The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
26 October 1908, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
38. Siebte Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
38. Seventh General Assembly of the German Section of the Theosophical Society
Victorialuisen-Platz 6, Aula des «Lette-Vereins»
Victorialuisen-Platz 6, Auditorium of the “Lette-Verein”
Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Hauptquartier Adyar), herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 8/1908
Article in the “Newsletter for Members of the German Section of the Theosophical Society (Headquarters: Adyar), edited by Mathilde Scholl,” No. 8/1908
[ 1 ] Gegen ¾11 Uhr wird die Versammlung durch den Generalsekretär der Deutschen Sektion, Herrn Dr. Rudolf Steiner, eröffnet.
[ 1 ] At around a quarter to 11 a.m., the meeting will be opened by the Secretary General of the German Section, Dr. Rudolf Steiner.
[ 2 ] Als Punkt I wird das Stimmenverhältnis der verschiedenen Logen festgestellt, und es findet die Vorstellung ihrer erschienenen Vertreter statt:
[ 2 ] In Item I, the voting ratios of the various lodges are determined, and their representatives who are present are introduced:






[ 3 ] Das Protokoll der Generalversammlung vom 20. Oktober 1907 wird durch Herrn Selling verlesen und von der Versammlung der Fassung und dem Inhalt nach als verifiziert erklärt.
[ 3 ] The minutes of the General Meeting held on October 20, 1907, were read aloud by Mr. Selling and declared by the assembly to be accurate in both form and content.
[ 4 ] Um die Träger der Stimmen festzustellen, werden die Namen der Träger und die Stimmenzahl verlesen.
[ 4 ] To determine the recipients of the votes, the names of the recipients and the number of votes are read aloud.
[ 5 ] [Punkt] IT. Bericht des Generalsekretärs [Dr. Steiner]:
[ 5 ] [Item] IT. Report of the Secretary-General [Dr. Steiner]:
[ 6 ] «Als Erstes obliegt es mir, Sie hier als Anwesende unserer siebten Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft auf das Allerherzlichste zu begrüßen. Es steht in starker Vorstellung vor mir die Bedeutung gerade dieser heutigen Begrüßung und dieser unserer diesmaligen Generalversammlung. Wir treten mit ihr in das siebte Jahr der Wirksamkeit der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, und wer in den Geist und in den Sinn der Grundlage theosophischer Arbeit und theosophischen Weltanschauung eingedrungen ist, für den wird das Wort «Sieben» als der Ausdruck tiefer und umfassender Weltgeschehnisse nicht verfehlen, auch einen entsprechenden Eindruck zu machen: Nicht aus irgendwelcher abergläubischer Vorstellung, sondern aus der immer wachsenden Erkenntnis lernt der Mensch die Bedeutung der heiligen Sieben kennen, und er lernt wissen, dass nicht nur draußen im großen Weltall, nicht nur in der Natur und in der um uns herumliegenden, von uns unabhängigen geistigen Welt die Siebenzahl eine große Bedeutung hat, sondern er lernt erkennen, dass in entsprechender Weise diese Siebenzahl ein Gesetz bedeutet auch da, wo der Mensch selbst der Tätige ist, wo er selbst mit seinen Entschlüssen, mit seinen Anschauungen, mit seiner Arbeit einzugreifen hat. Und wenn er sich so das, was als eine Gesetzmäßigkeit die Welt - und auch die Welt des eigenen Denkens und Schaffens - durchzieht, vor die Seele treten lässt, geht ein solches Vor-die-Seele-Treten wohl über in mancherlei Gefühle - vor allem in das Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber der Tatsache, dass wir einsehen müssen, wie wir in einer in den siebenten Zeitraum hineingehenden Entwicklung ein Wachsendes und Werdendes, ein Gesetzmäßiges zu sehen haben. Daher müssen wir, wie mir scheint, mit diesem starken Gefühl der Verantwortlichkeit in unser siebtes Jahr eintreten. Es wird nichts Überraschendes haben, wenn angesichts dessen hier gesagt wird, dass sich mancherlei entscheiden wird in dem siebenten Jahr unserer Wirksamkeit in Bezug auf das Schicksal und das Karma, auf das nächste Karma der Theosophischen Gesellschaft. Und es wird auch als nichts Überraschendes gesagt sein, wenn daran erinnert wird, dass vielleicht auch manches, was an Hemmnissen und Gefährdungen, an Schicksalsprüfungen an die Deutsche Sektion herantreten wird, gerade in diesen Zeitraum fallen werde. Mancherlei werden wir von den Früchten zu sehen haben in diesem Zeitraum; manches aber auch in diesem zugleich verhängnisvollen Zeitraum an Hemmnissen und Schwierigkeiten erwachsen sehen. Daher wollen wir heute besonders mit uns zurate gehen und uns ans Herz legen - ein jeder sich selber -, dass wir gewissenhaft hineinschreiten in diesen durch die Siebenzahl charakterisierten Zeitraum. Aus diesem Gefühl heraus begrüße ich Sie am heutigen Tage, und zwar begrüße ich Sie im Namen des Geistes, der uns in unserer Arbeit zusammenträgt und zusammen wirken lässt: im Namen jener wahrhaft brüderlichen Liebe, die die Glieder der Theosophischen Gesellschaft überall verbinden soll. Uns soll nicht bloß das leiten, was mit einem solchen Tone, der an die Angelegenheiten des Weltgeschehens appelliert, von ferne angeschlagen wird, - sondern wir wollen das ganz ernst nehmen, was jetzt gesagt worden ist, und dann werden wir uns wohl entschließen, etwas zu lernen von dem, was da gesagt worden ist, um aus dem Gelernten etwas hinüberzutragen in die Zukunft. Immer mehr muss es uns zu eigen werden, auch als Glieder der ganzen Menschheit, dass wir lernen innerhalb des theosophischen Wirkens alle unsere persönlichen Wünsche und persönlichen Angelegenheiten zurücktreten zu lassen, unsere Ansichten und Anschauungen, ja sogar unsere persönlichen Meinungen, unsere persönlichen Gedanken. Je objektiver wir uns dem hingeben, was uns zufließt aus den Grundlagen der okkulten Weltenströmung, desto mehr werden wir im Sinne desjenigen wirken, was die Begründer derselben mit dieser Weltenströmung gewollt haben. Da ziemt es sich wohl, bei dieser Begrüßungsansprache ein paar Worte der Rückschau zu halten, die uns einen Ausgangspunkt geben können für die Einkehr in uns, die wir nötig haben.
[ 6 ] “First and foremost, it is my duty to extend the warmest of welcomes to all of you gathered here for our seventh General Assembly of the German Section of the Theosophical Society. I have a strong mental image of the significance of this very welcome today and of this General Assembly in particular. With this assembly, we are entering the seventh year of the German Section of the Theosophical Society’s activities, and for anyone who has penetrated the spirit and meaning of the foundations of theosophical work and the theosophical worldview, the word ‘seven’—as an expression of profound and far-reaching world events—will undoubtedly make a corresponding impression: It is not through some superstitious mental image, but through ever-growing insight that human beings come to understand the significance of the sacred number seven, and they come to know that the number seven holds great significance not only out there in the vast universe, not only in nature and in the spiritual world surrounding us that is independent of us, but they also come to recognize that, in a corresponding way, this number seven signifies a law even where human beings themselves are the agents, where they themselves must intervene with their decisions, their views, and their work. And when he thus allows what permeates the world—and also the world of his own thinking and creating—as a law —as a law, this act of bringing it before the soul gives rise to various feelings—above all, a sense of responsibility toward the fact that we must recognize how, in a development entering its seventh period, we are to perceive something growing and becoming, something governed by law. Therefore, it seems to me that we must enter our seventh year with this strong sense of responsibility. It will come as no surprise, in light of this, to hear it said here that many things will be decided in the seventh year of our work with regard to destiny and karma—to the next phase of the Theosophical Society’s karma. Nor will it come as a surprise when it is pointed out that perhaps many of the obstacles, dangers, and trials of fate that will confront the German Section will occur precisely during this period. We will see many fruits during this period; but we will also see many obstacles and difficulties arise during this same, fateful period. Therefore, let us take time today to reflect and take to heart—each one for themselves—that we may enter conscientiously into this period characterized by the number seven. It is with this sentiment that I greet you today; indeed, I greet you in the name of the Spirit that brings us together in our work and enables us to act in unison: in the name of that truly brotherly love that is meant to unite the members of the Theosophical Society everywhere. We should not be guided merely by what is sounded from afar in such a tone that appeals to the affairs of world events—but let us take what has just been said very seriously, and then we will surely resolve to learn something from what has been said, so that we may carry something of what we have learned into the future. It must increasingly become second nature to us—even as members of the whole of humanity—to learn, within the context of Theosophical work, to set aside all our personal desires and personal affairs, our views and perspectives, indeed even our personal opinions and our personal thoughts. The more objectively we devote ourselves to what flows to us from the foundations of the occult world current, the more we will act in accordance with what the founders of that current intended with this world current. It is therefore fitting, in this welcoming address, to offer a few words of reflection that can provide us with a starting point for the introspection we need.
[ 7 ] Wir schauen zurück auf den Tag, wo wir unsere allverehrte Misses Besant bei Gelegenheit der ersten Generalversammlung begrüßen konnten, und dürfen uns wohl fragen: Unter welchen Sternen standen wir dazumal? Es braucht ja, da von den Angelegenheiten der Sektion gesprochen wird, nicht angedeutet zu werden, dass ja theosophische Arbeit in Deutschland viel und verdienstvoll auch in früheren Zeiten - und vor der Begründung der Deutschen Sektion - geleistet worden ist. Es darf aber auch für die, welche Interesse an dem Hergang der Dinge haben, vorausgesetzt werden, dass diese vor der Begründung der Deutschen Sektion liegenden großen Verdienste bekannt sind. Aber einiges von dem darf vielleicht gesagt werden, was sozusagen den Geist der Sterne, unter denen wir bei der Begründung der Deutschen Sektion standen, unserem Verständnis nahebringen könnte. - Es hat sich ja seither mancherlei geändert. Die Mitgliederzahl ist in einer enormen Weise gewachsen. Ein kleines Häuflein waren wir dazumal, als wir unter so schönen Auspizien die Deutsche Sektion begründen konnten. Wie hat sich aber dieses kleine Häuflein zusammengefunden? Man darf wohl sagen, bei denen, die dazumal so innerhalb dieses kleinen Häufleins ihre Arbeit leisten konnten, dass die Art, wie sie ihr Schicksal verbanden mit den Angelegenheiten der Deutschen Sektion, etwas war, was innerlich zusammenhängt mit dem im Äußerlichen sich ausdrückenden Erfolg der theosophischen Arbeit. Was lebte denn in den Leuten, die damals den Kern der Deutschen Sektion begründeten? Es lebte in ihnen etwas, was vielleicht am prägnantesten mit dem Worte ausgesprochen ist: Diese Leute wollten das theosophische Wirken so stellen, dass in deutlicher Weise okkulte Gesinnung, okkulte Arbeit als die Grundlage der Gesellschaft genommen werde. Damit war von selbst der Gedanke verbunden, dass im innersten Herzen dieser Leute, die bei der Bildung der Deutschen Sektion mitgewirkt haben, alles ferne lag, was man bezeichnen könnte mit dem Worte «Propaganda», «Agitation», so wie diese Worte draußen im gewöhnlichen Sinne in der Welt genommen werden. Wenn ich - nur in symptomatischer Weise soll es geschehen - an eigene Erfahrungen anknüpfen darf, muss ich sagen, dass zwei Jahre vorher, bevor an die Begründung der Deutschen Sektion gedacht werden konnte, ein kleiner Kreis da war, der sich damals um die Gräfin Brockdorff scharte, als die Mitglieder der deutschen, theosophischen Bewegung keinen Einheitspunkt fühlten, - zerstreut waren da oder dort - und dass vor allem in diesem kleinen Häuflein nur wenige waren, die mit einer theosophischen Strömung als solcher überhaupt rechneten. Nur wenige waren da, als es sich herausstellte, dass wir in das offizielle Fahrwasser der Theosophischen Gesellschaft hineingingen. Aber es war ein kleiner Kreis da, und dem konnte ich damals die Vorträge halten, die in dem Buch «Die Mystik» zum Ausdruck gekommen sind. Und im zweiten Jahre konnte sich anschließen der Vortragszyklus, der in dem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache zum Ausdruck gekommen ist. Es darf vielleicht gerade in dem Augenblicke in aller Bescheidenheit gesagt werden, dass jene Vorträge über «Das Christentum als mystische Tatsache, die damals vor vielleicht 20 Menschen gehalten wurden, nun auch ihre Übersetzung gefunden haben in eine fremde Sprache, sodass das, was wir als die Sache im Auge hatten, doch seine Frucht zu tragen beginnt. Und es darf erwähnt werden, dass gerade aus diesem Kreise die Anregung gekommen ist zur Begründung der Deutschen Sektion, wenigstens die tatsächlich der Arbeit gewidmete Anregung, die schon damals den Grund zur Dauer in sich trug. Und dann haben wir immer unter dem Grundsatz «nicht Propaganda zu treiben» gearbeitet; sondern das, was wir zu sagen hatten, haben wir gesagt, und niemandem unsere Überzeugung aufzudrängen gesucht. Wer freiwillig herbeikommen mochte, sollte herbeikommen. Man hat die Pflicht, das, was man zu sagen hat, vor der Welt zu vertreten, aber man soll niemandem eine Überzeugung aufdrängen. Der andere ist ein Zuhörer, der herbeikommt, wenn irgendetwas ihn dazu drängt. Wenn irgendetwas anderes an Gesinnungen innerhalb einer auf okkultistischer Grundlage stehenden Gesellschaft gepflogen wird, kann diese nicht gedeihen. Das ist die Erfahrung, die allen spirituellen Gesellschaften zugrunde liegt - und das ist auch die innere Freiheit, unter deren Einfluss allein die theosophische Arbeit gedeihen kann. - Und wenn wir zurückblicken auf das, was in dieser Zeit in der Deutschen Sektion geschehen ist, darf man sagen: Auch da erkennt man wiederum die Gesetzmäßigkeit, die wir schon mit der Siebenzahl andeuten konnten. Diese Gesetzmäßigkeit, die auch in jedem Menschen wirkt, ist eine andere als die der «Drei. Wir können uns in diesem Augenblick daran erinnern, dass zum Beispiel das siebente Lebensjahr beim Kinde ein wichtiger Augenblick für das Leben des Kindes überhaupt ist, und ein wichtiger Augenblick ist das Eintreten in das siebente Lebensjahr auch für ein geistiges Kind, und in gewisser Beziehung herrscht durchaus diese Gesetzmäßigkeit, die sich zum Ausdruck bringt in den je folgenden drei Jahren.
[ 7 ] We look back on the day when we were able to welcome our dearly revered Misses Besant on the occasion of the first General Assembly, and we may well ask ourselves: Under what stars were we standing back then? Since we are speaking of the affairs of the Section, it goes without saying that much commendable theosophical work had already been accomplished in Germany in earlier times—and before the founding of the German Section. However, for those interested in the course of events, it may be assumed that these great achievements, which predate the founding of the German Section, are well known. But perhaps a few words may be said that could, so to speak, help us grasp the spirit of the stars under which we stood when the German Section was founded. - Much has changed since then, of course. The membership has grown enormously. We were a small group back then, when we were able to found the German Section under such auspicious circumstances. But how did this small group come together? It is fair to say that for those who were able to carry out their work within that small group at the time, the way in which they linked their destiny to the affairs of the German Section was something intrinsically connected to the outward success of the theosophical work. What, then, was alive in the people who formed the core of the German Section back then? There was something within them that is perhaps most succinctly expressed by the following: These people wanted to structure theosophical work in such a way that occult sentiment and occult work would clearly be taken as the foundation of the society. Inherent in this was the idea that, in the innermost hearts of these people who helped establish the German Section, everything that could be described by the words “propaganda” and “agitation”—as these words are commonly understood in the world at large—was far removed. If I may—merely by way of illustration—draw on my own experiences, I must say that two years before the founding of the German Section could even be considered, there was a small circle that had gathered around Countess Brockdorff at a time when the members of the German Theosophical Movement felt no sense of unity—they were scattered here and there—and that, above all, within this small group there were only a few who even anticipated a Theosophical movement as such. Only a few were there when it became clear that we were entering the official fold of the Theosophical Society. But there was a small circle, and to them I was able to give the lectures that were published in the book *Mysticism*. And in the second year, the lecture series that was published in the book *Christianity as a Mystical Fact* followed. Perhaps it may be said, in all modesty, at this very moment that those lectures on *Christianity as a Mystical Fact*, which were delivered at that time to perhaps 20 people, have now also been translated into a foreign language, so that what we had in mind as the goal is indeed beginning to bear fruit. And it may be mentioned that it was precisely from this circle that the impetus came for the founding of the German Section—at least the impetus that was actually dedicated to the work, which even then contained within itself the foundation for its enduring existence. And then we always worked under the principle of “not engaging in propaganda”; rather, we said what we had to say, and did not seek to impose our convictions on anyone. Whoever wished to come of their own free will was welcome to do so. One has a duty to present what one has to say to the world, but one should not impose a conviction on anyone. The other person is a listener who comes when something compels them to do so. If any other attitude is cultivated within a society founded on occult principles, that society cannot flourish. This is the experience that underlies all spiritual societies—and this is also the inner freedom under whose influence alone theosophical work can flourish. - And when we look back at what has happened in the German Section during this time, we may say: Here, too, we recognize once again the lawfulness that we were already able to allude to with the number seven. This lawfulness, which is also at work in every human being, is different from that of “three.” We can recall at this moment, for example, that the seventh year of life is an important milestone for a child’s entire life, and entering the seventh year is also an important milestone for a spiritual child; and in a certain sense, this law certainly prevails, expressing itself in the three years that follow.
[ 8 ] Wenn wir das Kind betrachten in den ersten drei Jahren, können wir deutlich verfolgen, wie es den Eindrücken aus aller Welt ausgesetzt ist, und wie es viel passiver ist, als man sogar gewöhnlich meint, und dann kann man sehen, wie mit dem dritten Jahre eine Veränderung eintritt, die sehr genau wahrnehmbar ist. Jemand, der nicht nach bloßen Worten und Verstandesbegriffen ein konkretes Wesen betrachtet, wie es unsere Gesellschaft ist, sondern sie betrachtet in ihrer Wirkungsfähigkeit, in ihrer innerlichen Kraft und zurückblickt auf die drei ersten Jahre unseres Bestandes, der weiß, dass sich da manches mit der Säuglingszeit eines Kindes vergleichen lässt. Es war so, und das ist nur natürlich. Gerade in einer gewissen passiven Weise hat sich dieser Organismus, der sich so als «Deutsche Sektion» in die Welt gestellt hat, zuerst entwickelt. Und nun sehen wir, wie er reif geworden ist in den letzten drei Jahren, wie er sozusagen in diese Lage gekommen ist durch alles, was wir leisten durften - wir wissen es sehr wohl - durch die Hülfe derjenigen spirituellen Mächte, die der theosophischen Bewegung zugrunde liegen; was wir überall aufschießen sahen als die Eigenarbeit, die individuelle Arbeit der Zweige. Wie alles sich regt, wie sich im Kinde die Selbstständigkeit herausbildet, so bildeten sich bei uns überall Arbeitsgruppen heraus. Es ist wirklich etwas geschehen, was sich vergleichen lässt mit der Entwicklung eines Kindes zwischen dem dritten und sechsten Jahr. Es ist so etwas Ähnliches wie das, was die Eltern eines Kindes beobachten, wenn das Kind in das siebente Jahr hineinwächst, wo da alle die schönen Zeichen, alle die schönen Seelendinge herauskommen. Wir konnten fühlen dieses Eintreten in das siebente Jahr, wenn wir in so schöner Harmonie, in so schönem theosophischem Geiste zusammenarbeiteten, wie es für uns das Glück des Karmas gab, in den Kursen zu München, Basel, Köln, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, Leipzig und so weiter. Wir dürfen sagen, dass da, wo eine kleinere Anzahl von Mitgliedern zusammeneilten zu einem solchen theosophischen Streben, oder da, wo über 300 beisammen waren, wie in Stuttgart, dass überall ein Geist durch den Saal strömte, der dadurch etwas ist, dass so und so viele Menschen in ihrer Seele die gleiche Seelenangelegenheit haben. Wenig wurde in dieser positiven Arbeit reflektiert auf abstrakte Sätze, wenig wurde gepredigt dasjenige, was geleistet wurde; es begründete sich sozusagen alles auf die geistige Tatsachenwelt. Aber wie die Pflanzen alle, die an den verschiedenen Punkten der Erde wachsen, dadurch, dass sie die gemeinsame Sonne bestrahlt, der Sonne zustreben, so ist es auch mit der theosophischen Arbeit, wo alles sich nach der einen geistigen Sonne hin entwickelt - und das war es, was uns in den letzten Jahren in so schöner Weise entgegengetreten ist. Und auch in einer anderen Weise dürfen wir sagen, dass das, was wir uns als Arbeit der Deutschen Sektion erarbeitet haben, sich in seinem Entfalten vergleichen lässt mit dem, wie es so geht im Kindesalter mit dem Kinde vom dritten Jahre bis zum Zahnwechsel.
[ 8 ] When we observe a child during the first three years of life, we can clearly see how it is exposed to impressions from the entire world, and how it is much more passive than is generally assumed; and then we can see how, by the age of three, a change occurs that is very clearly perceptible. Anyone who does not view a concrete entity—such as our society—merely through words and intellectual concepts, but rather considers it in terms of its capacity for action and its inner strength, and looks back on the first three years of our existence, knows that many aspects of this period can be compared to a child’s infancy. That is how it was, and it is only natural. It was precisely in a certain passive way that this organism, which presented itself to the world as the “German Section,” first developed. And now we see how it has matured over the past three years, how it has, so to speak, reached this stage through all that we have been able to accomplish—as we know very well—with the help of those spiritual powers that underlie the Theosophical Movement; what we saw sprouting up everywhere as the independent work, the individual work of the branches. Just as everything stirs to life, just as independence develops in a child, so working groups have emerged among us everywhere. Something has truly taken place that can be compared to the development of a child between the ages of three and six. It is something similar to what a child’s parents observe when the child enters the seventh year, when all those beautiful signs, all those beautiful aspects of the soul, begin to emerge. We could sense this entry into the seventh year when we worked together in such beautiful harmony, in such a beautiful theosophical spirit—as was granted to us by the good fortune of karma—in the courses in Munich, Basel, Cologne, Hamburg, Nuremberg, Stuttgart, Leipzig, and so on. We may say that wherever a smaller number of members gathered for such theosophical endeavors, or wherever over 300 were together, as in Stuttgart, a spirit flowed through the hall everywhere—a spirit that exists precisely because so many people share the same spiritual concern in their souls. In this positive work, little attention was paid to abstract propositions, and little was preached about what had been accomplished; everything was based, so to speak, on the spiritual realm of reality. But just as all plants growing at various points on Earth reach toward the sun because they are all bathed in its light, so it is with theosophical work, where everything develops toward that one spiritual sun—and that is what we have encountered in such a beautiful way in recent years. And in another sense, too, we may say that what we have achieved as the work of the German Section can be compared, in its unfolding, to what happens in childhood from the age of three until the child’s teeth begin to fall out.
[ 9 ] Früher steht es ganz anders; aber wenn das siebente Jahr herankommt, kann man sehen, wie die, welche um das Kind herum sind, anhören wollen, was das junge Menschenkind zu sagen hat. Und in solchem Sinne dürfen wir es vielleicht betrachten, dass unsere Arbeit auch schon im Chor der großen theosophischen Arbeit gehört worden ist, sich ausdehnen konnte bis nach Ungarn, Skandinavien, Holland; und wir hatten die Freude, dass wir auch einen von demselben Geiste getragenen Vortragszyklus in Kristiania haben konnten. So fanden sich also auch die Freunde ein, die das über das bloße Lallen hinausgehende Lebensäußern des Kindes hören wollten.
[ 9 ] At first, things are quite different; but as the seventh year approaches, one can see how those around the child begin to listen to what the young human child has to say. And in this sense, perhaps we may view the fact that our work has already been included in the chorus of the great theosophical endeavor, extending as far as Hungary, Scandinavia, and Holland; and we had the joy of being able to hold a lecture series in Kristiania that was also inspired by the same spirit. Thus, friends also gathered who wished to hear the child’s expressions of life, which went beyond mere babbling.
[ 10 ] Das deutet in Wirklichkeit aber hin auf große Gesetze, die wie im ganzen Weltenall auch in einem solchen Organismus walten. Sehen wir ja auch, dass gerade im Leben draußen die größten Fehler gemacht werden dadurch, dass irgendjemand im Sinne hat, so und so müsse ein Kind sein; ist es nicht so, so muss es ihm eben eingebläut werden. - Es können Menschen allerlei schöne, große Gedanken haben, wie eine Sektion sein soll; aber das sind unreale Gedanken des Einzelnen. Wenn eine Sektion einmal bis zu einem gewissen Alter gekommen ist, muss sie aus sich selbst heraus ihre Gedanken über das Wachstum zur Entfaltung bringen; denn das kann allein die Grundlage für die zukünftige Arbeit sein, dass wir die Früchte, oder besser die Keime der Vergangenheit nehmen und zur Entfaltung bringen. In einem solchen Geiste möchte ich Sie in dieser Stunde begrüßen. In solcher Verantwortlichkeit werden wir den Weg finden, um in dem Geiste weiter wirken zu können, in dem wir bisher gewirkt haben.
[ 10 ] In reality, however, this points to great laws that govern such an organism just as they do the entire universe. We can see, after all, that it is precisely in everyday life that the greatest mistakes are made when someone has the idea that a child must be a certain way; if the child is not, then this must simply be drummed into them. - People may have all sorts of beautiful, grand ideas about how a section should be; but these are unrealistic ideas of the individual. Once a section has reached a certain age, it must bring its own ideas about growth to fruition from within itself; for that alone can be the foundation for future work—that we take the fruits, or rather the seeds, of the past and bring them to fruition. It is in this spirit that I would like to welcome you at this hour. With this sense of responsibility, we will find the way to continue working in the same spirit in which we have worked thus far.
[ 11 ] Es ist ja darin schon angedeutet, was über den allgemeinen Gang der theosophischen Arbeit zu sagen ist: dass immer reger und reger die durchaus unabhängige Arbeit der theosophischen Zentren sich entwickelt hat. Wer nichts von den Tatsachen weiß, könnte glauben, dass irgendetwas wie Autokratie bei uns herrsche. Wer aber die Tatsachen kennt, der weiß, welche Freude herrscht, wenn irgendwo - in Stuttgart oder Nürnberg - die ganz selbstständigen Arbeiten auftauchen, die aus dem Innern der Mitglieder entspringen. Wir werden uns nicht in den Meinungen der Einzelnen dezentralisieren. Wir wissen, was eine wachsende Einzelbewegung bedeutet. Wo Arbeit wächst in Harmonie, da wird auch die Arbeit leichter wachsen; denn wirkliche Arbeit verträgt sich mit wirklicher Arbeit. Es braucht also nicht besonders gesagt zu sein, wie in solchen Erscheinungen, die zutage traten in den letzten Vortragszyklen, in den Vorträgen unseres lieben Dr. Unger und unseres verehrten Fräulein Völker in Stuttgart oder unserer verehrten Frau Wolfram in Leipzig, bedeutsame theosophische Arbeit hervortrat. Und immer mehr wird es so werden, dass sich um den Arbeitskern das andere angliedert und sich immer mehr erweitert. Damit werden wir durch positive Arbeit immer mehr vorwärtskommen. Das alles ist besonders deutlich im letzten Jahr geschehen - und es müsste viel gesagt werden, wenn ich alles andeuten wollte, was wirklich einige von den Mitgliedern in dem letzten Jahr geleistet haben. Da aber so viele Mitglieder an den verschiedenen Orten zusammengeströmt waren, wo Kurse gehalten wurden, so weiß es der weitaus größte Teil, was alles in dem letzten Jahr geschehen ist.
[ 11 ] It is already hinted at there what can be said about the general course of theosophical work: that the thoroughly independent work of the theosophical centers has developed with ever-increasing vigor. Anyone unfamiliar with the facts might believe that some sort of autocracy prevails among us. But those who know the facts are aware of the joy that prevails when, somewhere—in Stuttgart or Nuremberg—entirely independent initiatives emerge, springing from within the members themselves. We will not allow ourselves to be fragmented by the opinions of individuals. We know what a growing individual movement means. Where work grows in harmony, there the work will also grow more easily; for genuine work is compatible with genuine work. It therefore goes without saying that significant theosophical work has emerged in such manifestations as those that came to light in the most recent lecture series—in the lectures of our dear Dr. Unger and our esteemed Miss Völker in Stuttgart, or our esteemed Mrs. Wolfram in Leipzig. And increasingly, it will be the case that other activities will coalesce around the core of the work and expand ever further. In this way, we will make ever greater progress through positive work. All of this has become particularly evident over the past year—and much would need to be said if I were to describe everything that some of the members have truly accomplished in the past year. But since so many members gathered at the various locations where courses were held, the vast majority are aware of everything that has taken place over the past year.
[ 12 ] Nun obliegt es mir noch, die besondere Pflicht zu erfüllen, in diesem Augenblick derjenigen lieben Mitglieder unserer Gesellschaft zu gedenken, die im Laufe dieses Jahres den physischen Plan verlassen haben.
[ 12 ] Now it falls to me to fulfill the special duty of commemorating, at this moment, those dear members of our society who have departed from the physical plane in the course of this year.
[ 13 ] Da haben wir Frau Agnes [Schuchardt], eine Dame, die viele Jahre in theosophischem Streben gelebt hat. Seit Langem gehört sie schon der theosophischen Bewegung an, und obwohl sie bei der Begründung der Deutschen Sektion schon ans Bett gefesselt war, war sie doch in ihrer Seele ganz mit dem verbunden, was innerlich und äußerlich geschah; und mancher Brief, den sie mir geschrieben hat, zeigte, wie sie mit inniger Anteilnahme verfolgte, was vor sich ging.
[ 13 ] There we have Mrs. Agnes [Schuchardt], a lady who has lived for many years in theosophical pursuit. She has long been a member of the Theosophical Movement, and although she was already bedridden when the German Section was founded, she was nevertheless deeply connected in her soul to everything that was happening, both internally and externally; and many of the letters she wrote to me showed how she followed the events with heartfelt interest.
[ 14 ] Zweitens Franz Vrba, der in die Theosophische Gesellschaft eingetreten ist als Mitglied des Prager Zweiges, und der nach verhältnismäßig kurzer Zeit seiner Mitgliedschaft den physischen Plan verließ.
[ 14 ] Second, Franz Vrba, who joined the Theosophical Society as a member of the Prague branch and who left the physical plane after a relatively short period of membership.
[ 15 ] Ferner haben wir zwei besonders uns nahegehende Fälle unseres Münchener Zweiges. Der eine ist Otto Huschke. Der Name Huschke ist untrennbar von der Entwicklung der theosophischen Arbeit in Deutschland. Und unter denen, die ihre Hand geboten haben, als die Deutsche Sektion begründet werden sollte, war auch Huschke. Er stand bereits tief in der theosophischen Bewegung, stand tief im Okkultismus drinnen. Es war mir immer eine liebe Pflicht, wenn ich nach München kam, den immer kränklichen und wenig beweglichen Herrn aufzusuchen und zu sehen, was gerade in den vier Wänden dieses Herrn für okkultes Bedürfnis, für okkultes Streben herrschte. - Es dürfte wohl als besonders schmerzlich bezeichnet werden, dass der Tod des Herrn Huschke in den Tagen erfolgte, als auch seine Tochter, Fräulein Huschke, den physischen Plan verließ. Sie haben beide im Leben alles, was sie theosophisch besessen haben, geteilt, soweit es möglich war. Auch Fräulein Huschke war ein liebes Mitglied der Münchener Loge, und vor allem auch eines der strebsamsten Mitglieder. Otto und [Hilde] Huschke haben zusammengelebt und sind wenige Stunden hintereinander gemeinsam vom physischen Plan abgegangen, und werden in andern Welten weiter theosophisch zusammenleben.
[ 15 ] Furthermore, we have two cases from our Munich branch that are particularly close to our hearts. One is Otto Huschke. The name Huschke is inextricably linked to the development of theosophical work in Germany. And Huschke was among those who offered their help when the German Section was to be founded. He was already deeply involved in the Theosophical Movement and deeply immersed in occultism. Whenever I came to Munich, it was always a cherished duty of mine to visit this gentleman—who was perpetually frail and of limited mobility—and to see what occult needs and aspirations were prevailing within the four walls of his home. - It can certainly be described as particularly painful that Mr. Huschke’s death occurred during the same days that his daughter, Miss Huschke, also left the physical plane. During their lives, they shared everything they possessed theosophically, as far as was possible. Miss Huschke, too, was a beloved member of the Munich Lodge, and above all, one of its most dedicated members. Otto and [Hilde] Huschke lived together and departed from the physical plane together within a few hours of one another; they will continue to live together theosophically in other worlds.
[ 16 ] Der Abgang unserer lieben Frau Doser vom physischen Plan ist ein fünfter Fall. Frau Doser gehörte auch zu den ältesten Mitgliedern der Deutschen Sektion. In eigenartiger Weise ließ sie einströmen in sich, was aus den Mitteln der okkulten Weltbewegung kommen kann - und jeder, der sie kannte oder ihr nähergetreten ist, wird tief im Herzen gefühlt haben, die auf der einen Seite so hingebende zarte Natur, und auf der andern Seite das von einem tiefen Schnsuchtsstreben erfüllte Wesen dieser herrlichen Frau. Die letzten Zeiten ihres Lebens waren erfüllt von einer schweren Krankheit, die sie ertragen hat, getragen hat in einer ganz wunderbaren Weise. Aber sie war ein Mensch, der trotzdem in den Untergründen seines Bewusstseins etwas hatte, von dem seligen Vorgefühl, einer neuen Welt entgegenzuleben. So lebte sie, dass sie an der Außenseite ihres Lebens gleichsam verblasste - was sie aber in ihrem inneren seelischen Leben wirklich immer reicher und reicher werden ließ; und sicher bin ich, dass diejenigen Persönlichkeiten, die ihr im Leben am nächsten gestanden haben, auch diese Gefühle vollständig als die ihrigen anerkennen werden. Eine Anzahl von Mitgliedern ermöglichte es Frau Doser, den sonnigen Süden aufzusuchen, nach dem sie sich so sehnte; und es war wirklich ergreifend zu sehen, wie sie in der physischen Sonne die Geisteskraft wahrnehmen konnte. Und es wird mir unvergesslich bleiben, dass in Capri, wenige Stunden vor ihrem Tode, diese Seele der Frau Doser, einige Zeilen an mich richtete, aus denen hervorgeht die Sehnsucht, die Stimmung, den engen Raum des physischen Planes zu überwinden: «Ich will hinaus, morgen ein Schiff besteigen - ins weite Meer hinaus' Es war ein Gefühl, dass sich die Seele befreit von dem physischen Leib.
[ 16 ] The passing of our dear Mrs. Doser from the physical plane is a fifth case. Mrs. Doser was also one of the oldest members of the German Section. In a unique way, she allowed into herself whatever could come from the resources of the occult world movement—and everyone who knew her or came into close contact with her will have felt deep in their hearts, on the one hand, her tender and devoted nature, and on the other, the being of this magnificent woman, filled with a deep yearning for the spiritual. The final years of her life were marked by a serious illness, which she endured and bore with remarkable grace. Yet she was a person who, deep within her consciousness, harbored a sense of blissful anticipation—a feeling of moving toward a new world. She lived in such a way that, outwardly, her life seemed to fade—yet this only made her inner spiritual life grow ever richer and richer; and I am certain that those who were closest to her in life will fully recognize these feelings as her own. A number of members made it possible for Mrs. Doser to visit the sunny south, for which she longed so much; and it was truly moving to see how she was able to perceive spiritual strength in the physical sunshine. And I will never forget that in Capri, just a few hours before her death, Mrs. Doser’s soul addressed a few lines to me, revealing her longing, her state of mind, and her desire to transcend the confines of the physical plane: “I want to get out, board a ship tomorrow—out into the vast sea.” It was a feeling of the soul freeing itself from the physical body.
[ 17 ] Einen schmerzlichen Fall habe ich zu erwähnen in dem Tode Fritz Eyseleins. Viele von Ihnen, die bei den theosophischen Vorträgen waren, wissen, dass in Fritz Eyselein eine Persönlichkeit unter sie getreten ist, die sozusagen früh in dem Entwicklungsgang der Deutschen Sektion in einen unglückseligen Geisteszustand geraten ist, der es unmöglich machte, ihr zu helfen. Es ist weder notwendig noch vielleicht auch nur taktvoll, hier einzugehen auf das, was auch nur angedeutet zu werden braucht, und was uns deshalb nicht minder befähigen kann, unserm lieben Fritz Eyselein die schönsten Gefühle der Liebe und Freundschaft mit hinüberzugeben auf den andern Plan.
[ 17 ] I must mention a painful loss: the death of Fritz Eyselein. Many of you who attended the theosophical lectures know that Fritz Eyselein was a figure among you who, so to speak, fell into an unfortunate mental state early in the German Section’s development, a state that made it impossible to help him. It is neither necessary nor, perhaps, even tactful to go into detail here about what need only be hinted at—and which can nonetheless enable us to convey our deepest feelings of love and friendship to our dear Fritz Eyselein as he passes over to the other plane.
[ 18 ] Nunmehr haben wir einer Persönlichkeit zu gedenken, die in dem letzten Jahre von dem physischen Plan Abschied genommen hat und jahrelang an der Spitze der Münchener Loge gestanden hat: Fräulein von Hofstetten. Aus ihrer umfassenden Lebenserfahrung heraus konnte sie die Führerschaft dieser Loge in sachgemäßer Weise übernehmen. In dieser Dame, die seit langer Zeit auch kränklich war, deren Körper nur durch einen regen Geist lange Zeit schon zusammengehalten wurde, lebte auch ein nach jeder Richtung reges Streben, und immer war sie da, wenn irgendetwas zu tun war, wenn sie auch vorher gerade eine Operation durchgemacht hatte; und wer das schöne Außen- und Innenleben von Fräulein von Hofstetten kennengelernt hat, wird ihr die schönste Liebe mitgeben auf den andern Plan.
[ 18 ] We now wish to honor a person who departed from the physical plane last year and who had served for many years as the head of the Munich Lodge: Miss von Hofstetten. Drawing on her extensive life experience, she was able to assume the leadership of this Lodge in a competent manner. In this lady, who had long been in poor health—her body held together for so long only by a lively spirit—there also lived a vibrant striving in every direction, and she was always there when there was something to be done, even if she had just undergone surgery; and anyone who has come to know the beautiful outer and inner life of Miss von Hofstetten will send her the most beautiful love as she moves on to the next plane.
[ 19 ] Ein anderes Mitglied, das mehr von ferne Interesse gehabt hat an dem, was in der Theosophischen Gesellschaft vorging, und vom physischen Plan abgegangen ist, ist Frau Fähndrich. Auch ihr werden wir die Liebe und ein Gedenken über den physischen Plan hinaus bewahren.
[ 19 ] Another member who took a more distant interest in what was happening in the Theosophical Society and has departed from the physical plane is Mrs. Fähndrich. We will also cherish her in our hearts and remember her beyond the physical plane.
[ 20 ] Nunmehr habe ich zu gedenken unserer lieben Frau Rothenstein, die kurze Zeit der Heidelberger Loge angehörte und nach einer kurzen Zeit durch eine tückische Krankheit abberufen wurde. Sie war eine schöne, in sich geschlossene Natur, tief und ernst ergeben unserer Sache. Auch ihr werden wir die Gefühle der Liebe nachsenden.
[ 20 ] I would now like to remember our dear Mrs. Rothenstein, who was a member of the Heidelberg Lodge for a short time and was taken from us by a treacherous illness. She was a beautiful, reserved soul, deeply and earnestly devoted to our cause. We will send our love to her as well.
[ 21 ] Damit habe ich derer gedacht, die physisch nicht mehr unter uns, aber geistig immer in unserer Mitte sind.»
[ 21 ] “With this, I was thinking of those who are no longer physically among us, but who are always with us in spirit.”
[ 22 ] Die Versammlung ehrt das Andenken der genannten Personen durch Erheben von den Sitzen.
[ 22 ] The assembly honors the memory of the aforementioned individuals by rising from their seats.
[ 23 ] Einen Bericht über die Mitgliederbewegung gibt Fräulein von Sivers nach den zuletzt eingelaufenen Listen: «Zahl der Mitglieder 1150 gegen 872 im Vorjahre; neu eingetreten sind 336 gegen 303 im Vorjahre. Ausgetreten oder in andere Sektionen übergetreten sind 25, nicht aufzufinden und deshalb gestrichen 23, gestorben 10.
[ 23 ] Miss von Sivers provides a report on membership trends based on the most recently received lists: “Number of members: 1,150, compared to 872 last year; 336 new members, compared to 303 last year. Twenty-five have resigned or transferred to other sections; 23 could not be located and have therefore been removed from the rolls; 10 have died.
[ 24 ] Neun neu begründete Zweige sind zu nennen: Bern, Eisenach, Mannheim, Wiesbaden, Pforzheim, Straßburg, Zürich, Bielefeld und Malsch.
[ 24 ] Nine newly established branches are worth mentioning: Bern, Eisenach, Mannheim, Wiesbaden, Pforzheim, Strasbourg, Zurich, Bielefeld, and Malsch.
[ 25 ] Aktuelle Zahl der Zweige ist 37 gegen 28 im Vorjahr. Außerdem besteht das Zentrum Regensburg mit 4 Mitgliedern. Der Zweig Charlottenburg hat sich aufgelöst.»
[ 25 ] The current number of chapters is 37, compared to 28 last year. In addition, the Regensburg chapter has 4 members. The Charlottenburg chapter has been dissolved.»
[ 26 ] Den Kassenbericht mit Jahresabschluss und Bilanz gibt Herr Seiler:
[ 26 ] Mr. Seiler will present the treasurer's report, including the annual financial statements and balance sheet:
Die Gesamteinnahmen betrugen 5643,27 Mark
Die Gesamtausgaben 5478,58 Mark
somit verbleiben 164,69 Mark
Hierzu Barguthaben 2020,45 Mark
Mobilienbestand 168,90 Mark
ergibt ein Gesamtvermögen von 2354,04 Mark
Total revenue amounted to 5,643.27 marks
Total expenses were 5,478.58 marks
leaving a balance of 164.69 marks
Added to this is cash on hand of 2,020.45 marks
and inventory of 168.90 marks
resulting in total assets of 2,354.04 marks
[ 27 ] Nach dem Bericht der Kassenrevisoren, Herr Tessmar und Fräulein Motzkus, wird dem Kassierer Decharge erteilt.
[ 27 ] According to the report by the treasury auditors, Mr. Tessmar and Ms. Motzkus, the treasurer is granted discharge.
[ 28 ] Auf Antrag des Herrn Arenson wird hierauf dem Gesamtvorstand Decharge erteilt.
[ 28 ] At the request of Mr. Arenson, the entire Executive Board is hereby granted discharge.
[ 29 ] [Punkt] III. Neuwahl des Vorstandes:
[ 29 ] [Item] III. Election of a New Board of Directors:
[ 30 ] Dr. Steiner bemerkt hierzu: «Da Ihnen der Vorstand in seiner Mehrheit einen Vorschlag zu machen hat, und da ich im Auftrage der Mehrheit des Vorstandes hier diesen Vorschlag vor Ihnen zu vertreten habe, musste bedacht werden, ob es nicht durch die inneren Gründe der Verhandlung geboten sei, diesen Vorschlag vor der Erledigung des Punktes III in die Tagesordnung einzuführen. Das musste geschehen im Sinne eines richtig zu führenden Geschäftsganges.
[ 30 ] Dr. Steiner comments on this as follows: “Since the majority of the Executive Board has a proposal to make to you, and since I am here on behalf of the majority of the Executive Board to present this proposal to you, it was necessary to consider whether the nature of the proceedings itself did not require that this proposal be included on the agenda before item III was concluded. This had to be done in the interest of proper procedural conduct.
[ 31 ] Daher wird jetzt von mir ein Vorschlag zu unterbreiten und zugleich zu motivieren sein. Es handelt sich darum, dass wir schon an einem Falle dasjenige anwenden lernen, was sich uns durch ein richtiges Verständnis einer solchen großen Gesetzmäßigkeit ergibt, wie es durch die Dreizahl oder Siebenzahl vorhin von mir geschildert werden durfte. Diejenigen, die heute als Delegierte gerade versammelt sind, werden sich ja bewusst sein, dass sie eine gewisse Verantwortung für die Zukunft bei alledem, was heute geschieht, da wir in unser siebentes Jahr hineingehen, auf sich nehmen. Wer in der Lage war, nicht nur das zu verfolgen, was in der Hauptsache als schön und harmonisch sich in der Deutschen Sektion abgespielt hat, sondern auch verfolgen kann, was sich in der großen Theosophischen Gesellschaft der Welt abspielt, der wird ahnen, dass es gewisse Lebensbedingungen gibt, gerade einer solchen Gesellschaft. Wer nicht nach Maximen und Begriffen operiert, die vor der Erfahrung gefasst sind, sondern die Erfahrung selbst sprechen lässt, wie sich solch ein Organismus geistiger Art nach und nach entwickelt hat, wie die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft, der wird sich sagen, dass wir im Grunde genommen heute auf einem ganz anderen Punkt stehen, wo wir in unser siebentes Lebensjahr hineingehen, als wir gestanden haben, als wir unter den Auspizien unserer allverehrten Misses Besant den Grund legten zu unserer Deutschen Sektion. Damals hatten wir eine «tabula rasa vor uns. Wir mussten aus abstrakten Grundsätzen heraus schaffen, dass man so oder so günstig vorgehen könne. Würde das, was ich jetzt zu sprechen habe, bei der ersten Generalversammlung gesagt worden sein, statt dass es nun bei der siebenten gesagt wird, so wäre es ein völliger Unsinn gewesen. Aber wer da weiß, dass etwas, was in der einen Zeit ein Unsinn wäre, in der anderen Zeit eine Notwendigkeit sein kann, der wird sich wohl jetzt mit dem Vorschlag des Vorstandes befassen.
[ 31 ] Therefore, I must now put forward a proposal and, at the same time, explain the reasoning behind it. The point is that we should learn to apply, even in a single case, what arises from a correct understanding of such a great law as the one I described earlier regarding the number three or the number seven. Those who are gathered here today as delegates will surely be aware that, as we enter our seventh year, they are assuming a certain responsibility for the future in light of all that is happening today. Anyone who has been able not only to follow what has unfolded in the German Section—which has been, for the most part, beautiful and harmonious—but also to observe what is taking place in the great Theosophical Society worldwide will sense that there are certain conditions of existence specific to such a society. Anyone who does not operate according to maxims and concepts formulated prior to experience, but rather lets experience itself speak—how such a spiritual organism has gradually developed, as in the case of the German Section of the Theosophical Society—will realize that, fundamentally speaking, we stand at a completely different point today as we enter our seventh year, than we were when, under the auspices of our dearly revered Misses Besant, we laid the foundation for our German Section. Back then, we had a “tabula rasa” before us. We had to work from abstract principles to determine that one could proceed in one way or another. If what I am about to say had been spoken at the first General Assembly, rather than now at the seventh, it would have been utter nonsense. But anyone who understands that what might be nonsense at one time can be a necessity at another will surely now give serious consideration to the Executive Committee’s proposal.
[ 32 ] Die Theosophische Gesellschaft ist in einer ganz anderen Lage als Gesellschaften, die auf Nicht-Okkultismus gebaut sind. Damit wird nicht behauptet, dass die Theosophische Gesellschaft als äußere eine okkulte, eine esoterische Gesellschaft wäre. Aber die Grundlage, auf der sie aufgebaut ist, kann nur eine okkulte Grundlage sein. Treiben Sie bloße Diskussion über Ethik und historische Moral, dann können Sie das auch in jeder anderen religiösen Gesellschaft, in jeder Gesellschaft für ethische Kultur tun. Die Theosophische Gesellschaft aber wäre ihrer Aufgabe beraubt, wenn das okkulte Leben, das von den großen Meistern der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen ausströmt, nicht durch sie fließen könnte. Dann wäre sie kein Instrument mehr, wie sie es sein sollte. Es ist mir immer wieder von Freunden mit Recht da und dort angedeutet worden, dass eine gewisse Diskrepanz, die in den Lebensbedingungen und in der Tiefe wurzelt, in den äußeren Institutionen und Einrichtungen der Gesellschaft zum Vorschein kommt. Das kam nicht in Betracht bei der Begründung einer solchen Gesellschaft, wie es die Deutsche Sektion ist - aber es kommt in Betracht, wenn so viele Jahre verflossen sind - nach einer langen Arbeit. Wenn Herz und Seele verbunden ist mit einer solchen Arbeit, da hat man nicht nur die Liebe und den Enthusiasmus für die Aufgabe, sondern da hat man eines zu haben - ein gewisses Verantwortlichkeitsgefühl, das so charakterisiert werden darf: Wir haben im Verlauf der letzten Jahre zu dem, was uns bei der Begründung als «tabula rasa entgegentrat, ein theosophisches Gut erarbeitet. Damals war nichts da; jetzt ist ein gut Stück theosophischer Arbeit da; und wir haben nicht nur die Pflicht weiterzuarbeiten, sondern der würde eine Pflicht versäumen, der nicht darauf bedacht sein wollte, diesen Schatz weiter zu pflegen und ihn auch nicht gefährden zu lassen. Weil die Arbeit, die geleistet worden ist, nicht gefährdet werden darf, deshalb muss dieses gesagt werden: Wir stehen hier als verpflichtete Hüter aufgespeicherter Arbeit der letzten Jahre und haben sie in die Zukunft hineinzuführen.
[ 32 ] The Theosophical Society is in a completely different situation than societies founded on non-occultism. This is not to say that the Theosophical Society, as an external organization, is an occult or esoteric society. But the foundation upon which it is built can only be an occult one. If you wish to engage merely in discussion of ethics and historical morality, you can do so in any other religious society or in any society for ethical culture. The Theosophical Society, however, would be deprived of its purpose if the occult life—which radiates from the great Masters of Wisdom and the harmony of feelings—could not flow through it. Then it would no longer be the instrument it is meant to be. Friends have repeatedly and quite rightly pointed out to me here and there that a certain discrepancy—rooted in living conditions and in depth—is becoming apparent in the Society’s external institutions and structures. This was not a consideration when a society such as the German Section was founded—but it does come into play when so many years have passed—after a long period of work. When the heart and soul are connected to such work, one not only has love and enthusiasm for the task, but one must also possess a certain sense of responsibility that may be characterized as follows: Over the course of the last few years, we have built up a theosophical legacy from what we faced as a “tabula rasa” at the time of our founding. Back then, there was nothing; now there is a substantial body of theosophical work; and we not only have a duty to continue this work, but anyone who fails to be mindful of continuing to nurture this treasure and ensuring it is not endangered would be neglecting that duty. Because the work that has been accomplished must not be jeopardized, this must be said: We stand here as committed guardians of the work accumulated over the past few years and must carry it forward into the future.
[ 33 ] Nun ergibt sich aus den Tatsachen die Notwendigkeit einer gewissen Stabilität der Verhältnisse, einer Ständigkeit der Verhältnisse. Wie die Stabilität notwendig ist, könnte sich besonders dem zeigen, der die große Theosophische Gesellschaft überblickt. Sehr leicht könnten wir heute verpassen, was jetzt Notwendigkeit ist. Wie war eine Stabilität vorhanden, als unser lieber Olcott an der Spitze der Gesellschaft stand - und wie ist diese Stabilität schon gefährdet worden, als ein neuer Präsident gewählt werden musste. Und wer Einsicht hat, der weiß, dass der Präsident, der gewählt worden ist, der einzig mögliche war, - dass er der war, den man bei gesundem Menschenverstand wählen musste. Schon aus diesem Fall können wir ermessen, welches Heil es für eine Gesellschaft bedeutet, sofern sie auf okkulter Grundlage gebaut ist, wenn vor allem dem Grundsatz der Stabilität Rechnung getragen wird. Es war auch nicht notwendig, etwa vor drei Jahren darauf aufmerksam zu machen. Heute ist es an der Zeit, - und in drei Jahren könnte der richtige Zeitpunkt versäumt sein. - Unsere Gesellschaft ist wiederum enorm gewachsen, und nichts spricht dagegen, dass dieses Wachstum auch weitergehen werde. Aber ein solches Wachstum in die Breite kann auch etwas Gefährliches haben. Bei einem kleinen Kreis kommt das nicht in Betracht. Heute sind die Mitglieder nahezu 1200 an Zahl. Die Gesellschaft wächst weiter; denken Sie sich, dass eine gewisse Tatsache eintrete, dass sagen wir 1500 neue Mitglieder beitreten, und dann würde einer - und das kann ein Einziger tun - 1500 Menschen aufrufen, um der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft einen ganz anderen Charakter zu setzen. Heute haben wir die Pflicht, den erarbeiteten Geistesschatz zu hüten. Es darf nicht eintreten, dass unser ganzer Arbeitsschatz ausgelöscht werde dadurch, dass eine Majorität auftritt, die unsere ganze Arbeit tottritt, weil sie kein Verständnis dafür hat.
[ 33 ] Now, the facts point to the necessity of a certain stability in circumstances, of consistency in circumstances. Just how necessary this stability is might become particularly clear to anyone who surveys the Great Theosophical Society. It would be very easy for us today to overlook what is now essential. How stable things were when our dear Olcott was at the helm of the Society—and how that stability was already threatened when a new president had to be elected. And anyone with insight knows that the president who was elected was the only possible choice—that he was the one whom common sense dictated must be chosen. From this instance alone, we can gauge what a blessing it is for a society—especially one built on occult foundations—when the principle of stability is given due consideration. It was not necessary to draw attention to this about three years ago. Today is the time—and in three years, the right moment might have been missed. — Our society has once again grown enormously, and there is no reason to believe that this growth will not continue. But such growth in size can also carry certain dangers. With a small circle, this is out of the question. Today, the membership numbers nearly 1,200. The Society continues to grow; imagine if a certain scenario were to occur—say, 1,500 new members were to join—and then one person—and it could be just one person—were to call upon 1,500 people to give the German Section of the Theosophical Society an entirely different character. Today we have a duty to safeguard the spiritual heritage we have built up. We must not allow our entire body of work to be wiped out by a majority that tramples on all our efforts simply because it lacks an understanding of them.
[ 34 ] Wo Stabilität in der Arbeit sein soll, muss Stabilität in der Leitung sein. Deshalb wollten die Vorstandsmitglieder Ihnen den folgenden Vorschlag machen, durch den zugleich Stabilität im Vorstand und dafür bei wachsender Mitgliederzahl auf der anderen Seite eine Kompensation geschaffen wird. Es ist ganz natürlich, dass für jemanden, der die Mitglieder nur ‹zählt›, ein Mitglied, das nach sieben Jahren eintritt, ebenso ein Mitglied ist wie ein anderes, das schon ein altes Mitglied ist, und bei dem die Mitgliedschaft etwas bedeutet, das mit der Erfahrung in der Gesellschaft zusammenhängt. Daher ist es nur natürlich, dass die Kräfte in der Gesellschaft nicht nur ‹gezählt› werden sollen, sondern auch richtig gewogen werden. Dabei kann Stabilität ebenso zum Ausdruck kommen, wie die Variabilität dadurch zum Ausdruck kommt, wenn durch neue Mitglieder die Größe der Gesellschaft wächst. Aus diesem Grunde wird von den Vorstandsmitgliedern folgender Vorschlag gemacht:
[ 34 ] Where there is to be stability in the work, there must be stability in leadership. That is why the members of the Executive Board would like to make the following proposal to you, which will simultaneously ensure stability within the Executive Board and, in turn, provide a balance as membership grows. It is only natural that, for someone who merely “counts” members, a member who joins after seven years is just as much a member as another who has been a long-time member and for whom membership signifies something tied to their experience within the association. Therefore, it is only natural that the forces within the association should not only be “counted” but also properly weighed. In this way, stability can be reflected just as much as variability is reflected when the size of the association grows through new members. For this reason, the board members are making the following proposal:
[ 35 ] § 8 unserer Statuten heißt:
[ 35 ] Section 8 of our bylaws states:
[ 36 ] «Die Verwaltung der gesamten Geschäftsführung liegt in den Händen eines Vorstandes, der dafür der jährlich einberufenen Generalversammlung verantwortlich ist. Der Vorstand besteht aus dem Generalsekretär, dem Schatzmeister und mindestens zwölf Mitgliedern. Zwei derselben sowie der Generalsekretär und der Schatzmeister sollen an dem Orte wohnen, an dem sich das Hauptquartier der Sektion befindet, oder in dessen Nachbarschaft. Der Vorstand wird alle drei Jahre in der Generalversammlung neu gewählt.
[ 36 ] “The management of all business affairs is entrusted to an Executive Board, which is accountable to the General Assembly convened annually. The Executive Board consists of the Secretary General, the Treasurer, and at least twelve members. Two of these members, as well as the Secretary General and the Treasurer, must reside in the city where the section’s headquarters is located or in its vicinity. The Executive Board is re-elected every three years at the General Assembly.
[ 37 ] An diesen Satz der Statuten wird nun vorgeschlagen, das Folgende anzuschließen:
[ 37 ] It is now proposed that the following be added to this clause of the bylaws:
[ 38 ] Ist ein Vorstandsmitglied wiederholt gewählt worden, sodass es sieben Jahre im Amte war, so wird es von da ab lebenslänglich der nicht absetzbare Träger dieses Amtes.»
[ 38 ] If a member of the Executive Board has been re-elected repeatedly so that he or she has served for seven years, he or she shall henceforth hold that office for life and cannot be removed. »
[ 39 ] Der Vorstand besteht aus 15 Mitgliedern für die Wahlperiode 1908 bis 1911; er wird jedes Mal nach drei Jahren um so viele Personen vermehrt, dass der Vermehrung der Mitgliederzahl um 100 ein neues Vorstandsmitglied entspricht.
[ 39 ] The Executive Board consists of 15 members for the term from 1908 to 1911; every three years, the number of members is increased by a number such that for every 100 additional members, one new member is added to the Executive Board.
[ 40 ] Wenn also nach drei Jahren die Gesellschaft um 300 Mitglieder zugenommen hat, so werden nicht 15 sondern 18 Vorstandsmitglieder gewählt werden. Dadurch wird der, der sieben Jahre ein Vorstandsamt mit sich verwoben hat, in die Lage versetzt werden, wirklich ein Hüter des angesammelten Schatzes zu sein. Es muss Ihnen klar sein, dass für eine kleine Gesellschaft zu sorgen, verhältnismäßig leicht ist. Wächst die Gesellschaft, so wächst denen, die sie führen, die Verpflichtung, allerlei Verbindlichkeiten einzugehen. Die kann nur der eingehen, der auch in der Lage ist, das zu verwirklichen, was eingegangen ist; sodass mit dem Wachsen der Gesellschaft für den Träger eines Amtes seine Verantwortung in einer kontinuierlichen Weise beizubehalten gegeben ist. So ist dadurch, dass ein Mitglied des Vorstandes sieben Jahre im Amte war gleich, ob kontinuierlich oder in Zwischenräumen - und mit dem Ablauf des siebenten Jahres unabsetzbarer Träger dieses Amtes wird, ein Kern geschaffen, der sich kontinuierlich fortspinnt, und die Möglichkeit, das zum Ausdruck zu bringen, was sich von außen angliedert.
[ 40 ] So if, after three years, the society has grown by 300 members, 18 board members will be elected, not 15. This will enable those who have held a board position for seven years to truly serve as guardians of the accumulated wealth. You must realize that caring for a small society is relatively easy. As the society grows, so does the obligation of those who lead it to take on all sorts of responsibilities. Only those who are capable of fulfilling the commitments they have made can take them on; thus, as the society grows, the officeholder must maintain their responsibility in a continuous manner. Thus, the fact that a member of the Executive Board has served for seven years—whether continuously or with intervals—and, upon the expiration of the seventh year, becomes an irremovable holder of that office, creates a core that continues to develop, and the possibility of expressing what is affiliated from the outside.
[ 41 ] Aber noch etwas anderes. Der Vorstand ist eine Organisation, die die Zentralleitung vertritt, damit das, was den einzelnen deutschen Zweigen zum Heil ist, unverkümmert zum Ausdruck kommt. Theosophische Arbeit beruht aber darauf, dass gerade die innerste Individualität der einzelnen Zweige sich entfalten kann. Überall, wo wir Zweige haben, sind andere Lebensbedingungen; und nur das ist gesund, wenn auch diesen Lebensbedingungen Rechnung getragen wird. Daher muss auf der anderen Seite dem Vorstand eine auf Individualität der einzelnen Zweige begründete Organisation zur Seite gestellt sein; und die würde in Folgendem zum Ausdruck kommen:
[ 41 ] But there is something else as well. The Executive Council is an organization that represents the Central Leadership so that what is beneficial to the individual German branches may be expressed without hindrance. Theosophical work, however, is based on the principle that the innermost individuality of the individual branches can unfold. Wherever we have branches, there are different living conditions; and it is only healthy if these living conditions are also taken into account. Therefore, on the other hand, the Executive Committee must be supported by an organization based on the individuality of the individual branches; and this would be expressed as follows:
[ 42 ] ‹Außerdem steht dem Vorstand ein Areopag zur Seite, in dem, als in einem Beirat des Vorstandes, die Individualität der Zweigarbeit zur Geltung kommen soll. Jeder Zweig wählt in diesen Areopag so viele Mitglieder, dass entspricht 1-50 : 1; 51-100 : 2; 101-150 : 3 und so weiter Areopagmitglieder.›
[ 42 ] “In addition, the Executive Board is supported by an Areopagus, which, as an advisory body to the Executive Board, is intended to give expression to the individuality of the branch work. Each branch elects to this Areopagus a number of members corresponding to the following ratios: 1–50 : 1; 51–100 : 2; 101–150 : 3, and so on.›
[ 43 ] Dieser ‹Areopag› würde als eine beratende Körperschaft die Autonomie einer jeden Loge vertreten. Wie die Loge sich das Areopagmitglied wählt, bleibt ihr ganz überlassen. Aber die Mitglieder dieses Areopags werden die Aufgabe haben, die Individualität ihres Zweiges in dem Charakter der ganzen Deutschen Sektion zur Geltung zu bringen. Man kann da nicht, wenn man Individualität zu Geltung bringen will, einfach abstimmen. Durch Abstimmen wird da gar nichts geleistet. Das kann nie das Prinzip einer Gesellschaft sein, die aus ihrer inneren Notwendigkeit heraus arbeitet. Wie kann ein in Berlin wohnendes Mitglied wissen, was die Lebensbedingungen eines Zweiges in Stuttgart oder Basel sind? Daher soll der Areopag eine Körperschaft sein, die die Individualitäten der einzelnen Zweige zur Geltung bringen wird - eine Vertretung, mit der man sich verständigt von Loge zu Loge - und mit der Zentralleitung.»
[ 43 ] This “Areopagus” would serve as an advisory body representing the autonomy of each lodge. How the lodge elects its Areopagus member is entirely up to it. But the members of this Areopagus will have the task of bringing out the individuality of their branch within the character of the entire German Section. If one wishes to bring individuality to the fore, one cannot simply vote. Voting accomplishes nothing in this regard. That can never be the principle of a society that operates out of its own inner necessity. How can a member living in Berlin know what the living conditions of a branch in Stuttgart or Basel are? Therefore, the Areopagus should be a body that brings out the individualities of the individual branches—a representation through which communication takes place from lodge to lodge—and with the central leadership.”
[ 44 ] Diese Zusätze werden hiermit zur Beschlussfassung vorgelegt.
[ 44 ] These amendments are hereby submitted for a vote.
[ 45 ] Die Debatte darüber beginnt:
[ 45 ] The debate on this topic begins:
[ 46 ] Dr. Fränkel hält den Beschluss für zu wichtig, als dass man sofort darüber abstimmen könnte, und wünscht deshalb Vertagung und Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung zur Beratung dieser Sache.
[ 46 ] Dr. Fränkel considers the resolution too important to be put to a vote immediately and therefore requests that it be postponed and that an extraordinary general meeting be convened to discuss this matter.
[ 47 ] Dr. Steiner: «Diese Versammlung ist eine Urversammlung; es ist kein Hindernis, schon heute abzustimmen. Stimmberechtigung haben die Delegierten. Diese sind schon vorher von der Sache unterrichtet worden. Der Vorstand stellt hier diesen Antrag, damit nicht der Zeitpunkt, auf den es ankommt, versäumt werde. Es kommt darauf an, dass sich die Delegierten ein Urteil darüber bilden können. - Es könnte immerhin sein, dass jemand durch einen Masseneintritt von 1500 Mitgliedern die Arbeit von vorher auslöschen wollte. Die Organisation der Gesellschaft ist eine freie; niemand ist verurteilt, in einer bestimmten Weise mitzuwirken. Es ist nicht eine Arbeit über ein Territorium, in das der Mensch hineingezogen wird, sondern eine Arbeitsgemeinschaft - und die bisher geleistete Arbeit muss gegen Überrumpelungen geschützt werden.»
[ 47 ] Dr. Steiner: “This is a founding assembly; there is no reason why we cannot vote today. The delegates are eligible to vote. They have already been briefed on the matter. The Executive Board is making this motion so that we do not miss the crucial moment. It is essential that the delegates be able to form their own judgment on this matter. - After all, it could be that someone might want to undo the work done previously through a mass influx of 1,500 members. The Society is a free organization; no one is obligated to participate in a specific way. It is not a project confined to a specific territory into which people are drawn, but rather a working community—and the work accomplished so far must be protected against sudden, unanticipated developments.”
[ 48 ] Pastor Wendt ist dafür, dass der Vorschlag angenommen werde.
[ 48 ] Pastor Wendt is in favor of adopting the proposal.
[ 49 ] Dr. Fränkel bittet um eine Maßnahme, damit die Sektionsmitglieder auch zusammentreten können, um einen Vertreter in die Versammlung wählen zu können.
[ 49 ] Dr. Fränkel requests that a measure be taken to allow section members to meet so they can elect a representative to the assembly.
[ 50 ] Dr. Steiner: «Der Vorstand setzt den Sektionsmitgliedern kein Hindernis entgegen. Wenn sie aber in der Sektion zur Geltung kommen wollen, müssen sie selbst zusammentreten und ihren Vertreter melden.»
[ 50 ] Dr. Steiner: “The Executive Board does not stand in the way of section members. However, if they want to make their voices heard in the section, they must come together on their own and nominate their representative.”
[ 51 ] Dr. Vollrath bekommt aus später mitzuteilenden Gründen nicht das Wort.
[ 51 ] Dr. Vollrath is not given the floor for reasons to be explained later.
[ 52 ] Herr Hubo unterstützt den Vorschlag des Vorstandes auch in Bezug auf den Areopag.
[ 52 ] Mr. Hubo also supports the Executive Board's proposal regarding the Areopagus.
[ 53 ] Dr. Steiner: «Der Antrag ist als ein einheitlicher gedacht. Würde eines oder das andere nicht mitgenommen, so müsste der Antrag als nicht gestellt angesehen werden. Durch die Neueinsetzung von Ämtern wird der Zentralisierung vorgebeugt und der Individualisierung zugearbeitet, da berücksichtigt wird, dass zur Geltung komme, was auch der Einzelne sagt. Wird der Generalsekretär etwas zu tun haben, was besonders den Zweig Basel betrifft, so wird er die Mitglieder zurate ziehen, die in Basel sitzen, damit der Loge Basel das zugeführt wird, was der Loge Basel nötig ist. Gerade dadurch kommen möglichst alle Meinungen der Mitglieder zur Geltung - nicht bloß als Majorität, auch nicht bloß nach Maßgabe des in einem Zeitpunkt herrschenden Stimmenverhältnisses, sondern in dem Verhältnis, wie die Mitglieder treu geblieben sind. Gerade dadurch wird der freien Beweglichkeit der Kräfte in einem gewissen abstrakten Sinne entgegengearbeitet.»
[ 53 ] Dr. Steiner: “The motion is intended to be a single, unified proposal. If one or the other were not included, the motion would have to be considered not to have been made. The creation of new offices prevents centralization and promotes individualization, as it ensures that the views of each individual are taken into account. If the Secretary General has a matter to address that particularly concerns the Basel branch, he will consult with the members based in Basel so that the Basel Lodge receives what it needs. It is precisely through this that as many of the members’ opinions as possible are given due consideration—not merely as a majority, nor merely according to the balance of votes prevailing at a given moment, but in proportion to the extent to which the members have remained faithful. It is precisely through this that the free movement of forces is counteracted in a certain abstract sense.”
[ 54 ] Herr Wagner macht den Vorschlag, dass auch die Sektionsmitglieder für je 50 ein Mitglied in den Areopag wählen können; dann würden sie ein Mundstück haben, um auch gehört zu werden. Dr. Steiner: «Es besteht ohne die geringste Änderung die Möglichkeit, dass sich die Sektionsmitglieder organisieren. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt: Haben sich die Sektionsmitglieder organisiert und einen wirklichen Vorstand geschaffen, so werden sie angesehen wie ein wirklicher Zweig. Darin liegt also schon das Wesentliche von dem, was Herr Wagner gesagt hat.»
[ 54 ] Mr. Wagner suggests that section members, 50 to a member, should also be able to elect a representative to the Areopagus; then they would have a voice through which to be heard. Dr. Steiner: “Without the slightest change, there is the possibility for section members to organize themselves. I said two years ago: If the section members have organized themselves and established a genuine executive committee, they will be regarded as a genuine branch. So that already captures the essence of what Mr. Wagner said.”
[ 55 ] Dr. Fränkel sagt, da die Sektionsmitglieder nicht organisiert sind, wollte er nur eine dahingehende Bitte ausgesprochen haben.
[ 55 ] Dr. Fränkel says that, since the section members are not organized, he simply wanted to make a request to that effect.
[ 56 ] Dr. Steiner: «Wenn einmal ein Sektionsmitglied dazu die Anregung gibt, wird der Vorstand natürlich tun, was er zu einer solchen Organisation tun kann. Bisher ist von der Seite der Sektionsmitglieder nichts geschehen.»
[ 56 ] Dr. Steiner: “If a section member were to suggest it, the Executive Board would, of course, do whatever it can to facilitate such an organization. So far, nothing has come from the section members.”
[ 57 ] Dr. Fränkel: «Dann möchte ich dazu heute die Anregung geben.»
[ 57 ] Dr. Fränkel: “Then I’d like to offer a suggestion on that today.”
[ 58 ] Dr. Steiner: «Das kann dann in Zukunft geschehen.»
[ 58 ] Dr. Steiner: “That can happen in the future.”
[ 59 ] Herr [Hübener] ist im Zweifel, ob die neue Bestimmung von heute ab gelten soll, und sofort Anwendung finden könnte auf die Vorstandsmitglieder, die vielleicht heute schon sieben Jahre im Amte sind.
[ 59 ] Mr. [Hübener] is unsure whether the new provision should take effect as of today and could be applied immediately to the members of the Executive Board who may already have been in office for seven years as of today.
[ 60 ] Dr. Steiner: «Das ergibt sich daraus, dass dieser Vorschlag vor die Wahl des Vorstandes gelegt wurde. Die nächste Wahl steht dann bereits unter der Institution dieses Paragrafen. Es wurde gerade dieser Punkt an die dritte Stelle verlegt, damit die Neuwahl unter diesem Paragrafen stehe.»
[ 60 ] Dr. Steiner: “This follows from the fact that this proposal was submitted prior to the election of the Executive Board. The next election will therefore already be governed by this provision. This specific point was moved to the third position precisely so that the new election would be conducted under this provision.”
[ 61 ] Der Vorschlag des Vorstandes kommt nunmehr zur namentlichen Abstimmung und wird mit allen gegen zwei Stimmen, die des Herrn Lauweriks, angenommen.
[ 61 ] The Executive Board's proposal is now put to a roll call vote and is approved by a vote of all in favor, with two votes against—those of Mr. Lauwerik.
[ 62 ] Die Versammlung schreitet nun zur Neuwahl des Vorstandes. Bei der Wahl des Generalsekretärs macht der stellvertretende Präsident, Herr Adolf Arenson, den Vorschlag, Herrn Dr. Steiner durch Akklamation wieder zu wählen. Die Versammlung antwortet mit einstimmigem Applaus. Herr Dr. Steiner ist gewählt. Dr. Steiner spricht der Versammlung dafür seinen herzlichen Dank aus.
[ 62 ] The assembly now proceeds to the election of the new Executive Board. During the election of the Secretary General, the Vice President, Mr. Adolf Arenson, proposes that Dr. Steiner be reelected by acclamation. The assembly responds with unanimous applause. Dr. Steiner is elected. Dr. Steiner expresses his heartfelt thanks to the assembly.
[ 63 ] Als Kassierer wird Herr Seiler einstimmig wiedergewählt.
[ 63 ] Mr. Seiler was unanimously reelected as treasurer.
[ 64 ] Die Versammlung schreitet nunmehr zur Wahl von fünfzehn Vorstandsmitgliedern, die durch Zettelwahl erfolgt. Nach Notierung der abgegebenen Stimmen wird die Versammlung auf 45 Uhr vertagt - und um 5 Uhr wiedereröffnet. Dr. Steiner gibt zunächst eine Zuschrift von Mrs Besant bekannt. Sie sende der Generalversammlung die herzlichsten Grüße, verfolge schr wohl die Arbeit der Deutschen Sektion, die sie schr befriedige, und sende ihre Wünsche dahin, dass die Deutsche Sektion ein Glied der Führerschaft werden möge in dem Streben nach okkulten Dingen.
[ 64 ] The assembly now proceeds to the election of fifteen members of the Executive Committee, which is conducted by secret ballot. After the votes cast have been tallied, the assembly is adjourned until 4:00 p.m. and reconvened at 5:00 p.m. Dr. Steiner first reads a letter from Mrs. Besant. She sends her warmest greetings to the General Assembly, closely follows the work of the German Section—which she finds very satisfying—and expresses her hope that the German Section may become a leading force in the pursuit of occult matters.
[ 65 ] Es erfolgt die Verkündigung des Wahlresultates. Es sind gewählt:
[ 65 ] The election results are announced. The following have been elected:
Herr Wagner mit 90 Stimmen
Herr Arenson 93
Herr Dr. Unger 9%
Herr Kiem 85
Herr Hubo so
Herr Dr. Grosheintz 80
Herr Bauer 83
Herr Kolbe 70
Herr Tessmar 67
Fräulein von Sivers 92
Fräulein Scholl 88
Fräulein Stinde 86
Frau Wolfram 74
Frau Smits 69
Frau Noss 77
Mr. Wagner with 90 votes
Mr. Arenson 93
Dr. Unger 9%
Mr. Kiem 85
Mr. Hubo so
Dr. Grosheintz 80
Mr. Bauer 83
Mr. Kolbe 70
Mr. Tessmar 67
Miss von Sivers 92
Miss Scholl 88
Miss Stinde 86
Mrs. Wolfram 74
Mrs. Smits 69
Mrs. Noss 77
[ 66 ] Herr Dr. Steiner heißt die Gewählten auf das Herzlichste willkommen.
[ 66 ] Dr. Steiner extends a warm welcome to the newly elected members.
[ 67 ] Anträge aus dem Plenum:
[ 67 ] Motions from the floor:
[ 68 ] Der Antrag [Nitzsche], «vegetarische Speischäuser und vegetarische Sanatorien mit Broschüren für theosophische Propaganda zu bedenken», wird nach kurzer Debatte abgelehnt.
[ 68 ] The motion [Nitzsche] to “provide vegetarian restaurants and vegetarian sanatoriums with brochures for theosophical propaganda” is rejected after a brief debate.
[ 69 ] Herr Schwab möchte in den «Mitteilungen» Berichte sehen über den Gang der theosophischen Bewegung im Auslande.
[ 69 ] Mr. Schwab would like to see reports in the “Mitteilungen” on the progress of the Theosophical Movement abroad.
[ 70 ] Herr Dr. Steiner bemerkt dazu, dass das als «Anregung» in das goldene Buch eingetragen werden kann. Solche Berichte wären durchaus wünschenswert; bisher ist in Bezug darauf nichts geschehen, weil es viel Arbeit erfordert, und noch niemand dafür da war. «In dem Augenblick, wo uns das Material dafür von Freunden zur Verfügung gestellt wird, kann die Anregung berücksichtigt werden.»
[ 70 ] Dr. Steiner notes that this can be entered into the Golden Book as a “suggestion.” Such reports would certainly be welcome; so far, nothing has been done about this because it requires a lot of work, and no one has been available to handle it yet. “As soon as friends provide us with the necessary material, the suggestion can be taken into consideration.”
[ 71 ] Verschiedenes:
[ 71 ] Miscellaneous:
[ 72 ] Dr. Steiner: «Es obliegt mir nunmehr als eine für mein Empfinden schwere Pflicht, eine Mitteilung über etwas zu machen, im Auftrage der gestern in der ordentlichen Vorstandssitzung versammelten Vorstandsmitglieder, über ein Mitglied, das eigentlich einen «ersten» Fall darstellt innerhalb unserer Deutschen Sektion. Es wurde notwendig, gestern in der Vorstandssitzung einem Antrag nahezutreten, der aus dem Schoße einer unserer Logen hervorgegangen ist und der sich darauf bezog - was eben noch nicht vorgekommen ist -, dass fernerhin ein bisheriges Mitglied unserer Deutschen Sektion nicht mehr als Mitglied betrachtet werden soll.
[ 72 ] Dr. Steiner: “It now falls to me—as what I consider a heavy duty—to issue a statement, on behalf of the Executive Committee members who gathered yesterday at the regular Executive Committee meeting, regarding a member who actually represents a ‘first’ case within our German Section. It became necessary yesterday at the Executive Committee meeting to address a motion that originated from one of our lodges and which concerned—something that has not yet occurred—the fact that a former member of our German Section should no longer be considered a member.
[ 73 ] Ich habe die Aufgabe - sozusagen als Mundstück des Vorstandes - die Tatsache Ihnen mitzuteilen und die Motive auseinanderzusetzen, warum beschlossen wurde, Herrn Doktor Vollrath weiterhin nicht mehr als Mitglied der Deutschen Sektion zu betrachten. Der Vorstand hat diesen Antrag, der aus dem Schoß unserer Leipziger Loge hervorgegangen ist, in Erwägung ziehen müssen - und es war keine Möglichkeit, weiter die Sache hintan zu halten. Die Angelegenheit muss, wenn wir sie objektiv und im rechten Lichte betrachten wollen, wirklich ganz nüchtern und sozusagen real-politisch angesehen werden. Es sind sich wohl alle Vorstandsmitglieder, die beschlossen haben, dass Herr Doktor Vollrath nicht mehr als Mitglied der Deutschen Sektion angesehen werden soll, darüber klar, dass damit nicht im Entferntesten über Herrn Doktor Vollrath zu Gericht gesessen worden ist - ihm nicht irgendwie nahegetreten worden ist, Die Sache ist so aufzufassen, dass der Vorstand der Deutschen Sektion der Forderung unserer Leipziger Loge nahetreten und sie in Erwägung ziehen musste. Wenn Sie diese Frage prüfen wollen und sich darüber ein Urteil bilden wollen, so müssen wir schon auf die Dinge näher eingehen.
[ 73 ] It is my duty—as the spokesperson for the Executive Committee, so to speak—to inform you of this fact and to explain the reasons why it was decided to continue to no longer consider Dr. Vollrath a member of the German Section. The Executive Board had to consider this motion, which originated within our Leipzig Lodge—and there was no way to continue putting the matter off. If we are to view the matter objectively and in its proper light, it must truly be regarded in a very sober and, so to speak, real-political manner. All members of the Executive Committee who decided that Dr. Vollrath should no longer be regarded as a member of the German Section are surely aware that this in no way constitutes a judgment against Dr. Vollrath—nor does it in any way offend him, The matter should be understood as follows: the Executive Committee of the German Section had to take the request from our Leipzig Lodge seriously and give it due consideration. If you wish to examine this issue and form your own judgment, we must go into the details more closely.
[ 74 ] Herr Doktor Vollrath war ja, wie viele wissen werden, in abgelaufenen Zeiten ein stark mitarbeitendes und auch führendes Mitglied der Leipziger sogenannten ‹Internationalen Theosophischen Gesellschaft›, gegen die wir - wie wir oft ausgeführt haben - nicht irgendwelche feindschaftlichen Gefühle haben; sondern wir glauben, dass bei alle dem, was da getrieben wird, die Leute in einem Irrtum befangen sind. Wir haben nichts bekämpft, sondern waren immer der Anschauung, wir müssten die Kräfte frei spielen lassen. Wir arbeiten im positiven Sinne. Glauben die andern, ein Recht zu haben, um vorgehen zu können, wie sie es tun, so mögen sie es verantworten; nur wollen wir nichts damit zu tun haben, und uns nicht von irgendeiner Seite eine Meinung aufoktroyieren lassen. Herr Doktor Vollrath war ein Mitarbeiter dieser Gesellschaft.
[ 74 ] Dr. Vollrath was, as many of you may know, in times past a very active and leading member of the so-called “International Theosophical Society” in Leipzig, toward which we—as we have often stated—harbor no hostile feelings whatsoever; rather, we believe that, in all that is being done there, people are caught up in a misconception. We have not opposed anything, but have always held the view that we must allow these forces to act freely. We work in a positive sense. If others believe they have the right to proceed as they do, let them take responsibility for it; we simply want nothing to do with it and do not wish to have an opinion imposed on us by any party. Dr. Vollrath was a member of this society.
[ 75 ] Aber nun bitte ich sehr, zu berücksichtigen, dass es mir viel lieber gewesen wäre, wenn der Beschluss hätte vermieden werden können. Aber es ist notwendig, manches zu beachten, was diesen Beschluss zu einem so bedeutungsvollen gemacht hat. Es gibt etwas, worin sich die Arbeit der Deutschen Sektion intensiv unterscheidet von dem Wirken anderer: Sie ist nämlich durchaus frei von aller Propaganda und Agitation, sie drängt niemandem eine Meinung auf, sondern will jeden frei herankommen lassen - sodass so vielen Menschen als möglich Gelegenheit geboten wird, zur Theosophie zu kommen. Es ist der Grundnerv unserer Überzeugung, dass in dem Augenblick, wo wir dieses Prinzip verlassen, unsere Arbeit eine ganz wertlose ist. Da helfen auch alle Verständigungen nicht, die angestellt werden sollten mit den Mitgliedern anderer deutscher Gesellschaften. Warum sollen denn aber auch nicht die, die anders arbeiten wollen, auf ihre Art arbeiten? Nicht das Geringste ist von uns unternommen worden, in die Kreise der andern einzugreifen. - Es ist manches passiert. Zum Beispiel kamen von dort Leute, die erklärten, sie wollten in unsere Gesellschaft eintreten. Selbstverständlich könnt ihr eintreten, wurde ihnen gesagt. Darauf baten uns die Leute, eine Sitzung mit ihren Vertretern zu halten. Ich sagte zu Fräulein von Sivers, ich brauchte jemanden, der dabei gewesen ist. Fräulein von Sivers ging mit und weiß, wie alles gewesen ist. Was kam dabei heraus? Die Leute sagten: Ja, eure Statuten gefallen uns nicht! - Das ist ja auch nicht nötig, sagte ich - ihr braucht ja auch nicht einzutreten. — Es war eine längere Verhandlung, und die Folge war, dass von der anderen Seite eine Broschüre verfasst wurde; und der Verlauf der Sitzung wurde unrichtig erzählt. Es ist mir eine so geniale Fähigkeit noch nicht vorgekommen, als die da verwendete, etwas so darzustellen, wie es sich nicht zugetragen hat. Die unglaublichsten Dinge wurden da gegen uns vorgebracht. Ich sagte: Lasst sie die Broschüre schreiben! Uns kommt es nicht darauf an, uns zu verteidigen, sondern zu arbeiten. Wir hätten uns ja verteidigen können - gegen jeden Punkt -, aber dann hätten die Leute gesagt: Zwischen den Theosophen soll doch Friede sein! Da seht ihr, wie die Theosophen übereinander herfallen können. - Damals sagte ich auch, dass die, die erst Unfrieden gestiftet haben, nachher am meisten darüber klagen, dass Unfrieden da ist. Es soll damit gesagt werden, dass eben die Handhabung der Sachen so verschieden ist zwischen den andern sich «theosophisch» nennenden Gesellschaften und dem, was innerhalb unserer Gesellschaft der Grundnerv unserer Lebensmöglichkeit ist.
[ 75 ] But now I would ask you to please bear in mind that I would have much preferred it if this resolution could have been avoided. However, it is necessary to take into account certain factors that have made this resolution so significant. There is one aspect in which the work of the German Section differs markedly from that of others: Namely, it is entirely free from all propaganda and agitation; it does not impose an opinion on anyone, but seeks to allow everyone to approach it freely—so that as many people as possible are given the opportunity to come to Theosophy. It is the very essence of our conviction that the moment we abandon this principle, our work becomes utterly worthless. In that case, even all the efforts at understanding that might be made with the members of other German societies would be of no help. But why shouldn’t those who wish to work differently be allowed to work in their own way? We have made not the slightest attempt to interfere in the circles of the others. — A number of things have happened. For example, people came from there who declared that they wanted to join our society. “Of course you can join,” they were told. Then those people asked us to hold a meeting with their representatives. I told Miss von Sivers that I needed someone who had been there. Miss von Sivers went along and knows how everything went. What came of it? The people said, “Yes, we don’t like your bylaws!” “Well, that’s not necessary,” I said, “you don’t have to join, after all.” — It was a lengthy negotiation, and the result was that the other side wrote a pamphlet; and the course of the meeting was misrepresented. I have never encountered such a brilliant ability as the one displayed there—to portray something as having happened when it did not. The most unbelievable things were brought up against us. I said: “Let them write the brochure! It’s not important to us to defend ourselves, but to work. We could have defended ourselves—against every point—but then people would have said: ‘There should be peace among the Theosophists!’ There you see how the Theosophists can turn on one another.” - At that time, I also said that those who first stirred up discord are the ones who later complain the most about the discord that exists. The point is that the way things are handled differs so greatly between the other societies that call themselves “theosophical” and what constitutes the very lifeblood of our society.
[ 76 ] Nun hat es Doktor Vollrath nie zuwege gebracht, obwohl er nun schon in unserer Gesellschaft eine längere Zeit ist, auch nur den Wunsch zu hegen, in unsere Art, theosophisch zu denken, sich hineinzuleben. Das ist aber meine Meinung, über die ich mich aber auch nicht in Diskussionen einlassen kann. Er konnte einfach nicht verstehen, was wir in der Deutschen Sektion wollten. Er hat die ganze Art, alle Allüren von der einen in die andere Gesellschaft hinübergetragen. Natürlich, wenn jemand in eine Idee verrannt ist, hält er es für ganz natürlich, dass er nach ihr handelt. Es soll also nicht gerichtet werden, sondern verständlich gemacht werden, worauf es ankommt.
[ 76 ] Now, Dr. Vollrath has never managed—even though he has been part of our society for quite some time—to even entertain the desire to immerse himself in our way of thinking theosophically. That, however, is my opinion, and one I cannot get drawn into discussions about. He simply could not understand what we were trying to achieve in the German Section. He carried over the entire manner and all the airs and graces from one society to the next. Of course, when someone is fixated on an idea, they consider it perfectly natural to act in accordance with it. The aim, therefore, is not to judge, but to make clear what really matters.
[ 77 ] Auf unserm Kongress in München haben wir die Siegel und Säulen angebracht, und wir haben dann die Siegel und Säulen in einer Mappe mit rotem Einband vervielfältigen lassen. Nun, lesen Sie das Vorwort, das darüber geschrieben worden ist, das die ganz eigenartige Stellung einer solchen Sache andeuten sollte. - Was tut Herr Doktor Vollrath? Er hatte damals gerade eine ‹Theosophische Zentralbuchhandlung› eröffnet. Er war vorher bei mir und fragte mich um meinen Rat. Ich sagte ihm, wenn Sie eine Buchhandlung eröffnen, handelt es sich vor allen Dingen darum, dass Sie das Geschäft verstehen, dass sie ein tüchtiger Buchhändler sind; dann haben Sie vor allem Bedacht darauf, dass Sie die Buchhandlung so anlegen, dass sie sich rentiert. Herr Doktor Vollrath fragte, ob er Sachen von mir verlegen könne; ich sagte: Selbstverständlich, dagegen wäre gar nichts einzuwenden. Kurz, es waren Dinge, die selbstverständlich Herrn Doktor Vollrath gesagt werden mussten, da er unser Mitglied war. Was geschieht weiter? - Eines Tages verfasst Herr Doktor Vollrath Zettel wer ein wenig Empfindung hat, wird wissen, was ich meine -, Zettel in einem unglaublichen Rot, auf denen er schrieb, dass seine Buchhandlung den Vertrieb dieser Mappe besorgen werde, und dass diese sich besonders als Weihnachtsgeschenk eignen würde. Diese Zettel verschickte er und nötigte mich dadurch, zu erklären: Wer überhaupt imstande ist, so etwas zu machen, mit dem kann ich unmöglich etwas weiter zu tun haben. — Herr Doktor Vollrath hat damals auch einen Prospekt ausgearbeitet, der für meine Auffassung etwas Unglaubliches war. Wenn Sie zum Beispiel die Phrase gebrauchen: ‹Die Theosophie soll ins Leben dringen!› Das macht es noch nicht, dass die Sache aus der Phrase herauskommt; denn es kann natürlich auch das eine Phrase sein. Herr Doktor Vollrath sagte dann: ‹Ja, ich habe doch gewünscht, dass Sie mir helfen; aber Sie haben ja doch keine Zeit für mich!› - Wenn ich noch so viel Zeit hätte: Bei jemandem, der ein Geschäft entriert, würde ich es für selbstverständlich halten, dass er auch selbst für seine Sache eintritt.
[ 77 ] At our congress in Munich, we affixed the seals and columns, and we then had the seals and columns reproduced in a folder with a red cover. Now, read the foreword that was written about it, which was intended to hint at the very unique nature of such a matter. — What is Dr. Vollrath doing? He had just opened a “Theosophical Central Bookstore” at the time. He had come to see me beforehand and asked for my advice. I told him that when you open a bookstore, the most important thing is that you understand the business—that you are a capable bookseller; then, above all, you must ensure that you set up the bookstore in such a way that it is profitable. Dr. Vollrath asked if he could publish my works; I said: Of course, there would be no objection whatsoever. In short, these were things that naturally had to be said to Dr. Vollrath, since he was a member of our association. What happened next?—One day, Dr. Vollrath wrote up flyers—anyone with a bit of sensitivity will know what I mean—flyers in an unbelievable shade of red, on which he wrote that his bookstore would handle the distribution of this portfolio and that it would be particularly suitable as a Christmas gift. He sent out these flyers, thereby forcing me to declare: “I can’t possibly have anything further to do with anyone who is even capable of doing something like this.” — Dr. Vollrath also put together a brochure back then that, in my view, was simply unbelievable. For example, if you use the phrase: “Theosophy must penetrate life!” That alone doesn’t mean the idea goes beyond the phrase; for, of course, it could just be another empty phrase. Dr. Vollrath then said: “Yes, I did hope that you would help me; but you don’t have any time for me after all!”—Even if I had all the time in the world: I would take it for granted that someone who runs a business would also stand up for their own cause.
[ 78 ] Ich kann mir vorstellen, dass jemand eine solche Denkart nicht verstehen kann. Aber dann muss ein Zusammenarbeiten abgelehnt werden, und man kann in diesem Falle nur sagen: ‹Du bist ein ganz netter Mensch, aber wir können nicht mehr zusammenarbeiten.› Es ist damit ja nichts weiter gesagt. Oder hat denn der andere ein Recht zu sagen: ‹ ›Wenn du Menschenliebe hast, so musst du mit mir arbeiten!?› Es geht doch nicht, dass man dem andern die Intentionen unterbindet - dass man ihm seine Meinung aufdrängt. Es kann gar nicht die Zumutung an uns gestellt werden, dass mit Doktor Vollrath zusammengearbeitet werden soll. So lagen also die Dinge. Dazu kam verschiedenes anderes. - Es sollte immer wieder, um das äußerste, was geschehen konnte, zu vermeiden, Herrn Doktor Vollrath bedeutet werden, dass er arbeiten sollte in seiner Art, aber uns auch arbeiten lasse, und uns nicht fortwährend störe. Er ist nach Leipzig gegangen. Die Leipziger Loge musste nun dieselben Erfahrungen machen, dass es eben nicht möglich ist, mit Herrn Doktor Vollrath zusammenzuarbeiten. - Als ich nach Holland kam, wurde ich von jemandem gefragt: Was ist denn das für eine ‹Literarische Abteilung der Deutschen Sektion›, die Sie da in Leipzig aufgemacht haben? Hier sind Ehrenmitglieder der ‹Literarischen Abteilung der Deutschen Sektion ernannt worden!› Herr Doktor Vollrath also ernennt aus eigener Machtvollkommenheit Leute zu Ehrenmitgliedern der ‹Literarischen Abteilung der Deutschen Sektion›. Wohin kommen wir denn da? Und Sie werden mir doch zugestehen, dass es für mich keine logische Möglichkeit gibt, das zu verstehen. Dazu ist für mich die logische Möglichkeit ausgeschlossen. - Es wurde von der Leipziger Loge der Versuch gemacht, um mit Herrn Doktor Vollrath doch zusammenzuarbeiten, ihn als Bibliothekar zu ernennen. Aber es hat sich auch dabei gerade durch seine Denkweise die Unmöglichkeit dafür herausgestellt.
[ 78 ] I can form a mental image of someone not understanding this way of thinking. But in that case, working together must be ruled out, and all one can say is: “You’re a really nice person, but we can’t work together anymore.” That’s all there is to it. Or does the other person have the right to say: “If you love your fellow human beings, then you must work with me!?” It is simply not acceptable to restrict another person’s intentions—to impose one’s own opinion on them. It is simply unreasonable to expect us to work with Dr. Vollrath. That, then, was the state of affairs. Various other factors came into play as well. - Time and again, in order to avoid the worst possible outcome, it had to be made clear to Dr. Vollrath that he should work in his own way, but also let us work and not constantly interfere with us. He went to Leipzig. The Leipzig Lodge then had to learn the hard way that it simply isn’t possible to work together with Dr. Vollrath. - When I arrived in Holland, someone asked me: “What exactly is this ‘Literary Department of the German Section’ that you’ve set up in Leipzig? Honorary members of the ‘Literary Department of the German Section’ have been appointed here!” So Dr. Vollrath, acting on his own authority, appoints people as honorary members of the ‘Literary Department of the German Section.’ Where is this all leading us? And you must admit that there is no logical way for me to understand this. For me, the logical possibility of this is simply out of the question. - The Leipzig Lodge made an attempt to work with Dr. Vollrath after all by appointing him as librarian. But precisely because of his way of thinking, it turned out to be impossible.
[ 79 ] Als Herr Doktor Vollrath seine Zentralbuchhandlung ankündigte, gebrauchte er ein gewisses symbolisches Zeichen dafür. Nun ist darin ein verschlungenes ‹HV› für ein anderes Zeichen - und statt des Spruches ‹Keine Religion ist höher als die Wahrheit› steht da: ‹Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!› Ich sagte einmal zu Herrn Doktor Vollrath, die einzige Möglichkeit, um darüber hinwegzukommen, würde das sein, wenn er sagte, ‹HV› bedeutet ‹Verlagshandlung›. - Eines Tages überraschte mich wie viele andere Mitglieder - ich war gerade in Stuttgart - ein vier Seiten langer ‹offener Brief› des Herrn Doktor Vollrath, worin er eine Erklärung gab für das ‹HV› und ‹Ruhe ist die erste Bürgerpflicht›. Unter anderem sagte er, dass es gar nichts mit seinem Namen zu tun habe, sondern nur die Initialen der beiden ‹Säulen› des Münchener Kongresses wären, der ‹Ich›-Säule und der ‹Bin›-Säule. Die Bezeichnungen sind Unsinn. Ein grandioserer Dilettantismus war wirklich nicht möglich. Aber um überhaupt etwas hineinzubringen in das ‹HV›, musste erst ‹H› in ‹I› uminterpretiert werden - so wurden also aus dem ‹H› zwei ‹I› - und dann bedeutet es ‹Jehova›. Und über jenen Ausspruch, den jedes Kind kennt, und von dem jeder weiß, wo er einmal aufgetaucht ist, können Sie in dem ‹offenen Brief› lesen: ‹Ruhe ist die erste Bürgerpflicht› ist ein tief okkulter Ausspruch, der etwa seit einem Jahrhundert an die Öffentlichkeit gekommen ist! Es ist richtig, dass es in unserer Gesellschaft auf Dogmen und Lehren, auf das, was einer meint, nicht ankommt, und dass jeder das vertritt, was er vertreten will. Aber es hat doch alles eine Grenze. Es kann doch nicht jemand tun, was er will, wenn er zufällig die Möglichkeit hat, die Sache drucken zu lassen und die Leute glauben zu machen, dass er ein Vertreter der ‹Adyar-Gesellschaft› ist - denn es ist doch gewiss unmöglich, dass jemand aus eigener Machtvollkommenheit Menschen zu Ehrenmitgliedern der ‹Literarischen Abteilung der Deutschen Sektion› ernennt! Und wenn dann nach und nach alle Mitglieder der andern Gesellschaft verklagt werden, wenn fortwährend Berichte erscheinen, wie sich ein ausgetretenes Mitglied herumzankt, sodass die Leute verurteilt werden - sogar zu Gefängnis, und wenn das herumgetragen wird, in welcher Lage befindet sich denn da die Leipziger Loge unserer Gesellschaft, die dem allen ausgesetzt ist! Die Leipziger Loge fühlt eben, dass ihr durch Herrn Doktor Vollrath die Kehle zugeschnürt ist!
[ 79 ] When Dr. Vollrath announced his Central Bookstore, he used a certain symbolic emblem to represent it. Now, in it, an intertwined “HV” stands for a different symbol—and instead of the motto “No religion is higher than the truth,” it reads: “Peace is the first civic duty!” I once told Dr. Vollrath that the only way to get past this would be for him to say that “HV” stands for “publishing house.” - One day, like many other members—I was in Stuttgart at the time—I was surprised by a four-page “open letter” from Dr. Vollrath, in which he offered an explanation for the “HV” and “Peace is the first civic duty.” Among other things, he said that it had nothing to do with his name at all, but was merely the initials of the two “columns” of the Munich Congress: the “Ich” column and the “Bin” column. These designations are nonsense. A more grandiose display of amateurism was truly impossible. But in order to incorporate anything into the “HV” at all, the “H” first had to be reinterpreted as an “I”—so the “H” became two “I”s—and then it means “Jehovah.” And regarding that saying, which every child knows and which everyone knows where it first appeared, you can read in the “open letter”: “Peace is the first civic duty” is a deeply occult saying that has been in the public eye for about a century! It is true that in our society, dogmas and doctrines—what one person thinks—do not matter, and that everyone advocates whatever they want to advocate. But there is a limit to everything. Surely no one can do whatever they please simply because they happen to have the means to have something printed and to make people believe that they are a representative of the “Adyar Society”—for it is certainly impossible for anyone, acting on their own authority, to appoint people as honorary members of the “Literary Department of the German Section”! And if, little by little, all the members of the other society are sued, if reports keep appearing about how a former member is stirring up trouble, leading to people being convicted—even sentenced to prison—and if word of this spreads, what position will the Leipzig Lodge of our society find itself in, being exposed to all of this! The Leipzig Lodge feels that Dr. Vollrath has cut off its lifeline!
[ 80 ] Selbstverständlich trat auch die Sache an mich heran. Ich bat Herrn Doktor Vollrath, weil so etwas absolut aus der Welt geschafft werden muss, und vielleicht ein Ausweg geschaffen werden konnte, dass Herr Doktor Vollrath in unserer Gesellschaft blieb, er möge mich einmal besuchen, und sprach mit ihm die verschiedenen Sachen durch. Ich sagte ihm: «Sie haben da diesen «offenen Brief» geschrieben. Ich stehe wirklich auf dem Standpunkt, dass jeder das verbreiten kann, was seine eigene Meinung ist. Aber für mich ist alles, was Sie über
[ 80 ] Naturally, the matter came to my attention as well. I asked Dr. Vollrath—since something like this absolutely had to be resolved, and perhaps a solution could be found that would allow Dr. Vollrath to remain in our society—to come visit me, and I discussed the various issues with him. I told him: “You’ve written this ‘open letter.’ I truly believe that everyone is free to express their own opinion. But as far as I’m concerned, everything you’ve said about
[ 81 ] Das war es, was es nach und nach notwendig machte, sich doch nicht weiter dagegenzustemmen, dem Antrag der Leipziger Loge Rechnung zu tragen und einmal das Exempel zu statuieren, dass es nicht auf die Phrase ankommt, sondern auf Majorität, und nicht im Geringsten wird etwas Herrn Doktor Vollrath damit Schlimmes angehängt, dass ihn die Gesellschaft nicht mehr als ihr Mitglied betrachten kann. Es ist eben etwas, wozu wir gezwungen worden sind, und wir mussten endlich die Sache von dem Standpunkt aus betrachten: Das bloße Reden von Brüderlichkeit und Liebe ist doch nur eine Phrase. Wir müssen die aktive Liebe haben, dass wir denen, die arbeiten, auch helfen - es nicht bloß in der Liebe beim Allgemeinen bleiben lassen, sondern die Liebe aktiv machen. Ist es nicht eine Lieblosigkeit, dass die Leipziger Loge arbeiten will, und wenn wir dieser Loge sagen würden: Wir kümmern uns als Deutsche Sektion gar nicht darum - deinen Sudel sauf selber!? Sind wir nicht gerade verpflichtet, einer solchen Loge zu helfen, welche die Gurgel sich zugeschnürt fühlt von jemandem, der sich neben sie hinstellt mit ihrem eigenen Namen und ihrem eigenen Firmenschild.
[ 81 ] That was what gradually made it necessary to stop resisting the proposal of the Leipzig Lodge and to set an example once and for all—that it is not empty rhetoric that matters, but the majority—and Dr. Vollrath is in no way being accused of anything wrong by the fact that the Society can no longer consider him a member. It is simply something we have been forced to do, and we finally had to view the matter from this perspective: Merely speaking of brotherhood and love is, after all, just empty rhetoric. We must have active love so that we also help those who work—not merely leaving it at a general sense of love, but putting that love into action. Isn’t it uncharitable that the Leipzig Lodge wants to work, and if we were to tell this Lodge: “We, as the German Section, don’t care about that at all—suck it up yourself!”? Aren’t we precisely obligated to help such a Lodge, which feels its throat being choked by someone who stands beside it using its own name and its own sign?
[ 82 ] Das sei zusammenfassend gesagt: Nicht im Geringsten ist über Herrn Doktor Vollrath gerichtet worden; es ist nur der Beschluss gefasst worden, dass wir untereinander Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als unser Mitglied ansehen, da er seine Sachen sozusagen als «Adyar-Dinge in die Welt hinausdrängte. Zwei Dinge gab es nur: Entweder alle Augenblicke Erklärungen in die Welt zu schicken, dass das nicht Adyar-Dinge sind - oder aber Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als unser Mitglied anzusehen. Es ist mir sehr schmerzlich, dass ein solcher Fall einmal da ist. Ich lasse mich nicht auf eine Diskussion über das ein, was meine Meinung ist, und ich werde mich weiter nicht mit der Angelegenheit beschäftigen. Ich habe mich mit ihr beschäftigt, so lange es galt, den Beschluss hintan zu halten. Jetzt hat der Vorstand gesprochen, und ich bin das Mundstück des Vorstandes. Ich selbst habe mit dem Fall Doktor Vollrath abgeschlossen. - Jeder kann natürlich Gründe finden, um das, was er beabsichtigt hat, anders darzustellen, als es der andere auffasst. Ich hatte die Aufgabe, Ihnen mitzuteilen, was den Vorstand gestern bewogen hat, im Namen der Sektion den Beschluss zu fassen, dass Herr Doktor Vollrath nicht mehr als Mitglied der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft betrachtet wird, und bin beauftragt, Ihnen das mitzuteilen und Ihnen die Motive klarzulegen, die dazu geführt haben. Das habe ich getan.»
[ 82 ] To summarize: Not the slightest judgment has been passed on Dr. Vollrath; the only decision made was that, among ourselves, we no longer regard Dr. Vollrath as one of our members, since he, so to speak, “pushed Adyar matters out into the world.” There were only two options: either to constantly issue statements to the public clarifying that these are not Adyar matters—or to no longer regard Dr. Vollrath as one of our members. It pains me greatly that such a situation has arisen. I will not engage in a discussion about my personal opinion, nor will I concern myself further with this matter. I dealt with it as long as it was necessary to postpone the decision. Now the Executive Committee has spoken, and I am the spokesperson for the Executive Committee. I myself have closed the matter regarding Dr. Vollrath. — Of course, anyone can find reasons to present what they intended differently from how the other person perceives it. My task was to inform you of what prompted the Executive Committee yesterday to pass a resolution on behalf of the Section stating that Dr. Vollrath is no longer to be considered a member of the German Section of the Theosophical Society, and I have been charged with communicating this to you and explaining the reasons that led to this decision. That is what I have done.”
[ 83 ] Fräulein [Steinbart] kann es nicht verstehen, wie die Theosophische Gesellschaft ein Mitglied ausstößt, wenn dieses sein ganzes Leben und sein ganzes Vermögen in den Dienst dieser Sache gestellt hat, und bei dem alles, was es tut und spricht, die reinste Theosophie ist. Als Konsequenz des Beschlusses müsste sie ihren Austritt anmelden.
[ 83 ] Miss [Steinbart] cannot understand how the Theosophical Society could expel a member who has devoted his entire life and all his wealth to this cause, and in whom everything he does and says is the purest theosophy. As a consequence of the decision, she would have to submit her resignation.
[ 84 ] Pastor Wendt meint, auch dieser Mann kann sich ändern; können wir ihn vorläufig nicht mehr als unser Mitglied ansehen, so lassen wir ihm doch die Möglichkeit, sich zu ändern.
[ 84 ] Pastor Wendt believes that this man, too, can change; even if we cannot consider him a member for the time being, let us at least give him the opportunity to change.
[ 85 ] Frau Schmidt betont, wenn wir Christen sein wollen, müssen wir doch Brüderlichkeit walten lassen, und erinnert an den Satz: Wer unter euch ‚ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
[ 85 ] Ms. Schmidt emphasizes that if we want to be Christians, we must practice brotherly love, and recalls the saying: “Let the one among you who is without sin cast the first stone at her.”
[ 86 ] Frau von Sonklar fragt, ob in den Statuten ein Paragraf ist, nach dem ein Mitglied herausgesetzt werden kann, und ob das einem andern Mitglied auch passieren kann.
[ 86 ] Ms. von Sonklar asks whether there is a section in the bylaws under which a member can be expelled, and whether this could also happen to another member.
[ 87 ] Dr. Steiner: «Es handelt sich darum, dass wir eine Gesellschaft sind, die Majoritätsbeschlüsse fassen kann, und dass eine Gesellschaft, die Leute aufnimmt, auch Leute heraussetzen kann - und nicht, dass jeder, der ‹will›, sich als ihr Mitglied betrachten kann; sonst könnte jeder, der will, und nicht der, welchen die andern wollen, zur Gesellschaft gehören wollen. Es handelt sich nicht darum, dass wir über Herrn Doktor Vollrath richten, sondern, dass wir uns nicht verstehen; und wenn Herr Doktor Vollrath sagt, wir ‹verstehen ihn gar nicht›, so ist das eben ein Grund dafür. Es kommt vorläufig darauf an, was die Mehrzahl der Gesellschaft beziehungsweise die maßgebende Körperschaft darüber denkt. Es handelt sich darum, dass keine Möglichkeit ist, zusammenzuarbeiten, und dass diese tatsächliche Wirklichkeit in einer Formel zum Ausdruck gebracht wird.»
[ 87 ] Dr. Steiner: “The point is that we are a society capable of making majority decisions, and that a society that admits people can also expel them—and not that anyone who ‘wants to’ can consider themselves a member; otherwise, anyone who wants to—and not those whom the others want—could seek to belong to the society. The issue is not that we are passing judgment on Dr. Vollrath, but that we do not understand one another; and when Dr. Vollrath says that we ‘do not understand him at all,’ that is precisely one reason for it. For the time being, what matters is what the majority of the society—or rather, the governing body—thinks about it. The point is that there is no possibility of working together, and that this factual reality is expressed in a formula.”
[ 88 ] Dr. Vollrath (spricht sehr unverständlich): «Ich habe Theosophie vertreten als eine Weltanschauung und nie gesagt, dass meine Meinung die Wahrheit selbst wäre, sondern das, was mir als Wahrheit erschien. Ich habe nie gesagt, dass ich im Namen der Adyar-Gesellschaft spräche. Es war nur ein kindlicher Zug. Man kann nicht gleich klassisch sein, sondern man tastet doch nur. Wenn man kein Geschäftsmann ist, macht man eben solche Verstöße. Ich habe keine Methode, sondern sage und tue, was ich für notwendig halte. Ich habe nicht meine Mitarbeiter verklagt, sondern bin verklagt worden und hatte die Pflicht, mich zu verteidigen, damit ich nicht an die Wand gedrückt werde. Ich bin vorgegangen, weil ich von Frau Wolfram wochenlang gedrängt worden bin: ‹Sie müssen vorgehen!› Da habe ich mich in den Stand gesetzt, dass ich verklagt werden konnte. - Eine ‹Theosophische Gesellschaft›, die jemanden ausschließt, verliert damit ihren kosmopolitischen Charakter. Ich habe die Satzungen nicht verletzt, habe meinen Beitrag bezahlt. Ich habe immer versucht, jedem gerecht zu werden. - Die Stabilität besteht im Streben; im Äußeren herrscht immer Ebbe und Flut. - Ein Mensch, der unruhig ist, kann nicht den Augenblick richtig erfassen - und wenn man das Ewige ausbildet, muss man doch Ruhe bewahren. - Es müsste doch erst einmal die Sache mit mir besprochen werden.»
[ 88 ] Dr. Vollrath (speaking very indistinctly): “I have advocated theosophy as a worldview and have never claimed that my opinion was the truth itself, but rather what appeared to me to be the truth. I have never claimed to speak on behalf of the Adyar Society. It was just a childish impulse. One cannot be a master right away; one is merely feeling one’s way. If one is not a businessman, one simply makes such mistakes. I have no set method; I simply say and do what I consider necessary. I did not sue my colleagues; rather, I was sued and had a duty to defend myself so that I would not be pushed into a corner. I took action because Ms. Wolfram had been pressing me for weeks: “You must take action!” So I put myself in a position where I could be sued. — A “Theosophical Society” that expels someone thereby loses its cosmopolitan character. I did not violate the bylaws; I paid my dues. I have always tried to treat everyone fairly. — Stability lies in striving; outwardly, there are always ebbs and flows. — A person who is restless cannot truly grasp the moment—and when one cultivates the eternal, one must maintain inner calm. — The matter should first be discussed with me.”
[ 89 ] Frau Wolfram: «Allerdings hat Doktor Vollrath mir immerfort geklagt, dass die Leute ihm Geld schuldig geblieben sind. Da habe ich ihm allerdings gesagt, wenn die Leute ihm nicht sein Kapital wiedergeben wollen, dann müsse er es einfach einklagen. Aber das ist doch ein himmelweiter Unterschied davon, ob man Privatbriefe von seinen Feinden veröffentlicht, und dass dann die ganzen Sachen durch die Leipziger Blätter gehen. Es sollte nur jemand es erst einmal versuchen, wie unmöglich es ist, mit Herrn Doktor Vollrath zu arbeiten. Er sieht es aber immer noch nicht ein. Glauben Sie, ich habe Zeit, jede Woche eine Sitzung über einen Quark abzuhalten? Alle Augenblicke verlangte Herr Doktor Vollrath Vorstandssitzungen. Er hatte eine lange Liste von lauter Kleinigkeiten; da haben wir auch zusammengesessen, und als wir nicht auf alles eingehen konnten, fing er einfach an zu weinen und zu schreien. Das sollten Sie nur einmal erleben. - In Leipzig ist die Theosophie so diskreditiert, dass die Leute sagen, Theosophie sollte polizeilich verboten werden. Ich halte meine Vorträge. Sie können es erleben, dass bei einer Einladung die Leute sagen: «Wie sollte ich in diese Loge gehen? Habt ihr denn nicht gehört, was da alles vor sich gehen soll» Die tollsten Sachen werden da erzählt; ob es wahr ist oder nicht, ist ganz egal - aber Herr Doktor Vollrath gibt doch eben die Veranlassung dazu. In diesem Falle ist Toleranz nur: Ich kann tun, was ich will! Und dann ist Toleranz eben Unsinn. Wir haben uns drei Jahre bemüht, mit Herrn Doktor Vollrath zu arbeiten; aber es ist unmöglich. Wir wissen ganz genau, dass Herr Doktor Vollrath das Allerbeste will, bloß kann er nicht. Es fehlt ihm auch das Verständnis dafür, die Sache einzusehen. Wie kann ihm jemand raten, wenn er es nicht versteht. Will er etwas lernen, so bin ich gern bereit, mit ihm zu arbeiten. Aber er will überhaupt nichts lernen. Doktor Vollrath sagt, Theosophie ist etwas, was jeder will, und wo jeder arbeiten kann, wie er will. - Wir haben revoltiert, weil andere Mitglieder doch auch ein gutes Recht haben, dass unser guter Name nicht beschmutzt werde.»
[ 89 ] Ms. Wolfram: “However, Dr. Vollrath kept complaining to me that people still owed him money. So I told him that if people didn’t want to return his capital, then he’d simply have to sue them. But that’s a world of difference from publishing private letters from one’s enemies and having the whole thing splashed all over the *Leipziger Blätter*. Someone should just try it once to see how impossible it is to work with Dr. Vollrath. But he still doesn’t get it. Do you think I have time to hold a meeting every week over some trivial matter? Dr. Vollrath demanded board meetings at every turn. He had a long list of nothing but trifles; we sat down together to discuss them, and when we couldn’t address everything, he simply started crying and screaming. You should see that just once. — In Leipzig, Theosophy is so discredited that people say it should be banned by the police. I give my lectures. You’ll find that when people receive an invitation, they say, “How could I possibly go to that lodge? Haven’t you heard what’s supposedly going on there?” The wildest stories are told—whether they’re true or not doesn’t matter at all—but Dr. Vollrath is the one giving people cause to say such things. In this case, tolerance simply means: “I can do whatever I want!” And then tolerance is just nonsense. We’ve tried for three years to work with Dr. Vollrath; but it’s impossible. We know full well that Dr. Vollrath wants the very best, but he just can’t do it. He also lacks the understanding to see the issue clearly. How can anyone advise him if he doesn’t understand? If he wants to learn something, I’m more than willing to work with him. But he doesn’t want to learn anything at all. Dr. Vollrath says that theosophy is something everyone wants, and that everyone can work on it however they please. — We rebelled because other members also have every right to ensure that our good name isn’t tarnished.”
[ 90 ] Herr Hubo: «Da Bedenken geäußert sind, ob der Vorstand berechtigt ist, einen solchen Beschluss zu fassen, scheint es mir einerseits doch unzweifelhaft, dass der Vorstand einen solchen Beschluss fassen kann; andererseits in Anbetracht der Tatsachen, die hier geäußert worden sind, scheint es mir, dass dieser Beschluss des Vorstandes nicht nur zweckmäRig, sondern notwendig ist im Interesse der Deutschen Sektion. - Ich stelle den Antrag auf Schluss der Debatte.»
[ 90 ] Mr. Hubo: “Since concerns have been raised as to whether the Executive Board is authorized to pass such a resolution, it seems to me, on the one hand, that there is no doubt that the Executive Board can pass such a resolution; on the other hand, in light of the facts that have been presented here, it seems to me that this resolution by the Executive Board is not only appropriate but necessary in the interest of the German Section. — I move to close the debate.”
[ 91 ] Der Antrag kommt zur Abstimmung und wird angenommen.
[ 91 ] The motion is put to a vote and is approved.
[ 92 ] Dr. Vollrath (sehr unverständlich): «Es war in der Bibliothek keine Ordnung, es waren keine Satzungen da. Ich habe mir von allen Bibliotheken Satzungen kommen lassen. Ich habe nicht gesagt, Theosophie ist das, was jeder will. Man wird ruhiger werden und zur Selbstbeherrschung kommen.»
[ 92 ] Dr. Vollrath (very hard to understand): “There was no order in the library; there were no bylaws. I had bylaws sent to me from all the libraries. I did not say that theosophy is whatever anyone wants it to be. People will become calmer and achieve self-control.”
[ 93 ] Dr. Steiner: «Wirklich verwunderlich ist es, dass zwei Mitglieder gesagt haben, was denn mit einem andern geschehe, wenn er der Gesellschaft nicht gefiele. Denken Sie doch nur, wie wir uns jahrelang bemüht haben, die Sache hintan zu halten. Es kann kaum sehr häufig so etwas eintreten wie mit Doktor Vollrath. Die, welche besorgt sind, dass ihnen dasselbe passieren könnte, haben wirklich nicht genau zugehört; denn das, was geredet worden ist, hat doch gezeigt, dass es ziemlich unmöglich ist, dass sich der Fall wiederholen könnte. Es wäre wirklich nötig, dass Sie sich damit befassen, zu erfahren, welche Anstrengungen gemacht worden sind, den Fall hintan zu halten. Aber haben Sie nicht die unchristliche Lieblosigkeit, die Arbeit des Leipziger Zweiges so zu behandeln, dass Sie sagen: Mögt ihr doch tun, was ihr wollt, um damit fertig zu werden; wir haben doch die ‹Brüderlichkeit› - also deinen Sudel sauf selber! - Es wird so eben auch das Christentum zur Phrase. Es kann natürlich jemand der Anschauung sein, dass Doktor Vollraths Arbeit in Leipzig mehr wert ist als jede andere Arbeit - und auch, dass Doktor Vollrath ein Genie ist und wir andern alle Dummköpfe. - Aber wir erklären, dass dem Leipziger Zweig die Kehle zugeschnürt ist, und dass sie ihm wieder freigemacht werden muss. Wo da die Unchristlichkeit steckt, ob man dem Leipziger Zweig gar nicht hilft - oder ob man ihm hilft, indem man gegen Doktor Vollrath vorgeht, das müsste doch erst überlegt werden.»
[ 93 ] Dr. Steiner: “It is truly surprising that two members asked what would happen to someone else if the society did not approve of him. Just think how hard we have worked for years to keep this matter from coming to light. A situation like the one with Dr. Vollrath is unlikely to occur very often. Those who are worried that the same thing might happen to them really haven’t been listening carefully; for what has been said has shown that it is quite impossible for the situation to repeat itself. It would really be necessary for you to look into this and find out what efforts have been made to keep the matter under wraps. But do not be so unchristlike and unloving as to treat the work of the Leipzig branch in such a way that you say: “Do whatever you want to deal with it; we have ‘brotherhood’ after all”—so drink your own drivel!—That is exactly how Christianity becomes mere rhetoric. Of course, someone might hold the view that Dr. Vollrath’s work in Leipzig is worth more than any other work—and also that Dr. Vollrath is a genius and the rest of us are all fools. - But we declare that the Leipzig branch has had its throat constricted, and that it must be set free again. Where exactly the unchristian behavior lies—whether in not helping the Leipzig branch at all, or in helping it by taking action against Dr. Vollrath—that is something that must first be considered.”
[ 94 ] Frl. [Steinbart] fragt, wie lange man noch Mitglied ist, wenn man auf diese Weise ausgeschlossen wird.
[ 94 ] Miss [Steinbart] asks how long one remains a member if one is expelled in this manner.
[ 95 ] Dr. Steiner: «Reden Sie nicht von ausgeschlossen. Ich hatte meine guten Gründe, um im letzten Moment die Formel so zu fassen, wie sie jetzt gefasst ist. Ich bat den Vorstand, den Ausdruck zu gebrauchen: Die Deutsche Sektion betrachtet Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als ihr Mitglied. Selbstverständlich kann er ja von dem General-Sekretariat verlangen, dass in einem Jahre wieder der Fall besprochen werde. Aber als Mitglied betrachten können wir ihn nicht. Deshalb musste ich auch heute morgen sagen, ich bin nicht in der Lage, Herrn Doktor Vollrath das Wort zu erteilen. Es ist gar nicht die Rede davon, dass der Beschluss nicht in diesem Augenblick schon realisiert wäre.
[ 95 ] Dr. Steiner: “Don’t speak of ‘expulsion.’ I had my good reasons for phrasing the statement at the last moment the way it is now. I asked the Executive Committee to use the following wording: ‘The German Section no longer considers Dr. Vollrath to be a member.’ Of course, he can request that the General Secretariat revisit the matter in a year. But we cannot consider him a member. That is why I had to say this morning that I am not in a position to give Dr. Vollrath the floor. There is absolutely no question that the resolution has not already been implemented at this very moment.
[ 96 ] Da weiter nichts vorliegt, ist unser Tagewerk erschöpft, und ich habe hiermit die VII. Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in Bezug auf ihren offiziellen Teil für geschlossen zu erklären.»
[ 96 ] Since there are no further items on the agenda, our day’s work is complete, and I hereby declare the official portion of the 7th General Assembly of the German Section of the Theosophical Society closed.»
