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Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge
Band VI
GA 240

14 August 1924, Torquay

Die Vertiefung des Christentums durch die Sonnenkräfte Michaels II

[ 1 ] Die Frage habe ich aufgeworfen: Wie finden wir für manche historische und auch nichthistorische Persönlichkeit, die aber unser Interesse durch ihre Wirksamkeit in Anspruch nehmen kann, die Erklärung eines späteren Erdenlebens durch die früheren Erdenleben? Und nun möchte ich heute zunächst, um für weitere Betrachtungen die Grundlagen zu schaffen, auf gewisse Zusammenhänge hinweisen, die bestanden in den aufeinanderfolgenden Erdenleben verschiedener Persönlichkeiten. Ich werde heute einmal zunächst dasjenige vor Sie hinstellen, was Ergebnis gewisser geistiger Forschung ist, um dann gerade auf der Grundlage, die heute zunächst erzählend gegeben wird, eine Art von Erkenntnis aufzubauen, wie man dazu kommt, die aufeinanderfolgenden Erdenleben von Persönlichkeiten ins Auge fassen zu können.

[ 2 ] Wir wollen einmal eben solche charakteristische Persönlichkeiten nehmen, wie die sind, deren Namen ich das letzte Mal erwähnt habe. Solche Persönlichkeiten machen uns ja zunächst darauf aufmerksam, wie hereinragen in unsere gegenwärtige Zivilisation verschiedene geistige Impulse. Durch fast zwei Jahrtausende — so sagte ich schon in der vorigen Betrachtung — ging über das Abendland und einen großen Teil seines kolonialen Anhangs das Christentum hin, das Christentum, das, mehr als man glaubt, hineingeflossen ist in alle Zivilisationen. Und es ist schon so, daß man vieles von dem, bei dem man nicht sogleich sieht, daß christliche Impulse in ihm leben, dennoch, wenn man es genau studiert, ganz durchsetzt finden wird von durchaus christlichen Impulsen. Aber es ist eben nicht zu leugnen — auch das habe ich schon angedeutet —, daß etwas in unsere Zivilisation hereinragt, was nicht einen unmittelbaren direkten Zusammenhang mit dem Christentum verrät.

[ 3 ] Gewisse Anschauungen, auch gewisse Lebenspraktiken, stellen sich herein in unsere Zivilisation, die nicht einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Christentum verraten. Und da sieht sich dann derjenige, der nun aus tieferen inneren Ursachen heraus den Verlauf des geschichtlichen Werdens unseres Geisteslebens begreifen will und die geistige Forschung zu diesem Begreifen zu Hilfe nehmen will, zu einer Erscheinung hingedrängt, die viel zu wenig beachtet wird, wenn von dem Werden der abendländischen Zivilisation gesprochen wird. Er sieht sich gedrängt, hinzuschauen nach jener historischen Erscheinung, die parallel ging dem Auftreten und Wirken Karls des Großen im Abendland. Er sieht sich gedrängt, hinzublicken nach jenem Hof im Morgenland, dem vorstand mit einem, man darf schon sagen, wirklich morgenländischen Glanz Harun al Raschid, der Zeitgenosse Karls des Großen. Alles, was Karl der Große im Abendland geleistet hat, nimmt sich schwach und matt aus gegen den ungeheuren Glanz und die Majestät dessen, was zu gleicher Zeit von dem Hof Harun al Raschids ausgegangen ist.

[ 4 ] Man muß nur bedenken, was an Geistesleben zusammengeflossen ist an diesem vorderasiatischen Hof. Wir müssen daran denken, wie in alten Zeiten durch die Alexanderzüge die griechische Kultur in einer Form nach Asien hinübergebracht worden ist, von der man heute nur noch wenig Ahnung hat. Alles, was auf dem Grunde griechischer Kultur gelebt hat, hat in genialer Art Alexander der Große nach Asien hinübergebracht. Und es war an vielen gelehrten Stätten des Ostens durch die Einrichtungen, die durch Alexander den Großen nach Asien hinübergetragen worden sind, eine Lebens- und Weltanschauung üblich, die vieles vom Alten treu bewahrte und vieles ablehnte, was dann im Abendland über das Alte hinflutete.

[ 5 ] Vor allen Dingen war eine rationelle, gesunde, wissenschaftliche Mystik durch Alexander den Großen nach Asien hinübergekommen, so daß diejenigen, die sich mehr zu der philosophischen Anschauung bekannten, die so nach Asien hinübergekommen war, überall in der Welt kosmische Intelligenz ausgebreitet sahen. Alles in der Welt ist durchdrungen von kosmischer Intelligenz. In Asien drüben sagte man nicht als Mensch: Ich denke mir etwas aus, ich bin ein intelligentes Wesen —, sondern man sagte sich: Alles, was gedacht wird, denken Götter, denkt vor allen Dingen der einige Gott, der ja schon im Aristotelismus eine Rolle spielte. Das, was die einzelne menschliche Intelligenz ist, das ist ein Tropfen aus der All-Intelligenz und offenbart sich herein in das Wesen des einzelnen, so daß der einzelne sich fühlte, ich möchte sagen, mit seinem Kopf und mit seinem Herzen wie drinnensteckend in der All-Intelligenz. Das war die Stimmung.

[ 6 ] Diese Stimmung herrschte auch am Hof Harun al Raschids. Im 8. und 9. nachchristlichen Jahrhundert herrschte sie noch. Und dann waren jene griechischen Gelehrten hinübergekommen, die die Flucht ergreifen mußten, weil die griechische Philosophie in Europa ausgerottet wurde. Vieles war an orientalischer Weisheit geblieben. All das floß zusammen, was dazumal an mystisch starker Astronomie, an gewaltiger, von innerlicher Bildsamkeit durchtränkter Architektur und anderer Kunst, auch Dichtkunst möglich war, was möglich war an anderen Wissenschaften und an praktischen Kundgebungen des Lebens, all das floß zusammen am Hof Harun al Raschids, weil dieser glanzliebende, aber auch in gewisser Beziehung für alles Organisatorische außerordentlich begabte Mensch an seinem Hof diejenigen Menschen versammelte, die in der damaligen Zeit das meiste wußten, die noch vieles bewahrten von alter Mysterienweisheit, die nicht mehr unmittelbar Initiierte waren, aber die vieles bewahrten von alter Mysterienweisheit und noch lebendig lebten in dieser Mysterienweisheit.

[ 7 ] Insbesondere war eine Persönlichkeit da, ein sehr weiser Ratgeber Harun al Raschids, den wir etwas näher ins Auge fassen wollen. Sein Name tut nichts zur Sache, der Name ist nicht besonders auf die Nachwelt gekommen. Allein es war eine sehr weise Persönlichkeit. Um sie zu begreifen, muß man auf etwas hinschauen, was gerade die Kenner der Geisteswissenschaft bewundern könnten.

[ 8 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, Sie können ja alle eine gewisse Frage aufwerfen. Sie können sagen: Uns erzählt die Geisteswissenschaft, die Anthroposophie, daß es einstmals Eingeweihte gegeben hat. Da und dort waren Eingeweihte. Diese Eingeweihten beherrschten ein umfängliches großes Wissen, eine ungeheure Weisheit. Da aber die Menschen im Leben wiederkehren in wiederholten Erdenleben, wie kommt es dann, daß man zum Beispiel heute nicht bemerkt, daß wiedergekommene alte Initiierte da sind? — Es ist eine berechtigte Frage, die Sie aufwerfen können.

[ 9 ] Wer aber die Bedingungen des Erdenlebens kennt, der weiß auch, daß eine Menschenindividualität, die aus vorirdischem Dasein in ein gewisses Zeitalter hinein nach ihrem Karma geboren werden muß, eben die vererbten Eigenschaften auf sich nehmen muß, die man in diesem Zeitalter haben kann, auf sich nehmen muß alles das, was in den vorhandenen Erziehungsmöglichkeiten liegt. Und so kann durchaus für eine Individualität die Sache so liegen, daß sie in alten Zeiten ein Initiierter war, daß aber dasjenige, was sie als Initiierter gewußt hat, für ein bestimmtes Zeitalter im Unterbewußten drunten bleibt und das Oberbewußtsein, das Tagesbewußtsein zwar auch etwas Bedeutsames im Leben zeigt, aber nicht unmittelbar eine Offenbarung dessen ist, was in einem früheren Erdenleben diese Persönlichkeit als Initiierter in ihrer Seele besessen hat.

[ 10 ] Solch eine Persönlichkeit war es, die ich meine als weisen Ratgeber Harun al Raschids. Er war in alten Mysterien, in sehr alten Mysterien, ein Eingeweihter. Er war wiedergeboren worden und lebte auch als wiedergeborener Eingeweihter am Hof Harun al Raschids wieder als ein Eingeweihter, dessen früherer Initiationsbesitz als geniale Organisationsgabe, als großartige Verwaltungsgabe für die anderen Wissenschafter, die am Hof Harun al Raschids lebten, sich kundtat; aber den unmittelbaren Eindruck eines Eingeweihten machte er nicht. Er bewahrte durch seine eigene Wesenheit, nicht bloß durch Initiation, die alte Initiatenwissenschaft, aber er machte nicht selber den Eindruck eines Initiierten.

[ 11 ] Aber Harun al Raschid hielt sehr viel auf diesen weisen Mann. Er übertrug ihm die Organisation alles dessen, was als Wissenschaften, als Künste am Hof Harun al Raschids glänzte. Er war froh, diesen Mann zu haben, und fühlte sich sozusagen unmittelbar als Freund dieses Mannes.

[ 12 ] Diese beiden Persönlichkeiten, Harun al Raschid und seinen weisen Ratgeber, wollen wir nun betrachten, wollen ins Auge fassen, daß im 8. und 9. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit in Europa in der christlichen Kultur am Hof Karls des Großen eben begonnen worden war damit, ich möchte sagen, daß die sozial höchststehenden Menschen soeben ihre ersten Schreibversuche machten, ja, daß Karl der Große selber die ersten Schreibversuche machte und Eginhart am Hof Karls des Großen die ersten Versuche machte, das Sprachliche in Grammatik zu bringen. Als da in Europa alles primitiv war, da war drüben in Asien in dem Herrscher, den Karl der Große außerordentlich verehrte, in Harun al Raschid, eine mächtige, blendende Geisteskultur verkörpert, aber eine Geisteskultur, die nichts wußte von Christus, die auch nichts wissen wollte vom Christentum, in der die besten Elemente des Mohammedanismus, die besten Elemente des Arabismus lebten, in der auch alte Formen des Aristotelismus lebten, jene Formen, die gar nicht in Europa sich ausgebreitet hatten, denn in Europa hatte sich mehr die Logik ausgebreitet, die Dialektik des Aristotelismus. Sie wurde von den christlichen Kirchenvätern und später von den Scholastikern verarbeitet.

[ 13 ] Drüben in Asien hatte man mehr durch alles das, was Alexander der Große getan hatte, die inneren mystisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des Aristoteles getrieben. Und das alles hatte man unter dem Einfluß der ungeheuer starken, aber als geoffenbart, als inspiriert genommenen Intelligenz des Arabismus ausgebildet. Es war so am Hof Harun al Raschids, daß man da wußte vom Christentum, daß man aber das Christentum so, wie es in der damaligen Gegenwart war, als primitiv auffaßte gegenüber dem ungeheuren geistigen Glanz, den man selber pflegen konnte.

[ 14 ] Gehen wir nun einmal von diesen beiden Persönlichkeiten aus, von Harun al Raschid und seinem weisen Ratgeber, und verfolgen wir das Geschichtliche weiter.


[ 15 ] Diese zwei Individualitäten, Harun al Raschid und sein weiser Ratgeber, sie gingen, nachdem sie in der Art tätig waren, wie ich es geschildert habe, durch die Pforte des Todes, indem sie hinauftrugen den starken Impuls, dafür zu sorgen, daß diejenige Empfindungsweise, Weltanschauung, Geistesart, die an diesem Hof gepflegt worden war, weiter in die Welt dringe.

[ 16 ] Wollen wir uns nun das, was da geschah, in möglichster Ruhe und in möglichstem Ernst vor die Seele stellen. Wir sehen also von Asien ausgehend zwei Individualitäten: den weisen Ratgeber und Harun al Raschid, seinen Herrscher. Sie gehen eine Weile miteinander. Sie haben das, was sie in ihre Seele aufgenommen haben, dem Alexandrinismus, dem Aristotelismus zu verdanken. Aber sie haben auch alles dasjenige in sich aufgenommen, was in der späteren Zeit in der Umformung des Aristotelismus, des Alexandrinismus geschehen war. Man versteht die Welt wirklich nur zum kleinsten Teile, wenn man nicht ins Auge fassen kann, was in der geistigen Welt geschieht, während hier unten im Erdenleben die gewöhnlichen Ereignisse der physischen Welt vor sich gehen.

[ 17 ] Auf das Zeitalter Karls des Großen, Harun al Raschids folgte anderes, was Sie aus der Geschichte kennen. Aber während all das vor sich geht, was die Geschichte erzählt, von Asien, von Europa, für das 9. und 10. Jahrhundert und weiter hinein ins Mittelalter, spielte sich über diesem physischen Leben in der geistigen Welt ein mächtiges anderes Geschehen ab. Und man darf nicht vergessen, wenn das physische Leben hier unten fortfließt (es wird gezeichnet) und das geistige Leben hier oben fortfließt, daß dann von den Seelen, die nicht auf Erden leben, sondern die in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind, fortwährend Einflüsse auf das Erdenleben stattfinden. So daß wir also sagen können: Wichtig ist auch, was die in einem solchen Zeitalter, in dem sie nicht auf Erden leben, droben in der geistigen Welt befindlichen Seelen, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind, erleben und verrichten. Ganz klar und lichtvoll kann einem das Menschenleben erst werden, namentlich in seinem geschichtlichen Verlauf, wenn man auf das hinsieht, was gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren Weltgeschichte in der geistigen Welt vor sich geht.

[ 18 ] Ja, die Eindrücke, welche die Seelen durch die Pforte des Todes tragen, unterscheiden sich oftmals außerordentlich stark von den Eindrücken, die diese Seelen hier im Erdenleben gehabt haben. Und für denjenigen, der nicht Unbefangenheit in der Betrachtung des geistigen Lebens hat, ist manchmal ein Erdenmensch, der durch die Pforte des Todes gegangen ist und sich dann dem geistig beobachtenden Blick zeigt, nicht leicht wieder erkennbar. Aber es gibt eben die geistigen Mittel, durch die man nicht nur jenes geistige Leben verfolgen kann, das sich unmittelbar an das Erdenleben anschließt. Darüber habe ich ja schon in den anderen Vorträgen, die vormittags gehalten worden sind, gesprochen. Ich werde dann weiter sprechen in diesen Vorträgen über den ferneren Verlauf des Lebens zwischen dem ’Iod und einer neuen Geburt; da wird man sehen, wie die Mittel sind, um die sogenannten Toten auch weiter zu verfolgen.

[ 19 ] Und eben mit diesen Mitteln kann man dann solche Leben wie das des Harun al Raschid und seines weisen Ratgebers verfolgen. Gerade bei diesen beiden Persönlichkeiten ist es, um ein Verständnis zu eröffnen für spätere Ereignisse in der Zivilisation Europas, außerordentlich wichtig, vor allen Dingen die innige Verbundenheit in der Denkweise, in der Wirkensweise, die Harun al Raschid und sein weiser Ratgeber hatten, zu beachten. Mit den ihnen jahrhundertelang im Erdenleben vorangegangenen Individualitäten Alexander und Aristoteles trugen Harun al Raschid und sein weiser Ratgeber durch die Pforte des Todes eine außerordentlich starke Affinität, eine außerordentlich starke Sehnsucht nach einem Wiedertreffen, nach einem wirklichen Treffen gegenüber Alexander und Aristoteles. Und dieses Sich-wieder-Treffen geschah, und es ist in der Tat von ungeheurer Bedeutung, daß es geschehen ist.

[ 20 ] Also Harun al Raschid und sein weiser Ratgeber machten eine Weile in der übersinnlichen Welt ihre Wanderung, indem sie hauptsächlich vom Übersinnlichen herunterschauten auf das, was in der Zivilisation, die weiter gegen Westen hinüber liegt, vor sich ging, auf dasjenige, was in Griechenland und was in einigen Gegenden, die nördlich von dem heutigen Schwarzen Meer liegen, an Zivilisation vor sich ging. Ich möchte sagen, sie schauten auf diese Zivilisation herab, und unter den Ereignissen, auf die da ihr Blick fiel, war dann auch dasjenige, von dem ich in anderem Zusammenhang in anthroposophischen Vorträgen vielfach gesprochen habe: jenes Ereignis, das sich auslebte im Jahre 869 als achtes allgemeines ökumenisches Konzil in Konstantinopel.

[ 21 ] Dieses achte ökumenische Konzil in Konstantinopel hat ja eine große Bedeutung für die Zivilisation des Abendlandes, denn da wurde beschlossen, daß die Trichotomie, die Anschauung, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist bestehe, ketzerisch, häretisch sei, daß man nur davon sprechen dürfe — wenn man ein rechter Christ sei —, daß der Mensch aus zwei Wesenheiten bestünde, aus Körper und Seele, und daß die Seele einige geistige Eigenschaften habe. Deshalb war ja so wenig zu spüren von einer Hinneigung der abendländisch-christlichen Zivilisation zur Spiritualität, zur Geistigkeit, weil die Erkenntnis des Geistes auf dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil 869 für ketzerisch erklärt worden ist.

[ 22 ] Es war ein bedeutendes, ein einschneidendes Ereignis. Man kann sagen: Damals wurde der Geist abgeschafft, und der Mensch sollte nur aus Leib und Seele bestehen. Man sieht nicht stark genug hin auf ein so einschneidendes, bedeutsames Ereignis. Aber das Erschütternde für den Beobachter des geistigen Lebens und namentlich für den Erleber des geistigen Lebens ist, daß, gerade als hier auf Erden 869 diese Abschaffung des Geistes stattfand, droben in der geistigen Welt die Begegnung Harun al Raschids und seines Ratgebers mit Alexander dem Großen und Aristoteles stattfand, das heißt mit deren Seelen in der geistigen Welt.

[ 23 ] Nun müssen Sie das Folgende bedenken, und Sie müssen sich daran gewöhnen, daß nunmehr auf anthroposophischem Felde über die übersinnlichen Ereignisse mit derselben Selbstverständlichkeit gesprochen werden wird wie über die Ereignisse der physischen Welt. Sie müssen bedenken: Das Leben Alexanders des Großen, das Leben des Aristoteles in jener Alexander- und Aristoteles-Inkarnation war ja so, daß es einen gewissen Abschluß bedeutete, daß sozusagen der Impuls, der mit den alten Kulturen gegeben war, der sich dann auf der einen Seite ausgelebt hat in Griechenland, durch Aristoteles in Begriffe gefaßt worden ist, die lange Zeit hindurch als Ideen das Abendland und überhaupt die menschliche Zivilisation beherrschten.

[ 24 ] Sie müssen bedenken, daß Alexander der Große, der Zeitgenosse, Schüler und Freund des Aristoteles, mit ungeheurer Kraft den Impuls, der da gegeben war durch den Aristoteles, über einen großen Teil der damals zur Alexanderzeit bekannten Welt verbreitet hat, was dann weitergewirkt hat bis hinein in die Harun-al-Raschid-Zeit in Asien, was lange Zeit in Alexandrien einen glänzenden Mittelpunkt gehabt hat, was aber gleichzeitig durch zahlreiche verborgene Kanäle die ganze orientalische Kultur bestimmend beeinflußt hat.

[ 25 ] Damit aber war eine Art von Abschluß gegeben. Zusammengeflossen waren die verschiedenartigsten Impulse alter Geistigkeit im Alexandrinismus und im Aristotelismus. Das Christentum schlug ein. Das Mysterium von Golgatha fand statt. Es fand statt in einer Zeit, als die Individualitäten, die Seelen Alexanders und Aristoteles’ nicht auf der Erde waren, sondern in der geistigen Welt und dort im innigen Verein waren mit dem, was man die Herrschaft des Michael nennt, dessen Herrschaft auf der Erde damals auch abgelaufen war, denn der herrschende Zeitgeist war dazumal Oriphiel. Und weitere Jahrhunderte waren vergangen seit dem Mysterium von Golgatha. Dasjenige, was Alexander und Aristoteles auf Erden begründet hatten, wofür sie mit ihrem ganzen Sein sich eingesetzt hatten, der eine denkerisch, der andere mit umfassenden intensiven Herrscherkräften, das alles hatte unten auf der Erde gewirkt. Das alles sahen die beiden in der geistigen Welt durch die Jahrhunderte hindurch, die da folgten, in denen ja das Mysterium von Golgatha stattfand; und sie sahen auf alles hin, was dann zur Ausbreitung der Lehre des Mysteriums von Golgatha weiter geschah. Durch alle jene Jahrhunderte hindurch sahen sie unten ihr Werk sich ausbreiten, sich ausbreiten auch durch solche Genies wie Harun al Raschid und seinen weisen Ratgeber.

[ 26 ] Aber für das, was diese beiden Individualitäten — Alexander und Aristoteles — selber waren, für das war durchaus die Forderung nach etwas Neuem da, die Forderung, in einer ganz neuen Weise anzufangen, nicht das fortzusetzen, was auf der Erde war, sondern in einer neuen Weise anzufangen. Dadurch ergibt sich natürlich auch eine Art von Fortsetzung. Es wird nicht das Alte aus der Welt geschafft, aber ein mächtiger neuer Impuls, das Christentum auf eine besondere Weise in die Erdenzivilisation einzuführen, das war es, womit sich Alexander und Aristoteles durchsetzt hatten.

[ 27 ] Da sie dann ihr Karma heruntertrug in das Erdenleben, noch bevor dieses Ereignis der Begegnung mit Harun al Raschid stattgefunden hatte, lebten sie eigentlich als unbeachtete, unbekannte, früh hinsterbende Persönlichkeiten in einem allerdings für die Anthroposophie wichtigen Winkel Europas, aber eben, ich möchte sagen, nur wie kurze Zeit durch ein Fenster hereinschauend in die abendländische Zivilisation, Eindrücke, Impulse mitnehmend, aber nicht irgendwie bedeutsame Impulse gebend. Das mußten sie sich aufsparen für später.

[ 28 ] Sie waren dann wiederum zurückgegangen. Aber da waren sie in der geistigen Welt, als 869 dieses Ereignis, dieses achte allgemeine ökumenische Konzil auf Erden stattfand. Gerade in diesem Zeitpunkt fand jene Begegnung statt zwischen Aristoteles und Alexander auf der einen Seite, Harun al Raschid und seinem weisen Ratgeber auf der anderen Seite. Es war eine Auseinandersetzung von großer überragender Bedeutung in den übersinnlichen Welten, denn man muß sich vorstellen, daß Auseinandersetzungen in der übersinnlichen Welt nicht nur Diskussionen in Worten sind. Wenn man so die Menschen auf der Erde zusammensitzen und diskutieren sieht, wenn Worte hin- und herschießen, ohne daß sie einander sehr weh tun, so ist das nicht einmal ein schattenhaftes Abbild dessen, was geschieht, wenn in übersinnlichen Welten die großen Entscheidungen auch im geistigen Leben getroffen werden.

[ 29 ] Und so war es dazumal, daß Aristoteles und Alexander auf der einen Seite sich dahin geltend machten, daß sie sagten: Was früher begründet worden ist, das muß hineingeleitet werden im strengsten Sinn des Wortes in die Michael-Herrschaft. — Denn man wußte ja, die Michael-Herrschaft der Welt wird wieder beginnen im 19. Jahrhundert.

[ 30 ] Verstehen wir uns in diesem Punkt recht, meine lieben Freunde! Die Entwickelung der Menschheit verläuft so, daß immer durch drei bis dreieinhalb Jahrhunderte einer der Erzengel der hauptsächlichste Regent der Erdenzivilisation ist. Zur Zeit, als Alexander der Große die Aristoteles-Kultur nach Asien und Afrika verpflanzt hatte, zu jener Zeit, als mit starkem internationalen Sinn diese Verbreitung der Kultur stattfand, war eine Michael-Herrschaft, das heißt, das geistige Leben wurde beherrscht durch die Macht Michaels. Zur Alexanderzeit war die Michael-Herrschaft auf der Erde. Dann wird die Michael-Herrschaft abgelöst von der Oriphiel-Herrschaft. Es kommt dann die AnaelHerrschaft, die Zachariel-Herrschaft, alles so durch drei bis vier Jahrhunderte gehend, die Raphael-Herrschaft, dann Samael, bis heraufkommend in das Zeitalter des 14. Jahrhunderts. Im 15. bis 18. nachchristlichen Jahrhundert, da kommt die Gabriel-Herrschaft, und im 19. Jahrhundert, im letzten Drittel, tritt wiederum die Michael-Herrschaft ein. Sieben der Erzengel wechseln sich ab. Nachdem auf die Michael-Herrschaft zur Alexanderzeit sechs andere Erzengel gefolgt sind, folgte wiederum am Ende des 19. Jahrhunderts die Michael-Herrschaft. Sie ist die herrschende in unserer Zeit. Wir stehen unmittelbar, wenn wir das geistige Leben recht verstehen, unter dem Impuls der Michael-Herrschaft.

[ 31 ] So also sahen in diesem Jahrhundert, in dem die Begegnung mit Harun al Raschid stattfand, Alexander und Aristoteles hin auf die alte Michael-Herrschaft, unter der sie gewirkt hatten, sie sahen hin auf das Mysterium von Golgatha, das sie vereint mit der Michael-Gemeinschaft, aber nicht von der Erde aus, sondern von der Sonnensphäre aus erlebt hatten, denn da war die Michael-Herrschaft zu Ende. Michael und die Seinen, zu denen eben auch Alexander und Aristoteles gehörten, erlebten ja das Mysterium von Golgatha nicht vom Erdengesichtspunkt aus. Sie sahen den Christus nicht ankommen auf Erden; sie sahen ihn Abschied nehmen von der Sonne. Aber all dasjenige, was sie erlebten, gestaltete sich bei ihnen zu jenem Impuls: Unter allen Umständen muß dahin gearbeitet werden, daß die neue Michael-Herrschaft, der Alexander und Aristoteles mit allen Fasern ihrer Seele haben treu bleiben wollen, daß die neue Michael-Herrschaft ein nicht nur tief begründetes, sondern auch ein intensives Christentum bringen sollte. 1879 sollte sie beginnen, drei bis vier Jahrhunderte dauern. Wir leben nun in dem Zeitalter dieser Michael-Herrschaft, und Anthroposophen sollten vor allen Dingen verstehen, was es heißt, in dem Zeitalter dieser Michael-Herrschaft zu leben.

[ 32 ] Davon wollte weder Harun al Raschid — eher noch sein weiser Ratgeber, aber eigentlich auch der nicht — etwas hören. Sie wollten vor allen Dingen, daß jene Impulse weltbeherrschend würden, die im Mohammedanismus stark Wurzel gefaßt hatten. Intensiv standen sich gegenüber unter anderen, die teilnahmen an diesem Geisteskampf im 9. nachchristlichen Jahrhundert, stark standen sich gegenüber auf der einen Seite Harun al Raschid und sein Ratgeber, auf der anderen Seite Aristoteles und Alexander, das heißt, die Individualitäten, die in beiden gelebt haben.

[ 33 ] Was sich da abspielte als Geisteskampf, das wirkte nach in der europäischen Zivilisation, wirkt bis heute nach. Denn was da oben geschieht, das wirkt auf das Irdische ein. Und gerade aus jenem Widerstand, den Harun al Raschid und sein weiser Ratgeber dazumal gegenüber Aristoteles und Alexander geleistet haben, verstärkte sich in einer gewissen Weise der Impuls, so daß gerade von jener Begegnung ausging das Wirken zweier Strömungen: einer, die im Arabismus verläuft, und einer, die den Aristotelismus und das Alexandertum ins Christentum durch die Impulse der Michael-Herrschaft herüberführt.

[ 34 ] Beide, sowohl Harun al Raschid wie sein weiser Ratgeber, setzten den Weg, nachdem sie diese Begegnung durchgemacht hatten, nach dem Westen fort, immerfort beobachtend, was im Erdenleben geschieht. Der einenahm vom übersinnlichen Sein aus intensiv teil an alledem, was im Norden von Afrika, im Süden von Europa, in Spanien, Frankreich sich abspielte. Ungefähr in derselben Zeit war der andere durchgegangen durch alles das, was im östlichen Geistesleben, am Schwarzen Meer, weiter herüber durch die Gegenden Europas bis Holland und auch nach England herüber sich abspielte. Und zur gleichen Zeit kamen diese beiden dann an in der europäischen Kultur, wurden wiedergeboren.

[ 35 ] Bei solchem Wiedergeborenwerden brauchte nicht eine äußere Ähnlichkeit zu sein. Man geht in der Regel ganz falsch, wenn man glaubt, daß derjenige, der eine gewisse Geistigkeit hat, mit derselben Geistigkeit wiedergeboren werde. Man muß tiefer gehen, tiefer hineinschauen in die Grundimpulse der menschlichen Seele, wenn man von Wiedergeburten und von wiederholten Erdenleben in der rechten Weise sprechen will. So zum Beispiel hat man einen Papst, den berühmten Gregor VII., der aus dem mitteleuropäischen Mönch Hildebrand hervorgegangen ist, diesen starken, im intensivsten Katholizismus wirkenden Papst, der das Papsttum im Mittelalter besonders groß gemacht hat. Er erschien in Wiedergeburt im 19. Jahrhundert als Ernst Haeckel, der Kämpfer gegen das Papsttum. Haeckel ist der wiedergeborene Abt Hildebrand, Gregor VII. Ich will daran nur zeigen, daß nicht die äußere Ähnlichkeit der Geistesverfassung, sondern die innerlichen seelischen Impulse dasjenige sind, was der Mensch hinüberträgt von einem Erdenleben ins andere.

[ 36 ] So wurden auch die beiden, Harun al Raschid und sein weiser Ratgeber, dazu veranlagt, zunächst, als noch die Araberkämpfe hinüberschlugen über Afrika nach Spanien, schützend, protegierend teilzunehmen an diesen Araberzügen. Der Mohammedanismus ging ja dann als äußere Erscheinung zugrunde, aber seine innere Seelenhaftigkeit trugen diese beiden Geister durch das geistige Leben bei ihrem Durchgehen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt von der Vergangenheit in die Zukunft hinein.

[ 37 ] Harun al Raschid wurde wiedergeboren, und er wurde in seinem wiedergeborenen Leben Baco von Verulam. Er erscheint als Baco von Verulam. Sein weiser Ratgeber wird wiedergeboren, er erscheint fast gleichzeitig als Amos Comenius, der Pädagoge.

[ 38 ] Sehen Sie sich an, was auf der einen Seite durch Baco von Verulam herauskommt, der ja nur äußerlich ein Christ gewesen ist, der durchaus das Abstrakte des Arabismus in die europäische Wissenschaft hereinbringt, und sehen Sie sich dasjenige an, was in die Pädagogik an äußerer materieller Anschaulichkeit des Unterrichts und der ganzen Behandlung des Unterrichtsstoffes Amos Comenius hineingebracht hat. Es ist ein Element, das direkt nichts mit dem Christentum zu tun hat. Wenn auch Amos Comenius unter den Mährischen Brüdern und so weiter wirkt, das, was er direkt bewirkt hat, das wird auf der einen Seite dadurch beleuchtet, daß er in einem vorigen Leben so zu der ganzen Entwickelung der Menschheit gestanden hat wie die am Hof Harun al Raschids blühende Geisteskultur.

[ 39 ] Und auf der anderen Seite nehmen Sie jede Zeile Bacons, Lord Bacons, nehmen Sie alles das, was in der sogenannten Anschaulichkeit des Amos Comenius wirkt: Sie haben darinnen ein Rätsel, Sie finden sich nicht zurecht. Man nehme nur diesen Lord Bacon. Es herrscht in ihm ein wahrer Furor in der Bekämpfung des Aristotelismus. In allem ist ein wahrer Furor, von dem man sieht, es geht bis tief in die Seele hinein. Der Geistesforscher, der die Dinge geistig durchschaut und durchleuchtet, der schaut hin auf Baco von Verulam, auf Amos Comenius, verfolgt zurück das Leben aber auch in die übersinnliche Welt hinein, wo der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt. Man hat die Schriften des Baco von Verulam vor sich, man hat die Schriften von Amos Comenius vor sich, man findet im Ton, man findet in allem ein Sich-Auflehnen gegen den Aristotelismus. Wie ist das zu erklären?

[ 40 ] Man muß nun bedenken: Als Bacon herabkam in sein Erdenleben, als Amos Comenius herabkam in sein Erdenleben, da war ja die Zeit schon wiederum vorüber, wo auch Alexander und auch Aristoteles wieder inkarniert waren in der mittelalterlichen Zivilisation, wo sie ihrerseits schon dasjenige ausgeführt hatten, was für den Aristotelismus zu tun war, wo schon ein anderer Aristotelismus da war als der, den Bacon respektive Harun al Raschid, denn das sind dieselben Persönlichkeiten, ihrerseits gepflegt haben.

[ 41 ] Und jetzt stellen Sie sich die ganze Situation vor. Nehmen Sie jenes Interview, wenn ich mich so ausdrücken darf, das 869 stattgefunden hat, bedenken Sie, wie unter diesem Einfluß in Harun al Raschid sich Seelenimpulse ausgebildet haben, die jetzt dasjenige antreffen, was sich auf Erden schon zum Teil verwirklicht hat, weil Alexander und Aristoteles schon wieder da gewesen waren, und weil das, was sie verwirklichen wollten, nicht im Anschluß an das verwirklicht worden ist, was sie als Erdenmenschen in der vorchristlichen Zeit waren. Wenn Sie das bedenken, dann begreifen Sie durchaus jene Seelenimpulse, die sich bildeten bei jener Begegnung. Und aus dem Umstand, daß jetzt Bacon und Amos Comenius sehen konnten, was aus dem Aristotelismus und aus dem Alexandrinismus geworden war, können Sie begreifen, daß jener gewisse Ton in ihren Schriften herrscht, namentlich bei Bacon, aber auch bei Amos Comenius.

[ 42 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, wirkliche Geschichtsbetrachtung führt von der Erde zum Himmel hinauf. Man muß die Ereignisse mitnehmen, die sich nur im Übersinnlichen offenbaren können. Wollen Sie Baco von Verulam verstehen, wollen Sie Amos Comenius verstehen, so müssen Sie sie zurück verfolgen bis zu demjenigen zunächst, was sie früher auf Erden waren, müssen also den durch Scholastik verbreiteten Aristotelismus zurück verfolgen bis zu jenem Interview,das um das Jahr 869, zur Zeit des ökumenischen Konzils stattgefunden hat, zurückverfolgen bis dahin,woHarunalRaschid und sein weiser Ratgeber den Aristotelismus und Alexandrinismus pflegten, der eben dazumal gepflegt werden konnte. In diesem Hereinwirken der übersinnlichen Welt in die sinnlich-physische wird erst verständlich, was im Erdenleben sich zuträgt. Das ist es, was ich anführen möchte, um Sie darauf hinzuweisen, wie in der Tat die Verfolgung der wiederholten Erdenleben erst das, was in solchen Persönlichkeiten auf der Erde sich auslebt, verständlich machen kann.


[ 43 ] Die Zeit ist zu weit vorgeschritten, um schon heute weiteres auf diesem Gebiet auszuführen, und ich werde nur noch in wenigen Worten andeuten, was die Betrachtungen runden und abschließen soll.

[ 44 ] Wenn wir in der Art, wie es eben geschehen ist, den Fortgang der Zivilisation der Menschheit betrachten, so finden wir, daß in die christliche Entwickelung sich gerade durch solche Individualitäten, wie die des Harun al Raschid und desjenigen, der später dann Amos Comenius geworden ist, etwas hereingeschoben hat, was nicht aufgehen will im Christentum, was stark hinneigt zum Arabismus. So haben wir ja in unserer Gegenwart auf der einen Seite, ich möchte sagen, den geradlinigen Fortgang des Christianismus, auf der anderen Seite hereinragend, insbesondere aber in der abstrakten Wissenschaft, den Arabismus.

[ 45 ] Was ich Ihnen besonders ans Herz legen möchte, ist dieses: Wenn wir diese beiden Strömungen verfolgen, so finden wir uns gedrängt, wenn wir spirituelle Betrachtungen anstellen, den Blick hinaufzulenken zu allerlei, was auch im Übersinnlichen geschehen ist, wie zum Beispiel zu so etwas wie die Begegnung Aristoteles-Alexanders, Harun al Raschids und seines weisen Ratgebers. In solcher Art hat sich vieles zugetragen, was dann Impuls geworden ist auf der einen Seite zur Ausbreitung des wahren Christentums, auf der anderen Seite wiederum zum Ausbilden von Hemmnissen, von Widerständen für dieses wahre Christentum. Aber dadurch, daß in der spirituellen Welt die Michael-Entwickelung jenen Verlauf genommen hat, den ich Ihnen angedeutet habe, stellt sich herein eine starke Aussicht und Perspektive für die Zukunft, daß gerade unter dem Zeichen der Michael-Impulse das Christentum seine wahre Gestalt bekommen wird. Denn unter dem Zeichen der Michael-Impulse sind auch im Übersinnlichen die Auseinandersetzungen mit anderen Strömungen gepflogen worden.

[ 46 ] Nun möchte ich nur das sagen: In der Anthroposophischen Gesellschaft sind mancherlei Persönlichkeiten vereinigt. Auch diese Persönlichkeiten haben ihr Karma, das zurückführt in frühere Zeiten, das in der verschiedensten Weise sich ausnimmt, wenn wir zunächst zu dem Leben zurückgehen, das im Vorirdischen vollbracht worden ist, und dann zurückgehen zu früheren Erdenleben. Es können nur wenige gefunden werden von denen, die ehrlich herankommen an die anthroposophische Bewegung, die nicht beteiligt wären in ihrem Karma an solchen Vorgängen, wie ich sie Ihnen nun geschildert habe. In der einen oder in der anderen Weise sind diejenigen, die in ehrlicher Weise den Drang bekommen, in die Anthroposophische Gesellschaft hereinzukommen, verbunden mit dem, was so stattgefunden hat wie die Begegnungen Alexanders und Aristoteles’ mit Harun al Raschid und seinem weisen Ratgeber oder dergleichen. Irgend so etwas hat das Karma bestimmt, das dann so auftritt im gegenwärtigen Erdenleben, daß der Drang entsteht, das Spirituelle in der Weise zu bekommen, wie es gerade in der anthroposophischen Bewegung gepflegt wird.

[ 47 ] Mit dem ist aber ein anderes verknüpft. Verknüpft damit ist dieses, daß durch die besondere Gestaltung, die die Michael-Herrschaft annimmt, diejenigen Persönlichkeiten, die jetzt durch ihr Karma in ihrer Verbundenheit mit der Michael-Herrschaft in die anthroposophische Bewegung hereintreten, unter Durchbrechung von mancherlei Wiederverkörperungsgesetzen mit der Wende des 20., 21. Jahrhunderts — also in einer geringeren Anzahl von Jahren, als ein Jahrhundert beträgt wiedererscheinen werden, um dann dasjenige, was sie jetzt tun können im anthroposophischen Dienst der Michael-Herrschaft, zur Kulmination, zum vollen Ausdruck zu bringen. In dem Interesse, das man für solche Dinge haben kann, wie sie heute vorgebracht worden sind, drückt sich, wenn dieses Interesse intensiv genug ist, der innere Drang aus, wirklich Anthroposoph zu sein. Gerade damit aber, daß man diese Dinge versteht, nimmt man auch in sich den Impuls auf, in weniger als einem Jahrhundert schon wieder auf der Erde zu erscheinen, um dasjenige voll zu machen, was Anthroposophie will.

[ 48 ] Denken Sie nach, meine lieben Freunde, empfinden Sie die wenigen orientierenden Worte, die ich an die heutige Betrachtung hiermit angeschlossen habe. Sie werden unter Umständen gerade in diesen wenigen Worten vieles finden von dem, was Sie in der richtigen Weise in die anthroposophische Bewegung hineinstellen kann, was Ihnen in der richtigen Weise die Orientierung geben kann, so daß Sie Ihre Zugehörigkeit zu dieser Bewegung tief mit Ihrem Karma verbunden fühlen können.