The History of the German Section
of the Theosophical Society
1902–1913
GA 250
10 December 1911, Berlin
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The History of the German Section of the Theosophical Society, tr. SOL
45. Zehnte Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft
45. Tenth General Assembly of the German Section of the Theosophical Society
Bericht in den «Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Hauptquartier Adyar), herausgegeben von Mathilde Scholl», Nr. 13/1912
Article in the “Newsletter for Members of the German Section of the Theosophical Society (Headquarters: Adyar), published by Mathilde Scholl,” No. 13/1912
[ 1 ] Um 10¼ Uhr eröffnet der Generalsekretär der Deutschen Sektion, Herr Dr. Rudolf Steiner, die zehnte ordentliche Generalversammlung mit den Worten:
[ 1 ] At 10:15 a.m., the Secretary General of the German Section, Dr. Rudolf Steiner, opened the tenth regular general assembly with the following words:
[ 2 ] «Es obliegt mir zunächst, Sie alle im Sinne unserer theosophischen Bewegung und aus dem Geiste heraus, der uns zusammenführt, auf das Herzlichste zu begrüßen. Diese Versammlungen geben uns ja immer Gelegenheit, viele unserer Freunde gleichzeitig an einem Ort versammelt zu sehen. Und dasjenige, was für einen wirklichen Theosophen dabei das Wichtigste ist, ist zweifellos, sich vereint zu wissen mit vielen Freunden und Gesinnungsgenossen, also mit Menschen, welche im Sinne unserer Gegenwart mit befruchtenden Ideen über geistige Angelegenheiten das Herz erfüllt haben. Dass unsere Gedanken und Empfindungen Kräfte sind, die schon als einzelne Bedeutung haben innerhalb der Realität, das ist uns als Theosophen ja tief ins Herz geschrieben. Dass aber der Zusammenfluss einer größeren Anzahl solcher individuellen Kräfte noch etwas ganz anderes bedeutet, muss derjenige zugeben, welcher im Sinne einer Realität das spirituelle Leben ansieht. Derjenige ist erst im Beginne des Verständnisses des spirituellen Lebens, der da meint, dass alle Verbreitung der Theosophie lediglich davon abhänge, wie äußerlich auf dem physischen Plane, durch eine äußere Propaganda oder durch Worte die Mitmenschen überzeugt werden. Wer aber eingedrungen ist in die Bedeutung der spirituellen Erkenntnis, der weiß, dass die Kräfte, die unsichtbar in der Welt walten, die Kräfte der guten Gesinnung, die zusammenfließen aus echten theosophischen Herzen, auch in übersinnlicher Weise ergeben einen Strom, der einfließt in die Evolution der Menschheit. So werden wir immer mehr geneigt sein, eine äußere Versammlung von Theosophen anzusehen wie ein Symbolum für dasjenige, was zwischen den Herzen und von den Herzen aus spielt, und nicht in der äußeren Welt wahrgenommen werden kann. Darin spricht sich erst die Heiligkeit und Würde der theosophischen Weltanschauung aus, aber auch dasjenige, was diese theosophische Weltanschauung berechtigt, in einer ganz eigenartigen Weise als ein Element, das seine wahre Kraft im Übersinnlichen hat, in unsere Menschheitsevolution einzugreifen.
[ 2 ] “First and foremost, it is my duty to extend a most heartfelt welcome to all of you in the spirit of our Theosophical Movement and in the spirit that brings us together. These gatherings always give us the opportunity to see many of our friends gathered in one place at the same time. And what is most important for a true Theosophist on such occasions is undoubtedly the knowledge of being united with many friends and kindred spirits—that is, with people who, in the spirit of our time, have filled our hearts with inspiring ideas about spiritual matters. That our thoughts and feelings are forces that already hold significance within reality even as individual entities is, after all, deeply ingrained in our hearts as Theosophists. But anyone who views spiritual life in terms of reality must admit that the convergence of a larger number of such individual forces signifies something entirely different. One is only at the beginning of understanding spiritual life if one believes that the spread of Theosophy depends solely on how, externally on the physical plane, fellow human beings are convinced through external propaganda or words. But whoever has penetrated the meaning of spiritual knowledge knows that the forces that invisibly govern the world—the forces of good will that flow together from genuine theosophical hearts—also form, in a supersensible way, a current that flows into the evolution of humanity. Thus, we will become increasingly inclined to view an external gathering of Theosophists as a symbol of that which takes place between hearts and emanates from them—and which cannot be perceived in the external world. This is where the sanctity and dignity of the theosophical worldview are first expressed, but also what entitles this theosophical worldview, in a very unique way, to intervene in the evolution of humanity as an element whose true power lies in the supersensible.
[ 3 ] Dass wir neben dem ja überwiegenden Missverständnis unserer Auffassung, dem wir begegnen, auch einiges Verständnis in der Welt finden, das bezeugen gerade vielleicht die Fortschritte, die wir in diesem Jahr gemacht haben. Wir brauchen nur darauf hinzuweisen, dass wir unter steigendem Interesse unsere Aufführungen in München veranstalten konnten, dass unsere Bestrebungen in der Kunst, die wir in unseren Mysterien zum Ausdruck bringen, in der Aufeinanderfolge der letzten Jahre Erfolg gehabt haben. Wir konnten ja 1909 eine, 1910 zwei und 1911 sogar drei Aufführungen veranstalten. Es ist dies nur eines der Symptome, die für den wahren Fortschritt, nicht für einen bloß scheinbaren, innerhalb unserer Bewegung sprechen.
[ 3 ] The fact that, alongside the—admittedly—prevailing misunderstanding of our views that we encounter, we also find some understanding in the world is perhaps best evidenced by the progress we have made this year. We need only point out that we were able to stage our performances in Munich amid growing interest, and that our artistic endeavors—as expressed in our Mystery Plays—have been successful in recent years. After all, we were able to stage one performance in 1909, two in 1910, and even three in 1911. This is just one of the signs that point to genuine progress—not merely superficial progress—within our movement.
[ 4 ] Als ein anderes Symptom darf angesehen werden, dass in Stuttgart bereits ein eigenes Heim unserer Weltanschauung gebaut worden ist. Wer ein wirkliches Verständnis für Theosophie hat, dem braucht nicht auseinandergesetzt zu werden, was es bedeutet, dass einmal die Bestrebungen der Theosophie so umgeben sein können von Raumesgrenzen, die selber aus dem theosophischen Gedanken herausgeboren sind. Nicht anstehe ich zu bekennen, dass ich die ganze Art und Weise, wie dieses theosophische Heim innerhalb Stuttgarts entstanden ist, fast mehr noch als das, was zuletzt - weil ja keine Wirklichkeit entspricht dem Ideal
[ 4 ] Another sign of this is that a home dedicated to our worldview has already been built in Stuttgart. Anyone who truly understands Theosophy needs no explanation of what it means for the aspirations of Theosophy to be confined by spatial boundaries that are themselves born of theosophical thought. Nevertheless, I must admit that the entire manner in which this theosophical home came into being within Stuttgart troubles me almost more than what has recently—since, after all, no reality corresponds to the ideal
[ 5 ] herausgekommen ist, bedeutungsvoll finde. Es ist ein Bau entstanden im Verein mit einem verständnisvollen Baumeister, der wusste den theosophischen Gedanken die äußere Form zu geben. Mehr noch halte ich ein anderes für einen Prüfstein theosophischer Gesinnung unserer Kreise. Der Bau ist entstanden, ohne dass in der Außenwelt mit der Werbetrommel Propaganda getrieben worden ist. Es ist die ganze Angelegenheit unter Theosophen geblieben und ist auch heute noch, nachdem der Bau fertig ist, eine Sache unter Theosophen.
[ 5 ] I find this to be significant. The building was created in collaboration with an understanding architect who knew how to give theosophical ideas their outward form. Moreover, I consider something else to be a touchstone of the theosophical mindset within our circles. The building was constructed without any publicity campaign in the outside world. The entire project remained a matter among Theosophists and, even today, now that the building is complete, it remains a matter among Theosophists.
[ 6 ] Solch eine Bestätigung unseres theosophischen Gedankens ist wohl die beste Begrüßung, die wir für unsere Seelen am heutigen Tage hier empfangen können; und in diesem Sinne, dass die theosophische Bewegung nicht verlieren möge dasjenige, was das Wichtigste ausmacht, dass sie nur da wirken mag, wo ihr diese Gesinnung entgegenschlägt und nicht, wo man mit der äußeren Werbetrommel wirken muss, in diesem Sinne lassen Sie diese Vereinigung durchflossen sein von unseren theosophischen Gedanken.
[ 6 ] Such a confirmation of our theosophical ideas is surely the best welcome our souls can receive here today; and in this sense—that the Theosophical Movement may not lose sight of what is most important, that it may work only where this spirit is met with a like-minded response and not where one must resort to outward publicity—in this sense, let this association be imbued with our Theosophical ideas.
[ 7 ] Damit sind wir, nachdem ich Sie auf das Herzlichste willkommen heiße, bei den geschäftlichen Teilen unserer Generalversammlung angekommen, und ich bitte Sie, diese recht geschäftlich zu behandeln.»
[ 7 ] Having warmly welcomed you all, we have now arrived at the business portion of our general meeting, and I ask that you conduct this portion in a strictly businesslike manner.»
[ 8 ] Erster [Tagesordnungspunkt]:
[ 8 ] First [agenda item]:
[ 9 ] Feststellung des Stimmenverhältnisses der Delegierten der einzelnen Zweige.
[ 9 ] Determination of the voting ratio of the delegates from the individual branches.
[ 10 ] Vorgenommen werden musste eine Klarstellung des Stimmrechtes der Mitglieder der Schweizer Zweige innerhalb der Deutschen Sektion.
[ 10 ] It was necessary to clarify the voting rights of members of the Swiss branches within the German Section.
[ 11 ] Herr Dr. Steiner: «Dass wir in dieser Stunde mit vollem Recht den Schweizer Zweigen die Abstimmung in der Deutschen Sektion zuzugestehen haben, zu der sie de facto noch gehören, muss ich hier bemerken. Es ist eine Schweizerische Sektion gegründet worden. Diejenigen Schweizer Zweige, die der Deutschen Sektion angehörten, weigerten sich einzutreten in die Schweizer Sektion. So war die Alternative entstanden, entweder dass die Schweizer Zweige der Deutschen Sektion beitraten ‚oder sie traten aus der Gesellschaft aus. Es gelangte gestern ein Brief von der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft in meine Hände, in dem zum Ausdruck gebracht wird, dass diesen Zweigen das Recht zustehe, einen neuen, selbstständigen Körper zu bilden. Bevor dieser gebildet ist, müssen nach allen bisherigen Gepflogenheiten der Theosophischen Gesellschaft die ehemaligen Schweizer Mitglieder der Deutschen Sektion noch zu dieser gezählt werden. Sie hingen sonst in der Luft, wenn wir ihnen nicht das Stimmrecht innerhalb der Deutschen Sektion zuerteilen würden.
[ 11 ] Dr. Steiner: “I must point out here that we are fully justified in granting the Swiss branches the right to vote in the German Section, to which they de facto still belong. A Swiss Section has been founded. Those Swiss branches that belonged to the German Section refused to join the Swiss Section. Thus, the alternative arose: either the Swiss branches would join the German Section or they would resign from the Society. Yesterday I received a letter from the President of the Theosophical Society stating that these branches have the right to form a new, independent body. Until such a body is formed, in accordance with all established practices of the Theosophical Society, the former Swiss members of the German Section must still be counted among its members. Otherwise, they would be left in limbo if we did not grant them the right to vote within the German Section.
[ 12 ] Ich habe nun noch die Frage zu stellen, ob von Mitgliedern, die nicht irgendeinem Zweige angehören, Delegierte gewählt worden sind.»
[ 12 ] I now have to ask whether delegates have been elected by members who do not belong to any branch.»
[ 13 ] Herr Krojanker bemerkt hierzu, dass die Sektionsmitglieder voneinander nichts wüssten. Darauf erwidert Herr Dr. Steiner, dass das Sache der Sektionsmitglieder selber sei, miteinander bekannt zu werden; das Recht, Delegierte zu wählen, stehe ihnen nach früheren Generalversammlungsbeschlüssen zu. Er machte den Vorschlag, ein Zentrum zu bilden, bei dem sich alle Sektionsmitglieder melden können. Damit wäre dann ein Anfang gemacht zum Zusammenschluss. Herr Krojanker erklärt sich bereit, Meldungen vonseiten der Sektionsmitglieder entgegenzunehmen, damit in Zukunft deren Zusammenschluss erfolgen und die Delegiertenwahl bewerkstelligt werden könne.
[ 13 ] Mr. Krojanker remarks in this regard that the section members do not know one another. Dr. Steiner replies that it is up to the section members themselves to get to know one another; according to earlier General Assembly resolutions, they have the right to elect delegates. He proposed establishing a central point where all section members could register. This would mark the beginning of their unification. Mr. Krojanker agreed to accept registrations from section members so that their unification could take place in the future and the election of delegates could be carried out.
[ 14 ] Hierauf wurde das Stimmenverhältnis festgestellt. Es ergeben sich als Vertreter der einzelnen Zweige und als Träger von deren Stimmen:
[ 14 ] The distribution of votes was then determined. The representatives of the individual branches and the holders of their votes are as follows:









[ 15 ] Zweiter [Tagesordnungspunkt]: Berichte des Generalsekretärs, des Sekretärs, des Kassierers, des Schriftführers und der Revisoren.
[ 15 ] Second [agenda item]: Reports from the Secretary-General, the Secretary, the Treasurer, the Recording Secretary, and the Auditors.
[ 16 ] Herr Dr. Steiner: «Ich habe an dieser Stelle in den vorhergehenden Jahren einen sachlichen Bericht über die Arbeit innerhalb der Deutschen Sektion gegeben. Mit Rücksicht darauf aber, dass, nach dem, was durch den Vorstand vorausgesehen werden kann, allerlei langwierige Angelegenheiten an die Versammlung herantreten sollen, möge an dieser Stelle von der üblichen Ansprache abgesehen werden. Dagegen wird der geschäftliche Bericht gegeben werden.»
[ 16 ] Dr. Steiner: “In previous years, I have provided a factual report at this point on the work carried out within the German Section. However, in light of the fact that, as far as the Executive Committee can foresee, all sorts of protracted matters are expected to come before the assembly, I shall refrain from delivering the customary address at this time. Instead, the business report will be presented.”
[ 17 ] Es folgt der Bericht des Sekretärs, Fräulein von Sivers, über die Mitgliederbewegung:
[ 17 ] The following is the report by the secretary, Miss von Sivers, on membership trends:
[ 18 ] Zahl der Mitglieder: 2318 gegen 1950 im Vorjahre
Neu eingetreten sind: 458
Ausgetreten oder nicht mehr
aufzufinden und deshalb gestrichen: 67
In andere Sektionen übergetreten: 3
Gestorben: 20
[ 18 ] Number of members: 2,318, compared to 1,950 the previous year
New members: 458
Resigned or no longer
traceable and therefore removed from the rolls: 67
Transferred to other sections: 3
Deceased: 20
[ 19 ] Neu gegründet wurden sechs Zweige:
[ 19 ] Six new branches were established:
[ 20 ] Zweig Bochum, Zweig Graz, Zweig Heidenheim, Zweig Linz, Zweig Neuchätel, Zweig Tübingen.
[ 20 ] Bochum branch, Graz branch, Heidenheim branch, Linz branch, Neuchâtel branch, Tübingen branch.
[ 21 ] Neu gebildet wurden zwei Zentren: Zentrum Hamburg und Zentrum New York.
[ 21 ] Two new centers were established: the Hamburg Center and the New York Center.
[ 22 ] Gesamtzahl der Zweige: 53, der Zentren: 5.
[ 22 ] Total number of branches: 53; total number of centers: 5.
[ 23 ] Herr Dr. Steiner: «Zu diesem Berichte ist etwas hinzuzufügen. Es handelt sich darum, zu gedenken unserer lieben Mitglieder, die in diesem Jahre von dem physischen Plane abgegangen sind.
[ 23 ] Dr. Steiner: “There is something to be added to this report. It concerns commemorating our dear members who have departed from the physical plane this year.
[ 24 ] Wir haben gerade in diesem Jahre eine größere Anzahl von Mitgli dern dadurch verloren, dass sie durch den Tod den physischen Plan verlassen haben. Es geziemt uns, in einer herzlichen Weise dieser Mitglieder zu gedenken.
[ 24 ] This year in particular, we have lost a large number of members who have departed from the physical plane through death. It is fitting that we remember these members with warmth.
[ 25 ] Vor allen Dingen obliegt es mir zu gedenken eines alten Mitgliedes der Deutschen Sektion und des Kölner Zweiges, unseres lieben Fräulein Hippenmeyer, welches mit einer immer sich steigernden Wärme für unsere theosophischen Gedanken eine außerordentlich große Regsamkeit verband für die weitesten Weltinteressen. Diejenigen, die sie näher gekannt, waren ebenso hingezogen durch ihr schönes, gutes, theosophisches Herz wie durch ihre Weltinteressen. Fräulein Hippenmeyer ging diesen Interessen nach nicht in philisterhafter Weise, sondern unternahm in groRem Umfange Reisen, die Weltreisen genannt werden können. Wenn man bedenkt nur die äußeren, rein technischen Schwierigkeiten dieser Reisen für eine einzeln reisende Dame, und Fräulein Hippenmeyer war noch dazu eine schwächliche Dame, dann ist das etwas, wofür man viel Bewunderung haben kann. Für unsere theosophische Sache war sie in äußerst sympathischer Weise rührig, und es war all denen, die sie gekannt hatten, schmerzlich, zu hören, dass sie auf einer ihrer großen Reisen in Java den physischen Plan verlassen hat.
[ 25 ] Above all, it is my duty to remember a longtime member of the German Section and the Cologne Branch, our dear Miss Hippenmeyer, who combined an ever-increasing passion for our theosophical ideas with an extraordinary enthusiasm for the broadest global interests. Those who knew her well were drawn just as much to her beautiful, kind, theosophical heart as to her interest in the world. Miss Hippenmeyer did not pursue these interests in a narrow-minded way, but undertook extensive travels that can be called world tours. If one considers even just the external, purely practical difficulties of these journeys for a woman traveling alone—and Miss Hippenmeyer was, moreover, a frail woman—then this is something for which one cannot help but feel great admiration. She was extremely active in support of our theosophical cause in a most endearing way, and it was painful for all who had known her to hear that she had left the physical plane in Java during one of her great journeys.
[ 26 ] Weiter habe ich zu gedenken eines außerordentlich rührigen Mitarbeiters, der ebenfalls der Loge Köln angehörte, unseres lieben Freundes Ludwig Lindemann. Es steht noch vor mir der Eindruck, den ich hatte, als ich Ludwig Lindemann zum ersten Male sah, der mir tief lebendig seine Tendenzen darstellte. Er ist seitdem von Tag zu Tag gewachsen, trotzdem das stärkste Hindernis für ihn vorhanden war, nämlich eine schwere Krankheit. Er hat trotzdem keinen anderen Gedanken gehabt, als seine ganze Existenz einzusetzen für die Verbreitung des theosophischen Gedankens. Und als er seiner Gesundheit wegen nach Italien gehen musste, hat er dort für die Pflege des theosophischen Gedankens gewirkt. Er hat dort die kleinen Zentren, die wir haben, Mailand, Palermo begründet. Er hat es verstanden, an diesen Orten das intensivste und herzlichste theosophische Leben zu begründen. Ludwig Lindemann war von allen, die ihn kannten, mit jener Liebe geliebt, die aus der Selbstverständlichkeit des spirituellen Zusammenhanges mit einem Menschen ersprießen kann. Lindemann folgte seinen großen theosophischen Interessen intensiv, und ich konnte schen, als ich ihn in den letzten Wochen vor seinem Tode besuchte, wie aus dem verfallenden Leibe herausdrang ein tiefer, herzlicher, theosophischer Enthusiasmus. So war es mir eine tiefe Befriedigung zu sehen, wie unsere Mailänder Freunde innig sich verbunden fühlten mit unserem lieben Freunde Lindemann. Als ich in Mailand war, zeigte man mir das Zimmer, das für Lindemann bereitet war, in dem er hätte leben können, wenn er noch einmal hätte nach Italien kommen können. Ich war ja damals des festen Glaubens, dass er hätte noch einige Jahre wirken können, wenn es möglich gewesen wäre, dass er noch einmal nach Italien hätte kommen können; es war alles dort für ihn vorbereitet; Karma wollte es anders. Wir aber sehen ihm nach, wie Theosophen demjenigen nachsehen, der den Schauplatz seines Lebens und Wirkens in der physischen Welt in unserem Sinne verlassen hat, indem wir uns ebenso treu und herzlich mit ihm verbunden fühlen, wie wir es getan haben, als er noch unter uns auf dem physischen Plane weilte.
[ 26 ] I must also remember an exceptionally active colleague, who was also a member of the Cologne Lodge, our dear friend Ludwig Lindemann. I still vividly recall the impression I had when I first saw Ludwig Lindemann, who vividly conveyed his convictions to me. Since then, he has grown day by day, despite facing the greatest obstacle of all: a serious illness. Nevertheless, he had no other thought than to devote his entire being to the spread of theosophical thought. And when he had to go to Italy for health reasons, he worked there to foster theosophical thought. There he founded the small centers we have in Milan and Palermo. He knew how to establish the most intense and heartfelt theosophical life in these places. Ludwig Lindemann was loved by all who knew him with the kind of love that can spring from the naturalness of a spiritual connection with another person. Lindemann pursued his great theosophical interests with great intensity, and when I visited him in the final weeks before his death, I could sense how a deep, heartfelt, theosophical enthusiasm radiated from his failing body. Thus, it gave me deep satisfaction to see how deeply our friends in Milan felt connected to our dear friend Lindemann. While I was in Milan, I was shown the room that had been prepared for Lindemann, where he could have lived had he been able to return to Italy once more. At that time, I was firmly convinced that he could have continued his work for several more years if it had been possible for him to return to Italy; everything there had been prepared for him; but karma decreed otherwise. But we remember him as Theosophists remember one who has left the stage of his life and work in the physical world in our sense, feeling just as faithfully and warmly connected to him as we did when he was still among us on the physical plane.
[ 27 ] Einer dritten Persönlichkeit habe ich zu gedenken, die vielleicht für viele unerwartet schnell den physischen Plan verlassen hat; es ist unser liebes Sektionsmitglied Doktor Max Asch. In seinem viel bewegten Leben hatte er mancherlei zu überstehen, was es einem Menschen schwer machen kann, einer rein geistigen Bewegung nahezutreten. Er hat aber zuletzt den Weg so zu uns gefunden, dass er, der Arzt, das beste Heilmittel für seine Leiden in der Pflege theosophischer Lektüre und Gedanken gefunden hat. Wiederholt hat er mir versichert, dass dem Arzte kein anderer Glaube in der Seele ersprießen könne an irgendein anderes Heilmittel als dasjenige, was spirituell aus theosophischen Büchern kommen kann, dass er die theosophische Lehre wie Balsam in seinen schmerzdurchwühlten Körper strömen fühlte. Wirklich bis in seine Todesstunde pflegte er in diesem Sinne Theosophie. Und es war mir eine schwere Entsagung, als, nachdem dieser unser Freund dahingeschieden war, und mir seine Tochter schrieb, ich möchte einige Worte an seinem Grabe sprechen, ich diesen Wunsch nicht erfüllen konnte, da an diesem Tag mein Vortragszyklus in Prag seinen Anfang nahm, und es mir deshalb eine Unmöglichkeit war, dem theosophischen Freunde diesen letzten Dienst auf dem physischen Plane zu erweisen. Dass ihm die Worte, die ich hätte an seinem Grabe sprechen sollen, als Gedanken nachgesandt worden sind in diejenige Welt, die er damals betreten hatte, dessen können Sie versichert sein.
[ 27 ] I must also pay tribute to a third individual who, perhaps unexpectedly for many, left the physical plane so quickly; it is our dear section member, Dr. Max Asch. In his eventful life, he had to endure many things that can make it difficult for a person to draw close to a purely spiritual movement. In the end, however, he found his way to us in such a way that he—the physician—discovered the best remedy for his sufferings in the study of Theosophical literature and thought. He repeatedly assured me that no other belief could spring from the soul of a physician regarding any other remedy than that which can come spiritually from theosophical books, and that he felt the theosophical teaching flow like balm into his pain-ravaged body. Indeed, right up until his dying hour, he cultivated theosophy in this spirit. And it was a heavy sacrifice for me when, after our friend had passed away and his daughter wrote to me asking that I say a few words at his grave, I was unable to fulfill this request, since my lecture series in Prague was beginning that very day, and it was therefore impossible for me to render this final service to my Theosophical friend on the physical plane. You can rest assured that the words I should have spoken at his grave were sent to him as thoughts into the world he had then entered.
[ 28 ] Ferner habe ich zu gedenken eines Berliner Freundes, Mitglied unseres Besant-Zweiges, der sich zuletzt nach mancherlei Bestrebungen wie in einem Hafen fand in unserer Bewegung. Es ist unser lieber Freund Ernst Pitschner, welcher seit langer Zeit mit den Keimen des Verfalles behaftet unter uns weilte und bis zu seinem Tode in der intensivsten Weise mit uns vereint bei der theosophischen Arbeit war. Es war ein eigentümliches Karma, dass nach wenigen Wochen ihm seine Gattin in die übersinnlichen Welten nachfolgte.
[ 28 ] Furthermore, I must remember a friend from Berlin, a member of our Besant branch, who, after many different endeavors, finally found a safe haven in our movement. He is our dear friend Ernst Pitschner, who, though long afflicted by the seeds of decline, remained among us and, until his death, was most intimately united with us in our theosophical work. It was a peculiar twist of karma that, after only a few weeks, his wife followed him into the supersensible worlds.
[ 29 ] Ferner habe ich zu gedenken unseres lieben Mitgliedes Christian Dieterle aus Stuttgart. Er hat sich schwer, aber außerordentlich strebsam in das theosophische Leben hineingefunden und war in den letzten Monaten ein in der intensivsten Weise theosophisch denkender Mann.
[ 29 ] I would also like to remember our dear member Christian Dieterle from Stuttgart. He found his way into theosophic life with difficulty but with extraordinary diligence, and in recent months he was a man who thought theosophically in the most intense way.
[ 30 ] Dann wollen wir gedenken eines älteren Theosophen, der dem Mühlhausener Zweige entrissen worden ist, Josef Kellers. Es ist das einer der Fälle, wo man, trotzdem man im Leben nur einmal lebendig vor sich gestellt hat einen Menschen, in ihm eine tiefe Geistes- und Herzensverfassung sogleich anerkennen muss. Keller hat namentlich in seinen letzten Monaten, zu den herzlich überzeugten Theosophen gehört und alle, die ihn kannten, werden ihm ein treues, liebevolles Andenken bewahren.
[ 30 ] Let us now remember an elderly Theosophist who was taken from the Mühlhausen branch: Josef Keller. This is one of those cases where, even though one has only encountered a person in person once in one’s life, one must immediately recognize in him a profound spiritual and emotional disposition. Keller, particularly in his final months, was among the most wholeheartedly committed Theosophists, and all who knew him will cherish a faithful, loving memory of him.
[ 31 ] Weiter habe ich zu gedenken eines Mannes, der in schwerer Krankheit ans Bett gefesselt noch durch die Vermittlung einer uns teuren Persönlichkeit mit der Theosophie bekannt gemacht worden ist, Karl Gesterdings.
[ 31 ] I must also mention a man who, though confined to his bed by a serious illness, was introduced to Theosophy through the efforts of a person dear to us: Karl Gesterdings.
[ 32 ] Ich habe zu gedenken unseres lieben Freundes Edmund [Reebstein], der uns in verhältnismäßig jungen Jahren nach kurzer Krankheit entrissen worden ist, und den diejenigen, die ihm nähergetreten sind, außerordentlich schätzen gelernt haben.
[ 32 ] I would like to remember our dear friend Edmund [Reebstein], who was taken from us at a relatively young age after a brief illness, and whom those who knew him well came to hold in the highest regard.
[ 33 ] Ein ganz Gleiches habe ich zu sagen von Frau Major Göring, die viele Jahre innerhalb unseres Zweiges mitgearbeitet hat.
[ 33 ] I have exactly the same to say about Mrs. Major Göring, who worked within our branch for many years.
[ 34 ] Es ist die Liste unserer Verstorbenen diesmal eine so große, dass alles das, was ich sagen möchte, zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde.
[ 34 ] The list of our deceased is so long this time that everything I would like to say would take too much time.
[ 35 ] Noch habe ich zu gedenken unserer Mitglieder Erwin Baumberger aus Zürich, Georg Stephan aus Breslau, Frau Fanny Russenberger aus St. Gallen, Johannes [Radmann] aus Leipzig, Karl Schwarze aus Leipzig, Wilhelm Eckle aus Karlsruhe, Georg Hamann aus Hannover, Wilhelmine Mössner aus Stuttgart I, Walter Krug aus Köln, Frau Silbermann aus Heidelberg, Frau [Liendl] aus München I.
[ 35 ] I must also mention our members Erwin Baumberger from Zurich, Georg Stephan from Breslau, Ms. Fanny Russenberger from St. Gallen, Johannes [Radmann] from Leipzig, Karl Schwarze from Leipzig, Wilhelm Eckle from Karlsruhe, Georg Hamann from Hanover, Wilhelmine Mössner from Stuttgart I, Walter Krug from Cologne, Mrs. Silbermann from Heidelberg, and Mrs. [Liendl] from Munich I.
[ 36 ] Ich betrachte es heute noch besonders als meine Pflicht, an dieser Stelle zu gedenken des Abgangs vom physischen Plan einer Persönlichkeit, die viel bekannt in allen theosophischen Kreisen war, die durch einen schmerzlichen Tod uns entrissen worden ist, die viel gewirkt hat, deren wir ebenso in Liebe gedenken wie der anderen, ich meine Frau Helene von Schewitsch. Sie kennen ihre Bücher, ich brauche sie nicht näher zu charakterisieren. Ich muss betonen, dass die Verhältnisse so lagen, dass ich ihrer Aufforderung immer Folge geleistet habe, wenn sie mich bat, bei meinem Münchener Aufenthalt, auch in ihrem Kreise einen Vortrag zu halten. Nur andeuten möchte ich, dass für mich selber dieses ganze Leben sich als etwas tief Tragisches darstellt; und ich darf wohl sagen, dass mir Frau von Schewitsch außerordentlich vertrauensvoll entgegengekommen ist, und dass ich berechtigt bin zu sagen: Dieses Leben hatte eine tiefe Tragik. Es war mir auch vergönnt, hineinzuschauen in dieses Herz; und dasjenige, was ich tragisch nenne, fassen Sie bitte so auf, dass mit dem Tragischen dasjenige gemeint sein soll, was die meisten von Ihnen aus meinen Vorträgen heraus unter «Tragik> verstehen werden.
[ 36 ] Even today, I still consider it my special duty to commemorate here the passing from the physical plane of a personality who was well known in all theosophical circles, who was taken from us by a painful death, who accomplished much, and whom we remember with just as much love as the others—I mean Mrs. Helene von Schewitsch. You are familiar with her books; I need not describe her in further detail. I must emphasize that circumstances were such that I always complied with her request whenever she asked me to give a lecture in her circle during my stay in Munich. I would just like to suggest that, for me personally, her entire life appears to be something profoundly tragic; and I may well say that Mrs. von Schewitsch treated me with extraordinary trust, and that I am justified in saying: This life was deeply tragic. I was also granted the privilege of looking into this heart; and please understand what I call “tragic” to mean what most of you will understand by “tragedy” from my lectures.
[ 37 ] Wir erfüllen eine Pflicht der Herzlichkeit, äußerlich zum Ausdruck zu bringen, wie wir gedanklich verbunden sind mit den Toten, indem wir uns von unseren Sitzen erheben.»
[ 37 ] We fulfill our duty of cordiality by outwardly expressing how closely we are connected in spirit with the deceased as we rise from our seats.»
[ 38 ] Bericht des Kassierers:
[ 38 ] Treasurer's Report:
[ 39 ] Bei diesem Berichte weist der Kassierer - Herr Seiler - darauf hin, dass es außerordentlich schwierig sei, den Kassenbericht rechtzeitig fertigzustellen, da vonseiten der Zweige die Abrechnungen sehr unpünktlich eingesandt würden, oft erst wenige Tage vor der Generalversammlung. Es bestände eine große Unordnung und Ungenauigkeit auch im Ausfüllen der vorgedruckten Formulare, sodass dem Kassierer die größten Schwierigkeiten erwüchsen, besonders daraus, dass viele Berichte nicht rechtzeitig eingingen. Kassenbericht Jahresabschluss 1910/11:
[ 39 ] In this report, the treasurer—Mr. Seiler—points out that it is extremely difficult to complete the treasury report on time, as the branch offices submit their financial statements very late, often only a few days before the general meeting. There was also a great deal of disorganization and inaccuracy in filling out the preprinted forms, causing the treasurer considerable difficulty—particularly because many reports were not received on time. Financial Report for the 1910/11 Fiscal Year:


[ 40 ] Herr Dr. Steiner: «Sie haben eben gehört, wie schwierig es wird, was allerdings wünschenswert wäre, zur rechten Zeit, das Rechte zu machen. Was nützt es aber, wenn es auch wünschenswert ist, am 31. August die Kasse abzuschließen und 14 Tage vor der Generalversammlung den einzelnen Zweigen den Bericht zuzusenden, da wir doch überhaupt von den Zweigen die Unterlagen, die wir dazu brauchen, erst wenige Tage vor der Generalversammlung bekommen. Es scheint mir - das ist meine persönliche Meinung -, dass in der Theosophischen Gesellschaft auch herrschen sollte eine theosophische Billigkeit, die darin bestehen sollte, dass, wenn eine Sache nicht ausgeführt wird, man frage, woran liegt das denn eigentlich? Es könnte ja gesagt werden: Das Generalsekretariat habe die Pflicht, die Logen dazu anzuhalten; aber was nützt das, wenn die Logen es doch nicht tun. Wir werden auch wenig verlieren, wenn wir nicht in der Lage sind, auf den Buchstaben zu schwören.
[ 40 ] Dr. Steiner: “You have just heard how difficult it is—though it would certainly be desirable—to do the right thing at the right time. But what good is it—even if it is desirable—to close the books on August 31 and send the report to the individual branches 14 days before the General Assembly, when we don’t actually receive the documents we need from the branches until just a few days before the General Assembly? It seems to me—and this is my personal opinion—that a theosophical sense of fairness should also prevail within the Theosophical Society, which would entail asking, when something is not carried out, ‘What is actually the reason for this?’ One could, of course, say that the General Secretariat has a duty to urge the lodges to do so; but what good is that if the lodges do not do it anyway? We will lose very little if we are not in a position to swear to the letter of the law.
[ 41 ] Es muss schon einmal die Gesellschaft selber einen Einblick bekommen in die Art und Weise, wie diese Billigkeit aufgefasst wird.
[ 41 ] Society itself must be given some insight into the way in which this fairness is understood.
[ 42 ] Ich bin verpflichtet, an dieser Stelle einen Brief vorzulesen, und ich bitte Sie denselben ganz sachlich zu beurteilen. Ich bin deshalb genötigt, den Brief vorzulesen, weil es ausdrücklich verlangt wird; ich möchte Sie aber bitten, sich ein ganz unbefangenes Urteil zu bilden und mit der Diskussion über diesen Brief zu warten, bis wir bei dem dritten Punkt stehen: Anträge aus dem Plenum. Es liegt im Interesse der Versammlung, auch andere Punkte, wie die Dechargen-Erteilung für den Gesamtvorstand erst anzusetzen bei dem dritten Punkte. Daher bitte ich Sie zunächst einmal die Verlesung dieses Briefes anzuhören. Ich bringe zur Abstimmung, ob es Ihnen genehm ist, mit der Diskussion zu warten bis zum dritten Punkt.»
[ 42 ] I am obliged to read a letter aloud at this point, and I ask you to evaluate it objectively. I am therefore compelled to read the letter aloud because it has been expressly requested; however, I would ask you to form a completely unbiased opinion and to wait to discuss this letter until we reach the third item on the agenda: motions from the floor. It is in the interest of the assembly to also address other items, such as the granting of discharge to the entire Executive Board, only when we reach the third item. Therefore, I ask you first to listen to the reading of this letter. I will put it to a vote whether you agree to wait until the third item on the agenda to discuss this matter.”
[ 43 ] Die Abstimmung ergibt die Zustimmung der Versammlung.
[ 43 ] The vote results in the assembly's approval.
[ 44 ] Hierauf verliest Herr Dr. Steiner die folgenden Briefe:
[ 44 ] Dr. Steiner then reads the following letters:
Leipzig, den 8. Dezember 1911
An die Generalversammlung der
Theosophischen Gesellschaft (Deutsche Sektion) Berlin.Der § 11 der Satzungen sagt: Das Rechnungsjahr der Sektion endigt mit dem 31. August. Eine vom Schatzmeister aufgestellte und von den Revisoren geprüfte Jahres-Abrechnung soll jedem Zweige 14 Tage vor der jährlichen Generalversammlung durch den Generalsekretär zugestellt werden.
Es steht fest, dass der Generalsekretär diese Pflicht seit Jahren nicht erfüllt hat. Ich bat ihn daher, am 5. November in einer Mitgliederversammlung des Leipziger Zweiges, er möge dafür sorgen, dass wenigstens in der Generalversammlung den Delegierten die Jahresabrechnung vorliege. Er lehnte meine bescheidene Bitte aus nichtigen Gründen ab. Ich stellte nun am 27. November in der Leipziger Mitgliederversammlung einen ähnlichen Antrag, der aber auch abgelehnt wurde. Aus diesem Grunde sehe ich mich leider gezwungen, an die Generalversammlung selbst mit der Bitte heranzutreten, folgenden Antrag bei Punkt 2 der Tagesordnung (Bericht des Generalsckretärs) zum Beschluss zu erheben:
Antrag: Der Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft Herr Dr. Steiner wird aufgefordert:
1) für die Zukunft die Satzungen der Deutschen Sektion pflichtgemäß peinlichst zu erfüllen und gemäß S 9 und S 11 jedem Zweige 14 Tage vor der Generalversammlung die Jahresabrechnung zur Durchsicht und zur Prüfung zuzustellen und
2) für dieses Mal wegen seiner Pflichtverletzung in aller Form protokollarisch um Indemnität zu bitten.
Sollte auch die Generalversammlung wider Erwarten die Verfassung und die Satzung, das heißt Recht und Gerechtigkeit ignorieren und meinen ‚Antrag oder eine sinngemäße Abänderung desselben ablehnen, so werde ich erwägen, ob ich nicht die Aufsichtsbehörde, das heißt das Königliche ‚Amtsgericht in Berlin, anrufe, um der Satzung zu ihrem Rechte zu verhelfen und also sämtliche Beschlüsse der Generalversammlung für ungesetzlich erklären zu lassen.
Die unausbleibliche Folge wäre eine neue Generalversammlung, die alsdann satzungsgemäß nach $ 11 einberufen werden müsste.
Dr. M. Haedicke prakt. Arzt in Leipzig.
Leipzig, den 8. Dezember 191[1]; Burgstraße 2
An den Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft
Herrn Dr. Steiner in Berlin.Sehr geehrter Herr Doktor!
Jedes Mitglied der Theos[ophischen] Gesellschaft hat satzungsgemäß bei der Generalversammlung eine beratende (aber keine beschließende) Stimme. Daher bitte ich Sie in Ihrer Eigenschaft als Generalsekretär und ausübender Beamter des Vorstandes, den beiliegenden Brief an die Generalversammlung bei Punkt 2 der Tagesordnung (Bericht des Generalsekretärs) zur Verlesung zu bringen oder vom Schriftführer vorlesen zu lassen. In Verwaltungssachen hört sogar bei uns Sachsen die Gemütlichkeit und Schlamperei auf. Gleichzeitig möchte ich Sie daran erinnern, dass ich hier in der Versammlung für die Toleranz sprach und unter anderem auch sagte, dass die katholische Kirche gegen Rechtsbrecher tolerant sei und sie nicht ausstoBe. Sie bestritten das. Ich schwieg, weil Sie als Katholik das doch besser wussten oder hätten wissen müssen. Und doch haben Sie sich geirrt. Die katholische Kirche exkommuniziert die Rechtsbrecher, das heißt Mörder und Diebe nicht! Natürlich werden Antimodernisten und andere ft f exkommuniziert, denn Glaubens- und Gewissensfreiheit gibt es ja nicht, sondern nur Gehorsam gegen die Kirche.
Wie fortschrittlich und freiheitsatmend und brüderlich versöhnend nimmt sich dagegen unser § 2 und 3 der Verfassung aus: kein Unterschied des Glaubens und der Rasse, kein «Glauben an, irgendein Dogma».
Sehr geehrter Herr Doktor! Sie haben diese Verfassung mit Ihrer Namensunterschrift unterzeichnet und müssen daher als Mann von Ehre entweder die Verfassung hoch und heilig halten oder diese Verfassung abändern lassen oder aber Ihr Amt niederlegen. Da Sie nun hier öffentlich von «theosophischen Dogmen» geredet haben, so bitte ich Sie zu widerrufen oder eine der drei obigen Konsequenzen zu ziehen. Denn es leuchtet ein ohne Weiteres:
1) dass die theosophische Gesellschaft gar kein Dogma hat und eine solche Behauptung daher ein offenbarer Widerspruch gegen § 3 der Verfassung ist und
2) dass Ihre Behauptung eines ‹theosophischen Dogmas› eine contradictio in adjecto ist wie zum Beispiel ‹dunkle Sonne› oder ‹toleranter Jesuit›.
Bitte erklären Sie also bei Gelegenheit, dass die theosophische Gesellschaft kein Dogma hat und auch logischerweise niemals eins haben kann, ebenso wie Theosophie nicht Geisteswissenschaft ist, sondern nach Blavatsky «die Weisheit derjenigen, die göttlich sind».
Mit theosophischem Gruße!
gez. Dr. M. Haedicke.
Leipzig, December 8, 1911
To the General Assembly of the
Theosophical Society (German Section) Berlin.Section 11 of the Bylaws states: The Section’s fiscal year ends on August 31. An annual financial statement prepared by the Treasurer and audited by the auditors shall be sent to each branch by the Secretary-General 14 days prior to the annual General Assembly.
It is clear that the General Secretary has failed to fulfill this duty for years. I therefore asked him on November 5, at a members’ meeting of the Leipzig branch, to ensure that the annual financial statement would at least be available to the delegates at the General Assembly. He rejected my modest request on trivial grounds. I then submitted a similar motion at the Leipzig members’ meeting on November 27, but it was also rejected. For this reason, I unfortunately feel compelled to approach the General Assembly myself with the request that the following motion be put to a vote under Item 2 of the agenda (Report of the Secretary-General):
Motion: The Secretary-General of the Theosophical Society, Dr. Steiner, is requested:
1) to strictly comply with the bylaws of the German Section in the future and, in accordance with Sections 9 and 11, to send the annual financial statement to each branch 14 days prior to the General Assembly for review and audit; and
2) on this occasion, due to his breach of duty, to formally request indemnity in the minutes.
Should the General Assembly, contrary to expectations, disregard the Constitution and the Bylaws, that is, law and justice, and reject my “motion” or a corresponding amendment thereto, I will consider whether to appeal to the supervisory authority—namely, the Royal “Local Court” in Berlin—to enforce the bylaws and thus have all resolutions of the General Assembly declared unlawful.
The inevitable consequence would be a new General Assembly, which would then have to be convened in accordance with § 11 of the Articles of Association.
Dr. M. Haedicke, practicing physician in Leipzig.
Leipzig, December 8, 191[1]; Burgstraße 2
To the Secretary-General of the Theosophical Society
Dr. Steiner in Berlin.Dear Dr. Steiner!
According to the bylaws, every member of the Theosophical Society has an advisory (but not a decision-making) vote at the General Assembly. Therefore, I ask you, in your capacity as General Secretary and acting officer of the Executive Committee, to have the enclosed letter read aloud to the General Assembly under Item 2 of the agenda (Report of the General Secretary) or to have it read by the Secretary. When it comes to administrative matters, even here in Saxony, the laid-back attitude and sloppiness come to an end. At the same time, I would like to remind you that I spoke here in the assembly in favor of tolerance and, among other things, said that the Catholic Church is tolerant toward lawbreakers and does not excommunicate them. You disputed that. I remained silent because, as a Catholic, you surely knew better—or should have known better. And yet you were mistaken. The Catholic Church does not excommunicate lawbreakers—that is, murderers and thieves! Of course, anti-modernists and others are excommunicated, for there is no such thing as freedom of faith or conscience, but only obedience to the Church.
How progressive, freedom-loving, and fraternally conciliatory, by contrast, do Sections 2 and 3 of our Constitution appear: no distinction based on faith or race, no “belief in any dogma.”
Dear Doctor! You have signed this Constitution with your own hand, and therefore, as a man of honor, you must either hold the Constitution sacred and inviolable, have it amended, or resign from your office. Since you have now spoken publicly here of “theosophical dogmas,” I ask you to retract your statement or to accept one of the three consequences mentioned above. For it is immediately apparent:
1) that the Theosophical Society has no dogma whatsoever, and such a claim is therefore a blatant contradiction of § 3 of the Constitution, and
2) that your claim of a “theosophical dogma” is a contradiction in terms, like, for example, “dark sun” or “tolerant Jesuit.”
Please explain, when the opportunity arises, that the Theosophical Society has no dogma and, logically, can never have one, just as Theosophy is not a Spiritual Science but, according to Blavatsky, “the wisdom of those who are divine.”
With theosophical regards!
Signed, Dr. M. Haedicke.
[ 45 ] Die Verschiebung der Dechargenerteilung wird durch Abstimmung von der Versammlung angenommen.
[ 45 ] The postponement of the discharge of liability is approved by a vote of the assembly.
[ 46 ] Herr Dr. Steiner stellt die Frage, ob zu dem Kassenbericht jemand etwas zu sagen habe.
[ 46 ] Dr. Steiner asks if anyone has any comments on the financial report.
[ 47 ] Herr Pastor Wendt: «Wo kommen die 789 Mark 75 Pfennig Kongressabgaben hin? Und weshalb wurde der Kongress noch in letzter Stunde abgesagt, als die meisten schon nach Italien unterwegs waren?» Herr Dr. Steiner: «Da ich auf diese Weise interpelliert bin, muss ich auf diese Frage antworten. Ich werde es tun, so gut es möglich ist. Ich muss aber da etwas zurückgreifen auf diejenigen Vorgänge, die zu solchen Kongressen geführt haben.
[ 47 ] Pastor Wendt: “Where did the 789 marks and 75 pfennigs in conference fees go? And why was the conference canceled at the last minute, when most people were already on their way to Italy?” Dr. Steiner: “Since I have been asked this question, I must answer it. I will do so to the best of my ability. However, I must first go back a bit to the events that led up to such congresses.
[ 48 ] Im Jahre 1904 ist der Beschluss gefasst worden, diese Kongresse der damals begründeten Föderation der europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft abzuhalten. Dazumal wurde der Beschluss gefasst, jedes Jahr einen solchen Kongress zu halten. Es wurde die Art festgelegt, wie diese Kongresse vorzubereiten sind, und wie die Sektionsleitungen des Landes, in welchem sie abgehalten werden sollten, sich an der Veranstaltung zu beteiligen haben. Es wurde auch festgesetzt, dass ein bestimmter Betrag, ich glaube pro Kopf 50 Pfennig, von jeder Sektion dazu eingesandt werden sollte.
[ 48 ] In 1904, a resolution was passed to hold these congresses of the Federation of European Sections of the Theosophical Society, which had been founded at that time. At that time, it was decided to hold such a congress every year. The procedures for preparing these congresses were established, as well as the manner in which the section leaderships of the country in which they were to be held were to participate in the event. It was also stipulated that a certain amount—I believe 50 pfennigs per person—should be contributed by each section.
[ 49 ] Nun komme ich zu einem mir wichtig erscheinenden Punkte, das ist, dass in Paris - gelegentlich des Kongresses 1906 - nicht nur der Beschluss gefasst worden ist, einen Kongress nur alle zwei Jahre abzuhalten, sondern dass auch gleichzeitig eine andere Sache verhandelt wurde. Es wurde nämlich darüber verhandelt - und ich bitte dies insbesondere zu berücksichtigen -, ob man nicht ein bitteres Gefühl hervorrufen könne durch die Begründung eines europäischen Kongresses bei unserem damals noch lebenden Präsidenten Olcott. Es war allen Beteiligten damals eine Herzensfrage, die auftauchte durch einen Mann, der Olcott besonders nahestand, durch den Kommandanten Courmes, die Frage, ob es Olcott nicht schmerzlich sein könnte, wenn eine besondere Körperschaft der europäischen Sektionen begründet würde, in der Olcott nichts zu sagen habe. Es war einem jeden klar, dass die Föderation in diesem Sinne begründet wurde, dass der Präsident nichts hineinzureden habe. Es war uns außerordentlich schwer, demgegenüber einen solchen Beschluss zu fassen; er musste aber gefasst werden, und er zeigte klar, dass hineinzureden habe nur die Föderation der Sektionen selber und nicht der Präsident der Gesellschaft; und soviel mir bekannt ist, hat Olcott diesen Beschluss niemals schmerzlich empfunden. Dieser Beschluss hat dazu geführt, dass die äußeren Veranstaltungen von der Sektion des betreffenden Landes übernommen wurden, das zu diesem Kongress in dem einzelnen Falle ausersehen war. Nun war für dieses Jahr Genua ausersehen. Mit intensivster Hingabe haben sich unsere Freunde bemüht, diesen Kongress vorzubereiten und abzuhalten. Natürlich waren dazu Gelder notwendig, und da diese Gelder in der Regel acht Tage vor dem Kongress ausgegeben sind, so haben wir kein Recht, über jene Gelder - die pflichtgemäß abgeführt sind - in irgendeinem Sinne hier weiter zu sprechen.
[ 49 ] Now I come to a point that seems important to me, namely that in Paris—on the occasion of the 1906 Congress—not only was the decision made to hold a congress only once every two years, but another matter was also discussed at the same time. Namely, it was discussed—and I ask that you take this into particular consideration—whether the establishment of a European congress might not cause a bitter reaction on the part of our president at the time, Olcott, who was still alive then. It was a matter close to the hearts of all those involved at the time—a question raised by a man particularly close to Olcott, Commander Courmes—namely, whether it might not be painful for Olcott if a separate body of the European sections were established in which Olcott would have no say. It was clear to everyone that the Federation had been established on the principle that the President would have no say in its affairs. It was exceedingly difficult for us to pass such a resolution; yet it had to be passed, and it made it clear that only the Federation of Sections itself—and not the president of the Society—had a say in the matter; and as far as I know, Olcott never took this resolution to heart. This decision meant that the external arrangements were handled by the section of the respective country that had been designated to host that particular Congress. This year, Genoa had been designated. Our friends worked with the utmost dedication to prepare for and hold this Congress. Of course, funds were necessary for this, and since these funds are generally spent eight days before the congress, we have no right to discuss those funds—which were duly remitted—further here in any sense.
[ 50 ] Es traten vorher noch gewisse Schwierigkeiten ein, die Cholera. Ich habe mich nicht auf dasjenige verlassen, was bekannt wurde durch die Zeitungen und so weiter, sondern vor allem vertraut auf die Mitteilungen unseres Freundes, Professor Penzigs, der mir wiederholt versicherte, dass es gar nicht möglich sei in Genua von einer Epidemie zu sprechen. Ich konnte deshalb mit bestem Gewissen in München die Zahl der deutschen Teilnehmer ungefähr feststellen und sie Professor Penzig angeben.
[ 50 ] Certain difficulties had arisen beforehand—namely, the cholera. I did not rely on what was reported in the newspapers and so on, but trusted above all the reports from our friend, Professor Penzig, who repeatedly assured me that it was not at all possible to speak of an epidemic in Genoa. I was therefore able, in good conscience, to estimate the number of German participants in Munich and report it to Professor Penzig.
[ 51 ] Ich war genötigt, nach dem Münchener Zyklus einige Tage zu verreisen und kam in München wieder an am 10. September, um nun meine Vorbereitungen für Genua zu treffen. Da fand ich einen Brief von Professor Penzig, der mir darin seine Freude ausdrückte, so viele unserer Mitglieder in Genua begrüßen zu können und mir ein letztes Mal versicherte, dass weder irgendwelche Krankheitsgefahr, noch QuarantäneSchwierigkeiten sich ergeben könnten. Am Abend des 10. September bekam ich ein Telegramm: Kongress findet nicht statt, bitte Mitglieder zu [benachrichtigen]. - Nun mussten die verschiedenen Adressen gesucht werden, und das war natürlich sehr schwer; wir fanden etwa sieben oder acht nicht, und es tut mir leid, Herr Pastor, dass Sie gerade darunter waren.
[ 51 ] After the Munich series, I was forced to travel for a few days and returned to Munich on September 10 to begin my preparations for Genoa. There I found a letter from Professor Penzig, in which he expressed his delight at being able to welcome so many of our members in Genoa and assured me one last time that neither any risk of illness nor quarantine difficulties would arise. On the evening of September 10, I received a telegram: “Congress will not take place; please [notify] members.”—Now we had to track down the various addresses, which was, of course, very difficult; we were unable to locate about seven or eight of them, and I am sorry, Pastor, that you were among them.
[ 52 ] Es oblag mir aber, damals auch die Gründe zu erfahren, warum der Kongress nicht stattfände. Ich telegrafierte daher - nachdem, ich Sonntag abends den 10. September das Telegramm empfangen hatte - am Morgen des folgenden Tages ungefähr: Da die Absage im höchsten Maße befremden muss, bitte um Angabe der Gründe. - Am Abend erhielt ich die Antwort: Habe auf strikte Ordre der Präsidentin und des Sekretärs des Kongresses gehandelt, bitte sich an diese zu wenden.
[ 52 ] It fell to me, however, to find out at the time why the congress would not take place. Therefore, after receiving the telegram on the evening of Sunday, September 10, I sent a telegram the following morning that read roughly as follows: Since the cancellation must be highly perplexing, please state the reasons. — That evening, I received the reply: I acted on strict orders from the president and the secretary of the convention; please contact them directly.
[ 53 ] Die Sektion als solche ist natürlich berechtigt, den Kongress abzusagen, und wir mussten uns danach richten. Würde ich eine Absage von London oder woanders herbekommen haben, so würde ich trotzdem nach Genua gereist sein, so aber war die Absage rechtskräftig, wenn auch unverständlich. Ich habe aber nicht über Berechtigungen zu sprechen, sondern über Tatsachen. Dies hat sich zugetragen, und Sie werden daraus ersehen, dass wir unmöglich einen Einwand erheben konnten gegen die Einsendung unserer Kongressgelder, die verwendet worden sind, und gegen deren Verwendung wir nicht das Geringste einzuwenden haben können.»
[ 53 ] The section as such is, of course, entitled to cancel the convention, and we had to comply. If I had received a cancellation notice from London or elsewhere, I would have traveled to Genoa anyway; but as it was, the cancellation was legally binding, even if incomprehensible. However, I am not here to discuss rights, but facts. This is what happened, and you will see from this that we could not possibly raise any objection to the remittance of our congress funds, which have been used, and we have not the slightest objection to their use.”
[ 54 ] Bericht der Kassenrevisoren:
[ 54 ] Report of the Auditors:
[ 55 ] Herr Tessmar als Kassenrevisor führte aus, dass die Bücher durch ihn und Fräulein Motzkus ordnungsmäßig geprüft und richtig befunden worden sind, und kommt nochmals zu sprechen auf die von den Zweigen nicht rechtzeitig eingesandten Berichte.
[ 55 ] Mr. Tessmar, as treasurer, stated that he and Miss Motzkus had properly audited the books and found them to be in order, and he again addressed the issue of the reports that the branches had not submitted on time.
[ 56 ] Dritter [Tagesordnungspunkt]: Anträge aus dem Plenum:
[ 56 ] Third [agenda item]: Motions from the floor:
[ 57 ] Herr Dr. Steiner: «Es liegt ein Antrag vor in einer zweifachen Gestalt. Ein Antrag in Sachen Doktor Hugo Vollrath. Die eine Gestalt des Antrages lautet»:
[ 57 ] Dr. Steiner: “There is a motion before us in two parts. A motion concerning Dr. Hugo Vollrath. The first part of the motion reads”:
Antrag:
Die unterzeichneten Mitglieder der «Deutschen Sektion der ‹Theosophischen Gesellschaft› stellen hiermit für die am 10. Dezember dieses Jahres in Berlin stattfindende Generalversammlung folgenden Antrag:
a) Die Generalversammlung wolle beschließen, die Vorgänge, die auf der Generalversammlung vom 26. Oktober 1908 zum Ausschluss des Herrn Dr. Hugo Vollrach in Leipzig führten, erneut zu prüfen und zu diesem Zwecke eine Kommission von sieben Mitgliedern zu wählen.
b) Die gewählte Kommission soll spätestens sechs Wochen nach der diesjährigen Generalversammlung ihre Tätigkeit beginnen und das Resultat ihrer Prüfungen dem Generalsekretär der «Deutschen Sektion» übermitteln.
c) In die gewählte Kommission sind keine Mitglieder aufzunehmen, die, ohne die Sachlage genau zu kennen, seinerzeit für den Ausschluss gestimmt haben.
d) Die gewählte Kommission hat darüber zu entscheiden, ob der am 26. Oktober 1908 gefasste Beschluss aufrechtzuerhalten oder zu annullieren ist.
Weißer Hirsch, den 6. Dezember 1911, gez. H. Ahner Vorsitzender der Loge zum Gral in Dresden. Paul Krojanker, M.d.D.S.
Antrag:
Die unterzeichneten Mitglieder der Deutschen Sektion der ‹Theosophischen Gesellschaft› stellen hiermit für die am 10. Dezember dieses Jahres in Berlin stattfindende Generalversammlung folgenden Antrag: a) Die Generalversammlung wolle beschließen, die Vorgänge, die auf der Generalversammlung vom 26. Oktober 1908 zum Ausschluss des Herrn Dr. Hugo Vollrath in Leipzig aus der «Theosophischen Gesellschaft führten, erneut zu prüfen und zu diesem Zwecke eine Kommission von sieben Mitgliedern zu wählen.
b) Die gewählte Kommission soll spätestens sechs Wochen nach der diesjährigen Generalversammlung ihre Tätigkeit beginnen und das Resultat ihrer Prüfungen dem Generalsekretär der «Deutschen Sektion» übermitteln.
c) Als Mitglieder der Kommission können nur solche gewählt werden, die bei der Ausschlusskonferenz des Vorstandes nicht mitgestimmt haben.
d) Die gewählte Kommission hat darüber zu entscheiden, ob der am 26. Oktober 1908 gefasste Beschluss aufrechterhalten oder zu annullieren ist.
gez. Curt Richard Müller
Motion:
The undersigned members of the “German Section of the ‘Theosophical Society’” hereby submit the following motion for the General Assembly to be held in Berlin on December 10 of this year:
a) The General Assembly is requested to resolve to reexamine the events that led to the expulsion of Dr. Hugo Vollrach at the General Assembly held on October 26, 1908, in Leipzig, and to elect a commission of seven members for this purpose.
b) The elected commission shall begin its work no later than six weeks after this year’s General Assembly and shall submit the results of its investigation to the Secretary-General of the “German Section.”
c) No members who, without knowing the facts of the matter in detail, voted in favor of the expulsion at that time shall be included in the elected commission.
d) The elected commission shall decide whether the resolution passed on October 26, 1908, is to be upheld or annulled.
Weißer Hirsch, December 6, 1911, signed H. Ahner, Chairman of the “Zum Gral” Lodge in Dresden. Paul Krojanker, M.d.D.S.
Motion:
The undersigned members of the German Section of the “Theosophical Society” hereby submit the following motion for the General Assembly to be held in Berlin on December 10 of this year: a) The General Assembly is requested to resolve to reexamine the events that led to the expulsion of Dr. Hugo Vollrath in Leipzig from the “Theosophical Society” at the General Assembly of October 26, 1908, and to elect a commission of seven members for this purpose.
b) The elected commission shall begin its work no later than six weeks after this year’s General Assembly and shall submit the results of its review to the Secretary-General of the “German Section.”
c) Only those who did not vote in favor of the expulsion at the Executive Committee’s meeting may be elected as members of the commission.
d) The elected commission shall decide whether the resolution passed on October 26, 1908, is to be upheld or annulled.
Signed: Curt Richard Müller
[ 58 ] [Rudolf Steiner:] «Zu diesen Anträgen ist es nötig, der Generalversammlung vorzulegen eine Druckschrift, welche in der gleichen Angelegenheit Herr Doktor Hugo Vollrath verfasst hat.
[ 58 ] [Rudolf Steiner:] “With regard to these motions, it is necessary to submit to the General Assembly a pamphlet on the same subject written by Dr. Hugo Vollrath.
[ 59 ] Herr Doktor Vollrath hat vor einiger Zeit an die Mitglieder diese Druckschrift gesandt, in welcher er zuerst abdruckt dasjenige, was ich in der Generalversammlung 1908 im Auftrage des Vorstandes über die in Betracht kommende Angelegenheit zu sagen hatte, gewissermaßen als Sprachrohr des Vorstandes; und dazu fügt Doktor Vollrath noch besondere Ausführungen. Der Vorstand hat nun beschlossen - damit in keiner Weise gesagt werden kann, dass wir den Mitgliedern etwas vorenthalten -, diese Ausführungen Doktor Vollraths verlesen zu lassen.»
[ 59 ] Some time ago, Dr. Vollrath sent this pamphlet to the members, in which he first reproduces what I had to say at the 1908 General Assembly on behalf of the Executive Board regarding the matter at hand—acting, so to speak, as the Executive Board’s spokesperson—and to which Dr. Vollrath adds his own specific comments. The Executive Board has now decided—so that it cannot be said in any way that we are withholding anything from the members—to have Dr. Vollrath’s remarks read aloud.”
[ 60 ] Herr Selling verliest die Ausführungen Doktor Vollraths, welche folgenden Inhalt haben:
[ 60 ] Mr. Selling reads aloud Dr. Vollrath’s remarks, which are as follows:
An den Vorstand und an die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft: Auf der VII. General-Versammlung der Sektion wurde auf Antrag der Leipziger Loge, vertreten durch Frau Wolfram, der Beschluss verkündet, dass der Unterzeichncte aus der Sektion ausgeschlossen sei.
To the Executive Committee and the members of the German Section of the Theosophical Society: At the 7th General Assembly of the Section, at the request of the Leipzig Lodge, represented by Ms. Wolfram, a resolution was announced that the undersigned was to be expelled from the Section.
Damals habe ich diesem Beschluss keinen großen Wert beigemessen, da ich den Zweck dieser Veranstaltung erkannte, und da ich in meiner Arbeit für die Theosophische Gesellschaft nicht direkt gehindert wurde. Gestützt auf das gute Gesetz von Karma, erblickte ich darin eine Prüfung, die mich über die ethische Auffassung der Theosophischen Gesellschaft seitens der Sektion orientierte, und die mich für noch schwerere Aufgaben vorbereiten sollte. Meiner nächsten Umgebung war es ja bekannt, dass ich seit 1902 meine Ehre und meinen Ruf sowie mein Vermögen und meine Arbeit als Opfer in den Dienst der Meister, den Gründern der Theosophischen Gesellschaft gestellt hatte.
At the time, I did not attach much importance to this resolution, since I recognized the purpose of this event and since I was not directly hindered in my work for the Theosophical Society. Relying on the law of karma, I viewed it as a test that would clarify for me the Section’s ethical stance regarding the Theosophical Society and prepare me for even more difficult tasks. Those closest to me knew, after all, that since 1902 I had sacrificed my honor and reputation, as well as my fortune and my work, in the service of the Masters, the founders of the Theosophical Society.
Wie es sich aber herausstellte, war mein Ausschluss die Quelle einer unabsehbaren Flut von Gehäßigkeiten schlimmster Art. Die harmlosen freundschaftlichen Beziehungen, die ich zu vielen Mitgliedern hatte, wurden sofort in verletzender Weise abgebrochen, und man glaubte, jetzt die Pflicht zu haben, sobald mein Name auftauchte, ihn zu beschimpfen. Da nun in letzter Zeit von Frau Wolfram als Grund meines Ausschlusses ganz neue, damals nicht mögliche Gründe angegeben werden, und da die Hetzereien sich vermehren, sogar gegen meine neu eingetretenen Mitarbeiter, die man außerdem systematisch gegen mich bearbeitet, so würde ich sicher jetzt durch Unterlassung ein großes karmisches Verschulden auf meine Arbeit laden, wenn ich noch weiter schweigen würde.
As it turned out, however, my expulsion was the source of an incalculable flood of malice of the worst kind. The harmless, friendly relationships I had with many members were immediately severed in a hurtful manner, and people now felt compelled to insult my name whenever it came up. Since Mrs. Wolfram has recently cited entirely new reasons—reasons that were impossible at the time—as the grounds for my expulsion, and since the smear campaigns are intensifying, even against my newly recruited colleagues, whom they are also systematically turning against me, I would certainly be incurring a great karmic debt upon my work by my inaction if I were to remain silent any longer.
Nach dem Protokolle hat man mich ausgeschlossen, weil die Leipziger Loge sich die Gurgel zugeschnürt fühlte. Aber, nachdem nun die Gurgel wieder freigeworden war, ließ man mich erst recht nicht in Ruhe arbeiten, und hetzte gegen meine Mitarbeiter weiter, schlimmer als vorher.
According to the minutes, I was expelled because the Leipzig Lodge felt its throat was being squeezed. But now that the throat has been freed again, they certainly did not let me work in peace, and continued to incite others against my colleagues, even worse than before.
Ich stellte deshalb den Antrag an den Vorstand der Sektion und an das General-Sekretariat:
I therefore submitted the following motion to the Section’s Executive Committee and to the General Secretariat:
1. den Antrag der Frau Wolfram wegen meines Ausschlusses in würdiger Weise fallen zu lassen,
1. to dismiss Ms. Wolfram’s motion regarding my expulsion in a dignified manner,
2. ein Ehrengericht zu wählen, das über bestehende Missverständnisse und Gerüchte zu entscheiden und aufzuklären hat.
2. to elect a court of honor to rule on and clarify existing misunderstandings and rumors.
Meine Begründung von Punkt 1 ist: Frau Wolfram hat ihren Antrag = entgegen den Bestimmungen der Satzungen der Sektion - erst kurz vor Beginn der VII Generalversammlung eingebracht, anstatt mindestens 14 Tage vorher; die in Berlin anwesenden Delegierten und Vorstandsmitglieder wurden überrascht. Sie hatten keine Zeit, die Anschuldigungen der Frau Wolfram zu prüfen. Gerade bei so schwerwiegenden Entscheidungen, wo an den Grundlagen der Theosophischen Gesellschaft gerüttelt wird, sollten die Mitglieder, mindestens aber die Vorsitzenden befragt werden. Im Vereinsleben ist es ferner unkorrekt, wenn man ein Mitglied angreift, ohne dass man ihm Gelegenheit gibt, sich gegen die geheimen Attacken zu verteidigen. Ich fordere das Recht zu meiner Verteidigung. Unter Verteidigung verstehe ich nicht Rechtfertigung, sondern eine Gelegenheit, Beweismaterial gegen die Angriffe vorlegen zu können, damit vermieden wird, der Mitwelt falsche Darstellungen von Tatsachen zu geben, wodurch die Theosophische Gesellschaft als solche karmisch belastet wird.
My reasoning for point 1 is as follows: Ms. Wolfram submitted her motion—in violation of the Section’s bylaws—only shortly before the start of the 7th General Assembly, rather than at least 14 days in advance; the delegates and Executive Committee members present in Berlin were taken by surprise. They had no time to examine Ms. Wolfram’s allegations. Particularly in the case of such serious decisions, which call into question the very foundations of the Theosophical Society, the members—or at the very least the chairpersons—should have been consulted. Furthermore, in the life of an association, it is improper to attack a member without giving them the opportunity to defend themselves against these secret attacks. I demand the right to my defense. By “defense,” I do not mean justification, but rather an opportunity to present evidence against the attacks, so as to avoid giving the outside world a false representation of the facts, which would place a karmic burden on the Theosophical Society as such.
Meine Begründung von Punkt 2 ist: Das Ehrengericht hat den Ausgleich herzustellen zwischen auftretenden Spannungen innerhalb der Deutschen Sektion. Wird diese naturgemäße Instanz übergangen, so siegt die Brutalität und die Gesetzlosigkeit. Willkür aber ist keine Freiheit! Von den Arrangeuren meines Ausschlusses ist behauptet worden, ich brauche durchaus die Deutsche Sektion, deshalb versuche ich, wieder hineinzukommen.
My reasoning for point 2 is this: The Court of Honor is tasked with resolving tensions that arise within the German Section. If this natural authority is bypassed, brutality and lawlessness will prevail. But arbitrariness is not freedom! Those who orchestrated my expulsion have claimed that I absolutely need the German Section, which is why I am trying to rejoin it.
Wer etwa im Banne dieser Phrase steht, der betrachte meine Arbeit nach der Zeit meines Ausschlusses als Leiter des Direktoriums des Bundes für Gesundes Leben und des Direktoriums der Deutschen Gesellschaft für psychische Forschung, als Herausgeber guter theosophischer Literatur und als Redakteur der «Theosophie» und als Herausgeber vier anderer ethischer Zeitschriften, Unternehmen, die sämtlich im Dienste des erhabenen Kulturgedankens der Theosophischen Gesellschaft stehen. Wenn Frau Annie Besant mich als Sekretär des «Bundes des Sternes im Osten» ernannt hat, so betrachte ich das nicht als mein Verdienst, sondern als ein Vertrauen, das mir von ehrlichen großen Menschen entgegengebracht wird, von Menschen, die, frei von Furcht, den Mut haben, auf Realpolitik zu verzichten und dem Prinzip treu zu bleiben, denn nur auf diese Weise sind sie würdig und geeignet, die große Erlösungsbotschaft der Weißen Loge in ihren Händen zu halten und sie dem Zeitgeiste zu verkündigen.
Anyone under the spell of this phrase should consider my work following my expulsion—as head of the Board of Directors of the Federation for Healthy Living and the Board of Directors of the German Society for Psychical Research, as a publisher of quality theosophical literature, as editor of *Theosophy*, and as publisher of four other ethical journals, all of which are dedicated to serving the sublime cultural ideal of the Theosophical Society. If Mrs. Annie Besant has appointed me as secretary of the “League of the Star in the East,” I do not regard this as my own merit, but rather as a mark of trust placed in me by honest, great people—people who, free from fear, have the courage to renounce realpolitik and remain true to the principle, for only in this way are they worthy and fit to hold the great message of salvation from the White Lodge in their hands and proclaim it to the spirit of the age.
Zu den gröbsten Anschuldigungen und Verleumdungen soll nur ganz kurz heute schon Stellung genommen werden. Ich bitte deshalb, genau das Protokoll durchzulesen, da ich dessen Kenntnis voraussetzen muss. Dr. Steiner und Fräulein von Sivers hatten schlimme Erfahrungen gemacht mit der Sezession der Theosophischen Gesellschaft, der sogenannten Internationalen Theosophfophischen Verbrüderung (L.T.V.) ebenso mit der Theosophischen Gesellschaft von Paul Raatz in Berlin. Ich stand nun zu diesen Vereinen weder geschäftlich noch als Mitarbeiter in irgendwelchen Beziehungen. Dr. Steiner hatte davon genaue Kenntnis. Er wusste, dass ich von Wilhelmstraße 120, Sitz des Vereines von Paul Raatz, übergesiedelt war nach Motzstraße 17, weil ich mit den Grundsätzen der Gesellschaft, die eine Oppositionsstellung einnimmt, nicht einverstanden war. Das geschah, noch ehe ich sein Schüler wurde. Ich war wöchentlich oft drei bis vier Mal mit Dr. Steiner zusammen. Sobald mich Dr. Steiner irgendwo sah, erkundigte er sich nach meinem Verhältnis mit seinen Antipoden in Leipzig, den Vertretern der I.T.V. Als ich ihm auf Drängen, gegen diese Leute vorzugehen, sagte, dass ich mich durch gewisse freundschaftliche Beziehungen verpflichtet fühle, die Leute ruhig arbeiten zu lassen, und dass ich in solchen wichtigen Fragen den Lauf der Dinge dem Gesetz von Karma überließe, da antwortete Dr. Steiner darauf: «Ich solle bedenken, dass es sich hier doch um Geld, um bares Geld handele. Karma seien wir, es könne nicht wirken, wenn wir nicht wollten. Es ginge doch nicht, dass ich mich zwischen zwei Stühle setze.» Ich sagte ihm, dass ich auf eigenen Füßen stehe, und dass es mir daran liege, mich nicht irgendwo hinzusetzen, sondern für unsere Sache zu arbeiten. Ich ließ mich aber durch die Einwendungen Dr. Steiners beeinflussen, da ich glaubte, dass ohne ihn das Arbeiten für die Theosophische Gesellschaft mir sehr erschwert würde. Er wusste ferner, dass ich erst auf seine und Frau Wolframs Veranlassung, die beiden waren genau orientiert, mein Kapital von der Theosophischen Zentralbuchhandlung der I.T.V. in Leipzig zurückforderte, durch das damals diese Buchhandlung erhalten wurde, und wodurch ein indirekter Zusammenbruch herbeigeführt wurde, der auch bald eintrat. Erst dadurch waren die Prozesse möglich, die man mir kurz darauf zum Vorwurf machte. In diesen Prozessen ist mein Gegner stets verurteilt worden. Mein Gegner wurde fünf Mal zu Gefängnisstrafen verurteilt. Ich erhielt nie eine Strafe. Dr. Steiner verfasste mit eigener Hand einen Teil meiner ersten gerichtlichen Eingabe; erst dann, als seine Gegner ihm den Vorwurf machten, er, Dr. Steiner, wolle sich durch mich in Besitz jener Buchhandlung bringen, da zog er sich von mir zurück, und er verstand mich plötzlich nicht mehr, wie er sagte.
I shall comment only very briefly today on the most serious accusations and slanders. I therefore ask that you read the minutes carefully, as I must assume you are familiar with them. Dr. Steiner and Miss von Sivers had had bad experiences with the secession from the Theosophical Society, the so-called International Theosophical Brotherhood (L.T.V.), as well as with Paul Raatz’s Theosophical Society in Berlin. I, however, had no connection whatsoever with these organizations, neither in a business capacity nor as a member. Dr. Steiner was fully aware of this. He knew that I had moved from Wilhelmstraße 120—the headquarters of Paul Raatz’s organization—to Motzstraße 17 because I did not agree with the principles of the society, which takes an oppositional stance. This happened even before I became his student. I often met with Dr. Steiner three or four times a week. Whenever Dr. Steiner saw me anywhere, he would inquire about my relationship with his opponents in Leipzig, the representatives of the I.T.V. When, in response to his urging that I take action against these people, I told him that I felt obligated by certain friendly ties to let them work in peace, and that in such important matters I would leave the course of events to the law of karma, Dr. Steiner replied: “You should bear in mind that this is, after all, a matter of money—hard cash. We are karma; it cannot take effect if we do not want it to. It simply would not do for me to sit on the fence.” I told him that I stood on my own two feet and that my aim was not to sit idly by but to work for our cause. However, I allowed myself to be swayed by Dr. Steiner’s objections, since I believed that without him, working for the Theosophical Society would be made very difficult for me. He also knew that it was only at his and Mrs. Wolfram’s urging—both of whom were well-informed—that I reclaimed my capital from the Theosophical Central Bookstore of the I.T.V. in Leipzig, which had been used to sustain that bookstore at the time and which brought about an indirect collapse that soon followed. It was only because of this that the lawsuits were possible, for which I was blamed shortly thereafter. In these lawsuits, my opponent was consistently found guilty. My opponent was sentenced to prison five times. I never received a sentence. Dr. Steiner wrote part of my first court submission in his own hand; only when his opponents accused him—Dr. Steiner—of wanting to take possession of that bookstore through me did he distance himself from me, and he suddenly no longer understood me, as he said.
Frau Wolfram hat sich immer über mein damaliges scheinbar passives Verhalten den Arbeiten der Theosophischen Gesellschaft gegenüber aufgeregt und mir gelegentlich Ämter und Posten angeboten. $o wollte sie mich zum Vorsitzenden der Leipziger Loge machen, als Herr Bresch ausschied, und ehe Herr Jahn dann das Amt übernahm. Da ich damals am selben Abend mit Dr. Steiner nach Berlin zurückfuhr, so musste ich die Verhandlung wegen des Amtes des Vorsitzenden aufgeben. Dr. Steiner habe ich mich niemals aufgedrängt zur Mitarbeit. Ich habe ihm gegenüber beständig betont, dass ich für die Theosophische Gesellschaft lebe und sterbe, dass die Interessen der Theosophischen Gesellschaft die meinigen seien, und dass, wenn der Meister mich irgendwo einrangieren kann, er schon Mittel und Wege finden werde. Mein einziger Vortragsabend in der Motzstraße 17 geschah auf Antrag des Fräulein Sivers, die mich öffentlich in einem früheren Vortragsabende dazu aufforderte.
Mrs. Wolfram was always upset about my seemingly passive attitude at the time toward the work of the Theosophical Society and occasionally offered me offices and positions. $o she wanted to make me chairman of the Leipzig Lodge when Mr. Bresch stepped down, and before Mr. Jahn then took over the office. Since I was traveling back to Berlin with Dr. Steiner that same evening, I had to give up the negotiation regarding the office of chairman. Dr. Steiner never pressured me to collaborate with him. I consistently emphasized to him that I live and die for the Theosophical Society, that the interests of the Theosophical Society are my own, and that if the Master can find a place for me somewhere, he will certainly find a way. My only lecture evening at Motzstraße 17 took place at the request of Miss Sivers, who had publicly asked me to do so during an earlier lecture evening.
Der Gedanke, ein buchhändlerisches Unternehmen ins Leben zu rufen, reifte im Verkehr mit Dr. Steiner. Dieser klagte darüber, dass Fräulein von Sivers sich aufreibe mit einer Arbeit, die ihr nichts einbringt. Sie habe sehr viele Bücherbestellungen zu erledigen, während der Verleger M. Altmann in Leipzig ihr nur wenig Rabatt gewähre, und diesen müsse sie zusetzen durch Porto, Verpackung und Arbeit. Ähnliches wurde mir auch von Fräulein von Slivers selbst gesagt. Da ich nun in der Lage war, gerade hier einzugreifen, und ich mich keiner praktischen Arbeit schäme, selbst solcher nicht, die einem den Vorwurf einbringen könnte, dass sie um des Gewinnes willen getan wird, so hielt ich es selbstverständlich für einen Akt der Menschenfreundlichkeit, Abhilfe zu schaffen, und Dr. Steiner versprach mir daraufhin, in Verlag zu geben sein Manuskript «Die Geheimwissenschaft» und Fräulein von Sivers ihre Übersetzungen. In Aussicht hatten wir damals genommen «La pretresse d’Isis» von Schur&. Mit großen Opfern rief ich sofort das bestehende buchhändlerische Unternehmen, das Theosophische Verlagshaus, ins Leben. Angeblich wegen des «unglaublichen Rot» eines Prospektes schrieb Fräulein] von Sivers mir einen groben Brief, ich habe ihn noch in den Händen, und beide, Dr. Steiner] und sie brachen ohne jede Aussprache alle Beziehungen zu mir, trotzdem ich persönlich die ganze Auflage des Prospekte in die Motzstraße 17 brachte zur Vernichtung und trotzdem ich versicherte, meinen Geschäftsführer A. Strauch sofort zu entlassen, wenn er wieder ohne meine genaue Vorschrift einen Prospekt aufsetzen würde.
The idea of launching a book publishing venture took shape through my interactions with Dr. Steiner. He complained that Miss von Sivers was wearing herself out with work that brought her no income. She had a great many book orders to process, while the publisher M. Altmann in Leipzig granted her only a small discount, and she had to supplement this with postage, packaging, and labor costs. Miss von Sivers herself told me something similar. Since I was now in a position to intervene in this very matter, and since I am not ashamed of practical work—not even of the kind that might invite the accusation of being done for profit—I naturally considered it an act of philanthropy to remedy the situation. Dr. Steiner then promised me that he would have his manuscript *The Secret Science* and Miss von Sivers her translations. At that time, we had set our sights on *La prêtresse d’Isis* by Schur&. At great personal sacrifice, I immediately launched the existing publishing venture, the Theosophical Publishing House. Allegedly because of the “unbelievable red” of a brochure, Miss von Sivers wrote me a rude letter; I still have it in my possession, and both Dr. Steiner] and she severed all ties with me without any discussion, even though I personally brought the entire print run of the brochure to Motzstraße 17 for destruction and even though I assured them I would immediately dismiss my managing director, A. Strauch, if he were to produce another brochure without my specific instructions.
Ich war Dr. Steiners Schüler und lernte die Übungen seines Systems gründlich kennen, sowohl solche, die ich persönlich erhielt, als auch die, die er an andere verteilte, und ich war erstaunt über die Handhabung dieser heiligen Dinge, am meisten aber über Steiners Inkonsequenz. Er erklärte mir eines Tages wörtlich, dass das Tischtuch zwischen uns vollständig zerschnitten sei, während er einem anderen Schüler, einer jungen Dame sagte, die aus seinem Kreise austreten wollte, er könne die Verbindung selbst nicht lösen.
I was Dr. Steiner’s student and became thoroughly familiar with the exercises of his system—both those I received personally and those he distributed to others—and I was astonished by the way these sacred things were handled, but most of all by Steiner’s inconsistency. One day he told me, word for word, that the bond between us had been completely severed, while he told another student—a young lady who wanted to leave his circle—that he himself could not sever the connection.
Da ich glaubte, das Vertrauen von Dr. Steiner und Fräulein] von Sivers zu haben, und da beide damals durchaus souverän in der Sektion waren, so schuf ich eine literarische Abteilung, die dazu dienen sollte, gute Übersetzungen ausländischer Mitarbeiter zu liefern. Wer seine Beiträge kostenlos lieferte, sollte als Ehrenmitglied geführt werden. Zwei Mitglieder in Holland und Russland, die persönlich mit Dr. Steiner bekannt waren, wurden als Ehrenmitglieder geführt. Wenn diese Abteilung sich als praktisch erwies, so sollte sie lebensfähig werden, und bei der nächsten Generalversammlung hoffte ich, diese Abteilung offiziell der Sektion als wertvolle Arbeitsgruppe übergeben zu können. Inzwischen aber fand mein Ausschluss statt, und diese Arbeit wurde vereitelt, da man nicht darnach fragte, was wurde geleistet, sondern was hast du eigentlich für Motive bei der Sache. Wenn man aber nach Motiven sucht, ist man leicht der Täuschung ausgesetzt, seine eigenen Gedanken zu sehen.
Since I believed I had the trust of Dr. Steiner and Miss von Sivers, and since both were quite influential in the section at that time, I established a literary department intended to provide good translations of works by foreign contributors. Anyone who submitted their contributions free of charge was to be listed as an honorary member. Two members in the Netherlands and Russia, who were personally acquainted with Dr. Steiner, were listed as honorary members. If this department proved practical, it was to become self-sustaining, and at the next general assembly, I hoped to be able to officially hand over this department to the Section as a valuable working group. In the meantime, however, I was expelled, and this work was thwarted, since the question was not what had been accomplished, but rather what your actual motives were in the matter. But when one searches for motives, one is easily deceived into seeing one’s own thoughts.
Die Theosophische Gesellschaft ist nicht verantwortlich für das Privatleben und die Meinungen ihrer Mitglieder. Das sollte doch Dr. Steiner wissen. Die, die sich ein objektives Urteil über die Polemik Dr. Steiners den offenen Brief betreffend, bilden wollen, können beliebige Exemplare von mir gratis erhalten. Dr. St[einer] hat den Brief nicht einmal ordentlich durchgelesen, und dann versucht er, einiges Gelesene zu verallgemeinern. Diese mangelhafte Objektivität würde einem heutigen Gelehrten schon den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit einbringen. Der Okkultist aber hat die Pflicht, eine noch viel größere Objektivität zu zeigen als der heutige Akademiker. Was ich in dem offenen Brief sagte, stützt sich in einigen Punkten auf die Geheimlehre, und jeder kann das annehmen, was seiner Vernunft und seinem Gewissen entspricht. Gelehrte Streitereien und blinder Glaube haben bekanntlich in der Theosophischen Gesellschaft keinen Platz. Was ich über die Nervosität gewisser Kreise gesagt habe, ist meine persönliche Erfahrung, die ich mir selbst von Dr. Steiner nicht uminterpretieren noch verallgemeinern lasse. Die Volksweisheit sagt sehr richtig: «Getroffene Hunde bellen.» Da ich mich nicht in ein bestimmtes System festgelegt habe, sondern die Offenbarung der Wahrheit in allen Systemen sehe, so habe ich ein viel freieres Urteil über die gesamte theosophische Bewegung in Deutschland als Dr. Steiner. Dr. Steiner hat durch sein vieles Reden zur Begründung meines Ausschlusses selbst dem ganz unbereiligten Beobachter ein wirklich recht plastisches Bild von Unruhe und Überreiztheit gegeben. Eine Sektion, die ihre Ruhe und Stabilität im göttlichen Gesetz und im Geiste findet, braucht sich wohl kaum von einem einzigen Mitgliede, das noch nicht einmal ein Amt, weder im Vorstand noch in irgendeiner Loge bekleidete, in Aufregung versetzen zu lassen. Man lese nur ein wenig zwischen den Zeilen des Protokolls. Der zielbewusste Arbeiter lässt sich nicht von anderen aus der Ruhe bringen. Wenn ich in einem offenen Briefe meine Motive klarlegte wegen Annahme eines Verlagszeichens, eines verhältnismäßig unwichtigen Dinges, man hatte mir allerlei üble Motive untergeschoben, so ist das scharfe Verurteilen von Dr. Steiner, als eines okkulten Lehrers, nicht am Platze. Seine Worte: «Unsinn, grandioser Dilettantismus, deinen Sudel sauf selber, ausgewalztes Blech» sind kein Beweis von Verständnis und Toleranz gegenüber den Meinungen strebender Mitglieder. Wer Seelensorger sein will, und eine solche Instanz für sich beansprucht, muss Milde zeigen. Toleranz ist aber die Grundlage jeder gemeinsamen Arbeit, was würde dabei herauskommen, wenn man über Dr. St[einer] zu Gericht sitzen würde und seine Ehescheidungsangelegenheiten zum Gegenstande einer Generalversammlung machte? Es soll hier Dr. Steiner keineswegs zu nahegetreten werden, denn seine Kritik in diesem Falle hat er ja bereits dramaisiert in seinem «Rosenkreuzer-Mysterium», worin er auf Seite 38 die abgeschiedene Frau des Johannes die Situation klar zeichnen lässt. Ich bin in der Deutschen Sektion der Ehre keines Mitgliedes zu nahegetreten, wer etwa das Gegenteil behauptet, der trete vor. Eingriffe in das Seelenleben anderer habe ich mir nicht gestattet. Als ich vor einigen Wochen Dr. Franz Hartmann sprach, klagte er darüber, dass man ihn sehr oft mit Zuschriften belästige, in denen die heftigsten Anklagen geführt werden gegen die okkulten Schulungen Dr. Steiners, die eine Reihe von Personen bereits in das Irrenhaus und auf das Totenbett gebracht haben. Dr. Hartmann nannte mir verschiedene Namen. Auch mir sind Adressen zugesandt worden von solchen, die die Gesundheit des Körpers und der Seele verloren durch Steiner’sche Schulung.
The Theosophical Society is not responsible for the private lives and opinions of its members. Dr. Steiner should surely know that. Those who wish to form an objective judgment regarding Dr. Steiner’s polemic concerning the open letter may obtain as many copies as they wish from me free of charge. Dr. St[einer] did not even read the letter properly, and yet he attempts to generalize from what he did read. Such a lack of objectivity would already earn a modern scholar the accusation of unscientific behavior. The occultist, however, has a duty to demonstrate even greater objectivity than today’s academic. What I said in the open letter is based in some respects on the Esoteric Doctrine, and everyone is free to accept whatever accords with their reason and conscience. As is well known, scholarly disputes and blind faith have no place in the Theosophical Society. What I said about the nervousness of certain circles is my personal experience, which I will not allow Dr. Steiner to reinterpret or generalize on my behalf. As the proverb so rightly says: “Bitten dogs bark.” Since I have not committed myself to any particular system, but rather see the revelation of truth in all systems, I have a much freer judgment regarding the entire Theosophical movement in Germany than Dr. Steiner does. Through his extensive remarks justifying my expulsion, Dr. Steiner has, even to the most impartial observer, presented a truly vivid picture of restlessness and irritability. A section that finds its peace and stability in divine law and in the Spirit hardly needs to be thrown into a state of agitation by a single member who did not even hold an office, neither on the executive board nor in any lodge. One need only read a little between the lines of the minutes. The determined worker does not allow others to unsettle him. When I explained my motives in an open letter regarding the adoption of a publisher’s logo—a relatively insignificant matter—and all sorts of malicious motives were attributed to me, the harsh condemnation of Dr. Steiner as an occult teacher is out of place. His words: “Nonsense, grandiose dilettantism, drink your own drivel, hammered sheet metal”—these are no evidence of understanding or tolerance toward the opinions of aspiring members. Anyone who wishes to be a spiritual guide—and claims such a role for themselves—must show leniency. Tolerance, however, is the foundation of all collaborative work; what would be the result if we were to pass judgment on Dr. St[einer] and make his divorce proceedings the subject of a general assembly? This is by no means intended to offend Dr. Steiner, for he has already dramatized his criticism in this case in his *Rosicrucian Mystery*, in which, on page 38, he has Johannes’s estranged wife clearly depict the situation. I have not offended the honor of any member of the German Section; let anyone who claims the contrary come forward. I have not allowed myself to interfere in the inner lives of others. When I spoke with Dr. Franz Hartmann a few weeks ago, he complained that he was very often harassed by letters containing the most vehement accusations against Dr. Steiner’s occult training, which have already driven a number of people into the insane asylum and onto their deathbeds. Dr. Hartmann gave me various names. I, too, have received addresses of those who have lost their physical and mental health due to Steiner’s teachings.
Gewisse Manipulationen von Steiners Geschäftsführung stehen direkt im Gegensatz zum Handelsgesetz. Hat darüber etwa die Majorität der Sektion zu beschließen, ob das gut ist oder nicht? So lange solche und ähnliche Dinge, die tief eingreifender Art sind, noch die öffentliche Meinung in Deutschland beschäftigen, hat Dr. Steiner da das Recht, Mitglieder zu diskreditieren und sie ohne jede Verteidigung dem Spott seiner Sektion preiszugeben?
Certain manipulations by Steiner’s administration are in direct violation of commercial law. Is it up to the majority of the Section to decide whether this is right or wrong? As long as such matters—and similar ones of a deeply far-reaching nature—continue to occupy public opinion in Germany, does Dr. Steiner have the right to discredit members and expose them to the ridicule of his Section without any opportunity to defend themselves?
Der Okkultismus ist die praktische Wissenschaft der Liebe und Weisheit, warum hat nun Dr. St{einer] allein das Recht zur Polemik und zur Verurteilung? Davon hat er reichlich Gebrauch gemacht zu der Zeit der Hetze gegen seinen Mitarbeiter in der Theosophischen Gesellschaft, C. W. Leadbeater, in den Privatsitzungen der deutschen Mitglieder bei Fräulein von Sivers während des Pariser Kongresses 1905. Ich war überrascht über die vernichtende Polemik Steiners; und trotzdem ich damals ihn äußerst schätzte, konnte ich es doch nicht unterlassen, ganz sachlich auf die Verfassung der Theosophischen Gesellfschaft hinzuweisen, ich wurde aber scharf von Fräulein von Sivers und Dr. Steiner zurückgewiesen. Nach dem Schlusse der Sitzung versicherten mir beide, dass sie nichts gegen meine Person hätten.
Occultism is the practical science of love and wisdom; why, then, does Dr. Steiner alone have the right to engage in polemics and condemnation? He made ample use of this right during the smear campaign against his colleague in the Theosophical Society, C. W. Leadbeater, in the private meetings of the German members at Miss von Sivers’s residence during the 1905 Paris Congress. I was surprised by Steiner’s scathing polemic; and although I held him in the highest regard at the time, I could not refrain from pointing out, in a completely objective manner, the constitution of the Theosophical Society—but I was sharply rebuffed by Miss von Sivers and Dr. Steiner. After the meeting concluded, both assured me that they had nothing against me personally.
Es ist unwahr, wenn ich in den Ausdrücken des Dr. Steiner reden soll, dass ich meine Sachen als ‹Adyar-Dinge› in die Welt hinausschicke. Ich habe stets das Prinzip der Theosophischen Gesellschaft vertreten, nach dem jedes Mitglied für das, was es schreibt, selbst verantwortlich ist und nicht die Gesellschaft oder deren offizielle Vertreter. Der Erfolg meiner Arbeit bis heutigen Tages bestätigt mir die Richtigkeit dieses Prinzipes.
It is untrue—to use Dr. Steiner’s own words—that I send my writings out into the world as “Adyar matters.” I have always upheld the principle of the Theosophical Society, according to which each member is personally responsible for what they write, and not the Society or its official representatives. The success of my work to date confirms to me the validity of this principle.
Es ist unwahr, wenn Dr. Steiner behauptet, mein Ausschluss sei durch Majoritätsbeschluss geschehen. Dr. Steiner hat sich bei der Abstimmung im Vorstande der Stimme enthalten. Der Vertreter der Dresdner Loge war dagegen. Von einem Majoritätsbeschlusse könnte man aber erst dann reden, wenn der Antrag von Frau Wolfram ordnungsgemäß den Vorsitzenden der Logen mindestens 14 Tage vor der Generalversammlung zugestellt worden wäre, damit die Mitglieder von seinem Inhalte in Kenntnis gesetzt werden konnten. Jetzt lässt sich natürlich das schwer nachholen, weil die Mitglieder bereits gegen mich beeinflusst worden sind. Die Sektion hat mit dieser Ausschluss-Manipulation gezeigt, dass ihre Vereinsmoral noch unter der sozialdemokratischen Vereinsmoral steht. Schließt diese Partei eins ihrer Mitglieder aus, so werden die Gründe des Ausschlusses offiziell bekanntgegeben, damit der Betreffende sich verteidigen kann. Es ist üblich in den Generalversammlungen, die Protokolle beweisen es, dass wegen Kleinigkeiten stundenlang verhandelt werden kann, in einer Ausschlussangelegenheit aber, die nicht zu den Kleinigkeiten gehört, fürchtet man die öffentliche Meinung.
It is untrue when Dr. Steiner claims that my expulsion was the result of a majority vote. Dr. Steiner abstained from voting during the Executive Board meeting. The representative of the Dresden Lodge, on the other hand, voted against it. However, one could only speak of a majority decision if Ms. Wolfram’s motion had been duly submitted to the lodge chairpersons at least 14 days before the general assembly, so that the members could be informed of its contents. Of course, it is now difficult to rectify this, because the members have already been swayed against me. With this manipulation of the expulsion, the section has shown that its organizational ethics fall even below those of the Social Democratic Party. When this party expels one of its members, the grounds for expulsion are officially announced so that the person concerned can defend themselves. It is customary at General Assemblies—as the minutes prove—to debate trivial matters for hours on end; yet in a matter of expulsion, which is by no means trivial, they fear public opinion.
Es ist überhaupt unverständlich, wie ein Okkultist glauben kann, dass durch Majoritätsbeschluss ein Fortschritt des Geistes erreicht werden kann. Wer das glaubt, ist nicht nur ungebildet, sondern auch abergläubisch. Der Glaube an die Majorität ist ein Wahn.
It is utterly incomprehensible how an occultist can believe that spiritual progress can be achieved through a majority decision. Anyone who believes this is not only uneducated but also superstitious. Belief in the majority is a delusion.
Mit Frau Wolfram habe ich allerdings große Geduld gehabt. Solange ich ihren Vorlesungen über Friedrich Nietzsche Gehör schenkte - sie gab mir dieses Privatissimum zweimal -, war ich ihr guter Freund. Ich musste ihr verschiedene Male entgegentreten, ich tat es in rücksichtsvoller Weise, als sie Vertreter der theosophischen Weltanschauung in ihren Logenvorträgen angriff. Sie beschäftigte sich beständig mit irgendeiner Person. Von ihr wurden gewisse Postulate aufgestellt, nach denen sie den Wert der Mitglieder beurteilte. Als ich zum Beispiel nicht blindlings zugeben wollte, dass Dr. St{einer] der größte Initiierte Europas sei, und dass bei der nächsten Präsidentenwahl Dr. Steiner] unbedingt an die Stelle von Frau Besant rücken müsse, denn Dr. St[einer] sei ein viel besserer Redner, wie sie auf dem Münchner Kongresse verschiedene, sogar ältere Mitglieder überzeugen wollte, und als ich sie nicht bei jeder Gelegenheit um Rat fragte, bei Gründung des Theosophischen Verlagshauses, da ergoss sich der Hass dieser Frau auf mein Haupt, ein Hass, dessen Energie umso bewunderungswürdiger ist, weil darin eine große negative Kraft zutage trat, die schließlich auch indirekt dem Werke des Meisters dienen muss. Um allen Verleumdungen aus dem Wege zu gehen, beschloss ich nun, selbst eine Loge in Leipzig zu gründen, wie es zum Beispiel in München, Stuttgart und in anderen Städten geschehen ist; das aber steigerte erst recht den Hass Frau Wolframs. Als 1908 Dr. Steiner einen Vortragszyklus in Leipzig hielt, verbot sie meinen Mitarbeitern und mir den Zutritt, trotzdem die Vorträge öffentlich waren. Dr. St[einer] hob später das Verbot auf. Ihren Mitgliedern teilte sie mit, dafür zu sorgen, dass Dr. Vollrach nicht nur aus der Deutschen Sektion, sondern aus der Theosophischen Gesellschaft überhaupt entfernt würde. Die Heiligkeit des inneren Kreises (E.S.) benutzte sie, um unter dem Deckmantel des Schweigens einen meiner Mitarbeiter zu veranlassen, mich kurz nach Gründung des Theosophischen Verlagshauses sofort im Stich zu lassen, damit das Unternehmen den Bankrott anzumelden gezwungen sei. Dr. Vollrath, so behauptete sie, sei irrsinnig, und jetzt wäre es seinem Vater noch möglich, ihn in eine anständige Irrenanstalt unterzubringen. (Die Zeugen sind noch am Leben.) Sie berief sich bei dieser Scheußlichkeit auf das Zeugnis ihres Lehrers, Dr. Steiner. Meinem Mitarbeiter versprach sie eine Stelle in Dr. Steiners Generalsekretariat zu verschaffen. Ein anderer Mitarbeiter litt nach ihrer Meinung an gefährlichem Größenwahn. Dieser arme Mensch konnte sich in seiner körperlichen Organisation nicht so gegen die okkulten Attacken dieser Frau schützen wie ich, und seine zarte sensitive Konstitution litt monatelang unter den furchtbarsten seelischen Depressionen. Diese Erlebnisse waren für mich ein furchtbares Kapitel in der Geschichte der Theosophischen Gesellschaft. Die Stänkereien der Frau Wolfram haben sich im Laufe der letzten drei Jahre in der ganzen Sektion verbreitet. Als man mich auf dem Budapester Kongress erblickte, begann eine wirkliche Hetze. Erst als ich dem Generalsekretär der ungarischen Sektion erklärte, die Intervention unserer verehrten Frau Präsidentin anzurufen, wurde mir gnädigst erlaubt, an dem Kongress teilzunehmen, trotzdem ich bereits seit Monaten die Zulassungskarte in den Händen hatte.
I was, however, very patient with Ms. Wolfram. As long as I listened to her lectures on Friedrich Nietzsche—she gave me this private instruction twice—I was her good friend. I had to confront her on several occasions—and I did so in a considerate manner—when she attacked representatives of the theosophical worldview in her lodge lectures. She was constantly preoccupied with one person or another. She established certain criteria by which she judged the worth of the members. For example, when I refused to blindly concede that Dr. [Steiner] was the greatest initiate in Europe, and that in the next presidential election Dr. [Steiner] absolutely had to succeed Mrs. Besant—since Dr. [Steiner] was a much better speaker, as she had tried to convince various, even older members at the Munich Congress— and when I did not ask her for advice at every opportunity—such as during the founding of the Theosophical Publishing House—this woman’s hatred poured down upon me, a hatred whose intensity is all the more admirable because it revealed a great negative force that, in the end, must also indirectly serve the Master’s work. To avoid all slander, I now decided to found a lodge in Leipzig myself, as had been done, for example, in Munich, Stuttgart, and other cities; but this only intensified Mrs. Wolfram’s hatred. When Dr. Steiner gave a series of lectures in Leipzig in 1908, she barred my colleagues and me from attending, even though the lectures were open to the public. Dr. St[einer] later lifted the ban. She instructed her members to ensure that Dr. Vollrath be removed not only from the German Section but from the Theosophical Society altogether. She exploited the sanctity of the inner circle (E.S.) to induce, under the guise of silence, one of my colleagues to abandon me immediately after the founding of the Theosophical Publishing House, so that the company would be forced to file for bankruptcy. Dr. Vollrath, she claimed, was insane, and now it would still be possible for his father to have him committed to a decent mental institution. (The witnesses are still alive.) In committing this atrocity, she cited the testimony of her teacher, Dr. Steiner. She promised to secure a position for my colleague in Dr. Steiner’s General Secretariat. Another colleague, in her opinion, suffered from dangerous delusions of grandeur. This poor man was not physically able to protect himself against this woman’s occult attacks as well as I could, and his delicate, sensitive constitution suffered for months from the most terrible mental depression. These experiences were a terrible chapter for me in the history of the Theosophical Society. Mrs. Wolfram’s scheming has spread throughout the entire section over the past three years. When I was spotted at the Budapest Congress, a veritable smear campaign began. Only when I explained to the Secretary-General of the Hungarian Section that I would invoke the intervention of our esteemed President was I graciously permitted to participate in the Congress, even though I had already held the admission card in my hands for months.
Frau Wolfram sagt in dem Protokoll, dass meinerseits geweint und geschrien worden wäre. Zum Schreien war es allerdings. Geweint habe ich einmal, dessen schäme ich mich auch heute nicht, die übrigen damals Anwesenden sind heute noch auf dem physischen Plane. Es war ein Moment, in dem mir die Hoheit der Menschheit und die Würde der Weiblichkeit in einem ihrer Vertreter zu schwinden schien. Die unmittelbare Nähe ungeahnter Bosheit löste in mir einen Schmerz aus, den ich damals nicht verbergen konnte, obwohl ich Tränen fast nicht kannte! Heute, nach vier ‚Jahren, trotz vieler Arbeit, steht dieses seelische Ergebnis noch plastisch mir vor Augen.
In the transcript, Ms. Wolfram states that I was crying and screaming. It certainly was a situation that made one want to scream. I did cry once—and I am not ashamed of that even today—and the others who were present at the time are still alive today. It was a moment when the majesty of humanity and the dignity of womanhood seemed to me to be fading away in one of their representatives. The immediate proximity of unimagined malice triggered a pain within me that I could not hide at the time, even though I was hardly ever one to shed tears! Today, four years later, despite much work, this emotional impact still stands vividly before my eyes.
Mir war die Quelle bekannt, woher Frau Wolfram das Geld für die Ausbildung ihrer beiden Kinder nahm, sie hatte damals zwei. Das war ihr sehr peinlich, und sie fürchtete sich vor meiner Mitwisserschaft, das erklärt teilweise die kühne Anstrengung, mich unschädlich zu machen.
I knew where Mrs. Wolfram got the money to pay for her two children’s education—she had two at the time. She was very embarrassed about it, and she feared that I was in on the secret; that partly explains her bold attempt to neutralize me.
Der feine seelische Takt des Okkultisten, der tiefer in das Seelenleben der anderen hineinschaut, erlaubt es nicht, dass er restlos das Seelenleben seiner Gegner vor der Öffentlichkeit enthüllt, denn dadurch lenkt er die Aufmerksamkeit der anderen zu sehr auf das Unwesentliche, die Person, auf Kosten des Wesentlichen, der Prinzipien und der Aufgaben der Theosophischen Gesellschaft, denen aber in erster Linie die Aufmerksamkeit und das konzentrierte Interesse gilt. Ich habe deshalb nur andeutungsweise versucht, einige Erklärungen zu geben, die die absichtlich verschleierten Umstände meines Ausschlusses bis zu einem gewissen Grade aufhellen können. Ich kann heute aber noch nicht voraussehen, welche Konsequenzen eintreten werden, da das von der Antwort abhängt, die mir von der Deutschen Sektion gegeben wird.
The occultist’s keen spiritual sensitivity, which allows him to look more deeply into the inner lives of others, does not permit him to completely reveal the inner lives of his opponents to the public, for in doing so he would draw others’ attention too much to the unessential—the person—at the expense of the essential: the principles and tasks of the Theosophical Society, to which attention and focused interest are primarily directed. I have therefore attempted only to offer some hints that might shed light, to a certain extent, on the circumstances of my expulsion, which were deliberately obscured. However, I cannot yet foresee what consequences will ensue, as this depends on the response I receive from the German Section.
Es liegt in meiner Natur als Repräsentant der arischen Rasse, nachdem ich drei Jahre versucht habe, in Schweigen zu verharren, als unbesiegter Kämpfer in das Reich der Sanftmut und des Friedens einzutreten, nicht aber als gelehrter, diplomatischer Stubenhocker beim warmen Ofen. Wohin sollten wir kommen in der Theosophischen Gesellschaft, um darüber mit Majoritätsbeschluss zu entscheiden, ob ein Generalsekretär alten Käse essen, ob er eine Künstlerkrawatte sich umbinden oder ob er seiner Frau einen Scheidebrief schicken darf? Die Autorität eines okkulten Lehrers, eines Meisters oder eines Theosophen lässt sich doch nicht mit Majoritätsbeschluss begründen! Haben wir denn das Recht, in unseren Mitgliedern Niederes zu sehen? Oder ist es unsere Pflicht, von ihnen Großes zu erwarten, denn sind wir nicht die Verkünder von Größe, Wahrheit, Schönheit und Stärke? Arbeiten wir nicht an einer Zivilisation, die auf Brüderlichkeit, Liebe und Weisheit gegründet ist? Müssen wir deshalb nicht die Ersten sein, diese Eigenschaften in uns, in unserer Umgebung, in unseren Kreisen zu loben und zu betätigen? Sollen Willkür, Majoritätsbeschlüsse und Realpolitik die Führung in der Theosophischen Gesellschaft übernehmen, und Mitglieder, die sich auf Seite des Prinzips stellen, der Lächerlichkeit preisgegeben werden? Nein, «Eine Grenze hat Tyrannenmacht! Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last, greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter seine ew’gen Rechte, die droben hangen unveräuBerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.»
It is in my nature, as a representative of the Aryan race, after having tried for three years to remain silent, to enter the realm of gentleness and peace as an undefeated warrior—but not as a scholarly, diplomatic armchair philosopher sitting by a warm stove. Where would we end up in the Theosophical Society if we were to decide by majority vote whether a General Secretary may eat old cheese, tie an artistic tie, or send his wife a letter of divorce? The authority of an occult teacher, a Master, or a Theosophist cannot be established by a majority vote! Do we have the right to see the base in our members? Or is it our duty to expect greatness from them, for are we not the heralds of greatness, truth, beauty, and strength? Are we not working toward a civilization founded on brotherhood, love, and wisdom? Must we not, therefore, be the first to praise and put into practice these qualities within ourselves, in our surroundings, and in our circles? Should arbitrariness, majority decisions, and realpolitik take over the leadership of the Theosophical Society, and should members who stand on the side of principle be exposed to ridicule? No, “There is a limit to the power of tyrants! When the oppressed can find no justice anywhere, when the burden becomes unbearable, he reaches up to heaven with undaunted courage and claims his eternal rights, which hang above, inalienable and unbreakable like the stars themselves.”
Damit nun die fürchtbaren, aber auch fruchtlosen Stänkereien gegen meine Mitarbeiter und meine Arbeit endlich einmal aufhören, lasse ich diese Eingabe an die Sektion in hoher Auflage drucken und an alle Mitglieder der Sektion versenden, um das öffentliche Gewissen in ihnen zu wecken und die Einrichtung eines Schiedsgerichtes zu veranlassen, wo wenigstens die gröbsten Äußerungen organisatorischer Willkür innerhalb der Sektion besprochen werden können und wo die in Umlauf gesetzten Gerüchte auf ihren Wert hin geprüft werden können und das dann Beschlüsse fassen kann auf einer gerechten Grundlage!
So that the dreadful—yet fruitless—smear campaigns against my colleagues and my work may finally come to an end, I am having this petition printed in large quantities and sent to all members of the section in order to awaken their public conscience and to prompt the establishment of an arbitration tribunal, where at least the most egregious instances of organizational arbitrariness within the section can be discussed, where the rumors that have been circulated can be examined for their validity, and where decisions can then be made on a just basis!
Ich habe aus dem Protokoll der siebten Generalversammlung einen Auszug drucken lassen, der wörtlich die ganze Verhandlung bringt und der zum leichteren Verständnisse der Angelegenheit nötig ist.
I had an excerpt printed from the minutes of the seventh General Assembly that reproduces the entire proceedings verbatim and is necessary for a better understanding of the matter.
Dr. Hugo Vollrath
Dr. Hugo Vollrath
Danach werden verlesen Briefe von Dr. Vollrath und Herrn Dr. Hübbe-Schleiden. Sie haben folgenden Inhalt.
Letters from Dr. Vollrath and Dr. Hübbe-Schleiden are then read aloud. Their content is as follows.
[ 61 ] [Rudolf Steiner:] «Doktor Vollrath schreibt an mich am gestrigen Tage»:
[ 61 ] [Rudolf Steiner:] “Dr. Vollrath wrote to me yesterday”:
Bund des Sternes im Osten. Sekretariat für Deutschland: Dr. Hugo Vollrath, Leipzig, Salomonstr. 18. Datum: 8. Dezember 1911.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Wie ich höre, halten morgen eine Anzahl Mitglieder der Sektion eine Versammlung in
Berlin ab wegen Stellung eines Antrages meinen Ausschluss betreffend. Wäre es nicht besser, wenn darauf hingewirkt werden könnte, dass die Aussprachen, die nötig sein werden zur Bildung jener Kommission, möglichst abgekürzt werden? Ich habe gesehen, dass mehr Staub aufgewirbelt wird, als nötig ist, und dass unsere Gegner diese Angelegenheit in einem ganz anderen Sinne auffassen, als es mir in Hinsicht auf Ihre Stellung lieb ist. Denn im Grunde genommen stehen Sie mir unendlich näher als jene, die das Kind mit dem Bade ausschütten wollen. Sollte es der Lauf der Dinge fügen, dass ich wieder Mitglied der Sektion werde, so wäre es mir natürlich viel angenehmer, ohne großen Verdruss und ohne zu neuen Missstimmungen der Anlass zu sein, Ihnen die Hand der Versöhnung, die meinerseits aufrichtigen Herzens dargeboten werden kann, zu reichen. Sollten Sie aber durchaus abgeneigt sein, sei es, dass Sie mir das alte Misstrauen noch entgegenbringen, dann bin ich auch bereit, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die mein geistiger Selbsterhaltungstrieb mir in die Hand gibt. Die heiligen Wesen werden auch ferner mir zur Seite stehen.
Ich halte es aber stets für richtiger, bei Abstimmungen erst einmal dahin zu gehen, wo die Ursachen liegen, um Zeit und Arbeit zu ersparen.
Sollte das Gleichgewicht bei meiner eventuellen Wiederaufnahme in der Sektion irgendwie gestört werden, so wäre ich natürlich bereit, zurückzutreten, und zwar freiwillig. Die Gründung der Freien Internationalen Sektion, deutscher Zweig, wäre dann die natürliche Folge.
Falls Ihnen eine Besprechung mit mir vor der Generalversammlung ratsam erscheint, so bitte ich mich davon benachrichtigen zu wollen, und zwar nach dem Evlangelischen] Hospiz St. Michael am Anhalter Bahnhof.
Mit theosophischem Gruße! Ergebenst Dr. Hugo Vollrath.
League of the Star in the East. Secretariat for Germany: Dr. Hugo Vollrath, Leipzig, Salomonstr. 18. Date: December 8, 1911.
Dear Dr. Vollrath!
I have heard that tomorrow a number of members of the section are holding a meeting in
Berlin to table a motion regarding my expulsion. Wouldn’t it be better if we could work to ensure that the discussions necessary to form that commission are kept as brief as possible? I have observed that more dust is being kicked up than is necessary, and that our opponents are interpreting this matter in a completely different light than I would like, given your position. For, when all is said and done, you are infinitely closer to me than those who want to throw the baby out with the bathwater. Should the course of events lead to my becoming a member of the section again, it would naturally be much more pleasant for me—without great vexation and without causing further discord—to extend to you the hand of reconciliation, which I can offer from the bottom of my heart. Should you, however, be thoroughly averse to this—whether because you still harbor the old mistrust toward me—then I am also prepared to take whatever measures my intellectual instinct for self-preservation places at my disposal. The sacred beings will continue to stand by my side.
However, I always consider it wiser, when resolving disagreements, to first address the root causes in order to save time and effort.
Should the balance within the Section be disrupted in any way by my possible readmission, I would of course be prepared to step down—voluntarily. The founding of the Free International Section, German Branch, would then be the natural consequence.
If you feel it would be advisable to discuss this with me before the General Assembly, please let me know; you can reach me at the Evangelical Hospice St. Michael at Anhalter Bahnhof.
With theosophical regards! Yours sincerely, Dr. Hugo Vollrath.
[ 62 ] [Rudolf Steiner:] «Doktor Hübbe-Schleiden schrieb mir vor einigen Tagen»:
[ 62 ] [Rudolf Steiner:] “Dr. Hübbe-Schleiden wrote to me a few days ago”:
Göttingen, 8. Dezember 1911. Lieber Herr Doktor!
Verursacht wird dies Schreiben dadurch, dass Herr Dr. Vollrath mich soeben brieflich bittet, seinen Antrag an die Sektions-Versammlung zur Einsetzung einer Kommission für die Prüfung seines Ausschlusses aus der Sektion mit zu unterzeichnen.
Darauf erwidere ich ihm heute, dass ich hierüber an Sie direkt schreibe: Ich unterstütze seinen Antrag auf die Einsetzung der Prüfungs-Kommission, und zwar aus folgendem Grunde: Ich bin 1908 in der Versammlung, durch die Vollrach ausgeschlossen worden ist, nicht anwesend gewesen. ‚Aber aus dem Berichte und den weiteren Mitteilungen darüber habe ich den Eindruck gewonnen, dass jener Beschluss damals nicht in befriedigender Weise stattgefunden hat, wenn er den Augenblick auch als durch die Umstände geboten erschien. Gegenwärtig wird es sowohl Ihnen wie Frau Wolfram selbst erwünscht sein, dass diese Angelegenheit formell sine ira et studio definitiv erledigt wird.
Zum Schluss erwähne ich noch, was für Sie wohl selbstverständlich ist, dass ich durchaus nicht einverstanden bin mit dem Ton und Inhalt von Herrn Dr. Vollraths gedruckter Entgegnung und Begründung seines Antrags auf erneute Prüfung seiner Angelegenheit. Falls sein Antrag darauf meiner Unterstützung bedarf, so gebe ich sie hiermit; denn ich bin durchaus dafür, dass ihm im vollsten Maße unparteiische Gerechtigkeit zuteilwerde. Aber ich bitte, mich nicht mit Herrn Dr. Vollrath zu identifizieren; und da mir die tatsächlichen Verhältnisse nicht selbst bekannt sind, bitte ich, diese meine Antrag-Unterstützung sachlich weder für noch gegen Dr. Vollrach zu verwerten.
Ihr aufrichtig ergebener
Dr. Hübbe-Schleiden.
Göttingen, December 8, 1911. Dear Dr. [Name]!
The reason for this letter is that Dr. Vollrath has just written to me asking me to co-sign his motion to the Section Assembly calling for the establishment of a commission to review his expulsion from the Section.
In response, I am writing to you directly today: I support his motion to establish the review commission for the following reason: I was not present at the 1908 meeting at which Vollrath was expelled. “However, from the report and subsequent communications on the matter, I have gained the impression that the decision at that time was not reached in a satisfactory manner, even if it seemed necessary at the time given the circumstances. At present, it is surely in the interest of both you and Ms. Wolfram herself that this matter be formally and definitively settled sine ira et studio.
Finally, I would like to mention—though this is likely self-evident to you—that I most certainly do not agree with the tone and content of Dr. Vollrath’s printed rebuttal and the rationale for his request for a reconsideration of his case. Should his request require my support, I hereby grant it; for I am fully in favor of him receiving the most impartial justice possible. However, I ask that I not be identified with Dr. Vollrath; and since I am not personally familiar with the actual circumstances, I ask that my support for this request not be interpreted, objectively, as being either for or against Dr. Vollrath.
Yours sincerely,
Dr. Hübbe-Schleiden.
[ 63 ] Dazu wünscht das Wort Herr Michael Bauer:
[ 63 ] Mr. Michael Bauer would like to speak on this matter:
[ 64 ] «Herr Doktor Vollrath hat kein Recht, einen Antrag zu stellen, und nach meiner Auffassung haben wir auch keinen Grund, ihm eine Antwort zu geben. Wir könnten uns nach Anhören dieses Briefes und Pamphletes auf den Standpunkt stellen, die Sache abzutun, da sie eine Gesinnung verrät und ein Ton darin angeschlagen wird, der uns widerstrebt und uns nahelegt, durch eine rasche Abfertigung die ganze Sache aus der Welt zu schaffen. Es kann uns gar nicht einfallen, Doktor Vollrath widerlegen zu wollen, denn widerlegen kann man nur gewisse Dinge. Es gibt in der Welt so vieles, was sich durch Reden nicht ändern lässt. Da gibt es nun Gesichtspunkte, die darüber hinweghelfen, zum Beispiel der Humor. Unter solche Dinge gehört meiner Meinung nach die Anschauung des Herrn Vollrath. Wir wollen nun nicht zu widerlegen versuchen, wir wollen nur hinweisen auf Tatsachen, auf die Tatsache, dass er absoluten Unsinn behauptet hat und denselben rechtfertigen will. Wie er zum Beispiel an die beiden Säulen im Münchener Kongress-Saal erinnert und behauptet, die eine Säule sei die Ich- die andere die Bin-Säule und das rechtfertigen will, so kann man ihm nur sagen, dass er die eine Säule ja auch die Jakobund die andere die Benjamin-Säule nennen könnte.
[ 64 ] “Dr. Vollrath has no right to submit a motion, and in my opinion, we have no reason to respond to him. After reviewing this letter and pamphlet, we could take the position of dismissing the matter, since it reveals a certain mindset and strikes a tone that we find objectionable and that suggests we should put the whole thing behind us by dealing with it swiftly. It would never occur to us to try to refute Dr. Vollrath, for one can only refute certain things. There are so many things in the world that cannot be changed by words. There are, however, perspectives that can help us get past them—humor, for example. In my opinion, Mr. Vollrath’s viewpoint belongs among such things. We do not intend to attempt to refute him; we merely wish to point out facts—namely, the fact that he has asserted utter nonsense and seeks to justify it. For example, when he refers to the two columns in the Munich Congress Hall and claims that one column is the “I” column and the other the “Am” column—and tries to justify this—one can only tell him that he might just as well call one column the “Jacob” column and the other the “Benjamin” column.
[ 65 ] Wenn er den Ausdruck «Ausgewalztes Blech» rügt, so habe ich die Überzeugung, Blech ist ein noch viel zu gutes Ding, Pappendeckel könnte man eher sagen. Wenn man solche Sachen schreibt, dann ist es ganz unnötig, nach einem Mittel zu suchen, um einen solchen Menschen lächerlich zu machen. Aber es liegen ja noch ganz andere Dinge vor, sodass wir nicht unterlassen können, uns eingehender mit der Sache zu befassen. Von all den logischen Widersprüchen ganz abgesehen.
[ 65 ] When he takes issue with the term “rolled sheet metal,” I am convinced that sheet metal is far too good a term—one might rather say “cardboard.” When one writes such things, it is completely unnecessary to look for a way to ridicule such a person. But there are other issues at hand as well, so we cannot refrain from examining the matter more closely—not to mention all the logical contradictions.
[ 66 ] Was uns veranlassen muss, uns mit der Sache näher zu befassen, ist nicht das Pamphlet als solches, das wurde ja außerhalb der Theosophischen Gesellschaft geschrieben; der Gesichtspunkt, warum wir uns damit befassen müssen, ist ein sehr trauriger, nämlich der, dass nach diesem Pamphlet sich innerhalb unserer Gesellschaft Leute gefunden haben, die mit solcher Gesinnung Hand in Hand gehen. Man konnte vor einem Jahr noch sagen: «Ich glaube, dass Doktor Hugo Vollrath mit Recht ausgeschlossen is, das kann man heute nicht mehr sagen. Heute muss man sagen: «Ich weiß, dass Doktor Hugo Vollrath mit Recht ausgeschlossen ist.»
[ 66 ] What must prompt us to examine this matter more closely is not the pamphlet itself—which, after all, was written outside the Theosophical Society—; the reason why we must address it is a very sad one, namely that, following the publication of this pamphlet, there have been people within our Society who share this mindset. A year ago, one could still say, “I believe that Dr. Hugo Vollrath was rightly expelled,” but one can no longer say that today. Today one must say, “I know that Dr. Hugo Vollrath was rightly expelled.”
[ 67 ] Herr Doktor Vollrath spricht von absichtlich verschleierten Umständen seines Ausschlusses. Sie, die damals mitgestimmt haben, sind also beteiligt an den absichtlich verschleierten Umständen. Es wäre doch schon richtig gewesen, Doktor Vollrath auszuschließen bloß deswegen, weil er damals jene Zettel verschickte, wirklich nur deswegen.
[ 67 ] Dr. Vollrath speaks of circumstances surrounding his expulsion that were deliberately concealed. You, who voted in favor at the time, are therefore complicit in those deliberately concealed circumstances. It would have been fair enough to expel Dr. Vollrath simply because he sent out those notes back then—truly, for that reason alone.
[ 68 ] Wir haben heute von individuellen Kräften und Wirkungen gehört; das ist ja gerade die Eigenart unserer heutigen Entwicklung, dass einzelne individuelle Menschen sich verbinden können, das ist ja gerade das tiefste Moment der christlichen Entwicklung. Wenn man aber Propaganda treibt, so appelliert man an Gefühle, die nicht mit dem freien Menschentum Hand in Hand gehen. Wer das tut, der arbeitet nicht in unserem Sinne. Jedes Mitglied, das Propaganda treibt, muss ausgeschlossen werden. Man sagt: Die Toleranz muss uns bestimmen, die brüderliche Liebe gebietet uns, solche Mitglieder unter uns zu dulden. - Wenn man das sagt, dann weiß man eben nicht, was eine Gesellschaft ist. Natürlich müssen wir dulden, was in der Welt vorgeht, was wir nicht hindern können, doch müssen wir von uns ferne halten diejenigen, die nicht in unserem Sinne arbeiten können.
[ 68 ] Today we have heard about individual forces and effects; this is precisely the distinctive feature of our current development—that individual human beings can unite—and this is precisely the deepest aspect of Christian development. But when one engages in propaganda, one appeals to feelings that do not go hand in hand with free humanity. Anyone who does so is not working in accordance with our principles. Any member who engages in propaganda must be expelled. People say: Tolerance must guide us; brotherly love commands us to tolerate such members among us. — If one says that, then one simply does not know what a society is. Of course, we must tolerate what is happening in the world—what we cannot prevent—but we must keep at a distance those who cannot work in accordance with our principles.
[ 69 ] Herr Doktor Vollrath hat eine Äußerung der damaligen Generalversammlung nicht mit abgedruckt in seinem Pamphlet, er hat gesagt: «Eine Gesellschaft, die einen ausschließt, verliert ihren kosmopolitischen Charakter.» Aber was heißt denn das! Man könnte doch mit demselben Recht sagen: Ein Garten, aus dem man ein Unkraut über den Zaun wirft, verliert sein Dasein als Garten. Eine Gesellschaft muss sich das Recht vorbehalten, Mitglieder ausweisen zu können, denn es ist ihre Pflicht, alle Elemente hinauszutun, die nicht mehr hineingehören, wenn sie ihre Arbeit in der richtigen Weise fortsetzen will. Nun von diesem Gesichtspunkte aus sind wir eine Gesellschaft. Die Toleranz, die immer angerufen wird, sollte doch nicht nur gegenüber unseren Gegnern, sondern doch wohl auch gegenüber unseren Freunden geübt werden. Es ist notwendig, dass wir reinen Tisch schaffen und klare Köpfe. Wenn wir das so weitergehen lassen, wenn wir sagen: «Wir müssen doch, diese Leute darinnen lassen in der Gesellschafv, was bekommen wir dann schließlich für eine Gesellschaft?
[ 69 ] Dr. Vollrath omitted a statement from the General Assembly at that time from his pamphlet; he said: “A society that excludes someone loses its cosmopolitan character.” But what does that even mean! One could just as easily say: A garden from which one throws a weed over the fence ceases to be a garden. A society must reserve the right to expel members, for it is its duty to remove all elements that no longer belong within it if it wishes to continue its work in the proper manner. Now, from this point of view, we are a society. The tolerance that is always invoked should surely be practiced not only toward our opponents, but also toward our friends. It is necessary that we come clean and think clearly. If we let this continue, if we say, “We have to let these people stay in society”—what kind of society will we end up with?
[ 70 ] Es kann natürlich vieles angefasst werden, aber in unsere Gesellschaft gehört es nicht. Ich erlebte einmal, dass einer sagte: Wir sollten doch mal Dinge in unseren Logen behandeln wie zum Beispiel die Kochkiste.
[ 70 ] Of course, there are many topics that can be discussed, but this one does not belong in our society. I once heard someone say: “We should discuss things in our lodges, such as the cooking box.”
[ 71 ] Aber das alles ist eigentlich noch gar nicht das Schmerzlichste an der ganzen Sache, wenn wir sagen, es sind die Grundfundamente der Gesellschaft im Nerv angegriffen, und wenn wir dann immer noch von Mitgliedern hören müssen: «Vielleicht ist ihm doch Unrecht geschehen.» Das Schmerzlichste ist mir ein ganz anderer Punkt. Nehmen Sie einmal alles aus Ihrem Kopf und Bewusstsein hinweg, was Sie durch die Theosophie, wie wir sie durch Herrn Doktor Steiner erhalten haben, an Klärung, Erhebung, Stärkung erlangt haben, und stellen Sie sich einmal vor Ihre Bibliothek, die bloß Bücher enthielte, die Sie vorher kannten, und dann überlegen Sie sich bitte einen Augenblick, was Sie im Lauf der Jahre haben erleben können an Freude, Erhebung, Erkenntnisfreude, Befruchtung, und vergleichen Sie das mit den Erlebnissen, die Sie vorher hatten, so haben Sie ein Bild davon, wie die Gesellschaft vorher bestand, und wie sie heute ist. Ich gehörte ihr an. Da muss man sagen, es ist ein so Ungeheures geschehen in diesen letzten Jahren, wofür ich nur einen Ausdruck des Rama-Krischna habe: «Wenn ein Heiliger kommt, so vermag er verschüttete Quellen zum Fließen zu bringen; ein Gottgesandter vermag, Quellen fließen zu machen, wo keine waren.»
[ 71 ] But all of that is actually not even the most painful aspect of the whole matter when we say that the very foundations of society have been shaken to their core, and yet we still have to hear members say, “Perhaps he was wronged after all.” For me, the most painful aspect is something entirely different. Try to remove from your mind and consciousness everything you have gained in terms of clarity, elevation, and strength through Theosophy, as we have received it from Dr. Steiner, and create a mental image of yourself standing before your library, which contained only books you knew before, and then please consider for a moment all the joy, elevation, the joy of insight, and enrichment—and compare that with the experiences you had before; then you will have a picture of what the Society was like before and what it is like today. I was a part of it. One must say that something so immense has happened in these last few years—for which I have only one expression from Rama Krishna: “When a saint comes, he can make buried springs flow; a messenger of God can make springs flow where there were none.”
[ 72 ] Wir haben das erfahren, aber wir haben auch erfahren, dass unter uns Leute waren, die diese Quellen vergifteten, beschmutzten. Es ist mir ganz klar geworden, dass es in dieser Art nicht weitergehen kann. Wir können die Gesellschaft nicht einfach wachsen lassen, ohne der Gefahr entgegenzugehen, dass wir eine Majorität haben, die eigentlich nicht in die Gesellschaft gehört, und die es uns unmöglich machen kann, in der rechten Weise in dieser Gesellschaft zu arbeiten. Unsere Gesellschaft ist ein Organismus, durch den das innere Leben in die Welt hineinwirken soll. Wenn der zu faul, zu bequem ist, sodass er keinen Krankheitsstoff mehr ausstoßen kann, so muss er dem Verfall entgegengehen. Wir haben heute vielleicht die Gelegenheit noch, den Körper gesund zu machen, und ich richte an Sie den Appell, energisch heute dabei zu sein, dass wir solche Dinge in einer künftigen Generalversammlung nicht mehr vor uns stehen haben, dass aus dem Schoße der Gesellschaft heraus Angriffe gegen uns gerichtet werden können. Die Generalversammlung muss hier etwas tun, es handelt sich hier nicht um die Person Doktor Steiners, es handelt sich um die Gesellschaft und um ihren Organismus. Es muss heute etwas geschehen, das später nicht mehr geschehen kann. Es bleibt uns nichts übrig, als radikal vorzugehen.
[ 72 ] We have experienced this, but we have also learned that there were people among us who poisoned and polluted these sources. It has become perfectly clear to me that things cannot continue this way. We cannot simply allow society to grow without addressing the danger that we might end up with a majority that does not truly belong in society and that could make it impossible for us to function properly within it. Our society is an organism through which inner life is meant to influence the world. If it is too lazy, too complacent, so that it can no longer expel pathogenic substances, then it is bound to decay. We may still have the opportunity today to restore the body to health, and I appeal to you to take an active part today so that we no longer face such issues at a future General Assembly—so that attacks against us cannot be launched from within the Society itself. The General Assembly must take action here; this is not about Dr. Steiner as a person, but about the Society and its organism. Something must happen today that cannot be done later. We have no choice but to take radical action.
[ 73 ] Der Antrag, der vielleicht sich ergeben wird, liegt mir noch nicht vor, und ich habe nicht die Absicht, irgendwie vorzugreifen. Was ich erreichen wollte, ist, Ihnen eine Ahnung zu geben von dem ungeheuren Ernst dieser Stunde. Wir dürfen nicht mit Bequemlichkeit, mit Schlafhaubigkeit an diese Sache herangehen. Es ist nicht eine Kleinigkeit, es ist nicht damit getan, dass wir Herrn Vollrath abtun, es ist notwendig, dass wir in Einmütigkeit einen Weg betreten, auf dem wir den Organismus gesund machen, indem wir ausschließen aus der Gesellschaft, was nicht in sie hineingehört.» Herr Ahner: «Ihre Blicke richten sich hin nach einer Stelle, und Sie werden erwarten, dass ich zu dem eben Gehörten meine Meinung abgebe. Es ist immer eine bedeutungsvolle Sache, wenn aus allen Teilen unseres Vaterlandes diejenigen Elemente hier sich versammeln, die dazu berufen sind, die hohen Ziele, welche die Theosophie verfolgt, weiterzuführen, um der gesamten Menschheit etwas zu bieten, damit sie sich, dem Wunsche hoher Meister entsprechend, weiterentwickele.
[ 73 ] I have not yet received the motion that may be submitted, and I have no intention of prejudging the matter in any way. What I wanted to achieve was to give you a sense of the immense gravity of this moment. We must not approach this matter with complacency or a lack of vigilance. This is no trivial matter; it is not enough simply to dismiss Mr. Vollrath; it is essential that we, in unity, embark on a path that will restore the organization to health by excluding from the society that which does not belong there.” Mr. Ahner: “Your eyes are fixed on a certain spot, and you will expect me to offer my opinion on what has just been said. It is always a significant event when those from all parts of our fatherland who are called to carry forward the lofty goals pursued by Theosophy gather here to offer something to all of humanity, so that it may continue to develop in accordance with the wishes of the great Masters.
[ 74 ] Es handelt sich heute um eine Angelegenheit, die nach meiner Meinung in einer theosophischen Gesellschaft nicht vorkommen sollte. Ich will hier auf die ganze Geschichte, was da vor uns liegt, nicht eingehen. Was Herr Doktor Vollrath verschuldet haben sollte, darüber will ich kein Wort verlieren, denn es ist vollständig aussichtslos, dass ich ein klares Bild geben könnte. Herr Doktor Hübbe-Schleiden unterstützt ja diese Anträge, indem er tatsächlich wünscht, dass eine Kommission noch einmal die Tatsachen untersuche. Ich war seinerzeit, als der Antrag Frau Wolframs auf Ausschließung des Doktor Vollrath verlesen wurde, selbst Vorstandsmitglied der Deutschen Sektion. Ich habe keinen Grund gefunden, weshalb man ein so eifriges, tätiges Mitglied ausschließen sollte. Ich habe damals darauf hingewiesen, was Theosophie ist. Eines ist wichtig, ich weise hier auf ein Bibelwort hin, das wahr ist: «Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.»
[ 74 ] This is a matter that, in my opinion, should not occur in a theosophical society. I do not wish to go into the whole story of what lies before us here. As for what Dr. Vollrath is alleged to have done, I will not say a word about it, for it is completely futile for me to attempt to provide a clear picture. Dr. Hübbe-Schleiden, after all, supports these motions by actually requesting that a commission investigate the facts once again. At the time when Mrs. Wolfram’s motion to expel Dr. Vollrath was read aloud, I myself was a member of the Executive Committee of the German Section. I found no reason why such a zealous, active member should be expelled. At that time, I pointed out what theosophy is. One thing is important: I would like to refer here to a Bible verse that is true: “For where two or three are gathered in my name, there am I in the midst of them.”
[ 75 ] Hier sind Hunderte versammelt, sollte er nicht hier unter uns sein? Ich glaube ja, und ich hoffe, dass er in unser aller Herzen ist, jener Christusgeist, der da sagt: «Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen.> Und jetzt, wo wir vor Weihnachten stehen, vor diesem Feste der Liebe, wo der Christus geboren worden ist, soll er doch auch in uns geboren werden. Lassen Sie doch diese Geburt stattfinden, sagen Sie sich, wir wollen alles vergessen, wir wollen brüderlich handeln, Liebe um Liebe, Herz um Herz! Ich habe mich des Verfolgten angenommen, ich bitte Sie, reichen Sie mir die Hand, Sie haben mich ganz. Lassen Sie Liebe um Liebe handeln.»
[ 75 ] Hundreds are gathered here—shouldn’t he be here among us? I believe so, and I hope that he is in all our hearts—that spirit of Christ who says: “Love your enemies; bless those who curse you.” And now, as we approach Christmas, this feast of love when Christ was born, may he also be born within us. Let this birth take place; tell yourselves, “Let us forget everything; let us act as brothers and sisters, love for love, heart for heart!” I have taken the persecuted one under my wing; I ask you, reach out your hand to me—you have me entirely. Let love act through love.”
[ 76 ] Herr Krojanker: (Anfänglich unverständlich) «Es ist doch nicht möglich, wir müssen doch zu den Tatsachen wieder zurückgehen. Ich muss gestehen, dass ich sehr überrascht worden bin durch die Verlesung der Vollrath’schen Broschüre, die hier Pamphlet genannt wird. Es konnte das von uns Antragstellern nicht vorausgeschen werden. Ich halte es auch für einen Fehlbeschluss des Vorstandes. Wenn eine Kommission berufen würde, so könnte dieselbe auf die Einzelheiten eingehen; hier vor der Generalversammlung ist das ja nicht denkbar. Wir sollten uns entschließen, eine Kommission zu wählen; sie sollte nur noch einmal untersuchen, was eigentlich geschehen war. Die Generalversammlung sollte nur entscheiden, ob eine Kommission gewählt werden sollte. Ich muss betonen, dass es mir als Antragsteller durchaus ferne liegt, dem Vorstande zu nahezutreten, aber nach dem, was ich geprüft habe, muss ich annehmen, dass er nicht genügend unterrichtet worden ist. Deshalb soll jetzt eine Kommission gewählt werden, damit diese Dinge zur Kenntnis kommen. Was sich nun darauf bezieht, was Herr Bauer hier gesprochen hat, so muss ich gestehen, dass mich das Theosophische, was er sprach, durchaus sympathisch berührte, aber wir brauchen uns von Herrn Bauer nicht sagen zu lassen, was Theosophie ist. Er hat sich ein Urteil erlaubt über die Gründe, die uns veranlassen, für Vollrath einzutreten. Das habe ich mir sehr lange überlegt, und ich versichere Sie, dass diese Dinge, wenn sie nicht auf dem Boden der theosophischen Bewegung zu Ende geführt werden, draußen weitergeführt werden. Wenn Herr Bauer sich in seiner Eigenschaft als Lehrer darüber aufregt, dass einige Sätze nicht so ganz richtig seien, so ist mir das geradezu unverständlich. Ich bin auch durchaus nicht einverstanden mit alledem, was da gedruckt ist. Ich bitte Sie, nehmen Sie die Anträge an, und sie sollen auch nicht wieder erwähnt werden. Ich bitte Sie nur, die Möglichkeit zu geben, dass die Tatsachen einzeln vor der Kommission geprüft werden. Ich betone aber, dass ich mich durchaus nicht mit dem Druckwerk Vollraths identifizieren will. Vergessen Sie doch nicht, dass wir in Vollrath einen Menschen vor uns haben, der innerlich noch nicht reif ist, der voll Zorn ist. Er ließ die Zeit verstreichen und hat sich nur in diesem Pamphlet, wie es genannt wird, Luft schaffen wollen.»
[ 76 ] Mr. Krojanker: (Initially unintelligible) “That’s not possible; we have to get back to the facts.” I must admit that I was very surprised by the reading of Vollrath’s brochure, which is referred to here as a pamphlet. We, the petitioners, could not have foreseen this. I also consider it a misguided decision by the Executive Board. If a commission were appointed, it could go into the details; here before the General Assembly, that is simply inconceivable. We should resolve to elect a commission; its sole purpose would be to investigate once more what actually happened. The General Assembly should only decide whether a commission should be elected. I must emphasize that, as a proposer, it is certainly not my intention to offend the Executive Committee, but based on what I have examined, I must assume that it has not been sufficiently informed. Therefore, a commission should now be elected so that these matters can be brought to light. As for what Mr. Bauer has said here, I must admit that the theosophical aspects of his remarks struck a chord with me, but we do not need Mr. Bauer to tell us what Theosophy is. He has taken the liberty of passing judgment on the reasons that lead us to stand up for Vollrath. I have given this a great deal of thought, and I assure you that if these matters are not brought to a conclusion within the framework of the Theosophical Movement, they will be pursued elsewhere. If Mr. Bauer, in his capacity as a teacher, takes offense at the fact that certain statements are not entirely accurate, I find that downright incomprehensible. I, too, do not agree at all with everything that has been printed there. I ask you to accept the motions, and they should not be mentioned again. I only ask that you allow the facts to be examined individually before the commission. I emphasize, however, that I do not in any way wish to identify with Vollrath’s printed work. Do not forget that in Vollrath we are dealing with a person who is not yet emotionally mature, who is full of anger. He let time pass and simply wanted to vent his frustration in this pamphlet, as it is called.”
[ 77 ] Herr Dr. Unger: «Gestatten Sie mir zunächst, einige Dinge gleichsam festzunageln, die eben an unser Ohr geklungen sind. Es handelt sich darum, unserem Freunde, Herrn Bauer, zu Hilfe zu kommen gegenüber den Vorwürfen, die ihm gemacht worden sind, und gleichsam zu unterstreichen, was er ausgeführt hat. Es wurde gesagt: «Wir wollen uns nicht von Herrn Bauer sagen lassen, was Theosophie ist.» Aber uns wurde von Herrn Vollrath und seinen Genossen beständig vorgehalten, was Theosophie sein soll. Weiter wurde gesagt: Der Antragsteller sei nicht einverstanden mit der Form, in der die Broschüre abgefasst worden ist; trotzdem aber ist der Antrag gestellt, wie er sagt, im Interesse der Theosophischen Gesellschaft. Es ist mir von Wichtigkeit, dass das festgenagelt wird. Denn wenn jemand moralisch unterstützt, was ein anderer als Schmutz und Unflat gegen die Theosophische Gesellschaft schleudert und das unterstützt unter Hinweis auf eine mangelhafte Form, so ist das keine Logik. Das geht nicht an. Das ist Doppelzüngigkeit, wenn man sagt: «Ich bin gar nicht einverstanden mit dem, was da gesagt wird, ich unterstütze nur den Antrag.» Man behauptet, dass die damaligen Vorstandsmitglieder nicht orientiert waren über dasjenige, worüber sie entschieden haben. Entweder ist nun das eine wahr oder das andere. Wenn man nicht einverstanden ist mit dem Pamphlet, dann darf man auch nicht den Vorwurf machen, dass der Vorstand nicht orientiert gewesen wäre. Es wurde von den Antragstellern verlangt, dass Herrn Doktor Vollrath Gelegenheit gegeben werde, sich zu rechtfertigen. Wir haben ja die Rechtfertigung vor uns liegen. So schaut sie aus, diese Rechtfertigung. Schmutz, Verleumdung, Gift und Drohung, das ist der Inhalt dieser Rechtfertigung. Herr Bauer hat ganz richtig gesagt: «Wir sehen doch an dem, was vor uns liegt, was für ein Geist dahintersteht> Wenn aber so etwas unterstützt wird, so verbindet sich doch der Antragsteller mit diesem Geiste! Dass solche Unterstützung aus unseren Kreisen heraus erfolgen konnte, das ist etwas, von dem man sagen muss: So darf es nicht weitergehen. Herr Krojanker wehrt sich dagegen, dass Herr Bauer uns sage, was wir unter Theosophie verstehen sollen; doch das hindert nicht, dass dies von der Gegenseite beständig geschieht. Herr Ahner hat gesagt, er wolle uns keinen Vortrag halten über Christentum. Aber nun hat er ja doch uns erzählt, was sein Christentum ist und viel geredet von Liebe, Christentum, Brüderlichkeit, und weiß Gott was. Wo steckt denn aber die Liebe in diesem Pamphlet? Wo steckt da die Brüderlichkeit und das Christentum? Das ist die Frage. Solchen, die von Liebe überfließen, und diese Liebe dann so betätigen, dass sie ein solches Pamphlet unterstützen, denen gegenüber muss gesagt werden, dass sie zwar in der Theosophischen Gesellschaft sind, aber in der theosophischen Bewegung sind sie nicht! Jemand, der die Liebe im Munde führt, und solche Taten vollzieht, hat keine Ahnung von dem, was wir unter Theosophie verstehen wollen. Wer jemals wirklich in unserer Arbeit gestanden hat, der weiß, dass wir zusammenhängen müssen wie die Kletten, um Anteil zu haben an dem Geistesgut, das wir uns erobert haben seit zehn Jahren. Dieses Arbeitsgut muss respektiert werden. Es hat keinen Sinn, zu sagen, unsere einzigen Bedingungen der Aufnahme sind die drei Punkte unserer Satzungen. Wir brauchen nicht jeden, der bei uns anfragt, aufzunehmen, in keiner Weise. Damals vor drei Jahren ist der Antrag angenommen worden, mit allgemeinem Verständnis, der unser Arbeitsgut schützen sollte. Diese unsere Gesellschaft sollte nach und nach ein Körper werden - das ist unser aller Ansicht -, der ein Ausdruck werden soll von demjenigen, was als theosophischer Geist vorhanden ist. Lassen Sie die Theosophische Gesellschaft auseinanderstieben, die theosophische Bewegung bleibt. Besser wäre es, die Gesellschaft flöge auseinander, als dass ein Titelchen verloren ginge von dem Geistesgut, das wir uns erobert haben. Noch schärfer soll es betont werden: Was wir als theosophische Bewegung nach und nach uns erarbeitet haben, was niemals abgeschlossen sein kann, niemals in Paragrafen abgegrenzt sein kann, das ist wirklich vorhanden. Wenn wir aber solche Anträge bekommen können, dass, nach den Statuten der Gesellschaft, der theosophischen Arbeit geschäftsordnungsmäßig Prügel zwischen die Beine geworfen werden können, so ändern wir eben die Statuten.
[ 77 ] Dr. Unger: “Allow me first to set the record straight on a few points that have just been brought to our attention. The aim is to come to the aid of our friend, Mr. Bauer, in the face of the accusations leveled against him, and to underscore, as it were, what he has stated. It was said: ‘We do not want Mr. Bauer to tell us what Theosophy is.’ Yet Mr. Vollrath and his associates have constantly lectured us on what Theosophy is supposed to be. It was further stated that the proposer does not agree with the manner in which the brochure was drafted; nevertheless, the motion has been submitted, as he says, in the interest of the Theosophical Society. It is important to me that this be made absolutely clear. For if someone morally supports what another person hurls as slander and filth against the Theosophical Society—and supports it by citing a flawed form—that is not logical. That is unacceptable. It is duplicity to say: “I do not agree at all with what is being said there; I am only supporting the motion.” It is claimed that the Executive Committee members at the time were not informed about the matter on which they made their decision. Either one of these is true, or the other is. If one does not agree with the pamphlet, then one must not level the accusation that the Executive Committee was not informed. The proposers demanded that Dr. Vollrath be given the opportunity to justify himself. We have the defense right here before us. This is what that defense looks like. Slander, defamation, venom, and threats—that is the content of this defense. Mr. Bauer quite rightly said: “We can see from what lies before us what kind of spirit lies behind it.” But if something like this is supported, then the proposer is aligning himself with that spirit! That such support could come from within our own circles is something about which we must say: This cannot go on. Mr. Krojanker objects to Mr. Bauer telling us what we are supposed to understand by “theosophy”; yet that does not prevent the opposing side from doing exactly that all the time. Mr. Ahner said he did not want to give us a lecture on Christianity. But now he has, after all, told us what his Christianity is and spoken at length about love, Christianity, brotherhood, and God knows what else. But where, then, is the love in this pamphlet? Where is the brotherhood and the Christianity? That is the question. To those who are overflowing with love, and who then put that love into practice by supporting such a pamphlet, it must be said that while they may be members of the Theosophical Society, they are not part of the Theosophical Movement! Someone who speaks of love but commits such acts has no idea what we mean by Theosophy. Anyone who has ever truly been involved in our work knows that we must stick together like burrs in order to share in the spiritual heritage we have built up over the past ten years. This body of work must be respected. It makes no sense to say that our only conditions for admission are the three points of our bylaws. We do not need to admit everyone who applies to join us, by any means. Three years ago, the motion was accepted—with general understanding—to protect the fruits of our labor. Our Society should gradually become a body—this is the view of us all—that is an expression of what exists as the theosophical spirit. Let the Theosophical Society fall apart; the Theosophical Movement will remain. It would be better for the Society to fall apart than for even a single fragment of the spiritual heritage we have acquired to be lost. Let it be emphasized even more strongly: What we, as the Theosophical Movement, have gradually built up—which can never be completed, can never be confined to the letter of the law—that truly exists. But if we receive motions such that, according to the Society’s bylaws, theosophical work can be systematically undermined in accordance with procedural rules, then we will simply amend the bylaws.
[ 78 ] Die Aufgaben sind vorhanden, ob die Gesellschaft sie wird erfüllen können, das entscheidet gerade diese Stunde. Zu dem, was sich in München bilden soll in den nächsten Jahren, zu dem Wachsen des theosophischen Arbeitsgutes, das wir uns erobert haben, das Leben gewinnen soll in der Welt, brauchen wir einen physischen Leib, wir brauchen Mitglieder, aber keine Paragrafen, die bringen das nie zustande. Wenn heute gesagt worden ist, dass es ein bedeutendes Ereignis war, dass wir in Stuttgart einen Bau dem theosophischen Leben übergeben konnten, so möge hier festgestellt werden aus eigenster Erfahrung heraus, was Herr Doktor Steiner gesagt hat in der Weiherede für diesen Bau: «Nötig ist das Vertrauen.» Es ist nicht nötig, dass jeder seine Weisheit heranbringe, dazu hat man eben einen Vorstand geschaffen, als Ausdruck des Vertrauens. Und diesem nun bei jeder Gelegenheit einen Paragrafen-Prügel zwischen die Beine zu werfen, geht nicht an; auf diese Weise bringen wir gar nichts zustande, und gewiss hätten wir diesen Stuttgarter Bau nicht zustande gebracht, wenn nicht die Mitglieder in hochherziger Weise dieses Vertrauen geübt hätten. Durch Kommissionen, wie sie die heutigen Anträge verlangen, hätten wir nicht nur keinen Bau, sondern auch kein Geld dafür.
[ 78 ] The tasks are before us; whether society will be able to fulfill them is precisely what this moment will decide. For what is to take shape in Munich in the coming years—for the growth of the theosophical body of work that we have acquired, which is to take on a life of its own in the world—we need a physical body; we need members, but not bylaws; those will never bring it about. If it has been said today that it was a significant event that we were able to dedicate a building to theosophic life in Stuttgart, let it be noted here, based on our own experience, what Dr. Steiner said in the dedication speech for this building: “Trust is necessary.” It is not necessary for everyone to contribute their own wisdom; that is precisely why a board of directors was created—as an expression of trust. And to throw a legalistic roadblock in its path at every opportunity is unacceptable; in this way, we accomplish nothing at all, and we certainly would not have been able to complete this Stuttgart building if the members had not generously placed their trust in the board. With committees, as today’s motions demand, we would not only have no building, but also no money for it.
[ 79 ] Durch dieses Pamphlet und durch das, was heute geschah, fühlt sich der Vorstand in dem, was der eigentliche Ehrenpunkt des Vorstandes ist, beleidigt, so tief es nur sein kann. Er muss von der heutigen Versammlung die Ehrenrettung erwarten.
[ 79 ] Because of this pamphlet and what happened today, the Executive Board feels deeply insulted in what is the very essence of its honor. It must look to today’s meeting to restore its honor.
[ 80 ] Es ist das Projekt erörtert worden, dass aus dieser Versammlung eine Kommission gebildet werden solle, aber keine im Sinne der Antragsteller, sondern eine solche, die ausarbeiten möge einen Entwurf für eine neue Satzung, die es unmöglich macht, dass derartiges, wie es in diesen Anträgen zum Ausdruck kommt, jemals wieder geschehen kann. Es ist meine Überzeugung, dass, wenn die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft auch Mitglieder der theosophischen Bewegung sein würden, jede Satzung recht wäre. Da das nicht so ist, so müssen wir das Statut richten nach dem Geiste unserer Bewegung. Der Vorstand selbst entzicht sich einer solchen Antragstellung, weil er ja von der Versammlung seine Ehrenrettung erwartet.
[ 80 ] A proposal was discussed to form a commission from this assembly—not one in the sense proposed by the petitioners, but one that would draft a new constitution that would make it impossible for anything like what is expressed in these motions to ever happen again. It is my conviction that if the members of the Theosophical Society were also members of the Theosophical Movement, any constitution would be acceptable. Since that is not the case, we must align the constitution with the spirit of our Movement. The Executive Council itself refrains from submitting such a motion, as it expects the assembly to restore its reputation.
[ 81 ] Es wäre vielleicht besser, solche Angriffe durch Nichtbeachtung abzutun. Es hat gewiss etwas Sympathisches, wenn gesagt wird, wir wollen uns nicht mit Schmutzereien abgeben. Aber hier wird es zur Pflicht, das Kind beim richtigen Namen zu nennen. Wenn wir die Möglichkeit haben wollen, uns in unser Arbeitsgut zu vertiefen, so muss erst reiner Tisch gemacht werden, da muss auch einmal das Schwert des Zornes zu seinem Recht kommen.
[ 81 ] It might be better to dismiss such attacks by ignoring them. There is certainly something appealing about saying that we do not want to concern ourselves with slander. But here it becomes our duty to call a spade a spade. If we want to be able to immerse ourselves in our work, we must first clear the air; the sword of wrath must also be wielded as it should.
[ 82 ] Es mag sein, dass mancher gegenwärtig lieber sachliche theosophische Auseinandersetzungen hören würde. Es gilt aber, der Entrüstung Ausdruck zu geben; es liegt mir daran zu betonen, dass ich mich nicht schäme einer solchen Entrüstung. Ich würde mich schämen, wenn wir, wie unser Freund Bauer sagte, die Schlafhaubigkeit besäßen, uns nicht zur Tat aufzuraffen. Es sollte möglich gemacht werden, dass einem nicht mehr Prügel zwischen die Beine geworfen werden können, dass der Generalsckretär und der Vorstand auch statutengemäß geschützt werden vor solchem Schmutz. Deshalb erwartet der Vorstand von Ihnen heute eine Tat!»
[ 82 ] It may be that some people would currently prefer to hear objective theosophical discussions. However, it is important to give voice to our indignation; I feel it is important to emphasize that I am not ashamed of such indignation. I would be ashamed if, as our friend Bauer said, we were so lethargic that we could not bring ourselves to take action. It must be ensured that no one can be tripped up anymore, and that the General Secretary and the Executive Board are protected from such slander in accordance with the bylaws. That is why the Executive Board expects you to take action today!”
[ 83 ] Hier wird auf den Vorschlag von Herrn Dr. Steiner beschlossen, eine Pause von eineinhalb Stunden eintreten zu lassen, und die Versammlung am Nachmittage um vier Uhr fortzusetzen.
[ 83 ] Following a proposal by Dr. Steiner, it was decided to take a break of one and a half hours and to resume the meeting at 4:00 p.m.
[ 84 ] Um halb vier Uhr eröffnete Dr. Steiner wieder die Sitzung, indem er eine Depesche des folgenden Inhalts zur Verlesung brachte: «Sende hiermit der Deutschen Sektion zu ihrer Generalversammlung meine ehrfurchtsvollen Grüße und besten Wünsche. Kinell.»
[ 84 ] At half past three, Dr. Steiner resumed the meeting by reading aloud a telegram with the following content: “I hereby send my respectful greetings and best wishes to the German Section for its General Assembly. Kinell.”
[ 85 ] Hierauf folgte eine Rede, die Herr Pfarrer Klein über die Bedeutung der Theosophie im Anschlusse an die Paulusworte von der «GottesWeisheit» hielt.
[ 85 ] This was followed by a speech given by Pastor Klein on the significance of theosophy in light of St. Paul’s words on “the wisdom of God.”
[ 86 ] Dr. Steiner gab sodann den Inhalt der Rednerliste bekannt, in welcher noch folgende Redner eingezeichnet standen: Herr Arenson, Herr Molt, Herr Pfarrer Klein, Herr Pastor Wendt, Herr von Rainer, Herr Architekt Schmid und Herr Walther.
[ 86 ] Dr. Steiner then announced the list of speakers, which included the following: Mr. Arenson, Mr. Molt, Rev. Klein, Pastor Wendt, Mr. von Rainer, Architect Schmid, and Mr. Walther.
[ 87 ] Zunächst erhielt das Wort Herr Arenson: «Als mir zuerst Kunde ward von den Anträgen, die für diese Generalversammlung gestellt worden sind, als mir gesagt wurde, dass das scheinbar Unmögliche möglich geworden, dass sich in unserer Gesellschaft Mitglieder gefunden haben, die die Hand dazu boten, dass dieser Antrag eingebracht werden konnte, die das sozusagen unterstützten, was Herr Doktor Vollrath in seinem Pamphlet verlangt: nämlich hier gehört zu werden und nochmals mit einer Prüfung dieses Falles zu beginnen - da kam mir zuerst der Gedanke, der Impuls: zur Tagesordnung übergehen; es gibt nichts anderes, als solche Dinge einfach zu ignorieren. Dann aber hat sich bei reiflicher Überlegung das Resultat doch etwas anders gestaltet. Es ist gewiss etwas Gutes, in positiver Weise Arbeit zu leisten und, wenn sich uns etwas entgegenstellt, dann kurzer Hand zur Tagesordnung überzugehen. Das können wir aber in diesem Falle unmöglich tun. Hier handelt es sich um eine Tat, die mit aller Energie vorgenommen werden muss, wenn wir nicht erleben wollen, dass wir dem Schmutze zum Opfer fallen.
[ 87 ] Mr. Arenson was the first to speak: “When I first heard about the motions that had been submitted for this general meeting, when I was told that the seemingly impossible had become possible—that members of our society had come forward to ensure this motion could be brought forward, who, so to speak, supported what Dr. Vollrath demanded in his pamphlet: namely, to be heard here and to begin a review of this case once again —my first thought, my initial impulse, was to move on to the agenda; there is nothing else to do but simply ignore such matters. But upon careful reflection, the outcome turned out somewhat differently. It is certainly a good thing to work in a positive manner and, when something stands in our way, to move on to the agenda without further ado. But we cannot possibly do that in this case. This is a matter that must be addressed with all our energy if we do not want to fall victim to the filth.
[ 88 ] Nun könnte man, wenn man zur Sache selbst übergeht, fragen: Worauf basiert denn eigentlich dieser Antrag auf Wiederaufnahme des Falles? Eine derartige Wiederaufnahme eines Verfahrens ist doch nur dann gerechtfertigt, wenn neues Material gefunden worden ist, das geprüft werden soll, um daraus festzustellen, ob es geeignet ist, das bereits Vorhandene in eine andere Beleuchtung zu bringen. Wir wissen, das ist nicht der Fall; wir wissen, es ist kein Grund vorhanden, ein Verfahren jetzt wieder aufzunehmen, das seinerzeit mit aller Gründlichkeit durchgeführt worden ist. Ich kann hier nur in aller Kürze sagen, dass die Mitglieder des Vorstandes, welche damals den Beschluss gefasst haben, die Sache so prüften, wie dies heute überhaupt nicht mehr möglich ist. Es ist völlige Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, die hier einfach glauben machen will, wir wären einem augenblicklichen Impulse gefolgt und hätten dadurch den Ausschluss von Doktor Vollrath bewirkt. Wir waren im Gegenteil in alle Einzelheiten eingeweiht, wussten vollkommen, was sich begeben hatte. Wir kannten jede Kleinigkeit und kannten sie so, dass, wenn wir die ganzen Verhältnisse in wenigen Worten vorgebracht hätten, jeder andere auch imstande gewesen wäre, innerhalb weniger Minuten den Entschluss zu fassen, der damals gefasst worden ist. So waren wir eingeweiht in das, was zu dem bekannten Beschlusse führen musste. Es ist dies jetzt schwer nachzuprüfen, weil alles das, was wir damals in gründlicher Weise überlegt hatten, durch das, was in Schrift und Wort inzwischen bekannt gemacht wurde, in ein ganz neues Licht gekommen ist und daher auch nicht mehr zu einer Erkenntnis der damaligen Sachlage führen kann.
[ 88 ] Now, turning to the matter at hand, one might ask: On what, exactly, is this motion to reopen the case based? Such a reopening of proceedings is justified only if new evidence has been found that needs to be examined to determine whether it is capable of casting the existing evidence in a different light. We know that this is not the case; we know there is no reason to reopen proceedings now that were conducted with the utmost thoroughness at the time. I can only say very briefly here that the members of the Executive Board who made the decision at that time examined the matter in a way that is simply no longer possible today. It is a complete ignorance of the actual circumstances that seeks to make people believe here that we acted on a momentary impulse and thereby brought about Dr. Vollrath’s expulsion. On the contrary, we were fully informed of every detail and knew exactly what had happened. We knew every minute detail, and we knew it so well that, had we summarized the entire situation in just a few words, anyone else would have been able to reach the same decision that was made at that time within a few minutes. Thus, we were fully aware of the circumstances that inevitably led to the well-known decision. It is now difficult to verify this, because everything we had thoroughly considered at the time has been cast in a completely new light by what has since been made public in writing and speech, and therefore can no longer lead to an understanding of the situation as it was then.
[ 89 ] Wir können sagen - und das soll gewiss keine Ironie sein, sondern ist bittre Wahrheit: Den Schlüssel zur Wahrheit findet man bei allem, was Doktor Vollrath sagt, indem man die von ihm behaupteten Dinge einfach umkehrt. Nehmen wir einen konkreten Fall, um zu zeigen, was damit gemeint ist, Herr Doktor Vollrath sagt in seinem Pamphlet, dass damals in Paris von Herrn Doktor Steiner mit großer Energie gegen Leadbeater vorgegangen sei. Die betreffende Stelle lautet, wie folgt: «Der Okkultismus ist die praktische Wissenschaft der Liebe und Weisheit, warum hat nun Dr. Steiner allein das Recht zur Polemik und zur Verurteilung? Davon hat er reichlich Gebrauch gemacht zu der Zeit der Hetze gegen seinen Mitarbeiter in der Theosophischen Gesellschaft, C. W. Leadbeater, in den Privatsitzungen der deutschen Mitglieder bei Fräulein von Sivers während des Pariser Kongresses [1906]. Ich war überrascht über die vernichtende Polemik Steiners, und, trotzdem ich ihn damals äußerst schätzte, konnte ich es doch nicht unterlassen, ganz sachlich auf die Verfassung der Theosophischen Gesellschaft, hinzuweisen, ich wurde aber scharf von Fräulein von Sivers und Dr. Steiner zurückgewiesen. Nach dem Schlusse der Sitzung versicherten mir beide, dass sie nichts gegen meine Person hätten.»
[ 89 ] We can say—and this is certainly not meant to be ironic, but is the bitter truth—that the key to the truth in everything Dr. Vollrath says can be found by simply reversing the claims he makes. Let us take a specific example to illustrate what this means: Dr. Vollrath states in his pamphlet that Dr. Steiner took vigorous action against Leadbeater in Paris at that time. The relevant passage reads as follows: “Occultism is the practical science of love and wisdom; why, then, does Dr. Steiner alone have the right to engage in polemics and condemnation?” He made ample use of this right during the smear campaign against his colleague in the Theosophical Society, C. W. Leadbeater, in the private meetings of the German members at Miss von Sivers’s residence during the Paris Congress [1906]. I was surprised by Steiner’s scathing polemic, and, although I held him in the highest regard at the time, I could not refrain from pointing out, in a completely objective manner, the constitution of the Theosophical Society; however, I was sharply rebuffed by Miss von Sivers and Dr. Steiner. After the meeting concluded, both assured me that they had nothing against me personally.”
[ 90 ] Die Wahrheit darüber ist nun Folgendes: Damals im Jahre [1906] befand sich Leadbeater in sehr schwierigen Verhältnissen, und Doktor Steiner war der Einzige, der ihn in energischer und sachlich begründeterweise verteidigt hat. Es sei in diesem Zusammenhange gesagt, da die meisten unserer Mitglieder in Deutschland von dem Falle gar nichts erfahren haben, dass selbst unsere Präsidentin Annie Besant eine scharfe Angreiferin Leadbeaters war und bezüglich dessen, um was es sich da handelte, den Ausspruch getan hat, dass es eine «moral insanity» sei, wogegen Doktor Steiner in begründeter Weise die Partei Leadbeaters ergriffen und ihn verteidigt hat. Dass Doktor Steiner in dieser Weise gehandelt hat, hat ihm später manchen Vorwurf eingebracht. Was der Fall Leadbeater eigentlich war, damit haben wir uns heute nicht zu beschäftigen. Die Tatsache steht aber fest und kann jederzeit belegt werden durch Zeugen, dass genau das Gegenteil der Fall ist von dem, was Doktor Vollrath in seinem Pamphlet zum Ausdruck bringt. So können wir von Satz zu Satz gehen.
[ 90 ] The truth of the matter is this: Back in [1906], Leadbeater found himself in a very difficult situation, and Dr. Steiner was the only one who defended him vigorously and on objective grounds. It should be noted in this context—since most of our members in Germany knew nothing at all about the case—that even our president, Annie Besant, was a fierce critic of Leadbeater and, regarding the matter at hand, declared it to be a case of “moral insanity,” whereas Dr. Steiner, on well-founded grounds, took Leadbeater’s side and defended him. The fact that Dr. Steiner acted in this manner later earned him many accusations. We need not concern ourselves today with what the Leadbeater case actually was. However, the fact remains—and can be substantiated at any time by witnesses—that the exact opposite is true of what Dr. Vollrath expresses in his pamphlet. We can go through this sentence by sentence.
[ 91 ] Wenn wir ferner lesen, was Doktor Vollrath schreibt: «Erst als ich dem Generalsekretär der Ungarischen Sektion erklärte, die Intervention unserer verehrten Frau Präsidentin anzurufen, wurde mir gnädigst erlaubt, an dem Kongresse teilzunehmen, trotzdem ich bereits seit Monaten die Zulassungskarte in Händen hatte, so ist dazu zu bemerken, dass diejenigen, welche dabei gewesen sind, wissen, dass Doktor Steiner ihm die Teilnahme nicht verweigert, sondern ermöglicht hat. Wenn Doktor Vollrath aber sagt, dass er nicht zugelassen worden sei, trotzdem er die Zulassungskarte seit Monaten in Händen hatte, so muss dagegen erklärt werden, dass er sich diese Zulassungskarte dadurch verschafft hatte, dass er sein durch den Ausschluss ungültig gewordenes Diplom der Deutschen Sektion in Budapest eingereicht und daraufhin die Zulassungskarte ausgehändigt erhalten hat.
[ 91 ] Furthermore, when we read what Dr. Vollrath writes: “It was only when I explained to the Secretary General of the Hungarian Section that I would seek the intervention of our esteemed President that I was graciously permitted to participate in the congress, even though I had already had the admission card in my possession for months.” It should be noted here that those who were present know that Dr. Steiner did not deny him participation, but rather made it possible. However, when Dr. Vollrath states that he was not admitted, even though he had held the admission card for months, it must be clarified that he had obtained this admission card by submitting his diploma from the German Section—which had become invalid due to his expulsion—to the Budapest office and subsequently receiving the admission card in return.
[ 92 ] So geht es weiter. Es würde uns allzu weit führen, wollten wir alles durchhecheln, was hier in der Schmähschrift steht. Das Einzige, was man sagen kann, ist, dass in solcher Weise jeder Satz etwas von versteckter Bosheit enthält. Nehmen Sie das, was Sie vorhin gehört haben. Ist es nicht die reinste Ironie, wenn Doktor Vollrath dann auf Seite 9 seiner Schmähschrift sagt: «Der feine seelische Takt des Okkultisten, der tiefer in das Seelenleben der andern hineinschaut, erlaubt es nicht, dass er restlos das Seelenleben seiner Gegner vor der Öffentlichkeit enthüllt, denn dadurch lenkt er die Aufmerksamkeit der andern zu sehr auf das Unwesentliche, die Person, auf Kosten des Wesentlichen, der Prinzipien und der Aufgaben der Theosophischen Gesellschaft, denen aber in erster Linie die Aufmerksamkeit und das konzentrierte Interesse gilt. Ich habe deshalb nur andeutungsweise versucht, einige Erklärungen zu geben, die die absichtlich verschleierten Umstände meines Ausschlusses bis zu einem gewissen Grade aufhellen könnten. Ich kann aber heute noch nicht voraussehen, welche Konsequenzen eintreten werden, da das von der Antwort abhängt, die mir von der Deutschen Sektion gegeben wird.»
[ 92 ] And so it goes on. It would take us far too far afield if we were to go through everything that is written here in this diatribe. The only thing one can say is that, in this way, every sentence contains a touch of hidden malice. Take what you heard just now. Isn’t it the purest irony when Dr. Vollrath then says on page 9 of his diatribe: “The occultist’s refined spiritual sensitivity, which looks more deeply into the inner lives of others, does not permit him to completely expose the inner lives of his opponents to the public, for in doing so he draws the attention of others too much to the unessential—the person—at the expense of the essential: the principles and the tasks of the Theosophical Society, to which, however, attention and concentrated interest are primarily directed.” I have therefore attempted only to offer some hints that might, to a certain extent, shed light on the deliberately obscured circumstances of my expulsion. However, I cannot yet foresee what consequences will ensue, as this depends on the response I receive from the German Section.”
[ 93 ] Damit ist gesagt, wer der Seelenforscher ist; wer so taktvoll ist, dass er das Seelenleben seiner Gegner nicht restlos vor der Öffentlichkeit enthüllt. Aber dieser taktvolle Seelenforscher enthüllt gerade genug, um in seiner Weise zu wirken nach dem alten Prinzipe: «Wenn es auch nicht wahr ist, etwas bleibt doch davon hängen.»
[ 93 ] This tells us who the soul researcher is—one who is tactful enough not to completely expose the inner lives of his opponents to the public. But this tactful psychologist reveals just enough to have an effect in his own way, following the old principle: “Even if it isn’t true, something of it still sticks.”
[ 94 ] Ich bin in der Deutschen Sektion der Ehre keines Mitgliedes zu nahegetreten, wer das Gegenteil behauptet, der trete vor» Um diesen Satz im richtigen Lichte erscheinen zu lassen, bitte ich nochmals folgende Worte zu hören, die Sie leider schon einmal haben hören müssen: «Mir war die Quelle bekannt, woher Frau Wolfram das Geld für die Ausbildung ihrer beiden Kinder nahm, sie hatte damals zwei. Das war ihr schr peinlich, und sie fürchtete sich vor meiner Mitwisserschaft, das erklärt teilweise die kühne Anstrengung, mich unschädlich zu machen.»
[ 94 ] “I have not offended the honor of any member of the German Section; let anyone who claims otherwise step forward.” To put this statement in its proper context, I ask you once again to listen to the following words, which you have, unfortunately, already had to hear: “I knew the source from which Mrs. Wolfram obtained the money for the education of her two children—she had two at the time. This was deeply embarrassing to her, and she feared that I was privy to this secret; that partly explains her audacious effort to neutralize me.”
[ 95 ] Meine Freunde, wer eine solche Sprache führt, der begibt sich in die Reihe derjenigen, die den anständigen Menschen nicht mehr angehören. Ein Mensch, der in dieser Weise etwas ausspricht, was, man darf schon sagen, neben aller Gemeinheit auch noch den Charakter der Drohung hat, ist nicht würdig, unter anständigen Leuten gehört zu werden. Wir aber vertreten noch etwas anderes als nur den Anspruch, anständige Menschen zu sein. Das, was im Allgemeinen in der Welt als Tugend gilt, das soll uns etwas Selbstverständliches sein, das wir gar nicht als etwas Besonderes zu erwähnen haben. Wir haben etwas zu vertreten, was hoch über alledem steht, was als gewöhnliche Pflicht, als gewöhnliche Tugend anerkannt wird. Deshalb ist es auch unsere Pflicht, in unseren Handlungen so vorzugehen, dass sich ein Einvernehmen, eine Harmonie darstellt, und deshalb wurde es von meinem Vorredner so energisch betont, dass wir uns nicht damit begnügen können, jetzt einfach zur Tagesordnung überzugehen oder etwa ein Vertrauensvotum entgegenzunehmen in der Art, wie das sonst üblich ist. Nein, unser verehrter Führer, der ganze Vorstand ist in unerhörter Weise gekränkt durch das, was da geschehen ist. Für diese Dinge gibt es nur eines, nämlich: dass die Generalversammlung des heutigen Tages in irgendeiner charakteristischen Weise sich äußert, damit wir in der Zukunft sicher sind, dass solche Dinge uns unsere kostbare Zeit nicht wieder nehmen, dass solche Dinge in unsere Versammlungen nicht eine Stimmung hineintragen, wie sie wirklich in theosophischen Generalversammlungen nicht vorhanden sein soll.
[ 95 ] My friends, anyone who uses such language joins the ranks of those who no longer belong among decent people. A person who speaks in this manner—saying something that, it must be said, not only borders on meanness but also takes on the character of a threat—is not worthy of being counted among decent people. But we stand for something more than merely the claim to be decent people. What is generally regarded as a virtue in the world should be something so self-evident to us that we do not even need to mention it as something special. We have something to uphold that stands far above all that is recognized as ordinary duty or ordinary virtue. That is why it is also our duty to conduct ourselves in such a way that unity and harmony are reflected in our actions; and that is why the previous speaker so emphatically stressed that we cannot be content simply to move on to the agenda now or to accept a vote of confidence in the manner that is otherwise customary. No, our esteemed leader, the entire Executive Board has been deeply offended by what has happened. There is only one solution to these matters, namely: that today’s General Assembly express itself in some distinctive way, so that we may be certain in the future that such things will not again rob us of our precious time, and that such things will not introduce into our meetings an atmosphere that truly has no place in Theosophical General Assemblies.
[ 96 ] Nehmen Sie alles in allem. Ist nicht ein jedes Wort, was da gesprochen wird, sowohl von dem, was Doktor Vollrath selber sagt, wie auch von dem, was seine Anhänger zur Begründung des Antrages vorbringen, voller Widerspruch? Oder ist es nicht ein Widerspruch, wenn in dem Schreiben des Herrn Doktor Hübbe-Schleiden gesagt wird, dass er sich nicht einverstanden erklärt mit dem Ton und mit dem Inhalte der Ausführungen Doktor Vollraths, dass er aber trotzdem seinen Antrag unterstützt. Ist es nicht sonderbar, dass Doktor Hübbe-Schleiden sich weder mit Form noch mit Inhalt einverstanden erklären kann - was bleibt da eigentlich übrig? - aber trotzdem den Antrag unterstützt? «Ich bin nicht auf der Generalversammlung gewesen, «der Inhalt der Eingabe Doktor Vollraths widerspricht meinem Empfinden, «die Form widerspricht meinem Empfinden» - aber ich unterstütze den Mann: Das sind Widersprüche in sich, da ist nirgends ein gesunder Halt, ein gesunder Boden, auf dem man fußen könnte. Aus heiterem Himmel heraus soll uns ein Blitzstrahl treffen. Wir wollen nicht alte Sachen aufwärmen, nicht etwas Beschlossenes, was längst erledigt ist, und wozu kein Anlass vorliegt, uns jemals wieder damit zu beschäftigen, aufs Neue einer Verhandlung unterwerfen. Nicht handelt es sich darum, uns mit etwas zu beschäftigen, was längst in gründlicher Weise erledigt ist, sondern darum, dass wir Stellung nehmen gegenüber solchen Strömungen, die sich dadurch kundgeben, dass, zum Teil sogar in einer ganz, ungehörigen Form, in einer unglaublichen Weise vorgegangen wird. Ich möchte nur an den Brief erinnern, der Ihnen vorgelesen wurde, in dem die Einsendung des Kassenberichtes, wie er in den Statuten vorgesehen ist, verlangt wird. Drohend mit Klagen und Gericht wird da vorgegangen; und dann behaupten diese Leute noch, alle diese Dinge im Interesse der Theosophie zu tun.
[ 96 ] Take it all in all. Isn’t every word spoken here—both what Dr. Vollrath himself says and what his supporters put forward to justify the motion—full of contradictions? Or isn’t it a contradiction when Dr. Hübbe-Schleiden’s letter states that he does not agree with the tone or the content of Dr. Vollrath’s remarks, yet he nevertheless supports his motion? Isn’t it strange that Dr. Hübbe-Schleiden cannot agree with either the form or the content—what is actually left then? —yet he still supports the motion? “I was not present at the general meeting,” “the content of Dr. Vollrath’s submission contradicts my sensibilities,” “the form contradicts my sensibilities”—but I support the man: These are contradictions in themselves; there is nowhere to find a firm footing, solid ground on which to stand. Out of the blue, a bolt of lightning is supposed to strike us. We do not want to rehash old issues, nor do we want to subject to renewed deliberation something that has already been decided, that has long since been settled, and for which there is no reason to ever deal with it again. It is not a matter of dealing with something that has long since been thoroughly settled, but rather of taking a stand against such trends, which manifest themselves in actions—sometimes even in a completely inappropriate manner—that are carried out in an unbelievable way. I would just like to recall the letter that was read to you, in which the submission of the financial report—as required by the bylaws—is demanded. They are proceeding by threatening lawsuits and court action; and then these people even claim to be doing all these things in the interest of Theosophy.
[ 97 ] Und dann: Liegt nicht ein grotesker Widerspruch darin, dass derselbe, der dieses Pamphlet geschrieben hat, auch der Verfasser des andern Briefes ist, worin er versöhnend die Hand reicht und sich in einer Weise auslässt, die es fast unglaublich erscheinen lässt, dass diese beiden Schriftstücke von demselben Menschen herstammen? Für uns, die wir seit langen Jahren im Vorstande mit tätig sind, hat sich daraus ergeben, dass wir unter keinen Umständen in dieser Weise weiterwirken können. Wir haben seiner Zeit unsere Pflicht getan; das wussten wir damals, das wissen wir auch heute. Heute aber können wir nichts weiter tun. Heute ist es die Theosophische Gesellschaft, das heißt deren Deutsche Sektion, die es in der Hand hat, nun zu wirken, dass es zum Heile oder zum Unheile werde. Wir haben vorhin aus berufenem Munde gehört, was es für uns bedeutet, in diese Bewegung eingetreten zu sein, die sich in unserer Deutschen Sektion offenbart, wir haben gehört Worte, die gewiss nachhaltig in den Herzen derer wirken werden, die aus innerstem Wesen heraus Theosophen sind, nicht deshalb, weil sie ihren Beitrag bezahlen, sondern weil sie in ihrem innersten Wesen empfinden, welch ein Glück es ist, einer solchen Bewegung dienen zu können. Und auch in den Worten, die dieses Große und Gewaltige dartaten, klang es uns wie eine gewaltige Mahnung entgegen, dass ein solches Gut, das uns anvertraut wird, auch eine große Verantwortlichkeit uns auferlegt. Der Sinn und Zweck meines Sprechens ist, dass Ihnen diese Verantwortlichkeit klar werden möge, dass Sie sich darüber einig sind, dass wir ein solches Gut nur verdienen können, wenn wir uns jederzeit jener gewaltigen Verantwortlichkeit bewusst bleiben, die wir auf uns genommen haben. Seien wir uns klar darüber: Nicht die Gegner können unsere Gesellschaft, die äußere Form der theosophischen Bewegung, zerstören; nicht Doktor Vollrath, auch nicht die, welche ihn stützen wollen. Wir selber aber können sie zerstören, wenn wir es in falscher Sentimentalität versäumen, mit Entschiedenheit diejenigen zurückzuweisen, die an den Grundfesten unserer Bewegung und Gesinnung rütteln wollen. Wir wollen mit aller Kraft einstehen für unsere Sache als Menschen, die allerdings nicht glauben, schon Theosophen zu sein; die aber ernst danach streben, Theosophen zu werden.» Nun hat das Wort Herr Molt: «Ich glaube im Namen aller Anwesenden zu sprechen, wenn ich Herrn Arenson für seine warme Ansprache innigen Dank sage, gleichzeitig mich aber auch zum Sprachrohr derselben mache, indem ich sage: Es bedarf nicht des Appells, um in diesem Falle den richtigen Weg zu gehen. Ich habe das Gefühl, wir tun dem Verfasser der Schmähschrift viel zu viel Ehre an, wenn wir nur noch mit einem Worte auf die Einzelheiten derselben eingehen. Ich habe das Gefühl, im Namen der weitaus größten Mehrzahl hier auszusprechen, dass wir es uns verbitten müssen, unsere kostbare Zeit und die schöne Stimmung, mit der wir hierhergekommen sind, durch derartige Sachen zu verderben. Es muss wie ein Schrei der Empörung, der Entrüstung durch unsere Reihen gehen, dass man uns an einem solchen Tage noch mit diesen Sachen kommt; und ich muss bekennen, ich bedauere diejenigen, die als Antragsteller in dieser Angelegenheit hier aufgetreten sind, und es gewagt haben, eine solche Sache zu unterstützen. Ich glaube es als selbstverständlich betrachten zu dürfen, dass wir die Debatte schließen, und ich glaube ferner, es bedarf keines Vertrauensvotums gegenüber dem Vorstande, dass er seinerzeit richtig gehandelt hat. Wir brauchen nur die Worte, die aus der Schmähschrift uns entgegentönen, auf uns wirken zu lassen, um zu erkennen, dass Doktor Vollrath mit vollem Recht ausgeschlossen ist. Wenn er nicht schon ausgeschlossen wäre, so müsste er heute nicht einmal, sondern dreimal ausgeschlossen werden. Um die Debatte abzukürzen, und unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen, habe ich mir erlaubt, einen Antrag zu formulieren. Ich finde es unter unserer Würde, auch nur mit einem Worte auf die Sache, nochmals einzugehen. Den Antrag habe ich in drei Teile geteilt. Sie lauten:
[ 97 ] And then: Isn’t there a grotesque contradiction in the fact that the very same person who wrote this pamphlet is also the author of the other letter, in which he extends a conciliatory hand and expresses himself in a way that makes it seem almost unbelievable that these two documents were written by the same person? For us, who have been active on the Executive Committee for many years, this has made it clear that under no circumstances can we continue to work in this manner. We did our duty in its time; we knew that then, and we know it today. Today, however, we can do nothing more. Today it is the Theosophical Society—that is, its German Section—that holds the power to determine whether the outcome will be for the good or for the bad. We have just heard from an authoritative source what it means for us to have joined this movement, as it manifests itself in our German Section; we have heard words that will certainly have a lasting effect on the hearts of those who are Theosophists from the depths of their being—not because they pay their dues, but because they feel in their innermost being what a blessing it is to be able to serve such a movement. And in the words that described this great and mighty work, it also sounded to us like a powerful reminder that such a blessing, entrusted to us, also imposes a great responsibility upon us. The purpose of my remarks is that this responsibility may become clear to you, that you may agree that we can only be worthy of such a treasure if we remain constantly aware of the immense responsibility we have taken upon ourselves. Let us be clear about this: It is not our opponents who can destroy our society, the outward form of the Theosophical Movement; nor is it Dr. Vollrath, nor even those who seek to support him. But we ourselves can destroy it if, in a spirit of false sentimentality, we fail to resolutely reject those who seek to shake the very foundations of our movement and our convictions. Let us stand up with all our strength for our cause as people who, admittedly, do not yet consider themselves Theosophists; but who earnestly strive to become Theosophists.” Now Mr. Molt has the floor: “I believe I speak on behalf of everyone present when I express my heartfelt thanks to Mr. Arenson for his warm address; at the same time, however, I also make myself the mouthpiece of that same sentiment by saying: There is no need for an appeal to take the right course in this case. I feel that we are giving the author of the libel far too much credit if we even bother to address its details with a single word. I feel I speak on behalf of the vast majority here when I say that we must refuse to allow our precious time and the pleasant atmosphere with which we have come here to be spoiled by such matters. A cry of outrage and indignation must go up through our ranks that such matters are still being brought before us on a day like this; and I must confess that I pity those who have appeared here as proposers in this matter and dared to support such a thing. I believe I may take it for granted that we will close the debate, and I further believe that no vote of confidence in the Executive Board is needed to confirm that it acted correctly at the time. We need only let the words that echo at us from the defamatory pamphlet sink in to realize that Dr. Vollrath has been expelled with full justification. If he had not already been expelled, he would have to be expelled not just once, but three times today. To cut the debate short and express our sentiments, I have taken the liberty of drafting a motion. I find it beneath our dignity to address the matter again, even with a single word. I have divided the motion into three parts. They read:
[ 98 ] 1. Die zehnte Generalversammlung bringt hiermit ausdrücklich ihre Empörung und Entrüstung über die Schmähschrift des Dr. Vollrath zum Ausdruck.
[ 98 ] 1. The Tenth General Assembly hereby expressly expresses its outrage and indignation at Dr. Vollrath’s defamatory pamphlet.
[ 99 ] 2. Sie lehnt deshalb die Anträge Ahner und Krojanker und Müller ab.
[ 99 ] 2. It therefore rejects the motions submitted by Ahner, Krojanker, and Müller.
[ 100 ] 3. Sie ersucht diese Herren, welche durch ihre Antragstellung sich offensichtlich in Gegensatz zum Geist der Bewegung gestellt haben, die Konsequenz durch ihren Austritt zu ziehen.»
[ 100 ] 3. She asks these gentlemen, who by submitting their motion have clearly placed themselves at odds with the spirit of the movement, to take the logical step of resigning.»
[ 101 ] Dr. Steiner: «Da die gestellten Anträge meritorische und nicht geschäftsordnungsmäßige Anträge sind, so werden diejenigen verehrten Freunde, die bereits in der Rednerliste eingezeichnet sind, das Wort noch zu erhalten haben.»
[ 101 ] Dr. Steiner: “Since the motions presented are on the merits and not procedural motions, those esteemed friends who are already on the list of speakers will still be given the floor.”
[ 102 ] Der nächste Redner ist Herr Pfarrer Klein: «Es ist mit bewegten Tönen auf die christliche Liebe und Duldsamkeit hingewiesen worden. Das hat mich als christlichen Prediger getroffen, und ich musste mich prüfen, ob wir nicht ein Gebot übertreten, wenn wir uns hier gegen die ganze Sache wenden. Ich muss aber auch Herrn Ahner daran erinnern, dass er den Christus nur einseitig gezeichnet hat. Der Christus Jesus ist durchaus nicht immer der liebe Heiland» gewesen, und durchaus nicht immer sind seinem Munde Worte der Nachsicht und Duldung entflossen. Es hat einen Punkt gegeben, wo dieser liebevolle, nachsichtige Christus unerbittlich war, und das war der Punkt, wo die Sache selber infrage kam. Die Pharisäer sind auch brave Leute gewesen; Leute, die einen ehrbaren Lebenswandel führten, die aus voller Ehrlichkeit heraus für ihre Religion stritten, kurz Leute, die in vieler Beziehung ausgezeichnete Menschen gewesen sind. Wir wissen aber auch, dass Christus gerade gegen diese Leute, die immer die Frage aufgeworfen haben: «Was ist das wahre Christentum, was ist das wahre Judentum? — ganz in ähnlicher Weise wie wir von Doktor Vollrath immer hören: «Was ist Theosophie®» in der rücksichtslosesten Weise vorgegangen ist. Ich erinnere nur an die Ausdrücke «Otterngezüch» et cetera. Das sind starke Worte. Und warum war der milde, nachsichtige Jesus genötigt, sie gegen diese Pharisäer zu schleudern? Sie glaubten, er handle aus falschen, schlechten Mächten heraus, er treibe die Teufel mit Belzebub aus und so weiter, und brachten seiner Erscheinung überhaupt das größte Misstrauen entgegen. Das ist der springende Punkt. Denjenigen also, der appelliert an unsere Toleranz und Milde und sagt, wir sollten mit Herrn Vollrath Frieden schließen, möchte ich daran erinnern, dass diejenigen, welche damals gegen Jesum eiferten, welche sein Wesen in so gründlicher Weise verkannten, welche sein Wesen in so schmählicher Weise zurückgewiesen haben, mit den schärfsten Ausdrücken bekämpft worden [sind], und zwar durch Jesus von Nazareth selber, in dem der Christus wohnte. Wir sehen auch hier in unserem Fall, dass der Mann, welcher uns Gottes-Weisheit vermittelt, in dieser Weise missverstanden, misserkannt wird. Wer ihm aber dazu noch solche Motive unterschiebt, wie das hier geschehen ist, wer so gründlich ihn missversteht und seine Gegnerschaft in so hässlicher Form betreibt, der kann nicht mehr in unsern Reihen sein - um Christi und unserer Sache willen. Christus selbst war derjenige, der den Pharisäern entgegengetreten ist, als sie ihn so missverstanden und misserkannten. Wir haben ein gutes Gewissen, wenn wir diesen Dingen in derselben Weise entgegentreten. Wir, die wir von dem ganzen Handel bisher nichts wussten, könnten sagen: Setzt in der Sache ein neues Gericht ein. Frau Wolfram soll sich noch einmal verteidigen. Das könnten wir tun, wenn wir ein Kegelklub oder ein Kriegerverein wären. Wir können es aber nicht tun, weil wir eine Theosophische Gesellschaft sind. Weil wir eine Geistesgemeinschaft bilden, müssen diese Dinge in einer ganz anderen Weise erledigt werden. Wenn wir diese Dinge noch einmal aufrührten, würden wir aussprechen, dass wir weder zu unserem Führer, noch zu unserem Vorstande das mindeste Vertrauen haben. «Wir waren damals nicht dabei», könnten wir, sagen, «wir wollen die Sache nochmals prüfen.» Damit würden wir aber aussprechen, dass wir unserem Lehrer nicht die Fähigkeit zutrauen, den Doktor Vollrath zu durchschauen. Wenn er aber das nicht könnte, dann wäre er nicht unser Lehrer, könnte er nicht unser Führer sein. Wenn er aber diese Fähigkeit hat, dann dürfen wir nicht den gewöhnlichen Maßstab, nicht den Maßstab von anderen Vereinen anlegen und sagen: Hier muss nochmals untersucht werden, hier muss ein Ehrengericht eingesetzt werden und so weiter.
[ 102 ] The next speaker is Pastor Klein: “Christian love and tolerance have been emphasized in moving terms. As a Christian preacher, this struck a chord with me, and I had to ask myself whether we might not be breaking a commandment by opposing this entire matter here. But I must also remind Mr. Ahner that he has portrayed Christ in a one-sided manner. Jesus Christ was by no means always the ‘loving Savior,’ and words of forbearance and tolerance did not always flow from his lips. There was a point where this loving, forbearing Christ was unyielding, and that was the point where the matter itself was called into question. The Pharisees were also good people; people who led honorable lives, who argued for their religion out of complete sincerity—in short, people who were, in many respects, exemplary individuals. But we also know that Christ acted precisely against these people, who always raised the question: “What is true Christianity? What is true Judaism?”—just as we always hear from Dr. Vollrath: “What is Theosophy®?”—He proceeded in the most ruthless manner. I need only recall the expressions “brood of vipers” and so on. These are strong words. And why was the gentle, forgiving Jesus compelled to hurl them at these Pharisees? They believed he was acting out of false, evil powers, that he was casting out demons with Beelzebub, and so on, and they viewed his very appearance with the utmost suspicion. That is the crux of the matter. So to those who appeal to our tolerance and gentleness and say, we should make peace with Mr. Vollrath, I would like to remind them that those who raged against Jesus back then—those who so thoroughly misunderstood his nature, who so shamefully rejected his nature—were confronted with the sharpest words, and indeed by Jesus of Nazareth himself, in whom Christ dwelt. We see here as well, in our own case, that the man who conveys God’s wisdom to us is misunderstood and misjudged in this way. But whoever, on top of that, attributes such motives to him as has happened here—who misunderstands him so thoroughly and pursues his opposition in such an ugly manner—can no longer remain in our ranks—for the sake of Christ and our cause. Christ himself was the one who confronted the Pharisees when they misunderstood and misjudged him in this way. We have a clear conscience when we confront these matters in the same way. We, who have known nothing of this whole affair until now, might say: Let a new trial be held in this matter. Ms. Wolfram should be given another chance to defend herself. We could do that if we were a bowling club or a veterans’ association. But we cannot do so because we are a Theosophical Society. Since we form a spiritual community, these matters must be handled in an entirely different way. If we were to stir up these issues again, we would be declaring that we have not the slightest confidence in either our leader or our executive committee. “We weren’t there at the time,” we might say, “we want to examine the matter again.” But in doing so, we would be implying that we do not trust our teacher to see through Dr. Vollrath. But if he were unable to do so, then he would not be our teacher, nor could he be our leader. If, however, he does possess this ability, then we must not apply the usual standard—not the standard of other associations—and say: “This must be investigated again; a court of honor must be convened,” and so on.
[ 103 ] Ich habe schon heute Nachmittag darauf hingewiesen, was ich von dieser Sache verstehe und halte. Daher dürfen wir aber auch unter keinen Umständen gestatten, dass unser Führer in dieser Weise heruntergesetzt wird. In der vorgeschlagenen Art vorgehen kann schließlich ein Verein, wenn sein Obmann angegriffen worden ist. Wenn aber ein Mann, der uns Gottesweisheit vermittelt, in dieser Weise angegriffen wird, dann ist das etwas, was wir unter keinen Umständen dulden können.
[ 103 ] I already pointed out this afternoon what I understand and think about this matter. Therefore, we must not under any circumstances allow our leader to be disparaged in this way. After all, an association may proceed in the manner suggested if its chairman has been attacked. But when a man who imparts God’s wisdom to us is attacked in this way, that is something we cannot tolerate under any circumstances.
[ 104 ] Herr Bauer hat gesagt, dass es schlimm sei, dass ein solches Verfahren noch Verteidigung gefunden hat in unseren eigenen Reihen. Es ist noch etwas anderes schlimm. Und das ist es, was ich jetzt sagen werde: Ich finde, dass Doktor Vollrath, trotzdem er aus unserer Sektion ausgeschlossen worden ist, eine ungeheure Stütze empfängt durch die Präsidentin unserer Theosophischen Gesellschaft, indem sie ihn in ganz besonderer Weise mit ihrem Vertrauen beehrt und ihm Ämter verleiht, sodass sein Vorgehen gegen uns durch die Präsidentin Annie Besant noch eine besondere Stütze und Stärke erhält. Wir müssen daher bis an die Wurzel des Übels gehen. Wir müssen Adyar zur Kenntnis bringen, dass wir jede Unterstützung des Doktor Vollrath direkt oder indirekt durch das Hauptquartier Adyar als eine Schädigung der theosophischen Arbeit in Deutschland betrachten. Wir dulden nicht, dass der Generalsekretäi unserer Sektion hier dauernd beschimpft wird, und dass solche Persönlichkeiten dort Schutz und Unterstützung finden. Und das ist der Nerv der Sache. Ich fühle deutlich: Wir stehen an einem wichtigen Zeitpunkte, und wir müssen nach Adyar zu erkennen geben, dass wir ein solches Spiel nicht dulden, dass der Mann dort Unterstützung findet, der unseren Führer und Generalsekretär beschimpft.
[ 104 ] Mr. Bauer said that it was unfortunate that such a course of action has still found support within our own ranks. There is something else that is unfortunate. And this is what I am about to say: I believe that Dr. Vollrath, despite having been expelled from our section, receives tremendous support from the President of our Theosophical Society, who honors him in a very special way with her trust and bestows offices upon him, so that his actions against us are given further support and strength by President Annie Besant. We must therefore get to the root of the problem. We must make it clear to Adyar that we regard any support for Dr. Vollrath—whether direct or indirect—from the Adyar headquarters as detrimental to theosophical work in Germany. We will not tolerate the constant vilification of our Section’s General Secretary here, nor will we tolerate such individuals finding protection and support there. And that is the crux of the matter. I feel clearly that we are at a critical juncture, and we must make it known to Adyar that we will not tolerate such games—that the man who vilifies our leader and General Secretary finds support there.
[ 105 ] Ich bitte Sie, den folgenden Antrag anzunehmen: Nachdem die Generalversammlung 1911 nach eingehenden Verhandlungen mit großer Einmütigkeit und Entschiedenheit die vom Vorstand und der Generalversammlung 1908 ausgesprochene Aberkennung der Mitgliedschaft Doktor Vollraths neuerdings gutgeheißen hat, gibt die Generalversamm lung dem Hauptquartier in Adyar zu bedenken, dass fortan jede direkte oder indirekte Unterstützung Doktor Vollraths, wie sie in der letzten Zeit stattgefunden hat, von der Deutschen Sektion der theosophischen Gesellschaft als eine Schädigung ihres Ansehens und ihrer Arbeit angesehen werden muss.»
[ 105 ] I ask you to approve the following motion: Since the 1911 General Assembly, following thorough deliberations, has recently endorsed with great unanimity and determination the revocation of Dr. Vollrath’s membership—a decision previously made by the Executive Board and the 1908 General Assembly— the General Assembly calls upon the headquarters in Adyar to bear in mind that, from now on, any direct or indirect support for Dr. Vollrath, such as has taken place recently, must be regarded by the German Section of the Theosophical Society as damaging to its reputation and its work.”
[ 106 ] Molt: «Ich beantrage Schluss der Debatte.»
[ 106 ] Molt: “I move to close the debate.”
[ 107 ] Ahner: «Nachdem die ganze Angelegenheit so weit gediehen ist, möchte ich bitten, die Debatte nicht zu unterbrechen. Es wäre das eine Benachteiligung der angegriffenen Personen, wenn sie nicht zu Worte kämen, nachdem sie in einer solchen Weise bloßgestellt sind. Es erfordert dies das Gebot der Gerechtigkeit und die Rücksicht auf jeden der Angegriffenen. Es ist keine Kunst, jemanden zu bekämpfen, von dem man weiß, dass er sich nicht verteidigen kann.»
[ 107 ] Ahner: “Now that the whole matter has come this far, I would ask that the debate not be interrupted. It would be an injustice to the persons under attack if they were not given a chance to speak after having been exposed in such a manner. This is required by the principle of justice and out of consideration for each of the persons under attack. It is no great feat to attack someone whom you know cannot defend themselves.”
[ 108 ] Dr. Steiner: «Ich habe mir vorgenommen, in keiner Weise in diese Debatte einzugreifen und habe daher auch davon Abstand genommen, während der Debatte den Vorsitz an jemand andern zu übertragen. Ich denke, es kommt nicht darauf an, dass ich den Vorsitz während dieser Debatte einem anderen übertrage, sondern darauf, dass Sie einverstanden sind mit der Objektivität, mit welcher ich mich bemühe, die Sache zu führen. Sie werden daher auch damit einverstanden sein, dass ich jetzt ein paar Worte zu Ihnen spreche.
[ 108 ] Dr. Steiner: “I have resolved not to intervene in this debate in any way, and have therefore refrained from handing over the chair to anyone else during the debate. I do not think it matters whether I hand over the chair to someone else during this debate; what matters is that you agree with the objectivity with which I am striving to conduct the proceedings. You will therefore also agree that I now say a few words to you.
[ 109 ] Es ist unmöglich, dass wir jetzt einen Antrag auf Schluss der Debatte annehmen. Die Sache muss besprochen werden, und wir haben kein Recht, in diesem Stadium einen Antrag auf Schluss der Debatte zu stellen oder einen solchen anzunehmen, nachdem im Laufe der Debatte so viele Fragen aufgenommen worden sind. Da sind Dinge berührt von der außerordentlichsten Wichtigkeit für uns und unsere Theosophische Gesellschaft. Dasjenige, was hier wirklich schädigen würde, wäre ein bequemes Beiseiteschieben der Sache durch Annahme eines Antrages auf Schluss der Debatte. Wenn diese Art, sich vor allzu langen Debatten zu retten, auch häufig zur Anwendung gekommen ist, so bitte ich doch: Schieben Sie heute nicht wieder die Debatte in dieser bequemen Weise auf die Seite, sondern betrachten Sie es als Ihre Pflicht, die Sache tatsächlich zu Ende zu führen. Mit den Bemerkungen, die Herr Pfarrer Klein ausgesprochen hat, sind so viele neue Gesichtspunkte in die Debatte hineingekommen, und nun sollen wir einen Antrag auf Schluss der Debatte annehmen? Das ist unmöglich. Ich verstehe eigentlich nicht, warum im Laufe einer solchen Debatte, da eine ganze Anzahl von Rednern noch in der Liste eingetragen ist - ganz abgesehen davon, wer hier Verteidiger und Ankläger, Angegriffener und Angreifer ist - diese nicht in der ausgiebigsten Weise zu Worte kommen sollen? Da eine weitere Erörterung dieser Dinge wünschenswert ist, so möchte ich Sie bitten, nicht den unmöglichen Antrag auf Schluss der Debatte zu stellen.
[ 109 ] It is impossible for us to accept a motion to close the debate at this time. The matter must be discussed, and we have no right to propose or accept a motion to close the debate at this stage, after so many issues have been raised in the course of the debate. Matters of the utmost importance to us and our Theosophical Society have been raised. What would truly be harmful here would be to conveniently brush the matter aside by accepting a motion to close the debate. Even though this method of avoiding overly long debates has often been used, I nevertheless ask: Do not once again set the debate aside in this convenient manner today, but consider it your duty to actually see the matter through to the end. With the remarks made by Reverend Klein, so many new perspectives have entered the debate, and now we are supposed to accept a motion to close the debate? That is impossible. I really do not understand why, in the course of such a debate—given that a whole number of speakers are still on the list, quite apart from who here is the defender and who is the accuser, the attacked and the attacker—they should not be allowed to speak at length? Since further discussion of these matters is desirable, I would ask you not to make this unreasonable motion to close the debate.
[ 110 ] Was ich eben sagte, betrifft auch den Antrag, den ich schriftlich erhalte und den ich noch zur Verlesung bringen muss.»
[ 110 ] What I just said also applies to the motion I have received in writing and which I still need to have read aloud.»
Im Namen der Zweige Hamburg und Bremen stellen die Delegierten dieser Zweige den Antrag, «nachdem, durch die stattgefundenen Erörterungen, die Sachlage betreffend, die gestellten Anträge genügend geklärt erscheinen, die Diskussion zu schließen, die gestellten Anträge abzulehnen, und dem Vorstande der Sektion insbesondere Herrn Dr. Steiner ihren Dank und ihr Vertrauen durch Erheben von den Sitzen auszusprechen; die Generalversammlung, möge ferner, den Vorstand ermächtigen, ähnliche Anträge in Zukunft innerhalb des Vorstandes zur endgültigen Entscheidung zu bringen, gleichzeitig geeignete Statutenänderungen vorzubereiten, die ähnliche Vorkommnisse für die Zukunft unmöglich machen.»
G. F. Scharlau, J. G. Schröder,
Schwester Louise Hesselmann,
Albert Dibbern, Leinhas.
On behalf of the Hamburg and Bremen chapters, the delegates of these chapters move that, “since the discussions that have taken place regarding the matter at hand appear to have sufficiently clarified the motions that have been submitted, the discussion be closed, the motions be rejected, and the section’s executive board—in particular Dr. Steiner—be thanked and expressed our confidence in them by rising from our seats; furthermore, that the General Assembly authorize the Executive Board to bring similar motions to a final decision within the Executive Board in the future, while at the same time preparing appropriate amendments to the bylaws that will prevent similar incidents from occurring in the future.”
G. F. Scharlau, J. G. Schröder,
Sister Louise Hesselmann,
Albert Dibbern, Leinhas.
[ 111 ] [Rudolf Steiner:] «Es kommt heute nicht darauf an ein Vertrauensvotum zu erhalten, sondern darauf, dass wir die vorliegenden prinzipiellen Dinge zur Entscheidung bringen. Es handelt sich nicht um den Vorstand, nicht um die Person Doktor Vollraths, nicht um meine Person, sondern um Dinge prinzipieller Art, und da kann man nicht durch Erheben von den Sitzen seine Meinung zum Ausdruck bringen. In so bequemer Art dürfen wir heute die Sache nicht erledigen.»
[ 111 ] [Rudolf Steiner:] “What matters today is not obtaining a vote of confidence, but rather that we reach a decision on the matters of principle at hand. This is not about the Executive Board, not about Dr. Vollrath personally, not about me personally, but about matters of principle, and one cannot express one’s opinion by rising from one’s seat. We must not settle this matter in such a convenient manner today.”
[ 112 ] Der Antrag auf Schluss der Debatte wird abgelehnt.
[ 112 ] The motion to close the debate is denied.
[ 113 ] Darauf werden die Anträge Molt, Hamburg, Bremen zurückgezogen, und die Debatte nimmt ihren Fortgang.
[ 113 ] The motions by Molt, Hamburg, and Bremen are then withdrawn, and the debate continues.
[ 114 ] Pastor Wendt: «Vor drei Jahren war ich derjenige; der beantragte: Wir wollen vorläufig den Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als einen der unsrigen betrachten, deshalb «vorläufig, weil ich mir damals sagte, der junge Mann kann sich in drei Jahren ja bessern. Er hat das nicht getan, im Gegenteil, er bohrt weiter. Nun ist es aber die höchste Zeit, dass wir diesem Gelichter an den Kragen gehen. Ich bin ein alter Mann heute; wir haben es aber früher in unserer Studenten-Verbindung oft gehabt, dass wir Füchse durchgeschleppt haben. Wenn die Jungens aber vor einer Mensur kneifen wollten, so flogen sie ohne Gnade hinaus. Das war für uns eine Selbstverständlichkeit. Wenn man aber heute unsere Sache so schlechtmacht, wie es hier geschehen ist, dann sage ich auch heute noch: Hinaus damit. Mit solchen Jungens, mit solchem Gelichter will ich nicht in der Hölle zusammensitzen, geschweige denn im Himmel.»
[ 114 ] Pastor Wendt: “Three years ago, I was the one who proposed: ‘For the time being, let us no longer consider Dr. Vollrath one of our own.’ I said ‘for the time being’ because I told myself back then that the young man might improve in three years. He hasn’t done that; on the contrary, he keeps pushing it. But now it’s high time we cracked down on this rabble. I’m an old man now, but back in our fraternity days, we often had to drag “foxes” through the ranks. But if the boys tried to chicken out before a duel, they were kicked out without mercy. That was a given for us. But when people disparage our cause as much as they have here, then I still say today: Out with them. I don’t want to sit with such boys, with such riffraff, in hell—let alone in heaven.”
[ 115 ] Dr. Steiner: «Die Ausdrücke Jungens und so weiter wollen wir vermeiden.»
[ 115 ] Dr. Steiner: “Let’s avoid using terms like ‘boy’ and so on.”
[ 116 ] Pastor Wendt: «Es liegt doch so, dass jemand in unserer Gesellschaft bleiben will, obgleich er wider die Gesellschaft arbeitet. Wenn wir wider die Wahrheit arbeiten, so haben wir einen Fehler gemacht, das wissen wir. Wenn wir aber noch dazu den Fehler leugnen, dann können wir überhaupt nicht vorwärtskommen. Es ist eine viel zu heilige, viel zu ernste Sache, das Christus-Prinzip in die Welt zu bringen, als dass ich es für berechtigt halten könnte, sie so in der Debatte zu gebrauchen. Ich habe dem Herrn, nachdem ich von diesen Dingen Kenntnis genommen habe, vorhin auch gesagt: Jetzt sind wir geschiedene Leute, jetzt ist es aus mit uns. Wie können Sie solche Sachen in die Welt setzen und uns dazu noch drohen, uns in dieser Weise vor die Öffentlichkeit zu bringen. Lieber Sohn, sagte ich, dazu gehört noch etwas anderes. Ich möchte bemerken, dass der beste Ausweg aus dieser Sache - damit wir sie nicht alle Jahre haben - der zu sein scheint, dass wir uns durch Annahme des folgenden Antrages für die Zukunft schützen: Ausgeschlossen ist jedes Mitglied, das gegen den Geist der Theosophischen Gesellschaft nach dem Urteil der Generalversammlung verstoßen hat. Wenn es nötig wäre, könnte ich Ihnen den Ernst der Sache noch weiter darlegen. Es ist eine alte Sache: Wer nicht ausschließt, schließt auch nicht ein. Wir müssen aber unter den obwaltenden Umständen unsere Arbeit schützen und wahren und dürfen nicht etwa auf zwei Schultern Wasser tragen. Wir müssen vielmehr klipp und klar sagen: Mann, du gehörst nicht zu uns.»
[ 116 ] Pastor Wendt: “The fact is that someone wants to remain in our society even though he is working against it. If we work against the truth, we have made a mistake—we know that. But if, on top of that, we deny the mistake, then we cannot move forward at all. Bringing the principle of Christ into the world is far too sacred, far too serious a matter for me to consider it justified to use it in this way in the debate. After learning of these things, I also told the Lord earlier: “Now we are estranged; it’s over between us. How can you put such things out into the world and, on top of that, threaten to expose us to the public in this way?” “Dear son,” I said, “there is something else to consider here.” I would like to note that the best way out of this situation—so that we do not have to deal with it every year—seems to be that we protect ourselves for the future by adopting the following motion: Any member who, in the judgment of the General Assembly, has violated the spirit of the Theosophical Society shall be expelled. If necessary, I could explain the seriousness of the matter to you even further. It is an old adage: He who does not exclude does not include either. But under the prevailing circumstances, we must protect and preserve our work and must not, as it were, carry water on two shoulders. Rather, we must say plainly and clearly: “Man, you do not belong with us.”
[ 117 ] Ahner: «Es ist bedauerlich, dass wir uns mit dieser Materie hier beschäftigen müssen, und es handelt sich auch eigentlich nicht darum, bei dieser alten Geschichte in Erwägung zu ziehen, was damals geschehen ist. Ich selbst war damals mit im Vorstande: Als der Antrag auf Ausschluss des Herrn Doktor Vollrath eingebracht worden ist von Frau Wolfram. Ich muss aber offen gestehen, dass mir vorher nicht die geringste Information über die Angelegenheit zugegangen ist. Ich stand einfach vor einer ganz dunklen Geschichte und war in der Tat höchst erstaunt, diesen Antrag von Frau Wolfram zu hören. Ich habe damals in der Vorstandssitzung weiter nichts in der Sache erblicken können als persönliche Angelegenheiten zwischen diesen beiden Persönlichkeiten. Und aus diesem Grunde habe ich mir gesagt: Aus persönlichen Missverständnissen heraus kann man niemanden aus der Theosophischen Gesellschaft ausschließen. Doktor Vollrath hat auch nie Gelegenheit gehabt, sich zu verteidigen. Er ist nicht zur Vorstandssitzung aufgefordert worden, er hat nicht Gelegenheit gehabt, den Vorstandsmitgliedern Material zu unterbreiten, dass sie hätten Einsicht in die Dinge bekommen können. Es ist lediglich Frau Wolfram gehört worden. «Aber eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man muss sie [billig] hören beede». Das ist, wie ich glaube, ein alter deutscher Spruch, der auch heute noch Geltung hat unter gerechtigkeitsliebenden Menschen.
[ 117 ] Ahner: “It is regrettable that we have to deal with this matter here, and this old story is not really about considering what happened back then. I myself was on the executive committee at the time: when Ms. Wolfram submitted the motion to expel Dr. Vollrath. But I must frankly admit that I had not received the slightest information about the matter beforehand. I was simply faced with a completely obscure situation and was, in fact, extremely surprised to hear this motion from Ms. Wolfram. At the time, during the executive committee meeting, I could see nothing in the matter other than personal issues between these two individuals. And for this reason, I told myself: No one can be expelled from the Theosophical Society on the basis of personal misunderstandings. Dr. Vollrath also never had the opportunity to defend himself. He was not invited to the Executive Committee meeting; he did not have the opportunity to present material to the Executive Committee members that would have allowed them to gain insight into the matter. Only Ms. Wolfram was heard. “But one man’s word is not another man’s word; one must hear both sides [fairly].” This, I believe, is an old German saying that still holds true today among people who love justice.
[ 118 ] Ich muss hier auch gestehen, dass ich durchaus nicht etwa persönlich für Doktor Vollrath einzutreten gedenke oder irgendwie die Absicht habe, mich persönlich in Gegensatz zu irgendwelchem Vorstandsmitgliede zu stellen. Für mich gelten Personen in dieser Angelegenheit gar nichts. Mir sind in dieser Angelegenheit Personen eine Null. Nur in den Leuten, in denen die Person die Oberhand hat, in denen die Person alles sein will, kann das Persönliche Geltung haben, denn Sie wissen ja, vor Gott hat die Person keinen Wert. Ich sage also: Persönlich halte ich diese Angelegenheit für nichtig. Ich würde den Antrag fallen lassen, wenn mein Vorschlag angenommen würde. Lassen Sie den Geist christlicher Nächstenliebe walten und lassen Doktor Vollrath Sektions-Mitglied sein. Dann ist alles gut. Würde er da schaden können? Nein. Wenn Sie das meinen, dann prüfen Sie aber auch die 2000 Mitglieder der Gesellschaft, prüfen Sie die Herzen, fangen Sie an mit dem Prinzipe der Sozialdemokratie: Wer nicht pariert, der fliegt. Tun Sie, was Sie wollen, ich muss aber sagen: Es ist heute ein entscheidender Tag für die Theosophische Gesellschaft. Annie Besant würde, wenn sie hier wäre, sicherlich zum Frieden sprechen, und auch der alte Doktor Hübbe-Schleiden, der jetzt an achtzig Jahre alt ist, unterstützt den Antrag. Die Eingabe, die gemacht ist von Doktor Vollrath, die negiere ich vollständig. Wir haben das nicht geschrieben und brauchen es nicht zu vertreten. Aber ich sage: Urteilen Sie nicht nach dem irdischen Verstande, sondern greifen Sie an Ihr Herz, denken Sie, dass Ihr Intellekt etwas Vergängliches ist, und dass wir das Persönliche, welches kein Ansehen hat vor Gott, fallen lassen. Lassen Sie den Christus in Ihnen sprechen. Die Herren Pastoren haben alles recht schön vorgebracht. Aber ich muss gestehen: Es gibt immer wieder Stellen in der Bibel, die man dazu ausnutzen kann, das Gegenteil zu beweisen von dem, was gesagt ist. Ich verstehe das, was vom Geist der Liebe in der Bibel gesagt ist. Ich glaube die Herren Pastoren werden auch das Kapitel des ersten Korinther-Briefes, welches von dem hohen Liede der Liebe handelt, gelesen haben; oder wenn sie es nicht gelesen haben, dann gucken sie es sich einmal an.»
[ 118 ] I must also admit here that I have absolutely no intention of personally defending Dr. Vollrath or of in any way placing myself in opposition to any member of the board. As far as I’m concerned, individuals count for nothing in this matter. To me, individuals are a zero in this matter. Only in people where the individual has the upper hand—where the individual wants to be everything—can the personal aspect hold any weight, for, as you know, the individual has no value before God. So I say: Personally, I consider this matter to be insignificant. I would withdraw the motion if my proposal were accepted. Let the spirit of Christian charity prevail and allow Dr. Vollrath to be a section member. Then all will be well. Could he do any harm there? No. If that is what you think, then examine the 2,000 members of the Society as well; examine their hearts; start with the principle of social democracy: whoever does not toe the line is out. Do as you please, but I must say: Today is a decisive day for the Theosophical Society. Annie Besant, if she were here, would certainly speak in favor of peace, and even the elderly Dr. Hübbe-Schleiden, who is now eighty years old, supports the motion. As for the petition submitted by Dr. Vollrath, I completely reject it. We did not write that, and we do not need to defend it. But I say: Do not judge according to earthly reason, but reach into your heart; remember that your intellect is something transitory, and that we must let go of the personal, which has no standing before God. Let Christ speak within you. The pastors have presented everything quite well. But I must admit: There are always passages in the Bible that can be exploited to prove the opposite of what is said. I understand what the Bible says about the spirit of love. I believe the pastors have also read the chapter in 1 Corinthians that deals with the Song of Love; or if they haven’t read it, then they should take a look at it.”
[ 119 ] Arenson: «Es ist nicht wahr, dass nur Frau Wolfram in dieser Sache zur Sprache gekommen ist, es ist durchaus so gewesen, wie die Dinge im Protokoll geschildert sind. Wir haben Gelegenheit gehabt, die Sache gründlich zu prüfen. Herr Vollrath hat Gelegenheit gehabt, zu sprechen. Ob Herr Ahner sich in die Sache hat hineinleben können, das zu entscheiden, obliegt uns nicht. Wenn er sagt, dass es nicht der Fall war, so glauben wir es ihm sofort. Wir andern aber haben einen vollständigen Einblick in die Sache bekommen und konnten unsern Entschluss fassen.»
[ 119 ] Arenson: “It is not true that only Ms. Wolfram was mentioned in this matter; things happened exactly as described in the transcript. We had the opportunity to examine the matter thoroughly. Mr. Vollrath had the opportunity to speak. Whether Mr. Ahner was able to fully grasp the situation is not for us to decide. If he says that was not the case, we believe him immediately. The rest of us, however, gained a complete understanding of the matter and were able to reach our decision.”
[ 120 ] Dr. Steiner: «Es sollte hier eine Gepflogenheit sein, auch in scheinbar unwesentlichen Dingen auf das Wahre hinzuweisen: Doktor Hübbe-Schleiden ist nicht an 80, sondern etwa 62 Jahre alt- Herr Günther Wagner verbessert 65 Jahre. Ich bitte das nicht als Pedanterie zu betrachten, wenn ich mit Nachdruck dessen Jugendlichkeit verteidige.»
[ 120 ] Dr. Steiner: “It should be customary here to point out the truth even in seemingly insignificant matters: Dr. Hübbe-Schleiden is not 80, but about 62 years old—Mr. Günther Wagner corrects that to 65. Please do not regard this as pedantry when I emphatically defend his youthfulness.”
[ 121 ] Das Wort hat Herr von Rainer: «Wie der Vorsitzende erwähnt hat, ist die Debatte nicht als eine persönliche, sondern als eine prinzipielle zu betrachten, und ich sehe in dieser ganzen Debatte nicht etwa die Frage zur Entscheidung gestellt, die Personen betrifft, sondern die Frage, ob die Verfassung des Vereins in der Art, wie sie ist, weiterhin bestehen bleiben kann, ob sie in der Art, wie sie gemeiniglich bei den Vereinen besteht, auch bei unserer Gesellschaft fernerhin bestehen bleiben kann. Wenn wir das, was heute gesprochen worden ist, und die Art und Weise, wie Anträge gestellt und begründet worden sind, uns vergegenwärtigen, so müssen wir uns sagen: Es ist etwas darin, was charakteristisch ist für unser heutiges Vereins- und öffentliches Leben und was fußt auf missverstandenen allgemeinen Menschenrechten, indem jedem Menschen im Verein oder im öffentlichen Leben das Recht zugestanden werden soll, dass er alles vorbringen kann, was er nur vorbringen will. Es ist das einfach ein Missbrauch des Wortes. Wir müssen zugestehen, dass schöne Worte gebraucht worden sind zur Unterstützung der Anträge, wir müssen aber auch sagen, dass es nur Worte sind, die in der angedeuteten Art missbraucht wurden. Es handelt sich nicht darum, dass schöne und gute Gründe für den Antrag angeführt worden sind, sondern um etwas anderes, und von diesem anderen sagt jeder der Antragsteller und Verteidiger, dass er damit nichts zu tun haben will. Es handelt sich nämlich um Inhalt und Form der Anträge, die hier eingebracht worden sind. Deshalb müssen wir sagen, dass es mit einem Statut, in der Form, wie es heute ist, nicht weitergehen kann, und daher stelle ich den Antrag: Die zehnte Generalversammlung möge beschließen, dass eine Kommission zur Revision der Statuten im Sinne der von den Herren Bauer und Unger geäußerten Ansichten eingesetzt werde, deren Mitglieder vom Vorstande zu ernennen sind.
[ 121 ] Mr. von Rainer has the floor: “As the chair mentioned, this debate should not be viewed as a personal one, but rather as a matter of principle, and I do not see the issue at stake in this entire debate as one concerning specific individuals, but rather as the question of whether the association’s constitution, as it currently stands, can continue to exist, and whether it can continue to exist in our society in the same way it generally does in other associations. If we reflect on what has been said today and the manner in which motions were proposed and justified, we must conclude: There is something here that is characteristic of our current associational and public life and that is based on a misunderstanding of general human rights—namely, the notion that every person in an association or in public life should be granted the right to raise any issue they wish. This is simply a misuse of the term. We must admit that fine words have been used to support the motions, but we must also say that they are merely words that have been misused in the manner indicated. The issue is not that fine and sound reasons have been cited for the motion, but rather something else—and each of the proposers and defenders of these motions says they want nothing to do with that other thing. The issue, in fact, concerns the content and form of the motions that have been introduced here. Therefore, we must state that we cannot continue with a bylaw in its current form, and for this reason I move the following resolution: May the Tenth General Assembly resolve that a commission be established to revise the bylaws in accordance with the views expressed by Messrs. Bauer and Unger, whose members are to be appointed by the Executive Board.
[ 122 ] Wenn Sie diesen Antrag zum Beschluss erheben, dann werden Sie die positive Seite dessen, was heute hier besprochen worden ist, unterstützen, dann werden Sie die positive Seite hervorkehren. Sie zeigen dann, dass Sie Vertrauen zu unserm Vorstande haben. Weil wir dieses haben, legen wir es in seine Hände, ein Statut zu verfassen, wie es richtig ist für unsere Gesellschaft. Der Vorstand, wird dann auch einen Ausdruck zu finden vermögen, dass in unserer Versammlung ein Verständnis aufzugehen beginnt für das, was uns als Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft hier geboten wird. Es wird das sein ein mächtiger Impuls, der von uns herausgeboren wird, in welchem der Vorstand eine mächtige Anregung haben wird, und der ihm zugleich das Vertrauen geben muss für seine weitere Arbeit. Wenn einer etwas liest wie dieses Pamphlet, so soll er auf der anderen Seite auch die Möglichkeit haben zu wissen, was zu halten ist von dem, was so über Theosophie und ihre Führer gefaselt wird. Dann werden auch die Worte, die gesprochen worden sind, nicht im Geringsten imstande sein, das Verhältnis zu unserm Führer in irgendeiner Weise zu berühren. Ich empfehle daher diesen Antrag einstimmig anzunehmen.»
[ 122 ] If you put this motion to a vote, you will be supporting the positive aspects of what has been discussed here today; you will be highlighting the positive aspects. You will then be demonstrating that you have confidence in our Executive Committee. Because we have this confidence, we are entrusting it to them to draft a constitution that is appropriate for our Society. The Executive Committee will then also be able to find a way to express that an understanding is beginning to take root in our assembly regarding what is being offered to us here as members of the Theosophical Society. This will be a powerful impulse born of us, from which the Executive Committee will draw strong inspiration, and which must at the same time give it the confidence to continue its work. When someone reads something like this pamphlet, they should also have the opportunity to know what to make of the nonsense that is being spouted about Theosophy and its leaders. Then the words that have been spoken will not be able in the least to affect our relationship with our leader in any way. I therefore recommend that this motion be adopted unanimously.”
[ 123 ] Der nächste Redner ist Herr Walther: «Es ist heute Morgen von den Unterstützern jenes Schriftstückes, das nun so häufig schon hat an unser Ohr klingen müssen, vorgebracht worden, dass der Ausschluss Doktor Vollraths zu Unrecht erfolgt sei. Demgegenüber darf ich als Teilnehmer an jener Generalversammlung erklären, dass Doktor Vollrath eben in der Generalversammlung, also öffentlich vor allen Mitgliedern, seine Einwendungen hat vorbringen dürfen, dass wir alle die Einwendungen gehört haben und auch hören durften die Gründe, die zu seinem Ausschlusse geführt haben, und diese Gründe waren sehr ernster Natur, denn es handelte sich um das Leben eines Teiles unserer Gesellschaft, nämlich des Leipziger Zweiges. Wenn von unserm Vorstande gesagt worden ist, dass unser Leipziger Zweig nicht mehr existieren kann, wenn von einem Mitgliede wie Doktor Vollrath diesem Zweige fortgesetzt Schikanen bereitet werden, dann mussten wir - und zwar auch aus Christenpflicht heraus -, diesem Zweige zu Hilfe kommen. Wir mussten diesen Antrag unterstützen, und wir haben ihn damals auch fast einmütig unterstützt. Es mögen einzelne unter uns gewesen sein, die ihm damals nicht beigestimmt haben, aber die weitaus größte Mehrzahl hat es sicher getan. Heute stehen wir vor einer noch viel gewichtigeren Sache, heute gilt es unseren ganzen Körper zu verteidigen gegen die Angriffe, die von anderer Seite gegen unsere Sektion gesprochen worden sind. Es handelt sich nicht um Persönlichkeiten hier, es handelt sich nicht darum, ob dieser ‚oder jener im Vorstande ist, ob dieser oder jener unter uns lehrt, sondern um das, was gelehrt wird. Wir haben als Mitglieder die Pflicht, zu prüfen, was uns an Lehren geboten wird und uns dann nach erfolgter Prüfung zu entscheiden, und da glaube ich, wenn ich für mich spreche, dann ist es nicht aus einer persönlichen Neigung gegenüber meinem Lehrer heraus, sondern aus meiner innersten Erkenntnis heraus, in ganz Weise, wie dies auch von unserm lieben Mitgliede, dem Pfarrer Klein, geschildert wurde, aus einer Erkenntnis heraus, die in schwerer geistiger Arbeit errungen worden ist. Nicht die Person des Führers war es also, die mich zu ihm geführt hat, sondern die Sache. Aus dieser Tatsache heraus, fühle ich mich gedrungen, zu Ihnen zu sprechen und zu sagen: Prüfen Sie die Wahrheiten, die Ihnen hier gegeben werden, vergleichen Sie sie und entscheiden Sie sich dann. Und wenn Sie die Dinge mit all ihrer Gedankenkraft geprüft haben, dann werden Sie finden, wohin Sie Ihren Weg zu nehmen haben, dann werden Sie sich entscheiden nach der Sache, dann werden Sie sehen, dass es gilt hier ein Weisheitsgut zu schützen, das uns geraubt werden soll, indem es in Hände gerät, die unberufen sind. Auf die Gefährlichkeit einer solchen Möglichkeit wurde ja schon hingewiesen. Darum bitte ich, dass die letzten Anträge, die hier mitgeteilt wurden, zur Diskussion gestellt werden, damit daraufhin ein neues Statut ausgearbeitet werden kann, welches die Möglichkeit bietet, dieses Weisheitsgut zu schützen. Wenn wir auch ganz allein in unseren theosophischen Gruppen wirken müssten, so wollen wir doch feststehen, weil wir erkannt haben, dass es Weisheit ist aus göttlichen Höhen, die hier infrage steht, und dass wir darauf hinarbeiten müssen, dass wir gleichsam einen Panzer für die Deutsche Sektion schmieden, indem wir ein Statut ausarbeiten, gemäß dessen es nicht mehr möglich sein wird, dass Elemente in unsere Gesellschaft hineinkommen oder darin auftreten können, die Bresche legen wollen in das Gebäude, das wir so mühsam gebaut haben. Darum bitte ich zu diesem Antrag Stellung zu nehmen, der Art, dass wir ausarbeiten lassen das Statut von unserm Vorstande, zu dem wir Vertrauen gehabt haben und noch das Vertrauen haben, dass er auch dieses Werk zu unserem Heile durchführen wird.»
[ 123 ] The next speaker is Mr. Walther: “This morning, the supporters of that document—which we have already had to hear so often—argued that Dr. Vollrath’s expulsion was unjustified. In contrast, as a participant in that general assembly, I may state that Dr. Vollrath was indeed permitted to present his objections during the general assembly—that is, publicly before all members—that we all heard those objections and were also allowed to hear the reasons that led to his expulsion, and these reasons were of a very serious nature, for they concerned the very existence of a part of our society, namely the Leipzig branch. When our board stated that our Leipzig branch could no longer exist if a member such as Dr. Vollrath continued to harass this branch, then we had to—and indeed out of our Christian duty—come to the aid of this branch. We had to support this motion, and at the time we did so almost unanimously. There may have been a few among us who did not vote in favor of it then, but the vast majority certainly did. Today we face an even more weighty matter; today we must defend our entire body against the attacks that have been leveled against our section from another quarter. This is not about individuals here; it is not about whether this or that person is on the executive committee, or whether this or that person teaches among us, but rather about what is being taught. As members, we have a duty to examine the teachings presented to us and, after such examination, to make a decision, and in this regard, I believe—speaking for myself—that it is not out of a personal inclination toward my teacher, but out of my deepest conviction, in exactly the way this was also described by our dear member, Pastor Klein—out of a conviction that has been attained through arduous intellectual labor. It was not, therefore, the person of the leader who drew me to him, but the cause itself. Based on this fact, I feel compelled to speak to you and say: Examine the truths presented to you here, compare them, and then make your decision. And once you have examined these matters with all your intellectual power, you will find the path you must take; you will make your decision based on the matter itself; and you will see that we must protect a treasure of wisdom here—one that is in danger of being stolen from us by falling into the hands of those who are unqualified. The danger of such a possibility has, after all, already been pointed out. Therefore, I ask that the latest proposals presented here be opened for discussion, so that a new charter can be drafted as a result, one that provides the means to protect this treasure of wisdom. Even if we were to have to work entirely on our own within our Theosophical groups, let us nevertheless stand firm, for we have recognized that it is wisdom from divine heights that is at stake here, and that we must work toward forging, as it were, a shield for the German Section by drafting a statute under which it will no longer be possible for elements to enter our society or operate within it that seek to breach the edifice we have built with such great effort. I therefore ask that you take a position on this motion, namely that we have our Executive Committee—in which we have had, and still have, confidence that it will carry out this work for our benefit—draft the bylaws.”
[ 124 ] Der nächste Redner ist Architekt [Schmid]; «Den Worten meiner Vorredner oder besser dem Antrage des Herrn von Rainer wäre nur noch das eine hinzuzufügen, (hier unterbricht Herr Krojanker, indem er sagt, dass er sich früher zum Wort gemeldet habe, worauf Herr Dr. Steiner erwidert, dass Herr [Schmid] schon vor ihm auf der Rednerliste stehe), dass nicht gesagt wird, dem Vorstande werde anheimgegeben, eine Kommission zu wählen, sondern dass der Vorstand diese Arbeit selber vollziehen möge. Es liegt mir sehr viel daran, dass der Antrag in dieser Form zur Annahme kommt, weil wir in gewisser Weise damit ausdrücken können, was wir mit der ganzen Sache wollen, nämlich, dass wir unseren Vorstand sowohl bezüglich der Vergangenheit als auch fü die Zukunft als vollkommen befähigt und vertrauenswürdig halten, alle derartigen Dinge von sich heraus auszuarbeiten. Damit weisen wir auch darauf hin, was heute Abend schon angeregt worden ist, dass nur der Vorstand derartige Schriftstücke in seiner Mitte verarbeiten möge. Im Hinblick auf den neuen Antrag des Herrn von Rainer, wird es indessen nicht von Bedeutung sein, das aufrechtzuerhalten. Ich bitte aber dadurch ein Vertrauensvotum auszusprechen - obgleich wir es gar nicht nötig hätten —, dass wir den Vorstand für genügend halten, diese Satzungsänderungen selbst vorzunehmen.»
[ 124 ] The next speaker is architect [Schmid]; “To the remarks of the previous speakers—or rather, to Mr. von Rainer’s motion—there is only one thing left to add, (at this point, Mr. Krojanker interrupts, stating that he had previously asked to speak, to which Dr. Steiner replies that Mr. [Schmid] is already listed before him on the list of speakers), namely that it should not be stated that the Executive Board is entrusted with selecting a commission, but rather that the Executive Board should carry out this work itself. It is very important to me that the motion be adopted in this form, because in a certain sense it allows us to express what we intend with this whole matter—namely, that we consider our Executive Board, both with regard to the past and for the future, to be fully capable and trustworthy to work out all such matters on its own initiative. In doing so, we are also emphasizing what has already been suggested this evening: that only the Executive Board should handle such documents internally. However, in light of Mr. von Rainer’s new motion, it will not be necessary to maintain this position. I do, however, ask that you express a vote of confidence—even though we do not actually need one—that we consider the Executive Board sufficiently capable of making these amendments to the bylaws on its own.”
[ 125 ] Das Wort hat Frau Dr. Vollrath: «Es ist so viel hin und her geredet worden, dass ich nun doch noch etwas sagen muss. Vor allen Dingen ist Doktor Vollrath der Vorwurf gemacht worden - und es werden ihm geradezu schlechte Motive untergeschoben -, dass er Doktor Steiners Ruf schädigen wolle. Ich fühle mich kompetent, sagen zu können, dass dem nicht so ist. Doktor Vollrath würde in keiner Art und Weise diese Eingabe gemacht haben, wenn er nicht wiederholt aus der Leipziger Loge von Mitgliedern, die zu uns gekommen sind, gehört hätte, dass von Frau Wolfram in ihren Kursen behauptet werde, dass sich Doktor Vollrath des Diebstahls an geistigem Eigentum schuldig gemacht habe, indem er aus Vorträgen Doktor Steiners Sachen zusammenstelle und sie dann veröffentliche. Doktor Vollrath war darüber sehr aufgebracht. Ich habe ihm seinerzeit gesagt: Es nützt nichts, hier die ganze Ausschlussaffäre wieder aufzurütteln. Er sagte aber: Nein, das muss sein, das kann ich nicht auf mir sitzen lassen; denn, erstens kommen in meiner Zeitschrift ‹Theosophie nur Übersetzungen heraus, und zweitens fällt es mir gar nicht ein, Doktor Steiner in irgendeiner Art zu interpretieren. Es kommt mir nur darauf an, dass in irgendeiner Weise die Sache totgeschlagen werde. Wie die Sache stand, und was an den ihm gewordenen Mitteilungen Wahres war, darüber war sich Doktor Vollrath nicht klar.
[ 125 ] Dr. Vollrath has the floor: “There has been so much back-and-forth that I feel I must say something after all. Above all, Dr. Vollrath has been accused—and is even being attributed downright ulterior motives—of wanting to damage Dr. Steiner’s reputation. I feel qualified to say that this is not the case. Dr. Vollrath would not have made this complaint in any way had he not repeatedly heard from members of the Leipzig Lodge who had come to us that Ms. Wolfram was claiming in her courses that Dr. Vollrath was guilty of intellectual property theft by compiling material from Dr. Steiner’s lectures and then publishing it. Dr. Vollrath was very upset about this. I told him at the time: “It’s no use stirring up the whole expulsion affair again.” But he said: “No, this must be done; I cannot let this go; for, first of all, my journal *Theosophy* publishes only translations, and second, it would never occur to me to interpret Dr. Steiner in any way.” My only concern is that the matter be put to rest in some way. Dr. Vollrath was not clear on the facts of the matter or on how much truth there was in the reports he had received.
[ 126 ] Aber auch die damalige Versammlung hat nur zum kleinsten Teile gewusst, dass Frau Wolfram ein gutes Motiv bei ihrem Vorgehen gegen Doktor Vollrath nicht gehabt hat. Dass sie das nicht gehabt hat, geht schon daraus hervor, dass sie mich in einer Weise empfing, als ich sie infolge ihrer Einladung besuchte, die nicht mehr als theosophisch zu bezeichnen ist. Sie empfing mich mit den Worten: «Wissen Sie schon das Neueste? Doktor Vollrath ist verrückt» Das war mir, die ich Doktor Vollrath seit zehn Jahren kenne, sehr schmerzlich, und ich meine, wenn irgendjemand wirklich etwas hat oder seine Nerven etwas herunter sind, so sollte man deswegen in einer Theosophischen Gesellschaft keine Gedanken dieser Art ausbreiten, weil man als Theosoph doch wissen muss, dass auch solche Dinge auf die Menschen wirken. Da kann es dann allerdings vorkommen, dass ein Mensch verrückt wird, nicht aber etwa durch Krankheit, sondern durch die schlechten Gedanken der andern. Ich bin überzeugt, dass alle die Personen, die ihre Hand hier im Spiele haben, sich ein schweres Karma schufen. Ich möchte also hier nur sagen, dass Doktor Vollrath unrichtige Motive untergeschoben werden. Man bedenke doch das eine: Man verbreitet doch nicht theosophische Schriften, wenn man die Theosophische Gesellschaft schädigen will. Wir haben bei unserer Arbeit so und so viele tausend Mark zugesetzt, und wir setzen täglich noch zu; wir haben noch gar nichts verdient. Doktor Vollrath ist aber auch anders veranlagt als die andern. Er will sich nicht an die Rockschöße von Doktor Steiner hängen, er will sich nicht führen lassen. Ich meine, deshalb hätte man ihn aber doch noch als Mitglied betrachten können. Dann hätte man ihm auch damals sagen können: Lassen Sie doch die Sache, setzen Sie diese Dinge doch nicht in die Welt. - Doktor Vollrath ist eine eigenartige Natur, die immer das Gegenteil tut von dem, was der andere will, wenn man ihm nicht reinen Wein einschenkt und alles offen sagt. Wenn man ihm aber gesagt hätte, lasse das, das nützt nichts, höre doch auf damit, und hätte ihm die Gründe dafür auseinandergesetzt, dann wäre ihm wohl beizukommen gewesen. Ich bin überzeugt davon. In einem so großen Werke, wie unsere Bewegung cs ist, sollte niemand erwarten, dass alle seine Gefährten ihm gleichwertig sind, gleich intuitiv, gleich mutig und so weiter. Nun ist aber der erste Schritt des Weges, dass man schonungsvoll ist gegenüber Personen von höchst ungleichem Charakter und ungleichen Eigenschaften und so weiter. Ein Zeichen von Rückschritt wäre es, von dem andern zu erwarten, dass er liebe, was man selber liebt, handle, wie man selber handelt, und Mahatma Kuthumi sagt: Solange man noch keinen vollkommenen Gerechtigkeitssinn entwickelt hat, sollte man lieber Mitleid walten lassen, als das geringste Unrecht begehen.»
[ 126 ] But even the assembly at that time knew only to a very small extent that Mrs. Wolfram did not have good motives in her actions against Dr. Vollrath. The fact that she did not is evident from the way she received me when I visited her in response to her invitation—a reception that can hardly be described as theosophical. She greeted me with the words: “Have you heard the latest? Dr. Vollrath has gone mad.” This was very painful for me, having known Dr. Vollrath for ten years, and I believe that if anyone is truly unwell or their nerves are a bit frayed, one should not spread such thoughts within a Theosophical Society, because as a Theosophist one must surely know that such things also affect people. It can indeed happen that a person goes mad—not because of illness, but because of the negative thoughts of others. I am convinced that all those involved in this matter have created heavy karma for themselves. So I would just like to say here that Dr. Vollrath is being falsely accused of having improper motives. Consider this one thing: one does not distribute Theosophical writings if one intends to harm the Theosophical Society. We have invested so and so many thousand marks in our work, and we continue to invest daily; we have not earned anything yet. But Dr. Vollrath is also of a different disposition than the others. He does not want to cling to Dr. Steiner’s coattails; he does not want to be led. I mean, for that reason alone, he could still have been considered a member. Then one could have told him back then: “Just drop the matter; don’t go spreading these things around.” - Dr. Vollrath is a peculiar character who always does the opposite of what others want if you don’t lay it all out on the table and speak openly with him. But if you had told him, “Leave it alone, it’s no use, just stop it,” and had explained the reasons to him, then he probably could have been reasoned with. I am convinced of this. In a work as great as our movement, no one should expect that all his companions are his equals—equally intuitive, equally courageous, and so on. But the first step on the path is to be considerate toward people of highly disparate characters and qualities, and so on. It would be a sign of regression to expect others to love what one loves oneself, to act as one acts oneself, and Mahatma Kuthumi says: “As long as one has not yet developed a perfect sense of justice, one should rather show compassion than commit the slightest injustice.”
[ 127 ] Das Wort hat Herr Krojanker: «Selbst in einem politischen Verein ist es nicht Sitte, dass man die Gegner so persönlich angreift, wie es hier der Fall gewesen ist. Wenn bedauert worden ist, dass eine Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft gezwungen wurde, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen und sich mit ihnen abzufinden, so muss ich die Schuld von den Antragstellern durchaus abwälzen. Wir haben es Ihnen anheimgegeben, einfach eine Kommission zu wählen. Es brauchten hier die Einzelheiten nicht breitgetreten zu werden; und trotz dieser Breittreterei brauchen Sie doch noch nicht unterrichtet zu sein. Um genügend unterrichtet zu sein, müsste eine solche Kommission gewählt werden. Warum fühlt sich denn der Vorstand persönlich beleidigt? Dadurch, dass eine solche Kommission gewählt werden soll? Sehen Sie doch einmal in der Welt herum, und betrachten Sie sich die Sache im Vergleich zu einem Gericht draußen. Natürlich nimmt man doch als selbstverständlich an, dass ein Richter sein Urteil nach bestem Wissen und Gewissen abgibt. Kann er aber deshalb böse sein, wenn man eine Sache einem andern Richterkollegium zur nochmaligen Beurteilung überweist? Nein, denn es kann ja der Fall sein, dass der erste Richter dieses oder jenes gar nicht gesehen hat. Dass man diesen Wunsch so angreift, ist mir sehr merkwürdig. Es handelt sich doch gar nicht darum, Doktor Steiner zu nahezutreten, es handelt sich doch gar nicht darum, der Theosophischen Gesellschaft zu nahezutreten. Es muss doch ein Unterschied gemacht werden zwischen der Theosophie und einer Generalversammlung der Theosophischen Gesellschaft. Die ist doch dazu da, weltliche Dinge zu behandeln. Wenn Sie das nicht wollen, dann schaffen Sie die Generalversammlung doch ab. Wenn man eine Generalversammlung ansetzt, dann nimmt man doch an, dass darin auch verhandelt werden soll, und das, was hier vorgebracht wurde, sind doch Dinge, die im Rahmen einer Theosophischen Gesellschaft durchaus möglich sind. Deshalb aber darf man doch nicht einfach diejenigen, welche einmal gegen den Strom schwimmen, so herunterreißen, wie das hier geschehen ist. Niemand hat das Recht, zu beurteilen, wie sehr ich Theosoph bin oder nicht, niemand kann beurteilen, wie ich der Theosophischen Gesellschaft nützen kann oder nicht. Hier haben Sie soeben Frau Vollrath gehört und sie hat unendlich schonend gesprochen. Verweisen Sie die Angelegenheit aus der Gesellschaft heraus, so bleibt dieselbe als solche doch bestehen, und besonders dürfte die Affäre Vollrach-Wolfram noch nicht beendigt sein.
[ 127 ] Mr. Krojanker has the floor: “Even in a political association, it is not customary to attack opponents as personally as has been the case here. If it has been regretted that a General Assembly of the Theosophical Society was forced to deal with such matters and come to terms with them, I must certainly shift the blame away from the proposers. We left it up to you to simply elect a commission. There was no need to dwell on the details here; and despite this dwelling on them, you may still not be fully informed. To be sufficiently informed, such a committee would have to be elected. Why, then, does the Executive Board feel personally offended? Because such a committee is to be elected? Just look around the world and consider the matter in comparison to a court of law. Of course, it is taken for granted that a judge renders his verdict to the best of his knowledge and belief. But can he therefore be angry if a case is referred to another panel of judges for reconsideration? No, because it may well be the case that the first judge did not see this or that at all. I find it very strange that this request is being attacked in this way. This is not at all about offending Dr. Steiner; it is not at all about offending the Theosophical Society. A distinction must be made between Theosophy and a General Assembly of the Theosophical Society. The latter is, after all, intended to deal with worldly matters. If you do not want that, then simply abolish the General Assembly. When a General Assembly is convened, one assumes that matters will be discussed there, and the points raised here are, after all, matters that are entirely within the scope of a Theosophical Society. But that is no reason to simply tear down those who, for once, are swimming against the current, as has happened here. No one has the right to judge how much of a Theosophist I am or am not; no one can judge how I can or cannot be of use to the Theosophical Society. You have just heard Mrs. Vollrath speak here, and she has spoken with infinite tact. If you expel the matter from the Society, the Society itself will still remain as such, and in particular, the Vollrach-Wolfram affair is likely not yet over.
[ 128 ] Weshalb sind auch die persönlichen Anfeindungen gegen uns gerichtet worden? Sind unsere Namen unter dem Antrage von Doktor Vollrath ‚oder unter unserm eigenen Antrage? Hat dieser vielleicht etwas Ehrenrühriges? Verstößt er gegen das Wesen der Theosophischen Gesellschaft? Nein, alles, was darinnen steht, kann bestehen und ist sachlich begründet. Wollen Sie unsern Antrag nicht annehmen, dann wird eben die Sache nicht vor die Kommission kommen. Die persönlichen Angriffe, die sollten aber unterbleiben können.»
[ 128 ] Why, then, have personal attacks been directed against us? Are our names listed on Dr. Vollrath’s petition or on our own petition? Is there perhaps something defamatory about it? Does it violate the principles of the Theosophical Society? No, everything contained therein is valid and factually justified. If you do not wish to accept our petition, then the matter simply will not come before the commission. The personal attacks, however, should be avoided.”
[ 129 ] Dr. Steiner: «In gewisser Beziehung liegt - und deshalb muss ich hier einige Worte sagen - ein versteckter Angriff auf die Geschäftsführung des Tages in dem, was Herr Krojanker sagt, da er hier zum zweiten Male tadelt, dass diese Dinge in so breiter Weise behandelt werden. Darin steckt ein versteckter Angriff gegen die Geschäftsführung, ebenso wie auch darin, dass Herr Krojanker gesagt hat, dass die ganze Broschüre nicht vorgelesen zu werden brauchte. Es ist hier ein Antrag gestellt, den Ihnen vorzulegen ich die Verantwortung nicht hätte übernehmen können, wenn nicht zu gleicher Zeit die Unterlagen geschaffen worden wären, durch die Sie sich bis zu einem gewissen Grade doch ein durchgreifendes Urteil schaffen konnten. Ich möchte Sie doch fragen, ob in Bezug auf die Urteilfindung bei diesem Antrage nicht doch einiges von dem, worauf der Antrag fußte, wirklich zu Gemüte zu führen war. Sie mussten doch wissen, warum Sie einer Kommission von sieben Mitgliedern zustimmen sollen. Zur Urteilsfindung waren gewisse Unterlagen nötig, und ich muss gestehen, dass ich von diesem rein geschäftsmäßigen Standpunkte, den ich vorläufig einhalten werde, nicht erkenne, wie man auf der einen Seite über den gestellten Antrag einen Beschluss fassen soll, und wie auf der andern Seite nicht das geschehen soll, was den Einzelnen befähigen kann, die richtige Stellung gegenüber der Sache und das richtige Urteil zu finden. Das andere würde heißen: Wir stellen den Antrag, nehmt ihn unter allen Umständen an. Ich möchte hier nur fragen, was die Herren Antragsteller sagen würden, wenn der Antrag pauschaliter abgelehnt worden wäre? Die Antragsteller sollten das weiteste Entgegenkommen darin sehen, dass wir uns den ganzen Tag damit beschäftigt haben, damit uns alle Unterlagen bekannt würden, die dazu dienen können, ein richtiges Urteil zu bilden. Zu unserm Vergnügen haben wir die Sache nicht breitgetreten, und es ist gut, dass damit die Möglichkeit, eine doppelte Sprache in der Welt zu führen, aus der Welt geschafft wird. Denn auf der einen Seite hieße es, in der Theosophischen Gesellschaft herrscht nichts als Autoritätsglaube, und man kennt darin nichts anderes, als das nachzusprechen, was von gewissen Stellen aus gesagt wird. Wenn aber dann von gewissen Stellen aus in entsprechender Weise an die Mitglieder appelliert wird, eine Sache wirklich zu Ende zu führen, dann heißt es auf der anderen Seite: Warum kürzt man die Debatte nicht ab und liest uns erst die nötigen Unterlagen zur Urteilsfindung vor. Dies nur gegen die versteckten Vorwürfe gegenüber der Geschäftsführung. Mittlerweile ist es sechs Uhr geworden. Eingezeichnet in die Rednerliste sind noch: Herr Tessmar und Frau Wolfram. Ich bedaure sehr, dass wegen der Einrichtungen des Architektenhauses keine andere Tageseinteilung möglich war. Ich bitte Sie daher, sich jetzt über die Sachen draußen herzumachen und sich, wenn alles aufgezehrt ist, zu einem Beisammensein hier wieder zusammenzufinden. Zwei Möglichkeiten liegen da vor: Die eine ist die, dass wir die angesetzten künstlerischen Darbietungen entgegennehmen, die andere die, dass wir schon heute die Debatte, die wir begonnen haben, fortsetzen und den geselligen Abend auf den morgigen Tag verlegen. In diesem letzteren Falle würden wir um acht Uhr die unterbrochene Debatte fortsetzen können. Im anderen Falle würde die Fortsetzung der Debatte morgen früh um zehn Uhr erfolgen müssen. Ich bitte Sie, da wir jetzt über die Tageszeit der Versammlung abstimmen, sich als Urversammlung zu betrachten.»
[ 129 ] Dr. Steiner: “In a certain sense—and that is why I must say a few words here—there is a veiled attack on the current leadership in what Mr. Krojanker is saying, since this is the second time he has criticized the fact that these matters are being addressed so extensively. There is a veiled attack on the management in this, just as there is in Mr. Krojanker’s statement that the entire brochure did not need to be read aloud. A motion has been submitted here that I could not have taken responsibility for presenting to you had the supporting documents not been prepared at the same time, documents that allowed you, to a certain extent, to form a thorough judgment. I would nevertheless like to ask you whether, with regard to reaching a decision on this motion, some of the grounds on which the motion was based should not, after all, have been taken into serious consideration. Surely you had to know why you were being asked to approve a seven-member commission. Certain documents were necessary for reaching a judgment, and I must admit that from this purely business-like standpoint—which I will maintain for the time being—I do not see how, on the one hand, a decision can be made on the motion as presented, and how, on the other hand, one can avoid doing what would enable individuals to adopt the correct stance toward the matter and reach the correct judgment. The alternative would mean: We submit the motion; accept it under any circumstances. I would simply like to ask here: What would the gentlemen who submitted the motion say if the motion had been rejected outright? The proposers should view it as the greatest concession that we have spent the entire day reviewing the matter so that we could familiarize ourselves with all the documents that might serve to form a correct judgment. To our satisfaction, we have not dragged this matter out, and it is good that this eliminates the possibility of speaking with a forked tongue. For on the one hand, it would imply that the Theosophical Society is governed solely by blind faith in authority, and that its members know nothing else but to parrot what is said by certain quarters. But when certain authorities then appeal to the members in an appropriate manner to truly see a matter through to the end, it is said on the other hand: Why not cut the debate short and first read us the necessary documents for reaching a judgment? I say this only in response to the veiled accusations against the executive committee. It is now six o’clock. Still on the list of speakers are Mr. Tessmar and Ms. Wolfram. I very much regret that, due to the layout of the Architektenhaus, no other schedule was possible. I therefore ask you to now attend to matters outside and, once everything has been taken care of, to gather here again for a social gathering. There are two options here: one is to enjoy the scheduled artistic performances, and the other is to continue the debate we began today and postpone the social gathering until tomorrow. In the latter case, we could resume the interrupted debate at 8:00 p.m. In the other case, the debate would have to resume tomorrow morning at 10:00 a.m. Since we are now voting on the time of the meeting, I ask that you consider this to be the founding assembly.”
[ 130 ] Die Versammlung entschloss sich für die Fortsetzung der Debatte um acht Uhr.
[ 130 ] The assembly decided to resume the debate at 8:00 p.m.
[ 131 ] Fortsetzung um acht Uhr abends:
[ 131 ] To be continued at 8:00 p.m.:
[ 132 ] Frau Wolfram will feststellen, dass sie niemals irgendetwas gesagt habe, das Herrn Dr. Vollrath hätte schädigen können. Sie habe nur auf Fragen wahrheitsgemäß geantwortet. Diese Antworten seien durch Logenklatsch kolportiert worden, wovon sie selbst nichts gewusst habe. Erst auf der Generalversammlung der Leipziger Loge habe sie davon erfahren. Die Behauptung, sie habe Dr. Vollrath des geistigen Diebstahls beschuldigt, sei gegenstandslos, da Dr. Vollrath selbst nicht Autor sei. Außerdem wendet sich Frau Wolfram gegen die Drohung des Herrn Krojanker, dass die ganze Sache außerhalb der Gesellschaft eine Fortsetzung haben würde, wenn innerhalb der Gesellschaft alle Anträge abgewiesen würden, indem sie mitteilt, dass sie längst bereit sei, sich einer Eventualität gegenübergestellt zu sehen, wie sie hier gemeint zu sein scheint. Frau Wolfram betont noch, dass sie dem Verlage «Wahres Leben eine Auskunft, die verlangt worden war über Herrn Dr. Vollrath, versagt habe.
[ 132 ] Ms. Wolfram wishes to state that she never said anything that could have harmed Dr. Vollrath. She merely answered questions truthfully. These answers were spread through lodge gossip, of which she herself knew nothing. She only learned of this at the general meeting of the Leipzig Lodge. The claim that she accused Dr. Vollrath of intellectual theft is baseless, since Dr. Vollrath himself is not the author. Furthermore, Ms. Wolfram objects to Mr. Krojanker’s threat that the entire matter would be taken outside the society if all motions were rejected within the society, stating that she has long been prepared to face any eventuality such as the one that seems to be implied here. Ms. Wolfram further emphasizes that she had refused to provide the publishing house “Wahres Leben” with information that had been requested regarding Dr. Vollrath.
[ 133 ] Frau Dr. Vollrath gibt die Möglichkeit eines Logenklatsches zu. Sie habe geglaubt, was ihr überbracht worden sei. Außerdem teilt sie für Herrn Krojanker, der nicht anwesend ist, mit, dass ihm gegenüber ein Missverständnis vorliege, da er geglaubt habe, dass erst der zu wählenden Kommission, nicht der Generalversammlung, die Broschüre vorgelegt werden solle.
[ 133 ] Dr. Vollrath acknowledges the possibility of some gossip within the lodge. She said she had believed what had been conveyed to her. She also states, on behalf of Mr. Krojanker, who is not present, that there has been a misunderstanding on his part, as he had believed that the brochure was to be presented first to the commission to be elected, not to the General Assembly.
[ 134 ] Herr Dr. Steiner: «Sie verzeihen, dass ich an dieser Stelle in die Debatte mit einigen Bemerkungen eingreife, die notwendig sind. Ich möchte in Form von ein paar Fragen dasjenige sagen, was ich gerne in diesem Augenblicke sagen würde. Es bleibt selbstverständlich durchaus Frau Doktor Vollrath überlassen, die Antwort zu geben oder nicht zu geben.
[ 134 ] Dr. Steiner: “Please forgive me for interjecting into the debate at this point with a few remarks that are necessary. I would like to express what I would like to say at this moment in the form of a few questions. It is, of course, entirely up to Dr. Vollrath whether she chooses to answer or not.
[ 135 ] Frau Doktor Vollrath hat in einer, wie ich sehr gerne gestehe, äußerst sympathischen Weise Verschiedenes auseinandergesetzt, was mir nach zwei Richtungen hin wichtig ist. Auf der einen Seite erfahren wir dadurch in einer bestimmten Art etwas darüber, worüber Herr Doktor Vollrath sich eigentlich beklagt; denn aus dem Schriftstück konnten wir das nicht finden. Auf der anderen Seite ist mir das Gesagte deshalb interessant, weil wir daraus ersehen können, wie der Gang der Verhandlung in jener Kommission sich bewerkstelligen würde. Man würde immer neue Dinge anführen, und man käme niemals an ein Ende. So lassen Sie mich die Frage stellen, und ich bitte Frau Doktor Vollrath mir zu antworten. Frau Doktor Vollrath hat ausgeführt, ihr Mann beklage sich, dass man ihm vorgeworfen habe, er hätte irgendwelche Dinge, die aus meinen Büchern oder aus meinen Vorträgen stammen, veröffentlicht. Ich möchte nun bemerken, dass ich selber derartiges niemals oder höchstens ironisch besprochen habe. Ich müsste in meiner nicht nur theosophischen, sondern auch vortheosophischen Zeit wirklich recht weit zurückgehen, wenn ich alles als eine Plagierung auffassen würde, was aus meinen Ideen von andern genommen worden ist. Ernstlich würde ich mich nur in dem Falle dagegen wenden, wenn es zu Irrtümern führen könnte. Zu einem Irrtum hat es ja hier tatsächlich nicht geführt. Innerhalb gewisser Grenzen betrachte ich dasjenige, was geistig hervorgebracht wird, als ein Gut, das dazu in die Welt gebracht wird, damit es verbreitet wird. Es ist aber heute gesagt worden, was eben in jener Broschüre nicht steht, dass sich Herr Doktor Vollrath durch diesen Vorwurf getroffen fühlte; warum hat Herr Vollrath diese Sache nicht in seine Broschüre hineingeschrieben, sondern zum Beispiel die Sache mit Leadbeater, von der objektiv gerade das Umgekehrte richtig ist? Es ist nicht einerlei, dass, während tatsächlich alte Mitglieder über Leadbeater so gesprochen haben, als ob man ihn mit den Stiefelabsätzen herausstoßen müsse, ich ihn damals verteidigt habe. Wenn Herr Vollrath sich durch das von Frau Doktor Vollrath Vorgebrachte angegriffen fühlt, warum schreibt er nicht dieses, sondern etwas, was nicht richtig ist. Es ist nicht einerlei, ob durch die Doktor Vollrath’sche Broschüre, wenn sie etwa nach Adyar geschickt wird, ein sonderbares Bild hervorgerufen wird, wenn die Leute da vernehmen, dass ich Leadbeater angegriffen und nicht verteidigt hätte. Nun stelle ich die Frage: Warum sagt Herr Doktor Vollrath nicht dasjenige, worüber er sich wirklich zu beschweren hat, dafür aber etwas, was objektiv nicht richtig ist?
[ 135 ] Dr. Vollrath has, in a manner I must readily admit is extremely engaging, elaborated on various points that are important to me in two respects. On the one hand, this gives us some insight into what Dr. Vollrath is actually complaining about; after all, we could not discern that from the document itself. On the other hand, what she said is interesting to me because it allows us to see how the proceedings in that commission would unfold. New points would constantly be raised, and there would be no end to it. So let me ask the question, and I ask Dr. Vollrath to answer me. Dr. Vollrath has stated that her husband complains that he was accused of having published certain things derived from my books or my lectures. I would now like to point out that I myself have never discussed such matters—or at most only ironically. I would really have to go back quite far, not only to my theosophical period but also to my pre-theosophical time, if I were to regard everything that others have taken from my ideas as plagiarism. I would seriously object only in cases where it could lead to errors. In this case, however, it has not actually led to any error. Within certain limits, I regard that which is produced spiritually as a good that is brought into the world so that it may be disseminated. But it was said today—something that is not mentioned in that very pamphlet—that Dr. Vollrath felt offended by this accusation; why didn’t Dr. Vollrath include this matter in his pamphlet, but instead, for example, included the matter concerning Leadbeater—about whom, objectively speaking, the exact opposite is true? It is not a trivial matter that, while older members actually spoke of Leadbeater as if he had to be kicked out with the heels of their boots, I defended him at the time. If Dr. Vollrath feels attacked by what Dr. Vollrath has put forward, why does he not write about that, but instead writes something that is not true? It is not a trivial matter whether Dr. Vollrath’s pamphlet, if sent to Adyar, for example, creates a strange impression when people there hear that I attacked Leadbeater rather than defending him. Now I ask: Why doesn’t Dr. Vollrath say what he really has to complain about, but instead says something that is objectively incorrect?
[ 136 ] Ich möchte doch schon jetzt auch bemerken, dass es recht sonderbar von uns wäre, wenn wir uns durch Drohungen einschüchtern und beeinflussen ließen. Es wäre von Bedeutung und für mich sehr wichtig, wenn alles vorgebracht würde, was man vorbringen kann. Wir wollen nach keiner Richtung hin geschont werden. Wir wollen lediglich der Wahrheit auf den Grund kommen. Dass also gesagt werden konnte, dass etwas geschehen würde, wenn wir der Minorität nicht den Willen tun, das ist, wie ich gestehen muss, eine sonderbare Art, eine Debatte zu führen.
[ 136 ] I would like to note right now that it would be quite strange of us to allow ourselves to be intimidated and influenced by threats. It would be significant—and very important to me—if everything that can be brought up were to be brought up. We do not want to be spared in any way. We simply want to get to the bottom of the truth. So the fact that it was suggested that something would happen if we did not comply with the minority’s wishes is, I must admit, a strange way to conduct a debate.
[ 137 ] Bitte, Frau Doktor Vollrath, fassen Sie dies nicht auf in einer anderen Weise, als dass ich bemüht bin, die Sache so objektiv als möglich zu führen. Es wäre wirklich ein Leichtes, noch mancherlei vorzubringen, aber ich will darauf verzichten. Selbstverständlich ist es nicht meine Meinung, dass wir Sie in irgendeiner Weise zwingen wollen zu antworten. Es braucht dies natürlich auch nicht sogleich zu geschehen.»
[ 137 ] Please, Dr. Vollrath, do not take this to mean anything other than that I am striving to handle this matter as objectively as possible. It would indeed be easy to bring up many other points, but I will refrain from doing so. Of course, it is not my intention to force you to answer in any way. And, of course, you don’t have to do so right away.”
[ 138 ] Frau Dr. Vollrath: «Ich kenne die näheren Gründe nicht, die Herrn Doktor Vollrath veranlassten, dies zu schreiben. Der Anstoß ist, dass er von Neuem angegriffen worden ist. Deshalb wollte er die früheren Vorgänge darstellen.»
[ 138 ] Dr. Vollrath: “I do not know the specific reasons that led Dr. Vollrath to write this. The impetus is that he has been attacked once again. That is why he wanted to describe the earlier events.”
[ 139 ] Herr Dr. Steiner: «Hat noch jemand etwas zu sagen, was beitragen könnte zur Urteilsbildung über die gestellten Anträge?»
[ 139 ] Dr. Steiner: “Does anyone else have anything to say that might help in reaching a decision on the motions that have been made?”
[ 140 ] Herr Pfarrer Klein: «Ich möchte fragen, inwiefern Herr Doktor Vollrath in der letzten Zeit von Mitgliedern belästigt und angegriffen worden ist, und worin die Kränkungen, die ihm zugefügt worden sein sollen, bestehen?»
[ 140 ] Pastor Klein: “I would like to ask to what extent Dr. Vollrath has recently been harassed and attacked by members, and what exactly the offenses that are said to have been committed against him consist of?”
[ 141 ] Frau Dr. Vollrath: «Es ist immer nur von der Leipziger Loge gesprochen worden. Herr Doktor Vollrath sagt: Weil ihm das Messer an die Kehle gesetzt worden sei, deshalb wäre er aggressiv geworden. Er habe sich wehren müssen.
[ 141 ] Dr. Vollrath: “The conversation has always been solely about the Leipzig Lodge. Dr. Vollrath says that because a knife was held to his throat, he became aggressive. He had to defend himself.
[ 142 ] Könnte ich jetzt wohl noch einen Antrag stellen? Ist es denn nicht möglich, vor einer Kommission oder vor dem Vorstand Herrn Doktor Vollrath einmal zu hören, damit er sich verteidigen kann? Man möge gestatten, dass eine Aussprache herbeigeführt werde. Wenn es möglich ist, dann stelle ich diesen Antrag; dies ist das Einzige, was ich tun möchte.»
[ 142 ] Would it still be possible for me to make a motion at this point? Wouldn’t it be possible to hear Dr. Vollrath before a committee or the board so that he can defend himself? Please allow a discussion to take place. If it is possible, then I will make this motion; that is the only thing I wish to do.”
[ 143 ] Herr Dr. Steiner: «Ich bemerke, dass nach den Vorgängen, die sich zugetragen haben, ich persönlich darüber das Folgende zu sagen habe. Ich bitte dies aber als meine eigene persönliche Meinung aufzufassen. Ich fasse die ganze Sache so auf, dass ich nicht finde, dass man es in diesem Falle als eine Verurteilung ansehen müsse, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Es handelt sich nicht darum, jemandem abzusprechen, dass er in der Gesellschaft sein kann; es handelt sich darum, dass es sich zeigte, dass Herr Doktor Vollrath mit seiner Anschauung in Kollision mit derjenigen der Gesellschaft stand. Das ist nichts Ehrenrühriges. Ich bat damals selbst darum, die Maßnahme zu mildern, und Herrn Doktor Vollrath nicht auszuschließen, sondern ihn nicht mehr als Mitglied der Gesellschaft zu betrachten. Das besagt klar, um was es sich handelt. Damit ist nur gesagt, dass wir nicht mit ihm zusammenarbeiten können. Es war höchst sachlich gemeint, dass ich diese Bitte an den Vorstand damals stellte. Ich möchte bemerken, dass ich selbstverständlich geneigt bin, Herrn Doktor Vollrach zu hören, dass dann aber jedes Wort absolut festgestellt werden müsste. Bedenken Sie, dass Doktor Vollrath ja aus den Pariser Versammlungen genau das Gegenteil dargestellt hat von dem, was tatsächlich geschehen ist. Ich würde eine Unterredung für fruchtlos halten, wenn nicht jedes Wort genau fixiert würde. Außerdem müssten Sie selber, Frau Doktor Vollrath, da Sie die Antragstellerin sind, bei einer solchen Unterredung dabei sein. Die Sache als solche halte ich für gänzlich fruchtlos, aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass sie deshalb nicht zu unterbleiben brauchte, denn sie könnte ja die Frucht haben, dass diese Fruchtlosigkeit konstatiert würde.
[ 143 ] Dr. Steiner: “I would like to note that, in light of the events that have taken place, I personally have the following to say. However, I ask that this be understood as my own personal opinion. My understanding of the entire matter is that I do not believe being excluded from the Society should be viewed as a condemnation in this case. It is not a matter of denying anyone the right to be a member of the Society; rather, it became apparent that Dr. Vollrath’s views were at odds with those of the Society. There is nothing defamatory about that. At the time, I myself requested that the measure be mitigated—not to expel Dr. Vollrath, but to no longer consider him a member of the society. This clearly indicates what is at stake. It simply means that we cannot work with him. My request to the board at that time was made in a strictly objective manner. I would like to note that I am, of course, willing to hear Dr. Vollrath out, but that every word would then have to be recorded verbatim. Bear in mind that Dr. Vollrath has, in fact, presented exactly the opposite of what actually happened at the Paris meetings. I would consider a discussion to be fruitless unless every word were recorded precisely. Furthermore, you yourself, Dr. Vollrath, since you are the petitioner, would have to be present at such a discussion. I consider the matter itself to be entirely fruitless, but I take the position that it need not be abandoned for that reason, since it could, after all, have the benefit of establishing that very fruitlessness.
[ 144 ] Ich möchte noch eine Zwischenbemerkung machen. Nach dem einen Antrag sind nur diejenigen in die Kommission zu wählen, die damals nicht mitgestimmt haben. Ich habe nicht mitgestimmt.
[ 144 ] I would like to make one more aside. According to one motion, only those who did not vote at the time should be elected to the commission. I did not vote.
[ 145 ] Ich muss das von Frau Doktor Vollrath Vorgebrachte selbstverständlich nun als einen Antrag behandeln. Der Vorstand wird sich dazu zu äußern haben. Das ist aber sofort nicht möglich, er müsste sich erst darüber verständigen.»
[ 145 ] Of course, I must now treat Dr. Vollrath’s proposal as a motion. The Executive Board will have to comment on it. However, that is not possible immediately; they would first have to reach an agreement on the matter.»
[ 146 ] Herr Pfarrer Klein: «Ich bitte, den Antrag abzulehnen, da ich eine Verständigung für ausgeschlossen halte nach dem, was wir aus dem Pamphlet heute gehört haben.»
[ 146 ] Pastor Klein: “I ask that the motion be rejected, as I consider an agreement out of the question based on what we heard from the pamphlet today.”
[ 147 ] Frau Dr. Vollrath: «Darüber ist Herr Doktor Steiner doch wohl erhaben. Es soll doch Herrn Doktor Vollrath nur die Gelegenheit gegeben werden, etwas wiedergutzumachen.»
[ 147 ] Dr. Vollrath: “Dr. Steiner is surely above such things. Dr. Vollrath should simply be given the opportunity to make amends.”
[ 148 ] Herr Pfarrer Klein: «Wenn auch Herr Doktor Steiner selbstverständlich darüber erhaben ist, so sind wir aber nicht darüber erhaben. Wir müssen unseren Führer schützen.»
[ 148 ] Pastor Klein: “Even though Dr. Steiner is, of course, above such things, we are not. We must protect our leader.”
[ 149 ] Herr Dr. Steiner: «Es wäre nun doch wirklich recht gut, wenn wir die Dinge nicht auf die persönliche Note legen würden. Es liegt hier doch die Möglichkeit vor, recht leicht abzutrennen die Person von der Sache. Wir würden in einer ganz falschen Beleuchtung die Sache angesehen haben, wenn bei irgendjemandem die Meinung zurückbleiben könnte, dass hier persönliche Angelegenheiten verhandelt worden wären. Was geht uns Frau Wolfram und Herr Doktor Vollrath, was geht uns Doktor Steiner an? Es könnten ja drei ganz beliebige Personen sein. Nehmen Sie doch einmal Bezeichnungen, Signaturen zum Beispiel A, B und C. B betreffe als Signatur eine Dame, es ist gleichgültig ob das Frau Wolfram ist oder eine andere. Über diese Dame ist etwas geschrieben. Es kommt nicht darauf an, dass das von Herrn Doktor Vollrath geschrieben ist. Ich frage Sie jetzt ganz sachlich, ohne Ansehen der Person, was derjenige, der Empfindung im Leibe hat, der die Dinge so nimmt, wie sie vor unsere Ohren getreten sind, was der denkt über die moralische Qualität dieses Satzes: «Mir war die Quelle bekannt, woher Frau Wolfram das Geld für die Ausbildung ihrer beiden Kinder nahm; sie hatte damals zwei. Das war ihr sehr peinlich, und sie fürchtete sich vor meiner Mitwisserschaft, das erklärt teilweise die kühne Anstrengung, mich unschädlich zu machen»?
[ 149 ] Dr. Steiner: “It would really be quite good if we didn’t make this a personal matter. After all, it’s quite easy to separate the person from the issue here. We would have viewed the matter in a completely false light if anyone were to be left with the impression that personal matters were being discussed here. What business is it of ours what Ms. Wolfram and Dr. Vollrath are doing, or what business is it of ours what Dr. Steiner is doing? It could just as easily be three random people. Why not use designations, such as A, B, and C? Let’s say “B” refers to a woman—it doesn’t matter whether it’s Ms. Wolfram or someone else. Something has been written about this woman. It doesn’t matter that it was written by Dr. Vollrath. I now ask you quite objectively, without regard to the person, what someone who is sensitive, who takes things as they have come to our attention, what does that person think about the moral quality of this sentence: “I knew the source from which Mrs. Wolfram obtained the money for the education of her two children; she had two at the time. This was very embarrassing to her, and she feared that I was privy to this information; that partly explains the bold effort to neutralize me”?
[ 150 ] Es liegt also die Tatsache vor, dass der Antrag gestellt wird: Es soll eine Persönlichkeit in die Gesellschaft wieder eingeführt werden, die einen solchen Satz geschrieben hat. Man kann annehmen, es läge gar nichts anderes vor als dieser Satz. Ich frage Sie nun, ob es möglich ist, dass jemand diesen Satz schreibt und innerhalb unserer Gesellschaft ist. Wenn irgendeiner der Meinung ist, dass es jemanden geben sollte, der innerhalb unserer Gesellschaft einen solchen Satz über eine Dame schreiben darf, demgegenüber gibt es zweierlei: Entweder es ist etwas daran wahr - und dann wäre überhaupt nichts darüber zu sagen -, ... oder dieser Satz ist, vielleicht unüberlegt, hingeschrieben. Ich frage Sie nun: Darf ein Theosoph auch nur unüberlegt so etwas hinschreiben? Soll denn bloß immer von Liebe und dergleichen gesprochen werden? Soll nicht einmal gefragt werden, ob derjenige, der unserer Gesellschaft angehört, diese Liebe zu entfalten fähig ist, wenn er in der Lage ist, diesen Satz zu schreiben. Ob es angeht, dass in einer Theosophischen Gesellschaft ein solcher Satz geschrieben wird? Ich würde es als ein großes Unglück betrachten, wenn ein solcher Satz vom Himmel fallen und hier hereinregnen könnte. Es handelt sich in unserem Fall darum, dass man eine Sache auch liest, dass sie als Ausfluss irgendeiner menschlichen Manifestation genommen wer de. Ich bitte zu beachten, dass die Verletzung der Empfindung, die mit diesem Satze gegeben ist, geradezu eine ungeheuerliche ist, sodass ich nicht verstehe, wie man überhaupt vom menschlichen Standpunkte aus dazu kommen kann, eine solche Sache zu verteidigen. Es handelt sich hier wirklich nicht bloß darum, dass dies hier steht, sondern darum, dass es überhaupt möglich ist, einen solchen Satz zu schreiben. Das würde ja auch in der bürgerlichen Gesellschaft als eine schwere Ehrenbeleidigung angesehen werden. Das sind Dinge, die als Empfindungsnuancen in Betracht kommen. Sehen Sie ganz ab von allem Übrigen, und bedenken Sie, ob es möglich ist, dass ein solcher Satz in einer Broschüre stehe, die in Verbindung stünde mit unserer Gesellschaft. Es handelt sich heute nicht darum, über irgendjemanden zu Gericht zu sitzen. Es handelt sich nicht darum, dass diese Dinge in die Luft gesprochen werden, sondern darum, dass wir uns klar werden darüber, dass in der Theosophie die Hauptsache auf das Fühlen und die Empfindung ankommt. Da haben wir ja doch einen Maßstab, den wir anlegen können. Deshalb meine ich, es ist wirklich notwendig, dass wir die Sache von diesem sachlichen Gesichtspunkte aus betrachten. Es ist eine fruchtlose Arbeit, sich verständigen zu wollen mit jemandem, der eine andere Sprache führt. Es ist kein Boden der Verständigung da. Es ist wirklich so, wie wenn man deutsch hinreden würde, und die Antwort chinesisch zurückgegeben würde. Anhören könnten wir Herrn Doktor Vollrath schon, aber herauskommen würde nichts dabei. Das Karmagesetz ist nun doch einmal Gesetz; man muss doch eintreten für dasjenige, was man getan hat. Man kann nicht heute einen solchen Satz in die Welt setzen und sich morgen entschuldigen dafür. Deshalb ist jener Brief von Herrn Doktor Vollrath Ihnen ja vorgelesen worden.
[ 150 ] So the fact is that this motion is being put forward: a public figure who wrote such a sentence is to be readmitted into society. One might assume that there is nothing else at issue here but this sentence. I now ask you whether it is possible for someone to write this sentence and still be a part of our society. If anyone is of the opinion that there should be someone within our society who is permitted to write such a sentence about a lady, there are two possibilities: Either there is some truth to it—and then there would be nothing at all to say about it—... or this sentence was written, perhaps without due consideration. I now ask you: Is a Theosophist even permitted to write something like this, even if it was done without due consideration? Should we always just talk about love and the like? Shouldn’t we even ask whether the person who belongs to our society is capable of developing this love, if he is in a position to write this sentence? Is it acceptable for such a sentence to be written in a Theosophical Society? I would consider it a great misfortune if such a sentence could fall from the sky and rain down here. In our case, the issue is that one also reads a text, that it is taken as the expression of some human manifestation. Please note that the offense caused by this sentence is nothing short of outrageous, so much so that I do not understand how anyone could even conceive of defending such a thing from a human standpoint. The issue here is really not merely that this is written here, but that it is even possible to write such a sentence at all. This would, after all, be regarded as a serious insult to one’s honor even in bourgeois society. These are matters that come into play as nuances of sentiment. Set aside everything else for a moment, and consider whether it is possible for such a statement to appear in a pamphlet associated with our society. The point today is not to pass judgment on anyone. The point is not that these things are being thrown around carelessly, but that we realize that in Theosophy, the main thing comes down to feeling and sensation. After all, we do have a standard we can apply here. That is why I believe it is truly necessary for us to view the matter from this objective perspective. It is a fruitless endeavor to try to communicate with someone who speaks a different language. There is no common ground for understanding. It really is as if one were speaking German and the reply came back in Chinese. We could certainly listen to Dr. Vollrath, but nothing would come of it. The law of karma is, after all, a law; one must accept the consequences of one’s actions. One cannot make such a statement today and then apologize for it tomorrow. That is why that letter from Dr. Vollrath was read aloud to you.
[ 151 ] Das bitte ich Sie als meine persönliche Meinung zu betrachten. Ich hätte sie nicht vorgebracht, wenn ich nicht gefunden hätte, dass dies nicht genug in Betracht gezogen worden ist. Abgeschen von allem Übrigen, betrachten Sie bitte das, was hier in die Welt gesetzt worden ist als ein objektives Schriftstück; dann ist es eine Unterlage für die Urteilsfindung zum Antrage von Frau Doktor Vollrath. Derselbe kann jetzt sofort nicht erledigt werden. Er muss erst im Vorstande beraten werden.»
[ 151 ] Please consider this my personal opinion. I would not have raised this point if I had not felt that it had not been given sufficient consideration. Setting aside everything else, please consider what has been presented here as an objective document; it then serves as a basis for reaching a decision on Dr. Vollrath’s motion. This matter cannot be resolved immediately. It must first be discussed by the executive board.”
[ 152 ] Herr Pfarrer Klein: «Die Generalversammlung kann aber wünschen, dass der Vorstand nicht darüber abstimmt.»
[ 152 ] Pastor Klein: “The General Assembly may, however, request that the Executive Board not vote on this matter.”
[ 153 ] Herr Dr. Steiner: «Der Vorstand kann aber doch noch Herrn Doktor Vollrath anhören, wenn ihm dies gut dünkt.» Herr Tessmar: «Nicht als Vorstandsmitglied könnte ich hier sprechen, denn ich habe kein Mandat dazu. Aber ich möchte meine persönliche Meinung sagen. Ich habe ein sympathisches Gefühl für die Art und Weise, wie Frau Doktor Vollrath gesprochen hat, aber ich halte eine Aussprache mit Doktor Vollrath für vollkommen fruchtlos. Was soll denn in dieser Sache noch gesprochen werden. Herr Krojanker hat von Instanzen gesprochen. In der äußeren Welt kann im Deutschen Reich das Reichsgericht als letzte Instanz entscheiden, weiter geht es nicht. Ein ganz Ähnliches ist ja aber hier geschehen. Die Generalversammlung hat als letzte Instanz damals den Beschluss des Vorstandes sanktioniert. Damit ist doch etwas getan worden. Dann hat Herr Ahner gesagt, er sei damals im Vorstande gewesen und hätte keine Ahnung gehabt von dem, was Doktor Vollrach vorgeworfen worden sei. Das ist aber gar nicht wahr. Man kann so einen Beschluss doch gar nicht fassen, wenn man nicht etwas hat, woran man ihn fassen kann. Wenn Herr Doktor Vollrath einmal sagt, Herr Doktor Steiner trete für Mazdaznan ein, und wir wundern uns alle sehr, und es kommt heraus, dass Herr Doktor Steiner von Ahura Mazdao gesprochen hat, dann hört doch einfach alles auf. Es gibt doch Dinge, die unmöglich sind. Wenn die gegnerische Seite das nicht versteht, so ist es ihr nicht mit Worten zu erklären. Wer das Gefühl nicht hat, dass es dann aus sein muss, dem ist nicht beizukommen. Was würde denn kommen, wenn wir sagen würden: Nun, hier ist die Bruderhand, kommen Sie Herr Vollrath!»? Dann hätten wir morgen doch dieselbe Geschichte. Die Antragsteller haben nicht das Vertrauen zum Vorstand. Ich persönlich habe kein Vertrauen zu Herrn Doktor Vollrath. Würde Herr Vollrath wieder aufgenommen, so würde gesagt werden: Seht Ihr, der Vorstand hatte unrecht! Zweitens aber liegt ja noch die Drohung vor mit dem äußeren Gericht. Das ist eine so gemeine und versteckte Drohung, dass es ganz unmöglich ist, mit dieser Partei zu verhandeln. Es handelt sich hier um die theosophische Sache, die über unseren Gefühlen steht. Es handelt sich um das theosophische Leben. Heute Morgen ist bei den Reden von Herrn Ahner und Herrn Krojanker von einigen Mitgliedern geklatscht worden. Daraus ersieht man doch, dass das Unglück jetzt schon weitergewirkt hat. Sind Sie Gartenbesitzer, und wollen Sie schöne Erdbeeren haben, dann müssen Sie das Unkraut herauswerfen. Sie müssen die Raupen töten oder Sie bekommen keine Erdbeeren. Es ist schlimm genug, wenn in diesem Saale, in dem wir schon so viele herrliche Vorträge hören durften, ein solcher Wurm wie ich reden muss. Ich bin nicht Parlamentarier, mir wäre es viel lieber, ich brauchte nicht zu reden. Auch würde ich lieber Frau Doktor Vollrath helfen. Aber es ist doch unmöglich. «Diem perdid», diesen Tag haben wir verloren. Es muss irgendeine Tat geschehen, dass das nicht wieder vorkommt. Was uns Herr Doktor Steiner gegeben hat, habe ich in mein Herz fließen lassen; und als vor Jahren schon einmal Herr Krojanker eine Sache vorbrachte, habe ich damals schon gesagt: An der Person ist hier nichts gelegen, sondern an der Sache. Schaffen Sie also die Möglichkeit, dass ein Mensch wie ich hier vor Ihnen nicht mehr zu sprechen braucht.»
[ 153 ] Dr. Steiner: “But the Executive Board can still hear Dr. Vollrath if it sees fit.” Mr. Tessmar: “I cannot speak here as a member of the Executive Board, because I have no mandate to do so. But I would like to express my personal opinion. I have a favorable impression of the way Dr. Vollrath spoke, but I consider a discussion with Dr. Vollrath to be completely fruitless. What more is there to discuss in this matter? Mr. Krojanker spoke of courts of appeal. In the outside world, within the German Empire, the Imperial Court of Justice can rule as the court of last resort; there is no higher authority. But something very similar has happened here. The General Assembly, acting as the final authority at the time, ratified the Executive Board’s resolution. That certainly amounted to some action. Then Mr. Ahner said that he had been on the Executive Board at the time and had no idea what Dr. Vollrath had been accused of. But that is simply not true. One cannot possibly pass such a resolution without having something on which to base it. If Dr. Vollrath were to say that Dr. Steiner advocates for Mazdaznan, and we’d all be very surprised, and it turns out that Dr. Steiner was speaking of Ahura Mazda, then that would simply put an end to everything. There are some things that are simply impossible. If the opposing side doesn’t understand that, there’s no way to explain it to them with words. Anyone who doesn’t feel that it must be over at that point is beyond help. What would happen if we were to say, “Well, here’s a brotherly hand—come on, Dr. Vollrath!”? Then we’d have the same story all over again tomorrow. The petitioners do not trust the Executive Board. Personally, I have no trust in Dr. Vollrath. If Mr. Vollrath were readmitted, people would say: “See, the Executive Board was wrong!” Secondly, however, there is still the threat of legal action. This is such a mean and veiled threat that it is quite impossible to negotiate with this group. What is at stake here is the theosophical cause, which stands above our personal feelings. It concerns theosophical life. This morning, during the speeches by Mr. Ahner and Mr. Krojanker, some members clapped. From this, one can see that the misfortune has already had further repercussions. If you are a gardener and want to have beautiful strawberries, then you must pull out the weeds. You must kill the caterpillars, or you will get no strawberries. It is bad enough that in this hall, where we have already been privileged to hear so many wonderful lectures, a worm like me must speak. I am no parliamentarian; I would much rather not have to speak. I would also prefer to help Dr. Vollrath. But it is simply impossible. “Diem perdid”—we have lost this day. Something must be done to ensure this doesn’t happen again. I have taken to heart what Dr. Steiner has given us; and when Mr. Krojanker raised an issue years ago, I said even then: It’s not about the person here, but about the issue. So please create the conditions so that a person like me no longer needs to speak here before you.”
[ 154 ] Herr Dr. Steiner: «Es ist aber nun wirklich notwendig, zur Sache zu kommen. Betrachten Sie also den Antrag als gestellt, dass der Vorstand morgen auf den Antrag von Frau Doktor Vollrath eine Antwort gäbe. Es handelt sich ja nur um ein Ja oder Nein. Der Antrag kann aber in diesem Augenblicke nicht erledigt werden. Der Vorstand muss sich doch schlüssig werden können. Das ist doch eine selbstverständliche Sache. Ich schlage vor, dass Sie mich den Vorstand bitten lassen, dass er morgen sagt entweder Ja oder Nein. Ich kann unmöglich geschäftsordnungsmäßig über die Sache hier abstimmen lassen.»
[ 154 ] Dr. Steiner: “But it is really necessary now to get down to business. So please consider the motion to be on the table: that the Executive Board give a response tomorrow to Dr. Vollrath’s proposal. After all, it’s just a matter of a yes or no. However, the motion cannot be resolved at this moment. The Executive Board must be able to reach a decision. That goes without saying. I suggest that you allow me to ask the Executive Board to say either yes or no tomorrow. I cannot possibly put this matter to a vote here in accordance with the rules of procedure.”
[ 155 ] Fräulein von Sivers: «Wir könnten ja darüber gleich einig werden. Wir wissen, dass Herr Doktor Vollrath keine wahrhaften Tatsachen vorbringen kann und richtige oft entstellt.»
[ 155 ] Miss von Sivers: “We could agree on that right away. We know that Dr. Vollrath cannot present any true facts and often distorts the facts.”
[ 156 ] Herr Dr. Steiner: «Es ist geschäftsordnungsmäßig unmöglich, dass der Vorstand jetzt sich über etwas äußere, worüber er sich nur in corpore äußern kann.»
[ 156 ] Dr. Steiner: “Under the rules of procedure, it is impossible for the Executive Board to comment now on a matter that it can only address as a whole.”
[ 157 ] Es wird der Antrag gestellt, dass der Vorstand sich auf fünf Minuten zurückziehe.
[ 157 ] A motion is made for the Executive Board to take a five-minute recess.
[ 158 ] Herr Dr. Steiner: «Es wäre natürlich viel geschickter, wenn uns das nicht aufhalten würde.»
[ 158 ] Dr. Steiner: “Of course, it would be much better if that didn’t hold us up.”
[ 159 ] Es wird über den Antrag abgestimmt, der Antrag wird abgelehnt.
[ 159 ] A vote is taken on the motion, and the motion is rejected.
[ 160 ] Herr Ahner: «Ich möchte noch etwas berichtigen. Herr Tessmar äußerte, dass damals der Vorstand vollständig orientiert gewesen sei, und dass auch ich orientiert gewesen sein müsste. Ich habe aber keine Gelegenheit gehabt, Herrn Doktor Vollrath damals selbst zu hören, da kann ich nicht mit gutem Gewissen abstimmen. Man muss beide Parteien hören. Als Antwort auf meine Abstimmung wurde ich nicht mehr in den Vorstand gewählt.» Herr Pfarrer Klein beantragt, dass Herr Dr. Vollrath nicht weiter in der Angelegenheit gehört würde.
[ 160 ] Mr. Ahner: “I’d like to correct something else. Mr. Tessmar stated that the board had been fully informed at the time, and that I, too, must have been informed. However, I did not have the opportunity to hear Dr. Vollrath speak for himself at the time, so I cannot vote in good conscience. Both parties must be heard. As a result of my vote, I was not re-elected to the board.” Pastor Klein moved that Dr. Vollrath not be heard further on this matter.
[ 161 ] Der Antrag kommt zur Abstimmung und wird angenommen.
[ 161 ] The motion is put to a vote and is approved.
[ 162 ] Herr Dr. Steiner: «Wir kommen nun zu einer Anzahl von Anträgen, die großenteils höchst schwieriger Natur sind. Es liegen vier Anträge vor. Da ist zunächst der Antrag Molt, der eigentlich aus drei Unteranträgen besteht. Der erste Punkt ist: Die zehnte Generalversammlung möge ihre Empörung und Entrüstung zum Ausdruck bringen.»
[ 162 ] Dr. Steiner: “We now come to a number of motions, most of which are of a highly complex nature. There are four motions on the table. First is the Molt motion, which actually consists of three sub-motions. The first point is: The Tenth General Assembly should express its outrage and indignation.”
[ 163 ] Fräulein Stinde: «Es ist hier schon so vieler Entrüstung Ausdruck gegeben worden, dass es nicht nötig wäre, dieselbe nochmals ausdrücklich zu wiederholen.»
[ 163 ] Miss Stinde: “So much indignation has already been expressed here that it would not be necessary to explicitly repeat it again.”
[ 164 ] Fräulein Brandt: «Man braucht seiner Entrüstung nicht Ausdruck zu geben, da man ja nur Mitleid mit Herrn Doktor Vollrath haben kann.»
[ 164 ] Miss Brandt: “There is no need to express indignation, since one can only feel pity for Dr. Vollrath.”
[ 165 ] Herr Dr. Steiner: «Es wird nötig sein, intensiver zu sagen, was wir zu sagen haben als dadurch, dass wir unserer Empörung und Entrüstung Ausdruck geben. Es ist notwendig, dass wir Dinge tun, die sich weniger gegen eine Persönlichkeit richten. Die Schmähschrift ist nicht zur Beurteilung vorgelesen worden, sondern zur Urteilsfindung.»
[ 165 ] Dr. Steiner: “It will be necessary to express what we have to say more forcefully than by merely voicing our outrage and indignation. It is necessary that we take actions that are less directed against a specific individual. The libelous text was not read aloud for the purpose of evaluation, but for the purpose of reaching a verdict.”
[ 166 ] Herr Hubo: «Ich möchte Herrn Molt bitten, diesen Teil des Antrages zurückzuziehen.»
[ 166 ] Mr. Hubo: “I would like to ask Mr. Molt to withdraw this part of the motion.”
[ 167 ] Herr Molt: «Ich glaube, es hat genügt, dass wir vorhin die Entrüstung konstatieren konnten, und deshalb glaube ich, diesen Punkt zurückziehen zu können.»
[ 167 ] Mr. Molt: “I believe it was sufficient that we were able to acknowledge the outrage earlier, and therefore I believe I can withdraw this point.”
[ 168 ] Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zum zweiten Punkt des Antrages Molt, die Versammlung möge die Anträge Krojanker, Müller, Ahner ablehnen.»
[ 168 ] Dr. Steiner: “We now come to the second point of the Molt motion, that the assembly reject the motions by Krojanker, Müller, and Ahner.”
[ 169 ] Herr Hubo unterstützt diesen Antrag und stellt den Antrag, sofort darüber abzustimmen.
[ 169 ] Mr. Hubo supports this motion and moves that a vote be taken on it immediately.
[ 170 ] Dieser Antrag Hubo wird zur Abstimmung gebracht und angenommen.
[ 170 ] This motion by Hubo is put to a vote and approved.
[ 171 ] Der Antrag Molt wird zur Abstimmung gebracht und von der Versammlung mit allen gegen eine Stimme angenommen. Die Anträge Krojanker, Müller, Ahner sind abgelehnt.
[ 171 ] Molt's motion is put to a vote and approved by the assembly with all in favor except one. The motions by Krojanker, Müller, and Ahner are rejected.
[ 172 ] Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zum dritten Punkte des Antrages Molt: «Die Herren, die durch Unterstützung der Anträge Krojanker, Müller, Ahner gegen den Geist der theosophischen Bewegung verstoßen haben, möchten die Konsequenz ihrer Handlungsweise ziehen, indem sie ihren Austritt aus der Gesellschaft erklären.» Herr Ahner: «Wie ich aus diesem Antrage höre, betrachtet man es als untheosophisch, eine andere Meinung zu haben als die Majorität, für untheosophisch, einem bedrängten Bruder zu Hilfe zu kommen, der für die Theosophie nicht wenig getan hat, dessen Tätigkeit volle Anerkennung findet im Hauptquartier in Indien. Er ist von Misses Besant zum Sekretär des Sternes des Ostens ernannt. Wenn Sie die persönliche Meinung eines Menschen als Grund angeben, ihn nicht mehr als Bruder anzuerkennen, so steht Ihnen das frei. Für mich ist das kein Grund. Ich stelle mich auf den christlichen Standpunkt. Ich betrachte es als keine Schande, als Verteidiger Doktor Vollraths hier zu stehen. Ich habe schon gesagt, es ist sehr bequem, mit dem Strom zu schwimmen. Aber dem Hilflosen nicht zu helfen, diesen Vorwurf will ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich brauche keine theosophische Versammlung, keine theosophische Gesellschaft, um zur wahren Erkenntnis zu gelangen. Alle spirituelle Entwicklung muss aus sich selbst herauskommen. Pfropfen Sie nur Ihr Gehirn voll mit Dogmen, da geht Ihnen noch lange nicht das Licht auf. Urteilen Sie, wie Sie wollen, für mich ist kein Grund vorhanden, meinen Austritt zu erklären.»
[ 172 ] Dr. Steiner: “We now come to the third point of the Molt motion: ‘Those gentlemen who, by supporting the motions of Krojanker, Müller, and Ahner, have violated the spirit of the Theosophical Movement, should face the consequences of their actions by declaring their resignation from the Society.’” Mr. Ahner: “As I understand this motion, it is considered un-Theosophical to hold an opinion different from that of the majority, and un-Theosophical to come to the aid of a brother in distress who has done no small amount for Theosophy, whose work is fully recognized by the headquarters in India. He has been appointed Secretary of *The Star of the East* by Mrs. Besant. If you cite a person’s personal opinion as grounds for no longer recognizing him as a brother, you are free to do so. For me, that is no reason. I take the Christian standpoint. I do not consider it a disgrace to stand here as Dr. Vollrath’s defender. I have already said that it is very convenient to go with the flow. But to refuse to help the helpless—I will not accept that accusation. I do not need a theosophical assembly or a theosophical society to attain true knowledge. All spiritual development must come from within oneself. You can fill your brain with dogmas all you want, but that will not bring you enlightenment by a long shot. Judge as you will; as far as I am concerned, there is no reason to announce my resignation.”
[ 173 ] Herr Dr. Stein: Nur ungern soll, weil es sich um die Entscheidung handelt, von mir in die Debatte eingegriffen werden. Ich möchte bemerken, dass der heutige Tag als ein außerordentlich verdienstvoller angesehen werden muss. Damit ist etwas getan, denn das Wichtigste, das geschehen ist, ist, dass eine Anzahl von Persönlichkeiten hier gesprochen hat, sodass wir entgegengesetzte Meinungen hören konnten. Worte sind in gewissem Sinne auch Taten. Lassen Sie mich nun auch meine Meinung vorbringen. Ich sehe absolut keinen Grund ein, dass dieser Punkt des Antrages, der eben verlesen worden ist, angenommen werden sollte. Ich sehe nicht ein, dass durch diesen Punkt etwas anderes erreicht werde als das genaue Gegenteil von dem, was der Antragsteller gerne erreichen möchte. Wir haben den Beweis für meinen Glauben aus der Rede unseres verehrten Freundes Herrn Ahner entnehmen können. Sie bewirken nur durch einen solchen Antrag, dass draußen in der Welt gesagt wird, was eben hier gesagt worden ist: Es wird in der theosophischen Bewegung herausgeworfen derjenige, der einem hilflosen Bruder beisteht. — Ich bitte Sie, diese Worte ein wenig zu prüfen. Wir müssen als Theosophen immer auf dem Boden der Wahrheit stehen. Es handelt sich also darum, ob man ein Recht hat zu sagen: «Wir sind einem hilflosen Bruder beigesprungen. Dieser Satz enthält eine Anklage, in der keine Realität ist, nämlich die, dass die anderen den Hilflosen malträtiert hätten. Hat aber denn in Wahrheit irgendjemand Herrn Vollrath etwas getan? Was ist denn geschehen? Eine Gesellschaft von mehr als 1000 Mitgliedern hat erklärt, sie betrachte Herrn Doktor Vollrath nicht mehr als zu ihr gehörig. Dieses ist identisch mit dem, wie wenn ich sage, ich kann mit einem gewissen Menschen in meiner Wohnung nicht verkehren. Es kann natürlich jeder seine Theosophie treiben. Es ist also in Wirklichkeit nichts geschehen, als dass festgestellt worden ist, jeder habe das Recht, zu sagen, er könne mit dem oder jenem nicht zusammenarbeiten. Wenn man diesen dann einen Hilflosen nennt und von sich selbst sagt, man habe ihm beigestanden, so liegt darin eine sehr schwere Anklage. Damals habe ich Herrn Doktor Vollrath ausdrücklich gesagt: «Wären Sie Mitglied der Berliner Loge, so läge die Sache ganz. anders, es wäre nicht notwendig, dass Sie austreten» Wir hätten ihn verdaut. Wenn nun jemand kommt und sagt, er hätte diesem Hilflosen beigestanden, so ist das eine schwere Anklage, die keine sehr liebevolle Gesinnung bezeugt. Aber sie ist auch objektiv unwahr, ist keine Realität. Denn Herrn Doktor Vollrath ist ja gar nichts geschehen. Man würde die Theosophische Gesellschaft wahrhaftig überschätzen, wenn man sie erklären würde als eine Korporation, in der man unbedingt darinnen sein müsse, um Theosoph zu sein. Ich kann ja auch den Grund haben, mit einem nicht zusammenarbeiten zu können, weil dieser viel zu genial für mich ist. Ich finde es ganz unverständlich, wenn einer kommt und sagt: Ich will in einer Gesellschaft drinnen sein, die mich gar nicht haben will» Welche Tyrannis käme in die Welt, wenn jeder eine Gesellschaft zwingen könnte, dass sie ihn unbedingt in sich haben müsse. Wenn die Tyrannis so weit gehen könnte, dass jeder in der Lage sein könnte, sich einer Gesellschaft aufzuzwingen, die nicht mit ihm arbeiten will, wo kämen wir hin. Nichts anderes erreichen Sie, wenn Sie diesem dritten Punkt beistimmen, als dass solche Worte wie «Ich stand einem Hilflosen bei, deshalb wurde ich aus der Gesellschaft geworfen» draußen in der Welt gehört würden. Ich glaube, wenn jedes Mitglied sich bewusst ist dessen, was heute zum Ausdruck gebracht worden ist, dass Worte Taten sind, so genügt das. Eine Verständigung ist nicht möglich, wenn Worte gebraucht werden, die objektiv nicht richtig sind.» Herr Molt zieht seinen Antrag zurück. Ein Antrag des Herrn Pastor Wendt betrifft die Ausscheidung derjenigen Mitglieder, die die Anträge in Sachen Vollrath unterstützten.
[ 173 ] Dr. Stein: I am reluctant to intervene in the debate, since this is a matter of decision-making. I would like to note that today must be regarded as an exceptionally fruitful day. Something has been accomplished, because the most important thing that has happened is that a number of prominent figures have spoken here, allowing us to hear opposing views. Words are, in a sense, actions as well. Let me now express my opinion as well. I see absolutely no reason why this point of the motion, which has just been read aloud, should be adopted. I do not see how this point will achieve anything other than the exact opposite of what the proposer would like to achieve. We have found proof of my belief in the speech given by our esteemed friend, Mr. Ahner. By submitting such a motion, you will only cause people out in the world to say what has just been said here: “Anyone who comes to the aid of a helpless brother is cast out of the Theosophical Movement.”—I ask you to consider these words carefully. As theosophists, we must always stand on the ground of truth. The question, then, is whether one has the right to say: “We came to the aid of a helpless brother.” This statement contains an accusation that has no basis in reality—namely, that the others mistreated the helpless one. But in truth, did anyone actually do anything to Dr. Vollrath? What actually happened? An organization with more than 1,000 members declared that it no longer considered Dr. Vollrath a member. This is identical to my saying that I cannot associate with a certain person in my home. Of course, everyone is free to practice their own brand of Theosophy. So in reality, nothing happened other than the acknowledgment that everyone has the right to say they cannot work with this or that person. If one then calls that person “helpless” and claims to have stood by him, that constitutes a very serious accusation. At the time, I explicitly told Dr. Vollrath: “If you were a member of the Berlin Lodge, the situation would be entirely different; it would not be necessary for you to resign.” We would have accepted him. If someone now comes along and says they stood by this helpless person, that is a serious accusation that does not testify to a very loving disposition. But it is also objectively untrue; it is not reality. For nothing at all happened to Dr. Vollrath. One would truly overestimate the Theosophical Society if one were to describe it as an organization that one absolutely must belong to in order to be a Theosophist. I, too, may have my reasons for being unable to work with someone because that person is far too brilliant for me. I find it completely incomprehensible when someone comes along and says, “I want to be part of a society that doesn’t even want me.” What tyranny would come into the world if everyone could force a society to accept them at all costs? If tyranny could go so far that anyone could impose themselves on a society that does not want to work with them, where would that lead us? If you agree with this third point, you’ll achieve nothing other than having words like “I stood by a helpless person, and that’s why I was cast out of society” heard out in the world. I believe that if every member is aware of what has been expressed today—that words are deeds—that is sufficient. Understanding is not possible when words are used that are objectively incorrect.” Mr. Molt withdraws his motion. A motion by Pastor Wendt concerns the expulsion of those members who supported the motions regarding Vollrath.
[ 174 ] Herr Dr. Steiner bittet diesen Antrag nicht anzunehmen, da derselbe inhaltlich identisch sei mit dem Antrage Molt, der schon zurückgezogen sei.
[ 174 ] Dr. Steiner asks that this motion not be adopted, as its content is identical to the Molt motion, which has already been withdrawn.
[ 175 ] Herr Pfarrer Klein (reicht eine Resolution ein): «Ich möchte bitten, einige sehr dringende Worte von mir anzuhören. Ich lege den allergrößten Wert darauf, dass Sie recht ernst diese Resolution überlegen. Es ist nicht möglich, dass von Adyar aus Herr Doktor Vollrath ausgezeichnet wird durch Verleihung besonderer Titel. Es ist nicht möglich, dass das so weitergehe. In Adyar muss doch bekannt sein, was 1908 vor sich gegangen ist. Es ist ganz unverständlich, dass Doktor Vollrath zum Sekretär des Sternordens aus dem Osten ernannt worden ist. Entweder - Oder! Wenn Herr Doktor Vollrath den Generalsekretär in einem solchen Pamphlet derartig beschimpft, und die Generalversammlung sich energisch gegen diese Tatsache erklärt, so ist eine solche Auszeichnung innerlich unmöglich. Hier handelt es sich nicht um christliche Brüderlichkeit, sondern um Klarheit. Christus hat gesagt: Ich bin die Wahrheit. Man soll aber doch in Adyar wissen, wie hier vorgegangen worden ist. Es wird vom Hauptquartier Adyar aus nicht klar gehandelt. Es kann auch nicht geschehen, dass vonseiten des Hauptquartieres aus in derselben Art weitergewirtschaftet wird wie bisher. Ich möchte, dass in Adyar bekannt werde, dass wir nicht gewillt sind, zu dulden, und es als Schädigung unserer Arbeit empfinden, wenn auf diese unklare Weise - milde gesagt - von Adyar aus Herr Doktor Vollrath unterstützt wird. Ich bin mir der Tragweite dieses Schrittes wohl bewusst, aber ich glaube, dass wir heute nur eine halbe Arbeit getan hätten, wenn wir nicht nach Adyar ein Signal geben würden, dass uns das Vertrauen, das man dort Herrn Doktor Vollrath entgegenbrachte, nachdem die Vorgänge von 1908 bekannt waren, in tiefster Seele verletzt hat; dass man mit der Deutschen Sektion nicht alles machen kann, und dass diese mit der Titelverleihung an Herrn Doktor Vollrath nicht einverstanden sein kann.»
[ 175 ] Pastor Klein (submitting a resolution): “I would like to ask you to listen to a few very urgent words from me. I consider it of the utmost importance that you give this resolution serious consideration. It is not possible for Dr. Vollrath to be honored with special titles from Adyar. It is not possible for this to continue. Surely it must be known in Adyar what took place in 1908. It is completely incomprehensible that Dr. Vollrath was appointed Secretary of the Order of the Star from the East. It’s one or the other! If Dr. Vollrath insults the General Secretary in such a pamphlet, and the General Assembly strongly protests this fact, then such an honor is inherently impossible. This is not a matter of Christian brotherhood, but of clarity. Christ said, “I am the truth.” Yet people in Adyar should know how things have been handled here. The Adyar headquarters is not acting with clarity. Nor can it be that the headquarters continues to operate in the same manner as before. I would like it to be known in Adyar that we are not willing to tolerate this, and that we regard it as detrimental to our work when Dr. Vollrath is supported from Adyar in this unclear manner—to put it mildly. I am well aware of the far-reaching implications of this step, but I believe that we would have done only half the work today if we did not send a signal to Adyar that the trust placed there in Dr. Vollrath, after the events of 1908 had become known, has deeply wounded us; that one cannot do whatever one pleases with the German Section, and that the German Section cannot agree to the conferral of the title upon Dr. Vollrath.”
[ 176 ] Herr Dr. Steiner: «Es ist notwendig, da dieser Punkt eine sehr schwerwiegende Sache ist, und ich der Generalsekretär bin, dass ich mich zu dieser Sache äußere. Es handelt sich hier für mich nicht im Allergeringsten Sinne um meine Person. Es kann aber allerdings notwendig sein, dass die Gesellschaft geschützt werden muss, wenn es sich darum handelt, dass dieser Gesellschaft die Lebensbedingungen abgeschnitten werden, wenn die theosophische Lehre nicht mehr wie bisher verbreitet werden könnte. Bei diesem Punkte können wir noch leichter und bestimmter wie vorher das Sachliche vollständig abtrennen vom Persönlichen. Dieses Sachliche ist das Folgende.
[ 176 ] Dr. Steiner: “Since this is a very serious matter, and since I am the General Secretary, it is necessary for me to comment on this issue. For me, this has absolutely nothing to do with my person. However, it may indeed be necessary to protect the Society if its very existence is threatened—that is, if the Theosophical teachings can no longer be disseminated as they have been. On this point, we can even more easily and definitively than before separate the factual from the personal. The facts are as follows.
[ 177 ] Ende Oktober oder Anfang November ist die heute Ihnen verlesene Schrift des Herrn Doktor Vollrath erschienen. Diese Schrift ist nun einmal da und sogar in einer möglichst starken Auflage. In dieser Schrift stehen eine Anzahl Dinge, die, wenn sie wahr wären, doch geeignet wären zu begründen, dass kein Hund mehr von uns ein Stück Brot nähme. Nehmen Sie einmal an, die Dinge, die da geschrieben sind, wären wahr! Da möchte ich Sie doch fragen, ob dann kein Makel an denen hinge, von welchen sie gesagt werden? Kein Hund würde von den mit Namen Genannten noch ein Stück Brot nehmen. Gleichzeitig ungefähr erschien ein «Adyar-Bulletin. Dort waren angeführt als Repräsentant des Sternes des Ostens Doktor Hübbe-Schleiden und als Vertreter Doktor Hugo Vollrath. Wir sind als Deutsche Sektion ein integrierender Teil der Gesamtgesellschaft. Ist es nun richtig, dass man für den Präsidenten eintritt, wo man nur immer kann, oder ist es ein unnormaler Zustand, wenn man nicht für ihn eintreten kann? Nehmen wir an, ich selbst wäre vor die Frage gestellt: «Trittst du für die Präsidentin ein® - Jab. - Wird man mir dann entgegnen: «Dann gibst du aber doch demjenigen, der diese Broschüre geschrieben hat, recht. Denn die Präsidentin ernennt den zu ihrem Vertreter, der so gegen dich auftritt? - Nehmen wir aber an, es würde jemand sagen: «Das brauchst du nicht. Du kannst eintreten für die Präsidentin, trotzdem diese Dinge in der Broschüre stehen, denn die Präsidentin kann ja einen Irrtum begehen. - Die Präsidentin war aber über die Sachlage pflichtgemäß ganz genau von Anfang an unterrichtet. Es ist ihr von Anfang an mit der nötigen Klarheit geschildert worden, was vorgegangen war. Die Präsidentin hat trotzdem dieses Misstrauensvotum gegen den Generalsekretär der Deutschen Sektion abgegeben. Entweder also ist das eine oder das andere in jeder Weise brüchig. Misses Besant musste wissen, wie es um die Dinge steht. Diese Sache steht so da, dass der Generalsekretär durch Adyar gegenwärtig in die Unmöglichkeit versetzt worden ist, die Präsidentin zu verteidigen. Das ist ein anormaler Zustand, und ich versichere Sie, dass es kaum eine schmerzlichere Alternative für mich geben kann. Es ist für mich eine sehr schmerzliche Angelegenheit. Sie wissen, wie weit ich immer, wenn es möglich war, in der Verteidigung der Präsidentin gegangen bin. Aber eines gibt es, das unbedingt maßgebend sein muss, das ist das absolute Feststehen auf dem Boden der Wahrheit. Diese eine Aufgabe habe ich mir gesetzt und das darf ich erwähnen. Derjenige, der vielleicht nicht die okkulte Unterlage, sondern nur die Geschichte der okkulten Bewegung kennt, weiß, wie nahe immer verbunden waren Scharlatanerie und Okkultismus. Es ist eine okkulte Grunderfahrung, dass da nur ein dünnes Spinnwebfädchen zwischen beiden ist. Das eine aber darf ich mir zuschreiben, dieses Ideal habe ich mir gesetzt: Es soll erprobt werden, ob eine absolute, in alle Einzelheiten eingehende Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit verbunden sein kann mit einer okkulten Bewegung. Wenn alles hinschwindet von dem, was wir hier tun können, das eine möchte ich, das niemals hinschwinden kann, dass einmal eine theosophische Bewegung bestanden hat, die sich zur Devise gesetzt hat: Es soll gezeigt werden, dass man wirklich Okkultist und zugleich Vertreter der ungeschminkten, absoluten Wahrheit sein kann. Wer die Geschichte der religiösen Bewegungen kennt, wird mir recht geben.
[ 177 ] The pamphlet by Dr. Vollrath that was read to you today was published in late October or early November. This pamphlet is now out there, and in as large a print run as possible. This pamphlet contains a number of things which, if they were true, would certainly be enough to ensure that not a single dog would take a morsel of bread from us anymore. Just suppose for a moment that the things written there were true! I would then like to ask you: Wouldn’t there be a stain on the reputation of those about whom these things are said? Not a single dog would take another piece of bread from those named therein. Around the same time, an “Adyar Bulletin” was published. It listed Dr. Hübbe-Schleiden as the representative of the Star of the East and Dr. Hugo Vollrath as the spokesperson. As the German Section, we are an integral part of society as a whole. Is it right, then, to stand up for the president whenever possible, or is it an abnormal situation if one cannot stand up for her? Let’s suppose I myself were asked: “Do you stand up for the president?”—Yes.—Would I then be told: ‘But then you’re agreeing with the person who wrote this brochure. After all, the President appoints as her representative someone who speaks out against you like that?’—But let’s suppose someone were to say: ‘You don’t need to do that. You can stand up for the President even though these things are in the brochure, because the President can, after all, make a mistake.’ - But the President was, as required by her duty, fully informed of the situation from the very beginning. What had happened was described to her with the necessary clarity from the start. Nevertheless, the President cast this vote of no confidence against the General Secretary of the German Section. So either one or the other is fundamentally flawed. Miss Besant must have known how things stood. The situation is such that Adyar has now placed the General Secretary in a position where it is impossible for him to defend the President. This is an abnormal state of affairs, and I assure you that there could hardly be a more painful alternative for me. It is a very painful matter for me. You know how far I have always gone, whenever possible, in defending the President. But there is one thing that must absolutely be decisive, and that is standing firmly on the ground of truth. I have set this one task for myself, and I may mention that. Anyone who may not be familiar with the occult background, but only with the history of the occult movement, knows how closely charlatanism and occultism have always been linked. It is a fundamental experience in the occult that there is only a thin, gossamer thread separating the two. But I may take credit for this one thing: I have set myself this ideal—to test whether absolute sincerity and honesty, down to the finest detail, can be combined with an occult movement. If everything we can do here were to fade away, there is one thing I would like to remain—something that can never fade away—namely, that a Theosophical Movement once existed that adopted as its motto: It must be shown that one can truly be an occultist and at the same time a representative of unvarnished, absolute truth. Anyone familiar with the history of religious movements will agree with me.
[ 178 ] Ich betrachte es daher als eine schwere Anomalie - wenn ich meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringen darf -, wenn es durch die Kurzsichtigkeit der Adyar-Politik unmöglich geworden ist, die Präsidentin zu verteidigen. Das Schmerzlichste ist, dass dies in unserer theosophischen Bewegung hat passieren können. Es ist für mich ein tiefer Schmerz, schmerzlicher als alle anderen Dinge, denn ich muss gestehen, dass niemand Misses Besant mehr lieben kann als ich. Aber der Schmerz ist abgerungen der Wahrheit und die Wahrheit ist dasjenige, was man das Höchste nennen kann. Aber, gemessen an der Liebe ist sie, wie ein Dichter sagt, grausam. Das ist etwas, was notwendig war auszusprechen.
[ 178 ] I therefore consider it a grave anomaly—if I may express my personal opinion—that the short-sightedness of Adyar’s policies has made it impossible to defend the President. The most painful thing is that this could have happened within our Theosophical Movement. It is a deep pain for me, more painful than anything else, for I must confess that no one can love Miss Besant more than I do. But this pain is wrung from the truth, and the truth is what one might call the highest good. Yet, measured against love, it is, as a poet says, cruel. This is something that needed to be said.
[ 179 ] Nun könnte man ja leicht sagen: Dann treten wir eben aus der AdyarBewegung aus. Die Adyar-Politik ist nicht identisch mit der Theosophischen Gesellschaft. Aber, wir können uns nicht auf den Standpunkt stellen: Uns gefällt das nicht, oder: Wir spielen nicht mehr mit. Sondern es handelt sich darum, dass wir positiv wissen, was wir wirklich in der Welt vertreten wollen. Entweder ist das, was wir wollen, die Wahrheit - und dann wird sie sich durchringen - oder sie ist es nicht, und dann kann niemand uns retten. So also kann ich nicht einschen, dass eine notwendige Konsequenz wäre für uns, auszutreten. Wenn wir uns nur jederzeit bewusst sind, was wir wollen, dann können wir jederzeit auch sagen, was wir wollen. Gleichgültig wie viele Mitglieder wir sind; wir wissen, was wir wollen, und können es zum Ausdruck bringen.
[ 179 ] Now, one could easily say: Then let’s just leave the Adyar Movement. Adyar’s policies are not identical to those of the Theosophical Society. But we cannot take the stance of saying, “We don’t like this,” or “We’re not playing along anymore.” Rather, the point is that we must know positively what we truly want to stand for in the world. Either what we want is the truth—and then it will prevail—or it is not, and then no one can save us. Therefore, I cannot agree that resigning would be a necessary consequence for us. As long as we are always aware of what we want, we can always say what we want. No matter how many members we have, we know what we want and can express it.
[ 180 ] Die Theosophie steht höher als jedes Amt in der Theosophischen Gesellschaft. Wir dürfen es also auch sagen der Präsidentin in Adyar. Unsere Aufgabe ist es zu sagen: Das wollen wir. Und wie man auch in Adyar darüber denken mag: Das wollen wir, wenn wir mit diesem Antrage den Anfang machen, uns auf den Boden eines souveränen Wollens zu stellen. Wenn wir eine solche Sprache führen, so ist das nur die Konsequenz von dem, was heute gesprochen worden ist. Sind also die Dinge, die heute verhandelt wurden, nur zu ihrem hundertsten Teil berechtigt, dann dürfen wir schon sagen: Das wollen wir, und wie viele Mitglieder der Gesellschaft auch dawider sind. Das bezieht sich nicht auf Lehren, sondern auf Verwaltungssachen. Und wenn wir den Anfang machen, dass wir nicht jedes Wort aus Adyar einfach nachsprechen, dann haben wir etwas zu sagen. Es wird in gewisser Weise darauf ankommen, dass wir verstehen, einmal mit Adyar deutlich zu sprechen. Wir werden die Fortsetzung dann schon finden. Es handelt sich immer nur um Verwaltungsfragen, andere Dinge gehören nicht hierher.
[ 180 ] Theosophy stands above any office in the Theosophical Society. So we may also say this to the President in Adyar. Our task is to say: This is what we want. And no matter what anyone in Adyar may think about it: This is what we want if, by making this motion, we take the first step toward standing on the ground of sovereign will. If we speak in such terms, it is merely the logical consequence of what has been said today. So if the matters discussed today are justified even one-hundredth of the way, then we are already entitled to say: This is what we want—no matter how many members of the Society may oppose it. This does not refer to teachings, but to administrative matters. And if we take the first step of not simply parroting every word from Adyar, then we have something to say. In a certain sense, it will come down to our ability to speak clearly with Adyar for once. We will then find the way forward. It is always only a matter of administrative issues; other matters do not belong here.
[ 181 ] Theosophie ist ebenso, wie sie über den Erdball hinüber kosmopolitisch ist, zugleich bis zum Exzess individuell. Es hat keinen Sinn, wenn man so viele Sektionen gründet, als Landesgrenzen existieren. Dann könnte man ja auch in der Schweiz so viele Sektionen gründen, so viele Kantone es da gibt. Diese heutigen Einrichtungen entsprechen überhaupt nicht dem theosophischen Geist. Das alles aber würde nicht erschöpfen, um was es sich eigentlich handelt. Es handelt sich darum, dass eine schmerzliche Anomalie geschaffen worden ist, und dass wir nicht anders können, als dieselbe ins Auge fassen. Aber wir müssen das auch zum Ausdruck bringen. Deshalb bitte ich Sie, zu diesem Antrag Stellung zu nehmen.»
[ 181 ] Theosophy is, just as it is cosmopolitan across the globe, at the same time individual to the point of excess. It makes no sense to establish as many sections as there are national borders. After all, one could just as easily establish as many sections in Switzerland as there are cantons. These current arrangements do not correspond at all to the theosophical spirit. But all of this would not fully capture what this is really about. The point is that a painful anomaly has been created, and that we have no choice but to face it head-on. But we must also give voice to this. That is why I ask you to comment on this motion.”
[ 182 ] Fräulein Stinde: «Ich möchte den Antrag des Herrn Pfarrer Klein tte er ihn nicht gestellt, so hätte ich es getan.»
[ 182 ] Miss Stinde: “I would like to support Pastor Klein’s motion—if he hadn’t made it, I would have.”
[ 183 ] Herr Dr. Unger: «Es wäre meine Frage, ob nicht zu überlegen wäre, dass diese Resolution etwas sorgfältiger redigiert würde. Es wäre ein weiterer Vorschlag oder Antrag, dass ein kleinerer Kreis dazu bestimmt werde, über die Art und Weise, wie dieser Protest zum Ausdruck gebracht werden soll, zu beraten, und dass diesem Kreise eine gewisse Zeit zur Verfügung gestellt werde.»
[ 183 ] Dr. Unger: “My question is whether we should consider drafting this resolution a bit more carefully. Another suggestion or proposal would be to appoint a smaller group to discuss how this protest should be expressed, and to allow this group a certain amount of time to do so.”
[ 184 ] Herr Pastor Wendt bittet, dem Vorstande die Abfassung der Resolution zu übertragen.
[ 184 ] Pastor Wendt requests that the drafting of the resolution be entrusted to the executive committee.
[ 185 ] Herr Dr. Steiner: «Ich bitte noch einmal, sich die Sache von dem Standpunkte aus genau zu betrachten, den ich eben angegeben habe. Es ist eine Unmöglichkeit, wenn man nicht die Wahrheit verwuseln will, jetzt Adyar zu verteidigen. Entstellt dargestellt werden kann dies natürlich auch in der Außenwelt. Ich bitte auch ins Auge zu fassen, dass Dinge, die geschehen sind, nicht durch Entschuldigungen aus der Welt geschafft werden. Wir stehen also vor der Frage, ob die Resolution ins Auge gefasst werden soll.»
[ 185 ] Dr. Steiner: “I ask once again that you examine the matter closely from the perspective I have just outlined. It is impossible—unless one wishes to obscure the truth—to defend Adyar at this time. Of course, this can also be misrepresented to the outside world. I also ask you to bear in mind that things that have happened cannot be swept under the rug with excuses. We are therefore faced with the question of whether the resolution should be considered.”
[ 186 ] Es wird zur Abstimmung geschritten.
[ 186 ] The vote is now being taken.
[ 187 ] Die Versammlung bejaht die Annahme der Resolution.
[ 187 ] The assembly approves the adoption of the resolution.
[ 188 ] Auch der Antrag des Herrn Pastor Wendt, dass der Vorstand mit der Abfassung und Beförderung der Resolution beauftragt werde, wird von der Versammlung angenommen.
[ 188 ] The assembly also approved Pastor Wendt’s motion that the executive board be tasked with drafting and promoting the resolution.
[ 189 ] Herr von Rainer:
[ 189 ] Mr. von Rainer:
[ 190 ] Ich möchte beantragen die Einsetzung einer Kommission, zur Ausarbeitung der Statuten im Sinne der Ausführungen Herrn Bauers und Doktor Ungers.»
[ 190 ] “I would like to propose the establishment of a commission to draft the bylaws in accordance with the remarks made by Mr. Bauer and Dr. Unger.”
[ 191 ] Es wird über diesen Antrag abgestimmt.
[ 191 ] A vote will be taken on this motion.
[ 192 ] Der Antrag wird angenommen.
[ 192 ] The motion is approved.
[ 193 ] Herr Dr. Steiner: «Damit keine Veranlassung gegeben ist, dass diese Generalversammlung ungültig erklärt werde, ist es nötig, dass die Versammlung mir die Indemnität gebe, da nach den Statuten vierzehn Tage vor der Generalversammlung die Abrechnung an die einzelnen Logen vom Generalsekretär geschickt werden soll, dies aber nicht geschehen ist.»
[ 193 ] Dr. Steiner: “To ensure that there is no grounds for this General Assembly to be declared invalid, it is necessary for the Assembly to grant me immunity, since, according to the bylaws, the financial statements are to be sent to the individual lodges by the Secretary General fourteen days prior to the General Assembly, but this has not been done.”
[ 194 ] Herr Arenson: «Es ist meine Ansicht, dass eine solche Erklärung der Generalversammlung verbunden sein müsste mit einer anderen, nämlich mit dieser, dass die Versammlung sich verbietet, in einem solchen Tone zu unserem Generalsekretär zu sprechen, ganz abgesehen davon, dass man sich hätte erkundigen können, welche Gründe zu der Verzögerung geführt haben; dass so etwas in anderen Ausdrücken geschähe.»
[ 194 ] Mr. Arenson: “It is my view that such a statement by the General Assembly would have to be accompanied by another, namely that the Assembly refrain from speaking to our Secretary-General in such a tone—quite apart from the fact that one could have inquired as to the reasons for the delay—and that such a matter be addressed in different terms.”
[ 195 ] Frau Wolfram: «Ich möchte hinzufügen, dass Herr Doktor [Haedicke] vollständig von den Schwierigkeiten solcher Dinge unterrichtet war.»
[ 195 ] Ms. Wolfram: “I would like to add that Dr. [Haedicke] was fully aware of the difficulties involved in such matters.”
[ 196 ] Herr Dr. Steiner: «Es ist auch von mir Herrn Doktor [Haedicke] gesagt worden, dass, wenn irgendeine Lässigkeit vorliegt, das nicht an uns liege, sondern an den einzelnen Logen. Es wäre also zwecklos, mit einem Herrn zu sprechen, der diese Gründe mehrfach gehört hat und trotzdem immer wieder seine Sache vorbringt. Es schreibt also Doktor [Haedicke]: Sie haben die Verfassung mit Ihrer Namensunterschrift unterzeichnet und müssen daher als Mann von Ehre entweder die Verfassung hoch und heilig halten oder diese Verfassung abändern lassen oder aber Ihr Amt niederlegen. Da Sie nun öffentlich von «theosophischen Dogmen» geredet haben.» Das ist eine Behauptung, die auch nicht den Schein von Richtigkeit für sich hat.
[ 196 ] Dr. Steiner: “I have also told Dr. [Haedicke] that if there is any negligence, it is not our fault, but that of the individual lodges. It would therefore be pointless to speak with a man who has heard these reasons repeatedly and yet continues to press his case. Dr. [Haedicke] writes: ‘You have signed the constitution with your name and must therefore, as a man of honor, either hold the constitution sacred and inviolable, or have it amended, or else resign from your office. Since you have now spoken publicly of “theosophical dogmas.”’ This is an assertion that does not even have the semblance of truth to it.
[ 197 ] Wir wollen nicht auf die Logik eingehen. Welche Dinge möglich sind, das sehen wir an diesen Sachen, dass man sich diese unmöglichen, handgreiflichen Sachen als eine Belehrung sagen lassen muss: Bitte erklären Sie also bei Gelegenheit, dass die Theosophische Gesellschaft kein Dogma hat und auch logischerweise niemals eins haben kann, ebenso wie Theosophie nicht Geisteswissenschaft ist, sondern nach Blavatsky, die Weisheit derjenigen, die göttlich sind.»
[ 197 ] We do not wish to go into the logic of this. We can see what is possible from these examples—that one must accept these impossible, tangible things as a lesson: Please explain, when the opportunity arises, that the Theosophical Society has no dogma and, logically speaking, can never have one, just as Theosophy is not a Spiritual Science but, according to Blavatsky, the wisdom of those who are divine.”
[ 198 ] Es kommt also jemand und sagt: Es gibt keine theosophischen Dogmen. Dann aber behauptet er, ich hätte zu erklären, dass Theosophie göttliche Weisheit sei.
[ 198 ] So someone comes along and says: There are no theosophical dogmas. But then he claims that I should explain that Theosophy is divine wisdom.
[ 199 ] Das also, was uns nun vorliegt, wäre, dieses Mal für die Pflichtverletzung Indemnität zu geben.»
[ 199 ] “So what we have before us now would be to grant indemnity for the breach of duty this time.”
[ 200 ] Herr Seiler: «Ich will nicht eingehen darauf, dass da mit dem königlichen Amtsgericht gedroht wird. Ich möchte nur sagen, dass man doch nicht den Generalsekretär belangen kann. Wenn einen eine Schuld trifft, so trifft sie mich. Wenn jemand um Entschuldigung zu bitten hat, so bin ich das. Das kann nur davon herrühren, dass Herr [Haedicke] ein ganz junges Mitglied ist, der gar nicht weiß, wie hier gearbeitet wird. Man muss doch wissen, dass man mit solchen Dingen nicht an Herrn Doktor Steiner herantreten kann und begreifen, dass wir uns alle Mühe geben müssen, den Generalsekretär möglichst frei zu halten von solchen Sachen. Es erscheint mir als eine ganz gewaltige Ungehörigkeit, wenn von Mitgliedern Intentionen hierher gelangen, sodass Herr Doktor Steiner öffentlich um Entschuldigung bitten soll. Das dürfte doch nicht verlangt werden von unserem Generalsekretär.»
[ 200 ] Mr. Seiler: “I don’t want to go into the fact that they’re threatening to take this to the Royal District Court. I just want to say that you can’t take legal action against the Secretary-General. If anyone is at fault, it’s me. If anyone needs to apologize, it’s me. This can only stem from the fact that Mr. [Haedicke] is a very young member who doesn’t know how things work here at all. One must realize that one cannot approach Dr. Steiner with such matters and must understand that we must all make every effort to keep the Secretary-General as free as possible from such things. It strikes me as an enormous impertinence when members’ intentions reach this forum in such a way that Dr. Steiner is expected to publicly apologize. That should not be demanded of our Secretary-General.”
[ 201 ] Herr Dr. Steiner: «Es ist aber nach den Paragrafen nicht anders möglich, als dass Sie mir Indemnität geben, denn Herr Doktor [Haedicke] könnte sonst die Generalversammlung für ungültig erklären. Ich glaube, wir alle haben an dieser Versammlung genug; wir würden dann die ganze Sache noch einmal durchmachen müssen. Deshalb ist es notwendig, dass wir den Punkt so fassen, wie er formal gefasst werden muss. Es darf nicht sein, dass wir heute einen unrichtigen Beschluss fassen. Es ist nötig, dass Sie mir Indemnität geben, weil die Statuten verletzt sind.»
[ 201 ] Dr. Steiner: “But according to the bylaws, there is no other option but for you to grant me indemnity, because otherwise Dr. [Haedicke] could declare the general meeting invalid. I think we’ve all had enough of this meeting; we’d then have to go through the whole thing all over again. That is why it is necessary for us to word this item as it must be formally worded. We cannot allow ourselves to pass an incorrect resolution today. It is necessary for you to grant me indemnity because the bylaws have been violated.”
[ 202 ] Herr Tessmar: «Es steht fest, dass der Antrag von Herrn [Haedicke] auf richtigen Tatsachen basiert. Er ist formal nur nicht richtig, da der betreffende Herr nicht weiß, wie der Kassenbericht zustande kommt. Sie finden hier die wunderbare Sachlage, dass auch wir Revisoren nun mit Recht sagen können: Nein, wir sind Schuld! Die Sache ist die, dass Herr Doktor [Haedicke] mit seinem Antrage tatsächlich recht hat. Hier in den Statuten stehen ja die Worte: «Soll durch den Generalsekretär zugestellt werden. Zu einer Zustellung muss er aber erst etwas haben. Meine persönliche Ansicht ist, dass es ja darauf wirklich nicht so sehr ankommt, sondern darauf, dass theosophische Arbeit geleistet wird.
[ 202 ] Mr. Tessmar: “It is clear that Mr. [Haedicke]’s motion is based on accurate facts. It is merely incorrect in form, since the gentleman in question does not know how the financial report is prepared. Here we have the remarkable situation in which even we, the auditors, can now rightly say: No, we are to blame! The fact is that Dr. [Haedicke] is actually correct in his motion. Here in the bylaws, the words state: ‘Shall be delivered by the Secretary-General.’ But in order to deliver something, he must first have something to deliver. My personal view is that this really isn’t all that important; what matters is that theosophical work is being done.
[ 203 ] Sie, Herr Doktor [Haedicke], sind nun derjenige, der getan hat, was ich seit acht Jahren wünsche. Sie haben dadurch etwas Gutes geschaffen. Denn jetzt werden ja die Statuten anders gemacht werden; und zwar für diejenigen, die die theosophische Sache nicht begriffen haben und dadurch Paragrafenschnüffler geworden sind. Eine Lex [Haedicke] wird nun nicht mehr da sein.
[ 203 ] You, Dr. [Haedicke], are now the one who has done what I have been hoping for for eight years. In doing so, you have accomplished something good. For now the bylaws will be revised—specifically for those who have not understood the Theosophical cause and have thus become nitpickers over the fine print. There will no longer be a “Lex [Haedicke].”
[ 204 ] Ich möchte hier den Antrag stellen, dass die Generalversammlung dem Generalsekretär Indemnität erteilt.»
[ 204 ] “I would like to move that the General Assembly grant indemnity to the Secretary-General.”
[ 205 ] Herr Hubo: «Im Anschluss an diesen Antrag des Herrn Tessmar möchte ich den Zusatz beantragen, dass dieses angebliche Versäumnis als unverschuldet betrachtet werde, und dass über alle übrigen Punkte des Antrages [Haedicke] zur Tagesordnung übergegangen werde.»
[ 205 ] Mr. Hubo: “Following Mr. Tessmar’s motion, I would like to propose an amendment stating that this alleged omission be considered not the result of any fault, and that the meeting proceed to the agenda regarding all other points of [Haedicke’s] motion.”
[ 206 ] Herr Dr. Steiner: «Es liegt der Antrag vor, dem Generalsekretär Indemnität zu erteilen. Ob verschuldet oder nicht, ist gleichgültig.»
[ 206 ] Dr. Steiner: “A motion has been submitted to grant the Secretary-General immunity. Whether he is at fault or not is irrelevant.”
[ 207 ] Die Generalversammlung erteilt dem Generalsekretär Indemnität durch Abstimmung.
[ 207 ] The General Assembly grants indemnity to the Secretary-General by a vote.
[ 208 ] Herr Dr. Steiner: «Es liegt ein anderer Antrag vor, der Antrag Arenson: «Die Generalversammlung möge zum Ausdruck bringen, dass man sich den Ton, wie er angeschlagen worden ist von Herrn Doktor [Haedicke], verbietet.»
[ 208 ] Dr. Steiner: “There is another motion on the table, the Arenson motion: ‘The General Assembly should state that the tone set by Dr. [Haedicke] is unacceptable.’”
[ 209 ] Der Antrag wird angenommen.
[ 209 ] The motion is approved.
[ 210 ] Herr Dr. Steiner: «Wir kommen zur Dechargenerteilung an den Vorstand. Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass es mir durchaus nicht darauf ankommt, in irgendeinem Zeitpunkt von dem Amte eines Generalsekretärs zurückzutreten, wenn es etwa notwendig werden sollte aus dem Grunde, weil durch die Art und Weise, wie in der Gesellschaft vorgegangen werden muss, die beiden Ämter, die Führung der theosophischen Bewegung und das Amt des Generalsekretärs nicht mehr verträglich miteinander wären. Es könnte sich das ergeben, wenn nicht zwischen den Zeilen des theosophischen Lebens eine gewisse Billigkeit herrschen würde. Warum sollte das auch nicht möglich sein. Sie müssen dasjenige, was ich jetzt sage, in dem Lichte betrachten, dass ich niemals etwas anderes sein will als ein theosophischer Lehrer, und dass alles dasjenige von mir geschehen muss, was im Sinne der Vertretung der theosophischen Wahrheit geschehen muss. Derjenige, der in einer solchen Lage ist, muss selbstverständlich diesem oder jenem etwas Unangenehmes sagen. Er ist ja verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Die Wahrheit braucht aber nicht immer verstanden zu werden. Da der theosophische Lehrer gezwungen ist, die ungeschminkte Wahrheit jedem einzelnen Menschen zu sagen, so muss er selbstverständlich Feinde haben, Gegner haben. Es kann gar nicht anders sein. Die Art und Weise dieser Gegnerschaften, welche hervorgerufen werden durch die Tätigkeit des theosophischen Lehrers, kann unter Umständen nicht verträglich sein mit der Tätigkeit des Generalsekretärs der Theosophischen Gesellschaft. Wenn dieser Zeitpunkt herbeigekommen sein sollte, wo eine Vereinigung dieser beiden Ämter nicht mehr denkbar wäre, dann wird es nötig sein, an ein anderes Arrangement zu denken.
[ 210 ] Dr. Steiner: “We now turn to the granting of discharge to the Executive Board. I would like to expressly note that I have absolutely no intention of resigning from the office of General Secretary at any time, should it become necessary—for example, because the way in which the Society must operate would make the two offices—the leadership of the Theosophical Movement and the office of General Secretary—no longer compatible with one another. This could arise if a certain fairness were not to prevail in the context of theosophical life. Why should that not be possible? You must view what I am saying now in the light of the fact that I never wish to be anything other than a theosophical teacher, and that everything I do must be done in the interest of upholding theosophical truth. Anyone in such a position must, of course, say something unpleasant to this or that person. After all, he is obligated to speak the truth. But the truth does not always have to be understood. Since the Theosophical teacher is compelled to speak the unvarnished truth to every single person, he must, of course, have enemies and opponents. It cannot be any other way. The nature of this opposition, which is brought about by the activities of the Theosophical teacher, may, under certain circumstances, be incompatible with the duties of the Secretary-General of the Theosophical Society. Should the time come when a combination of these two offices is no longer conceivable, it will be necessary to consider a different arrangement.
[ 211 ] Ich möchte noch bemerken, dass niemand das Recht hat zu sagen, dass am heutigen Tage von mir etwas gesagt worden sei gegen die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft. Es ist nur gesagt worden, dass es mir unmöglich ist, die Präsidentin zu verteidigen.
[ 211 ] I would also like to note that no one has the right to say that I said anything today against the President of the Theosophical Society. I merely stated that it is impossible for me to defend the President.
[ 212 ] Wir kommen nun dazu, dem Vorstand in seiner Gesamtheit Decharge zu erteilen.»
[ 212 ] We now come to the matter of granting discharge to the entire Board of Directors.»
[ 213 ] Die Decharge für den Gesamtvorstand wird von der Versammlung erteilt.
[ 213 ] The General Assembly grants discharge to the entire Executive Board.
[ 214 ] Herr Dr. Steiner: «Wir schreiten nun zur Neuwahl des Vorstandes, insoweit die Vorstandsmitglieder nicht lebenslänglich gewählt sind. Vom Vorstande werden zu dieser Wahl vorgeschlagen die bisherigen Vorstandsmitglieder, deren Mandat abgelaufen ist: Herr Bauer, Herr Doktor [Grosheintz], Herr Tessmar, Herr Doktor Unger, Frau Noss, Frau Wolfram, Frau Smits. Ferner ist der Vorstand zu ergänzen um zwölf neue Vorstandsmitglieder, da für je 100 Mitglieder ein Vorstandsmitglied gewählt werden muss, und die Gesellschaft seit der letzten Wahl um 1180 Mitglieder gewachsen ist. Für diese Wahl schlägt der Vorstand vor: Frau von Bredow, Fräulein Völker, Frau Wandrey, Herrn Del-Monte, Herrn Doktor Peipers, Herrn Doktor Noll, Gräfin Kalckreuth, Herrn von Rainer, Graf Lerchenfeld, Herrn Professor Gysi, Herrn von Damnitz, Fräulein Mücke.
[ 214 ] Dr. Steiner: “We will now proceed to the election of new members of the Executive Board, insofar as the members of the Executive Board are not elected for life. The Executive Board proposes for this election the current members of the Executive Board whose terms have expired: Mr. Bauer, Dr. [Grosheintz], Mr. Tessmar, Dr. Unger, Ms. Noss, Ms. Wolfram, and Ms. Smits. Furthermore, the Board must be expanded to include twelve new members, since one Board member must be elected for every 100 members, and the Society has grown by 1,180 members since the last election. For this election, the Board of Directors proposes the following candidates: Ms. von Bredow, Ms. Völker, Ms. Wandrey, Mr. Del-Monte, Dr. Peipers, Dr. Noll, Countess Kalckreuth, Mr. von Rainer, Count Lerchenfeld, Professor Gysi, Mr. von Damnitz, and Ms. Mücke.
[ 215 ] Aus der Versammlung werden vorgeschlagen: Herr Pfarrer Klein, Herr [Walther], Herr van Leer, Fräulein Winkler, Fräulein von Eckardtstein.
[ 215 ] The following are nominated by the assembly: Pastor Klein, Mr. [Walther], Mr. van Leer, Miss Winkler, Miss von Eckardtstein.
[ 216 ] Herr Molt zur Geschäftsordnung: «Ich möchte bitten, die Vorschläge des Vorstandes anzunehmen. Ich glaube, das wäre der beste Ausdruck eines Vertrauensvotums.»
[ 216 ] Mr. Molt, on a point of order: “I would ask that we adopt the Executive Board’s proposals. I believe that would be the best way to express a vote of confidence.”
[ 217 ] Herr Dr. Steiner: «Über diesen Antrag muss sofort abgestimmt werden.»
[ 217 ] Dr. Steiner: “We must vote on this motion immediately.”
[ 218 ] Der Antrag Molt wird angenommen.
[ 218 ] Molt's motion is approved.
[ 219 ] Vierter [Tagesordnungspunkt]: Berichte der Vertreter der Zweige: Es liegt ein Bericht des Züricher Zweiges vor. Es wird beantragt, der vorgerückten Stunde wegen, diesen Bericht in die «Mitteilungen» aufzunehmen.
[ 219 ] Fourth [agenda item]: Reports from branch representatives: A report from the Zurich branch has been submitted. It is proposed that, due to the late hour, this report be included in the “Mitteilungen.”
[ 220 ] Der Antrag wird angenommen.
[ 220 ] The motion is approved.
[ 221 ] Fünfter [Tagesordnungspunkt]: Verschiedenes:
[ 221 ] Fifth [agenda item]: Miscellaneous:
[ 222 ] Herr Dr. Steiner: «Ich möchte noch bemerken, dass stattfinden wird auch die erste Generalversammlung des Johannesbauvereins, wenn möglich am Dienstag. Es wird die Zeit noch bekannt gegeben werden.»
[ 222 ] Dr. Steiner: “I would also like to note that the first general meeting of the Johannesbauverein will take place, if possible on Tuesday. The time will be announced later.”
[ 223 ] Da zu dem fünften Punkt niemand etwas zu bemerken hat, so schließt der Generalsekretär den geschäftlichen Teil der Generalversammlung. Die Äußerung des Vorstandes auf den Antrag von Frau Dr. Vollrath soll am nächsten Morgen erfolgen. (Der Vorstand lehnte in motivierter Weise eine Verhandlung mit Dr. Vollrath ab.)
[ 223 ] Since no one had any comments on the fifth item, the Secretary-General closed the business portion of the General Assembly. The Executive Board’s response to Dr. Vollrath’s motion is to be given the following morning. (The Executive Board rejected negotiations with Dr. Vollrath, providing a reasoned explanation.)
