Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume VI
GA 240
24 August 1924, London
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Esoteric Considerations of Karmic Connections VI, tr. SOL
Das Karma im einzelnen Menschen und in der Menschheitsentwickelung II
Karma in the Individual and in the Evolution of Humanity II
[ 1 ] Läßt man den Blick dahinziehen über die geschichtliche Entwickelung der Menschheit, so erscheinen Ereignisse nach Ereignissen im Laufe der Zeiten, und man ist in der neueren Zeit vielfach gewohnt worden, einfach die geschichtlichen Erscheinungen, die da auftreten, so zu betrachten, daß man in den späteren Zeiten die Wirkungen früherer Zeiten sucht, sogar von Ursachen und Wirkungen in der Geschichte redet, wie man in der äußeren physischen Welt von Ursache und Wirkung redet.
[ 1 ] If one surveys the historical development of humanity, events appear one after another in the course of time, and in more recent times we have become accustomed to viewing the historical phenomena that arise in such a way that we seek the effects of earlier times in later ones, even speaking of causes and effects in history just as we speak of cause and effect in the external physical world.
[ 2 ] Wenn man so das geschichtliche Leben ins Auge faßt, wird man sich aber gestehen müssen, daß fast alles unerklärt bleibt. Es wird Ihnen nicht gut gelingen, zum Beispiel den Weltkrieg aus den Ereignissen vom Beginne des 19. Jahrhunderts bis 1914 wie eine Wirkung einfach herzuleiten. Es wird Ihnen nicht gelingen, die am Ende des 18. Jahrhunderts ausbrechende Französische Revolution bloß aus dem hervorzuleiten, was vorher war. Mancherlei Geschichtskonstruktionen werden gemacht, aber man kommt mit ihnen nicht sehr weit, und man fühlt zuletzt doch, daß es künstliche Geschichtskonstruktionen sind.
[ 2 ] When one considers the course of history in this way, however, one must admit that almost everything remains unexplained. For example, you will not succeed in simply deducing the World War as a consequence of the events from the early 19th century through 1914. You will not succeed in deriving the French Revolution, which broke out at the end of the 18th century, solely from what came before. Various historical constructs are devised, but they do not get you very far, and in the end, you feel that they are, after all, artificial historical constructs.
[ 3 ] Dasjenige, was im geschichtlichen Leben der Menschen vor sich geht, wird erst erklärlich, wenn man die geschichtlichen Persönlichkeiten, die eine bedeutsame Rolle spielen beim Zustandekommen der geschichtlichen Ereignisse, sich anschaut in bezug auf ihre wiederholten Erdenleben. Und erst wenn man eine Weile sich damit beschäftigt hat, das Karma solcher geschichtlichen Persönlichkeiten im Verlaufe der sich wiederholenden Erdenleben zu betrachten, dann wird man sich eine Seelenstimmung dafür aneignen, wie es um das eigene Karma steht. Deshalb wollen wir heute ein wenig geschichtliches Karma betrachten, Persönlichkeiten der Geschichte, die das oder jenes uns Bekannte getan haben, und dieses uns Bekannte dann herleiten von dem, was in ihrem Karma gewissermaßen geschrieben war aus der Wiederholung ihres Erdenlebens heraus. Dadurch werden wir zu der Anschauung kommen, daß die Dinge, die in einer Geschichtsepoche geschehen, von den Menschen aus früheren Zeitaltern herübergetragen werden. Und wenn wir uns mit vollem Ernste dasjenige, was oftmals in bezug auf Karma und wiederholte Erdenleben nur theoretisch angeschaut wird, ganz präzise und konkret vor Augen stellen, so werden wir uns ja sagen: Alle, die wir hier sitzen, waren oftmals auf der Erde da und tragen in das gegenwärtige Erdenleben die Ergebnisse früherer Erdenleben herüber.
[ 3 ] What takes place in the historical lives of human beings can only be understood by examining the historical figures who play a significant role in the unfolding of historical events in light of their repeated earthly lives. And only after one has spent some time examining the karma of such historical figures over the course of their repeated earthly lives will one develop a spiritual perspective on the state of one’s own karma. That is why today we want to consider a little historical karma—figures from history who have done this or that which is familiar to us—and then trace what is familiar to us back to what was, so to speak, written in their karma through the repetition of their earthly lives. Through this, we will come to the realization that the events occurring in a historical epoch are carried over from people of earlier ages. And when we, with the utmost seriousness, visualize with complete precision and concreteness that which is often viewed only theoretically in relation to karma and repeated earthly lives, we will indeed say to ourselves: All of us sitting here have been on Earth many times and carry the results of earlier earthly lives into our present earthly life.
[ 4 ] Erst wenn wir dieses völlig ernst nehmen, können wir sagen, daß wir diese Anschauung vom Karma kennen. Aber lernen durch die Anschauung vom Karma kann man nur, wenn man das, was man als Ideen über das Karma aufnimmt, nun als große Frage ausbildet für das geschichtliche Leben. Dann sagt man nicht mehr: Das, was 1914 geschehen ist, ist die Folge von dem, was 1910 geschehen ist, das, was 1910 geschehen ist, ist die Folge von dem, was 1900 geschehen ist und so weiter. — Sondern dann sucht man zu begreifen, wie die Persönlichkeiten, die im Menschenleben auftreten, selber aus früheren Epochen in spätere Epochen hinübertragen das, was in Betracht kommt. Und erst auf diese Weise kann eine echte, wahre Geschichtsbetrachtung zustande kommen, wenn man die Hintergründe der Menschenschicksale sieht gegenüber den Vordergründen der Ereignisse, die einem äußerlich in der Geschichte entgegentreten.
[ 4 ] Only when we take this completely seriously can we say that we understand this concept of karma. But one can only learn through the concept of karma if one transforms what one absorbs as ideas about karma into a major question for historical life. Then one no longer says: What happened in 1914 is the consequence of what happened in 1910; what happened in 1910 is the consequence of what happened in 1900, and so on. — Instead, one seeks to understand how the personalities that appear in human life carry over from earlier epochs into later ones what is relevant. And only in this way can a genuine, true view of history emerge—when one sees the background of human destinies set against the foreground of the events that outwardly confront us in history.
[ 5 ] Die Geschichte bietet ja so viel Rätselhaftes. Manches Rätselhafte aber klärt sich auf, wenn man eine solche Erklärung versucht, wie ich sie eben gesagt habe.
[ 5 ] History certainly holds so many mysteries. But some of these mysteries become clear when you try to explain them the way I just did.
[ 6 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, da treten oftmals Persönlichkeiten in der Geschichte auf, man möchte sagen wie Meteore. Man ist erstaunt darüber, daß sie in einer gewissen Zeit auftauchen. Prüft man ihre Erziehung, so kann man aus ihrer Erziehung nicht erklären, warum sie in dieser Weise auftreten. Prüft man ihr Zeitalter, kann man wiederum nicht erklären, warum sie in dieser Weise auftreten. Erst die karmischen Zusammenhänge bringen Aufklärung hinein.
[ 6 ] You see, my dear friends, there are often figures in history who appear—one might say—like meteors. One is amazed that they appear at a certain time. If one examines their upbringing, one cannot explain from it why they appear in this way. If one examines their era, one again cannot explain why they appear in this way. Only karmic connections shed light on the matter.
[ 7 ] Ich will auf einzelne solcher Persönlichkeiten hinweisen, bei denen man zweierlei Fragen gerne aufstellt, wenn sie Persönlichkeiten sind, die unserem eigenen gegenwärtigen Leben naheliegen, das heißt, wenn sie in noch nicht sehr lange verflossenen Zeitabschnitten gelebt haben. Dann frägt man wohl gerne: Wie hat es in ihrem vorigen Erdenleben ausgesehen? Was haben sie aus diesem vorigen Erdenleben herübergebracht, daß sie so geworden sind, wie sie geworden sind?
[ 7 ] I would like to point out a few such figures about whom people often ask two kinds of questions—especially when they are figures closely connected to our own present lives, that is, when they lived in times not too long ago. Then people often ask: What was their previous earthly life like? What did they bring over from that previous earthly life that led them to become who they are?
[ 8 ] Und hat man es wiederum mit früheren Persönlichkeiten zu tun, die in weit zurückliegenden Zeiten der geschichtlichen Entwickelung gewirkt haben, dann möchte man doch gern wissen, wann sie wieder aufgetreten sind, als was sie wieder erschienen sind. Wenn gerade ein früheres geschichtliches Leben die betreffenden Persönlichkeiten berühmt gemacht hat, so frägt man sich: Als was sind sie wiedergekommen? Man will dann auf dieses ihr geschichtliches Erdenleben hin andere haben; vielleicht ist es wieder ein geschichtlich oder anderwärtig berühmtes — aber man möchte eben die Zusammenhänge kennenlernen.
[ 8 ] And when one is dealing with historical figures who lived in times long past, one naturally wants to know when they reappeared and in what form. If it was precisely a past historical life that made these individuals famous, one asks oneself: In what form have they returned? One then wants to see others in light of this historical earthly life of theirs; perhaps it is another figure famous in history or in some other way—but one simply wants to understand the connections.
[ 9 ] Nun sind solche Zusammenhänge wirklich außerordentlich schwer zu erforschen, und deshalb möchte ich Ihnen zunächst einen Begriff davon geben, wie man, wenn man karmische Zusammenhänge erforschen will, auf den ganzen Menschen hinzusehen hat, nicht bloß auf das, was einem oftmals als besonders Sprechendes, Charakteristisches entgegentönt.
[ 9 ] Now, such connections are truly extraordinarily difficult to investigate, and that is why I would first like to give you an idea of how, when one wishes to investigate karmic connections, one must look at the whole person, not merely at what often strikes one as particularly telling or characteristic.
[ 10 ] Da möchte ich ein Beispiel, das zunächst scheinbar persönlich klingen wird, anführen. Ich hatte einmal einen von mir sehr geliebten Geometrielehrer. Es war nicht schwer für ihn, von mir geliebt zu werden, weil ich Geometrie während meiner Knabenzeit außerordentlich liebte. Aber der Lehrer hatte wirklich viel, viel Eigentümliches. Er hatte eine spezifische Begabung in der Geometrie, die faszinierte, trotzdem er sehr leicht auf Menschen, die nicht tiefe Eindrücke von anderen Menschen empfangen können, einen trockenen, nüchternen Eindruck machte. Aber trotzdem er trocken und nüchtern war, konnte man durch die Wirkung, die von ihm ausging, zwar nicht Iyrisch, aber doch außerordentlich künstlerisch berührt sein.
[ 10 ] I’d like to give an example that may at first seem personal. I once had a geometry teacher whom I loved very much. It wasn’t hard for him to win my affection, because I was exceptionally fond of geometry during my boyhood. But the teacher really had many, many peculiar traits. He had a unique gift for geometry that was fascinating, even though he came across as dry and matter-of-fact to people who aren’t easily moved by others. But even though he was dry and matter-of-fact, the aura he exuded could move one—not in a lyrical way, but in an extraordinarily artistic one.
[ 11 ] Nun hatte ich immer das intensivste Bedürfnis, hinter das Geheimnis gerade dieser Lehrerpersönlichkeit zu kommen. Und ich versuchte dann anzuwenden jene Mittel okkulter Forschung, die in solchen Dingen zum Ziele führen können.
[ 11 ] I had always felt a profound need to uncover the secret behind this particular teacher’s personality. And so I tried to apply those methods of occult research that can lead to results in such matters.
[ 12 ] Ich hatte drüben in Torquay schon davon gesprochen und möchte hier nur wiederholen, daß, wenn man vorrückt in der Entwickelung der okkulten Kräfte der Seele, wie ich sie auch hier im Zweigvortrage vor einem Jahre beschrieben habe, und zu dem leeren Bewußtsein kommt, wenn sich dann das leere Bewußtsein erfüllt mit dem, was aus der geistigen Welt heraus tönt, und wenn man dann solche Dinge hinzufügt, wie ich sie heute vormittag dargestellt habe, man schon dahin gelangen kann, Impressionen zu haben, Intuitionen zu haben, die ganz exakt sind wie eine mathematische Wahrheit und die aus gewissen Erscheinungen im gegenwärtigen Leben eines Menschen auf das frühere Leben hinweisen.
[ 12 ] I had already spoken about this over in Torquay, and I would just like to repeat here that when one advances in the development of the soul’s occult powers—as I also described here in a branch lecture a year ago—and reaches the state of empty consciousness, when that empty consciousness is then filled with what resounds from the spiritual world, and when one then adds such things as I described this morning, one can already reach a point where one has impressions and intuitions that are as precise as a mathematical truth and that point to a past life based on certain phenomena in a person’s present life.
[ 13 ] Nun konnte ich durch die ausgezeichneten Geometrie-Absichten, möchte ich sagen, durch die Art und Weise, wie der Lehrer Geometrie behandelte, großes Interesse für diesen Lehrer fassen. Und dieses Interesse blieb mir, und die Persönlichkeit blieb vor mir stehen, blieb vor mir stehen auch, als sie im hohen Alter dann starb. Nur führte mich das Schicksal, nachdem ich die Schule, an der dieser Lehrer wirkte, verlassen hatte, nicht mehr mit dieser Persönlichkeit zusammen. Aber im Geiste, als Realität, stand diese Persönlichkeit bis zu ihrem Tode, und nach ihrem Tode ganz besonders deutlich vor mir, mit allen Einzelheiten ihres Tuns und Treibens.
[ 13 ] Now, thanks to the excellent approach to geometry—or rather, I would say, thanks to the way the teacher taught geometry—I developed a great interest in this teacher. And that interest remained with me, and his presence stayed with me, even after he passed away at an advanced age. However, after I left the school where this teacher worked, fate no longer brought me into contact with him. But in my mind—as a reality—this person remained vividly present to me until his death, and especially clearly after his death, with all the details of his actions and activities.
[ 14 ] Nun ergab sich mir eine Möglichkeit, aus dem gegenwärtigen Leben dieser Persönlichkeit die Intuition für das vorhergehende oder für ihr maßgebendes vorhergehendes Erdenleben zu bekommen aus der Tatsache, daß diese Persönlichkeit einen Klumpfuß hatte, den einen Fuß kürzer hatte, also mit einem kürzeren Fuß ging.
[ 14 ] I now had an opportunity to gain insight into this person’s previous life—or, more specifically, the previous earthly life that was decisive for her—from her current life, based on the fact that she had a clubfoot and one foot was shorter than the other, meaning she walked with a shorter foot.
[ 15 ] Wenn man bedenkt, daß beim Übergang von einem Erdenleben in das andere dasjenige, was im vorhergehenden Leben Kopforganisation war, Fußorganisation wird, und das, was vorher Fußorganisation, Gliedmaßenorganisation war, Kopforganisation wird — man kennt das aus meinen früheren Vorträgen —, dann wird man schon einsehen, daß solch ein äußerlich körperlich Auftretendes eine gewisse Bedeutung im Leben des Menschen haben kann, insofern dieses Leben wiederholte Erdendaseine umfaßt. Von diesem Klumpfuß aus konnte ich diese Lehrerpersönlichkeit zurückverfolgen. Und trotzdem sie, ich möchte sagen, als eine unberühmte Persönlichkeit dasteht — aber als eine Persönlichkeit, die in dem Kreise, in dem sie wirkte, wenigstens auf mich und auch auf andere einen intensiven Eindruck machen konnte und auch auf das Leben vieler Menschen in der Tat einen außerordentlich starken Einfluß hatte —, konnte ich verfolgen, wie die Betrachtung dieser Persönlichkeit zurückführte in dieselbe Region der geschichtlichen Entwickelung, wo man auch Lord Byron zu suchen hat.
[ 15 ] If one considers that, in the transition from one earthly life to the next, what was the head organization in the previous life becomes the foot organization, and what was previously the foot organization was the organization of the limbs becomes the organization of the head—as you know from my earlier lectures—then one will already realize that such an outwardly physical manifestation can have a certain significance in human life, insofar as this life encompasses repeated earthly existences. From this clubfoot, I was able to trace back this teacher’s personality. And even though he stands, I might say, as an obscure figure—yet as a figure who, within the circle in which he was active, was able to make a profound impression at least on me and on others as well, and who in fact had an extraordinarily strong influence on the lives of many people— I was able to trace how contemplation of this figure led back to the same region of historical development where Lord Byron is also to be found.
[ 16 ] Nun hatte Lord Byron auch einen Klumpfuß. Und diese Eigentümlichkeiten — scheinbar äußerlich, aber was in einem Leben äußerlich körperlich ist, ist in einem anderen Leben geistig-seelisch —, diese Eigenschaften, die führten dazu, zu erkennen, daß die beiden Persönlichkeiten, die jetzt nicht im gleichen Erdenleben lebten — mein Geometrielehrer mit dem Klumpfuß lebte später als Byron mit dem Klumpfuß —, daß die in einem früheren Erdenleben miteinander vereinigt waren. Also diese beiden: der eine als der geniale Dichter, der andere als der geniale Geometer, der eine zu weiter Berühmtheit kommend, der andere nur intimen Eindruck auf einzelne Menschen machend, aber schicksalbestimmend für manche Menschen, sie standen nebeneinander im früheren mittelalterlichen Erdenleben. Beide hatten sie miteinander gehört die Legende vom Palladium, das einstmals das Kleinod von Troja war, das heilige Kleinod, das dann mit Äneas herübergekommen ist, dann als Kleinod von Rom angesehen war, an dem das Glück von Rom hing und das dann von dem Kaiser Konstantin hinübergebracht worden ist nach Konstantinopel. Das Glück wiederum, das mit Konstantinopel geschichtlich verbunden war, hing an diesem Palladium. Und die Legende erzählt weiter, prophetisch in die Zukunft schauend: wer dieses Palladium erwirbt, der wird die Weltherrschaft in der Zukunft haben.
[ 16 ] Now, Lord Byron also had a clubfoot. And these peculiarities—seemingly external, but what is outwardly physical in one life is spiritual and psychological in another—these characteristics led to the realization that the two personalities, who were not living in the same earthly life at that time—my geometry teacher with the clubfoot lived later than Byron with the clubfoot—had been united in an earlier earthly life. So these two: one as the brilliant poet, the other as the brilliant geometer, one achieving widespread fame, the other making only a profound impression on a few individuals, yet shaping the destinies of many—they stood side by side in their earlier medieval earthly life. Both had heard together the legend of the Palladium, which was once the treasure of Troy, the sacred treasure that then came over with Aeneas, was later regarded as the treasure of Rome—upon which Rome’s fortune depended—and was then brought by Emperor Constantine to Constantinople. In turn, the fortune historically associated with Constantinople depended on this Palladium. And the legend continues, looking prophetically into the future: whoever acquires this Palladium will rule the world in the future.
[ 17 ] Über das Meritorische und das Inhaltliche dieser Legende mich auszulassen, ist hier keine Veranlassung. Ich will nur sagen, daß diese beiden Menschen, die dazumal im heutigen Rußland inkarniert waren, miteinander die enthusiastische Reise nach dem Palladium, nach Konstantinopel unternommen hatten, dort das Palladium nicht erobern konnten, aber ihren Enthusiasmus im Herzen behielten.
[ 17 ] There is no reason here to go into detail about the merits or content of this legend. I will only say that these two people, who were incarnated at that time in what is now Russia, undertook together an enthusiastic journey to Constantinople in search of the Palladium; though they were unable to capture the Palladium there, they retained their enthusiasm in their hearts.
[ 18 ] Und nun konnte man wirklich sehen, wie Byron in anderer Weise das Palladium als Teilnehmer an der griechischen Freiheitseroberung holen wollte. Und wenn man das Leben Lord Byrons durchprüft, wird man schon finden, wieviel bei dieser genialen Dichterpersönlichkeit davon abhing, daß sie eine solche enthusiastische Anregung in einem früheren Erdenleben durchgemacht hatte.
[ 18 ] And now one could truly see how Byron, in a different way, sought to retrieve the Palladium as a participant in the Greek struggle for freedom. And if one examines Lord Byron’s life closely, one will discover just how much of this brilliant poetic personality depended on having experienced such enthusiastic inspiration in a previous earthly life.
[ 19 ] Und wiederum, wenn ich auf meinen Geometrielehrer zurückschaue: bei all den bescheidenen Eigenschaften, die er hatte, erschien es mir, daß er die reizenden, sympathischen Eigenschaften, die er entwickeln konnte, dieser Unternehmung von dazumal verdankte, wenn er auch an jener damaligen Unternehmung nur in zweiter Linie beteiligt war. Wäre er vollständig gleichbeteiligt gewesen mit Lord Byron, dann wäre er auch im späteren Leben sein Zeitgenosse geworden.
[ 19 ] And again, when I look back on my geometry teacher: despite all his modest qualities, it seemed to me that he owed the charming, likable qualities he was able to develop to that undertaking of long ago, even though he had only played a secondary role in it at the time. Had he been fully on equal footing with Lord Byron, he would have become his contemporary in later life as well.
[ 20 ] Dieses Beispiel führe ich an, damit Sie sehen, man muß auf den ganzen Menschen, zum Beispiel auch auf körperliche Fehler schauen, wenn man karmische Zusammenhänge erforschen will. Wenn man da findet, daß irgendeine Persönlichkeit eine hervorragende geistige Signatur in einem bestimmten Erdenleben hat, sagen wir ein großer Maler war, dann darf man nicht etwa daraus abstrakt schließen: das war auch in dem vorigen Erdenleben ein großer Maler. Was an der Oberfläche der Seele auftritt, das sind auch nur die Wellen, die vom Karma erst gewoben werden. Das Karma verfließt viel tiefer und hat es mit Leib, Seele und Geist des Menschen zu tun. Und man muß einen Blick haben für das gesamte Erdenleben.
[ 20 ] I cite this example so that you can see that one must consider the whole person—including, for example, physical imperfections—if one wishes to explore karmic connections. If one finds that a particular personality has an outstanding spiritual signature in a specific earthly life—let’s say they were a great painter—then one must not draw an abstract conclusion from this, such as: “They were also a great painter in their previous earthly life.” What appears on the surface of the soul are merely the ripples first woven by karma. Karma flows much deeper and has to do with the human being’s body, soul, and spirit. And one must have an eye for the entire earthly life.
[ 21 ] Manchmal führt einen bei diesen Eigentümlichkeiten des menschlichen Lebens auf karmische Zusammenhänge die Art, wie jemand seine Finger bewegt, viel mehr, als irgendwie seine sonst maßgeblichen Betätigungsmöglichkeiten im Leben. Ich habe schon die Erfahrung einmal gemacht, daß ich bei einer Persönlichkeit auf intime karmische Zusammenhänge durch etwas Nebensächliches gekommen bin. Es machte mir bei dieser Persönlichkeit, die oft Unterricht zu erteilen hatte, einen tiefen Eindruck, daß sie jedesmal, bevor sie Unterricht erteilte, zuerst das Taschentuch herausnahm und sich die Nase putzte. Er fing niemals anders mit seinem Unterricht an, der betreffende Mann, es war eine tiefgewurzelte Eigentümlichkeit. In dem bedeutsamen Eindruck, den ich davon bekommen habe, konnte man dann eine Intention finden, um zurückzugehen auf wichtige Dinge, auf bedeutungsvolle Dinge im vorigen Erdenleben. Zeichen muß man finden, Zeichen, etwas am Menschen, was oftmals Bedeutsames bezeichnet: dann findet man zurück in die vorigen Erdenleben.
[ 21 ] Sometimes, when it comes to these peculiarities of human life, the way someone moves their fingers points to karmic connections far more than any of their other, more significant activities in life. I once had the experience of discovering intimate karmic connections in a person through something seemingly trivial. It made a deep impression on me that this person, who often had to give lessons, would always take out a handkerchief and blow his nose before beginning a lesson. He never started his lessons any other way—it was a deeply ingrained habit. In the significant impression this made on me, one could then find an intention to trace back to important things, to meaningful events in a previous earthly life. One must find signs—signs, something in a person that often indicates something significant—and then one finds one’s way back to previous earthly lives.
[ 22 ] Nun, nachdem ich Ihnen dies gewissermaßen vor die Seele hingestellt habe, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, wie geschichtlich interessant die Frage nach dem Karma wird. Nehmen Sie nur einzelne konkrete Fälle. Nehmen Sie zum Beispiel den Fall: Im 18. Jahrhundert tritt in einer ganz merkwürdigen Weise Swedenborg auf. Ich habe im vorigen Jahr in Penmaenmawr von einem ganz anderen Standpunkte aus über die geistige Eigentümlichkeit von Swedenborg gesprochen, damals wohl aber sein Karma nicht berührt.
[ 22 ] Now that I have, so to speak, presented this to you, I would like to draw your attention to how historically interesting the question of karma becomes. Just consider a few specific cases. Take, for example, the following case: In the 18th century, Swedenborg appeared in a very peculiar way. Last year in Penmaenmawr, I spoke about Swedenborg’s spiritual uniqueness from a completely different perspective, though at that time I did not touch upon his karma.
[ 23 ] Swedenborg ist eine merkwürdige Persönlichkeit. Er wird mehr als vierzig Jahre alt und ist bis dahin ein außerordentlich großer, bedeutender Gelehrter, so bedeutend, daß er viele rein wissenschaftliche Schriften schreibt, die die Wissenschafter ganz gelten lassen; so bedeutend, daß jetzt sich noch die schwedische Akademie der Wissenschaften damit beschäftigt, die vielen Bände, die noch nicht herausgegeben sind, die im Nachlaß sind, herauszugeben — rein wissenschaftliche Schriften. Mit der Ausgabe dieser ganz exakt wissenschaftlichen Werke beschäftigt sich zum Beispiel Arrhenius, und man muß schon sagen, da muß etwas im höchsten Grade unspirituell sein, wenn sich Arrhenius dafür interessiert! Also niemand könnte dem Swedenborg nachsagen bis in sein vierzigstes Jahr hinein, daß er irgend etwas mit Spirituellem zu tun gehabt hätte in seinem Erkennen. Dann plötzlich fängt er an — wie die Wissenschafter sagen — verrückt zu werden, fängt plötzlich an, große, umfassende Beschreibungen der geistigen Welt zu geben, wie er sie gesehen hat. Wie etwas ganz Neues, kometenartig, tritt es auf in diesem Swedenborg-Leben. Man frägt sich: Ja, wie muß es da liegen mit einem früheren Erdenleben, daß das so herauskommen kann?
[ 23 ] Swedenborg is a remarkable figure. He lived to be over forty years old and, by that time, had become an extraordinarily great and significant scholar—so significant that he wrote many purely scientific works that scientists fully accept; so significant that even now the Swedish Academy of Sciences is still working to publish the many volumes that have not yet been published, those in his estate—purely scientific works. Arrhenius, for example, is engaged in the publication of these highly precise scientific works, and one really has to say that something must be extremely unspiritual for Arrhenius to be interested in it! So no one could accuse Swedenborg, right up until his fortieth year, of having had anything to do with the spiritual in his understanding. Then suddenly he begins—as scientists would say—to go mad; he suddenly begins to provide grand, comprehensive descriptions of the spiritual world as he saw it. It appears in Swedenborg’s life like something entirely new, like a comet. One wonders: Well, what must the situation be regarding a previous earthly life for something like this to emerge?
[ 24 ] Wiederum ist eine Persönlichkeit da wie Voltaire — ich will einzelne jetzt anführen, die uns Fragen stellen können —, Voltaire, der auftritt als eine ganz, ich möchte sagen, inkommensurable Persönlichkeit. Man weiß zunächst gar nicht, wie dieser zum Teil spottende, zum Teil pietistisch mit allen Lebenssalben geschmierte Mensch aus seinem Zeitalter herauswächst und wiederum einen so riesigen Einfluß auf sein Zeitalter gewinnt.
[ 24 ] Once again, there is a figure like Voltaire—I want to mention a few individuals now who can pose questions to us—Voltaire, who emerges as a truly, I would say, incomparable figure. At first, one has no idea how this man—partly mocking, partly pietistic, smeared with all the ointments of life—grows beyond his era and yet comes to exert such an enormous influence on his era.
[ 25 ] Und wie ironisch wirkt da das Schicksal! Dieser Voltaire übt einen so großen Einfluß auf den preußischen König aus, es spielt sich so Bedeutsames im Schicksale des europäischen Geisteslebens ab durch diese Verbindung des Voltaire mit dem preußischen König! Man bekommt die Frage: Was liegt da eigentlich tiefer in den Hintergründen der historischen Entwickelung vor?
[ 25 ] And how ironic fate seems! This Voltaire exerts such a great influence on the Prussian king; such significant events in the fate of European intellectual life unfold through this connection between Voltaire and the Prussian king! One is led to ask: What actually lies deeper in the background of historical development?
[ 26 ] Und wiederum ein anderer Fall kann aufgeworfen werden, gerade in der heutigen Zeit, wo manches wiederum sehr aggressiv hervortritt aus den Hintergründen des Daseins: Betrachten wir eine solche Persönlichkeit, wie die des im 16. Jahrhundert verstorbenen Ignatius von Loyola, des Begründers der Gesellschaft Jesu, des Jesuiten-Ordens.
[ 26 ] And yet another case can be raised, especially in today’s world, where certain things are once again emerging very aggressively from the background of existence: Let us consider a figure such as Ignatius of Loyola, who died in the 16th century, the founder of the Society of Jesus, the Jesuit Order.
[ 27 ] Wenn man das merkwürdige Schicksal des Jesuiten-Ordens nimmt, dann muß man doch die Frage stellen: In welcher Weise lebte, und falls er schon wiederum gekommen ist, lebt in der geschichtlichen Entwickelung Ignatius von Loyola fort, nachdem er für das Erdenleben durch die Pforte des Todes gegangen war?
[ 27 ] When one considers the strange fate of the Jesuit Order, one cannot help but ask: In what way did Ignatius of Loyola live on—and, if he has indeed returned, continues to live on—in the course of history after he had passed through the gate of death and left earthly life behind?
[ 28 ] Da haben Sie solche Fragen, die, wenn sie beantwortet werden können, doch gewiß geeignet sind, den historischen Hintergrund von manchem zu beleuchten, was geschehen ist.
[ 28 ] There are questions like these which, if they can be answered, are certainly well-suited to shedding light on the historical background of many of the events that have taken place.
[ 29 ] Es führte zum Beispiel der intuitive Blick zurück zu einer Seele, die in der Zeit, die nicht lange auf Augustinus folgte, in nordafrikanischen Schulen ausgebildet wurde, ebenso wie Augustinus selbst. Diese Persönlichkeit, von der ich spreche als etwa dem 5. Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung angehörig, sie konnte in Afrika in jenen Schulen, die eben auch der heilige Augustinus durchgemacht hat, bekannt werden mit alldem, was aus der Manichäer-Wissenschaft hervorging, aus dem, was herrührte aus tief orientalischer, aber in der späteren Zeit veränderten Weisheit. Diese Persönlichkeit kam dann in ihrer weiteren Lebenswanderung herüber nach Spanien, nahm da dasjenige in sich auf, was man frühkabbalistische Lehre nennen könnte, kabbalistische Lehre, durch die man große Zusammenhänge in der Weltenordnung überblickt, so daß diese Persönlichkeit in Afrika, in Spanien ausgestattet werden konnte mit einem außerordentlich weiten Blick, aber zu gleicher Zeit mit einer Erkenntnis, die zum Teil schon in der Dekadenz, zum Teil erst im Aufblühen war, die also in einer gewissen Beziehung die Seele vertiefte und auch zu gleicher Zeit unklar ließ.
[ 29 ] For example, this intuitive perspective led back to a soul who, in the period shortly following Augustine, was educated in North African schools, just as Augustine himself had been. This individual, whom I am referring to as belonging to roughly the 5th century of the Christian era, was able to become acquainted in Africa—in those very schools that Saint Augustine himself had attended—with everything that emerged from Manichaean scholarship, from that which stemmed from deeply Eastern wisdom, though later altered. This individual then traveled on to Spain in the course of his life’s journey, where he absorbed what might be called early Kabbalistic teaching—a Kabbalistic teaching that provides an overview of the great interconnections within the order of the world—so that this individual was able to acquire, in Africa and in Spain, an extraordinarily broad perspective, but at the same time with an insight that was partly already in decline and partly just beginning to flourish—an insight that, in a certain sense, deepened the soul while simultaneously leaving it in a state of obscurity.
[ 30 ] Diese Persönlichkeit kam dann, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen war, vorher aber sich auch auf Reisen herumgetrieben hatte, in der Auswirkung ihres Karmas an einer bestimmten Stelle zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in eine Berührung mit einem besonderen Genius, mit einer besonderen geistigen Wesenheit, die der Marswelt angehört.
[ 30 ] After passing through the gate of death—and having wandered about on various journeys beforehand—this individual, as a result of their karma, came into contact at a certain point between death and a new birth with a special genius, a special spiritual being belonging to the world of Mars.
[ 31 ] Sehen Sie, es ist ja so, daß der Mensch in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit anderen Menschenseelen, mit denen er karmisch in Verbindung steht, sich sein folgendes Karma, das er sich einverleibt in den folgenden Erdenleben, geistig ausbaut. Aber nicht nur andere Menschenseelen nehmen an dem Ausbau dieses Karma teil, sondern auch Wesenheiten der verschiedenen geistigen Hierarchien, die gerade durch das, was die betreffende Seele herüberbringt aus früheren Erdenleben, Aufgaben bekommen. Und so war denn diese Seele, von der ich hier spreche, durch dasjenige, was sie in früheren Erdenleben, namentlich in dem Erdenleben, das maßgeblich war, das ich eben skizzierend beschrieben habe, aufgenommen, getan, gedacht, empfunden hatte, bei dem karmischen Ausbau des folgenden Lebens in die Nähe einer geistigen Wesenheit gebracht worden, die den Marswelten angehört. Da hatte sie erstens einen stark aggressiven Sinn bekommen, auf der anderen Seite aber auch eine ungeheureSprachgewandtheit, denn aus dem Kosmos heraus wird alles, was jemals in eineSprache eingeht, durch Marswesenheiten präpariert und den Menschen in ihr Karma gelegt. Was an Sprachgewandtheit, Sprachkunst, in des Menschen Karma auftritt, rührt immer davon her, daß die betreffende Persönlichkeit je nach ihren karmischen Erlebnissen in die Nähe von Marswesenheiten gekommen ist.
[ 31 ] You see, the fact is that during the time between death and a new birth, a person spiritually develops his or her future karma—which he or she will incorporate into subsequent earthly lives—together with other human souls with whom he or she has a karmic connection. But it is not only other human souls that participate in the development of this karma; beings from the various spiritual hierarchies also play a role, and they are assigned tasks precisely because of what the soul in question brings with it from previous earthly lives. And so this soul of which I speak here, through what it had absorbed, done, thought, and felt in previous earthly lives—namely, in the decisive earthly life I have just outlined—was, in the karmic development of its next life, brought into the vicinity of a spiritual being belonging to the worlds of Mars. There, it had first acquired a strongly aggressive disposition, but on the other hand also an immense eloquence; for everything that ever enters into a language is prepared by Martian beings from the cosmos and placed within a person’s karma. Whatever eloquence or linguistic artistry appears in a person’s karma always stems from the fact that the individual in question, depending on their karmic experiences, has come into close proximity with Martian beings.
[ 32 ] Diese Persönlichkeit, von der ich gesprochen habe, diese Individualität, die nun in die Nähe einer besonderen Marswesenheit gekommen war — welche Marswesenheit mich im höchsten Grade anfing zu interessieren, als ich sie im Zusammenhange mit dieser Menschenseele kennenlernte —, diese Individualität erschien dann im 18. Jahrhundert wieder als Voltaire. So daß Voltaire alles das, was ich Ihnen geschildert habe von den nordafrikanischen, spanischen Menschen, aus einem früheren Erdenleben in sich trug, es umgearbeitet so in sich trug, daß die Formung des Karma mit Hilfe dieses Marswesens, dieses besonderen Marsgenius geschehen war. Wenn Sie die große Sprachgewandtheit Voltaires nehmen, wenn Sie seine Haltlosigkeit in vielen Dingen nehmen, wenn Sie nicht so sehr den Inhalt dessen, was er schrieb, als vielmehr die ganze Haltung und den Habitus seines Wirkens nehmen, so werden Sie Stück für Stück begreiflich finden, daß Voltaire so wurde unter den Einwirkungen, die ich Ihnen als seine karmischen Einflüsse eben schilderte. Und wenn man nun sieht, wie sich Voltaire aus früheren Erdenleben herüberlebt mit seinem aggressiven Sinn, mit seiner Sprachgewandtheit, mit seiner Spottsucht über so vieles, mit seiner teilweise verhüllten Unaufrichtigkeit, wiederum aber mit einem großen Enthusiasmus für die weitere Wahrheit, wenn man das auf der einen Seite im Verhältnis mit früheren Erdenleben nimmt, auf der anderen Seite in Zusammenhang bringt mit dieser Marswesenheit, so fängt einen doch sowohl Voltaire, aber noch mehr von einem okkulten Standpunkte aus diese Marswesenheit zu interessieren an.
[ 32 ] This personality I have spoken of, this individual who had now come into close contact with a particular Martian being—a Martian being who began to interest me to the highest degree when I came to know it in connection with this human soul—this individual then reappeared in the 18th century as Voltaire. So that Voltaire carried within himself everything I have described to you about the North African and Spanish people from a previous earthly life, having reworked it within himself in such a way that the shaping of his karma had taken place with the help of this Martian being, this particular Martian genius. If you consider Voltaire’s great eloquence, if you consider his inconsistency in many matters, if you focus not so much on the content of what he wrote as on the overall attitude and demeanor of his work, you will gradually come to understand that Voltaire became what he was under the influences I have just described to you as his karmic influences. And when one now sees how Voltaire carries over from earlier earthly lives his aggressive spirit, his eloquence, his tendency to mock so many things, his partly veiled insincerity, yet also his great enthusiasm for the greater truth—when one considers this, on the one hand, in relation to his earlier earthly lives and, on the other hand, in connection with this Martian being— then one begins to take an interest not only in Voltaire, but even more so—from an occult standpoint—in this Martian entity.
[ 33 ] Dieser Marswesenheit nachzugehen, wurde für mich zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Aufgabe. Und durch diese Marswesenheit wurde das Folgende wiederum beleuchtet, was Erdenereignisse sind. Uns fällt in der Geschichte die merkwürdige Gestalt des Ignatius von Loyola auf, des Begründers der Gesellschaft Jesu: Ignatius von Loyola, der zunächst Kriegsmann ist, durch eine schwere Krankheit niedergeworfen wird und während dieser schweren Krankheit zu allerlei Seelenexerzitien getrieben wird, durch die er sich mit innerlicher spiritueller Stärke erfüllt, sich die Aufgabe stellen kann, das alte katholische Christentum gegenüber den sich ausbreitenden evangelischen Bestrebungen zu retten. Dieser Ignatius von Loyola, dem es gelingt, in sich selber mit Hilfe derjenigen Kräfte, die er gerade durch sein verwundetes Bein hatte — und das ist das Interessante —, den Jesuiten-Orden zu stiften, der in der stärksten Weise okkulte Willensexerzitien ins praktisch-religiöse Leben überführt, der in einer großartigen Weise im Grunde genommen — wie man sich sonst dazu stellen mag, das kommt gar nicht in Frage —, aber der in einer großartigen Weise auf eine rein materielle Art durch Willenstrainierung die Sache Jesu auf der Erde vertreten will und diesen Jesuiten-Orden stiftet.
[ 33 ] Investigating this Martian entity became, at a certain time, a specific task for me. And through this Martian entity, the nature of earthly events was in turn shed light upon. In history, we are struck by the remarkable figure of Ignatius of Loyola, the founder of the Society of Jesus: Ignatius of Loyola, who was initially a soldier, was struck down by a serious illness and, during this illness, was driven to undertake all manner of spiritual exercises, through which he filled himself with inner spiritual strength, enabling him to take on the task of saving traditional Catholic Christianity in the face of the spreading Protestant movements. This Ignatius of Loyola, who succeeded—with the help of the very forces he derived from his wounded leg (and this is the interesting part)—in founding the Jesuit Order, which in the most powerful way translates occult exercises of the will into practical religious life; who, in a magnificent way—regardless of how one might otherwise view it, that is out of the question—but who, in a magnificent way and in a purely material sense through will training, sought to represent the cause of Jesus on earth and founded this Jesuit Order.
[ 34 ] Wer sich einläßt auf das Leben des Ignatius von Loyola, kommt schon zu einer gewissen Bewunderung dieses merkwürdigen Lebens. Und nun faßt man, wenn man gerade mit dem intuitiv-okkulten Blicke die Sache verfolgt, dann ein Bedeutsames auf.
[ 34 ] Anyone who delves into the life of Ignatius of Loyola cannot help but feel a certain admiration for this remarkable life. And then, when one approaches the matter with an intuitive, occult perspective, one grasps something significant.
[ 35 ] Durch Ignatius von Loyola ist dieser Jesuiten-Orden entstanden, der das Christentum am meisten einsenkt in das irdisch-materielle Leben, aber es mit starker spiritueller Kraft einsenkt. Dieser Jesuiten-Orden hat ja eine Regel, die den modernen Menschen ganz abstößt, die aber in vieler Beziehung die größte seiner Wirksamkeiten bedeutet. Der Jesuiten-Orden hat außer den gewöhnlichen Mönchsgelübden, außer den Exerzitien, außer alledem, was die werdenden Jesuiten durchmachen müssen, um überhaupt Priester zu werden, auch noch die Regel, daß er sich bedingungslos dem Befehl des römischen Papstes unterwerfe. Was auch der römische Papst fordert, es wird nicht gefragt innerhalb des Jesuiten-Ordens, was man weiter darüber denken soll: es wird ausgeführt, weil man überzeugt ist, daß durch den römischen Papst höhere Dinge sich kundgeben und man im unbedingten Gehorsam gegen Rom den Befehl dieser höheren Macht auszuführen habe. Das ist, wenn auch eine bedenkliche Sache, doch eine Selbstlosigkeit, die im Walten des Jesuitismus vorhanden ist, die aber wiederum eine ungeheure Stärkung der Kraft bedeutet; denn alles, was ein Mensch so tut, daß er es mit ungeheurer Kraftanstrengung und Intensität in einem Dienste tut, nicht aus Emotion heraus, das gibt eine gewaltige Stärke. Diese Stärke bewegt sich sozusagen in der niederen Wolke des Materiellen, ist aber eine spirituelle Kraft. Es ist eben etwas ganz Eigentümliches.
[ 35 ] Ignatius of Loyola founded this Jesuit Order, which integrates Christianity most deeply into earthly, material life—but does so with great spiritual power. This Jesuit Order has a rule that is quite repulsive to modern people, but which, in many respects, is the source of its greatest effectiveness. In addition to the usual monastic vows, the spiritual exercises, and everything else that prospective Jesuits must undergo in order to become priests at all, the Jesuit Order also has the rule that it must submit unconditionally to the commands of the Pope in Rome. Whatever the Pope of Rome demands, no one within the Jesuit Order asks what one should think of it; it is carried out because they are convinced that higher truths are revealed through the Pope of Rome and that, in unconditional obedience to Rome, they must carry out the command of this higher power. Although this is a matter of concern, it is nonetheless a selflessness present in the workings of Jesuitism, which in turn signifies an immense strengthening of power; for everything a person does in such a way that they perform it with immense effort and intensity in the service of a cause—not out of emotion—bestows tremendous strength. This strength moves, so to speak, within the lower realm of the material, yet it is a spiritual force. It is, in fact, something quite unique.
[ 36 ] Und nun kommt man, wenn man diese merkwürdigen, frappierenden, großartigen Erscheinungen verfolgt, darauf, daß dieser selbe Genius vom Mars, von dem ich Ihnen gesprochen habe, der dem Leben Voltaires zugrunde liegt, daß dieser selbe Genius es ist, der aus übersinnlichen Einflüssen heraus das Leben des Ignatius von Loyola begleitet hat von dem Punkte an, wo Ignatius von Loyola durch die Pforte des Todes gegangen ist. Immerfort stand Ignatius von Loyolas Seele unter dem Einflusse dieses Marsgenius.
[ 36 ] And now, when one observes these remarkable, striking, magnificent phenomena, one comes to the conclusion that this very same genius of Mars, of whom I have spoken to you—the one who underlies Voltaire’s life—is the very same genius who, through supernatural influences, accompanied the life of Ignatius of Loyola from the moment Ignatius of Loyola passed through the gate of death. Ignatius of Loyola’s soul was constantly under the influence of this genius of Mars.
[ 37 ] Unmittelbar nachdem Ignatius von Loyola durch die Pforte des Todes gegangen war, war es bei ihm ganz anders als bei anderen Menschen. Andere Menschen haben, indem sie ihren Ätherleib nicht sogleich nach dem Tode, aber wenige Tage später ablegen, eine kurze Rückschau auf das Erdenleben, bevor die Wanderung durch die Seelenwelt anzutreten ist. Ignatius von Loyola hatte eine lange Rückschau. Gerade durch diese besondere Art von Exerzitien, die in der Seele des Ignatius von Loyola aufgestoßen sind, entstand nämlich eine besondere intensive Verbindung mit dem Marsgenius, weil eine Art Aktivität, eine Verwandtschaft, eine Wahlverwandtschaft bestand zwischen diesem Marsgenius und dem, was da in der Seele dieses kranken Kriegers vor sich ging, dieses Kriegers, der durch das Fußleiden auf das Bett geworfen war und von einem Krieger zu einem Menschen, der sein Bein nicht benützen konnte, geworden war.
[ 37 ] Immediately after Ignatius of Loyola had passed through the gate of death, his experience was quite different from that of other people. Other people, by shedding their etheric body not immediately after death but a few days later, have a brief opportunity to look back on their earthly life before embarking on their journey through the world of souls. Ignatius of Loyola had a long period of reflection. It was precisely through this special kind of spiritual exercise, which arose in the soul of Ignatius of Loyola, that a particularly intense connection with the Mars genius came into being, because there was a kind of activity, a kinship, an elective affinity between this Mars genius and what was taking place in the soul of this ailing warrior, this warrior who had been confined to bed by his foot ailment and had been transformed from a warrior into a man who could not use his leg.
[ 38 ] Das alles hatte eben einen ungeheuer starken Einfluß, und wenn man den Blick auf den ganzen Menschen richtet, so sieht man das ein. Und das führte diesen Ignatius von Loyola in Zusammenhang mit diesem Marsgenius, den ich aber auf dem anderen Wege kennenlernte. Und das, was sich da bildete durch diesen Zusammenhang, das machte es möglich, daß nun für Ignatius von Loyola diese bedeutungsvolle Rückschau gar nicht aufhörte, die sonst die Menschen nur tagelang haben nach dem Tode; sie dauerte immer fort. In dieser Rückschau auf sein Erdenleben verblieb Ignatius von Loyola und konnte dadurch einen rückschauenden Zusammenhang für alle diejenigen übernehmen, die im Jesuiten-Orden nachfolgten. Er blieb verbunden mit seinem Orden in der Rückschau auf sein eigenes Leben.
[ 38 ] All of this had an immensely strong influence, and when one looks at the whole person, one can see that. And this led Ignatius of Loyola into a connection with this Mars genius, whom I, however, came to know in a different way. And what took shape through this connection made it possible for Ignatius of Loyola to experience this meaningful retrospective that never ceased—a retrospective that people otherwise experience only for a few days after death; it continued indefinitely. Ignatius of Loyola remained in this retrospective view of his earthly life and was thus able to provide a retrospective framework for all those who followed in the Jesuit Order. He remained connected to his Order through this retrospective view of his own life.
[ 39 ] In dieser Rückschau des Ignatius von Loyola selber bildeten sich die Kräfte aus, die den Orden zusammenhielten, diese Kräfte, die eben so abnorm waren, daß sie auch die abnormen Schicksale des JesuitenOrdens bedingten: so sich zu stellen unter den unbedingten Gehorsam des Papstes, trotz der Aufhebung des Ordens durch den Papst, trotz den vielen Verfolgungen wiederum! Aber auch das, was die Jesuiten selber in der Welt vollbrachten, das alles wurde durch diesen eigentümlichen Zusammenhang, den ich eben dargestellt habe, herbeigeführt.
[ 39 ] In this retrospective account by Ignatius of Loyola himself, the forces that held the Order together took shape—forces that were so extraordinary that they also determined the extraordinary fate of the Jesuit Order: to place themselves under the unconditional obedience of the Pope, despite the Pope’s dissolution of the Order, and despite the many persecutions that followed! But even what the Jesuits themselves accomplished in the world—all of it—was brought about by this peculiar connection that I have just described.
[ 40 ] Nun zeigt dieses Beispiel noch etwas anderes, etwas, was geradezu funkelnd Licht verbreitend ist über gewisse historische Zusammenhänge. Sehen Sie, nachdem Ignatius von Loyola gelebt hat, ist er ja eigentlich immer in Erdennähe geblieben, denn man ist in Erdennähe, wenn man diese Rückschau hat. Wenn sich diese Rückschau nun ausdehnt, so kann sie sich ja doch nicht über viele Jahrhunderte ausdehnen, denn eigentlich ist sie, wenn sie sich schon über lange Zeiträume ausdehnt, etwas ganz Abnormes — aber es treten eben immer abnorme Dinge im Weltenzusammenhang ein. Und da erschien verhältnismäßig kurz nach seinem Erdenleben Ignatius von Loyola wieder in der Seele von Emanuel Swedenborg.
[ 40 ] Now, this example reveals something else as well—something that sheds a truly dazzling light on certain historical connections. You see, even after Ignatius of Loyola passed away, he has, in a sense, always remained close to the earth, for one is close to the earth when one looks back in this way. If this retrospective perspective were to expand, it could not possibly extend over many centuries, for in reality, if it were to span such long periods of time, it would be something quite abnormal—but abnormal things do occur in the context of the world. And so, relatively soon after his earthly life, Ignatius of Loyola reappeared in the soul of Emanuel Swedenborg.
[ 41 ] Das ist etwas außerordentlich Frappierendes, aber zugleich auch etwas außerordentlich Aufklärendes. Denn nehmen Sie das funkelnde historische Licht, das da verbreitet wird: Der Jesuiten-Orden bestand weiter; aber derjenige, der ihn zusammengehalten hat bis zu einem gewissen Momente, der war ein ganz anderer geworden, der trat auf als die Individualität des Emanuel Swedenborg, so daß durch Emanuel Swedenborgs Vergeistigung der Jesuiten-Orden von ganz anderen Impulsen geleitet ist, als von denen seines früheren Stifters. Man sieht eben im geschichtlichen Werden die Stifter von irgendeiner Sache, diejenigen Persönlichkeiten, die tief verbunden waren mit einer Sache, wenn man den karmischen Verlauf verfolgt, sich von diesen Bewegungen trennen und diese Bewegungen an ganz andere Kräfte übergehen. So daß man lernt: es hat ja gar keinen historischen Sinn, vom heutigen JesuitenOrden so zu sprechen, daß man ihn zurückführt auf Ignatius von Loyola. Die äußere Geschichte tut das. Das innere Erkennen kann das gar nicht tun, weil man sieht, wie sich die Individualitäten trennen von ihren Bewegungen.
[ 41 ] This is something extraordinarily striking, but at the same time also something extraordinarily enlightening. For consider the sparkling historical light that is shed here: The Jesuit Order continued to exist; but the one who had held it together up to a certain point had become someone entirely different—he emerged as the individuality of Emanuel Swedenborg—so that, through Emanuel Swedenborg’s spiritualization, the Jesuit Order is guided by impulses entirely different from those of its earlier founder. One sees, in the course of historical development, that the founders of any given cause—those personalities who were deeply connected to it—when one traces the karmic course, separate themselves from these movements, and these movements pass over to entirely different forces. Thus one learns: it makes no historical sense at all to speak of today’s Jesuit Order in such a way as to trace it back to Ignatius of Loyola. External history does this. Inner insight cannot do this at all, because one sees how individualities separate from their movements.
[ 42 ] So wird manche historische Erscheinung nach dem äußeren Verlaufe auf diesen oder jenen Begründer zurückgeführt; kennt man aber das spätere Erdenleben des Begründers, weiß man, daß er sich längst von der Erscheinung, die er historisch begründer hat, getrennt hat, dann verliert die ganze Geschichte für vieles, so wie es dargestellt wird, einfach ihren Sinn, wenn man die okkulten Tatsachen, die dahinterstehen in der karmischen Evolution, wirklich treffen will. Das ist das eine.
[ 42 ] Thus, many historical phenomena are attributed to this or that founder based on their outward course; but if one is familiar with the founder’s later earthly life, one knows that he has long since separated himself from the phenomenon he historically initiated; then the entire story, as it is presented, simply loses its meaning in many respects if one truly wishes to grasp the occult facts underlying it in karmic evolution. That is one thing.
[ 43 ] Das andere ist dieses: Es trat nun die Seele des Ignatius von Loyola, des Swedenborg, in einen Organismus, der sich seine Kopfgesundheit, seine ungeheure Kopfgesundheit durch die Beinkrankheit des Ignatius von Loyola errungen hatte im vorigen Leben. Und so konnte zunächst diese Seele, die immer in der Nähe der Erde geblieben war, in den Erdenkörper, der ihr jetzt in Emanuel Swedenborg gegeben war, nicht untertauchen. Der Körper blieb so, daß Emanuel Swedenborg bis in seine Vierzigerjahre hinein nur eben einen außerordentlich gesunden Körper mit einem gesunden Gehirn, einen außerordentlich gesunden Ätherleib mit gesunder Organisation, einen gesunden Astralleib hatte, daß er aber, indem er bei diesen Organisationen die höchste Gelehrsamkeit seiner Zeit entwickelte, erst mit den Vierzigerjahren, nach der Ich-Entwickelung, als er hineinkam in die Entwickelung des Geistselbstes, unter einen Einfluß kam, der nur etwas zurückgedrängt war in den ersten vierzig Jahren des Lebenslaufs des Swedenborg; er kam unter den Einfluß jenes selben Marsgenius, von dem ich schon gesprochen habe; und dieser Marsgenius mit all dem, was er jetzt geistig vom Weltenall weiß, spricht. Denn der war es, der jetzt sprach durch Emanuel Swedenborg.
[ 43 ] The other point is this: The soul of Ignatius of Loyola—that is, Swedenborg—entered an organism that had attained its mental health—its tremendous mental health—through Ignatius of Loyola’s leg ailment in a previous life. And so, at first, this soul—which had always remained close to the earth—could not fully enter the earthly body that was now given to it in Emanuel Swedenborg. The body remained such that, well into his forties, Emanuel Swedenborg had only an extraordinarily healthy physical body with a healthy brain, an extraordinarily healthy etheric body with a healthy constitution, and a healthy astral body; but as he developed the highest erudition of his time within these constitutions, it was not until his forties—after the development of the “I,” when he entered into the development of the spiritual self—that he came under an influence which had been only slightly suppressed during the first forty years of Swedenborg’s life; he came under the influence of that very same Mars genius of whom I have already spoken; and this Mars genius, with all that he now knows spiritually of the universe, speaks. For it was he who now spoke through Emanuel Swedenborg.
[ 44 ] Und so tritt der glänzende, großartige, geniale Beschreiber des Geisterlandes — wenn auch in Bildern, die bedenklich sind — in Emanuel Swedenborg auf, indem sich das große spirituelle Wollen des Ignatius von Loyola in dieser Weise umgestaltet.
[ 44 ] And so the brilliant, magnificent, and ingenious chronicler of the spiritual realm—albeit through images that are cause for concern—emerges in the person of Emanuel Swedenborg, as the great spiritual will of Ignatius of Loyola is transformed in this way.
[ 45 ] Es ist immer so: geht man den konkreten karmischen Zusammenhängen nach, so kommt in der Regel etwas Frappierendes heraus. Dasjenige, was man sehr häufig ausspintisiert über wiederholte Erdenleben, ist eben «ausspintisiert». Die Dinge, wirklich exakt erforscht, ergeben zumeist außerordentlich Frappierendes; denn das, was eigentlich als karmische Evolution sich fortbewegt von Erdenleben zu Erdenleben, das ist im Grunde unter all dem, was der Mensch zwischen Geburt und Tod auslebt, sehr, sehr verborgen.
[ 45 ] It’s always the same: if you investigate the specific karmic connections, something startling usually comes to light. What people very often speculate about regarding repeated earthly lives is, in fact, mere “speculation.” When examined with true precision, these matters usually reveal something extraordinarily striking; for what actually progresses as karmic evolution from one earthly life to the next is, in essence, very, very deeply hidden beneath everything a person experiences between birth and death.
[ 46 ] Ich wollte Ihnen dieses Beispiel in einer Persönlichkeit, die man gut kennen kann, vorführen, damit Sie sehen können, wie verborgen dasjenige sein kann, was karmisch weiterfließt von Erdenleben zu Erdenleben. Erforscht man dieses Verborgene, dann ergeben sich aber eigentlich erst die wirklichen Erklärungen.
[ 46 ] I wanted to illustrate this with the example of a well-known figure so that you can see how hidden that which flows karmically from one earthly life to the next can be. But it is only when one explores this hidden aspect that the true explanations actually emerge.
[ 47 ] Sehen Sie sich einmal das Leben des Emanuel Swedenborg an, Sie werden überall Erklärliches über Erklärliches finden, wenn Sie die Zusammenhänge kennen, von denen ich Ihnen gesprochen habe.
[ 47 ] Take a look at the life of Emanuel Swedenborg, and you will find explanations for everything once you understand the connections I have told you about.
[ 48 ] Im Beginne dieses Jahrhunderts war ich ja mehrmals in London. Bei einem dieser Aufenthalte erhielt ich eine gewisse Orientierung, zunächst äußerlich literarisch, über eine außerordentlich bedeutsame Persönlichkeit. Und da damals während der Aufenthalte bei den Reisen doch größere Zwischenzeiten waren, als jetzt sind, ließ ich mir die Bücher aus der Theosophischen Bibliothek geben, die von dieser Persönlichkeit geschrieben sind: von Laurence Oliphant.
[ 48 ] At the beginning of this century, I was in London several times. During one of these stays, I gained some insight—initially of a purely literary nature—into an extraordinarily significant figure. And since there were longer intervals between my travels back then than there are now, I had the books written by this figure—Laurence Oliphant—brought to me from the Theosophical Library.
[ 49 ] Laurence Oliphant ist ja tatsächlich eine außerordentlich interessante Persönlichkeit, eine Persönlichkeit, die einem sogleich eben als eine ganz bedeutende entgegentritt, wenn man ihre Bücher studiert. Die Bücher, welche über das Gleichartige in den verschiedenen Religionen handeln, über spirituelle Religionen und so weiter, diese Bücher zeugen alle von einer intensiven Kenntnis Laurence Oliphants des Zusammenhanges des Menschen in seinen verschiedenen Vorgängen, körperlichen und seelischen Vorgängen, mit den Geheimnissen des Weltenalls. Und man bekommt eigentlich, wenn man die Schriften von Oliphant liest, den Eindruck: Hier wird aus tiefen kosmischen Instinkten heraus der Mensch in seinem Erdenleben geschildert. Und wiederum, es werden die Vorgänge des menschlichen Erdenlebens, die zusammenhängen mit Geburt, Embryonalleben, Abstammung und so weiter so geschildert, daß sie in dem Lichte, in dem sie bei Laurence Oliphant erscheinen, zeigen, wie der Mensch als Mikrokosmos im Makrokosmos wunderbar drinnen wurzelt.
[ 49 ] Laurence Oliphant is indeed an extraordinarily interesting figure—one who immediately strikes one as a truly significant figure when one studies his books. The books that deal with the similarities among the various religions, with spiritual religions, and so on—these books all bear witness to Laurence Oliphant’s profound understanding of the connection between human beings, in their various physical and psychological processes, and the mysteries of the universe. And when one reads Oliphant’s writings, one actually gets the impression that here, drawing upon deep cosmic instincts, the human being is portrayed in his earthly life. Furthermore, the processes of human life on Earth—those related to birth, embryonic life, ancestry, and so on—are described in such a way that, as presented by Laurence Oliphant, they reveal how the human being, as a microcosm within the macrocosm, is wonderfully rooted within it.
[ 50 ] Nun führte mich das Studium von Oliphant sehr bald dazu, die Gestalt des verstorbenen Laurence Oliphant vor mir zu haben, aber viel weniger in solcher Art, daß mir scheinen konnte, man habe es mit der Individualität zu tun, wie sie jetzt lebt nach dem Tode; sondern aus dem Lebendigwerden, aus dem Spirituellwerden dessen, was in diesen, ich möchte sagen, kosmisch-physiologischen, kosmisch-anatomischen Schriften enthalten ist, kam eine nicht gleich ganz klare Gestalt heraus, die bei den verschiedensten Anlässen dann da war. Man konnte okkulte Untersuchungen auf diesem, auf jenem Gebiete machen: diese Gestalt, die ich nicht anders als in Zusammenhang mit dem bringen konnte, was mir aufgestiegen war aus der Lektüre von Laurence Oliphant, diese Gestalt war oftmals da; sie war eben da, sie stand da. Zunächst konnte ich mir oftmals nicht recht Rechenschaft darüber geben, was diese Gestalt wollte, was ihre Manifestationen bedeuten. Aber es zeigte sich eben aus der ganzen Art und Weise, wie diese Gestalt sich darlebte, von der ich genau wußte, sie ist Laurence Oliphants Individualität, daß diese Gestalt ein langes Leben gehabt hatte in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das heißt eben der Geburt des Laurence Oliphant, wahrscheinlich nur einmal durch ein Erdenleben unterbrochen, das aber nicht sehr bedeutend war für die andere Welt. So daß viel stecken konnte in dieser Persönlichkeit Laurence Oliphant. Kurz, auf eine bedeutsame karmische Frage wies immer dieses Erscheinen der Gestalt des Laurence Oliphant hin.
[ 50 ] My study of Oliphant very soon led me to visualize the figure of the late Laurence Oliphant before me, but not so much in a way that made it seem to me as though I were dealing with his individuality as it now lives on after death; but rather, from the coming to life, from the spiritualization of what is contained in these—I would say—cosmic-physiological, cosmic-anatomical writings, a figure emerged that was not immediately entirely clear, yet was present on a wide variety of occasions. One could conduct occult investigations in this or that field: this figure, which I could not relate to anything other than what had arisen in me from reading Laurence Oliphant, was often present; it was simply there, standing there. At first, I often could not quite make sense of what this figure wanted or what its manifestations meant. But it became clear from the very way this figure presented itself—and I knew for certain that it was Laurence Oliphant’s individuality—that this figure had lived a long life in the period between death and a new birth, that is, the birth of Laurence Oliphant, interrupted probably only once by an earthly life, which, however, was not very significant for the other world. So there could be a great deal contained within this personality of Laurence Oliphant. In short, this appearance of the figure of Laurence Oliphant always pointed to a significant karmic question.
[ 51 ] Nun war da bei den karmischen Forschungen solch eine geistige Wesenheit aufgetreten, die an der Ausarbeitung von Menschenkarma beteiligt ist, wie diejenige, von der ich Ihnen gelegentlich Voltaires, gelegentlich Ignatius von Loyolas eben gesprochen habe als einem Marsgenius. Solche Genien kann man in der verschiedensten Weise kennenlernen. Solche Genien sind dann namentlich da, wenn es darauf ankommt, Forschungen anzustellen, die nun gerade dahingehen, dasjenige, was dem Menschen zunächst in der Erdenwelt physisch gegeben ist, spirituell zu erforschen.
[ 51 ] Now, in the course of karmic research, a spiritual being had appeared who is involved in the shaping of human karma—just like the one I have occasionally spoken of to you in connection with Voltaire, and occasionally in connection with Ignatius of Loyola, as a Martian genius. One can come to know such genii in a wide variety of ways. Such genii are particularly present when it comes to conducting research aimed specifically at spiritually exploring what is initially given to human beings physically in the earthly world.
[ 52 ] Nun lag mir ja das immer nahe. Schon meine «Philosophie der Freiheit», die hier übersetzt ist in «Philosophy of Spiritual activity», führt ja in kosmische Betrachtungen des menschlichen Willenslebens hinein. Es lagen mir solche Dinge immer sehr nahe. Und die Fragen, die jetzt im Bereiche der Aufgaben der anthroposophischen Bewegung stehen, die führen ja, wenn sie sich auch darin nicht erschöpfen, wenn das auch nur ein Teil sein kann, sie führen ja auf karmische Untersuchungen. Und wieder, karmische Untersuchungen führen auf solche Genien, wie dieser Marsgenius ist, von dem ich gesprochen habe. Solche Genien treten einem aber auch entgegen, wenn man solche Forschungen anstellt, welche andeutungsweise von mir besprochen worden sind als demnächst erscheinend in dem Buche, das von Dr. Wegman und mir zusammen ausgearbeitet wird auf medizinischem Gebiete, das jetzt in seinem ersten Teile gedruckt ist. Wenn man in dieser Weise die initiierte Naturerkenntnis sucht, so kommt man in ähnlicher Weise auf Merkurgenien, die namentlich einem deshalb entgegentreten, weil im Karma der Menschen die Merkurgenien eine eigentümliche Rolle spielen. Wenn der Mensch durch das Leben zwischen dem’Tode und einer neuen Geburt geht, so wird er unter dem Einflusse der Mond wesen zuerst geläutert in bezug auf seine moralischen Qualitäten. Durch die Merkurgenien werden seine Krankheiten umgewandelt in spirituelle Qualitäten. So daß der Mensch dasjenige, was er an Krankheiten im Leben durchmacht, durch die Merkurgenien in der Merkursphäre umgewandelt bekommt in spirituelle Energien, Qualitäten. Das ist ein außerordentlich bedeutsamer Zusammenhang.
[ 52 ] Well, this has always been close to my heart. Even my Philosophy of Freedom, which is translated here as Philosophy of Spiritual Activity, leads into cosmic reflections on the life of the human will. Such things have always been very close to my heart. And the questions that now lie within the scope of the anthroposophical movement’s tasks—even if they are not exhausted by this, even if this may be only a part of it—lead, after all, to karmic investigations. And again, karmic investigations lead to such genii as this Mars genius of which I have spoken. Such genii, however, also come to meet one when one undertakes the kinds of research that I have hinted at as being included in the book currently being co-authored by Dr. Wegman and myself in the field of medicine, the first part of which is now in print. When one seeks this kind of initiated knowledge of nature, one similarly encounters Mercury genii, who appear to one specifically because Mercury genii play a distinctive role in human karma. When a human being passes through the life between death and a new birth, they are first purified with regard to their moral qualities under the influence of the lunar beings. Through the Mercury genia, their illnesses are transformed into spiritual qualities. Thus, what a person experiences as illness in life is transformed by the Mercury genia in the Mercury sphere into spiritual energies and qualities. This is an extraordinarily significant connection.
[ 53 ] Dieser Zusammenhang führt dann aber weiter dahin, gerade nach der Seite, die mit dem Pathologischen irgendwie zusammenhängt, karmische Fragen zu untersuchen. Nun führten mich diejenigen Forschungen, welche ich gerade jetzt in Torquay beschrieben habe, dazu, in einer eingehenderen Weise solch einen Geist, wie Brunetto Latini, den Lehrer Dantes, kennenzulernen.
[ 53 ] This connection, however, leads us further—specifically toward examining karmic questions related in some way to the pathological. Now, the research I have just described in Torquay led me to become more deeply acquainted with a figure such as Brunetto Latini, Dante’s teacher.
[ 54 ] Man kann ja dadurch, daß man in diese geistigen Welten auf die geschilderte Weise eindringt, auch Individualitäten gegenüberstehen in der Gestalt, in der sie in einer bestimmten Zeit gelebt haben. Und so kann sich einem interessant gegenüberstellen im 13. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung Brunetto Latini, der große Lehrer Dantes, der noch eine Naturerkenntnis hatte, in der die Natur angesehen wurde nicht in solchen Abstraktionen wie heute in Naturgesetzen, sondern unter dem lebendigen Einflusse eben geistlebendiger Wesenheiten. Und Brunetto Latini, als er zurückkehrte von seinem Posten als spanischer Gesandter, fand ja auf dem Wege zurück nach seiner Heimatstadt Florenz allerlei bedrückende, aufregende Nachrichten, bekam aber außerdem einen leichten Sonnenstich. Und gerade unter diesem Zustande, unter dem Einflusse auch der pathologischen Aufregungen, die er durchmachte, hatte er Einblicke in Naturschaffen, kosmisches Schaffen, Einblicke in den Zusammenhang des Menschen mit der planetarischen Welt, die großartig sind und die, ich möchte sagen, nur wie im Schattenbilde dann untergetaucht sind in das gewaltige Werk der «Commedia» von Dante.
[ 54 ] By entering these spiritual worlds in the manner described, one can also encounter individualities in the form in which they lived during a particular time. And so, in the 13th century of the Christian era, one may encounter, for example, Brunetto Latini, Dante’s great teacher, who still possessed a understanding of nature in which nature was viewed not in such abstractions as today’s laws of nature, but under the living influence of spiritual beings. And Brunetto Latini, upon returning from his post as Spanish ambassador, encountered all sorts of distressing and unsettling news on his way back to his hometown of Florence, and also suffered a mild case of sunstroke. And it was precisely in this state—under the influence, too, of the pathological agitations he was experiencing—that he gained insights into the workings of nature and the cosmos, as well as into the connection between humanity and the planetary world; these insights are magnificent and, I would say, have since been submerged, as it were, in the shadow of Dante’s monumental work, the Commedia.
[ 55 ] Aber wenn man nun diesen Brunetto Latini verfolgt, so sieht man, daß in einem entscheidenden Augenblicke, da wo die Erkenntnis ihn erdrücken will, wo es für ihn so scheint, als ob er aus einer wahren Erkenntnis in Irrtum abirren könnte, daß in diesem Momente Ovid sein Führer wird, Ovid, der alte römische Schriftsteller, der die Metamorphosen geschrieben hat, wo er, allerdings in nüchtern römischer Weise, in nüchtern latinischer Weise, großartige Einsichten der alten Griechenzeit aufgenommen hat.
[ 55 ] But if one now follows this Brunetto Latini, one sees that at a decisive moment—when insight threatens to overwhelm him, when it seems to him as though he might stray from true knowledge into error—at that very moment Ovid becomes his guide, Ovid, the ancient Roman writer who penned the Metamorphoses, in which—albeit in a sober Roman manner, in a sober Latin manner—he incorporated magnificent insights from the ancient Greek era.
[ 56 ] Nun tritt einem dieser Ovid, die Individualität des Ovid im Zusammenhange mit Brunetto Latini auf. Hat man ihn innerlich ergriffen, diesen Zusammenhang, dann erscheint einem in der Vordanteschen Zeit Brunetto Latini wirklich mit der Individualität des Ovid zusammen. Ovid steht auch da. Und gerade im Zusammenhange mit naturwissenschaftlich-medizinischen Forschungen enthüllte sich dieser Ovid als Laurence Oliphant. Nach diesem langen Leben, zwischen der alten Ovid-Zeit, mit Übergehung des Christentums, nur einmal auf der Erde in einer für die Außenwelt unbedeutenden Inkarnation, in einer weiblichen Inkarnation, erscheint wiederum Ovid, umgesetzt in moderne Zeit in bezug auf seinen Seeleninhalt, als Laurence Oliphant.
[ 56 ] Now Ovid—the individuality of Ovid—appears in connection with Brunetto Latini. Once one has truly grasped this connection, Brunetto Latini in the pre-Dante era truly appears to us united with the individuality of Ovid. Ovid is present there as well. And it was precisely in connection with scientific and medical research that this Ovid revealed himself as Laurence Oliphant. After this long life—spanning the ancient Ovidian era, through the transition to Christianity, and appearing on Earth only once in an incarnation insignificant to the outside world, in a female incarnation—Ovid reappears, transposed into modern times in terms of the content of his soul, as Laurence Oliphant.
[ 57 ] Und nicht nur Brunetto Latini, auch andere Persönlichkeiten aus dem mittelalterlichen Geistesverlauf bringen immer wieder und wiederum vor, daß Ovid ihr Führer war. Das erscheint zunächst wie sich forterlebende Tradition, nicht wahr?
[ 57 ] And it is not only Brunetto Latini; other figures in the intellectual history of the Middle Ages also repeatedly assert that Ovid was their guide. At first glance, this seems like a living tradition, doesn't it?
[ 58 ] In Wirklichkeit, meine lieben Freunde, war der reale Ovid der Führer in der geistigen Welt für viele Initiaten, wie er dann als Laurence Oliphant in der großartigen kosmisch-anatomischen, kosmisch-physiologischen Anschauung wieder erschienen ist. Eines, ich möchte sagen, der glänzendsten und aufschlußreichsten Beispiele, ein Beispiel von ungeheurer Tragweite enthüllt sich durch diesen Zusammenhang zwischen Laurence Oliphant und Ovid.
[ 58 ] In reality, my dear friends, the real Ovid was the guide in the spiritual world for many initiates, just as he later reappeared as Laurence Oliphant in the magnificent cosmic-anatomical and cosmic-physiological vision. One of—I would say—the most brilliant and illuminating examples, an example of immense significance, is revealed through this connection between Laurence Oliphant and Ovid.
[ 59 ] Über diese Dinge werde ich dann in der nächsten Stunde weitersprechen.
[ 59 ] I'll talk more about these things in the next class.
