectualistic; they possess a self-acquired intellectuality. But people in the Alexandrian era were also intelligent. However, if you had asked them back then, “Where do you get your concepts, your ideas?”—they would not have said, “We have attained them on our own.”—Rather, they received spiritual revelations—and along with them, the ideas. Thus, ideas were not regarded as something one develops oneself, but as something revealed to human beings through spirituality. And this heavenly intellectuality—in contrast to today’s earthly intellectuality—was what Michael was entrusted to administer during the Alexandrian era. Among the archangels—insofar as they inhabit the sun—he was the most outstanding. He was the spirit who, from the Sun, not only sent forth the physical-etheric rays of the Sun, but who, within those physical-etheric rays, sent the inspiring intellectuality down to Earth. For in those days, people knew: whatever intellectual power they unfolded on Earth was a gift from Heaven, a gift from the Sun, sent down from the Sun. And the spirit who directly carries this out—who sends intellectuality down to Earth in a spiritual way—that is Michael! —This was also present in the ancient Sun Mysteries as a wondrous teaching for the initiated: that Michael dwells on the Sun, that he administers cosmic intelligence there, and that this cosmic intelligence, by inspiring human beings, is a gift from Michael.
[ 13 ] Nun aber kam dasjenige Zeitalter, in welchem immer mehr und mehr die Gabe des Menschen vorbereitet werden sollte, den Intellekt aus der eigenen Kraft der Seele heraus zu entwickeln; nicht nur die Intelligenz des Kosmos geoffenbart zu bekommen, sondern selber aus eigener Kraft intelligent zu werden. Das wurde dann vorbereitet durch den Aristotelismus, durch jene eigentümliche, in der Dämmerung des Griechentums auftretende philosophische Weltanschauung, die dann den Impuls gegeben hat zu den Alexanderzügen nach Asien und Afrika. In dem Aristotelismus lag, ich möchte sagen, die Loslösung, die Herausschälung der irdischen Intelligenz von der kosmischen Intelligenz. In dem, was man dann später die Logik des Aristoteles nannte, liegt die Herausschälung jenes Gedankengerippes, das dann menschliche Intelligenz in allen folgenden Jahrhunderten wurde. Und nun müssen Sie bedenken, daß sozusagen als eine letzte Tat, die von den Michael-Impulsen herrührte, dasteht diese Begründung irdisch-menschlicher Intelligenz und die Beeindruckung der damals für das Kosmopolitische veranlagten Völker mit griechischer Kultur durch die Alexanderzüge. Das ist eine einheitliche Tat.
[ 13 ] But now came the age in which human beings were to be increasingly prepared to develop the intellect from the soul’s own power—not merely to have the intelligence of the cosmos revealed to them, but to become intelligent of their own accord. This was then prepared by Aristotelianism, by that distinctive philosophical worldview that emerged at the twilight of Greek civilization and which subsequently provided the impetus for Alexander’s campaigns into Asia and Africa. In Aristotelianism lay, I would say, the separation, the distillation of earthly intelligence from cosmic intelligence. In what was later called Aristotelian logic lies the crystallization of that framework of thought which then became human intelligence in all the centuries that followed. And now you must bear in mind that, as it were, the final act stemming from the Michael impulses was the establishment of earthly-human intelligence and the imprinting of Greek culture upon the peoples of that time—who were predisposed toward cosmopolitanism—through Alexander’s campaigns. This is a unified act.
[ 14 ] Dann trat an die Stelle des Zeitalters des Michael dasjenige des Oriphiel. Herrschend wurde der Erzengel Oriphiel. Das Mysterium von Golgatha trat ein. Diejenigen Menschenseelen, welche bewußt unter der Herrschaft des Michael in der Alexanderzeit mitgewirkt haben an den Taten, von denen ich eben gesprochen habe, sie waren im Beginne des christlichen Zeitalters innerhalb der Sonne geschart um das Erzengelwesen des Michael, der jetzt für die Erde zunächst seine Herrschaft an Oriphiel abgegeben hatte, der aber im Bereiche der Sonne mit denjenigen, die ihm als Menschenseelen dienen sollten, mitmachte den Weggang des Christus von der Sonne.
[ 14 ] Then the Age of Oriphiel succeeded the Age of Michael. The Archangel Oriphiel came to rule. The Mystery of Golgotha took place. Those human souls who, under Michael’s rule during the time of Alexander, had consciously participated in the deeds I have just spoken of, were gathered within the Sun at the beginning of the Christian era around the archangelic being of Michael, who had now initially handed over his rule on Earth to Oriphiel, but who, in the realm of the Sun, accompanied Christ’s departure from the Sun together with those who were to serve him as human souls.
[ 15 ] Und das ist auch eines der Ereignisse, die wir ins Auge fassen müssen: daß ja in denjenigen Menschenseelen, die mitverbunden sind mit der anthroposophischen Bewegung, jener Anblick vorhanden ist: Wir sind mit Michael auf der Sonne vereinigt, der Christus, der bis dahin von der Sonne aus seine Impulse nach der Erde geschickt hat, er geht fort von der Sonne, um sich mit der Erdenentwickelung zu verbinden! Ja, denken Sie nur an dieses bedeutungsvolle, überirdisch-kosmische Ereignis, an diesen besonderen Anblick, den jene Menschenseelen hatten, die damals als Angeloi-Diener um Michael geschart waren, nachdem er seine Herrschaft auf der Erde beendet hatte, und die gewissermaßen innerhalb der Sonnenregion mitmachten, wie der Christus die Sonne verließ, um sein Schicksal mit dem Schicksal der Erdenmenschheit zu verbinden. «Er geht fort!» das war das große Erlebnis.
[ 15 ] And this is also one of the events we must take into account: that in the souls of those who are connected to the anthroposophical movement, this vision is present: We are united with Michael on the Sun; Christ, who until then had sent his impulses to Earth from the Sun, departs from the Sun to join the Earth’s evolution! Yes, just think of this momentous, super-earthly, cosmic event, of this special vision experienced by those human souls who, at that time, were gathered around Michael as Angeloi servants after he had concluded his reign on Earth, and who, in a sense, witnessed from within the solar region how Christ left the Sun to unite his destiny with that of humanity on Earth. “He is leaving!”—that was the great experience.
[ 16 ] Die Menschenseelen bekommen ja wahrhaftig ihre Direktionen nicht bloß auf der Erde, sie bekommen sie auch im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. So war es vor allem für die, welche das Alexanderzeitalter mitgemacht hatten. Ein großer, gewaltiger Impuls ging aus von dem kosmisch-weltgeschichtlichen Moment, wo diese Seelen sahen, wie der Christus von der Sonne fortging. Und für sie war Klarheit über die Tatsache: Jetzt geht die kosmische Intelligenz nach und nach vom Kosmos auf die Erde über. Und Michael und die, welche um ihn waren, sahen gewissermaßen, wie nach und nach alles, was an Intelligenz früher aus dem Kosmos floß, hinuntersank auf die Erde.
[ 16 ] Human souls truly do not receive their guidance merely on Earth; they also receive it during the life between death and rebirth. This was especially true for those who had lived through the Age of Alexander. A great, powerful impulse emanated from that cosmic-historical moment when these souls witnessed Christ departing from the Sun. And for them, one fact was clear: Now the cosmic intelligence is gradually passing from the cosmos to the Earth. And Michael and those around him saw, as it were, how, little by little, all the intelligence that had previously flowed from the cosmos descended to Earth.
[ 17 ] Und Michael und die Seinen — entweder indem sie oben in der geistigen Welt waren oder für ein kurzes Erdenleben unten verkörpert waren —, sie sahen, wie im Erdenbereich selber im 8. nachchristlichen Jahrhundert die Strahlungen des intelligenten Lebens ankamen, sie wußten: da unten wird weiter die Intelligenz sich entfalten! Und auf der Erde konnte man bemerken, wie die ersten Denker auftraten. Die anderen, die vorher als große Wesenheiten auftraten, waren inspirierte Gedankenbesitzer. Eigendenker traten erst von diesem 8. nachchristlichen Jahrhundert an auf. Und innerhalb des Erzengelchores in der Sonnenregion ertönte von Michaels Wesenheit aus das gewaltige Wort: «Was die Kraft meines Reiches war, was von hier aus durch mich verwaltet worden ist, es ist nicht mehr hier; es muß dort unten auf der Erde weiterströmen und -wellen und -wogen!»
[ 17 ] And Michael and his followers—whether they were up in the spiritual world or incarnated down below for a brief earthly life—saw how, in the 8th century A.D., the rays of intelligent life reached the earthly realm itself; they knew: down there, intelligence would continue to unfold! And on Earth, one could observe the emergence of the first thinkers. The others, who had previously appeared as great beings, were inspired thinkers. Independent thinkers did not emerge until this 8th century A.D. And within the choir of archangels in the solar region, the mighty word resounded from the being of Michael: “What was the power of my kingdom, what was administered from here through me, is no longer here; it must continue to flow, undulate, and surge down there on Earth!”
[ 18 ] Das war, vom 8. Jahrhunderte angefangen, der Anblick der Erde von der Sonne aus. Das war auch das große Geheimnis, daß die Kräfte, die vorzugsweise die Kräfte des Michael sind, vom Himmel auf die Erde herniedergestiegen sind. Das war auch das große Geheimnis, welches in Schulen von der Art, wie ich gestern eine besprochen habe, zum Beispiel in der hohen Schule von Chartres, einigen Eingeweihten mitgeteilt worden ist. Man möchte sagen: Vorher mußte man, wenn man wissen wollte, was Intelligenz ist, durch die Mysterien hinaufblicken zur Sonne. Jetzt war die Intelligenz auf der Erde noch nicht so sichtbar, aber es wurde allmählich bekannt, daß Menschen, die Eigendenken haben, Eigenintelligenz haben, sich auf der Erde entwickeln. Einer derjenigen, die innerhalb der europäischen Zivilisation, ich möchte sagen, erste Funken des Eigendenkens in ihrer Seele aufsprießen hatten, war ja der von mir öfter besprochene Scotus Erigena. Aber ihm gingen schon einige andere voran, die Eigendenken hatten, nicht mehr bloß inspiriertes, von oben geoffenbartes Denken. Und immer mehr und mehr griff dieses Eigendenken um sich.
[ 18 ] Starting in the 8th century, this was the view of Earth from the Sun. That was also the great mystery: that the forces—which are primarily the forces of Michael—descended from heaven to Earth. That was also the great mystery that was revealed to a few initiates in schools of the kind I discussed yesterday—for example, at the high school in Chartres. One might say: Previously, if one wanted to know what intelligence is, one had to look up toward the Sun through the mysteries. At that time, intelligence was not yet so visible on Earth, but it gradually became known that human beings who possess independent thought—who possess their own intelligence—are developing on Earth. One of those within European civilization who, I would say, had the first sparks of independent thought sprouting in their souls was Scotus Erigena, whom I have often discussed. But he was preceded by several others who possessed independent thought—no longer merely inspired thought revealed from above. And this independent thought spread more and more widely.
[ 19 ] Aber es gab in der Erdenentwickelung eine Möglichkeit, dieses Eigendenken in einen besonderen Dienst zu stellen. Denn denken Sie: dieses Eigendenken war ja die Summe der von Michaels Region vom Himmel auf die Erde heruntergestiegenen Impulse. Michael war zunächst dazu berufen, auf der Erde diese Erdenintelligenz weiter sich entwickeln zu lassen. Er war noch nicht dabei; er sollte erst wieder mit dem Jahre 1879 dazukommen. Es entwickelte sich unten dieses Erdendenken zunächst so, daß Michael noch nicht die Herrschaft über dasselbe übernehmen konnte. Er konnte die Menschen, die Eigendenker waren, noch nicht impulsieren, denn seine Herrschaft, seine Zeit war noch nicht gekommen.
[ 19 ] But there was an opportunity in the Earth’s evolution to put this independent thinking to a special use. For consider: this independent thinking was, after all, the sum of the impulses that had descended from heaven to Earth from Michael’s region. Michael was initially called upon to allow this Earthly intelligence to continue developing on Earth. He was not yet involved; he was not to rejoin until the year 1879. This earthly thinking initially developed in such a way that Michael could not yet assume dominion over it. He could not yet impart impulses to the people who were independent thinkers, for his dominion, his time, had not yet come.
[ 20 ] Dieses, was wie ein tiefes Geheimnis in der Menschheitsentwickelung der Erde waltete, wußte man in einzelnen wenigen orientalischen Mysterien. Und so konnten in diesen einzelnen wenigen orientalischen Mysterien von grundspirituell veranlagten und ausgebildeten Menschen einzelne Schüler eingeweiht werden in dieses große Geheimnis. Und durch eine Fügung von der Art, wie sie nur schwer verständlich sind für den gewöhnlichen Erdenverstand, kam es eben, daß von diesem Geheimnis, das einigen orientalischen Mysterien gut bekannt war, jener Herrscherhof berührt wurde, von dem ich am Goetheanum und an anderen Orten gesprochen habe. Gerade im 8. und im Beginne des 9, Jahrhunderts waltete in Asien dieser Herrscherhof unter der Herrschaft des Harun al Raschid. Harun al Raschid war hervorgegangen aus der Kultur des Arabismus, aus der mohammedanisch angewehten Kultur. Zu seinen eingeweihten oder wenigstens bis zu einem gewissen Grade wissenden Ratgebern war dasjenige Geheimnis gedrungen, von dem ich eben gesprochen habe. Gerade weil von diesem Geheimnis berührt war der Bagdader Hof unter der Herrschaft des Harun al Raschid, deshalb war dieser Hof ein so glänzender. Alles, was an Weistümern, an Kunst, was an tiefer Religiosität im Oriente vorhanden war, konzentrierte sich — allerdings unter mohammedanischer Färbung — an dem Hofe des Harun al Raschid. Während in Europa am Hofe Karls des Großen, der ein Zeitgenosse des Harun al Raschid war, Menschen sich damit beschäftigten, die ersten Elemente einer Grammatik zusammenzustellen, und alles noch halb barbarisch war, war in Bagdad die Residenz, die glänzende Pflanzstätte des orientalischen, des vorderasiatischen Geisteslebens. Harun al Raschid vereinigte um sich diejenigen, die da wußten um die großen Traditionen der Mysterien im Oriente. Und namentlich einen Ratgeber hatte er um sich, der in früheren Zeiten Eingeweihter war, auf dessen geistige Impulsivität aber die früheren Inkarnationen noch wirkten und der der Organisator alles dessen wurde, was an Geometrie, an Chemie und Physik, an Musik, an Architektur und an anderen Künsten, namentlich aber an glänzender Dichtkunst, am Hofe des Harun al Raschid gepflegt worden ist. In der weithin glänzenden Versammlung von Weisen an diesem Hofe war eine mehr oder weniger bewußte Empfindung davon vorhanden: die Intelligenz der Erde, die vom Himmel auf die Erde heruntergestiegen war, muß gestellt werden in den Dienst mohammedanischer Geistesart!
[ 20 ] This, which reigned like a profound mystery in the development of humanity on Earth, was known within a few select Eastern mystery traditions. And so, within these few select Eastern mystery traditions, individual disciples—people of a fundamentally spiritual disposition and training—could be initiated into this great mystery. And through a twist of fate of the kind that is difficult for the ordinary earthly mind to comprehend, it so happened that this mystery—which was well known to certain Eastern mystery schools—came to influence the royal court of which I have spoken at the Goetheanum and in other places. It was precisely in the 8th and early 9th centuries that this royal court reigned in Asia under the rule of Harun al-Rashid. Harun al-Rashid had emerged from the culture of Arabism, from the culture influenced by Islam. The mystery of which I have just spoken had penetrated to his initiated advisors—or at least to those who were aware of it to a certain degree. It was precisely because the court of Baghdad under Harun al-Rashid was imbued with this secret that it was such a resplendent court. Everything that existed in the East in terms of wisdom, art, and deep religiosity was concentrated—albeit with a Muslim flavor—at the court of Harun al-Rashid. While in Europe, at the court of Charlemagne—a contemporary of Harun al-Rashid—people were busy compiling the first elements of a grammar, and everything was still half-barbaric, Baghdad was the residence, the resplendent cradle of Oriental, Near Eastern spiritual life. Harun al-Rashid gathered around him those who were knowledgeable about the great traditions of the mysteries of the East. And in particular, he had at his side an advisor who had been an initiate in earlier times, whose spiritual impulsiveness was still influenced by his past incarnations, and who became the organizer of everything related to geometry, chemistry, and physics, music, architecture, and other arts, but especially in brilliant poetry, at the court of Harun al-Rashid. Among the widely renowned assembly of sages at this court, there was a more or less conscious sense that the intelligence of the Earth, which had descended from Heaven to Earth, must be placed in the service of the Muslim spirit!
[ 21 ] Nun bedenken Sie, von dem Zeitalter des Mohammed, von dem Zeitalter der ersten Kalifen an war ja von Asien über Nordafrika bis nach Europa hineingetragen der Arabismus. Dort breitete er sich aus durch Kriege. Da kamen aber auch mit denjenigen, die auf kriegerische Art Arabismus bis nach Spanien herein ausbreiteten — Frankreich wurde davon berührt, geistig der ganze Westen von Europa —, mit denen kamen auch bedeutende Persönlichkeiten. Und Ihnen allen sind ja bekannt jene Kriegszüge der Frankenkönige gegen die Mauren, gegen den Arabismus. Aber das ist das Äußere, was in der Geschichte verläuft, viel bedeutungsvoller ist das, wie im Inneren der Menschheitsentwickelung immer die spirituellen Strömungen verlaufen.
[ 21 ] Now consider this: from the time of Muhammad, from the era of the first caliphs onward, Arabism was carried from Asia through North Africa and into Europe. There it spread through wars. But along with those who spread Arab culture as far as Spain by force of arms—France was affected by this, as was the entire Western world of Europe in a spiritual sense—there also came significant figures. And you are all familiar with those military campaigns of the Frankish kings against the Moors, against Arabism. But that is the outer aspect, what unfolds in history; far more significant is how spiritual currents always flow within the inner development of humanity.
[ 22 ] Dann ging sowohl Harun al Raschid wie auch sein bedeutender Ratgeber durch die Pforte des Todes. Aber nachdem sie durch den Tod gegangen und im Dasein zwischen Tod und neuer Geburt waren, verfolgten sie auf eigentümliche Art ihr Ziel, arabische Denkweise mit Hilfe des sich in Europa ausbreitenden intelligenten Prinzips in die europäische Welt hineinzutragen. Daher sehen wir, nachdem Harun al Raschid durch die Pforte des Todes gegangen war, wie von Asien herüber, von Bagdad über Afrika, durch Spanien, über den Westen Europas bis nach England hinüber Harun al Raschids Seele, während sie durch geistige Welten, durch Sternenwelten ging, unverwandt den Blick richtete von Bagdad herüber durch Vorderasien, durch Griechenland über Rom nach Spanien, Frankreich, ja bis hinauf nach England. Das war ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das fortdauernd auf den Süden und Westen Europas die Aufmerksamkeit richtete. Und dann erschien Harun al Raschid in einer nächsten Inkarnation wieder — und er wurde der Lord Bacon, Baco von Verulam. Bacon selber ist Harun al Raschid, der in der Zwischenzeit in der Weise zwischen Tod und neuer Geburt gewirkt hat, wie ich es soeben auseinandergesetzt habe. Aber der andere, der sein weiser Ratgeber war, wählte den anderen Weg von Bagdad über das Schwarze Meer durch Rußland nach Mitteleuropa herein. Nach zwei verschiedenen Richtungen gingen die beiden Individualitäten: Harun al Raschid bis zu seinem nächsten Erdenziel als Lord Bacon, als Baco von Verulam; der weise Ratgeber wendete während seines Durchganges im Leben zwischen Tod und neuer Geburt den Blick nicht ab von dem, was immer mehr und mehr vom Osten beeinflußt und beeindruckt werden kann, und er erschien wieder als der große Pädagoge und der Verfasser der «Pansophia», als Amos Comenius. Und aus dem Zusammenwirken dieser einstmals am Hofe von Bagdad wirkenden Individualitäten ist dann in Europa das entstanden, was sich — mehr oder weniger abseits vom Christentum — entwickelt hat als veralteter Arabismus, aber unter dem Einflusse der, ich möchte sagen, dem Michael von der Sonne entfallenen Intelligenz.
[ 22 ] Then both Harun al-Rashid and his distinguished advisor passed through the gate of death. But after they had passed through death and found themselves in the state between death and rebirth, they pursued their goal in a unique way: to bring the Arab way of thinking into the European world with the help of the intelligent principle spreading throughout Europe. Thus, after Harun al-Rashid had passed through the Gate of Death, we see how—from Asia, from Baghdad across Africa, through Spain, across Western Europe, all the way to England—Harun al-Rashid’s soul, as it journeyed through spiritual worlds and stellar realms, kept its gaze fixed from Baghdad across the Near East, through Greece, via Rome to Spain, France, and even all the way up to England. This was a life between death and new birth that continually directed its attention toward the south and west of Europe. And then Harun al-Rashid reappeared in a subsequent incarnation—and he became Lord Bacon, Bacon of Verulam. Bacon himself is Harun al-Rashid, who in the meantime had been working in the realm between death and rebirth in the manner I have just described. But the other, who was his wise counselor, chose a different path: from Baghdad across the Black Sea through Russia into Central Europe. The two individualities took two different paths: Harun al-Rashid to his next earthly destination as Lord Bacon, as Baco of Verulam; the wise counselor, during his passage through life between death and rebirth, never took his gaze off that which could be increasingly influenced and shaped by the East, and he reappeared as the great educator and author of Pansophia, as Amos Comenius. And from the interaction of these individualities, who once served at the court of Baghdad, arose in Europe what developed—more or less apart from Christianity—as archaic Arabism, but under the influence of what I would call the intelligence that had fallen away from Michael of the Sun.
[ 23 ] Was äußerlich-physisch in Kriegen geschah, das wurde ja durch die Frankenkönige und durch die anderen Europäer zurückgewiesen. Wir sehen, wie die zuerst mit einer so großen Stoßkraft auftretenden Araberzüge und ihre Ausbreitung der mohammedanischen Kultur sich im Westen brechen, wie sie nicht weiterdringen können; wir sehen für den Westen Europas den Mohammedanismus verschwinden. Aber indem er das, was er an äußeren Formen hatte und an äußerer Kultur begründete, abstreifte, wurde er, der neuere Arabismus, gerade die moderne Naturwissenschaft, wurde das, was in einem pädagogischen Sinne Amos Comenius für die Welt begründete. Und so war es, daß sich in das 17. Jahrhundert herein die Erdenintelligenz, gewissermaßen okkupiert vom Arabismus, ausbreitete.
[ 23 ] What occurred externally and physically during wars was, after all, rejected by the Frankish kings and the other Europeans. We see how the Arab campaigns, which initially appeared with such great force, and the spread of Muslim culture came to a halt in the West, unable to advance any further; we see Islam disappearing from Western Europe. But by shedding what it had in the way of external forms and what it had established in terms of external culture, this newer Arabism became precisely modern natural science—it became what Amos Comenius established for the world in an educational sense. And so it was that, as the 17th century dawned, earthly intelligence—occupied, so to speak, by Arabism—spread.
[ 24 ] Damit haben wir auf etwas hingewiesen, was demjenigen zugrunde liegt, in das wir heute die anthroposophische Saat hineinzusäen haben. Man muß das wirklich recht in seiner spirituellen Innerlichkeit betrachten.
[ 24 ] We have thus pointed out something that underlies what we must sow the anthroposophical seed into today. One must truly contemplate this in all its spiritual depth.
[ 25 ] Während aber dieses von Asien herüber als die spirituelle Fortsetzung des glänzenden Hofes von Bagdad sich ergab, entwickelte sich, breitete sich aus in Europa das Christentum. Aber es kam so, daß in Europa, ich möchte sagen, unter den größten Schwierigkeiten der Aristotelismus sich ausbreitete. Während durch die großen Taten Alexanders der Aristotelismus hinübergetragen wurde nach Asien als Naturwissenschaft durch alles das, was in gewaltiger Weise aus dem Griechentum sich herausentwickelt hatte, dann vom Arabismus okkupiert worden war, breitete sich, ich möchte sagen, zunächst «in dünnem Aufguß», der Aristotelismus innerhalb der heraufstrebenden christlichen Kultur Europas aus. Und da verband er sich mit dem Platonismus, der durchaus auf alten griechischen Mysterien fußte; verband sich so, wie ich das im ersten Vortrage angedeutet habe.
[ 25 ] But while this emerged from Asia as the spiritual continuation of the resplendent court of Baghdad, Christianity developed and spread throughout Europe. Yet it so happened that in Europe, I would say, Aristotelianism spread amid the greatest difficulties. While Aristotelianism was carried over to Asia through the great deeds of Alexander—as a natural science through all that had developed in a powerful way from Greek civilization and had then been appropriated by Arab culture—Aristotelianism spread, I might say, initially “in a diluted form” within the emerging Christian culture of Europe. And there it merged with Platonism, which was firmly rooted in the ancient Greek mysteries; it merged in the way I indicated in the first lecture.
[ 26 ] Aber wir sehen zunächst, wie der Aristotelismus ganz sachte sich in Europa ausbreitete, während der Platonismus überall zu Schulen kommt. Und eine der bedeutendsten war eben jene Schule von Chartres im 12. Jahrhundert, in der jene großen Geister wirkten, die ich gestern aufgezeigt habe: Bernardus Sylvestris, Bernardus von Chartres, Johannes Salisbury, aber namentlich Alanus ab Insulis. In dieser Schule von Chartres wurde noch anders geredet als in dem, was sich ausbreitete als Nachklang des Arabismus. In der Schule von Chartres war echtes Christentum, aber echtes Christentum im Glanze alter Mysterien, wie man eben diese Mysterienweisheit noch haben konnte.
[ 26 ] But first, we see how Aristotelianism spread very gradually throughout Europe, while Platonism gave rise to schools everywhere. And one of the most significant was precisely that school in Chartres in the 12th century, where those great minds I mentioned yesterday were active: Bernardus Sylvestris, Bernard of Chartres, John of Salisbury, but especially Alanus ab Insulis. At this school in Chartres, the discourse differed from what was spreading as an echo of Arabism. The school of Chartres embodied genuine Christianity—but genuine Christianity bathed in the radiance of ancient mysteries, in the measure that this mystery wisdom could still be preserved.
[ 27 ] Dann geschah das Bedeutsame: Die dem Arabismus ganz ferne stehenden, aber mit ihrem Platonismus tief in die christlichen Geheimnisse eingetauchten großen Lehrer von Chartres gingen durch die Pforte des Todes. Und da war jene kurze Zeit, im Beginne des 13. Jahrhunderts, wo gleichsam ein großes himmlisches Konzil stattfand. Als die besten der Lehrer, voran Alanus ab Insulis, gestorben waren, das heißt drüben in der geistigen Welt waren, da versammelten sie sich zu bedeutsamer kosmischer Tat mit denjenigen, die noch oben in der geistigen Welt waren und demnächst heruntersteigen sollten auf die Erde und dort in einer neuen Weise den Aristotelismus vertreten sollten. Und unter diesen, die da heruntersteigen sollten, waren eben solche, die gerade mit innerster Seele, mit starker intensiver Seelenkraft teilgenommen haben an dem Wirken der Michael-Impulse in der Alexanderzeit. Und wir dürfen uns vorstellen, weil das der Wahrheit entspricht, daß an dieser Wende des 12. und 13. Jahrhunderts zusammenkamen Seelen, die aus christlichen Einweihungsstätten, wie eine solche die Schule von Chartres war, eben heraufgekommen waren in die geistige Welt, und solche Seelen, die zum Heruntersteigen bereit waren und die sich in den geistigen Regionen jetzt nicht den Platonismus, sondern den Aristotelismus, die innere Intelligenzwirkung, die noch aus der alten Michael-Zeit stammte, bewahrt hatten. Da waren sie, auch diejenigen, welche sich sagten: Wir waren ja um Michael, als wir mit ihm gesehen haben, wie die Intelligenz vom Himmel auf die Erde herunterströmte, wir waren mit ihm vereint auch bei jener großen kosmopolitischen Tat, die noch unter der alten Verwaltung der Intelligenz durch Michael, wo die Intelligenz kosmisch verwaltet wurde, vollzogen wurde. — Und da geschah es eben, daß die Lehrer von Chartres den Aristotelikern zunächst die Verwaltung der geistigen Erdenangelegenheiten übertrugen. Denjenigen also, die jetzt heruntersteigen sollten und gerade dazu geeignet waren, die Verwaltung des intelligenten Lebens, der Eigenintelligenz auf der Erde zu übernehmen, denen übertrugen die Platoniker, die eigentlich nur noch unter solchem Einfluß stehen konnten, daß die Intelligenz «vom Himmel aus» verwaltet wird, denen übertrugen diese Lehrer von Chartres die Verwaltung des geistigen Lebens auf der Erde.
[ 27 ] Then something momentous occurred: the great teachers of Chartres—who were entirely removed from Arabism but, through their Platonism, deeply immersed in the Christian mysteries—passed through the gates of death. And there was that brief period, at the beginning of the 13th century, when, as it were, a great heavenly council took place. When the finest of the teachers—led by Alanus ab Insulis—had died, that is, were in the spiritual world, they gathered for a momentous cosmic act with those who were still in the spiritual world and were soon to descend to Earth to represent Aristotelianism there in a new way. And among those who were to descend were precisely those who, with their innermost souls and with strong, intense spiritual power, had participated in the workings of the Michael impulses during the time of Alexander. And we may well imagine—for this corresponds to the truth—that at this turning point between the 12th and 13th centuries, souls came together who had just ascended into the spiritual world from Christian centers of initiation, such as the School of Chartres, and souls who were ready to descend and who, in the spiritual regions, had preserved not Platonism but Aristotelianism—the inner workings of intelligence that still stemmed from the ancient Michael era. There they were, including those who said to themselves: “We were with Michael when we saw, together with him, how intelligence streamed down from heaven to earth; we were united with him also during that great cosmopolitan deed, which was accomplished while intelligence was still under Michael’s ancient administration, when intelligence was administered cosmically.” — And it was then that the teachers of Chartres initially entrusted the administration of spiritual earthly affairs to the Aristotelians. Thus, to those who were now to descend and were particularly suited to take over the administration of intelligent life—of intrinsic intelligence—on Earth, the Platonists—who, in truth, could only still be under the influence of intelligence being administered “from heaven”—entrusted the administration of spiritual life on Earth to these teachers of Chartres.
[ 28 ] Namentlich in den Dominikaner-Orden hinein kamen diese Geister, in deren Seelen ein Nachklang des Michael-Impulses aus der vorangegangenen Michael-Zeit war. Und es entstand die ja namentlich aus dem Dominikaner-Orden hervorgehende Scholastik, jene Scholastik, die dann bitter, aber auch großartig damit rang: Wie verhält es sich mit dem intelligenten Denken? Das war ja die große Frage, die dann im 13. Jahrhundert tief unten in den Seelen der Begründer der Scholastik saß — die brennende Frage: Was geschieht mit der Michael-Herrschaft?
[ 28 ] These spirits entered the Dominican Order in particular; in their souls there was an echo of the Michael impulse from the preceding Michael era. And thus arose Scholasticism, which emerged specifically from the Dominican Order—that Scholasticism which then wrestled bitterly, yet magnificently, with the question: What is the nature of intelligent thought? That was, after all, the great question that lay deep within the souls of the founders of Scholasticism in the 13th century—the burning question: What becomes of the Michaelic reign?
[ 29 ] Da gab es Menschen, die man später die Nominalisten nannte, sie sagten: Begriffe und Ideen sind bloße Namen, sind nichts Reales. Sie waren ahrimanisch beeinflußt; denn die Nominalisten wollten eigentlich alle Michael-Herrschaft von der Erde wegverbannen. Indem man behauptete, Ideen wären nur Namen, wären nichts Reales, wollte man eigentlich die Michael-Herrschaft nicht auf der Erde zur Wirkung kommen lassen. Und die ahrimanischen Geister sagten dazumal für die, welche ein Ohr dafür hatten: Michael ist die kosmische Intelligenz entfallen, sie ist hier auf der Erde; wir wollen den Michael nicht wieder zur Herrschaft über die Intelligenz kommen lassen! — Aber darin bestand eben jenes bedeutsame himmlische Konzil, daß Platoniker und Aristoteliker zusammen einen Plan entwarfen, wie gerade dieMichael-Impulse weiter verarbeitet werden sollten. Den Nominalisten traten die dominikanischen Realisten gegenüber, die sagten: Ideen, Gedanken sind Reales, das in den Dingen drinnen lebt, nicht bloße Namen.
[ 29 ] There were people who later came to be called nominalists; they said: Concepts and ideas are mere names; they are not real. They were influenced by Ahriman; for the nominalists actually wanted to banish the Michaelic reign from the earth. By claiming that ideas were merely names and had no real existence, they actually sought to prevent Michael’s rule from taking effect on Earth. And the Ahrimanic spirits said at that time to those who were receptive to such messages: Michael has lost his hold on cosmic intelligence; it is here on Earth; we do not want to let Michael regain dominion over intelligence! — But the very essence of that significant heavenly council was that Platonists and Aristotelians together devised a plan for how precisely the Michaelic impulses should be further developed. Opposing the nominalists were the Dominican realists, who said: Ideas and thoughts are realities that live within things, not mere names.
[ 30 ] Man wird, wenn man dafür Verständnis hat, manchmal an solche Dinge in einer recht merkwürdigen, bewundernswerten Art erinnert. In meinen letzten Wiener Jahren wurde ich unter anderem mit einem Ordenspriester bekannt, Vincenz Knauer, der die philosophische Schrift geschrieben hat, die ich öfter auch den Anthroposophen angeraten habe zu lesen: «Hauptprobleme der Philosophie.» Er war noch im 19. Jahrhundert in diesen Streit zwischen Nominalisten und Realisten hineingestellt: er suchte den Menschen klarzumachen, wie es ein Unding ist, von Nominalismus zu sprechen, und er hatte dazu ein sehr gutes Beispiel gewählt — es steht auch in seinen Büchern —, aber ich erinnere mich mit einer tiefen Befriedigung daran, wie ich einmal mit ihm zusammen in Wien in der Inneren Währinger-Straße ging, wir sprachen über Nominalismus und Realismus, und wie er da mit seinem ganzen bedächtigen Enthusiasmus, der etwas sehr Merkwürdiges hatte — ich möchte sagen: so etwas von ehrlicher Philosophie, während die anderen Philosophen mehr oder weniger unehrlich geworden waren —, wie er da sagte: Ich mache meinen Schülern immer klar, daß dasjenige, was als Ideen in den Dingen lebt, eine Realität hat, und wende dazu ihren Blick auf ein Lamm und einen Wolf. Die Nominalisten würden in bezug auf diese beiden, Lamm und Wolf, sagen: Muskel, Knochen, Materie ist das Lamm; Muskel, Knochen, Materie ist der Wolf. Was als Form, als Idee des Lammes im Lammfleisch verwirklicht ist: es ist nur ein Name. «Lamm» ist ein Name, ist nicht als Idee ein Reales. Ebenso verhält es sich mit dem Wolf: er ist wieder als Idee nichts Reales, sondern nur ein Name, Aber man kann die Nominalisten leicht widerlegen, sagte der gute Knauer, denn man braucht ihnen nur klarzumachen: Gebt einem Wolfe, dem ihr alle andere Nahrung entzieht, eine Zeitlang bloß Lammfleisch zu fressen: wenn die «Idee» Lamm keine Realität hat, ein Nichts ist, nur ein Name, und wenn die Materie im Lamme das Ganze wäre, dann müßte der Wolf nach und nach ein Lamm werden. Er wird es aber nicht! Im Gegenteil, er ist noch weiter die Realität Wolf. Bei dem, was wir als Lamm vor uns haben, hat die Idee Lamm gleichsam die Materie angezogen und in die Form gebracht; und ebenso ist es beim Wolf: die Idee Wolf hat die Materie, die im Wolfe ist, angezogen und in die Form gebracht.
[ 30 ] If one has an understanding of these things, one is sometimes reminded of them in a rather strange, admirable way. During my final years in Vienna, I became acquainted, among others, with a priest of the Order, Vincenz Knauer, who wrote the philosophical treatise that I have often recommended to anthroposophists: Main Problems of Philosophy. Even in the 19th century, he was caught up in this dispute between nominalists and realists: he sought to make it clear to people how absurd it is to speak of nominalism, and he had chosen a very good example for this—it is also in his books—but I recall with deep satisfaction how I once walked with him in Vienna on Innere Währinger-Straße, we were talking about nominalism and realism, and how he, with all his measured enthusiasm—which had something very remarkable about it; I’d say it was a kind of honest philosophy, whereas the other philosophers had become more or less dishonest—how he said: “I always make it clear to my students that what lives in things as ideas has a reality, and to illustrate this I direct their attention to a lamb and a wolf. The nominalists would say, with regard to these two—the lamb and the wolf—that muscle, bone, and matter constitute the lamb; muscle, bone, and matter constitute the wolf. What is realized in the lamb’s meat as the form, as the idea of the lamb: it is merely a name. “Lamb” is a name; as an idea, it is not a real thing. The same applies to the wolf: as an idea, it is again not a real thing, but merely a name. But one can easily refute the nominalists, said good old Knauer, for one need only make it clear to them: Give a wolf, from which you have deprived all other food, nothing but lamb meat to eat for a while: if the “idea” of a lamb has no reality, is nothing, merely a name, and if the matter in the lamb were the whole, then the wolf would gradually have to become a lamb. But it does not! On the contrary, he remains, even more so, the reality of the wolf. In the case of what we have before us as a lamb, the “idea” of a lamb has, as it were, attracted the matter and shaped it; and the same is true of the wolf: the “idea” of a wolf has attracted the matter that is in the wolf and shaped it.
[ 31 ] Aber dieser Streit war es im Grunde genommen, um was die Nominalisten und die Realisten kämpften: es handelte sich um die Realität dessen, was durch die Intelligenz zu erfassen ist.
[ 31 ] But this dispute was, in essence, what the nominalists and the realists were fighting over: it concerned the reality of what can be grasped by the intellect.
[ 32 ] So mußten die Dominikaner zur rechten Zeit vorarbeiten für die nächste Herrschaft des Michael. Und während die Platoniker, zum Beispiel die Lehrer von Chartres, nach dem Beschlusse dieses im Beginne des 13. Jahrhunderts stattgefundenen himmlischen Konzils in der geistigen Welt blieben, keine maßgebenden Inkarnationen hatten, sollten damals die Aristoteliker für die Erdenangelegenheiten des Intelligenten arbeiten. Und von der Scholastik — die ja nur in der modernen Zeit von Rom entstellt und karikiert, ahrimanisiert worden ist — ging nun alles moderne intelligente Streben aus, insofern es nicht von dem Arabismus okkupiert worden ist.
[ 32 ] Thus, the Dominicans had to lay the groundwork in due time for Michael’s next reign. And while the Platonists—for example, the teachers of Chartres—remained in the spiritual world following the decision of this heavenly council that took place at the beginning of the 13th century and had no significant incarnations, the Aristotelians were to work at that time on the earthly affairs of the Intelligent. And from Scholasticism—which, after all, was only distorted, caricatured, and Ahrimanized by Rome in modern times—all modern intellectual striving now sprang forth, insofar as it had not been occupied by Arabism.
[ 33 ] So sehen wir in dieser Zeit in Mittel- und Westeuropa die beiden Strömungen laufen: auf der einen Seite die Strömung, mit der verbunden sind Bacon und Amos Comenius, und auf der anderen Seite haben wir die scholastische Strömung, das heißt das Sich-Hineinstellen in die geistige Zivilisationsentwickelung dessen, was christlicher Aristotelismus war und ist und was vorzubereiten hatte das neue Zeitalter des Michael. Wenn die Scholastiker während der Herrschaft der früheren Erzengel haben hinaufschauen wollen nach den geistigen Regionen, so haben sie sich gesagt: Da ist Michael, dessen Herrschaft erwartet werden muß. Vorbereitet werden muß das, was er, nachdem es ihm im Himmel nach der Fügung der kosmischen Entwickelung entfallen war, zur rechten Zeit auf derErde wieder übernehmen muß! — So entwickelte sich eine Strömung, die dann nur durch den katholischen Ultramontanismus auf einen falschen Nebenweg geführt worden ist, die aber für sich geblieben ist und dasjenige fortsetzte, was im 13. Jahrhundert begründet worden ist.
[ 33 ] Thus, during this period in Central and Western Europe, we see two currents at work: on the one hand, the current associated with Bacon and Amos Comenius, and on the other hand, the scholastic current—that is, the immersion in the spiritual development of civilization represented by what Christian Aristotelianism was and is, and which was meant to prepare the way for the new age of Michael. When the Scholastics, during the reign of the earlier archangels, sought to look up toward the spiritual realms, they said to themselves: There is Michael, whose reign must be awaited. What must be prepared is that which he—after it had been taken from him in heaven according to the providence of cosmic development—must take up again on Earth at the right time! — Thus a movement developed that was later led down a false side path only by Catholic ultramontanism, but which remained true to itself and continued what had been established in the 13th century.
[ 34 ] Es bildete sich also eine Strömung heraus, die unmittelbar in der Verwaltung der irdischen Intelligenz auf der Grundlage des Aristotelismus arbeitete. In ihr lebte dann auch dasjenige, wovon ich gestern gesagt habe, daß einer, der etwas länger bei Alanus ab Insulis in der geistigen Welt geblieben war, als jüngerer Dominikaner herabgekommen ist und einem älteren Dominikaner, der schon vor ihm heruntergestiegen war auf die Erde, eine Botschaft brachte von Alanus ab Insulis. Da lebte im europäischen Geistesleben jener intensive Wille, die Gedanken stark zu erfassen. Und über dem irdischen Leben ging aus alledem dann auch dasjenige hervor, was dann im Beginne des 19. Jahrhunderts zu einer großen, umfassenden Veranstaltung in der geistigen Welt führte, wo sich das, was später auf der Erde Anthroposophie werden sollte, in mächtigen Imaginationen abspielte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schon ein wenig am Ende des 18., waren alle die, welche Platoniker waren unter der Führung der Lehrer von Chartres, die ja jetzt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt waren, und auch die, welche den Aristotelismus in Europa begründet haben und mittlerweile auch längst durch die Pforte des Todes gegangen waren, in himmlischen Regionen vereinigt, um einen überirdischen Kultus zu vollziehen, in welchem in mächtigen realen Imaginationen das hineingestellt wurde, was im neuen Christentum im 20. Jahrhundert auf spirituelle Art wieder begründet werden soll, nachdem das neue Michael-Zeitalter im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begonnen hat.
[ 34 ] A movement thus emerged that worked directly within the administration of earthly intelligence on the basis of Aristotelianism. Within this movement lived what I spoke of yesterday: that someone who had remained in the spiritual world with Alanus ab Insulis for a somewhat longer time had descended as a younger Dominican and brought a message from Alanus ab Insulis to an older Dominican who had already descended to Earth before him. At that time, European spiritual life was characterized by an intense will to grasp ideas deeply. And emerging from all this above earthly life was that which then, at the beginning of the 19th century, led to a great, comprehensive event in the spiritual world, where what was later to become Anthroposophy on Earth unfolded in powerful imaginations. In the first half of the 19th century—and even a little toward the end of the 18th—all those who were Platonists, under the guidance of the teachers of Chartres—who were now, after all, between death and a new birth—as well as those who had established Aristotelianism in Europe and had long since passed through the gate of death, were united in heavenly regions to perform a supermundane ritual, in which, through powerful, real imaginations, was set forth what was to be spiritually reestablished in the new Christianity of the 20th century, after the new Age of Michael had begun in the last third of the 19th century.
[ 35 ] Davon sickerte so manches durch. Oben in der geistigen Welt spielte sich ab in mächtigen kosmischen Imaginationen die Vorbereitung für jene intelligente, aber durchaus spirituelle Erschaffung, die dann als Anthroposophie erscheinen sollte. Was da durchsickerte: auf Goethe machte es einen bestimmten Eindruck. Ich möchte sagen, es kam in Miniaturbildern bei ihm durch. Die großen, gewaltigen Bilder, die sich da oben abspielten, kannte Goethe nicht; er verarbeitete diese Miniaturbildchen in seinem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Eine wunderbare Erscheinung! Wir haben die ganzen Strömungen, die ich geschildert habe, so sich fortsetzend, daß sie zu jenen mächtigen Imaginationen führen, die oben in der geistigen Welt unter der Führung des Alanus ab Insulis und der anderen sich abspielen; wir haben das Mächtige, daß da Dinge durchsickern und Goethe an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts begeistern zu seinem spirituellen Märchen «Von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Es war sozusagen ein erstes Herauskommen desjenigen, was zunächst in mächtigen Imaginationen im Beginne des 19., sogar schon am Ende des 18. Jahrhunderts sich in der geistigen Welt abspielte. Sie werden es daher nicht wunderbar finden, daß im Hinblick auf diesen übersinnlichen Kultus, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stattfand, mein erstes Mysteriendrama, «Die Pforte der Einweihung», das ja in einer gewissen Weise in dramatischer Form wiedergeben wollte, was sich da im Beginne des 19. Jahrhunderts abspielte, äußerlich in der Struktur etwas ähnlich wurde dem, was Goethe in seinem Märchen «Von der grünen Schlange und der schönen Lilie» dargestellt hat. Denn die Anthroposophie sollte von der Art, wie sie imaginativ in den ersten Zeiten in überirdischen Regionen gelebt hat, heruntersteigen in die irdische Region. Denn damals geschah in den überirdischen Regionen etwas. Eine große Anzahl von Seelen, die in den verschiedensten Zeiten vom Christentum berührt worden waren, vereinigten sich mit solchen Seelen, die weniger vom Christentum berührt waren, die in der Zeit gelebt haben, als das Mysterium von Golgatha auf der Erde stattfand, und vorher. Es vereinigten sich diese beiden Gruppen von Seelen, um in überirdischen Regionen die Anthroposophie vorzubereiten. Da waren die geschilderten Individualitäten, die um Alanus ab Insulis herum waren, und die, welche innerhalb der Dominikanerströmung den Aristotelismus in Europa begründet haben, auch vereinigt mit dem großen Lehrer Dantes, mit Brunetto Latini. Und in dieser großen Schar von Seelen war ein großer Teil derjenigen, die heute, nachdem sie wieder auf die Erde heruntergestiegen sind, sich in der Anthroposophischen Gesellschaft zusammenschließen. Die, welche heute den Drang fühlen, sich in der Anthroposophischen Gesellschaft zu vereinigen, waren im Beginne des 19. Jahrhunderts in übersinnlichen Regionen zusammen, um jenen mächtigen Imaginationskultus zu verrichten, von dem ich gesprochen habe.
[ 35 ] Much of this seeped through. Up in the spiritual world, preparations were taking place within powerful cosmic imaginings for that intelligent yet thoroughly spiritual creation that would later emerge as anthroposophy. What seeped through made a certain impression on Goethe. I would say it came through to him in miniature images. Goethe was not familiar with the great, powerful images that were unfolding up there; he incorporated these miniature images into his “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.” A marvelous phenomenon! We have all the currents I have described continuing in such a way that they lead to those powerful imaginations unfolding up above in the spiritual world under the guidance of Alanus ab Insulis and the others; we see the power of things seeping through and inspiring Goethe, at the turn of the 18th and 19th centuries, to write his spiritual fairy tale “The Green Snake and the Beautiful Lily.” It was, so to speak, an initial emergence of what had first been unfolding in the spiritual world as powerful imaginings at the beginning of the 19th century—and even as early as the end of the 18th century. You will therefore not find it surprising that, in light of this supersensible cult that took place in the first half of the 19th century, my first Mystery Play, The Gate of Initiation—which, in a certain sense, sought to render in dramatic form what was taking place at the beginning of the 19th century—became, outwardly in its structure, somewhat similar to what Goethe depicted in his fairy tale “The Green Snake and the Beautiful Lily.” For anthroposophy was to descend from the way it had been lived imaginatively in the early days in the supersensible regions into the earthly realm. For something was happening in the supersensible regions at that time. A large number of souls who had been touched by Christianity at various times united with souls who had been less influenced by Christianity—souls who had lived during the time when the Mystery of Golgotha took place on Earth, and before that. These two groups of souls united to prepare for anthroposophy in the supersensible regions. Among them were the individualities described who were associated with Alanus ab Insulis, and those who, within the Dominican movement, established Aristotelianism in Europe—including Dante’s great teacher, Brunetto Latini. And within this great host of souls were a large number of those who, having descended once more to Earth, have now united in the Anthroposophical Society. Those who today feel the urge to unite in the Anthroposophical Society were together in supersensible regions at the beginning of the 19th century to perform that powerful cult of imagination of which I have spoken.
[ 36 ] Das ist auch etwas, was mit dem Karma der anthroposophischen Bewegung verknüpft ist. Es ist etwas, auf das man kommt, wenn man diese anthroposophische Bewegung nicht rationalistisch in ihrer äußeren Erdengestalt allein betrachtet, sondern wenn man die Fäden betrachtet, die hinaufführen in die geistigen Regionen. Da sieht man, wie sozusagen diese anthroposophische Bewegung herabsteigt. Ja, das ist am Ende des 18. und im Beginne des 19. Jahrhunderts, ich möchte sagen, die «himmlische» anthroposophischeBewegung: da sickert das durch, was Goethe in Miniaturbildern im Märchen «Von der grünen Schlange und der schönen Lilie» wiedergibt. Dann aber sollte es heruntersteigen, als im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Michael, nun aber von der Sonne auf die Erde heruntersteigend, die Erdenintelligenz der Menschen ergreifen will.
[ 36 ] This is also something connected to the karma of the anthroposophical movement. It is something one comes to realize when one does not view this anthroposophical movement rationalistically in its outward, earthly form alone, but rather when one considers the threads that lead upward into the spiritual realms. There one sees, as it were, how this anthroposophical movement descends. Yes, at the end of the 18th and the beginning of the 19th century—I would call it the “heavenly” anthroposophical movement—what Goethe depicts in miniature images in the fairy tale “The Green Snake and the Beautiful Lily” seeps through. But then it was to descend, as in the last third of the 19th century Michael—now descending from the sun to Earth—sought to take hold of the earthly intelligence of human beings.
[ 37 ] Seit dem Mysterium von Golgatha war Christus mit der Erdenmenschheit vereinigt. Die Erdenmenschheit konnte ihn zunächst äußerlich nicht fassen. Die Michael-Herrschaft hat die letzte Phase kosmischer Intelligenz verwaltet in der Alexanderzeit. Mit dem 8. nachchristlichen Jahrhundert war die kosmische Intelligenz ganz heruntergefallen in die Erdenwesenheit. Die, welche mit Michael verbunden waren, haben es, nach den Abmachungen mit den Platonikern, dann unternommen, diese Erdenintelligenz im scholastischen Realismus so vorzubereiten, daß Michael sich wiederum mit ihr vereinigen kann, wenn er seine Herrschaft mit dem Ende der siebziger Jahre im 19. Jahrhundert in der fortlaufenden Zivilisation antritt.
[ 37 ] Ever since the Mystery of Golgotha, Christ has been united with humanity on Earth. At first, humanity on Earth could not grasp him outwardly. The Michael Kingdom administered the final phase of cosmic intelligence during the time of Alexander. By the 8th century A.D., cosmic intelligence had completely descended into earthly existence. Those connected to Michael then undertook—in accordance with the agreements made with the Platonists—to prepare this earthly intelligence within scholastic realism in such a way that Michael could once again unite with it when he assumed his reign in the ongoing civilization at the end of the 1870s.
[ 38 ] Darum handelt es sich jetzt, daß die Anthroposophische Gesellschaft diese ihre innere Aufgabe ergreift, diese Aufgabe, die darin besteht, Michael das menschliche Denken nicht streitig zu machen. Da kann man nicht fatalistisch sein. Da kann man nur sagen: DieMenschen müssen mit den Göttern zusammenarbeiten, mit Michael selber. Michael begeistert die Menschen, damit auf der Erde eine Spiritualität erscheine, die der Eigenintelligenz der Menschen gewachsen ist, damit man denken kann und zugleich spiritueller Mensch sein; denn das bedeutet erst die Michael-Herrschaft. Um das muß gekämpft werden innerhalb der anthroposophischen Bewegung. Dann werden die, welche heute für die anthroposophische Bewegung wirken, am Ende des 20. Jahrhunderts schon wieder erscheinen und auf der Erde verbunden sein mit denen, welche die Lehrer von Chartres waren. Denn das ist die Abmachung jenes himmlischen Konzils im Beginne des 13. Jahrhunderts, daß sie miteinander erscheinen, die Aristoteliker und die Platoniker, und daß dahin gearbeitet werde, daß immer blühender und blühender die anthroposophische Bewegung im 20. Jahrhundert werde, damit am Ende dieses Jahrhunderts im Verein von Platonikern und Aristotelikern die Anthroposophie eine gewisse Kulmination in der Erdenzivilisation erlangen kann. Kann so gearbeitet werden, wie es von Michael vorbestimmt, prädestiniert ist, dann kommt Europa, dann kommt die moderne Zivilisation heraus aus dem Niedergang. Aber auf keine andere Weise sonst! Dieses Herausführen der Zivilisation aus dem Niedergang ist verbunden mit dem Verständnis von Michael.
[ 38 ] What is at stake now is that the Anthroposophical Society take up this inner task of its own—this task, which consists in not challenging Michael’s authority over human thinking. One cannot be fatalistic here. One can only say: Human beings must work together with the gods, with Michael himself. Michael inspires people so that a spirituality may emerge on Earth that is commensurate with human intelligence, so that one can think and at the same time be a spiritual human being; for that is what the reign of Michael truly means. This is what must be striven for within the anthroposophical movement. Then those who are working for the anthroposophical movement today will reappear at the end of the 20th century and be united on Earth with those who were the teachers of Chartres. For this is the agreement of that heavenly council at the beginning of the 13th century: that the Aristotelians and the Platonists will appear together, and that efforts be made to ensure that the anthroposophical movement flourishes ever more abundantly in the 20th century, so that at the end of this century, through the union of Platonists and Aristotelians, anthroposophy may attain a certain culmination in earthly civilization. If we can work in the way predetermined and predestined by Michael, then Europe—then modern civilization—will emerge from its decline. But in no other way whatsoever! This leading of civilization out of its decline is connected with the understanding of Michael.
[ 39 ] Damit, meine lieben Freunde, habe ich Sie herangeführt zu dem Verständnis des Michael-Geheimnisses, das eben in der Gegenwart über der denkenden und nach spiritueller Weisheit strebenden Menschheit waltet. Daß damit — durch die Anthroposophie — etwas hereingetragen werden muß in die geistige Erdenentwickelung, was vielen paradox erscheint, das können Sie begreifen, denn allerlei dämonisch-ahrimanische Gewalten machen die Menschen von sich besessen. So daß die ahrimanischen Gewalten in manchen Menschenleibern schon jubelten, daß Michael seine kosmische Intelligenz, die auf die Erde heruntergefallen ist, nicht mehr erhalten könne. Und dieses Jubeln war besonders stark in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo Ahriman schon glaubte, daß Michael seine einstmals kosmische Intelligenz, die den Weg vom Himmel auf die Erde gefunden hatte, nicht wiederfinden werde. Es geht um Großes, es geht um Riesiges! Deshalb ist es nicht weiter wunderbar, wenn die in diesen Kämpfen Drinnenstehenden manches Sonderbare erfahren müssen.
[ 39 ] With this, my dear friends, I have guided you toward an understanding of the Mystery of Michael, which currently reigns over humanity—those who think and strive for spiritual wisdom. You can understand that—through anthroposophy—something must be brought into the spiritual development of the Earth that seems paradoxical to many, for all manner of demonic-Ahrimanic forces have taken possession of people. So much so that the Ahrimanic forces were already rejoicing within some human bodies that Michael would no longer be able to retain his cosmic intelligence, which had fallen down to Earth. And this rejoicing was particularly strong in the mid-19th century, when Ahriman already believed that Michael would not be able to regain his once-cosmic intelligence, which had found its way from heaven to Earth. This is a matter of great importance—a matter of immense significance! Therefore, it is hardly surprising that those caught up in these struggles must experience many strange things.
[ 40 ] Eigentlich ist noch nie über eine geistige Bewegung so sonderbar gesprochen worden wie über die anthroposophische. Gerade an der kuriosen Art, über die anthroposophische Bewegung zu sprechen, sehen Sie, wie sie mit ihrem spirituellen Charakter und mit ihrem Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha von den erleuchtetsten Geistern der Gegenwart nicht begriffen werden kann. Denn sagt Ihnen etwa jemand, er habe einen Menschen gesehen, der schwarz und weiß zugleich sei? Ich glaube nicht, daß Sie den für vernünftig halten, der Ihnen so etwas sagte. Aber heute dürfen die Leute über die anthroposophische Bewegung etwas Ähnliches schreiben. So darf zum Beispiel Maurice Maeterlinck in seinem Buche «Das große Rätsel» über mich selbst, insofern er mich als Träger der anthroposophischen Bewegung behandelt, eine Logik entfalten, die ganz gleich ist derjenigen, wie wenn jemand sagte, er habe einen Menschen gesehen, der schwarz und weiß, Europäer und Mohr zugleich ist. Eines kann man sein, aber nicht beides zugleich. Maeterlinck jedoch sagt: «Was wir in den Vedas lesen, sagt Rudolf Steiner, einer der gelehrtesten und auch der verworrensten unter den zeitgenössischen Okkultisten...» Wenn jemand sagte, er habe einen Menschen gesehen, der ein Europäer und ein Mohr zugleich ist, so würde man ihn für verrückt erklären; aber Maeterlinck darf zusammenstellen «einer der gelehrtesten und verworrensten». Und er sagt weiter: «Rudolf Steiner, der, wenn er sich nicht in vielleicht wahrscheinliche, aber nie nachprüfbare Visionen der Prähistorie, in astrale Redensarten über das Leben auf anderen Sternen verirrt, ein sehr klarer und scharfer Geist ist, hat den Sinn dieses Gerichts» — gemeint ist die Osirifikation — «und dieser Gleichsetzung der Seele mit Gott außerordentlich gut beleuchtet.» (S. 80.) Also das heißt: Wenn er nicht just über Anthroposophie spricht, ist er ein klarer und scharfer Geist. Das darf wieder Maeterlinck sagen. Er darf noch mehr sagen, Dinge, die ganz sonderbar sind, denn er findet es möglich, das folgende zu sagen: «Steiner hat seine intuitiven Methoden angewendet, die eine Art transzendentaler Psychometrie sind, um die Geschichte der Atlantier zu rekonstruieren und uns zu offenbaren, was auf der Sonne, dem Mond und anderen Welten geschieht. Er beschreibt uns die aufeinanderfolgenden Wandlungen der Wesenheiten, die zu Menschen werden, und er tut das mit so viel Sicherheit, daß man sich fragt, nachdem man ihm mit Interesse durch die Einführung gefolgt ist, die einen sehr abwägenden, logischen und weiten Geist zeigt, ob er plötzlich wahnsinnig wird oder ob man es mit einem Schwindler oder wirklichen Visionär zu tun hat.» ($.167.) Nun bedenken Sie, was das heißt: Maeterlinck behauptet, wenn ich Bücher schreibe, dann sind die Einleitungen immer so, daß er sagen muß, er habe es mit einem «sehr abwägenden, logischen und weiten Geist» zu tun. Liest er aber in meinen Büchern weiter, so weiß er nicht, ob ich plötzlich wahnsinnig geworden oder ein Schwindler oder ein wirklicher Visionär sei. Aber nun habe ich nicht nur einzelne Bücher geschrieben. Ich schreibe immer die Einführung bei jedem Buche zuerst. Nun habe ich also ein Buch geschrieben, Maeterlinck liest die Einführung: Da stelle ich mich ihm dar als ein «sehr abwägender, logischer und weiter Geist»; dann liest er weiter und findet mich nun so, daß er sagt: Ich weiß nicht, ob Rudolf Steiner plötzlich wahnsinnig geworden oder ein Schwindler oder Visionär ist. Dann geht es weiter... Ich schreibe ein zweites Buch: da bin ich für Maeterlinck, wenn er die Einleitung liest, wieder ein «sehr abwägender, logischer und weiter Geist»; dann liest er den weiteren Inhalt und findet mich wieder so, daß er nicht weiß, ob ich wahnsinnig oder ein Schwindler oder Visionär bin. Und so geht das dann weiter. Aber bedenken Sie, die Leute kommen darauf, zu sagen: Wenn ich deine Bücher von vorne lese, kommst du mir sehr gescheit, abwägend und logisch vor; dann aber wirst du plötzlich wahnsinnig! Was müssen das für merkwürdige Menschen sein, die, wenn sie anfangen zu schreiben, logisch sind, und dann beim Weiterschreiben auf einmal wahnsinnig werden; dann beim nächsten Buche sich wieder umschalten, im Anfange wieder Logiker sind, dann später Wahnsinnige! Und so rhythmisch weiter. «Rhythmen» gibt es ja in der Welt.
[ 40 ] In fact, no spiritual movement has ever been discussed in such a peculiar way as the anthroposophical movement. It is precisely in the curious way people speak about the anthroposophical movement that you can see how, with its spiritual character and its connection to the Mystery of Golgotha, it cannot be understood by the most enlightened minds of our time. For would anyone ever tell you that they had seen a person who was both black and white at the same time? I do not believe you would consider someone who said such a thing to be of sound mind. But today people are allowed to write something similar about the anthroposophical movement. For example, in his book The Great Mystery, Maurice Maeterlinck, insofar as he treats me as the bearer of the anthroposophical movement, is allowed to unfold a line of reasoning that is exactly the same as if someone were to say they had seen a person who was black and white, European and Moor, all at once. One can be one thing, but not both at the same time. Maeterlinck, however, says: “What we read in the Vedas, says Rudolf Steiner, one of the most learned and also the most confused among contemporary occultists...” If someone were to say that they had seen a person who is both a European and a Moor at the same time, they would be declared insane; but Maeterlinck is allowed to describe him as “one of the most learned and most confused.” And he goes on to say: “Rudolf Steiner, who—when he is not lost in perhaps plausible but never verifiable visions of prehistory or in astral rhetoric about life on other stars—is a very clear and sharp mind, has illuminated the meaning of this judgment”—meaning the Osirification—“and this identification of the soul with God exceptionally well.” (p. 80.) So that means: When he isn’t specifically talking about anthroposophy, he is a clear and sharp mind. Maeterlinck is allowed to say that. He is allowed to say even more—things that are quite strange—for he finds it possible to say the following: “Steiner has applied his intuitive methods, which are a kind of transcendental psychometry, to reconstruct the history of the Atlanteans and reveal to us what happens on the Sun, the Moon, and other worlds. He describes to us the successive transformations of the beings who become human, and he does so with such certainty that, after following him with interest through the introduction—which reveals a very thoughtful, logical, and broad mind—one wonders whether he is suddenly going mad or whether one is dealing with a charlatan or a true visionary.” ($.167.) Now consider what this means: Maeterlinck claims that when I write books, the introductions are always such that he must say he is dealing with a “highly judicious, logical, and broad-minded spirit.” But if he continues reading my books, he does not know whether I have suddenly gone mad, or whether I am a charlatan or a true visionary. But I haven’t just written individual books. I always write the introduction to each book first. So now I’ve written a book; Maeterlinck reads the introduction: there I present myself to him as a “highly discerning, logical, and broad-minded mind”; then he reads on and finds me to be such that he says: “I don’t know whether Rudolf Steiner has suddenly gone mad, is a charlatan, or a visionary.” Then it continues… I write a second book: when Maeterlinck reads the introduction, I am once again a “very thoughtful, logical, and broad-minded spirit” to him; then he reads the rest of the content and finds me once more in such a way that he doesn’t know whether I’m insane, a charlatan, or a visionary. And so it goes on. But consider this: people end up saying, “When I read your books from the beginning, you strike me as very intelligent, thoughtful, and logical; but then you suddenly go mad!” What kind of strange people must these be, who, when they start writing, are logical, and then, as they continue writing, suddenly go mad; then, in the next book, switch back again, being logical at the beginning and then mad later on! And so it goes, rhythmically. After all, there are “rhythms” in the world.
[ 41 ] Aber an diesem Beispiele mögen Sie sehen, wie die erleuchtetsten Geister der Gegenwart das aufnehmen, was als Michael-Epoche in der Welt begründet werden muß, was getan werden muß, damit die im 8. Jahrhundert Michael nach der Weltordnung mit Recht entsunkene kosmische Intelligenz innerhalb der Erdenmenschheit wiederum gefunden werde. Die ganze Michael-Tradition muß revidiert werden. Michael, seine Füße auf den Drachen gestellt: Man erblickt mit Recht dieses Bild, das den Michael-Kämpfer darstellt, wie er den kosmischen Geist vertritt gegenüber den ahrimanischen Mächten, die er unter seinen Füßen hat.
[ 41 ] But from this example you can see how the most enlightened minds of our time are taking up what must be established in the world as the Michael Epoch—what must be done so that the cosmic intelligence, which rightfully sank into the world order with Michael in the 8th century, may once again be found within humanity on Earth. The entire Michael tradition must be revised. Michael, with his feet upon the dragon: One rightly beholds this image, which depicts the warrior Michael as he represents the cosmic spirit in opposition to the Ahrimanic forces, which he holds beneath his feet.
[ 42 ] Mehr als irgendein anderer Kampf ist dieser Kampf in das menschliche Herz gelegt. Da drinnen ist er verankert, verankert seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Entscheidend muß dasjenige werden, was Menschenherzen mit dieser Michael-Angelegenheit der Welt im Laufe des 20. Jahrhunderts tun. Und im Laufe dieses 20. Jahrhunderts, wenn das erste Jahrhundert nach dem Ende des Kali Yuga verflossen sein wird, wird die Menschheit entweder am Grabe aller Zivilisation stehen oder am Anfange desjenigen Zeitalters, wo in den Seelen der Menschen, die in ihrem Herzen Intelligenz mit Spiritualität verbinden, der Michael-Kampf zugunsten des Michael-Impulses ausgefochten wird.
[ 42 ] More than any other struggle, this struggle is rooted in the human heart. It is anchored there, and has been since the last third of the 19th century. What people’s hearts do with this “Michael” issue in the world over the course of the 20th century will be decisive. And in the course of this 20th century, when the first century following the end of the Kali Yuga will have passed, humanity will either stand at the grave of all civilization or at the dawn of that age in which, within the souls of people who unite intelligence with spirituality in their hearts, the Michaelic struggle will be fought in favor of the Michaelic impulse.
