Supplements to Member Lectures
GA 246
19 October 1907, Berlin
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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
7. Über das Chaos
7. On Chaos
Meine lieben theosophischen Freunde!
My dear Theosophical friends!
[ 1 ] Wenn hier Generalversammlung ist, so geziemt es sich wohl auch, über Dinge zu sprechen, die intimere Aufgaben betreffen. Es wird sich im Laufe der Tage noch Gelegenheit bieten, tiefer hineinzugreifen in die theosophischen Angelegenheiten, die uns alle interessieren.
[ 1 ] Since we are holding a General Assembly here, it is surely appropriate to discuss matters pertaining to more intimate concerns. Over the course of the next few days, there will be further opportunities to delve more deeply into the theosophical matters that interest us all.
[ 2 ] Heute lassen Sie uns mit einer scheinbar recht entlegenen Betrachtung beginnen, zugleich mit einer Betrachtung, die, wie Sie sehen werden, uns doch wieder in gewisser Weise für unser alltägliches Leben interessieren kann. Wir werden wirklich versuchen, heute in dieser Betrachtung nicht nur den Himmel, sondern auch dasjenige, was hinter dem Himmel ist, mit der Erde und unserem alltäglichen Erlebnis zu verknüpfen.
[ 2 ] Today, let’s begin with a reflection that may seem quite remote at first, yet one that, as you will see, can still be relevant to our daily lives in a certain way. In today’s reflection, we will truly try to connect not only the heavens, but also what lies beyond them, with the Earth and our everyday experiences.
[ 3 ] Dasjenige, was das Leitmotiv unserer Betrachtung bilden soll, das nennt man mit einem Namen, der alten Zeiten entlehnt ist, das Chaos. Also, wie Sie sehen, ein etwas entlegenes Thema, ein Thema, das wirklich noch hinter dem Himmel liegt und das wir gerade vielleicht anknüpfen sollen an unsere alltäglichsten Erlebnisse.
[ 3 ] What is to serve as the central theme of our discussion is known by a name borrowed from ancient times: chaos. So, as you can see, this is a somewhat abstract topic—one that truly lies beyond the heavens—and one that we might now seek to connect to our most everyday experiences.
[ 4 ] Sie wissen, dass nicht nur die wunderbare griechische Mythe und Sage anknüpft an das Chaos, indem sie sagt, dass die ältesten Götter, also die ältesten geistigen Wesenheiten, herausgeboren sind aus dem Chaos, sondern Sie wissen auch, dass die Mythen und Sagen anderer Völker unter verschiedenen Namen dieses Chaos nennen. Denn, was ist schließlich jener gähnende Abgrund der nordisch-germanischen Sage «Ginnungagap», aus dem auf der einen Seite entsteht das kalte Niflheim oder Nebelheim und auf der anderen Seite das heiße Muspelheim, und auf was anderes als auf das Chaos deutet letzten Endes der Anfang unserer Bibel selber hin? Im ersten Buch Moses finden Sie ja die Worte: «Im Anfang schuf die Gottheit den Himmel und die Erde. Und die Erde ward wüst und wirre, und das Dunkel lagerte über den Wassern. Und der Geist aus der Gottheit webte brütend über den Wassern. Und es ertönte der Gottheit Wort: «Licht werde!» - und Licht ward. Und die Gottheit nahm wahr das Licht und nahm wahr, dass es schön sei, und schied die Lichtwelt von der Dunkelwelt.» - «Die Erde war noch wüst und wirre» ist nur ein anderer Ausdruck für das Chaos, aus dem hervorgegangen sind die höchsten geistigen Wesenheiten selbst.
[ 4 ] You know that it is not only the wonderful Greek myths and legends that refer to Chaos—by stating that the oldest gods, that is, the oldest spiritual beings, were born out of Chaos—but you also know that the myths and legends of other peoples refer to this Chaos by various names. For what, after all, is that yawning abyss of the Norse-Germanic legend “Ginnungagap,” from which, on one side, the cold Niflheim or “Land of Mist” arises and, on the other, the hot Muspelheim—and to what else but Chaos does the very beginning of our Bible ultimately point? In the Book of Genesis, you will find the words: “In the beginning, God created the heavens and the earth. And the earth was formless and empty, and darkness covered the waters. And the Spirit of God was hovering over the waters. And the Deity spoke, saying, ‘Let there be light!’—and there was light. And the Deity saw the light and saw that it was good, and separated the world of light from the world of darkness.”—“The earth was still formless and void” is simply another expression for the chaos from which the highest spiritual beings themselves emerged.
[ 5 ] Was ist es? Mit solchen hohen Begriffen ist es in der menschlichen Entwicklung merkwürdig ergangen. Seit ziemlich langer Zeit haben die Menschen vollständig die Empfindung verloren für eine richtige Auffassung dessen, was mit so etwas gesagt wird. Das materialistische Zeitalter, aus dem ja alle Menschen der Gegenwart in einer gewissen Beziehung hervorgegangen sind, hat kaum Worte, um [so etwas] überhaupt zu charakterisieren. Was hinter solchen Vorstellungen steckt, ist das Chaos. Unsere Worte haben ja auch eine ganz andere Bedeutung im Laufe der Zeit angenommen, als sie früher hatten, ja, als sie noch vor ganz kurzer Zeit hatten. Sie sind aufgeteilt worden an die äußeren materiellen Gegenstände. [Derjenige, der heute - wo man nicht mehr versucht, daran zu denken, was ein Wort in der geistigen Welt bedeutet - ein Wort hört aus der Sprache, der denkt nur an das, was es bedeutet in der sinnlichen Welt.] Das hat etwas Bedeutsames zur Folge. Die Worte sind aufgebraucht worden von der sinnlichen Welt, aus mancherlei Gründen, von denen ich schon gesprochen habe bei verschiedenen Gelegenheiten für die Begründung der gegenwärtigen theosophischen Strömung. Unter den mancherlei Gründen gibt es auch einen Grund, der mit dieser Umwandlung der Worte in den Materialismus hinein zusammenhängt. Dass gerade die theosophische Bewegung jetzt in die Welt getreten ist und in die Welt treten musste, das hängt mit verschiedenen Tatsachen, sinnlichen und übersinnlichen, zusammen. Aber einer der Gründe ist der, dass, wenn [...]am Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts diese theosophische Bewegung, diese spirituelle Weltströmung nicht kommen würde in die Welt, nicht Eingang fände, dass eine solche theosophische Bewegung in hundert Jahren wahrscheinlich schon ganz unmöglich wäre. Es ist wirklich geradezu ein Abpassen der günstigen Bedingungen der Zeit.
[ 5 ] What is it? Such lofty concepts have met with a strange fate in human development. For quite some time now, people have completely lost the sense of what such terms truly mean. The materialistic age—from which, in a certain sense, all people of the present day have emerged—hardly has the words to characterize [such things] at all. What lies behind such mental images is chaos. Our words, too, have taken on a completely different meaning over time than they used to have—indeed, than they had even a very short time ago. They have been reduced to referring only to external, material objects. [Anyone who today—now that we no longer try to consider what a word means in the spiritual world—hears a word from language thinks only of what it means in the sensory world.] This has a significant consequence. Words have been exhausted by the physical world, for various reasons, which I have already discussed on various occasions in explaining the origins of the current theosophical movement. Among these various reasons is one that is connected to this transformation of words into materialism. The fact that the Theosophical Movement in particular has now entered the world—and had to enter the world—is connected to various facts, both physical and spiritual. But one of the reasons is that if [...] at the end of the nineteenth and the beginning of the twentieth century this theosophical movement, this spiritual world trend, had not come into the world, had not gained a foothold, then such a theosophical movement would probably already be entirely impossible in a hundred years. It is truly a matter of seizing the favorable conditions of the time.
[ 6 ] Die Worte nehmen immer mehr und mehr den Charakter an, nur auf Materielles angewendet zu werden. Hätte man noch hundert Jahre gewartet, dann könnte man das, was die Theosophie zu sagen hat, nicht mehr in Worte einkleiden, weil dann die Leute nur das hören würden, was auf die materielle Welt Anwendung findet. Die Menschen würden dann ein Gefühl dafür nicht mehr haben, und so würde alles, was der Theosoph zu sagen hat, nicht mehr passen. Er muss also allem neue Worte aufdrücken, allem ein neues Gepräge geben. Sie müssen die Sprache erneuern.
[ 6 ] Words are increasingly taking on the character of being applied only to material things. If one had waited another hundred years, it would no longer be possible to put what Theosophy has to say into words, because then people would hear only what applies to the material world. People would then no longer have a sense of it, and so everything the theosophist has to say would no longer fit. He must therefore impose new words on everything, give everything a new character. They must renew the language.
[ 7 ] Die Menschen müssen wieder eine Empfindung dafür kriegen, dass mit einem Worte nicht bloß Handgreifliches oder mit Augen zu Sehendes gemeint ist, sondern etwas, was in die höheren Welten hinaufweist.
[ 7 ] People must once again develop a sense that a word does not merely refer to something tangible or visible to the eye, but to something that points upward toward the higher worlds.
[ 8 ] Nun werden wir ganz scheinbar vom Thema abgehen und versuchen, einmal Empfindungen aufzusuchen eines Menschen, die noch viel, viel stärker nach der spirituellen Welt gerichtet und gelenkt waren als die Empfindungen und Vorstellungen der gegenwärtigen Menschheit. Es ist immer von einem großen Interesse für denjenigen, der sich in den geheimnisvollen und doch so klaren Gang des menschlichen Geistes vertieft, es ist interessant für ihn, irgendein beliebiges altes Buch zur Hand zu nehmen und sich nicht nur in dieses Buch zu vertiefen, wie viele Gelehrte es tun, indem er herausliest, was «der Herren eigner Geist» ist, sondern sich hineinempfindet, sich hineinversetzt. Man könnte etwas Beliebiges herausgreifen, und es wäre etwas, was alle Theosophen und alle des Okkultismus beflissenen Leute interessieren kann. Wir wollen aber herausgreifen die «Physicae» von Comenius, 1635 erschienen. Das sind «Physicae», unter denen sich der heutige Mensch gar nicht mehr gut etwas denken kann, weil da von physischen Dingen gesprochen wird, aber so, dass es ganz klar ist, dass der, der spricht, mit jedem physischen Ding zugleich hinweist auf die geistigen Hintergründe und dass er in jeder Materie, in jeder Kraft ein Instrument, einen Ausfluss sieht von dahinterstehenden geistigen Wesenheiten und geistigen Kräften. In diesem Buche, die «Physicae», ist vieles beschrieben, was dazumal Gegenstand der Erkenntnis war. Aber Comenius, der große Pädagoge und Denker des 17. Jahrhunderts - geboren 1592 -, hat nicht nur die Erkenntnisse seiner Zeit aufgenommen und zusammengefasst, sondern Comenius hat auch ureigene große Gedanken und Zusammenfassungen von Taten der Menschheit gegeben. Comenius ist eine merkwürdige Persönlichkeit, wie es eine ganze Reihe gibt seit dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert.
[ 8 ] Now we will seemingly stray from the topic and attempt to explore the feelings of a person who was oriented and guided toward the spiritual world much, much more strongly than are the feelings and mental images of present-day humanity. It is always of great interest to those who immerse themselves in the mysterious yet clear workings of the human spirit; it is interesting for them to pick up any old book and not merely delve into it—as many scholars do—by extracting what “the author’s own spirit” is, but rather to empathize with it, to put themselves in the author’s place. One could pick out anything at all, and it would be something that could interest all theosophists and all those devoted to the occult. But let us single out Comenius’s Physicae, published in 1635. These are the Physicae, a term that is no longer easily comprehensible to people today because it speaks of physical things—but in such a way that it is quite clear that the author, in discussing every physical thing, simultaneously points to the spiritual background, and that he sees in every material substance and every force an instrument, an outflow of the spiritual beings and spiritual forces that lie behind them. In this book, the Physicae, much of what was the subject of scientific inquiry at that time is described. But Comenius, the great educator and thinker of the 17th century—born in 1592—did not merely assimilate and summarize the insights of his time; he also offered his own profound thoughts and syntheses of humanity’s achievements. Comenius is a remarkable figure, one of many such figures who have emerged since the fourteenth and fifteenth centuries.
[ 9 ] Sie wissen aus anderen Besprechungen, dass im vierzehnten Jahrhundert und endgültig im fünfzehnten Jahrhundert der sogenannte Rosenkreuzerorden begründet worden ist, jener Orden, welcher in einer neuzeitlichen Form die okkulten Geheimnisse bearbeitet und bewahrt. Der Orden, der ursprünglich nur aus sieben Mitgliedern bestand bei seiner Begründung, hat bis in unsere Zeiten herein dem großen Geheimnis gedient und entsprechend gewirkt. Und niemand hat etwas [davon] gewusst, wer ein Rosenkreuzer ist, als der Rosenkreuzer selber. Niemand hat auch jemals etwas erfahren können über die Geheimnisse der Rosenkreuzer. Deshalb ist alles, was von Anhängern und Gegnern geschrieben wurde über die Rosenkreuzerei Scharlatanerie oder etwas, was missverstanden wurde oder durch einen Verrat herausgekommen ist. Erst heute ist der Zeitpunkt gekommen, wo einiges von der Rosenkreuzerei der allgemeinen Welt mitgeteilt werden darf. Es gibt aber viele andere Mittel und Wege, wodurch solche Geheimnisse, die in den okkulten Schulen blühen, einfließen in das allgemeine Geistes- und Kulturleben. Nichts anderes war es zum Beispiel als eine geheime rosenkreuzerische Strömung, die derjenige, über den sie sich ergossen hat, selbst gar nicht ahnte, als Lessing am Schlusse seiner «Erziehung des Menschengeschlechtes», wie aus der Pistole geschossen sagt, dass der Mensch immer wiederkehre auf die Welt, dass er wiederverkörpert werde. Diese bedeutsame Abhandlung, die da schließt: «Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?», sie ist für den Kundigen nichts anderes als etwas, wodurch die rosenkreuzerische Weltanschauung auf eine Lessing selbst unbewusste Weise zu der Menschheit gekommen ist - durch seinen Mund. So ist vieles durch die Rosenkreuzerei gekommen.
[ 9 ] You know from other discussions that the so-called Rosicrucian Order was founded in the fourteenth century and definitively established in the fifteenth century—that order which, in a modern form, studies and preserves the occult mysteries. The Order, which originally consisted of only seven members at its founding, has served the great mystery and acted accordingly right up to the present day. And no one knew anything [about it]—who a Rosicrucian is—except the Rosicrucians themselves. Nor has anyone ever been able to learn anything about the secrets of the Rosicrucians. Therefore, everything that has been written about Rosicrucianism by its supporters and opponents is either charlatanism, a misunderstanding, or something that has come to light through betrayal. Only now has the time come when certain aspects of Rosicrucianism may be revealed to the general public. However, there are many other ways and means by which such secrets, which flourish in the occult schools, find their way into general intellectual and cultural life. For example, it was nothing other than a secret Rosicrucian current—one of which the person upon whom it poured down was himself completely unaware—when Lessing, at the end of his Education of the Human Race, blurts out as if from a gun that man returns to the world again and again, that he is reincarnated. This significant treatise, which concludes with the words, “Is not all eternity mine?”, is, to the initiated, nothing other than a means by which the Rosicrucian worldview reached humanity in a way that was unconscious even to Lessing himself—through his own words. Thus, much has come about through Rosicrucianism.
[ 10 ] Es gibt viele Mittel und Wege, wodurch die Geisteswelt sich ergießt, ohne dass die Menschen, die davon getroffen werden, es immer ganz genau wissen. Es kommt nicht darauf an, dass das, was in der Welt gewirkt wird, sich an einen Namen anknüpft. Prozesse wegen Plagiaten haben die Rosenkreuzer nie geführt. Niemals würden sie irgendeine sogenannte Entlehnung ihrer Gedanken irgendwie verfolgt haben. Das war ihnen gleichgültig. Und was war überhaupt demjenigen, dem es auf die Wirkung ankommt, gleichgültiger als die persönliche Quelle, von der solche Dinge herauskommen? In unserer Zeit, wo man auch Prozesse führt wegen der Entlehnung von Gedanken und anderer Dinge, ist es doch so, dass die eigentlichen Entlehner in der Regel doch nicht zu fassen sind. Es ist also unsinnig. Vermöge einer hohen Geistesentwicklung und eines energischen Willens ist das zu vermeiden.
[ 10 ] There are many ways and means through which the spiritual world manifests itself, without the people affected by it always being fully aware of it. It does not matter whether what is brought about in the world is linked to a particular name. The Rosicrucians never brought lawsuits for plagiarism. They would never have pursued any so-called borrowing of their ideas in any way. They were indifferent to such matters. And what could be more indifferent to someone concerned with the effect than the personal source from which such things originate? In our time, when lawsuits are even filed over the borrowing of ideas and other things, the reality is that the actual borrowers are generally impossible to track down. It is therefore nonsensical. Through a high level of spiritual development and an energetic will, this can be avoided.
[ 11 ] [Zu denjenigen, die vermöge einer hohen Geistesentwicklung höhere Erkenntnis hatten, die durch einen starken, energischen Willen sich in die höheren Welten hinaufschwangen infolge der Rosenkreuzerbeeinflussung, gehört Amos Comenius, dieser große Pädagoge. Es ist für die Menschheit durchaus nützlich, sich in die Gedanken des Comenius zu vertiefen. So ist es auch nützlich, sich in die Gedanken Johan Baptista von Helmonts, seines Zeitgenossen, zu vertiefen, der auch ein Rosenkreuzer war. Wir entnehmen denselben nun eine Verdeutlichung dessen, was wir mit dem Worte «Chaos» meinen.]
[ 11 ] [Among those who, by virtue of a high level of spiritual development, attained higher knowledge—and who, through a strong, energetic will, ascended into the higher worlds as a result of Rosicrucian influence—is Amos Comenius, that great educator. It is certainly beneficial for humanity to delve into the thoughts of Comenius. It is also beneficial to delve into the thoughts of Johan Baptista von Helmont, his contemporary, who was also a Rosicrucian. From them we now gain a clarification of what we mean by the word “chaos.”]
[ 12 ] Sie alle kennen ein Wort, von dem Sie wahrscheinlich alle - oder doch sehr viele - glauben, dass es sehr alt sei. Nämlich das Wort «Gas», das die meisten Menschen nur kennen als «Leuchtgas». Sie wissen aus der Physik, dass es viele Gase gibt und dass im Grunde genommen die meisten Substanzen sich in Gas verwandeln lassen. Wenn der Mensch nicht nachdenkt, wird er leicht zu dem Glauben verleitet werden können, das Wort sei so alt wie alle anderen. Das ist aber nicht der Fall. [«Gas» und «gasförmig» waren vor des Comenius’ und Helmonts Zeit noch keine bekannten Begriffe.] [Helmont] war der Erste, der das Wort «Gas» geprägt hat. Seit jener Zeit ist es erst in der Sprache aufzufinden. Das Werk[, auf das es ankommt, in dem dies Wort zuerst vorkommt,) ist 1615 geschrieben. Bedenken Sie also, eine wie kurze Zeit das ist. - Nun müssen Sie sich natürlich auch klarmachen, dass man eine Veranlassung dazu haben muss, wenn man ein solches Wort gebraucht. Er war derjenige, der die Vorstellung vom Gas der Menschheit erst vermittelt hat. Wir wollen einmal uns klarmachen, was nach den heutigen Schulbegriffen ein Gas ist.
[ 12 ] You all know a word that you probably all—or at least a great many of you—believe to be very old. Namely, the word “gas,” which most people know only as “illumination gas.” You know from physics that there are many gases and that, basically, most substances can be converted into gas. If one does not think carefully, one can easily be led to believe that the word is as old as all the others. But that is not the case. [“Gas” and “gaseous” were not yet known terms before the time of Comenius and Helmont.] [Helmont] was the first to coin the word “gas.” It has only been part of the language since that time. The work [in which this word first appears] was written in 1615. So consider just how short a time that is. — Now, of course, you must also realize that one must have a reason for using such a word. He was the one who first introduced the mental image of gas to humanity. Let us first clarify what a gas is according to today’s school definitions.
[ 13 ] Sie wissen alle, wenn Sie Wasser nehmen und dieses Wasser zum Sieden, zum Verdampfen bringen, so entsteht zuerst Wasserdampf. Dampf ist nicht Gas - auch nach den heutigen Schulbegriffen nicht. Dampf ist eigentlich, wenn man sich grob ausdrücken will, dasjenige, was man noch mit Augen sehen kann. Es ist das, was denselben Stoff enthält, nur in feineren Partikeln verteilt, sodass man sagen kann: Wasser geht in Wasserdampf über durch das Erhitzen. So können Sie wohl auch alle - oder wenigstens die weitaus meisten - Substanzen bei niederer oder höherer oder sehr hoher Temperatur in Dampf verwandeln. Sie können aber die Erhitzung noch weitertreiben, und wenn Sie sie weitertreiben, dann erhalten Sie einen Zustand der betreffenden Substanzen, wo sie sozusagen nicht mehr sichtbar sind, wo sie wirklich in eine andere Form als die Wasserform übergehen. Während die Dampfform nur eine Art Zwischenform ist zwischen der Wasserform und der Gasform, ist diese Gasform im Grunde genommen nur eine Dampfform auf höherer Entwicklungsstufe, die entstanden ist bei höherer Temperatur. Diese Dampfform und Gasform war vor Comenius durchaus keine klare Vorstellung. Auch Helmont hat mit der Dampfform gearbeitet. [Vor den Rosenkreuzern Helmont und Comenius war diese Gasform keinem so bekannt.]
[ 13 ] You all know that when you take water and bring it to a boil—that is, cause it to evaporate—water vapor is produced first. Steam is not a gas—not even according to today’s school definitions. Steam is actually, to put it simply, what you can still see with your eyes. It is the same substance, only distributed in finer particles, so that one can say: Water turns into water vapor when heated. In this way, you can also—or at least for the vast majority of substances—transform them into vapor at low, high, or very high temperatures. However, you can continue heating them even further, and if you do so, you will reach a state in which the substances in question are, so to speak, no longer visible—a state in which they truly transition into a form other than that of water. While the vapor state is merely an intermediate form between the liquid state and the gaseous state, this gaseous state is, in essence, simply a more advanced form of vapor that has arisen at a higher temperature. Before Comenius, there was by no means a clear mental image of these vapor and gaseous states. Helmont, too, worked with the vapor state. [Before the Rosicrucians Helmont and Comenius, this gaseous state was not known to anyone to this extent.]
[ 14 ] Es kann uns zunächst wenig interessieren, dass es Kohlensäure war, die [Helmont] genau untersucht hat, und an der er die Natur des Gases sich klargemacht hat. Er hatte allerdings Vorstellungen mit Kohlensäure und deren Gasen verknüpft, die für den heutigen Physiker und Menschen überhaupt nicht mehr ganz verständlich sein würden. Nun haben sich ihm die Sachen so ergeben, dass er sich sagte: Es gibt unter den verschiedenen anderen Zuständen auch diesen feineren Zustand, dem er den Namen gab Gas». [In des Helmonts Werk «Ortus medicinae» ist der Satz zu finden: «Hunc spiritum, incognitum hactenus, novo nomine ‹Gas› voco.»] Das heißt auf Deutsch: Solchen Geist, wie er bisher unbekannt war, nenne ich Gas. - Das ist das erste Mal, wo dieses Wort eintritt in die Betrachtungsweise.
[ 14 ] For now, it may be of little interest to us that it was carbon dioxide that [Helmont] examined closely and through which he came to understand the nature of the gas. He had, however, formed mental images of carbon dioxide and its gases that would no longer be entirely comprehensible to today’s physicists—or to people in general. Now, as things turned out for him, he said to himself: “Among the various other states, there is also this finer state, to which he gave the name ‘gas.’” [In Helmont’s work Ortus medicinae, the following sentence can be found: “Hunc spiritum, incognitum hactenus, novo nomine ‘Gas’ voco.”] In English, this means: “I call this spirit, which was previously unknown, ‘gas.’—This is the first time this word appears in scholarly discourse.”
[ 15 ] Nun lehrt uns dieser Satz eine ganze Menge. Vor allen Dingen nennt er das, was er als Gas anspricht, «Spiritus» - Geist -, sodass es klar ist, dass das, was er konstruiert hat als Gas, ihm das Instrument war für eine geistige Wesenheit.
[ 15 ] Now, this statement teaches us quite a lot. Above all, it refers to what it describes as a gas as “Spiritus”—spirit—so that it is clear that what he conceived as a gas served as an instrument for a spiritual entity.
[ 16 ] Er hat selbst das Gefühl, dass er diese durchsichtige Substanz als Geist ansprechen muss. Er benennt diesen Geist mit dem neuen Namen «Gas». Nun fassen wir ganz genau, was er für Vorstellungen hatte. Er wusste auch, wenn man dieses Gas abkühlte, so hat man merkwürdige Erscheinungen. Dunkle, wolkenartige Einschläge bilden sich. Es wird wieder dampfförmig und dann wieder wässrig. Das Gas war ihm eine Grundlage, eine durchsichtige klare Grundlage, aus der heraus Dichtes, Verdichtetes entsteht.
[ 16 ] He himself felt that he had to refer to this transparent substance as a spirit. He gave this spirit the new name “gas.” Now let us grasp exactly what mental images he had. He also knew that when this gas was cooled, strange phenomena occurred. Dark, cloud-like formations appear. It becomes vapor-like again and then watery once more. To him, the gas was a foundation—a transparent, clear foundation—from which dense, condensed matter arises.
[ 17 ] Wenn man eine solche Seele wie die des [Johan Baptista van Helmont] kennt, dann weiß man auch, dass man auf so etwas, wie dieser Satz es ist, anwenden darf das schöne Goethe’sche Wort: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Man kann, wenn man ihn genau liest und ihn ganz kennt, sehen, wie viel er sah in dem Prozess der Verdichtung. Er sah Dinge, die alle im Gas drinnen waren. Ein Mensch, der so fühlte, konnte noch sagen: [«hunc spiritum incognitum «Gas voco»].
[ 17 ] If one is familiar with a soul such as that of [Johan Baptista van Helmont], then one also knows that one may apply Goethe’s beautiful words to something like this sentence: “All that is transitory is but a parable.” If one reads him closely and knows him thoroughly, one can see how much he perceived in the process of condensation. He saw things that were all contained within the gas. A person who felt this way could still say: [“hunc spiritum incognitum ‘Gas voco’”].
[ 18 ] [Beim Betrachten der Welt fragte er sich:] Alles, was an Materie in der Welt ist, wie ist es denn ursprünglich entstanden? Ursprünglich erfüllte die ganze Welt so etwas, vielleicht von einer viel größeren Feinheit als das, was er entdeckt hat, als Gas, etwas, was durch das Licht durchgeht und was man gar nicht sehen kann, woraus aber, wie aus dem Licht heraus, sich abballen Farben und Wolken. Der Gedanke stand im Hintergrunde einst: Die Welt ist durchsichtig, in sich leuchtend, keine Trübung enthaltend, vielleicht von einer viel größeren, höheren Geistigkeit. Und wie von diesem Gase sich abspalten Gase, die wie ehe Nebelmassen aussehen, so haben sich aus der durchsichtigen, trübelosen Unendlichkeit Mineralien, Pflanzen und Tiere herausgebildet. Der Geist ist dicht geworden, zu einem Gebilde geworden.
[ 18 ] [As he contemplated the world, he asked himself:] How did all the matter in the world originally come into being? Originally, the entire world was filled with something—perhaps of a much greater subtlety than what he had discovered—like a gas, something that passes through light and cannot be seen at all, but from which, as if from light itself, colors and clouds coalesce. The thought once lingered in the background: The world is transparent, luminous in itself, containing no opacity—perhaps of a much greater, higher spirituality. And just as gases separate from this gas, appearing like masses of fog, so too have minerals, plants, and animals emerged from the transparent, unclouded infinity. The spirit has become dense, has taken on a form.
[ 19 ] Schon in uralten Zeiten und bei primitiven Völkern finden wir Gleichnisse, die gut brauchbar sind, um eine ähnliche Vorstellung hervorzurufen. Solche ursprünglichen und auch primitiven Völker sehen manchmal dasjenige, was äußerlich materiell geschieht, auch noch geistig an. Solch ein Mensch weiß, dass aus ihm herauskommt der Hauch, von dem er sieht, wenn er in die Luft heraustritt, dass er Dampf wird, dass aus dem Seelischen dasselbe geschaffen wird, was aus der durchsichtigen Klarheit und Unendlichkeit sich abdichtet. So fühlt der Mensch in dem Hauch der Seele, in dem Aushauchen und Dichtwerden ein Gleichnis für denselben Vorgang im Großen. Daher die Ansicht, die die Welt ansieht wie das Ergebnis eines Aushauchens der Gottheit. Das ist wirklich eine ururalte Vorstellung. Wir müssen uns klar sein darüber, was diese uralte Vorstellung in sich involviert. Diese ururalte Vorstellung enthält einen ganz anderen Raumbegriff als den trockenen abstrakten Raumbegriff, den der heutige Mensch hat. Was denkt sich der heutige Mensch unter dem «Raum»? Er denkt sich unendliche, ausgedehnte Leere, wo nichts darinnen ist. Das können Sie heute unter dem Raumbegriff überall finden, wo vom Raum gesprochen wird. Was dachten sich aber diejenigen, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft standen, unter dem Raum? Den ausgedehnten Geist, der sein Gleichnis hat in dem Ungetrübten, aus dem der Dampf entsteht. Und der Raum, sagten sie, ist die Quelle, aus der alle Samen der Dinge herausgeschaffen werden durch das Wort des ursprünglichen Gottesgeistes. Wenn alle Wesen wiederum aufgelöst würden in einem Momente, so wäre scheinbar eine endlose Leere vor uns. In Wahrheit ist diese endlose Leere ebenso wenig ein Nichts, wie das Gas, worin sich Substanzen aufgelöst haben, ein Nichts ist. Das ist der Raum für diejenigen, die okkult denken. Und darinnen, denken sie sich, sind die Wesen wie verdichteter Raum, wie aus dem Raum herausgeboren. Denn der Raum ist hier als ursprünglicher Geist gedacht. [Das war auch dem Helmont klar. Er kannte den Urgrund, aus dem alle Wesen sich heraus verdichtet haben.]
[ 19 ] Even in ancient times and among primitive peoples, we find parables that are well suited to evoke a similar mental image. Such original and also primitive peoples sometimes view what happens outwardly and materially from a spiritual perspective as well. Such a person knows that the breath emanating from within him—which he sees, when it enters the air, turn into vapor—is created from the soul, just as that which arises from transparent clarity and infinity takes on a solid form. Thus, in the breath of the soul, in the exhalation and the process of solidification, the person senses a parable for the same process on a grand scale. Hence the view that regards the world as the result of a breath exhaled by the Divinity. This is truly an ancient mental image. We must be clear about what this ancient mental image entails. This ancient mental image contains a concept of space entirely different from the dry, abstract concept of space held by people today. What do people today imagine when they think of “space”? They imagine an infinite, vast emptiness containing nothing. You can find this understanding of space everywhere today whenever people speak of space. But what did those grounded in Spiritual Science understand by “space”? The expansive Spirit, which finds its likeness in the unclouded expanse from which steam arises. And space, they said, is the source from which all the seeds of things are brought forth through the Word of the primordial Divine Spirit. If all beings were to be dissolved again in a single moment, there would seemingly be an endless void before us. In truth, this endless void is no more a nothing than the gas into which substances have dissolved is a nothing. This is space for those who think in occult terms. And within it, they imagine, beings are like condensed space, as if born out of space itself. For space is conceived here as the primordial Spirit. [This was also clear to Helmont. He knew the primal source from which all beings have condensed themselves.]
[ 20 ] Dass [Helmont] so etwas im Hintergrunde seines Denkens hatte, das zeigt er uns auch nun ganz klar. Er zeigt uns, dass er den Gedanken hat: Ja, so ein Gas, wie ich es entdeckt habe, ist sehr dünn, sehr durchlässig. Das Licht geht durch, und man ahnte nichts, wenn man nicht an der Wirkung empfände, dass überhaupt etwas da ist, wo das Gas sich ausbreitet. Aber im Verhältnis zu dem Urgrunde ist auch dieses Gas noch eine Verdichtung, eine Trübung. Es liegt dem zugrunde ein anderes, viel, viel Tieferes. Aber man kann mit Recht dieses Tiefere erkennen, wenn man das Gas als ein Gleichnis denkt und wenn man das Hervorgehen der ganzen Welt aus dem samenreichen Raum wie das Verdampfen und Verdunsten sich vorstellt. So ist die Vorstellung gestattet, dass das Gas ein Dampf des Geistes, wie ein Geist der Dampf eines Gases ist. Indem er diese Vorstellung in der Seele hat, sagt [Helmont] ein merkwürdig schönes Wort. Er sagt: «Halitum illum ‹Gas› vocavi, non longe a ‹chao› veterum secretum.» Das heißt: «Dieser Dunst, den ich Gas genannt habe, ist nicht weit weg von dem Chaos, das die Alten unterschieden haben.»
[ 20 ] He now makes it very clear to us that [Helmont] had something like this in the background of his thinking. He shows us that he has the thought: Yes, a gas like the one I have discovered is very rarefied, very permeable. Light passes right through it, and one would suspect nothing if one did not perceive, through its effect, that anything is there at all where the gas spreads. But in relation to the primordial ground, even this gas is still a condensation, a cloudiness. Underlying it is something else, something much, much deeper. But one can rightly perceive this deeper reality if one thinks of the gas as a metaphor and imagines the emergence of the entire world from the seed-rich space as a process of vaporization and evaporation. Thus, the mental image is permissible that the gas is a vapor of the spirit, just as a spirit is the vapor of a gas. With this mental image in mind, [Helmont] utters a remarkably beautiful phrase. He says: “Halitum illum ‘gas’ vocavi, non longe a ‘chao’ veterum secretum.” That is to say: “This vapor, which I have called gas, is not far removed from the chaos that the ancients distinguished.”
[ 21 ] Sie sehen, er knüpft den Begriff «Gas» an das Wort «Chaos» an, ja, er hat das Wort «Gas» überhaupt nach dem Wort «Chaos» gebildet. Gas ist das umgewandelte Chaos. Es ist das Wort, das [Helmont] gebildet hat, um seine geheimwissenschaftlichen Begriffe in dasselbe hineinzulegen. Das ist ein außerordentlich interessanter wissenschaftlicher Zusammenhang.
[ 21 ] As you can see, he links the term “gas” to the word “chaos”; in fact, he coined the word “gas” based on the word “chaos.” Gas is chaos in a transformed state. It is the word that [Helmont] coined to encapsulate his esoteric scientific concepts. This is an extraordinarily interesting scientific connection.
[ 22 ] So werden wir von einem, der Bescheid wusste in diesen Dingen, hingeführt zu jenem Raumbegriff, der nicht ein unfruchtbarer, leerer, abstrakter Raumbegriff ist wie derjenige, den die Physik kennt, sondern wir werden geführt zu einem Raumbegriff, welcher unendlich samenreich ist, denn er enthält auf unsichtbare Weise die Samen. Die Dinge, die heute verdichtet sind, sie waren alle einst Dunst und sind verdichtet worden aus dem Raum. Der Raum wird uns so lebendig, die Welt wird zu dem Samen von dem, was ausgebreitet ist in dem Raum. So setzen wir an die Stelle des leeren, abstrakten Raumes den lebendigen Geist, aus dem alle, alle Dinge hervorgegangen sind. Wir verwandeln auf diese Weise allerlei Abstraktes; und es ist gut, dass wir über solche Abstraktionen hinwegkommen, über Begriffe, die ertötend wirken auf alles menschliche Denken und Leben.
[ 22 ] Thus, we are led by someone who was well-versed in these matters to a concept of space that is not a barren, empty, abstract concept of space—such as that known to physics—but rather to a concept of space that is infinitely rich in seeds, for it contains the seeds in an invisible way. The things that are condensed today were all once mist and have been condensed from space. Space thus becomes alive to us; the world becomes the seed of what is spread out within space. In this way, we replace the empty, abstract space with the living spirit from which all—all things—have emerged. In this way, we transform all manner of abstractions; and it is good that we move beyond such abstractions, beyond concepts that have a stifling effect on all human thought and life.
[ 23 ] Wenn wir uns nun versetzen in den Zustand des Raumes, als der Raum noch ganz geistig war, und verfolgen mit unserer Seele, wie sich die Wesen herausverdichten aus diesem unendlichen Raum, aus den Gesetzen, die in diesen Raum eingeboren sind, wenn wir uns da hineinversetzen, da werden wir empfinden, klar empfinden die schönen Worte zum Beispiel der Bibel. Man denke sich nur einmal, wie ursprünglich der reine Geist wie durchsichtiger Raum da war. Und was geschah in diesem Raum? Recht lebhaft stellen wir uns vor, was wir uns schon öfter vorgestellt haben. Hier in diesem Raume ist auch das ausgedehnte Luftgas. Meine Worte werden hineingesprochen in den Raum, wo das Luftgas ausgedehnt worden ist. Da erstehen die Schwingungen, und von da dringen die Worte in Ihre Seelen. Jedes Wort, das gesprochen wird, gestaltet sich hier in dem Raum, der hier ausgefüllt ist von der Luft. Denken Sie sich die Luft still- nichts wird gesprochen. Und nun wieder denken Sie sich, es wird gesprochen. Die ganze Luft kommt in eine regelmäßige Bewegung durch dieses Sprechen.
[ 23 ] If we now place ourselves in the state of space, when space was still entirely spiritual, and follow with our soul how beings condense out of this infinite space, out of the laws inherent in this space—if we place ourselves there—then we will perceive, clearly perceive, the beautiful words of, for example, the Bible. Just imagine for a moment how, in the beginning, the pure spirit existed like transparent space. And what happened in this space? Let us vividly imagine the mental image we have already formed many times before. Here in this space is also the expanded air. My words are spoken into the space where the air has been expanded. There, vibrations arise, and from there the words penetrate into your souls. Every word that is spoken takes shape here in this space, which is filled with air. Imagine the air in stillness—nothing is spoken. And now imagine again that words are spoken. The entire air is set in regular motion by this speaking.
[ 24 ] Denken Sie sich jetzt den unendlich ausgebreiteten Raum, der nicht ein leeres Abstraktum ist, und hineintönend das Wort des Gottes, gestaltend den ganzen Raum nach den Worten, die die Gottheit ausspricht. Das war im Anfang. Und das Wort ertönte in dem Raum, und es entstand die geistige Welt. Und das Chaos waren diese aus dem Raum sich herausentwickelnden Nebelgebilde, welches zum ersten Male zeigt im Trüben dasjenige, was später gestaltet werden sollte. Über der Erde war Wüste und Wirre, und der Geist Gottes webte brütend darüber. Da haben Sie im Momente des Entstehens das Chaos.
[ 24 ] Now imagine infinite, boundless space—which is not an empty abstraction—and the Word of God resounding within it, shaping the entire space according to the words spoken by the Deity. That was in the beginning. And the Word resounded in that space, and the spiritual world came into being. And chaos consisted of these nebular formations emerging from space, which for the first time revealed, in the murk, that which was later to take shape. Over the earth there was desolation and confusion, and the Spirit of God hovered over it, brooding. There, at the moment of creation, you have chaos.
[ 25 ] So tief sind allerdings die Vorstellungen, die zugrunde liegen einer solchen Religionsurkunde. Die Menschen müssen sich erst wieder die Empfindung aneignen, um so etwas zu verstehen. Nun aber wirkt das Chaos nicht nur am Anfang der Weltentwicklung, sondern es wirkt fort. Dasjenige, was uns jetzt führt hinter den Himmel, in unser alltägliches Leben hinein, ist die Erkenntnis, dass das Chaos auch noch heute vorhanden ist, dass ebenso wie der harmonische Himmel, wie die schön gestalteten Wesen heute um uns herum das Chaos ist. Ursprünglich hat sich herausentwickelt aus dem Raum die erste Gestaltung. Es trübten sich die Samen, es formten sich die Wesen bis zu ihrer heutigen Vollkommenheit. Aber so, wie wenn Sie eine Gasmasse haben und einen Teil dieser Gasmasse abkühlen, sodass noch zwischen den einzelnen Teilen Gas bleibt und fortwirkt, so ist es auch mit unserer Welt. Alles, jeder Stein, jedes Wesen, Sie selbst, sind durchdrungen und durchsetzt vom Chaos. Und nicht nur durchsetzt vom Chaos sind die Wesen draußen in der Sinnenwelt; durchsetzt vom Chaos ist auch Ihre Seele und Ihr Geist. So wie der Mensch hier ist, nimmt auch seine Seele und sein Geist teil an dem, was zurückgeblieben ist vom Chaos; nur ein Teil hat sich herausgegliedert aus dem Chaos. Das Chaos ist um uns herum da. Dieses Chaos ist zu gleicher Zeit mit ein Grund fortwirkender Fruchtbarkeit.
[ 25 ] The mental images underlying such a religious document run that deep, however. People must first rediscover the sensibility needed to understand something like this. But chaos is not only at work at the beginning of the world’s development; it continues to be at work. What now leads us beyond the heavens, into our everyday lives, is the realization that chaos still exists today—that just as there is the harmonious heavens and the beautifully formed beings around us today, so too is there chaos. Originally, the first form emerged from space. The seeds took shape, and beings evolved to their present perfection. But just as when you have a mass of gas and cool a portion of it, so that gas still remains between the individual parts and continues to exert its influence, so it is with our world. Everything—every stone, every being, even you yourself—is permeated and interwoven with chaos. And it is not only the beings out there in the sensory world that are interwoven with chaos; your soul and your spirit are also interwoven with chaos. Just as human beings exist here, so too do their souls and spirits participate in what remains of chaos; only a part has emerged from chaos. Chaos is all around us. This chaos is, at the same time, a source of ongoing fertility.
[ 26 ] Nun verschaffen wir uns einmal eine Vorstellung durch ein einfaches Beispiel, wie das Chaos wirkt. Sie sehen - gestatten Sie das wenig appetitliche Beispiel, aber es ist so —, dass das Chaos da auftritt, wo Abfallprodukte, Zerstörungsprodukte auftreten, die höchst nützlich sind und ohne die der Fortgang nicht sein könnte. Sie nehmen tierische Ausscheidungen, die als Dünger hinausgetragen werden von dem Landmann auf den Acker und die den Grund liefern zur Fruchtbarkeit. Die neue Saat geht hervor, indem Sie den Dünger in den Boden hineinlegen. Was ist da geschehen?
[ 26 ] Now let’s get a mental image of how chaos works through a simple example. You see—please bear with this somewhat unappetizing example, but it’s true—that chaos arises where waste products and byproducts of destruction occur, which are extremely useful and without which progress would not be possible. Take animal manure, for example, which the farmer spreads on the fields as fertilizer and which provides the basis for fertility. The new crop sprouts when you work the manure into the soil. What has happened here?
[ 27 ] Was war der Dünger zuerst? Der Dünger war zuerst allerlei schön geformte Pflanzen und andere Wesen draußen in der Welt, dasjenige, was sich aus dem Chaos herausgebildet hat. Er hat seinen Weg genommen und gedient als Nahrungsmittel der Tiere. Die Gesetze, nach denen sich Pflanzen und Tiere genährt haben, sind gleichsam herausgedrängt worden, und es ist so, dass solche Endprodukte eine Rückkehr der Wesen zu dem Chaos sind. Das Chaos wirkt in dem Dünger, den Sie hinaustragen. Ohne dass Sie das Chaos mischen in den Kosmos zu irgendeiner Zeit, ist niemals eine Fortentwicklung möglich. Es führt uns dies, was wir hier auf einer niedrigsten Stufe, auf einer unappetitlichen Stufe haben, zu etwas ganz anderem. Es führt uns dazu, dass wir uns aufschwingen können zum Begreifen dessen, dass es notwendig ist für alle Entwicklung, über den Zusammenhang der Ursachen in der Vorzeit hinauszukommen und irgendwie das Chaos wieder aufzunehmen. Niemand kann fortbestehen, wenn einzig und allein der Kosmos auf ihn wirkt. Denn, was ist Kosmos? Kosmos ist nichts anderes als das, was aus vorhergehenden Ursachen und Gestaltungskräften sich gebildet hat. [Alles im Kosmos hat sich gebildet aus Ursachen, aus vorhergehenden Dingen. Nicht nur alle physischen Dinge, sondern auch alle moralischen und intellektuellen Lehren entstehen aus Ursachen, die vorher gelegt worden sind.]
[ 27 ] What was fertilizer in the beginning? Fertilizer was, in the beginning, all kinds of beautifully formed plants and other beings out in the world—that which emerged from chaos. It followed its own course and served as food for animals. The laws by which plants and animals have nourished themselves have, as it were, been pushed aside, and it is true that such end products represent a return of beings to chaos. Chaos is at work in the fertilizer you spread. Unless you mix chaos into the cosmos at some point, further development is never possible. What we have here at the lowest level—an unappetizing level—leads us to something entirely different. It enables us to rise to the understanding that, for all development, it is necessary to transcend the interconnection of causes in the past and somehow reintegrate chaos. No one can endure if the cosmos alone acts upon them. For what is the cosmos? The cosmos is nothing other than what has been formed from preceding causes and formative forces. [Everything in the cosmos has been formed from causes, from preceding things. Not only all physical things, but also all moral and intellectual teachings arise from causes that were previously established.]
[ 28 ] Ich will Ihnen mit einem radikalen Beispiele sagen, was Kosmos ist. Kosmos ist es, wenn in Deutschland Goethe, Schiller, Lessing, Herder, Schelling gewirkt haben und ein Schulmeister kommt und die herrlichen Gedanken und Schönheiten von Goethe, Schiller, Lessing, Herder, Schelling uns wiedergibt. Nichts würde der Schulmeister wiedergeben können, was nicht vorher durch die Ursachen, die gelegt worden sind, da ist. Oder nehmen wir irgendeinen Menschen auf anderem Gebiet. Er steht ganz auf dem Boden dessen, was sich nach und nach entwickelt hat. [Stellen wir] das Genie [zum Vergleich] dagegen. Warum erscheint es Ihnen so, dass das Genie nur dadurch von dem anderen begriffen zu werden scheint, dass Sie sagen können, da kommt ein neuer Funke in die menschliche Seele hinein. Es käme kein Fortschritt zustande, wenn nur die äußere Ursache da wäre. Es ist die Vermählung des Kosmos mit dem Chaos, wodurch ein Neues entsteht. Das Neue entsteht dadurch, dass das früher Gewesene und in das Chaos Zurückgeworfene vom Kosmos wieder aufgenommen wird. Das ist der göttliche Funke, das ist das, was nicht kommt aus den Weltgesetzen, sondern was aus anderen Welten herankommt. [Dadurch, dass alle früheren Entwicklungsgesetze in das Chaos zurückgeworfen sind, dadurch entsteht ein Neues, das nicht zusammenhängt mit den Entwicklungsgesetzen, die herkommen von alten Zeiten.]
[ 28 ] I want to use a radical example to explain what the cosmos is. The cosmos is when Goethe, Schiller, Lessing, Herder, and Schelling were active in Germany, and a schoolteacher comes along and conveys to us the magnificent thoughts and beauties of Goethe, Schiller, Lessing, Herder, and Schelling. The schoolteacher could not convey anything that was not already present as a result of the foundations that had been laid. Or let’s take any person in another field. He stands entirely on the ground of what has developed step by step. [Let us] contrast this with the genius [for comparison]. Why does it seem to you that genius can only be grasped by others in such a way that you can say, “Here comes a new spark into the human soul”? No progress would take place if only the external cause were present. It is the union of the cosmos with chaos through which something new comes into being. The new arises when what once was—and had been cast back into chaos—is taken up again by the cosmos. That is the divine spark; that is what does not come from the laws of the world, but what comes from other worlds. [Because all previous laws of development have been cast back into chaos, something new arises that is not connected to the laws of development that come from ancient times.]
[ 29 ] In jedem Momente muss die Welt wiederum Chaos werden. Die Ehe der Vergangenheit mit der Gegenwart ist eine Ehe des Kosmos mit dem Chaos. [Das Genie ist die Ehe der Vergangenheit mit der Gegenwart.] Daher kommen jene tiefen, bedeutsamen Empfindungen, die der alte Mensch hatte und der Geheimforscher hat, wenn der Name Chaos auch nur ausgesprochen wird. Für denjenigen, der das nicht empfinden kann, ist das Chaos etwas, was verworren ist, was unklar ist, wie die Gedanken der Genies für die meisten Menschen wirre und wüste sind. Die Empfindung des Wirren und Wüsten in der Weise, wie sie die Gedanken der Genies empfingen, haben nur die Menschen, die auf dem Boden des aus der Vergangenheit her Wirkenden stehen. Das ist das, was hereinwirkt, was neu ist, was wieder als Neues aus dem Chaos hervorgeht und das sich richtig mit uns verbinden muss, wenn wir etwas beitragen wollen zur Fortentwicklung der Menschheit. Die theosophische Bewegung soll eine solche Bewegung sein, welche imstande ist, die Menschheit mit neuem geistigem Samen zu befruchten, und diejenigen, die die theosophische Strömung verstehen, müssen sich klar darüber sein, dass sie nicht nur fortwirtschaften können mit dem, was vom alten Vater Kosmos hereinkommt, sondern dass auch neue Keime des Geistes wie aus dem Chaos herein in die Menschheit kommen müssen. Dadurch wird die Menschheit im richtigen Sinne geistig befruchtet.
[ 29 ] At every moment, the world must once again become chaos. The marriage of the past and the present is a marriage of the cosmos and chaos. [Genius is the marriage of the past with the present.] Hence come those deep, significant feelings that the ancient man had and that the esoteric researcher has when the name “chaos” is even merely uttered. For those who cannot feel this, chaos is something that is confused, something that is unclear—just as the thoughts of geniuses are confused and bewildering to most people. Only those who stand on the ground of forces working from the past can perceive this sense of confusion and disorder in the way that the thoughts of geniuses were perceived. This is what is working upon us, what is new, what emerges anew from chaos, and what must truly connect with us if we wish to contribute to the further development of humanity. The Theosophical Movement is meant to be a movement capable of fertilizing humanity with new spiritual seed, and those who understand the Theosophical current must be clear that they cannot merely continue to work with what comes from the old Father Cosmos, but that new seeds of the spirit must also enter humanity as if from chaos. In this way, humanity is spiritually fertilized in the true sense.
[ 30 ] Diejenigen Vorstellungen, die heute die Menschheit vermittelt erhält durch die wirkliche und wahrhafte Theosophie, sind nicht aus der Vergangenheit hergenommen. Derjenige, der als Geologe die Schichten der Erde erforscht und nur sagen kann, was in der Vergangenheit in der Sinnenwelt entstanden ist, der kann nimmermehr erforschen, was für die Theosophie bedeutsam ist. Die Zukunftsgestalt der Menschheit muss aus dem Chaos hereinkommen in den sinnlichen Kosmos. Daher ist es von unendlicher Wichtigkeit, dass durch die theosophische Weltanschauung der Mensch aufnimmt Vorstellungen, Empfindungen und Willensimpulse, welche nicht unserem Kosmos, wie er ist als Sinnenkosmos, entnommen sind, sondern welche unmittelbar herausgeholt sind aus der Gestalt, die der Geist hat, bevor er sich äußerlich gestaltet, die aus dem Chaos herausgeholt sind.
[ 30 ] The mental images that humanity receives today through true and authentic theosophy are not drawn from the past. A geologist who studies the Earth’s strata and can only describe what arose in the sensory world in the past can never explore what is significant for theosophy. The future form of humanity must emerge from chaos into the sensory cosmos. Therefore, it is of infinite importance that, through the theosophical worldview, human beings take in mental images, feelings, and impulses of the will that are not drawn from our cosmos as it is—as a sensory cosmos—but are drawn directly from the form that the Spirit possesses before it takes on an external form, that is, from the chaos.
[ 31 ] Solche Vorstellungen, die aus dem Chaos herausgeholt sind, sind die Symbole und Zeichen jener Vorstellungen und Empfindungen, die durch die Geheimschulen hereingeholt werden aus den höheren Welten, deren Ausfluss uns gegenüber wie ein Chaos erscheint. Solche Zeichen sollten immer gegeben werden den Dingen, die zugrunde liegen der Welterscheinung als Imagination und innere Erkenntnis.
[ 31 ] Such mental images, drawn from chaos, are the symbols and signs of those mental images and sensations that are brought to us through the secret schools from the higher worlds, whose outflow appears to us as chaos. Such signs should always be attributed to the things that underlie the world’s appearance as imagination and inner knowledge.
[ 32 ] Was in den sieben Siegeln vom Münchner Kongress ist, niemand kann es in dem Gesetzeskosmos finden. Aber in dem, was werden wird, wird es sein. Aus dem Chaos herein wirken diese Imaginationen auf die menschliche Seele. So wirken sie, diese Gestalten, dass es ein ganzes Weltbild gibt in der Art, wie es beschrieben ist in der Einleitung, die ich dazugegeben habe. Da wirkt lebendig das Chaos und führt den Menschen hinauf in die höheren Welten, die über den sinnlichen Kosmos hinaus liegen. Das ist es, was sich dem Menschen zu solchen neuen Einschlägen verdichtet, die zuerst als Bilder kommen und dann Wirklichkeit werden. Wenn man zu solchen Bildern kommt, empfindet man die Wirkung jenes Großen, Gewaltigen, das fortwirkt durch die Unendlichkeit der Zeiten. Man empfindet die überwältigende Wirkung des Chaos, das den Samen aller Dinge enthält. Wenn man diese Dinge auf sich wirken lässt, werden sie aus der Seele die tiefsten Urgründe heraufholen.
[ 32 ] No one can find in the legal cosmos what is contained in the seven seals of the Munich Congress. But it will be found in what is yet to come. These imaginations work their way into the human soul from within the chaos. This is how they work—these figures—so that an entire worldview emerges in the manner described in the introduction I have provided. There, chaos is alive and leads human beings upward into the higher worlds that lie beyond the sensory cosmos. This is what condenses into such new insights for human beings, which first come as images and then become reality. When one encounters such images, one senses the impact of that which is great and mighty, which continues to work through the infinity of time. One senses the overwhelming power of chaos, which contains the seed of all things. When one allows these things to take effect within oneself, they will draw forth the deepest primal sources from the soul.
[ 33 ] [In den sieben Siegeln sehen wir die Bilder der astralen Welt und in den sieben Säulenkapitellen Begriffe, die hereinkommen in unseren Kosmos, wenn wir die devachanische Welt betrachten.]
[ 33 ] [In the seven seals we see images of the astral world, and in the seven column capitals we see concepts that enter our cosmos when we contemplate the devachanic world.]
[ 34 ] Hier in den sieben Siegeln und in den sieben Stützen oder Säulen mit ihren Kapitellen haben Sie Sonnen-, Mond-, Mars-, Merkur-, Venus-Motive ausgedrückt. Hier haben Sie die Begriffe, die hereinkommen werden in unseren Kosmos, die hereinkommen werden in unsere Welt. Wenn Sie diese Säulenkapitelle betrachten, finden Sie, dass sie ineinanderwirken. Wenn Sie empfindend sich hineinleben, dann empfinden Sie dasjenige, was Ihr Empfinden so ordnet, wie es niemals geordnet werden könnte aus der sinnlichen Welt heraus, und was Ihnen einen Begriff verschaffen kann von jener geistigen Musik oder Sphärenharmonie, die das Devachan ist.
[ 34 ] Here, in the seven seals and in the seven columns with their capitals, you have expressed motifs of the Sun, Moon, Mars, Mercury, and Venus. Here you have the concepts that will enter our cosmos, that will enter our world. If you look at these column capitals, you will find that they interact with one another. If you immerse yourself in them with feeling, you will sense that which orders your perception in a way that could never be achieved through the sensory world alone, and which can give you a sense of that spiritual music or spherical harmony that is Devachan.
[ 35 ] Diese Kapitelle sind eine Anregung, die Gefühle herauszuholen, die herausgeholt werden müssen aus alten Zusammenhängen und die in völlig neue hineinkommen müssen. Wir dürfen sie nicht sinnlos herausreißen, sonst zerreißen wir uns selber. Wir einen sie mit uns, wenn wir sie aus dem Chaos entnehmen. So gehören solche Imaginationen zu den Mitteln, wodurch die geistige Strömung, die wir die theosophische nennen, in der Welt ihre Mission hat. Alles, was auftritt in dieser Weltströmung, muss als ein Einheitliches angesehen werden. Ein einziger Gedanke durchdringt die ganze Strömung. Nur wenn ein einziger Gedanke dieselbe durchdringt, können wir der Bewegung ihre richtige Fruchtbarkeit versprechen. Sie können sich überzeugen, dass die Kapitelle wirken. Sie können aber auch in einer sehr schlimmen Weise wirken.
[ 35 ] These capitals serve as an inspiration to draw out the feelings that must be extracted from old contexts and brought into entirely new ones. We must not tear them out senselessly, lest we tear ourselves apart. We unite them with ourselves when we extract them from the chaos. Thus, such imaginings are among the means by which the spiritual current—which we call theosophical—fulfills its mission in the world. Everything that occurs within this world current must be viewed as a unified whole. A single thought permeates the entire current. Only when a single thought permeates it can we promise the movement its true fruitfulness. You can see for yourselves that the capitals have an effect. But they can also have a very harmful effect.
[ 36 ] Diese Bilder sind dazu da, dass sie den Menschen in die schönste Welt hineinführen. Derjenige, der sie in wahrer theosophischer Gesinnung und an Orten betrachtet, wo das theosophische Leben fließt, wird finden, dass sie auf ihn wirken seelenbefreiend und erquickend. Würden Sie sie im alltäglichen Leben aufhängen, im Speisezimmer zum Beispiel, dann verderben Sie sich ihren physischen Organismus bis auf die Verdauung hin. Nicht mit unheiliger Seele können diese Dinge genossen werden, sondern nur in der richtigen Stimmung. Daraus sehen Sie, dass dasjenige, was starkes Licht ist, auch starke Schatten haben kann. Schwaches Licht hat auch nur einen schwachen Schatten. Nicht darf es der Theosophie angerechnet werden, wenn sie für diejenigen, welche sie in unrechtmäßiger Weise genießen, eine starke Finsternis wird. Aber nicht dadurch, dass wir im Abstrakten herumreden, können wir wirken, sondern dadurch, dass wir das, was uns die Geheimschulen geben können, weiterleiten und den Menschen die Mittel geben, wieder in größerem Umfange an diesen Dingen teilzunehmen.
[ 36 ] These images are meant to lead people into the most beautiful world. Those who view them with a true theosophical spirit and in places where theosophical life flows will find that they have a soul-liberating and refreshing effect on them. If you were to hang them in your everyday life—in the dining room, for example—you would harm your physical organism, right down to your digestion. These things cannot be enjoyed with an unholy soul, but only in the right frame of mind. From this you can see that what is strong light can also cast strong shadows. Weak light, too, casts only a weak shadow. Theosophy must not be blamed if it becomes a deep darkness for those who partake of it in an improper manner. But we cannot bring about change by merely talking in abstract terms; rather, by passing on what the mystery schools can give us and providing people with the means to participate in these things to a greater extent again.
[ 37 ] Die Theosophie ist keine Spielerei mit Vorstellungen, sie ist reale Kraft, die in das Geistesleben der Menschheit einfließen muss. Nur dann kann sie dies, wenn sie Kraft ist, wie solche Dinge Kraft sind. Daher darf man auch mit solchen Dingen nicht spielen, sondern man muss sich klar sein darüber, dass es wirksame Dinge sind.
[ 37 ] Theosophy is not a game with mental images; it is a real force that must flow into the spiritual life of humanity. It can do so only if it is a force in the same way that such things are forces. Therefore, one must not play with such things, but must be clear that they are active forces.
[ 38 ] So kann sich uns an dem Beispiel, das uns unmittelbar beschäftigt, zeigen, wie umfassend der Begriff des Chaos ist für den, der dieses Chaos in der richtigen Weise versteht. Dasjenige, was hinter dem Physischen steht, dasjenige, aus dem heraus das Physische gemacht und geboren ist, das Chaos, alle haben es gekannt. Ob die Griechen es Chaos genannt haben, ob es uns die Genesis in der Weise, wie wir es gesehen haben, schildert oder ob die indische Philosophie davon spricht, von dem Zustand, der unmittelbar vor demselben liegt: «Akaos», «Akasha» - es ist immer dasselbe, was aus den Geheimschulen heraus uns erinnern soll, wie das, was im Anfang war, fortwirkt durch alle Zeiten. Nur dadurch, dass sich der Mensch mit seinem wahren Ursprung verbindet, kann ein Fortschritt stattfinden. Dem, der an die Sinnenwelt gebunden ist, erscheint das Chaos wirr und wüst. Dem Wissenden ist es nicht so. Der hört die Sphärenharmonie, von der die Pythagoreer gesprochen haben und deren Übersetzung dasjenige ist, was in der theosophischen Weltbewegung heute der Öffentlichkeit übermittelt wird. Gerade zur richtigen Zeit - weil es heute noch möglich ist, dass einige Menschen, die sich aus der großen Mehrzahl der Menschen herausheben, die Empfindung bekommen, dass hingedeutet wird auf diese geistige Wahrheit. Fühlen wir die befruchtende Kraft, die auf dasjenige wirkt, was ist.
[ 38 ] Thus, the example we are currently considering shows us just how comprehensive the concept of chaos is for those who understand it correctly. That which lies behind the physical world, that from which the physical world is formed and born—chaos—has been known to all. Whether the Greeks called it Chaos, whether Genesis describes it to us in the way we have seen, or whether Indian philosophy speaks of the state that lies immediately before it—“Akaos,” “Akasha”—it is always the same thing that the students of occultism intend to remind us of: how that which was in the beginning continues to work through all ages. Progress can take place only when human beings connect with their true origin. To those bound to the sensory world, chaos appears confused and desolate. This is not the case for the initiate. He hears the harmony of the spheres of which the Pythagoreans spoke, and the interpretation of which is what is being conveyed to the public today within the theosophical world movement. Precisely at the right time—because it is still possible today for a few individuals who stand out from the vast majority of humanity to sense that this spiritual truth is being pointed toward. Let us feel the life-giving power that acts upon all that is.
[ 39 ] [Weil es noch möglich ist heute, dass einzelne Menschen das Empfinden bekommen für einige Worte aus der Geisteswelt, darum ist es an der Zeit, von diesen Dingen zu sprechen. In Zukunft werden, wie früher die korinthische und ionische Säulenordnung aus dem tiefen Wissen hervorgegangen sind, neue Säulenordnungen hervorgehen aus der theosophischen Weisheit. Alle Kunst ist nur eine kristallisierte Geheimlehre. So wird alle wirkliche, zukünftige Kunst die kristallisierte Geheimlehre sein. Erst waren da die Menschen, die empfunden haben in den heiligen Hainen das Walten und Wirken der Gottheit. Wer könnte es nicht nachempfinden in einem gotischen Kunstwerk, in einem gotischen Dom, dass dieselbe Stimmung da wirkt. Die Gotik ist nichts anderes als die kristallisierte Geheimlehre des Vormittelalters. Was wir jetzt in Worte kleiden, wird in Zukunft in Farben und Formen erstehen.
[ 39 ] [Since it is still possible today for individual people to develop a sense for certain words from the spiritual world, it is time to speak of these things. In the future, just as the Corinthian and Ionic orders of columns once emerged from profound knowledge, new orders of columns will emerge from theosophical wisdom. All art is merely a crystallized secret doctrine. Thus, all true, future art will be the crystallized secret doctrine. First there were the people who sensed the presence and workings of the Deity in the sacred groves. Who could fail to sense, in a Gothic work of art or in a Gothic cathedral, that the same atmosphere is at work there? The Gothic style is nothing other than the crystallized esoteric teaching of the early Middle Ages. What we now express in words will take shape in the future through colors and forms.
[ 40 ] Dann erst wird die geistige Strömung lebendig fließen, wenn sie nicht nur in Gedanken und Empfindungen strömt, sondern einströmt in alle Dinge, die uns umgeben.]
[ 40 ] Only then will the spiritual current flow vibrantly—when it flows not only through thoughts and feelings, but also into all the things that surround us.]
