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Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253

16 September 1915, Dornach

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7. Die psychoanalytische Weltanschauung im Lichte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis

7. The Psychoanalytic Worldview in Light of the Spiritual Science's Understanding of Human Nature

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich will heute zu den gestrigen Betrachtungen nur noch einiges hinzufügen und, wenn möglich, morgen mit einem neuen Thema beginnen.

[ 1 ] My dear friends! Today I would like to add just a few more thoughts to yesterday’s reflections and, if possible, begin a new topic tomorrow.

[ 2 ] Es ist von mir hervorgehoben worden, daß ein Wesentliches zum Verstehen der Welt im weitesten Sinne, also der Welt im allgemeinen, des einzelnen Menschen, des menschlichen Zusammenlebens und so weiter, sowie zum Verständnis eines Tatsachenzusammenhanges darin besteht, überall den richtigen Gesichtspunkt aufzufinden. Der Grund von vielen, vielen Irrtümern ist ja der, daß man glaubt, durch bloße logische Schlußfolgerungen von jedem beliebigen Ausgangspunkt aus zur Wahrheit kommen zu können. Aber wenn man eine Sache wirklich verstehen will, dann handelt es sich zuerst darum, sich zu dem richtigen Gesichtspunkte durchzuarbeiten. Dieses Sichdurchringen zu dem richtigen Gesichtspunkte sollte eigentlich als das wahre Wesen des Studierens aufgefaßt werden. Viele Fehler werden wirklich dadurch gemacht, daß man behufs einer Erkenntnisgewinnung sich an eine Sache einfach heranmacht und sie, wie gesagt, von jedem beliebigen Ausgangspunkte ins Auge faßt.

[ 2 ] I have emphasized that a key aspect of understanding the world in the broadest sense—that is, the world in general, the individual human being, human coexistence, and so on—as well as of grasping the interrelationship of facts, lies in finding the correct perspective in every situation. The root of many, many errors is, after all, the belief that one can arrive at the truth through mere logical deductions starting from any arbitrary point of departure. But if one truly wants to understand a matter, the first step is to work one’s way toward the correct perspective. This struggle to arrive at the correct perspective should actually be understood as the true essence of studying. Many mistakes are indeed made because, in the pursuit of knowledge, one simply approaches a subject and, as I said, examines it from any arbitrary starting point.

[ 3 ] Wir haben in diesen Tagen eine besonders abscheuliche Weltanschauungsströmung ins Auge gefaßt: die psychoanalytische. Man kann hier schon, ohne in subjektivistische Betrachtungen zu verfallen, diesen Ausdruck gebrauchen. Diese psychoanalytische Weltanschauung - das haben wir ja erkannt - ist aber nicht abscheulich durch ihren Ausgangspunkt - denn dieser ist sogar ein solcher, der, richtig gehandhabt, zu ganz richtigen Ergebnissen führen könnte -, sondern abscheulich wird sie durch die Art und Weise, wie die Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, ihre besonderen Gefühle und Empfindungen hineinbringen. Dadurch, daß das Subjektive der Menschen, die sich mit ihr beschäftigen, in die Theorie hineingebracht wird, «plätschert» ja, wie ich mich ausgedrückt habe, diese psychoanalytische Theorie in dem Sexualismus.

[ 3 ] In recent days, we have turned our attention to a particularly abhorrent ideological current: the psychoanalytic one. One can use this term here without falling into subjectivist considerations. This psychoanalytic worldview—as we have recognized—is not, however, abhorrent because of its starting point—for this is, in fact, one that, if handled correctly, could lead to entirely correct results—but rather it becomes abhorrent because of the way in which the people who engage with it inject their own particular feelings and sensibilities into it. Because the subjectivity of the people who engage with it is introduced into the theory, this psychoanalytic theory, as I have put it, “spills over” into sexualism.

[ 4 ] Würde aber ein Mensch, der bekannt ist mit dem Prinzip, überall zuerst den richtigen Gesichtspunkt zu finden, sich mit dem Ausgangspunkt der psychoanalytischen Theorie vertraut machen und dann weitergehen, so würde ein solcher Mensch zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Er würde gerade vielleicht von der psychoanalytischen Theorie aus so fortschreiten, daß er zunächst gewisse materialistische Allüren in die psychoanalytische Theorie hineinbringt. Dann würde er finden, daß man durch die Unterscheidung zwischen Bewußtem und Unbewußtem ganz von selbst dazu gedrängt wird, reinere, edlere Wege der Erkenntnis einzuschlagen, weil er das Hineintragen der Gesichtspunkte, von denen wir ja gesprochen haben, als willkürliche Emotionen der subjektiven Natur und nicht wie etwas Objektives erkennt.

[ 4 ] But if a person who is familiar with the principle of first finding the correct perspective in every situation were to familiarize himself with the starting point of psychoanalytic theory and then proceed from there, such a person would arrive at entirely different conclusions. In fact, starting from psychoanalytic theory, such a person might proceed in such a way as to initially introduce certain materialistic pretensions into psychoanalytic theory. Then he would find that the distinction between the conscious and the unconscious naturally compels one to take purer, nobler paths of knowledge, because he recognizes the introduction of the perspectives we have discussed as arbitrary emotions of a subjective nature and not as something objective.

[ 5 ] Das ist überhaupt das Bedeutsame des wahren Studierens, daß man meistens über den Ausgangspunkt hinausgeführt wird, daß einen die Sache treibt und nicht, daß man seine eigenen subjektiven Impulse in die Sache hineinträgt.

[ 5 ] That is, in fact, the significance of true study: that one is usually led beyond the starting point, that the subject matter drives one forward, rather than one imposing one’s own subjective impulses onto it.

[ 6 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, dieser Grundsatz ist einer, der dem wahren Studierenden sich nach und nach als ein notwendiger ergibt und der unerläßlich ist, wenn eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung heute verwirklicht werden soll, der unerläßlich auch ist für das Gefüge einer Gesellschaft, in der geisteswissenschaftliche Weltanschauung gepflegt werden soll. Man muß dahin kommen, die Dinge der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung wirklich ernst und würdig zu nehmen; das heißt, man sollte nicht das, was man schon vorher als seine subjektiven Gewohnheiten hatte, immer wieder und wieder auch in das, was zur geisteswissenschaftlichen Weltanschauung gehört, hineintragen, sondern sich etwas leiten lassen durch die Bedingungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Zum Beispiel kann ein Mensch im gewöhnlichen Leben die Gewohnheit haben, überall zu spät zu kommen, nicht rechtzeitig zu erscheinen zu der Stunde, die angesetzt ist. Im äußeren philiströsen Leben wird die Gewohnheit, zu spät zu kommen, nicht gerade immer angenehm, vielleicht auch nicht vorteilhaft sein für den Fortgang desjenigen, was man zu tun hat; in der geisteswissenschaftlichen Bewegung aber sollte aus der ganzen Art, wie man die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten selber nimmt, es der Seele unmöglich sein, so etwas zu pflegen, wenn es nicht einer dringenden Notwendigkeit entspricht.

[ 6 ] You see, my dear friends, this principle is one that gradually reveals itself to the true student as a necessity—and it is indispensable if a worldview based on Spiritual Science is to be realized today, and it is also indispensable for the structure of a society in which a worldview based on Spiritual Science is to be cultivated. We must come to take the tenets of the Spiritual Science worldview truly seriously and with dignity; that is to say, we should not repeatedly carry over what we previously regarded as our subjective habits into the realm of the Spiritual Science worldview, but rather allow ourselves to be guided by the principles of that worldview. For example, in everyday life, a person may have the habit of being late everywhere, of failing to arrive on time at the appointed hour. In ordinary, philistine life, the habit of being late is not exactly pleasant, and may not even be advantageous for the progress of one’s tasks; in the Spiritual Science movement, however, the very way one takes the truths of Spiritual Science to heart should make it impossible for the soul to cultivate such a habit unless it corresponds to an urgent necessity.

[ 7 ] Nun ist in diesen Tagen so viel über Ernst und Würde nicht bloß des geisteswissenschaftlichen Wesens, sondern auch unseres gesellschaftlichen Lebens gesprochen worden, und man hat gesehen, wie notwendig es ist, daß wir uns als Gesellschaft abschließen. Selbstverständlich ist es ein Äußerliches, daß man doch wenigstens die kleine Sorgfalt haben sollte, zur rechten Zeit zu kommen; trotzdem sind auch in den jetzigen Tagen, obwohl der Vortrag 20 Minuten nach Sechs begonnen hat, wiederum einzelne zu spät gekommen. Und auf diese Weise, meine lieben Freunde, werden wir niemals dahin kommen, den Begriff der Gesellschaft so weit zu verwirklichen, daß wir, mit einem Wort, vernünftig anfangen können. Denn wenn wir nicht wissen können, daß, wenn wir anfangen, niemand mehr von uns kommt, dann können wir uns bei einigermaßen ausgebreiteteren Verhältnissen der Gesellschaft niemals davor schützen, daß nicht Unbefugte da oder dort einmal wieder unter uns sein werden, die nicht hereingehören. Bedenken Sie doch, daß es eine Rücksichtslosigkeit ist, in einer Gesellschaft zu spät zu kommen, wenn diese Gesellschaft auf der anderen Seite darauf schaut, daß wirklich jeder, der eintritt, dazugehört. Dazu müssen aber gewisse Mitglieder sich opfern und den Eintritt der Mitglieder so lange überwachen, bis alle, die zur Gesellschaft gehören, da sind. Wenn nun die Überwachenden eingetreten sind, dann muß die Türe geschlossen sein, und jeder sollte da sein.

[ 7 ] So much has been said these days about seriousness and dignity—not only in Spiritual Science but also in our social life—and we have seen how necessary it is for us, as a society, to set ourselves apart. Of course, it is a matter of outward decorum that one should at least take the small precaution of arriving on time; nevertheless, even these days—although the lecture began 20 minutes past six—some individuals have once again arrived late. And in this way, my dear friends, we will never succeed in realizing the concept of society to the extent that we can, in a word, begin sensibly. For if we cannot be certain that, once we begin, no one else will arrive, then—given the somewhat more expansive nature of our social circles—we can never protect ourselves from the possibility that, here and there, unauthorized individuals who do not belong will once again find themselves among us. Consider, after all, that it is inconsiderate to arrive late in a society when that society, on the other hand, ensures that truly everyone who enters belongs there. To achieve this, however, certain members must make sacrifices and monitor the entry of members until all who belong to the society are present. Once those who are monitoring have entered, the door must be closed, and everyone should be there.

[ 8 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, es sollte gewiß nicht notwendig sein, solche Dinge besonders zu besprechen; aber die geisteswissenschaftliche Weltanschauung muß auf dem Begriff der Symptomatik stehen. «Symptomatik» bedeutet hier das, daß, was irgendein Wesen im Kleinen praktiziert, es sehr geneigt sein wird, auch im Großen zu praktizieren. Wer es nicht einmal dazu bringt, pünktlich zu den Versammlungen zu kommen, der wird auch bei größeren Dingen, wo es auf etwas Bedeutsames ankommt, nicht gerade denjenigen ganz pflichtgemäßen Impuls entwickeln, der notwendig ist. Ein großer Teil der Schäden, die in so krasser Weise zutage getreten sind, hängt innig zusammen gerade mit dem Nicht-genau-Nehmen, mit dem Nicht-deutlich-genug-Nehmen der Dinge. Es ist wirklich wichtig, daß wir in demselben Stil, wie das eben besprochen wurde, auch den geisteswissenschaftlichen Betrieb, wenn ich so sagen darf, selber nehmen. Daher ist es auch eine Veranschaulichung desjenigen, was die Geisteswissenschaft von uns fordert, wenn wir uns solche Dinge des allerallergewöhnlichsten Lebens im Zusammensein einer geisteswissenschaftlichen Gesellschaft vor Augen führen.

[ 8 ] You see, my dear friends, it certainly should not be necessary to discuss such things specifically; but the worldview of Spiritual Science must be based on the concept of symptomatology. “Symptomatics” here means that whatever a person does on a small scale, they will be very inclined to do on a larger scale as well. Anyone who cannot even bring themselves to arrive on time for meetings will also, when it comes to larger matters where something significant is at stake, fail to develop the sense of duty that is necessary. A large part of the damage that has come to light in such a glaring way is intimately connected precisely with not taking things seriously enough, with not taking them clearly enough. It is truly important that we, in the same spirit as has just been discussed, also take the work of Spiritual Science—if I may put it that way—seriously ourselves. Therefore, it is also an illustration of what Spiritual Science demands of us when we bring such matters of the most ordinary life to mind in the context of a Spiritual Science society.

[ 9 ] Wenn wir uns nun bemühen, den Dingen gegenüber, von deren Bereich wir mannigfaltig aphoristisch in diesen Tagen gesprochen haben, den richtigen Gesichtspunkt zu finden, so muß vor allem ins Auge gefaßt werden, daß wir es im gesamten Weltenbau, in der gesamten Welteneinrichtung zu tun haben mit dem Sichoffenbaren, mit dem Sichausleben der wahren Wesenheiten, die hinter der sich offenbarenden Welt für die Erkenntnis verborgen sind.

[ 9 ] If we now strive to find the correct perspective on the matters we have discussed in various aphoristic ways in recent days, we must first and foremost bear in mind that, in the entire structure of the world, in the entire order of the universe, we are dealing with the self-revelation and self-manifestation of the true essences that lie hidden from our knowledge behind the world as it appears to us.

[ 10 ] Diese Wesenheiten, meine lieben Freunde - das wird Ihnen aus vielen Betrachtungen, die gepflogen worden sind, hervorgehen -, sind in einer fortwährenden inneren Bewegung, richtig in einer fortwährenden inneren Bewegung. Ich habe in diesem Augenblicke nicht eine Bewegung im Einzelnen im Sinne, sondern die innere Bewegung im Großen. Nur müssen wir uns mit dem Begriff einer gewissen Kompliziertheit der inneren Bewegung bekanntmachen, wenn wir verstehen wollen, wie wir das Verhältnis der hinter den Erscheinungen befindlichen Wesenheiten zu den Erscheinungen selber aufzufassen haben. Nehmen wir ein Beispiel, das wir wählen können, weil es uns ja aus der bisherigen geisteswissenschaftlichen Betrachtung bekannt ist.

[ 10 ] These entities, my dear friends—as will become clear to you from many of the reflections that have been made—are in a state of constant inner motion, truly in a state of constant inner motion. At this moment, I am not referring to any single movement in particular, but rather to inner motion in the broadest sense. However, we must familiarize ourselves with the concept of a certain complexity in this inner movement if we are to understand how to conceive of the relationship between the entities lying behind the phenomena and the phenomena themselves. Let us take an example that we can choose because it is already familiar to us from previous considerations in Spiritual Science.

[ 11 ] Wir wissen, daß der Mensch seine erste physische Entwickelung während der alten Saturnzeit begonnen, dann während der Sonnenzeit fortgesetzt und die ätherische Entwickelung dazu bekommen hat und so weiter. Nun handelt es sich darum, uns zu fragen, wie wir das, was wir innerhalb der Saturnentwickelung als physische Entwickelung des Menschen aufzufassen haben, eigentlich gegenüber der gesamten Weltenkonstitution zu betrachten haben. Es wäre ganz falsch, meine lieben Freunde, wenn jemand die heutige physische Natur des Menschen ins Auge fassen und glauben würde, wenn er sie sich nur primitiv und einfach genug vorstellt, dann habe er ein Bild der alten Saturn-Physis des Menschen. Sie werden mich in bezug auf diese Frage am besten verstehen, wenn ich sage: Wer glaubt, in der heutigen physischen Welt, auf dem heutigen physischen Plan irgend etwas zu finden, was im entferntesten ähnlich wäre der physischen Menschennatur während der Saturnentwickelung, der würde sich sehr irren. Das, was der Mensch als physischer Mensch während der Saturnentwickelung war, das ist heute in keinem Gebilde, in keiner Tatsache der physischen Welt zu finden. Um diejenige physische Natur zu erkennen, die der Mensch während der alten Saturnzeit gehabt hat, müssen wir uns viel mehr anstrengen in unserem Scelisch-Geistigen, das sich freigemacht hat von dem Physisch-Ätherischen.

[ 11 ] We know that human beings began their initial physical development during the ancient Saturn era, continued it during the Sun era, and added etheric development to it, and so on. Now the question is how we should actually view what we understand as the physical development of the human being within the Saturn epoch in relation to the entire constitution of the worlds. It would be entirely wrong, my dear friends, for anyone to look at the physical nature of the human being today and believe that, if they have a mental image of it that is sufficiently primitive and simple, they have a picture of the ancient Saturn physical nature of the human being. You will understand me best regarding this question when I say: Anyone who believes they can find anything in today’s physical world, on today’s physical plane, that even remotely resembles the physical nature of human beings during the Saturn evolution would be very much mistaken. What the human being was as a physical being during the Saturn evolution cannot be found today in any form or fact of the physical world. In order to recognize the physical nature that the human being possessed during the ancient Saturn era, we must exert much greater effort within our soul-spiritual nature, which has freed itself from the physical-etheric.

[ 12 ] Bezeichnen wir zunächst einmal schematisch diejenige Welt, durch die man erkennt, wie das beschaffen war, was als erste physische Anlage während der alten Saturnzeit da war, als Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Saturn [es wurde an die Tafel geschrieben]:

[ 12 ] Let us first schematically describe the world through which we can understand the nature of what existed as the first physical structure during the ancient Saturn era—as a world of knowledge for physical human nature on Saturn [it was written on the board]:

[ 13 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Saturn.

[ 13 ] The realm of knowledge for the physical human nature on Saturn.

[ 14 ] Ich will vorläufig gar nichts anderes sagen, als daß der Mensch herauskommen muß aus seinem physischen Leib und selbst dann, nachdem er schon herausgekommen ist, noch eine höhere Entwickelung durchmachen muß, um zu der Beobachtung, zu der Erkenntnis solcher Gebilde zu kommen, welche der physischen Natur des Menschen während der Saturnzeit entsprechen.

[ 14 ] For now, I will say nothing more than that human beings must emerge from their physical bodies and, even after they have done so, must undergo a higher stage of development in order to be able to observe and comprehend those forms that correspond to the physical nature of human beings during the Saturnic era.

[ 15 ] Nehmen wir nun einmal die physische Menschennatur während der Sonnenzeit, die also schon eine Weiterentwickelung der physischen Menschennatur während der Saturnzeit ist. Auch diese physische Menschennatur während der Sonnenzeit kann man nicht mit den Erkenntnisorganen des heutigen physischen Menschen erreichen, sondern auch da muß man sich schon in die geistige Welt hineinbegeben, aber man braucht nicht zu der Entwickelungsstufe aufgestiegen zu sein, die notwendig ist, um die physische Menschennatur während der Saturnzeit zu erkennen. So daß wir also sagen können: Eine etwas niedrigere Stufe in der Erkenntnis des Verhältnisses der Welt zum Menschen läßt uns hineinblicken in die physische Natur des Menschen während der Sonnenzeit. Und wir können dann sagen [es wurde an die Tafel geschrieben]:

[ 15 ] Let us now consider human physical nature during the Solar Age, which is thus already a further development of human physical nature during the Saturn Age. This physical human nature during the Solar Age, too, cannot be grasped with the faculties of perception of today’s physical human being; rather, one must enter the spiritual world to understand it—though one need not have reached the stage of development necessary to comprehend physical human nature during the Saturn Age. So we can say: A somewhat lower level of understanding of the relationship between the world and the human being allows us to glimpse the physical nature of the human being during the Solar Age. And we can then say [it was written on the blackboard]:

[ 16 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf der Sonne.

[ 16 ] The realm of knowledge for the physical human nature on the Sun.

[ 17 ] Wollen wir nun die physische Menschennatur, wie sie entwickelt war während der Mondenzeit, ins Auge fassen, dann, meine lieben Freunde, brauchen wir eine noch weniger hohe Stufe der Erkenntnis einzunehmen. In dem Augenblicke, wo wir überhaupt nur in die Lage kommen, leibfrei zu erkennen, erkennen wir auch schon dasjenige, was der physischen Menschennatur während der Mondenzeit entspricht. So daß wir sagen können: Eine dritte Stufe des Verhältnisses des Menschen zur Objektivität ist die [es wurde an die Tafel geschrieben]:

[ 17 ] If we now wish to consider physical human nature as it developed during the Lunar Age, then, my dear friends, we must descend to an even lower level of insight. The moment we are even able to perceive without the body, we already perceive that which corresponds to physical human nature during the Lunar Age. So we can say: A third stage in humanity’s relationship to objectivity is [it was written on the board]:

[ 18 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf dem Monde.

[ 18 ] The realm of knowledge for the physical human nature on the Moon.

[ 19 ] Gehen wir weiter. Wir kommen nun zu der physischen Natur des Menschen während der Erdenstufe. Da brauchen wir gar nicht aus unserem Leib herauszugehen. Die erkennen wir mit den physischen Erkenntnisorganen, die wir auf dem physischen Plan, auf der Erde haben. Das ist also die Erkenntnisstufe, die dem Menschen während seines Erdendaseins natürlich ist, so daß wir sagen können [es wurde an die Tafel geschrieben]:

[ 19 ] Let’s continue. We now come to the physical nature of human beings during the earthly stage. We do not need to step outside our bodies at all. We perceive this through the physical organs of perception that we possess on the physical plane, on Earth. This, then, is the level of knowledge that is natural to human beings during their earthly existence, so that we can say [it was written on the blackboard]:

[ 20 ] Erkenntniswelt für die physische Menschennatur auf der Erde.

[ 20 ] The realm of knowledge for physical human nature on Earth.

[ 21 ] Und jetzt haben wir zugleich ins Auge gefaßt, meine lieben Freunde, vier Stufen der Erkenntniswelten, die man auch so bezeichnet, daß man sagt [es wurde an die Tafel geschrieben]: «physischer Plan»; «Seelenwelt» oder «Astralplan»; «Geisterland» oder, wie man gewohnt worden ist zu sagen, «Devachanplan»; «höheres Geisterland» oder «höherer Devachanplan».

[ 21 ] And now, my dear friends, we have simultaneously considered four levels of the realms of knowledge, which are also referred to as [it was written on the board]: “physical plane”; “world of the soul” or “astral plane”; “Spirit Realm” or, as it has become customary to say, “Devachan Plane”; “Higher Spirit Realm” or “Higher Devachan Plane.”

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[ 22 ] Wenn Sie diese Auseinandersetzung, die wir eben gepflogen haben, verfolgen, so werden Sie sich sagen können: Nun ja, dann müssen wir den physischen Menschen der Saturnzeit hier hinauf, den der Sonnenzeit hierher, den der Mondenzeit hierher und den der Erdenzeit hierher versetzen. Es wurden die kleinen Kreise gezeichnet. Es ist das kein Widerspruch zu den gewohnten Begriffen, sondern schon ganz klar und deutlich in meiner «Geheimwissenschaft» angedeutet. Da habe ich ausführlich dargestellt, daß dasjenige, was man auf dem Monde physische Menschennatur nennt, nicht etwa auf dem physischen Plan, sondern eben weiter oben zu beobachten ist, und so weiter. Das finden Sie da alles sogar sehr deutlich auseinandergesetzt.

[ 22 ] If you follow the discussion we have just had, you will be able to say to yourself: Well then, we must place the physical human being of the Saturn era up here, that of the Sun era here, that of the Moon era here, and that of the Earth era here. The small circles have been drawn. This is not a contradiction to the familiar concepts, but is already quite clearly indicated in my *Secret Science*. There I explained in detail that what is called physical human nature on the Moon is not to be observed on the physical plane, but rather higher up, and so on. You will find all of this explained there very clearly.

[ 23 ] Heute aber können wir sagen: Der Mensch ist also heruntergestiegen. [Es wurde die Linie, die die kleinen Kreise verbindet, gezeichnet.] Er ist während seiner Entwickelung als physischer Mensch richtig herabgestiegen. Das ist auch ein uralter Grundsatz aller Geisteswissenschaft, daß der Mensch, soweit wir von der heutigen physischen Menschennatur sprechen, ein herabsteigendes geistiges Wesen ist. Das heißt aber nichts anderes, als daß, wenn wir unseren physischen Leib betrachten, wir uns sagen müssen: So, wie wir ihn heute, während der Erdenzeit, sehen, so ist alles dasjenige, was von ihm heute zu sehen ist, dasjenige, was am meisten herabgestiegen ist.

[ 23 ] Today, however, we can say: Human beings have thus descended. [The line connecting the small circles was drawn.] In the course of his development as a physical human being, he has indeed descended. It is also an ancient principle of Spiritual Science that human beings—insofar as we are speaking of today’s physical human nature—are descending spiritual beings. But this means nothing other than that, when we look at our physical body, we must say to ourselves: Just as we see it today, during our time on Earth, everything that can be seen of it today is that which has descended the farthest.

[ 24 ] Aber im physischen Leib ist auch ein Verborgenes. Es ist da ein Verborgenes, das eigentlich mondenartiger Natur ist; ein noch weiter Verborgenes, das sonnenartiger Natur ist; und ein noch weiter Verborgenes, das saturnartiger Natur ist. In dem offenbaren physischen Leibe ist also innerer Charakter, inneres Wesenhaftes verborgen. Der physische Leib ist sozusagen nur zu einem Viertel zu erkennen, denn die anderen drei Viertel stecken dahinter. Sie sind edlerer, sie sind geistigerer Natur als dasjenige, was auf dem physischen Plan vom Menschen uns entgegentritt.

[ 24 ] But there is also something hidden within the physical body. There is something hidden that is actually of a lunar nature; something even more deeply hidden that is of a solar nature; and something even more deeply hidden that is of a Saturnian nature. Thus, within the manifest physical body, an inner character and inner essence are hidden. The physical body is, so to speak, only one-quarter visible, for the other three-quarters lie hidden behind it. They are of a nobler, more spiritual nature than what we encounter in human beings on the physical plane.

[ 25 ] Wenn wir also irgend etwas, was am Menschen ist, insofern uns der Mensch heute auf dem physischen Plan als physisches Wesen entgegentritt, betrachten, dann müssen wir uns sagen: Diese physischen Organe sind in einer inneren Bewegung, in einer Bewegung des Herabsteigens, in einer Bewegung des vom Geistigen zum Materiellen hin sich Entwickelns. Irgendein Organ, das wir am Menschen betrachten, sind wir daher verpflichtet so zu betrachten, daß wir sagen: Indem es wächst und gedeiht, indem es gerade die Ausgestaltung bekommt, die ihm auf dem physischen Plane zukommt, ist es auf dem herabsteigenden Wege der Entwickelung. Es steigt von geistigerer zu physischerer, zu materiellerer Artung herab.

[ 25 ] So when we consider anything about the human being—insofar as the human being appears to us today on the physical plane as a physical being—we must tell ourselves: These physical organs are in a process of inner movement, a process of descent, a process of development from the spiritual toward the material. We are therefore obliged to view any organ we observe in a human being in such a way that we say: As it grows and flourishes, as it takes on precisely the form that befits it on the physical plane, it is on the descending path of development. It descends from a more spiritual to a more physical, more material nature.

[ 26 ] Wenn wir daher an dem Menschen etwas finden, das beurteilt werden soll in bezug auf seine Artung, so müssen wir uns auch die Regel vorsetzen, den richtigen Gesichtspunkt finden. Und zu dem richtigen Gesichtspunkt werden wir geführt, wenn wir uns bewußt werden, daß die physische Menschennatur in einer gewissen Hinsicht - nämlich in der, die ich heute erörtert habe — herabsteigend ist. Dadurch werden wir aber dazu verpflichtet, zum Beispiel die Entwickelung des Kindes zum reifen Menschenalter so aufzufassen, daß die kindliche Entwickelung noch geistiger ist, die reife Menschenentwickelung dagegen materieller ist, daß ein Herabsteigen vom Geistigen zum Materiellen stattgefunden hat. Von einem anderen Gesichtspunkte aus versteht man die physische Entwickelung des Menschen gar nicht. Man versteht sie nur, wenn man sich dessen bewußt wird, daß ein Herabsteigen des physischen Menschen während des Wachsens und Gedeihens stattfindet, daß der Mensch, insoferne er wächst, ein Geistiges tiefer in das Materielle herabsteigen, herabsinken läßt.

[ 26 ] Therefore, when we find something in a person that needs to be judged in terms of their character, we must also set ourselves the rule of finding the correct perspective. And we are led to the correct perspective when we become aware that human physical nature is, in a certain respect—namely, the one I have discussed today—descending. This, however, compels us to view, for example, a child’s development into adulthood in such a way that childhood development is still more spiritual, whereas mature human development is more material—that is, a descent from the spiritual to the material has taken place. From any other perspective, one cannot understand human physical development at all. One can only understand it by becoming aware that a descent of the physical human being takes place during growth and development, that insofar as the human being grows, a spiritual element descends deeper into the material.

[ 27 ] So wie beim Menschen ist das auch draußen in der Welt. Wir können uns das anschaulich machen, wenn wir bedenken, daß wir ja auch draußen in der Welt von einer Evolution reden. Wir sagen zum Beispiel: Es hat eine alte indische Kulturstufe gegeben, die hat sich zur urpersischen, zur ägyptisch-chaldäisch-babylonischen, zur griechisch-lateinischen und zu unserer Kulturstufe entwickelt. Aber wir wissen zugleich, daß die älteren Kulturstufen neben den neueren fortleben. Wir haben das ja sogar an der Sprache gezeigt. Eine ältere Kulturstufe lebt neben der neueren fort. Auf den Menschen übertragen, kann uns das deutlich machen, daß am Menschen - insofern er physisch ist - die Organe auch so betrachtet werden können, daß auf dem Wege des Herabsteigens die einen die fortgeschrittensten sind, andere, weniger fortgeschritten, noch frühere Stufen zeigen.

[ 27 ] Just as it is with human beings, so it is out in the world. We can visualize this if we consider that we also speak of evolution out in the world. For example, we say: There was an ancient Indian cultural stage that evolved into the Proto-Persian, the Egyptian-Chaldean-Babylonian, the Greek-Latin, and our own cultural stage. But at the same time, we know that the older cultural stages continue to exist alongside the newer ones. We have even demonstrated this with regard to language. An older cultural stage continues to exist alongside the newer one. Applied to human beings, this can make it clear to us that in humans—insofar as they are physical beings—the organs can also be viewed in such a way that, on the path of descent, some are the most advanced, while others, less advanced, still reflect earlier stages.

[ 28 ] Wir werden allmählich sehen - ich will das heute nur zunächst aphoristisch andeuten -, daß wir nach diesem Grundsatz, den ich eben angedeutet habe, in der Menschennatur zwei Organsysteme betrachten können.

[ 28 ] We will gradually see—I want only to hint at this aphoristically for now—that, according to this principle I have just outlined, we can consider two organ systems in human nature.

[ 29 ] Nehmen wir zunächst die Sinne des Menschen, alles dasjenige, was der Mensch an Organen hat, um sinnliche Wahrnehmungen zu machen, so können wir sagen: Die Sinnesorgane, weil wir es ja mit Physischem dabei zu tun haben, stehen auf einer gewissen Stufe. Das heißt aber jetzt für uns: das Geistige ist bis zu einer gewissen Stufe herabgestiegen, herabgeströmt. Skizzieren wir das schematisch [es wurde an die Tafel gezeichnet]:

[ 29 ] If we first consider the human senses—all the organs a person possesses for sensory perception—we can say: The sense organs, since we are dealing with the physical here, exist on a certain level. But for us, this means that the spiritual has descended, has flowed down, to a certain level. Let’s sketch this schematically [it was drawn on the blackboard]:

[ 30 ] Wir sagten, die ganze Menschennatur ist ein Herabströmen [rot]; nun bezeichnen wir die Stufe des Herabströmens, auf der die Sinne stehen, einmal mit diesem Blau. Innerhalb der herabfließenden Strömung, die also so fließt [Pfeil], bezeichnen wir die Sinne mit diesem Blau. Alles also, was Organe der sinnlichen Wahrnehmungswelt sind, wollen wir im Hinabgleiten auf der Stufe a stehend auffassen.

[ 30 ] We said that the whole of human nature is a downward flow [red]; now let us designate the level of this downward flow at which the senses are situated with this blue. Within the downward-flowing current—which flows in this direction [arrow]—we designate the senses with this blue. Thus, we shall regard everything that constitutes the organs of the sensory world as situated at level a in this downward flow.

[ 31 ] Wenn wir ein anderes Organsystem ins Auge fassen, haben wir zum Beispiel das Atmungssystem, das gesamte Atmungssystem. Auch dieses werden wir nur unter dem richtigen Gesichtspunkt betrachten, wenn wir es auf der Stufe aufsuchen, auf der der Mensch im Hinabgleiten angekommen ist. Und indem wir diese Betrachtungen allmählich erweitern, werden wir finden, daß nunmehr das Organsystem des Atmens bis zu b hinuntergeglitten ist. Also das Sinnessystem ist bis zu a, das Atmungssystem bis zu b hinuntergeglitten.

[ 31 ] If we consider another organ system, we have, for example, the respiratory system—the entire respiratory system. We, too, will only be able to view this from the correct perspective if we examine it at the level to which the human being has descended. And as we gradually expand these observations, we will find that the respiratory system has now descended as far as b. Thus, the sensory system has descended to a, and the respiratory system to b.

[ 32 ] Nun können Sie sich vorstellen, daß das Hinuntergleiten weiter gehen kann. Es könnte also ein Organsystem geben, das noch weiter hinuntergeglitten ist: ein Organsystem c. Und dieses Organsystem würde das sein, das der Sexualität dient:

[ 32 ] Now you can create a mental image of this downward slide going even further. So there could be an organ system that has slid even further down: an organ system c. And this organ system would be the one that serves sexuality:

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[ 33 ] Wenn wir nun den physischen Menschen betrachten, meine lieben Freunde, dann finden wir, daß in der Zeit, in der das Hinuntersinken einen gewissen Kulminationspunkt erreichte und wieder ein Aufsteigen - über das wir heute nicht sprechen können - begann, das mit dem Hinuntersinken zusammenhängt, in der Zeit war das Hinuntersinken bis zu diesem Punkte gediehen [siehe Zeichnung, den Bogen unten]. Weiter ging das Hinuntersinken auf der Erde nicht mehr. Daraus aber können Sie ohne weiteres ersehen, daß die Sinnesorgane des Menschen im Verhältnis zu den Atmungsorganen und so weiter vergeistigtere Organe sind. Und da uns eine klare, deutliche Erkenntnis, wie wir immer mehr sehen werden, lehrt, daß das Sexualsystem gewissermaßen die unterste Lage darstellt, so können wir daraus den Schluß ziehen, daß alles, was der Mensch sonst an sich hat in bezug auf die physische Menschennatur, geistiger ist als dieses System.

[ 33 ] If we now consider the physical human being, my dear friends, we find that at the time when the descent reached a certain culmination and an ascent—which we cannot discuss today—began, one that is connected to the descent, the descent had progressed up to this point [see drawing, the arc below]. The descent on Earth did not proceed any further than that. From this, however, you can readily see that the human sense organs are, in relation to the respiratory organs and so on, more spiritual organs. And since a clear, distinct insight—as we shall increasingly see—teaches us that the sexual system represents, so to speak, the lowest level, we can conclude from this that everything else a human being possesses in terms of physical human nature is more spiritual than this system.

[ 34 ] Nun können Sie sagen: Das wäre ja leicht begreiflich. - Mag sein; aber das Bedeutsame für uns ist nunmehr, einzusehen, daß die abscheuliche Weltanschauung der Psychoanalyse sich dieser Tatsache, die ich eben ausgesprochen habe, nicht hat bewußt werden können. Denn was tut die Psychoanalyse? Sie sagt: Alles, was der Mensch tut, selbst die Erlebnisse des Mystikers, sind umgewandelte sexuelle Kräfte. - Das heißt, der Psychoanalytiker oder der Materialist überhaupt, können wir in diesem Falle sagen, geht von der Sexualität aus und erklärt alles, was sonst am Menschen ist, als umgewandelte, umgeformte Sexualität. Ich habe Ihnen ja angedeutet, wie in der Freudschen Theorie alles, was im Menschenleben auftritt, als umgewandelte Sexualität erklärt wird. Zum Beispiel, daß die Kinder einen Schnuller lutschen, wird erklärt dadurch, da darin eine etwas infantile Sexualität zum Ausdruck kommt und so weiter.

[ 34 ] Now you might say: That would be easy enough to understand. — Perhaps; but what is important for us now is to realize that the abominable worldview of psychoanalysis has been unable to recognize this fact, which I have just stated. For what does psychoanalysis do? It says: Everything a person does—even the experiences of a mystic—are transformed sexual forces. —That is to say, the psychoanalyst—or the materialist in general, as we might say in this case—takes sexuality as his starting point and explains everything else about human beings as transformed, reshaped sexuality. I have already hinted to you how, in Freudian theory, everything that occurs in human life is explained as transformed sexuality. For example, the fact that children suck on a pacifier is explained by the fact that this expresses a somewhat infantile form of sexuality, and so on.

[ 35 ] Was ist aber die Wahrheit? Die Wahrheit, meine lieben Freunde, ist, daß alle Verrichtungen, die sich am Menschen finden, geistiger sind als das Sexualleben und daß, um zu richtigen Gesichtspunkten zu kommen, der umgekehrte Weg eingeschlagen werden muß. So daß man also sagen muß: Jedes Heranbringen der Sexualität, der Erotik, an irgendwelche Betätigungen des Menschen, um sie zu erklären, ist der ganz verkehrte Weg. Der richtige ist allein der, die Sexualität aus der Umwandlung der höheren Verrichtungen des Menschen in das Niedrigste auf Erden zu erklären.

[ 35 ] But what is the truth? The truth, my dear friends, is that all human activities are more spiritual than sexual life, and that, in order to arrive at the correct perspective, one must take the opposite approach. Thus, one must say: Any attempt to bring sexuality or eroticism into connection with any human activity in order to explain it is entirely the wrong approach. The only correct approach is to explain sexuality through the transformation of humanity’s higher activities into the lowest things on earth.

[ 36 ] Nehmen wir, weil wir uns schon einmal mit diesen Dingen beschäftigen müssen, eine der grauenhaftesten Behauptungen des Psychoanalytikers, nämlich die Behauptung - man muß eben schon solche grauenhafte Dinge erwähnen, meine lieben Freunde, man muß es, weil sie eben in unserer heutigen Zeit auftreten -, also die Behauptung, daß das Verhältnis des Sohnes zur Mutter, der Tochter zum Vater, wie es in der Kindheit als Liebe zur Mutter, als Liebe zum Vater auftritt, ein sexuelles Verhältnis sei. Denn der Psychoanalytiker sagt, das, was das Töchterchen für den Vater, das Söhnlein für die Mutter empfindet, ist ein sexuelles Verhältnis, denn der Vater wird vom Sohn immer eigentlich als der Konkurrent betrachtet; er sei auf ihn unbewußt eifersüchtig; ebenso ist die Tochter auf die Mutter eifersüchtig. - Das ist sozusagen einer der grauenhaftesten Auswüchse der Psychoanalyse. Sie wissen, daß solche Dichtungen wie die Ödipus-Dichtung in den Schriften der Psychoanalytiker auf Grundlage dieser psychoanalytischen Voraussetzungen so erklärt werden.

[ 36 ] Since we have to deal with these matters anyway, let’s take one of the most horrifying claims made by the psychoanalyst—namely, the claim—one simply has to mention such horrifying things, my dear friends, we must, because they do occur in our time today—so the claim that the relationship of the son to the mother, of the daughter to the father, as it appears in childhood as love for the mother, as love for the father, is a sexual relationship. For the psychoanalyst says that what the little daughter feels for her father, and the little son for his mother, is a sexual relationship, because the father is actually always regarded by the son as a rival; the son is unconsciously jealous of him; likewise, the daughter is jealous of her mother. - This is, so to speak, one of the most appalling excesses of psychoanalysis. You know that literary works such as the Oedipus myth are interpreted in the writings of psychoanalysts on the basis of these psychoanalytic premises.

[ 37 ] Nun, der richtige Gesichtspunkt ist der, daß gefragt wird: Wodurch entsteht denn die Sexualität des späteren Lebens? Sie entsteht dadurch, daß ein Geistigeres herabsinkt. Das spätere Sexuelle ist also ein herabgesunkenes Kindlich-Geistiges. Und der richtige Gesichtspunkt ist der, daß man vor allen Dingen dasjenige, was nicht Sexuelles ist, in keiner Weise - nicht bewußt und nicht unbewußt — mit diesem Gebiet vermischt, daß man sich klar ist, daß beim Kinde noch nicht Sexualität vorhanden sein kann. Und erst dann, wenn man sich dessen in vollem Umfange klar ist, wird man den richtigen Gesichtspunkt der Betrachtung finden. Es ist dies auch ein außerordentlich wichtiges Moment in der Pädagogik, denn es kommen die größten Verkehrtheiten heraus, wenn man manche kindliche Ungezogenheiten ohne weiteres umdeutet in irgendeine verfrühte Sexualität; die können von etwas ganz anderem kommen als davon, daß die Kindesnatur prinzipiell irgend etwas Sexuelles schon hätte. Behaupten, daß die Kindesnatur schon etwas Sexuelles habe, würde der etwaigen Behauptung gleichkommen, daß der heutige Tag schon das ganze Regenwetter eines folgenden Tages in sich enthalten könne.

[ 37 ] Well, the correct perspective is this: What gives rise to sexuality in later life? It arises when something more spiritual descends. Later sexuality is thus a descended, childlike-spiritual quality. And the correct perspective is this: above all, one must not in any way—neither consciously nor unconsciously—confuse that which is not sexual with this realm; one must be clear that sexuality cannot yet exist in a child. And only when one is fully aware of this will one find the correct perspective from which to view the matter. This is also an extraordinarily important point in pedagogy, for the greatest misconceptions arise when certain forms of childish misbehavior are automatically reinterpreted as some kind of premature sexuality; these may stem from something entirely different than the idea that a child’s nature inherently possesses anything sexual. To claim that a child’s nature already possesses something sexual would be tantamount to claiming that today could already contain within itself all the rain of a future day.

[ 38 ] Daraus ersehen Sie aber am besten, was hier vorliegt, nämlich ein Geltendmachen eines vollständig verkehrten Gesichtspunktes. Wenn man aber zu einem solchen verkehrten Gesichtspunkte kommt, kann das nicht auf eine selbstverständlich gegebene Weise geschehen, sondern es muß willkürlich herbeigezerrt werden durch die Instinkte der Menschen. Die ganze psychoanalytische Betrachtung ist durch die niedersten Instinkte der Menschen gefärbt, nuanciert; die Welt ist in ihr zu einer umgekehrten gemacht. Die Ausdeutung des Verhältnisses vom Töchterchen zum Vater, vom Söhnlein zur Mutter im psychoanalytischen Sinn kann nur entstehen, wenn man eben das subjektive Instinktleben des Forschers in den objektiven Gang der Untersuchung hineinmischt. Daraus folgt, daß man, wenn man streng exakt vorgeht, hier auch solche Ausdrücke verwenden darf, die man auf das Subjektive menschlicher Betätigungen anwendet, ohne dabei den Standpunkt der Objektivität zu verlassen. Subjektive Bezeichnungen und Ausdrücke in der ganz objektiven Wissenschaft anzuwenden würde eine Torheit sein. Nehmen Sie einmal an, jemand hätte die Anschauung, daß die Zeiger der Uhr durch kleine Dämonen, die da drinnen sitzen, vorwärtsgetrieben werden, so könnten wir sagen: Das ist eine Torheit. Die Uhr ist ein Mechanismus, denn Dämonen sitzen nicht darinnen. Aber wir bewegen uns auf dem Gebiet des Objektiven und würden niemals sagen dürfen: Derjenige, der der Uhr kleine Dämonen zuschreibt, beschimpft die Uhr. Wenn aber der Psychoanalytiker die Menschennatur so deutet, daß der kindlichen Natur eine solche Sexualität zugeschrieben wird, wie das der Psychoanalytiker tut, dann drängt sich wirklich das Subjektive der Instinkte in die Theorie hinein. Daher ist es hier berechtigt, subjektive Ausdrücke zu gebrauchen und zu sagen: Die psychoanalytische Weltanschauung ist eine solche, die die Menschennatur beschimpft. Und man wird sich bestreben müssen, Wahrheit zu üben und die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Und erst, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen sich klar darüber ist, daß in der Welt des Materialismus heute eine Anzahl von Menschen leben, welche es sich zur Aufgabe gesetzt haben, nicht nur über die einzelnen Menschen, sondern über die ganze Menschennatur als solche eine Theorie zu pflegen, die auf die Menschennatur schimpft - so schimpft auf der wissenschaftlichen Seite, daß diese Wissenschaftstheorie selber nur eine Summe von Beschimpfungen ist -, wenn das die Menschen einsehen werden, dann werden sie die psychoanalytische Theorie in der richtigen Weise würdigen. Dann wird man nicht mehr in Worte kramen, sondern auf diesem Gebiet in der Sache stehen. Und das wird ein Weg sein, um gerade auf diesem Gebiete zur Klarheit zu kommen.

[ 38 ] This, however, best illustrates what we are dealing with here: namely, the assertion of a completely inverted perspective. But when one arrives at such an inverted perspective, it cannot happen in a natural, self-evident way; rather, it must be arbitrarily contrived through human instincts. The entire psychoanalytic perspective is colored and nuanced by people’s basest instincts; in it, the world is turned upside down. The interpretation of the relationship between a young daughter and her father, or between a young son and his mother, in the psychoanalytic sense can only arise when the researcher’s subjective instinctual life is intermingled with the objective course of the investigation. It follows that, if one proceeds with strict precision, one may also use here such expressions as are applied to the subjective aspects of human activities, without thereby departing from the standpoint of objectivity. To apply subjective terms and expressions in a wholly objective science would be folly. Suppose, for example, that someone held the view that the hands of a clock are driven forward by little demons sitting inside it; we could say: That is folly. The clock is a mechanism, for there are no demons inside it. But we are operating in the realm of the objective and would never be allowed to say: “The person who attributes little demons to the clock is insulting the clock.” However, when the psychoanalyst interprets human nature in such a way that he attributes this kind of sexuality to the childlike nature—as the psychoanalyst does—then the subjective aspect of instincts truly intrudes into the theory. Therefore, it is justified here to use subjective expressions and to say: The psychoanalytic worldview is one that denigrates human nature. And we must strive to practice truth and call things by their proper names. And only when a sufficiently large number of people realize that in today’s materialistic world there are a number of people who have made it their mission to cultivate a theory—not only about individual human beings but about human nature as a whole—that denigrates human nature —and, from a scientific standpoint, insults it to such an extent that this scientific theory itself is nothing but a collection of insults—only then, when people come to realize this, will they appreciate psychoanalytic theory in the proper way. Then people will no longer quibble over words but will focus on the substance of the matter in this field. And that will be a path to achieving clarity precisely in this area.

[ 39 ] Erst dann, wenn man alles das, was heute auseinandergesetzt worden ist, erkannt hat, darf sich das Erkannte zusammendrängen in den Impuls des Schimpfens. Denn wenn man die psychoanalytische Theorie eine Ferkelei-Theorie nennt, so ist das eine Beschimpfung, aber diese Beschimpfung muß eine solche sein, zu der man durch die Objektivität der Sache selber, zu der man aus der Erkenntnis heraus gedrängt ist. Die Kritik darf nicht wiederum aus subjektiven Instinkten heraus kommen.

[ 39 ] Only when one has recognized everything that has been analyzed today may that which has been recognized coalesce into the impulse to curse. For if one calls psychoanalytic theory a “theory of filth,” that is an insult, but this insult must be one to which one is driven by the objectivity of the matter itself, to which one is compelled by one’s own insight. The criticism must not, in turn, stem from subjective instincts.

[ 40 ] Aber das ist ja das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, daß sich dasjenige, was scheinbar nur abstrakte Theorie ist, sich in Gefühle und Empfindungen umwandelt, die dann berechtigt sind. Wer sich abmüht, zu erkennen, was eigentlich Psychoanalyse ist, der darf diese, ohne daß er die Objektivität verrät, eine Ferkelei-Theorie nennen. Geradeso, wie man mit Objektivität die Leinwand weiß und die Kohle schwarz nennen darf, so darf man die Psychoanalyse eine Ferkelei-Theorie nennen. Das ist nur ein terminus technicus, der aus der ganzen Menschennatur heraus genommen ist, der sich aus der Erkenntnis dessen, was die Menschennatur eigentlich ist, gestaltet hat.

[ 40 ] But that is precisely what is peculiar about Spiritual Science: that what appears to be merely abstract theory is transformed into feelings and sensations that are then justified. Anyone who struggles to understand what psychoanalysis actually is may, without betraying objectivity, call it a filthy theory. Just as one may, with objectivity, call a canvas white and charcoal black, so one may call psychoanalysis a “filthy theory.” This is merely a technical term derived from human nature itself, one that has taken shape from the understanding of what human nature actually is.

[ 41 ] Die Begriffe zu vertiefen, und nicht nur unsere Begriffe, sondern unsere ganze Natur zu vertiefen, das, meine lieben Freunde, ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Und nun bedenken Sie, wenn man davon spricht, daß eine Gesellschaft, die das Instrument der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sein soll, ein Organismus zu sein hat, dann muß eben etwas in ihr zu erkennen sein davon, daß die Gefühle, die da sprechen, wirklich herausentwickelt sind aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, so daß selbst ein so radikaler Ausspruch wie der Ausdruck «Ferkelei-Theorie» nur ausgesprochen werden kann, wenn er begründet ist in geisteswissenschaftlicher Weltanschauung, wenn man in diese nicht die eigenen Instinkte hineinträgt.

[ 41 ] To deepen our concepts—and not only our concepts, but our entire nature—that, my dear friends, is the task of the Spiritual Science worldview. And now consider this: when we speak of a society—which is to serve as the instrument of the worldview of Spiritual Science—as having to be an organism, then there must be something within it that reveals that the feelings expressed there have truly developed out of the worldview of Spiritual Science, so that even such a radical statement as the expression “filth theory” can only be uttered if it is grounded in the worldview of Spiritual Science, if one does not project one’s own instincts into it.

[ 42 ] Nun, es wird sich mancherlei, was gerade im Anschluß an diese Dinge zu sagen ist, ja in der nächsten Zeit einmal sagen lassen.

[ 42 ] Well, there will be all sorts of things to say in connection with these matters—and indeed, they will be said in the near future.