The Occult Movement
in the Nineteenth Century
and its Relationship to World Culture
GA 254
10 October 1915, Dornach
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The Occult Movement, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Wenn Sie solche Auseinandersetzungen nehmen, wie wir sie in der letzten Zeit gepflogen haben, so werden Sie einsehen, wie in unserer Zeit, nicht aus menschlicher Willkür heraus, sondern gewissermaßen aus einer geschichtlichen Notwendigkeit, eine materialistische Weltanschauung, ein materialistisches Denken herrscht.
[ 1 ] If you consider the kinds of debates we have been having recently, you will see how, in our time—not out of human caprice, but, so to speak, out of a historical necessity—a materialist worldview and materialist thinking prevail.
[ 2 ] Wer die Entwickelung der Menschheit in bezug auf deren geistige Angelegenheiten kennt, der weiß, daß im Grunde genommen alle früheren Jahrhunderte und Jahrtausende eine größere Teilnahme der Menschheit an dem spirituellen Leben zeigten als die letzten vier bis fünf Jahrhunderte. Wir wissen ja, mit welcher allgemeinen Erscheinung dies zusammenhängt. Wir wissen, daß ganz ursprünglich in der Erdenentwickelung die Menschheit die Erbschaft des alten Mondenhellsehens hatte. Wir können uns auch eine Vorstellung darüber machen, daß in den ersten Zeiten der Erdenentwickelung dieses alte Hellsehen sehr bedeutend, sehr rege war, so daß dazumal die Menschen außerordentlich viel gewissermaßen spirituell überschauen konnten. Dann wurde das alte Hellsehen geringer und geringer, es traten die Zeiten ein, in denen für die große Mehrzahl der Menschen die Fähigkeit, in die geistige Welt hineinzuschauen, hingeschwunden war, und es trat die Zeit ein, in der für die menschliche Seelenentwickelung als Ersatz das Mysterium von Golgatha eintrat. Aber es blieb immer noch ein gewisser Rest der alten menschlichen Seelenfähigkeiten zurück, und diesen Rest finden wir, wenn wir zum Beispiel den Blick auf dasjenige richten, was bis ins 14., 15., auch noch bis ins 16., 17. Jahrhundert hinein Naturwissenschaft war. Denn diese war etwas ganz anderes als die heutige Naturwissenschaft; es war eine Naturwissenschaft, die zum Teil noch, wenn auch nicht mit einem klaren imaginativen Hellsehen, so doch mit den Überresten alter Inspirationen und Intuitionen rechnen konnte, die dann verarbeitet wurden von den sogenannten Alchimisten. Solch ein Alchimist, wenn er ehrlich war und nicht auf egoistischen Gewinn ausging, arbeitete in gewisser Beziehung noch mit den alten Inspirationen und Intuitionen. Indem er äußerlich hantierte, wirkten in ihm, wenn auch nicht mehr mit einem starken Wissen, doch noch die alten Reste des Hellsehens. Aber immer geringer wurde die Zahl der Menschen, welche solche alte hellseherische Reste hatten. Ich habe schon oft angedeutet: diese hellseherischen Reste können heute sehr leicht herausgeholt werden aus dem menschlichen Gemüte in dem atavistisch-visionären Hellsehen. Wir haben in der verschiedensten Weise gezeigt, wie in unserer heutigen Zeit dieses atavistisch-visionäre Hellsehen auftreten kann.
[ 2 ] Anyone familiar with the development of humanity in regard to spiritual matters knows that, fundamentally speaking, all earlier centuries and millennia were marked by a greater participation of humanity in spiritual life than the last four to five centuries. We know, of course, what general phenomenon this is connected with. We know that, in the very earliest stages of Earth’s evolution, humanity inherited the gift of ancient lunar clairvoyance. We can also create a mental image of how, in the earliest times of Earth’s evolution, this ancient clairvoyance was very significant and very active, so that people back then were able to perceive an extraordinary amount of the spiritual realm, as it were. Then the ancient clairvoyance grew weaker and weaker; a time came when, for the vast majority of people, the ability to look into the spiritual world had faded away, and the time came when the Mystery of Golgotha stepped in as a substitute for human soul development. But a certain remnant of the old human soul capacities still remained, and we find this remnant, for example, when we turn our gaze to what constituted natural science as far back as the 14th, 15th, and even into the 16th and 17th centuries. For this was something entirely different from today’s natural science; it was a natural science that could still, in part—if not with clear imaginative clairvoyance, then at least with the remnants of ancient inspirations and intuitions—rely on these, which were then processed by the so-called alchemists. Such an alchemist, if he was honest and not seeking selfish gain, still worked in a certain sense with the old inspirations and intuitions. As he engaged in external practices, the old remnants of clairvoyance still worked within him, even if no longer with a strong sense of knowledge. But the number of people who possessed such old clairvoyant remnants grew ever smaller. I have often hinted at this: these clairvoyant remnants can very easily be drawn out of the human mind today through atavistic-visionary clairvoyance. We have demonstrated in various ways how this atavistic-visionary clairvoyance can manifest in our present age.
[ 3 ] Aus alledem aber wird Ihnen hervorgehen, daß, je mehr wir uns in der Menschheitsentwickelung unserer Zeit nähern, wir es doch zu tun haben mit einer Abnahme alter Seelenkräfte und mit einem Heraufkommen von solchen Neigungen der menschlichen Seele, die mehr auf die Beobachtung der äußeren sinnlichen Welt gehen. Es bereitete sich das langsam vor und hat wirklich im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt erlangt, gerade in der Mitte des 19. Jahrhunderts. So wenig klar dies auch heute noch dem Menschen ist, der sich mit diesen Dingen weniger beschäftigt, so klar wird es dem Menschen der Zukunft sein, daß wirklich in bezug auf die materialistischen Neigungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, namentlich um die Mitte des 19. Jahrhunderts, ein Höhepunkt war. Die stärksten materialistischen Neigungen entwickelten sich da. Aber jede Neigung hat zur gleichen Zeit zur Folge, daß sich gewisse Talente ausbilden. Und das Große, das Gewaltige, das sich in der materialistischen wissenschaftlichen Methode ausgebildet hat, das rührt eben davon her, daß diese Neigungen der Seele, sich an die äußere sinnliche Welt zu halten, damals aufgetaucht sind.
[ 3 ] From all this, however, it will become clear to you that, the closer we come to the present stage of human development, the more we are confronted with a decline in the old spiritual powers and the emergence of tendencies in the human soul that are more directed toward the observation of the external sensory world. This developed gradually and truly reached its peak in the 19th century, specifically in the middle of the 19th century. As unclear as this may still be today to people who are less concerned with these matters, it will be just as clear to the people of the future that, with regard to materialistic tendencies, the second half of the 19th century—particularly around the middle of the 19th century—truly marked a high point. The strongest materialistic tendencies developed at that time. But every tendency also results, at the same time, in the development of certain talents. And the greatness, the power that has developed within the materialistic scientific method stems precisely from the fact that these tendencies of the soul to cling to the external sensory world emerged at that time.
[ 4 ] Nun müssen wir uns aber das, was eben gewissermaßen als Entwickelungsmoment der Menschheit angegeben worden ist, begleitet denken von einer anderen Erscheinung. Wenn Sie sich im Geiste zurückversetzen in die Urzeiten der geistigen Menschheitsentwickelung, so werden Sie finden: Dazumal waren, namentlich in bezug auf spirituelles Wissen, die Menschen in einer verhältnismäßig glücklichen Lage. Die meisten, fast alle Menschen wußten von der geistigen Welt durch unmittelbare Anschauung. So wie die heutigen Menschen von den Mineralien, Pflanzen und Tieren Wahrnehmungen haben, so wie sie von Tönen und Farben wissen, so wußten diese Menschen von der geistigen Welt. Sie wußten auch ganz im Konkreten von dieser geistigen Welt, so daß es in diesen alten Zeiten niemand eigentlich gab, der nicht in der Zeit, in der das volle Wachbewußtsein für die äußere sinnliche Welt schlafend oder träumend herabgedämmert war, mit den in seinem Leben ihm nahegestandenen Toten einen Zusammenhang gehabt hätte. Man konnte gewissermaßen während des Wachzustandes mit den Lebenden, während des Schlaf- oder Traumzustandes mit den Toten verkehren. Eine Lehre darüber, daß es eine Unsterblichkeit der Seele gibt, wäre in den Urzeiten der Menschheit selbstverständlich eine überflüssige Sache gewesen, so wie es heute eine überflüssige Sache wäre, zu beweisen, daß es Pflanzen gibt. Denken Sie, wie das wäre, wenn heute jemand beweisen wollte: es gibt Pflanzen. So aber wäre es in den Urzeiten gewesen, wenn jemand hätte beweisen wollen: es gibt ein Seelenleben auch nach dem Tode.
[ 4 ] Now, however, we must consider what has just been described, in a sense, as a stage in humanity’s development, alongside another phenomenon. If you transport yourself in spirit back to the earliest times of humanity’s spiritual development, you will find: At that time, particularly with regard to spiritual knowledge, human beings were in a relatively fortunate position. Most—almost all—people knew of the spiritual world through direct perception. Just as people today have perceptions of minerals, plants, and animals, just as they know about sounds and colors, so did these people know of the spiritual world. They also had very concrete knowledge of this spiritual world, so that in those ancient times there was virtually no one who, during the periods when full waking consciousness of the outer sensory world had dimmed—whether while sleeping or dreaming—did not have a connection with the dead who had been close to them in life. One could, so to speak, interact with the living while awake, and with the dead while asleep or dreaming. A doctrine asserting the immortality of the soul would, in the earliest times of humanity, have been a superfluous matter, just as it would be superfluous today to prove that plants exist. Imagine what it would be like if someone today wanted to prove that plants exist. That is how it would have been in the dawn of humanity if someone had wanted to prove that there is a life of the soul even after death.
[ 5 ] Diese Fähigkeit, mit der geistigen Welt zusammenzuleben, hat sich nach und nach in der Menschheit verloren. Gewiß waren immer einzelne da, die das Sehertum ausbildeten, die die Gelegenheit benutzten, welche der Menschheit noch gegeben war, ein besonderes Sehertum auszubilden. Aber auch das wurde immer schwieriger. Wie bildete man in alten Zeiten ein besonderes Sehertum aus? Sehen Sie, wenn man zum Beispiel heute noch mit Innigkeit die Philosophie Platos oder das, was von der Philosophie Feraklits vorhanden ist, durcharbeitet, so muß man diese Philosophien, insbesondere die älteren griechischen Philosophien ganz anders nehmen als die Philosophien der späteren Zeit. Versuchen Sie einmal das erste Kapitel der «Rätsel der Philosophie» zu lesen, wo ich dargestellt habe, wie diese alten Philosophen, Thales und Parmenides, Anaximenes und Heraklit noch zusammenhängen mit ihrem "Temperament. Das ist bisher noch nicht dargestellt worden. Es ist das zum erstenmal in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» dargestellt. Es wird daher noch eine lange Zeit brauchen, bis es geglaubt werden wird. Das macht aber nichts. Bis zu Plato hat man das Gefühl, die Philosophie, die da geboten wird, ergreift noch den ganzen Menschen. Das hört auf bei Aristoteles. Bei dem hat man das Gefühl, daß man es mit einer gelernten, einer Gelehrtenphilosophie zu tun hat. Daher gehört auch noch etwas mehr dazu, Plato zu verstehen, als der heutige Philosoph gewöhnlich aufzubringen vermag. Daher kommt es auch, daß zwischen Plato und Aristoteles eine Kluft besteht. Aristoteles ist schon Gelehrter im neueren Sinne, Plato ist der letzte Philosoph im alten griechischen Sinne, er ist ein Philosoph, der noch etwas von den lebendigen Begriffen hat. Solange man solch eine Philosophie hat, geht der Zusammenhang mit der geistigen Welt nicht verloren, und sie hat sich lange, bis ins Mittelalter hinein, fortgepflanzt. Das Mittelalter hat die Philosophie nicht fortgebildet, sondern hat die aristotelische Philosophie übernommen. Und es tat in bezug auf seine Zeit gut daran, diese aristotelische Philosophie bis zu einer gewissen Zeit einfach zu übernehmen. Auch die platonische Philosophie wurde übernommen. | Nun, solange in alten Zeiten wenigstens die Anlagen da waren zu einem gewissen Hellsehen, da geschah etwas sehr Bedeutsames, wenn die Menschen diese Philosophie auf sich wirken ließen. Heute wirkt eine Philosophie nur auf den Kopf, nur auf das Denken. Daher meiden so viele die Philosophie, weil sie das Denken nicht lieben. Und besonders weil es keine Sensationen bietet, wollen sie Philosophie nicht studieren. Die alte Philosophie aber, hereingenommen in die menschliche Seele, befruchtete noch durch ihre größere lebendige Gewalt die zurückgebliebenen Reste der seherischen Anlagen. Eine solche Philosophie war noch die platonische, selbst noch die aristotelische. Sie waren noch nicht so abstrakt wie die heutigen Philosophien, sie befruchteten noch die seherischen Anlagen. Und so geschah es, daß diejenigen Menschen, die sich solcher Philosophie hingaben, die sonst unter das Niveau hinuntersinkenden seherischen Anlagen befruchteten. So entstanden die Seher. Weil nun das, was man über die physische Welt lernen mußte — und auch die Philosophie -, nur für den physischen Plan Bedeutung hatte, aber immer mehr an Bedeutung gewann, entfernte man sich mehr und mehr von den Resten des alten Hellsehens. Da konnte man nicht mehr hinunter. Es gab immer mehr Schwierigkeiten, ein Seher zu werden. Das wird erst wieder möglich sein, wenn die neue Methode, deren Anfang gemacht worden ist mit «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», der Menschheit plausibel erscheinen wird.
[ 5 ] This ability to live in harmony with the spiritual world has gradually been lost among humankind. Certainly, there have always been individuals who cultivated clairvoyance, who took advantage of the opportunity still available to humankind to develop a special form of clairvoyance. But even that became increasingly difficult. How was a special form of clairvoyance cultivated in ancient times? You see, if, for example, one were to study Plato’s philosophy or what remains of Heraclitus’s philosophy with deep devotion even today, one would have to approach these philosophies—especially the older Greek philosophies—in a completely different way than the philosophies of later times. Try reading the first chapter of *The Riddles of Philosophy*, where I have described how these ancient philosophers—Thales, Parmenides, Anaximenes, and Heraclitus—are still connected to their “temperament.” This has not yet been described. It is presented for the first time in my book *The Riddles of Philosophy*. It will therefore take a long time before this is accepted. But that doesn’t matter. Up until Plato, one has the sense that the philosophy presented there still encompasses the whole person. This comes to an end with Aristotle. With him, one has the feeling that one is dealing with a learned, scholarly philosophy. That is why understanding Plato requires something more than what today’s philosophers are generally capable of mustering. This is also why there is a gulf between Plato and Aristotle. Aristotle is already a scholar in the modern sense, while Plato is the last philosopher in the ancient Greek sense—he is a philosopher who still possesses something of the living concepts. As long as such a philosophy exists, the connection with the spiritual world is not lost, and it persisted for a long time, well into the Middle Ages. The Middle Ages did not further develop philosophy but adopted Aristotelian philosophy. And, in relation to its own time, it did well to simply adopt this Aristotelian philosophy up to a certain point. Platonic philosophy was also adopted. | Now, as long as in ancient times at least the predispositions for a certain kind of clairvoyance were present, something very significant happened when people allowed this philosophy to take effect within them. Today, philosophy affects only the head, only thinking. That is why so many people avoid philosophy—because they do not love thinking. And especially because it offers no thrills, they do not want to study philosophy. Ancient philosophy, however, when taken into the human soul, still nourished the remaining vestiges of the clairvoyant faculties through its greater, living power. Such a philosophy was still the Platonic one, and even the Aristotelian one. They were not yet as abstract as today’s philosophies; they still nourished the clairvoyant faculties. And so it came to pass that those who devoted themselves to such philosophy nourished the clairvoyant faculties that would otherwise have sunk below the required level. Thus the clairvoyants arose. But because what one had to learn about the physical world—and philosophy as well—had significance only for the physical plane, yet was gaining ever greater importance, people drifted further and further away from the remnants of the old clairvoyance. It was no longer possible to go that far down. It became increasingly difficult to become a seer. This will only be possible again when the new method—the foundation of which was laid in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*—begins to seem plausible to humanity.
[ 6 ] Sie sehen, es geht also zunächst durchaus abwärts, um bei einer materialistischen Periode anzukommen, die, wie wir sahen, ihren Höhepunkt, man könnte auch sagen Tiefpunkt, in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat. Es ist sicher: Die Verhältnisse werden immer schwieriger und schwieriger, aber es dürfen doch nicht gewissermaßen die Fäden zerrissen werden mit den früheren Entwickelungsimpulsen der Menschheit.
[ 6 ] As you can see, things do indeed take a downward turn at first, leading to a materialistic period that, as we have seen, reached its peak—or, one might say, its low point—in the mid-19th century. One thing is certain: conditions are becoming increasingly difficult, but we must not, so to speak, sever the ties with humanity’s earlier developmental impulses.
[ 7 ] Wenn wir uns die Linien aufzeichnen, wie sich das Sehertum entwickelt hat, dann ist es so:
[ 7 ] If we trace the lines showing how the Sehertum has developed, the picture is as follows:


[ 8 ] Hier (gelb) ist das Sehertum noch vorhanden in voller Blüte, es schwindet immer mehr und mehr (grün); hier hätten wir die Mitte des 19. Jahrhunderts, den Tiefpunkt, und da müßte es wieder hinaufgehen.
[ 8 ] Here (yellow), the seer tradition is still in full bloom; it is fading more and more (green); here we would have the mid-19th century, the low point, and from there it would have to rise again.
[ 9 ] Aber wenn wir nun das Verstehen der geistigen Welt nehmen - ja, das Verstehen der geistigen Welt ist wieder etwas anderes als das Sehertum. So wie die Wissenschaft für die Welt etwas anderes ist als bloße Sinneswahrnehmung, so ist das Hellsehen etwas anderes als das Verstehen des Gesehenen. So kommt es, daß in den ältesten Zeiten die Menschen sich zum großen Teile mit dem Sehen begnügt haben, daß sie überhaupt nicht dazu kamen, viel nachzudenken; sie hatten alles in ihrem Sehertum gegeben. Aber immer mehr und mehr kam auch das Denken herauf. So daß ich die Linie des Denkens über die geistigen Welten so ziehen kann (siehe Zeichnung): Das wäre die Linie des Schauens, des Sehens: a-b, und das wäre die Linie des Denkens: c-d.
[ 9 ] But if we now consider the understanding of the spiritual world—indeed, the understanding of the spiritual world is something different from clairvoyance. Just as science is something different from mere sensory perception, so too is clairvoyance something different from the understanding of what is seen. This is why, in the earliest times, people were largely content with seeing, and never got around to thinking much at all; they had poured everything into their clairvoyance. But thinking also came to the fore more and more. So that I can draw the line of thinking about the spiritual worlds as follows (see diagram): This would be the line of gazing, of seeing: a–b, and this would be the line of thinking: c–d.
[ 10 ] In den alten Zeiten des Sehens ist der Mensch mit seinem Sehen beschäftigt, da liegt das Denken gewissermaßen im Unterbewußten der Seele. Die alten Seher denken nicht. Es ist ihnen alles durch ihr Sehen unmittelbar gegeben. Erst in den Zeiten um das 3. bis 4. Jahrtausend ergreift das Denken das Sehen. Da gab es eine Blütezeit in der indischen, persischen, ägyptisch-chaldäischen und auch in der ganz alten griechischen Kultur; eine Blütezeit, in welcher in der Menschenseele das noch ganz frische Denken sich vermählte mit dem Schauen. Da war das Denken noch nicht so ausspintisiert wie in unserer Zeit. Da hatte man einige große, umfassende Begriffe und dazu das Schauen (e). So etwas war, wenn auch da schon abgeschwächt, zum Beispiel besonders heimisch bei den Sehern, welche die samothrakischen Mysterien gründeten und darin brachten die große, monumentale Lehre von den vier Göttern: Axieros, Axiokersos, Axiokersa und Kadmillos. Diese große, monumentale Lehre von den vier kabirischen Göttern, die einstmals vorhanden war auf der thrakischen Insel Samos, in Samothrakien, war so, daß derjenige, der in sie eingeweiht wurde, einige große Begriffe bekam und damit dann verbinden konnte, was noch an Ergebnissen des alten Sehertums vorhanden war. Vielleicht können wir auch solche Dinge noch einmal genauer schildern.
[ 10 ] In the ancient times of vision, human beings are absorbed in their seeing; thinking, so to speak, lies in the subconscious of the soul. The ancient seers do not think. Everything is given to them directly through their seeing. It is not until the period around the 3rd to 4th millennia that thinking takes hold of vision. There was a golden age in Indian, Persian, Egyptian-Chaldean, and also in very ancient Greek culture—a golden age in which, within the human soul, thinking, still quite fresh, united with vision. At that time, thinking was not yet as over-elaborated as it is in our time. People possessed a few great, comprehensive concepts, accompanied by vision (e). Such a state of affairs—albeit already in a weakened form—was particularly at home, for example, among the seers who founded the Samothracian Mysteries and introduced into them the great, monumental teaching of the four gods: Axieros, Axiokersos, Axiokersa, and Kadmillos. This great, monumental teaching of the four Kabiric gods, which once existed on the Thracian island of Samos, in Samothrace, was such that whoever was initiated into it received certain grand concepts and could then connect them with whatever remained of the achievements of the ancient seers. Perhaps we can also describe such things in greater detail at a later time.
[ 11 ] Dann sehen wir gewissermaßen das Sehertum versinken unter die Schwelle des Bewußtseins. Es wurde immer schwieriger, heraufzubringen aus den Tiefen der Seele das Sehertum. Aber natürlich konnte man einige der Begriffe behalten, sogar weiter ausbilden, und so kam endlich eine Zeit herauf, in der es Eingeweihte gab, die nicht notwendigerweise Seher zu sein brauchten; also wohlgemerkt, Eingeweihte, die nicht notwendigerweise Seher zu sein brauchten.
[ 11 ] Then, in a sense, we see clairvoyance sink below the threshold of consciousness. It became increasingly difficult to bring clairvoyance up from the depths of the soul. But of course, it was possible to retain some of the concepts—and even develop them further—and so a time finally came when there were initiates who did not necessarily have to be clairvoyants; that is to say, initiates who did not necessarily have to be clairvoyants.
[ 12 ] An den verschiedenen Orten, an denen diese Eingeweihten Vereinigungen hatten, in den Eingeweihtenschulen, nahm man einfach das, was zum Teil von alten. Zeiten her aufbewahrt war, von dem also gesagt werden konnte, alte Seher haben es gesehen, zum Teil nahm man auch dasjenige, was heraufgeholt werden konnte von Menschen, die noch die atavistischen Anlagen des Hellsehens hatten. Davon überzeugte man sich zum Teil durch historische Überlieferungen, zum Teil durch Experimente. Man überzeugte sich davon, daß es wahr ist, was man dachte. Aber nach und nach gab es in diesen Vereinigungen immer weniger Menschen, die noch in die geistige Welt hineinschauen konnten, und immer mehr solche, die die Theorie von der geistigen Welt hatten und diese in Symbolen und dergleichen ausdrückten.
[ 12 ] At the various locations where these initiates had their gatherings—in the schools for initiates—they simply drew upon what had been preserved, in part, from ancient times—that is, things about which it could be said that ancient seers had seen them—and in part, they also drew upon what could be elicited from people who still possessed the atavistic faculties of clairvoyance. This was verified partly through historical traditions and partly through experiments. They became convinced that what they had thought was true. But little by little, there were fewer and fewer people in these societies who could still look into the spiritual world, and more and more who held a theoretical understanding of the spiritual world and expressed it through symbols and the like.
[ 13 ] Denken Sie nur einmal darüber nach, was sich daraus ergeben mußte in der Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts, wo die materialistischen Neigungen der Menschen auf einem Tiefpunkte angelangt waren. Es gab selbstverständlich Leute, die wußten, daß es eine geistige Welt gibt und die auch wußten, was in der geistigen Welt darinnen ist, die aber die geistige Welt nie gesehen hatten. Ja, gerade die hervorragendsten Wissenden im 19. Jahrhundert waren solche Menschen, die eigentlich gar nichts irgendwie gesehen haben von der geistigen Welt, die aber wußten, daß es eine geistige Welt gibt und die nachdenken konnten über die geistige Welt, die auch neue Wahrheiten finden konnten mit Hilfe gewisser Methoden, mit Hilfe einer gewissen Symbolik, die in der alten Tradition aufbewahrt waren. Wenn man zum Beispiel, um nur eines zu sagen, einen Menschen aufzeichnet, so kann man nichts: Besonderes daraus gewinnen, wenn man das Bild anschaut. Wenn man aber eine menschliche Gestalt mit einem Löwenkopf aufzeichnet und eine andere mit einem Stierkopf, dann kann derjenige, der gelernt hat solche Dinge auszudeuten, sehr vieles aus einer solchen symbolischen Darstellung entnehmen. Oder wenn man einen Stier mit einem Menschenkopf oder einen Löwen mit einem Menschenkopf malt, so kann derjenige, der in solche Dinge eingeweiht ist, sehr viel daraus lernen. Solche Symbole wurden sehr viel aufgezeichnet und es gab dann ernsthafte Vereinigungen, bei denen man die symbolische Sprache lernen konnte, über die ich nicht mehr sagen will, als ich gesagt habe, da die Eingeweihtenschulen diese Symbole sehr streng behütet und sie niemand mitgeteilt haben, der sich nicht verpflichtet hatte, über diese Dinge zu schweigen. Man brauchte, um ein guter Wissender zu sein, überhaupt nur diese symbolische Sprache, das heißt eine gewisse symbolische Schrift.
[ 13 ] Just think for a moment about what this must have led to around the middle of the 19th century, when people’s materialistic tendencies had reached a low point. Of course, there were people who knew that a spiritual world exists and who also knew what is contained within that spiritual world, but who had never actually seen it. Indeed, the most outstanding scholars of the 19th century were precisely those who had not actually seen anything at all of the spiritual world, but who knew that a spiritual world exists and were able to reflect upon it, and who could also discover new truths with the help of certain methods and a certain symbolism preserved in the ancient tradition. For example—to mention just one thing—if you draw a human figure, you cannot glean anything in particular from looking at the picture. But if one draws a human figure with a lion’s head and another with a bull’s head, then someone who has learned to interpret such things can glean a great deal from such a symbolic representation. Or if one paints a bull with a human head or a lion with a human head, then someone who is initiated into such matters can learn a great deal from it. Such symbols were recorded in great numbers, and there were serious societies where one could learn this symbolic language—about which I do not wish to say more than I have already said, since the schools of the initiated guarded these symbols very strictly and did not reveal them to anyone who had not pledged to remain silent about these matters. To be a true initiate, one needed nothing more than this symbolic language—that is, a certain symbolic script.
[ 14 ] So war also der Stand in der Mitte des 19. Jahrhunderts, daß die allgemeine Menschheit, gerade die zivilisierte Menschheit, tief im Unterbewußtsein alles Schauen des Geistigen hatte, daß diese Menschheit jedoch nur materialistische Neigungen hatte. Aber es gab eine große Anzahl von Leuten, welche wußten, daß es eine geistige Welt gibt, welche wußten, daß ebenso wie wir von der Luft umgeben sind, wir von einer geistigen Welt umgeben sind. Diese Menschen waren aber zugleich mit einer gewissen Verantwortlichkeit belastet, denn sie konnten auf keine unmittelbar vorhandenen Fähigkeiten verweisen, um zu zeigen, daß es eine geistige Welt gibt, und doch wollten sie die Welt draußen nicht versinken lassen in ihre materialistischen Neigungen. So standen diejenigen, die eingeweiht waren, im 19. Jahrhundert einer ganz besonderen Situation gegenüber, der Situation, daß sie sich sagen mußten: Sollen wir ferner bloß in den engen Kreisen, in Kreisen von Vereinigungen bewahren, was uns von alten Zeiten überkommen ist, und sollen wir zusehen, wie die ganze Menschheit samt ihrer Kultur und Philosophie in den Materialismus versinkt? Sollen wir da zuschauen? — Sie durften gar nicht gleichgültig zuschauen, insbesondere diejenigen nicht, die die Dinge ganz ernst nahmen.
[ 14 ] Thus, in the mid-19th century, the general human race—especially the civilized portion of it—had, deep in its subconscious, an awareness of the spiritual realm, yet this same human race held only materialistic inclinations. But there was a large number of people who knew that a spiritual world exists, who knew that just as we are surrounded by air, we are surrounded by a spiritual world. At the same time, however, these people were burdened with a certain responsibility, for they could not point to any immediately available abilities to demonstrate that a spiritual world exists, and yet they did not want to let the outside world sink into its materialistic tendencies. Thus, those who were initiated faced a very special situation in the 19th century—the situation in which they had to ask themselves: Should we continue to preserve what has been handed down to us from ancient times only within narrow circles, within the circles of various societies, and should we stand by and watch as all of humanity, along with its culture and philosophy, sinks into materialism? Should we just stand by and watch? — They could not afford to stand by indifferently, especially those who took these matters very seriously.
[ 15 ] So geschah es denn auch, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts unter denjenigen Menschen, die eingeweiht waren, die Worte «Esoteriker» und «Exoteriker», wenn sie so untereinander waren, eine von der früheren abweichende Bedeutung erhielten. Es teilten sich geradezu die Okkultisten in zwei Parteien, in Exoteriker und Esoteriker. Wenn man vergleichsweise die Ausdrücke der heutigen Parlamente benützen will, die natürlich im Grunde ungeeignet sind, so könnte man vergleichen die Exoteriker mit den in den Parlamenten links sitzenden Parteien, und die Esoteriker mit den rechts sitzenden Parteien. Die Esoteriker waren nämlich diejenigen, welche auf dem strengen Standpunkte weiter fortbestehen wollten, nichts in die Öffentlichkeit kommen zu lassen von dem, was heiliges überliefertes Wissen ist, und nichts in die Offentlichkeit kommen zu lassen von dem, was für den denkenden Menschen zum Eindringen führen könnte in die symbolische Sprache. Die Esoteriker waren also gewissermaßen die Konservativen unter den Okkultisten. Und die Exoteriker — ja, man kann fragen, was sind denn die Exoteriker? Das sind eigentlich diejenigen, welche einen Teil des Esoterischen exoterisch machen wollen. Im Grunde waren die Exoteriker nichts anderes als die Esoteriker, nur waren sie geneigt, auf ihr Verantwortlichkeitsgefühl zu hören und einen Teil des esoterischen Wissens zu veröffentlichen.
[ 15 ] And so it came to pass that in the mid-19th century, among those who were initiated, the terms “esotericists” and “exotericists” took on a meaning different from their earlier one when used in private conversation. The occultists were, in effect, divided into two factions: the exotericists and the esotericists. If one were to use the terminology of today’s parliaments for comparison—which, of course, is fundamentally unsuitable—one could compare the exotericists to the parties sitting on the left in parliament, and the esotericists to the parties sitting on the right. The esotericists were, in fact, those who wished to continue adhering to the strict principle of not allowing anything from the sacred, traditional knowledge to become public, and not allowing anything that might lead a thinking person to penetrate the symbolic language to become public. The esotericists were thus, in a sense, the conservatives among the occultists. And the exotericists—yes, one might ask, what exactly are the exotericists? They are, in fact, those who wish to make a part of the esoteric public. Essentially, the exotericists were nothing other than the esotericists; they were simply inclined to heed their sense of responsibility and to publish a portion of the esoteric knowledge.
[ 16 ] Das gab damals wirklich eine ausgebreitete Diskussion, von der die äußere Welt freilich nichts weiß, die aber gerade besonders heftig war in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wahrhaftig, viel heftiger als in den Parlamenten die Streitigkeiten zwischen den Konservativen und Liberalen waren die Streitigkeiten und Diskussionen zwischen den Esoterikern und Exoterikern. Die Esoteriker stellten sich auf den Standpunkt, nur für diejenigen, welche die strengste Schweigepflicht übernehmen und einer Gesellschaft angehören wollten, irgend etwas zu sprechen von der geistigen Welt, ein Wissen von der geistigen Welt zu übergeben. Die Exoteriker sagten: Auf diesem Wege versinken diejenigen Menschen, die sich nicht einer solchen Gesellschaft, nicht einem solchen Bunde anschließen, in den Materialismus.
[ 16 ] This really sparked a widespread debate at the time—one of which the outside world, of course, knows nothing, but which was particularly intense in the mid-19th century. Truly, the disputes and discussions between the esotericists and exotericists were far more intense than the disputes between conservatives and liberals in the parliaments. The esotericists took the position that they would speak of the spiritual world—and impart knowledge of it—only to those who would undertake the strictest obligation of secrecy and wished to belong to a society. The exotericists said: In this way, those who do not join such a society or such a fellowship will sink into materialism.
[ 17 ] Und nun schlugen die Exoteriker einen Weg vor, und ich kann Ihnen das heute sagen: den Weg, den dazumal die Exoteriker vorgeschlagen haben, gehen wir heute. Der Weg, den wir gehen, das ist der Weg, den die Exoteriker vorgeschlagen haben, nämlich einen bestimmten Teil des esoterischen Wissens populär zu machen. Sie sehen auch, wie wir gearbeitet haben mit Zuhilfenahme dessen, was man finden kann in populären Schriften, so daß man allmählich aufsteigen kann in die geistigen Welten.
[ 17 ] And now the exotericists proposed a path, and I can tell you this today: we are following the path that the exotericists proposed back then. The path we are following is the one the exotericists proposed, namely, to make a certain part of esoteric knowledge accessible to the general public. You can also see how we have worked using what can be found in popular writings, so that one can gradually ascend into the spiritual worlds.
[ 18 ] In der Mitte des 19. Jahrhunderts war man noch nicht so weit, daß irgend jemand aus den Anschauungen heraus so etwas zuzugeben wagte. Selbstverständlich geht es in solchen Kreisen nicht so zu, daß Abstimmungen stattfinden. Es ist, wenn man das Folgende sagt, auch schon symbolisch, aber man kann doch sagen: bei der ersten Abstimmung hatten die Esoteriker gesiegt, und die Exoteriker mußten sich fügen. Man widerstrebte nicht der Gemeinschaft, weil man die alten guten Gebote der Zusammengehörigkeit hatte. Erst in der neueren Zeit ist man so weit gekommen, daß man Mitglieder ausschließt, oder daß Mitglieder austreten. So etwas gab es früher nicht, weil man verstand, was zusammenzustehen hat in Bruderschaft. So konnten selbstverständlich die Exoteriker nichts anderes tun, als sich fügen. Aber es lastete auf ihnen ihre Verantwortlichkeit, die Verantwortlichkeit gegenüber der ganzen Menschheit. Sie fühlten sich gewissermaßen als Hüter der Evolution. Das lastete auf ihnen, und so kam es, daß es bei der ersten Abstimmung, wenn ich noch einmal das Wort gebrauchen darf, nicht blieb, sondern daß man zu dem schritt - ich werde wieder ein Wort gebrauchen, das von der Außenwelt genommen, also symbolisch ist -, was man Kompromiß nennt, zu einer Art Kompromiß. Das bedeutet das Folgende.
[ 18 ] In the mid-19th century, people were not yet ready for anyone to dare admit such a thing based on their beliefs. Of course, in such circles, things do not work in such a way that votes are held. It is, to put it this way, already symbolic, but one can still say: in the first vote, the esotericists had prevailed, and the exotericists had to comply. People did not resist the community because they held fast to the good old precepts of solidarity. It is only in more recent times that things have reached the point where members are expelled or choose to resign. Such things did not happen in the past, because people understood what it means to stand together in brotherhood. So, naturally, the exotericists had no choice but to comply. But their responsibility—their responsibility toward all of humanity—weighed heavily upon them. They felt, in a sense, like guardians of evolution. This weighed heavily upon them, and so it came to pass that the matter did not remain at the first vote—if I may use that term again—but rather that they proceeded to what is called a compromise—I will again use a term borrowed from the outside world, and thus symbolic—a kind of compromise. This means the following.
[ 19 ] Man sagte sich, das gaben auch die Esoteriker zu: Es ist dringend notwendig, daß die allgemeine Menschheit erfährt, daß es nicht bloß Materie und nicht bloß materielle Gesetze und nichts Geistiges in der Umgebung gibt, sondern daß die allgemeine Menschheit erfährt, daß wir ebenso, wie wir von Materiellem umgeben sind, von Geistigem umgeben sind, und daß der Mensch nicht nur das ist, als was er uns entgegentritt, wenn wir ihn im materiellen Sinne anschauen, sondern daß er noch etwas in sich hat, was geistig-seelischer Natur ist. Man muß der Menschheit die Möglichkeit retten, so etwas zu wissen. Darüber kam man überein, das war der Kompromiß.
[ 19 ] It was said—and even the esotericists admitted this—that it is urgently necessary for humanity at large to realize that there is not merely matter, nor merely material laws, and nothing spiritual in the world around us; rather, humanity must realize that just as we are surrounded by the material, we are also surrounded by the spiritual, and that human beings are not merely what they appear to be when we view them in a material sense, but that they also possess something within themselves that is of a spiritual and soul nature. We must preserve humanity’s ability to know such things. This was the agreement reached; that was the compromise.
[ 20 ] Aber das esoterische Wissen preiszugeben, dazu fanden sich die Esoteriker des 19. Jahrhunderts nicht bereit. Das esoterische Wissen sollte nicht preisgegeben werden. Daher mußte man eine andere Methode zulassen, die in der Welt auftrat. Wie sie zustande kam, ist eine komplizierte Geschichte. Ich habe davon öfter gesprochen; namentlich bei Gelegenheit der Gründung einzelner Zweige habe ich öfter gesprochen von den Tatsachen, die da geschehen sind. Man sagte also: Das esoterische Wissen veröffentlichen, das wollen wir nicht; aber wir wollen einmal mit dem Materialismus des Zeitalters rechnen. — Gewissermaßen war es ein begründeter Erfahrungssatz, von dem namentlich die Esoteriker ausgingen. Denn wenn wir immerhin sehen, wie in der Gegenwart das esoterische Wissen vielfach entgegengenommen wird, dann können wir schon Verständnis und Mitgefühl haben mit denjenigen, die dazumal als Esoteriker sagten: Wir wollen nichts wissen von einer Veröffentlichung esoterischen Wissens. — Wir müssen uns nur klarmachen, daß wir es immer wieder und wieder beobachten können, wie die Veröffentlichung des esoterischen Wissens geradezu zu einer Kalamität wird, und wie diejenigen, die das esoterische Wissen bekommen, selber Hemmnisse und Hindernisse aufwerfen gegen die Verbreitung des esoterischen Wissens. Wir haben ja in den letzten Wochen vielfach davon gesprochen, Solche Hemmnisse und Hindernisse, die da aufgeworfen werden, werden noch viel zu wenig berücksichtigt. Man muß wirklich die schlimmsten Erfahrungen machen, wenn es sich darum handelt, das esoterische Wissen zu veröffentlichen. Wenn man den besten Willen hat, auch dem einzelnen Hilfe zu leisten: schon in den elementarsten Dingen ergeben sich Kalamitäten! Sie glauben gar nicht, wie oft es immer wieder vorkommt, daß dem einzelnen dieser oder jener Rat gegeben wird. Der Rat gefällt ihm aber nicht. Wenn die Außenwelt davon spricht, daß ein Okkultist, der so wirkt, wie hier gewirkt wird, eine große Autorität habe, so ist das nur eine Rederei. Solange Ratschläge gegeben werden, die gefallen, kommt der Okkultist meist durch. Aber wenn Ratschläge gegeben werden, die nicht mehr gefallen, so nimmt man sie nicht an. Die Menschen drohen sogar und sagen: Wenn du mir nicht andere Ratschläge gibst, so komme ich mit mir nicht zurecht. — Bis zu Drohungen geht das, und dabei liegt nichts anderes vor, als daß man das,was dem Betreffenden gut ist, gesagt hat. Da er aber etwas anderes haben will, so sagt er: Ich habe jetzt lange genug gewartet, sage mir jetzt, um was es sich handelt! Es wurde ihm das schon längst gesagt, aber das gefällt ihm nicht. Das führt dann immer weiter und endlich dazu, daß diejenigen, welche zuerst die allerautoritätsgläubigsten Anhänger waren, die allererbittertsten Feinde werden. Sie erwarten nämlich Ratschläge, die sie haben möchten, und sobald sie andere erhalten als die, welche sie haben wollen, verwandeln sie sich in erbitterte Feinde. Gerade unsere Zeit also lehrt uns, daß wir nicht einfach verurteilen können die Esoteriker, die da sagten, sie lassen sich nicht ein auf eine Popularisierung der esoterischen Wahrheiten.
[ 20 ] But the esotericists of the 19th century were not prepared to reveal esoteric knowledge. Esoteric knowledge was not to be revealed. Therefore, it was necessary to allow for another method that emerged in the world. How it came about is a complicated story. I have spoken of this on several occasions; particularly on the occasion of the founding of individual branches, I have often spoken of the events that took place there. So it was said: We do not want to publish esoteric knowledge; but we must take the materialism of the age into account. — In a sense, it was a well-founded principle based on experience, one from which the esotericists in particular proceeded. For when we see how esoteric knowledge is often received in the present day, we can certainly have understanding and sympathy for those who, as esotericists at that time, said: “We want nothing to do with the publication of esoteric knowledge.” — We need only realize that we can observe time and again how the publication of esoteric knowledge becomes nothing short of a calamity, and how those who receive esoteric knowledge themselves create obstacles and barriers to its dissemination. We have, after all, spoken about this many times in recent weeks: such barriers and obstacles that are erected are still given far too little consideration. One really has to go through the worst of experiences when it comes to publishing esoteric knowledge. Even with the best of intentions to help the individual, calamities arise even in the most basic matters! You wouldn’t believe how often it happens that this or that piece of advice is given to the individual. But the advice doesn’t please him. When the outside world speaks of an occultist who works as we do here having great authority, that is nothing but empty talk. As long as advice is given that pleases people, the occultist usually gets by. But when advice is given that no longer pleases them, they do not accept it. People even threaten, saying: “If you don’t give me different advice, I won’t be able to cope.” — It goes as far as threats, and yet the only thing that has happened is that what is good for the person in question has been told to them. But since he wants something else, he says: “I’ve waited long enough; now tell me what this is all about!” He was told this long ago, but he doesn’t like it. This then escalates further and further, ultimately leading to the point where those who were initially the most devout followers of authority become the most bitter enemies. For they expect the advice they want, and as soon as they receive advice other than what they want, they turn into bitter enemies. Our own time, therefore, teaches us that we cannot simply condemn the esotericists who said they would not engage in the popularization of esoteric truths.
[ 21 ] Und so kam es in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht dazu, eine solche Popularisierung zu geben, sondern man wollte rechnen mit den materialistischen Neigungen des Zeitalters. Ja, es ist schwierig, das auszusprechen, was zu sagen ist, ich kann es nur in Worte, die nie so gesprochen worden sind, fassen, sie sind aber wahr. Dazumal sagte der Esoteriker: Was soll ich mit dieser Menschheit! Ich könnte ihr lange vorreden von den eigentlichen Lehren der Esoterik, da werden sie mich und euch höchstens auslachen. Ihr werdet höchstens einige Leichtgläubige bekommen, einige leichtgläubige Frauen, wenige leichtgläubige Männer, aber die, welche auf Wissenschaftlichkeit halten, die werdet ihr nicht gewinnen können. Ihr müßt rechnen mit den Neigungen der Zeit!
[ 21 ] And so, in the mid-19th century, such a popularization did not take place; instead, people sought to capitalize on the materialistic tendencies of the age. Yes, it is difficult to put into words what needs to be said; I can only express it in words that have never been spoken before, but they are true. Back then, the esotericist said: “What am I to do with this humanity! I could lecture them at length on the true teachings of esotericism, but at best they’ll just laugh at me and at you.” At best, you’ll get a few gullible people—some gullible women, a few gullible men—but those who value scientific rigor, you won’t be able to win them over. You must take the prevailing tendencies of the age into account!
[ 22 ] Die Folge davon war, daß man versuchte eine Methode aufzufinden, durch die man auf die geistige Welt aufmerksam gemacht werden konnte, und zwar ganz so, wie man materialistisch aufmerksam gemacht wird auf so etwas wie die Tatsache, daß beim Verbrecher der Hinterhauptlappen das Kleinhirn gar nicht oder nicht ganz bedeckt. So kam es, daß bewußt in Szene gesetzt wurde der Mediumismus. Gewissermaßen waren die Medien die Agenten derjenigen, die auf diesem Wege den Menschen die Überzeugung von einer geistigen Welt beibringen wollten, weil man durch sie mit äußeren Augen sehen konnte, was aus der geistigen Welt stammte, weil sie etwas hervorbrachten, was man auf dem physischen Plane zeigen konnte. Der Mediumismus war ein Mittel, um dem Menschen beizubringen, daß es eine geistige Welt gibt. Es hatten sich die Exoteriker und Esoteriker geeinigt, den Mediumismus zu protegieren, um dem Hang des Zeitalters entgegenzukommen.
[ 22 ] As a result, attempts were made to find a method by which people could be made aware of the spiritual world—in much the same way that, from a materialistic perspective, people are made aware of something like the fact that, in criminals, the occipital lobe does not cover the cerebellum at all or only partially. Thus it came to pass that mediumship was deliberately staged. In a sense, the mediums were the agents of those who wanted to use this method to convince people of the existence of a spiritual world, because through them one could see with physical eyes what originated in the spiritual world, since they produced something that could be demonstrated on the physical plane. Mediumship was a means of teaching people that a spiritual world exists. The exotericists and esotericists had agreed to promote mediumship in order to accommodate the spirit of the age.
[ 23 ] Nehmen Sie - denn in gewisser Beziehung ist das nicht schlecht -, was Herr von Wrangell geschrieben hat auf Seite 41 seiner Broschüre: «Es genügt, an Namen wie Zöllner, Wallace, du Prel, Crookes, Butlerow, Rochas, Oliver Lodge, Flammarion, Morselli, Schiaparelli, Ochorowicz, James und andere zu erinnern.» Wodurch sind sie zu der Überzeugung einer geistigen Welt gekommen? Dadurch, daß sie Kundgebungen aus der geistigen Welt erhalten hatten und sie vielleicht erhalten mußten. Aber alles, was durch die geistige Welt und durch die Eingeweihtenwelt getan werden kann, sind zunächst eigentlich Versuche mit der Menschenwelt. Man muß immer prüfen, wozu die Menschheit schon reif ist. Es war also auch dieses Protegieren des Mediumismus, des Spiritismus, gewissermaßen ein Versuch. Und dieser Versuch ist dann eigentlich auch so gewesen, daß sie nur sagen konnten, beide, die Exoteriker und die Esoteriker, die den Kompromiß geschlossen haben: Wir wollen sehen, was da herauskommt. — Und was ist da herausgekommen?
[ 23 ] Consider—for in a certain sense this is not a bad thing—what Mr. von Wrangell wrote on page 41 of his pamphlet: “It suffices to recall names such as Zöllner, Wallace, du Prel, Crookes, Butlerow, Rochas, Oliver Lodge, Flammarion, Morselli, Schiaparelli, Ochorowicz, James, and others.” How did they come to believe in a spiritual world? Because they had received messages from the spiritual world—and perhaps had to receive them. But everything that can be done through the spiritual world and through the world of the initiated is, at first, essentially an experiment with the human world. One must always assess what humanity is already ready for. So this promotion of mediumship and spiritualism was, in a sense, an experiment. And this experiment actually took the form that both the exotericists and the esotericists, who had reached a compromise, could only say: “Let’s see what comes of it.” — And what did come of it?
[ 24 ] Der größte Teil der Medien berichtete von einer Welt, in der die Toten wohnen. Lesen Sie nur die diesbezügliche Literatur. Was da herausgekommen ist, das war für diejenigen, die eingeweiht waren, im höchsten Maße betrübend. Das schlimmste Resultat, das man hat erzielen können, war herausgekommen. Denn, sehen Sie, zwei Dinge waren möglich. Das eine war: Man benützte Medien. Die Medien teilen irgend etwas mit. Das, was sie mitteilen, können sie nur beziehen auf die gewöhnliche Umwelt, die ja auch in ihren sinnlichen Elementen Geist enthält. Es haben nun die Leute erwartet, daß die Medien allerlei geheime Naturgesetze, elementare Naturgesetze zutage fördern werden. Etwas anderes konnte zunächst auch nicht kommen, aus dem Grunde nicht, der sich aus dem Folgenden ergibt.
[ 24 ] Most of the media reported on a world inhabited by the dead. Just read the literature on this subject. What emerged from it was, for those in the know, deeply distressing. The worst possible outcome had come to pass. For, you see, two things were possible. One was: people used mediums. The mediums convey something. What they convey can only relate to the ordinary environment, which, after all, also contains spirit in its sensory elements. People had expected the mediums to reveal all sorts of secret laws of nature, elemental laws of nature. Nothing else could have come of it at first, for the reason that follows.
[ 25 ] Wir wissen, der Mensch besteht aus physischem Leib, ätherischem Leib, astralischem Leib und Ich. Der eigentliche Mensch ist also vom Einschlafen bis zum Aufwachen im Ich und astralischen Leibe. Da ist er aber zugleich auch in der Welt, in der die Toten sind. Aber das Medium, das da sitzt, das ist nicht ein Ich und ein astralischer Leib. Bei diesem Medium, das da sitzt, dämpft man das Ich-Bewußtsein und auch das astralische Bewußtsein herunter; man macht gerade recht regsam den physischen und den ätherischen Leib. Dadurch kann es dann in Beziehung treten zu einem Hypnotiseur oder zu einem Inspirator, also zu einem anderen Menschen. Das Ich eines anderen Menschen oder auch die Umgebung kann dann auf das Medium wirken. Eigentlich fehlt dem Medium die Möglichkeit, in das Reich der Toten hineinzugehen, weil es gerade dasjenige ausgelöscht hat, was im Bereiche der Toten ist. Also die Medien haben versagt. Sie haben Berichte gegeben angeblich gerade aus jenem Reiche, in dem die Toten darinnen sind. Man hat also gesehen, daß man mit diesem Versuche nichts anderes erreicht hatte, als daß man einen großen Irrtum verbreitete. Man konnte sich also eines schönen Tages sagen, daß man einen Weg gegangen war, der die Menschen in einen Irrtum hineinführte, denn er führte sie hinein in eine rein luziferische Lehre, die verbunden war mit rein ahrimanischen Beobachtungen. Man hatte also einen Irrtum verbreitet, und es konnte nichts Gutes dabei herauskommen. Das hat man nach und nach eingesehen.
[ 25 ] We know that the human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and the “I.” From the moment of falling asleep until waking up, the true human being is therefore present in the “I” and the astral body. At the same time, however, he is also in the world where the dead reside. But the medium sitting there is not an “I” and an astral body. In this medium sitting there, the “I” consciousness and the astral consciousness are suppressed; the physical and etheric bodies are made particularly active. This allows the medium to enter into a relationship with a hypnotist or an inspirer—that is, with another human being. Another person’s “I” or even the surroundings can then influence the medium. In fact, the medium lacks the ability to enter the realm of the dead, because it has precisely extinguished that which belongs to the realm of the dead. Thus, the mediums have failed. They have given accounts supposedly from that very realm in which the dead reside. It thus became clear that these experiments had achieved nothing other than spreading a great error. One could therefore conclude one fine day that a path had been taken which led people into error, for it led them into a purely Luciferic doctrine linked to purely Ahrimanic observations. Thus, an error had been spread, and nothing good could come of it. This was gradually recognized.
[ 26 ] So sehen Sie, wie ein Versuch seinen Weg genommen hat, mit den materialistischen Neigungen des Zeitalters zu rechnen und dennoch den Menschen ein Bewußtsein beizubringen davon, daß eine geistige Welt um uns herum ist. Der Weg führte zunächst zu einem Irrtum, wie wir gesehen haben. Daraus aber können Sie entnehmen, wie notwendig es ist, den anderen Weg wirklich zu gehen. Dieser Weg, wirklich damit zu beginnen, einen Teil des esoterischen Wissens exoterisch zu machen, muß eben gegangen werden, und man muß ihn selbst dann gehen, wenn er Kalamität über Kalamität bringt. Die Tatsache, daß wir eben Geisteswissenschaft treiben, ist sozusagen eine Anerkennung der Notwendigkeit, daß das Prinzip der Exoteriker von der Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt werde. Und nichts anderes ist die Art und das Streben der Geisteswissenschaft, die wir treiben wollen, als dieses Prinzip in einer gewissen Weise durchzuführen, ehrlich durchzuführen.
[ 26 ] So you can see how an attempt was made to take the materialistic tendencies of the age into account while still instilling in people an awareness that a spiritual world surrounds us. As we have seen, this path initially led to an error. But from this you can see how necessary it is to truly take the other path. This path—truly beginning to make a part of esoteric knowledge exoteric—must be taken, and one must take it even if it brings calamity upon calamity. The very fact that we are engaged in Spiritual Science is, so to speak, an acknowledgment of the necessity of carrying out the principle advocated by the exotericists of the mid-19th century. And the nature and aim of Spiritual Science we wish to pursue is nothing other than to carry out this principle in a certain way—to carry it out honestly.
[ 27 ] Aus alledem aber ersehen Sie, daß wir in dem Materialismus es zu tun haben mit etwas, worüber man nicht bloß spintisieren kann, sondern was man verstehen muß in der Notwendigkeit seines Heraufkommens, insbesondere seines Höhepunktes oder Tiefpunktes um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Begonnen hat die Sache allerdings schon vor längerer Zeit, schon vor drei, vier, fünf Jahrhunderten. Da gingen immer mehr und mehr ins Unterbewußte jene spirituellen Neigungen der Menschen hinunter. Es war also in der Mitte des 19. Jahrhunderts nur der Höhepunkt erreicht. Aber das war auch notwendig, damit sich, ungehindert von okkulten Fähigkeiten, die rein materialistischen Talente der Menschen ausbilden konnten. Ein materialistischer Philosoph wie Kant, ein materialistischer Philosoph von dem Standpunkte der Idealisten des 19. Jahrhunderts — Sie können das leicht nachlesen in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» —, wäre nie möglich gewesen, wenn nicht die okkulten Fähigkeiten zurückgetreten wären. Gewisse Fähigkeiten bilden sich im Menschen aus, wenn andere zurücktreten. Aber während gewissermaßen die eine Art der Fähigkeiten, der Talente, nach außen sich ausbildet, geht die andere Art ihren inneren Weg. Diese drei, vier, fünf Jahrhunderte der materialistischen Entwickelung, sie waren deshalb für die spirituelle Entwickelung der Menschheit nicht etwa verloren. Unter der Schwelle des Bewußtseins hat sich das Spirituelle fortentwickelt; und wenn die Menschen das überdenken, was ich angedeutet habe in der Besprechung über Herrn von Wrangells Broschüre, über das, was er genannt hat das Traumhafte, so werden Sie heraufholen können die nur auf ihre Entfaltung wartenden okkulten Fähigkeiten. Sie sind da, sie sind in den Seelen der Menschen reichlich vorhanden, sie müssen nur heraufgeholt werden, in der richtigen Weise heraufgeholt werden.
[ 27 ] From all of this, however, you can see that materialism is not merely a subject for speculation, but something that must be understood in terms of the necessity of its emergence—particularly its peak or low point around the middle of the 19th century. The process, however, had already begun quite some time ago—three, four, or five centuries ago. During that time, people’s spiritual inclinations sank deeper and deeper into the subconscious. Thus, the mid-19th century merely marked the culmination of this process. But this was also necessary so that people’s purely materialistic talents could develop unhindered by occult abilities. A materialist philosopher like Kant—a materialist philosopher from the standpoint of the 19th-century idealists (as you can easily read in my book *The Riddles of Philosophy*)—would never have been possible had occult abilities not receded into the background. Certain abilities develop in human beings when others recede. But while, in a sense, one kind of ability—talent—develops outwardly, the other kind follows its inner path. These three, four, or five centuries of materialistic development were therefore by no means lost for the spiritual development of humanity. Beneath the threshold of consciousness, the spiritual has continued to develop; and when people reflect on what I hinted at in my discussion of Mr. von Wrangell’s pamphlet—on what he called the “dreamlike”—they will be able to bring forth the occult abilities that are merely waiting to unfold. They are there; they are abundantly present in people’s souls; they merely need to be brought to the surface—brought to the surface in the right way.
[ 28 ] Das sind die Dinge, die ich zunächst sagen mußte, um dann morgen überzugehen zu der Frage, welche Aussichten sich mit Bezug auf das Verhältnis zwischen Lebenden und Toten ergeben, wenn man berücksichtigt, wie aufklärend einerseits doch der falsche Weg gewesen ist, der sich aus dem Kompromiß der Exoteriker und Esoteriker ergeben hat. Gerade um den Zusammenhang des Wesens dieses Kompromisses zu erkennen, müssen wir die Betrachtungen über Geburt und Tod anstellen und dann den Zusammenhang mit den materialistischen Methoden zeigen.
[ 28 ] These are the points I had to address first, so that tomorrow I can move on to the question of what prospects arise regarding the relationship between the living and the dead, once we take into account how enlightening—on the one hand—the wrong path has been, the one that resulted from the compromise between the exotericists and the esotericists. Precisely in order to recognize the nature of this compromise, we must consider the concepts of birth and death and then demonstrate the connection to materialistic methods.
