Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge
GA 246
17 September 1922, Dornach
80. Über Pädagogik II
Sehr verehrte Anwesende!
[ 1 ] Wenn in einer solchen Art, wie es gestern ausgedrückt worden ist, Menschenkenntnis entwickelt wird, das heißt die Erziehung des werdenden Menschen, das allmähliche Entwickeln der menschlichen Welt nach Leib, Seele und Geist, dann ergibt sich die Unterrichts- und Erziehungsmethode als eine unmittelbar ins Praktische übergreifende.
[ 2 ] Nehmen wir nur einmal den Augenblick im menschlichen Leben, der gerade gestern hervorgehoben worden ist, als von einer einzigartigen Bedeutung, den Lebensaugenblick des Zahnwechsels um das siebente Lebensjahr herum, so sieht man, wie ein gewisser Instinkt der Tatsache [zugrunde] gelegen hat, dass das Volksschulpflichtalter einmal mit diesem Lebensabschnitt in der Hauptsache begonnen wurde. In dem Zeitabschnitt wird ja, wie ich gestern ausgeführt habe, ein gewisser Teil des menschlichen ätherischen Leibes frei, emanzipiert sich von seiner Gemeinsamkeit mit physischen menschlichen Teilen, und kann ausgefüllt werden vom Seelisch-Geistigen des Menschen. Man mag nun den Menschen mehr geistig beurteilen, man mag ihn mehr physisch beurteilen, immer wird man finden, dass Bildung, erzieherische, unterrichtende Behandlung eine solche Verwandlung der menschlichen Natur bewirkt hat. Man muss ja dabei bedenken, dass, wenn der ätherische Leib in Gleichmäßigkeit den ganzen physischen Leib durchdringt und das Kind vor dem Zahnwechsel durchaus auf Nachahmung angewiesen ist, so ist ja das nur der Ausdruck dafür, dass in dieser Zeit die ganze Tätigkeit, das ganze organische Leben, das in dem Kind vorgeht, eigentlich eine Offenbarung ist. Nachahmen ist ja etwas, was durchaus geschieht auf einen äußeren Eindruck hin, auf den ein charakteristischer innerer Eindruck folgt. Ich gebrauchte gestern für dieses Verhältnis den Ausdruck: Das Kind ist eigentlich ein großes Sinnesorgan.
[ 3 ] Und dann können [wir das auch] von einer anderen Seite aus ansehen, und werden dann sagen müssen: Wenn man das zur Welt gekommene Kind ansieht, und es vergleicht mit allen späteren Zuständen, so wird man finden, dass in diesem Lebensalter vorzugsweise alles, was im Inneren des Menschen geschieht, vom Kopf ausgeht. Zunächst formt sich der Kopf - wie ein wunderbarer innerer Praktiker - sein Gehirn; dann aber auch werden alle übrigen Organe vom Kopf aus geformt. Was in dieser Richtung die heutige Physiologie sagt, ist ja allerdings nur eine Andeutung dessen, was man kennen muss. Aber alles das, was hier gesagt wird, bringt nicht der heutige Physiologe, sondern er setzt es nur nach einer gewissen sachgemäßen Weise fort. Das ist, wie wenn alle Impulse des menschlichen Wachstums und auch die feinere Regulierung der menschlichen Ernährung gerade in diesem Lebensalter vom Kopf ausgehen. Der Mensch kann erstarken, oder er kann schwach werden dadurch, dass man ihn in der richtigen [oder falschen] Weise behandelt. Ein menschliches Glied, Sie können es an einem arbeitenden Muskel sehen, wird stark, wenn es entsprechend betätigt wird. In dem gekennzeichneten Lebensalter soll der ganze Mensch durch den erzieherischen Einfluss innerhalb [seiner Physis], nach seiner Physis erkannt werden.
[ 4 ] Da muss man sich bewusst werden können, welche Bedeutung eine jegliche Regung im Menschen hat. Da muss man sich bewusst sein können, ob es bedeutungsvoller ist, gesünder ist, das Kind Übungen machen zu lassen, Sprechübungen, die nicht sinnhafter Bedeutung bedürfen, sondern wie eine selbstverständliche Tätigkeit, in denen zuerst diese oder jene Buchstaben eine hervorragende Rolle spielen. Ein solches Verhältnis, das sich in der Behandlung des Kindes ausdrückt, muss sich herausbilden zum Beispiel für den Kindergarten. Und mir ist es immer ein Schmerzliches, dass in Stuttgart in der Waldorfschule, wo dann Dinge auch praktisch verwertet werden, die aus anthroposophischer Pädagogik erfließen können, dass die eben erst mit dem Schulpflichtalter begonnen werden können, dass da ein Kindergarten nicht da sein kann. Er kann ja aus dem Grunde nicht sein, weil die Stuttgarter Waldorfschule [nicht] in so starkem Maße Überfluss an Schulräumen hat.
[ 5 ] Nun, wenn dann das Kind in den Zahnwechsel eintritt, wird sein Seelisches aus dem nachahmenden Wesen herausgerissen und hinübergeführt zu dem, was ich gestern gekennzeichnet habe: zur selbstverständlichen Autorität gegenüber dem Unterrichtenden, dem Lehrenden. Und künstlerisch muss dann der ganze Unterricht gestaltet werden. Man kann nicht darauf abzielen, das intellektualistische Element des Kindes in Tätigkeit zu setzen. Man muss durchaus darauf rechnen, dass ein völlig anderes an Kräften im Kinde zur Betätigung kommt. Denn indem dieser Teil des ätherischen Leibes, von dem ich gestern gesprochen habe, offenbar wird, seelisch wird, zeigt sich das, was nun im Kind geschieht: Eine ganz und gar rhythmische Tätigkeit in der Tätigkeit des Atmungs-, des Zirkulationssystems und in übrigen menschlich-rhythmischen Tätigkeiten, im Wechsel von [Wachen und Schlafen], was ja auch ein rhythmisches Erleben ist. Man hat es, indem man das Kind zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife behandelt, mit allem, was man tut in Unterrichten und Erziehung, mit einer Erteilung von Impulsen zu tun, die sich fortsetzen im Physischen in Atmung, im Zirkulationssystem, rhythmisch, die einen Einfluss haben darauf, ob das Kind die innerlich rechte Neigung zum [unleserliches Wort], von [unleserliches Wort], ob es im Wachstum sich die stärkenden Kräfte durch den [unleserliches Wort] erschaffen kann und so weiter. Alles das, was im rhythmischen Leben des Kindes vor sich geht, hat man [zu beachten], wenn man in die Lage kommt, wirklich zu einer praktischen Kunst des Erziehens Skizzen zu machen, was ich einmal [schriftlich] und gestern erläutert habe. Ich kann natürlich in diesem Vortrage nur ganz skizzenhaft vorgehen.
[ 6 ] Und dann möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, wie wir in der Stuttgarter Waldorfschule versuchen, das künstlerische Element einzuführen, zum Beispiel beim Schreibenlernen. Das Schreibenlernen lassen wir schon dem Lesenlernen vorangehen. Warum? Ja, das Lesenlernen ist eine eigene Betätigung des Kindes. Das anschauliche, das betrachtende Element im menschlichen Organismus wird bei diesem Lernvorgang besonders angespannt - während der ganze Mensch dann angespannt ist, wenn er eine Willenstätigkeit ausübt, die sich als Willenstäugkeit durch den Organismus ausleben muss. Es ist daher das selbstverständlich Gegebene, nicht mit Lesenlernen, sondern mit Schreibenlernen zu beginnen, und dann, wenn das Kind eine Weile schreiben gelernt hat, die Fortsetzung zu machen mit Lesenlernen.
[ 7 ] Aber das Schreibenlernen selber, es muss künstlerisch betrieben werden. Bedenken Sie nur, wenn man, selbst mit den heute schon fortgeschrittenen Methoden versucht, das Kind hinzubringen an das, was unsere Schreibbuchstaben sind, da wird das Kind zu einer Tätigkeit veranlasst, die eigentlich seinem Wesen noch ganz fremd ist.
[ 8 ] Sie können das ja auch durch eine historische Betrachtung sehen: Unsere heutigen Schreibbuchstaben sind das Ergebnis einer langen Entwicklung des Schreibens. Die ersten Buchstaben waren entweder solche, die hervorgegangen sind aus einer malerischen Betätigung — wie die Bilderschrift - oder durch höhere Betätigung aus einer gewissen inneren Vergegenständlichung von Antipathien und Sympathien. Die lassen das äußere Zeichen sich ausgestalten, wie es bei der Keilschrift der Fall ist. Die Schrift war ja ursprünglich etwas ganz anderes, was dem menschlichen Seelen- und Leibeserleben viel näher lag als heute. [Damit] das Kind ein inneres Erlebnis [davon hat], welcher Buchstabe das ist, braucht man durchaus nicht etwa die Sache so zu machen, dass man die historische Entwicklung des Schreibens im Unterricht behandelt. Es handelt sich nur darum, dass man den inneren Geist der Schriftentstehung [einzubeziehen] versucht [gerade] zu dem Zeitpunkt, wo der Leib sich noch mit einer Selbstverständlichkeit künstlerisch aus dem ganzen Wesen des Menschen heraus entwickeln kann.
[ 9 ] Und da findet man den Anschluss, wenn man zum Beispiel Folgendes macht: Nehmen wir an, wir knüpfen an bei einem Kind an das Aussprechen des Wortes «Fisch». Wir versuchen, in einer möglichst bildhaften Form - die immer [mehr] zur Phantasie des Kindes spricht als zum Verstande - dem Kind eine einfache Fischform auf die Tafel zu zeichnen.
[ 10 ] Und dann veranlassen wir es, das Wort Fisch auszusprechen und dann im Aussprechen sich zu beschränken auf den Beginn dieses Wortes; wir führen das Kind hin, das Aussprechen des Wortes Fisch einzugrenzen auf «F». Und dann sagt man zu ihm: Wir drücken dieses «F» aus durch das, was das Bild des Fisches ist, und gestalten allmählich das «F» aus der Fischgestalt heraus. Oder wir sprechen das Wort «Mund» aus, wir gehen aus von dieser Zeichnung: Lassen das Kind sich beschränken auf das «M» und holen aus dem Musikalisch-Bildhaften das «M» heraus. Auf diese Weise formen wir aus der Empfindung und aus der empfundenen Tätigkeit in einer bildhaften künstlerischen Weise das ganze Schreiben heraus.
[ 11 ] Freilich ist dann notwendig, dass man den [Schwerpunkt] gerade für das ganz kleine Kind im siebenten und achten Lebensjahr auf das Künstlerische verwendet; dass man das Kind in einer naturgemäßen Weise in die Behandlung von Farbe und Form hineinführt, und dass man dieses auch fortwährend aufrechterhält. Der Unterricht wird also gerade in seinem Beginn zu einem artistischen.
[ 12 ] Es wird heute von der sogenannten experimentellen Pädagogik viel darüber experimentiert, wie schnell das Kind bei diesem [Schreiben-]Lernen ermüdet. Man zeichnet sorgfältig auf, dass das Kind durch diese Tätigkeit so rasch ermüdet, und man wird dann eben eine solche [abstrakte] Pädagogik einführen, wo dieser Ermüdungsversuch berücksichtigt ist.
[ 13 ] Wer aber einen artistischen, künstlerischen Unterricht einführen will, der zählt dabei in diesen Jahren auf das artistisch-künstlerische System. Das ermüdet aber wiederum nicht. Denn: Denken Sie gerade nicht etwas nach, dann ermüden Sie zum Beispiel gar nicht. Atmungs- und Zirkulationssystem dauern doch schon immer fort. Der also, der einen Unterricht beurteilt, den er sich nach der Ermüdung beurteilt, der zeigt, dass einer einen falschen Unterricht hält. Denn man muss da in diesem Lebensalter den Unterricht so führen, dass er auf einem System beruht, das nicht ermüdet - und das ist das rhythmische System, das Atmungssystem und das Zirkulationssystem.
[ 14 ] Nur weil man diese Dinge nicht kennt, kommen diese Dinge heraus, die im Grunde pädagogische Absurditäten sind. Und daher muss, weil sie besonders willensbildend ist, die Musik, das musikalische Element von einem Kind ganz besonders berücksichtigt werden. Und wo es sich darum handelt, das Musikalische, das ja selber den Unterricht anregt, das im Kinde umso reger ist, je jünger das Kind ist -, dieses Element ist dann besonders vertreten durch die Eurythmie. Die Eurythmie ruft Bewegungen im Kind hervor, die genau dem naturgemäßen Entwicklungsgrad des Kindes entsprechen wie die Lautsprache. Wie sich das Kind in die Lautsprache unter Begleitung eines inneren Wollens und Begehrens, sprechen zu lernen, einlebt, so ist es ja auch mit dem eurythmischen Element. In diesen Figuren habe ich gerade das von der Eurythmie zur Darstellung bringen lassen, was in der eurythmischen Bewegung, in dem Charakter der eurythmischen Gebärden selber liegt. Und wenn man dann diese eurythmischen Bewegungen dem Kind so beibringt, dass sie so bedeutungsvoll sind als dichterische Gestalten, die dem einzelnen Laut entsprechen - das Aufeinander von a-e-i-o-u, und dann wieder mit Konsonant, [Lücke] im m, f, h, ch, [unleserlicher Laut], g, s, r -, dann hört man aus dem ganzen menschlichen Organismus, den man in dieser Weise zu einem einzigen Kehlkopf macht, indem man diese sichtbare Sprache herausholt, dann holt man aus dem menschlichen Organismus [unmittelbar] die Buchstaben in derselben Folge heraus, in der sie sich rein durch eine natürliche Nachahmung im ersten Lebensalter des Kindes als Laut herausbilden.
[ 15 ] Man lasse das Kind da [unleserliches Wort] durchmachen, was der menschlichen Organisation ein Selbstverständliches ist. Es übt das einen ungeheuren Einfluss auf das Bilden der Geschicklichkeit der Menschen, auf das Lernen des geschickten Gebrauches der einzelnen Glieder aus. [Daran] fehlt es ganz besonders bei der Ausbildung des heutigen Menschen. Das Turnen soll dadurch nicht etwa aus der Welt geschafft werden dadurch, dass dieses impulshafte Element in die künstlerische Bewegungsebene des Kindes eingeführt wird. Aber eine künftige Zeit wird schon unbefangen [in dieser Weise] urteilen: Heute will man durchaus nicht auf etwas anderes als auf die Wissenschaftsentwicklung sich begründen - und da überschätzt man das Turnen. Ich will durchaus das Turnen nicht in irgendeiner Weise abkritisieren. Ich kann jedenfalls nicht so weit gehen, wie einmal ein sehr berühmter Physiologe - auch in diesem Saal - sich eine Einleitung angehört hat über die Eurythmie und ihren pädagogischen Wert. Da sagte ich: Wenn man durch die Physiologie die rein physiologische Bewegungslehre studiert, dann ergibt sich das Turnen als das, was man am Menschen nur nach seinem Körper ausbildet. Aber man wird das einmal ergänzen - auch wohl aus dem, was sich ergießt aus dem Seelischen in das Körperliche des Kindes hinein.
[ 16 ] Da sagte dieser berühmte Physiologe - ich will seinen Namen nicht aussprechen, da man vielleicht [Lücke im Stenogramm]). Sie sehen das Turnen als ein wirkliches Unterrichtsfach an? Ich als Physiologe sehe das Turnen für Kinder als nichts anderes als eine Barbarei an.
[ 17 ] Also, meine sehr verehrten Anwesenden, nicht ich sagte dies, sondern ein berühmter Physiologe, der sagte das. Daran sehen Sie, wie wenig die Entwicklung, die auf Wissenschaftsbeobachtung fußt, wie wenig das dem wirklichen Erleben des Kindes entspricht. Und wenn man das genau kennt, wird man auch nicht mehr davor zurückschrecken, den Eurythmieunterricht in der richtigen Weise in den Schulunterricht einzuführen.
[ 18 ] Weiter sehen Sie dort an der Wand allerlei Versuche, allerlei Malereiversuche, wie die Kinder das Farberleben lernen, wie von sehr einfachen Farbzusammenstellungen ausgegangen wird und wie zuletzt herausgeholt wird aus dem Farbbehandeln eine ganze Landkarte. Und es wird so, wenn das Kind sich so einstellt, dies herauszuholen aus dem Farberleben. Dann ist das eben ganz anders, als wenn man ihm mit einer abstrakten Geografie kommt, wenn man diese abstrakte Geografie auch dadurch physisch konkret machen will, dass man sie durch Heimatkunde und so weiter in einer vertrivialisierten Weise mit dem Kind durchnimmt. Man sieht, was das für eine Bedeutung hat, gerade in diesem Kindesalter nicht auf die sogenannte Verstandesanschaulichkeit hinzuarbeiten. Diese Verstandesanschaulichkeit [erzieht man] ihm beim Lesen heran.
[ 19 ] [Es gibt ganze] Literaturwerke, die ausgearbeitet worden sind zum Anschauungsunterricht, [...] die ganz ins triviale Erscheinen hingeführt wurden, nur weil man glaubt, da überschreite man das [unleserliche Passage]. Der aber das macht, weiß nicht das, dass man im Kindesalter so zu erziehen hat, dass man in diesem Alter die Grundlage für die Gesundheit legt, dass man [unleserliche Passage], wenn man nicht zum Beispiel in 35 Jahren in die Lage kommt, sich zu sagen: Jetzt klingt in seinem Entwicklungsbild deutlich etwas an. Was da früher mal gewesen ist, klingt [jetzt] doch allmählich an. Hier will etwas aufsteigen in einer Art, wie du es gekannt hast, weil du den Lehrer, der das erklärte, ja verehrt hast als Autorität. Und jetzt steigt es herauf. Vieles ist seither an dir vorübergegangen, was lange in dir vorhanden war, und ist jetzt da und verbindet sich mit deinem Leben, mit der Lebenserfahrung, die du jetzt hast: Jetzt verstehst du das erst.
[ 20 ] Solch ein innerlicher Akt bedeutet unter Umständen mit 35, 40 Jahren die Anfeuerung einer ganz bedeutenden Lebenskraft /unklare Textstelle]. Aber nur der kann richtig erziehen, der zum Leben das Kind erziehen kann. [Lücke im Stenogramm]
[ 21 ] Das Kind zu viel oder auch zu wenig auswendig lernen zu lassen, [Lücke im Stenogramm], das wird sich zeigen in 34 oder /unleserlich] Jahren an Krankheiten [unleserliche Passage im Stenogramm]
[ 22 ] Es nützt nichts für eine ins Einzelne gehende Wissenschaft, wenn man nur dem Menschen ausschneidet Leber oder Niere, wenn er mit 52 Jahren fest geformt ist, und nun den Lebens[unleserliches Wort]. Es wird erst dann, wenn man weiß, was im Säuglingsalter gewirkt hat darinnen, die Milchbestandteile, die die Leber oder Niere ruiniert haben, sodass es sich erst mit 50 Jahren zeigt. So ist es mit allem, was Sie mit dem Schreiben und durch das Lesen vollbringen, wo Sie in dem Alter - wo das ganze Gehirn bis zum siebenten Jahr hineinwandert, wo der [ganze] Organismus sich in einem Jahr Einzelbestandteile herausholt - hineinwirken in den ganzen Organismus des Menschen nach seiner ätherischen, seelischen und geistigen Beschaffenheit. Es muss also der Lehrer sich eine [Pädagogik] als eine beseelte pädagogische Kunst aneignen, wenn sich Pädagogik in ihrer heilsamen Weise in die Zukunft hinein entwickeln soll.
[ 23 ] Der Naturwissenschaft zufolge, handelt es sich darum, dass man schon für das Kind im volksschulpflichtigen Alter schnell und gezielt den Unterricht in bildhafter Form gestaltet. Ich kann das nicht bis in die Einzelheiten hinein ausführen. Es handelt sich darum, dass man natürlich nicht nur das Schreibenlernen in bildhafter Form betreibt, sondern dass man auch alles das, was man mit in die Anschauung der Welt an das Kind heranbringt, in bildhafte Formen kleidet. Alles wird den Kindern [in der Waldorfschule] in einer Art von Erzählung, in einer Art von «Verbildlichung» gegeben. Nichts geht eigentlich in das Innere des gesamten menschlichen Organismus vor dem neunten oder zehnten Lebensjahr hinein, was ihm nicht beigebracht wird in einer durchaus bildhaften Form. Das stellt wirklich an den Lehrer, an den Erzieher die Anforderung, künstlerische Gestaltungskraft zu haben für alles, was er an das Kind heranbringt. Man wird so vorgehen bis zum neunten, zehnten Lebensjahr. Da stellt sich ja ohnehin in das Leben des Kindes etwas hinein, was von einer fundamentalen Bedeutung ist. In dem Seelischen des Kindes geht so zwischen neun und zehn Jahren etwas vor sich, was leider gewöhnlich von Erziehern und Lehrern nicht in der richtigen Weise beachtet wird. Es geht etwas vor sich, wo die Kinder in einem noch intensiveren Grade brauchen die Anlehnung an eine Autorität. Und demgemäß muss man da beleben das ganze volksschulpflichtige Alter. Die Welt - repräsentiert durch den Lehrer oder Erzieher - kommt an das Kind heran. Nicht verstandesmäßig, aber [gemüthaft].
[ 24 ] Seine Fragen hat das Kind selber. Fragen, die zusammenhängen dann mit der momentanen physischen Entwicklung [unleserliche Passage]. Wenn ich von dieser inneren wichtigen Veränderung zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahr genügend sprechen sollte, so will ich nur darauf aufmerksam machen, was ja besonders wichtig ist, zu beachten, was solche Schulen [unleserliche Passage] Knaben und Mädchen.
[ 25 ] Ich möchte aufmerksam machen, dass da das Alter beginnt, wo die Mädchen anfangen, schnell zu wachsen. Die Knaben fallen da etwas zurück. Aber nicht lange, mit zirka fünfzehn Jahren holen es die Knaben schnell nach, aber doch bis in das Wachstum hinein zeigt sich, wie etwas vorgeht mit dem Wachstum, was sogar bei den nicht [unleserliche Wörter]
[ 26 ] Es ist da der Zeitpunkt, wo das Kind zwischen sich und der Welt unterscheiden lernt. Das Ich-Gefühl war vorher nicht da, man muss vorher alles so an das Kind heranbringen, wie wenn alle die äußeren Ereignisse so nahe seien wie das eigene Ich. Man muss daher nicht etwas, was zum Beispiel in uns [unleserliche Passage] an die Kinder heranbringen. Der Lehrer muss alles überwunden haben, was er in wissenschaftlicher Art gelernt hat. Dagegen muss er das [Urwesen] so in innere Verständnisart [gegenüber dem] Kind entwickeln können, dass es fühlt das innere [Urwesen], wie es fühlt die [Kraft] der eigenen Glieder. So muss der Unterricht gestaltet werden bis zum neunten, zehnten Jahr hin. Da wird ja gerade in diesem Lebensalter, wenn man physischer Menschenbeobachter wird - daher ja meistens heute die Wörter sind —, da wird man finden, dass manchmal ein einzelnes Wort von dem Lehrer oder Erzieher gesprochen, eine [unleserliche Passage im Stenogramm).
[ 27 ] Aber man wird dabei berücksichtigen müssen, dass man zum Beispiel das Urwesen dem Kind nicht so beizubringen hat, dass, was die einzelne [unleserliche Passage im Stenogramm] man wird berücksichtigen müssen, dass es dem Kind angenehm ist, das Stück Erde aufzunehmen, was es kennt, und darüber hinaus kann es die ganze Erde erahnen, dass die Erde die Umwelt hervorbringt, wie der Kopf die menschlichen Haare. [Lücke im Stenogramm] Wie nicht ein einzelnes Haar eine Existenz für sich hat /Lücke im Stenogramm] — so etwas zu glauben wäre absurd -, ebenso wenig hat die einzelne /unleserlich] eine Existenz für sich, sondern nur zusammen mit der ganzen Erde, dafür muss aber früh ein Gefühl in einem Kind erweckt werden, denn nur dadurch richtet sich das ganze Seelische des Menschen zurecht.
[ 28 ] Daher muss man die dichterische Welt so an das Kind heranbringen, dass man, wie man bei der Umwelt den Zusammenhang mit der Erde beibringt, so aufnehmen muss auch den Zusammenhang mit dem Menschen. [Lücke im Stenogramm]
[ 29 ] Jedes Kind ist eigentlich [unleserliche Passage im Stenogramm]).
[ 30 ] Wenn man das ganze Gedicht wirklich auf eine Weise symptomatisch herausschaffen würde, würde man den ganzen Menschen erst herausbekommen. Das muss aber dann in konkrete Formen gebracht werden, sodass das Kind dadurch hat den [unleserliche Passage im Stenogramm].
[ 31 ] Man wird sehen, wie durch eine solche Behandlung des /unleserlich] mit der Erde anregend wirkt auf die Ausbildung der besten Teile der kindlichen Eigenschaften. Und man wird sehen, wie eine solche Behandlung des Gedichtes wirklich dahin wirkt, die menschliche Verstandesentwicklung anzuregen, was wie ein Keim ist, wie eine Vorbereitung für die späteren Lebensalter [Lücke im Stenogramm].
[ 32 ] Man wird aber auch sehen, wie durch das Beibringen einer solchen [unleserliches Wort] in eine Form, gleichzeitig in diesen menschlich-physischen Organismus den Menschen stärkt und kräftigt- und wie eine derartige tiefe Moral den Menschen befähigt, wenig [unleserliches Wort] zu sein, ohne Anfechtungen des Verdauungsapparates und des ganzen Ernährungssystems, als wenn man zerhackt, in irgendeiner physisch-wissenschaftlichen Art die Gedichtmoral dem Kind beibringt [unleserliche Passage im Stenogramm).
[ 33 ] Da erst kann man übergehen zur Behandlung der Mineralien. Da kann man erst übergehen zur Behandlung der Chemie, insofern sie schon charakteristisch ist für Ursache und Wirkung über die Zeitepoche hin. Vorher sollte man nur abgeschlossene Menschenbilder vor dem Kind entwickeln, sodass das Kind mit einer Art künstlerischem Verständnis Zusammenhänge erfasst. Zusammenhänge zeitlicher Art und Dinge auch historischer Art, die auf Ursache und Wirkung beruhen, sind ungeeignet, dass sie dem Kind früher als vor dem zwölften Lebensjahr beigebracht werden. [Lücke im Stenogramm]
[ 34 ] So kann ich nur skizzieren, wie aus einer richtigen Menschenerziehung heraus der Lehrplan abgelesen werden kann, aus der Menschennatur selbst. In der Tat würde sich unser Lehrplan [unleserliches Wort], sondern er ist so gestaltet, dass der nicht aus willkürlichen Maßnahmen herausgebildet ist, sondern das abgelesen ist dem, was die Menschennatur von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, von Woche zu Woche findet [Lücke im Stenogramm).
[ 35 ] Dann kann man bis in die Einzelheit aus der menschlichen Natur heraus [erkennen], was man an das Kind heranzubringen hat, und wie gewisse Dinge aus wirklicher Menschenerziehung heraus eine Pädagogik begründen. Es ist verhältnismäßig leicht zu sagen: Verstand kann nicht anerzogen werden, [unleserliche Passage im Stenogramm].
[ 36 ] Wir sind aber zu abhängig von den sozialen Verhältnissen und müssen auch die Erziehung auf die sozialen Verhältnisse hin begründen. Daher ist diese Pädagogik, wie sie hier gemeint ist, so, dass sie das unter jedem /Lücke im Stenogramm] Kind werden kann.
[ 37 ] Mit der Geschlechtsreife geht aber etwas Radikales mit dem Menschen vor. Während sich mit dem Zahnwechsel ein Teil des ätherischen Leibes emanzipiert hat von dem physischen, wird jetzt auf dem Umweg des rhythmischen Systems gearbeitet, [emanzipiert sich] jetzt mit der Geschlechtsreife ein Teil des eigentlichen seelischen Organismus, dasjenige, was von nun an seelischer Organismus ist. In der anthroposophischen Literatur wird es auch astralischer Organismus genannt. Man braucht [unleserliche Passage im Stenogramm].
[ 38 ] [Der seelische Organismus] emanzipiert sich von derjenigen Mitarbeiterschaft am physischen und ätherischen Organismus, in der er früher war, und dieser Teil des astralischen Organismus wird jetzt vorzugsweise der [Vertreter] der Willenstätigkeit und jener Tätigkeiten im Menschen, die vom Willen stammen müssen.
[ 39 ] Das ist aber auch die Urteilsfähigkeit, da geht etwas sehr Merkwürdiges im Menschen vor sich. Wenn ich auch dieses Ihnen vorführen soll, müsste ich das Folgende zeichnen. Wie wir alle hier wiederum sitzen: Wir haben den Menschen, wir haben dann seinen ätherischen Organismus, so ist er bis zum siebenten Jahre hin gleichmäßig verteilt. Vom siebenten Jahre ab ist ein Teil emanzipiert, abgegrenzt, vom Seelischen durchflutet und versorgt vorzugsweise das rhythmische System, auf das dann von sieben bis vierzehn Jahren in der Erziehung doch Rücksicht genommen werden muss. Bei der Geschlechtsreife tritt nicht nur dasjenige ein, was am gröbsten zu übersehen ist, das Geschlechtswesen des Menschen, sondern das Wesen, was man das Astralwesen [unleserliche Wörter], indem ein Teil von ihm sich emanzipiert und sich dem Menschen so vorsetzt, vorzugsweise das, was jetzt Entfaltungsträger des Willens nach innen ist. In physiologischer Beziehung kommt das dadurch zum Ausdruck, dass vorher das Knochensystem des Menschen, das Muskelsystem, in dem es gewachsen ist, vorzugsweise unter dem Einfluss des rhythmischen Systems [unleserliches Wort] stand. Vom vierzehnten, fünfzehnten Jahr an ist das nicht mehr der Fall. Wer eine Anschauung dafür hat, weiß, dass das Kind anders zu gehen und zu greifen anfängt als vorher. Es zieht sich gewissermaßen seinen Astralorganismus in sich hinein. Das Knochen- und das Muskelsystem fangen an, nicht unter dem Einfluss der äußeren Welt entwickelt zu werden, weil der Astralorganismus sich emanzipiert und vorzugsweise im Stoffwechsel- und Gliedmaßensystem sich nun entfaltet und da so wirkt, dass sich das ganze Knochen- und Gliedmaßensystem vom rhythmischen System emanzipiert.
[ 40 ] Dass es schon von diesem Zeitpunkt an viel mehr mit der Außenwelt lebt als früher sichtbar, das kennt ja die moderne Psychologie des Menschen zur Genüge. Sie glaubt, dass die Urteilsfähigkeit nur vom Gehirn und vom Stoffwechsel abhängt. In Wahrheit hängt sie ab von dem Gliedmaßensystem, von Knochen- und Muskelentwicklung, wie es der Mensch innerlich erlebt, indem er sich in den Rhythmus hineinstellt und in der Zeit sichtbar bewegt. Das strahlt erst wieder zurück in das Gehirn und bewirkt, dass dort die Urteilskraft sich entwickelt hat. Und diese Urteilskraft, [...], da kann man erst den Unterricht so führen, dass man das Kind anregt, sich eigene Urteile zu bilden unabhängig von dem [Bauen auf] die Autorität. Es ist natürlich für den Menschen, der in der modernen Psychologie gelernt hat, geradezu komisch - man kann schon diese Komik spüren, wenn man ihm sagt: Diese Urteilsfähigkeit hängt nicht ab bloß vom Gehirn, sondern auch von Knochen- und Muskelsystem. - Aber diese Komik wird einmal aufhören. Und das andere wird komisch sein. Man hat kein Gefühl dafür, wieso der Mensch ganz anders auftritt bei einem, der mit dem ganzen Fuß auftritt, als bei einem andern, der mit den Fersen voraus zuerst auftritt. Man versuche [herauszufinden], welcher Unterschied sich bei den beiden in Bezug auf die Logik ergibt. Einer, der immer zuerst mit der Ferse aufgetreten ist, war zum Beispiel Fichte. Die ganze Fichte’sche Logik kann man von dem Auftreten mit der Ferse aus verstehen. Da hat man eine Möglichkeit, in unmittelbarer Art die Möglichkeit, sich ein inneres Verständnis für die Welt zu erwerben. Das aber braucht vorzugsweise der Pädagoge. Und der braucht es so, dass es nicht nur in seinem Kopf sitzt. Mit dem Kopf kann man in diesem [Feld] am wenigsten anfangen. Für eine Tätigkeit im Praktischen und Seelischen ist der Kopf ein geradezu ungeeignetes Instrument. Die Dinge müssen in dem ganzen Menschen stehen, es muss zustande kommen bei einem Kind, wenn man ahnt, wie da entsteht ein Gebilde zusammen aus der Art Rhythmus, aus der Art [unleserliche Passage] wie es die Logik entwickelt, es muss ja ein Inneres zustande kommen und eine innere Palette beim Erzieher entstehen gerade so, wie bei einem Maler, wenn der in seinen Tiegeln das Rote, Violette und so weiter hat, [unleserliche Passage im Stenogramm] (...).
[ 41 ] Auf diese Weise kommt man auch dazu, in der richtigen Art in die Entwicklung des Menschen einzuführen, was manuelle, äußerlich praktische Betätigung ist. Man könnte glauben, dass gerade eine Pädagogik, die auf Anthroposophie und also auf spiritueller Erziehung gebaut ist, sich nur einseitig des Geistigen und Seelischen bedient. Das ist aber durchaus nicht der Fall, sondern gerade eine solche Pädagogik wird erkennen, wie auch die geistigen und seelischen Kräfte jene Einheit in der richtigen Art anregen werden dadurch, dass da physische Tätigkeit ist. Weil ja das Physische, Seelische und Geistige, wie ich gestern sagte, wie eine Einheit gesehen wird, so wird zum Beispiel in den Waldorfschulen von Anfang an Handarbeitsunterricht betrieben - von Knaben und Mädchen wiederum zusammen. Es zeigt sich da in ganz wunderbarer Weise, wie sich die Knaben dem, was man gewöhnt ist, weibliche Handarbeit zu nennen, mit demselben Fleiß hingeben wie bei irgendeiner anderen Betätigung. Man lässt den richtigen Augenblick eintreten im Bearbeiten von Holz, das Schreinernlassen, das Tischlernlassen und so weiter, was ein Übergang zum Fachgewerbe ist. So sieht man, wie das, was das Kind sich aneignet an Geschicklichkeit seiner Glieder und an praktischer Lebenskunst, dasjenige ist, was zurückwirken wird auf das Seelische und Geistige. Im richtigen Moment wird deshalb in dieser Erziehungskunst das Zuarbeiten in Weberei, Spinnerei hier betrieben.
[ 42 ] Durchaus ist dieser Unterricht nicht darauf hin orientiert, etwa bloß das Seelische und Geistige zu pflegen. Immer ist da mehr als eine [unleserliches Wort] Gesinnung. Pflegt man das Geistige und Seelische an Schulen, weil man den Menschen vorbereiten will in der richtigen Art für das Praktische, an dem er sich in einer [unleserliches Wort] Art [unleserliches Wort] betätigt, dann ist sein physischer Organismus bis ins hohe Alter zu gebrauchen, ohne dass ihm dieser ein Hindernis wird. Dazu muss aber gerade das Seelische und Geistige richtig zubereitet werden und dadurch entwickelt werden.
[ 43 ] Bei uns liegt in der Waldorfschule alles daran, die Lehrerschaft zum Mittelpunkt des gesamten Unterrichts zu machen. So wird studiert bei den Lehrerkonferenzen: Entweder wird bei den Lehrern selbst oder - wenn auch ein Kind mit dabei sein kann - die Individualität eines jeden Kindes sorgfältig studiert, auch sein Zusammenhang im sozialen Leben. Und wenn dann das Kind einmal am Ende eines Schuljahres die Schule verlässt, dann hat es einmal nicht Zeugnisse, wie sie heute üblich sind [unleserliche Passage im Stenogramm] Praxis.
[ 44 ] Besonders, wenn diese Leistungen in Zahlen ausgedrückt werden, kommt man in etwas hinein, wo auch mir das Lachen [unleserliche Passage im Stenogramm). In der Waldorfschule schreibt jeder Lehrer in den Zeugnissen eine kleine Biografie, die dem Kind entspricht. Dann schreibt man noch hinein irgendeinen Kernspruch, der der Willensbetätigung und Empfindungsbetätigung des Kindes für das nächste Jahr entsprechen kann, den es sich immerzu vor die Seele stellen kann. So sieht das Kind seinen eigenen Weg gespiegelt in diesem Zeugnis. Das ist aus dem Leben heraus. Geist führt überall erst ins volle Leben hinein - nicht davon hinaus. Und wenn man etwa einmal ehrlich wird, so kann das, sehr verehrte Anwesende, so ausgesprochen werden.
[ 45 ] Wir haben unter unseren Zöglingen zwei oder drei, welche einmal geniale Menschen werden. Vielleicht sind wir als Lehrer nicht einmal geniale Menschen, es könnte durchaus sein, dass unter unseren Kindern viel genialere sind. Wir müssen auch diese Kinder so erziehen, dass wir über unsere eigene Genialität — die noch dazu vielleicht auch so gar nicht vorhanden ist - die Kinder hinausführen können über ihre Anlagen. Das werden wir nie können, wenn wir [ihre] Anlagen im Unterricht nur pflegen. Von uns selbst muss die Erziehung ganz unabhängig sein, eigentlich können wir den inneren Wesenskern eines Menschen gar nicht erziehen, denn der erzieht sich selbst. Im Grunde ist alle Erziehung Selbsterziehung, und das muss man wissen. Sie wird ganz besonders dann straucheln, wenn man einen gescheiteren Menschen erziehen will, als man selbst ist. Was ein Mensch sich erarbeitet, erarbeitet er sich immer an der Außenwelt und an unserem eigenen Unterricht selbst. Sonst könnte man von einer Erziehungskunst gar nicht sprechen, [unleserliche Wörter]
[ 46 ] Die Leute haben Erziehungskunst, die fühlen, dass ihr Unterricht einmal [Lücke im Stenogramm] nicht ganz entsprochen hat, nur sind sie nicht aufgerufen, dass sie sagen: Ich bin schlecht erzogen, und das sollte sie dazu führen, das Richtige zu wissen. Man ist in einem eigentümlichen Zirkel drin, wenn man heute über Erziehungsmöglichkeiten [Lücke im Stenogramm).
[ 47 ] Alle Erziehung ist also Selbsterziehung - und wir haben geistig und seelisch das Kind hinzubringen, [unleserliche Wörter], den physischen und geistigen Organismus so zu gestalten, dass das Kind sich selbst erzieht. Alle Erziehung ist im Grunde eine Erziehung zum [Lernen durch das Leben], und alles, was wir erziehen können, ist, dass ein Kind so von uns behandelt wird, dass sein Körper ihm möglichst wenig Hindernisse bietet, um es ins Leben hineinzuführen.
[ 48 ] Damit nicht genug: Eine Lehre der Einheit einzuführen in Pädagogik und Didaktik, [unleserliche Passage im Stenogramm).
[ 49 ] Das Geistige und Seelische so zu gestalten, dass [unleserliche Passage im Stenogramm], dass der Körper gesund und kräftig wird. Wenn wir den Körper in der richtigen Weise erziehen nach geistiger Entwicklung, dann wird im späteren Leben der Mensch von seiner durch sich selbst in Einheit erzogenen Weise und von seinem Geist seine Selbsterziehung haben zum [unleserliches Wort], sich ins Leben hineinstellen können. Gerade die richtige Körpererziehung [Lücke im Stenogramm] nimmt einen Einfluss auf eine richtige Pädagogik, beides [Lücke im Stenogramm].
[ 50 ] Die Zeit drängt. Was Sie [unleserliches Wort] haben, dass - was ich ja auch vorhatte - wir in der Anthroposophie auch die Pädagogik und Didaktik [unleserliche Passage im Stenogramm] führen will, sondern es soll auch da hineingeführt werden in eine wirkliche Lebenspraxis.
