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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253

21 August 1915, Dornach

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8. Erster Ansprache zur Dornacher Krise

8. First Address on the Dornach Crisis

[ 1 ] Ich muß heute eine Episode einschalten, wenn auch anderer Art als die gestrige. Heute morgen habe ich ein Schriftstück erhalten, und ich fühle mich nicht nur veranlaßt, sondern verpflichtet, dieses Schriftstück zur Kenntnis jedes einzelnen Mitgliedes zu bringen. Die Gründe, warum ich mich dazu nicht nur veranlaßt, sondern genötigt, ja geradezu gezwungen fühle, werde ich nachher vorbringen.

[ 1 ] I must bring up an incident today, albeit one of a different nature than yesterday’s. This morning I received a document, and I feel not only compelled but obligated to bring this document to the attention of every single member. I will explain later the reasons why I feel not only compelled but compelled—indeed, downright forced—to do so.



Heinrich und Gertrud Goesch an Rudolf Steiner

Heinrich and Gertrud Goesch to Rudolf Steiner

Dornach, den 19. August 1915

Dornach, August 19, 1915

Sehr geehrter Herr Dr. Steiner!

Dear Dr. Steiner!

Ich habe erkannt, daß Sie bei Ihrem Wirken in unserer geistigen Bewegung neben Ihrer dem Guten gewidmeten Tätigkeit auch eine dem Bösen dienende Handlungsweise nebenhergehen lassen. Als gut erkenne ich vor allem die uns durch Sie gebrachte Esoterik, die uns durch Sie verkündete Lehre, die uns durch Sie geschenkten Mysterienspiele, die Inaugurierung der Eurythmie, die Kunst des Johannesbaus. In allen diesen Beziehungen sehe ich in Ihnen nach wie vor einen Abgesandten der großen weißen Loge und fühle mich von tiefster Dankbarkeit für Sie und Ihre dem Guten gewidmete Tätigkeit erfüllt. Als böse aber erkenne ich die Art, wie Sie das Verhältnis zwischen sich und den andern Mitgliedern unserer geistigen Bewegung gestalten. In dieser Ihrer dem Bösen dienenden Handlungsweise erblicke ich die allergrößte Gefahr für unsere geistige Bewegung. Sie stellen solche Beziehungen zwischen sich und den anderen Mitgliedern her, daß die andern nur Glieder von Ihnen, nicht aber selbständige geistige Wesenheiten neben Ihnen sein sollen. Sie verhalten sich zu den andern nur scheinbar als ein Mensch unter Menschen. In Wahrheit verschmähen Sie eigentlich jede wahrhaft menschliche Verbindung und maßen sich statt dessen Eingriffe in das Leben der anderen an, die nur den Göttern, nimmermehr aber einem heutigen Menschen zustehen. So schaffen Sie einen antichristlichen Zusammenhang zwischen sich und den andern Mitgliedern unserer geistigen Bewegung. Und alle die Menschen, die sich reif gemacht haben, um in unserer Zeit die großen spirituellen Lehren entgegenzunehmen, die machen Sie ärmer als den ärmsten Materialisten draußen. Denn dieser kann bei seinem ins Gegenbild verkehrten Christentum doch ein starkes Ich entwickeln. Ihre Schüler aber müssen, wenn es so weiter geht, durch die unaufhörliche Schwächung, die ihr Ich durch Ihre Handlungsweise erfährt, über kurz oder lang zu Opfern der schwarzen Magie werden.

I have come to realize that, in your work within our spiritual movement, alongside your activities dedicated to the good, you also allow a course of action that serves the evil to proceed in parallel. Above all, I recognize as good the esotericism you have brought us, the teachings you have proclaimed to us, the mystery plays you have given us, the inauguration of eurythmy, and the art of Johannesbau. In all these respects, I continue to see you as an emissary of the Great White Lodge and am filled with the deepest gratitude for you and your work dedicated to the good. However, I recognize as evil the way in which you shape the relationship between yourself and the other members of our spiritual movement. In this behavior of yours that serves evil, I see the greatest danger to our spiritual movement. You establish such relationships between yourself and the other members that the others are meant to be merely your appendages, rather than independent spiritual beings alongside you. You behave toward the others only superficially as one human among others. In truth, you actually spurn any genuinely human connection and, instead, presume to interfere in the lives of others—an act reserved only for the gods, but never for a person of today. In this way, you create an anti-Christian connection between yourself and the other members of our spiritual movement. And all those people who have prepared themselves to receive the great spiritual teachings of our time—you make them poorer than the poorest materialist out there. For even the materialist, with his distorted, inverted version of Christianity, can still develop a strong sense of self. Your students, however, if this continues, will sooner or later become victims of black magic due to the ceaseless weakening their “I” experiences as a result of your conduct.

Schon ist es vorgekommen, daß ausgezeichnete Mitglieder an die Stelle der Berufung auf die Wahrheit die Berufung auf Ihr Wort setzen und jede Kritik irgendeines Teiles Ihres Wirkens mit dem Einwand abschneiden, daß man sich mit einer solchen Kritik über Sie stellen würde. Aus dem Gefühl heraus, daß ein Sich-über-Sie-stellen als frevelhafte Vermessenheit ausgeschlossen sei, glaubt man mit einem solchen Einwande die Angelegenheit in sachgemäßer Weise erledigt zu haben. Nicht die Mitglieder sind an solchen Verirrungen schuld, sondern Sie. Sie haben es über der Verkündung immer weiterer Teile der Lehre versäumt, in der Lebensgemeinschaft mit Ihren Schülern fortwährend die Gesinnung zu pflegen, daß sich jeder Mensch als Christ immer wieder und wieder nicht nur unter jeden andern, sondern auch über jeden anderen stellen müsse; daß für jeden nicht nur das tiefste Wesen auch seines geringsten Nebenmenschen von unersetzlichem Werte sei, sondern daß auch der Geringste für den Entwickeltsten mit die Verantwortung trage und seine Fehler bekämpfen müsse. Ihre eigene Lehre ist es, die mich in diesen Gesichtspunkten bestärkt hat. Im Leben aber wenden Sie eine Reihe von Mitteln an, die diesem christlichen Ideal einer menschlichen Lebensgemeinschaft entgegenarbeiten.

It has already happened that distinguished members have substituted an appeal to Your Word for an appeal to the truth, and have cut off any criticism of any part of Your work with the objection that such criticism would place one above You. Out of the belief that placing oneself above you is an unthinkable act of presumption, they believe that by raising such an objection, they have properly settled the matter. It is not the members who are to blame for such aberrations, but You. While proclaiming ever-wider parts of the doctrine, You have failed to continually cultivate, in Your fellowship with Your disciples, the conviction that every person, as a Christian, must time and again place themselves not only beneath everyone else but also above everyone else; that for everyone, not only is the deepest essence of even the humblest fellow human being of irreplaceable value, but also that even the humblest bears responsibility toward the most developed and must combat his or her faults. It is your own teaching that has strengthened me in these perspectives. In life, however, you employ a series of means that run counter to this Christian ideal of a human community.

Ich werde jetzt zwei solcher Mittel des Näheren zur Sprache bringen. Daran mag der Sinn meiner Behauptungen deutlicher werden.

I will now discuss two such means in more detail. This may help clarify the meaning of my assertions.

Es ist eine Tatsache, daß es Ihnen zur Gewohnheit geworden ist, Versprechen zu geben und nicht zu halten. Daß Sie die Zukunft zu mangelhaft überschauen könnten oder daß Sie zu schwach seien, ursprüngliche Absichten durchzuführen, so daß Sie sich mit einem gewissen Recht immer wieder der Erfüllung von Versprechen entziehen könnten, wird ja wohl niemand behaupten wollen. Es handelt sich also um ein bewußtes Enttäuschung bereiten, und da die Versprechen, auch wo sie gar nicht gefordert sind, aus eigenem Antriebe von Ihnen gegeben werden, um ein bewußtes Sichhineindrängen in fremde Leben, um innerhalb derselben etwas zu tun, was allein dem Schicksal vorbehalten bleiben muß. Eine Enttäuschung, die uns das Karma schickt, wird unmittelbar für unsere Entwicklung förderlich sein. Eine Enttäuschung, die uns ein Mensch planvoll bereitet, wird aber jedenfalls zunächst eine schwere Verletzung und, wenn das Vertrauen in den Verletzenden nicht zurückgezogen wird, eine Schwächung unseres Ich bedeuten. Es ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Tode in einer Feuersbrunst und dem auf von Menschen geschichteten Scheiterhaufen.

It is a fact that you have developed a habit of making promises and not keeping them. Surely no one would claim that you are unable to foresee the future adequately or that you are too weak to carry out your original intentions—which would give you some justification for repeatedly failing to fulfill your promises. It is, therefore, a matter of deliberately causing disappointment; and since you make these promises of your own accord—even when they are not at all requested—it amounts to a deliberate intrusion into the lives of others, to doing within those lives something that must be reserved for fate alone. A disappointment sent to us by karma will be directly beneficial to our development. A disappointment, however, that a person deliberately inflicts upon us will, at least initially, constitute a serious wound and—if trust in the offender is not withdrawn—a weakening of our sense of self. It is the same difference as between death in a conflagration and death on a pyre built by human hands.

Derjenige nun, der ein solches Versprechen erhält und auf seine Erfüllung wartet, gerät bei dem Vertrauen, das er Ihnen entgegenbringt, in einen Zustand der Spannung, welcher ihn unsicher macht, während Sie sein allmähliches Enttäuschtwerden ruhig überschauen können. Hat es sich dann irgendwann auch für den Betroffenen herausgestellt, daß das Versprechen von Ihnen nicht gehalten werden wird, so wird derselbe entweder künftig derartige Worte von Ihnen nicht mehr ernst nehmen und sich dadurch zwar insofern von Ihnen trennen. Indem er Ihnen aber gleichwohl im Ganzen sein Vertrauen weiter entgegenbringt, wird er den Maßstab für die Heiligkeit des Wortes verlieren und vielleicht selbst anfangen, ähnlich zu handeln. Er wird auf eine unmenschliche Weise mit Ihnen zusammenhängen und gleich Ihnen auf andere weiterzuwirken suchen. Oder aber es wird einer von folgenden drei Fällen eintreten. Der Betroffene wird aus dem Vertrauen heraus, das er Ihnen entgegenbringt, einen tiefen okkulten Sinn hinter Ihrer Handlungsweise vermuten. Er wird sich der Meinung hingeben, es gäbe tiefe okkulte Gründe, um derenwillen es erlaubt oder sogar nötig sei Versprechen zu geben, in der Absicht, sie nicht zu halten. Hier und da stößt man sogar auf eine solche Verirrung des Gefühls, daß eine derartige Handlungsweise bewundert und als ein Zeichen von Übermenschentum betrachtet wird. Es ist aber ohne weiteres einzusehen, daß keine Macht der Welt einem heutigen Menschen die Befugnis geben könnte, Versprechen zu geben, um sie nicht zu halten. Eine Enttäuschung zu bereiten, ist allein Sache der das Karma lenkenden Götter. Die genannte Verwirrung der Begriffe ist für den Geistesschüler um so gefährlicher, weil sich die moderne Geisteswissenschaft ja gerade an die gesunde Urteilskraft wendet und diese durch derartiges untergraben wird. Da tritt dann in verhängnisvoller Weise an die Stelle der Wahrheit Ihr Wort, an die Stelle der Erkenntnis, daß Sie hier etwas Böses tun, der Gedanke: Ich kann mich doch nicht über ihn stellen. Dadurch aber bröckelt ein Stück innerer Menschenwürde nach dem anderen bei dem Betroffenen ab und er wird zu einem geistig unselbständigen Werkzeug in Ihrer Hand. Eine zweite Möglichkeit für den um die Erfüllung des Versprechens Betrogenen ist die, daß in dem Betroffenen, damit er bei dem Vertrauen, das er in Sie setzt, beharren kann, die Tatsache, daß Sie ja von vornherein nicht daran dachten, das Versprechen zu halten, nicht zum Bewußtsein erhoben wird und man den Ausweg findet, das nachherige Nichthalten als eine neue Offenbarung eines Wesens hinzunehmen, das man überhaupt nicht als Mensch empfindet oder als Mensch verantwortlich machen kann. Auch diese Ansicht findet sich innerhalb der Gesellschaft vertreten und muß ja dazu führen, daß Sie in der Tat als Mensch immer schattenhafter und schattenhafter werden. Oder endlich drittens wird in manchen Seelen der radikale Ausweg gewählt, daß ein Vergessen des gesamten Tatbestandes, daß von Ihnen überhaupt ein Versprechen der und der Art gegeben ist, eintritt. Damit wird wiederum dem Menschen ein Stück seines Ich genommen, und nicht selbständige Mitarbeiter in unserer geistigen Bewegung stehen neben Ihnen, sondern durch Sie in ihrem Ich geschwächte Schatten. Sie aber sind es, der die Schuld an allem diesem trägt.

Now, the person who receives such a promise and waits for it to be fulfilled enters a state of tension due to the trust he places in you, which makes him feel insecure, while you can calmly observe his gradual disappointment. If, at some point, it becomes clear to the person concerned that you will not keep your promise, he will either stop taking such words from you seriously in the future and, in that sense, distance himself from you. However, by continuing to place his trust in you as a whole, he will lose the standard for the sanctity of the word and may even begin to act similarly himself. He will be bound to you in an inhuman way and, like you, seek to influence others. Or one of the following three cases will occur. Out of the trust he places in you, the person concerned will suspect a deep occult meaning behind your conduct. He will come to believe that there are profound occult reasons for which it is permissible—or even necessary—to make promises with the intention of not keeping them. Here and there one even encounters such a distortion of feeling that this kind of behavior is admired and regarded as a sign of superhuman nature. But it is readily apparent that no power in the world could grant a person today the authority to make promises with the intent of breaking them. Causing disappointment is the sole prerogative of the gods who direct karma. This confusion of concepts is all the more dangerous for the student of Spiritual Science because modern Spiritual Science appeals precisely to sound judgment, which is undermined by such attitudes. Then, in a fateful way, Your Word takes the place of truth, and the realization that You are doing something wrong here is replaced by the thought: “I cannot, after all, place myself above him.” As a result, however, the person affected loses one piece of inner human dignity after another, and he becomes a spiritually dependent tool in your hand. A second possibility for the person betrayed regarding the fulfillment of the promise is that, in order for the affected person to be able to maintain the trust he places in you, the fact that you never intended to keep the promise in the first place is not brought to their conscious awareness, and they find a way to accept the subsequent breach as a new revelation of a being whom they do not perceive as human at all—or whom they cannot hold accountable as a human being. This view is also held within society and must inevitably lead to you, as a human being, becoming increasingly shadowy. Or, finally, thirdly, some souls choose the radical solution of completely forgetting the entire set of facts—that you ever made a promise of this or that kind at all. This, in turn, robs the person of a part of their “I,” and those standing beside you are not independent collaborators in our spiritual movement, but shadows whose “I” has been weakened through you. Yet it is you who bear the blame for all of this.

Ein zweites Beispiel Ihrer bösen Handlungsweise ist Ihre Ablehnung jeder Kritik gegenüber den in der Bewegung tätigen Menschen. Sie machen bei Ihrer Ablehnung gelegentlich die Unterstellung, daß jede derartige Kritik aus negativen Gefühlen heraus gegeben wird. Diese Unterstellung ist falsch. Es soll hier überhaupt nicht von der gehässigen destruktiven Kritik, sondern nur von der sich verantwortlich fühlenden positiven Kritik die Rede sein, zu der in der Tat viele Mitglieder durchaus fähig sind. Eine solche könnte doch höchstens dann gescheut werden, wenn man sich bewußt ist, daß leitende Stellen mit ungeeigneten Persönlichkeiten besetzt sind. In der heutigen Zeit, in der durch ein freies Zusammenkommen von Menschen aus der Freiheit der Menschen heraus eine hierarchische Ordnung derselben zur Erfüllung unserer Aufgaben entstehen soll, ist eine gewisse wohlwollende Kritik, von jedem gegen jeden geübt, die alleinige Bürgschaft für ein Gedeihen. In unserer Zeit kann sich sogar nur in dem Wirken einer derartigen Kritik der naturgemäße Aufbau einer wahren hierarchischen Ordnung vollziehen. Kommt der Getadelte den berechtigten Ansprüchen der Kritik, die er geradezu aufzusuchen verpflichtet ist, nicht nach, so muß er eben von seiner bisherigen Stellung in der Hierarchie weichen, damit die Wahrheit siegt. Und keine übergeordnete Stelle sollte einem solchen durch ein so Tun, als ob alles in Ordnung sei, schützen. Das ergibt sich aus dem Wesen der heutigen Zeit. Wenn man aber bei jedem, der an einer bestimmten Stelle der hierarchischen Ordnung stehend, Fehler macht, diese Fehler nicht kritisiert, sondern ruhig bestehen, ja weiter geschehen läßt, so schafft man nur eine Hierarchie als ob. Eine solche Hierarchie beruht nicht auf wahren menschlichen Eigenschaften und Verbindungen, sondern auf Fiktionen, Fiktionen, um die aufrecht zu erhalten, es dann immer neuen Unrechts bedarf. Und wiederum ist Unmenschlichkeit und Antichristlichkeit der gesamten Beziehungen die Folge. Sie tragen die Schuld daran. Es findet durch eine Organisation der Gesellschaft, wie sie sich unter Ihnen nach und nach herausgebildet hat, eine Usurpierung der Kräfte der Mitglieder zu Gunsten Ihrer und vielleicht noch gewisser anderer in dieser Scheinhierarchie hochgestellten Personen statt, während die Angelegenheiten der Gesellschaft schlecht verwaltet werden.

A second example of your malicious behavior is your rejection of any criticism directed at the people active in the movement. In expressing your rejection, you occasionally make the insinuation that any such criticism stems from negative feelings. This insinuation is false. We are not speaking here at all of spiteful, destructive criticism, but only of responsible, constructive criticism—which many members are, in fact, quite capable of offering. Such criticism might be avoided, at most, only if one is aware that leadership positions are filled by unsuitable individuals. In today’s world, where a hierarchical order is to emerge from the free association of people—based on their freedom—in order to fulfill our tasks, a certain degree of benevolent criticism, exercised by everyone toward everyone else, is the sole guarantee of prosperity. In our time, the natural establishment of a true hierarchical order can take place only through the workings of such criticism. If the person being criticized fails to meet the justified demands of the criticism—which he is, in fact, obligated to seek out—then he must step down from his current position in the hierarchy so that the truth may prevail. And no higher authority should protect such a person by acting as if everything were in order. This follows from the nature of our times. But if, whenever someone occupying a particular position in the hierarchical order makes mistakes, one does not criticize these mistakes but quietly allows them to persist—indeed, lets them continue to occur—then one creates nothing more than a hierarchy in name only. Such a hierarchy is not based on true human qualities and bonds, but on fictions—fictions that require ever-new injustices to be perpetuated. And once again, the result is inhumanity and anti-Christianity in all relationships. You bear the blame for this. Through an organization of society such as has gradually developed under your leadership, there is a usurpation of the members’ powers for the benefit of yourselves and perhaps certain other individuals in high positions within this sham hierarchy, while the affairs of society are poorly managed.

Was vielmehr ausgeschaltet werden muß und wogegen einmal ein Vortrag gehalten werden könnte, ist die persönliche Empfindlichkeit der von der Kritik Betroffenen. Die Kritik kann in der Regel, besonders wenn sie rechtzeitig einsetzen kann, durchaus so anregend und erfreulich gestaltet werden und frei sein von persönlicher Erbitterung, daß jeder Stachel verschwindet und der Kritisierte froh sein kann, auf diese Weise Hilfe zu erlangen und die Sache gefördert zu sehen. Die allerdings heute vielfach herrschende Nervosität oder Animosität der Kritisierenden entspringt zum Teil bereits dem berechtigten Gefühl, daß man auch mit der sachgemäßesten Kritik nicht gehört, sondern eher scheel angesehen und völlig bei Seite gesetzt wird. Ein wirklich überlegener Mensch hat ja gar keine Ursache, Kritik zu fürchten. Wahre äberlegenheit beweist sich gerade gegenüber auch der schärfsten Kritik. Der Fall, daß der aus dem Gefühl der Verantwortlichkeit heraus wirken wollende Kritiker die Sachlage in Wahrheit nicht überschauen kann, wird sich, wo er wirklich einmal vorliegt, demselben in der Regel sofort oder später leicht und ohne überflüssigen Zeitverlust begreiflich machen lassen. Ich sehe hierbei ab von dem Fall, in welchem eine Kritik sich bereits zu einer solchen in sich begründeten Absage an ein ganzes abgeschlossen vor mir stehendes System ausgestaltet hat, wie sie mein Brief darstellt. Hier würde keine Vertagung etwas ändern. Wenn mir aber in einem bestimmten Falle seitens eines von mir selbst als überlegen anerkannten Menschen, nicht nur seitens einer in der Scheinhierarchie aus undurchschaubaren Gründen über mich gesetzten Persönlichkeit, bedeutet wird, daß ich den betreffenden Fall noch nicht überschauen kann, so werde ich meine Kritik gerne zurückstellen, bis der betreffende Fall hinreichend abgeschlossen ist. In unserer geistigen Bewegung herrscht jedoch unter Ihren Auspizien ein Geist, welcher ein derartiges Zurückstellen der Kritik auf unbestimmte Zeiten - in der Regel bis zu dem Vergessen des betreffenden Faktums nicht nur für gewisse einzelne, sondern prinzipiell für alle Fälle gefordert wird. Dadurch wird aber einerseits tatsächlich viel Verkehrtes zum Schaden aller gemacht, andererseits die Urteilskraft, auf die ja alles ankommt, geschädigt. Ich muß wiederum auf den Widerspruch verweisen, der darin liegt, daß die Geisteswissenschaft sich einerseits wendet an die gesunde Urteilskraft der Menschen, andererseits aber eben diese Urteilskraft prinzipiell für die allermeisten Geschehnisse in unserer Bewegung verwiesen wird an nicht verständliche, nicht überschaubare Gründe für Maßnahmen. Man muß aber zugeben, daß der Mensch heute zwei Jahrtausende nach Christus im Besitze bestimmter Maßstäbe bereits ist, die jeder anwenden und jeder auf sich anwenden lassen muß, wenn sie nicht verloren gehen sollen, und daß es wirklich hinreichend abgeschlossene Tatbestände gibt, die unserem Urteil wirklich unterstehen. Gerade der Umstand, daß ein Mensch sich gezwungen sieht, über einen Fall nachzudenken, pflegt anzuzeigen, daß er auch die Fähigkeit in sich hat, wenn auch vielleicht nicht ohne Unterstützung, über die Sache ins Klare zu kommen.

What really needs to be eliminated—and what might even be the subject of a lecture—is the personal sensitivity of those on the receiving end of criticism. As a rule, criticism—especially when offered at the right time—can be presented in such a stimulating and positive way, and be so free of personal bitterness, that any sting disappears, and the person being criticized can be glad to receive help in this manner and to see the matter advanced. However, the nervousness or animosity often displayed by critics today stems in part from the justified feeling that, even with the most objective criticism, one is not heard but rather viewed with suspicion and completely sidelined. A truly superior person has no reason whatsoever to fear criticism. True superiority is demonstrated precisely in the face of even the sharpest criticism. In cases where a critic, acting out of a sense of responsibility, is in fact unable to grasp the full picture, this will—when it actually occurs—usually become clear to the critic himself, either immediately or later, easily and without unnecessary delay. I am setting aside here the case in which a critique has already developed into a self-justified rejection of an entire, complete system standing before me, as my letter represents. Here, no postponement would change anything. However, if in a specific case I am informed—not merely by a figure placed above me in the apparent hierarchy for inscrutable reasons, but by a person whom I myself recognize as superior—that I am not yet able to grasp the matter at hand, I will gladly postpone my criticism until the matter in question has been sufficiently resolved. In our spiritual movement, however, under your auspices, a spirit prevails that demands such a postponement of criticism indefinitely—as a rule, until the fact in question is forgotten—not only for certain individual cases but, in principle, for all cases. This, however, results, on the one hand, in much that is wrong being done to the detriment of all, and, on the other hand, in the impairment of the power of judgment, upon which everything depends. I must again point out the contradiction inherent in the fact that Spiritual Science, on the one hand, appeals to people’s sound power of judgment, while on the other hand, this very power of judgment is, as a matter of principle, sidelined in the vast majority of events within our movement in favor of reasons for actions that are incomprehensible and impossible to grasp. One must, however, admit that today, two millennia after Christ, human beings already possess certain standards that everyone must apply—and allow to be applied to themselves—if they are not to be lost, and that there are indeed sufficiently well-defined sets of facts that are truly subject to our judgment. Precisely the fact that a person finds himself compelled to reflect on a case tends to indicate that he also possesses the capacity—albeit perhaps not without assistance—to come to a clear understanding of the matter.

Wie die Sache jetzt steht, ist ein großer Teil der Geisteskraft der Mitglieder fortwährend aufs intensivste mit der fruchtlosen Arbeit beschäftigt, die verborgenen weisheitsvollen Gründe für das Böse in Ihrer Handlungsweise und derjenigen Ihrer höchsten Mitarbeiter zu suchen, einer Kräfteentfaltung, der Sie ruhig zusehen können. Oder aber diese Menschen müssen sich entschließen, um das Vertrauen in Sie nicht zu verlieren, eben diese Kräfte des Wahrheitsuchens in sich abzudämpfen und so einer teilweisen Verblödung anheim zu fallen. Wo aber bleiben alle diese Kräfte? Es ist grausig, diesem Gedanken weiter nachzugehen. Jedenfalls stellen Sie ein groRes Kraftzentrum dar, für welches alle die einzelnen nur Organe sind, die Sie nach Belieben für undurchschaubare Zwecke verwenden. Also nicht etwa handelt es sich in unserer geistigen Bewegung um ein zwischen vollen Menschen sich abspielendes wirkliches Leben, in welchem jeder auch sein Bestes geben darf. Sie sind nicht etwa der Freund aller Mitglieder, sondern durch Ihr ganzes Verhalten weisen Sie jede lebendige Freundschaftsbeziehung zurück. Sie sind in Wahrheit für viele der stärkste Feind, dem sie je begegnet sind.

As things stand now, a large part of the members’ mental energy is constantly and intensely occupied with the fruitless task of searching for the hidden, wise reasons behind the evil in your conduct and that of your top associates—an exertion of power that you can calmly observe. Or else, in order not to lose their trust in you, these people must resolve to suppress within themselves precisely these very forces of truth-seeking and thus succumb to a kind of partial mental dullness. But where do all these forces end up? It is horrifying to pursue this thought any further. In any case, you represent a great center of power, for which all the individuals are merely organs that you use at will for inscrutable purposes. Thus, our spiritual movement is by no means a genuine life unfolding among fully developed human beings, in which everyone is also allowed to give their best. You are not the friend of all members; rather, through your entire conduct, you reject any living relationship of friendship. In truth, for many, you are the strongest enemy they have ever encountered.

All die geschilderten Dinge sind nicht nur objektiv böse, sondern stehen sogar in ausdrücklichem Widerspruch zu der von Ihnen verkündigten Lehre. Durch Sie bin ich über die Gründe belehrt worden, die mich zur Ablehnung dieser Handlungsweise führen. Es macht geradezu den Eindruck, daß Sie je länger je mehr Ihre Verbindung mit dem Christus-Impuls nur in den Vorträgen ausleben und abgesehen von den Vorträgen entgegengesetzten Impulsen huldigen. Ja an einigen Stellen scheint mir schon Ihre Lehrtätigkeit zwar nicht dem Gehalte nach, aber dem formalen Aufbau nach, ein wenig von der sonst von Ihnen gepflogenen Praxis angekränkelt. So finden sich bereits Sätze, durch deren Aufbau etwas versprochen wird, ohne daß es dann gehalten wird, und die nur den Zweck haben können, den Leser eine Fruchtlose Gedankenarbeit vollziehen zu lassen. (Gedanken während der Zeit des Krieges, Seite 9, Zeile 12 von unten £.f.) Oder Sie suchen die Einsicht darin, daß auch Sie wie jeder lebendige Mensch im Laufe der Zeit seine Ansicht wirklich geändert haben, wie eine lästige Kritik abzuwehren (Rätsel der Philosophie, Vorwort, letzter Absatz). Diese Stellen zeigen übrigens auch beide eine deutliche Stilwandlung zum Unüberschaubaren hin.

All the things described are not only objectively evil, but are even in direct contradiction to the teachings you proclaim. Through you, I have come to understand the reasons that lead me to reject this course of action. It almost seems as though, the longer time goes on, the more you live out your connection to the Christ impulse only in your lectures, while outside of them you pay homage to opposing impulses. Indeed, in some places it seems to me that your teaching—not in terms of content, but in terms of formal structure—has strayed somewhat from the practice you have otherwise followed. For example, there are already sentences whose structure implies a promise that is not subsequently fulfilled, and which can serve no other purpose than to lead the reader into fruitless mental labor. (“Thoughts During the War,” page 9, 12th line from the bottom, et seq.) Or you seek to use the fact that you, like every living person, have indeed changed your views over time as a way to fend off annoying criticism (The Riddle of Philosophy, Preface, last paragraph). Incidentally, both of these passages also reveal a distinct shift in style toward the incomprehensible.

Aber nicht nur der Lehre überhaupt widerspricht eine derartige Stellung von Mensch zu Mensch, wie Sie sie herstellen; sondern insbesondere widerspricht Ihr Verhalten auch geradezu dem, was Sie von dem Geisteslehrer in unserer heutigen Zeit verlangen. Derselbe soll sich nur an den bewußten Menschen wenden. Er hat seinem Schüler gegenüber die Pflicht übernommen, keine für den Schüler unkontrollierbaren magischen Wirkungen auf sein Unterbewußtes ohne dessen Willen auszuüben. Sie aber tun dergleichen durch die geschilderte Handlungsweise und andere okkulte Mittel unausgesetzt. Jeder Händedruck, jedes freundliche Gespräch wird Ihnen zu einem Mittel, um diese falschen Beziehungen zu pflegen. Die Seligkeit, welche die Mitglieder nach einer Begegnung mit Ihnen erfüllt, ist nicht diejenige der Gemeinschaft der Heiligen, sondern eine bloß luziferisch-ahrimanische. Hieran sind Sie selber, nicht die Mitglieder schuld. Auch Mitglieder, welche die Falschheit des von Ihnen erstrebten Verhältnisses schon durchschaut haben, versuchen Sie gegen deren Willen mit Händedrücken, mit freundlichen Gesprächen wieder in dasselbe hineinzuziehen. Ich habe mit aller Bestimmtheit erkannt, daß auf diese Weise von Ihnen nicht zu Recht bestehende Wirkungen auf Ihre Schüler ausgeübt werden.

But such a relationship between people, as you are establishing it, not only contradicts the teachings in general; more specifically, your behavior also directly contradicts what you demand of a spiritual teacher in our time. Such a teacher is to address only the conscious individual. He has assumed the duty toward his student not to exert any magical influences on the student’s subconscious—influences beyond the student’s control—without the student’s consent. You, however, do precisely this constantly through the behavior you have described and other occult means. Every handshake, every friendly conversation becomes a means for you to cultivate these false relationships. The bliss that fills the members after an encounter with you is not that of the communion of saints, but merely a Luciferic-Ahrimanic one. You yourself, not the members, are to blame for this. Even members who have already seen through the falseness of the relationship you seek, you try to draw back into it against their will through handshakes and friendly conversations. I have recognized with the utmost certainty that in this way you exert unduly strong influences on your students.

Bei dem Ausschluß unkontrollierbarer Beeinflussungen des Unterbewußten, wie ihn die heutige Zeit erfordert, genügt es aber nicht, nur Vorträge zu halten oder sonstiges neues Spirituelles zu inaugurieren, sondern es ist notwendig, daß Sie Ihr eigenes Leben, wie Sie es mit den anderen Mitgliedern unserer Bewegung zusammen leben, unter die christlichen Impulse stellen und so zu solchen Beziehungen zu Ihren Schülern fortschreiten, wie Sie sie an Benedictus im vierten Mysterium so schön zur Darstellung bringen. Zur Zeit ist dies sogar, nachdem uns so viel Lehrgut übermittelt ist, die weitaus dringlichere Pflicht.

However, when it comes to eliminating uncontrollable influences on the subconscious—as is required in today’s world—it is not enough simply give lectures or introduce other new spiritual teachings; rather, it is necessary that you place your own life—as you live it together with the other members of our movement—under Christian principles and thus progress toward the kind of relationships with your students that you so beautifully portray in the figure of Benedictus in the Fourth Mystery. At present, even after so much teaching has been conveyed to us, this is by far the more urgent duty.

Wenn ich mich frage, wie es möglich sein kann, daß gerade Sie, der Sie die Lehre zu verkündigen hatten, in dieser Weise gegen dieselbe handeln, so ergibt sich mir hauptsächlich zweierlei als Antwort. Einerseits kann ich die Gründe ahnen, warum die große weiße Loge wohl einen noch nicht durchchristeten Menschen zu dieser Aufgabe wählen mußte, und ich kann Sie als Bringer der Lehre nach wie vor für deren Abgesandten halten. Andererseits scheint es mir, daß das tiefste Motiv, welches in Ihnen wirksam ist, keineswegs aktive Bosheit, wie es nach einigen Feststellungen, die ich habe machen müssen, fälschlicherweise ausgelegt werden könnte, sondern ein allzu einseitiges Interesse für die zeitgemäße Erneuerung der Lehre und vor allem Angst vor dem wahren Leben ist. In Ihrer Vermeidung und Verhinderung des wahren Lebens aber und in Ihrer Schaffung von Surrogaten für dasselbe entfalten Sie doch bereits eine Kraft des Bösen, in welcher ich die allergrößte Gefahr für unsere geistige Bewegung und auch für Sie selber sehen muß.

When I ask myself how it is possible that you, of all people—you who were charged with proclaiming the teaching—could act in such a way against it, two main answers come to mind. On the one hand, I can surmise the reasons why the Great White Lodge may have had to choose a person who has not yet been fully Christianized for this task, and I can still regard you, as the bearer of the teaching, as its emissary. On the other hand, it seems to me that the deepest motive at work within you is by no means active malice—as it might be mistakenly interpreted based on certain observations I have had to make—but rather an overly one-sided interest in the contemporary renewal of the teaching and, above all, a fear of true life. Yet in your avoidance and obstruction of true life, and in your creation of surrogates for it, you are already unleashing a force of evil in which I must see the greatest danger for our spiritual movement and also for yourself.

Der durchchristete Okkultist kann sich niemals damit begnügen, die Lehre zu geben, sondern er muß zugleich in eine Lebensgemeinschaft mit seinen Schülern treten. In dem wahren Verhältnis zwischen Mensch und Mensch im christlichen Sinne ist es unbedingt erforderlich, daß ein jeder sich von dem anderen, soweit es dessen Kräfte nur irgend zulassen, überschauen läßt. Jeder soll sich mit allem, was er hat, dem Nebenmenschen hingeben, soweit dieser ihn empfangen kann. Auf dieser Grundlage hat auch eine moderne Hierarchie zu beruhen. Der hierarchisch Höherstehende hat sich mit allem, was er nur irgendwie dem Tieferstehenden hingeben kann, diesem zuzuneigen. Sie aber befolgen in antichristlicher Weise die umgekehrte Praxis und richten zum Beispiel nach Möglichkeit alles so ein, daß Absichten im Dunkeln bleiben, Geschehnisse wie nichtgeschehen behandelt werden. Es genügt nicht, zuzugeben, daß man auch einmal eine schwache Stunde haben könne. Es ist notwendig, nicht nur zuzugeben, sondern als Mensch fortdauernd zu bestätigen, daß man gegenüber jedem anderen, der ja im christlichen Sinne genau so notwendig ist wie man selbst, in irgendeiner Weise unvollkommen ist und zu lernen hat. Es ist nötig, dieses Mitleben mit dem Nächsten aufzusuchen, mag auch dem Okkultisten älterer Observanz davor grauen. Es genügt nicht, sich nur gegen blinde Bewunderung verwahrt zu haben. Es ist nötig, sachgemäße Kritik aufzusuchen.

The Christian occultist can never be content merely to teach; rather, he must at the same time enter into a community of life with his students. In a true relationship between human beings in the Christian sense, it is absolutely essential that each person allow the other to see through him, to the extent that his abilities permit. Everyone should devote himself, with all that he has, to his neighbor, to the extent that the neighbor is able to receive it. A modern hierarchy must also be based on this foundation. The one higher in the hierarchy must reach out to the one lower in the hierarchy with everything he can possibly give. They, however, follow the opposite practice in an anti-Christian manner and, for example, arrange everything as much as possible so that intentions remain hidden and events are treated as if they had never happened. It is not enough to admit that one might occasionally have a moment of weakness. It is necessary not only to admit this but, as a human being, to continually affirm that one is in some way imperfect and has much to learn from every other person—who, in the Christian sense, is just as necessary as oneself. It is necessary to seek out this shared life with one’s neighbor, even if this may be a source of dread for the occultist of the older school. It is not enough merely to have guarded oneself against blind admiration. It is necessary to seek out appropriate criticism.

Also muß der Geisteslehrer in dieser Lebensgemeinschaft auf alle die Hilfen verzichten, die in vorchristlicher Zeit der Aufnahme der Lehre seitens der Schüler dienten, vor allem auf die unnahbare Autorität des von göttlicher Weisheit erfüllten Lehrers gegenüber den Schülern, in denen das Ich noch nicht geboren war, auf das Ausgesondertsein von Lehrer und Schüler aus allen menschlichen Lebensbeziehungen. Für den vorchristlichen Initiator bestand das Problem noch nicht, auf das ich hier hinweise. Das Ich war noch nicht geboren, und das göttliche Wesen, das durch den Lehrer wirkte, hatte die Befugnis, in das Schicksal der Schüler so einzugreifen, wie es sonst nur das Karma tut. Aber zu einem heutigen Eingeweihten haben wir Christen uns in erster Linie als zu einem Menschen zu stellen, und unser Vertrauen zu ihm geht gerade darauf, daß keine übermenschlichen Eingriffe in unser Schicksal durch ihn gemacht werden.

Thus, in this community of life, the spiritual teacher must do without all the aids that, in pre-Christian times, served to facilitate the students’ reception of the teaching—above all, the unapproachable authority of the teacher, filled with divine wisdom, over students in whom the “I” had not yet been born, and the separation of teacher and student from all human relationships. For the pre-Christian initiator, the problem I am pointing out here did not yet exist. The “I” had not yet been born, and the divine being working through the teacher had the authority to intervene in the students’ destinies in a way that otherwise only karma does. But we Christians must regard a modern initiate first and foremost as a human being, and our trust in him rests precisely on the fact that he will not make any superhuman interventions in our destiny.

Es liegt nun wohl für denjenigen, der seine ganze Kraft auf die Erneuerung der Lehre für unsere Zeit richtet, die Versuchung nahe, die schweren Aufgaben einer christlichen Lebensgemeinschaft zunächst zurückzuweisen, und sich vielmehr auf jede mögliche Weise künstlich diejenigen Erleichterungen des Lehrens zu schaffen, die in alter Zeit natürlich waren. Aber diese Dinge sind in unserer Zeit böse. Und es wäre noch eher angängig, daß der Verkündiger der Lehre, abgesehen von dieser Verkündigung, unsichtbar bliebe, als daß ein Lehrer in unserer Zeit in einen solchen Zusammenhang mit seinen Schülern tritt, wie Sie es tun. Viel wichtiger als die Verkündigung der Lehre ist ja die Erhaltung und Stärkung des Ichs der Schüler. An das Ich wendet sich jetzt ja die Lehre. Jede Schmälerung der Rechte des Ich muß ja auch eine unrichtige Anwurzelung der Lehre im Innern des Menschen zur Folge haben. Jede Trübung der Urteilskraft gefährdet ja den zum Geiste Strebenden aufs Höchste.

It is certainly tempting for those who devote all their energy to renewing doctrine for our time to initially reject the difficult tasks of a Christian community and instead to artificially create, in every possible way, those simplifications in teaching that were natural in times past. But these things are evil in our time. And it would be more acceptable for the proclaimer of doctrine to remain invisible, apart from this proclamation, than for a teacher in our time to enter into such a relationship with his students as you do. After all, preserving and strengthening the students’ sense of self is far more important than the proclamation of the doctrine. The doctrine now addresses the self. Any curtailment of the rights of the self must inevitably result in the doctrine taking root incorrectly within the human being. Any clouding of the power of judgment endangers those striving toward the spirit to the utmost.

Allerdings ist dieses richtige Leben für Sie in einer Beziehung auch unendlich viel schwerer als für andere. Der christliche Okkultist muß eine Aufgabe vorausnehmen, die an die anderen Menschen erst in der Zukunft herantreten wird: zu leben und zu schauen. Die Gefahr einer fälschlichen Vermischung der verschiedenen Pläne und ihrer Gesetze schwebt dauernd über ihm. Aber dieser Gefahr kann er nicht durch Abweisung dieser Aufgabe entrinnen. Da wird er, ohne sich am Christusimpuls orientieren zu können, gleichwohl in unerlaubter Weise die Pläne vermischen. Und bei einer jeden solchen Begegnung mit einem Schüler, in welcher das geschieht, wird der Schüler die grausigsten Folgen erkennen können. Und wie bald müssen dieselben auf den Lehrer zurückfallen!

However, living this true life within a relationship is infinitely more difficult for you than it is for others. The Christian occultist must take on a task that will only become relevant to other people in the future: to live and to observe. The danger of a false conflation of the various planes and their laws constantly hangs over him. But he cannot escape this danger by rejecting this task. Without being able to orient himself by the Christ impulse, he will nevertheless mix the planes in an impermissible way. And in every such encounter with a student in which this occurs, the student will be able to recognize the most horrific consequences. And how quickly must these fall back upon the teacher!

Diese neue Aufgabe ist vielleicht bisher allein in irgendeinem Umfang innerhalb der Gemeinschaft des Grales gelöst worden, und Sie geben ja zu, daß das von Ihnen über den Gral Gesagte für Sie selbst etwas Unbefriedigendes hat und haben uns Ihre Schwierigkeiten, Forschungen über die Geheimnisse des Grals anzustellen, deutlich geschildert. Sie selbst aber nennen die neuen Eingeweihten Eingeweihte des Grales. Vielleicht, daß der Gral uns Rettung in dieser schweren Stunde sendet.

This new task may have been resolved to some extent only within the Grail Community so far, and you do admit that what you have said about the Grail is somewhat unsatisfactory to you personally, and you have clearly described to us your difficulties in conducting research into the mysteries of the Grail. You yourself, however, refer to the new initiates as “initiates of the Grail.” Perhaps the Grail will send us salvation in this hour of need.

Durch die geschilderten Geschehnisse sind meine Frau und ich Ihnen gegenüber in eine Lage gekommen, in welcher es unmöglich ist, daß wir uns noch einmal in der Weise begegnen, wie es das letzte Mal, für meine Frau am Sonntag, den 25. Juli, in der Schreinerei, für mich am Donnerstag, den 5. August, auf der Treppe zum Eurythmiesaal vorgekommen ist. Wir besaßen alle diese Erkenntnisse auch damals schon, und Sie haben das sehr wohl gewußt. Gleichwohl gaben Sie uns die Hand und zogen uns in ein Gespräch, als sei nichts geschehen. Dem gesunden Takt eines Nichthellsehenden wäre dergleichen unmöglich gewesen. In Ihrem Falle erkenne ich in einer derartigen Handlungsweise den Versuch eines unzulässigen Eingriffs in meine Wesenheit. Die nähere Begründung dieser Behauptung lasse ich hier aus, da sie zu weit führen würde.

Due to the events described, my wife and I have found ourselves in a situation with you in which it is impossible for us to meet again in the same way as we did last time—my wife on Sunday, July 25, in the woodshop, and I on Thursday, August 5, on the stairs leading to the eurythmy hall. We were already aware of all these facts at that time, and you knew that very well. Nevertheless, you shook our hands and drew us into a conversation as if nothing had happened. Such behavior would have been impossible for a person without clairvoyant abilities. In your case, I recognize this kind of behavior as an attempt at an impermissible intrusion into my being. I will omit the detailed reasoning behind this assertion here, as it would lead too far afield.

Ich kann Sie, wie ich es auch an jenem Abend versuchte, aus der Ferne in aller Ehrfurcht als den Träger der Lehre begrüssen. Aber ich kann mich nicht dazu hergeben, Händedrücke und freundliche Gespräche mit Ihnen auszutauschen, als sei nichts geschehen; umsomehr kann ich es nicht, als gerade diese Händedrücke und Gespräche, wie ich deutlich erkannt habe, eines Ihrer Hauptmittel sind, vermöge deren Sie unerlaubte Einwirkungen auf Ihre Schüler ausüben, und ich mich der auch von einem ausgezeichneten Mitgliede ausgesprochenen Ansicht nicht anschließen kann, diese Dinge seien dazu da, um die eigene Stärke gegenüber fremden Einflüssen zu erproben.

I can, as I attempted to do that evening, greet you from a distance with the utmost respect as the bearer of the teaching. But I cannot bring myself to exchange handshakes and friendly conversation with you as if nothing had happened; all the more so because, as I have clearly recognized, it is precisely these handshakes and conversations that serve as one of your primary means of exerting undue influence on your students, and I cannot subscribe to the view—expressed even by an distinguished member—that these things are meant to test one’s own strength against outside influences.

Ihnen diese Notwendigkeit, künftig eine persönliche Berührung zu vermeiden, mitzuteilen, ist der uns persönlich betreffende Zweck meines Schreibens.

The purpose of my letter, as it pertains to us personally, is to inform you of this need to avoid personal contact in the future.

Der persönliche Zweck meines Schreibens, soweit er Sie betrifft, ist der, daß ich in dieser schwerwiegenden Angelegenheit, so wenig ich auch tun kann, d.h. was ich als Ihr Nebenmensch leisten kann, doch wenigstens erreicht sehen möchte, indem ich diesen Brief an Sie sende, nämlich: Sie vor die Tatsache zu stellen, daß Sie einmal von einem Menschen auf dem physischen Plan mit physischen Mitteln auf das Böse in Ihrer Handlungsweise aufmerksam gemacht worden sind. Sie wären ja zur Schattenhaftigkeit verurteilt, wenn sich nicht ein Mensch in dieser Weise an Sie wenden wollte. Ich hoffe, daß die Tatsache, daß wenigstens einige Menschen heutzutage imstande sind, Ihre Fehler als solche zu erkennen, im Gedächtnis festzuhalten und dagegen Stellung zu nehmen, Ihnen bei der nun notwendig werdenden Neugestaltung des Lebens in unserer geistigen Bewegung behilflich sein kann. Ich werde auch einige andere Mitglieder, bei welchen ich ein Verständnis für die behandelten Dinge vermuten kann, von dem Inhalt meines Schreibens an Sie in Kenntnis setzen.

The personal purpose of my letter, insofar as it concerns you, is that in this serious matter—however little I may be able to do, that is, whatever I can accomplish as your fellow human being—I would at least like to achieve, by sending you this letter, the following: to confront you with the fact that you have once been made aware, by a human being on the physical plane and through physical means, of the evil in your conduct. You would indeed be condemned to a shadowy existence if no human being were willing to address you in this way. I hope that the fact that at least some people today are able to recognize your mistakes as such, to keep them in mind, and to take a stand against them, may be of assistance to you in the now necessary reorganization of life within our spiritual movement. I will also inform several other members, whom I believe to have an understanding of the matters discussed, of the content of my letter to you.

Es ist aber notwendig, daß Sie die Beziehung zwischen sich und anderen Mitgliedern der Bewegung sofort von Grund aus in der angegebenen Richtung umzugestalten beginnen. Das ausgesprochen zu haben ist der sachliche Zweck meines Schreibens an Sie im Interesse der Fortführung unserer geistigen Bewegung im Sinne der Evolution. Was würde die Folge sein, wenn Sie sich dieser Aufgabe entziehen wollten? Sie haben bereits zum mindesten in gewissen Fällen verwirkt die eine Tätigkeit, die Ihnen von den weißen Meistern doch wohl zugewiesen sein muß, die der persönlichen Einzelunterweisung. Denn nach dem Gesagten ist ein tiefes Mißtrauen in Ihre Behandlung menschlicher Einzelschicksale nur allzu begründet. Ich kann mir auch nicht denken, wie unter den obwaltenden Umständen eine E.S. [Esoterische Stunde] stattfinden könnte. Wenn Sie sich auf die Verkündigung von immer weiteren Teilen der Lehre beschränken, im übrigen aber alles so weiter gehen lassen würden, so würde entweder, wenn nicht genügend viele Mitglieder sich zu den hier nottuenden Erkenntnissen durchringen können, die Gesellschaft entarten und im allerbesten Falle ein exoterischer Verein werden, wozu ja auch neben den Entwicklungen zum Bösen und zur Verblödung schon gewisse Anzeichen vorhanden sind. Oder wenn die Schüler sich ihrer Verantwortung bewußt würden, würden dieselben nach und nach eine völlige Trennung zwischen Lehre und Lehrer zu vollziehen haben, und Sie hätten unter den hungernden und trauernden Jüngern als ein schuldiger und gequälter Amfortas an heiliger Stelle Ihres Amtes zu walten.

However, it is necessary that you immediately begin to fundamentally reshape the relationship between yourself and other members of the movement in the direction indicated. Stating this is the practical purpose of my letter to you, in the interest of continuing our spiritual movement in the spirit of evolution. What would be the consequence if you were to shirk this task? You have already forfeited—at least in certain cases—the one activity that must surely have been assigned to you by the White Masters: that of personal, individual instruction. For, based on what has been said, there is all too much reason to harbor deep mistrust regarding your handling of individual human destinies. Nor can I imagine how, under the prevailing circumstances, an E.S. [Esoteric Hour] could take place. If you were to limit yourself to proclaiming ever-wider sections of the teaching, while otherwise allowing everything to continue as before, then—if not enough members can bring themselves to embrace the insights required here—the Society would degenerate and, in the very best case, become an exoteric association, for which there are already certain signs, in addition to the developments toward evil and mental degradation. Or, if the students were to become aware of their responsibility, they would gradually have to effect a complete separation between the teaching and the teacher, and you would have to exercise your office in this sacred place among the starving and grieving disciples as a guilty and tormented Amfortas.

Ich bin am Schlusse desjenigen, was ich zur Zeit sagen will. Ich habe diese Erkenntnisse, die ich mir unter Anleitung des Siegelbewahrers der Gesellschaft für theosophische Art und Kunst, dessen Protektor Christian Rosenkreutz ist, erworben habe, noch nicht in die Form gießen können, die mir vorgeschwebt hat, weil die Widerstände für einen sich eben erst dem Banne Entstrickenden zur Zeit noch zu groß waren. Aber ich entschließe mich, den Brief abzusenden, da die Stunde es fordert.

I am nearing the end of what I wish to say at this time. I have not yet been able to give these insights—which I acquired under the guidance of the Keeper of the Seal of the Society for Theosophical Art and Culture, whose patron is Christian Rosenkreutz—the form I had envisioned, because the obstacles were still too great for someone who has only just begun to free himself from the spell. But I have decided to send this letter, as the hour demands it.

Wenn ich mir nun überlege, mit welchen Gefühlen Sie diesen Brief aufnehmen werden, so bedrückt mich als besonders schwerwiegend die Frage, ob Sie den Weg zu Menschen finden werden, mit denen Sie diese Dinge durchleben und die notwendige Umwandlung beginnen können. Hier ist ein Gebiet, wo in unserer christlichen Zeit der Okkultist als solcher versagen muß und rein Mensch unter Menschen zu sein hat, wie ja auch der Christus Jesus auf Erden Dinge zu erleben hatte, die er als Gottnicht wissen konnte. Möchten Sie sich an diesen Geist um Hilfe wenden!

When I consider the feelings with which you will receive this letter, I am particularly weighed down by the question of whether you will find people with whom you can go through these experiences and begin the necessary transformation. This is an area where, in our Christian era, the occultist must set aside his role as such and simply be a human among humans—just as Christ Jesus had to experience things on Earth that, as God, He could not have known. May you turn to this Spirit for help!

Heinrich Goesch
Gertrud Goesch

Heinrich Goesch
Gertrud Goesch



[ 2 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen dieses Schriftstück vorgelesen, weil es jeden einzelnen von Ihnen geradesogut angeht wie mich und weil es nach meiner Meinung selbstverständlich ist, daß jedem einzelnen von Ihnen ein Urteil zukommen muß darüber, wie weit diese Dinge den wirklichen Usancen in unserer Gesellschaft entsprechen. Es könnte sonst ja die Meinung entstehen, daß ich mich fürchten würde vor dem hier in dem Briefe erhobenen Vorwurf, zur «Verblödung» der Mitglieder zu wirken, und ich die Mitglieder nicht als so freie Mitglieder ansehen würde, daß ich jedem einzelnen sein unabhängiges Urteil in dieser Sache völlig überlasse.

[ 2 ] Well, my dear friends, I have read this document aloud to you because it concerns each and every one of you just as much as it does me, and because, in my opinion, it goes without saying that each of you must form your own judgment as to the extent to which these matters correspond to the actual customs of our society. Otherwise, the impression might arise that I am afraid of the accusation made in this letter—that I am contributing to the “dumbing down” of the members—and that I do not regard the members as free enough to allow each one to form his or her own independent judgment on this matter.

[ 3 ] Allein Sie werden einsehen, daß ein solcher Brief nicht in seiner Einzelheit genommen werden kann, sondern ein Symptom ist für dasjenige, was in unserer Gesellschaft waltet, und daher werde ich mich an der Diskussion über diesen Brief und über dasjenige, was zu geschehen hat, überhaupt nicht beteiligen. Es muß selbstverständlich zunächst den Mitgliedern überlassen sein, dasjenige zu tun und zu tun zu finden, was in dieser Angelegenheit notwendig ist. Deshalb möchte ich insbesondere nichts über den Passus sagen, in dem von Versprechungen, die nicht eingehalten werden, geredet wird. Denn wenn das Urteil jedem einzelnen anheimgestellt wird, so wird jeder einzelne auch wissen, wie es mit den Dingen steht; denn es muß jeder einzelne ja wissen, was ihm versprochen und nicht gehalten worden ist. Insofern muß ich erwarten und verlangen, daß die Gesellschaft als solche, die Gesellschaft, die um den Dornacher Bau herum wohnt, in der nächsten Zeit die bestimmteste Stellung zu dieser Angelegenheit nimmt. Ich werde mich an Diskussionen in dieser Sache absolut nicht beteiligen. Ich will nur einzelnes sagen und bitte Sie, das aufzufassen als dasjenige, was ich im Zusammenhang mit dem Vorgelesenen sagen muß, weil ja auch aus anderen Symptomen als nur aus diesem Briefe deutlich hervorgeht, daß gar mancherlei, was ich im Verlaufe der letzten Wochen und Monate hier innerhalb der verschiedenen Vorträge zu unseren Mitgliedern gesprochen habe, nichts genützt hat.

[ 3 ] You yourself will realize, however, that such a letter cannot be taken in isolation, but is rather a symptom of what prevails in our society; therefore, I will not participate at all in the discussion about this letter or about what needs to be done. It must, of course, first be left to the members to do and determine what is necessary in this matter. For this reason, I would particularly like to say nothing about the passage that speaks of promises that have not been kept. For if the judgment is left to each individual, then each individual will also know how things stand; for surely each individual must know what was promised to him and not kept. In this respect, I must expect and demand that the community as such—the community living around the Dornach building—take the most decisive stance on this matter in the near future. I will absolutely not participate in any discussions on this matter. I wish only to say a few things, and I ask you to take them as what I must say in connection with what has been read aloud, since it is clear from other indications—not just from this letter—that much of what I have spoken to our members here in the course of the various lectures over the past weeks and months has been to no avail.

[ 4 ] Zunächst möchte ich das Folgende betonen, meine lieben Freunde. Mein Recht, in dieser oder jener Weise meinen Verkehr mit den Mitgliedern zu regeln, kann ich mir von niemandem vorschreiben lassen. Es obliegt einzig und allein mir, zu bestimmen, in welcher Weise ich mit den Mitgliedern zu verkehren für nötig finde. Das ist nicht so zu betrachten wie etwas, was eine Richtschnur für Sie sein soll, sondern als etwas, was ich von mir aus ausspreche. Ich werde mir in keiner Art und von niemandem vorschreiben lassen, in welcher Weise ich mit den Mitgliedern zu verkehren habe, insofern sich der Verkehr auf die Unterlassungssünde, die ich gegenüber den Mitgliedern begangen haben soll, bezieht. Das hängt mit einer tiefen Notwendigkeit zusammen. Aus diesem Briefe, insbesondere aber auch aus mancherlei, das sonst in unserer Gesellschaft schon durch Jahre hindurch und in der letzten Zeit immer mehr und mehr zu Tage getreten ist, zeigte sich ja doch, daß sehr viele keine Vorstellung darüber gewinnen wollen, welche Verantwortung derjenige trägt, der okkulte Wahrheiten so ausspricht, daß er wirklich die Verantwortung dafür übernehmen will.

[ 4 ] First of all, I would like to emphasize the following, my dear friends. No one can dictate to me my right to regulate my interactions with the members in this or that way. It is solely up to me to determine how I deem it necessary to interact with the members. This should not be viewed as something intended to serve as a guideline for you, but rather as something I am stating of my own accord. I will not allow anyone, in any way, to dictate to me how I am to interact with the members, insofar as this interaction relates to the sin of omission that I am alleged to have committed toward the members. This is connected to a profound necessity. From this letter, but especially from various other things that have been coming to light in our Society over the years—and increasingly so in recent times—it has become clear that very many people do not wish to form a mental image of the responsibility borne by one who speaks of occult truths in such a way that he truly intends to take responsibility for them.

[ 5 ] Was nötig ist, um manchmal einen einzigen Satz auszusprechen, davon scheinen sehr viele in unserer Gesellschaft sich denn doch keine Vorstellung machen zu wollen. Daß es neben der geistigen Vorarbeit, die notwendig ist, um einen Vortrag zu halten, nicht möglich ist, mit den verschiedenen Cliquen der Mitglieder etwa jede Nacht bis zwei Uhr zusammenzusitzen und über allerlei unnützes und überflüssiges Zeug zu schwätzen, das wird nicht in der richtigen Weise gewürdigt; manches andere auch noch nicht, was, wie es scheint, verlangt wird und was als Unterlassungssünde figuriert. Ich habe meine Zeit nötig, und ich habe sie noch in ganz anderer Weise nötig, als man verstehen zu wollen scheint. Wenn ich sie nicht so, wie ich es tue, anwenden würde, dann würden Sie von mir ebenso blödsinnige okkulte Anschauungen zu hören bekommen, wie man sie vielfach in der Welt zu hören bekommt. Soviel mit Bezug auf die Unterlassungssünden.

[ 5 ] It seems that very many people in our society simply refuse to have a mental image of what it takes just to utter a single sentence sometimes. The fact that, in addition to the mental preparation required to give a lecture, it is simply not possible to sit around with the various cliques of members until about two in the morning every night, chatting about all sorts of useless and superfluous nonsense—this is not properly appreciated; nor are many other things that, it seems, are expected of me and are treated as sins of omission. I need my time, and I need it in a completely different way than people seem to want to understand. If I did not use it the way I do, then you would hear just as nonsensical occult views from me as are commonly heard in the world. So much for the “sins of omission.”

[ 6 ] Ich weiß nicht, meine lieben Freunde, wie der Vorwurf, daß ich zu wenig christlich mit jedem einzelnen Mitgliede, mit jeder einzelnen Mitgliedergruppe, verkehre, sich zusammenreimt mit dem andern, daß ich mir nicht erlauben darf, ohne eine ungerechtfertigte, schwarzmagische Beeinflussung zu begehen, Sie in ein Gespräch zu ziehen oder einen Händedruck auszutauschen. Meinetwillen könnte ja mit Bezug auf diesen positiven Teil die Gesellschaft ihre Anschauung äußern. Denn es hängt selbstverständlich von dem einzelnen ab, ob er ein freundliches Gespräch mit mir führen oder einen Händedruck mit mir austauschen will. Wenn diese Ansicht beliebter werden sollte, so könnte es geäußert werden, damit solche Händedrucke für die zukünftige Zeit unterlassen werden selbstverständlich. Auf weiteres gehe ich, aus den gesagten Gründen, nicht ein; nur eines muß ich noch erwähnen, weil es charakteristisch ist.

[ 6 ] I do not know, my dear friends, how the accusation that I do not interact in a sufficiently Christian manner with each individual member or with each individual group of members fits together with the other accusation—that I must not allow myself to engage you in conversation or exchange a handshake without committing an unjustified, black-magic-like influence. As far as I’m concerned, the Society could certainly express its view regarding this positive aspect. For it naturally depends on the individual whether he wishes to have a friendly conversation with me or exchange a handshake with me. If this view were to gain popularity, it could be expressed so that such handshakes would, of course, be avoided in the future. I will not go into further details for the reasons stated; there is just one more thing I must mention, because it is characteristic.

[ 7 ] Es wird in einem Passus dieses Briefes das Folgende gesagt: «Durch die geschilderten Geschehnisse sind meine Frau und ich Ihnen gegenüber in eine Lage gekommen, in welcher es unmöglich ist, daß wir uns noch einmal in der Weise begegnen, wie es das letzte Mal, für meine Frau am Sonntag, den 25. Juli in der Schreinerei, für mich am Donnerstag, den 5. August auf der Treppe zum Eurythmiesaal vorgekommen ist. Wir besaßen alle diese Erkenntnisse auch damals schon. Gleichwohl gaben Sie uns die Hand und zogen uns in ein Gespräch, als sei nichts geschehen. Dem gesunden Takt eines Nicht-Hellsehenden wäre dergleichen unmöglich gewesen. In Ihrem Falle erkenne ich in einer derartigen Handlungsweise den Versuch eines unzulässigen Eingriffs in meine Wesenheit.»

[ 7 ] The following is stated in a passage of this letter: “Due to the events described, my wife and I have found ourselves in a situation with regard to you in which it is impossible for us to meet again in the same way as we did last time—my wife on Sunday, July 25, in the woodshop, and I on Thursday, August 5, on the stairs leading to the eurythmy hall. We were already fully aware of all these facts at that time. Nevertheless, you shook our hands and drew us into a conversation as if nothing had happened. Such behavior would have been impossible for someone without clairvoyant abilities who possesses sound judgment. In your case, I recognize this course of action as an attempt at an impermissible intrusion into my being.”

[ 8 ] Ich will dazu nur erwähnen, daß am Freitag vor dem Sonntag, den 25. Juli, mir von einem unserer Mitglieder eine Anfrage von Frau Goesch in bezug auf ihr Kind gebracht worden ist, wobei mir gesagt wurde, daß das Kind heruntergefallen und sich irgendwie verletzt hätte. Daraufhin habe ich gesagt: Wenn eine Neigung dazu vorhanden ist, so kann ich sehen, was mit dem Kinde los ist. - Daraufhin brachte ein Mitglied unserer Gesellschaft Frau Goesch mit dem Kinde zu mir. Und dann folgte der Sonntag hier in der Schreinerei, wo ich den Eingriff in die Wesenheit von Frau Goesch begangen habe dadurch, daß ich Frau Goesch gefragt habe, wie es mit dem Kind gehe, und ihr dabei die Hand reichte. Die Begegnung am Donnerstag, den 5. August auf der Treppe zum Eurythmiesaal verlief so, daß ich zu Herrn Goesch auf seine Frage, ob das Kind, das ich eben vorher gesehen hatte - es stand nämlich unten an der Tür -, die Eurythmieübungen wieder mitmachen solle, sagte: Selbstverständlich solle die Sache nach dem Willen seiner Eltern behandelt werden, da ja der Wille der Eltern ganz einzig und allein in Betracht komme, ob man das Kind wiederum zur Eurythmie kommen lassen wolle oder nicht. - Ich habe dabei auch den Fehler gemacht, Herrn Goesch die Hand zu reichen. Das sind die beiden ungerechtfertigten, auf schwarzer Magie beruhenden Eingriffe in fremde Wesenheit.

[ 8 ] I would just like to mention that on the Friday before Sunday, July 25, one of our members brought me a request from Mrs. Goesch regarding her child, and I was told that the child had fallen and injured herself in some way. I then said: “If there is a tendency toward this, I can see what is going on with the child.”—Following that, a member of our society brought Mrs. Goesch and the child to me. And then came Sunday here in the woodshop, where I intervened in Mrs. Goesch’s being by asking her how the child was doing and extending my hand to her. The encounter on Thursday, August 5, on the stairs leading to the eurythmy hall went as follows: When Mr. Goesch asked me whether the child I had just seen—who was standing downstairs by the door—should participate in the eurythmy exercises again, I said: Of course, the matter should be handled according to the parents’ wishes, since the parents’ wishes are the sole factor to be considered when deciding whether or not to allow the child to return to eurythmy. — I also made the mistake of offering my hand to Mr. Goesch. These are the two unjustified interventions into another’s being, based on black magic.

[ 9 ] Nun, meine lieben Freunde, hervorzuheben habe ich noch, daß am Schlusse dieses Schriftstückes steht: «Ich bin am Schlusse desjenigen, was ich zur Zeit sagen will. Ich habe diese Kenntnisse, die ich mir unter Anleitung des Siegelbewahrers der Gesellschaft für theosophische Art und Kunst, dessen Protektor Christian Rosenkreutz ist, erworben habe, noch nicht in die Form gießen können, die mir vorgeschwebt hat, weil die Widerstände für einen sich eben erst dem Banne Entstrickenden zur Zeit noch zu groß waren.»

[ 9 ] Well, my dear friends, I must also point out that at the end of this document it says: “I have come to the end of what I wish to say at this time.” I have not yet been able to give this knowledge—which I acquired under the guidance of the Keeper of the Seal of the Society for Theosophical Art and Culture, whose patron is Christian Rosenkreutz—the form I had envisioned, because the obstacles were still too great for someone who has only just begun to free himself from the spell.”

[ 10 ] Der sogenannte Siegelbewahrer ist, wie ich glaube, allen bekannt, und ich habe dazu nur zu bemerken, daß dieser Siegelbewahrer in den letzten Monaten eine Anzahl Briefe, zum Teil an mich, zum Teil an Frau Dr. Steiner, gerichtet hat. Ein Brief von diesem Siegelbewahrer ist auch noch heute bei Frau Dr. Steiner eingegangen.1Siehe Seite 126. Ich will für heute auf die Angelegenheit des Siegelbewahrers nicht weiter eingehen und möchte nur darauf hindeuten, daß diese Briefe des Siegelbewahrers in mysteriöser Weise zu Weihnachten begannen.

[ 10 ] The so-called “Keeper of the Seal” is, I believe, known to everyone, and I have only this to say: in recent months, this Keeper of the Seal has sent a number of letters, some addressed to me and some to Dr. Steiner. A letter from this Keeper of the Seal was also received by Dr. Steiner today. 1See page 126. I do not wish to go into further detail today regarding the matter of the Keeper of the Seal, and would only like to point out that these letters from the Keeper of the Seal mysteriously began around Christmas.

[ 11 ] Nun, meine lieben Freunde, dasjenige, was ich vielleicht dazu zu sagen haben werde, das möchte ich wirklich nicht heute sagen. Ich möchte, daß Sie unbeeinflußt zu einem Urteile kommen. Allerdings ist es fast unmöglich, den mysteriösen Zusammenhang dieses Schriftstückes mit dem Siegelbewahrer zu kennen und keine weiteren Mitteilungen zu machen. Aber es ist vielleicht doch nicht gut, dies heute schon zu tun oder irgend etwas in dieser Richtung heute schon zu sagen. Erwähnen möchte ich aber doch das: Es ist einmal zur Herbsteszeit verkündigt worden, daß, weil gewisse unmögliche Symptome in unserer Gesellschaft sich zeigten, es notwendig geworden sei, eine gewisse engere Gesellschaft noch zu begründen, wobei ich zunächst versucht habe, einer Anzahl von nahestehenden und in der Gesellschaft längere Zeit lebenden Persönlichkeiten gewisse Titel zuzuschreiben, indem ich von ihnen voraussetzte, daß sie im Sinne dieser Titel selbständig wirken würden. Ich habe dazumal gesagt: Wenn etwas geschehen soll, so werden die Mitglieder bis zum Dreikönigstage etwas hören. — Es hat keines etwas zu hören bekommen, und daraus geht hervor, daß die Gesellschaft für theosophische Art und Kunst überhaupt nicht besteht. Das ist eigentlich selbstverständlich, da niemandem eine Mitteilung gemacht worden ist, so wie es selbstverständlich gewesen wäre, daß die Mitteilung ergangen wäre, wenn die Sache realisiert worden wäre. Die Art und Weise, wie die Sache aufgefaßt worden ist, machte sie unmöglich. Es war ein Versuch.

[ 11 ] Well, my dear friends, whatever I might have to say about this, I really do not wish to say it today. I want you to reach a judgment without being influenced. However, it is almost impossible to understand the mysterious connection between this document and the Keeper of the Seal without providing further information. But perhaps it is not a good idea to do so today or to say anything along those lines just yet. I would like to mention this, however: It was once announced in the fall that, because certain untenable symptoms were manifesting themselves in our society, it had become necessary to establish a certain closer-knit society; in doing so, I initially attempted to assign certain titles to a number of close associates who had been living within the society for some time, assuming that they would act independently in accordance with the spirit of these titles. I said at the time: If anything is to happen, the members will hear something by Epiphany. — No one heard anything, and this shows that the Society for Theosophical Art and Culture does not exist at all. This is actually self-evident, since no announcement was made to anyone, just as it would have been self-evident that an announcement would have been issued if the matter had been realized. The way the matter was perceived made it impossible. It was an experiment.

[ 12 ] Meine lieben Freunde, ich habe öfters darüber gesprochen, daß die Gesellschaft einen Sinn haben muß als Gesellschaft, wenn sie überhaupt irgendeinen Sinn haben soll. Um okkulte Lehren vorzutragen, könnte man auch andere Einrichtungen machen. Ich habe darauf hingewiesen, daß, wenn in unserer Gesellschaft gewisse Symptome weiter hervortreten, es unerläßlich sein wird, eine andere Form zu finden, weil dann diese Form, wie sie eingerichtet ist, nicht geht. Ich habe demjenigen, was in der Theosophischen Gesellschaft von dieser oder jener Seite herrschte, dadurch zu entgehen versucht, daß ich die Anthroposophische Gesellschaft begründete, bei der ich nicht Mitglied sein will, weil das notwendig ist für das, was ich für die geistige Bewegung zu tun habe.

[ 12 ] My dear friends, I have often spoken about the fact that society must have a purpose as a society if it is to have any purpose at all. To present occult teachings, one could also create other institutions. I have pointed out that if certain symptoms continue to become more pronounced in our Society, it will be essential to find a different form, because then this form, as it is currently structured, will no longer work. I have sought to avoid what prevailed in the Theosophical Society from one side or the other by founding the Anthroposophical Society, of which I do not wish to be a member, because this is necessary for what I have to do for the spiritual movement.

[ 13 ] Unsere Gesellschaft wird auch von außen viel angegriffen, und selbstverständlich wird auch derjenige angegriffen, der in dieser Gesellschaft Lehren vorzutragen hat. Daraus müßte unseren tätigen Mitgliedern die Pflicht erwachsen, die Sache zu verteidigen, wenn sie den Gesellschaftsbegriff in ernstem und würdigem Sinne auffassen. Aber Schmähschriften gehässigster Art sind erschienen, die zum Teil die unglaublichsten Verleumdungen enthalten, und ich überlasse es jedem, zu beurteilen, ob unser Gesellschaftsbegriff von allen, die tätig etwas tun könnten, so aufgefaßt worden ist, wie es notwendig wäre, wenn die Gesellschaft gegenüber diesen Attacken von außen bestehen soll.

[ 13 ] Our society is also frequently attacked from the outside, and naturally, those who are called upon to teach within this society are also attacked. This should give rise to a duty among our active members to defend the cause, if they take the concept of society seriously and with dignity. However, defamatory writings of the most malicious kind have appeared, some of which contain the most unbelievable slanders, and I leave it to everyone to judge whether our concept of the society has been understood by all those who could actively do something in the way that would be necessary if the society is to withstand these attacks from outside.

[ 14 ] Meine lieben Freunde, es ist nicht tunlich und nicht möglich, daß derjenige, der dafür etwas tun will, daß unsere Gesellschaft bestehen könne, vor allen Dingen - wie es seit Jahren und Monaten wirklich vorgekommen ist — zunächst den Weg einschlägt, daß er zu mir kommt und sich mit mir darüber besprechen will, was er zu meiner Verteidigung und zur Verteidigung unserer Sache zu tun hätte. Das sollte unter allen Umständen unterbleiben. Denn dadurch würde es vollständig zur Wahrheit, daß im Grunde genommen die Leute hier nur an ihren Platz hingestellt werden, daß ihnen ihr Platz zugeteilt wird. Ich muß die Selbständigkeit der Mitglieder respektieren, leider auch oftmals so, daß ich ihnen etwas versage; und es ist wirklich so nach dem, wie es bisher der Fall gewesen ist —, daß ich wahrhaftig vieles tun könnte, wenn ich nicht für mancherlei Dinge in Anspruch genommen würde, für die ein In-Anspruch-Nehmen nicht nötig wäre. Es ist wirklich, mindestens für dasjenige, was zugunsten und zum Besten unserer Gesellschaft geschehen sollte, ein Unding, sich erst mit mir über solche Dinge verständigen zu wollen. Denn wenn dasjenige geschehen soll für die Gesellschaft, was ich tun will, dann bitte ich mir die Zeit zu lassen, es selber zu tun. Der Begriff der Gesellschaft kann nicht darin bestehen, daß man sich immer an einen einzelnen wendet, sondern daß man das, was für die Gesellschaft zu tun ist, aus eigener Initiative heraus tut.

[ 14 ] My dear friends, it is neither advisable nor possible that anyone who wishes to do something to ensure the survival of our society should—as has in fact been the case for years and months—first take the step of coming to me to discuss what he ought to do in my defense and in defense of our cause. This should be avoided under all circumstances. For this would make it completely true that, fundamentally, people here are merely being placed in their positions, that their places are being assigned to them. I must respect the independence of the members, unfortunately often to the extent that I have to deny them certain things; and it is truly the case, as has been the situation so far—that I could indeed accomplish a great deal if I were not being called upon for all sorts of things for which such demands are unnecessary. It is truly, at least for what should be done for the benefit and good of our society, an absurdity to first want to consult with me about such matters. For if what I intend to do for society is to be accomplished, then I ask to be given the time to do it myself. The concept of society cannot consist in always turning to a single individual, but rather in doing what needs to be done for society on one’s own initiative.

[ 15 ] Deshalb auch, meine lieben Freunde, ist diese Episode heute als eine wichtige und wesentliche anzusehen. Deshalb habe ich das Schriftstück vorgelesen, das im Grunde genommen ja nur ein einzelnes Symptom ist für manches, was da und dort glimmt, und ich werde ruhig abwarten, was Sie, als Mitglieder der Gesellschaft, tun werden. Ich werde mittlerweile meine Pflicht tun; wir werden morgen unser Programm so haben, wie wir es sonst hatten. Aber es ist selbstverständlich, daß alles weitere davon abhängen wird, was die Gesellschaft zu dem, was sie heute gehört hat, für eine Stellung nimmt und was nicht als irgend etwas einzelnes zu betrachten ist, sondern als etwas, was gewissermaßen fundamental manches berührt, auf was ich schon hingewiesen habe in den mancherlei Auseinandersetzungen, die ich seit Monaten gegeben habe.

[ 15 ] That is also why, my dear friends, this episode must be regarded today as an important and significant one. That is why I read aloud the document, which is, after all, merely a single symptom of many things that are smoldering here and there, and I will calmly wait to see what you, as members of the society, will do. In the meantime, I will do my duty; tomorrow we will follow our usual program. But it goes without saying that everything else will depend on the Society’s stance regarding what it has heard today—a matter that should not be viewed as an isolated incident, but rather as something that, in a sense, fundamentally touches upon many issues, as I have already pointed out in the various discussions I have held over the past few months.



Nach diesen Ausführungen Rudolf Steiners fand eine Diskussion statt, bei der nicht mitstenographiert wurde. Dabei müssen wohl auch Stimmen zur Verteidigung laut geworden sein, so daß nach der Erinnerung einer Teilnehmerin Rudolf Steiner mit Marie Steiner den Saal verließ mit den Worten: «Mit solch einer Gesellschaft kann ich nichts mehr zu tun haben!» Die große Mehrheit der Anwesenden dürfte sich dieser Situation geschämt haben und verfaßte noch am gleichen Abend folgende Vertrauensadresse:

Following these remarks by Rudolf Steiner, a discussion took place that was not recorded in shorthand. Voices must have been raised in his defense, for—according to one participant’s recollection—Rudolf Steiner left the hall with Marie Steiner, saying, “I can have nothing more to do with such company!” The vast majority of those present were likely ashamed of this situation and drafted the following letter of support that very same evening:

Dornach, den 21. August 1915

Hochverehrter Herr Doktor Steiner!

Wir Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft möchten Ihnen unsern berechtigten Zorn, unsere Entrüstung und das Gefühl der Scham zum Ausdrucke bringen dürfen darüber, daß eine solch verlogene, unmoralische Gesinnung, wie sie in dem Briefe des Herrn Heinrich Goesch zutage tritt, es gewagt hat, Herrn Doktor gegenüber sich zu äußern in dieser von dem verwerflichsten Größenwahn diktierten Form.

Wir müssen uns schmerzliche Vorwürfe machen, daß wir es nicht verstanden haben, das Geschehene rechtzeitig zu verhindern und daß wir uns bis jetzt unfähig erwiesen, einen Lebenskreis zu schaffen, in dem Gedanken und Gefühle, wie sie der Brief zeigt, unmöglich gewesen wären.

Wir bitten unsern geliebten, verehrten Lehrer uns vergeben zu wollen, sein Vertrauen uns nicht zu nehmen oder doch wieder zu schenken, weil wir ernst entschlossen sind, den Begriff der Anthroposophischen Gesellschaft besser zu verwirklichen und uns unserer Verantwortlichkeit in Zukunft mehr bewußt zu sein.

Es ist selbstverständlich, daß wir Fräulein Alice Sprengel, Herrn Heinrich und Frau Gertrud Goesch mit ihrer Gesinnung nicht mehr als zu uns gehörig betrachten wollen.

Wir bitten Sie, verehrter Herr Doktor, unsere Unterschriften als Zusicherung unseres unbegrenzten und unwandelbaren Vertrauens und unserer innigen Dankbarkeit hinzunehmen.

Michael Bauer [Mitglied des Zentralvorstandes] und über 300 Unterschriften.

Dornach, August 21, 1915

Dear Dr. Steiner!

We, the members of the Anthroposophical Society, wish to express our justified anger, our indignation, and our sense of shame that such a deceitful and immoral attitude, as revealed in the letter from Mr. Heinrich Goesch, has dared to be expressed toward you, Doctor, in this form dictated by the most reprehensible delusion of grandeur.

We must make painful self-reproaches that we failed to prevent what has happened in time and that we have so far proved incapable of creating a community in which thoughts and feelings such as those revealed in the letter would have been impossible.

We ask our beloved, revered teacher to forgive us, not to withdraw his trust in us—or at least to grant it to us once more—because we are earnestly resolved to better realize the ideal of the Anthroposophical Society and to be more conscious of our responsibility in the future.

It goes without saying that we no longer wish to consider Miss Alice Sprengel, Mr. Heinrich Goesch, and Mrs. Gertrud Goesch—given their views—as belonging to our community.

We ask you, esteemed Doctor, to accept our signatures as a pledge of our unlimited and unwavering trust and our heartfelt gratitude.

Michael Bauer [Member of the Central Executive Council] and over 300 signatures.

Diese Adresse war der rein menschliche spontane Ausdruck der Verbundenheit der Unterzeichner mit Rudolf Steiner. Das Sachliche der Situation kommt in den Ausführungen Rudolf Steiners zum Ausdruck. Die Schwierigkeit für die Mitglieder in der Beurteilung der Situation wurde von einem Arzt, Dr. Amann, in einem klinischen Beitrag (Basel, 14. September 1914) wie folgt beleuchtet:

This letter was a purely human and spontaneous expression of the signatories’ connection to Rudolf Steiner. The factual aspects of the situation are reflected in Rudolf Steiner’s remarks. The difficulty members faced in assessing the situation was illuminated by a physician, Dr. Amann, in a clinical article (Basel, September 14, 1914) as follows:

«... Unter den Mitgliedern ist die Meinung immer noch vorherrschend: Dr. Goesch sei nicht geisteskrank, er sei nur beeinflußt!

Nicht wahr, wenn jemand Fieber hat oder schläfrig ist, so ist das sehr leicht zu konstatieren von jedermann; ungeheuer schwer hingegen ist es, Geisteskrankheit zu diagnostizieren, selbst für den wissenschaftlichen Fachmann, insofern es sich nicht um ein Extrem in der Stufenleiter handelt.

Aus dem, was man hört (weshalb viele Mitglieder nicht begreifen können, daß Dr. G. geisteskrank ist), fließt die Empfindung, daß man sich irrige Vorstellungen macht über die Art der Krankheit, man meint: Geisteskranke müssen Idioten sein und könnten nicht intelligent schreiben.

Ein Idiot ist ein schwachsinniger Mensch, welcher mit seiner Gehirnträgheit gar nichts denken kann; er ist verblödet, soweit es nicht organische Krankheitsursachen sind, die ihn evtl. erst sekundär zum Idioten machten. Gerade das Gegenteil ist der Fall beim eigentlichen Geisteskranken. Hier liegt Trübsinn vor: getrübte Logik! Wohl zu unterscheiden ist diese Kategorie vom Wahnsinn; Wahnsinnige sind gefährlich!

Der Trübsinnige büßt absolut nichts ein an der Qualität seines Intellekts, er steigert sogar die Geistesfähigkeit, aber ist ein unermüdlicher Geistesarbeiter, er arbeitet denkerisch ungeheuer viel, arbeitet Tag und Nacht. Das ist das Kranke darin, daß er sich in die eigenen fixen Ideengänge verbohrt, sich darin selbst hypnotisiert und keiner fremden Kritik zugänglich zeigt. Im Verborgenen leiden quasi diese Menschen unter ihren quälenden Gedanken so lange, bis sie ihre Gedanken ausgeboren der Öffentlichkeit übergeben können. Es lebt der Drang in ihnen: produktiv und wichtig zu sein und es zu zeigen.»

“... The prevailing opinion among the members is still that Dr. Goesch is not mentally ill—he is merely under the influence!”

Isn’t it true that when someone has a fever or is drowsy, anyone can easily observe that; on the other hand, it is incredibly difficult to diagnose mental illness, even for a scientific expert, unless it is an extreme case on the spectrum.

From what one hears (which is why many members cannot understand that Dr. G. is mentally ill), the impression arises that people have mistaken mental images about the nature of the illness; they believe that the mentally ill must be idiots and cannot write intelligently.

An idiot is a mentally deficient person who, due to mental sluggishness, is incapable of thinking at all; he is mentally stunted, unless there are organic causes of illness that may have made him an idiot only secondarily. The exact opposite is true of the truly mentally ill person. Here, there is melancholy: clouded logic! This category must be clearly distinguished from insanity; the insane are dangerous!

The melancholic suffers absolutely no loss in the quality of his intellect; he even enhances his mental capacity, but he is a tireless intellectual worker—he engages in an immense amount of mental labor, working day and night. The pathology lies in the fact that they become entrenched in their own fixed trains of thought, hypnotize themselves with them, and remain impervious to outside criticism. In secret, these people suffer from their tormenting thoughts until they can finally give birth to them and present them to the public. They are driven by the urge to be productive and important—and to demonstrate it.”

Rudolf Steiner ging in Fortsetzung seiner Ausführungen vom 21. August am nächsten Abend, dem 22. August 1915, wie folgt weiter auf den Fall ein:

Continuing his remarks from August 21, Rudolf Steiner elaborated on the case the following evening, August 22, 1915, as follows: