Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253
16 September 1915, Dornach
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Probleme des Zusammenlebens in der Anthroposophischen Gesellschaft
7. Die psychoanalytische Weltanschauung im Lichte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis
7. Die psychoanalytische Weltanschauung im Lichte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich will heute zu den gestrigen Betrachtungen nur noch einiges hinzufügen und, wenn möglich, morgen mit einem neuen Thema beginnen.
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich will heute zu den gestrigen Betrachtungen nur noch einiges hinzufügen und, wenn möglich, morgen mit einem neuen Thema beginnen.
[ 2 ] Es ist von mir hervorgehoben worden, daß ein Wesentliches zum Verstehen der Welt im weitesten Sinne, also der Welt im allgemeinen, des einzelnen Menschen, des menschlichen Zusammenlebens und so weiter, sowie zum Verständnis eines Tatsachenzusammenhanges darin besteht, überall den richtigen Gesichtspunkt aufzufinden. Der Grund von vielen, vielen Irrtümern ist ja der, daß man glaubt, durch bloße logische Schlußfolgerungen von jedem beliebigen Ausgangspunkt aus zur Wahrheit kommen zu können. Aber wenn man eine Sache wirklich verstehen will, dann handelt es sich zuerst darum, sich zu dem richtigen Gesichtspunkte durchzuarbeiten. Dieses Sichdurchringen zu dem richtigen Gesichtspunkte sollte eigentlich als das wahre Wesen des Studierens aufgefaßt werden. Viele Fehler werden wirklich dadurch gemacht, daß man behufs einer Erkenntnisgewinnung sich an eine Sache einfach heranmacht und sie, wie gesagt, von jedem beliebigen Ausgangspunkte ins Auge faßt.
[ 2 ] Es ist von mir hervorgehoben worden, daß ein Wesentliches zum Verstehen der Welt im weitesten Sinne, also der Welt im allgemeinen, des einzelnen Menschen, des menschlichen Zusammenlebens und so weiter, sowie zum Verständnis eines Tatsachenzusammenhanges darin besteht, überall den richtigen Gesichtspunkt aufzufinden. Der Grund von vielen, vielen Irrtümern ist ja der, daß man glaubt, durch bloße logische Schlußfolgerungen von jedem beliebigen Ausgangspunkt aus zur Wahrheit kommen zu können. Aber wenn man eine Sache wirklich verstehen will, dann handelt es sich zuerst darum, sich zu dem richtigen Gesichtspunkte durchzuarbeiten. Dieses Sichdurchringen zu dem richtigen Gesichtspunkte sollte eigentlich als das wahre Wesen des Studierens aufgefaßt werden. Viele Fehler werden wirklich dadurch gemacht, daß man behufs einer Erkenntnisgewinnung sich an eine Sache einfach heranmacht und sie, wie gesagt, von jedem beliebigen Ausgangspunkte ins Auge faßt.
[ 3 ] Wir haben in diesen Tagen eine besonders abscheuliche Weltanschauungsströmung ins Auge gefaßt: die psychoanalytische. Man kann hier schon, ohne in subjektivistische Betrachtungen zu verfallen, diesen Ausdruck gebrauchen. Diese psychoanalytische Weltanschauung - das haben wir ja erkannt - ist aber nicht abscheulich durch ihren Ausgangspunkt - denn dieser ist sogar ein solcher, der, richtig gehandhabt, zu ganz richtigen Ergebnissen führen könnte -, sondern abscheulich wird sie durch die Art und Weise, wie die Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, ihre besonderen Gefühle und Empfindungen hineinbringen. Dadurch, daß das Subjektive der Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, in die Theorie hineingebracht wird, «plätschert» ja, wie ich mich ausgedrückt habe, diese psychoanalytische Theorie in dem Sexualismus.
[ 3 ] Wir haben in diesen Tagen eine besonders abscheuliche Weltanschauungsströmung ins Auge gefaßt: die psychoanalytische. Man kann hier schon, ohne in subjektivistische Betrachtungen zu verfallen, diesen Ausdruck gebrauchen. Diese psychoanalytische Weltanschauung - das haben wir ja erkannt - ist aber nicht abscheulich durch ihren Ausgangspunkt - denn dieser ist sogar ein solcher, der, richtig gehandhabt, zu ganz richtigen Ergebnissen führen könnte -, sondern abscheulich wird sie durch die Art und Weise, wie die Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, ihre besonderen Gefühle und Empfindungen hineinbringen. Dadurch, daß das Subjektive der Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, in die Theorie hineingebracht wird, «plätschert» ja, wie ich mich ausgedrückt habe, diese psychoanalytische Theorie in dem Sexualismus.
[ 4 ] Würde aber ein Mensch, der bekannt ist mit dem Prinzip, überall zuerst den richtigen Gesichtspunkt zu finden, sich mit dem Ausgangspunkt der psychoanalytischen Theorie vertraut machen und dann weitergehen, so würde ein solcher Mensch zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Er würde gerade vielleicht von der psychoanalytischen Theorie aus so fortschreiten, daß er zunächst gewisse materialistische Allüren in die psychoanalytische Theorie hineinbringt. Dann würde er finden, daß man durch die Unterscheidung zwischen Bewußtem und Unbewußtem ganz von selbst dazu gedrängt wird, reinere, edlere Wege der Erkenntnis einzuschlagen, weil er das Hineintragen der Gesichtspunkte, von denen wir ja gesprochen haben, als willkürliche Emotionen der subjektiven Natur und nicht wie etwas Objektives erkennt.
[ 4 ] Würde aber ein Mensch, der bekannt ist mit dem Prinzip, überall zuerst den richtigen Gesichtspunkt zu finden, sich mit dem Ausgangspunkt der psychoanalytischen Theorie vertraut machen und dann weitergehen, so würde ein solcher Mensch zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Er würde gerade vielleicht von der psychoanalytischen Theorie aus so fortschreiten, daß er zunächst gewisse materialistische Allüren in die psychoanalytische Theorie hineinbringt. Dann würde er finden, daß man durch die Unterscheidung zwischen Bewußtem und Unbewußtem ganz von selbst dazu gedrängt wird, reinere, edlere Wege der Erkenntnis einzuschlagen, weil er das Hineintragen der Gesichtspunkte, von denen wir ja gesprochen haben, als willkürliche Emotionen der subjektiven Natur und nicht wie etwas Objektives erkennt.
[ 5 ] Das ist überhaupt das Bedeutsame des wahren Studierens, daß man meistens über den Ausgangspunkt hinausgeführt wird, daß einen die Sache treibt und nicht, daß man seine eigenen subjektiven Impulse in die Sache hineinträgt.
[ 5 ] Das ist überhaupt das Bedeutsame des wahren Studierens, daß man meistens über den Ausgangspunkt hinausgeführt wird, daß einen die Sache treibt und nicht, daß man seine eigenen subjektiven Impulse in die Sache hineinträgt.
[ 6 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, dieser Grundsatz ist einer, der dem wahren Studierenden sich nach und nach als ein notwendiger ergibt und der unerläßlich ist, wenn eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung heute verwirklicht werden soll, der unerläßlich auch ist für das Gefüge einer Gesellschaft, in der geisteswissenschaftliche Weltanschauung gepflegt werden soll. Man muß dahin kommen, die Dinge der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung wirklich ernst und würdig zu nehmen; das heißt, man sollte nicht das, was man schon vorher als seine subjektiven Gewohnheiten hatte, immer wieder und wieder auch in das, was zur geisteswissenschaftlichen Weltanschauung gehört, hineintragen, sondern sich etwas leiten lassen durch die Bedingungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Zum Beispiel kann ein Mensch im gewöhnlichen Leben die Gewohnheit haben, überall zu spät zu kommen, nicht rechtzeitig zu erscheinen zu der Stunde, die angesetzt ist. Im äußeren philiströsen Leben wird die Gewohnheit, zu spät zu kommen, nicht gerade immer angenehm, vielleicht auch nicht vorteilhaft sein für den Fortgang desjenigen, was man zu tun hat; in der geisteswissenschaftlichen Bewegung aber sollte aus der ganzen Art, wie man die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten selber nimmt, es der Seele unmöglich sein, so etwas zu pflegen, wenn es nicht einer dringenden Notwendigkeit entspricht.
[ 6 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, dieser Grundsatz ist einer, der dem wahren Studierenden sich nach und nach als ein notwendiger ergibt und der unerläßlich ist, wenn eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung heute verwirklicht werden soll, der unerläßlich auch ist für das Gefüge einer Gesellschaft, in der geisteswissenschaftliche Weltanschauung gepflegt werden soll. Man muß dahin kommen, die Dinge der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung wirklich ernst und würdig zu nehmen; das heißt, man sollte nicht das, was man schon vorher als seine subjektiven Gewohnheiten hatte, immer wieder und wieder auch in das, was zur geisteswissenschaftlichen Weltanschauung gehört, hineintragen, sondern sich etwas leiten lassen durch die Bedingungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Zum Beispiel kann ein Mensch im gewöhnlichen Leben die Gewohnheit haben, überall zu spät zu kommen, nicht rechtzeitig zu erscheinen zu der Stunde, die angesetzt ist. Im äußeren philiströsen Leben wird die Gewohnheit, zu spät zu kommen, nicht gerade immer angenehm, vielleicht auch nicht vorteilhaft sein für den Fortgang desjenigen, was man zu tun hat; in der geisteswissenschaftlichen Bewegung aber sollte aus der ganzen Art, wie man die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten selber nimmt, es der Seele unmöglich sein, so etwas zu pflegen, wenn es nicht einer dringenden Notwendigkeit entspricht.
[ 7 ] Nun ist in diesen Tagen so viel über Ernst und Würde nicht bloß des geisteswissenschaftlichen Wesens, sondern auch unseres gesellschaftlichen Lebens gesprochen worden, und man hat gesehen, wie notwendig es ist, daß wir uns als Gesellschaft abschließen. Selbstverständlich ist es ein Äußerliches, daß man doch wenigstens die kleine Sorgfalt haben sollte, zur rechten Zeit zu kommen; trotzdem sind auch in den jetzigen Tagen, obwohl der Vortrag 20 Minuten nach Sechs begonnen hat, wiederum einzelne zu spät gekommen. Und auf diese Weise, meine lieben Freunde, werden wir niemals dahin kommen, den Begriff der Gesellschaft so weit zu verwirklichen, daß wir, mit einem Wort, vernünftig anfangen können. Denn wenn wir nicht wissen können, daß, wenn wir anfangen, niemand mehr von uns kommt, dann können wir uns bei einigermaßen ausgebreiteteren Verhältnissen der Gesellschaft niemals davor schützen, daß nicht Unbefugte da oder dort einmal wieder unter uns sein werden, die nicht hereingehören. Bedenken Sie doch, daß es eine Rücksichtslosigkeit ist, in einer Gesellschaft zu spät zu kommen, wenn diese Gesellschaft auf der anderen Seite darauf schaut, daß wirklich jeder, der eintritt, dazugehört. Dazu müssen aber gewisse Mitglieder sich opfern und den Eintritt der Mitglieder so lange überwachen, bis alle, die zur Gesellschaft gehören, da sind. Wenn nun die Überwachenden eingetreten sind, dann muß die Türe geschlossen sein, und jeder sollte da sein.
[ 7 ] Nun ist in diesen Tagen so viel über Ernst und Würde nicht bloß des geisteswissenschaftlichen Wesens, sondern auch unseres gesellschaftlichen Lebens gesprochen worden, und man hat gesehen, wie notwendig es ist, daß wir uns als Gesellschaft abschließen. Selbstverständlich ist es ein Äußerliches, daß man doch wenigstens die kleine Sorgfalt haben sollte, zur rechten Zeit zu kommen; trotzdem sind auch in den jetzigen Tagen, obwohl der Vortrag 20 Minuten nach Sechs begonnen hat, wiederum einzelne zu spät gekommen. Und auf diese Weise, meine lieben Freunde, werden wir niemals dahin kommen, den Begriff der Gesellschaft so weit zu verwirklichen, daß wir, mit einem Wort, vernünftig anfangen können. Denn wenn wir nicht wissen können, daß, wenn wir anfangen, niemand mehr von uns kommt, dann können wir uns bei einigermaßen ausgebreiteteren Verhältnissen der Gesellschaft niemals davor schützen, daß nicht Unbefugte da oder dort einmal wieder unter uns sein werden, die nicht hereingehören. Bedenken Sie doch, daß es eine Rücksichtslosigkeit ist, in einer Gesellschaft zu spät zu kommen, wenn diese Gesellschaft auf der anderen Seite darauf schaut, daß wirklich jeder, der eintritt, dazugehört. Dazu müssen aber gewisse Mitglieder sich opfern und den Eintritt der Mitglieder so lange überwachen, bis alle, die zur Gesellschaft gehören, da sind. Wenn nun die Überwachenden eingetreten sind, dann muß die Türe geschlossen sein, und jeder sollte da sein.
[ 8 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, es sollte gewiß nicht notwendig sein, solche Dinge besonders zu besprechen; aber die geisteswissenschaftliche Weltanschauung muß auf dem Begriff der Symptomatik stehen. «Symptomatik» bedeutet hier das, daß, was irgendein Wesen im Kleinen praktiziert, es sehr geneigt sein wird, auch im Großen zu praktizieren. Wer es nicht einmal dazu bringt, pünktlich zu den Versammlungen zu kommen, der wird auch bei größeren Dingen, wo es auf etwas Bedeutsames ankommt, nicht gerade denjenigen ganz pflichtgemäßen Impuls entwickeln, der notwendig ist. Ein großer Teil der Schäden, die in so krasser Weise zutage getreten sind, hängt innig zusammen gerade mit dem Nicht-genau-Nehmen, mit dem Nicht-deutlich-genug-Nehmen der Dinge. Es ist wirklich wichtig, daß wir in demselben Stil, wie das eben besprochen wurde, auch den geisteswissenschaftlichen Betrieb, wenn ich so sagen darf, selber nehmen. Daher ist es auch eine Veranschaulichung desjenigen, was die Geisteswissenschaft von uns fordert, wenn wir uns solche Dinge des allerallergewöhnlichsten Lebens im Zusammensein einer geisteswissenschaftlichen Gesellschaft vor Augen führen.
[ 8 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, es sollte gewiß nicht notwendig sein, solche Dinge besonders zu besprechen; aber die geisteswissenschaftliche Weltanschauung muß auf dem Begriff der Symptomatik stehen. «Symptomatik» bedeutet hier das, daß, was irgendein Wesen im Kleinen praktiziert, es sehr geneigt sein wird, auch im Großen zu praktizieren. Wer es nicht einmal dazu bringt, pünktlich zu den Versammlungen zu kommen, der wird auch bei größeren Dingen, wo es auf etwas Bedeutsames ankommt, nicht gerade denjenigen ganz pflichtgemäßen Impuls entwickeln, der notwendig ist. Ein großer Teil der Schäden, die in so krasser Weise zutage getreten sind, hängt innig zusammen gerade mit dem Nicht-genau-Nehmen, mit dem Nicht-deutlich-genug-Nehmen der Dinge. Es ist wirklich wichtig, daß wir in demselben Stil, wie das eben besprochen wurde, auch den geisteswissenschaftlichen Betrieb, wenn ich so sagen darf, selber nehmen. Daher ist es auch eine Veranschaulichung desjenigen, was die Geisteswissenschaft von uns fordert, wenn wir uns solche Dinge des allerallergewöhnlichsten Lebens im Zusammensein einer geisteswissenschaftlichen Gesellschaft vor Augen führen.
[ 9 ] Wenn wir uns nun bemühen, den Dingen gegenüber, von deren Bereich wir mannigfaltig aphoristisch in diesen Tagen gesprochen haben, den richtigen Gesichtspunkt zu finden, so muß vor allem ins Auge gefaßt werden, daß wir es im gesamten Weltenbau, in der gesamten Welteneinrichtung zu tun haben mit dem Sichoffenbaren, mit dem Sichausleben der wahren Wesenheiten, die hinter der sich offenbarenden Welt für die Erkenntnis verborgen sind.
[ 9 ] Wenn wir uns nun bemühen, den Dingen gegenüber, von deren Bereich wir mannigfaltig aphoristisch in diesen Tagen gesprochen haben, den richtigen Gesichtspunkt zu finden, so muß vor allem ins Auge gefaßt werden, daß wir es im gesamten Weltenbau, in der gesamten Welteneinrichtung zu tun haben mit dem Sichoffenbaren, mit dem Sichausleben der wahren Wesenheiten, die hinter der sich offenbarenden Welt für die Erkenntnis verborgen sind.
[ 10 ] Diese Wesenheiten, meine lieben Freunde - das wird Ihnen aus vielen Betrachtungen, die gepflogen worden sind, hervorgehen -, sind in einer fortwährenden inneren Bewegung, richtig in einer fortwährenden inneren Bewegung. Ich habe in diesem Augenblicke nicht eine Bewegung im Einzelnen im Sinne, sondern die innere Bewegung im Großen. Nur müssen wir uns mit dem Begriff einer gewissen Kompliziertheit der inneren Bewegung bekanntmachen, wenn wir verstehen wollen, wie wir das Verhältnis der hinter den Erscheinungen befindlichen Wesenheiten zu den Erscheinungen selber aufzufassen haben. Nehmen wir ein Beispiel, das wir wählen können, weil es uns ja aus der bisherigen geisteswissenschaftlichen Betrachtung bekannt ist.
[ 10 ] Diese Wesenheiten, meine lieben Freunde - das wird Ihnen aus vielen Betrachtungen, die gepflogen worden sind, hervorgehen -, sind in einer fortwährenden inneren Bewegung, richtig in einer fortwährenden inneren Bewegung. Ich habe in diesem Augenblicke nicht eine Bewegung im Einzelnen im Sinne, sondern die innere Bewegung im Großen. Nur müssen wir uns mit dem Begriff einer gewissen Kompliziertheit der inneren Bewegung bekanntmachen, wenn wir verstehen wollen, wie wir das Verhältnis der hinter den Erscheinungen befindlichen Wesenheiten zu den Erscheinungen selber aufzufassen haben. Nehmen wir ein Beispiel, das wir wählen können, weil es uns ja aus der bisherigen geisteswissenschaftlichen Betrachtung bekannt ist.
[ 11 ] Wir wissen, daß der Mensch seine erste physische Entwickelung während der alten Saturnzeit begonnen, dann während der Sonnenzeit fortgesetzt und die ätherische Entwickelung dazu bekommen hat und so weiter. Nun handelt es sich darum, uns zu fragen, wie wir das, was wir innerhalb der Saturnentwickelung als physische Entwickelung des Menschen aufzufassen haben, eigentlich gegenüber der gesamten Weltenkonstitution zu betrachten haben. Es wäre ganz falsch, meine lieben Freunde, wenn jemand die heutige physische Natur des Menschen ins Auge fassen und glauben würde, wenn er sie sich nur primitiv und einfach genug vorstellt, dann habe er ein Bild der alten Saturn-Physis des Menschen. Sie werden mich in bezug auf diese Frage am besten verstehen, wenn ich sage: Wer glaubt, in der heutigen physischen Welt, auf dem heutigen physischen Plan irgend etwas zu finden, was im entferntesten ähnlich wäre der physischen Menschennatur während der Saturnentwickelung, der würde sich sehr irren. Das, was der Mensch als physischer Mensch während der Saturnentwickelung war, das ist heute in keinem Gebilde, in keiner Tatsache der physischen Welt zu finden. Um diejenige physische Natur zu erkennen, die der Mensch während der alten Saturnzeit gehabt hat, müssen wir uns viel mehr anstrengen in unserem Scelisch-Geistigen, das sich freigemacht hat von dem Physisch-Ätherischen.
[ 11 ] Wir wissen, daß der Mensch seine erste physische Entwickelung während der alten Saturnzeit begonnen, dann während der Sonnenzeit fortgesetzt und die ätherische Entwickelung dazu bekommen hat und so weiter. Nun handelt es sich darum, uns zu fragen, wie wir das, was wir innerhalb der Saturnentwickelung als physische Entwickelung des Menschen aufzufassen haben, eigentlich gegenüber der gesamten Weltenkonstitution zu betrachten haben. Es wäre ganz falsch, meine lieben Freunde, wenn jemand die heutige physische Natur des Menschen ins Auge fassen und glauben würde, wenn er sie sich nur primitiv und einfach genug vorstellt, dann habe er ein Bild der alten Saturn-Physis des Menschen. Sie werden mich in bezug auf diese Frage am besten verstehen, wenn ich sage: Wer glaubt, in der heutigen physischen Welt, auf dem heutigen physischen Plan irgend etwas zu finden, was im entferntesten ähnlich wäre der physischen Menschennatur während der Saturnentwickelung, der würde sich sehr irren. Das, was der Mensch als physischer Mensch während der Saturnentwickelung war, das ist heute in keinem Gebilde, in keiner Tatsache der physischen Welt zu finden. Um diejenige physische Natur zu erkennen, die der Mensch während der alten Saturnzeit gehabt hat, müssen wir uns viel mehr anstrengen in unserem Scelisch-Geistigen, das sich freigemacht hat von dem Physisch-Ätherischen.
[ 12 ] Bezeichnen wir zunächst einmal schematisch diejenige Welt, durch die man erkennt, wie das beschaffen war, was als erste physische Anlage während der alten Saturnzeit da war, als Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Saturn [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 12 ] Bezeichnen wir zunächst einmal schematisch diejenige Welt, durch die man erkennt, wie das beschaffen war, was als erste physische Anlage während der alten Saturnzeit da war, als Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Saturn [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 13 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Saturn.
[ 13 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Saturn.
[ 14 ] Ich will vorläufig gar nichts anderes sagen, als daß der Mensch herauskommen muß aus seinem physischen Leib und selbst dann, nachdem er schon herausgekommen ist, noch eine höhere Entwickelung durchmachen muß, um zu der Beobachtung, zu der Erkenntnis solcher Gebilde zu kommen, welche der physischen Natur des Menschen während der Saturnzeit entsprechen.
[ 14 ] Ich will vorläufig gar nichts anderes sagen, als daß der Mensch herauskommen muß aus seinem physischen Leib und selbst dann, nachdem er schon herausgekommen ist, noch eine höhere Entwickelung durchmachen muß, um zu der Beobachtung, zu der Erkenntnis solcher Gebilde zu kommen, welche der physischen Natur des Menschen während der Saturnzeit entsprechen.
[ 15 ] Nehmen wir nun einmal die physische Menschennatur während der Sonnenzeit, die also schon eine Weiterentwickelung der physischen Menschennatur während der Saturnzeit ist. Auch diese physische Menschennatur während der Sonnenzeit kann man nicht mit den Erkenntnisorganen des heutigen physischen Menschen erreichen, sondern auch da muß man sich schon in die geistige Welt hineinbegeben, aber man braucht nicht zu der Entwickelungsstufe aufgestiegen zu sein, die notwendig ist, um die physische Menschennatur während der Saturnzeit zu erkennen. So daß wir also sagen können: Eine etwas niedrigere Stufe in der Erkenntnis des Verhältnisses der Welt zum Menschen läßt uns hineinblicken in die physische Natur des Menschen während der Sonnenzeit. Und wir können dann sagen [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 15 ] Nehmen wir nun einmal die physische Menschennatur während der Sonnenzeit, die also schon eine Weiterentwickelung der physischen Menschennatur während der Saturnzeit ist. Auch diese physische Menschennatur während der Sonnenzeit kann man nicht mit den Erkenntnisorganen des heutigen physischen Menschen erreichen, sondern auch da muß man sich schon in die geistige Welt hineinbegeben, aber man braucht nicht zu der Entwickelungsstufe aufgestiegen zu sein, die notwendig ist, um die physische Menschennatur während der Saturnzeit zu erkennen. So daß wir also sagen können: Eine etwas niedrigere Stufe in der Erkenntnis des Verhältnisses der Welt zum Menschen läßt uns hineinblicken in die physische Natur des Menschen während der Sonnenzeit. Und wir können dann sagen [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 16 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf der Sonne.
[ 16 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf der Sonne.
[ 17 ] Wollen wir nun die physische Menschennatur, wie sie entwickelt war während der Mondenzeit, ins Auge fassen, dann, meine lieben Freunde, brauchen wir eine noch weniger hohe Stufe der Erkenntnis einzunehmen. In dem Augenblicke, wo wir überhaupt nur in die Lage kommen, leibfrei zu erkennen, erkennen wir auch schon dasjenige, was der physischen Menschennatur während der Mondenzeit entspricht. So daß wir sagen können: Eine dritte Stufe des Verhältnisses des Menschen zur Objektivität ist die [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 17 ] Wollen wir nun die physische Menschennatur, wie sie entwickelt war während der Mondenzeit, ins Auge fassen, dann, meine lieben Freunde, brauchen wir eine noch weniger hohe Stufe der Erkenntnis einzunehmen. In dem Augenblicke, wo wir überhaupt nur in die Lage kommen, leibfrei zu erkennen, erkennen wir auch schon dasjenige, was der physischen Menschennatur während der Mondenzeit entspricht. So daß wir sagen können: Eine dritte Stufe des Verhältnisses des Menschen zur Objektivität ist die [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 18 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Monde.
[ 18 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Monde.
[ 19 ] Gehen wir weiter. Wir kommen nun zu der physischen Natur des Menschen während der Erdenstufe. Da brauchen wir gar nicht aus unserem Leib herauszugehen. Die erkennen wir mit den physischen Erkenntnisorganen, die wir auf dem physischen Plan, auf der Erde haben. Das ist also die Erkenntnisstufe, die dem Menschen während seines Erdendaseins natürlich ist, so daß wir sagen können [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 19 ] Gehen wir weiter. Wir kommen nun zu der physischen Natur des Menschen während der Erdenstufe. Da brauchen wir gar nicht aus unserem Leib herauszugehen. Die erkennen wir mit den physischen Erkenntnisorganen, die wir auf dem physischen Plan, auf der Erde haben. Das ist also die Erkenntnisstufe, die dem Menschen während seines Erdendaseins natürlich ist, so daß wir sagen können [es wurde an die Tafel geschrieben]:
[ 20 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf der Erde.
[ 20 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf der Erde.
[ 21 ] Und jetzt haben wir zugleich ins Auge gefaßt, meine lieben Freunde, vier Stufen der Erkenntniswelten, die man auch so bezeichnet, daß man sagt [es wurde an die Tafel geschrieben]: «physischer Plan»; «Seelenwelt» oder «Astralplan»; «Geisterland» oder, wie man gewohnt worden ist zu sagen, «Devachanplan»; «höheres Geisterland» oder «höherer Devachanplan».
[ 21 ] Und jetzt haben wir zugleich ins Auge gefaßt, meine lieben Freunde, vier Stufen der Erkenntniswelten, die man auch so bezeichnet, daß man sagt [es wurde an die Tafel geschrieben]: «physischer Plan»; «Seelenwelt» oder «Astralplan»; «Geisterland» oder, wie man gewohnt worden ist zu sagen, «Devachanplan»; «höheres Geisterland» oder «höherer Devachanplan».


[ 22 ] Wenn Sie diese Auseinandersetzung, die wir eben gepflogen haben, verfolgen, so werden Sie sich sagen können: Nun ja, dann müssen wir den physischen Menschen der Saturnzeit hier hinauf, den der Sonnenzeit hierher, den der Mondenzeit hierher und den der Erdenzeit hierher versetzen. Es wurden die kleinen Kreise gezeichnet. Es ist das kein Widerspruch zu den gewohnten Begriffen, sondern schon ganz klar und deutlich in meiner «Geheimwissenschaft» angedeutet. Da habe ich ausführlich dargestellt, daß dasjenige, was man auf dem Monde physische Menschennatur nennt, nicht etwa auf dem physischen Plan, sondern eben weiter oben zu beobachten ist, und so weiter. Das finden Sie da alles sogar sehr deutlich auseinandergesetzt.
[ 22 ] Wenn Sie diese Auseinandersetzung, die wir eben gepflogen haben, verfolgen, so werden Sie sich sagen können: Nun ja, dann müssen wir den physischen Menschen der Saturnzeit hier hinauf, den der Sonnenzeit hierher, den der Mondenzeit hierher und den der Erdenzeit hierher versetzen. Es wurden die kleinen Kreise gezeichnet. Es ist das kein Widerspruch zu den gewohnten Begriffen, sondern schon ganz klar und deutlich in meiner «Geheimwissenschaft» angedeutet. Da habe ich ausführlich dargestellt, daß dasjenige, was man auf dem Monde physische Menschennatur nennt, nicht etwa auf dem physischen Plan, sondern eben weiter oben zu beobachten ist, und so weiter. Das finden Sie da alles sogar sehr deutlich auseinandergesetzt.
[ 23 ] Heute aber können wir sagen: Der Mensch ist also heruntergestiegen. [Es wurde die Linie, die die kleinen Kreise verbindet, gezeichnet.] Er ist während seiner Entwickelung als physischer Mensch richtig herabgestiegen. Das ist auch ein uralter Grundsatz aller Geisteswissenschaft, daß der Mensch, soweit wir von der heutigen physischen Menschennatur sprechen, ein herabsteigendes geistiges Wesen ist. Das heißt aber nichts anderes, als daß, wenn wir unseren physischen Leib betrachten, wir uns sagen müssen: So, wie wir ihn heute, während der Erdenzeit, sehen, so ist alles dasjenige, was von ihm heute zu sehen ist, dasjenige, was am meisten herabgestiegen ist.
[ 23 ] Heute aber können wir sagen: Der Mensch ist also heruntergestiegen. [Es wurde die Linie, die die kleinen Kreise verbindet, gezeichnet.] Er ist während seiner Entwickelung als physischer Mensch richtig herabgestiegen. Das ist auch ein uralter Grundsatz aller Geisteswissenschaft, daß der Mensch, soweit wir von der heutigen physischen Menschennatur sprechen, ein herabsteigendes geistiges Wesen ist. Das heißt aber nichts anderes, als daß, wenn wir unseren physischen Leib betrachten, wir uns sagen müssen: So, wie wir ihn heute, während der Erdenzeit, sehen, so ist alles dasjenige, was von ihm heute zu sehen ist, dasjenige, was am meisten herabgestiegen ist.
[ 24 ] Aber im physischen Leib ist auch ein Verborgenes. Es ist da ein Verborgenes, das eigentlich mondenartiger Natur ist; ein noch weiter Verborgenes, das sonnenartiger Natur ist; und ein noch weiter Verborgenes, das saturnartiger Natur ist. In dem offenbaren physischen Leibe ist also innerer Charakter, inneres Wesenhaftes verborgen. Der physische Leib ist sozusagen nur zu einem Viertel zu erkennen, denn die anderen drei Viertel stecken dahinter. Sie sind edlerer, sie sind geistigerer Natur als dasjenige, was auf dem physischen Plan vom Menschen uns entgegentritt.
[ 24 ] Aber im physischen Leib ist auch ein Verborgenes. Es ist da ein Verborgenes, das eigentlich mondenartiger Natur ist; ein noch weiter Verborgenes, das sonnenartiger Natur ist; und ein noch weiter Verborgenes, das saturnartiger Natur ist. In dem offenbaren physischen Leibe ist also innerer Charakter, inneres Wesenhaftes verborgen. Der physische Leib ist sozusagen nur zu einem Viertel zu erkennen, denn die anderen drei Viertel stecken dahinter. Sie sind edlerer, sie sind geistigerer Natur als dasjenige, was auf dem physischen Plan vom Menschen uns entgegentritt.
[ 25 ] Wenn wir also irgend etwas, was am Menschen ist, insofern uns der Mensch heute auf dem physischen Plan als physisches Wesen entgegentritt, betrachten, dann müssen wir uns sagen: Diese physischen Organe sind in einer inneren Bewegung, in einer Bewegung des Herabsteigens, in einer Bewegung des vom Geistigen zum Materiellen hin sich Entwickelns. Irgendein Organ, das wir am Menschen betrachten, sind wir daher verpflichtet so zu betrachten, daß wir sagen: Indem es wächst und gedeiht, indem es gerade die Ausgestaltung bekommt, die ihm auf dem physischen Plane zukommt, ist es auf dem herabsteigenden Wege der Entwickelung. Es steigt von geistigerer zu physischerer, zu materiellerer Artung herab.
[ 25 ] Wenn wir also irgend etwas, was am Menschen ist, insofern uns der Mensch heute auf dem physischen Plan als physisches Wesen entgegentritt, betrachten, dann müssen wir uns sagen: Diese physischen Organe sind in einer inneren Bewegung, in einer Bewegung des Herabsteigens, in einer Bewegung des vom Geistigen zum Materiellen hin sich Entwickelns. Irgendein Organ, das wir am Menschen betrachten, sind wir daher verpflichtet so zu betrachten, daß wir sagen: Indem es wächst und gedeiht, indem es gerade die Ausgestaltung bekommt, die ihm auf dem physischen Plane zukommt, ist es auf dem herabsteigenden Wege der Entwickelung. Es steigt von geistigerer zu physischerer, zu materiellerer Artung herab.
[ 26 ] Wenn wir daher an dem Menschen etwas finden, das beurteilt werden soll in bezug auf seine Artung, so müssen wir uns auch die Regel vorsetzen, den richtigen Gesichtspunkt finden. Und zu dem richtigen Gesichtspunkt werden wir geführt, wenn wir uns bewußt werden, daß die physische Menschennatur in einer gewissen Hinsicht - nämlich in der, die ich heute erörtert habe — herabsteigend ist. Dadurch werden wir aber dazu verpflichtet, zum Beispiel die Entwickelung des Kindes zum reifen Menschenalter so aufzufassen, daß die kindliche Entwickelung noch geistiger ist, die reife Menschenentwickelung dagegen materieller ist, daß ein Herabsteigen vom Geistigen zum Materiellen stattgefunden hat. Von einem anderen Gesichtspunkte aus versteht man die physische Entwickelung des Menschen gar nicht. Man versteht sie nur, wenn man sich dessen bewußt wird, daß ein Herabsteigen des physischen Menschen während des Wachsens und Gedeihens stattfindet, daß der Mensch, insoferne er wächst, ein Geistiges tiefer in das Materielle herabsteigen, herabsinken läßt.
[ 26 ] Wenn wir daher an dem Menschen etwas finden, das beurteilt werden soll in bezug auf seine Artung, so müssen wir uns auch die Regel vorsetzen, den richtigen Gesichtspunkt finden. Und zu dem richtigen Gesichtspunkt werden wir geführt, wenn wir uns bewußt werden, daß die physische Menschennatur in einer gewissen Hinsicht - nämlich in der, die ich heute erörtert habe — herabsteigend ist. Dadurch werden wir aber dazu verpflichtet, zum Beispiel die Entwickelung des Kindes zum reifen Menschenalter so aufzufassen, daß die kindliche Entwickelung noch geistiger ist, die reife Menschenentwickelung dagegen materieller ist, daß ein Herabsteigen vom Geistigen zum Materiellen stattgefunden hat. Von einem anderen Gesichtspunkte aus versteht man die physische Entwickelung des Menschen gar nicht. Man versteht sie nur, wenn man sich dessen bewußt wird, daß ein Herabsteigen des physischen Menschen während des Wachsens und Gedeihens stattfindet, daß der Mensch, insoferne er wächst, ein Geistiges tiefer in das Materielle herabsteigen, herabsinken läßt.
[ 27 ] So wie beim Menschen ist das auch draußen in der Welt. Wir können uns das anschaulich machen, wenn wir bedenken, daß wir ja auch draußen in der Welt von einer Evolution reden. Wir sagen zum Beispiel: Es hat eine alte indische Kulturstufe gegeben, die hat sich zur urpersischen, zur ägyptisch-chaldäisch-babylonischen, zur griechisch-lateinischen und zu unserer Kulturstufe entwickelt. Aber wir wissen zugleich, daß die älteren Kulturstufen neben den neueren fortleben. Wir haben das ja sogar an der Sprache gezeigt. Eine ältere Kulturstufe lebt neben der neueren fort. Auf den Menschen übertragen, kann uns das deutlich machen, daß am Menschen - insofern er physisch ist - die Organe auch so betrachtet werden können, daß auf dem Wege des Herabsteigens die einen die fortgeschrittensten sind, andere, weniger fortgeschritten, noch frühere Stufen zeigen.
[ 27 ] So wie beim Menschen ist das auch draußen in der Welt. Wir können uns das anschaulich machen, wenn wir bedenken, daß wir ja auch draußen in der Welt von einer Evolution reden. Wir sagen zum Beispiel: Es hat eine alte indische Kulturstufe gegeben, die hat sich zur urpersischen, zur ägyptisch-chaldäisch-babylonischen, zur griechisch-lateinischen und zu unserer Kulturstufe entwickelt. Aber wir wissen zugleich, daß die älteren Kulturstufen neben den neueren fortleben. Wir haben das ja sogar an der Sprache gezeigt. Eine ältere Kulturstufe lebt neben der neueren fort. Auf den Menschen übertragen, kann uns das deutlich machen, daß am Menschen - insofern er physisch ist - die Organe auch so betrachtet werden können, daß auf dem Wege des Herabsteigens die einen die fortgeschrittensten sind, andere, weniger fortgeschritten, noch frühere Stufen zeigen.
[ 28 ] Wir werden allmählich sehen - ich will das heute nur zunächst aphoristisch andeuten -, daß wir nach diesem Grundsatz, den ich eben angedeutet habe, in der Menschennatur zwei Organsysteme betrachten können.
[ 28 ] Wir werden allmählich sehen - ich will das heute nur zunächst aphoristisch andeuten -, daß wir nach diesem Grundsatz, den ich eben angedeutet habe, in der Menschennatur zwei Organsysteme betrachten können.
[ 29 ] Nehmen wir zunächst die Sinne des Menschen, alles dasjenige, was der Mensch an Organen hat, um sinnliche Wahrnehmungen zu machen, so können wir sagen: Die Sinnesorgane, weil wir es ja mit Physischem dabei zu tun haben, stehen auf einer gewissen Stufe. Das heißt aber jetzt für uns: das Geistige ist bis zu einer gewissen Stufe herabgestiegen, herabgeströmt. Skizzieren wir das schematisch [es wurde an die Tafel gezeichnet]:
[ 29 ] Nehmen wir zunächst die Sinne des Menschen, alles dasjenige, was der Mensch an Organen hat, um sinnliche Wahrnehmungen zu machen, so können wir sagen: Die Sinnesorgane, weil wir es ja mit Physischem dabei zu tun haben, stehen auf einer gewissen Stufe. Das heißt aber jetzt für uns: das Geistige ist bis zu einer gewissen Stufe herabgestiegen, herabgeströmt. Skizzieren wir das schematisch [es wurde an die Tafel gezeichnet]:
[ 30 ] Wir sagten, die ganze Menschennatur ist ein Herabströmen [rot]; nun bezeichnen wir die Stufe des Herabströmens, auf der die Sinne stehen, einmal mit diesem Blau. Innerhalb der herabfließenden Strömung, die also so fließt [Pfeil], bezeichnen wir die Sinne mit diesem Blau. Alles also, was Organe der sinnlichen Wahrnehmungswelt sind, wollen wir im Hinabgleiten auf der Stufe a stehend auffassen.
[ 30 ] Wir sagten, die ganze Menschennatur ist ein Herabströmen [rot]; nun bezeichnen wir die Stufe des Herabströmens, auf der die Sinne stehen, einmal mit diesem Blau. Innerhalb der herabfließenden Strömung, die also so fließt [Pfeil], bezeichnen wir die Sinne mit diesem Blau. Alles also, was Organe der sinnlichen Wahrnehmungswelt sind, wollen wir im Hinabgleiten auf der Stufe a stehend auffassen.
[ 31 ] Wenn wir ein anderes Organsystem ins Auge fassen, haben wir zum Beispiel das Atmungssystem, das gesamte Atmungssystem. Auch dieses werden wir nur unter dem richtigen Gesichtspunkt betrachten, wenn wir es auf der Stufe aufsuchen, auf der der Mensch im Hinabgleiten angekommen ist. Und indem wir diese Betrachtungen allmählich erweitern, werden wir finden, daß nunmehr das Organsystem des Atmens bis zu b hinuntergeglitten ist. Also das Sinnessystem ist bis zu a, das Atmungssystem bis zu b hinuntergeglitten.
[ 31 ] Wenn wir ein anderes Organsystem ins Auge fassen, haben wir zum Beispiel das Atmungssystem, das gesamte Atmungssystem. Auch dieses werden wir nur unter dem richtigen Gesichtspunkt betrachten, wenn wir es auf der Stufe aufsuchen, auf der der Mensch im Hinabgleiten angekommen ist. Und indem wir diese Betrachtungen allmählich erweitern, werden wir finden, daß nunmehr das Organsystem des Atmens bis zu b hinuntergeglitten ist. Also das Sinnessystem ist bis zu a, das Atmungssystem bis zu b hinuntergeglitten.
[ 32 ] Nun können Sie sich vorstellen, daß das Hinuntergleiten weiter gehen kann. Es könnte also ein Organsystem geben, das noch weiter hinuntergeglitten ist: ein Organsystem c. Und dieses Organsystem würde das sein, das der Sexualität dient:
[ 32 ] Nun können Sie sich vorstellen, daß das Hinuntergleiten weiter gehen kann. Es könnte also ein Organsystem geben, das noch weiter hinuntergeglitten ist: ein Organsystem c. Und dieses Organsystem würde das sein, das der Sexualität dient:


[ 33 ] Wenn wir nun den physischen Menschen betrachten, meine lieben Freunde, dann finden wir, daß in der Zeit, in der das Hinuntersinken einen gewissen Kulminationspunkt erreichte und wieder ein Aufsteigen - über das wir heute nicht sprechen können - begann, das mit dem Hinuntersinken zusammenhängt, in der Zeit war das Hinuntersinken bis zu diesem Punkte gediehen [siehe Zeichnung, den Bogen unten]. Weiter ging das Hinuntersinken auf der Erde nicht mehr. Daraus aber können Sie ohne weiteres ersehen, daß die Sinnesorgane des Menschen im Verhältnis zu den Atmungsorganen und so weiter vergeistigtere Organe sind. Und da uns eine klare, deutliche Erkenntnis, wie wir immer mehr sehen werden, lehrt, daß das Sexualsystem gewissermaßen die unterste Lage darstellt, so können wir daraus den Schluß ziehen, daß alles, was der Mensch sonst an sich hat in bezug auf die physische Menschennatur, geistiger ist als dieses System.
[ 33 ] Wenn wir nun den physischen Menschen betrachten, meine lieben Freunde, dann finden wir, daß in der Zeit, in der das Hinuntersinken einen gewissen Kulminationspunkt erreichte und wieder ein Aufsteigen - über das wir heute nicht sprechen können - begann, das mit dem Hinuntersinken zusammenhängt, in der Zeit war das Hinuntersinken bis zu diesem Punkte gediehen [siehe Zeichnung, den Bogen unten]. Weiter ging das Hinuntersinken auf der Erde nicht mehr. Daraus aber können Sie ohne weiteres ersehen, daß die Sinnesorgane des Menschen im Verhältnis zu den Atmungsorganen und so weiter vergeistigtere Organe sind. Und da uns eine klare, deutliche Erkenntnis, wie wir immer mehr sehen werden, lehrt, daß das Sexualsystem gewissermaßen die unterste Lage darstellt, so können wir daraus den Schluß ziehen, daß alles, was der Mensch sonst an sich hat in bezug auf die physische Menschennatur, geistiger ist als dieses System.
[ 34 ] Nun können Sie sagen: Das wäre ja leicht begreiflich. - Mag sein; aber das Bedeutsame für uns ist nunmehr, einzusehen, daß die abscheuliche Weltanschauung der Psychoanalyse sich dieser Tatsache, die ich eben ausgesprochen habe, nicht hat bewußt werden können. Denn was tut die Psychoanalyse? Sie sagt: Alles, was der Mensch tut, selbst die Erlebnisse des Mystikers, sind umgewandelte sexuelle Kräfte. - Das heißt, der Psychoanalytiker oder der Materialist überhaupt, können wir in diesem Falle sagen, geht von der Sexualität aus und erklärt alles, was sonst am Menschen ist, als umgewandelte, umgeformte Sexualität. Ich habe Ihnen ja angedeutet, wie in der Freudschen Theorie alles, was im Menschenleben auftritt, als umgewandelte Sexualität erklärt wird. Zum Beispiel, daß die Kinder einen Schnuller lutschen, wird erklärt dadurch, da darin eine etwas infantile Sexualität zum Ausdruck kommt und so weiter.
[ 34 ] Nun können Sie sagen: Das wäre ja leicht begreiflich. - Mag sein; aber das Bedeutsame für uns ist nunmehr, einzusehen, daß die abscheuliche Weltanschauung der Psychoanalyse sich dieser Tatsache, die ich eben ausgesprochen habe, nicht hat bewußt werden können. Denn was tut die Psychoanalyse? Sie sagt: Alles, was der Mensch tut, selbst die Erlebnisse des Mystikers, sind umgewandelte sexuelle Kräfte. - Das heißt, der Psychoanalytiker oder der Materialist überhaupt, können wir in diesem Falle sagen, geht von der Sexualität aus und erklärt alles, was sonst am Menschen ist, als umgewandelte, umgeformte Sexualität. Ich habe Ihnen ja angedeutet, wie in der Freudschen Theorie alles, was im Menschenleben auftritt, als umgewandelte Sexualität erklärt wird. Zum Beispiel, daß die Kinder einen Schnuller lutschen, wird erklärt dadurch, da darin eine etwas infantile Sexualität zum Ausdruck kommt und so weiter.
[ 35 ] Was ist aber die Wahrheit? Die Wahrheit, meine lieben Freunde, ist, daß alle Verrichtungen, die sich am Menschen finden, geistiger sind als das Sexualleben und daß, um zu richtigen Gesichtspunkten zu kommen, der umgekehrte Weg eingeschlagen werden muß. So daß man also sagen muß: Jedes Heranbringen der Sexualität, der Erotik, an irgendwelche Betätigungen des Menschen, um sie zu erklären, ist der ganz verkehrte Weg. Der richtige ist allein der, die Sexualität aus der Umwandlung der höheren Verrichtungen des Menschen in das Niedrigste auf Erden zu erklären.
[ 35 ] Was ist aber die Wahrheit? Die Wahrheit, meine lieben Freunde, ist, daß alle Verrichtungen, die sich am Menschen finden, geistiger sind als das Sexualleben und daß, um zu richtigen Gesichtspunkten zu kommen, der umgekehrte Weg eingeschlagen werden muß. So daß man also sagen muß: Jedes Heranbringen der Sexualität, der Erotik, an irgendwelche Betätigungen des Menschen, um sie zu erklären, ist der ganz verkehrte Weg. Der richtige ist allein der, die Sexualität aus der Umwandlung der höheren Verrichtungen des Menschen in das Niedrigste auf Erden zu erklären.
[ 36 ] Nehmen wir, weil wir uns schon einmal mit diesen Dingen beschäftigen müssen, eine der grauenhaftesten Behauptungen des Psychoanalytikers, nämlich die Behauptung - man muß eben schon solche grauenhafte Dinge erwähnen, meine lieben Freunde, man muß es, weil sie eben in unserer heutigen Zeit auftreten -, also die Behauptung, daß das Verhältnis des Sohnes zur Mutter, der Tochter zum Vater, wie es in der Kindheit als Liebe zur Mutter, als Liebe zum Vater auftritt, ein sexuelles Verhältnis sei. Denn der Psychoanalytiker sagt, das, was das Töchterchen für den Vater, das Söhnlein für die Mutter empfindet, ist ein sexuelles Verhältnis, denn der Vater wird vom Sohn immer eigentlich als der Konkurrent betrachtet; er sei auf ihn unbewußt eifersüchtig; ebenso ist die Tochter auf die Mutter eifersüchtig. - Das ist sozusagen einer der grauenhaftesten Auswüchse der Psychoanalyse. Sie wissen, daß solche Dichtungen wie die Ödipus-Dichtung in den Schriften der Psychoanalytiker auf Grundlage dieser psychoanalytischen Voraussetzungen so erklärt werden.
[ 36 ] Nehmen wir, weil wir uns schon einmal mit diesen Dingen beschäftigen müssen, eine der grauenhaftesten Behauptungen des Psychoanalytikers, nämlich die Behauptung - man muß eben schon solche grauenhafte Dinge erwähnen, meine lieben Freunde, man muß es, weil sie eben in unserer heutigen Zeit auftreten -, also die Behauptung, daß das Verhältnis des Sohnes zur Mutter, der Tochter zum Vater, wie es in der Kindheit als Liebe zur Mutter, als Liebe zum Vater auftritt, ein sexuelles Verhältnis sei. Denn der Psychoanalytiker sagt, das, was das Töchterchen für den Vater, das Söhnlein für die Mutter empfindet, ist ein sexuelles Verhältnis, denn der Vater wird vom Sohn immer eigentlich als der Konkurrent betrachtet; er sei auf ihn unbewußt eifersüchtig; ebenso ist die Tochter auf die Mutter eifersüchtig. - Das ist sozusagen einer der grauenhaftesten Auswüchse der Psychoanalyse. Sie wissen, daß solche Dichtungen wie die Ödipus-Dichtung in den Schriften der Psychoanalytiker auf Grundlage dieser psychoanalytischen Voraussetzungen so erklärt werden.
[ 37 ] Nun, der richtige Gesichtspunkt ist der, daß gefragt wird: Wodurch entsteht denn die Sexualität des späteren Lebens? Sie entsteht dadurch, daß ein Geistigeres herabsinkt. Das spätere Sexuelle ist also ein herabgesunkenes Kindlich-Geistiges. Und der richtige Gesichtspunkt ist der, daß man vor allen Dingen dasjenige, was nicht Sexuelles ist, in keiner Weise - nicht bewußt und nicht unbewußt — mit diesem Gebiet vermischt, daß man sich klar ist, daß beim Kinde noch nicht Sexualität vorhanden sein kann. Und erst dann, wenn man sich dessen in vollem Umfange klar ist, wird man den richtigen Gesichtspunkt der Betrachtung finden. Es ist dies auch ein außerordentlich wichtiges Moment in der Pädagogik, denn es kommen die größten Verkehrtheiten heraus, wenn man manche kindliche Ungezogenheiten ohne weiteres umdeutet in irgendeine verfrühte Sexualität; die können von etwas ganz anderem kommen als davon, daß die Kindesnatur prinzipiell irgend etwas Sexuelles schon hätte. Behaupten, daß die Kindesnatur schon etwas Sexuelles habe, würde der etwaigen Behauptung gleichkommen, daß der heutige Tag schon das ganze Regenwetter eines folgenden Tages in sich enthalten könne.
[ 37 ] Nun, der richtige Gesichtspunkt ist der, daß gefragt wird: Wodurch entsteht denn die Sexualität des späteren Lebens? Sie entsteht dadurch, daß ein Geistigeres herabsinkt. Das spätere Sexuelle ist also ein herabgesunkenes Kindlich-Geistiges. Und der richtige Gesichtspunkt ist der, daß man vor allen Dingen dasjenige, was nicht Sexuelles ist, in keiner Weise - nicht bewußt und nicht unbewußt — mit diesem Gebiet vermischt, daß man sich klar ist, daß beim Kinde noch nicht Sexualität vorhanden sein kann. Und erst dann, wenn man sich dessen in vollem Umfange klar ist, wird man den richtigen Gesichtspunkt der Betrachtung finden. Es ist dies auch ein außerordentlich wichtiges Moment in der Pädagogik, denn es kommen die größten Verkehrtheiten heraus, wenn man manche kindliche Ungezogenheiten ohne weiteres umdeutet in irgendeine verfrühte Sexualität; die können von etwas ganz anderem kommen als davon, daß die Kindesnatur prinzipiell irgend etwas Sexuelles schon hätte. Behaupten, daß die Kindesnatur schon etwas Sexuelles habe, würde der etwaigen Behauptung gleichkommen, daß der heutige Tag schon das ganze Regenwetter eines folgenden Tages in sich enthalten könne.
[ 38 ] Daraus ersehen Sie aber am besten, was hier vorliegt, nämlich ein Geltendmachen eines vollständig verkehrten Gesichtspunktes. Wenn man aber zu einem solchen verkehrten Gesichtspunkte kommt, kann das nicht auf eine selbstverständlich gegebene Weise geschehen, sondern es muß willkürlich herbeigezerrt werden durch die Instinkte der Menschen. Die ganze psychoanalytische Betrachtung ist durch die niedersten Instinkte der Menschen gefärbt, nuanciert; die Welt ist in ihr zu einer umgekehrten gemacht. Die Ausdeutung des Verhältnisses vom Töchterchen zum Vater, vom Söhnlein zur Mutter im psychoanalytischen Sinn kann nur entstehen, wenn man eben das subjektive Instinktleben des Forschers in den objektiven Gang der Untersuchung hineinmischt. Daraus folgt, daß man, wenn man streng exakt vorgeht, hier auch solche Ausdrücke verwenden darf, die man auf das Subjektive menschlicher Betätigungen anwendet, ohne dabei den Standpunkt der Objektivität zu verlassen. Subjektive Bezeichnungen und Ausdrücke in der ganz objektiven Wissenschaft anzuwenden würde eine Torheit sein. Nehmen Sie einmal an, jemand hätte die Anschauung, daß die Zeiger der Uhr durch kleine Dämonen, die da drinnen sitzen, vorwärtsgetrieben werden, so könnten wir sagen: Das ist eine Torheit. Die Uhr ist ein Mechanismus, denn Dämonen sitzen nicht darinnen. Aber wir bewegen uns auf dem Gebiet des Objektiven und würden niemals sagen dürfen: Derjenige, der der Uhr kleine Dämonen zuschreibt, beschimpft die Uhr. Wenn aber der Psychoanalytiker die Menschennatur so deutet, daß der kindlichen Natur eine solche Sexualität zugeschrieben wird, wie das der Psychoanalytiker tut, dann drängt sich wirklich das Subjektive der Instinkte in die Theorie hinein. Daher ist es hier berechtigt, subjektive Ausdrücke zu gebrauchen und zu sagen: Die psychoanalytische Weltanschauung ist eine solche, die die Menschennatur beschimpft. Und man wird sich bestreben müssen, Wahrheit zu üben und die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Und erst, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen sich klar darüber ist, daß in der Welt des Materialismus heute eine Anzahl von Menschen leben, welche es sich zur Aufgabe gesetzt haben, nicht nur über die einzelnen Menschen, sondern über die ganze Menschennatur als solche eine Theorie zu pflegen, die auf die Menschennatur schimpft - so schimpft auf der wissenschaftlichen Seite, daß diese Wissenschaftstheorie selber nur eine Summe von Beschimpfungen ist -, wenn das die Menschen einsehen werden, dann werden sie die psychoanalytische Theorie in der richtigen Weise würdigen. Dann wird man nicht mehr in Worte kramen, sondern auf diesem Gebiet in der Sache stehen. Und das wird ein Weg sein, um gerade auf diesem Gebiete zur Klarheit zu kommen.
[ 38 ] Daraus ersehen Sie aber am besten, was hier vorliegt, nämlich ein Geltendmachen eines vollständig verkehrten Gesichtspunktes. Wenn man aber zu einem solchen verkehrten Gesichtspunkte kommt, kann das nicht auf eine selbstverständlich gegebene Weise geschehen, sondern es muß willkürlich herbeigezerrt werden durch die Instinkte der Menschen. Die ganze psychoanalytische Betrachtung ist durch die niedersten Instinkte der Menschen gefärbt, nuanciert; die Welt ist in ihr zu einer umgekehrten gemacht. Die Ausdeutung des Verhältnisses vom Töchterchen zum Vater, vom Söhnlein zur Mutter im psychoanalytischen Sinn kann nur entstehen, wenn man eben das subjektive Instinktleben des Forschers in den objektiven Gang der Untersuchung hineinmischt. Daraus folgt, daß man, wenn man streng exakt vorgeht, hier auch solche Ausdrücke verwenden darf, die man auf das Subjektive menschlicher Betätigungen anwendet, ohne dabei den Standpunkt der Objektivität zu verlassen. Subjektive Bezeichnungen und Ausdrücke in der ganz objektiven Wissenschaft anzuwenden würde eine Torheit sein. Nehmen Sie einmal an, jemand hätte die Anschauung, daß die Zeiger der Uhr durch kleine Dämonen, die da drinnen sitzen, vorwärtsgetrieben werden, so könnten wir sagen: Das ist eine Torheit. Die Uhr ist ein Mechanismus, denn Dämonen sitzen nicht darinnen. Aber wir bewegen uns auf dem Gebiet des Objektiven und würden niemals sagen dürfen: Derjenige, der der Uhr kleine Dämonen zuschreibt, beschimpft die Uhr. Wenn aber der Psychoanalytiker die Menschennatur so deutet, daß der kindlichen Natur eine solche Sexualität zugeschrieben wird, wie das der Psychoanalytiker tut, dann drängt sich wirklich das Subjektive der Instinkte in die Theorie hinein. Daher ist es hier berechtigt, subjektive Ausdrücke zu gebrauchen und zu sagen: Die psychoanalytische Weltanschauung ist eine solche, die die Menschennatur beschimpft. Und man wird sich bestreben müssen, Wahrheit zu üben und die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Und erst, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen sich klar darüber ist, daß in der Welt des Materialismus heute eine Anzahl von Menschen leben, welche es sich zur Aufgabe gesetzt haben, nicht nur über die einzelnen Menschen, sondern über die ganze Menschennatur als solche eine Theorie zu pflegen, die auf die Menschennatur schimpft - so schimpft auf der wissenschaftlichen Seite, daß diese Wissenschaftstheorie selber nur eine Summe von Beschimpfungen ist -, wenn das die Menschen einsehen werden, dann werden sie die psychoanalytische Theorie in der richtigen Weise würdigen. Dann wird man nicht mehr in Worte kramen, sondern auf diesem Gebiet in der Sache stehen. Und das wird ein Weg sein, um gerade auf diesem Gebiete zur Klarheit zu kommen.
[ 39 ] Erst dann, wenn man alles das, was heute auseinandergesetzt worden ist, erkannt hat, darf sich das Erkannte zusammendrängen in den Impuls des Schimpfens. Denn wenn man die psychoanalytische Theorie eine Ferkelei-Theorie nennt, so ist das eine Beschimpfung, aber diese Beschimpfung muß eine solche sein, zu der man durch die Objektivität der Sache selber, zu der man aus der Erkenntnis heraus gedrängt ist. Die Kritik darf nicht wiederum aus subjektiven Instinkten heraus kommen.
[ 39 ] Erst dann, wenn man alles das, was heute auseinandergesetzt worden ist, erkannt hat, darf sich das Erkannte zusammendrängen in den Impuls des Schimpfens. Denn wenn man die psychoanalytische Theorie eine Ferkelei-Theorie nennt, so ist das eine Beschimpfung, aber diese Beschimpfung muß eine solche sein, zu der man durch die Objektivität der Sache selber, zu der man aus der Erkenntnis heraus gedrängt ist. Die Kritik darf nicht wiederum aus subjektiven Instinkten heraus kommen.
[ 40 ] Aber das ist ja das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, daß sich dasjenige, was scheinbar nur abstrakte Theorie ist, sich in Gefühle und Empfindungen umwandelt, die dann berechtigt sind. Wer sich abmüht, zu erkennen, was eigentlich Psychoanalyse ist, der darf diese, ohne daß er die Objektivität verrät, eine Ferkelei-Theorie nennen. Geradeso, wie man mit Objektivität die Leinwand weiß und die Kohle schwarz nennen darf, so darf man die Psychoanalyse eine Ferkelei-Theorie nennen. Das ist nur ein terminus technicus, der aus der ganzen Menschennatur heraus genommen ist, der sich aus der Erkenntnis dessen, was die Menschennatur eigentlich ist, gestaltet hat.
[ 40 ] Aber das ist ja das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, daß sich dasjenige, was scheinbar nur abstrakte Theorie ist, sich in Gefühle und Empfindungen umwandelt, die dann berechtigt sind. Wer sich abmüht, zu erkennen, was eigentlich Psychoanalyse ist, der darf diese, ohne daß er die Objektivität verrät, eine Ferkelei-Theorie nennen. Geradeso, wie man mit Objektivität die Leinwand weiß und die Kohle schwarz nennen darf, so darf man die Psychoanalyse eine Ferkelei-Theorie nennen. Das ist nur ein terminus technicus, der aus der ganzen Menschennatur heraus genommen ist, der sich aus der Erkenntnis dessen, was die Menschennatur eigentlich ist, gestaltet hat.
[ 41 ] Die Begriffe zu vertiefen, und nicht nur unsere Begriffe, sondern unsere ganze Natur zu vertiefen, das, meine lieben Freunde, ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Und nun bedenken Sie, wenn man davon spricht, daß eine Gesellschaft, die das Instrument der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sein soll, ein Organismus zu sein hat, dann muß eben etwas in ihr zu erkennen sein davon, daß die Gefühle, die da sprechen, wirklich herausentwickelt sind aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, so daß selbst ein so radikaler Ausspruch wie der Ausdruck «Ferkelei-Theorie» nur ausgesprochen werden kann, wenn er begründet ist in geisteswissenschaftlicher Weltanschauung, wenn man in diese nicht die eigenen Instinkte hineinträgt.
[ 41 ] Die Begriffe zu vertiefen, und nicht nur unsere Begriffe, sondern unsere ganze Natur zu vertiefen, das, meine lieben Freunde, ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Und nun bedenken Sie, wenn man davon spricht, daß eine Gesellschaft, die das Instrument der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sein soll, ein Organismus zu sein hat, dann muß eben etwas in ihr zu erkennen sein davon, daß die Gefühle, die da sprechen, wirklich herausentwickelt sind aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, so daß selbst ein so radikaler Ausspruch wie der Ausdruck «Ferkelei-Theorie» nur ausgesprochen werden kann, wenn er begründet ist in geisteswissenschaftlicher Weltanschauung, wenn man in diese nicht die eigenen Instinkte hineinträgt.
[ 42 ] Nun, es wird sich mancherlei, was gerade im Anschluß an diese Dinge zu sagen ist, ja in der nächsten Zeit einmal sagen lassen.
[ 42 ] Nun, es wird sich mancherlei, was gerade im Anschluß an diese Dinge zu sagen ist, ja in der nächsten Zeit einmal sagen lassen.
